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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 16, 1950, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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4
.'" '.."'".', ..." V
f-
Jahrgang 78.
Das Aufmarschgebiet des dritten
Weltkrieges
der Balkan ehedem für Eu
ropa war und Min Zeil hellte noch
ist, die Brutstätte der Beunruhigung
der Völker und Brandherd des Krie
ges, das ist itt weltweiter Bedeutung
die ostc^latksche Halbinsel Korea im
Ringen zwischen Osten und Westen
geworden. $y ist tiaS schon durch ihre
geographisci^e Loge bedingt. Wie der
Balkan Grenzgebiet und Brücke zwi
schen Europa urtb dem Nahen Osten
ist, beide trennend und verbindend zu
gleicher Zeit, so ist Korea von Alters
her wichtiges und von beiden Seiten
begehrtes Bindeglied zwischen dem
afiatijchm Festland und dem Insel-
reich und jetzt zwischen Me: Welten.
-«-Durch feine Lage zwischen China
und Japan hat Korea von jeher eine
eigentümliche Rolle in der (^cichichti1
Ost-Asiens gespielt. China beanspruch«
te die Halbinsel zur Abrundung sei
nes Reiches, Japan aber erblickte in
ihr die Grundlage seiner Machtaus
dchnung nach dem Festland. In die
Geschichte ist Korea schon mehr als
tausend Jahre vor Christus eingetre
ten, als es unter chinesische Einflüsse
zu kommen begann. Um den Beginn
der christlichen Zeitrechnung befreite
sich das Land «von der chinesischen
Herrschaft. Aber erst nach vielen inne
ren Fehden, in 'die zeitweilig auch
China und Japan eingriffen, aner
kannte Peking tm vierzehnten Jahr
hundert die Dynastie Tädscho. Um die
Wende des sechzehnten Jahrhunderts
machte Japan einen siegreichen Vor
stoß gegen das jetzt oft genannte Fn
tan, aber die Koreaner vertrieben im
Verein mit «den Chinesen den fremden
Eroberer, der seitdem im Lande ver
haßt blieb. Nach der Wiedereroberung
(1627) und 'der Erklärung als Vasal
lenstaat des chinesischen Reiches schloß
die Regierung zur Vermeidung aller
äußeren Einflüsse Korea fortan scharf
vom Ausland ab.
Die neueste Geschichte Chinas stand
gmta unter dem Bestreben Japans, die
Halbinsel in seinen Machtbereich zu
ziehen. Im Jahre 1876 erzwang es
die Eröffnung mehrerer Häfen, und
im Ohinesi sch-Japanischen Krieg
(1894) konnte Japan seine Stellung
in Korea weiter stärken. Aber nach
dem Ausscheiden Chinas erwuchs ihm
ein neuer «Gegner in dem mit aller
Macht gegen Osten vordringenden rus
sischen Imperialismus. Die Entschei
dung zwischen Rußland und Japan
fiel im Russisch-Japanischen Krieg
(1904/05), indem es Japan nach der
Besetzung Koreas gelang, das Land
zum Vasallenstaat herabzudrücken und
schließlich (1910) als Provinz Chosen
Japan ganz einzuverleiben.
Der Ausgang des zweiten Welt
krieges schuf mit der Niederlage Ja
pans eine neue Lage. Das phantasti
sche Entgegenkommen 'der westlichen
Staatsmänner brachte Rußland die
Erfüllung alter Träume nicht al
lein in Korea, sondern auch in China,
das schon lange in den Berechnungen
des Kremls eine große Rolle gespielt
hatte.
Die Katastrophe des ersten Welt
kriegs, die Rußland in die Hände der
Bolschewisten lieferte und damit iso
lierte, schien für die japanischen Im
perialisten unbegrenzte Möglichkeiten
in China zu eröffnen. In der Erwar
tung endloser Bürgerkriege begünstig
ten fie die nationale Revolution, die
anstelle 'der mandschurischen Dynastie
eine demokratische Republik zu setzen
unternommen hatte. In diese Flam
men bliesen gleichzeitig auch die Mos
kauer Machthaber, wobei Trotzky die
kommunistische Minderheit zum Auf
stand trieb, während Stalin entspre
chend den Rezepten für „zurückgeblie
bene" Länder die nationalistische Kuo
mintang begünstigte.
