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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 27, 1952, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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I
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27. Dezember
noch zu sehr in aller Gedächtnis, oder
womöglich warten die Polen «ngedul
big auf den Tag, an dem sie auch gut
ohne Stalin-Denkmäler auskommen
können.
Zweifellos sind viele Angehörige
der Balkan-Nationen über diese Sym
bole der Stalin-Verherrlichung er
bost. Sie sympathisieren sicherlich
Heimlich mit jenem Rumänen, der an
dem Bukarester Stalin-Denkmal' fol
igendes Plakat anbrachte: „Wenn ihr
geht, vergeht nicht, den Joseph mitzu
nehmen!"
Ler neue „Grohe Herder"
Vor kurzem erschien der erste Band
des „Großen Herder" (Freiburg i.
SB.) in neuer Bearbeitung, die den
besten Traditionen der deutschen
Nachschlagewerke entspricht und zu
gleich nach Form und Inhalt, nach
Geist und Gestalt völlig neuartig
wirkt. Besonders imposant ist die Be
bilderung, die gleichwertig neben dem
Text steht und in erstaunlichem Maße
dazu beiträgt, Ereignisse, Probleme,
technische und naturwissenschaftliche
Fragen deutlich zu machen. Man ge
winnt den Eindruck bedachter, zuver
lässiger, mutiger Bemühung, aus der
Erscheinungen Flucht das Bleibende
festzuhalten. Gleichzeitig wird dem
Bedürfnis nach aktueller Information
mit erstaunlicher Prompthtit Rech
nung getragen.
Erstaunlich oft fühlt man sich ver
sucht in diesem Nachschlagewerk nicht
nur zu blättern, sondern auch sich fest
zulesen. Da ist z. B. die Erörterung
der Abstammungsfragen, unter Wah
rung des katholischen Standpunkts,
der entsprechend der weltanschaulichen
Grundlage des Herder-Verlags durch
weg zur Geltung kommt. Und gleich
daneben fesselnde Bildertaseln über
„Abstrakte Malerei" und über das
Motiv der „Angst". Dazwischen eine
Farbenphotogratzhie aus dem Bereich
der Technik: „Abstich bei einem Elek
troofen".
Kennzeichnend für die Aktualität
des Werks sind die statistischen Anga
Ben, die regelmäßig dem letzten Stand
von 1952 entsprechen. Bei Baden
Württemberg findet man die Znsarn
mensetzung der int Frühjahr gewähl
ten Landesversammlung. Bemerkens
wert ist die Würdigung des evangeli
sehen Theologen Karl Barth und des
problematischen Dichters Gottfried
Benn. Der russische Gestapo-Chef
Berija ist ebenso vertreten wie der
norwegische Bischof des Widerstands
Eivind Berggrav.
Länger verweilen mag man bei der
bilderreichen Behandlung des Themas
„Bad", an deren Spitze ein Mosaik
aus der San Marco-Kirche in Vene
dig steht: Der Geist Gottes über den
Wassern. Neben der „Geburt der
Aphrodite" aus dem römischen Ther
menmuseum findet man Holbeins
„Jungbrunnen" und die Taufe Jesu
nach einer byzantinischen Vorlage, ein
indisches Felsrelief: „Herabkunft der
Ganga" und die Kurpromenade in
Baden-Baden nach einem Stich des
neunzehnten Jahrhunderts.
Schwer kann man sich auch von der
schön geschmückten Abhandlung „Der
Baum" trennen, in der es heißt: „Die
Neberlieferungen, in denen die
Menschheit noch die Zeichen des
Baums zu deuten verstand, können
dem Christen dabei helfen, seinen viel
fach vergeistigten Glauben als Wirk
ljchkeit zu erfahren."
Diese Proben zeigen die Bemühung,
weltanschauliche Gesichtspunkte in den
Vordergrund zu rücken.'Daß dabei die
neuesten Erscheinungen des täglichen
Lebens nicht zu kurz kommen, wurde
bereits gesagt. So zeigt das Kapitel
Beton ein'Hamburger Hochhaus aus
dem Jahr 1951 und die merkwürdige
Rippenkuppel der wiederaufgebauten
Stephans-Kirche in Karlsruhe.
