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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 18, 1951, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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JV
K~t*M
Wertung der Muttertchstt
Bon Dr. P, e e S chm i
5.
V. D.
Die Zeiten sind noch nicht allzu
fern, da galt es als das höchste Glück
der Frau, ein eigenes Kindlein an die
Brust drücken zu können. Ter sehn
lichste und innigste Wunsch einer jeden
Frau ging nach dem Kinde. In der
Mutterschaft sah man den Gipsel des
Wesens und Seins der Frauen. Mit
ungeheucheltem Mitleid blickte man
aus jene «Frauen, denen der Kinder
segen in der Ehe versagt blieb, und
diese selbst empfanden die Kinderlosig
keit wohl als das schwerste Kreuz, das
sie durch ihr Eheleben bis in ein sor
genvolles Alter hinein tragen mußten.
Die Achtung und Würdigung der
Mutterschaft lebte damals eben nicht
nur in tiefempfundenen Liedern und
Gesängen, sie war vor allem lebendig
im Herzen und 'Gemüt der Frauen
und Mütter.
Heutzutage ist das in weiten Krei
sen anders geworden. Tie Mutter
schaft als ein Glück und einen Segen
zu betrachten, klingt vielen nur noch
wie ein Märchen. Eine Mutter, die
einigen Kindern über die gewöhnliche
Durchschnittszahl das Leben geschenkt
hat, wird bedauert und bemitleidet.
Es wird wohl wenige Gebiete geben,
aus denen sich eine so gründliche Um
Wertung der 'Anschauung vollzogen
hat wie hinsichtlich der Einschätzung
der Mutterschaft. Mir Tausende unse
rer 'Frauen ist die Mutterschaft nicht
mehr das höchste irdische Glück, nicht
mehr die Krönung und Vollendung
ihres Lebens, nicht mehr der gottge
wollte Zweck ihres irdischen Daseins,
sondern nur noch ein Mißgeschick, eine
lästige Bürde, eine unangenehme
Unterbrechung der gewohnten Lebens
weise ein Uebel, dem sie sich aus
alle nur mögliche Weise zu entziehen
suchen. Mit der Schnelligkeit einer
verheerenden Epidemie hat diese An
schauung um sich gegriffen und der
massenmordende „weiße Tod" in Ge
stalt von Geburtenbeschränkung und
Abtreibung ist die traurige Folge die
ser Volksverseuchung.
Einen guten Teil der Schuld daran
tragen sicher die wirtschaftlichen Ver
Hältnisse. Arbeitslosigkeit des Mannes
und Vaters, Nahrungssorge und
Wohnungsnot, Verteuerung auf allen
Gebieten des wirtschaftlichen Lebens
lassen die Mutter mit bangen Sorgen
dem Eintritt eines Kindes in die Welt
entgegensehen. Nun mußten wir aber
schon seit gar vielen Jahren an der
immer mehr um sich greisenden frei
willigen Geburtenbeschränkung wahr
nehmen, daß die Achtung vor der
Mutter imnser tiefer sank. Und gerade
da wurde die Kinderzahl am kleinsten,
wo das Leben am üppigsten und die
Wohnungen am geräumigsten waren.
Man sollte nun meinen, daß dort, wo
die wirtschaftlichen Verhältnisse einer
normalen, unverdorbenen Frau die
Mutterschaft erschweren, eine stille
und tiefe Sehnsucht nach dem Kinde
zurückbleiben müßte, die nur auf eine
günstige Gelegenheit zu ihrer Erfül
lung wartet. Aber es will scheinen,
als ob auch diese Sehnsucht in den
Frauenherzen erstorben sei, und das
ist wohl Nicht nur auf das Schuldkonto
der äußeren Verhältnisse zu setzen.