Chiang Kai-schek überraschte
Freund und Feind durch Energie
und List, durch -Geduld und Härte,
durch eine Summe von Leistungen,
die1 ihn befähigten, sich zwischen Mos
kau und Tokio, zwischen Kantonesi
schen Radikalen und altmodischen Pro
tnnzgouvmt euren zu behaupten und
das zerrissene Land, das zermürbte
Volk zu einem hohen Maß von Ein
heit und Stoßkraft zusammenzuballen.
Dieser Mann, den unsere „Sachver
ständigen" als unfähig und korrupt
•hinstellten, kam dem Ziel des mit dem
"7 Del amerikanischer Demokratie ge
salbten Schöpfer der Republik, Sun
Aat-sen, in "den dreißiger Jahren so
nahe, daß Tokio und Moskau auf
'Mkkkel sannen, ihm das Handwerk zu
legen.
Die neue jüjafr des Weltkrieges
I In dem edlen Wettstreit siegte Sta
Iin, dessen Handlanger nicht allein
Chiang Kai-schek schwer bedrängten.
zeitweilig sogar in ihre Gemalt brach
ten, sondern es auch durchsetzten, die
begehrlichen Auges nach Wladiwostok
blickenden Japaner nach Westen abzu
lenken. Bei dem Zusammenstoß mit
Japan, den Chiang zu vermeiden
wünschte, verbluteten, die nationalen
Kräfte Chinas.
Ei«c neue Zeit bricht an
Heute ist das weite Land in den
Händen der Kommunisten, die aber
gleich ihren russischen Gesinnungsge
Nossen und (vorläufigen) Meistern un
ersöttlich sind in ihren Herrschaftsan
sprächen und in Korea dem Westen
eine Probe ihrer Politik zu verkosten
geben.
Es klingt heute fast märchenhaft,
daß vor entern halben Jahrhundert
die Mächte, nur beschränkt durch ihre
eigenen Rivalitäten, chinesische Ge
biete sich aneigneten und daß nach
dem Boxer Ausstand ein europäisch
amerikanisches Expeditionsheer auf
chinesischem Boden kämpfte und dem
Lande neue Demütigungen aufzwang.
Das kommunistisch gewordene Riesen
reich, verbündet mit dem gleichfalls
aus der Revolution geborenen Ruß
land, ist nicht länger der willige Kuli
der Mächte, sondern tritt ihnen her
rifch und drohend entgegen. Es liegt
darin ein Stück geschichtlicher Gerech
tig fett, denn an dem chinesischen Volk
ist unendlich viel gesündigt worden
Aber die Wege, die seine neuen Her
ren einschlagen, können nicht zu sei
item Heile führen, sie führen zu
neuem Elend, neuen Kriegen, neuem
Unheil für die asiatischen Völker,
neuen Weltkatastrophen.
All das läßt sich in konkreter Form
nicht darlegen, denn es sind da so
viele unberechenbare Faktoren. Japan
mag aus der schweren Niederlage als
ein neuer Machtfaktor aufsteigen.
Rußland mag an dem heutigen Bun
deogeitoftett und dessen ungeniessenen
Machtgelüsten wenig Freude erleben
und tit vielleicht nicht gar langer Zeit
wünschen, -Chiang Kai-schek säße wie
der in Peiping und Mao Tse-tung
dort, wo der Pfeffer wächst. Es niö
gen sich aus der ungeheuren Um krem
pel im der asiatischen Machtverhält
nisse Kombinationen ergeben, die sich
heute nur ahnen lassen, und nach fünf
oder zehn Jahren mag sich das Welt
bild ganz anders darstellen als heute.
Augenblicklich aber ist es so, daß
die Weltpolitik nicht von den alten
Völkern Europas und der amerifattv
schen Großmacht bestimmt wird, son
dent von dem bolschewistischen Erben
des russischen Imperialismus, von
dem kommunistischen China und den
andern Völkern, die sich beide dienst
bar zu machen vermögen.
Das ist 'das vorläufige Ergebnis
der neuen weltgeschichtlichen Entschei
dung, die im fernen Korea, dem Wet
terwinkel der Weltpolitik, gefallen ist.
