OCR Interpretation


Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, November 01, 1878, Image 2

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn93060116/1878-11-01/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

" Esrtd und seine Golonlm
Englands Coionialpolltir hat im
Saufe des lebten Jahrhunderts eine
aroke Umwandlung erfahren. Ursprung
lich und zu CromwellZ Zeiten sowie
seit der gegen die Holländer gerichteten
Navlgationöaite galt eS tur vas Muller
land, sich die Produttion und den Han
del der von ihm als Eigenthum betrach
tetenColonicn zu sichent und alle übrigen
Völker und Länder vom Handelsverkehr
mit denselben außer durch Vermittlung
deS Mutterlandes abzusperren ; die Ent
Wicklung der Industrie in den Colonieen
ja selbst der Anbau verschiedener euro
päischer Bodcnprodukte wurde theils be
schränkt, theils völlig untersagt, um der
britischen Industrie einen Ävatzmarlr
zu sickern. Aunerdem aber wurden die
Colonicn als ein Mittel betrachtet, um
durch Einfuhr und Ausfuhrzölle eine
fiskalische Einkommensquelle für Eng
land zu schaffen.
In gleicher Weise waren die Spanier,
Portugiesen, Franzosen und Holländer
mit ihren Colonicn verfahren und die
Folge dieser engherzigen wirthschaft!!
chen Ausbeutung und der damit verbun-
denen pollllichen Nlcdcrhaltung war
überall die glücklich, wenn auch erst nach
langen Kampten durchgeführte Emanc:
pativn der Colonien von ihrem Mutter
lanocrn.
Enqland schritt zuerst dazu, seine Der
altete Colonialpolitik auszugeben. Von
der Zeit an, wo es die heutigen Ver
Staaten der bisherigen Fesseln entließ,
datirt sich sogar gerade sein eigner Höhe-
rer lnduitreller Auszchwung. Tcr gc
steigerte Verkehr mit dem emancipirtcn
Nordamcr ka ist ein ganz anderer g'.'wor
den, als vordem, wo letztere in wirth-
ich itlicher und pollti cher Unterwürkig
lät gehalten wurde und erst seit neuester
Zeit, wo ote Ver. Staaten ihre großen,
überreichen natürlichen Hilfsquellen zu
erschlichen und auszubeuten anfangen
und den Ucbrrgang aus einen Ackerbau
staat zu einem Industriestaat machen,
empfindet England die Gefahr einer wer-
denden aroneu amerikanl chen Eoncur
renz auf industriellem und commerzictlen
Gebiet, so schwach in diesem Augen-
blick noch die Anfänge hierzu sind.
da der vierjährige Rebellionskrieg, und
die du.ch dcnicU'm sowie durch die im-
nicnsc Nationalschuld erzeugte Schutz
zrllpolitik diese Entwicklung eine Zeit
lang unterbrochen hatte.
S.ltdem befolgt England fcicfe freie
Col nialpoliti auch Canada und su
stralien gegenüber, welche jetzt viel we
niger Colonien. als beinahe ganz un
abhöngigeselbstständige Provinzen sind.
Unter dem Ministerium Gladstone's
neigte man sich sogar in England immer
mehr zu der Ansicht, das Land brauche
keine auswärtige Politik zu treiben und
im Zusammenhange damit trat auch
kine sehr weitgehende Gleichgültigkeit
gegen den Besitz der auswärtigen (iolo
nicil ein. Man crörtcte mit großem
Gleichmuts) den Fall einer vollständigen
Lo?trcnnung Canadas, Neuseelands,
sowie von Neu Sud Wales, Victoria,
Süd-. West und Nordaustralicn und
Tasmania, ja es wurde selbst ausge
svrocheu, daß es klug sei, sich darauf
vorzubereiten. In Australien erstrebte
iuan eine Union der genannten verschie
denen Colonien zu dem Zweck, sie gegen
einen auswärtigen Feind in den Stand
zu setzen, sich selbst vertheidigen und auf
die Hülfe Englands verzichten zu können.
?!ur in Betreff Indiens wollte in
England bisher Niemand zugeben, dasz
rö einem ähnlichen freien Zustand ent
gegengehc und England dort seiner Herr
schaft entsagen solle, vbschon cs den An
schein i?at, als seien die Tage der eng
lischen Macht in Iicn gezählt, wo
thatsächlich einige taufend englischer Be
mter und einer Armee von nur C4.000
Man ? (und 125,000 eingeborenen Trnp
pen) iin Nach von 190,000,000 Men
schen im Zaume halten. Englands
Verhältniß zn Jufcim ist anch nach Aus
Kebnng der ostindischen Compagnie und
der Ucbertragung der Regierung auf die
krone Englands, welche jetzt gerade vor
zwanzig Jahren, im November 1858,
erfolgte, immer das einer Gewaltsherr
schast gewesen. Sein Besitz dieses uner
meßlichen Landes stützt sich auf das
Necht des Eroberers und Siegers gegen
den Beilegten. Gerade wie dies bei der
Türkenherrschaft auf der Balkanhalbin
sei der Fall ist, halten die Engländer die
unterdrückten Völker Indiens nur durch
ihre militärische Gewalt nieder und eö
besteht zwischen letzteren und den eng
lischen Eindringlingen nichts anderes,
als cm fortwährender jiriegszustand
Eic haben cs nie unternehmen kirn
nen, diese ungeheure, seßhafte Bevöl
kerung von eigenthümlicher alter Cultur
nach europäischem Muster zu civilisircn.
Sie haben ihr ganzes streben bisher nur
Zwei südamerikanisSke Repudltse
Die Beziehungen zwischen den beiden
vorae'chriNensten und ehrgeizigsten Ne
publiken des süduqen Amerika find ge
ae-wärtia derartig, daß sie jedenAneen
blick die Form eineö blutigen Krieges
annehmen können. Die Gegner und
ChlU und die Argentinische Republik.
der VreiS Patagon.en. Aus den ersten
Blick scheint dieses wilde, öde. dünn be
völkerte Gebiet, so ausgedehnt dasselbe
auch ist, emen Krieg nicht mehr werth
zu se,n, als zener kleine Fleck Erde, um
welchen sich im Hamlet der alte Norme
ger und der Pole streiten. Trotz seiner
J00.000 bis 350,000 Quadratmeilen ist
Patagonien ein trübseliges, unfruchtba
res Land, dessen westlich von den Anden
gelegener gebirgiger Theil fortwährend
von Regen und Schneesturmen beftrl
chen wird, während seine sich endlos hin-
dehnenden Pampas östlich von den An
den nicht weniger stetig von Dürre und
Orkanen heimgesucht werden. Bieten
aber auch die spärliche Vegetation und
das scheußliche Cl,ma Pataaoniens we-
nig Verlockendes dar, so besitzt doch je
neS Land ein in hohem rare begeh
rungSmürdigeS Ding, die Magellan
siroße. Außerdem sind kürzlich tm
nördlichenPatagovien einige guteWeide
gründe entdeckt worden, während die
Ostküste Patagonikns ihrer atlantischen
Hafen halber für Chili von großerWtch
tiateit ist.
