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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 29, 1950, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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Der Marien-Monst Mai
Die Geschichte der Mai-Andachten
e i e e v o k s
i e n a i e n -L i e e
Maienmonat Marien-Monat!
Untrennbar scheinen uns diese Be
griffe miteinander verknüpft. Dennoch
reichen die Mai-Andacht wie über*
Haupt die Weihe des Mai an die
Muttergottes nicht etwa in so frühe
Zeit zurück, wie man anzunehmen ge
neigt sein möchte. N-ur ganz vereinzelt
finden sich während des späteren Mit
telalters Zeugnisse, die auf eine Be
ziehung des Mai-Monats zur Mutter
gottes hinzudeuten scheinen, so z. B.
aus dem Leben des seligen Heinrich
Sense. Erst um die Mitte des 17.
Jahrhunderts wird dieses Streben
deutlicher. Im Jahre 1654 erschien in
Aöln aus der Feder des Jesuiten Jo
Hann Nadasi ein Büchlein „Theophius
Marianus" mit marianischen Hebun
gen für die 31 Tage eines Monats,
ohne daß als solcher ausdrücklich der
Mai genannt wäre letzteres geschah
allerdings schon in den sechziger Jah
ren. Und bereits aus dem ^ahre 1641
liegt ein Luzerner Einzeldruck vor mit
der Aufschrist: „Ter Seelen Trostgar
ten. Das ist: Ein schön new Lied, zu
Lob und Ehren der Allerseligsten
ubergebenedyten Gebärerin und Mut
ter Gottes Marine", das mit einem
Preis des Maien anhebt:
Tröstlicher, schöner Maie,
Fröhliche Sommerzeit,
Willst alle Welt erfreuen,
Zumal die Christenheit
Die Lilien zart und Rosen,
Nun springen auf die Blümeleitt,
Die lieben Veigelein.
Doch sollte es noch lange dauern,
ehe es zu besonderen marianischen
Gottesdiensten während des Monats
Mai kam. Am frühesten war das in
Italien der Fall, wo sich etwa seit
1725 von Jesuiten verfaßte Marien
Büchlein für den Mai-Monat nach
weisen lassen. Freilich blieben auch
dort noch bis zum Ende des achtzehn
ten Jahrhunderts marianische Mai
Andachten auf einige wenige Kirchen
beschränkt. Seit 1803 hielt dann ein
Mitglied des inzwischen aufgelösten
Jesuitenordens, Alfons Muzzarelli,
der an die päpstliche Kurie berufen
worden war, in einer römischen Kirche
regelmäßig Mai-Andachten ab, die
um jo mehr Beachtung fanden, seit
dem Pius VII. sie durch seine Ablaß
defrete vorn 21. März 1815 und vom
18. Juni 1822 kirchlich in besonderer
Weise gutgeheißen hatte.
Aeußere Umstände führten dazu,
daß 1810 die Mai-Andacht auch be
reits hier und da in Frankreich be
kannt wurde. Erst in der zweiten
Hälfte der dreißiger Jahre fand die
Mai-Andacht in Belgien ziemlich all
gemein Eingang 1840 wurde sie auch
in der Lütticher Redemptoristenkirche
eingeführt. Von dieser Grenzdiözese
aus drang sie in die Nachbargebiete
ein, so 1844 nach Holland. Bereits
zwei Jahre früher war sie auch im
Rheinland bekannt geworden.
