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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 05, 1952, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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Frsuenlschelu
Bon Helene K
Tahst du es schon? Du kannst
es sehen, wenn' deine Mutter sonn
tags aus der Kirche kommt, aus der
Freude und Herrlichkeit des Herrn.
Tann ist ein Leuchten in ihrem Lä
cheln, ein schönes, stillen Leuchten, das
alle ihre Worte und ihr Tun verklärt
und in deinem Herzen die Sehnsucht
nach dem Guten knospen läßt. Du
kannst es sehen, wenn die Lehrerin in
der Schule sich hilfreich zu den Klei
nen beugt, wenn sich eine zarte Kin
derhand vertrauend in die ihre
schmiegt, wenn eine Frau in Her
zensgüte und Verstehen den Armen
einen Zehrpfennig reicht. Wahres Lä
cheln wird nur aus selbstloser Liebe,
aus Mütterlichkeit, aus Gottinnerlich
fett geboren.
Lagst du schon einmal in einem
Krankenhause? Da gibt es viel Not,
viel Stöhnen und Aechzen und so viel
Sehnsucht nach einem bißchen Liebe
und Güte. Da gibt es aber auch Kran
kenschwestern, deren Lächeln kein Pa
tient vergißt, weil es ein Himmels
lächeln ist, weil es alle segnet, ohne
Unterschied von arm und reich, von
vornehm und gering, das jene Liebe
atmet, die durch persönliches Erleben
von Not und Leid und Herzensweh
ganz hellsichtig geworden ist.
Ein solches Lächeln macht schön,
selbst das Greisinnenangesicht mit
Runzeln und tiefen Furchen. Denn
Schönheit ist nicht nur Lieblichkeit und
Anmut, nicht nur srische, lebendige, in
Gesundheit und Vollkraft blühende
Jugend. Schönheit ist zu allererst und
zu allertiefst Beseelung, ein Wider
schein des Göttlichen und Erhabenen,
ein Unaussprechliches, aus dem höch
sten Edeltum und der Abgeklärtheit
eines Menschen geboren. Diese Schön
heit ist der jugendlichen nicht nur
gleichwertig, sondern ungleich an
ziehender und ergreifender.
Sieh das Bild der Mutter Dürers!
Ihr Antlitz ist so alt und brüchig und
vermorscht, als hätte es Jahrtausende
vorüberziehen sehen. Aber durch die
Falten um den Mund, der viel zu
breit ist, um im eigentlichen Sinne
schön zu sein, spielt ein wundervolles
Lächeln. Es spielt bis in die Augen
hinein, die dich so gütig, so treu, so
seelenvoll, mit solch einer abgrund
tiefen mütterlichen Liebe ansehen, daß
du immer wieder wie gebannt vor
diesen Gotteslichtern stehst. O Mut
trelächeln! Du bist wie ein Winken
von den Sternen, wie ein Grüßen
aus der Ewigkeit! Du erzählst von
einer Seele, die reich und reif und
heilig geworden ist durch innerste
Güte, durch Entsagung, durch stille,
demütige Genügsamkeit. Vor diesem
Bild fallen einem unwillkürlich die
Worte Chamissos ein:
Und ich an meinem Abend wollte.
Ich hätte, jenem Weibe gleich.
Erfüllt, was ich erfüllen sollte
In meinen Grenzen und Bereich.
Bas Tadeln der Linder
Da Kinder noch nicht fähig sind,
immer das Richtige zu treffen, und
unzähligemal irren, so hat der Er
zieher ganz natürlicherweise oft, sehr
oft zu tadeln. Etwas ganz anderes
als Tadel aber ist Zank dieser ist
schon zu den Strafen zu rechnen. Für
den Tadel genügen die Regeln.
Erstens: er verlasse nie den Ton
freundlicher Belehrung zweitens: er
treffe alles, was falsch, irrig oder
schlecht ist drittens: ist das zu Ver
bessernde noch gar zu viel, dann greife
er nicht alles auf einmal, sondern
eines nach dem anderen an auch er
leichtern sich die Eltern die rechte Art
des Tadelns, wenn sie sich vornehmen,
kein überflüssiges Wort zu sprechen,
so kurz zu sein wie nur möglich. Ver
langt das Kind noch weitere Erläute
rungen, so gibt man sie ihm bereitwil
lig bei ernsteren Dingen muß ihm
jedenfalls der Sachverhalt vollständig
klargemacht werden, es muß deutlich
einsehen, worin es gefehlt hat, aber
auch da darf nur im Tone der Be
lehrung gesprochen werden. Hat man
etwas verkehrt oder unrecht erläutert,
so soll das nicht zum zweiten- und
drittenmal geschehen. Ist dem Kinde
ein einziges Mal deutlich und recht
anschaulich erklärt, welche Gefahr da
mit verbunden ist, eine Nadel in den
Mund zu nehmen, so braucht ihm das
absolut nie mehr gesagt zu werden.
