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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, March 04, 1875, Image 1

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Frau biras & omp., Herausgeber.
Preis : 82.00 per Jahr.
Office : Ecke der Vierten & Schiller Straße.
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Hermann, Mo., Donnerstag, ben . .Mr; 1875
Nummer' is.
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Uudolph tzirzcl.
Stonofot & öfsentl. Notar,
HERMANN, MO.
Pnltijtrt in 05.iüonade und anarknkndkn
Sounütf und tnor.it ane 19111 anvertraut! w;r
fttiifif zut und pünktlich.
O. NIEDER
NMsanN'alt,
IIKKMANN, MISSOURI
TMf.-fjirt in slüfTi stfericdt.'böfen in ri.r-'r:-i:-sttf
und anarrii-,fi'dni Scuntie?. 1
JOSET-l KE3SLER,
Cenentlichcr Notar, andagcnt u. l?ol
lector.
Verfcrk'at Xecti? und M'ortaa.teJ; Cspi'tMfte :c.
2Morat 2'cr. Staaten Pässe, sowie Weiter, Pi
ckcie uud priese von und nach r eutiaiianc unc
der Scbiveu. 2'esoiNere Aufmerksamkeit trift
dem (Soltektireu gewidmet.
av Dcül),
sechtsanw ltc,
JKFKER.'ON CITY, MO.
5Vir prakli;iren ii (tfaücc'i.ite, Co!e. C.'.l'awa',,
(samten, cciie. Fiiutkiin, W.uieS, Miller. " 0
nitean, Moraait und Pettiö ovintif C, sowie in der
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in der i'tr. Staaten ieurt für teu rrk,.lichen Ti
ftrift rnt Miüonri. 3.'$
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Vcr. Staaten AicHcr,
V-. G.VL'CEU, dc
Zwritcn Distrikts vv:lMisw:,ri.
?sfice in erni,i.', Mo.
Dr. Hr. Jürgens,
Arzt, Wnndrzt & Gcbnrtöljclfcr,
IIKU.UaNN, MO.
Csfjcc in Heiniz Sohn' -aui'e, ander
Marktstrape.
Christiane Jürgens,
geprüfte .Hebamme,
tat einen 1 eaeli ii'iiaen litiiiö in einem
yt b 0 titm 11 titültli.' Deut sch l.i n d S 0 ii rch ,n -m.tcht.
und biel't hiermit ihre Dienste
an. lJ.'Z
Helvojis Galle,
(früh et Arbeiter!? alle)
ANrr- mä (ßnsthnuxi,
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Iolin 3 Vircdcr.
?!o. !: iiiMiri)o Vierte Straste,
de.m P'.cifie-?cpot,
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Klempner,
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cste Straße ;.vi scheu äiill?r und Gttcnterz,
Ill-'.l.VXX. ML.
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den rronivt uno tilli! tcsorai. ariiinen wer
den auf e,tcllung angetrabt.
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JOHN PFAUTSCH,
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Lt. Louii'er La erbier, Weine,, Liquöre,
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" tf& tct- i (ir4 Kraft uud Weltsinn beiden Herrschern: j komisch nennen. Das allgemeine Lächer-.-C
iyi 0CX ' unsere so stolze Zeit müßte sich erröthend lich?, luS d.r Natur zukommt, lauft durch
! verkriechen, wären die Jahre 1813 1815 . alle Zeiten; der Schwäher der Horatiuö
?luö den h,,itc.l.issenkn Papier? eines lachenden ; j. In der alten Geschichte ist rin und der eizii,c des PlutuS finden noch
Philosophen.
eoeö Jahrhundert hat leinen eigenen
eist der Zeit, folg'ich auch seine eigenen ;
Lächerlichkeiten, die nach dem nachfolgen-.
den erst klar und zum Lachstoss werden,
Daö Jahrhundert, in dem wir selbst leben -
ist uns gerade in den Haupt annchte-, vcr
vorgencr als das Jahrhundert Abrahams,
Jsaaks und Jakobs, sowie manche
Zclzwächc uns selbst vorborgen ist. die
Andere gar 100hl kennen. Der Geist hat
seine epidemischen Krankheiten wie der
Körper, ja ein recht ausgezetckneter Narr!
