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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 28, 1953, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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28. Februar
2.
Der Lebenskreis einer Gattin ist
vielfach beschränkt, ja ich möchte sagen,
abgeschlossen, weil die Pflicht demsel
ben ernste, fast strenge Grenzen setzt.
Aber deswegen ist ihre Wirksamkeit
keine geringfügige, sondern gerade
wegen dieser Schranken kann sie sich
im Innern recht schön und glücklich
entfalten. Es waltet auch eine beson
dere Vorsehung in dem Umstände, daß
nur die würdige Erfüllung all ihrer
Pflichten die Frau zum wirklichen
Glück führt. Wenn dieser Grundsatz
von allen weiblichen Tugenden gilt,
so darf er ganz speziell auf die lieb
reiche Teilnahme bezogen werden,
denn sie ist die duftige Würze des Le
bens, der -Quell reiner Gefühle und
der schönste, ja der himmlisch verklärte
Ausdruck echter, inniger Zuneigung.
Wo der Eheherr in schweren wie in
frohen Stunden im Herzen der Gat
tin ein süßes Echo findet, da gestaltet
sich das eheliche Verhältnis zu einem
wahren Paradiese, denn auch die edle
Seele einer Frau kennt ja keine
höhere irdische Befriedigung, als den
Gatten glücklich zu machen. Diese zarte
Hingabe des Herzens an das Herz
übertrifft an Lieblichkeit und Wonne
jede andere Glückseligkeit, und trotz
Beschränkung und Entbehrung man
cher Art wird das Schicksal der liebe
vollen, teilnehmenden Frau ungleich
rosiger sein als die glänzendsten Ver
Hältnisse jener gefeierten Tarnen, wel
che unter dein strahlenden Schimmer
der Schönheit, des Reichtums, der her
vorragenden Stellung so oft ein liebe
leeres, kalten Gemüt bergen, eben
weit äußere Glücksgüter und irdischer
Glanz den Reiz der schönen Gefühle
so oft verdunkeln. Niemals oder höchst
selten wird man deshalb unter den
eigentlichen Weltfrauen, die überall
tonangebend auftreten und deren
Sinn ganz auf Zerstreuung, Vergnü
gen und eitle Pracht gerichtet ist, ein
wahrhaft teilnehmendes Herz finden.
Das Veilchen der Bescheidenheit, wel
ches ohne Aufsehen und ohne Prunk
still verborgen auf blumenreicher
Wiese dustet, trägt ja auch größere
Heilkraft und süßeres Aroma in sei
nem Kelche als die glanzvollsten Ge
wüchse. Welche dieser Blüten mag
wohl die wertvollere fein V Gewiß
das heilkräftige Bild der Demut, denn
vom Glance allein quillt kein Segen.
Ohne sich um die innersten Bedürf
nisse des Herzens ihres Gatten zu
kümmern, lebt die Weltdame an der
vseite desselben fort, feine Sorgen
sind ihr fremd, weil sie dieselben als
drückende Fesseln ihrer Genußsucht
empfindet. Aber sie wird dafür auch
niemals seine stillen Freuden teilen,
weil sie es nicht verstanden hat, seinen
schmerz zu lindern. Wie ganz anders
handelt die liebende Gattin! Sie weiß
jede Miene des Hausherrn zu deuten
und sich darnach einzurichten. Ist er
fröhlich, so stimmt sie mit lebhafter
Herzensfreude in sein Hochgefühl ein,
scheint er gedrückt, so versteht sie es,
in freundlicher Weise das Geheimnis
seines Kummers zu erlauschen, und
ihr zartempfundenes Trosteswort ver
fehlt sein Ziel nimmer. Zur Zeit der
Krankheit wacht sie mit liebender
Sorge an seinem Lager: keiner frem
den Hand möchte sie diese süße Pflege
anvertrauen, und ihr ruhig-heiteres
Wesen verscheucht am leichtesten die
Wolken des Unmutes von 6er Stirne
des Leidenden. Gelingt es ihr nicht,
das Gemüt des kranken Gatten durch
Die Guitin
Bon A. i eH e a tt
Teilnahme in Frend und Leid
„Lerne von Abrahams Gattin,
waZ jeder Mann an seiner Frau
finden sott, nicht bloß Gold, Sil
ber oder Güter, sondern ein
gutes, teilnehmendes Gemüt."
