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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, January 05, 1952, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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Machen, bie angeblich erst ten ganzen
Konflikt heraufbeschlvören.
Und doch wagt niemand, Me Kata
stvophe zu verteidigen.
Und nun stehen wir alle vor der
(fntjcheiöung, ob wir unter Verlassen
aller Bindungen, bie uns in der Be
kenntnis-Kirche wesentlich waren, uns
vsn Dr. Niemoller ins völlig Unge
wisse führen lassen, oder ob wir uns
i ragen, wo wir selbst an seinen Irr
wegen mitschuldig sind, sei es durch
schweigen, sei es durch Unterschät
zung.
Die Katholiken kämpfen nicht für
Herrn Pacelli, den sie vielleicht für
einen tieffrommen im 9- prophetisch
begabten Menschen halben. Wofür
kämpfen wir eigentlich? Für eine
Zache, oder eine Person, deren In
rentierten unit Ziele wir nicht einmal
kennen?
Darüber müssen wir uns Rechen
schaft geben. Dies alles hat seinen
tieferen Hintergrund. Der moderne
Protestantismus lebt von der Ueber
zeugnng Rirschls, Harnacks und
Tröltschs, daß der eigentliche Sün
den fall ber Kirche darin bestehe, daß
die Christenheit die Linie des religiö-
"r»v
In einem offenen. Brief an
'Staatssekretär Acheson setzte sich
itQK kürzlich bie American Federa
stßti tion of Labor (AFofL) für eine
aktive Deutschland-Politik der
westlichen Alliierten ein. Die
AFofL, die mit ihren acht Mil
lionen Mitgliedern die größte
amerikanische Gewerkschaft ist,
-. unterstützte seinerzeit den Mar
jholl-Plcin, bekämpfte den De
ntontogc-Unftnii, und befürwor
-tete schon unmittelbar nach dein
Kriege eine enge Zusammenar
beit ber Welt-Teinokratien mit
ber jungen deutscheu Demokra
tie. I.m Nachfolgenden geben wir
die wesentlichsten Gesichtspunkte
,' dieses Schreibens an Acheson ih
rer Wichtigkeit halber ausfuhr-
..iich Wiedel
Die Alliierten «haben i'ich richtiger*
weise dazu verpflichtet, beißt es in
dem Schreiben, eine Politik zu betrei
bat, die es sich zum Ziele setzt,
Deutschland als ein gleichberechtigtes
Mitglied in bie Gemeinschaft der
freien Länder zurückzubringen. Aber
diese Politik sei voller Widersprüche.
„Während «dank amerikanischer Jni
native die demokratischen Mächte im
Alle JHans rasch handelten, um
die volle Souveränität Japans wie
derherzustellen, und um es von Maß»
nafptett biskriminotorischen Charak
ters zu befreien, haben wir und un
sere Verbündeten, soweit es sich um
Deutschland handelt, eine Politik von
halben Maßnahmen verfolgt, die da
rauf berechnet find, dem deutschen
Volk einen Schein der Gleichberechti
gung zu geben, während ihm die
Substanz der Gleichheit und Souve
ränität vorenthalten wird. Dieses
stückweise und irritierende. Verfahren
kann nur dazu führen, daß in einer
Zeit, tüO( es unbedingt notwendig ist,
die Gefühle der Freundschaft und
Solidarität zu fördern, Reibungen,
lliümlten und abweisende Gleichgül
tigkeit hervorgerufen werden. Diese
Politik muß im «deutschen Volke das
Vertrauen auf den guten Willen und
die Aufrichtigkeit sowohl ber Alliier
ten Und auch unseres Landes unter
graben. Es- ist diese widerspruchsvolle
Politik,, die weder Fisch noch Vogel
ist, welche beim deutschen Volk den
Verbacht aufkommen läßt, daß ge
wisse westliche Länder Deutschland ei
ne halbkoloniale Stellung zugedacht
er»."