Der Streit zwischen Chili und der
Argentinischen Republik über Patagonien
stammt bereits cus alter Zeit, hat sich
jedoch in der letzten Z it trfr zu der Bit
tei seit zu-.ksp tzt. w.'ich' ihn g'gmwärtig
kennzeichnet. Der w ülich von den Anden
lieaer.de Theil tfSataßoniens wird im qe-
wöiznlichen Sprachgebrach das chilenische
Patazoiien genannt, wahrend der oft-
liebe Theil unter dem Namen argentl
nisches Patagonien" bekannt ist; die
Frage jedoch, in wie weit der Besitz
souverai: itä',siechte geschaffen habe, tft
kürzlich eine brennende geworden. In
cent Vortrage, durch welchen die oeidcn
Regierungen im Iktzten JlZhre ihre Strei
tigkeit n zu schlichten suchten, wu'de als
Basis der Gebictsthe'luuz der Btsttznatto
tm ,ahre lxv) lenaenu ;n jenem
Jahre nämlich begann die Revolte gegen
die spanische R?zi rung, welche m t der
Unabhan ligkit Chili's und d;r Argenti-
ichen Nevubltk enotgte. la teoom c:e
ersten ernstlichen Versuche, i'ch in P?ta-
qonien sestzusktzen, erst viele Jahre fp'i
ter gemacht wurden, erhöhte die obige
Abmachung den Wl'iwarr noch mehr.
JnErkenn Nid diejrs Umstcindes wurde
un Januar die, es wahres em neuer
Vertrag gkschlossen, welcher das Fun
eminent für iine schiedsrichterliche Eat
scheiduna schuf. Als jedoch die Bedin
qungm jenes Vertrags dir chilenischen
Regierung dtkannt gemacht wurden, ver-
warf sie denselben aus den Guind hm,
ran all Beftimmnnaen defielben im In
teresse der Argentinischen Rcpudl!k lau
i-ten und ein völlige Preisgeben der
Gesichtspunkte, auf welchen sie bisher
bestanden l)ibe, bedeutet?. Der Präsi-
dent der Argenlinifchen Republik benach-
nchinte tie Depniirtnl'Äammer in Bue
nc Anres von dem voa ihm gethanen
schritt, und die tevt-.xe stellte sich durch
aus auf seine Sei!e. Nach den legten
Nachrichten hat der orzentlnifche Ge-
sandte Santiago und der chilenische Bue-
nos Avrcs verlaiicn. Tiefes ist die ge
genwärtige Lage. Möglich zwar ist cs,
das; in der letzten Stunde die Zwist'g-
keilen noch beigelegt werden. Kriegerisch
genug siedt es aber da unten in Süd-
aincrlk mal wieder au?.
zwischen beiden Ländern hinauSzuschie
den, da dieser letzte Punkt ihm mit aal
Meisten am Herzen lag.
Im Laufe der ersten Unterhandluv
gen, deren MUleipunn (ms war, iao
er die Mibsirmmung Rußlands, welches
es nicht fertig brachte, Frankreich von
dem einzigen Wege abzulenken, den zu
verfolgen es entschlossen war: nicht, weil
eS gegen ihm heusame Intervention des
Kaisirs Alexander im Jahre 1875 un
dankbar gewesen wäre, aber weil es
glaubte, damit allen Interessen Europas,
auch denen Rußlands und seinen eigenen,
am Besten zu dienen. Voller Verständ
nis für die Verlegenheit Rußlands,
welches mit England im Zwiste, Oester
reichS wenig sicher, Frankreich gegenüber
empfindlich war, that Fürst BiSmarck in
Petersburg entgegenkommende Schritte
und zögerte wahrscheinlich nicht, Ver
pflichtungen zu übernehmen, denen die
persönliche Neigung des Kaisers Wil
Helm längst vorausgeeilt war. ES war
dies übrigens de Vergeltung eines im
Jahre 1370 von Rußland geleisteten
DienfteS. Auch war di-:8 vielleicht ein
willkommener Zufall, den sein Glücks-
ftern ihm gewährte. Er begünstigte
die Absichten Rußlands und ge
wann gleichzeitig die Gewißheit,
daß die Erschöpfung der Kräfte
dieses Reiches demselben für eine
lange Zukunft die großmüthige Lust zu
Einmischungen in seine eigenen Strei
tizkeiten, wie 1376 in Berlin, benehmen
würde.
(Eine neuere Veröffentlichung, welche
dies' Erinnerungen wieder erweckt, könnte
glauben machen, daß Fürst Btsmarck
dem Fürsten Gortschakoff dafür einen
recht lebhaften Groll bewahrt hätte.
Wir behalten uns vor, diesen Gegen
stand unsererseits eines Tages zu de
handeln und die Wahrheit gegenüber
den in dem Times-Bericht über den
Zwischenfall von187ö enthaltcneuGrunv
Irrthümer festzustellen.)
Soll damit noess.n gesagt sein, daß
er sich verpflichtet habe. Alles an Ruß
land auszuliefern? Das glauben wir
nichi; Fürst Bismarck verließ Oester
reich nicht und er war nicht g-fonnen, es
dem Ehrgeiz des slavischen Kaiserreichs
zu opfern. Darin hatte sich Nutzland
getäuscht. Freilich ist es schwer, dem
geschickten stanzler in die starten zu
sehen, wenn er cs nicht haben will,
und er wollte es ntckt haben. In der
Tdat verhehlten im Laufe der Ereigniss.'