i'l im Stande, e.n ganz'S LaaS voll Nar
reu zu 11 a hen, n ie wir ja j"!bst erlebt
ljaiVii Wir nennen unser Jahrhundert
das ufgekläite, und später Zeiten si iden
vielleicht gerade in dieser unserer ver
meintlichen Aufklärung eine Lächerlich
seit, lluscr drittem Wort ist fast immer
der Zeitgeist; der Zeitgeist, der oft blor
Weingeist, oder unreiner, unverschämter
Poltergeist und so lächerlich ist als der
gemeine Mann, der feinen andern Geist
kennt alö den heilige Geist, neben etwas
Korn- odcrZ'.vctichg.'ngcist. Ich bin nicht
abgeneigt, Fontcnelle's Worte, die ich
ihm sonst sehr übel nahm, nachzusprechen
Hätte ich die Hand voll Wahrheiten, so
würde ich mich wohl hüten, sie zu öffnen.
Mächtig wirkt der Geist der Zeit, trotz
aller Sperren, gegen das Böse, wenn da?
ute nach vorherrscht, aber auch g gen
das Gute wo das Böse einmal die Ober
Hand erhalten h.:t. Die Makkabäcr.
Phocion, Aratus un Brutus bekämpften
vergebens den Geist ihrer cit, und Kai
ser Julian mag sein Blut gegen den Hin,
incl gespritzt haben mit den Worten: Du
Hast gesiegt, Gali.äcr " oder nickt, der
eist der Zcit hatte gesiegt, und römischer
Kultus und selbst römische Legionen un
.'erlagen diesem Geist. Vergebens würde
man jetzt Krcnzzügc predigen, vergebens
ein Hildcln-ciid 11. die Kronen unter sei
neu Pantoffel zwingen wollen ; so viel
d 1? Gesvenft Neu Roms n 11 es) spukt, m ui
fürchlet sich nicht, und die gebildete Welt
lacht nur. S.hae, das; der Zeitgeist je,
! nH der Sch'fffahit gleicht, die jetzt iirn
deii jianzen Ocean hinführt, während die
Alten sich nicht weiter wagten, als so
weit sie die Kästen sahen, und das Aller
schlimmste, das; man so oft an des Prop
heten Micha Worte erinnert wird: Der
-ohn verachtet den Vater, die Tochter
setzt sich wie.rr die Mutter, die Schnur
wider die Schwiegcr, deö Menschen Fein?
i st sein eigenes Hausgesinde. Niemand'
glaube seinem Nächsten, Niemand verlasse
sich auf Fü-sten. Ve vahre die Thüre
deines Mune? vor der, die in deinen
Armen schläft !"
Der Zeitgeist gleicht den Passatwinden
ind Strömungen im Meer ; der vernüns
tige Schiffer schifft mit ihnen, aber ichs
gegen sie, und die mor.ilische Welt hat
i.nc G?se)e wie die physische, wornach
man sich richten muß. Ja der morali
schcn Welt herrscht Ebbe und Fluth wie
im Ocean, nur weniger sichtlich, abcc wer
sie bca htet, dem gelingt's ; er kommt oft
mit ciaer lächerlichen Thorheit wohlbe
halten wie mit der Fluth ans Land, wäh
ren die nützlichste Wahrheit, die es mit
der Ebbe versu ht, sich verliert in den
weiten Gewässern. Ein Funken setzr
eine ha'bcWclt in Flammen, der zu einet
andern Zeit garze trockene Sckiciterhau
fen ini W ilde nicht anzündet, und es steht
M't dem Zeitgeist wie mit glücklich Augen
blicken; alle Anstrengung ist v rloren,
wenn man diesen Augenblick nicht ergreift,
wie bei Schäferstundcn und gnädigen
Launen, oder bei Schatzgräbern, wenn die
Geisterstunde schlägt.