All die schönen, hehren Vorzüge der
wahren Gattenliebe, die eine Ehe so
hoch beglücken, haben, wir bereits
etwas kennengelernt und dabei ge
sehen, wie jene zarte, geweihte Znnei
gung, die aus Religion und Tugend
gegründet ist, besonders im Werke,
d. h. in der ausübenden Liebe besteht.
Eine vorzügliche Frucht dieser reinen
und zugleich kraftvollen Hingabe des
Herzens ist die echte Teilnahme der
Gattin an den Freuden und Leiden
ihres Gemahls. Diese liebliche Blume
im Garten, der christlichen Ehe ist so
unbedingt zum Lebensglücke erforder
lich, das ohne sie die dauernde Har
monie der Seelen gar nicht bestehen
kann, wie der Dichter so schön sagt:
„Sei hochbeseligt oder leide,
Das Herz bedarf ein zweites Herz.
Geteilte Freud' ist doppelt Freude,
Geteilter Schmerz ist halberSchmerz."
liebenswürdige Behandlung zu erhel
len, so tritt sie auch seiner düsteren
Laune mit edlem Gleichmut ent
gegen. Sie weiß, daß Liebespflicht
eine hohe Vorschrift der christlichen
Ehe ist, und darum trägt sie in Ge
duld diese Prüfung ihrer aufrichtigen
Gesinnung. Jene Frauen, die zur Zeit
der Trübsal in Klagen ausbrechen,
weil die gedrückte Stimmung des
Mannes ihren eigenen Unmut her
ausfordert, kennen die wahre, innige
Teilnahme noch nicht. Mögen sie in
diesen, schweren Stunden bedenken,
„daß es Mägdedienst ist, nur gegen
schöne, liebe Worte und Zärtlichkeit
seine Liebespflicht zu erfüllen, da
gegen Engelsdienst, wo mein liebend,
pflegend, helfend und sorgend naht,
auch wo uns nicht vergolten wird"
(Ottilie Wildermnth). Ter hl. Chry
sostomus versichert: „Dadurch werdet
ihr Gott, eurem Vater, ähnlich, von
dem es heißt, daß Er barmherzig ist,
wenn ihr es auch seid. Barmherzig
feit will Ich und keine Brandopfer,
so spricht der Ewige. Nichts gefällt
Ihm daher so gut als Milde, Erbar
men und Nachsicht." Doch auch die
reinste Absicht, der beste, aufrichtigste
Wille vermögen nicht immer, den
richtigen Takt einzuhalteu bei der
Widmung inniger Teilnahme. Diese
schöne, süße und beglückende Pflicht
will mit besonderem Zartgefühl be
handelt fein, da sie ganz ausschließlich
nach der Individualität des Gatten,
nach seinen Eharakteranlagen einzu
richten hat. Ter gemütvolle Mann
liebt es, durch lebhaften Anteil an
seinem Leiden oder Kummer ermun
tert zll werden, dem verschlossenen
Charakter aber sind allzu häufige oder
gar zu beredte Worte der Teilnahme
zuwider. Ein dritter Ehemann ist stil
len, aber freundlichen Gemütes er
wird sich durch einen Blick des herz
lichen Anteils getröstet sühlen, und
das ruhige, besonnene, aber zärtlich
besorgte Walten der Frau ist ihm
lieber als der wortreiche Erguß ihrer
liebenden Gefühle. Deshalb weiht sich
die feinfühlende Gattin schon früh und
ernstlich dem Charakterstudinm ihres
Herrn und Gebieters, damit sie ihn
diesem gemäß behandeln kann. Je
tiefer und gründlich® fie den Gatten
kennt, um so höher wird sie ihn be
glücken. Mit Hilfe jenes zarten, inni
gen Verhältnisses der Stimmungen,
welche dem weiblichen Geschlechte an
geboren ist, überwindet die kluge Frau
alle Schwierigkeiten ihrer Stellung.
