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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, March 01, 1877, Image 3

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AmMMottne. i
Novelle von WUH. Passauer.
(Fottsetzung und Schluß.)
,Pa?" sagte sie und stockte und drückke
die dciven Hänkch.n auf id Herz. $a!
ich babe Dich gedöre. alS Du zu mir
feiacr.sr, i'fct bö,e auch mich!
.Ich bö;e, aneiiD," sagte Pa.
' ,Jabök mich," woerkolte sie mit be
bcnocr Stimme, ich werde den Sohn
Dcines Bludeis nicht beirathen, Pal-
Du wüst nicht, Jansjen?" sragte Jan,
Hand und .Times" rubig auf dk Polster
legend, Du wirst nicht ? , ' - .
Ich werde nicht,- erwiderte sie ruhig,
abn kt
Er r chtcte sich langsam und schwer aus
den wissen aas, faltete die Hände über den
Anie.'n ineinander und sah aus der sitzen
den Stillung zu ikr auf.
Du wiiii nicht, Jznöj:n? Warum
teilst Du nicht V frag! er kleichmüthig.
!8ctl ich nickt will, Pa sagte
Jan?icn.
Da sah er sie verwundert mit grcß ge
rffncten Äugen eine Wile stumm an.
Adcr ich will es, Jansi'n, ich l Und
waZ ick will, geschickt oder geschieht ti
,!ra nicht, Janöjen ?"
Ich weiß n-cht, Pa, aber ich weiß,
if will nickt," sagte sie ftst, und ich werde
nicht r
Du bist wunderlich, Janöjen, oder bist
Du ls nicht? Wer soll mein Geld ha
den, wenn Du nicht willst, waS ich will,
wer meine Faktoreien in Java und Hono
Iulu, m.'ine Sklaven und meine Plantagen
unc meine V:Ka in Bultenzorg und am
sch ranen See, Janejen ? Für wen soll ich
sie lassen, we.n ich sterbe und wenn Du
nicht willst, waS ich will, und lch Dich mit i
der Peilsche von mir iifle, wie meine faii
len N.-ger ? Geb, Janöjen, Du bist
närrisch und das Klima thut Dir nicht
gut. Ad,r Du wirst thun, was ich will
stö.' mich nicht!-
Er winkte ihr mit der Hand fortzugehen
und wollte sich in seine Kissen zurücklegen.
Ich mZ nicht. Pa " rief da aber
Zangen, ei.-.en Schritt zurücktretend. Ich
fcate bber gethan, was Du wolltest und
gkschwicgen zu dem, was ich Dich thun
sab, ob Vieles nicht recht nnd nicht gut
war, denn ich war ein Kind. Aber nun
bin ich erwachsen, und habe meinen eigenen
Willen. Vehzlte Dein Geld uno Deine
Neffer, Deine Plantagen und Faktoreien
in Honolulu ich will sie nicht, denn es
ist Unrecht daran aber meinen Willen
will ich. Verlause sie aber ich lasse
mich nicht verkaufe: ! Jage mich fort und
laß mich blutig peilscken, wie Deine Neger
aber Wille gegen Wille und ich will
nicht, Pa !"
Sie st ans vor ihm, tief und heftig ath
mend mit flzmmendem Gesicht und schwieg,
als cb sie seine Antwort erwarte. Aber
er legte sich bequem in die Kissen zurück
und nahm die Timö" wieder in die
Hand.
Du wirst thun, was ich will, Jans
jen." sagte e, mit den Augen die Stelle
suchen?, an der sie ihn in der Lektüre unter
brechen, gib, störe mich nicht l"
Janßjin sah ihn nvch einen Augenblick
fest an, roiiiDtc sich und verließ rasch das
Zimmer.
Dann hat Pompty leise in das Zim
mer uno Hub cn der Thüre stehen.
'$.$ fünf Uhr sein und Wagen vor der
Tdüre sein, is Zeit zum Baden sein,"
stzie er l.ise bir zu, als fern Herr ihn nlcM
zu demerkc:i sch'.en.
Ausjvanne i. Pompcy 1" sagte Jan de
Zwaan. Bade nicht mehr.""
Nicht mehr laden und iiber's Wasser
hergekommen sein 100 Meilen und nicht
mehr baden und wieber große Schmerzen
baden in Firmen uno Beinen, brummte
Pompev halblaut.
Thu' wie ich besohlen ! Der Trank
toiictt mich an und das Bad ist eine Hölle
,ch will nicht, geh 1"
Pvmpky ging.
Pomp.y !" ries Jean de Zwaan ihm
v&i, iiem Bruder kommt mit seinem
Sodii v.er Zimmer BelEkage nach
Vorne 1"
Dann setzte er seine Lektüre in der
Times" ruhig sott und Pompe ging.
Die vier Z mmer 23eM5tape nach Vorn
würfen bestellt und bergerich'.et und am
Abend des nächstens Tages rollten drer
, Droschken dcö Hotel de l'Europe vom
Babnhose heian, in der eisten faß lLlaas
Küpper, in der zweiten seine Gattin Ja
kobka, geboren von der Bvrsch und in und
auf der drtten befanden sich ein Diener,
eine Zoie und das Gepäck, bcsteöend in
vier Kiffern, sechs Haubenschateln, zwei
Nacktsäcken, einem halben Dutzend Kist
cken, Schachteln und Schächtelchen, öi
kamen mit einer gewissen gewichtigen
Feierlichkeit angerollt und die Jnsaffen be
zogen ldre Zimmer. Jan die Zwaan, der
von der Ankunst seineö Bruder durch Pon:
p y sofort b:nachrich!igt war, sitz! sich
au?nabm?reise in seiner Khaiselongue
ausrecht und erwartete in dieser uugemohn
ten Stellung seinen Bruder. Aber wer
nicht kam, war sein Bruder.
Bm der Jüngere," dachte Jan so kurz
wie irgtnd möglich, also erwartet mein
Bruder Claas, daß ich ihm meinen esuch
mc&c. Pompey !" rief er, kleide mich an,
ich will zu meinem Bruder Claas.
Pompty kam und kleioete idn an. Und
er ging und ließ sich anmelden.
Claas Kürper nebst Gattin saßen beim
Nachtlssen, als Jan de Zwaan sich anmel
d.n Iie'j. Der Cbambertin war vom besten,
der Madeira mußte dunderljähriz sein, so
annorcirte ihn sein Dust, Gelees, Gftü
gel und Torte ver'iitbcn einen ausgezcich
nelen srarzösischen Koch und es ward
tknen 'br Recht in vollständigstem Maße.
Frau J2cobca Küppcr, säst s.chs F.ß
doch und rkre ach: Stein schwer, trug eine
Tour halb Turban, halb Melonensorm,
Nicht ungeeignet für einen gegen die Serben
rommankir'.cn GrenzPascha. An die brei
ten Schultern schlössen sich zwei gewaltige
und mtut als statthast rölhliche Arme, an
den Handgelenken mit c rlcenen hlbvfündi
gen Braceletts nelst Kamcen ormirt. Eine
massive Agraffe von preußischem G'ana
Un Metall, angcbl ch aus der Schlacht bei
Giavlott herrührend, zierte den Gürtel
der oir tlisnt Taille und um die küren
büfte Büste herum baumelten und klirrten
Nicht weniger slZ fünf blitzende Golrketten
wit obligatem Operngucker, Lorgnons,
Rieclftschchcn und Portraits, als Stas
sage der den Leib bekleidenden nitfarbizen
Ceirenrcbe. Claas Küpver übertraf seine
Gattin in Betreff der Corpulenz um ein
nickt Gerirges und seine telle Kleidung
trug noch Einiges bii, die kö perlich wobl
perunteien Verhältnisse im günstigsten
Lichte erscheinen zu lassen. Ueber seine
grobsinnnllchen Gesichtsmge spielten dann
und wann ein fatales psifflgcs Lächeln und
bm und wiede? blitz' unversehens aus den
grüngrauen Aeugelchen vn spitzer stechen
Ut Ausdruck zum Erschr.cken.
Er hatte bei der Anmeldung des Bru
ders ferne sehr gründliche Beschäftigung
Ml: kinem gebratenen Rebhühnchen keineö
wegS unterbrochen.
Mein Bruder Jan Maam meine
mau Jacobe mein Bruder
Maaml
Dem Bruder, Claaö? hm, mein
Schwager ?" echote sie zurück.