Völlig modern ist die Erörterung
über das Wachstum der Bevölkerung
und die sich daraus ergebenden Pro
bleme. Eine eigene Tafel illustriert
drastisch die Zunahme der Erdbevöl
kerung bis 1980. Bemerkenswert ist,
haß die katholische Religion mit vier
hundertzweiundzwanzig Millionen die
'Meisten Bekenner zählt, gefolgt von
Konfuzianern (dreihundertdreiund
neunzig Millionen), zweihundertsechs
undneunzig Millionen Mohammeda
nern, zweihundertzweiundfünfzig Mil
lionen Hinduisten, zweihundertund
zwölf Millionen Protestanten. Noch
einige andere Ziffern seien herausge
griffen: der belgische Kongo ist 78
mal größer als das Mutterland. Au
ftraliens Fläche entspricht der der
SBer. Staaten. Im heutigen Bayern
leben neben 6,7 Millionen Einheimi
schen 2,5 Millionen Vertriebene und
'Zugewanderte. Als höchster Berg wird
mit einem Fragezeichen der inner
asiatische Ammernakhin verzeichnet,
der mit 9052 Metern den Everest
um zweihundert Meter übertreffen
sell.
Wie schwer es die Herder-Redak
teure heute haben, zeigt das schick
salsschwere Kapitel Berlin. Es würde
ein Buch erfordern, ein Bild der Ge
genwart und des Gewesenen zu geben.
Das wesentliche ist auf sieben Spal
ten mit Geschick und Genauigkeit zu
fammengedrängt, wie es nach dem
augenblicklichen Stand ««»sieht. Be
merkenswert sind die Karte mit den
Sektorengrenzen, die Tabelle über den
Bevölkerunßsstand, die Arbeitslosen
kurve und die geschichtliche Ueberficht.
„Mehr als seiner Lage dankt Berlin",
so wird gesagt, „seine Entwicklung
landesherrlicher Förderung, durch
welche die Stadt schließlich der Ver
kehrsmittelpunkt des Norddeutschen
Tieflands und der bedeutendste Bahn
und Lustverkehrsknoten Mittel-Euro
Pas und der größte Handelsplatz des
Festlands wurde. Durch den zweiten
Weltkrieg und seine Folgen verlor
Berlin diese Stellung."
Der neue „Große Herder" behan
delt alle Artikel von A bis 3 in neun
Bänden. Ter zehnte Band aber voll
zieht einen revolutionären Fortschritt
in der Lexikographie: Herders Bil
dungsbuch „Der Mensch in seiner
Welt" fügt das, was in den einzelnen
Artikeln der vorausgehenden neun
Bände in der Ordnung des Alpha
bets griffbereit gemacht ist, in eine
universale Weltschau ein und setzt den
Schlußstein zu einem geistigen Bau,
der in früheren Herder'schen Lexika
mit den bewährten und berühmt ge
wordenen Rahmenartikeln vorbereitet
wurde. Wer den neuen „Großen Her
der" besitzt, dem wird, man in Zukunft
nicht mehr sagen können, daß ihm zur
ungeheuren Vielfalt alphabetisch be
reitgestettten Einzelwissens „leider
nur das geistige Band" fehle.
Jeder Band von A bis Z hat sie
benhundertachtundsechzig Seiten und
sechsundfünfzig Tafel- und Karten
feiten in Schwarz- und Buntdruck.
Ter „Große Herder" ist gedruckt auf
hochgeglättetem feinem Illustrations
papier. Tas Werk wird in drei Ein
bandarten, in Ganzleinwand, Halb
leder und Halbfranz, mit Schutz
umschlag und Schutzkarton geliefert.
Ter zweite Band erscheint im Früh
jahr 1953. Es ist vorgesehen, daß die
weiteren Bände in regelmäßigen Ab
ständen von vier bis fünf Monaten
erscheinen. Ter erste Band kostet in
Ganzleinen Dm 43.00 bei Zahlung
in bar, DM 47.30 bei Zahlung in
Raten in Halbleder TM 50.00 bei
Zahlung in bar, TM 55.00 bei Zah
lung in "Raten in Halbfranz TM
56.00 bei Zahlung in bar, TM 61.60
bei Zahlung in Raten. Tie Preise
gelten auch für die folgenden Bände,
vorbehaltlich wesentlich unveränderter
Wirtschaftslage. (Näheres zu erfahren
von der B. Herder Book Co., 17 So.
Broadway, St. Louis, Mo.)