Der Rückzug der Völkerbundsarmee
Pom Jalit nach Pyongyang und von
da wahrscheinlich zum Achtunddreißig
sten Breitegrad und vielleicht nach
Inchon, von wo aus MacArthur sei
uerzeit den siegreichen Vormarsch nach
Norden begann, bedeutet den Verlust
der ersten großen Ruit de in der Aus
einandersetzung zwischen Westen und
Osten, bedeutet den Fehlschlag der
amerikanischen Politik und der von
Washington inszenierten Politik der
Vereinten Nationen, bedeutet vielleicht
den Anfang vom Ende der Vereinten
Nationen selber, und in seinen weite
reit Auswirkungen den Beginn einer
neuen Epoche der Geschichte, die mehr
östliches als westliches Gepräge tra
gen wird.
Asien für die Asiaten!
Es ist begreiflich, daß der gewal
tige Umschwung, der sich in nicht ganz
drei Wochen in Korea vollzogen hat
und jetzt immer weitere Kreise zieht,
sich lähmend auf die Erwartungen der
westlichen Völker und Regierungen
senkte, Besonders die Ver. Staaten, die
die Hauptlast der versuchten Befrie
dung Koreas und der Stabilisierung
der Weltlage zu tragen haben. Die
allgemeine Konsternation spiegelt sich
in den Meldungen aus Washington
und Lake Succeß über die nunmeh
rigen Versuche, einen Ausweg aus der
schwierigen Lage zu fin'den ohne
das verhängnisvolle Risiko eines
neuen Weltkrieges.
Selbstverständlich muß alles daran
gesetzt werden, einen Weltkrieg zu ver
hüten. Einem solchen Ziele waren die
erregten Reden und Borschlage fftr
Nn Familienblatt fur Wahrheit und Recht zur Belehrung und Unterhaltung
Ausgabe des »Wanderer*
Es wird dabei manches gründlich
zu revidieren sein. Die Politik, die
den Kommunismus „einzuschränken"
versuchte durch Einschreiten überall
auf dem weiten Erdenrund, wo immer
feine Aggressionslust hervortritt, ist
eine Chimäre. Eine solche Politik
könnte nur dann auf teilweisen Er
folg rechnen, wenn es heute in der
Welt mindestens ein halbes Dutzend
antikommunistische Großmächte von
der Bedeutung der Ver. Staaten gä
be. Und auch dann liefe schließlich
alles auf die Machtpolitik hinaus-, die
sich aber im Jbeenfampf und um
einen solchen handelt es sich doch dem
Kommunismus gegenüber! letzten
Endes unzureichend erweisen würde.
Diese Politik zur „Begrenzung" des
Kommunismus ging von der doktri
nären Voraussetzung aus, das die
allermeisten Völker der Erde die De
mofratie als das Ideal der gesell
schaftlichen Ordnung betrachten und,
vor die Wahl zwischen Demokratie und
Kommunismus gestellt, willig und
freudig um das Banner der Demo
fratie sich scharen würden.
So primitiv aber ist der gewaltige
Komplex der Weltprobleme durchaus
nicht! Demokratie ist für viele Mil
lionen Metlichen ein nebelhafter Be
triff. Er besagt für sie ebenso wenig
wie 'der Marx'sche 'Kommunismus.
Rußland redet wenig vom Kommu
nismus und spricht mit so mehr von
der Demokratie ebenso nachdrück
lich wie der Westen, aber es ver
bindet mit dein Wort Begriffe, welche
die Völker verstehen, denen „die
Stimme Amerikas" Hekuba ist und die
von Television kaum eine Vorstellung
babeit. Demokratie, wie sie Moskau,
wenn auch noch so schwindelhaft ver
heißt. ist Teilung der Güter der Er
de, ist das Ende der Kuli-Frohn im
Dienste westlicher Bedrücker, „fremder
Teufel", ist Asien für die Asiaten. Und
diese Verheißungen werden nicht ans
bürokratischem Wege verbreitet, son
dern werben durch Tausende von
Agenten direkt an die Massen heran
getragen schon jahrelang. Wir in
unferm bürokratischen Wolkenknckuks
heim glaubten, die Völker Asiens blick
ten in fiebernder Ungeduld der „Be
freiung" durch Amerika und andere
Westländer entgegen, während in
Wirklichkeit der Haß gegen die weiiV
Raffe die große Mehrzahl der Asiaten
erfüllt, soweit sie überhaupt politisch
denken. Was bedeutet für Millionen
Chinesen die Freundschaft Amerikas,
die ihnen Washingtoner Reden so ein
dringlich in Erinnerung bringen! Ge
rade die Chinesen, die an politischer
Schulung ihren Volksgenossen voraus
sind und für solche Argumente Ver
ständnis haben, haben wir vor den
Kopf gestoßen durch die kurzsichtige,
Der Papst wies auf den Krieg in
Korea hin, der mit so großer Erbit
terung geführt wird, und auf die viel
größere Verheerung, die ein neuer
Weltkrieg mit sich bringen würde, und
fuhr fort:
»Wir sehen, daß die Herzen der
Völker unter der schrecklichen Gefahr
der Konflikte erbeben, und daß bereits
junge Menschenleben von der Furie
des Krieges, in einigen Gebieten da
hingerafft werden.
