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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 09, 1950, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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Jahrgang 78.
Auf dem Weg zur Wcltrevolution
Riesengroß steht über den Völkern
die 5wtastrophe, die sich aus dem
Bankrott der Westpolitik im zweiten
Weltkrieg und in den fünf Iahren seit
dem militärischen Abschluß der zwei
ten Phase der nun schon bald vier
Jahrzehnte währenden Weltkrise mit
eiserner Logik ergab. Tie augenblick
liche Weltlage sollte die letzten Zwei
fel zerstreuen, in denen noch «viele be
fangen waren hinsichtlich der verhäng
nisvollen Irrtümer, denen ein paar
Uebermenschen in den geheimen Kon
ventiteln mit den bolschewistischen
Usurpatoren der unter dem Truck
jahrhundertelanger Untaten zusam
menbrechenden moskowitischen Waren
politik verfielen.
Tie -Schuld des Westens begann
.allerdings nicht in Casablanca, Tehe
ran, Jalta und Potsdam, wo über die
Die neue Phate des Weltkrieges
Schicksale von Völkern und Kontinen
te?: in zum Teil geradezu salopper
Stimmung und in konvivialer Ver
fassung entschieden wurde. Tiese Zn
iamenkünfte waren «vom Geist des tief
in den Zerfall des Abendlandes zu
rückreichenden Liberalismus und Sä
kularismus beherrscht und mit der
ganzen Leichtfertigkeit und ^Mittelmä
ßigkeit und Prinzipienlosigkeit und
dem Hochmut und ollen andern Ue
beln belastet, die sich unvermeidlich er
geben aus der Abkehr der Staaten von
den festen Grundlagen des Natur- und
Sittengesetzes.
Wir haben schon fr-üher darzutun
^flucht, wie die großen staatsniänni
jchen Aktionen, wie-sie uns in der Ge
schichte des neunzehnten und zwanzig
sten Jahrhunderts entgegentreten, ei
nen fortgesetzten Abstieg darstellen
wie der Wiener 'Kongreß am Ende der
Napoleonischen Herrlichkeit mit all sei
nen widerlichen Erscheinungen turm
hoch emporragt über den Pariser Kon­
In Prag wuiHe be* letzten Ta
gen eine jener Justiz-Tragikomödien
aufgeführt, die in den von Moskau
beherrschten Ländern hinter dem Ei
sernen Vorhang zur ständigen Ein^
richtung geworden sind. Vor dem Ge
richt standen als Angeklagte neun
kirchliche Würdenträger, darunter ein
Bischof und zwei Aebte. Sie erklärten
sich nach der üblichen Schablone schul
dig und sprachen sowenigstens be
hauptete die von der kommunistischen
Regierung kontrollierte „Berichterstat
tung" ihr Bedauern aus, daß sie
von der kirchlichen Leitung zu regie
rungsfeindlicher Tätigkeit veranlaßt
worden seien. Vollständig im Einklang
mit der Anklagovertretung bezeichne
ten sie, nach der offenbar erlogenen
und gefälschten „Beweisaufnahme",
den Vatikan als Verbündeten und ein
„Spionagezentrum des amerikanischen
Kapitalismus", mit dem er an einer
Verschwörung zum Krieg und Sturz
der kommunistisch geführten Regie
rungen Europas mitwirke.
Charakteristisch ist die angebliche
Zeugenaussage des Benediktiners Jan
Opasek, der zu Protokoll gegeben ha
ben soll: Der Papst sei ein Feind des
Fortschritts uud der Vatikan sei ein
Spionagenest, das mit denVer. Staa
ten gegen die Sowjet-Union zusam
menarbeite er, Opasek, sei in den letz
ten fünf Jahren fünfmal in Rom ge
wesen, vom Papst im Jahr 1949 in
einer Audienz empfangen worden und
habe bei seinen Besuchen einen Ein
blick in den Vatikan erhalten der Va
tikan erhalte Spionageberichte aus der
ganzen Welt und übergebe sie der
amerikanischen Botschaft in Rom. Den
Papst bezeichnete er als „eine rein po
litische Persönlichkeit" und als den
„Führer im Kampf gegen die Volks
demokratien, den Fortschritt und die
Sowjet-Union". Auch erklärte er, Erz
bischof Josef Beran von Prag habe
zugegeben, daß er das kommunistische
Regime hasse und Maßnahmen gegen
dasselbe angeordnet habe.