E
Wochenlchkm
(Sortfefeuna ton Seite I)
germaßen am Leben halten konnte,
verdankte es amerikanischen Blut
transsufionen, während die Russen es
erbarmungslos schröpfen. Trotzdem
zieht Tr. Gruber den jetzigen Zustand
den liebeln vor, die bei einer Option
für den Westen und einem Separat
frieden hereinbrechen würden. Heute
ist Wien immerhin der Sitz einer für
alle vier Zonen zuständigen Regie
rung, und im Gegensatz zu dem Zu
stand in Berlin funktioniert dort noch
das Viermächte-Regime.
Mit Recht wehrt sich Gruber dage
gen, daß die Russen das ohnehin ver
wickelte Problem mit dem Streit um
Trieft verquicken. In den letzten Wo
chen hat der dortige südslawisch-italie
nische Gegensatz sich verschärft und da
zu kommt jetzt noch der Bruch zwischen
Tito und dem Vatikan.
Was „die Großen" von 1919 wohl
zu sagen hätten, wenn sie heute wie
herkämen und sich die Verheerung an
schauten, die sich aus der Zertrümme
rung des alten Tonan-Reiches erge
ben haben?!
Tie österreichische Frage bot dem Völ
kerbund
Im Sommer besuchte der österrei
chische Außenminister Tr. Gruber Rio
de Janeiro und erhielt die Zusage
Brasiliens, die Sache Oesterreichs vor
die UN zu bringen. Joao Carlos Mu
niz, Führer der brasilianischen Dele
gation und Vorsitzender des Politi
schen Ausschusses, hat sich seitdem mit
aller Kraft für die Behandlung der
Vertragsfrage eingesetzt und in die
sem Bemühen die Unterstützung der
Ver. Staaten, Großbritanniens,
Frankreichs und anderer Länder ge
funden.
Aus diesen Bemühungen ging eine
von Brasilien, Libanon, Mexiko und
den Niederlanden vertretene Resolu
tion hervor, in welcher Rußland, die
Ver. Staaten, Großbritannien und
Frankreich dringend ersucht werden,
sich auf die Bedingungen für den Ver
trag mit Oesterreich zu einigen. Heber
diese Resolution wurde letzte Woche im
Politischen Ausschuß debattiert.
Daß der Appell tatsächlich Rußland
gilt, liegt auf der Hand und wurde
von den meisten Rednern unterstri
chen. Die Russen gaben sich in dieser
Hinsicht auch gar keinen Täuschungen
hin. Noch vor der Eröffnung der De
batte behauptete Gromyko in einer
längeren Rede, die Ver. Staaten hät
ten die UN gezwungen, die Vertrags
frage zu behandeln, um „die öffentli
che Aufmerksamkeit von solch wirklich
aktuellen Problemen wie Aufrüstung,
Korea usw. abzulenken". Er meinte
V? 1
aber, die „Breite Rasse der
chen Meinung" werde sich nicht täu
schen lassen.
Gromyko, der jetzt Botschafter in
London ist, versteifte sich auf die Be
hauptung, daß nur die vier Groß
mächte befugt seien, über den Staats
vertrag zu verhandeln, und er warf
mit der üblichen Moskau'er Unver
frorenheit den drei Westmächten vor,
den Abschluß eines solchen Vertrags
vereitelt zu haben. Wie schon bei frü
heren Gelegenheiten brachte der So
wjet-Vertreter auch wieder das Argu
ment vor, daß die Briest-Frage gere
gelt sein müsse, ehe sich die vier Mäch
te mit dem Vertrag für Oesterreich
beschäftigen können. Im übrigen wer
de sich die Sowjet-Union an der De
batte nicht beteiligen und etwaige Ent
schließungen des Politischen Komitees
oder der Vollversammlung nicht als
rechtlich bindend anerkennen.
Demgegenüber ersuchten die Ver.
Staaten die Vereinten Nationen, sich
mit ihrem ganzen moralischen Ge
wicht dafür einzusetzen, daß die So
wjet-Union sich mit einem österreichi
schen Unabhängigkeitsvertrag einver
standen erkläre. Der amerikanische De
legierte Benjamin V. Cohen führte
aus, der Antrag Brasiliens und an
derer Staaten sei vielleicht geeignet,
die Sowjet-Union zu einer Aenderung
ihrer Politik zu bewegen. Ter Antrag
verlange nichts als „einfache Gerech
tigkeit" für Oesterreich, das fett fiebert
Jahren unter fremder Besatzung stöh
ne, obgleich ihm schon vor Beendigung
des Krieges Unabhängigkeit zugesagt
worden sei.