„Wer sieht es nicht, daß blutige
Kämpfe nur Ruin, Tod und Elend
aller Art bringen? Der menschliche
Geist, der für andere Dinge bestimmt
Samstag, den 16. Dezember 1950
ein „energisches" Vorgehen unter Ver
wendung der Atombombe ebenso we
nig dienlich wie die zage und fatali
stische Stimmung, „unter allen Um
ständen" zu einer Verständigung mit
den Mächten der Weltrevolution zu
kommen. Was vor allem nottut,' ist
eine sorgfältige „Inventaraufnahme"
der Soll- und Haben Bestände des
Westens und, statt des planlosen Ex
periiuentierens und der Entscheidun
gen „von Fall zu Fall", die schon lan
ge überfällige Aufstellung eines kla
ren politischen Programms.
Neue Zlriedensumhnung des Uspües
Unterm 6. ds. meldete die „Ass.
Preß ans Rom:
In seiner Weih nachts enzykl ika, die
heute an die Bischöfe des Erdkreises
gerichtet wurde, fordert Papst Pius
alle Katholiken auf, in ihren Gebeten
um einen gerechten und dauernden
Frieden zu flehen.
Er weift darauf hin, daß die neuen
Waffen in einem Krieg die Mensch
heit vernichten würden, und verlangt
„öffentliche Gebete um Frieden und
Einigkeit der Völker, so daß unter den
Auspizien der Religion ein heiliger
Kreuzzug gegen den rücksichtslosen
Kampf unternommen werden kann,
aus dem so großes Unheil für die
Menschheit entsteht".
'mit dem kommunistischen Janhagel
fraternisierende Politik unseres
Staatsdepartements.
Wir mögen uns ärgern über Nehm
und andere indische Führer, die auf
Entgegenkommen dem rote» China
Gegenüber drängen. Aber sie sind eben
Asiaten mit all dem seit langer Zeit
angehäuften Ressentiment gegen die
Westwelt, und sie kennen Asien besser
als wir und wissen, wie gering das
Vertrauen des Ostens und wie stark
seine Abneigung gegen den Westen,
und wie schwach und unhaltbar die
bentige Haltung der westlichen Polt
tit ist. Diese Haltung erinnert in man
cher Hinsicht an die verfehlte Propa
ganda des alten Deutschland, die in
den Anfangswochen des ersten Welt
krieg nicht müde wurde, von dem Ge
iiymatz zwischen Germanentum und
Slawentum zu reden, und gerade da
durch das vielgestaltige Oesterreich
schwächte und zur Konsolidierung des
Slawentums beitrug.
Zu all diesem kommt, daß es in
Asien feine starke Macht gibt, auf die
der Westen sich stützen kann. China ist,
von Formosa abgesehen, im Lager
Rußlands. Indien und Japan können
bis auf weiteres nicht in Rechnung
gestellt werden. Solange einige tau
send Briten das Ganze zusammenhielt
ten, waren indische Truppen die stärk
[te bewaffnete Macht auf dem afiati
schen Festland. Was itt zwei Jahr hint
derten geschaffen mar, ein Staatsge
füge, das stärker war als die Span
innigen von iitneft und die Drohungen
von außen, ist heute erneut in Ge
fahr eines Rückfalls. Wie die Zerstö
rung der Donau Monarchie und die
Verteilung Deutschlands das Gleich
gewicht int Westen beseitigte, so wur
de in Asien alles vollends aus dem
Gleichgewicht geworfen durch die Eut
machtung Japans und die Wehrlosig
feit Indiens.