Nimmt es sie aber doch wieder in den
Mund, so ist das nicht mehr Unkennt
nis der Gefahr, sondern Gedanken
losigkeit, und es bedarf also keiner
langen Rede, sondern nur der Er
innerung: „Nadel aus dem Mund
nehmen!" Das Kind wird sofort ver
stehen und tun, was es ja vernünf­
"f i.' Jj[.
izba-*-
tigerweise tun muß sieht es uns zu
fällig an, fo -braucht man nur auf den
Mund zu deuten, und jedes Wort ist
zuviel. Eltern halten sich oft zurück,
wollen nicht gerne tadeln, fürchten,
des Tadelns werde ja kein Ende
nehmen, übersehen manches, lassen
lieber die Kinder allein, damit nicht
stets Anlaß zum Ermahnen ist. Das
muß man nicht tun, sondern man sieht
soviel als möglich nach seinen Kin
dern und tadelt alles, was tadelns
wert ist. Daß zu viel Verdruß und
Unruhe daraus entstände, braucht
man nicht zu befürchten, wenn man
nach der Regel Nummer eins ver
fährt aber die will allerdings be
achtet fein. Man soll alles sehen, aber
nicht alles tadeln, sondern nur das,
was unrecht ist und was nicht ist, wie
man es verlangen kann aber wenn
es sich darum handelt, böse Gewohn
heiten und dergleichen abzugewöhnen,
dann tut man wohl, eine nach der
anderen in die Kur zu nehmen man
kommt schneller und sicherer zum
Ziel. Was den Eltern die meiste Mühe
macht, sind die schlimmen Angewohn
heiten der Kinder, denn sie sind oft
sehr schwer abzugewöhnen nicht, daß
sie an und für sich zu schwer auszu
rotten wären, sondern es ist nicht
leicht, das rechte Mittel anzuwenden.
Das erfolgreichste Mittel ist stete Be
obachtung und jedesmalige Erinne
rung.
Uinderlonntsg
Bon Bognmil Goltz
Haben wir großen Leute ihn auch
noch, diesen Tag, an dem Gott der
Herr ausruhte, diesen Kindersonntag,
diesen zauberischen Tag, an dem sich
alle Poesie und alle Andacht mitsam
men vermählen und der Himmel auf
Erden zu Gast geladen ist? Ist sie
noch unser, diese Sabbatfeier, der alle
Natur zustrebt, wie alle Lebensbewe
gung einem Ruhepunkt?
Nein, es ist nicht mehr Sonntag
wie sonst! Nur die Kindheit hat einen
Sonntag, denn sie hat ihn inwendig
voller Sonne, es mag draußen schön
Wetter sein oder nicht. Am Sonntag
war in meiner Kindheit immer schön
Wetter, in jeder Witterung und Jah
reszeit. Wie konnte ein Sonntag häß
lich sein, wie war das möglich an dem
Tage, da man mit dem entzückenden
Bewußtsein erwachte, daß wirklich
Sonntag und nicht etwa Schulmon
tag sei!
O über dieses Erwache« cm dem
immer sonnigen Sonntag! Wo die
Wirklichkeit uns so heilig und schmei
chelnd umfing wie der Morgentraum
selbst ach, und so erwartungsvoll, wie
wenn sich Wunder und Ueberraschun
gen in jedem Winkel versteckt hätten!
Ach, an diesem Sonntag war nichts
so wie am Schul- und Werkeltag
man sog ihn aus den Lüften, man
trank ihn im bloßen Wasser, man er
ging sich auf dem Erdbdoen, die Son
nenstrahlen blitzten ihn in die Seele,
die Sperlinge zwitscherten ihn unter
den fernen Orgeltönen der Kirche, die
im Laub flüsternden Bäume erzählten
ihn sich, der Morgenwind trug ihn
im Aufgang der Sonne auf seinem
Fittich und überlieferte schon im
Morgengrauen die herannahende hei
lige Zeit!