Mein Bruder, Jan fetze Dich zu
im, Du wirst einsehen, daß es sehr
ungesund ist. sehr inopportun, eine Mahl
ttit zu unterbrechen Maam, ein Glas
Uharnbertin !
$t'?, Glais, ein las Cbambertin.
wd d.e Rebhühner mit Trüffeln gefüllt,
Claaö ? Nein Z Sch,e. Rebhühner
sollten immer mit Trüffel f 'n löllt fei, sie
allein geben dem Wild, ton k ern Geflügel
überhaupt ertt den kaud-out. Nahmen
Sie Plaw. Schwager Jan ein Brust
Itück, wenn ich bitten darf, Claas, mit
lnem der dem anderen Beinchen ich
oabe, Buncken stets den Flügelchen vorge
zogen.-
Hier, my dear, beide Beinchen und
die ganze Brust. Setz Dick, Bruder."
wendete sich Claas zu Jean mit den Augen
wenigstens, da sein übriger Muskelappara
lebhaft mit einem Nedkuhn beschäf igr war.
setz Dich, Du b:sinnst Dich, Du kamst
auch damalS' nie zur rechten Zeit zum
Essen oder ar nicht, Jan. So, noch
ein Glas Cbambertin, tny dear so.
nun durfte ich ae.üttigt fei?,. Setz Dich,
Jan, fo b.er an meine Seite freue
m,ch, Dich wiederzusehen, gieb mir Deine
Hand, Jan." sagte er, sich mit der ande
n Hand und der Serviette den Mund
wischend.
Jan gab ihm die Hand.
Es ist lang, her, Jan, daß wir uns
nicht gesehen, weißt Du ?" fuhr er nach-
denklrch fort.
Noch ein zreitcs Bruststück und die
Beinchen vom anderen, wenn ich bitten
darf, Claaö," unterbrach Jacobe ihren
Mann.
Hier, my dear, beides vom anderen
so. Lang ist's der, Jan, daß wir
uns ntazt sahen, Janl"
Sehr lange, Claa?. ist's her." erwiderte
Jan, an die 4 Jah;e."
Ob nn die 40 ?" fragte Claas.
Und dann entstand eine Pause, in der
die Brüder zu überlegen schienen, ob es
wirklich an die 40 seien, und Jzcobea dem
Bruststück und dem Beinchen vom anderen
eifrig und vornehmlich oblag.
An die 40," wiederholte Claas lang
sam und fast ein wenig schläfrig, wie Leute
von starkem Leibe nach einer guten Mahl
zeit ,u werden pflegen. Und hab' mich
'rausgemacht seitdem, gut 'rausgemacht,
geht mir nicht schlecht, Jan
Mir auch nicht," versetzte Jan.
Wieder gab es eine Pause, ausgefüllt
von dem tiefsten Schweigen der beiden
Brüder und dem kräftizen Angriff von
Jacobe Küpper gegen einen Block von
Schweizerkäse.
An die 40 Jahre, J-n," nahm ßf3
mit halbgeschlossenen Augen und die dicken
Hände über den Leib faltend, das Wort.
Vor 4? Jahren trennten wir uns
warum trennten wir uns, Jan ?"
Von wegen des Vaters Geige, Claas."
Du nahmst die Geige wie, oder
Nicht, Jan ?"
Nein, Du nahmst die G-ige und
schlugst mich nieder, Claas, und gingst,"
sagte Jan.
Nichtig, so war's schlug Dich nieder
und ging," enigegnete Claas und ein ma
litiöser Blitz fuhr aus den kleinen Augen
nach feinem Rruder, so war's, so war's.
Und j.tzt, Jan, j'.tzt?"
- Jetzt sollen sich unsere Kinder freien,
Claas, meine Tochter rno Dein Sobn."
Jacobe ließ die Hand mit einem guten
Stock Scl weizcrkäse, das sie im Begriff
war einzuführen, plötzlich nken und Cl,as
schloß die Augen noch schläfriger.
Es entstand eine längere Pause.
Mein Sobn, Jan ? Ja, Jan. aber
wir haben keinen Sohn," sagte Claas,
sich mit immer mcbr gcschloNenen Augen
in den Fauteuil ' zurücklehnend, haben
nicht !"
Haben nicht," bckiäflige Jacobe,
starr auf ihren Rest Schireizerkäse blickend,
welcher mit den fetten Thränen in den
landesüblichen .Äugen .ängstlich zu .ihr
aufsah..
Habt nicht?" fragte Jan, bald den
Bruder, bald die Schwägerin mit einigem
Erstaunen anblickend.
Haben nicht," versicherte Jzcobea noch
mals, hatten einen Sohn, haben ih.i aber
nicht mer "
Haben ihn nicht mehr," s.tzte Claas
mii, entschlummernder Stimme hinzu.
Jacobe benutzte die eintretende Pause,
um sich das thränenreiche Stück Schweizer
käse einzuverleiben. Dann schien auch ihr
Appetit befriedigt. Sie l-gte Mcsszr, Ga
bel und Se'vielte ruhig und sorgsam bei
Seite und blickte den Schwager erwa'
tungsvoll an.
Dann geht es nicht, Schwägerin Jaco
bea," nahm endlich Jan das Wart.
Nein," antwortete sie, dann gebt es
wirklich nicht. : Ab r Du sagtest, Schwa
ger, Du hast clric Tcchter wo ist Deine
Tochter, ist sie' bei Dir? Ich möchte sie
sehen."
Jan erhob sich schi'crfäll g und zog die
Klingelschnur. Ein Diener erschien und
Jan befahl ihm, zu Pompeu zu gehen,
damit Pompey seine Tochter Janöjen bitte,
ein wenig herüber zu kommen. Dai.n
setzte er sich schweigend in den Fauteuil.
Auch Jacobe schwieg. Claas war ganz
entschieden entschlummert und begann leise
und dann allmählich cre8cendo schnar
chen. So saßen die Beiden eine Weile
still und regungslos und warteten. Aber
Janejen kam nick t urd auch der Diener
kam nicht. Aber sie warteten.
Wie büß euer Sobn, Schwägerin ?"
begann Jan endlich mit leiser Stimme.
ClaaS hieß unser Junge, wie sein
Vater."
Und wann und wie habt ihr ihn ver
loren, Schwägerin ?"
Jacobe, schwieg cine Weile, dann er
widerte sie ebenso leise, um ihren Mann
nicht zu wecken:
War ein schlimmes Ende, Schwager.
War immer schlecht zwischen Vater und
Sodn, Beide bestig und voll Eigenwillen
Was Einer wollte, wollte der Andere nibt
und Keiner gab nach. War im F bruar
drei Jahre, Schwager, drei Jahre am 9.
Februar, da hatte es wieder eine.r bösen
Akt gegeben zwischen Vater und Sohn,
um eine Kleinigkeit, um ein Nch!s, um
eine alte Geige. Vater, hatte die Peitsche
gegen meinen Jungen aufgehoben und
mein fchöner Junge, mein Claas, ver
schwind Nachts darauf. Seine Kleider
lagen am Ufer der Themse, seinen Leib ha
den wir nicht gefunden, Jan."
Jccobea senkie den Kopf und schwieg
und Jan auch und nach einer Pause be
gann sie wieder noch leiser als z'ivor :
Es hat ihn gereut o, Jan, rvie hat
es meinen Mann gereut ! Hat seitdem
keine Fi.rude gehabt in seinem Herzen und
kein Lächeln um seinen Mund, Jan. Wir
trieben und um von Stadt zu Stadt, von
Land zu Land überall keine Ruh
überall hinter uns dec Schatten des Tod
ten. Die Welt ist todt sür ihn und sür
m ch, seit unser Junge dahingegangen, und
wir leben darin, weil Gott uns nicht her
ausläßt aus ihrem Gefängniß, Jan !
Haben nicht einmal die Hoffnung, unseren
Jungen droben in Freuden wiederzusehen,
renn der Selbstmord, den er begangen,
kragt uns an und sein Tod schreit wider
.uns zum ewigen Richter, Jan !"
Sie stcckie. Die Lippen, die fleischig?
Kinnladen vtterten, Thränen traten in ihre
Augen. Rührender konnte sich d:i Kum
mer um den verlorenen Lschn bei ihr nicht
kundgeben. Dieses Nachwehn des Schmer
z:s wühlte ihr Gesicht durch wie die Fläche
der See nach einem Sturme nachwüklt
und nachzuckt. Selbst den sonst so unbe
weglichen Jan hatte dieses Niobiden-Ant-l
tz mächtig ergriffen, er war still gewor
den und vermochte kein Wort heroorzu
bringen. Da kam endlich der Diener und mel
dete, Pompey fei nicht Z , Hause, fondern
habe Fräulein Janöjen in's Concert beglei
tet, dos Herr Victor Hall heute im Thea
tersaal veranstaltet.
