OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 05, 1952, Ausgabe der 'Wanderer', Image 4

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1952-07-05/ed-1/seq-4/

What is OCR?


Thumbnail for

:TF:
Ate fchsnden einen Gottes
Üretter
*i
Unter dieser Überschrift veröffent
lichte die nichtkatholische ,N. A.
Staatszeitung' am verflossenen Frei
tag den folgenden Leitartikel:
In einem Brief an die New Dorker
,Times', dem die Zeitung eine Drit
telspalte ihres kostbaren Raumes ver
gönnt, sucht Stanley Lichtenstein aus
Washington, D. C., den Ehrennamen
des kürzlich verewigten Kardinals
Faulhaber als Gegner der hitlerischen
Weltanschauung durch Behauptungen
zu untergraben, die das Licht der
Wahrheit nicht vertragen. Unter An
führung von Bruchteilen aus Pre
digten und sonstigen Aeußerungen
des Kardinals wagt es Hr. Lichten
stein, den Eindruck zu erwecken, als
sei der verewigte Kirchenfürst in
Wirklichkeit ein Anhänger Hitlers
und kein Gegner des Totalitarismus
in Deutschland gewesen.
In einem Zitat, das er fit der
,Times' anführt, wird beispielsweise
versucht, ohne genaue Angabe über
das Was und Warum der bezüglichen
Erklärung des Kardinals nachzuwei
sen, daß dieser sich im Sinn der For
derungen des Nationalsozialismus
zum Gegner der persönlichen Freiheit
erklärt habe. Tatsächlich sagte der
Kardinal am 6. November 1938 im
Zusammenhang mit Unruhen vor dem
Wiener Stephans-Tom, einem Zeit
Punkt, als solche „staatsfeindlichen"
Aeußerungen lebensgefährlich waren:
„Solche Losungen, wie ,Volksdienst
ist Gottesdienst' sind gleichbedeutend
mit Gotteslästerung. Während die
Kirche auf Gehorsam gegen die ord
nungsgemäßen weltlichen Behörden
besteht, muß sie doch für die gottgege
benen Rechte der Persönlichkeit eintre
ten. Ihre (der Bürger) persönliche
Rechte müssen um jeden Preis vertei
digt werden."
Als in katholischen Kreisen darüber
Beschwerde geführt wurde, daß Ka
tholiken, die sich weigerten, ihrer Kir
che den Rücken zu kehren, es erleben
mußten, daß damit ihre berufliche
Laufbahn zerstört war, forderte der
Kardinal in mutvoller Predigt das
Recht unbehinderter Tätigkeit aller
ihre bürgerlichen Pflichten erfüllen
der Glieder seiner Gemeinde. Noch
im Dezember des Jahres 1942, in
mitten des Krieges, hatte der Kar
dinal den Mut, öffentlichen Protest
dagegen einzulegen, daß Deutsche, die
bei Lustangriffen das Leben verloren,
kein christliches Begräbnis erhielten.
Dem Nazi-Regime warf er dabei die
Erklärung ins Gesicht, daß diese Luft»
angriffe die Vorläufer des „jüngsten
Gerichts" seien.
Die unbestreitbare Wahrheit ist es
eben, daß Kardinal Faulhaber neben
dem Bischof von Münster, Clemens
August Graf Galen, der von den
Nazis meistgehaßte deutsche Kirchen
fürst war. Sie sahen in ihm einen
der stärksten Gegner Hitlers und sei
ner totalitären Machtansprüche. Der
Kampf der Braunhemden gegen den
Münchener Kardinal nahm deshalb
so brutale Formen an. Am Christ
königsfest 1936 trommelten vor der
Münchener Hl.-Kreuz-Kirche Stoß
truppleute der „Deutschen Glau
bensbewegung" mit Fäusten und
Stöcken an Fenstern und auf dem
Dach von Faulhabers Wagen und
versuchten ihn persönlich zu mißhan
deln. Der daraus resultierende Pro
zeß wegen Landfriedensbruch qegett
die Angreifer wurde von Hitler selbst
niedergeschlagen.