Lange gen g war der Zeitraum vom
4ten bis I5ten Jahrhundert, wo die eine
Menschenbälfte jagte und kriegte, oder in
ehrwürdigen Kutten und Bärten über
Nichts disputirte, und ihrem Gott, d. h.
dem Bauche, dieute; die andere weit grö-
ßere Hälfte Heu fraß und wie das Vieh
arbeitete. Diese finstern, dummen Zeit n
konnte nur eie herrliche Epoche 14S0 bis
1530 etwas rerg:sscn machen, Cii'on un''
Diaz. Buchdruckerci und Pulver, Hanoel
nnd .Posten, Italiens Kunstblüte und
Deutschlauds Reformation. Ein kühnei.
taplerer Geist herrschte beim Volke, rit.
!terlich.-r Sinn keim Adel, Majestät mit
ähnlicher Zeitpunkt vor der Schlacht von -
Z.rma: wäre der Friede zu Stande ge-j
f0nimc:1 f0 hätten rie Römer (nropi,
Griechen Asicr-.. die Karthag:r Afrika
gebildet; wahrscheinlich hätten wir daö
barbarische Mittclalter mit seiner Pfaf-
fteuödroelt garnicht erlebt, eine
durchaus veiichtcdcue Lvcltgcichtcizic, und
das 19tei Jahrhnndert brauchte nicht erst
Reisende auszusenden, um das Innere
Afrika's kennen zu lernen, das wahr
scheinlich noch eine wichtigere Rolle spielen
wird als jeht.
Man HU die merkwürdigsten Zeitalter
nach gr?s;en (Geistern ben'.nnt, aber die
Alexander una äsar, die Hermann und
s u, die Gregore und Lntl'er, die Pe-ik-les.
Lorenzo Medici und Friedlich (Louis
xiv?) waren doch nur Kinder dieser Zeit,
die den leist derselben richtig aufzufassen
und darnach zu handeln verstanden
Dic"e Kunst oder dieser geistige Instinkt,
der seinen Geniusglanz auf Lander und
Nationen zurückwirft, wie der Lichtglanz
le? Jesuskindes auf die Umstehenden in
Sorreggto's Nacht, ist das (Scheiirnib
großer Männer, der um ihre Schläfe den
ew! grünenden Lorbeer des Nachruhms
windet. Als Friedrich hinab oder hin
aufstieg zu den Helden der Vorzeit, war
Alles so düster, als habe der Genius der
Menschheit die Erde verladen. Wohl
erinnere ich mich seiner Todcsfeicr im
Kreise akademischer Freunde und des
ahies 17S(. Wie verschieden vom
Jahre 1815, wo der Held dieser Zeit v;r-
bannt wurde nach St. Helena !
Entfernt die großen Geister, und ihr
verzögert die Fortschritte der Menschheit,
so oft sich auckz die Sklavenheerde durch
blind.' ewniiderung und Hingebung
schon entehrt hat. Diese großen Geister
waren alle mehr oder weniger l'ebe:is
würdiger, bescheidener und humaner, als
der Held meiner Z.it, wenn sie ihm auch
als Heerführer nachstehen. N,pleon
wäre gröszor, gröfzcr als Friedrich, wäre
er mehr Mensch gewesen, hätte er friibr
als ;u Mba 'Ich gesagt : Nicht diciuali
tion hat mich gestürzt, sondern die libera
len Ideen; ich habe die Völker beleidigt."
Er, dessen hoher Scharfsinn so leicht über
die Ideen seiner Zeit hätte tnnmphiren
sönnen, er stür;te Alles um und übercin
ander; Ehrgeiz verblendete ihn und langes
Glück, Europa hatte die höchsten Begriffe
von s"incr Macht, seinem Geiste,, selbst
von seinen weltbeglückendcn Planen ; er
kannte Alles, er konnte Alles über dan
Haufen werfen, aber nicht bauen; er setzte
sein eigenes Ich an die Stelle Europens
Europa seufzte lange, endlich ermannte
es sich. Ropolcon flog im Luftballon,
aber in diesem wie unter der Taucherglocke
schmerzen und bluten zuletzt die Ohren ;
wir sollt n an der Eide bleiben und un?
in die Zeit schicken lernen.