O Herr, mein Gott, nun war es
wirklich Sonntag! Sonntag den gan
zen langen Tag, in allen Stunden und
Minuten, Sonntag in jedem Augen
und Sonnenblick! Sonntag in allen
Pulsen und Blutstropfen, Sonntag
in Sinn und Gedanken, in allen
Kisten und Kasten, gleichwie in Seele
und Leib. Man konnte nichts hören
und sehen, nichts fühlen und emp
finden, nichts wollen und denken als
eben ihn, diesen Sonntag, diesen hei
ligen Tag! Er war Mensch, er war
Kind geworden, oder wir Kinder
waren zu lauter Sonntag verwünscht.
Mir schauerte jede Fiber am Sonn
tagmorgen in stiller Wonne und An
dachtslust mir war es immer, als
wenn am Sonntag Engel unsichtbar
zwischen Himmel und Erde auf- und
niederführen, als wenn der liebe Gott
selbst allenthalben umherwandeln
müßte. An diesem Tnge empfand ich
mit hellsehenden Sinnen das süße
Geheimnis des Lebens und die Schön
heit der Welt der Sonntag hatte mir
Augen und Ohren, Seele und Leib
und alle Organe verwandelt, wie das
etwa mit der christlichen Taufe einem
Mohren- und Heidensohne geschieht.
Dieser siebente Tag blitzte mir im Ein
geweide und in der Seele umher, daß
ich nicht zu bleiben wußte es war mir
allzu heilig und allzu schön in der
Welt. Man mochte ansehen und er
leben, was man wollte, es war anders
wie am anderen Tage. Es war das
alte und doch nicht das nämliche Ding,
es war vom Sonntag verklärt und
I I E
OHIO-WAISENFRECND
Das Gewitter
0,.,
Sie hören's nicht, sie sehen's nicht.
Es flammt die Stube in lauter Licht.
Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
Vom Strahl miteinander getroffen sind.
Bier Leben endet ein Schlag
Und morgen ist's FeiertW.
gefeit, von seinem Zauber umflossen.
Alles wie in einem seligen Traum,
nicht nur die Menschen und Tiere,
die Häuser, die Gassen, die Bäume,
die Winde, die Wasser, die Wolken,
die Lüfte, die Wetter und Jahres
zeiten vor allem Himmel und Son
nenschein sondern auch die Stuben,
die Hausgeräte, die alten Tische,
Stühle und Bettstellen in unserer
Kinderstube hatten eine unsagbare
Bedeutung, eine Sonntagsphysiogno
mie! Es hatte sie der Erdboden unter
den Füßen, und ich empfand es, der
Gassenkot hatte sie auch! Totes wie
Lebendiges wußte und bezeugte, daß
Sonntag sei! Alles war sinn- und
bedeutungsvoll, war heilig wie im
Himmel, webte und schwebte im
Hl. Geist.
Die Glorie, die Weihe des Sonn
tags umduftete und durchschauerte sie,
verwandelte, belebte und heiligte alles
von Anfang bis zu Ende. Ein jeg
liches konnte auch ohne Sprache vom
Sonntag erzählen die lauterste, die
entsprechendste Symbolik umfing alle
Dinge und Lebensarten, alle Kreatu
ren und alle Spielwerke an diesem
auserwählten und hochheiligen Tage.
So waren mein Gefühl und meine
Empfindung vom Sonntag. O wollte
Gott, es könnte heute so sein!
D«s Notwendigste in der
Trziehung
ist die Anleitung zum Gehorsam. Das
Unterordnen des Willens und des
Verstandes unter bestimmte Gesetze
kann nicht früh genug geübt werden.
In der ersten Kindheit geben Vater
und Mutter oder deren Stellvertreter
den Kindern die Gesetze bekannt, spä
ter Lehrer und Lehrerinnen, endlich
Sluül und Gemeinde.
Der erste Unterricht über die zu
beobachtenden Gesetze von feiten der
Eltern sollte so gründlich und durch
greifend fein, daß er in Fleisch und
Blut übergeht und die Grundlage für
Anerkennung unbedingter Autorität
bildet. Selbstverständlich haben sich
christliche Erzieher dabei auf die
höchste, die göttliche und die kirchliche,
Autorität zu berufen und die eigene
als Ausfluß derselben zu betrachten
und achten zu lehren. Dus kann und
soll in der größten Liebe geschehen,
so daß freudig gehorcht wird. Doch
nicht immer ist dieser idealistische Ge
horsam zu erreichen. Da mit
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In dumpfer Stube beisammen si«d
Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt,
Großmutter spinnt, Urahne gebückt
Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl
Wie wehen die Lüfte so schwül!