Es ist hohe Zeit, daß wir begreifen
lernen, daß in dem Ringen zwischen
~ften und Westen die itumerif'che und
plnmiche Stärke des Westens bei wei
tent nicht populären Auffassungen ent
spricht, und daß es darum um so not
mündiger ist. unsere Stärke in sittli
chen Ideen zu suchen. Aber gerade das
ist eine weitere Schwäche des Westens,
daß er sein Erstgeburt?recht um ein
Linsenmus verkauft, daß seine Regie
rnngen und Millionen der Seinen
Christentum gegen Liberalismus und
Säkularismus eingetauscht haben, uud
durchseucht sind von den liebeln, die sie
im Gegner zu kämpfen vorgeben.
Und das ist die größte Tragik des
Westens!
i Die militärische Lage
Dtfe Meldungen vom koreanischen
Kriegsschauplatz lauteten in den letz
ten Tagen nicht mehr ganz so besorg
niserregend wie vordem. Aber die
Niederlage ist, bei allem Heroismus,
der noch schlimmeres verhütete, voll
ständig. Es scheint die Möglichkeit
vorzuliegen, daß die Kämpfe am Acht
unddreißigflen Breitegrad zum Ste
hen kommen, bis sich in Lake Succeß
die politische Lage geklärt hat, wenn
das bei dem Mangel an gutem Wil
len auf der Seite Rußlands und Chi
naS möglich ist.
Die Ver. Staaten und ihre Verbün
deten können in Ost-Asteit keine ent-
ist, hat Kriegsmittel von solcher Macht
entdeckt und eingeführt, daß die See
len aller ehrlichen Menschen von
Schrecken erfüllt werden, weil sie jetzt
nicht nur die Truppen treffen, son
dern oft Zivilbevölkerung, Kinder,
Frauen, alte Leute, die Kranken, und
mit ihnen auch kirchlichen Zwecken die
nende Gebäude und hervorragende
Monumente der Kunst vernichten.
„Wer erschaudert nicht bei dem Ge
danken, daß zu den vielen Friedhöfen
des letzten Krieges neue hinzukom
men und die rauchenden Ruinen der
Städte an Ausdehnung gewinnen?"
Der Papst erklärte, das HI. Jahr
habe gezeigt, daß „die Völker von
Krieg, Streit oder Haß nichts wissen
wollen, sondern sich nach Frieden seh
nen".
Er wies darauf hin, daß in den
Ländern hinter dem Eisernen Vor
hang Bischöse und Priester im Ker
ker schmachten, und fuhr fort: „Wir
dürfen nicht vergessen, für jene zu be
ten, die unt der Gerechtigkeit willen
Verfolgung leiden und sich im Ge
fängnis befinden, weil sie die unan
tastbaren Rechte der Kirche verteidigt
haben.
„Auch müssen wir für jene beten,
die fern von der Heimat im Elend
leben oder sich noch in Gefangenschast
befinden.?'
scheidende Rolle durch den Einsatz von
Landarmeen ausüben. Ihre Stärke
beruht auf der Flotte und der Flug
Waffe. Die alten Theorien über die
entscheidende Bedeutung der Seemacht
werden heute durch den Einfluß der
U-Boote und die Bedeutung der Lust
beherrschuitg modifiziert. Aber sie sind
auch heute giltig. Daraus ergeben sich
Folgerungen für die weitere Strate
gie auf der koreanischen Halbinsel.
Die nächste Sorge, die alle anderen
Gesichtspunkte überragt, ist die Ver
meidung weiterer Opfer der amerika
nischen, britischen, türkischen Batait
lone, der Elitetruppen der Ersten Ma=
rine Division und der übrigen verbün
deten Streitkräfte.
Eine gewisse Konsolidierung scheint
an der Westfront eingetreten zu sein.
Die feindliche Hauptstadt Pyongyang
wurde nach sechsundvierzigtägiger Be
setzung geräumt. Die beim Rückzug
x.
Die ablehnende Haltung, die Erz
bifchof Ireland den.deutschen Katho
liken und ihren Bestrebungen gegen
über einnahm, kam vor allem in drei
Aktionen zum Ausdruck, in denen er
entweder im eigenen Namen als Ober
hirt von St. Paul handelte oder als
Wortführer des amerikanischen Epi
skopats oder vielmehr eines Teils der
Bischöfe auftrat.