Das Verlangen nach Mutterschaft
ist in diesen .F^uenseelen von an de
rem Streben und anderen Begierden
verdrängt worden und diese haben
die Achtung und Wertung der Mut
terschaft untergraben. Weil diese
Strömungen die Oberhand gewon
nen haben, nimmt man die Wirtschaft
lichen Verhältnisse als willkommenen
Anlaß, der Mutterschaft auszuwei
chert. Gewiß bedeutet Mutter sein kein
leichtes 'Spiel keine Tändeleien, son
dern fummerreiche Sorgen, große
Schmerzen und eine verantwortungs
volle Aufgabe. Der opferfremde,
selbstsüchtige Zeitgeist der neueren
Zeit hat, jeglichen Idealismus bar,
diese dem naturhaften Menschen fürch
ierltch erscheinenden Begleiterschei
nungen der Mutterschaft zu stark be
tont und ihnen gegenüber um so rück
sichtsloser die Forderung nach Be
quemlichkeit und Genuß erhoben. Eine
fast krampfhafte, erdhaftem Materia
lismus entstammende Angst, von den
bisher genossenen Gütern der Erde
auch nur ein weniges einbüßen zu
müssen, gönnt einem eigenen Kinde
nicht den Platz an der Tafel des Le
bens. Dazu kommt noch die oft über
triebene Furcht der Frau, durch die
Schwangerschaft und Geburt an ihrer
Gesundheit Schaden zu leiden, und
bei den Oberflächlichen die bange
Sorge, ihre wohlgepflegte Schönheit
zu verlieren. Diese wollen dann nur
noch Weib sein, die Mutter haben sie
in sich ausgelöscht. Dazu kommt noch
der gemeine Egoismus brutaler Ehe
manner, die die Kette bestimmter Ge
ttüffe der niedrigsten Sphäre duxch
keine Vatersorgen und gebotene Rück
sichten auf die eigene Gattin unterbro
chen wissen wollen das sind die
Totengräber, die der Hochachtung vor
der Mutterschaft das Grab geschaufelt
haben.
Ter moderne Materialismus hat
der Mutterschaft jeden Schimmer von
Geistigkeit geraubt und sie aus das
Niveau einer rein physischen Funktion
herabgedrückt Das ist sicher eine der
bedauerlichsten Umwertungen sitt
licher Größen, die sich in den letzten
Jahren vollzogen haben. Mit bangen
Sorgen muß man gewahren, daß diese
Strömung noch immer mehr um sich
greift, daß ein Stillstand überhaupt
noch nicht abzusehen ist. Sind nicht die
immer mehr zunehmenden Freisprüche
unserer Gerichtshöfe bei Kindestötun
gen bei aller gebotenen Rücksicht
nähme auf die seelischen Berzweis
lungszustäude der meist unehelichen
Mütter ein Zeichen dafür, daß
diese Wellen bereits in unsere Justiz
hineingelangt sind? Taß man in der
breiten Ceffcutlichfeit einen Kampf
gegen den Mutterschaftszwang führt,
ist doch nur möglich, wenn weiteste
Kreise auf der Bahn des Niedergangs
der Wertung der Mutterschaft stehen.
Nach den Motiven zu schließen, aus
denen von manchen dieser Kamps ge
führt wird, ist die Mutterschaft zu
einem Geschäfts- oder Spekulations
objjekt geworden.
Die Mutterschaft muß in der Ach
tung der Menschen wieder auf eine
höhere Stufe gehoben werden. Unsere
christlichen Frauen und Mütter müs
sen sich an erster Stelle daran er
innern, mit welch hoher Würde die
gotterleuchtete Vernunft des Christen
tums die Mutterschaft umkleidet sieht.
Mutter werden und Mutter sein ist
nicht nur ein naturhaftes Geschehen,
sondern Offenbarung eines erhabenen
göttlichen Gedankens, Erfüllung einer
von Gott gesteckten Aufgabe. Was der
Schöpfer Sich dachte, als Er Mann
und Weib getrennt schuf, das findet
in der Mutterschaft seinen augen
scheinlichsten Ausdruck. Gerade die
Mutter ist die Handlangerin Gottes
im Aus- und Ausbau des Menschen
geschlechtes, sie ist Gottes vorzüglich
stes Werkzeug bei der Schaffung eines
neuen Menschen. Durch sie will der
Herrgott die menschliche Gesellschaft
erhalten, will dem mystischen Leibe
Seines Sohnes immer neue Glieder
erstehen lassen und dereinst in der
Ewigkeit Seinen herrlichen Himmel
bevölkern. Der Mutterschoß ist die
Werkstatt Gottes, in der Er durch das
geheimnisvolle Walten der Natur
gesetze die Schöpfung der Menschen
werdung immer von neuem bewirkt.
