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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 13, 1950, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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IS»MM
PkngÄm
Sende aus deinen Geist und
alles wird neu erschaffen
Und das Angesicht der Erde
wirst du erneuern!
1
So tönt es wieder durch die Kir
chenhallen wie alljährlich zum heili
gen. Psingstfest. Wie alljährlich! Oh,
es sind dieselben Worte, dieselben
Töne, aber ein anderer Klang, ein
Klang von anderer Fülle und Kraft,
von einer Innigkeit und Herzens
gewalt, wie selten in den neunzehn
hundert Pftngsttagen der christlichen
Weltgeschichte. Haben es früher
Tausende von treuen Christusjüngern
gerufen, so dringt es heuer aus Mil
lionen Herzen wie der Sehnsuchts
schrei eines ganzen Volkes in der heili
gen Stunde göttlicher Heimsuchung
hervor.
Unter Sturm und Feuer kam einst
der Geist Gottes über die ersten Chri
sten, der welterneuernde, das An
gesicht der Erde umgestaltende Geist,
der Geist feuerflammenden Christen
tums, der wie ein Sturmwind so vie
les Alte und Morsche hinwegfegte, mit
reinigender, lebenerweckender Kraft
den Erdkreis erfüllte.
Unter Sturm- und Feuerzeichen
einer ernsten, schweren Zeit will sich
ein neuer Geist, der Geist des Herrn
so lange und so viel verachtet
auf die Menschheit herabsenken. Heiß
erflehen es Unzählige: Veni Sancte
Spiritus!
Breit und behäbig hatte sich ein
anderer Geist über der Erde nieder
gelassen, der nicht aus der Höhe, son
dern aus der Tiefe stammte. Der Geist
des Radikalismus und Nihilismus
auf allen Gebieten, in Kunst und Wis
senschaft, in Theorie und Praxis des
sozialen Lebens, der „allmächtige"
Zeitgeist, der an der Vernichutng aller
göttlichen und menschlichen Autorität
arbeitete. Vergeblich schien das Be
mühen der Gottesstreiter, gegen die
sen unbezwinglichen Despoten, der
alles terrorisierte, anzukämpfen. Wer
wollte noch gegen den Strom schwim
men? Es war eben der Geist der Zeit.
Vergeblich war der Hiuweis auf das
Goethe-Wort:
Was ihr den Geist der Zeiten heißt.
Das ist im Grunde nur der Herren
eig'ner Geist.
Vergeblich brach sich alle Forderung
einer Umwandlung der Geister an der
Felsenhärte des Widerstandes. Radi
kalismus, Nihilismus, Materialis
mus, übersättigtes Kulturprotzentum,
himmelstürmendes und sich selbst ver
götterndes Uebermenschentum das
war der Promotheus-Geist, der das
Feuer vom Himmer herunterholen
wollte, der die Menschheit in eiserne
Fesseln schmiedete und die Rache des
Ewigen herabrief. Wie einer der
Fackelträger einen neuen Bewegung
(Lasalle) seinen Arbeiterbataillonen
zugerufen hatte: „Ich will ein Licht
anzünden, das die ganze Welt in
Brand stecken soll" ein verheeren
des Feuer, 6cts das Angesicht der Welt
nicht erneute, sondern verunstaltete,
zerstörte ein Kains-Feuer, das im
Rauch und Qualm zur Erde sich
senkte.
Cooper schildert uns in seinen Er
zählungen einen Präriebrand. Eine
Gesellschaft von Männern und Frauen
befindet sich auf der Flucht vor den
Rothäuten im Versteck, in dem Dickicht
der Prärie. Plötzlich entdecken sie eine
feurige Röte am Horizont: „Wehe,
der Feind ist hinter uns her er hat
die Prärie in Brand gesteckt! Unauf
haltsam dringt der Flammengürtel
vor. Flucht ist unmöglich." Da be
fiehlt der Führer voll Ruhe und
Siegesgewißheit, das dünne Gras um
sie her auszurupfen und im Kreise
aufzuschichten. Selbst steckt er diesen
Graswall in Brand da nun die
Flamme nach dem Innern des Kreises
keine Nahrung findet, greift sie immer
weiter und weiter hinaus und es
rückt Feuer gegen Feuer: der selbst
geschaffene Feuerbrand gegen das
große Flammenmeer der Prärie, das
jedoch ohnmächtig zurückweichen muß,
weil es keine Nahrung mehr vor
findet.