Gut," sagte Jan aufstehend und der
Schwägerin die Hand reichend. Ihr
kommt noch herüber zu uns, wenn mein
Bruder aufwacht, w? Sollt- meine
Jansikn sehen." : : ' '
. , Werden kommen, wenn er will," erwi
bette Jacobe, traurig mit den Augen au
ihren Mann deutend.
Jan ainq. Sie saß still in ihrem Fau
teuU und ihr Kopf sank tief auf ihre Brust.
Sie schloß die Augen, aber nicht , zum
Schlaf. ' Thräne aus Thräne quoll unter
ihren Wimpern hervor und rollte unaus
haltsam übn die dicken Wangen auf die
nilsarbene Robe 'und die goldenen Ketten
die Erinnerung an ihr Verlorenes Kind
war wieder einmal über sie gekommen.
4.
Die Glocken von den Thürmen schlugen
zehn Uhr und das Conzert im Theatersaale
war zu Ende. Equipagen rollten hin und
her vnv die Zuhörer strömten auseinander,
plaudernd, lachend oder still, aber alle ent-
zuckt von dem - Geigenspiele des jungen
Concertistkn. ES ward einsamer vor dem
Vestibüle des Theaters. Hie und da
kuschte eine dunkle verspätete Gestalt rasch
übex die mondscheinhelle Theaterstraße
nach beim oder sonst wohin. Die Glas
flammen erlöschten allmählich und die
Fenster im Concertsaale eines nach dem
anderen wurden innen dunkel. Von außen
blitzten sie im Widerschein des Mondes.
Vcr dem Vestibülle ' aber stand noch eine
Kutsche und die starken Pferde schlugen
ungeduldig funken aus den Sternen.
Endlich endlich kamen ltichte Schritte,
eine zuizge Dame und ein junger Herr,
Be'.te tn ilsganteit:r Tracht, hinter ihnen
ein riesiger, rnch gallonir: Mohr mit
Mänteln und Sdawls über dem Arme und
einen Geigenkasten in der Hand.
Die Dame stieg ein. ihr nach der Herr
Pompeu, das Tuch, den Mantel!" ries
die Dame und ihre Stimme klang silbet
bell, aber sie hatte auch etwas Entscdiede
nes, Festes wie Metall.
Pompey reichte Tuch und Mantel
hinein.
Und die Fiollin?" fragte P?mvey.
Die nimmst Du oder nein, gieb sie
heraus so nun rasch nach Haus!"
Pompeu hatte sich neben dem Kutscher
auf den Bock geschwungen. Der Wagen
rollte schnell fort und hielt vor dem Hotel
de l Eurova. Dort öffnete ein Kellner den
Kutschenschlag und das Paar da es
eben nur Zwei sind, dürfen wir sie w?hl so
nennen stieg aus und mit raschen Schrit
ten die breiten Treppen hinaus und durch
den taghellen Corrido: bis an die Thüre zu
Jan de Zmaan's Appartements.
Die Dame zog die Klingel und trat ein,
der junge Mann hinter ihr und hinter ihm
Pompey mit der Fiollin."
Ist Pa zu sprechen?" fragte Jansjen
den Diener, der geöffnet.
cynheer de Zmaan ist im Saale."
So komm V ctorl"
S;e traten in das Zimmer vor dem
Saale ; Jansjen hielt einen Augenblick an.
Ihr Herz klopfte. Sie war bleich und ihr
Blick ruhte innig und voll Zärtlichkeit, voll
Zuversicht auf Victor Hall, der ihre Hand
ergriff und fest an fernen Mund, an fein
Herz brückte, als ob sie fühlen sollte, wie
rudig sein Blut rollte. Er öffnete selbst
die Portiere und sie traten in den Saal
ein.
Mynheer Jan de Zwaan lag aus der
Chaise, lor.gue, die Augen gegen die Decke
.richtet und erwartete se'nen Bruder und
seine Schwägerin. Die düsteren Wolken
deren Scharten von. der Erzählung seiner
Schwägerin über serne Züge geflogen, wa
ren zumTheil vergangen, obwohl die schlaj
ken Langen, die hängende Unterlippe noch
immer auf eine nicht ganz gereiniz e Al
mosphäre deuteten. Er hörte z-var leichte
Schritte sich nähern, aber er hielt es nicht
für die Mühe werth nach ihnen zu sehen,
denn er hörte an diesen Schritten, daß es
nicht die waren, welche er erwartet. An-
ders war ihm j'.tzt gleichgültig.
Pa!" sagte da Jansjen mit leiser, et
was vibrirender Stimme.
Mynheer Jan de Zmaan," begann
Victor Hall fest urd vernehmlich.
Jan wendete ein wenig denKopf und fal,
die Beiden, die Hand in Hand vor idm
standen, ruhig an. Und als sie feinen Blick
schweigend erwiderten, erhob rr sich in ine
sitzende Stellung..
Jansjen Herr Hall waS habt ihr
- was?" fragte er.
Pa, höre mich." begann Jansjen.
Mynheer der Zwaan. boren Sie mich!''
fiel ,kr Victor Hall in's Wort. Ich liebe
ihre Tochter. . Unsere Herzen haben sich zu
einander gefunden von dem ersten Augen
blicke an, als Sie mich zu sich riefen, als
wir uns fahen. Ich bitte Sie um die
Hand Ihrer Tochter, Mynheer de Zwaan,
deren Herz mir gehört. Ich bin ein armer
Geige', aber ich habe heute öffentlich bc
wiesen, daß ich meine Kunst versteye, und
ich hoffe, ie Welt soll meinen Namen ken
nen lernen, wie ihn beute diese Stadt ken
nen gelernt hat. Ich trachte nickt nach
krem Golde und verlange Ihre Schäze
nicht ich bitte Sie um die Hand Ihrer
Tochter!"
Mynheer Jan de Zwaan hatte den jun
gen Mann mit immer größer werdenden
Augen und geöffnetem Mund angehört. Er
sah ihn schweigend an, und dann Jansjen,
sein Kind, und wieder ihn.
Pa," begann Jor.sjen mit zitternder,
bewegter Stimme, ich habe Dir gestern
gesagt, daß ich niemals das Weib des Soh
nes Deines Bruders werde, niemals, ni.
mals, Pa! Und ich sage Dir heute, daß
ich dieses Mannes Weib sein will, und
Du weißt, daß ich thue, was ich will. Ich
habe einen festen Willen, Pa!"
Mynheer de Zmaan schien seinen A
gen, seinen Ohren nicht zu trauen. Ein
heftiges Zucken um die Augen, die Nasen
wurzel, daß sich bis an das sonst so im
pertimente Kinn hinabzog, verrieth seine
Bewegung. Er zitterte ein wenig am
ganzen Leibe, ur d einen Moment schien es,
als wollte er sich erbeten. Aber daS dauerte
kaum eine Secunde und er legte sich
langsam, schweigend in seine Charse-lcngue
zurück.
Gebt gebt!" sagte er langsam.
Seht Kinder ich bin nicht ausgelegt zu
Kindereien ! Habe keine Zeit sür Kin
dereien! Erwarte meinen Bruder, mein?
Schwägerin. Gehen Sie, Mynheer Hall,
ich werde nach Ihnen schicken, wenn ich
Sie brauche Sie geben Du bleibst,
Jankjen!"
Aber Jansjen schien durchaus nicht der
selben Meinung.
Ich werde nicht bleiben, Pa!" erwi
der sie mit hastiger Stimme. Wenn
Du Victor gehen heißest, so gebe auch ick,
gebe mit ihm g.be mit ihm in dteWelt,
verlasse Dich und Deine Schätze, Dein
Geld, Deinen Besitz, und will mit ihm
von dem Brode essen, daß er ißt, und das
Wasser tunken, das er tnnkt, P?, borst
Du? Höre mein letztes Wort. Wir
bleiben Bei', hier oder gehen Beide ! Pa,
hörst Du?"
Jan drehte das Gesicht nach den Beiden
und sah sie eine Weile schweigend an.
Dann klatschte er in die Hände.
Pomp?y und ein Diener traten ein.
Werst ihn zur Thüre hinaus!" befahl
er ruhig.