Cohen schilderte die Bemühungen
der Westmächte, Rußlands Einver
ständnis zu einem Vertrag zu erlan
gen, und erwähnte, daß zu diesem
Zweck nicht weniger als 376 Sitzun
gen abgehalten worden seien. Trotz
aller dieser Fehlschläge werde die
amerikanische Regierung nicht nach
lassen, eine ehrenhafte Erledigung der
österreichischen Friedensvertragssrage
zu fordern und darauf zu dringen,
daß die volle Oberhoheit Oesterreichs
hinsichtlich seiner politischen und wirt
schaftlichen Zukunft hergestellt werde.
Auch England und Frankreich
machten Rußland dafür verantwort
lich, daß nicht weiterzukommen sei,
und kündigten an, daß sie dem Antrag
ihre Unterstützung zukommen lassen
würden.
Als es am Freitag zur Abstim
mung kam, billigten achtundvierzig
der sechzig Länder, welche im Politi
schen Komitee der UN vertreten sind,
den Antrag. Wie Gromyko im voraus
angekündigt hatte, beteiligten sich die
Russen und ihre Trabanten weder an
der Debatte noch an der Abstimmung.
Pakistan und Afghanistan enthielten
sich der Stimme. Tie Delegierten von
fünf Ländern, El Salvador, Island,
Libanon (das den Appell befürwortet
hatte), Saudi Arabia und Jemen wa
ren abwesend. (Tie Vollversammlung
hat in ihrer Schlußsitzung die Resolu
tion gutgeheißen.)
Nord-Afrika
Trotz des Einspruchs der Ver.
Staaten ersuchte der Politische Aus
schuß der UN-Vollversamntlung
Frankreich, Verhandlungen mit Ma
rokko über die Selbstverwaltung der
Kolonie in Gang 31t bringen. Tie
Resolution war milder als eine vom
arabisch-asiatischen Block vorgeschla
geite, aber ein marokkanischer Uitab
hängigkeitsführer pries sie als einen
„moralischen Sieg". Während die ara
bisch-asiatische Resolution mit sieben
lmdzwmtzig gegen fünfundzwanzig
Stimmen abgelehnt wurde, erfolgte
die Annahme des von latein-amerika
nischen Ländern ausgehenden zweiten
Antrags mit vierzig gegen fünf Stim
men.
Ein französischer Wortführer er
klärte, Frankreich werde weiterhin
UN-Beschlüsse hinsichtlich Marokkos
und Tunesiens ignorieren, da es sich
bei der Verwaltung der beiden Pro
tektorate nut eine innerfranzösische
Angelegenheit handle, die die Verein
ten Nationen nichts angeht.
„Atrocities" in neuer Auflage
Tie Schlußsitzung der Vollver
iamntlung, die sich bis in die frühen
Morgenstunden am Dienstag aus
dehnten, benutzte Gromyko zu einer
typischen russischen Propaganda- und
Hetzrede zur Begründung kommuni
slischer Anklagen gegen die amerika
nischen Truppen wegen angeblicher
Greueltaten in Korea. Er erzählte
ähnlich wie neulich eilte koreanische
Kommunistin auf dem Wiener „Frie
denskongreß" die haarsträubend
sten Geschichten über bestialische
Schandtaten der Truppen und der
amerikanischen Militärbehörden. Letz
tere hätten u. ct. vierzehnhundert chi
nesische und nordkoreanische Kriegs
gefangene nach denVer. Staaten ver
schifft, um sie als Versuchskaninchen
bei Atom-Experimenten zu verwen
den auch seien achthundert Kriegs
gefangene bei Flammenwerf er-Expe
rimenten verbrannt worden, usw.,
usw.
Die russische Forderung einer Ver
urteilung der amerikanischen Gewalt
und Mordtaten wurde mit fünfund
vierzig Stimmen gegen die fünf des
russischen Blocks abgelehnt. Zehn Mit­
OHIO-WABSFNTHEUND
öffentli­
glieder des Wfffmittten
j,.
Blocks
von
Arabern und Asiaten'enthielten sich
der Stimmabgabe.