Das Kind spricht: „Morgen ist's Feiertag!
Wie will ich spielen im grünen Hag,
Wie will ich springen durch Tal und Höh'n,
Wie will ich pflücken viel Blumen schön.
Der Anger, dem bin ich hold!"
Hört ihr's, wie der Donner groll!?
Die Mutter spricht: „Morgen ist's Feiertag!
Da halten wir alle fröhlich (Moß\
Ich selber ich rüste mein Feierkleid
Las Leben es hat auch Lust nach Leid.
Dann scheint die Sonne wie Gold!"
Hört ihr's, wie der Donner groll!?
Großmutter spricht: „Morgen ist's Feiertag!
Großmutter hat keinen Feiertag.
Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid
Das Leben ist Sorg' und viel Arbeit.
Wohl dem, der tat, was er sollt'!"
Hört ihr's, wie der Donner groll!?
Urahne spricht: „Morgen ist's Feiertag!
Am liebsten morgen ich sterben mag
Ich kann nicht singen noch scherzen mehr,
Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer
Was tn' ich noch auf der Welt?"
Seht ihr, wie der Blitz dort fällt!?
Schwab
Klugheit abzuwägen und zu erfor
schen, welche Mittel hilfreich anzu
wenden sind, und auch Zwang und
Strafe dürfen nicht gescheut werden.
Vor allem aber muß das eigene
Beispiel der Eltern und Erzieher, ihr
Zeugen unter göttliche und weltliche
Oberherrschaft, den Kindern Vorbild
lich sein. Die Autorität des Vaters sei
maßgebend im Hause dieser leiste
willig seine religiösen und bürger
lichen Pflichten, mögen sie noch so
unangenehm und drückend erscheinen.
Sollten die Kinder auch im Anfang
nur gelinde gehorchen, mit der Zeit
darf man sie einsehen lehren, wie vor
teilhaft und gut für den einzelnen und
für die Gesamtheit der Gehorsam, die
Unterordnung ist, wie nur durch fie
innerer Friede mit Gott und den
Nebeitmetifchen fowie Ordnung und
Sicherheit in der menschlichen Gesell
l'chu-jt erreicht werden.
Äugendüraten
Jugend hat keine Tugend. So mei
nen die einen. Die Jugend besteht aus
lauter Engeln. So meinen die ande
ren. Die Wahrheit liegt in der Mitte.
Und den Weg, um diese Mitte zu fin
den, weift uns unser heiliger Glaube,
der uns lehrt, daß die Menschennatur
neben guten Anlagen auch Neigungen
zum Bösen hat. Darum heißt ein
großer und weiser Erziehungsgrund
satz Pflanze im Kinde möglichst früh
und ohne Unterlaß gute Gewohn
heiten und gute Grundsätze! Und fehlt
die Jugend, fo behandle sie liebevoll
und zugleich mit Ernst und Energie!
Schuld fordert Sühne, auch bei der
Jugend.
Es gibt Leute, die bei jung und
alt alles entschuldigen wollen. Ihrer
Ansicht nach gibt es Feine Schuld, weil
feine Willensfreiheit. Es gibt nur
Veranlagung", „Verhältnisse", „Gei
steskrankheit". Damit ist jeder „Herr
Mis'etäter" reingewaschen und alle
Gefängnistüren find damit geöffnet,
solche Ansichten sind recht „modern"
und entspringen einer ungläubigen
Weltanschauung. Sie spotten der Er
fahrung. Sie widersprechen dem Ge
wissen. Sie ruinieren die menschliche
Gesellschaft und beweisen dadurch
schon, daß sie unrichtig sind.
Andere erklären, daß mindestens
die Jugend kaum zurechnungsfähig
und darum auch nicht zu strafen sei.
Sie,fe#m zu erziehen, nicht zu strafen.