Ausgrund solcher phantastischen
Angaben, die den Zeugen entweder
durch die Folter erpreßt oder willkür
lich unterschoben wurden, erfolgte am
Samstag die Verurteilung. Neun
Geistliche, meldete darüber die „Ass.
Preß", wurden wegen Hochverrats
unb Spionage verurteilt. Sie erhiel
ten Gefängnisstrafen von zehn Jah
ren bis zu lebenslänglichem Kerker
und Geldstrafen von 10,000 bis 150,=
000 Tfchechenkronen ($200 bis
$3000). Der Staatsgerichtshof ent
schied, daß die neun Geistlichen an
««er „Verschwörung des Vatikans
und des amerikanischen Kapitalis­
ÄuÜizuerbrechen
Okio
greß, der nach dem Zusammenbruch
der Mittelmächte eine neue Ordnung
zur Sicherung der Demokratie zu er
richten suchte, und wie die Pariser
Konferenz und ihre Friedensdiktate
rast wie staatsmännische Leistungen
anmuten nabelt den phantastischen
Produktionen der Politiker des zwei
ten Weltkrieges, die auf den Trüm
mern von Hitlers Tausendjährigem
Reich die allerneueste Ordnung errich
teten. Wien war Champagner, nicht
gerade die beste Markte, aber immerhin
Champagner: Paris war Absinth Te
heran, Jalta usw. ganz gemeiner
Wodka. Tie Staatskunst hatte Knei
pengeruch angenommen mit einem
Beigeschmack demokratischen Knob
lauchs, und nach mancherlei Irrwegen
sind wir wieder angelangt bei der
Carmagnole und der Guillotine, der
sich die Atombombe beigesellt. Die
Große Revolution mit all ihren
Schrecken war ein blasser Schemen
neben der die Völker des Erdkreises
in ihren Bann schlagenden Weltrevo
lutionen. die ihre Schlagworte durch
die Länder brüllt und Millionenheere
in Bewegung setzt.
BerhängnisvsAe Politik
Tie beiden Kriege und die Unrast
im Staats- und Völkerleben, die ih
nen vorausging und jich nach jedem
von ihnen mit gesteigerter Heftigkeit
erhob, waren Manifestationen der
furchtbaren Zerrüttung der menschli
chen Gesellschaft. Vielleicht waren neue
Katastrophen unvermeidlich, solange
sich nicht eine durchgreifende Besserung
der schweren Uebel vollzog, deren Ur
sachen und Heilung die Päpste des
verflossenen Jahrhunderts warnend
und mahnend immer wieder dargetan
haben. Vielleicht war die menschliche
Gesellschaft, verstrickt in die Folgen
des Abfalls vom göttlichen Gesetz, noch
mus" gegen die kommunistische Regie
rung der Tschecho-Slotvakei teilge
nommen haben. Alle Angeklagten ver
zichteten auf das Recht der Berufung
und nahmen das Urteil an (da fie ja
von dem roten Regime doch keine Ge
rechtigkeit zu erwarten haben!).
Lebenslänglichen Kerker erhielt der
siebenunddreißigjährige 9Lbt des Pra
ger Benediktinerklosters, der in Wien
geborene Tr. Jan Opasek. Man be
legte ihn auch mit einer Geldstrafe von
100,000 Kronen. Eine Strafe von
fünfundzwanzig Jahren Kerker wurde
dem fiebenundfünfzigjährigen Suffra
ge nbischos und Generalvikar der Diö
zese Olmütz, Dr. Stanislav Zela, und
ebenso dem siebenunddreißigjährigen
Tr. Antonin Mandl auferlegt, der
früher Sekretär der Katholischen Ak
tion in der Tschecho-Slowakei gewesen
war. Zwanzig Jahre Gefängnis er
hielten der fünfzigjährige Prämon
ftratenferabt Stanislav Jaromilek
und Tr. Ottokar Svek, der zweiund
sechzigjährige päpstliche Prälat und
Metropo 1
itan -Kanonikus an der St.
Veits Kathedrale.
Ter siebzigjährige Prälat und Erz
diakon Tr. Josef Cchak erhielt zwar
«nur" zehn Jahre Gefängnis, dafür
aber eine Geldstrafe von 150,000
Kronen, int Nichtbeitreibnngsfalle ein
weiteres Jahr Gefängnis.