Wirkliche Greueltaten
Das Lügennetz, das von der russi
schen Propaganda fortgesetzt gespon
nen wird, wächst seinen Meistern zu
weilen über den Kopf. Das geschah
jüngst bei der Debatte in den UN über
den Begriff des „Angreifers". Ter
russische Außenminister Wischinsky
wurde an die russischen Aktionen ge
gen die baltischen Staaten erinnert,
die ihre Freiheit verloren, obwohl die
Sowjet-Macht ihre Unabhängigkeit
verbrieft und besiegelt hatte.
Im Anschluß an diese Erörterung,
bei der Wischinsky sich immer weiter
von der Wahrheit entfernte, richteten
die in Washington akkreditierten Ge
sandten der Republiken Lettland, Li
tauen und Estland ein eindrucksvolles
Protestschreiben an den UN-Präsiden
ten Lester Pearson, das folgende Fest
stellungen enthält:
„Das gewaltsam auferlegte So
wjet-^ystern hat dem Volk der Balti
jchi'it Staaten unendliche Leiden ge
bracht. Hunderttausende wurden von
der politischen Polizei in Sklaven
arbeitslager der Soiujet-Union depor
tiert. Aus wirtschaftlich und kulturell
unabhängigen Staaten wurden aus
gebeutete Sowjet-Kokonien. Die Le
benshaltung wurde auf die tiefe Stu
fe der proletarisierten Massen der
Sowjet-Union herabgedrückt." Die
^owjet-Machthaber haben, so heißt es
weiter, diesen Zustand durch den
Bruch der von ihnen geschlossenen
Verträge herbeigeführt, gestützt aus
das Ribbeutrop-Molototo-Abfoinmen
vom 23. August 1939, durch das Hit
ler und Stalin die Ostgebiete austeil
ten.
Von den baltischen Republiken zeu
gen heute nur noch ihre diplomati
schen Vertretungen, die sich in Wash
ington am Leben erhielten, als ihre
Länder von Rußland eingesackt wur
den. Ihre Annexion war der erste
Schritt eines Angriffsunternehmens,
das die Ostsee zu einem russischen
Binnensee Und zu einer Aggressivbasis
gegen Tänemark, Schweden und Nor
wegen machen soll.
Die NATO'Konserenz
Tie Vertreter der Länder, die den
Nord-Atlantik-Pakt unterzeichnet ha
ben, beendeten am 18. ds. eine vier
tägige Konferenz in Paris mit dem
Beschluß, bei der Aufrüstung mehr
Geivicht auf Qualität als auf Quan
tität zu legen. Obgleich die obersten
militärischen Führer darauf bestan
den hatten, daß Europa immer noch
nicht imstande ist, einen Angriff abzu
wehren, setzten die NATO-Länder ih
re Rüstungsausgaben auf beinahe die
Hälfte der ursprünglich vorgesehenen
Summe herab.
Tie zweiunddreitzig Minister
Außen-, Finanz- und Wehrminister
der vierzehn Mitgliederländer be
schlossen. für Militärflugzeuge, Ra
dargeräte, Straßen, Brücken und an
dere Rüstungszwecke im nächsten Jahr
nur zweihnndertvierundzwanzig Mil
lionen Tollars auszugeben statt der
angeforderten vierhundertachtund
zwanzig Millionen.
Ferner beschloß der NATO-Mint
sterrat, ein neues Flottenkommando
im Mittelmeer unter Admiral Lord
Mountbatten einzurichten, den Bal
kan und die Türkei in die strategischen
Grundlagen der Verteidigung Euro
pas mit einzubeziehen, die Wirtschaft
ihrer Länder den Rüstungsanforde»
rungen anzupassen, Frankreich beim
Kamps gegen die Kommunisten in
Jndo^China moralisch zu unterstützen
und die Aufstellung des Europa-Hee
res zu beschleunigen, in dem neben
fünf anderen Ländern auch West
deutschland vertreten sein soll.
Tie Minister kamen außerdem
überein, im nächsten Frühjahr wieder
zusammenzukommen, nachdem der bri
tische Ministerpräsident Churchill Ge
legenheit gehabt hat, sich mit der Re
gierung Eisenhower über außenpoliti
sche Fragen ins Einvernehmen zu
setzen.
Tie nunmehr für Rüstungszwecke
festgelegte Summe, von der vierzig
Prozent von den Ver. Staaten ansge
bracht werden sollen, stellt einen Kom
promiß dar. Tie europäischen Mini
ster wollten sie noch weiter herabsetzen
mit der Begründung, daß die Wirt
schaft ihrer Länder eine solche Bela
stung nicht aushalten könne.