Diese echte christliche Wahrheit über
gießt die Mutterschaft mit einer über
natürlichen Verklärung, sie bringt
wirkliche Hochschätzung der Mutter
schaft.
Wo diese Gedanken lebendig sind,
wo sich die Mutter ihrer Würde be
wüßt ist und auch der Mann sich in
Ehrfurcht vor dem Geheimnis der
Mutter neigt, da wird sich keine ent
weihende Hand frevelnd ausstrecken,
Gottes Gedanken und Absichten zu
verdrehen und Seinen Zwecken ent
gegenzuhandeln da ist die Mutter
schaft heilig, da wird sie nicht miß
braucht und in den Kot gezogen.
Tie Mutter ist eine Treuhänderin
Gottes. Tie zartesten Menschenwesen
hat Gott der Herr ihr anvertraut und
in die Hand gelegt. Was die Mutter
aus den Kindern macht, das bleiben
sie von einzelnen Ausnahmen ab
gesehen ihr ganzes Leben lang.
Nun soll sie Gottes Bildnerin sein,
die Kinder formen und gestalten nach
den Plänen des Schöpfers zu Seinen
getreuen Nach-und Ebenbildern. Von
dem Gelingen dieses Werkes und der
Lösung dieser Ausgabe hängt die
ganze Gestaltung des Lebensweges
des Kindes ab. In ihren Händen ruht
sein Schicksal. Darin ist aber auch ein
geschlossen, daß aus dem Schöße der
Mütter die Zukunft eines Volkes ge
bildet wird. Es ist daher eine gewal
tige Ausgabe, die unsere Mütter nach
Gottes Willen zu lösen haben kost
bare Schätze hat der Herr ihnen in
ihren Kindern zu treuen Händen und
sorgsamer Hut anvertraut.
Unsere Mädchenerziehung hat in
der Zukunft eine folgenschwere Auf
gabe zu erfüllen, von der es zum Teil
abhängen wird, ob unser Volk in sei
nen religiösen und sittlichen, aber auch
in seinen völkischen und Wirtschaft
lichen Belangen ein vollwertiges
Glied im Menschheitsganzen bleiben
wird. Mehr denn je wird die kom
mende Zeit von unseren kommenden
Müttern Selbstaufopferung, Ent
sagung, Hingebung, Liebe und Treue
verlangen. Soll die Mutterschaft ihre
alte Geltung wiedererlangen, dann
müssen namentlich unsere Mädchen
mit diesen sittlichen Qualitäten aus
gestattet werden. Ihnen muß der Ge
danke bis zur hellsten Gewißheit auf­
leuchten, daß die Zufriedenheit und
das Glück des Menschen nicht in der
Sorge für das eigene Wohlergehen,
in der lückenlosen Erfüllung sämt
licher triebhafter Wünsche, nicht in Ge
mtß und Bequemlichkeit zu finden
sind, sondern in der selbstlosen Arbeit
für das Wohl anderer, namentlich der
eigenen Kinder, wie überhaupt im
gottgewollten heiligen Dienst am Heil
der Mitmenschen, für die wir eine
Verantwortung tragen. Wohl türmen
sich der Hemmungen und Schwierig
feiten gar viele in den Weg, so daß der
Mensch ob der eigenen Unzulänglich
feit nicht selten mutlos werden und
verzagen möchte. Und wenn der
Mensch in der Tat zeitlebens aus die
eigenen schwachen Kräfte angewiesen
Ein Dichterwort sagt: „Lustigem
Trugbild in der Wüste gleicht der
Wünsche bunter Tand was als frische
Quelle grüßte, zeigt sich nah als dür
rer Sand." Darin liegt tiefere Wahr
heit, als es aus den ersten Blick scheint.