Ihr Gefühl mahnt zum Reden und
zum Schweigen, je nachdem die Um
stände es fordern, aber ihre Liebens
Würdigkeit
und
bereitwillige
Zuvor­
kommenheit dürfen dabei niemals
fehlen. Das Bewußtsein einer ausrich
tigen Gesinnung, die ungekünstelt,
einfach und bescheiden aus jedem ihrer
Worte und ans all ihren Handlungen
hervortritt, wird dem Manne den
inneren Wert seiner Lebensgefährtin
offenbaren und sein Herz dauernd an
ihre edle, hingebende Liebe fesseln.
Das ist die Hauptsache, denn aus der
herzlich wohlgemeinten Absicht wird
sich zweifellos jene liebevolle Tat
kraft, verbunden mit edlem Mit
gefühl, entfalten, welche der Frau in
jedem Stande, unter allen Verhält
nissen und bei der noch so eigentüm
lichen Eharakteranlage des Eheherrn
stets das rechte Wort in den Mund
legt und ihr überall die richtige Hand
lungsweise vorschreibt.
Bei den Erweisen ihrer Teilnahme
ist auch das rechte Verständnis der
Frau in Betreff ihrer Stellung gegen
über dem Manne ganz besonders wich
tig. Die Ansichten über diesen Punkt
lauten oft sehr verschieden, und den
noch bleibt es ewig wahr, daß die Gat
tin, selbst wenn sie durch Geist, Ta
lent, Rang und Vermögen dem Haus
Herrn überlegen sein sollte, ihm unter
allen Umständen die vorzüglichsten
Akte der Liebespflicht schuldet, als da
sind: Ehrerbietung, Hochschätzung, Ge
horsam, Dienstleistung und zärtliche
Fürsorge. Nur die rechte und ganze
Hingabe an diese Pflichten wird für
sie den Keim des Segens und der
Gnade bis in die fernsten Lebenstage
legen. Läßt sich aber die reichere, vor
nehmere,. überhaupt die gefeierte Frau
von dem eitlen Wahn betören, ihr fei
es ausnahmsweise gestattet, sich über
ihren Gatten und die Pflichten gegen
ihn erhaben zu fühlen, so wird der
Fluch dieser Verblendung bald genug
über ihr Haupt kommen. „Wenn die
Frau den Mann nicht ehrt und sich
nicht von ihm leiten läßt," versichert
der hl. Chrysostomus, „so wird ihr
Haus sich nicht anders befinden als
ein Schiff, das der Sturm hin und
her wirft, und welches schon zu sinken
beginnt, weil Steuermann und Segel
lenker sich gegenseitig geringschätzen
und so die Macht vereinter Kräfte zer­
"V» -fts-
V Tr
',.- -.... V '"x?'.