Im Jahre 1838 hatte in Aachen
der Kaplan an St. Foillan, Wilhelm
Sartorius (geboren 1805 zu Alden
hoven-Bedburdyk, gestorben 1880 als
Oberpfarrer an St. Michael in
Aachen-Burtscheid), in einem Garten
bau des elterlichen Hauses der Mutter
Klara Fey, der Gründerin der Schwe
stern vom Armen Kinde Jesus, eine
Johannes-Küche für die Armen seiner
Pfarrei eingerichtet. In diesem Hause
der Karitas hielt Kaplan Sartorius
seit dem 1. Mai 1842 mit seinen Ar
men Mai-Andacht es war wohl die
erste überhaupt, die auf deutschem
Boden stattfand. „Ohne die Johannes
Küche," äußerte sich Sartorius ein
mal, „die mit Gewalt auf diesen
Gedanken hinführte, wäre ich wohl
nicht darauf verfallen." Im Mittel
Punkt dieser Mai-Andachten stellte der
eifrige Priester einen Zyklus von Ma
rietvPretogten. Die Mai-Andachten
der Johannes-Küche.fanden einen sol
chen Anklang, daß man bald nicht nur
in vielen Aachener Kirchen das Bei
spiel nachahmte, sondern auch an an
deren Orten in der Nähe und Ferne.
In München wurde die Mai-Andacht
zuerst im Jahre 1843 gehalten.
In, demselben Maimonat 1842, da
in Aachen die Mai-Andacht eingeführt
wurde, dichtete in Rom Guido Görres,
der Sohn Joseph von Görres', seine
„Marien-Lieder zur Feier der Mai
Andacht" als „Blumen dankbarer Er
innerung auf das Grab des Dichters
Clemens Brentano". Diese Samm
lung von Marien-Liedern, die 1843 in
München gedruckt wurde und im fol
genden Jahre bereits in zweiter Auf
lage erschien, hat die Mai-Andacht in
deutschen Landen sehr gefördert. Viele
der Görres'schen Dichtungen mit ihrer
jubelnden Farbigkeit sind zu den
volkstümlichsten Maienliedern gewor
den, so um nur die bekanntesten
zu nennen „Maria, Maienkönigin,
dich will der Mai begrüßen", „Es
blüht der Blumen eine auf ewig grü
ner Au", „Wir grüßen dich heute mit
frohem Sinn, Maria, der Engel Köni
gin" und „Geleite durch die Welle das
Schifflein treu und mild", das mit
dem Zusatz „Für rheinische Wallfah
rer" abgedruckt ist.
Es kam Görres' Marien-Liedern
zugute, daß sogleich maienfrohe Sing
weisen zu ihnen entstanden. Es muß
hier vor allem des bayrischen Hos
kapellmeisters Kaspar Aiblinger ge
dacht werden, der 1845 seine Kompo
sitionen zu vierzig der von Guido
Görres gedichteten Marien-Liedern er
scheinen ließ in der Aiblinger'schen
Tonsetzung wird „Maria Maieitköni
giit" und „Geleite durch die Welle"
immer wieder gesungen. Andere Mei
ster wetteifern mit Aiblinger, am er
folgreichsten P. Anselm Schubinger,
dessen Komposition zu dem Lied „Es
blüht der Blumen eine" noch heute
allgemein üblich ist. Von dem Kölner
Pfarrer Albert Gereon Stein stammt
die bis heute gesungene Melodie zu
dem Mai-Lied „Wir grüßen dich heute
mit frohem Sinn" der Aachener
Stiftskapellmeister Heinrich Böckeier
schuf die bekannte Singweife zu dem
Lied „Singt freudig Lobeslieder und
dankt und jubelt laut".
ES ist ein reicher Kranz von volks
tümlichen Mai-Liedern, die alsbald
nach Einführung der Mai-Andacht
entstanden, und sie trugen nicht wenig
dazu bei, der Mai-Andacht bei den
Gläubigen eine Beliebtheit zu ver
schaffen wie kaum einer anderen An
dachtsübung.
Das junge Grün
Von I. Behrens
Tu junges Grün, du frisches Gras,
Wie manches Herz durch dich genas!
Wie ist es doch jetzt eine Wonne,
durch die Frühlingsnatur zu schreiten,
den Blick in den frischen, zarten Farb
ton des jungen Grüns zu tauchen
wie wohl tut das dem Auge, das durch
das leblose Alltagsgrau, die Farbe der
Straße und des Staubes ermüdet ist!