Ravoleon, ohne Lebe und Gemüth, der
kühne korse steht da wie ein Räuber,
h iuptiuann. wie Agathokles. ZeS Töpfers
Zobn, zu Syrakus, und nur zu oft steht
Napoleon der Kaiser da als Bonaparte
der Licutnant. Cäsar, Karl und Fried
rich mit seinen Hülfsmitteln und scincr
Zeit, wie klein steht der Wcltherrschcr ne
ben ihnen, zumalen er hundert Schwierig'
keiten weniger zn besiegen H.Ute, als die
in Purpur gcbornen und schon im Kna
bcnkleide durch Schmeichler verdorbenen
Throninsassen? Das kleinste Xß wird
noch die N tchwelt an 9!apoleon Bona
Parte etinneltt und zugleich an die tragi.
komische Abgötterei meines Zeitalters,
das sich stolz das Zeitalter Napoleons
nannte und sklavisch wie Israel herum,
tanzte um das goldene Kalb, das nur
übergoldet war. Der Storch unter dem
Himmel weiß seine Zeit, und Kranich und
Schwalbe, nicht so daö Volk Jfrae'., und
Napoleon so wenig als NcuNom.
Meine Zeit setzte Mirabcau, Marat und
Nobcspicrre in das Pantheon neben die
! Asche Voltaire's und Rousseau'S und
warf sie ein Jahr darauf wieder heraus.
Von Rechtwegen wie Rechtens ist.
Ovir m, (,;;.,. i;. o.:t.ft.a
(Genius succuli), das sich im Staate
.ii vii fciiiiuuitiuji. jcuip (Oeiiuiictö
, und in der Religion, in Sitten und Ee
I brauchen, in Wissenschaft und Kunir.
. ' ' " ' I ' '
Geschmack und Sprache äußert, bildet ei
' cu großen Theil dessen, wa? wir ?okal.
jetzt ihre Cullegcn, sowie Moliore'8 Mi
'anthrop die srinigcn zu Athen und Rom
gefunden haben würde, denn Natur''prache
redet man überall; aber das Lokalkomische
ist nur relativ, mag aber zu gewissen
Zeiter. stärker wirken, als das allgemeine,
weil es der eigenthümlichen Denkart der
Nation zusagt. wie Aristophanes den
Athenern. Dagegen verliert eö' aber
auch seinen Werth durch die Zeit und bei
andern Nationen, wie eben dieser Aristop'
hanes. Dante. Nabelais, Fischart, Hu
dibras und die Duneiade sind unS, wc
nigstens ihre Anspielungen, kunkel, und
um wie v-eles lebten sie u-'s nicht näher
als Griechen und Römer ! Die witzigsten
polemischen und politischen Flugschriften
überleben kaum eine Generation. Bei
d .'in großen Haufen, der nie seine Heimath
verläßt oder nicht mit Ausländern um
geht, erstreckt sich das Lokalkomische
selbst auf äußeres Benehmen, Sprache
und Kleidung So finden wir die ge
reimten Trauerspiele der Franzosen lach
erlich, denn wir betrachten sie durch die
Brille des Nationalvorurtheils wie der
Bauer, der Nachtö nach der Sonnenuhr
guckt mit der Laterne, wie nach seiner
Zchwarzwälderuhr, und gar oft spricht
der so gebildete Anacharsis nicht wie ein
junger Scythe, sondern wie der alte
Barthelcmy von P.uis.