splittern." Der hl. Hieronymus fügt
ein noch viel entschiedeneres Wort bei,
das mancher verwöhnter Dame eine
köstliche Mahnung für die Zukunft
bieten dürfte. Er sagt: „Beklage nicht
den rüstigen Arbeiter, der sein armes,
aber demütiges mit) herzlich liebendes
Weib im Schweiße seines Angesichts
ernährt. Wohl mag ihm die Arbeit
oft recht beschwerlich fallen, doch die
Güte des Weibes lohnt sie ihm tau
sendfach. Willst du Mitleid üben, so
beklage den Mann, welchem das pein
liche Schicksal zufiel, eine reiche, hoch
mütige Frau zu ertragen." Eine solche
Dame wird in der Tat den Mann nie
mals durch süßes Mitgefühl beglücken,
denn sie wähnt sich ja hoch über ihn
gestellt, folglich hat ihr Leben auch
keinen Anspruch auf eheliches Ge
deihen, denn wo die Hauptsache fehlt,
da schwindet aller Segen. Ja, die
Heilige Schrift selbst hat daS tref
fendste Wort gesprochen, da es beim
weisen Sirach heißt: „Schwache Hände
und schwankende Knie verursacht ein
Weib, das ihren Mann nicht glücklich
macht." O ganz gewiß! Alle Lebens
kraft fehlt, wo der Zauber inniger
Seelenharmonie verlorenging. Wenn
das weibliche Gemüt so oft seiner hei
ligsteil Pflichten vergißt, dann kann
auch der Mann dieser Wandelbarkeit
bald überdrüssig werden und er klagt
in enttäuschten! Unmute über das einst
so hoffnungsreiche Bild feines Glücks:
..Ach, wie ganz anders dachte ich mir
dieses früher so anmutige, gefühlvolle
Wesen einer Frau! Damals erschien
sit* mir als das Licht meiner trüben
Stunden, als der Genius liebreichster
Vorsorge, der behutsam jedes Stein
chen aus meinem Pfade räumen
würde, damit ich ungehindert meinen
großen Zielen, meinen bedeutungsvol
len Pflichten leben könne. Statt dessen
finde ich nun ein teilnahmsloses, kal
teS,
schwaches Geschöpf, welches
Tf
daS
kleinste Opfer hoch anschlägt und es
mir bei jedem Dienste fühlbar macht,
daß sie vieles leistet. Einen Engel
wollte ich an meiner Seite haben, und
siehe, meine Stütze wird wankend, so
oft ich Rat, Trost oder Teilnahme bei
ihr suchen will, denn das einst so hin
gebende Weib liegt wehrlos klagend
da, sobald sich ihm eine Prüfung naht,
und bedarf ich selbst der helfenden,
liebreichen Pflege, jo muß ich fremde
Hände in Anspruch nehmen, wenn ich
nicht Mangel und Einsamkeit dem Be
keniltnisse meines zerstörten Glücks
vorziehe." Fürwahr, eine trostlose
Klage, und das Schlimmste an ihr
besteht darin, daß sie nur zu oft wahr
ist. Doch gibt es, Gott sei Tank, neben
manchen selbstsüchtigen Eharakteren
unter unseren Frauen doch die Mehr
zahl, welche von diesem Vorwurfe frei
sein dürfte, weil katholischer Glaube,
christliche TenkungSart und gott
geweihte Liebe ihr Herz zu reineren
Gefühlen hinziehen, und sie dauernd
an ihre Pflicht fesseln.
(Fortsetzung folgt)
Verklärtes Heid
Tas Leid gleicht dem Gewitter. So
lange die Stürme brausen, die schwar
zeit Wolken am Himmel stehen, Don
ner rollen und Blitze zncken, flößt eS
uns Furcht und Schrecken ein. Wenn
aber des Himmels Blau wieder her
vorquillt, der Regenbogen freudig
glänzt, die erquickenden Tropfen am
Grashalm blinken und zittern und die
matten Pflanzen nenbelebt ihre Köpf
chen erheben, da spüren wir's, daß der
Herr der Natur auch im Gewitter
segnet.
Würde sich im Leben ein Sonnen
tag an den anderen reihen, iiamt wür
den wir bald das ungestörte Glück
nicht mehr ertragen. Wie im Meer
Ebbe und Flut, in der Natur Winter
und Frühling wechseln, so darf es auch
im Leben nichts Bleibendes geben, aus
und nieder muß es gehen, ewig wech
selnd. Das Leid muß dazu dienen, uns
die Freuden doppelt lieb und wert zu
machen, und selbst die düstersten Lei
denstage erscheinen in der Erinnerung
gleichsam verklärt, ist doch ein Strom
des Segens von ihnen ausgegangen.