Ridgways Kritik
Mit der Verlangsamnng des Ri't
stungstempos durch die NATO-Kott
ferenz war Oberbefehlshaber General
Matthew Ridgway durchaus nicht zu
frieden. „Für irgendeine Verlangsa
ni ung des schnellen Aufbaus der Ver
teidigung läßt sich int Hinblick aus die
anhaltende Kriegsgefahr überhaupt
feine Entschuldigung finden," sagte er
mit militärischer „Schneid" in einer
Rede vor amerikanischen Offizieren in
Paris. „Wir wissen nicht, wie lange
wir das Ziel des Kremls sein werden,
das zu einer Zeit angegriffen werden
soll, wann es ihnen paßt." Ridgway
erklärte, die Minister hätten keine
rechte Vorstellung von der Lage, denn
so lange die NATO nicht über ein
Minimum von (Streitkräften verfüge,
um einen feindlichen Angriff abweh
ren zu können, müssen wir darauf
bestehen, daß die politischen Behörden
das Programm durchführen.
„Als der verantwortliche Oberbe
fehlshaber muß ich in dieser gegen
wärtigen Lage die Ansicht als falsch
zurückweisen, daß der mögliche An
greifet keinen Krieg wünscht, daß er
für den Krieg selbst nicht bereit ist und
ihn nicht überstürzen wird, daß wir
mit einem langen Kalten Krieg rech
nen müssen und wir daher unsere
Pläne diesen Umständen anpassen
müßten."
Er wies die Idee von der Hand,
„daß diese Dinge, die wir verteidigen
sollen, nicht angegriffen werden", und
sagte: „Wenn wir so denken, dann
kommen wir zu der Ansicht, daß wir
1 keine großen Anstrengungen zu ma
chen brauchen, um sie zu schützen. Es
steht uns nicht zu, die Maßnahmen der
,'jivilbehörden von Mitgliederstaaten
öffentlich zu kritisieren, aber so weit
diese Behörden andeuten, daß diese
militärischen Erfordernisse nicht er
füllt werden können, haben wir die
Pflicht, das abzuwägen und auf die
militärischen Folgen aufmerksam zu
machen, die nach unserer Ansicht dar
aus entspringen können. Wir haben
die Pflicht, auf tatsächliche Fehlschläge
hinzuweisen, die sich voraussehen las
sen. Tie Zivilbehörden haben die
Pflicht, ihre Völker darüber aufzuklä
ren und ihnen zu sagen, was zu ge
schehen hat."
Zu Befehl!
Moskaus „Friedeus"-Schachzüge
Der kommunistische „Friedenskon
greß" in Wien kam Samstagnacht
zum Abschluß. Eine volle Woche lang
hielten „Vertreter" aus allen ntögli
cheit Landern Propagandareden zur
Förderung der bolschewistisch-mosko
witischen Politik, und am Schlußtag
wurden Resolutionen angenommen
selbstverständlich einstimmig! die
sich lesen wie Auszüge aus den von
wischinsky und Gromyko im Völker
buitd gehaltene Reden. Es ist eine
Komödie, daß Moskau sich als Frie
denswachter gebärdet, während es
gleichzeitig in aller Welt Brände
schürt und im Völkerbund jede Frie
densregung erstickt.
lieber die Wirkung der russischen
„Friedensoffensive" und „Friedens
kongresse" läßt sich nicht leicht ein Ur
teil fällen. „Friede" ist ein Wort, das
in allen Herzen, die noch nicht völlig
verhärtet sind, ein Echo findet viel
mehr als die Worte „Aufrüstung",
„Tritter Weltkrieg", „Atombombe"
u. dgl. und viele Menschen lauschen
willig den Moskau'er Verheißungen.
Leider aber sind es trügerische Töne,
welche die Menschen in eine falsche
Sicherheit 31t wiegen geeignet sind
und das ist vielleicht der Hauptzweck
dieser „Friedenskongresse".
Deutsche Kriegsgefangene
Nach einer Meldung der „Ass.
Preß" hat Kardinal Frings, Erz bi
sch of von Köln, an Präsident Auriol
von Frankreich einen Appell gerichtet,
die in Frankreich noch immer festge
haltenen deutschen Kriegsgefangenen
durch einen Gnadenakt im Geiste des
Christfestes in die Heimat 31t ent
lassen.