In der Kindheit der Kultur ist überall
Einförmigkeit: nach Athenäus war eine
alte Gewohnheit unter den Griechen, daß
die, welche nichts zu den Kosten eines
Mahls beitrugen durch Spässe dic Andern
unterhalten mußten aber bei einfachen
Völkern lassrn Arbeit und Bedürfnisse
den JdccnluruS, Witz und Laune nizt
gedeihen. Der Mensch gleicht dem Mar
morblock. den in seiner Grube Erde,
Wurzlen und Kräuter umhüllen, nur die
Hand der Kunst zaubet aus ihm eine
Venus oder einen Apollo So lange
man noch in Wäldern wohnte, mag ein
Zpazicraang in solche keine besonderen
Reize gehabt haben, und so sieht noch
heute der Bauer so gleichgültig n die
aufgehende Sonne als sein Ochs, und der
Mond ist ihm weniger als seine Schlaf
stelle, während Dichter und Städter dabei
schwärmen. So hält sich Spott und
Satire in rohen Zeiten an Lcibcsgebre--chen,
Armuth, Ausläuderei, Unterliegen
:c , und es geht so ro'i zu, wie im alteu
Testamente und bei Vater Homer, so roh,
wie noch heute in der Barberci.
Ich glaube, di: Grobheit unserer
alten Philologen und Gelehrten rührt
von den klassischen Studien, und sie hicl
ten solche für klassisch; jetzt sind wir wie
der we'ter, und daher höflicher, ja die
Mehrzahl spricht:
WaS soll ich mir den Kopf zerbrechen,
Zu wissen, wa, die Alten sprechen?
Ich bin so gut als sie gewesen,
Sie h ibcn mich a..ch nicht gelesen !
Adoni Besck hatte, slevenzig Könige
mit verhauenen Daumen ihrer Hände
und Füße unter dem Tisch, wie die Ne
gerkönige Menschenschädcl vor ihre
Palästen; 5lönige handeln wie Pöbel,
und gefangene Könige werden wie Pöbel
behandelt; Spott und Prügel sind bloß
wie Mehr und Wenig unterschieden
Ezir Vorig sandte dem Grobsultan alle
feine Gclazcnke zurück, und als Beilage
ein schweinsledernes Kleid und einen mi
Schweinskoth gefüllten Beutel, und zu
solchen Höflichkeiten kommt eS noch Kerne
bei Lappen, Grönländern und Kamtsche.,
dalen, vielleicht selbst auf deutschen Dör
fern. Erst bei böhcrcr Bildung und
Kultur bildet sich der Geist neue Ideen.
aber auch neue Bc ürfnissc, neue ttngc-
rcimtheiten, neue Sitten und neue grö
bcre Thorheiten füllen den leeren Raum,
den die größere Ruhe übrig läßt; der
St.om des Lächerlichen fließt reichlich
Auf Aristophanes folgen die feinen
Mcnander und Luciane,auf die Plautuö
! die Terentii und Cicero, dcrHanptlacher,
bis Barbarei wieder alles zurückwirft in
Rvhhcit.
In der langen Nacht des Mittelalters,
welchl? desvotiskll? ?ftn'.:iluine rtprrnrtiitsrfi
i-j- a - aiiiu,k
Barbaren, und die ewigen Geistesbar
baren, die Pfaffen, über Europa brachten,
trateil an die Stelle deS Wikes und der
-
Laune Jagd und Krieg, Scholastik und
Aberglaube aller Art; das Volk wars
Vieh, oder der Neger deö gewaltigen
Adels, der eine Bande Räuber bildete,
genannt Seigneurs, die selbst dem Köni
ge sein Recht streitig machten, um das
der Nation desto besser zu vernichten:
mußte da nicht daö Lachen vergehen, wie
in den sieben Jahren dcS Rheinbundes ?
In Klöstern und Schulen, wo man noch
am ehesten geborgen gewesen wäre, wußte
man von weiter nicht?, als von I cjristo
dem Gekreuzigten nebst einem bischen
Latein, und als die Arlber die verschrie
enen weltlichen Wissenschaften wieder
bervorsuchten. schrien Päpste und Mönche
wie die Adler, und an die Stelle der ver
ni'nftigen Alten träte:: Legenden, Homi
lien, falsch verstandene Bibeln und mag'
er: Ehroniken; die Sacrosancta Thoo
logia war Königin aller Wissenschaften,
das sagt Alles, und wie Hätte Geschmack.
Witz und Laune nur gedeihen können in
den Fesseln des Psaffenlateins ?
