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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, December 28, 1877, Image 3

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u Weibnachtcn gestattet. Sämmtliche
ausarttellten GeaenstLnde. darunter be
fnnh Möbel, sind verläuflick'. Die
Vertheilunq der Prämien für die besten
Arbeiten findet im Laufe der nächsten
Mocks statt.
Berlin, 4. December. $ Mörder
der Frau Lack hat bereits über seine
Schrcckenöthat ein volleSGe stand
n i tz abgelegt, seine Aussagen stimmen
genau mit dem Obduktionsbefund der
Leiche überein. Ueber die gerichtliche
Section der Leiche der ermordeten Frau,
die am Montag Naazmittag in der Zeit
von 1 Uhr in Gegenwart des Un
tersuchungsrichters vom Geheimrath Dr.
Liman uno r.eiier auszcsll?ri kouroe,
find wir, fireibt die Staatsb.-Ztg.-, in
der Vage, folgende genauen und intcr
essar ten Mittheilungen zu machen. Der
Mörder, ein Neffe des . unglücklichen
Opfcrs, Namens Lonis Lack, der im
J.h:e 1847 geboren ist, war zur Stelle
gesch ifft, reccgnoscirle die Leiche und
wiederholte fcm Geständniß. Er offen
barle dabei eine gewisse Bewegung, die
fich o steigert?, daß ihm sch!icßl,ch ein
Slul l angeboten werden mußte. Er ist
ein K,druiigencr Mensch mit dunkelblon
den Waaren, von gewöhnlichem Aus
sehe;'.' mit scheuem Blick Die Merk'
zeug,', mit welchen der scheußliche Mord
veriUt wurde, lagen gleichfalls vor und
bestoi'.den aus einem etwa faustgroßen
zue'-pitzten Stein und einer gewöhn
lichen Scheere, wie Frauen sie zu Hand
erbeten zu gebrauchen Pflegen, deren
einer Zch.nkel in eine Spitze auslief,
dere.i anderer Schenkel abgestumpft war.
Aus; rdkin war veben der Leiche ein
vollständig naturgetreuer, colerirter
Wach.-abzruck der Gemordeten vorhan
den, welcher aus Anordnung des Unter
suchn gsrichters voil H?rrn Castan
ang'ertigt worden war. Der Ab
druck wird übrigens, was hier bei
läufig bemerkt sei, vo:l Herrn Ca
stan zur össentlickieu Ausstellung
gcla;ieil. so daß die scheußlichen Berle
tzune.eil, die sich am Schädel, am Gesicht
uns oiu Hals befinden, deren Zahl min
bester s 20 beträgt und die auS Hieb
lind Stichwunden und in Blutunterlau
fung it bestehen, von Jedermann würden
in Vlilgeiisch in genommen werden kön
nen. Wie bereits bemerkt stimmen die
Vcrll hunsien mit den Aussagen des
Mölderö ubm in uno bestätigen den
Borgang, wie der M'örder ihn cingestan
den b it. Danach begab sich derselbe am
Frei!i?g Nachmittag mit dem Stein in
der ?asche n das Zimmer seine r Tante,
in dec Absicht, besonders für seine Hoch
zeit, die gestern (Montag) und nicht, wie
tvir meldeten, et st Donnerstag stattfinden
sollt.', (jirlD zu erpressen. Frau Lack faß
auf ecui Soph,i, .der Mörder trat nach
seiner Angab? von der rechten Seite an
sie befall und versetzte ihr nach ganz kur
zer Il itci tialtiin mit dein Stein derar
tig einen Tchlaa, daß sie auf dem Sopha
lauti s umsank. Erst nach einem zwei
ten iiylc-ge fiel sie zur Erde. Bis da
hin ,ar sie sprach- und bewegungslos
gewe,en, j tzt ab,r regann sie sich zu be
w,g!!, mit fänden linh Fufn um sich
zn'stvßen und zu stöbnen. Nun ergriff
der Mörder die oben beschriebene
Sche ic, die auf dem Tische lag. und
stieß btiildliiigs nafa Schädel. Gesicht
und Hals darauf lo?, dann öffnete er
d n Masten, naliii das (Velo, einen
StaaiMiiloscheiu über J00 Thaler und
circa :)un Miik in Gold und verließ
das ,'',immer, wobei er bemerkte, daß die
Ungliickkiche s-ch noch bewegte. (Der
Gatte der EiNiordete fand sich denn
auch noch leb lid vor und behauptet, sie
habe noch, allerdings erfolglose Versuche
zum Sprechen amacht.) Die Section
ergab dementsprechend folgenden $c
fund: da? linse Scheitelbein war so zer
trümmert, daß es t ei der Abnahme in
circa z'rvlf größere und kleinere Stücke
zerfiel. Ein Sprung g-ng an der Basis
di ?chü''els durch da? Felset'bein b's
in d; Mitteiohr; der Zahnrand des
linken Ob.rlieferZ lim abgesprengt und
auf der irnKren Schleimhaut des Mun
des nesjt sichtbare Berwundnngen. Die
größte Stichwunde erstreckte sich von der
linken Hai? feite über den Kehldeckel bis
auf d 'n Boden der Mundhöhle, hatte
aber iitcilunudiger Weise weder Gesäße
noch Nerven getroffen. Jin Uebrigen
zeigten ßch in allen Organen, des Mopfes
wie der unteren Theile des Mörpers, die
ausge'procheueu Zeichen der Berdlntung,
das Gehirn selbit war mit Ausnahme
eines geringen Eindrucks unverletzt.
Hervo mi eden wollen wir hier, daß der
Unters ichilnsrichier sich offen dahin
oussprach, daß der von uns sUts vertre
tciic, Iridcr von dcrPolizei geringschätzig
beobachtete Grundsatz, daß die Mitwtr
kui'g des Publikums und insbesondere
der Presse zur Ausklärung des Tkatbe
standrs deis tvirlsamste Mittel sei, sich in
diesem rcill uußerordcntlich bewahrt
hade und daß er in Zukunft stets befolgt
werdi ir solle, hoffentlich nimmt die Po
lizei sah diesen Ausspruch zu Herzen und
hört eudl'ch mit ihrer Geheimthucrei
auf. Nicht uucrwähilt bleibe schließlich,
daß d.r Mörder auf seiner Fahrt nach
Schw.dt eine eigenthümliche Reisegesell
schaft l-atte. Da die hiesigen Recherchen
nach Lack's verbleiben erfolglos waren,
erhielt der Polizeicommissarius F. den
Auftr. a, sich nach Schwebt zu begeben,
uiu drt eocii. d.n Mörder festzunehmen,
iv. tret am Sonnabend Vormittag die
Neise an und hatte das Gluck, bei seinem
Einlr sfen in Schwebt einen jungen
Men'ch n, mit welchem er selbst in einem
Äagcu zusammen gefahren war, aus dem
Perro veui eiuem Polizeisergeanten fest
genommkn zu sehen. F. gab sich zu er
kenn, ii, nahm den Mörder in Empfang
und nlangte bald auch ein volles Ge
stäiidr'iß. Mildem nächsten Zge ging
es n ;.i nach Berlin zu, ück. Recht be
z.'ichi end für d.e Frechheit deö Burschen
ist c, daß er unmittelbar nach der That
am rächst, n Straßenbrunnen sich das
Blut t oh den Händen wusch, darauf rn
verschiedenen Geschäften jcleiduugsstücke
und V'äschc kauf'e, die tintigen Mleider
zum Theil iu jenen Geschäften, zum Theil
bei se ,:ci, Pslegeällern.dcn Restaurateur
Huth'schen Eheleuten in der Zionskirch
straß'. wechselte und, nachdem er mehrere
Lokale besucht, in einem Gaslhof der
Waldemarstraße mit einem Fraucnzim
mer nächtigte.
Westfalen.
Münster, 1. Dec. Seiten der Mönig
lichcu Obcrstaatsanwaltsckaft in Man
ster ist gegen das Urtheil, welches den
Exbrichof Johann Bernard Brinkmann
freispricht. Berufung beim Obei tribunal
angemeldet werben.
El ve SO. Nov. Ueber das hier ge
stern gefeierte parlamentarische Jubi
läum des Abgeordneten von Bockum
Dolsfs berichtet die Wests. Ztg.: Mit
tags schon hatie der Jubilar die Gratu
latiocn des Fcsi-Comilecs. sowie der
Dcptttationen der zum Wahlkreise gehö
rigen Städte entgegengenommen. Am
Diner, das um 2 Uhr Nachmittags
stattfand, haben circ.r 3G0 Personen
theilgenommcn, darunter als Ehrengäste :
der Sodn des Jubilars, Landrath v.