Am schönsten ist's in der Frühe, wenn
die Sonne jedes Tautröpfchen an den
Gras- und Halmspitzen in Diamanten
verwandelt und jedes Blatt mit einem
goldigen Schimmer überzieht. Fein
und lieblich ist der Reiz des jungen
Grüns', wie ein zarter Flaum, und be
sonders anziehend durch die Wirkung
des Gegensatzes, wenn aus dem Tun
fei der Tannen, deren Zweige selbst
mit den hellen jungen Sprossen geziert
sind, das fröhliche Grün der Lärchen
oder der Laubbäume hervorquillt.
Immer wieder wendet sich das
Auge dem grünen Waldmeere zu oder
blickt empor am Stamme einer Wald
königin, hinauf zu ihrer grüngolden
schimmernden Krone. Es ist wie eine
Huldigung nicht nur vor der hoheits
vollen Gestalt, sondern auch vor der
Farbe der Hoffnung. Auch wissen
schaftlich ist ja festgestellt, daß feine
Farbe den Sehnerven so wohltut und
sie so beruhigt wie die grüne, und doch
nicht so beruhigt, daß sie schlaff und
schläfrig werden, fonder» erfrischt,
einen angenehmen, gleichmäßigen
Reiz empfangen. Es sind freudige
Gefühle, Stimmungen festlicher Lust
und Begeisterung und sanfter Trö
stung, die im Menschenherzen erwa
chen, wenn das Auge ins Grüne
schaut. Wir können uns keine Feier
eines religiösen oder vaterländischen
Festes, keine Familienfeier denken
ohne den grünen Schmuck, ja, die gro
ßen Bogen der Kränze und die Kro
nen an den Fahnenmasten, die Ver
zierungen an Triumphbogen und Tri
bünen erhöhen die Festesstimmung
mehr als ein bunter Flitter und
schreiende Farben. Wie herrlich wirken
die jungen Birken mit ihren grünen,
jungfräulichen Lockenhäuptern, wenn
sie am hohen Fronleichnamsfeste die
Straßen säumen, durch die die glän
zende Prozession sich bewegt welch
wirkungsvollen Hintergrund erhalten
die prunkvollen Altäre erst durch den
grünen Hain der Halmen und Lor
beerbäume, und wie mächtig erhöht
sich der Eindruck des Festlichen, Hoch
feierlichen, wenn Chor, Säulen und
Pfeiler des Gotteshauses im Schmuck
grüner Bäume dastehen. Gewiß ist
das fein Zufall und feine Willkür,
sondern ein folgerichtiger Zwang, dem
wir uns gern hingeben. Das lebens
frische, zugleich beruhigende und an
regende Grün wirkt durch das Auge
wie durch ein Brennglas auf das
ganze Nervensystem^ daS Saitenspiel
OHIO-WAISENFREUND
der Seele, und stimmt es harmonisch,
damit auf ihm die Seele volle, rein
klingende Akkorde heiliger, edler
Freude und Hoffnung und liebenden
Trostes spiele und sich aufschwinge aus
dem „grauen Elend" des Lebens ins
Reich der ewigen Harmonien. Oder
sollte es ein Zufall, eine Täuschung
sein, wenn der grüne Schmuck, der den
Sarg und dann den Hügel unserer
Lieben bedeckt, uns wundersam be
ruhigt und tröstet, wenn wir das ge
radezu zwingende Bedürfnis haben,
die Ruhestätte teurer Entschlafener
immer mit dem Grün der Hoffnung
zu zieren? Nein, es ist der geheimnis
volle innere Zusammenhang zwischen
Natur und überirdischer Welt, der sich
auch hier betätigt und den das Tier
nicht kennt und nicht time wird: Wie
das Grün in der Natur nicht auszu
rotten ist, sondern immer wieder neu
und kraftvoll emporschießt, sobald
Licht und Wärme ihre Arbeit begin
nen, so ist unsere Hoffnung gewiß und
untrüglich, daß Sterben nur eine Ver
wandlung bedeutet, daß es ein Auf
erstehen, ein Wiedersehen geben wird
im ewigen Lichte und in der warmen
Vaterliebe unseres Gottes.