Gleichberechtigung kein Haudelsobjekt
Der amerikanische Gewerkschaft^
verband bedauert, daß bei der Revi
[ion des Besatzungsstatuts eine Klau
sel beibehalten werden soll, die den
Alliierten das Recht gibt, in gewissen
Notstands fällen bie gesamte Regie-
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fm Metrien verlassen habe, um sich
der Bii'chofskirche Zuzuwenden. Das
war nicht Luthers These, obschon sie
meist als l'oldye gilt. Nun bemüht sich
der Protestant, vom Genie zu leben,
und iknt Bischof ebenso zu ertöten wie
die bekenntnismäßige Lehre. Der
Protestant ist längst einsichtig genug,
um zu sehen, daß dieser „Sünden
fall" bereits im Neuen Testament
selbst enthalten ist, weshalb entweder
weite Partien des Neuen Testamen
tes als „sekundär" ausgeschieden wer
den wie et5oa die Briefe an Timo
theus und Titus oder aber das
ganze 9tene Testament „entmytholo
gisiert" wirb.
Dies ist die Lage, in welcher die
evangelische Ehristeicheit gefragt ist,
ob ein Prophet mit der Lehre der
allgemeinen Christenheit und ihrem
?lint int Einklang steht, ob sie sich also
diesem Propheten hingeben darf, oder
ob dieser Prophet gar keiner ist, son
dern nur ein „Uebennenjch", der an
dere überführt, ohne daß er echte
christliche Gemeinschaft stiftet und er
aalt, indem er lehrt, was immer, was
zu allen Zeiten, was von allen ge
.ehrt warben ist.
«nd-PolMk der alliierten Mächte
rungsgewalt tu Deutschland wieder
an sich zu nehmen. „Die alliierten
Mächte müssen sich entscheiden, ob sie
gegenüber Deutschland ein Sieger
mtö Besiegten Verhältnis fortsetzen,
oder ob sie eine neue Politik einschla
gen wollen, bie daraus gerichtet ist.
Deutschland als Verbündeten für die
Verteidigung der freien Welt zu ge
winnen."
Die Alliierten ko»rnen nicht, um
General Eisenhower zu zitieren, „nitf
West-Deutschlanb auf einer Grund
i läge verhandeln, die Deutschland in
dieser Völkerfamilie eine Stellung
sichert, die seine Selbstachtung ge
tuährlch'tct" und gleichzeitig es wei
terhin Äs eine Art von Protektorat
behandeln, in dem die Selbstregie
rung des Volkes in letzter Instanz den
übergeordneten Machtbefugnissen der
drei Hohen Kommissare oder Botschaf
ter unterworfen ist. Unter solchen Be
dingungen würde bie Gleichberechti
gutig, die zu erlangen. Teutschland
hoffen könnte, lediglich symbolischen
Wert haben. Wir fordern die Alliier
ten.nachdrüchlich auf, jede Befürchtung
und jeden Verdacht dieser Art dadurch
zu beseitigen, daß sie erklären, daß
Teutschlands Gleichberechtigung kein
Handelsobjekt ist, sondern eine Sache
unverletzlicher Grundsätze.
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Schützenhltfe für den Komnulnismus
Mit besonderer'Schärfe wenbet sich
die AFofL gegen jene alliierten
Deutschland-Berater, die glauben, um
die grundlegenden Voraussetzungen
einer Teutschland-Berechtigung her
umkommen zu können, indem sie eine
PnuKtgandafiitt gegen deutsche Kri
tiker dieser Politik lo-Slassen. „In ei
ner Situation wie der heutigen, in
der «die Zusammenarbeit und Konzen
tration aller demokratischen Kräfte in
der ganzen Welt notwendig ist, wir
ken sich Angriffe auf die Sozialdemo
kratisch Partei West-Teutschlands
und gegen jede andere demokratische
Arbeiterorganisation zersetzend aus die
dentofmtische Einheit aus, bie wir alle
anstreben. Sie haben diesen Kampf
geführt, noch bevor die alliierten
Mächte gegen ihre Sowjet-Partner
von Jalta und Potsdam. Verdacht zu
schöpfen begannen. Die einzigen
Kräfte, die wirklich von diesen Pro
paganda-Angriffen profitieren, sind
Moskaus Kommunisten in Deutsch
land und die Neo-Nazis, die mit
Recht die demokratische Arbeiterbewe
gung als ihren Hauptfeind betrach
ten." (Die einseitige Stellungnahme
zu Gunsten der deutschen Sozialdemo
kraten entspricht ber traditionellen
Politik der AFosL, die nicht begreifen
will, das im Grunde genommen kein
wesentlicher Unterschied zwischen So
zian&mn* und Kommunismus be
steht. Red.)