Oesterreich und Rußland ihre Besorgnisse
über die Absichten Deutschlands in Bezg
auf jedes der beiden Lander nicht. Weil
Deutschland Rußland eine wohlwollende
Neutrlnät wahrend des Krieges vcr
sprochtn hatte, glaubte dieses, in seinen
Träumen von Dankbarkeit, sein mächti
ger Verbündeter werde ihm ebenso voll
ständig die Regelung des Friedens über
lassen, wie es die Kriegführung seinem
Geschmacke überlassen hatte. Aber so war
Fürst Bismarck nicht gesonnen. Es be
hagle ihm nicht, aus Rücksicht für Ruß
land auf die Politik zu verzichten, die er
für sein eigenes Land eingeleitet hatte.
Welches ist denn, genau genommen, diese
Politik? Wenn wir glauben, daß die
gewandten Minister, welche die äußeren
Angelegenheiten Rußlands und Oester
reicks lenken, manchmal ihre D-ütje ver
geblich verwenöet haben, um dis Spiel
idresColleaen u.Alliirten.FürstBismarck,
z't durchschauen, so würden wir mit
gutem Recht der Ueberhebung geziehen
werden, wenn wir den nämlich Anspruch
erhöben, da wir doch nicht dasselbe Rech'
wie sie auf sein Vertrauen gehabt haben.
Tt-"t'.w' ..mw. h w- y W.:- te-W-j- -, - - ' ß I ''Äiil' W 'ill, ''' '
Die Orient. Politik Teutschlands.
In len politischen Kreisen von Paris
macht ein lüng.t ve,ösfertlichtec Aufsatz
über die Orientfrag? und den Berliner
darauf richten können, die äußere Ruhe
und Ordnung aufrecht zu erhalten und
regelmäßige Handelsverbindungen zu
eröffnen und durch künstliche Bcwässcrun
gen, Ei'enbahn- und Canalbauten zum
Theil die .Prodnktions und Consuin
tionöfälilqkcit der eingeborenen Bevöl
kcrung ,i,u steigern, obwohl diese verhält,
nißmißig noch immer sehr gering ist,
wie die Thatsache zeigt, daß Englands
Ausfuhr jährlich sich auf noch nicht -84X)
Millionen belauft, während der Größe
der Bevölkerung nach der Absatz sich ver-vier-
und verfünffachen müßte.
Die T iner und die En Wicklung dieser
Haudclsvrbilldungcn hängt nun aller
dings vollständig von dcr Fortdauer der
englischen Herrschaft über Indien ab
uno da, um wird England auch sein letz
tes Pfund Sterling und seine letzten
Soldaten anwenden, um sich dort zu be-
Häupten. Man hat schon vor zehn Iah
ren den materiellen Verlust, den England
durch die Emancipation Indiens erlei-
den ivürde, auf jährlich $1000 Millionen
geschätzt, eine Schätzung, die für heute
eher viel zn gering ist. Wenn heute die
Engländer ans Indien vertrieben wer
den, so fallen jene Länder wieder in ihr
früheres geistiges Traumleben zurück,
die früheren ununterbrochenen blutigen
Kämpfe unter den eingeborenen Stäm
men, Rassen und Fürsten werden sich
wiederholen und Alles, was die Ena
länder geschaffen, würde vollständig vcr
uichtct wcrdcn. Damit wäre auch dcr
Verlust des gcsammtcu in indischen Eisen
bahnen und indischen Reichsanleihen an
gelegten Capital verloren und die Tau-
sende von Engländern, die dort in mili
täuschen lind bürgerlichen Stellungen
sich befinden und Vermögen gesam-
. i i. , . ' 1. i X. i t ! . . .v y
IINII iHU'cii, pic verraaiiiillien Pensionen,
welche britische Cmeicrc und Beamte
aus dem indischen Reichshaushalt bezie
hen, würden in Wegfall kommen und dies
sind Motive genug,' um das Interesse
Englands an dem Festhalten dieser Be
sitzungen und an der Abwehr aller frem
den. mm chen Einflüsse zu erklären,
welche diesen Besitzstand gefährden könn-
ten
Bon dem Augenblick an, wo England
Indien verliert, würde es von seiner
heutigen Grofzmachtftellung und von sei
nein fast monopolistischen Stand in Stix
dustrie und Handel auf dieselbe Stufe
yeravzliiten, ans weicyer vie früher den
ersten Rang cinnehmendeir Spanier,
Portugiese? und Holländer heruntergc-
Vr.., V .u V T. 'PlCl.fl r f '
""'" uuu uuu) iiuicü kvayricyeln
lich der Kreislauf der Geschichte, sei es
in naher oder fernerer Zukunft.
Die Wittwe SpontmiS ist am 2.
jcrooer aui vem Schloß rhrer Schwester
,q ver,ieoen. ?te hat vaS Alter
von 83 Jahren erreicht.
Congrcß in der Zcitichrist Le Eoire
spond,int" außerordentliches Aufsehen
Der Vlrfaner hat nch nicht genannt, cs
wird jedoch als solcher, ohne WlScr
spruch. .zu sinden. der Vcomte von
Gontaut-Biron, früherer franzö
sifcher Botschafter in Bcrnn, genannt.
Unter diesen Umständen hären die Aus
lassungen allerdings ein unbestreitbar
hohes Interesse, wenn sich auch an der
Objektivität des Urtheils über die Politik
Deutschlands an manchem Punkte Z'vev
fel einstellen könnten. Mit diesem Vor
behalt entnehmen wir vem AufwS in
Folgendem den intcrcssanten Abschnitt
über die OrtentpoliUk des Fürsten Bis
marck. Der anonyme diplomatische Ver-
fasfer schre,tt:
Jetzt ist es an der Zeit, uns über
die Haltung Deutschlands wäh- end die-
'es langen Zeitraums Neckzenfchaf: avzn
legen. Das neue und mächtige Kaiser,
e ch hat kum anders von sich reden
machen, als durch ds eifr'ge Besinben,
durch den M ind seiner Staatsmänner zu
erhärten, daß die Orientsrage es durch
aus nick.ts anginge. Fürst Bismarck
wollte Drutschiand außerhalb und über
jeder Verwickelung kalten und er rech-
nete hinreichend auf seine Gesch. cklichkeit,
Niemand n b?e gri szarticze teunng ver
gessen zu lassen, weiche es neuerdings in
Europa erworben Hai!.'. Hatte er imBor
aus e nen Plan entworfen, dics doppelte
Zie'. sicher zu erreichen? Hatte er semer
Neutralität G enzen gesteckt? Jeden
f.llS tjstite idn s in außtrovdentlichcr
Scharfrlick scbon die Rolle des ehrlichen
Maklers" ahnen lassen, die er gar nicht
ungern übernehmen ward?. Qwe
Zweifel wünschte er auch damals scho?
die Aufrechtet Haltung des europäisch?