Das Menschenleben gleicht einer Wü
stenwanderung. Und wie der durst
gequälte Wüstenwanderer, der nach
einer frischen Quelle ausschaut, in
jeder Spiegelung der Luft so gerne
einen Ort der Labsal, eine Stätte der
Erquickung sieht, so erhofft des Men
scheu freudehungerndes, glückdürsten
des Herz tum jeder neuen Station des
Lebensweges irgend etwas Geheim
nisvolles, das der fiebernden Seele
Ruhe bringen soll. Wohl jeder Mensch
hat diese Stunden der Sehnsucht, wo
er von irgend etwas Großem träumt,
das in sein Leben eintreten und die
sem erst den rechten Inhalt geben
wird und bald hier, bald dort meint
er, nun komme das große, geheimnis
volle Unbekannte, nun komme die Zeit
des Glückes. Aber ist er dort am Ziel
seiner Wünsche, so sieht er, Wüste
bleibt Wüste was von fern als spru
delude Freudenquelle erschien, war
nur ein Wirbel dürren Sandes. Es
ist mit den Wünschen wie mit den
Sodomsäpseln: sie reizen von fern die
Sehnsucht nach ihrem Besitz, wer sie
aber in der.Hand hält, dem zerstieben
sie zu Staub.
Und doch verlernt da? Menschen
herz das Wünschen nicht, so oft es auch
die Nichtigkeit der Wünsche erfahren
mußte. „Ein jeder Wunsch, ist er er
füllt, kriegt augenblicklich Junge,"
sagt ein wenn auch nicht geschmackvol
les, so doch sehr treffendes Wort. Ein
alter Wunsch, der unser Herz jähre
lang in Unruhe gehalten hat, ist kaum
begraben, so steht schon eine Schar
neuer Wünsche aus und äffen uns mit
neuen. Bildern in der alten Weise.
Unser Herz ist wie eine Wiese, auf der
flüchtige, nichtige Erdenwünsche zügel
frei sich tummeln wie junge Füllen
auf der Weide. Unser Herz gleicht
einem Mühlstein, von Hoffen und
Wünschen wird er stets herumgetrie
ben und wenn „es nichts zu reiben
hat, da wird es selbst zerrieben"
(Logau).
Aber ist das recht so, und sollte es
so sein? Nein: Nach Gottes, unseres
Schöpfers und höchsten Herrn, heili
gem Willen soll die Menschenseele
etwas anderes sein als ein Tummel
Platz wertloser Wünsche, ein Land vol
ler Träumereien, bunt und unbestän
dig wie Seifenblasen, eine Kammer
voller eitler Hoffnungen, glänzend
und zerbrechlich wie Christbaum
kugeln. Nach Gottes Willen soll unsere
Seele ein fruchtbarer Acker sein, dar
auf nur ein immergrüner Lebens-
OHIO-WAISENFREUND
Ruch der ProzMon
Bon Joachim Samtlcbcn
MIerklungen sind Lieber und Festgeläut,
Bon Segenssl ut trieft alles Prangen,
3ch wand're die Wege, blumenbestreut,
Noch einmal, die Jesus gegangen.
Es hauchen viel Rosen ihr Duften so mild
)n den schweigenden Tannensäumen.
Ein himmlischer Friede mein Herz durchquillt
Und füllt es mit wonnigen Träumen.
Zu eng wird der Seele ihr irdisch Bett,
Die Glocken hört wieder sie hallen.
Wie einst Er gewandelt durch Nazareth,
Seh schimmernd den Heiland ich wallen.
Müntche
Aus W 0 lperts „Unterwegs
zur Heimat"
bleibt, dann wird die Lösung dieser
schwierigen Ausgaben nur wenigen,
von der Natur besonders beglückten
Wesen gelingen. Wie aber die Würde
der Mutterschaft unter den Segnun
gen der Uebernatur durch das Sakra
ment der Ehe bis 311 einer strahlenden
Verklärung gesteigert wird, so liegen
auch im Schöße unserer heiligen Reli
gion die Schatze und Kräfte bereit, die
auch den Schwächsten Niesekräfte ver
leihen können. Daher soll die religiöse
Vertiefung ein notwendiger Bestand
teil unserer Mädchenerziehung sein,
vn dein Maße, als die Religion wie
dernm unter der Menschheit ihren
richtigen Platz einnimmt, wird auch
die Mutterschaft in der Achtung und
Schätzung der Menschen steigen.
bäum wächst und zu immer größerer
Kraft sich entfaltet: die Hoffnung auf
die ewige Seligkeit. Nur ein Zu
kunftstranm hat Heimatrecht in unse
rem Seelenland, der Traum vom
himmlischen Jerusalem und er des
wegen, weil er allein mehr ist als ein
Traum. Nur eine Sehnsucht darf in
unserer Seele wohnen, die Sehnsucht
nach der Vereinigung mit Gott. Nur
eine Leidenschaft darf in unserer Seele
herrschen, die Leidenschaft, die sagt:
„Gott allein genügt." Ein Wunsch
muß unser ganzes Sinnen und Trach
ten gefangennehmen: daß Gott in uns
und wir in Gott seien. Wer diesen
Wunsch im Herzen trägt, dessen Herz
hat Ruhe von allen Wünschen und ist
gefeit gegen alle Enttäuschungen.