Du junges Grün! So rufen wir
auch freudigen und zugleich wehmüti
gen Herzens aus beim Anblick der fest
lich geschmückten Kinderschar, die sich
zum ersten Male dem Tische des gött
lichen Kinderfreundes naht. In wo
chenlanger, gewissenhafter Arbeit hat
der ehrwürdige Seelsorger die jungen
Herzen vorbereitet und mit dem Ge
schick des erfahrenen Lehrers über das
größte Wunder und Geheimnis unse
rer Religion unterrichtet, damit die
ihm Anvertrauten, über die er einst
Rechenschaft ablegen muß, nicht nur
Glaubende, sondern auch Wissende
seien. Wie oft hat er schon in vielleicht
jahrzehntelanger Hirtenarbeit dieses
Amtes gewaltet, immer mit neuer
Hoffnung wieder die Kinder dem Wei
ßen Sonntag entgegengeführt, mußte
er auch hier und da Enttäuschung und
Undank erleben!
Wo hat es da gefehlt? Haben wir
es nicht an uns fehlen lassen? Diese
Frage legen sich wohl am Tage der
heiligen Erstkommunion, wenn die
festliche Kinderschar vor dem Altare
die Taufgelübde erneuert, alle Eltern
vor, mögen fie sich dieses Jahr des
Glückes unserer Kinder, erfreuen oder
mögen schon Jahre feit jenem Glücks
tage vergangen fein. Haben wir, jo
fragen sie sich, mitgearbeitet im seel
sorglichen Wirken, durch gutes Bei
spiel, durch Wachsamkeit: war das
Elternhaus den Kindern wirklich der
sichere Hort, an den sie sich stets auch
in der Fremde und Ferne gern und
mit reinen Gefühlen erinnern konn
ten? Haben wir, einig in der Kinder
erziehung, auch nach dem Weißen
Sonntag, und der Schulentlassung
haben wir den Umgang unserer heran
wachsenden Kinder überwacht haben
wir den festen Zusammenhalt in der
Familie gepflegt, den Söhnen und
Töchtern angemessene, edle Jugend
freuden verschafft, damit sie vor der
Sucht nach unschicklichem Ersatz be
wahrt blieben Haben wir ihnen auch
den nötigen Ernst der Arbeit und der
persönlichen Verantwortung einge
pflanzt und sie gelehrt, daß das Leben
kein tändelndes Spiel ist? Ach, wie
manches hoffnungsvolle Grün ist
durch Eltern schuld verwelkt, und das
religiöse Leben, Charakter und
Grundsätze sind verkümmert oder
ganz im Strome des Lebens versun
ken! Möge der Weiße Sonntag den
Eltern, die sich anklagen müssen, An
laß sein, zu retten, was noch zu retten
ist. Tie anderen, die sich ihrer Er
ziehungsfrüchte freuen dürfen, mögen
nun nicht ihre Aufgabe für abgeschlos
sen halten, sondern gerade jetzt, wenn
der junge Mensch nach der Schulzeit
ins Leben, zur beruflichen Ausbil
dung eintritt oder einer höheren
Schule übergeben wird, das Bäum
chen bewachen, ihm Halt und Wehr
geben, damit es in dem guten Erd
reich, in das es gepflanzt ist, Wurzel
fasse, blühe und Früchte bringe, an
denen zwar die Wespen nagen, die
aber gut und wertvoll sind.
Willfommert du junges Grün!
rufen auch Lehrer und Lehrerinnen
aus, denen die Sechsjährigen anver
traut werden. Stramm, voll Eifer
und der neuen Würde sich bewußt
marschieren die Abc-Schützen, den
neuen Schülsack auf dem Rücken, dem
Schulhause zu. Ein wichtiger, neuer
Lebensabschnitt beginnt. Auch hier
gilt für die Eltern der Grundsatz der
Einigkeit, das heißt unentwegtes Zu
sammenwirken mit der Schule. Auch
sie muß ja, wenn sie ihre Aufgabe er
füllen foil, nicht nur lehren, ein ge
wisses Maß von Kenntnissen und Fer
tigkeiten vermitteln, sondern auch er
ziehen und gerade in diesem Zweige
bedarf sie der elterlichen Mitwirkung.