^Das Leid hat uns gelehrt, den
Schatz der ungenützten Kräfte zu
heben und zu gebrauchen. Der Wille
erschlafft im Glück gar leicht, er be
darf zuweilen eines kräftigen An
sporns. Durch die Prüfungen schwe
rer Tage werden wir erzogen, daß wir
immer kühner der Zukunft entgegen
gehen. Das ist der Hauptgrund, war
um wir mit stiller Dankbarkeit auf
das Leid vergangener Taeg zurück
blicken müssen. Aus tiefstem Herzen
werden wir dem Dichter zustimmen
können: „Zage nie, denn den Kelch
der Schmerzen würzt ein süßes Nach
gefühl."
Soll ich noch kurz des Segens ge
denken, den fremdes Leid für uns
jv
'"'r
OHIO-WAISENFREUND
f*T*?
~if,. -v'
oder unser eigenes Leid für andere
hat? Ist es nicht ein ergreisendes
Bild, „wie mit dem mtenMicheit
menschlichen Leiden unendlich das
menschliche Mitleid ringt"? Mitleid
aber ist ein fruchtbares Erdreich für
das Pfläiizchen Liebe. Liebe und Leid,
sind sie doch unzertrennliche Geschwi
iter! Wie die Liebe der Grund ist für
fo vieles Leid, so ruft das Leid hin
wiederum unendlich viel Liebe wach.
Ein Leben ohne Leiden würde uns
zwar weniger Tränen, aber auch weni
ger wahrhaftes Glück bringen.
ChriÜus und die Frauen
welt
Man kann mit Wahrheit sagen, daß
vor dem Christentum durchweg daS
Weib unterdrückt und entehrt oder
doch wenigstens verkannt war in sei
iier Würde, in seiner -Scham, in sei
nem Ansprüche auf die seiner Schwä
che gebührenden Rücksichten, in sei
nem ihm durchaus wesentlichen Cha
rakter, geradeso wie es noch in
unseren Zeiten außerhalb des Chri
stentums der Spielball jeglichen
Elends ist.
Das Christentum hat dem Weibe
sofort eine ehrenvolle Stellung gege
ben.
Das christliche Weib ist der Mittel
punkt und das Herz der Familie. In
seinen vielfachen Funktionen als Gat
tut, als Mutter, als Tochter, als
Schwester verknüpft es alle Glieder
derselben und beseelt alle ihre 'Be
Ziehungen zu einander durch die un
widerstehlichste aller Einwirkungen,
nämlich durch diejenige, der man nach
gibt, ohne es zu wissen. Ter Mann ist
in der Familie gleichsam wie der Zei
ger auf der Uhr, der die Stunden an
gibt. Tas Weib aber gleicht der ver
borgenen Feder, die alle Räder 5es
Hauses in Bewegung setzt. Nach dem
Werte des Weibes richtet sich der Wert
der Familie und folglich mich der
Wert der Gesellschaft.
TaS christliche Weib wirkt aber
noch unmittelbarer auf die Gesell
schaft ein denn es bildet den Mann
schon im Kinde und im Bruder, und
es bildet ihn oftmals von Neuem im
Gatten und im Vater. Was der Mann
an Sitte, an Charakter und anEnt
schlossenheit in die Gesellschaft bringt,
das hat er meistens ans dem Verkehr
mit dem Weibe geschöpft.