So lautet auch die Pfingstparole:
Feuer gegen Feuer das heilige
Pfingstfeuer aus der Höhe gegen den
verheerenden Brand aus der Tiefe!
Veni Sancte Spirtus! Sende deines
Lichtes Strahl!"
Das Feuer reinigt das Metall von
allen Schlacken, gibt ihm neuenGlanz,
löst und schmilzt das Getrennte zu
sammen, verschönt und verjüngt die
Formen, „erneuert sein Angesicht".'
Der Geist Gottes reinige, erneue,
einige, verjünge das Volksleben unter
den Sturm- und Feuerzeichen des
herrschenden Unfriedens. Er schaffe
recht viele, echte Pfingstmenschen,
geisterleuchtete, christliche Persönlich
feiten mit flammenden Herzen und
flammenden Zungen, denen die
Pfingstgeschichte nicht wie ein Mär
chen ist aus uralten Tagen mit der
Überschrift: „Es war einmal"
sondern die Geschichte ihres Lebens
die mit lodernden Flammen gläubi
ger Begeisterung anderen voranleuch
ten und recht viele Falte, tot? Herzen
entzünden. Et renovabis faciem ter
rae!
Hat nicht das Sturmesbrausen der
Zeitübel „gleich einem plötzlich daher
fahrenden gewaltigen Orkan" schon
„das ganze Haus erfüllt" und so man
ches Morsche hinweggefegt? Fing nicht
das heilige Pfingstfest an, in so man
chen Herzen zu glühen? Ja, so
groß auch die äußeren weltgeschicht
lichen Folgen der jetzigen Weltzerris
senhcit sein mögen, vor dem hellen
Schein dieses heiligen Pfingstfeuers,
das jetzt überall in den Herzen ange
zündet wird, müssen sie erbleichen wie
die Sterne vor der Sonne. Das ist die
schönste Erneuerung, eine Erneuerung
in der Tiefe, von Grund auf.
Einst rief Elias den Baalspriestern
zu: „Aus dem Feuer spricht Gott"
(3. Kap. 18). Helle Wahrheit! Wie
aus dem Feuer des Dornbusches, aus
dem Altarfeuer des Elias, aus der
von glühender Kohle entzündeten
Feuerzunge des Bußpredigers Je
saias, aus dem Pfingstfeuer der Apo
stel, so spricht Er auch aus dem Feuer
des Weltbrandes, aus dem Pfinst
feucr, das Er in so vielen Seelen an
gezündet hat. Möge nur jeder diese
Sprache verstehen! Möge es sein „ein
Feuer, vom Himmel gebracht, auf daß
es brenne" (Luk 12, 46) brenne für
lange, lange Zeiten und leuchte wie
die Morgenröte einer besseren Zu
kunft. Dieses heilige Feuer erfülle alle
Herzen! Feuer gegen Feuer! Das hei
lige Feuer der Liebe gegen den Brand
des Hasses. Das Feuer der Läuterung
gegen die Flammen aus der Tiefe!
Das sei die Mobilmachung des
Pfingstgeistes! Das sei Sieg über
den tyrannischen Zeitgeist! Et reno
vabis faciem terrae!
So komme denn, Geist Gottes!
Geist des Lichtes und der Kraft!
Komme auch du, Geist des Trostes,
und heile wunde Herzen!
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit
Heile, was verwundet ist,
Wärme, was erkaltet ist.
Lenke, was da irregeht!
Mit diesem Pfingstruf beseelt, von
diesem Pfingstfeuer entflammt, kön
nen wir dann vor den Pfingstaltar
treten wie einst unsere Heldenväter
vor hundert Jahren, als ein neuer
Geist ein neues Volk gebar, und mit
frohem Sinn Theodor Körners Wei
helied sprechen:
Wir treten hier im Gotteshaus
Mit frohem Mut zusammen
Uns ruft die Pflicht zum Kampf hin
aus.
Und alle Herzen flammen!
Denn was uns mahnt zu Sieg und
Schlacht,
Hat Gott ja selber angefacht!
Dem Herrn allein die Ehre!
Rev. E. J.