Das Vertrauen der deutschen Ar
beiterbelvegung in die Weisheit von
Entscheidungen, die von einer Schu
man-Plan-Bchörde zu erwarten sind,
sei sicherlich nicht durch den Beschluß
der Rllhr-Behörde gestärkt worden,
der Deutschland zwinge, Ruhr-Kohle
zu niedrigen Preisen auszuführen
und amerikanische Kohle zu einem viel
höheren Preis einzuführen. „Wir
müssen begreifen, daß, wenn wir wol
len, daß das deutsche Volk ein mäch
tiger Verbündeter sei, wir ihm nicht
einseitige Verpflichtungen auferlegen
können."
N«r ein freies Bolk kann sich
verteidigen
»Diese /unbefriedigende Lage erkläre
es auch, weshalb die Vertreter der
demokratischen deutschen Arbeiterbe
w e u n u n a u a n e e S i h
ten e d.) sich kritisch zu ben al
liierten Plänen eines deutschen mili
tärischen Beitrages zur Verteidigung
Europas verhalten. „Demokratische
Deutsche, die alles verabscheuen, was
an die Nazi-Aggression erinnert, kön
nen keinen anderen militärischen Bei
trag ins Auge fassen, alK den freier
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Männer, die ihre Rechte gegen totali
täre Aggression verteidigen. Keine
Nation liebt es, unter einem Regie
rungssystem zu kämpfen, das nicht
völlig von allen Elementen d«r
Fremdherrschaft frei ist. Es kann nicht
erwartet werben, daß die Deutschen
in den Kampf gegen den Totalitaris
mns ziehen, wenn sie gezwungen sind,
dabei die Oberhoheit ber alliierten
Hohen Kanunissare oder Botschafter
hochleben zu lassen."
Als einzigen der beteiligten Län
der werde Deutschland eine National
armee und ein eigenes Oberkomman
do verweigert. Der kritische Einwand,
daß der Pleven-Plan für etwaige
deutsche Truppen eine Stellung zwei
ter Klasse vorsehe, sei berechtigt. Vom
demokratischen Standpunkt sei dieser
Plan gefährlich. „Die demokratische
Arbeiterbewegung in Deutschland
(und auch andere Schichten des deut
schen Volkes Red.) ist bestrebt,
das Wiederaufleben reaktionärer mi
litaristischer Tendenzen unter etwai
gen künftigen deutschen Truppen zu
verhüten. Sie ist det Ansicht, daß es
deswegen unbedingt notwendig ist,
daß eine solche Armee einer strikten
Kontrolle durch das .deutsche Paria
inent unterworfen sei. Wir sind mit
diesem Standpunkt vollkommen ein
verstanden."
Das Schreiben schließt mit ber Bit
te an Acheson, an die deutsche Frage
in einem neuen Geiste und mit neuen
Methoden heranzugehen, sonst werde
sich eine Neuregelung des Verhältnis
ses zwischen den alliierten Mächten
nnd Deutschland nicht in zufrieden
stellender Weise auswirken.
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Allen rückt vor
Als vor einigen Monaten die
lleberfluwng Schlesiens durch chine
sische Arbeiter gemeldet würbe, nahm
die westliche Presse diese Nachricht mit
einiger Skepsis ans. Heute weiß man
durch authentische Berichte aus den
Staaten 'hinter dem Eisernen Vor
hang, baß allein in den nördlichen
Industriezentren dieses Landes in
letzter Zeit über 200,000 Chinesen an
gesiedelt wurden. In Kattowitz und
Beuchen gibt es bereits ganze chine
sische Viertel, in Königstadt wurden
Reihenhäuser für chinesische Arbeiter
errichtet, und chinesische Restaurants,
Kauiläden und Basare schießen wie
Pilze aus der urdeutschen Erbe. Viele
der Angestellten haben ihre Familien
nachkommen lassen. Ueberall sieht matt
kleine gelbe und schlitzäugige Leute,
und Ehinesenkinder spielen in den
Dörfern mit ben Fachwerkhäusern
mid grauen Schindeldächern und den
alten Kirchen.