Massa, wen?" fragte Pomp'.y mit
ausgerissenen Augen um sich blickend, als
müßte noch ein Anderer da sein, apf den
der Befehl sich bezöge.
Den Geiger, Narr, verstanden? Werft
ihn hinaus bis auf die Sttaße.
Schnell!"
Fiollin auch, Massa, und Bogen
und"
Rührt mich nicht an! schrie Victor,
die Bedienten mit einem Blicke voll Hoheit
und Entschlossenheit ansehend, vor dem sie
unwillkürlich zurückwichen. Keine Hand
an mich, der, bei Tod! es soll euch reuen.
Jansjen," wandte er sich an diese, ' tS ist
umsonst AlleS umsonst bleibe ich
muß " , . . .
Ich gebe mit Dir. Vic?or, Geliebter !
Ich bin Dem und habe Drr Treue gelobt,
ch will sie halben. Fort, aus dem Wege,
ihr" -Sie
hatte sich an Victors Brust gewor
fen und zog ihn mit sich. Er wandte sich,
doch kaum hatte er einige Schritte gethan,
als er erschrocken zurücktuhr ihm gegen'
überstanden Claas Küpper und Jacobe.
S stan'en entsetzt, regungslos sie
waren bleich Beide, todtenbleich - ihre
Augen öffneten sich weit Jacobe hatte
Die Arme gerade von sich gestreckt und
Narrte auf Victor und Jansjen.
.Claas!" schrie jetzt die Frau mit einer
Stimme, so delser, so ächzend, all ob sie
aus der Brust kaum heraus konnte, Claas,
mein Sodn! Die Todten Mann,
die Tobten steigen herauf Claas, mein
Sohn!"
V ctor riß sich von Jansjen Arm, er
stürzte zu den Füßen Jacobea's und um
schlang ihre Knie.
Dein Sohn, Mu:t-.I Dein Sohn, der
Dich verlassen im Zorn und jetzt lebend
zu Deinen Füßen liegt. Vatter, Mutter,
verzeiht mir, verzeiht den Trotz, der mich
von euch trieb, verzeiht mir die Täuschung
mit melnenKleidern nnd die falsche Scham,
die mich abhult, zu euch zurückzukehren.
und unter fremdem Namen rastlos, arm
aber ehrl.ch durch die Welt trieb Vater,
Mutter, verzeiht mir!"
Mein Claas, mein Junge!" schrie die
alte Frau weinend und ihn u sich heraus
an ihre Brust iehend. Mann, mein
Sohn Dein Sohn, Mann, nimm ihn,
nimm rhn von mir zum zweiten Male und
laß ihn nicht wieder fort von Dir!"
Der alte Mann umfaßte den Wieder
gefundenen und drückce ihn erschüttert wort
los an fein Herz das verlorene, das
wiederge'undene und io geliebte einzige
Kmd!
Und Jansjen? Sie stand unbeweg
lich, dann senkte sich das Köpfchen, die
Arme fielen schwer wie leblos herab. Einen
Augenblick zitterte die zarte Gestalt, ein
leichter Sitauer durchfubr sie, dann sank
sie zusammen, wie ein? leblose, todte Masse
aus die Teppiche bin. Sie sprangen Alle
hinzu und legten sie auf die Chaiselongue,
von der Jan sich erhoben. Ein himm
llschcs Glück spielte aus ihrem todten
blassem Gesicht, eine rnnfte Morgenröthe
üb Zukunft schien darüber hinzuzittern.
Der alte Claas stand noch immer mit
breit gespreizten Beinen, starr, bleich, aber
in feinen kleinen grünlichen Augen begann
Etwas zu funkeln, das auf die Wiederkehr
des Humors deutete und auf baldiges hei
eres Wetter schließen ließ.
Jan," sagte er, sich endlich hinsetzend
und zu seinem Bruder wendend, um, wie
manche Leute gern thun, die Schuld einks
schmerzlichen aufregenden Vorganges von
ich abzulenken, Jan. hast das arme Kind
wobl sehr bös angelassen, solltest nicht ver
gessen, was Du Dir, was Du lkr schuldig
bist hast sie wohl nicht wre eine von
Deinem Blute behandelt.
Jan ichien Lust zu haben, böse zu wer
den. Aber als sein Blick auf die noch
zuckenden Kinnladen, die fahlen Wanzen
des Bruders fiel, verlor sich der barsche
Auödruck und vie Hand des Claas fassend
und herzlich drückend, svrach er nicht oi;ne
Rübrung, so weil ihm Rührung möglich
war:
Haben Alle viel ausgestanden, Claas,
Alle! Aber nach S:urm kommt Son-n.-nschein,
urb je heftiger der Sturm, desto
erquicklicher der Sonnenschein und der
wird auch auf uns kommen, muß kommen!
Wie sollte es anders jern! Wir haben
i nun, was unser Herz erlangt, Du
Deinen Jungen und der Junge mine
Jansjen ein süßes, gutes Kind, Claas.
En wenig quer zwar, auch, ein queres
Teufelchen, aber das tlt letzt leine Sache,
Deines Jungen Sache cs liegt Das rn
unse em Bluii sind auch quec zuweilen
gewesen, die Allen wu? warum nicht
die Jürgen?"
Ja", sagte Claas, ,,.ie sind von un
serem Hause dre Jungen, von unserem
Blut', und utes Blut thut viel. Macht
zvar auch Querscrünge gutes Blut, kehrt
aber immer wieder in's richtige Geleise
zurück."
Dann faßen sie still und schwiegen wre
ermüdet von den langen Reen, fast den
ängsten, die sie je gehalten und wahr
cheinlichcr Maßen je kalten werden. Sie
ahen nach der alten Frau, die schwätzend
uno bald lachend, bcld weinend auf der
Cbaiselongue saß und sich hin und her
drehte, neben sich zur Reckten ihren Sohn
und zur Linken das quere Teuselchen Jans
jen, das wieder erwacht war zu blühendem
Leben.
Schwager!" rief Jacobe hinüber.
nun wird es doch gehe, wie? Und
es gebt zunächst mit euch nach Honolulu
mit Mann und Maus, mit Pomp.y und
der Violine, und Du brauchst nicht mehr
zebn Dollars für die Stunde zu geben,
Schwager, lachte sie so mächtig, daß die
Chaise longue unter ihr in allen Fugen
ächzte.
Und die Violine, Claa?, Jan," begann
ie wieder, habt ihr feine Violine gesehen?
Nein, wahrscheinlich nicht. Pompcy.
die V oline!"
Und Pompey brachte die Fiollin" und
reichte sie Claas und Jan, kalb lackend
und ganz verwundert. Sie besahen das
alte kostbare cremoneser Kunstwerk genau
von allen Seiten, den Hals, den Steg,
die Schrauben.
Jan," sagte Claas darauf, sie ist's!
Jlt sie's nicht, um welche wir uns
Wahrhaftig." versetzte Jan. ,Fe -st's
wirklich! Datz ich sie nicht früher be
sehen, als ich ihn mir kommen ließ "
Er schütiel e den Kops, reichte dem Vru
der die Hand, als sei nun erst wirlich der
Jugenczwist für alle Zeiten beizel:gt,
dann fazte er mitlerser Stimme: Sie
soll in Edren gehalten werden für alle
Ze'ten, die alte Violine, denn sie hat un
sere HerH'n wieder zusammengeführt und
das Glück unserer Kwder begründet."
Matz für Matz.
Ein B.ucr bat seit kurzer Zeit die
Butterlieferung für einen reichen Bäcker
in der Stadt übernommen. Leb'erem
war es aufgefallen, daß die Butter nicht
immer das angegebene Gewicht von drcr
Pfund hatte; er wiegt daher die lejste:i
Sendungen nach und findet wirklich, dssi
an jedem Butterlaib fo und so viel fchit
bei einem mehr, beim andern w:ni
ger; das richtige Gewicht hat aber kei
ner gehabt. Er verklagt daher den
Bauer wegenBetrugs. Präsident: Ha-
den S:e eme Waage zu Hause?"
Bauer: Ja! P.: Dann haben Sre
wohl auch Gewichte ?" B.: Nein, die
hab' ich net!" P.: Wie haben Sie
aber dann die Butter wiegen können?"