~s0t*,
K E I S
Vom zwölften Jahre an kann ein jun
ger Verbrecher in Deutschland vor den
Nichter gestellt und bestraft werden,
wenn es feststeht, daß er die ge
nügende Einsicht in die Strasbarkeit
seiner Tat hatte. Ter Richter, so sagt
das Strafgesetz, soll und darf milde
verfahren. Der Sträfling kann sogar
mit einem Verweis davonkommen. Er
kann in Erziehungsfürsorge gegeben
werden usw. Und diese milde Be
Handlung findet bis zum achtzehnten
Lebensjahre statt. Aber Strafe und
Abschreckung vor der bösen Tat müs
sen sein, sonst verroht die Jugend noch
mehr und die Gesellschaft geht in die
Brüche. Tie Parole muß heißen: „Er
ziebung durch die Strafe und nach
der Strafe", aber nicht in jedem Fall:
„Erziehung^anstatt Strafe." Strafe
ist aber ein Stück Erziehung, und hier
und da ein recht nötiges Stück.
Gerade die schlechte Erziehung der
jungen, schulentwachsenen Leute ist
eine große Kunst und eine große
Sache für Kirche, Staat und Gesell
schuft. Mit strafe allein ist es natür
lief) nicht getan. Sie ist ein letztes
außerordentliches Erziehungsmittel,
'as Notwendigste für diese jungen
"eute sind reife Persönlichkeiten, die
ihnen in diesen Jahren zur Seite
stehen sollten, um ihnen den lieber«
gang von der Führung zur Selbst
nihrung zu vermitteln. Eine große,
schwere, ideale Arbeit!
Die KelbÜAchtung des
Lindes
Unter den Kindern, welche Over
berg, der berühmte Regens und
Schulmann zu Münster im Anfang
des vorigen Jahrhunderts, um sich
versammelte und durch seinen herz
lichen und verständigen Unterricht zu
guten Christen ausbildete, befand sich
ein Mädchen, das seiner väterlichen
Ermahnung unzugänglich blieb es
mar ungehorsam und unredlich und
wurde an Lügen und trotzigem Be
lt eh men von Tag zu Tag schlimmer.
Es machte dem wohlmeinenden Mann
gar großen ft intimer, daß seine
Freundlichkeit und Güte sowohl wie
auch die nötig gewordene Strenge bei
dem Kinde erfolglos blieben. Er betete
darum viel, daß der liebe Gott es ihm
eingeben möchte, wie dieses Kind,
dessen böses Beispiel den Mitschüle
rinnen fchon zum Aergernis wurde,
behandelt werden miiffe.
Als das Kind ihm einst auf der
Straße begegnete und statt zu grüßen
ans Trotz und Widerspenstigkeit nur
ein unverständliches Murmeln her
vorbrachte, sprach Overberg liebevoll
zu ihm: «Meinst du nicht, es fertig
zubringen, gleich anderen Kindern
ein braves, ordentliches Mädchen zu
feilt? Versuche es einmal ich glaube,
es wird dir gelingen denn so her
untergekommen bist du doch noch nicht,
daß du dies nicht tonntest, wenn du
es nur ernstlich willst."
Das Mädchen sah ihn fragend an
in seinem Gesicht zeigte sich eine auf
fallende Veränderung. Und was Ver
fprechung, Drohung und Strafe nicht
vermochten, das war durch diese Worte
erreichte das Kind ward brav wie die
anderen. Und wodurch hatte Over
berg dieses erreicht? Zunächst durch
fein Gebet, das seinem Wirken Segen
gab und dann auch durch die kluge
Weife, mit welcher er die Selbst
achtung des Kindes geweckt hatte. Tas
Kind wurde durch diese Worte ernste
rer und besserer Meinung über sich
selbst es regte sich in ihm die Achtung
vor feiner eigenen Person, der es nicht
mit Können, fondern nur am Wollen
mangelte.
Tas Beispiel des ehrwürdigen
Overberg gibt den Eltern und den
Erziehern eine große Lehre. Tamil
das Kind sich selbst achten lerne, muß
es von feiner Umgebung geachtet wer
den. Es darf nicht bei jeder Gelegen
heit. selbst bei entern kleinen, ent
schuldbaren Versehen, hart und grob
angefahren und fo hingestellt werden,
als fei es das dümmste, unbeholfenste
und ungeschickteste von allen Kindern.