Am Tag des Judenpogroms von
1938 wurde auch der Bischofshof in
München von einer mordlustigen
Menge mit einem Hagel schwerer
Steine überschüttet, durch den hun
dert Fensterscheiben und Fensterstöcke
zertrümmert wurden. In öffentlichen
Versammlungen sprachen hohe
Staatsbeamte und Parteifunktionäre
offene Morddrohungen gegen den
Kardinal aus.
In den Kreisen der eingefleischten
Parteigenossen kursierte das Wort:
„Lieber mit Rosenberg in die Hölle,
als mit Faulhaber in den Himmel"
ein Wort, das die konsequente und
stets charaktervolle Haltung des Mün
chen er Kardinals trotz Gift und Gei
fer heute noch und ewig ehrt.
h0^r
"Vß!#fc
Swing*
A
Die Zeitschrift der Pariser Domini
kaner ,La Vie intelectuelle' veröffent
lichte einen umfangreichen, mit rei
chem Dokumentenmaterial belegten
Bericht über die Lage der katholischen
Kirche in Polen, der außerordentlich
interessant ist, da er so manches über
die dortigen Verhältnisse, von denen
man meist nur bruchstückweise Kennt«
nis erhält, in ganz anderem Licht er
scheinen läßt.
Ein bezeichnendes Beispiel dafür,
wie der polnische Episkopat den
Kamps für die Sache Christi kämpft,
sind die mit der Liquidierung der
polnischen „Caritas" zusammenhän
genden Ereignisse. Die Regierung be
schlagnahmte alle kirchlichen Wohltä
tigkeitseinrichtungen. Der Kirche blieb
nur die Wahl, entweder ihre rechtmä
ßigen. Güter zu verteidigen, oder auf
sie zu verzichten. Sie entschloß sich zu
Die schweizerische Presse berichtete
jüngst über eine Volksabstimmung,
deren Ergebnisse in dieser Zeit der
Verschmierung der Grundsätze und
demagogischer Verhetzung überall Be
achtung verdient. Wir lesen darüber
in der Zürcher Halbmonatsschrift
/Orientierung':
Die eidgenössische Volksabstim
mung vom 18. Mai 1952 verdient
auch vom grundsätzlichen, weltanschau
lichen Standpunkt aus Beachtung.
Mit 421,000 gegen 328,000 Stim
men ist die sozialdemokratische Ini
tiative auf eine Vermögensabgabe in
Form eines „Friedensopsers" abge
lehnt worden. Es ging darum, ob die
überwältigende Mehrheit des Volkes,
die von der Vermögensabgabe (wenig
stens direkt und nach dem Gesetz) nicht
betroffen wurde, die Last der Wehr
Heftigkeit unseres Staatswesens einer
kleinen vermöglichen Minderheit durch
Mehrheitsbeschluß auferlegen wollte
oder nicht. Es ging um die Parole:
„Tie Reichen sollen zahlen", zu der
die Mehrheit der Nicht-Reichen Stel
lung nehmen sollte. Es ging schließ
lich um die grundsätzliche Frage, ob
d'e Mehrheit beschließen könne und
wolle, daß eine bestimmte Minderheit,
d. h. „die andern", bezahlen müsse
was zum Wohle des Ganzen und da
mit aller notwendig ist, oder ob eine
gerechte Verteilung der Lasten des
e e i n s a e n A n i e e n s a u a e
das Richtige sei: eine wahre Grund
frage einer echten Demokratie, ob sie
einfach die Herrschaft einer wechseln
den oder auch stabilen Mehrheit über
eine widerstandsunfähige Minderheit,
oder ob sie eine echte Sorge aller Be
teiligten für das Gemeinwohl in ge
rechter (wenn auch nicht gleicher) Ver
teilung der Lasten auf alle sein wolle.