Ler Alltag der The
Ein seeleneifriger Pfarrer stieg ein
mal an einem Sonntag mit der Bibel
auf die Kanzel. Das war für die
Gläubigen etwas Auffallendes. Nach
dem der Geistliche aus dem kleinen
Buch das Sonntagsevangelium ver
lesen hatte, nahm er die große Bibel
zur Haiti), schlug sie auf und sprach:
„Ich möchte heute für die Frauen eine
Predigt halten, und zwar nur für sie.
Damit aber feine diese Predigt übel
nimmt, will ich aus der Bibel vor
lesen, was diese den Frauen und über
die Frauen sagt." Dann ging er das
Alte Testament durch und las die kräf
tigsten Stellen den überaus aufmerk
samen Zuhörern vor. Die Männer
schmunzelten vergnüglich, die Frauen
aber ließen die Köpfe hängen, die
Burschen kicherten und die Mädchen
bekamen rote Köpfe. Der Schluß der
Predigt kam den Männern viel zu
früh sie hätten gerne noch eine Stun
de zugehört, ohne an den fast regel
mäßigen Predigtschlaf zu denken. Die
Leute konnten es faum erwarten, bis
der Gottesdienst vorüber war, um
über die „Predigt" vor der Kirchen
tür, beim Frühschoppen und zuhause
zu diskutieren, was sie gründlich bis
zur Mitte der Woche taten.
Am nächsten Sonntag ging der
Pfarrer wieder mit dem großen Buch
auf die Kanzel und alsbald sprach er:
„Ich habe vorigen Sonntag den
Frauen eine Standpredigt gehalten,
die ganz besonders den Männern ge-
-fallen hat. Ein Pfarrer aber soll ge
recht fein deswegen will ich heute den
Männern eine Predigt halten, und
zwar aus der Heiligen Schrift." So
geschah es. Da atmeten die Frauen er*
leichtert auf, die Männer bekamen rote
Sei gegrüßt viel tausendmal!
Du im höchsten Heiligtum«
Heimatfrohe Wunderblume
Hold erblüht im Erdent«,
Fleckenlose, dornenlose,
Tu geheimnisvolle Rose,
Sei gegrüßt Vieltausendmal!
Taubenfromme, lilienklare,
Ungetrübte, sündcnbare
Jungfrau, die nach ew'ger Wahl
Gott, der Schöpfer aller Wesen,
Sich zur Mutter auserlesen,
Sei gegrüßt Vieltausendmal!
Stern im dunkeln Lebensmeere,
Himmelsleuchtc, stille, hehre,
Send' uns Irren deinen Strahl!
In der Wetter Sturm und Tobe«,
Sei gegrüßt, du Licht von oben,
Sei gegrüßt Vieltausendmal!
O du eine, o du Reine,
Die ich minne, die ich me«e,
Königin im Himmelssaal:
Hochgebeuedeite Fraue,
Der ich.ganz mein Herz vertraue,
OHIO WABSKNFBBÜND
Köpfe und senkten die Nase, wie wenn
sie bluteten, die Burschen auf der Em
pore hängten nicht den Kopf weit über
die Brüstung hinaus, sondern duckten
sich nach Möglichkeit. Nachher gingen
Männer und Burschen nicht zum
Frühschoppen, sondern bald und still
nachhause, wo sie die Predigt rede
gewandt nochmals in „verbesserter"
Auslage zu hören bekamen. Der
Pfarrherr aber freute sich, daß die
Marw. MmenkLuigw
O du eine, o du Reine,
Die ich minne, die ich meine,
Königin im Himmelssaal:
Hochgebeuedeite Fraue,
Der ich ganz mein Herz vertraue,
Wenn wir trauern und verzagen
Und nicht auszublicken wagen
In des Herzens banger Qual:
Hör' uns, die wir ferne stehen
Und nur leis' uud schüchtern flehe«,
Sei gegrüßt vieltaufendmal!
beiden Predigten so gut gewirkt hat
ten.