Vor allem darf der Schule im Eltern»
hause nicht entgegengearbeitet werden,
indem man gegen sie für das Kind
Partei ergreift, mit dem Kinde über
Lehrpersonen und Schuleinrichtungen
abfällig urteilt. Glaubt man Grund
zur Beschwerde zu haben, so berate
mart sich doch vor allem mit dem Leh
rer oder der Lehrerin und spreche über
diese stets nur mit Takt und Anstand.
Eltern unterstützen auch die Schule,
indem sie die Hausaufgaben der Kin
der überwachen: dabei hüte man sich
aber vor dem „Helfen". Eine der wich
tigsten Aufgaben ist ja die Erziehung
zur Selbsttätigkeit und Selbständig
feit, wozu der Grund schon im vor«
schulpflichtigen Kindesalter gelegt
werden muß. Beobachten wir doch
unsere Kleinen: wie eifrig drängen
sie danach, den natürlichen Tätigkeits
trieb ungehindert und unbeeinflußt
auszuüben, wie stolz sind sie auf ihre
eigenen Erfolge beim Spielen! Es ist
also grundverkehrt, hier eingreifen,
vorgreifen zu wollen. Unselbständig
feit, Unbeholfenheit und Willens- und
Charafterschwächc sind Folgen solcher
Torheit. Gewöhne und erziehe also
dein. Kind zur gewissenhaften Erledi
guitg feiner Schulaufgaben erst die
Arbeit, dann das Spiel! Aber laß es
lieber eine Aufgabe, wenn es sie viel
leicht aus Unaufmerksamfeit nicht ver
standen, nicht ausführen, als daß du
sie ibm besorgst! sodann greife auch
der Schule nicht vor, indem du dem
Kinde allerlei „beibringst", um damit
eitel glänzen zu fönneit, was das Kind
alles schon vor seinen Altersgenossen
voraus hat. Tie Natur macht keine
Sprünge, sondern entwickelt und läßt
alles nach und nach heranreifen. Nach
er ml) reiten Lehrern und Lehrerinnen
kann solche Frühreife gleich Treib
hauspflanzen bald „abfallen" und
nachlassen, ja sogar weit hinter ande
ren zurückbleiben.
Wirken so die Eltern mit der Schule
in Eintracht und gegenseitiger Wert
schätzung, dann wird das Gedeihen
nicht fehlen, besonders wenn das reit
giöfe Leben auch im Elternhause ge
wissenhaft gepflegt wird, so daß der
„Segen von oben" nicht fehlt. Ein Hel
ler. wissender Kopf, ein willensstarfer
Charaktermensch, den matt int Leben,
in der menschlichen Gesellschaft an den
Platz stellen kann, den er ausfüllt, treu
seinem Gott, treu seiner Pflicht, das
ist's was der junge Mensch werden
soll, sonst bleibt er allezeit ein „grü
ner Junge", ein Schwächling.
Tas Hoffnungsgrüit der Früh
lingsnatur foil uns alfo zur Freude
stimmen, aber auch die Ueberzeugung
von der eigenen Verantwortung für
das Jugendgrün der Menschheit in
uns stärken. Diese Mahnung des
Frühlings gilt allen, die zur Erzieh
ung berufen sind möge sie hindurch
klingen auch durch den Sommer und
Herbst des Lebens, bis sie nach treuer,
gewissenhafter Pflichterfüllung zum
beseligenden A us klang wird.
Baa Eatib der Verheihung
Wo dürres Holz ist an dem welt
iiberfchattenbeit Bannte, unter dem die
Völker der Erde wohnen sollen, da
sendet Er den Sturm, der das dürre
Geäst und Gezweig herausbricht, mag
der Baum aus noch so vielen Wunden
dabei bluten.