Bocklim-Dolffs, die Abgeordneten Ber
ger, Schlüter und Uhlendorff und der
Dichter Ritterhius. , Die Stimmung
wurde im Verlaufe des Festes recht ani
wirt. Die offiziellen 3 Toaste wurden
von Comiteemitgliedern ausgebracht,
und zwar brachten Herr Dr. v. d. Marck
(Hawm) das Hoch aus den Kaiser, Herr
erst (Unna) unter Ueberweisung des
Ehrengeschenks dasjenige auf den Jubi
lar cus, Herr Sluve (Soest) feierte die
Ehrengäste. Das Festgeschenk besteht in
einem aus der rühmlichst bekannten
Werkstatt von Shru. Wagner in Berlin
hervorgegangenen silbernen Tafelaussatz,
der von einer Germania" gekrönt und
mit sinnigen Inschriften, die auf die Ge
sinnungssüchtigkeit und die Verdienste
des Gefeierten um die liberale Partei
und das Vaterland Bezug haben, der
ziert ist. An den Toast des Herrn
Vaerst schloß Herr Rittershaus den
Vortrag seiner zu Ehren des Tages ge
dichteten Feststrophen, die allgemeinen
Beifall fanden. Er beginnt mit dem
schwunghaften Lob auf unser engeres
Heimathsland.
Rauhborkig' Volk, zum Zorn geschwind,
Behutsam im Vertrauen,
So ist das Volk von Wittekind
Auf rother Erde Grauen.
Für Rosenblüth und Rebenblatt
Sind selten hier die Pl' tze,
Verborgen in dem Boden hat
Westfalen feine Schätze.
und schließt mit den erhebenden Worten
auf den Jubilar:
Sie bitten Dich: Die Liebe woll'
Auch ferne? uns' erhalten !
Der Treue und Verehrung Zoll
Dir, dem ehrwürd'gen Alten!
Dir bleibe jeder Kummer fern!
Noch lang' im hellsten Schimmer
Glänz' Deines Gebens Abendstern!
Hoch Bockum-Dolffs für immer!
Nachdem die donnernden Hochrufe ver-
klungen waren, sprach Herr v. Bockum
Dolffs in tief empfundenen, zu Herzen
gehenden Worten feinen Dank aus für
all die Aufmerksamkeiten, die man ihm
erwiesen, für all die Ueberrafchunzen,
die man ihm hatte zu Theil werden las
sen. Bielefeld, 29. Nov. Am heutigen
Tage wurde von dem hiesigen Kreisge-
richte der Buchbinder Hubertus zu einer
Gesänanrßstrafe von 5 Jahren verur
theilt. Derselbe war geständig, in 15
vermiedenen Fällen Abends Damen
überfallen und mit einer dicken Buchbin-
dernadel verwundet zu haben. Bekannt
lich sind durch rhn drei Jahre lanz die
strafen Brelerelds unrcher gemacht
worden. Als Zeugen erschienen vor diin
Gerichte I den besseren Ständen ange
hörige Damen, die gewiß mit dem Aus
schlüsse der Oeffentlichkeit der Sitzungen
sehr zufrieden waren. Der Angeklagte,
öl) Jahre alt, ist der Sohn eines sehr
ordentlichen Franrosen, der nach den
Befreiungskriegen als Sprachlehrer in
Deutschland blieb. Derselbe war schon
mehrfach wegen unsittlicher Handlungen
bestraft worden.
Schleswig-Holstein.
Altono, 2. December. Hier sind die
Socialdemokraten, trotz äußerster An
streiigungen, bei den Stadtverordneten
Wahlen vollständig geschlagen worden.
H e s s e n - N a s s a u.
Ziegenhain, 4. Tcc. Dr. Wehren
Pfennig i't mit 1G0 Stimmen gegen 23
Stimmen, welche auf den LandrathWei
rauch (deutsch conservativ) fielen, zum
Abgeordneten wiedergewählt worden.
Frankfurt, 3. Dezember. Ueber den
gestern am Herzschlage verstorbenen
Moritz Alexander v. Bethmann schreibt
die Frkftr. Ztg.: Der Verstorbene, seit
1832 Chef des Bankhauses Gebrüder
B.. war 1811 als ältester Sohn von
Moritz S.mon v. Bethmann geboren.
Bekannt ist die hervorragende Rolle,
die er im gesellschaftlichen Leben Frank
furls spielte, dürfte er doch 1863 wäh
rend des Fürsteutages als der cigent
liehe Repräsentant der Frankfurter Ge
sfllfchaftskreise gelten. Die alte Tradi
tion des Hauses wußte der mit feinem
Verständniß begabte und vielseitig ge
bildete Mann in jeder Beziehung auf
recht zu erhalten.
R h e i n h e f f e n.
Offenbach, 2. December. In der
Stadt Offenhach soll im nächsten Früh'
jahrein Siegesdenkmal für den Krieg
von 187071 errichtet werden. Das
selbe wird in einer Victoria in Erzguß
bestehen, entworfen von dein Lehrer an
der dortigen Munstindustrieschule, Herin
Kcller. Das Thonmodell der Victoria
geht seiner Vollendung entgegen: eine
lebensgroße geflügelte Figur, leicht vor
ausgebeUg. sicher schwebend, den Kranz
in der ausgestreckieu Rechten haltend;
die Draperie, saltig v?n der Bewegung
zurückgeworfen, den edlen Körperbau
allenthalben verrathend. Keller'S V!c
toria hat sich von dem zeitüblichen Na
turalismus frei gemacht und zur idealen
Erscheinung, wir möchten fast sagen im
Rauch'sen Sinn, erhoben. Die Seiten
des Sockels werden Kriegsembleme
und Trophäen in Relief tragen.
Ulrichstern (Hessen). 30. November.
Verflossenen Dienstag starb dc.hier der
Veteran I. C. Geiß in cinenr Alter von
8 Jahren. Er machte den russischen
Feldzug unter Napoleon l. glücklich ohne
Verwundung und Krankbcit mit und er
freute sich einer juaendlichen Frische bis
kurz vor seinem Tode. Mehrere Mit
glieder des hiesigenriegervereins solg
ten heute seinem Sarge zum Grabe.
Ruhe und Friede seiner Asche !
K ö n i g r e i ch S a ch s e n.
Leipzig. 2. Nov. Bei dem großen
Ruf, welchen das Typographische Jnsti
tut von Giesecke und Tevrient bis wert
in die Ferne genießt, wird es interessi
ren, daß dasselbe kürzlich sein 25jähri
ges Geschäftsjubiläunr gefeiert hat. Aus
kleinen Anfängen hat es fich nach und
nach zu einem großen, bedeutenden Gan
zen gestaltet, dessen Wirken und Schaf
f?n von seltenen Erfolgen begleitet ge
wesen ist und dessen wohlthätiger Ein
fluß viel dazu mit beigetragen hat, die
graphischen Künste immer mehr zu ent
wickeln und die altehrwürdige Trucker
kuust auf deutschem Boden zu vervoll
kommnen. Das Jubiläum fand am 2U.
November feinen Abschluß in einer
nahezu aus 5 0 Personen, mit Diner
und Ball verbundenen, in den großen
Säln des Schützenhauses stattgehabten
Festversammlung, welche, von vielen
Äcotabilitäten und Korporationen der
Stadt beehrt, ein überaus glückliches
Bild von dein harmonischen Verhältniß
und dem guten Einvernehmen lieferte,
welches zwischen Chefs und Personal
dieses Hauses obwaltet. In einer Reihe
von Ansprachen und Toaster wurde des
Instituts vielfach auf die rühmlichste
Weise gedacht und den Principalen, die
fowohl als Menschen wie als unermüd
tich arbeitende Verirete deutschen Ge
Werbefleißes allgemein geschätzt sind,
manches ehrenvolle Wort gespendet.
Dresden, 3. Lcc. Bei dcr Bndget
Berathung in der zweiten Kammer wur
den bei dem Etat für das Auswärtige
Departement die Kosten für die fächsifche
Gesandtschaft in Berlin mit allen gegen
1 Stimme, diejenigen für die Gesandt
schast in Wien mit 40 gegen 35 Stim
men, diejenigen sür die Gesandtschaft in
München mit 42 gegen 32 Stimmen be
willigt. Staatsminister von Nostitz
Wallmitz erklärte hierbei, daß er gerade
jetzt Aeußerungen in der Kammer für
ungeeignet halte, welche das Vertrauen
und das freundliche Eatgegenkommen
zwischen benachbarten Staaten schädigen
könnten.