Und heute sind es nicht mehr Zehn
tausende oder Hunderttausende, die
von Asien vorrücken. Millionen sind
bereits im Zuge der planmäßigen
und zwangsweisen Umsiedlung durch
die Sowjet-Regierung in den oft- und
mitteleuropäischen Raum eingedrun
gen oder werden noch „erwartet".
Aus der in der Moskau'er Zeitung
,Prawda' aufgestellten Statistik ist
anband kalter Zahlen eine Massen
aussiedlung aus Asien nach Europa
zu ersehen, deren Ausmaß die Ein
brüche der Hunnen. Tataren und der
Horden Dschingis Ehans bei weitem
übersteigt. Hunderte von Lastzügen
der Transsibirischen Bahnen bringen
diese lebende Fracht nach dem Westen,
ununterbrochen wirb sie in russischen
und polnischen Häfen ausgeschifft.
Aus den Veröffentlichungen des ge
nanntett Blattes geht hervor, daß be
reits in den Jahren 1949 nnd 1950
rund 630,000 asiatische Arbeiter, zu
meist Chinesen, allein in den pol
nischen und tschechoslowakischen Berg
baugebieten angesiedelt wurden. Dazu
kommt etwa eine Viertelmillion Chi
nesen, die nach den statistischen Auf
stellungen des Moskauer Planungs
ministeriums in den Oel- und
Industriegebieten Rumäniens und
Ungarns eingesetzt werden sollen.
Ost-Preußen untersteht einer syste
matischen „Asiatisierung". Jnsbeson-,
dere das Gebiet um Königsberg ist
mit Bürgern der Sowjet-Republik
Kasakstan und Tataren überflutet,
deren Zahl 100,000 übersteigt. Nach
den in Moskau ausgearbeiteten Pro
jekten sollen in den nächsten zwei bis
drei Jahren, also 1952 und 1953,
noch weitere drei Millionen Asiaten
folgen. Ilm diese Massen aufzuneh
men, werden Städte errichtet, in
denen die den Satellitenstaaten „zur
Hebung der wirtschaftlichen Verhält
nisse" als „billige und anspruchslose
Arbeitskräfte" zur „Verfügung" ge
stellten Siedler dauernd Wohnung
finden sollen. Denn die einmal im
Westen seßhaft gewordenen Chinesen
werben woihl nie den Wunsch haben,
in bie keine Existenzmöglichkeiten bie
tenden Hungerdistrikte ihrer Heimat
zurückzukehren.
Aber nicht um die Sorge, den Hun
gernden und Darbenden Brot und
Existenz zu schaffen, ist es dem Kreml
zu tun. In Wahrheit bedeutet diese
..Friedensarmee" so lautet die in
der Sowjet-Propaganda gebrauchte
Bezeichnung —nichts andereS als eine
furchtbare und gefährliche Kampf
gruppe im Dienste der Weltrevolu
tion. eine der raffiniert auAgettügel-
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ten Aktionen, innerhalb to*»©iacht
strebens des Bolschewismus. Denn in
ihrer jetzigen Struktur bilden die asta
tischen Arbeiter eine willige und ge
treue ^Gefolgschaft des kommunisti
schen Systems, treuer und unterwür
figer als die Mehrheit der Bevölke
rung in den terrorisierten Satelliten
staaten, bereit ständig zunehmende
Unzufriedenheit in Moskau mit Recht
als eine Gefahr für die reibungslose
Tnrchführung der „Fünfjahrespläne"
attgeschen wird. Titrch die asiatischen
Sklaven und ihre Ansieblung in den
Hauptindustriegebieten Ost-Europas
sell dein geheimen Widerstand ein
Riegel vorgeschoben werden. Und zu
gleich soll ber einheimischen Bevölke
rung das „Beispiel sowjetischen Idea
lismns und sowjetischer Opferfreudig
keit" vor Augen geführen werden.
B. L.
Lhe im Dilemma
Zwischen Bevölkerungspolitik nnd
Staatssicherheit
Die folgenden Ausführungen ent
stammen der Feder des ehemaligen
Oberstleutnant der Roten Armee,
B. Wolkow. Sie erschienen in ,Der
Standpunkt' und werden in der Zür
cher ,'Orientierung' wiedergegeben.