V
1
Die Situation der katholischen Nirche
in Polen
Ohne Zweifel nimmt Polen unter
den Satellitenstaaten Moskaus eine
gewisse privilegierte Stellung ein,
und wir hören aus Polen nicht viel
von einer solchen Härte der Verfol
gung der katholischen Kirche wie etwa
in Ungarn, Rumänien und der
Tschecho-Slowakei, um von der Ukrai
ne ganz zu schweigen. Allzu leicht ist
man deshalb geneigt, dem polnischen
Episkopat vorzuwerfen, er erkaufe
durch Zugeständnisse und Kompro
misse von der kommunistischen Regie
rung ein möglichst reibungsloses Zu
sammenleben. Als konkrete Tatsache
führt man gerne den „Vertrag" vom
14. April 1949 an, den die polnischen
Bischöfe mit der Regierung geschlossen
haben. Tatsache aber ist, daß die Kir
che außerordentlichen Situationen
immer Rechnung zu tragen weiß, und
deshalb hat der Hl. Vater seinerzeit
dem politischen Primas Kardinal
Hlond außerordentliche Vollmachten
verliehen, die auch auf seinen Nach
folger Wyszynski übergegangen sind.
So sehr die Kirche das Martyrium
hochschätzt, sie will es nicht provozie
rcn. Denn sie hat nicht lauter Helden
als ihre Kinder, und auch und
gerade die Schwachen gilt es zu
retten. Tatsache aber ist weiter, daß
der polnische Episkopat eines Herzens
und eines Sinnes ist mit dem HI.
Stuhl, und daß es in Polen keine
„Kollaborationisten" mit den kommu
nistischen Machthaber» gibt.
letzterem und hob die „Caritas" in diese Lichter sind nicht ohne Schatten.
Getunder Kinn des Schweizer Volkes
Vorübergehend kann natürlich in ei
ner Demokratie die Mehrheit der
Bürger einem kurzsichtigen und kurz
fristigen Egoismus der Einzelnen
huldigen auf die Dauer aber kann
gerade eine Demokratie nicht bestehen,
wenn die einzelnen Bürger die sum
mierten Sonderinteressen der Einzel
nen über das Gemeinwohl und die
Gemeinwohlgerechtigkeit stellen.
Wir wollen natürlich nicht unter
stellen, daß alle Befürworter des
„Friedensopfers" sich nur von egoisti
schen Motiven haben leiten lassen
sie konnten auch beachtlich andere
Gründe dafür geltend machen. Noch
weniger wollen wir der Illusion hul
digen, als ob sämtliche Gegner der
Initiative aus höchsten staatspoliti
schen Motiven heraus zum ablehnen
den Entschluß „sich durchgerungen"
aller Form auf und handelte so nach
dem Grundsatz des seligen Papstes
Pius X., den dieser den französischen
Bischöfen zur Zeit der Verfolgung
nahegelegt hatte: „Den Gütern der
Kirche ziehet allezeit das Gut, die
Kirche, vor." Und dieses Gut ist ihr
eigentliches Wesen, das sind ihre Leh
re und ihre heiligen Sakramente.
Wohl hat man der polnischen Kirche
die Organisation der „Caritas" ge
nommen. Niemand aber konnte ihr
die Caritas, die christliche Liebe von
Mensch zu Mensch nehmen. In seinem
Fastenhirtenbrief rief der polnische
Primas seinen Gläubigen zu: „Euer
Fasten sei Unterstützung des Bedürf
tigen", und wo zuerst eine Organisa
tion geholfen, hilft jetzt der Mensch,
der Christ.
Ein anderer empfindlicher Ansatz
punkt des kommunistischen Kampfes
gegen die Kirche ist auch in Polen der
Kampf gegen den Vatikan. Man ver
sucht den einfachen Leuten einzure
den, der Papst sei deutschfreundlich
eingestellt, was sich vor allem darin
zeige, daß er die Deutschland abge
nommenen Ostgebiete noch nicht in
die polnische Hierarchie eingegliedert
hat. Sodann setzte die Regierung die
Generalvikare der westlichen Diözesen
ab und besetzte diese Stellen neu. Der
Primas aber bestätigte diese Emen
nungen und brach damit dem Versuch,
einen Keil in die polnische Kirche zu
treiben, die Spitze ab. Das Schisma
war beschworen durch das Monopol
der Kirche, die Liebe, und durch sein
Vertrauen aus die in diesen neu
ernannten Generalvikaren wirkende
Kraft Christi gewann der Primas
diese. Die Parole der polnischen Kir
che lautet heute: Alles opfern, was
nicht wesentlich ist, und vor allem
„uns selbst" opfern.