V.: DaS ist ganz einfach. So lang'
als der Bäcker Butter von mir kaust, so
ana' kauf rch von rhm's Brod ! Wenn er
nun eine 3 pfundige Butter von mir
rügt, nachher nehm lch lmmer einen
von feinen Wecken, die ich für 3-pfündige
hab' zahlen muffen, und wreg' damtt dre
Butter, die ich an ihn verkauf!"
Station Sing Sinrj"
.Smq Sinq!" rief der Schaffner an
ei er dekanrten Eifenbihnstalion im
Staate New York. .Fünf Jahre für
Erfrischungen!- fügte en Mann mrt
urzem Haar und Armfpangen hinzu, als
er sich erhob und in Begleitung eines
Sheriffs den Zug verließ.
AIS Großvater freie ging.
' Ein' Geschichten' von P. K. Rosegg,er.
, . , , ' , !
, Beim Kreuzwirth auf der Höh' saßen sie
um den vroßea' Tisch herum : Fuhrleute
von Pollau und Voran, Holzarbeiter von
Rabenwald und Mafenberg, GrenzwLchter
von der ungar.schen Matkunz. I Mein
armer Großvater, der Bauer von. Alpl,
war auch unter ihnen. Er war damals
eigentlich noch lange nickt mein Großvater,
und ihm war sie roch voll und rund, die
Welt, d spatec ledesmal ein Loch bekam,
so oft das schlimme, tollwitzige Enkelein
nicht bei ihm 'war. ' So geht's auf der
Welt, man mcrntin jungen Jahren, man
hätte es Fertig mit Allem, und ahnt nicht,
welche Herzensgewalten noch in der Zu
kunft schlummern.
Und daß ich dmn erzähle. Mein Groß
vater Ratz Ratz, wie er eigentlich
hieß . . . nein, da ich einmal da bin, so
will rch idn dock ueber Großvater beißen
schon in seine? Jugendzeit -mein Groß
vater also ging damals gerade im Hei
'.alhen um". Immer war er auf dem
Viebbandel aus, oder im Mostkaufen, oder
im Wallfahrten, oder rn Diesem und
Jenem und keinem Menschen sagt: e?'s,
warum er eigentlich wanderte. Der
hübschen Mägd ein und jungen Wittwen
gab es genug im Lande ; mancher Bauer
sagte, er gebe auch eine gute Aussteuer mit,
bevor man noch wußte, daß er eine bei-
ratbsmäßige Tochter habe. Aber mein
Großvater war einer von Denen, die nach
etwas Anderem gucken. Ec hatte den
Glauben, für jeden Mann gebe es nur
Ein Weib auf der Welt, und es käme für
den Heirathslunigen darauf an, dasselbe
aus allen anderen lächelnden und winken
den Weibern heriuszufinden. Er bat nach
jahrelanger Sucke schließlich die Rechte und
Einzige gefunden, aber nicht in der weiten
Welt draußen, fondern ganz nahe zehn
Minuten seitab von seinem Vaterhaufe.
Dort war sie eines Sonntags im langen
Heidebeerkraut herumgegangen, um für
ihre Mutter frische Beeren zu sammeln.
Das Lockenköpfchen und vom Busen ein
erklecklicher Theil ragte hervor, alles An,
dere stak im Kraut.
Mein Großvater lugte ihr durch das
Gezweige des Dickichts zu, sprach sie aber
nicht an. I nd als sie fort war, schlich
auch er davbn und dachte: Jetzt geh' ich
morgen noch einmal in die Pölauergegend
h,nab, unv mir keine Gescheidte (hier so
viel als Paffende) unterkommt, so taß ich's
gut fein und nimm die da.
So war er noch einmal in dee Pöllauer
gegend gewesen. Und dort hatte er richtig
Eine aufgetrieben, die reicher und schönee
war als das Mä:el im Heidekraut, aber
gar zu gerngev'.g. Vas freute irrn wohl
sür den Augenblick, doch ließ er's dabei be
bei bewenden; eine Häusliche wollte er ba
ben und er lenkte seine Schritte heimwärts
der Sparsamen zu.
Und da war's unterwegs, daß er beim
Kreuzwir h auf der Höh' einkehrt. Er saß
Anfanks abseits, beim Ofenbanknichen,
krank ein Glas Aepfelmost und biß ein
Siück schwarzes Broo dazu. Seine Gedan
en hatte er wie alle Fceiersleute nickt
beisammen; s.ine Ohren nahmen wohl
Tbeil an dem lebhaften Gespräche der gc
mischten Gesellschaft, die um den großen
Tisch herum saß und Wein trank. Die
Grenzmächter kalten draußen in der Holz
dcunbutieshwerverponten ungarischen Ta
bat geflind.n und wollten demnach ren
Eigner desselben mit sich fort zm Gerichte
führen. Da kamen jedoch andere Männer
des Waldes derbe' und mit gehobenen
Knütteln stellten sie den Grenzwächtern die
Wahl, was ihnen lieber wäre: Prügel
oder zehn Maß beim Kreuzwirth, denn mit
dem Schergengeschäft war's diesmal nichts.
Wollten die Ueberretter, wie man dieGren
zer nannte, sofort zu ihren Gewehren grei
fen; diese waren aber jählings in den
Händen der Holzhauer, sonach wählten
sie von den beiden verfügbaren Dingen die
it.lm Maß Wein beim Kreuzwirth. Nun
iaßen die Grenzwäckter lustig unter den
lustigen Zechern, hielten Bruderschaft mit
den Walsleuten und Fuhrmännern und
stopften schließlich ihre Pfeifen mit jenem
Tabak, den sie tn der Holzhauerhütte in
Beschlag genommen halten.
Zum Kartenspiel kam's und viel Sil
bergclo kollerte auf dem Tisch herum. Ei
ner der Holzhauer, ein schielendes, weiß
haariges Männlein, war nicht glücklich ;
sein bockiederner Beutel, der manchen ge
wichtigen, schrillenden Fall auf den Tisch
gethan batte, der immer tiefer umgestülpt
werden mußte, bis die dürren gierigen FiN'
ger auf sein silbernes Eingeweide kamen
der Beutel gab endlich nich's mehr hersür.
Da zog das Männchen seine Taschenuhr
hervor . Wer kaust mir den Knödel ab?"
Die Ubr ging im KreiS herum ; es war
ein tüchtiges Zeug mit drei schweren S1
bergekäusen und einer Schildkrötenschale
am Rücken, welche ringsum mit Silber
nieten besetzt war. Ein Svindelwerk ser
ner, mit einem gewaltigen Ziffernblatt, auf
welchem der Messingz iger just die dritte
Nachmittagsstunte anheizte.
Dreißig Gulden verlangte der Mann
für die Ubr; man lachte ibm hell in's Ge
ficht, der Eigenthümer behauptete: Was
wollt Ihr wetten! ebe der Zeiger aus halb
vier stebt, ist die Uhr verkauft! Darauf
lachten sie noch unbändiger.
Mein Großvater, der hatte von feiner
Qienbank aus die Sache fo mit angesehen.
Diese verkäufliche Uhr mit dem Schildkiö
tengehäuse, sie machte ihm die Seele heiß.
So eine Ubr war längst seine Passion ge
wesen; und wenn er nun als Bräutigam
eine könnte im Hosenbusen tragen, oder
wenn e: sie gar der Braut zur Morgen' 1
gäbe spenden möchte! Eine Udr! eine
Sackuhr, eine silberne Sackuhr mit Schild'
krötengehäuse!
So weit kams, da mern Großvater
ausstand, zum großen Tische hinging und
das Wort sprach: Geh, laß mrch das
Zeug anschauen!"
He, Du bist ja der Bauer von Alpl!"
rief der alte Holzhauer, na, Du kannst
leicht aufrücken und Dir darf ich e unter
vierzig Gulden gar nicht geben!"
Mein Großvater batte aber nicht viel im
Sack; darum sagt er: .Steine haben wir
dies Jahr mehr im Alpl als Geld.
Was willst denn, Bauer, hast nicht
groß Haus und Grund?"
Im Haus steht der T'sch zum Sff n.
aber auf den Grund wächst lauter Heide
kraut", entgegvete mein Grovater.
Und Korn uns Hafer!" rnf Eincr
drein.
WeM, wohl, ein wenig Hafer", sagte
mein Krlizoater. '
Haser !dut's auch", rief d:r Weiykopf,
weiß;, Bauer, wenn Du emverstanden
bist, ich lass Dir die Uhr billig."
Damit bin ich schon einverstanden",
antwortete mein Ahn.