Hätten wir ein Büchlein für die Ehe
männer zu schreiben, so würden wir
jetzt sagen, sie sollen, wenn einmal der
eheliche Friede in die Brüche zu gehen
droht, ihren Ehering ansehen und die
sen fragen,'was er dazu meint. Er
ruft jedem zu: „Ungetrennt bis an
das Ende!" Dann aber noch: das Ge
heimnis des häuslichen Friedens und
Glückes umfaßt die Worte: „Geduld
und Schweigen." Diese beiden Wörter
sind Goldmacher denn ihr Zauber
verwandelt alles. Habt also Geduld
mit den Frauen! Frauen haben Feh
ler aber auch die Männer haben
solche, und zwar keine kleineren, und
die Menschen sind allzumal Sünder,
obwohl die Sünde wie ihr Ursprung
weiblich ist. Ein Gelehrter wurde ein
mal gefragt, warum es in manchen
Ländern dem König erlaubt sei, mit
vierzehn Jahren den Thron zu bestei
gen, während er erst mit achtzehn oder
zwanzig Jahren heiraten dürfe. „Das
hat seinen guten Grund," antwortete
der Gelehrte „denn eine Frau ist viel
schwerer zu regieren als ein König
reich."
Das ist vielleicht im allgemeinen
eine Übertreibung, aber es schließt
nicht aus, daß, wenn du müde und
aufgeregt und wild aus dem Geschäft
oder von der Arbeit nachhause kommst,
du bei gewissen Fehlern der Frau
gleich wetterst und schimpfst wie ein
Pascha mit drei Roßschweifen. Wo
bleibt aber da die Herren- und Herr
scherwürde? An einem tobenden Was
serfall kann man nicht gut einen
Becher füllen und kommt dabei sonst
noch zu Schaden an einem sanft da
hinfließenden Bächlein geht es leicht
und schadlos. Geduld, männliche Ge
duld, erreicht alles, sogar den Sieg
über eine Frau, die beredter ist als
Aaron. Sei ein Moses, aber zerschlage
im Zorn, der ein wildes Tier ist, die
Gesetzestafeln nicht. Pfeife ein Lied
chen irgendwelcher Art, etwa „Freund,
ich bin zufrieden", „O du lieber Augu
stin" oder „Ich Hab' mich ergeben".
Bist du ein Raucher, dann zünde dir
eine Pfeife an und qualme wie eine
Lokomotive, beiße lieber das Mund
stück ab, als daß du deine Worte in
die Sintflut des Wortvorrats. deiner
Frau hineinwirfst. Reden macht das
Nebel ärger. Oder, im Vertrauen, noch
ein probates Mittel: Hat deine Frau
feine ausgiebige Hilfe bei ihren häus
lichen Arbeiten, dann leiste du ihr
Beihilfe irgendwelcher Art. Recht ma
chen wirst du deine Arbeit nicht in den
Augen deiner Frau, aber deine Auf
regung findet eine Ablenkung und legt
sich, und alles ist wieder gut.
Diese Beihilfe im Haushalt schän
det keinen Mann es fällt dadurch,
wie der Volksmund sagt, keine Perle
aus der .Krone. Es kommt nicht dar
auf an, was man arbeitet, sondern auf
die Absicht dabei. Wenn eilt Bankier
den Kinderwagen schiebt, um seiner
Frau die Mühe zu ersparen, so ehrt
ihn dies, wie es einen Doktor irgend
welcher Fakultät ehrt, wenn er der
Frau etwas beim Kaufmann holt. Er
lernt dabei noch manches. Ganz beson
ders wird er auf diese oder ähnliche
Weise auch einen Begriff bekommen,
wie schwer und aufreibend die Arbeit
der Frau ist. Die Frau, die ja ganz
besonders das Bedürfnis hat, sich aus
zusprechen, findet dann auch Anerken
nung für ihre Leistungen. Und diese
find nicht klein, im besonderen bei
Frauen des mittleren und unteren
Standes, auf dem Lande in erhöhtem
Grade. Da ist die Besorgung des
Hauswesens: kochen, waschen, putzen,
nähen, bügeln, flicken, stricken und
stopfen Kinder gebären, ernähren,
aufziehen, pflegen in gesunden und
franken Tagen, überwachen, erziehen
dann für den Mann sorgen, unter
Umständen auch für den Großvater,
die Großmutter, die Dienstboten usw.,
dazu noch die Arbeiten im Garten, aus
dem Felde, im Stalle, im Hühnerhof,
in der Scheune usw. Da sollte man
viele Paar Hände haben. Manche
Frau muß auch noch verdienen, sei es
durch Tagelohy, Heim» oder Fabrik-«
Kontor- oder Kanzleiarbeit! Das ist
viel, sehr viel Arbeit für den zarten
Körper der Frau. Wenn da der Sonn
tag nicht wäre! Sie müßte zusammen
brechen und bald von der Familie
scheiden. Also, mochten wir sagen, ein
bißchen Geduld, auch ein bißchen mehr
Verstand als unter jenen langen Haa
ren, dann wird es schon gehen!