Noch eine andere Beobachtung läßt
sich in Polen machen: Die radikale
Abwendung der Masten vom Kom
munismus und ihre Rückkehr zum
Glauben und zur Kirche. Das Re
gime hat durch seine Maßnahmen ge
rade das Gegenteil erreicht: Der
Kommunismus wurde erkannt und
hat bitter enttäuscht die geschmähte
Kirche aber erfreut sich neuer Liebe.
Doch berechtigt dies alles zwar zu
einer wahren christlichen Hoffnung,
nicht aber zu Illusionen und auch
hätten. Aber für die Mehrheit der
Bürger stellte sich doch jene Alterna
tive. Die vorgeschlagene Vermögens
initiative war ja anerkanntermaßen
rein finanziell gesehen keineswegs un
tragbar und hätte in Notzeiten ohne
weiteres übernommen werden kön
nen, und der Entscheid ist manchem
nicht leicht gefallen. So dürfen wir
das Abstimmungsresultat doch wähl
a s e i n e e u i e s Z e i e n
e e n e s i n n e s o
I i i s e e i e u n e s u n
der Mündigkeit bewerten. Es
dürfte in der Welt wenig Abstimmun
gen geben, wo die Mehrheit beschließt,
daß die zahlungsfähige Minderheit
nicht bezahlen solle.
Es ging aber noch um einen zwei
ten Grundsatz: nämlich um die grund
s z i e A n e k e n n u n e s E i e n
tumsrechtes. Tie gegnerische
Propaganda machte mit Recht darauf
aufmerksam, daß es den Instanten
auf sozialistischer Seite nicht so sehr
um die Deckung der Wehrausgaben,
als um einen Angriff auf die großen
privaten Vermögen, ja letztlich um
die Kraft und Stellung des Privat
eigentums überhaupt ging. Die Ver
mögensabgabe sollte ja nur ein An
fang fein. Das merkte auch der kleine
Mann, zumal der Bauer, der eben
konkretes, sichtbares Eigentum, wenn
auch noch so klein, hat, und setzte sich
zur Wehr, obschon er zunächst und in
absehbarer Zeit nichts abzugeben hat
te er wollte eben doch grundsätzlich
das Recht auf Eigentum nicht anta
sten lassen. Auch dies ist ein erfreu
liches Zeichen.
Anderseits darf aber doch die große
Zahl der Ja-Stimmen (328,275),
und noch mehr die große Stimment
haltung (siebenundvierzig Prozent!)
nicht unbeachtet bleiben. Sie mögen
eine Mahnung fein, den Bogen ge
rade in der Zeit der Hochkonjunktur
nicht zu überspannen und lieber Ein
kommen und Vermögen art der
Quelle, bei der Einkommengestal
timg durch eine gerecht-großzügige
Aufteilung des Sozialproduktes, rich
tig zu verteilen, statt hinterher durch
überspannte Steuern und Vermö
gensabgaben, durch überladene So
zialversicherungen und ein ungesun
des Subventionswesen einen Zwangs
mäßigen Ausgleich zu bewerkstelligen.
Freilich bedeutet diese Forderung nicht
nur erhöhte Löhne und Preise, son
dern eine echte tiefergreifende Sozial
reform, wie sie ja von den Päpsten
in den letzten Jahrzehnten immer und
immer wieder gefordert wurde, leider
aber so selten verstanden worden ist.
•v
WANDERER"
Zur Abstimmung haben die ,Bafler
^Mchrichten'^ vom 19. Mai 1952 aus
der Feder von Redakteur Dr. D.
Barth einen trefflichen Kommentar
gebracht, der sich z.T. in ähnlichen
Gedankengängen bewegt, darüber
hinaus (jj£er einige beachtenswerte
Bemerkungen und Ueberlegungen
niederlegt.
„Das Welschland hat diesmal Nein
gesog^l zum Teil mit ansehnlichen
Mehrheiten, während die starken Ja
Kontingente aus der stark industria
lisier hm Nord-Schweiz stammen. Da
zu gesellt sich der Kanton Tessin, der
in den letzten Iahren in vermehrtem
Maße zentralistischen und damit of
fensichtlich auch etatistifchen Gedan
kengängen zugänglich geworden ist.