Leipzig, 2. Decbr. Gestern Abend
sind hier die Stadtverordnetenwahlen
beendet worden. Es wurden im Gan
zen 4441 Stimmen abgegeben (415 we
niger als im vorigen Jahre). Die Liste
der nationalliberalen Partei hat mit
2574 Stimmen gesiegt, die der conser
vativen Partei und der Fo: tschrittler
sind in der entschiedenen Minderheit ge-blieben.
Leipzig. 3. Dec. Schon seit Ungern
Zeit ist der Uebelstavd, daß der große
Concertsaal im hiesigen Gewandhause
unzulänglich sei, schwer empfunden und
von maßgebender Seile an Abhülfe des
Uebelftandek gedacht worden. Eine Er
Weiterung des Saales oder überhaupt
ein Umbau desselben wurde mit Rücksicht
auf die Gefahr, daß die anerkannt treff
liche Akustik leide, abgelehnt; dagegen
ist in diesen Tagen die Direktion der
Gewandhauscvnzerte mit dem Vorschlag
hervorgetreten, ein neues Gewandhaui'
zu erbauen, in welchem die größer Mu
sikmerke vorgetragen werden sollen. Es
würde demnach eine Abwechslung zwi
schen dem alten und dem neuen Saal
eintreten. Um die Sache schnell in Fluß
zu bringen, sollen die Mittel in der Art
beschafft werden, daß der einem eschenr
von 500 Mark oder der einem Darlehen
von 100J Mark zu 2 Proz. ein bleiben-
des Abonnement im neuen Gewandhaus-
saale gesichert ist. Natürlich blerbt Je
der, der sich durch eine dieser Zahlungen
ern Platzrecht erwirbt, vervfuchtet, all'
jährlich den festgestellten Abonnements
preis zu entrichten. Am Tage nach dem
Schluß des deutschen Malercongresses
hat eine ansehnliche Zahl der Theilneh
mehr von hier und auswärts, der Ein
ladung des Prof. Nieper folgend, die
königliche Kunstakademie und die städti-
sche Gewerbeschule besucht und mit gro
ßem Interesse von. der improvisirten
Ausstellung und dem Studiengang
Kenntniß genommen. Der Staats
schuß sür die Landes-Universität hat nach
dem Rechenschaftsbericht die im Budget
eingestellte Summe von 1,293.094 Mk.
um 122.113 Mk. überstiegen. Die erge
neu Einnahmen der Universität, mit
617,118 M. im Buget eingestellt, haben
um 68,433 M. den Voranschlag über
stiegen.
B a i e r n.
Nürnberg. 2. Dez. Gestern fand.
durch das Comite sür den Marrenvor
stadt'Tunnel veranstaltet, zur Feier der
Eröffnung desselben im Glasgarten eine
kleine Festlichkeit statt. Herr Apotheker
Dr. Kleemann begrüßte Namens des
Comite's die Gäste, wies auf die Schwie
rigkeiten hin, unter denen der 80 Meter
lange Tunnel in einer verhältnißmäßig
ganz kurzen Zeit in 7 Monaten -zu
Stande gekommen sei und brachte schließ
lrch auf den Erbauer desselben, Herrn
Bez.' Ingenieur Höchstädter. ein drei
saches Hoch aus. Hieran reihte sich eine
Anzahl Reden und Toaste. P.inz Luit
pold wird in diesem Monat zur Wild
schweinjagd im Spessart erwartet. Die
Mutter des vom Schwurgericht zu
Straubing verurteilten Mörders
Grumpelt soll vor Entsetzen dem Wahn
sinn verfallen fein. In Kösching be
rauschten zwei Knechte einen 11jährigen
Müllersohn derart mit Schnaps, daß er
sofort starb. Gerichtliche Untersuchung
ist eingeleitet.
Hohenzollern.
Hechingen, 3. Dec. Heute früh wur
den wir durch Feuerruf aufgeschreckt.
Es brannte am Marktplatze in einem
Hintergebäude. Trotz der ange
strengtesten Thätigkeit unserer Feuer
wehr und der übrigen Lösch
rnanuschast setzte sich das Feuer in der
Reihe der Hintergebäude (zum Theil
Scheunen) so rasch fort, daß 6 lichterloh
brannten, und die linksseitigen Häuser
des Marktplatzes in der größten Gefahr
standen. Telegraphifche Hülferufe nach
Tübingen, Balingen, Mössingen und
Dußlingen wurden sür nothwendig er
achtet, und gegen 3 Uhr brachten Extra
iüg? die Feuerwehren von Tübingen,
Dußlingen, Mössingen und Balingen.
Glücklicherweise war diese sreundnachbar
liche Hülfe nicht mehr nothwendig. Es
liegen 6 Hintergebäude in Afche und
eine Scheune ist demolirt. Außerdem
sind 6 Hauptgebäude an der Rückseite
schwer beschädigt. Futter und Mobi
liar aller At ist viel verbrannt. Auch
Vieh soll unter den Trümmern begra
ben sein. Ueber die Entstchungsursache
ist nichts Zuverlässiges bekannt gemor
den.
Elsaß-Lothringen.
Strakbura. 3. Dec. Durch das Bom
bardement im Jahre 1870 waren die
sämmtlichen Gebäude der Citadelle zer-
stört worden und aelana es nur bei den
drei kleineren Casernen.Pavillons und
dem Gebäude des Mllrtaractananines.
die Gebrauchsfähigkkit durch umfassende
Revaratureir wieder herzustellen. Da
jedoch diese kleinen Caferne dem Be-
dürfnrß der großen deutschen Garnison
nicht entsprechen, wurde alsbald zum
Neubau einer großen Caserne mit allem
Zubehör geschritten und so entstand die
neue arokarliae Caserne in der Citadelle.
welche im Jahre 1875 von dem 3. Würt-
temberglschkn Jnfanterie-Regiment No.
126 Zuerst rer.oaen wurde. Sett Been-
digung der diesjährigen Herbstmanöver
st diese Cascrn? vom 2. Nieoerico'en
scken usailterie-Reaimcnt Nr. 47 beleat
und der Kaiser hat durch Cabinetsordre
vom 25. v. M. bestimmt, daß diese Ca
serne (das neue Gebäudes, des ganzen
Complexes) fortan den Namen Kaifer
Wilhelm-Caserne) führen foll.
Strußburg, 3. December. Seit Jahr
und Tag liegt die äußere Vertretung der
Studentenschaft in den Händen eines
freigewählten Ausschusses, der während
der großer Kaisertage zuerst eine allge
mein anerkannte Probe seiner Leistung
fähigkeit gab. In diesem Ausschusse ist
nun eine neue eigene Aufgabe angeregt
worden: daß die deutsche Studenten
schaft sich vereinigen soll um ihrem ehe
maligen Genossen G ö t h e ein Denk
m a l zu errichten. Man hofft für die
fen Gedanken auf den freudigen Beifall
von ganz Deutschland.
O e st e r r e i ch.
Pest, 3. December Ein entsetzliches
Verbrechen, dem 4 Kinder, von denen
das älteste 10 Jahre, das jüngste 7 Mo.
nale alt war, zum Opser fielen, wurde
am Sonnabend in den Vormittagsstun
den in der Csay'schen Villa verübt
In derscldcn wohnte der mit Gartenar
Veiten beschäftigte Tagelöhner Greschner
mit seiner Concubine, welch: die ange
traute Gattin von Greschner'S Bruder
ist; der letztere wohn! seit längerer Zeit
zu Druzsina. Die Concubine des Jo
hann Greschner hatte außer zwei Kindern
von izrcm Gatten, namens Anna und
Joef, auch noch zwei Kinder. Rosa und
Stcfan bei sich, deren Vater Johann
Greschner ist. Am gedachten Morgen
gingen sowohl Greschner wie dessen Eor
cubme vom Hause neg nach der Stadt
an ihre Arbeit, die Kinder allein zurück
lassend. Als die Frau um 11t Uhr
Mittags nach Hause kam, sah sie zu
ihrem Entsetzen jämmtliche vier Kinder
in ihrem Blute auf dem Fußboden lie
gen; daneben ein blutiges Beil, den
Kasten crbrvben, lie Habseligkeiten
dureinander geworfen. Auf das Jan
mergeschrei der Frau eilten Leute her
bei; man berief den Arzt, welcher con
statirte, daß die 10 Jahre alte Anna in
folge von erlittenen Stößen und Wür
ejtti lebensgefährlich verletzt wurde, fer
irer, daß infolge erlittener Beilhiebe der
6 Jahre alte Josef todt sei, die 3 Jahre
alte Rosa und der 7 Monate alte Stesan
lebensgsäbrlrch verletzt wurden. In
Bezug aus die Thäterschaft fiel erste Ver
dacht ans Johann Greschner, welcher ge
dund.n in Polizeihast geführt wurde,
andererseits denkt man auch an den ge
fetzlichen Gatten der Frau, welcher viel
leicht in der Hauptstadt anwesend sein
mag.