In der Sowjen-Union sind die
MWT-Beantten die angesehensten
Männer. Sie erhalten hohe Gehälter,
gute Verpflegung und Kleidung,
Auws und sie besitzen Macht. Die
schönsten und interessantesten Frauen
in der UdSSR sind mit MWD-Leu
ten, den Sicherheitsbeamten, verhei
ratet.
Für den überzeugten russischen
Kommunisten ist das ganze Privat
leben, die Ehe, die Familie, die Liebe
mir Mittel zum Zweck. Sie sollen ihn
stärken und fähig machen, seinen auf
reibenden Dienst möglichst hundert
prozentig zu leisten. Und „hundert
prozentig" will gern jeder sein. Vom
frühen Morgen bis zwei, drei Uhr
nachts wird gearbeitet, eine Pause
zwischen 17 und 20 Uhr kommt dem
Familienleben zugute. Die Kinder
werden von der Großmutter, fremden
Leuten oder staatlichen Institutionen
betreut. Da auch die Ehefrau ihren
Berufspflichten nachzugehen hat. be
schränkt sich das tatsächliche Zusam
men leben auf 14 bis 28 Tage Urlaub
im Jahre, die man möglichst gemein
sam verbringt.
Much Mitte der dreißiger Jahre
galt laut parteiamtlicher Ansicht die
Ehe für einen eifrigen MWT-Mann
und Kommunisten als störend. Dos
Hitt sich völlig gewandelt. Mut legt
Wert darauf, daß die selbstverständ
lich im Sowjet-Stil gelebte Ehe dein
Manne ..eine sichere Familienetappc"
schafft. Am meisten begrüßt werdet*
Ehen mit einfachen Kommunistinnen
und Hausfrauen, die matt dann trotz
dem zn Parteiarbeiten heranziehen
kann. Eben mit „Bywschije Ljiidi",
mit „gewesenen Menschen", also An
gehörigen der früher herrschenden
Klassen, sind jedoch höchst unerwünscht.
Die freie Liebe, einst das Jbeal der
Oktoberrevolutionäre, hat völlig aus
gespielt. Auch die einst so erleichterte
Scheidung wurde seit 1939 systema
tisch erschwert. Kleine Leute können
sie sich finanziell einfach nicht mehr
leisten. Dagegen zeichnet man Mütter
mit vielen Kindern von Staats wegen
ans. wer zwölf und mehr Kinder ge
biert. wird zur Mutterheldm ernannt
und bekommt einen Orden.
Mit dieser Neubewertung der Ehe
geht eine politische Eheüberwachung
Hand in Hand. Die Ehe gilt durchaus
als die organische Grundzelle im
sozialen Leben der Menschen eine
Zelle und bei diesem Begriff muß
der totale kommunistische Staat schon
an einen weiteren, weniger gut klin
genden denken: Widerstandszelle!
Wie leicht kann die Ehe, kann die
Familie den Nährboden zu einer anti
revolutionären .Haltung, ja Verschwö
rung abgeben. Tamm das Dilemma,
in dem man sich augenblicklich befin
det aus bevölkerungspolitischen
Gründen will matt die Ehe fördern,
aus Gründen der Staatssicherheit ist
man bestrebt, bie Ehepartner und ihre
Kinder möglichst wenig int Schöße
der möglichen Widerstandszelle zu
sammenkommen zu lassen.
Die Ehen und das Privatleben
aller maßgeblichen Männer werden
darum von der MWT überwacht. Für
das Verhalten der Frau ist der Mann
verantwortlich. Das Familienleben
soll möglichst geordnet, solide und
spq^tanisch verlaufen, ohne bürger
liche Verweichlichungen. Den Frauen
der in Berlin stationierten Be
satzuitgsbcaittien nnd Offiziere ist es
verboten, Geschäfte im Westsektor zu
betreten, westliche Schneider und Fri
senre zu besuchen. Eine zu elegante
Sowjet-Frau gilt als infiziert und
läßt auf einen politisch lunzuverlässi
gen Ehemann schließen. Schon zahl
reiche zivile und militärische Sowjet
Funktionäre wurden von Berlin aus
nach Sibirien verschickt, weil sich ihre
Frauen mit „westlichem Flitterkram"
behängt Hatten.