Mit teilweise sehr starken Mehrhei
ten hat dafür die eigentliche Ost
Schweiz Nein gesagt, ebenso die ka
o i s e n n e r- S w e i z
wo das Zwei-gegen-Eins-Resultat
des Standes Luzern besondere Er
wähnung verdient.
„Die Z u s a e n a u n
der Bevölkerung in immer größeren
Agglomerationen, die trotz allen Be
mühungen um Belebung des Bürger
sinns einen organischen demokrati
schen Aufbau weitgehend vermissen
lassen, erweist sich offensichtlich als
Nachteil. Das beweisen Basel sowie
Zürich und Schaffhausen, wo die so
zialistische Propaganda in den Massen
einen hohen Wirkungsgrad erzielen
konnte und wo der Appell an den
Neid deren, die weniger haben, gehört
wurde. Nicht in Erfüllung gegangen
sind hingegen die Hoffnungen, welche
die Sozialisten im stillen auf die in
den Ratsälen oftmals gut eingespielte
rot-grüne Allianz gesetzt haben dürf
ten: Die Bauern haben diese Speku
lation zunichte gemacht, und hier hat
sich einmal mehr gezeigt, daß ein klei
ner Landwirt selbst den Anfängen ei
ner Vermögensabgabe wehrt, auch
wenn er selber dadurch nicht betroffen
würde. Sein Grund und Boden ist
i k e i n o i i s e s S e k u
lationsobjekt, und bei aller
Geneigtheit, Subventionen anzuneh
men, ist der Bauer einem finanziellen
Aderlaß ganz sicher abgeneigt.
„Einmal mehr hat matt ferner fest
gestellt, wie stark die katholischen
Kantone verworfen haben, und wie
s e i e A n e i u n e e n
s a a s s o z i a i s i s e V o
stoße im konservativen Volk ver
wurzelt ist. Das ist aus zwei Grün
den bemerkenswert. Einerseits stärkt
es die Position der katholischen Kon
servativen in der eidgenössischen Poli
tik überhaupt, und auch in freisinni
gen Kreisen wird matt das zwischen
den Zahlen der sonntäglichen Abstim
mungsresultate herauslesen. Anderer
seits aber beweist das Ergebnis der
katholischen Stände und in den
konfessionell gemischten Konto nett
das Ergebnis der katholischen Bezir
ke, daß die sozialistische Neid-Propa
ganda hier noch immer recht wenig
verfängt. Ihrer materiellen Lage ent
sprechend hätten die Kleinbauern ka
tholischer Herkunft eindeutig für eine
s o 1 ch e Vermögensabgabe stimmen
müssen daß sie es dennoch nicht ge
tan haben, zeigt, wie wenig die ma
terialistische ,Beweisführung' der So»
zialisten hier verfängt.
„Gleichwohl ist es bedauerlich, daß
so viele Schweizer, darunter sehr vie
le Nichtsozialisten, sich durch die als
,Opfer' getarnte Vermögensabgabe
haben täuschen lassen. Dabei geht es
weniger um das Geld selber, als viel
mehr um die Mentalität, aus der
heraus das /Friedensopfer' verwirk
licht werden sollte: Bewußt wurde es
nur einer kleinen Minderheit zuge
dacht, von der man annahm, sie wer
de sich in der Massenherrschaft, als
welche die Sozialdemokratie die De*
mokratie leider noch immer versteht,
nicht wehren können. Daß eine deut
liche Mehrheit trotzdem Nein ge«
sagt hat, ist bei allen Bedenken,
die sich aus den mehr als 300,000 Ja
Stimmen ergeben müssen auch
wieder erfreulich. Die Mehrheit will
nicht, daß einer Minderheit ohne Not
allzu schwere Lasten auferlegt wer
den. Die Spekulation auf den Neid
aller, die durch die Vermögensabgabe
nicht betroffen worden wären, hat sich
als falsch erwiesen. Dafür wollen wir
dankbar sein."
Außplimdmmg
der Mchecho-Kwumkei
Ueber die Lage in der Tschecho
slowakei gibt die folgende Korrespon
denz interessante Auskunft.
Was alles seit dem Jahre 1945
aus der Tschecho-Slowakei nach der
Sowjet-Union verbracht wurde, läßt
sich heute nicht mehr genau feststellen.