Könnte ich dir das recht klarmachen,
mein Freund, fo daß deine Seele in
dieser Stunde alle Wünsche fahren
ließe, die sie festhält wie „mit klam
mernden Organen", und daß sie mit
der ganzen Inbrunst, deren sie fähig
ist. diesen einen Wunsch ergriffe, du
hättest das Glück gefunden in dieser
Stunde.
Und sollte das nicht fein, so beginne
wenigstens in dieser Stunde und lasse
nie mehr ab davon zu beten. Gott
möge es dich erkennen lassen, daß du
nur in Ihm dein Glück finden kannst
noz'crim mo, mnrrim tc, möchte ich
mich erkennen und meine Armselig
keit, möchte ich Tich erkennen und Tei
nen Reichtum! lind bete, Gott möge
dir die Kraft geben, allen Erdenhoff
nungen und Sinnenmünfchen, die jetzt
deine Seele besetzt halten, für immer
Valet zu sagen, damit die eine große
Hoffnung darin einziehen und der
eine große Wunsch darin Platz finden
kann. Erst muß deine Seele evakuiert
werden von allen Engeln Baals, dann
erst kann der Geist des Herrn ein
ziehen. Möge die Stunde bald kom
men!
Wenn wir zusehen, wie Gott das
ganze Menschengeschlecht und jeden
einzelnen Menschen erzieht, so ist leicht
zu erkennen, daß alles, was Er tut,
darauf abzielt, uns die Nichtigkeit des
Irdischen einsehen zu lassen und
unsere Seele loszulösen von den Fes
seln der irdischen Hoffnungen und
Wünsche, um sie zu bereiten für ihr
ewiges Ziel sie frei zu machen von
allen Sehnsüchten, die abwärts und
seitwärts gerichtet sind, für die große
Sehnsucht nach oben. Alles Gute, das
Er uns schickt, schickt Er uns zu diesem
Zweck und alles Schwere, das Er uns
zu tragen auferlegt, legt Er uns
deswegen auf. Jede Freude und jedes
Leid ist ein Ruf: Sur
sum corda!
„Auswärts die Herzen!" Wenn Gott
uns ein Gut verweigert, nach dem wir
verlangend die Hand ausstrecken, so
tut Er es, weil Er will, daß wir die
Hände nach den ewigen Gütern aus
strecken. Wenn Er uns das Gold irdi
schen Besitzes aus der Hand schlägt, so
will Er uns dafür die Perle hinein­
legen, mit der Christus das Himmel
reicht vergleicht. Tie Ueberzeugung
laßt uns festhalten mit nnerschütter
lichem Herzen und felsenfestem Glau
ben, daß Gott unser gütiger Vater ist,"
der stets das Beste für uns tut. Nichts
ist imstande, unsere zerrissene Seele
sicherer zu heilen, unser unruhiges
Herz besser zur Ruhe zu bringen.
Schon die Heiden, wenigstens die edel
sten unter ihnen, ahnten es vermöge
der natürlichen Vernunft, die in ge
wifsem Grade Gottes Gnade und
Wesen erkennen fanit, daß Gott die
ewige Güte ist. ßur Zeit des Kaisers
Vespasian beschäftigte sich der Senat
mit der Frage, welche Benennung für
das höchste Wesen die rechte sei. Einige
meinten, man solle ihn Gott der Reich
tümer nennen, weil alles dem Reich
tum gehorche andere bevorzugteil den
Namen Gott der Weisheit, weil die
Weisheit alles regiere wieder andere
waren für den Namen Gott der All
macht, weil die Allmacht alles beHerr
sche lind bezwinge. Endlich aber stand
ein Senator auf und sprach: „Gott
ist nicht nur ein Gott der Reichen und
der Weisen und der Mächtigen, son
dern vor allein der Gott der Armen
und Dürftigen und fein Nernte darf
fein anderer sein als Gott der Gütig
feit!" Wir wissen es noch besser als
jener heidnische Senator, daß Gott vor
allem ein Gott der Armen ist und daß
vor Ihm auch die Reichen arm und die
Weisen einfältig und die Mächtigen
schwach sind wir wissen, daß wir ohne
Ihn nichts wären, daß Er aber alles
zu unserem Besten lenkt. Er macht
alles wohl. Ihm wollen wir uns dar
um ganz vertrauen. Alle Wünsche
mögen uns fern fein von dieser Stint
de außer dem einen, daß die Sehn
sucht nach Gott fürderhin der Leitstern
unseres Lebens sei.