TOS Gericht dekretierte auch die
Konfiszierung des Vermögens sämtli
cher Angeklagten. Tent Bischof Msgr.
Boukal, der fünfzehn Jahre Gesänge
nis erhielt, und dem Kanonikus Ku
lac. dem siebzehn Jahre Kerker auf
erlegt wurden, wurde vorgeworfen,
sie seien Vertraute der Gestapo gewe
seit, und dem Bischof und Prälaten
Tr. Svec, sie hätten Schiebungen mit
dem Versicherungsgeld der Priester
unternommen.
Bei der Urteilsverkündigung er
klärte der Gerichtspräsident Dr. Ja
roslav Novak, das Gericht habe für
drei der Angeklagten ursprünglich die
Todesstrafe vorgesehen, aber dann da
gegen entschieden, „da dos Regime der
Volksdemokratie stark genug sei, um
auf die Verhängung der höchsten
Strafe verzichten zu können".
Ter .Osservatore Romano' erklärte:
„Tiese Märtyrer leben im Herzen al
ler Gläubigen fort." Er erhob die An
klage, die „Geistlichen seien nur ver
urteilt worden, weil fie dem Gottes
gesetz die Treue hielten". Nach Schät
zungen inoffizieller Kreise des Vati
kans sind mehr als 13,000 Priester
seit dem zweiten Weltkriege in den
Ländern hinter dem Eisernen Vor
hang getötet, ins Gefängnis geworfen
und deportiert worden.
Tin Famllienblatt für Wahrheit und Recht zur Belehrung und Unterhaltung
Ausgabe des,Wanderer'
nicht gerüstet, an das gewaltige Werk
des Neubaus der gesellschaftlichen
Ordnung heranzutreten. Aber es wa
reit immerhin manche Anfänge einer
heilsamen Gesellschaftsresorm zu er
kennen, und viel guter Wille war we
nigstens unter manchen Schichten der
nach Frieden und Ordnung sich feh
nenden Völker festzustellen.
Aber die unselige Politik hat alle
Ansätze zur Besserung zunichte ge
macht und den Völkern gewaltige
Aufgaben zur Rettung ihrer bloßen
Existenz aufgebürdet, und nun hatten
durch die Länder die Werbetrommeln
ungeheurer Rüstungen, welche die
menschlichen Kräfte und die natürli
chen Quellen der Wohlfahrt, statt daß
sie den Werken des Friedens dienen,
aufzehren für die Abwehr und den
Krieg. Es liegt eine ungeheure Tra
gik in diesen Entwicklungen, welche die
vielgepriesene Zivilisation vielleicht
um Jahrhunderte zurückwerfen wer
den.
„IV planned it that way!" Wenn
dieses selbstherrliche Wort heute ange
wandt würde auf die düstere Weltlage,
könnte man ihm fast Glauben schen
ken. Wenn der Westen planmäßig die
beutige Weltmacht Rußlands ange
strebt hätte (wie es die Moskowiter
zweifellos taten?), hätte er genau das
tun müssen, was Roosevelt und
Churchill und später Trnman und
Attlee taten, und was das durch
Frankfurter fo weitgehend dirigierte
Staatsdepartement unter Marshall
und Acheson in Ost Asien tat.
Rußlands Aufstieg
Der Moskowiter-Staat war noch
vor fünfzehn Jahren eine Macht zwei
ter Größe. Stalin war heilfroh, als
er die Anerkennung durch Washing
ton erlangte, und er und feine Ge
nossen mußten sich glücklich schätzen,
als die Westmächte Rußland vor der
Niederlage bewahrten, der es nahe ge
nug war. Aber in den vertraulichen
Besprechungen lernten sie ihre Chan
cen erkennen, und es währte nicht
lange, und sie waren nicht mehr die
Bittenden von ehedem, sondern stellten
ihre Forderungen immer nachdrückli
cher. Wie sie sich im Osten Teutsch
lands festsetzten, als Sieger in Berlin
einzogen, nachdem man den amerika
nischen Vormarsch zum Verdruß der
Offiziere eingestellt hatte, wie man
ihnen die strategisch und politisch wich
tige Position in Berlin überließ usw..
all das sind alte Geschichten. Und wie
in Europa, so ebnete man den Mos
kowitern die Wege im Fernen Osten,
in der Mandschurei, in Korea.