Selbstverständlich regt sich gegen
diesen Puritanismus in etwas immer
der menschliche, vor allem weibliche
s
fr rillSMil trnrr und Ge
schäfts führ« ng des ,Wanderer' spre
chen ihren herzlichen Dank aus für
die vielen Beweise freundschaftlicher
nnd hilfsbereiter Gesinnung, die ih»
iten im verflossenen Jahr und beson
ders wieder in der Weihnachtszeit zn
gegangen sind. Es wird sich später
Gelegenheit bieten, über unsere Er
fahrungen in deu hinter uns liegen
den Monaten einen zusammenfassen
den Bericht zu erstatten.
Soweit es möglich war, haben wir
den vielen Freunden nnd Nothelser»
unter dem Episkopat, der hochw. Geist
lichkeit und dem katholischen Bolk
brieflich nnsern Dank ausgesprochen.
Aber es liegen Wochen angestrengte
ster Arbeit hinter uns, da fast
gleichzeitig alle Mitglieder unseres
Stabes durch allerhand Krankheit und
Unpäßlichkeiten in der Ausführung
ihres gewöhnlichen, reichlich bemesse
nen Arbeitspensums schwer behindert
waren.
1
Mkck 6b Wer
Wir bitten darum um Entschuldi­
Widerstandsgeist und sucht nach
irgendwelchen Auswegen. Das gilt
vor allem für bie hohen und höchsten
Partei- und MW'T^Kreise. Je höher
man in der ParteiHierarchie hinauf
steigt, desto heimlicher und verborge
ner wirb das Privatleben.
Zwar gilt auch 'hier die Maxime,
daß das Familienleben des Westens
zerfetzt, lax und lasterhaft fei, und
man hält auf sittenstrenge Disziplin.
Aber man sucht einen Ausgleich für
das Verbotene in geistigen und kill
tureUeit Werten. Die hohen MWD-,
Führer und ihre Familien pflegen
enge Beziehungen zu Gelehrten. Dich
terii und Künstlern. Ergänzt durch
bessere materiell
Lebensbedingungen,
wirb von ihnen ein Lebensniveau ein
gehalten. das nach außen streng ab
gedichtet bleibt. Der Lebenszuschnitt
ähnelt oft dem der gehobenen russi
schen Intelligenz früherer Zeiten.
Man pflegt untereinander wieder die
verfeinerten Sitten ber alten zaristi
schen Gefellschaft, sogar der Handkuß
güt_ natürlich niemals in der
Öffentlichkeit als eine unentbehr
liche Gelte.
Es 'hat beti Anschein,. Ms ob sich in
diesen Kreisen mehr und mehr eine
Art bourgeoiser Opposition in puncto
Lebensstil vorbereitet, bie allerdings
vorerst noch im geheimen lebt und
keinerlei politische Ambitionen hat
ganz einfach eine natürliche Reaktion
des freiheitsdürstenden Menschenher
zens gegen die puritanische Disziplin
des herrschenden Partei terrors.
fBtffiotror entdeckt ein neues
Leuttchlsnd
Nach zwanzig Jahren 'Seeffwge
Arbeit und Unterricht in China kehr
te jüngst der Franziskaner
P.
Mau«
rite- Heinrichs nach Deutschland zu
rück, in der frohen Erwartung, wie
der einmal in einer christlichen Atmo
fphäre^ loben zu dürfen. Ueber seine
Eindrücke schrieb er in der Prie
sterzeitschrift ,Sanctificationostra'
«Werl) ein Betrachtung unter dem
Titel: „Wenn man aus China
kommt".
Seilte erste Erfahrung war, baß
die christliche Atmosphäre in Deutsch
land verschwunden ist. Er fand sogar,
daß selbst im heidnischen, kommuni
stischeit C'hina das Straßenbild zwar
nicht christlicher, aber zuchtvoller sei.
Ferner gebe kein Heide in China mit
ferner Ehe um wie viele Christen
hier. Er macht die ahnungsvolle Fest
stellung „Mit bent Christentum in
Europa geht auch Europa selbst un
ter. Das ist sicher. Der strikte Beweis
dafür ist das Volk, das an seiner Fa
milien- und Ehemoral stirbt. Und
Asiens Völker leben. Sie leben von
Tag zu Tag mehr. Unser technischer
Fortschritt wird auf die Dauer allein
nicht mehr ausreichen zum Wider
stand gegen eine Milliarde Menschen
int asiatischen Raum. Deutschland
macht mich unruhig, zumal unsere
gefüllten Kirchen mehr Traditions
als BekenntniÄkatholizismus darstel
len. Wir haben am Christlichen einen
großen Substanzverlust erlitten. Den
macht feilte Kultur oder Politik oder
Wirtschaft wieder wett."