Nun wollen mir ims auch erinnern,
daß die Gesinnung und das Benehmen
Tessen, der die Wahrheit selbst ist,
und dessen Evangelium das Gesetz al
ler Gesetze geworden ist, daß die
Gesinnung und das Benehmen Jesu
Christi dem Weibe gegenüber die alten
herrschenden ^deen und Sitten über
den Haufen geworfen haben. Allen
Geheimnissen unseres Heils hat Er
Seine Mutter beigesellt. Er ist ihr
untertänig bis ^u Seinem dreißigsten
Lebensjahre, von ihr läßt Er Sich den
Impuls geben zur Eröffnung Seiner
Wunder, durch ein feierliches Ver
mächtnis vom Kreuze herab empfiehlt
Er ihre Mutterschaft dem ganzen
Menschengeschlechte und erhöhet sie
endlich durch ihre Aufnahme in den
Himmel znr Königin aller Engel und
Heiligen, 'ju diesem Benehmen des
höchsten Gesetzgebers gegen dieses
Weib, den Typus du* neuen Weibes,
müssen wir auch noch hinzunehmen
Sein begnadigendes und ehrendes
Benehmen gegen die übrigen Frauen
gegen Magdalena, die öffentliche
Sünderin, die in der ganzen Welt ein
Gegenstand des Ruhmes sein soll:
gegen die Magdalena, die den äußer
sten Gegensatz zur Allerseligsten
Jungsrau Maria bildete, die nun
aber mit Maria das ganze weibliche
Geschlecht umfaßt, wie es durch die
Buße wiederhergestellt ist, und die mit
Maria am Fuße des KreuzeS, wo sie
beide vor dem Manne das Privile
gium der Treue haben, durch die gött
liche Liebe vereinigt ist gegen die
Ehebrecherin, die Er mit mitleidigem
Herzen und auf die zarteste Weise von
ihren Anklägern und zugleich von ih
rer Sünde befreite gegen die Sa
mariterin, mit der Er Sich am Brun
nen unterhält, der Er für ihr ge
wöhnliches Wasser jenes Wasser mit
teilt, welches in das ewige Leben fort
strömt, und die nun aus einer Schis
matischen gleichsam eine Apostolische
wird gegen das chananäische
Weib, eine Heidin, die von den Apo
steln fast zurückgewiesen, von Ihm
aber für ihren „großen Glauben" be
lohnt und belobt wird gegen
Martha und Maria, die Er liebte, die
Er als Muster des tätigen und des
beschaulichen Lebens aufstellt, und die
von Ihm die Wiedererweckung ihres
Bruders Lazarus erlangen gegen
die Witwe von Nairn, deren mütter
liche Tränen Ihm so zu Herzen gin
gen, daß Er ihr den Sohn, dem sie
zum Grabe folgte, wiedergab ge
gen jene andere arme Witwe, deren
Heller von Ihm über die reichsten
Opfergaben Anderer gestellt wird
gegen die frommen Frauen, die auf
dem Wege zu Seinem Opfertobe über
vchn weinten, und deren Mitleid Er
mit Seinem Mitleid über sie erwidert
endlich gegen jene Frauen, die als
die ersten des ganzen Menschenge
schlechtes zu Seinem Grabe eilen und
von dem Engel das erste Allelnja der
Auferstehung empsangen, um dasselbe
den Aposteln zu überbringen. Dieses
ganze Benehmen des göttlichen Mei
sterS gegen die Frauen, die Ihn stets
mit Seinen Jüngern umgeben, und
die für alle Zeiten in Seinem Evan
gelium auf dieser hohen Ehrenstufe
stehen sollen, macht für das Weib
gleichsam eine Emanzipationscharta
aus, welche einzig und allein auf dem
Evangelium beruht und mit sonst
nichts in der Welt zusammenhängt.
Vom Lachen
Lachen ist gesund für Leib und
Seele. ES ist heilsam unserem Kör
per. Dr. Otto Thraenhardt aus Frei
bürg i. Br. schreibt darüber: Lachen
setzt zunächst ein tiefes Eiuatiycu vor
aus, welchem dann eine Reihe kräf
tiger Ausatmungsstöße folgen. Bei
unserem gewöhnlichen, oberflächlichen
Atmen findet nur eine unbedeutende
Ventilation der Lunge statt besonders
werden die Lungenspitzen wenig be
rührt, die berüchtigslen Brutstätten
gefährlicher Krankheitskeime, denn
nur ungefähr ein Siebentel der in der
Lunge vorhandenen Luft wird dabei
erneuert.