Ler Mmenmonat der
Marienmotmt
Maria, Maienkönigin,
Dich will der Mai begrüßen
O segne seinen Anbeginn
Und uns zu deinen Füßen!
Maria, dir befehlen wir.
Was grünt und blüht auf Erden!
O laß es eine Himmelszier
In Gottes Garten werden!
Vor allem sind's der Blümlein drei,
Tie soll kein Sturm entlauben!
Die Hoffnung grün und sorgenfrei.
Die Liebe und den Glauben.
G. Gör res.
Konnte wohl ein anderer Monat
als der Mai für die Verehrung Mä
riens geeigneter sein? Gott selbst lei
stet der Feier der Mai-Andacht Vor
schub und gibt uns diesen Monat als
ihr lieblichstes Bild. Wie wir an
Festen, die zu Ehren gewisser Per
sonen ^gefeiert werden, gern das Bild
dieser Person zur Schau stellen und
schmücken, so entfaltet auch der Herr
in dem der heiligsten Jungfrau zu
weihenden Monat ein wunderschönes
Bild der heiligen Jungfrau und Got
tesmutter vor den Augen ihrer Ver
ehrer. Die schöne, herrliche Frühlings»
natur mit ihrem Keimen und Spros
sen, ihren Blüten und Blumen, mit
ihrem Duft und Gesang ist in Wahr
heit ein wunderbar treffendes Bild
vom Leben der heiligsten Jungfrau,
das so voll von den herrlichsten Blü
ten aller christlichen Tugenden und
dem Wohlgeruch eines völlig gott
geweihten Lebens ist.
Tie kindliche Liebe der Christen zur
gebenedeiten Mutter des göttlichen
Heilands hat mit der Kirche ihren An
sang genommen Und wird ebensowenig
enden wie sie selber, selbst nicht in der
ewigen Herrlichkeit aber die Erweise
und Betätigungen dieser Liebe sind
ohne Zahl und unendlich manntgfal»
tig, wie es die LiebesbÄveise eines
guten Kindes gegen seine innig
geliebte Mutter sind.
Wir sehen, wie die hellige Kirche
das Jahr hindurch die Feste verbiet
fältigt, welche gleich einer Kette das
Leben der Gottesmutter umschlingen
und uns die Tugendbeispiele vor
Augen stellen, an denen dieses Leben
so reich ist: wir sehen, wie sie dieser er
habenen Mutter jenen Tag der Woche
weiht, der uns besonders an den Hel
denmut ihres Glaubens und ihres
Schmerzes gemahnt wie sie ihr end
lich dreimal des Tages beim Schalle
der Glocke den Englischen Gruß dar
bringt, der uns immer wieder die un
ermeßliche Wohltat der Menschwer
dung Gottes verkündet. Ist es darum
zu verwundern, daß die Kirche, nach
dem sie Maria drei Augenblicke jedes
Tages und einen Tag jeder Woche hat
weihen lassen, auch daran gedacht hat,
ihr insbesondere einen Monat jedes
Jahres zu widmen?
Ist es insbesondere zu verwundern,
daß die Kirche, um diejenige zu ehren,
welche der Welt das übernatürliche
Leben durch die Geburt ihres gött
lichen Sohnes geschenkt, den Monat
gewählt hat, welcher der Natur das
Leben wiederzugeben scheint? Alle
Herzen stimmen hierin mit der Kirche
itberein: sie fühlen, daß.vorzugsweise
der Mai-Monat zur Verehrung der
jenigen bestimmt werden mußte, wel
che Gott mit Gnaden erfüllt hat und
während die Kinder Mariens die
Altäre ihrer himmlischen Mutter mit
lieblichen Blumen zieren, fühlen sie in
ihren Herzen die kindliche Hoffnung
erwachen, daß sie ihnen von Gott die
himmlische Zierde der Tugenden durch
ihre gütige und mächtige Fürsprache
erwirken werde.