Friedens: ich glaube nicht im Gering-
sten, daß es gerccht fei, dos Gegentheil
zu dchanpten. Aecr es wäre sehr ge
wrat zu behaupten, daß ihm im nämll
chen Grade daran lag, die Verwicklun
gen zwischen den europäischen Grcßmäch
ken zu zerstreuen und ihnen zu untersa
gen, sich selbst zu schwächen. Nebrigens
ist es natürlich, daß er im Interesse des
allgemeinen Friedens den Ehrgeiz der
Einen drch die F'i!,dseiicikrit der Audc
ren zu dämpfen gesucht hat, und daß er
'ich ihrer Aller kcdient hat, um das
Uebergewicdt seines Landes zu befesti
grn. Im Beginn dcr Frage fand er
Rußland zu stürmisch; cs mißfiel ihm
nicht, daß r ie Haltung Englands den
Eifer Rußlands dampfte und, auf das
bestehen Oe st erreich? bedacht, hätte
er wahrscheinlich mit günstigemAugedas
Eintreten ein s gewis'en Einvernehmens
zwischen England und Oesterreich ange-sehe.-,,
sicherlich keinls Einvecnehmei s
von solcher Beschaffenheit, daß es Ruß
land und Oesterreich in offenkundige
Feindschaft gebracht hätte, wodurch die
Bande deS Drei Kaifer-BundeS gelöst
worden wären, aber eines Einverueh
mcns von der Art. daß Rußland auf
seine zu weit gehenden Pläne verzichten
mußte. Er befand sich nlw zu dieser
Zeit mit England und Oesterreich in
größerer Uebereinstimmung der Gesichts-
punkte als mit Rußland; er war eher
gkmigt, erstere zu u..terftützen als letzte
reS, odne indessca eine bestimmte Bar tei
ergriffen zu haben und, wie wir
schon angedeutet haben, entschlossen, sich
endgültig mit Allem zu verbünden, was
am Besten in seine Anichauunaen von
deutscher Politikpaßte. Zugegeben, daß
seine anfänglichen Gesinnungen so wa
ren, wie ich gesagt habe, so zögerten sie
ooch nicht, sich um,maestalten. Die Ur
fachen dieser Umgestaltung waren na)r
fcheinlich einerseits die Verlängerung der
Ungewißheit über die Politik oes Londo
ner Cablnets, andererseits die stets ye
suchte und endlich aefundene Geleaenbeit.
Rußland von Frankreich zu entfernen,
und die Möglichkeit eines Bündnisses 1
Nein, wir maßen uns nickt an, tn die
Geheimnisse des deutschen Reichskanzlers
einzudringen, wir begnügen uns damit,
die vergange.'.c'l Thatsachen zu beobach
ten, sie mit der Gegenwart zuiammenzu-
stellen und hieraus gewisse Schlüsse zu
ziehen, die wir der Beurtheilung der
Oc ffentlichkeit unterbreiten. Es ist eine
offenkundige Thatsache, daß Fürst Bis-
marck, indem er Oesterreich bei Sadowa
schlng, dann zunächst den corddcntscben
Burn schuf unv dann nach d'M französi
schen Kriege die Südstaaten veranlaßte.
in oenfelven einzutreten, euerrpich z
der Thätigkeit in Deutschland beraubte.
Ist es verwegen, darauf hin zu behaup
ten, er bleibe an der Existenz Oener
reichs interessirt, und muß man nicht
annehmen, daß er aus letzterem ein
mächtiges G'gengewicht ceqen die über-
trieben Ausbreitung Rußlands nach
den Ländern slavischer Abstammung bin
machen wolle?
Wir werden hieraus schließen, daß
das Berliner Cabinet. aU es sich Ruß
land gegenüber zu einer wohlwollenden
Neutralität verpflichtete, gleichzenig Oe
stei reich versprochen hat, keinen Friede
schließen zu lassen, der dessen wesent iche
Interessen verletzte. Oesterreich zu
zügeln und aufzumuntern, Rußland zu
rmuthigen und später zu bändigen,
kurz, die Auflösung des Drei -Kaiser-Bündnisses
zu verhindern, das war eine
schwierige Rolle. Man erzählt, der
Füist h.ibe eines Tages, als er sich m't
einem fremden Diplomaten unt?ttj;eit.
diesem seine Hoffnungen far die Locali
sation des Kritg's anvertraut, aber
hinzugefügt: um einen dauerhaften Frie-
den zu erdalten, müffe man in's leben-
dige Fletsch hinein ch.,ciden und onf Ko
sten der Türkei Rußland mitertelle
Vortheile und Oesterreich, England,
selbst Frankreich Entschädigungen gcwäh-
ren. vl s er eines onoein ages ant
diesen selben Gegenstand zurückkam, soll
er in dem pfnffigen Tone, der thm eigen
ist, aeiagt haben: Wenn alle Welt Con-
cessivnen macht, wird man mir nicht
meh? die mcinigcn vorwerfen." Alles
in Allkm muß man gestehen, daßDeutsch
land in der letzten Perio e der orienta
l'schen Frage den größten Antheil der
Versöhnung zwischen den Bestrebungen
Englands und Rußlands grhabt hat
und daß Tank seinen Ai!stret,gung?n der
Congreß hat zusammentreten können."
In den Grundzugen wird das B ld,
wie cö der ehemalige Vertreter Fra:,k
reich? von der teutschen Politik
entwirft, der Wirklichkeit wohl entspre
chen. Es mag Herrn von G o n t a u t
um so leichter geworden sein, der diplo-
matilch.'n Ueberlegenheit des deutschen
Reichskanzlers seinen Tribut zu zollen,
als sich in dieser Anerkennung ci;e
Spitze gegen die jetzige Politik Frank
r'lchz verbirgt, die dem franzonfchen
Leser nicht entgehen wird. In feurigen
Zügen leuchtet aus der Darstellung des
Vieomte die eine Thatsache hervor:
Fürst Bismarck hat Frankreich von
Rußland zu trennen verstanden.
eine Thatsache, die, so sympathisch sie in
Deutschland aufgenommen werden wird,
in Frankreich sehr gemischte Empsindun
gen wecken muß. Hält man sich aber ge
genwärtig. daß gerade diese Tr.nnunq
Frankreichs von Rußland für Deutsch
land den Frieden bedeutet, so wird man
dem französischen Diplomaten Dank wis-.
sen, wenn er seinen Landsleutcn die Au-
gen über dies Ergebniß deutscher Staat?,
kunst öffnet, nachvem dasselbe trotz oller
Anstrengungen der Männer vom 16.