Der Wert dieser Güter geht in die
Hunderte von Milliarden heutiger
Kronen, die immerhin auch in einer
harten Währung einen beträchtlichen
Milliardenbetrag darstellen. Dazu
kommt noch das Benesch-Geschenk der
Abtretung der früheren Karpatho
Ukraine, die heute als Ruthenet be
zeichnet wird, mit ihren unermeßli
chen Wäldern, ihrem kaum erschlösse
nen Erzreichtum und dem fruchtbaren
'WöttHöbiet im Süden des Landes.
k
iz
1
i"" «.»My-Ii Ml
^ir? TW»,** v t/ ,f ,^YT1' a w :j&Jk
vW---r^:^*.'.»-J-, ,A V v -., 1» -v'..'-V
r?)
',
E
v
Dazu kommt ferner das Uranerz, das
die Russen abbauet lassen und ost
wärts verfrachten, ohne daß eine
Stelle der tschechoslowakischen Repu
blik etwas hineinzureden hätte. Der
Wert der offiziellen Ausfuhr in die
Sowjet-Union beträgt derzeit rund
dreißig Milliarden tschechische Kronen
jährlich.
Im tschechischen Ministerium für
Außenhandel ist die größte Abteilung
dem „Geschäft" mit der Sowjet-Union
vorbehalten. Chef dieser Abteilung ist
der Sektionschef Jan Fierlinger, der
Bruder des stellvertretenden Mini
sterpräsidenten Zdenek Fierlinger.
Fierlinger ist allerdings nur der io
minelle Chef der Abteilung. Das
Kommando führt tatsächlich die „So
wjetische Handelsvertretung", die sich
in Prag-Deiwitz niedergelassen hat.
Diese Handelsvertretung schaltet in
Prag und in der tschechoslowakischen
Republik wie in einem eroberten
Land. Sie ist grundsätzlich an jedem
Erzeugnis interessiert, das man „aus
führen" könnte, natürlich nur in Rich
tung Sowjet-Union oder bestenfalls
als Kompensationsobjekt, mit dessen
Hilfe ein Produkt eines anderen Sa
tellitenstaats eingetauscht und in die
Sowjet-Union ausgeführt werden
könnte.
Die Handelsvertretung bereist auch
das Land und sucht nach geeigneten
„Ausfuhrobjekten". Es hängt dann
von der Geschicklichkeit der Fabriklei
ter ab, ob die russischen Gäste „aus
fuhrwürdige" Erzeugnisse finden oder
nicht. Als kürzlich eine Bleistiftfabrik
„besichtigt" wurde, zeigten die Gäste
ein verdächtiges Interesse für die
Mühlen, in denen die Füllungen ge
mahlen werden. Der Arbeiter, der die
Mühlen beaufsichtigte, war aber noch
rechtzeitig instruiert worden. Als er
gefragt wurde, wie lange denn die
Mühlen zum Mahlert brauchen, er
klärte er, „etwa drei bis vier Wo
chett", obwohl der Arbeitsvorgang
nur ebenso viele Tage benötigt. Da
nach zeigten die Gäste für die Mühlen
kein Interesse mehr.
Tie Arbeit der Abteilung für das
Geschäft mit der Sowjet-Union wird
streng bewacht, die tatsächlichen Aus
fuhrzahlen werden nicht bekanntgege
ben. Sie überschreiten jährlich bereits
die Summe von dreißig Milliarden
Kronen, ohne daß darin der Wert der
Uranerze enthalten wäre. Ferner
wurden z. B. synthetische Steine aus
der sudetendeutschen Stadt Gablonz
nach dem Westen ausgeführt und wa
ren gute Devisenbringer, auch wenn
sie nur zu Dutzenden verkauft wur
den. Seit 1951 müssen sie in die
Sowjet-Union geliefert werden, aber
nicht in Dutzenden oder Schocks, son
dem nach Kilogramm und Zentnern.