Der Kausgeist
der Frau, von Estobal
Roman
d
Av.olph Glaser.
(Fortsetzung. .
Somit betrachtete Robert Lrmme das
Erkbnrß mit Rebecca Maimon sili adge
schloffen und wäre der S'.bliche Eindruck
es furchtbaren Ereignisses elches den
Schluß herbeigefübrt hatte, nicht in seinem
Sedächtnisse lebendig geblieben, und hätte
ihn das Bild ttx attkitamtntariZchen vit
bcecZ, welches er zur Vollendung mit nach
Paris nahm, nicht an sie erinnert, so würde
das Abenteuer mit dem schonen JuLenmao
chen nach kurzer Züt viel'eicht schon ganz
aus seinem Gedächtnijle entschwunden flc
wesen sein.
Cc halte sich in Paris seinen Verhalt
nissen entsprechend eiaszch eingerichtet
eine zieml ch entlegene Wohnung mit heb
lem Atelier gemietket und alsdann gleich
dem Grafen Monlfart seine Aufwartung
gemacht.
Dieser erwiderte bald darauf den Be
such, freute sich über die Ankunft und die
Einrichtung des jungen Künstlers brachte
vie buldeichste Versicherung der Königin
und bedauerte mu, daß dieselbe äugen
blickl'ch außer Stande sei, ihn perfonli
zu empfangen, da sie sich strenge au die
Vorlchrrften der Äerjte halte , müsse.
Der Graf erbot sich, dem Schutzbefohle
nen seiner Herrin jede Empfehlung, welche
diese wünschen könne, zu verschafrer, aber
er mußte freilich gestehen, daß es am vor
theilhaftesten fer, wenn Robert vorlävfiz
sichln Paris umsehe und die Zeit ab-
wart', big die Königin trüber in d
Lage sei, ihm die Gelegenheit zu Bekannt
schafien mit Persönlichkeiten von Rang
ur.b Einfluß in ihren eigei'en Salons zu
verschaffen.
Eine Z;it peinlicher und ausreibendcr
Unrude begann nun sür Robert. Abe
jeden davon, daß zueil.n der nagende
Zrveifel siin Herz beoröngte und ihm die
Frage vorlegte, ob die Gunst der schönen
Konigin nrcht damals doch am Ende ei
nem Bedürfnisse nach Zerstreung entsprun
aen sei urd den Wechsel ron Oet und
Umständen vielleicht kium überdauern
wrrde. flößte ibm doch auch das bevor st
hen Ereignik für ras Wodl und Leben fei-
ner Beschützerin Besorgnisse ein, die aller-
dings in dem allgemeinen Jubel v:rschan
dn, als Horten! am 0. April 1805 ra
rern dritten Sohne Louis Napol?on das
Leben gab.
Es ist eine eigene Sache u'm dasiZm
psiirdungsleben und die größten Philoso
oben aller Jahrhunderte Haien ihre beste
zerstige Kraft daran gesetzt, um die Lösung
öer zahllosen Räthsel des menschlichen Her
zens zu finden. In Bezug auf die Liebe
berrickt rrllmds ern undurchdringliches
Dunkel und Niemand kann fazen, daß er
ein Urtbeil über die tausenderlei Gstal
tungen bob?, unter kenen diese größte al-
li Erdenmächte un'.er uns erscheint. Man
fagt wohl, daß es Fälle gebe, in welchen
eine erste Jugendliebe durch das ganze Le
ben hindurch das Geinulh mit gleicher
Krait beherrsche und daß cö Herzen gebe,
welch: den ersten Eindruck so unauslöschlich
bewahren, daß wahrend des ganzen langen
Menschenlebens kein anderes Bild densel
ben verwischen könne. Wahrscheinlich ge
cörerr deju doch 5anz absoncerliche Um-
stände. In der E nsamkeit eines angele
genen Wzldschlosscs oder eines Klosters
mözen sich die Gesüble besser conse.viren,
ab:r wenn man mitten in der Welt lebt,
sich neuen Einrrr'ck.n nicht verschließt und
die Empfänglichkeit für taSr Schöne und
Edle bewakrt, so wird doch wohl die cw g
lebendige Natur schließlich immer wieder
ihre Rechte geltend märten rnd das Herz
zum reuen Frühling ar:fer!v:cken.
Dies gilt für Empfindungen, die einen
bestimmen Abschluß gefunden k'aben, d-
nen der Tod o'.'cr Untreu', oder unalän'
derliche Trennung ein Zi.l gcsctzt baben;
anters stellt i ch fcte Sach-, wenn eine
Regung sortwZbrend Nadruna findet, mi
leisen Holfnungcn bingel,alten oder durch
beg'ückeude Gunstbczeugu :gen wach ehal-
ten wird.
ölehnlich verhielt es sich mit Robert
Lamme. Was er für die Königin Her-
tense empfand, war ihm niemals selbst rechl
Hat geworden, es war ein Gemisch von
sellst!oser Verehiun? und entzückter Be'
wunverunz ihrer persönlich'n Vorjügo, aber
dies genügte gerade, um ihn gegen jeden
tieferen Eindruck von anderer Seite uncm
pfänglich zu machen uns tdm jdes wnb
liche äße;en nur für Augenblicke bcgphrenk
werth erscheinen zu lassen.
Wenn ein lebhafter junger Mann mit
feuriger Künstler-Zeele mitten im Treiben
einer Großstadt lebt und sich v:u dem
Umgange mrt gleil strebe-den Alterkgz
nossen nicht rhilistcrhofk abschlicß?, fg ver
steht es sich von selbst, fcafc auch hier und
da einmal ein freundlich lächelnd 8 Frru'
enruge seine Aufmerksamkeit anlockt. So
gtr g eZ auch ikm, aber im Grunde feiner
Seele lebte tech nur das Bilö seiner erha
benen Gönnerin, sür welche sine Seele
schniarmie. Ob si Unrecht daran that,
die Beziebung zu dem jungen Manne . 'i
mals gaziz fallenu lassen, er will da:
(ber enischeien? stren. e Sittenrichter nen
qen es Koketterie, wenn eine Frau eiferfüch
tig darüber wacht, deß keiner i' rcr Vereb
auch dicjenigcn richt, denen sie nichts
weiter gewähren will und gewähren kann,
als inen Blick oder ein freundliches Wort,
e n anderes Bild als das ihre im Herzen
irzgen, aber wie mancher strebsam jnge
Mann wird durch solchen Biick und filches
Wort emporgehcben und in Verfuchungen
ufrechl erkalten! Wäre Robert Lzme
Y rsjenige Talent gewesen, welches die Kö
i.Igin, b.stochen durch die edle Schönheit
jilner Züge, in ibm vermuthete, so würde
!,f re Gunst rhn vielleicht zu den höchsten
Zlusgabei' begeistert kab n. Niemand wirv
ihr einen Vorwurf daraus machen, und No
bert würde am wenigßen berechtigt dazu
gewesen sein, daß sie die T'.agweite seines
Talents überschätzte. Wäre ibre Gunst, wie
dus anfänglich bealsichtigt war, dem Kna
ben Ary Schtffe, zu Gute gekommen, wie
ganz anders bätten sich die ' Resultate gc
in! Aber die großen historischen Ereignisse
r ss.n die Königin gerade Inder nächsten
Zeit in ihren Strudel und enfernte. sie
für längere Z:it von Pari', bis di Ab
dankung ibes Gemahls sie wieder gan;
nach der kaiserlichen Harpistidt führte, wo
dann allerdings die Scheieung Napoleons
von Josephwe und seine Wiederverveira
thung mit Marie Louise so gewaltige Emo
tionen im Innern der kaiserlichen Famckie
bervorrief, daß auch da wieder wenig Z.it
sür andere Angelegenkeite übrig blieb.
Trctzdew, hatte die Königin ih'-en Schütz
ling nicht vergissen. In i'rem Auftrage
bestellte der Graf Montfo.t dieses od.r je
es Gemälde bei ihm und veranlaßte ihn,
sich ern oerSumigeres und vortheilhafter
gelegeneres Atelier zu mieiben. Hortense
selbst empfing den jungen Maler von Zeit
zu Zeit und ihre gütigen Worte, di freund'
lichen i liefe aus ihren strahierten, schönen
Augen zog. ihn jedesmal wieder in den
Zauberkreis zurück, auS dem er vnlliichl
mit der Zeit frei geworden wäre, wenn ein
zufälliger Umstins die Fchel völlig gebro
chen hätte, vie ihm mit der reizenden Für'
stin in Verbindung hielt.