Gut", und damit rrß ihm der Holzhauer
die Uhr wied.r aus der Hano, wendete sie
i-m, daß das Sckildkrötengehäuse nach
oben la?,' siehst Du die Silbernieten da
am Rand berurn?"
iüid nicht übel", entgegnete mnn
Ärcß?atcr.
U'.bel oder nicht", rief der schielende
Weißkopf, nach diesen Nieten Zahlst m'r
die Uhr. Für die erste Niete giebst mir
ein Haferkorn, für die zweite giebst mir
zwei Haferkörner, für die dritte vier, für
die vierte acht, und so verdoppelst mir den
Hafer bis zur letzten Niete, und die Ubr
gehört Dein mitfammt der Silberkette und
dem Frauenlbaler, der d'ran hingt."
Gllt schoa !" lachte mein Großvater, bei
sich bedenkend, daß er für eine solche Uhr
eme Hand voll Hafer doch leicht geben
könne.
Der alle Kreuzwirth hatte im selben
Augenblicke meinen Großvater noch heim
lich in die Seite gestoßen, der aber hielt
da8 'für- lustige 'BeistiminungV unS schlug
leine echte tn d,e veS Alten.- ,ES gilt
und alle .'Männer, die berm Tisch sitzen,
Nd Zeugen!" . , ,. . :
Er halte aber keinen Hafer bei sich.
That nichts. Sosort brachte der Kreu,
Wirth ein Schäffel herbei, um, durch Zählen
der Körner, wie mein Ahn meinte, die
Rechnung in bestimmen. : .
Sie setzten sich um den Hafer zusammen
mein Großvater, vom frischen .Apfelmost
im Kopf erwärmt, lachte in feinen jungen
Bart; des Gewinnes geniß, freute er sich
schon aus die großen Augen, die das Hei'
debeermägdletn zur gewichtigen Ubr machen
werde.
Zunächst wurden die Riete gezählt, die
um das Schilokrotenblatt herumliefen ; es
waren deren siebzig. Dann kam s an die
Haferkörner;. mein Großvater sonderte sie
mit den Fingern, der Holzbauer zählte
nach und die anderen überwachten das Ge
schäft.
Erste Niete: ein Korn; zweite Niete:
zwei Körner; dritte Niete: vier Körner;
vierte: acht Körner; fünfte: sech8z?hn;
sechste: zweiunddreißig ; siebente:
vierundsechz'g ; achte : hundntacbtund
zwanziv; nennte: zwelhanvertsechsund
fünfzig; zehnte Niete: sünshundertzwöls
Korne?. Wirthin, den kleinen Schöpf
löffel her!" Das ist gerade ein gestrichc
ner Schöpflöffel voll.
Wem Großvater schob die Körner mit
der Hand hin: Macht's weiter, ich seh's
chcn, es wird schier em Metzen berauS
kommen."
Und die Anderen zählten: Elfte Niete:
zwei Schöpflöffel voll Hafer; zwölfte
Niete: vier Löffel voll; dreizzhnre: acht
Löffel voll; vierzehnte: sechzehn Löffel
voll. Das macht ein Maß; fünfzehnte
Niete : zwei Maß; fechszednte : vkr
Maß. Das ist ein Maßl (Scheffel)
Siebzehnte Niete: zwei Maßl; acht
zebntc: vier Mzßl; neunzehnte: acht
Maßl; zwanzigste Niete: sechzehn Mabl.
oder ein Wecht.
Jetzt that mein Großvater einen h.llen
Schrei. Die Anderen zahlten fort und
bei der dreißigsten Niete kostete die Ubr
über tausend Wecht Hafer. Das war
mehr als die Jabresernte der ganzen Ge
meinde Alvl.
Jetzt bab' ich mein Haus und Grund
versvielt," murmelte der Freier.
Sollen w'r noch weiter zählen?" fraaten
die Männer.
Wie Ihr wollt", antwortete mein Gcoß
vater.
Bei der dreiundvierzigsten Niete hatten
ue eine Million Weckt Hafer.
Lei der fünfzigsten rief mein
Großvater, die Hände zusammen
schlagend, aus: O Du himmlischer Herr
gott, setz, hab' ich Deinen ganzen Hafer
erthan. oen Du feit der Schöpfung der
Welt ba,t wachsen lassen !"
sollen wir weiter zählen ? fraaten die
Männer.
Nicht nöthig," antwortete daS weiß
öpfia Männlein gemessen -das Uebrige
chent' ich ibm." .
Mein Großvater er erbarmt mich
heule noch war blaß bis in den Mund
kinein. Er hatte es in feiner Kindheit
chon gebör', die Wel kl!gel mit Allem
,vas aus ihr, . drehe sich im Kreife ; jetzt
suhlte e: s deutlich, daß cs so war ihm
schwindelte. Da geht er ins Heirathen
aus und verthut sein anzcS GütelV
Alle Rösser auf Erden." rief -r, . freffen
nicht so vlel Hafer, .als die lumpigen paar
Nieten da in der Uhr !"
St.ck' sie ein,. Bauer, fi? gehört ja
Dein, fate. der alte Walomann, und
zahl' den Bettel av$.";
Efti Leul'," -stotterte mein Großvater,
Ihr habt mich übertöppelt (überlistet)'
Du bist auch nicht aus den Kops ge.
fallen," entgegnete man ihm, Du kannst
zählen wie jed.r Andere, und die ehren
werben Zeugen !" ,
Ja. z, die ehrenwerthen Zeugen," rief
mein Ahn, lauter Leut', die geschwärzlm
Taback rauchen l"
Sei still, Bauer !" flüsterte ikm der
Kreuzwirth zu, umliegend (ringsum) ist
der Wald ; wenn sie Dich angehen, ich
kann Dir nicht hüfen." ,
Der alte Weißkopf schielte in den wurm
stichigen Tisch hinein ; ' er mochte merke ',
rak für ihn hier eigentlich doch nichts Rect
US herauskam, er sagte daher zu meinem
Gcolvaler: Weißt, Bauer, Du.könntest
ictzt woklfkil zu einem Kärndl (Korn, Ge
treidi) kommen. Ich wrll Hafer verkauf. n.
Gieb mir dreißig Gulden für den ganzen."
Abgemacht ; ivaiV. Leichten : Herzens
legte mein Großvater dreißig Gulden aus
den Spieltisch und eilte davon. Im freien
Wald sah er auf die Uhr ; der Zeiger stand
aus halb vier.
Mein Adn kehrte beim, warb um das
Heideb:ermärchen und verehrte ihm '.die
Ubr zum Brautgeschenk. Ab-," sagte er,
mein Schatz, das nehm' ich mir aus, Du
mußt mir sür lis erste Silberniete da ein
Busserl geben, und bei jeder weiteren Niete
die Busserln verdoppeln!
Das arglos: Mädchen ging d'rauf ein.
D'e Leutchen sind über achtzig Jahre
alt und während dieser Zeit meine Groß
eltern geworden, doch starben sie, lange be
vor die Uhr bezahlt war. Und wir Nach
kommen werden kaum jemals im Stande
!cir, diese Schuld der Großmutter vollends
wett zu machen.
AuS dem Mittelalter.
ES erscheint kaum glaublich, maö Un-
Wesenheit und Aberglauben tm Mittel
alter dem menschlichen Körper für Qua
len verursacht haben.
Als am 11. November 1265 der Her
zog Albrecht von Oesterreich, der nach-
malige romifcheziontg und Rivale Adolf s
von Nassau, wihrend der Tafel einen
lochten Schlaganfall erlitt, argwöhnten
die Aerzte eine Vergiftung. Obgleich
die aufwartenden Edelknaben, die Brüder
Zilgerrn und Albert von Buchheim, um
jeden Verdacht von sich abzuwälzen, von
denselben Speisen genossen und ge
fun) blieben, beharrten die Aerzte
bei ihrer Ansicht und verfügten, als
alle dem Herzog eingegebenen H?il
miltcl sich als unzureichend erwiesen
hatten, daß der Kranke, nachdem
sie ihm ein Auge ausgestochen, mit den
nützen an die Decke seines Zimmers auf,
gelangt uerde, damit daS vermeintliche
Gift aus Auge, Ohren, Nase und Mund
yerauslause. Mit diesem eben fo un
menschlichen . wie sinnlosen Verfahren
erreichte man indessen nichts, alS den
lranken Herzog in einen Zustand der
ira'crei zu versetzen, abgesehen davon,
daß er eines Auges vollständig beraubt
war. Da abür Albrecht nach dieser Kur
noch drrizehn Jahre lebte, bis er im
Jahre 1303 durch Mcuch:lmord seinen
ob fand, so ist es N'cht unwahrscheinlich,
aß d:e Aerzte sich lyrer energischen und )
MallHen Henmttlzoce nocy gerühmt
izabn.