Lie Tiete und das Licht
Ton Dr. I. Klug
„Deren Werkzeug du warst!"
klang es nach in dem Gemach, in dem
der schwermütige König den Lieder
klängen Davids lauschte. Da ver
sinsterte sich der Blick des König
Sauls Und weiter sang der Hirte
von Bethlehem:
„Horch, König Saul, von dem Ju
beln und Jauchzen will ich dir singen,
das die Frauen und Mädchen Israels
dir entgegen trugen auf den weißen
Schalen ihrer Hände, als du die Phi
lister niedergeworfen und Goliath, der
Prahler, -getötet war .!"
Und König Saul hörte die Jubel
pauken und Zimbeln wieder ertönen,
mit denen die Frauen aus allen Städ
ten Israels ihn, den heimkehrenden
Sieger, begrüßt. „Tausend Feinde hat
Saul erschlagen!" hatten sie gejubelt
und vor ihm ihre Reigen getanzt.
Aber da stand auch schon der düstere
Schatten wieder- vor Saul und zwi
schen David und ihm. Und der dunkle
Schatten nahm Gestalt an und streckte
einen dunklen Arm nach dem jugend
lichen Harfenspieler dort aus und flü
sterte leise und heiser: „König ... und
was 'haben sie von David gesungen?
Weißt du's noch, König, wie sie jauchz
ten: Saul hat tausend erschlagen
David aber zehntausend"
„Geh, Knabe!" herrschte Saul den
Harfenspieler an. Tief verbeugte sich
der Hirte und ging.
Eine Stunde schlug für König
Saul. Aber Sauls Geist schlief im
Banne dunkler Gedanken und hörte
nicht ihren mahnenden Schlag: „Kehr
um, kehr um!"
Alte Erinnerungen tauchten auf in
feiner urndüfterten Seele Erinne
rungen an die goldene Zeit, wo er ein
mal die Kämpfe Gottes gekämpft und
nicht den Kleinkrieg für das eigene Ich
und feine armseligen Interessen
aber König Saul hatte den Willen zur
Rückkehr, zur Heimkehr nicht mehr ...
Am anderen Tage tobte König
Saul. Ter Dämon der Schwermut
wich dem Tämon des Sichselbstzerflei
schens.
Erschreckt riefen sie den Harfenspie
ler David. Gewandt wie sonst griffen
dessen bronzebraunen Hände in die
Harfensaiten.
Da stand der nachtschwarze Schat
ten wieder zwischen ihm und König
Saul. Saul hörte nicht mehr den
Wohlflang der Töne. Er hörte nur
Worte, die von dem Schatten ausgin
gen und alle in sein Herz flogen wie
Feuerpfeile: „König," so raunte der
Schatten ihm zu, „Schattenkönig wirst
du was fehlt dem Hirten dort als
allein deine Krone"
Jählings sprang Saul empor. Im
nächsten Augenblick zitterte sein Speer
genau an der Stelle der hölzernen
Wand, wo der Hirtenjüngling soeben
noch gestanden. Ein leises Surren
ging aus von dem bebenden Wurf
geschoß mit solcher Wucht hatte es
der König in seinem Tobsuchtsanfall
geschleudert.
Aber Davids Auge war scharf wie
das eines Wüstenfalken. Der schlanke
Jüngling war davongehuscht wie ein
Reh, noch bevor es die Waffe seines
Verfolgers erreichte.
Aber von jener Stunde an mußte
David flüchten vor Sauls Haß und
Nachstellungen, wie das Rebhuhn der
Berge vor dem Jäger.
S
Jedoch auch Saul war ein Gehetz
ter. Ihn jagten die Däntonen, jagten
ihn immer mehr seiner dunkelsten
Stunde entgegen.
Zwei schwere Schläge trafen Isra
els ehedem so stolzen König. Samuel
starb, betrauert von ganz Israel. Er
war der Mund Gottes gewesen in
äußerster Not hätte man ihn noch fra
gen, kniefällig um eine Weisung bit
ten, den Willen des Ewigen durch den
Propheten vernehmen können. Aber
nun war Samuels Mund auch für
einen König, der auf den Knien lag,
für immer verstummt.
Dazu kam ein zweiter Schlag: ein
Gerücht lief um im Lande, David be
finde sich im Lager der Philister.