Auch das Bil), welches die Begegnung
Rebecca's mit Elieser darstellte, war von
dem Grafen Monifort im Auftrage der
Königin angekauft worden uns somit be'
fand sich d letzte sichtbare Erinnerung an
die Enkelin des unglücklichen alten Baruch!
nicht mehr in seinem Besitze und bald ge
dachte kaum mebr der schönen Jüdin auS
dem Amsterdamer Ghetto.,
Jnzmischen batte daS Schicksal die
schöne Rebecca Maimon gleichfalls nach
Pari? geführt, aber unter ganz anderen
VerhSlmissen, als sie es sich früher ausge
dacht batte. Der große Einfluß, den Mryer
Rothschild als ihr Berather und Vermö
geukverwalter auf sie ausübte, war die Ur
sacht ihrer Uebersiedelung geworden. Ja
seiner Art war dieser Meyr ein Kochst un
gewöhnlicher Mensch, d ssen nüchterner
Bl'ck in die cffentlichen Zuständ erneSchärfe
und Sicherheit bekundete, wie sie nur ganz
vereinzelten Sterblichen zu Theil wird.
Dabei war er Geschäftsmann im aller
äußersten Sinne des Wortes. Line ei
gentUcbe Unredlichkeit oder Betrügerei
würde er sich nichr leicht haben zu Schul
den kommen lassen, aber den kleinsten Vor
theil zu übersehen oder sich entgehen zu las
s:N, war bei ibm eine absolute Unmöglich
keit, wäre auch dabei seine persönliche
ruturde vollkommen zu Grunde gegangen.
Ein Dtebstahl war für ihn eben 10 un
denkbar wie der Empfang eines Almosens,
aber der geringste Vortheil, und wenn er
ihn mit eine Fußtritt erkaufen maßt',
übte dämonische Gewalt über ihn aus.
Mit Lea's Hülfe war es ihm gelungen,
die felbststandige Rebecca zu einem seltsa
men Entschluß zu bewegen. Er wurde ihr
Geschäftsführer und auf diese Weise kam
das junge Mädchen zu der Stellung einer
Prinechalin, ohne irgend welche Kinntniß
von Geschäften zu besitzen. Mit demselben
Eifer und derselben Zähigkeit, vls wenn es
)r um fernen eigenen Vortheil gehandelt
hatte, spcculirte Meyer Rothschild mit dem
Ge.de seiner Prinepalin, w?bei er aller
dings Gelegenheit fand, mit einem Theile
seines eigenen Einkommens auch auf seine
Rechnung Geschäfte zu machen. Dies war
in Amsterdam eine Zeit lang vortrefflich
gegangen und daS Bankgeichäft von Rebeo
ca Maimon erfreute sich der ausgezeichnet
sten Erfolge, was einzig, und allein durch
die schlauen Kombinationen und den
politischen Scharfblick des Geschäftsführers
bewirkt wurde. Von einer eigentlichen
Politischen Gesinnung war bei Meyer auch
nicht im Entferntesten die Rede: er war
und blieb Spekulant und je.e Regierung,
jedes System war ihm gleigü lt'g, wenn
er nur Gelegenheit fand, günstize Unter
nehmungen darauf zu bastren.
Als nun die Abdankung des Königs
Lndwi.is von Holland unabänderlich be
schlössen war und die Einverle buna der
niederländischen Provinzen in das franzö
sische Kaiserreich bevorstand, war Mev-r
Rothschild sofort entschlossen, daS Geschäft
nach Paris zu verlegen, denn es lag außer
allem Zweifel, daß ein Finanzgenie seiner
Art nur dort jetzt den geeigneten Boden
für feine Operationen finden konnte. Der
Gedanke, im Mittelpunkte des unermcßl,
chen napoleonifchen Reiches seine geschüft
lichen Feldzugspläne verfolgen u können,
halte etas berauschendes für ihn und im
Feuer seiner Auseinandersetzungen bemerkte
er gar nicht, daß der schöne Chef des Hau-
es Maimon bei dem Vorschlage der Ue
bersiedlung nach Paris lebhaft erröthete
und für einige Augenblicke aus der gewöhn
ten apath'.fchen Haltung gerieth.
Mit Zahlen oder äußeren Ereignissen zu
rechnen, verstand Meyer Rothschild mei
sterhaft, wogegen daS Reich der Empfia-
bürgen ihm ein völlig verschlossenes Gebiet
wsr, und von rdm nicht mit zur Bilanz
gezogen wurde. Er war dabei keineswegs
unempfänglich für weibliche Reize, aber er
verstand es, sich mitihnen abzufinden und
wenngleich eme Heirath mit feiner Princi
palin als höchste Nummer in seiner Le-
benslotterie stand, so batie er doch so viel
klaren Blick, daß er niemals seinen ganzen
Besitz an ein Lottereloos und s.in ganzes
Leben an eine einzige Hoffnung gewagt
hätte.
Die Uebersiedlung nich Paris war
bald bewerkstelligt und da das Hans Mai
mon in der letzten Zeit selbst mit dem
sparsamen Könige Ludwig Napoleon Ge-
schöste gemacht und diese hohe Ehre durch
besondere Pünktlichkeit zu rechtfertigen ge-
wrßt Kalte, fo konnte es nicht fehlen, daß
tui Verbindung auch zischen Anist:'
dam und Paris aufrecht erkalten wurde
und den eifrigen Geschäftsführer mit der
Verwaltung des Hauses' dr Köniain
gleichfalls in Beziehung brachte. Denn
die Vorzüge der schönen Hortense, welche
lrch darin bewährten, daß sie den feinsten
Geschmack und die elegantesten Liebhabe-
eien in " Bezug auf die Mode besaß und
für geistigen LuxrS gleichfalls stets einen
ungemeinen empfänglichen Sinn bewahrte,
brachten cs auf der andern Seite mit sich
deß sie nicht immer in' ihren finanziellen
Angelegenheit frei von Verlegenheit war.
a also ihr sparfamer Gemabl mit dem
Hause Maimon in Verbindung stand, hatte
r durch dasselbe auch mit ihr eorrcspondirt
und cs war ganz natürlich, daß der Graf
Monlfort, ols oberster Vertrauter in ihren
Privaang legenheiten, sich ebenfalls mrt
er ttirma Maimon in Verbindung fetzte
und kurz noch der Uebersiedlung des Hauses
dem Cdef desselben ein Anliegen der Koni
gin vorzutragen hatte.
Der Graf war nicht wenig überrascht,
als er erfuhr, daß der Chef des Hauses
Ma'mon eine Dame f:i. Zwar stellte
sich ihm der erste Geschäftsführer als voll
ommm zum Abschluß aller möglichen
Geschäfte autorisirt vor, aber der Graf
wzr doch zu sehr Kavalier, um sich damit
genügen zu lassen. Abaeseben davon,
daß die seltszme Eigenthümlichkeit der
erblichen Vorsteherin eines großen Bank
geschäftes seine N. ugierde rege machte, war
dcch auch zuweilen die Natur der Ge
chäste sür die Königin sadiscreter Art, daß
ec Fraulein Maimon nicht zu umgeien
wünschte. Meyer Rothschild, der fich übri
gens seit der Zeit, daß wir nichts von ihm
ernommen habe, gewaltig verändert hatte,
zeigte sich nicht allzu bereitwillig, den Gra
fen zu seiner Principalrn zu führen. Wobl
hatte ihn die Erfahrung belehr, daß man
mit den Herrn der Aristokratie nicht gut
geschäftlich verkehren konnte, ohne gewisse
Umgangssormen zu beobachten. Er selbst
hatte sich diese denn auch zu eigen zu ma
chen gesucht, was allerdings nicht durchweg
gelungen war, aber jedenfalls hatte er sich
in seinem Aeußren vollkommen moderni-
rit; feine fchwarzen Haare waren zu eine
Titusfrisur binaufgezwungen, Hemden
raule und Mancheiten, sowie der übrige
einzig, alles konnte selbst in Paris für ele-
gant gelten.
Zum Th.il war dieS allerdings Rtbec
ca's W.rk. Nach dem grauenhaften Er
&msse, durch welches das übermüthige,
verzogene K'nd plötzlich die Besitzerin eines
ansehnlichen Vermögens wurde und zugleich
mit e.sch.cckl cher Deutlichkeit einiah, daß
lle Vorausberechnungen wie Spreu im
W'nde zerstieben, wenn ein unerwartetes
Etwas plötzlich erntrut, war eine große
Veränderung mit ibr vorgegangen. Der
kindi'che Trctz wich einer Art von träger
Nachgiebigkeit uno da sie sich nach einizr
Zeit von Freiern umringt, ja sogar bedrängt
sah, so lern! sie die Angelegenheiten des
Herzms von einer anderen Seite betrach
ten, als seither. Daß st: eine auffallende
Schönheit se, sagte ihr nicht nur der Spie
gcl, sondern es wurde ihr in den verschie
denfien Variationen täglich von allen
Seiten wiederholt und sie war bereits gleich
gül:iz dagegen geworden, wie gegen etwas,
das sich anz von selbst versteht. Ihre
Empfindung für den Maler Robert Lamme
kam ihr wie ein Traum vor, an den sie oft
und sogar zuweilen mit leidenschaftlicher
E rezung zu ückcachte, aber es war ibr
doch k.'ar gewo den, d'ß er nicht in dieser
Weise von Amsterdam weggegangen wäre,
enn er irgrns etwas für sie gesuhlt hätte.