Gott spart ihm keine dieser Wun
den, wo immer es nicht mehr anders
gehen will wenn das Reich der
großen, heiligen Verheißungen Gottes
nicht mehr anders vorwärtskommen
kann auf der Welt. Daß wir Söhne
und Töchter der Kirche das doch nie
vergäßen! Daß wir in Sturmeszeiten
uns doch immer fragen wollten:
„Herr, womit haben Herde und Hir
ten verdient, daß Tu fie wieder einmal
Wüstentoege gehen läßt dem Reiche
Deiner Verheißungen entgegen?"
Daß wir dann doch die Hände falten
wollten zum Gebet aber daß wir
sie auch ballen wollten zur helfenden
Tat, wo immer nur Gebet und Tat
Hilfe zu schaffen vermögen! Zur Zeit
der kirchenfeindlichen Gesetze und
Maßnahmen im neuzeitlichen Frank
reich hat man dort, sicherlich in bester
Abficht und mit dem treuen Willen,
der Kirche zu dienen, einen „Rosen
kranzkreuzzug" gepredigt. Oh, der
Rosenkranz ist, versteht ihn einer nur
recht zu beten, ein schönes und ein
heiliges und ein wirkungsvolles Ge
bet aber mit Gebetskreuzzügen
allein werden die großen Geistes
kämpfe nie und nimmer gewonnen.
Tas gelobte Land unserer Verheißun
gen und Hoffnungen will erobert fein
durch das Rittertum der zur heiligen
Tat Bereiten.
Aber laßt uns einen Blick in das
gelobte Land werfen und in all das,
was es an heiligen Gütern für uns
birgt!
„Ich hoffe alles Gute des Leibes
und der Seele", fo beten wir. Tas
heißt, wir erwarten voll heiliger Zu
versicht, daß uns der allmächtige, gü
tige und barmherzige Gott alles geben
werde, was wir zum Wohle des Leibes
und zum Heile der Seele brauchen.
Ja, Er gibt es uns aber für ge
wöhnlich läßt uns Gott das alles nicht
vom Himmer fallen wie einen golde
neu Traum. Er kamt Wunder wirken,
wann und wo Er will und viel
leicht gibt es mehr wunderbare Ge
betserhörungen auf der Welt, als
unser leicht skeptischer Versland es
glauben möchte. Aber zunächst hat kein
Mensch ein Recht, Gottes Hilfe auf
Wunderwegen zu erwarten, wo ihm
diefe Gotteshilfe aus gewöhnlichen
Wegen zuteil werden kann. Gott bläst
nicht die Bazillen und die Fiebermias
nten hinweg aus der Luft, aber Er
ruft zum Kampfe auf gegen die
Krankheit und die in ihrem Gefolge
schreitende Not und schafft immer
nette Ordensbentte zur Pflege der
Kranken und Stechen. Er schafft die
begeisterten Hilfsaktionen für Kriegs
verwundete und Kriegshinterbliebene.
Gott vertreibt für gewöhnlich nicht
selbst die Not aus den Häusern, aber
Er ruft auf zur Teilnahme an der
Karitas und zur sozialen Arbeit und
erweckt immer neue Führer und Hilfs
kräfte für die unabsehbaren Arbeits
felder dieser Gebiete. Er ist der Gott
der Barmherzigkeit, der die Werke der
leiblichen Barmherzigkeit von den
I Händen der Menschen vollbracht sehen
möchte. Gott läßt die irdische und
himmlische Weisheit ihren Einzug in
die Menfchettföpfc halten nicht über
Nacht und wie im Traum, aber Er ist
der Vater allen Lichtes, der das rast
lose 'Streben der Wissenschaft nach
Wahrheit will Er ist der Gott der Er
leuchtungen und der großen, schöpferi
schen Inspirationen Er ist der Gott
der sieben Geistes gaben der Gott der
Lehrberufe, der Missionsberufe: Er ist
der Gott der Barmherzigkeit, der die
Werke der geistlichen Barmherzigkeit
von den Seelen der Menschen an den
«eelen ihrer Mitmenschen getan sehen
will.