Mai" einmal nicht zu verhindern ge
Wesen ist.
Das Perpetuum mobile ist end
lich gefunden. Der Mainzer Anzeiger"
veröffentlicht auS dem Tagebuch eines
Unzufriedenen den ungalanten Vers: ,
Ihr wollt daS mobil perpetuum er
gründen
Mit allem Scharfsinn, aller List.
Und doch kann jeder Ehemann Euch
künden.
Daß eS die Weiberzunge ist !
JNlanvttQeS .
Fünfzig Windmühlen wur
den von New-Äork nach Australien ver
sandt. Sie sollen aber nicht Mehl mah-
len, sondern Hebewerke tretven, die Far
men mir Waiter verborgen.
137 Studenten an der Uni ver-
sität in Berkeley nehmen am deutschen und
etwa 60 amUnterricht in per französischen
Sprache, Literatur ?c. Theil. Vor 4
Jahren war das Verhältniß etwa um-
gekehrt. (Sacramento Journal.)
Ueber den amerikanischen
Krieg sind 12,000 verschiedene Werke
erschienen. Ein anfehnlicher Theil die
ser Literatur erblickte zuerst in Europa
das Licht der Welt, 'allein der größte
Theil erschien in Amerika.
Inder chinesischen Schule
zu San Francisco wird früh Morgens
das Christenthum von einem Weißen
und Nachmittags die Lehre des Confu-
clus chinesisch von einem Chinesen ge
lehrt. Die Kinder bezahlen zwar nichts.
aber sie haben die Wahl.
In Dallas. Texas, wurde
ein Tramp von einer intelligenten Jury
zu einer Zuckithausftcafe von erner Mi
nute verurtbeilt. weil er. schwach und
hungrig soeben auS dem Hospital kom
mend. einem Bürger der Stadt das
Frühstück gestohlen hatte.
Die C u n a r d"-D a m p f sch i f f
Compagnie wird mit dem 1. Mai 1879
ihre Docks ii Jersey Ci:y ausgeben
Die Compagnie bezahlt jäh-lich H24,000
als Tockmiethe und rauft für Baggerar
beiten jährlich 410,000 ausgeben, um ih
ren Scviffen den .uaana juim Dock zu
ermöglichen. Die jährlichen Ausgaben
für die Angestellten und Ar eiter an den
Jersey City Docks belaufen sich auf 57,
000. Die Compagnie hat den Pier 40,
G. R., N. Y., für 22,5U0 für das erste
Jahr, und 22,S00 für tedes folgende
der 10 Pachtjahrc gepachtet. Alle Fracht
wird in New Nork abaeiefert un dcr
Transport dertelbcn nach Jerlcy City
hat der Compagnie jährlich 6000 ge-
ko,tet.
Unfreiwilliger c l b ft
mord". So lautet das eigenthümliche
und doch durch die Umstände gerechtser-
tigte Vcrdict einer Enroners-Jury in
New Orleans. Ter Neger John Stuck
wollt aus Rache Jo ephiue Nuffcl und
deren Tochter Mathilde erschießen. Auf
die Erstere hatte cr bereits einen Schuß
abgefeuert, ohne zn treffen. Als er zum
zweiten Male schtefzen wollte, schlich
Mathilde sich herbei und packte ihn rück-
scits. Er wehrte sich wie ein Verzwei-
selter, das Mädchen war zedoch jung
und stark. Da versuchte dcr Schurke,
das Mädchen hinter sich zu erschießen,
er schob den Laus des Revolvers zwischen
seinen Armen durch und druckte los
Beim Abfeuern verichob fich jedoch der
Revolver, die Kugel fuhr ihm selbst in
die Brust, und durch's Herz getroffen,
fturzte er toot nieder. Zeiten tu d e
vielberufcne Frau Nemesis so schnell und
gerecht.
Die P o l i z e i st u n d e soll jetzt
in der trotz des Cielbfieber-Ächreckens
lustigen Ereolen-Stadt eingeführt wer
den. Die N'w Orleans Deutsche Zei-
tnng" ist darüber höchst erbost und
macht ihrem Ingrimm folgendermaßen
Luft: Ebenso gut. wie man jetzt fest
stellt, zu welchen Stunden des Tages
und der Nacht ein Geschäft offen halten
darf und geschloffen werden mufz, kann
man später auch bestimmen, daß gewisse
(Leichafte an gewinen Tagen, wie oun
tags, gänzlich geschlossen bleiben müssen.
Und damit treten wir auf ei.imal in die
.Kategorie jener Mncker-Ncster, in denen
Sonntags- und Temperenz-Heuchler den
Ton angeben, die Geschäftsleute quälen
und schunegeln, Tkeater- und Couzert
Ausführungen an Sonn- und Feiertagen
verbieten, und den einzigen Erholungs-
tag des Voltes :n der Wociie in einen
Tag uneriräglicher Langeweile und
des stillen Soffs hinter verschlossenen
Thuren verwandeln."