Sie war jetzt viel begehrt und ceserert, aber
sie würde Robert unbedingt und ohne Zö
gern allen ihren Freiern vorgezogen habe,
batte, sie auch . nur den kleinsten Beweis da
für gehabt, haß sie ihm nicht .ganz gleich
gültig sei. Sie suchte sich klar zu machen
daß nur ihr Aeußers den Blick deS Ma
lers trtterelirrt ave unv tre vezann nun
auch nach anderen Vorzügen zu streben und
durch Geschmack und Bildung ihrer Schön
heit einen höheren Wrlh zu geben.
Sie schlug zwar dazu nicht gerade die
geeignetsten Wege e'n, aber ihr reich be
gabtes Naturell brachte doch, die in
ihr ruhenden Anlagen zu einer gewissen
Entwickelung. Bon jeher hatt sie Sinn
sür geschmackvolle, wenn auch etwas über
laden Pracht in der Kleidung und Woh
nungseinrichlnng gehabt, darin suchte st
sich je nach dem Muster der Damen aus
der Aristokratie zu richten.- Sodann las
sie viel un folgte darin den Vorbildern
welche sie in den Häusern reicher und ange
s.hener Judenfamilien, iu ihr nun leid)
zugänglich wurden, antraf. Die Amster
damer Juden bewahrten damals noch ei
nen strengen Unterschied des Ranges unter
fich, aber die Familie Maimon zählte ihrer
Abstammung nach zur vornehmsten Klasse
und der letzte Abkömmling derselben ' war
überall willkommen.
In derselben Weise, wie Rebecca durch
Meyers Einfluß fast ohne ihren Willen
zur Inhaberin eines Bankgeschäfts gewor
den war, sah sie sich alto nun auch eines
Tages nach Puis versetzt, ohne reckt zu
wissen, wie dies alles gekommen war
Aber die Umäuderung gefiel ihr.. Ihr
Bedürfniß nach Bereicherung ihres Wis
sens, der Durst nach feinerer gesellschaftli
cher Bildung saud in Paris reichliche Be
feiedigung und wahrend Mtytt Rothschild
in den geschäftlichen Kreisen bald alS ae
wiegter und umsichtiger Spekulant bekannt
wurde, blieb die schöne Besitzerin deS Ge
schäftS in den Theatern und EoncertsSlen,
den VZorlefungen und Kunstausstellungen
nrcbt unbemerkt.
AIS Meyer Rothschild nun, dem Wun
sche des Grasen Monlfort entsprechend, an
die Thur zum Salon seiner Prinzipalin
llopste, wußte er nicht, daß sie darin anwe
send sei, und Rebecca ihrerseits glaubte, ihr
Wescdc.flösurjrer habe irgend eine Angele
genheit mit ibr zu besprechen, sie rief ,er
ein," ohne sich aus der bequemen Lage, die
sie auf einem Ruhebette eingenommen
hatte, zu erheben. Ihre Wohnung befand
sich n einem vaufe der R de Richelieu
und sie hatte dieselbe rasch mit einem ae
wissen üppigen Lvxs ausgestattet obgleich
r,z Mode der damaligen ?eit in allen
Dingen die infrchIen Srmen vorschrieb.
Uebrigens l,eß sich diese Einfachheit fehr
ostbar auslegen, denn die Wahl der
Steffi stand frei und man konnte übeall
Vergoldungen und ZUerzerungen von
Emaille und Mosaik anbringen.
Rothschild stellte den Grafen vor rnd
dieser blieb im höchsten Grade überrascht
steh-n, als Rrbccra sich erhob und das Buch,
in welchem sie gelesen hatte, auf den Tisch
gte.
Das Glicht war ihm bekannt und es
b durste nur eines kurzen Nachdenkens, um
in dieser sieggewohnten Schönheit, die sich
tadellos vor ikm verbeugte, das Mädchen
zu erkennen, die dem Maler Robert Lam
me als Modell zu seiner Rebecca gedient
batte. M.y.'r steLte die Stühle und man
tzte sich. Der Graf sagte fofort. er w!1fe
rnctV, ob er daran erinnern dürfe, daß das
G.sicht d.r gegenwärttgen Dame ihn an
ein vortreifitches Bild mahne, welches sich
im Beiltze der Königin Hortenfe befinde.
Redecci wu-.de darüber erregter, als der
Graf erwartet hatte, aber fie nahm die
Bemerkung rffenbar nicht ungünstig auf,
obgleich sie in Meyer s Gegenwart keine
w:itere Eiörtecungen wünschte. Als vol
lendettr Hvfn.ann bemerkte dies der Graf
fort und rm dem Gespräche eine andere
Wendung zu geben, warf er emen Blick
auf die fchön gebundenen Bücher, welche
den T'sch bedeckten. ' Er erkannte ein wun
derbares Durcheinander; neben Rousseau's
Emil- lag P,ul und Vtrginie- und
dicht dabei der Faublos. Das Buch
aber, in welchem Rcgceca beim Eintreten
der Herren gel sen hatte, war das neueste
Werk von Cateaubiiand und der Graf
nüpste sofort ein Gespräch an, in welchem
er sich über die Werke ds btz'eren Schrift
stellers auslicß. Rebecca wußte einige sehr
luge Bemerkungen zu entgegnen, aber die
Gegenwart Roldschitl's, von dem sie muß
daß er nicht bsgrerfen konnte, wie man
überhaupt Bücher zu lesen im Stande war,
deren Inhalt gar keinen Bezug auf den
Stand der Geschäfte batte, störte sie derart,
daß sie das Geipräch nicht weiter spann.
Gar zu gerne wollte sie jedoch den Grafen
zu einer Wiederholung seines Besuches ver
anlass,!, da sie hrfft, ihn alsdann allein
prechen unv mancherlei Fragen an ihn
richten zu können. Der Wunsch, etwas
üb r Roiert Lamme zu erfahren, war doch
l.'ryatl genug in ryr, um nch auf einen
VorwZnd zu besinnen, der den Grafen wie
der zu sich zurückführen könne.
Es blieb ibe daher nichis anderes übrig,
als irgend eine geschäftliche Frage zu ersin
nen, die bin eiscizcn Mtv:r veranlaßte, das
Zimmer zu verlassen, um in den Geschäfts I
buchern nacv;uschlgen und sie benutzte
dann die G.legenheit, um dem Grafen
rasch die Frage vorzulegen, ob es gestattet
sei, in den Gemachern der Königin Hotense
das Bild zu sehen, zu welchem sie als Mo
dell gedient und daS sie nur unvollendet
kenne.
Die Lebhaftigkeit, welche sie trctz all-r
Vorsicht an den Tg legte, interessirte den
Grafen und er gab ihr d,e Versicherung,
daß er ihr den Anblick des Bildes vcrschaf
fen werde, wenn sie an ledcm beliebigen
Tge, zu einer bestimmten Stunde in den
Tuilerien nach ihm fragen werde.
Die Nuckkehr M y?r's machte dem Se
spräch ein Ende, aber Rebecca hatte gerade
noch einige Worte der Zustimmung sagen
können.
Der Gras verabschiedete sich bls darauf
und Rebecca ersuSite ihn, sich in allen ge
schädlichen Angelegenheiten nur direkt an
Rothschild zu wenden,. aber dies setzte
sie mit dem lieb'nswürdigsten Lächzln, das
ihr zu G.bote stand, hinzu sie schmeichle
sich, daß er sich dadurch nicht abhalten
lasse, sich zuweilen bei ihr sehen zu lassen,
um über Chateaubriand oder das Theater
Franais oder was es sonst Neues und
Interessantes in Literatur und Kunst gebe,
zu plaudern.