Tie zweite Erfahrung des Missio
nars war die große Ahnungslosigkeit
seiner Landsleute hinsichtlich der Ge
fahr, die von ber riesigen Machtzu
smnntenballung .droht, die von ber
Elbe bis Schhanghai reicht. Er kann
sich das nur als Nervenerschöpfung
nach jahrelanger Ueberfpannung ber
Nerven erklären. Und wenn er ein
mal einen Vortrag halte über bie
Turchschlags-kraft der kollektivistischen
Ideen, dann komme ein Erschrecken
über die Leute, das sich aber nicht in
Widerstanbsenergie umsetze: ..Es
fehlt das Christliche, das Religiöse,
das allein bie Wendung herbeiführen
könnte."
Die dritte Erfahrung war der er
freuliche Aufschwung des liturgischen
Lebens. Das habe er früher in
5
gung, wenn manche Fre»«de über
scheu wurden oder nnser Dank ver
spätet eintrifft.
Die meisten der itt bnt ftffW
Auch für dieses Verständnis und
Eutggenkommen nnsern herzliche»
Tank?
Mit Boginn des Jahres 1952 be
trägt das Abonnement $4.00 im Is
land, $4.50 für Kanada und Ueber
see, und wir hoffen, daß die unhei»
lich ansteigenden Herstclluugskoste»
inene Lohnerhöhungen stehen am 1.
Febrnar in Aussicht!) nicht eine wei
tere Revision erzwingen!
Teutschland nicht in diesem Maß ken
nengelernt. Dennoch glaubt er war
nend sagen zu müssen, baß die ideale
Welt der Liturgie doch auch real blei
ben müsse und nicht zur Flucht vor
der harten Wirklichkeit werde. Es
gelte, den Alltag zu gestalten. Der
christlich gestaltete Alltag sei das aller
wichtigste Problem des heutigen Chri
stenlebens in Deutschland.
Die vierte Erfahrung bes Missio
nars war das unruhige Tempo uu&
das hastige Treiben des AktivismuA,
der tatsächlich ein Getriebenwerden
von den Wirbeln der Welt bedeute.
Tie abendländischen Christen dürften
nicht die tiefe christliche Beschaulich
keit preisgeben. „Unser Aktivismus
schaut manchmal mehr nach Angst
und Schwäche ans denn nach totrflv
cher innerer Stärke,"
Tic fünfte Erfahrung: „Unser Volk
hat seine messianische Ueberzeugung
vom Gottesreich weithin verloren,
aber ber Kommunismus hat sich den
Messianismus eines neuen Erdreichs
geschaffen. Er ist missionarisch bis in
seine letzten Soldaten und Arbeiter
hinein. Immer mehr 'habe ich den
Eindruck, daß unsere heutigen Meils*
scheu hier in Deutschland gar nicht
mehr wissen, was Erlösung ist, uttfr
deshalb haben sie auch keine Tiefe iflfr
Christlichen. Weil sie aber den Sinti"
für christliche Erlösung verloren ha
ben und deshalb auch keine missiona
rische Aufgabe mehr vor sich sehen,
deshalb werden sie anfällig für die
Erlösungsversprechung des Kommu
nismus."
So die Eindrücke des Missionars.
Gelten sie nicht auch für uns? Man
gelt nicht auch uns der begeisterte
Glaube an bie Mission des Christes
turns die Menschheit zu erneuem uttfc
ihr den Frieden zu gewähren.'
1
Wo­
chen eingelaufenen Zuschriften spre
chen sich rückhaltslos für die von nn*
im November in Aussicht gestellte
Erhöhung des AbonnementpreiseS
ans, und viele haben ohne viel Feder
lesens einen höheren Jahresbetr^
eingeschickt. Nicht ein einziger Abo»
neiit hat sich dagegen auSgesproche».
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