Der Fall steht übrigens nicht verein
seit da. Um das Jahr 127S suchte der
Leibarzt Günzel des Herzog? Heinrich
IV. von Schlesien se'nen vergifteten
Herrn zu retten, indem er ihn alsbald
oei den Füßen aufhina, wie man ver
gemein thun muß, sagt der Chronist
Horneck so Glft in sich emvfinden.
Ler Herzog gena wirklich nach dieser
seltsamen Kur, starb über später 1290
nach einer zweiten Vergiftung, bei wel
cher man von dem Aufhängen an den
Züßen abfab. .
- Tristiaer Grund.
Ist der Herr oben?- fragte früh
Morgers ein Freund deS HauseS den
Portier. Woll 1 Vor zwei Stunden
habrn wir, ich und der Kutscher, ihn erst
rauf getragen; stehen konnte er nicht
alleene, also wo soll er hinjegangen
sein?f
srtttkt Wilvelm ver Tritte an
. :-v 5? der Opervröve. .S?
-DatN Berliner Sonntagsblatf tbeitt
t.i...t.: .il:c:' . !;:.( r
litfraiöicauni8jtn MlU..nianfl8.Xtt
Zreitz gerJahre ar es, wo M?y:rbeer'L
odert der Teufel zu, zrkert Auffübruna
gelangte. . De, Komponist leitete die mei
Ixen der Proben selbst. Daö är ein G
wirr auf dem Tbeaterk Singer und
Sängerinnen, Tänzer und 'Tänzerinnen,
uvsrtlten. . estansten, TSeaterarteiter,
calchtnlsten, Lampenputzer und Coulissen
schieber, Alles durcheinander. Mitten aus
dem vausen iont die Stimme deS- Tbea
termersters Werner nach dem Schnürboden
vmaus: .eumann, las mal den Kloster,
dos 'runter!' Es füllt eine Gardine im
Hintergrund; e hat aber ihren Weg noch
nicht zur Hälfte gemacht,' da schreit Werner
wie besessen: .Det is ia der Kirchhof mit
die Gräber! N so- een Brummochsk Wie
der ruf mit die Gräber und 'runter mit
den Klosterhofl" Jetzt beginnt Musik:
Bühne stet sürS Ballet!" und in wenigen
Minuten find die Bretter wie gefegt. - Jetzt
springen und hupfen aus allen Coulissen
räumen die leichtgeschürzten Töchter T lp
Nchorens urd schwingen die Shawl und
Noiensumanven o reizend, dag einem
leicht empfänglichen Zuschauer da? Herz in
der Brust mittanzt. Da plötzlich springt
mit drei gigantischen Bogensätzen ein tlei
ner weißhaariger Mann, eine langbeinige
Hutscheauf dem Kopf, zwischen den Mull
rocken bmdurch big um Souffleurkasten :
Un dieuxl varl'rr : da steot die
Hutsche und der kleine ?1?ann dirauf. Es
t der Ball meister Tagltoai. der Vater
unseres Paul. Ohne Hutsche kann er sein
Ko?ps nicht überseben, aber auf den'Sv k'
en feiner kleinen Füßchen stehend, aus der
Hu sche, die er überall auf dem Kopf mit
herumträgt mustert er wie ein Feldherr die
verschiedenen Fußspitzen- und Waden
Manöver seiner Heerschaaen. Jetzt wird
er kirschroth, klatscht wüthend in dieHände,
tampft mit den Füßen auf die Hutsche,
und schreit: Helas ! Helas ! Fanny! Fan
ny! Halt!- Die Musik schweigt, die Tän
zerinnen stehen heimlich kichernd, wie in
das Podium eingewurzelt. Jetzt schreit
er au?s Neue: Co,ps de Ballet, passen
Sie niz auf. laß ich Sie siebenundzman,
zigmal repetsr! Sie dance eure, als ob
es relever d'une maladie!" Dann wen
det er sich kurz und rasch zum Orchester:
Musik da, c&pol Hinter den Cou
lissen schleudert Mantius und trällert . die
Slrie des Raimbeaux: O, welche Großmuth!-
Heinrich Blume gibt ihm einen
Rippenstoß und saat .komischäranllch:
Hall's Maul! wirst 'Deine Dudeleien
noch oft aenug g-ölen müssen!" Jetzt lzßi
der Regisseur die gedämpfte Klingel er ö
nen: vie ma nen der Mitwirkenden zieden
ich hinter die Coulissen, das Tbeater ist
frei. Lv,r sehen den tosterhof mit seinen
Grabkreuzen in bläulich m Mondenlicht,
ings berum de Sär.-e der todten Nonnen,
eine elegische Musik besinnt, aus einer der
Versenkung in der Mitte steigt Marie Tag?
ioni aus die Schwester Pauls, damalö
die ber,übmtest Tänzerin und eine der t'.eb
ichsten Erscheinungen im Reiche der Tanz-
muse Sie hebt mit lhrer zarten Hand
die silberne Kanne, aus der sie später. Ro
bert den berückenden - Wem fchenkt. Ee7
herrscht eine Kirchhofsstllle. ylles lauscht
mit angehaltenem Athem. . D ertönt aus
einer Loge im ersten Rang ganz laut die
Stimme des Intendanten, Grafen Rc
oern: Majestät im Theater! Hüte und
Mützen ablegen!" Im find all Kops
dedeckungen verschwunden. Im Hinter
gründe erscheint langsamen Schrittes die
hohe, imposante Gestalt des Königs Fried
r,ch Wilhelm III., er trägt sich gavj. aus-
recht, die Hände auf de Rücken gekreuzt
und den Kopf etwas nach vorn geneigt,
o schreitet er aus Marie Taglioni zu, die
ihn hold anlächelt und dabei an einer Rose
zupft. Der König sagt ihr ein Paar ar-
tige Worte, dann begibt er sich 'in .die
leine Seitenloge, und die Probe nimmt
ungestört ihre Fortgang, In der Nähe
dieser Thür stand die Tänzerin frühere
Frl. Galster. feit zwei Jahren mit Paul
Taglionr verheirathet, und machte im
Balles Kostüm Gelenk Uebungen ohne
bei seiner Annäherung den König zu b.
merken. Der Monarch blieb stehen und sah
eine Weile stillbehaglich den ' Sprung'
und Drebübungen zu;' dann trat er an
die ganz in ,hre Kunst Versunkene heran,
bewegte wie klatschend die Hände und
sagte: Gut, sehr gut Madame I Die
bildjchö, e Tänzerin saht ein wenig er
chrocken. zusammen, dann machte sie hoch
erröthend einen . Uesen Knir. . Der stets
leutselige König sprach: Habe gehört,
was Kleines angekommen?" Ja, Ma
jestät." Schon getauft? Noch nicht,
Maiestat. v.ädchen V Nein, Ma
jestär, ein Junge." Wird zu Tause alt
we'd.-n." Mit schalkhaftem Lächeln ei
widerte Frau Taglioni : Wir wollen
warten, Mastät, b s der Junge nach der
Kirche tanzen kann." Der König schloß
den interessanten Dialog mit den Worten:
Mich einladen! Patbe sein! Paar Schuh
ch'cken, Schuh schicken l" Hierauf nickte er
ulovoll und ging nach seiner Loge. Jetzt
wurde Taglioni von feinem Kollegen
Stullmüller, der gehorcht hatte, aufgesucht
und von dem ibm leise zugerufen : Paul,
der Köniz will iiur Taufe DeineS Junaen
Schuh sch cken !" Heinrich Blume, der an
eine C?ulss; gelehnr stand, hielt die Hand
an dei Munv und ftüste'te : Da 'llm
sür Paul auch ein Paar Stiesel mir ab!
Der 5?öilig schick: spät r als Pathenge
schenk bunkert Dukaten. Jene Periode
wa? es, von der Albert Lo'tzing im Wild
ckutz" nnstkn laßt. Das war eme lest
iche Zit !"
Bon der ochkunst Ausstellung.