Heute ist es so weit, daß die Tit
tatoren im Kreml das Schicksal Euro
pad in ihren Händen halten. Die be
rühmte Entsetzung Berlins paßte
trefflich in ihr Programm. Sie
schwächte ihre Position in Europa nur
zeitweilig, und die scheinbar entschei
dende Schlappe hatte den Ersolg, daß
sie ihre Pläne in China tarnen konn
te. Dort hatte ihnen das unter starken
linksgerichteten Einflüssen stehende
Staatsdepartement trefflich vorgear
beitet. Chiang Kai-scheks Regime,
hieß es, sei korrupt und etwas
Wahres mag daran gewesen sein, da
es den hohen Standards sagen
wir, von Kansas City, nicht entsprach.
Marshall wurde als ehrlicher Makler
nach China geschickt, um eine Versöh
nmg der rückschrittlichen Kuomintang
Leute mit den fortschrittlichen Agrar
reformen» um Mao Tfe^tung zu be
werkstelligen. Und sintemal Chiang,
der die roten „Reformer" besser kann
te als Hr. Marsh all, eigensinnig ge
gen die ihm aufgezwungene Bruder
schaft sich sträubte, kam'S zum Bruch.
Tie Regierung? die unter den größten
Schwierigkeiten den Japanern jahre
lang widerstanden hatte und von aus
schlaggebender Bedeutung für die Ge
staltung der Tinge in Asien hätte wer
den können, wurde vor aller Welt ab
gekanzelt, „verlor Gesicht" int eigenen
Land, wurde, fast jeglicher Hilfe ent
blößt, von den Morgenluft wittern
den, von Rußland unterstützten Roten
immer weiter zurückgedrängt, verlor
Schlachten, Feldzüge und zog sich nach
schweren Niederlagen auf Formosa zu
rück.
Noch immer bestand die Möglichkeit,
wenigstens den vollständigen Triumph
Mao Tse-tungs zu verhüten. Aber
England techtelntechtelte bereits mit
der neuen Macht, erkannte sie an und
setzte sich für ihre Aufnahme im Völ
kerbund ein. Es war nur dem Druck
der wach werdenden öffentlichen Mei
nungen danken, daß Washington ei
nen Schein der Anständigkeit wahrte
und den ehemaligen Bundesgenossen
nicht endgültig und vollständig fallen
ließ. Aber der rote Bundesgenosse
Moskaus war mit dem Erreichten noch
nicht zufrieden und in Lake Success
^'T-iumrarh,.* »«m Jt&f flidje« rfliiw A«fe»Hi»»» z»m Besten der PriesterzZglinge. Preis für ein ^ahr in den Ter. Staate» $3.00, in ffaoabo «nd alle« anlernt tiinbete $3AO.
Samstag, den, 9. Dezember 1950
kämpften Wischinsky und Malik mit
aller Macht für die „Agrarreformer",
während diese in Ehina jeden offenen
Widerstand zertraten und im Verein
mit den Moskau'er Weltrevolutiouä
reit die große Aktion in Korea vorbe
reiteten. der alsbald die Vorstöße in
Tibet und an andern asiatischen Front
abschnitten folgten.
Tann kam es zum Einmarsch der
roten Nord-Koreaner in der unter dem
Schutz des Völkerbundes stehenden
H'tMoremiischeit Republik, und als die
ser Angriff nach anfänglichen Schwie
rigkeiten abgeschlagen wurde und
Mae Arthur zur Säuberung Nord
Koreas von den Roten schritt und der
Friede bereits gesichert schien, rollten
Chinesen, Hunderttausende, über die
mandschurische Grenze, entrissen ihm
den Sieg, trieben ihn in schweren
Kämpfen gegen Süden zurück, und der
ganze Erfolg des Feldzugs ist in Fra
ge gestellt.
(fin dritter Weltkrieg?
Aber es gebt nicht um Korea allein.
Das völterrechtswidrige Eingreifen
Chinas schafft eine neue Lage. Es ist
fein Feldzug mehr gegen rebellische
Koreaner, die sich dem Befehl der
Weltorganisation der Vereinten Na
tionen nicht fügen wollen. Es ist auS
der ..Polizeiaktion" ein. Krieg gewor
den. ein Krieg des von Nußland ge
nützten Riesenreiches gegen die Ver.