Kaum bezwäng Rebecca ibre Ungeduld
einige Tage, bis sie sich entschloß, der Er
laub.irß des Ä rasen zu folgen, um Robert
Lamm.'s Bild in den Gemächern der Kö
nigin Hortense zu besichtigen. Endlich
wagte sie es, den Weg nach de Tuilerien
einzuschlagen, aber sie that dies, ohne Lea
zu sagen, wobin ihr Weg st führe. Nie
mand fällte wissen, daß sie einer alten Er
innerung opfern wolle. War ihr doch das
eHedächtniß an ihre aste. Jugenglieke. fo
heilig, daß sie ungern mit Andere über ir
send etwas gesprochen hätte, was sich dar
auf bezog. Sie hatte das Gefühl für
Robert Lamme langst begraben, aber sie
widmete demselben ein ebenso zartes Ge
dächin, ß, wie einem geliebten Todten.
Nachdem st: sich hatte anmelden lassen,
ließ der G:af sie in ein elegant s Zimmer
einführen und kam ihr dort mit der größten
Liebenswürdigkeit entgegen. Es war ei
genthümlich, wie rasch sich eine Art von
freundschaftlicher Vertraulichkeit zrischen
der schönen Jüdin und dem vornahmen
Kavalier, entwick.lt halte. Keines von
Beiden hätte darüber R chenschaft able
gen können, wie diese Sympatbie entstand
und woran? sie sich gründete. Es war ein;
Art von gegenseitigem Wohlgefallen, bei
welchem jedes daS sichere G.'fühl hatte, daß
vielleicht ein angenehmer freundschaftlicher
Verkehr, aber nie etwas andere? daraus
entstehen konnte.
Der Grak führte Reberra nach dem
Saale, in welchem daS Bild hing und er
stellte zwei Stühle so vor dasselbe, daß man
es im besten Lichte sah. Le forderte Re
beeu auf, sich in setzen und nahm selbst an
ihre, 'Seite Platz.
Das Bild ruft gewiß liebe Erinnerun
gen in Ihnen wach?" fragte er, älS er bc
me-.kte, daß die schöne Jüdin mit ernstem
Nachdentk darauf hinblickte. ' '-. r r
i,Im Gezentbtii? Herr Graf, eS erinnert
mich an daS traurigste Ereigniß, welche?
mir zu Theil wurde und sie zählt, ihm
den ganzen schrecklichen. Vorfall,, den .sie
nach der letzten Sitzung w diesem Bilde
in Amsterdam erlebt batte. Dem Geasen
war nichts von dem Morde' bekannt gewor
den. aber er nahm um so lebhafteren An
theil daran, ia ' er selbst kürze Zeit vorher
das nicht-ganz vollendete Bild irn-Atelier
des Malers gesehen halte." "Ginen Augen
blick fuhr ibm der G .'danke durch den Kopf,
ob er nicht am End: zur Entdeckung deS
MorrerS beitragen tönne, denn der , Zeit
pnnkt der. That' siel; mit fein. An
wefenvett in -Amsterdam, kurz vor
seiner Abreise auS Holland zusammen
o tote auey der uwmmendana war.
konnte der Graf nicht verhindern, daß der
Gedanke einen Augenblick ihn beschäftigte
Er ging jedoch rasch auf einen andren Ge
geastand über, indem er Rebecca frag, ob
fie denn seitdem ganz ohne Nachricht v?
dem Maler geblieben sei. , - . .
.Mein ganzeS Wesen war so 'furchtbar
ertchüttert," eutgegnete diele, daß ich län
gere Zeit bedürfte, um überhaupt den ge
walisamen Riß zwischen Berganzenheit
uno Zukunft in meinen Gedanken auszu
gleichen und unterdessen hatte Herr Lamme
Amsterdam verlassen. Dle mir ganz
neuen geschäftlichen Anforderungen, welche
die Ordnung der Nachlassenschast meine?
Großvaters an mich stellte, nöthigten mich.
meine Aufmerksamkeit von allem übrigen
abzuwenden. , Mein Verwandter und letzi
ger GefchäftSfü&w, Mevrr Rothschild,
sorgte dam?, daß mir gar keine Zeit zum
Zurückdenken an frühere Hoffnungen und
Wünsche übrig blieb."
Somit hätte Herr Rothschild dei Ma
er bei Ihnen verdrängt ? sagte lächelnd
der Gras; es ist nichts seltenes, das ju
endliche Schwärmereien in dieser Weise
endigen und die Träume von idealem Lc
bensglück schließlich in geschäftlichen Rück
sichten untergehen. Sind Sie mit Herrn
Rothschild verlobt?" frug er nun und bat
gleich darauk dieser Frage wegen um Ver
zeihung, da er bemerkte, daß Rebecca nicht
ar genevm durch dieselbe berührt schien.
Dcr Schatten welcher über ihr Gesicht
flog, verzog sich i cd och bald wieser.
Ich wäre längst seine Gatiin." cntae
gnete sie, wenn ich mich dazu entschließen
Znnte und vielleicht wird mir kein anderer
Entschluß übrig bleiben."
Der Gras machte hieraus die höfliche
Bemerkung, daß eine Dame von ibren
Vorzügen s'ch in solchen Entschlüssen nicht
zu übereilen brauche, aber Reb.cra lächelte
brtter und erwi-erte.
DaS ist eS eben, waS mich biS jetz
noch bewogen hat, meine Freiheit zu be
wahr.n. Bei unserem Volke ist eß ja die
Regel, daß ur gen abgeschlossen werden, wie
man Geschäfte schließ, aber da ich Käufer
und Waare in einer Versen bin. f will
ich mich wenigstens nicht übereilen. Aber
unterbrach sie fich plötzlich, wir sprechen
vier zu vier von mir uno rey vaue tuen ge
hofft, von Ihnen, Herr Graf, etwas üb:r
den Maler Robert Lamme zu erfahrend '
Was foll ich Ihnen von ihm erzihlen?
erwiderte Graf Montf,rt. Weiß ich doch
nicht einmal, welcher Art das Interesse ist,
welches Sie an ihm nehmen, denn wenn
Herr Rothschild Ihre Neigung nicht besitzt,
so dürste am Ende doch noch eine Funke
der erloschenen Gluth Ihrer früheren
Schwärmerei sür den Künstler übrig 'ge
blieben sein, und am Ende würde ich den
selben zu neuem Leben aufwecken, wenn ich
daS Bild des Junzendideals in Ihnen
lebendig machte."
Furch.en Sie nichts, Herr Graf," ver-
etzte Rebecca, denn wä-e dies der Fall, so
bliebe immer noch die Frage, ob daraus
em Unheil entstände. Sie kennen mich
erst so kurze Zeit und nehmen schon fo.vlel
Rückficht auf meine Ruhe, laß ich Jh e,
dafür Dank schuldig bin. Aber Sie dür
sen versichert sein, daß Ich mich nicht muth
willig in Gefahr begeben werde und daß
ch kluger geworden bin, nie Ich damals
als Herr Lamme mein Gesicht zu seinem
Bilde verlangte und ich mir einbildete, er
verlange mein Herz für das seini'.e. Sie
sehen, daß ich offen bin und ich bitte Sie
un, Gleiches mit Gleichem zu vergelten."
Nun denn,'' erwiderte der Gras, so
muß ich Ibnen sagen, daß Herr Lamme
n echter Künstler ist, dem im Leben wie
in der Kunst ein Ideal vor der Seele
schwebt, daS er hier wie dorr schwerlich er
ringen wird. Ihm geht es, wie es so vic-
len Jrealisten geht: er bemerkt das Gute
tcht, das ibm nahe liegt und strebt nach
anderem Ziele, das ihm nahe unerreichbar
st."
Ich verstehe," versetzte die Jüden, und
bedaure den armen Künstler, obgleich
er vielleicht in seiner Täuschung glücklicher
t, als Andere, deren Wünsche fich nur
b,s zu dem erheben, waS ihnen erreich
bar ist. Aber nun muß ich gehen, Herr
Gras,'' fetzte sie hinzu, indem sie sich er
ob, und ich fage Ihnen mein herzlich
n Dank für den Bl!ck, den Sie mich auf
das BUd und in da Herz seines Urhe
berS haben thun lassen."
Damit verbeugt sie sich, um sich zu ent
fernen. Der Graf wollte sie biS an die
Treppe zum AuSgang begleiten, aber im
Vorzimmer trat ihm ein Diener entgeg:n,
der fehr respektvoll einige Wzrte zu ihm
agte und dann wartend stehen blieb.
Der Graf w:ndete sich zu Rebecca und
sagte: Meine erhabene Herren verlangt
mit; zu svrechcn und ich muß si. jetzt ver
assen. Wenn zu jener Tiür hin
aus und dann echtS den Eorridor entlang
bis ,r Treppe gehen, können Sie den
Weg nicht verseblen. Ich werde bald von
Ihrer Erlaubniß, Sie besuchen zu dürfen,
Gebrauch machen. Auf Wiedersehen also!"