Der Sonntaas-Mauderer der Bec-
iner Tribune gedenkt der in den ersten
Tagen des Februar ln Berlln abgehal
tenen Kochkanst'Ausstellung in solgen
der gelungener Weise: '
Mehr als für den Carneval interes-
sirte sich Berlin für seine erste Kochkunst-
Ausstellung, welche heute (den 4. Febr.)
gejcylossen wird. Denn wahrend die
scherze des Carnevals wollen, daß sich
der Berliner den Bauch vor Lachen
halte,' beschäftigte sich diese Ausstellung
doch bedeutend ernster mit dem bezeich-
neten Körpertheil. So wurde sie denn
auch durch einen zahlreichen Besuch aus
gezeichnet, der die ausgestellten Erzeug
nisse der Küche weniastens mit den Au
gen verschlang. Für die Wohlhabenden
war der Anblick denn auch ein sehr an
genehmer und belehrender, und dre Ber
iner Kochkunst feierte Triumphe, welche
hr kein Braten-Reuleau; mit der Be-
hauptung. Alles set bllllg und schlecht,
zu schmälern wagen wird. Unsere Koch
unstier verriethen, indem sie diese us
stellung gerade jetzt tröffneten, daß es
sich bet thuen mehr um den Ehraeu und
um den Berlinern das Waaner'iche Sie
sehen. waS wir können!" zuzurufen.
handelte, als um eine große Kundschaft.
In den Tagen, als die Milliarden
fluth noch alle Dämme weiser Sparsam
keit durchbrach, hätte man glauben kön
nen. daß die Aussteller die Spekulation
auf die Friandise geleitet habe und die
NabobS zu einem Menu-Wettrennen an
spornen wollten, heute aber kann dieser
Verdacht gewiß nicht auskommen. De
licatessen, welche damals Gefahr liefeu,
gewöhnliche Nahrungsmittel zu werden,
sind heute wieder in ihre alte Würde
eingesetzt, so z. B. hat sich die Trüffel
langst von der. Furcht wieder erholt, an
die Stelle der damals sast ganz vornRe
pertoire verschwundenen Kartoffel treten
zu sollen. Auch die Poularde gehört
nun wieder zum außerordentlichen Mit
tagSgeflügel, während sie während der
Milliarden Epoche populär geworden
war, wie etwa daS sogenannte Hzimbur
aer öubn. - . , ; . :
Berlin t)al sich aufs Neue an lit
Hausmannskost gewöhnt, daS Nostbecf
ist wieder ehrlich geworden urd der
Schweinebraten hat wieder seine wohlV
erworbeuen.Rechte erlangt. Man will
sich jeder sättigen, anstatt dah man rr
dem Säumen durch Leerbissen zu impo
mrea : sucht, xoie damals, und dieser
Thatsache -gegenüber erscheint.' unsere
Kochkunst . Exposition im Lichte eines
durchaus wzrlhfchaftlichen Unterneh
rrunkSie' wär auf Besucher berihnet,
welche nicht etwa glauben, daß mim sei
ner Würde etwas vergtebt, wenn man
einmal einen Mittag ohne Forell ver
lebt. So wurdedenu auch der, Frau
Lma Morgenstern ein Platz für ihre
Volksküche ein aeraumt' in welcher kür
den SoftenpreiS einer einzigen Trüffel
a.t je am pt
erneue-aenicont geiättlqt werden kön
nen Die kommenden KochauSflellun
gen werden .ohne Zweifel noch reicher
assortirt fein. Da dürfte l. . nickt nie
GefSngmßkoft fehlen, welche seit lär gerer
Zeit so viele Menschen, welche kein Ser
brecher sind, nährt, und auch müßte Hr.
v. Arnswaldeiveraulafit werden tm
Mittagsmahl auszustellen derieniaen
Familien, von denen er behauptet, sie
onnten von 24t) Mark jährlich sehr gut
ebeu. t ,
. Ei Telgrapheöcher,.
Unsere Leser erinnern sich vielleicht
der sonderbaren Mystiftcation, der un
ang t d,e evgllsche Admiralität
Opfer fiel, und die einen enalischen
riegSdampfer zu einem Ansfluge pour
e roi de rrusse nötbkate. Etnen abn
ichen Scherz hat man sich anläßlich deS
Besuches, den Gladstone d:r Stadt
Frome abstattete, mit dem Telegraphen
bureau in Bristol erlaubt. ES traf näm
ich da elv t eine dnngende Depesche der
Londoner Centralstation ein. in welcher
die Lokalstation aufgeforderte, einen voll
ständigen telegraphischen Stab mit dem
Nachmittagözuge nach Frome abzufen
den, weil Glavstone daselbst spreche
werde und eine Devesche von
6.000 Worten zu erwarten ehe Es
wurden nun .sofort ein Inspektor,
vier Secreräre' und' drei Unterbeamte
mit einem Mörserapparate und besonde
ren Batterien mit dem Zuge abgesandt,
der um 2 Uhr 35 Min. Bristol verläßt
und 3 Uhr SO Min. in Frome eintrifft.
Es stellte sich. natürlich sofort berauS.
daß der Liebe Müh' umsonst gewesen
war, und nachdem das fliegende Tele
graphenbureau einige Erfrischungen zu
lch genommen, kehrte es mit dem Abend
zuge wieder nach Bristol zurück. Ange
stellte Nachforschungen ergaben, daß von
Frome auS gar keine Requisition gemacht
worden war; wie das MißverstSndniß
entstand, hat jedoch noch nicht herauSge
bracht werden können. Für die Bewvh
ncr deS Continents ist eö interessant, bei
dieser Gelegenheit wieder einmal zu er
fahren, mit welchen Mitteln und in wie
großartigem Maßstabe in .England der
Telegraphendienst gchanhhabt wicd.
NamensverwechSlnng. ?
'Ter unrechte Meyer erregte neulich in
Berlkn Kunlmer und Thränen. An ferne
Gattin ikam . der - Brief einer betrogene
Geliebten, resp, jungen Mutter, worauf
sie zu ihrer Mutter absockte. Dein nach,
eilenden Manne wurde daS ganze schwie
germütterlich' Gist in'S Gesicht gespritzt.
Erst alS et nach vieler Mühe' den rech
ten Meyer" herbeischaffte,' kam eS zum
Coinpromisse und Enie gut Alles
gut", die Versöhnten bewegten sogar den
Rechten", etwas für die vcrlasseoe
Elvira zu thun. : ::::r ;;-7
-1 Vegriffsverwirrun. '
Ihr Antrag ist mer sehr schmeichel
hast, aber ich kenn' Sie nicht,, ich weih
nicht, welch ein.LooS Sie meiner Tochter
bieten.-können!" Gott? welch ei
LooS?? Was Se wollen: .Braunschioei
ger, Mailänder, Gunzenhaufer, Meinin
ger. Hamburger, was Se wollen, ich
hab' e ganze Collecte!" So! Se sein
Collecteur? Wissen Se waS, kommen Se
mer nicht mehr herein, bis se herauSge
kommen sin!"
' 0- - ;-
Praktisch.
Sie haben doch einen Bezirks und
Armenarzt im Orte warum lassen Sie
mich die zweistündige Fahrt aus der
Stadt hierher machen, wenn Sie nicht
die Mittel haben, meine Mühe und die
Auslagen zu honoriren?"
Verz'ihen Se, Herr Doktor, warum
soll lch lassen kommen de schlechten Dok
torS von hier? Hab' ich mer gedacht,
zahlen kannst de so nie so nix lass ich
mer gleich lieber kommen 'n guten Arzt
auS der Stadt!-
Hautkrankheit.
Meister, .meinen 'Peterl kann ich
nicht länger bei Euch lassen ; er beklagte
sich, daß er die Hautkrankheit bei Euch
kriegt.
Warum nt gar, die Hautkrankheit k
Ist das wahr, Spitzbubenpcter?
..Ja wohl, wenn' Würste gibt, kriea'
ich die Haut, von den Erbsen krieg' ich
dre Haut, und wenn lch die Haut Nicht ess,
so haut mich der Meister." "
ussvrache deS Russischen.
Der Name der neuen russische
Pianistin, welche soeben in New Fort
debutirt hat, ist Mlle. Therese Jakoubo
vitfch. Wenn man diesen Nnmen anS
sprechen will, so stelle man sich auf de
Kopf, schlrge heftig mit dem linken Fuße
nach hinten aus, ringe dabei die Hände
und spreche durch die Nase.-
riegerS Gebet.
Olficier: Wenn ich nun zum Gebet"
'ommandire, so legt Jeder von Euch die
Hand an dmHelm, zählt bis auf 37 und
dann thut die Hans wieder herunter!
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