Staaten und gegen die Vereinten Na
tionen. Die Welt weiß immer noch
nicht, was das Eingreifen Mao Tse
tuiigs bedeutet, ob dahinter ein
russisches Ablenkungsmanöver steckt,
um Moskau die Durchführung feiner
Pläne in Europa zu erleichtern, wäh
rend amerikanische Truppenverbände
in Ost-Asien gebunden sind, oder ob
der chinesische Angriff der Auftakt ist
S» einem gewaltigen amerikanisch-asia
tischen 5irieg, in dessen Maelstrom
schließlich alle Völker gerissen würden.
Während der koreanische Lirieg bei
dem gewaltigen chinesischen Ueberge
wicht für die amerikanischen und die
ihnen verbündeten Truppen äußerst
ungünstig -verläuft und mit einer ent
scheidenden Niederlage zu ei^den droht,
sind in Lake Succeß. Washington und
London Bestrebungen im Gang, einen
Ausweg zu finden. Der britische Pre
mier Attlee kam. erschreckt durch Prä
sident Trumans verschleierte Androh
ung der Verwendung'der Atombomve.
nach Washington. Ob die Besprechun
gen einen gangbaren Weg zu einer
Verständigung finden werden, oder ob
bestenfalls der Versuch auf ein „Ap
peasement" hinausläuft, oder ob
Kräfte am Werk sind, die einen Ver
gleich gar nicht wünschen und alle Ver
suche in dieser Richtung durchkreuzen
und auf den großen Krieg zusteuern,
das sind Fragen, die sich augenblick
lich nicht beantworten lassen.
So viel aber scheint gewiß: Mos
kau und Peiping stehen als siamesische
Zwillinge da, untrennbar verknüpft
als Teilhaber an dem Unternehmen,
die freie Welt zu balkanifieren und
auf den Trümmern ein tatarisch-mon
golisches Weltreich im Geist Tamer
lans zu errichten. Kein Volk ist kriegs
müder als die Massen Chinas, die seit
dem Borerausstand kaum ein Jahr
ohne innere und äußere Katastrophen
erlebt haben. Es kennzeichnet die Er
rungenschaften. die unsere Generation
den Bolschewisten verdankt, daß beute
ein paar Dutzend elender Menschen so
tun können, als seien sie unbeschränkte
Herren über alles Land von der Elbe
bis zum Jalu.
Tie Haltung Washingtons
Präsident Trnman forderte letzt?
Woche eine Erhöhung des Militärbud
gets für das laufende Jahr mit $17,
780,000,000 zusätzlich zu den bereits
angewiesenen dreißig Milliarden.
Vertreter beider Parteien gaben zu
erkennen, daß die Bewilligung ohne
Verzug erfolgen wird. Damit steigen
die Ausgaben für RüstungSzwecke aus
annähernd das Vierfache der Summe,
die noch im Vorjahr stir ausreichend
erachtet wurde. Tie geforderten Mit
tel sollen allen Waffengattungen zu
gute kommen und dazu dienen, den
Vorrat an Atombomben entsprechend
zu vermehren. Eine weitere Steige
rung wird der Voranschlag für 1951-=
2 bringen, der im Januar fällig ist.
Trei Wege sollen, so sagte Präsi
dent Trnman, eingeschlagen werden,
um der verstärkten Bedrohung zu be
gegnen: Wir werden weiter in den
Vereinten Nationen fiir gemeinsame
Aktion eintreten, um der Lage in Ko»
reo Herr zu werden. Wir werden den
freien Nationen vermehrte Hilfe zur
Abwehr weiterer Aggressionen an an
deren Stellen leisten. Wir werden un
sere eignen Streitkräfte rapid weiter
entwickeln.
Eine Verwendung der Atombombe
ist int Augenblick nicht geplant. Sie
ist, wie General Willoughby nach ei
nem Besuch an der Front erklärte, in
Korea weder nötig noch militärisch ge
rechtsertigt. Ter Präsident machte
aber, wie die New Yorker .Times'
feststellte, eindeutig klar, daß er zwar
keineswegs vorschnell die schicksalsvol
le Entscheidung zum Gebrauch der
Schreckenswaffe treffen will, jedoch sich
auch nicht die Hände binden läßt für
den Fall einer zwingenden Not.