„Ich hoffe insbesondere die Ver
zeihung meiner Sünden", so beten
wir weiter. ,,Dieu me pardonnera.
e'est son metier", soll Heinrich Heilte
auf dem Sterbebett gesprochen haben.
Nein, Gottes „Geschäft" ist das Ver
zeihen nicht. Es ist eilt Ausfluß Sei
ner abgrundlosen Barmherzigkeit, und
nichts tut Gott lieber als verzeihen
und immer wieder verzeihen. Jedoch
holt man sich Gottes Verzeihung nicht,
wie man sich die Tinge des gewöhn
lichen Lebens irgendwo kauft und holt.
Ter Priester betet, wenn er die Worte
der Losfprechung über einen Sünder
spricht: „Unser Herr Jesus Christus
spreche dich los, und ich spreche dich
los fräst meiner Vollmacht, soweit ich
kamt und soweit du es nötig hast."
Also: „soweit ich kann"! Wer sich nicht
selber losringt von der Sünde, von
ihr sich lossagt in ernster Reue und in
klarem und entschiedenem Willen zur
Lebensbesseriutg und Genugtuung,
dem vermag kein Priester der Welt
zu helfen und ein gültiges Losfpre
chungswort zu sagen.
„Ich erwarte Teine heilige Gnade
int Leben und im Tode." Seine
Gnade gibt Gott jedem, der Ihn dar
um bittet. Aber aller Sonnenschein
und aller Regen zeitigt keine Ernte,
die uns' das tägliche Brot gewährt,
wenn nicht die Menschenhand sich regt
und das Ackerfeld bebaut. Und so wird
die Gnade Gottes nur in dem Men
schen ihre Früchte bringen, der Me,
Hand an den Pflug legt, um ihn durch
irgendein Arbeitsfeld der Erde zu
führen, auf daß ein Ackerfeld und
eilt Erntefeld Gottes daraus werde.
Turch das Arbeitsfeld der eigenen
Seele zuerst. Wer will anderen im
Ernste eine Hilfe bringen, solange er
selber noch ohnmächtig und hilflos ist
in seinem eigenen Innern? Ein Spiel
ball der Laune, ein Federball jeglicher
Lust und Leidenschaft? Und wer
fönnte, wenn er selber einmal den
Weg zum heiligen Lande der Verhei
ßung gesunden hat, froh fein und mit
heiterer Stinte feine Tage durchwan
dern, solange er andere noch irregehen
sieht? Wie viele Arbeiter fehlen noch
in den Erntefeldern und Weinber
gen Gottes Arbeiter und Arbeite
rinnen? Wie viele Gottessaaten sind
noch zu säen und Gottesernten vorzu
bereiten in Familie, Schule und
Staatsleben in Spitälern, Lazaret
ten, Kliniken und Krattfeitstuben in
tausend und abertausend Häusern, in
denen die Not mit am Tische sitzt und
die Sorgen an den Betten von Men
schen stehen, die vor Hammer, vox
äußerer imb innerer Not feinen
3
Schlummer finden können? Wie viel
Hilfe, bitter notwendige Hilfe wäre
noch zu bringen für Zweifelnde und
von feinem Zurechtgewiesene für
Sinfende, die niemand hält und hebt
für Trauernde, die keiner tröstet für
Verirrte, denen nur der gütige, ver
stehende, starke Führer fehlt für halb
und ganz Verlorene, die niemand
fuchen geht?
Gottes Hände sind offen zum Gna
denspenden Er sucht nur Menschen,
von heiligem Feuer erfüllte Menschen,
die für Ihn tätig sein wollen mit gan
zer und ungeteilter Seele. Warum
meldest du dich nicht? Warum springst
du nicht auf und sagst mit leuchtenden
Augen: ,,Ecce ego, mitte me! Sieh,
da bin ich, sende mich!" Warum bist
du einer von den vielen irren Men
schen. von den Liebenden einer, die da
glauben, man könne sich das Himmel
reich, das heilige Land der Verhei
ßung, erträumen? Ja, erträumen,
statt es mit Gewalt an sich zu reißen!