Eine drollige Verwechslung
Während der Maschinist Rob. McKellar
in New York dieser Tage in etwas an
gcsäuseltem Zustande durch Leonard
straße ging, sah er das zweijährige Kind
der Frau ary Ann Stedman vor dem
Hause seiner Mutter auf dem Seiten
wea sv'elcn. Bct dem Anblicke des
indes kam dem Manne -plötz'ich der
Gedanke, daß cs d2s seinige sei und sich
von Haufe verlausen haben mufs?; er
packte dahr das Kind auf und wanderte
mit demselben seiner Wohnung zu. Frau
stedman erlangte aber von dem Vo
gange Kenntniß und eilte dem McKellar
nach, um ihr Kind zurückzufordern. Da
gütliche Worte nichts fruchteten, so nahm
schließlich ein Polizist den Mann nach
dem Stationshause und vor den Richter,
wöbet derselbe aber nicht zu bewegen
war, oas simo aus leinen Armen zu
lassen. Vor dem Richter beh tupteke er
ebenfalls, es sei sein Kind und war nicht
eher vom Gegentheile zu überzeugen, bis
seine eigene Frau mit ihrem Kinde im
Gerichte erschien.
macae eines verfcymayten
Liebhabers. In dem Oertchen Azalea
n Indlancl herrscht über eine Ver
giftungsgesch'chte g.oße Aufregung. Am
Lonnerstag feierte die schöne Tochter des
wohlhabenden Farmers Burdge ihre
.ycchzeit mit W. Peale. Zu dem Hoch
zeilciuate ',ren zahlreiche Safte ge
laden. Während desselben stellten sich
vet vielen von dnfen Symptome von
Vergiftung ein. Von der großen An
zahl Personen, welche an den Folgendes
genossenenGlstes erkrankten, befinden sich
die Herren Chas. White, John Whitc
und D. Burdge tn einem Zustande, der
eine Wiederherstellu g unmöglich er-
scheinen läßt. Die genannten Versonen
befinden fich .vielleicht heute nicht mehr
unler den Ledenden. Nur dem schnellen
und zweckmäßigen Eingreifen einiger
Aerzte würde es zu danken sein, wenn
d,e übrigen Erkranktem mit dem Leben
davonkämen. Man glaubt, daß sich ein
venchmahter Liebhaber von Frl. Burdge
gerächt hat. tndem er Gift unter di
Speisen mischte, denn sie war eine viel
umworbene Schöne. Eine strenge Un
terfuchung ist angeordnet worden, und
die Elenden, welche eine so schurkische
Nach? ausgeübt haben, werden ihrer
tssttan nicht entgehen.
Eine Familientragödie.
vet der eme deutsche Frau eines ihrer
K inder ermordet und sich dann selbst das
Leben genommen hat, macht in Bridge
Port, Conn., Aufsehen. Frau Lina Fick
wurde vor 13 Jahren getraut und seib
dem zweimal von ihrem Manne geschie
den. Von den drei Kindern behielt die
Mutter eine jetzt elf- und eine siebenjäh
rige Tochter. Die Kmder besuchten
ihren Vater fast taglich, und Frau Fick
pflegte ebenfalls hinzugehen. Trotz der
Trennung von ihrem Manne wurde sie
auf die Hausmirthin des Letzteren eifer
süchtig und in diesem Zu,tanoe, der
jedenfalls auf ihren Geist einwirkte, er
klärte sie, sie werde sich und den Kindern
das Leben nehmen. Am 11. Oktober
nahm sie die Kinder nach dem Seaside
Park und versuchte, das ältere Mädchen
zum Selbstmorde zu überreden, indem
sie ihm vorstellte, daß in wenigen Minu
ten all' sein Kummer enden und es in
eine bessere Welt eingehen werde. DaS
Kind ging jedoch nicht in's Wasser. Am
Sonntage (13. Oktober) schrieb Frau
Fick eine Anzahl Briefe, die sie in ihrer
Wohnung hinterließ und mit ihrem
Mädchennamen Lena C. Brand unter-
zeichnete. In einem der Schreiben gab
sie den Namen des LeichenbeftatterS an,
der sie begraben sollte, uvd traf Verfü
gungen über ihre bewegliche Habe. Am
Abende ging sie mit ihren beiden Kindern
auS. küßte das - älterk Mädchen naq
emer Weile und sandte es zu seinem
Vater zurück. Zwei Tage später fand
man die Leichen der Frau und deS jün
geren KindeS in dem bei Bridgevort
votbeifließenden Flusse.
Die im Agricultur - De
partement eingelaufenen Berichte bezüg
lich der Baummoll-Ernte lassen ersihen.
daß in Folge der in Anbau genommenen
größern Bodenfläche die heurige Ernte
et-v t fünf Millionen Ballen Baumwolle
ergeben dürste. Man sieht hieraus, daß
die diesjährige Ernte der ausgezeichne
ten Ernte vom Jihre 1870 völlig gleich
kommt und die aller dazwischenliegenden
Jahre wüt hinter sich zurückläßt. Der
östliche Theil deS mit Baumwolle ange
pflanzten Areals wurde allerdings von
Stürmen heimgesucht, welche stellenweise
chaden anrichteten. In Texas ., ote
Ernte dagegen brillant ausgefallene In
manchen Eountics toll der Ettraz 1
Ballen per Acker sein. Den Transport
der Baumwolle haben freilich die gegen
das Gelbe Fieber verhängten Quaran
taine-Maßregeln beträchtlich gehindert.
Allein hoffentlich wird der erste Frost
hier Aenderung schaffen, und alsdann
der Baumwollhandcl und daS Geschäft
mit dem Süden überhaupt rasch wieder
aufblühn.
Dem Oberlieutenant Ben
ner von der Bundesarmee, welcher aus
seinem freiwillig bezegenen Posten der
Gefahr, dem nach dem Süden gesandten
Hülfsboote Chambers" dem gelben
Fieser erlegen ist, widmet ein eh?mali
ges Ribellenblatt in Vicksburg den fol
genden warm empfundenen Nachruf:
Als Soleat der Sterne und Streifen
schlug einst Benner sein Leben in die
Schatze gegen den starken streitbaren
Süden. Kürzlich aber ist er wieder nach
rem Süden gekommen als ein Streiter
für die leidende Menschheit, um voll
Güte und Liebe den Kranken und Ster-
benden Trost und Hülfe zu spenden, und
nun ist er gestorben für dasselbe Volk,
gegen das er, als cs stark war, im
Glauben an das gute Recht des Nordens
feine starke Hand erhob, und dem er, als
es schwach und g beugt war, die fanfte
Hand der Liebe reichte. Weder die Ad
mahnanaen von Freunden noch d e
Thränen seiner Gatt'N und feiner an
dern Lieben rermochten mn voa diesem
Liebeswerke abzuhalten. Nur ein Ober-
lieutenant auf Erden, hat er im Himmel
durch seine ausopftrnde Menschenliebe
und seinen schlichten Heldenmuth den
Vorrang vor den glänzenden Helden,
d.e in ihrem Flitterstaat und Ordens-
schmuck über die rauhen Schlachtfelder
un? durch die Prachnäle der Erde dahin
schritten. Der verwlttweten Gattin,
welche zu Atlanta im untröstlichem Leid
die Hände ringt, möchten wir sagen, daß
ein dankbares Volk seine thränen mit
den ihrigen vermischt. Ten zwei ilei
nen Waisen, die nie mehr sich der hülse
reichen Gegenwart tud des edlen Bei
p?els ihres Bakers erfreurn werden,
sagen wir: Der üden mit fctncm wui
den, aber edlen Herzen wird euch nickt
verqessen. sondein es wird ihm eine
heilige Pflicht s,in, mit einer Liebe für
euch zu sorgen, die so tief ist wie der
schmerz, den dcr Suden über den Tod
eurrs Vaters empfindet Euer stolzestes
Elbe jedoch wird stets darin bcsteben.