Präsident Truman sprach auch die
Hoffnung aus. das chinesische Volk
werde sich nicht in den Tint st der rus
sischen Kolonialpolitik in Asien zwin
gen lassen. Er hätte gut daran getan,
bei die'er Gelegenheit
von den
Irrtü­
i
In dem vorausgehenden Artikel
wurde zum Verständnis des heftigsten
Koivlifts in dem Widerstreit der Na
tionalitäten innerhalb der Kirche der
Ver. Staaten Stärke und Bedeutung
der deutsch-amerikanischen Katholiken
gegen Ende deS neunzehnten Jahr
hunderts skizziert. Zugleich wurden
darin wesentliche Unterschiede in der
Haltung der dentich amerikanischen
und der der irisch-amerikanischen Ka
tholiken in weltanschaulichen Fragen
und in dem Verhältnis der jungen
tiirchc unseres Landes zu ihrer nicht
katholischen Umwelt und dem Staat
angedeutet. Unterschiede, die sich
schon aus dem geschichtlichen Werde
gang der beiden Nationalitäten erga
ben.
Es waren aber nicht allein die ans
dem Stärteverhältnis der damaligen
beiden wichtigsten katholischen Bevöl
kerungselemente und aus solcher Ge
gensätzlichkeit in normaler Entwick
lung sich ergebenden Spannungen, die
den Konflikt zeitweilig zu tief bedau
ert ich er Schärfe anschwellen ließen. Es
trat zu diesen beiden Faktoren einer
natürlichen Rivalität, die aber in kon
struktivem und ideellem Wettstreit
sich hätte auswirken müssen und kön
nen. ein dritter, der ihnen erst die
Richtung und scharfe Spitze gab: die
oppositionelle Einstellung von Erzbi
sch of John Ireland, einer der markan
testen Führergestalten des amerikani
schen Kntholi,
Hundert Äechre kAthoiitches
Neben in Minnelots
,i,ivrue|iuuv,i ve» um«uam-
-?v ,i.
fjR
-v
die Erzbischof Ireland in seinen Ent
Wicklungsjahren, während seiner Stu
dienzeit in Frankreich, aus dem fron­
iöiiichcn Geistesleben in sich mitgc
Es liegt mir durchaus fern. Paral
lelen zu ziehen, wie sie die von Msgr.
Smith konstruierte (und später von
ihm korrigierte) Stellung Erzbifchof
JrelandS zu dem großen Franzosen
nahelegt. Aber daß Erzbischof Ireland
stork unter dem Einfluß des französi
schen Geisteslebens stand und stets ei
ne große Vorliebe für Frankreich be
wahrte, hat er selber privatim und öf
fentlich oft betont. In lebhafter Erin
nerung ist mir ein persönliches Erleb
nis geblieben. Im Spätherbst 1912
veranstaltete er im St-Paul
-Seminar
tali"iaht"fi™ nw aiTI~ r*«
»Mge« «ein.i mT
V S n u i e e i n e A n s i e n
besonderer Bo.ommg der schwierigen
in früheren
der
tur
hi
fas:: rur« ^^£=5
01 ...... I vUv Mitglied der Entente an der ^et»
engitcr Beziehung zu den Emrlimett,'ia
Nr. SB
mern abzurücken, die zur Preisgabe
der antikommunistischen Elemente
Chinas führten. Aber weder von ihm
noch von Staatssekretär Acheson. des
sen verfehlte Politik so viel dazu bei
getragen hat. die heutige Katastrophe
herbeizuführen, vernahm man in die
ser Hinsicht ein einziges Wort
Die Haltung Englands
Es ist begreiflich, daß in London
und Paris eine Vogelstranß-Pslitik
besonders populär ist. die MacArtbur
zum Sündenbock machen will, weis
seine Aktion einen „Ausweg" blockiert
habe.
Tie beste Antwort ans diese Zhco
rieit hat das Auftreten des Pefnu-er
(l 'ort
Min :iuf Sviif
1311 Ehren des großen Wohltäters der
I Anstalt, des EifenbahnkönigS James
Hill, eine intime Feier, zu der etwa
zwanzig Gälte geladen waren.