Warum siehst du den Heiland der
Welt durch die Reiten gehen mit Sei
nem Kreuze beladen siehst dieses
Kreuz immer schwerer werden un5
warum tust du nichts, um es zu er
leichtern? Feuerseelen braucht der
ewige Gott, die Seinem Volke voran
gehen und, wo es not tut, voranitür
nten, um dem Gottesvolke das Land
der Verheißung erobern zu helfen
das wunderbare Land, das nach dem
furchtbaren Kriegsläuterungsfeuer
überall auf dieser Welt erstehen sollte.
Tas Land, in dem alle wie Brüder
und Schwestern gegeneinander ge
sinnt sein wollen und sollen ... in
dem der Hader, der Neid, das Sich
111 ch tn
er steh ei
two
II
en erschlagen wer
den muß wie Giftgewürm in
dem kein Hungernder und kein Dar
bender sein darf, ohne daß ein Ge
sättigter das Brot mit ihm teilt
das Land, in dem fein Krüppel sein
darf, ohne daß ihm durch die verein
ten, ohne Murren hingegebenen Opfer
der anderen geholfen wird ... in dem
feine Witwe untergehen darf in
Not, weil ihr die Teilnahme, der Rat,
die Hilfe fehlte das Land, in dem
feine Waife hoffnungslose Tränen
weinen darf, ohne daß ihr weiche
und doch starfe Hände Wege bah
nen das Land, in dem man den
brutalen Egoisten, den Wucherer und
Ausbeuter brandmarkt ... in dem
nicht mehr niedrige Berechnung, gei
zige Gewinnsucht, kleinliche Ehrsucht
und Titelsucht die Triebfeder des Han
delns für Hunderttausende bildet.
das Land, in dem Gegensätze sein wer
den, weil Menschen sein werden aber
Gegensätze ohne die gähnenden Ab
gründe zwischen Mensch und Mensch.
Partei^ und Partei, Konfession und
Konfession, die uns ehedem in feind
liche Lager gespalten haben, wie sie nie
und nimm er sein dürften unter Men
fchen, die doch Söhne und Töchter ein
mii) derselben Heimat sind, das Brot
dieser Heimat essen, die Luft dieser
Heimat atmen, von den großen und
heiligen Erinnerungen dieser Heimat
leben, die große Not dieser Heimat zu
sammen durchlitten haben und in
Tagen gemeinsamen Bangens und ge
mein somen Hoffens, gemeinsamen
Tragens und Entsagens endlich, end
lich einmal zusammengeschmiedet wor
den seilt sollten, so daß sie feine Ge
walt der Welt mehr auseinanderspren
gen und zu gegenseitiger Befehdung
bringen dürfte. O Heimatland, gro
ßes, schöne Heimatland wann wirst
du jedem das Land sein, an dessen
Größe Größe nicht im Sinuc
äußerer Macht allein er das
Beste feiner Kraft zu fetzen entschlos
sen ist?
Wer so ander irdischen Heimat mit
baut, der braucht gewiß darüber die
ewige nicht zu vergessen. Im Gegen
teil: der wird gerade um der Unvoll
fommettheit der irdischen willen sich
um so mehr nach der ewigen fehlten
ist ja doch, recht betrachtet, alles, was
wir hier tun und leisten fönnert, nur
ein Provisorium oder, besser gesagt,
ein Präludium.
Und das ist denn das letzte, was wir
von Gott erhoffen: das Land der ewi
gen Verheißungen ... wo einmal kein
flackern und Wiederaufflammen und
Halbertöschen mehr in uns sein wird,
sondern das große, stille Leuchten der
Reife, des Ueberwuitdenliabens
feine Kluft mehr zwischen Wollen und
Können, zwischen „Soll" und „Möch
te" feine Trennung mehr zwischen
Hoffnung und Verheißung. Nach dem
Land aber laßt uit» jeden, jeden Am?
die Arme breiten.. .1
m»»»»» Qjjy MQf]£
(«««««(«MUH

29. April
Von Tr. I. K u
U.S. SAVINGS BONDS,
t!t»fr»»»»»»»»

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