Hab', was du willst, war's noch so viel.
Es hat dein Hunger doch kein Ziel.
Hab', was es sei, es heißt aufs neu:
Ach, hätt' ich jenes noch dabei!
Und hau du's auch, tft's doch nur
Rauch
Wer nichts begehrt, dem tuird's ge
währt
on Gott allein.
{Ter
steepen)
Der Wey durchs Uorn
Von F. S ch 0 n n e
e i a
Sommerttachmittag. Tas Torf liegt
in Stille und Sonne.
Nur das Rollen der Kugel auf der
toildroeimmiiponiteiien Kegelbahn ru
mort im Geräunie wie Nachhall ver
tobender Wetter, lind in der urväter
lichen Waldbauernftube tickt und tackt
die Wanduhr so eintönig, daß die gute
Mutter über dent heiligen Buch ein
nickt. das sie vor sich auf dem alten
A Horn tisch aufgeschlagen hat. Tie
Brillengläser geistern vor den schlaf«
müden Augen über den verschwim
ntendeit Buchstaben, die eigentlich
Frohbotfchaften, hohe Pia litten und
frontnte Legenden sind.
Aber Mutter weiß sie schon aus
wendig.
Wenn man fünfzig Sommer laiig
allsonntäglich über dem nämlichen
Buch sitzt, bis die Buchstaben sich wir
ren int nahen Schlaf des Müde
seins
Und die Mutter betet in Träumen
mit Erzengeln, psalmodiert schlaf»
nickend mit König Tay id, erbaut sich
an gewaltigem Prophetenwort und
öffnet ihr Herz den Heilandslehren
von der Bergpredigt: „Selig sind
die
Bis ihr in währendem Nicken die
Brille von der Nase gleitet und der
Schlaf für ein Weilchen verfliegt.
Tann liest sie drei, vier Sekunden of
fenen Auges und nickt wieder ein.
Ta nimmt Vater den sommerlichen
Strohhut vom Herdgqtänge.
Wir gehen durch den schweigenden
Hof zum Hohlweg hinaus, der hinter
dem Torf ins Feld führt.
Tie Hände auf dem Rücken, schlen
dern wir bald in Sonne, bald in
Schatten.
Auch der gute Pater nickt im
Schreiten wie Mütterlein daheim
über ihrem Buch.
Mir scheint, er schiäst im Gehen.
Oder ist er innerlich so versonnen und
gesammelt, daß er den Eindruck eines
Traumwandlers erweckt?
Hoch und still schreitet der alte,
immer noch ausrechte Mann, der mein
Vater ist, vor mir her auf einem.
Wege, den er feit fünfzig Jahren und
länger jeden Sonntagnachmittag wan
Mt.
Tiefen Weg könnte er als Blinder
gehen.
Ten Weg durchs Korn
Ein halbes Jahrtaufend und län
ger geht intmer ein Vater meines Ge­
schlechtes mit einem Sohne diesen Weg
durchs Korn am Sommersonntagnach
mittag.
Ich fühle i'v rnobl: die Väter. Vor
väter, Urväter schreiten schemenhaft
vor uns her auf dem Wege durchs
Kortt. Es ist ein heiliger Weg.
Tie Ufer der Ewigkeit grüßen und
glänzen an den schmalen Rainen, die
unser Fuß betritt.
Und die Aehren neigen sich in A iv
dacht 'vor dem stillen Zug der Leben
digen und Toten, die aus demselben
Fleck Erde Brot genommen, Kraft ge
sogen von Gefchlecht zu Geschlecht.