daß ihr d:e Nachkommen Benner's seid."
der Aerzte Bieter Hugo von seiner Fc-
milie nach Guernsey gebracht ist. Ft
garo' erzählt einige Züge, die aller
d.nzS befürchten lassen, daß ver Größen
mahn, an welchem der berühmte Dichter
schon lange gekrankt hat, bis zn einem
Grade gediehen ist, der eine Störung
feines geistigen Gleichgewichts wahr
scheinlich macht. Neulich schon, aus dem
Congresse über das Eigenthumsrecht,
setzte er die Anwesenden durch, seine
Heftigkeit in Erstaunen. Ein Mitglied
hatte sich erlaubt, anderer Meinung als
Victor Hugo zu sein, worauf dies-r auf
fuhr: .Ich kann nicht gestatten, daß man
spricht, nachdem ich gesprochen habe, ich
kann nicht gestatten, daß man fich die
Freiheit nimmt, andere Beschlüsse als
die meinigen anzunehmen." Der Aus
druck, den Victor Hugo bei diesen Wor
ten annahm, gab schon damals zu der
Vermuthung Veranlassung, daß den
Aeußerungen eine anormale Ursache zu
Grunde liegki ' '
Der alte, kranke Garibaldi
beunruhigt die Regierung von Italien
nicht wenig, sie glaubt, er arbeite aus!
Europäische Vopnachrtate.
einen Krieg gegen Oesterreich hin und
SZttSZüttViZÄeS.
JnAscoli-Piceno in
Iren stürzte in Folge eines heftigen Erd-
stoßes das Haupliheatec der Stadt zu
sammen, wobu nicht wenige Menschen
leben ve:lorrn qnzin.
n der Berl. Freien Presse"
unc r:n Vorwärts machen In Letter
ver Socialoemckratie öffentlich bekannt.
daß die Allgemeine Deutsche- Associa-tions-Buchdrnckerei
zu Berlin. (Einge-
tragene Genossenschaft) eine auß?rordent
liche Generalversammlung am Sonntag
den 3. Nov. abHalt. Auf der Tages
ordnung steht: Antrag des Vorstandes
auf Liqntdatio.l des Geschäfts.
Von I it l e s Simon soll in
den nächste Taaen ein zweiländiaes
Werk unter dem Titel: Le Gouverne
ment de M Thiers (Die Regierung
des Herrn Thiers) erscheinen, welches
eine Gc chlchre der Erelgnine vom S
Februar 1871 bis zum 24. Mai 1873
liefern und mehre c bisher unverösfeüt-
lichte Briefe des verstorbenen Präsiden
ten enthalten soll.
Hut Behandlung pollti
scher Gegangener in Deutschland liegen
heute zwei interessante Beispiele vor.
Die sozialdemokratlscve Wests. Freie
Presse" (Dortmund) schreibt: ,,U:,sece
Genomen, die Reeakteure Onerinznn un)
Kühl, sind bei ihrem Transporte nach
Hamm bez. Münster mt anderen Ge
fanenen wie gemeine Verbrecher mit
Ketten aneinander geschlossen worden."
Wir lesen ferner im Vorwärts":
Partelgcnosie Erunewald zu Altenburg
ist am Montag früh. zusammeneschlo,s-
sen mit einem Betrug r, in die Strasan
'talt nach öJcbtershanien transpoltirt
worden.
Das Studium der Medizin
ist in ganz Europa in f'leter Zunahme
begriffen, und der Besuch der einzelnen
Universitäten Seitens der hierbei in Be
tracht kommenden Siudir.ndcn von man
nigfachem Interesse. Von cen Univ ri
täten, auf welchen in deutscher Sprach?
gelehrt wird, zählten im eben abgelaufe
nen Sommerhaldjahr die meisten Wien,
nämlich G"8; es folgen W.irzdurg mit
457. München Mit 450. Torvat Mit 387.
Berlin (ohne die, welche die militärifche
Laufbahn einschlagen) mit 346, Leipzig
Mit 335, Gccifswalo mit 233, Zürich
mit 184, Freiburg mit 11, Breslau
mit 178, Straßburg mit 168, Tübünacn
mit 164, Graz mit 161, Bonn mt 154,
Bern mit 137, Königsberg rmt 135, Er
langen mit 103. Heidellierz mit 1(,3,
Kiel mit 92, Jena mit 87, Basel mit 70,
Rostock mit 39. Unte.' den hier aufge
führten medicinischen F-cultäten nii.zmt
Berlin die fünfte. Bonn die vierzehnte
Stelle ein.
Berliner Blätter melden
halbamtlich: Socialdemokratische und
fortschrittliche Blätter glauben als den
preußischen Prinzen, welcher nach Be-
d ls Aeußerungen Lassalle beim Fürsten
Bismarck eingeführt habe, den verstor-
denen Prinzen Friedrich bezeichnen zu
dürfen und zwar unter Berufung auf
emen Brief Lassalles aus dem Jahre
1843, aus welchem hervorgeht, daß
Prinz Friedrich damals Lassalle gekannt
habe. ES liegt auf der Hand, wie rnv
wahrscheinlich die Behauptung ist. daß
jene sehr weit zurückliegende Bekannt
schaft des Pr nzen mit Lssalle auch nach
des Letzteren Auftreten als sozialistiscker
Agitator fortgedauert haben soll. Die
Sache erledigt sich aber mit Ausschluß
jedes Zweifels dadurch, daß der Prinz
rm Julr 1863 starb, nachdem er schon
geraume Zeit schwer leidend ohne jede
Beziehung zur Außenwelt gewesen war.