Inland
In den Hauptstädten der achtund
vierzig'Staaten sind am Montag I.
W. die vom Volk gewählten Elektoren
zusammengetreten und haben entspre
chend der Mehrheitsentscheidimg in
der Nationalwahl in neununddreißig
Staaten insgesamt vierhundertzwei
undvierzig Stimmen für General Ei
senhower und in neun Staaten neun*
nndachtzig Stimmen für Gouverneur
Stevenson abgegeben.
Name
Adresse
Stadt
»L
Neüellt Türe Zritimg nicht ab!
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Zum ersten Male Regen jetzt auch
die endgültigen Zahlen für beide Kan
didaten vor. Sie sind wesentlich hö
her, als die unmittelbar nach der
Wahl veröffentlichten. Eisenhower er
zielte die noch nie dagewesene Zahl
von 33,927,549 Stimmen. Auf den
demokratischen Bewerber Stevenson
entfielen 27,311,316, immerhin 3,
200,000 Stimmen mehr, als 1948
auf den Sieger Truman.
In der Wohnung des nächsten
Staatssekretärs John Foster Dulles
tras letzte Woche General Eisenhower
mit General Touglas MacArthur zu
sammen, um mit ihm bei einem
Luncheon die Frage zu besprechen,
wie der Frieden in Korea und in der
übrigen Welt erreicht werden kann.
Tie Konferenz dauerte über zwei
Stunden.
„Wir haben die Möglichkeit des
Friedens in Korea unter Bezugnahme
auf die ganze Weltlage diskutiert,"
sagte Eisenhower den Reportern. „Es
war eine sehr erfreuliche Zusammen
kunft." Und MacArthur sagte: „Es
war eilte sehr angenehme Konferenz
mit dem erwählten Präsidenten."
Handelssekretär Sawyer erklärte
letzte Woche in seinem Bericht über
seine Europa Reise, daß in den ame
rikanischen Aemtern, die er in zehn
Ländern besucht hat, „zuviel Verwir
rung herrscht und zu viele Leute zu
viele Aufgaben durchführen". Er er
klärte, in dem Wirtschastsprogramm
für das Ausland sollte der Ton nicht
mehr auf die Hilfe gelegt werden,
fondern auf den Handel, eine Idee,
die übrigens auch von den Europäern
selbst gebilligt werde.
Unter den Mitgliedern des neuen
Kongresses werden viele Stimmen
laut, welche die Einschränkung der
amerikanischen Auslandshilfe fordern.
In einer Umfrage der „Ass. Preß"
sprechen sich neunzig Prozent der Se
natoren und Repräsentanten, die zu
einer Stellungnahme bereit waren,
für eine Verminderung der Lieferun
gen an die Verbündeten im Kampf
gegen den Kommunismus aus.'
Owen Lattimore wurde am Freitag
im Bundesgericht in Washington un
ter der Anklage vorgeführt, in Verhö
ren im Kapitol sieben Meineide be
gangen zu haben, und unter $2000
Bürgschaft gestellt, nachdem er „Nicht
schuldig" plädiert hatte.
Beim Absturz eines Militärtrans
port Flugzeuges in Moose Lake,
Wash., kamen sechsundachtzig für
Weihnachten beurlaubte Soldaten
ums Leben und dreißig wurden ver
letzt.
Alle Ausländer, die sich am 1. Ja
nuar 1953 in den Ver. Staaten auf
halten, müssen ausnahmslos ihre
Adresse dem Commissioner of Immi
gration and Naturalization im Laufe
des Monates Januar bekanntgeben.
Ein Ausländer, der ant 1. Januar
zeitweilig abwesend ist, muß seine
Adresse innerhalb von zehn Tagen
nach seiner Rückkehr nach den Ver.
Staaten mitteilen.
Tas neue Immigrations- und Na
tionalitätengesetz, das diese Woche in
Kraft tritt, hat öiese Aenderung in
der Meldepflicht der Ausländer vor
genommen. Bisher hatten Ausländer,
die nur zum zeitweiligen Aufenthalt
nach den Ver. Staaten zugelassen wa
reit, keinerlei Verpflichtung, ihre
Adresse mitzuteilen. Ties trifft nicht
mehr zu. Auch diejenigen Ausländer,
die sich zeitweilig in Amerika aufhal
ten, müssen genau so wie diejenigen,
die zum dauernden Aufenthalt zuge
lassen wurden, ihre Adresse mitteilen.

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