Im Jahre 188(1 bekämpfte er eine
dent Hl. Stuhl unterbreitete Petition
im Interesse der Pnstorierung der
deutschen Katholiken, die von Milwan
fee ausging und die volle Gutheißung
von Erzbischof Michael Heiß hatte. Im
Jahre 1802 stand er an der Spitze des
bewegten Kampfes gegen den soge
nannten Cahenslyismus. in den die
Tagespreise und nichtkatholische Poli
tiker unter der Führung des Minne
sota'er Bundessenators Cushman K.
Davis mit leidenschaftlichen Schmäh
ungen und Verdächtigungen eingrif
fen. Im Jahre 1888 wandte er sich
gegen die Abhaltung eines von den
deutschen katholischen Vereinen Min
nesotas beschlossenen Katholikentages
in Chaska in der Erzdiözese St. Paul.
Die meisten der mit diesen Streit
fragen sich befassenden Denkschriften
und Broschüren liegen vor mir, und
meine Registratur enthält nicht weni
ge Briefe und Zeitungsausschnitte, die
sich darauf beziehen. Durch eine sorg
fältige Prüfung dieses Materials läßt
sich feststellen, daß Mißverständnisse
und die Geschäftigkeit von übelwol
lenden Zuträgern und manche Takt
losigkeiten auch auf deutscher Seite
nicht wenig beitrugen zur Ver schär,
tnng des Streites, der au sich aus
prinzipieller Gegensätzlichkeit hervor
gegangen war.
Was vor allem falsche Informatio
nen anbelangt, so entfällt ein nicht
geringer Teil der Schuld aus katho
lische Blätter vom Schlage des .West
ern Watchman' in St. Louis, dessen
Redakteur, Ret). David Phclait, eine
unheilvolle Rolle spielte. Dicier fand
ein Pendant in dem Bnffalo'er Prie
ster Ren. Georg Zürcher, der aus sei
nem nationalistischen elsässischen Res
sentiment heraus alles mit Galle über
goß, was irgendwie deutschen llr
sprnngs war. Er war der Mann, der
das O.S.B, der Benediktiner in pro
bibitiomstifchen Hetzblättern als „Or
der of Sacred Brewers" deutete, weil
St. Vincent's in Pennsylvania ein
kräftiges Abteibier braute, und gegen
den Bischof Ryan von Buffalo wegen
skandalöser Verläfterung deutscher
Gemeinden einschreiten mußte. Als
vor vierzig Jahren unter dem Titel
»5be 'Apple of Discord" ein gehäm
ges Buch gegen die weltliche Macht
des Papstes erschien, bezeichnete ich im
,Wanderer' Zürcher, mit seiner Den
fnngsart und feinem Stil vertraut,
als den hinter einem Pseudonym sich
versteckenden Verfasser und forderte
ihn leider erfolglos zu einer
öffentlichen Widerlegung meiner Be
hauptung heraus. Auf deutscher
ite war es vor allem die publizisti
sche Tätigfeit von Rev. Peter Rosen
der im übrigen auch einige lesens
werte Bücher schrieb —, die den
Streit verschärfte. Seine unter dem
nam de plume Ojintjintka' veröffent
lichte Schrift „Archbishop Ireland
die zum Teil den Besiedelungs
projekten des Erzbischoss gewidmet
war, wurde an Bitterkeit allenfalls
nur durch ein ähnliches Pamphlet von
I. AHern, einem ehemaligen Re=
dakteur des .Northwestern Chronicle',
übertreffet*."
v*
Hundert Äkchre katholisches
Neben in Minnelots
Nr. 38
auseinander gerissenen Verbände sind
im Laufe der Woche neu gruppiert
worden. Die isolierten Einheiten im
Osten des Landes streben aus tiereisten
Pfaden nach dem Hafen Hamhung.
Zwischen der Ostküste und den japa
nischen Inseln stehen Schiffs- und
Flugbrücken offen.
Der oft wiederholte Vergleich mit
der Rettungsaktion von iDirnfirchcn
im Sommer 1940 trifft nur bedingt
zu. Damals bestand auf der verbün
deten Seite feine lleberlegenheit in
der Luft, und damit war auch der
Einsatz der Flotte äußerst riskant.
Diesmal erfolgt die Evakuierung der
Verwundeten auf dem Luftweg.