Wie in einer Heerschau über die
Mühen des Werktages, die sich in gol
dene Früchte wandeln, gehen wir den
Weg durchs Korn, köpf hoch über»
schwankt von den grüßenden, sin
genden Sommerähren.
Ain Wegesende nimmt der alte
Vater den Strohhut vom Haupte,
lind seine Lippen bewegen sich leise
wie in Andacht.
vn den Lüften ist ein Klirren und
Sir reit, als käme Antwort von oben,
nur dem Herzen hörbar: die Väter,
Vorväter, Urväter grüßen und win
ken aus ewigen Wettenräunten.
Am Wege durchs Korn vereinigen
sich die Gewesenen, die Heutigen, die
Kommenden.
Ein Söhnlein blüht mir in der
Wiege.
Sobald es lausen kann, gehe ich mit
ihm den Weg durchs Korn, führe ich
es der sommerlichen Feldbreite zu. die
einem Geschlecht Brot und Kraft ge
spendet seit einem halben Jahrtau
send.
Segnend hebe ich die Hand über
das Aehrengewoge im Sonnengold.
Und aus dem Haltucnheer flüstert
es leife: „Selig sind die.
a a 1 u n e a u i V o z i
mer zum Büroschreiber): „Ist Ihr
Prinzipal da?" „CH, für so hüb
sche junge Tarnen ist er immer zu
sprechen!" „So! Tarnt sagen Sie
ihm, seine Frau möchte ihn sprechen."
Verkannt. ..^hr Tienstmäd
chen, Herr Huber, muß wirklich eine
sehr reinliche Person sein jeden Tag
höre ich, wie es mehreremal das Kla
vier abstaubt!" „Aber, ich bitte
Sie, das ist ja meine Frau, die übt!"
e i »t e 1 e e
11
lu' i s i ch-
e r. „Herr Knittel. ich möcht' recht
schon bitten, daß Sie mir zum Ge
Imrtstag meiner Angebeteten ein recht
schönes Gedicht verfassen, so recht ver
liebt. wissen Sie.' Taniit Sie einige
Anhaltspunkte haben. Habe ich glitten
hier ein Bild meiner süßen Gabriele
mitgebracht." ..Wenn Sie mir die
Photographie nicht gebracht hätten,
war's leichter gelungen."
Keait, der berühmte Schauspieler,
kam einst in ein kleines englisches
Torf. Nachdem er zwei Tage dort ge
wesen war. wurde ihm nachts sein
Pferd gestohlen. Er eilte durchs Torf,
um zu suchen, und traf einen alten
Bauer auf dem Felde, den er nach dem
Pferd fragte. Ta fagte der alte
Mann: „Von hier bat's feiner ge
stohlen. hier find lauter ehrliche Leute
aber feit einigen Tagen wohnt unten
im Gasthaus ein Komödiant aus Lon
don. Kean oder Curat Heißt er, dem
traue ich das zu!"
Zunder zwölfjährigen Tochter Wal
ter Scotts sagte einst ein fremder
Herr, um das Urteil der jungen Tame
zu prüfen: „Nun, gnädiges Fräulein,
wie gefällt Ihnen das neue große
Werk Ihres Paters .Tas Fräulein
vom See'?" „CH, ich habe es nicht
gelesen," antwortete das junge Mäd
chen lächelnd „Papa meint, nichts sei
so schlimm für junge Mädchen als
schlechte Romane zu lesen!"
V u it ck e s K 0 11t 1 i
nt e 111. „Gnädiges Fräulein haben
wirklich einen entzückenden Teint!
Wie gemalt!"
Grenadier Müller wurde in diesem
Gefecht durch einen Wanzenstich leicht
verwundet.
ie Fehler. „Warum wollen
^ie eigentlich meinen Roman
nicht veröffentlichen?" fragte der
Schriftsteller. „Er ist mir zu farbig,"
sagte der Verleger. „Gleich im ersten
Kapitel wird der Graf rot vor Wut,
der Baron grün vor Neid, der junge
Maler weiß vor Schreck, die Baronesse
rosig überhaucht vor Verlegenheit und
der Kutscher blau vor Kälte!"

18. August
A I I E K E I S
u k e e e u e e

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