I Es war zur Zeit des ersten Balkan
Krieges, als der junge Balkan Bund,
ermutigt durch Rußland, sich unichiif
le. die Türkei aus Europa zu ver
drängen, der alte österreichisch russi
sche Gegensatz sich verschärfte und am
europäischen Puloerfaß sich ein ollge
meiner Airieg zu entzünden drohte.
Rußland, das sich neun Jahre vorher
unter dem Truck seiner Verwicklun
gen in Ost Asien zu einem Ausgleich
mit Oesterreich verstanden hatte, stand
jetzt entschlossen auf der Seite der
Balkon-Staaten. Oesterreich hatte gu
ten Grund, einen Machtzuwachs vor
allem des panslawistisch orientierten
Serbiens zn befürchten, weshalb seine
Politik auf dessen Beschränkung im
Falle des erwarteten Sieges hinarbei
tete (und diese nachher auf der Lon
doner Konferenz tut Verein mit Ita
lien durch die Schaffung eines selb
ständigen Albaniens um Serbien
nicht an die Adria kommen zu lassen
auch teilweise durchsetzte).
Zwischen dem Tiner im Refekto
rium des Seminars und dem späteren
Programm in der Aula, in dem u. a.
Father Franeis Missta seinen Semi
narchor mit Auszügen aus Wagners
..Tannhäuser" vorführte, saß ich mit
Serninarrektor Prof. Dr. Fr. Schä
fer und Prof. Dr. John A. Ryan tm
ciucm
(lilrallult
,v'
nominell hatte. M?gr. Matthew
Smith fiel einem schlimmen Aitachro
ltiviims zum Opfer, als er vor eini- Am ausführlichsten Hat Erzbifchof
gen Jahren in seinen Blättern den Ireland sein Verhältnis zu Frankreich
schon 1704 gestorbenen Bossuet unter
I
den französischen Lehrern Jrelands i der Rückreise von Rom in Paris vor
aufzählte augenscheinlich ohne sich lauern erlesenen Kreis eine vielbe
bctoiißt zu sein, daß er damit gefähr- merkte Rede über Amerika und feine
persönlichen Beziehungen zu Frank
liche Vergleiche herausforderte. 4,'er
gefeierte Bischof aus der Zeit Lud
wig XII'., der „Adler von Menus",
schwang sich zu hohem Geistes slug aus,
ließ sich aber auch forttragen zur Ue
herschätznng des Staates und unter
stützte sogar die Politik des Königs
im Regalienstreit, entwarf auf der
Merusversammlung von 1
(81/82 die
vier gallikanischen Artikel und steuerte
nur mit Mühe an schismatischen Sät
zen vorbei. Und trotz tiefer Frömmig
keit hielt er sich bei der Polemik, nor
allem dem eSelit Bischof Feneloti ge
genüber, nicht frei von verletzender
Schärfe.
Tische. Graich-
den Gruppen feiner Gäste und trat
Oesterreichs .\?crr
te Rußlands! Ich widersprach dieser
Logik, soweit es mir meine Eigen
schaff als Gast erlaubte, und fand
(freundliches Gehör, aber keine Zu
dargelegt, als er im Juni 1892 auf
reich hielt. An seine französischen Stu
dienjahre erinnernd, versicherte er sei
neu Zuhörern, es Habe eine Zeit gege
bett, da er ihre Sprache „am Ta^e
gesprochen und des Nachts in ihr ge
träumt" Habe. Er sei „in gewissen?
Maße ein Kind Frankreichs". Frank
reich sei „großenteils die Mutter sei
ner Ideen, und ein gut Teil feines
Herzens habe stets Frankreich gehört".
Amerika, dem schon vordem französi
sche Missionare und Forscher so vieles
gegeben hatten, danke „Frankreich sei
ne Freiheit", dessen „Heere haben die
Republik der Ver. Staaten geichof
fen".
Die Rede, üt ihrem Hauptinhalt
ein Hohes Lied auf die omerikonifche
Demokratie und. unter dem äugen-'
fchehtlichen Eindruck von „Rerum No
varum", im Gegensatz zu der land
läufigen Beschönigung und sogar
Leugnung des Bestehens der Sozialen
Frage in Amerika wenigstens deren
wirtschaftlichen Aspekte berücksichti
gend, schloß mit einem begeisterten
Bekenntnis der Verehrung Frank
reichs. „Turchaus lotial meinem Lan
(Settfefeune auf Seite I)

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