Beim „herzlichen" Lachen aber tritt
plötzlich ein voller Luftzug bis in die
äußersten Lungenwinkel ein, als wenn
man in einem Zimmer, in welchem
bisher nur ein oberer Fensterflügel
etwas geöffnet war, mit einem Male
alle Fenster und Türen aufmacht. In
Menge wird da die a ii er ft o ei ch e
Luft der Lunge zugeführt. Für diese
und für die sauerstosfhungrigen Blut
körperchen bildet der Lachakt eine
Hauptlnftmahlzeit.
Solche Atemgtmmasttk stärkt die
Liitige und kräftigt die Brust. Sie
trägt zur Gesundung des ganzen Kör
pers bei. Freilich bewirkt dies nur das
richtige, herzhafte Lachen ,welches wie
ein Gebirgsquell aus der Kehle her
vorsprudelt. Das „Sichausschütten"
vor Lachen schüttet aus den verborgen
steil Lungenwinkeln alles Ungehörige
aus und erweckt im Innern der Brust
ein Gefühl der Erleichterung und
Wohlbefindens.
Dr. Huf eland nennt das Lachen
„eines der besten Verdauungsmittel"
und meint: „Die Gewohnheit unserer
Vorfahren, durch Lustigmacher und
Hofnarren Lachen zu erregen, beruht
auf ganz richtigen gesundheitlichen
Grundsätzen." Das Herzliche Lachen
ist also nach dem Urteil der Aerzte
sehr gesund für daS leibliche Wohl.
Ebenso vorteilhaft, ja noch mehr, ist
es für unsere Seele.
Mehr Frohsinn! Mehr Freude!
Tas war der Grundsatz so vieler Hei
liger. Sooft der hl. Ignatius einen
Novizen fah, der allzu ernst drein
schaute, pflegte er zu sagen: „Mein
Sohn, ich will dich Heiter sehen." Ter
große Kinderfreund, der hl. Philipp
Neri, wollte immer nur fröhliche Ge
sichter sehen. Man erzählt von ihm,
er habe einein finsterblickenden Kna
ben einmal eine Ohrfeige gegeben und
dabei gesagt: „Sei doch froh und
munter!"
Nicht umsonst heißt es in der Hei
ligeit Schrift: „Den fröhlichen Geber
liebt Gott." Wenn auch hier das
Lachen der Seele, die geistige Freude,
der Frohsinn des Herzens gemeint ist,
fo ist diese Tatsache doch sehr bezeich
nend. Aeußere Heiterkeit ist gewöhn
lich das Kennzeichen inneren Froh
sinns. Finstere Gesichter. Menschen,
die nicht herzlich lachen können, haben
sehr oft auch keinen Sonnenschein im
Herzen.
Lachen ist gesund. Das beweist so
wohl die Erfahrung wie die ärztliche
Wissenschaft. Sogar die Götter der
alten Griechen pflegten oft in ein „un
sterbliches Gelächter" auszubrechen,
wie der alte Dichter Homer berichtet.
Heute noch spricht man von „homeri
schen Gelächter". Folgen wir dem Rat
des Dichters, welcher einst schrieb:
Denn wie die Zukunft sich auch
mag gestalten,
Man soll doch stets aus die Ge
sundheit halten
Und 'man kann wirklich nichts
„Gesundres" machen,
Als ab und zu sich einmal „krank
zu lachen".
Wer rAöchte im Ernst uns armen
Menschen das Lachen mißgönnen? Es
kommen ja doch einem jeden von uns
selbst die Tage und die Jahre, wo ihm
das Lachen vergeht.
Dw Zunge
aG$ haben Hunger, Pest «nd
Schwert
Oft fürchterlich die Welt verheert
Und ganze Völker fast Vernichtet.
So manches Schiff verschlang das
Meer,
So manche Stätte brannte leer
Doch hat des Unglücks noch viel mehr
Die kleine Znugc angerichtet.