Nur im hohen' ?korden fangen noch
Barden und Skalden Kriegölieder, die
Thaten ihrer Helden, Blut und Schlacht,
Wild und Wal), Trunk und Liebe in de
Muttersprache, während Mönche Evan
gelien reimten, Lieder auf Maria und
alle Heiligen. Wer gäbe nicht alle ihre
Sakra für einen deutschen Ossian ? Im
Norden und im Orient stritten die Für
sten miteinander in Räthseln und Mähr
chen, deren Auflösung den Sieg entschied;
Missethäter sogar konnten sich dadurch
von der Strafe befrrien. Ossian steht
da wie Homer, und auf diese Grundlage
baute'! die Ritter fort, die für Poesie
mehr thaten als die Kutten, und der Tag
räch wieder an. Ganz in der Stille
wucherte im verkannten Mittclalter der
Samen griechischer und römischer Kultur
fort, namentlich in Frankreich und Jta
lien; der Norden bekam seinen Acker
und Gartenbau, Gewerbe, Städte unr
Hand l, Gesetze und Verfassung: nicht
alles Große ist Werk deS Zufalls, sondern
auch dcS Nachdenkens und Fleißes.
Selbst die armselige Scholastik schuf
doch Genauigkeit in Begriffen, welche die
Philosophie der Alten nur wenig kannte,
und in praktischen Dingen war wahrlich
der Verstand weniger verkrüppelt, als
in unsern feinern Zeiten, auf jeden Fall
aber freier, regsamer, kräftiger.
Das Mittelalter bietet herrliche Licht-
Partien, wenn wir uns an das Ritter
thun,, an die großen Versuche zur bürger
lichcn Freiheit, was unsere juristischen
Rcichsgcschichtler Aufruhr nannten, an
die erhabenen Erfindungen und an das
geistige Streben nach Licht halten; die
ekelhaften blutigeu Kirchencrscheinungen
aber, Papst und Mönche, Inquisition
und Religionskriege, die ewigen Feudal
schdcn und Unruhen in Hintergrund ver
weisen, neben welchen Gräucln doch auch
Gutes cinherschlich. Das Mittelaltcr
bereitete die gri ßen Revolutionen, stets
hitzige Fieber der Gcscllsibaft, die Kreuz
zügc, die Eroberung Eonstantmopels,
die großen Entdeckungen und Ersindun-
gen die dem. Geiste einen Schwung
,,aben. der si '1 auch in des Gebiet des
Komischen ausdehnen unißte. Statt die
Fragen weiter zu untersuchen : WaS wäre
der Mensch, wenn Eva ganz allein in den
Apfel gebissen hätte? Mußte EhristuS
hungern oder hungerte er bloß, weil er
so wollte ? (Justinian ' entschied für ' daS
letztere.) Wird die Kuh, die der Bauer
an, Strick hat, vom Strick, oder vom
Bauer gehalten? sing jetzt die Satire an
,hrc Rolle zu spielen, oder mit andern
Worten, der Verstand erwachte, , . ,
Wer war lächerlicher. Papst ZachariaZ
der Antipoden zu glauben verbietet, sder
Papst Alexander, der solche Spanien
ichenkt. damit es seinem Ungeheuer Bor
gia einen Thron verschaffe, und sie für
Menschen erklärt, damit man sie nicht
wie große Affen todtschlage ? Wer war
lächerlicher, jene Heiligkeiten oder die
europäische gesammte Menschheit, die a.
diese Tollhauzidee glaubte im Geiste ihrer
Zeit? Die heiligen Väter der Kirche
konnten durchaus nicht rund kriegen, wi
man auf der Erdkugel wandeln könne,
ohne herabzufallen, und so lachten sie
j über Gegenkußler, oder schimpften woh!
nr tv, ,",., ,.... v.. crr.:f.
yui ivutm iiiiiii ua iiiujt i'tn üjiiuctn
unter die Röcke sehen? Sie hatten durch
aus keinen Begriff von Schwere, trotz
sbsteiaener Krnl,n, r,
I v.-.f.M Vj JIV
: selbst beiaeleaten Gewielite. Wallfabrtkn
l?chk"ß aufder 2ette.l
Otto Mcinliardt
Uhrmachers Juwelier.
l
Schiller Strafe, zwischen 2. und 3.