David, der von Saul bis aufs Blut
Verfolgte, im Lager der Erbfeinde
Israels? Das war höchste Gefahr und
drohendes Verderben für König Saul.
Und schon sammelten sich die Philister
und zogen heran und lagerten in
Sit nam.
Da ward König Saul irre an seiner
eigenen Kraft. Der Selbstherrliche,
der Uebermenfch griff mit den Händen
nach einem Halt und fühlte, daß er
ins Leere griff. Das Erzgleiche in fei
ner Seele war zerschmolzen, das Gra
nitartige zu Sand geworden.
Saul fühlte, daß er an einer Schick
schwende stand. Er versuchte alles,
um der Zukunft ihr Geheimnis zu ent
locken aber er stierte nur immer in
stummes Grauen hinein. Er rief zum
ewigen Gott aber kein Traum
gesicht der schweren Nächte tat ihm den
Willen des Ewigen kund. Er ließ
durch die Priester und die Propheten
fragen aber es kam keine Antwort
von da ^drüben da entschloß sich
König Saul zu einem letzten verzwei
relten Schritt.
Zu Endor, int Norden der Berge
von Gelboe, wohnte eine Hexe. Sie
redeten ihr nach, daß sie die Geister
der Toten heraufrufen könne aus den
unerforschlichen Tiefen.
In einer Nacht wanderten drei
Männer, vermummt, die Angesichter
unkenntlich gemacht, der Höhle von
Endor zu. Einer von ihnen war König
Saul.
Düster brannte das Feuer der
Herenhöhle. Die Schritte der drei
Männer scheuchten das Weib aus
seinem Schlummer auf. Erschrocken
kauerte sie sich in einem Winkel zusam
men. In jener Zeit "hatten Zauberer
und Wahrsager kein gutes Schicksal in
Israel.
Tie Hexe ahnte nicht, wer vor ihr
stand. Es ward ihr die Versicherung
gegeben, daß ihr fein Leid geschehen
solle.
„Wen soll ich heraufrufen?" fragte
das Weib.
Da antwortete der eine von den drei
Vermummten, der die beiden anderen
um eines Hauptes Länge überragte:
„Den Samuel rufe mir herauf!"
Da stieg es empor aus der Tiefe
eine Gestalt, von Majestät umflossen,
vom Prophetenmantel umwallt. Noch
bevor die Hexe Zeit hatte zu irgend
einem Betrugmanöver, stand die Ge
stalt aus der Tiefe da Samuel,
von dem Ewigen selber gesendet aus
des Ewigen Reich.
Sauls Augen sahen ihn nicht
aber ein Bangen und Grauen zwang
den König so tief zu Boden, daß er
feilt Angesicht bis zur Erde neigte.
Und Samuel kündete dem König
Israels sein Schicksal an: „Morgen
wirst du bei mir sein du und deine
Söhne!"
Die drei Vermummten wanderten
die ganze Nacht. Lautlos mußten sie
schleichen die Posten der Philister
standen überall ringsum auf den Ber
gen von Gelboe.
Am anderen Tage entbrannte der
Kampf.
Wie ein Fels stemmte sich König
Saul den rückwärtsbrandenden Scha
reit der israelitischen Kämpfer ent
gegen, als sie vor den Philistern flo
hen. Seine drei Söhne Jonathas,
Abinadab und Melchisua deckten ihn
mit ihrem eigenen Leibe.
Aber schon drangen die Pfeilfchüt
zeit heran, und im nächsten Augen
blicke blutete Israels König bereits
aus vielen Wunden.
Saul sah sein Schicksal besiegelt
da riß er fein Schwert aus der
Scheide und stürzte sich selbst hinein.
Auf den Bergen von Gelboe fanden
am anderen Tage die nach Beute um
Herstreisenden Philister den toten Kö»
uig Israels und die Leichname feiner
Söhne.
Sie nahmen ihm die Waffen weg
und legten sie im Tempel der Astarte
nieder. Dann fchlugen sie Sauls
Haupt ab und hingen seinen Leichnam
auf an den Mauern von Bethfan.
(Schluß folgt)

&»* Prof. Jo h. Schnei»
e a a
Sei gegrüßt vieltaufeudmal!
F. IV. Weber („Matten
Blumen").
A I I E N K E I S

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