Wie soll es da Achtung vor sich selbst
bekommen? Man gebe vielmehr dem
Kraft und fein Können an Unter
nehmungen zu versuchen, die ihm
wahrscheinlich gelingen werden. Da
durch kommt es zum Selbstvertrauen
und zur Freude am Erfolg feiner
Tätigkeit. Mit dem Lob darf man
zwar nicht verschwenderisch sein, aber
man darf auch damit nicht geizen. Ein
verständiges Lob führt das Kind zu
einer richtigen Beurteilung seiner
selbst, wirkt anregend, erfreuend, för
dernd. Vor allem sollten die christ
lichen Eltern es nicht vergessen, son
dern immer vor Augen halten, daß
auch bei der Erziehung der Kinder die
Wahrheit gilt, welche die Spruchweis.
heit der Alten mit den Worten an
kündigt: „Ohne Gottes Gunst ist alles
Bau'n umsonst."
Tamm betete Overberg so viel für
die Kinder, in deren Seelen er Got
tes Reich ausbauen wollte.
\n
..Äch meine
nur..
Von M. Schifscrings
Kommt es nicht vor, daß uns auf
unserem Wege eine gute Bekannte be
gegnet, die uns mit Eifer das neueste
Stadtgespräch mitteilt und sich wun
dert, daß wir das noch nicht wissen,
was vielleicht schon morgen die Spat
zeit von allen Dächern pfeifen? Ge
wöhnlich sind es Dinge, die den lieben
Nächsten betreffen, und wir hören
gerne zu. Nicht etwa, weil es Gutes
und Edles ist, was wir da hören, son
dern weil esjumeist Dinge sind, die
uns Gelegenheit geben, zu kritisieren
und zu verurteilen. Wir denken nicht
daran, zu prüfen, ob das Gehörte
auch auf Wahrheit beruht, im Gegen
teil, das Urteil ist so rasch gefällt und
im Eifer des Gespräches werden noch
Vermutungen hinzugefügt, nur Ver
mutungen mit dem Zufatz: „Ich meine
ja nur ."
..Es ist in den meisten Fällen nicht
böser Wille oder Streitsucht, und an
die Folgen dieser ausgesprochenen
Vermutungen wird nicht gedacht.
Doch wie ein Stein, der ins Waf
fer geworfen wird, immer größere
Kreise um sich zieht, immer weiter sie
ausdehnt, so gehen die Worte, die dem
Munde so schnell entschlüpfen, von
Lippe zu Lippe weiter, immer mehr,
größer werdend, und das Ende ist
nicht selten wie eine Lawine, die blü
hendes Leben zerstört.
„Ach, ich meinte ja nur," sagt die
jenige mit unschuldiger Miene, die zu
erst die Vermutungen ausgesprochen,
ohne zu bedenken, daß keine Tat und
keine ausgesprochenen Gedanken ohne
irgendwelchen Einfluß auf unser oder
unserer Mitmenschen Leben bleiben.
„Ich meinte ja nur." Und die weni
gen Worte säten so viel Mißtrauen
und Zwietracht, stifteten Tränen und
Kummer. Manches Herz wurde schwer
belastet.^Ob wohl diejenigen, die über
fremde Schuld den Straft brechen, ein
mal bedenken, warum der oder die
jene Tat vollführte, die nun in aller
Leute Munde ist? Wäre es nicht edler,
barmherziger, im Gegensatz zu den
schlechten die guten Eigenschaften ans
Tageslicht zu ziehen? Wer weiß, aus
welchem Grunde der Schuldige jene
Wege ging, die ihn abseits führten
in die Wirrnisse des Lebens! „Alles
verstehen, heißt alles verzeihen." Kein
Mensch ist fo schlecht, daß er nicht eine
gute Seite hätte. Und oft ist ein
Mensch dadurch gerettet worden, daß
an dieses wenige Gute in seinem Het
zen appelliert wird.
.. Eine wirklich vernehme Seele wird
sich nie zur Tugendrichterin über
andere auf werfen. In einer edlen
ceele wird stets Mitleid und Güte
vorherrschend sein, sie wird nicht ver
dammen und verurteilen, noch sich
stolz von jenen wenden, die irregegan
gen, sondern ihre Hand bieten und die
Unglücklichen aufzurichten versuchen.
Niemand kann behaupten, daß er fo
fest steht im Leben, daß keine Schuld
an ihn heranreiche oder an feilte Kin
der. Bunt nnd seltsam verschlungen
find des Menschen Schicksale. Viel
leicht kommt einmal die Stunde, wo
fuirte Urteil, das wir über andere
gefällt, nm uns zurückfällt daß aus
unserem Lebenswege Steine liegen,
die unsere Füße verletzen, die andere
dorthin gewalzt mit den kurzen, ge
dankenlosen Worten: „Ich meinte ja
nur
«-'J

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