HERMANN, MO.
Eine qroße NuSmabl von Taschert uud Wand
uhren Sedmucksacken, Brillen u. s. . stctö an
Hand. Reparaturen werden prompt und billig
besorgt. .
Er kam, sah uud kguste!
WI, K1LIBJE,
Fabrikant von und Händler mit
SchuhcnSttefcltt,
Marktstraße,
HERMANN, MO.
Hält stets an Hand die größte, beste und billig
ste Auswahl von Kchuhwerk aller Art in Herma.in
und Umgegend. Käufer sollten bei mir orspre
chen ehe sie andcröwo kaufen. Reparaturen an
von mir gekauften Waaren werden uneutgeldlich
besorgt. 37,1
Möbcl ! Siirgc ! Lumbcr!
Caöpcr Schubert,
Fünfte Straße, zw. Markt und Mozart,
zeigt dem geehrten Publikum von Stadt und Land
hiermit ergebenst an, daß er stets M öb el aller
Art vorrathig bat. TeSaleichen S a r g e von
allen Größen von Holz und Metall und in jedem
tvl. Alles gut und vlUig.
Aucb habe ick stets gutes trockcmS 91 u&
holt und anderes Baumaterial, das ich
zu den niedrigsten St. Louis Preisen. auSschließ
ich der Fracht, verk.iuse.
Auch bin ich Agent für die St. L 0 u iS
s t 0 n e w a rc 5 0 111 p 0 n ; und verkaufe deien
Fabrikate (Glanrte irdene Vasin u.Blumentövit
von Terre Cotta ,e.), einschließlich der Fracht, z
Tt. rouiS Preijen. 2lJ totfcudert.
Marmor-Werkstättc
ten
Hery Schuch,
Ecke der Vierten und
Marktstraße,
Hermann, Mo.
Ich emxfe le mich dem Publikum von Hermann
und Umgegend zur Anfertigung von
Grabsteinen, Monumenten, Tischplatten,
Kaminaufsätzen,
und iitlrbaupt jede Bikdhauerarbett. Da ich
grob' Erfabruna in meinem Fache besitze so ga
rar irt ch für die beste, auch künstlerischste Arbeit
uut k s kr illigen Preisen. 32,1
HERMANN STAR MILLS !
George 21. SlUn$et,
Fabrikant von
Mehl, Kleie, Shipstuff, n. s. w.
Für alle Sorten Getreide, als
Weizen, Noggen, Korn- . w.
5ird Ir. drchstt Marktpreis 6nV zetzS.
y.j-tg n-vr. :ror
f-,i
a"
Frl.N.T.KE.B.Geiger
Nachfolger 'mten von Frau ?. M. Ennes.
Putzmcherittttett.
Die Unterzeichneten machen den Damen von?
H'.rmann and Umgeaend hiermit ergcbenst be
kann,, daß sie soeben eine große und schone Aus
wähl von
Damen und Kinderhüten,
Seiden und Samtbänder,
Spitzen, Federn und Blumen
welche sie zu den
billigsten Preisen verkaufen.
Ferner eine schöne .?luSwahl von
Handschuhen, Taschentüchern, Stickereien
Nähgarn, Nähgarn, Häkelgarn,
Kragen urd Manchetten. weiße
u. farbigeLitzen, Strümpfe
Schnallen, Flanell, sammt und
ganzwollene DelaineS , lederne
Gürtel, und (Slagt Handschuhe u. s. w..
Ebenfalls
Taschenbücher nnd Schmucksache,
Ohrrige, Brustnadcln, Perlen und aller?
Hand Sorten, Kleiderknöpfe it.
XÖf Besondere Aufmerksamkeit wird
er Verarbeitung von Haar zu Zöpfen,.
Locken, ChignonS, PuffS, Rollen u. dgl
rÄMS
WKMMM
MMMMl
Um zahlreichen Zuspruch bitten
N. T- B- (Seiger

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