Kriegsschiffe des britischen „Common
wealth" patroullieren an der West
küste, und amerikanische Flottenein
heilen beschirmen die Kämpfer entlang
der Ostfront. Andere Einheiten der
(Fortsetzung auf Seite 5)
Der deutschen katholischen Presse
jener Tage muß das ehrende Zeugnis
ausgestellt werden, daß sie eine durch
aus katholische Haltung einnahm. Das
gilt mit an erster Stelle vom /Wan
derer', dessen Redakteur, der Kontier
tit Hugo Klapproth, und Mitarbeiter
mit Ruhe und Sachlichkeit, ganz im
Einklang mit dem Motto des Blattes,
„Fortiter in re, suuvitcr in modo",
für das eintraten, was sie als recht
und gerecht erkannten. Sie konnten,
als Papst Leo XIII. in dem Breuc
„Testern benevolcittiae" das Schluß,
urteil in dem Streit sprach, in dem
letzten Endes alle vorausgegangenen
Kontroversen beschlossen waren, mit
stolzer Genugtuung feststellen, daß sie
stets da gestanden, wo Petrus ist.
An sich war die indirekte Maßrege'
lung, die Erzbischos Ireland den deut
schen katholischen Vereinen von Min
nesota zuteil werden ließ, von weit
geringerer Bedeutung als sein Ein
schreiten gegen die Milmaufee'er Pe
tition und den Cahenslyismus. Wenn
ich sie in der Besprechung voranstelle,
obwohl sie zeitlich auf die Millvau
fee'er Affäre folgte, so geschieht das
hauptsächlich deshalb, weil 1. hier die
Mißverständnisse so offen zutage lie
gen und weil 2. gewisse Befürchtun
gen, die Erzbischof Ireland zum Aus
druck brachte, auch heute für manche
Tendenzen auf dem Gebiet katholischer
Organisation maßgebend sind.
Der Tatbestand ist furz der fol
gende:
Auf der im Oktober 1887 in Man
fato abgehaltenen Jahresverfamin
lung der Katholischen Unterstützung?
Gesellschaft von Minnesota wurde der
Beschluß angenommen, gemeinsam
mit künftigen Jahresversammlungen
einen Katholikentag abzuhalten „zur
Förderung katholischer Belange". Ale
nächster Vorort wurde Chaska gewählt
und der Katholikentag auf den 1(».
Oktober 1888 festgesetzt. Tie vorgese
henen Reden sollten die folgenden
Themata behandeln: 1. Das Papst
tum 2. Die Erziehung der Jugend
3. Katholische Vereine 4. Die Soziale
Frage.
Unterm 31. Juli 1888 erstattete der
hochw. P. Casimir Hneppe, OS.F..
Ortspfarrer von Chaska und Sekre
tär des Vorbereitungskomitees, im
Namen dieses Ausschusses (Rev. John
Meier. Georg Mitsch und Matthias
Meyers) dem horfiw'sten Hrn. Erzbi
schof Bericht über die getroffenen Vor
hereitungen und bat um deren Gut
heißung und um die Vermittlung des
päpstlichen Segens.
Erzbischof Ireland antwortete in
einem laugen, vom 6. August 1888
datierten Handschreiben, in dem er fei
ne Giitheißung und die Vermittlung
des päpstlichen Segens rund heraus
verweigerte. Es kam nachher ein
Kompromiß zustande, unter dem der
hochw'ste Hr. Erzbischof die Abhal
tung des Katholikentags erlaubte un
ter der Bedingung, daß er unter der
Etikette einer „dramatisch^nusikali
schen Unterhaltung" vonstatten gehe.
In seinem Schreiben an P. Cast
mir beschwerte sich der hochw'fte Hr
Erzbischof darüber, daß der geplante
Katholikentag^ in Chaska unter sal
icher Flagge segle. Die Anregung zu
der Veranstaltung sei nicht von den
Minncsota'er Vereinen ausgegangen,
sondern vom ersten Deutsch-Amerika
nischen Katholikentag, der am 6. Sep
tember 1887 in Chicago abgehalten
wurde. Die deutschen katholischen Ver
eine von Minnesota, schrieb er v.
(Fortsetzung auf Seite 8)

$eres*gcgelcB PipUiche» Äil egis* A«sephi»»« z«m Beste« der Priesterzögliuge. Preis für ei» Iah? is de» 8er, (Stertes $3.00, is SUstdt ssd alles asdere» Sisters $3AO.

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