Umschlagplatz der Ausfuhrgüter
aus der tschecho-slowakischen Republik
nach der Sowjet-Union ist die frühere
Haltestelle Ciorna bei Cop, die zu
einem riesigen Ladebahnhof umge
baut wurde. Für die Arbeit werden
von Zeit zu Zeit eigene Arbeitsbriga
den aus besonders verläßlichen Kom
munisten zusammengestellt. Vor dem
Abgang derartiger Brigaden in die
Ost-Slowakei werden ihre Mitglieder
nochmals geprüft, damit sich nicht im
letzten Augenblick „unerwünschte"
Elemente einschleichen. Während des
Einsatzes werden die Brigaden, die
immer wieder ausgewechselt werden,
besonders gut verpflegt und entlohnt.
So hofft man sich ihr Schweigen zu
sichern, denn die können sehen, welche
wertvollen Güter die Tschecho-Slowa
fei in östlicher Richtung verlassen und
wie wenig die Einfuhr aus der So
wjet-Union dem Reichtum entspricht,
der da ständig aus dem Gebiet der
Gottwald'schen Despotie gesogen wird.
Lommuniüen Gegner der
Leligwn
Wo es'die Taktik erfordert, versu
chen die Kommunisten immer wieder
Duldsamkeit gegenüber der Religion
und den Priestern vorzutäuschen.
Wird doch sogar recht oft mit der
angeblich freien Religionsausübung
im Reiche Stalins Propaganda ge
macht. Wie der Fall Niemöller und
der des Roten Dekans von Canter
bury zeigt, lassen sich auch Vertreter
der Intelligenz und hoher kirchlicher
Behörden durch eine Taktik täuschen,
die zeitweilig soweit geht, der Reit»
gtott in wohlbemessenen Grenzen ge
wisse Zugeständnisse zu machen, um
das Ziel, die Massen der noch rncht
Unterjochten für den Kommunismus
zu gewinnen, leichter zu erreichen.
Solche tatsächlichen oder auch nur
scheinbaren, in jedem Fall aber nur
vorübergehenden Zugeständnisse kön
nen ja ohne weiteres zurückgenommen
werden, wenn die Umworbenen auf
den Leim gegangen sind und sich in
die Falle begeben haben, aus der es
dann kein Entrinnen mehr gibt. Wie
die Kommunisten wirklich denken und
dort, wo sie feine Rücksicht mehr zu
nehmen brauchen, in der Praxis han
deln, beweist die folgende Mitteilung
in der ,Augsburger Kath. Kirchenzei
tung':
In einer Entschließung der Leitung
der kommunistischen ungarischen Ar
beiterpartei,. die Richtlinien, über die
-i t. K V s 6«f
1
.- .•.' ^-. .• o,r
$* $ y -WMM'W
1
iT *u ?Tjg
Führung des Kampfes gegen die
„klerikale Reaktion" enthält, heißt e§,
innerhalb der Partei könne die Rv
ligion keine Privatangelegenheit blei
ben. Die Partei erwarte von jedeeC
wahren Kommunisten, daß er ein
Gegner der Religion fei.
In einem Rundfunk-Kommentar
des Budapester Senders zu diesen
Anweisungen wurde ausdrücklich fest
gestellt, daß selbst die sogenannten
„Friedens"-Priester d. h. jene
Geistlichen, die zur Zusammenarbeit
mit dem kommunistischen Regime be
reit sind mit Mißtrauen beobach
tet werden müßten. „Wir müssen uns
darüber klar sein," so hieß etz in dem
Rundfunk-Kommentar, „daß ditfse
Geistlichen, selbst wenn sie in politi
schen Dingen mit uns einig gehen,
ideologisch durch eine tiefe Kluft von
uns getrennt sind. Unsere Welt
anschauung ist wissenschaftlich be
gründet, während die Geistlichen ohne
Rücksicht auf ihre politische Haltung
aus dem Glauben heraus handeln/
Ein Kommunist, der an religiösät
Feiern teilnehme und seine Kinder
zum Religionsunterricht schicke, un
terstütze dadurch die Reaktion. Des
halb müsse von jedem Parteifunktio
när erwartet werden, daß er fest auf
dem wissenschaftlichen Boden der
marxistisch-leninistischen Lehre stehe.