Man wahrt das Jtcticr, wahrt das
Licht,
Das Schwert mit seiner scharfen
Schneide,
Damit es nicht verletzend trifft,
Hält man behutsam in der Scheide.
Zndes man stündlich fast vergißt,
Wie scharf, wie spitz die Zunge ist.
Ein kleines Wort gar oft zerstörte
Familienglück und Völkerfrieden
Was sich für immer angehörte,
Hat oft ein böses Wort geschiede«.
Drum achtet nicht mir, was ihr tut,
Bedenket wohl, auch was ihr saget,
Seid mit der Znnge auf der Hut,
Damit ihr niemand Wunden schlaget.
Und wenn ihr über andre sprecht,
Euch stets die gold'ne Richtschnur sei:
Wie wenn der andre selbst dabei,
So sprecht, dann sprecht ihr immer
recht.
Macht mich die Regel euch zu eigen:
sprechet nie zu andrer Leid,
sprechet nur zur rechten Zeit,
Sprecht da, wo reden besser ist als
schweigen.
Ii. S.
..Dort oben wohnt der
liebe Gott!"
Wie oft in meiner Kindheit hat mich
meine liebe selige Mutter an der Hand
genommen und, mit dem Finger zum
Himmelszelt weisend, die inhalts
schweren Worte gesprochen: „Dort
oben wohnt der liebe Gott!"
Und ich muß bekennen, diese weni
gen Worte haben einen nachhaltigen
Eindruck in meiner Seele zurückgelas
sen und die glänzendsten Vorträge im
gläubiger Hochschullehrer waren nicht
imstande, auch nur im geringsten mich
in dem Glauben zu erschüttern, wel
cher in den wenigen Worten liegt:
„Tort oben wohnt der liebe Gott!"
Tas ist eine Predigt, welche die
Welten durchdringt. Tas ist eine Pre
digt, die nicht genug wiederholt wer
den kann in unserer glaubensfchwa
cheu Zeit, wo der Unglaube mit seinen
Tieuern alle Hebel in Bewegung setzt,
den Himmel einzureißen! Auf
wärts geht der Herzensclieiii, und
wenn wir die Blicke aufschlagen, so
dringt das Augenlicht zum Firma
ment, zu Gottes Thron. Und wie
Herrlich erstrahlt der Himmel in seiner
Sternenpracht, wenn wir in einer hel
len Nacht unser Herz an diesem wun
derbaren Schauspiel sich erfreuen las
sen. Ungezählte goldene Sternlein
verkünden als Herolde göttlicher
Liebe die Herrlichkeit des Schöpfers
und geben uns ein schwaches Abbild
von jenem Glück, das denen bereitet
ist, die Gott lieben.
Ja, dort oben wohnt der liebe Gott!
Tiese Worte sollte jede Mutter ihrem
Kinde tief ins Herz prägen denn das
weiche Kindesherz ist für gute Mutter
ivortt stets empfänglich. Und die Ge
fahren des Lebens werden weniger
gefährlich, wenn die Erinnerung an
die Ermahnungen der Mutter wach
gerufen werden.
Und fo wollen wir festhalten an
unserem reinen Kinderglauben, der
uns die Händchen hat falten gelehrt
und uns glücklich machte mit jenen
verheißenden Worten: „Dort oben
wohnt der liebe Gott!" /. IV.
Ctsfl
V o e e i u n z u K o n
z er t. Frau (zum Dienstmädchen):
„So, nun mir noch den Pelzmantel
und meinem Mann Watte für die
Ohren, dann sind wir fertig!"
W u n e i e e k a n n
a u n E i n e e i s e I
der Pfalz machte kürzlich bekannt:
,.Es ist zu den diesseitigen Ohren ge
kommen, daß das Vieh in den Ställen
mit brennenden Zigarren und Pfei
fen gefüttert wird, was künftighin
mit einer Mark bestraft werden soll."

St. Ambrosius
A I I E K E I S

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