Er verließ Rcb,ccz und diese schlug den
bezeichneten Weg ein. Ob sich der Graf
jedoch versprochen, oder ob sie fich verhört
oder in Gedanken versunken geirrt hatte,
fie gelangte durch den Uorridor zwar zu
einer Treppe, ober über diese Treppe, kam
t wieder in einen Eorridor und wahrend
sie sich um'ah, ob nicht irgend Jemand in
der Nabe sei, um sie zureckt zu weisen, be
merkt, daß vor diesem AuSgang ein Wa
gen hielt, und war entschlossen, daran vor
über zu geben, als in Diener, der unten
gewartet, die Stufen herauf kam und ihr
ohne irgend welches Bedenken die Mel
dung machte, da? der Wagen bereit fie und
er fie den Befehlen des Grafen gemäß bit
ten müsse, dar'n Platz zu nehmen. Rebee
ca war überrascht über dies. Liebenswürdig
eit ihres neuen Freundes, aber sie setzte
icht den geringsten Zw rfel in die R.ch
gkeit des von ihr vermutheten Zusam
mei.hangs, und nahm ia dem Wagen
Platz. Der Diener schwang fich neben
den Kutscher auf den Deck und die Fahrt
begann.
Anfangs suhlte sich Rebecca ganz be
haglich: fie dachte darüber nach, wie an
zenebm eS sei, Inen so hochstehende und
uvorkommendea Freund zu vefitzrn, aber
nachdem fie ine ziemliche Weile gefahren
war, fiel eS ihr doch auf, daß der kurze
Weg bis zu ihrer Wohnung sich o ,el,r
lang ausdehnte, und wenn fie auch hätte
annehmen wollen, daß der Graf ihr daS
Vergnügen einer Spazierfahrt bereit
wollte, fg kam ihr daS doch nachgerade et
was seUs,mv,r und sie fing an, fich zu
beunruhigen, namentlich alS die Fahrt
bereits ine Streck anßerhalb PariS weiter,
gegangen war. Schon war ihre Unruhe
biS zu, höchsten
hatte vergeblich. versucht, durch daS. fceess
nete Wagen feilst bet dem Kutscher oder
Diener Erkundigungen über Zweck un
Ziel der einsamen Fahrt einzuziehen, l
der Wagen endlich stille hielt, der Diene c
vom Bocke sprang und den Schlig öffnete
Ganz verwirrt vor Schreck und Entrü
stung über dc8 seltsame Eriebniß stieg R
bccca aus und sah . sich um.' Sie befand
sich offenb schon'eine ziemliche Strecke von
Paris entfernt und es war ihr unmöglich
die Richtung zu erkennen, nach elcher an
sie gebracht hatte.' Der Wage:, batte v.r
einem kleinen hübschaLandhause Halt
gemacht, auS dessen Thür , soeben eine all
liche Frau trat, .irelche ' ganz n Schwarz
gekkidet rpar urrd 'i ihrer Erscheinung
fast "den Eindruck J einet Art Klosterfrau
.machte, Rcötfca-ttolltfjich. jrait einer ver
underie' Frage 'anve-TNe n er wenden ,
dersiezuerst zum Einsteigen aufgeserdert
und dann neben , dem 'Kescher Hlztz ge
nommen hatte, aber 'dieser erblickte, kaum
die LltlicheDsme, als erfich Msch wieder
auf den Kutschersitz schwang und zum Ab
schiedsgruß schweigend den Huk 'abnahm.
Dann fudr det Wagen in größte, Eile da
von und Rebecca sah sich der alten Dame
gegenüber, die gar nicht überrascht schien
und sie mit ernster Miene aufforderte, in
das HauS. einzutreten. . .; '
In der festen veberzeüzung, daß bier
nur in Irrthum, vorliegen könne, dess.n
Ausklärnng- weiter keine Schwierigkeiten
haben werde, folgte Rebecca der &uffr?e
ung und trat in ein ganz behaglich ein
gerichtetes Zimmer im ' Erdgzschosse ein.
Sie war allerdings erstaunt,, daß d'e
fremde 'Dame . bei ihrem Anil'ck nicht so
fort den Irrthum bemerkte. " Während
Fahrens im WagenS war ihr zuletzt höchst
unheimlich zu Mut'ce gewesen, aber nun
saßt sie das Abenteuer fast von der temu
schen Seite auf und sie mußte , bei sich la
chen, wenn sie daran dachte, wie. sich die
alte Lea ihretwegen beunruhigen werde.
In liner guten Stunde mußte sie doch je
denfaSS wieder zu Haus sein und konnt
dann mit Lea und Meyer Rsthschils sich
über das seltsame Eriebniß aussprechkn.
Kaum befand sie sich mit der alten Da
me allein, als sie dieser klar zu' machen
suchte, daß sie jedenfalls daS Opfer eines
Irrthum, eine Verwechselung der Person
oder des Namens vorliegen.
Wie kommen Sie auf den Grasen
Monlfort?" entgegnete die alte Dame.
De, Diener sprach doch von einem
Besehl deS Grafen," erwiderte Rebecca,
aber ich sehe immer mehr ein, daß ich
selbst die Veranlassung Zu diesem Irrthum
gegeben habe, da ich thöricht war, jenen
Wagen sür mich bestimmt zu glauben."
Sie frug dann, ob man ihr einen Wa
cen vericyanen tonne, va Ne letort naeb
Paris zurückkehren wolle. . . .
Die alte Dame lächelte schlau und gab
ausweichende Antworten. Rebecca möge
sich beruhigen, die Sache werde ihr später
klar werden, vorläufig werde sie am besten
thun, sich ruhig uiederzusetzen und einige
E.frischungen zu sich zu nehmen. Das
Letztere lehnte Reb.'cca ab, aber ein Auzen
blick der Ruhe that ihr in der That notb
und sie nahm daher Platz. Die Sache
schien ibr höchst einfach. . Irgend eine
Dame, die ihr möglicherweise ähnlich sab,
hatte hierher fahren wollen und man hatte
si irrthümltch für diese angefehen.' Jeden
falls hatte jene andere Dame aber dcch
rgend einm Zweck bei diefer Auöfahrt gc
habt und es konnie nicht ausbleiben, daß
Alles bald aufgeklärt wurde. Die wür
dige alte Fraa hatte das Zimmer einen
Augenblick verlassen und trat eben wieder
herein, gefolgt von einer Dienerin, die Er
fr'schuJgen bracht und dieselben auf den
Tisch stellte.
Rebccea begann sofort wieder, der ulren
Dame begreiflich z i niachen, daß sie gar
nicht Dieienrze sei, für welche man sie Hai
te. Abermals lächelte die alte Dam,
und forderte Rebecca auf, sich zu stärken
and ein Glas Wein zu trinken, und als
dZs junze Mädchen zögerte,, setzte die Alle
gleichsam ermuthigend hinzu, daß sie so
fort für inen Wagen sorg'N und AlleS
thun werde, wie Rebecca eS wünsche.
Diese athmete auf. denn der Abend
nahte schon und S schien ihr denn dcch die
höchste Zeit, den Rückweg anzmreten. Um
die alte Frau, vor welcher fie ein Art von
Furcht empfand, nicht zu kränken, nahm .
te nun toi klich etwas von den Ersrischun
gen und trank in Glas W:in. Sieatte
ihren Hut und ibr Tuch abgelegt und es
fich in einem Sessel bequem gemacht. Die
Alte hatte sie sortwädrend aufgefordert,
noch etwas zu essen unv zu trinken und war
dann mit der Versicherung berauSgegan
gen, vag sie nun lich um die Be'orgung
deS Wagens kümmern wolle und ihrem
Gaste den Ratb gebe, inzwischen -noch ein
wiNig der Ri:he zu pflegen. , r.
(Fortsetzung folgt.)
Kindlich. ' Der Pada ist damit
beschäftigt, eine Düte mit CaarrenAb
schnitten zu füllen und theilt der Mama
mit, daß er dieselbe wieder dem fleißigen
Sammler, Hrn. Hosratl? B , für die
Waifenkinder zu übersenden im Begriffe
sei: da eilt das blonde Lieschen, ihre
Puppenstube im Stiche lassend, herzu,
und fragte mit der üblichen kategorischen
Naivetät: .Sag' mal. Papa, ist eS denn
wirklich wahr, daß die Waisen
inber auS Cigarrenspitzen
gemacht werden?!"
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vni einen unserer New
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setzen, ihre Preise von $10 b4 $30 sür jede Orgel der
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ftinfidrt ant an Schönheit be4 eukern. Werde für
baar oder us Abzahlung verkaust: auch so lange er
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rirte ataloge sonie Liste der herabgesetzten Preisc
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