Diese Entschließung und der Kom
mentar dazu gibt die wahre Einstel
lung der Kommunisten wieder. Lassen
wir uns deshalb mahnt das Augs
burger Blatt durch taktische Manö
ver nicht täuschen! Wenn ein Gut
gläubiger einen Widerspruch darin
finden sollte, daß die Kommunisten
auf der einen Seite so unverblümt
ihre Meinung äußern, während fie
auf der anderen Seite taktische Zuge
ständnisse machen, so möge er sich nur
daran erinnern, wie oft während des
nationalsozialistischen Regimes füh
renden Parteidienststellen im Eifer
des Gefechts Geständnisse entschlüpf
ten, die hernach von den Propagands
stellen insgeheim schwer gerügt wu!'
den. Auch in der Kunst der Verstel
lung gibt es eben bisweilen unange
nehme Pannen, die dann, Gott {ei
Dank, den allzu Leichtgläubigen wie
der rechtzeitig die Aitgen össnett.
Ueberdies war die offizielle Ver
lautbarung der kommunistischen Par
tei in Ungarn sicher nur für den inne
ren Gebrauch bestimmt. Es wird den
Herren in Budapest, zum mindesten
aber der Zentrale aller kommunisti
schen Lenkung unangenehm genug
sein, daß sie im Ausland, wo man
sich gerne in ein anderes Licht setzen
möchte, ein solches Echo findet.
Wir haben es nun wieder bestätigt:
Der Kommunismus ist absolut reli
gionsfeindlich! Daran ändert auch dje
Tatsache jtichtl, daß sich gelegentlich
Geistliche' als kommunistische Parade
pferde mißbrauchen lassen. Wir ha
ben im Dritten Reich ähnliches erleÄ.
Aitetmuer fordert zum Pro
Utt gegen Sperrgebiet auf
Nach Meldungen aus Bonn prote
stierte letzte Woche der deutsche Bun
deskanzler Dr. Konrad Adenauer vor
dem Bundestag gegen die Evakuie
rung und gegen die Absperrmaßnah
men entlang der Zonengrenze in der
sowjetischen Besatzungszone. Er legte
der freien Welt diese Vorgänge dar
und forderte sie auf, sich dem feierli
chen Protest der Bundesregierung an
zuschließen.
Dr. Adenauer sagte, nach Ansicht
der Bundesregierung müßten die Zo
nettgebiete der Bundesrepubliken zu
Notstandsgebieten erklärt werden.
Der Bundeskanzler griff die Anre
gung eines Abgeordneten auf, WD
nach die Bevölkerung in der Bundes
republik zu einer gemeinschaftlichen
freiwilligen Hilfsaktion für die
Flüchtlinge aus der Sowjet-Zone
aufgerufen werden soll.
Im Kabinett soll nach der Erklä
rung Adenauers erörtert werden, wie
diese Anregung in die Tat umgesetzt
werden kann. Der Bundeskanzler ist
der Auffassung, daß die Bewohner
der Bundesrepublik moralisch ver
pflichtet sind, einem solchm Attsmf
Folge zu leisten.
Zwei Ziele der Sowjet-Zo»e
Die Maßnahmen in der Sowjet
zone verfolgen nach Auffassung Aden
auers im wesentlichen zwei Ziele:
,,1„ eine noch intensivere Einbezieh
ung der sowjetischen Besatzungszone
in das Satellitensystem des Ostblocks
2. die Unterdrückung des Widerstan
des der Bevölkerung gegen diese Ab
sicht durch Einschüchterung und Tex
ror.
Die Bevölkerung der Sowjet-Zone
fühle sich jedoch mit dem freien Eu
ropa verbunden. Die Machthaber in
der Sowjet-Zone begründeten ihre
Maßnahmen mit der Behauptung,
der Deutfchland-Vertrag sei gegen die
Wiederherstellung der deutschen Ein
heit gerichtet, und sie müßten sich ge
gen Spione und Terroristen aus dem
Westen schützen.
Adenauer antwortete darauf, im
Deutschland-Vertrag werde ausdrück
lich die deutsche Wiedervereinigung
alK Mtztigstes tzsütisches Zj«i bezeich-
•^''1
'WiK
V
i
•I
'4
v
1
li
y
ii
i
"3f
1
S
i
5

V ..: ,-\. '•'. ---V .- :.r? \-..- v-z-.,-_ *,=-•- -,. /. ,• v, .^W..' :-, -e .*#?**

xml | txt