Von ihm konnte also eine Empfehlung
Lassalle's an den Minister Bismarck
Ende 1862 oder 1863 Nicht ausgehen.
Nach dem Figaro ist Vic
tor Hugo körperlich und geistig krank.
In Folge einer Kaltwasserkur war ein
bedenklicher Blutandrana nach dem Kovfe
bei ihm eingetreten, so daß aufAnrathen
fürchtet seinen gewaltigen Einfluß auf
das italienische Volk. Garibaldi beab
sichtigt, den Winter in Ligurien zuzu
bringen, weil die Winde von Caprera
sein rheumatisches Leiden fördern. In
Wirklichkeit, so fürchtet man ,n Rom,
kommt er nur in der Absicht aus den
Conlinent, um die Schützenbewegung zu
leiten. Dieser Jntentwn wird aber der
Minister Zarnardelli dadurch entgegen-
wirken, daß er einen Sejetzentwurf tu
der Kammer einzubringen leabstchttgt,
welcher die aesedliche Regelung des
Schützenwesens in Italien zum Zwcck
hat. Die Riaierung. auch von Rück
sichten aus die Nachbarmächte geleitet
will wcht, daß die Schützenbemegung ein
Werkzeug in den Händen Garibaloi'icher
Elemente werde.
Die Polizei in Rom hat
wenn das W. Fremdenblatt gut unter
richtet ist, kürzlich einen interessanten
Farig gemacht. In einem prächtigen
Hause in der Lia Flaminia entdeckte sie
eine wohlarganisirte Dtebsgesellschast,
der mehrere ancesehene Buraer dcr ewt
gen Stadt angehörten. Die Gefellschaf
hatte ihren eigenen Verwaltungsrath
dann zwei Directoren, vier Vlce-Direc
toren und einen Cassirer. Der Ver
waltunqsrath berieth über die auszufüh
renden Einbruch?, Diedstähle tc. Alles
wurde g-uau zu Protokoll gegeben. Das
jährliche Gehalt eines Direktors betrug
12 000 Lire. Ten Vorsitz un Vermal
tungsrathe führte immer das älteste
Mitglied desselben. Zar Verfügung
cer Direktion standen n dem Hause
zwei Karossen und vier Pferde. Zum
Abrichten ihrer rangen Mitglieder hielt
sich die Gesellschaft einen eigenen In
siructor und an ihre kranken und alten
Mitglieder verabreichte sie regelmäßiae
Unterstützungen.
Die französischeRegierung
hält die Zeit wieder einmal sür günstig,
um die Augen auf die Colonisirunq Al-
giers zu lenken. Das Amtsblatt bringt
ein langes Deeret über Landesben?'.lli
aungen. Nach diesin Anordnungen zer,
faäen die Länd.reicn im ersten Gürtel
rmer Bevölkerung in Dorf- und Maierei
Lole. deren Marimum für jene 40. kür
dies: 200 ha beträgt. Diese Lose kon
nen vo,n (Seneralaouverneur, von den
Präfectcn und vom commandtrenden
General einer Division an Franzosen,
naturallsir.e oder um Naturalistrung
eingekommene Europäer unentgeltlich
vergeben werden, wnn sie die nöthigen
t a - Bürgschaften, uoer welche dte Behörden
zu entscheiden yaven, uno ein Kapital
von lSOFrcs. für den Hetäre Mater-
eiland aufweisen können. Die Colonistcn
müssen fünf Jahre wirklich und thätig
auf dem geschenkten Grund und Boden
wohnen und crha'ten erst nach dieser
Frist daS endgültige Eigentumsrecht,
önnen es indessen schon nach drei Iah
ren bekommen, wenn sie nachweisen, daß
ie 10 ) Frcs. auf jeden Hektare zur Ver
besserung verwandt haben. Die ge
schenkten Grundstücke sind zehn Jahre
rei von Abgaben, können aber nur bei
Aufnahme v?n jkapüal, daS zu Zer-
dcsscrungen der Aecker dient, verpfändet
werden.
Hadschi Loja befindet
sich schwerkrank, ganz bülflos, ohne Srzt
liehen Beistand auf einm in der Gujila-
WMrt?rtrt Iitfi-tflriSnrt flstjotorfin? nä SW.
rntiuiu .vitv.ii w v vbv . y
S?jertsch:tsch. Dort wurde der wilde
Häuptlinz von einer vom Oberlieutenant
Stipetic commandirten Patrouille des
Jnfanterte-Regiments Erzherzog Joseph
gefunden. Er ist vor dem Kriegsgericht,
welchem der Oberst Auditor Bunan prä
stdirt, bereits verhört worden. Ueber
seine Gefangennahme wU'de von Seiten
des Armeecommandanten Philippovich an
den Kaiser von Oesterreich telegrapyi
sche Meldung erstattet. Mit derselben
war gleichzeitig die Anfrage verbuf dcn,
welcher Art gegen den gefanzenen In
surgentenführer vorgegangen werden
soll. Von Seiten der kaiserlichen Mili
tärkanzlei soll gle chfalls telegraphisch
ö!e Antmvlt ertheilt worden sein, daß
man der MiNtärjustiz ihren Lauf lassen
mög?. Während ein österreichisches Blatt
nun meint, daß Hadschi Lojz, woiern
ihm nicht nachgewies n werde, daß er
Befehle zur Ni.dermetzelung wehrloser
Gefangenen ertheilt habe, als Kriegsge
fangener behandelt werden müsse, siegt,
cm anderes diesen Räuber besserer Art"
am Galgen seine Laufbahn beschließen.
Nach der bisherigen österreichischen Ge
pflozcnhcit düifte das letztere Recht be
hallen. Bei der geringen Vedeu
tunq wird aus Koppenhaaen unterm
2. Oktober geschrieben zn wekcker in
der Jeptzeit unsere Flotte herabgcsun
ken ist. hat sich das Torpedowksen. wel-
ches bei der Vertheidigung unserer Kü
sten eine Hauptrolle zu spielen bestimmt
ist, einer um so gi ößern Berücksichtigung
bei uns zu erfreuen gehabt. W-r haben
ein rech, anfeynlicr.es Torpedomaterial
und es werden umfassende Versuche und
un? Uebungen sowohl m Dänemark al
lein als auch zusammen mit Schweden
und Norwegen vorgenommen. Ggcn-
warttg nnden Uebungen auf der kopen-
hagener Rhede statt und wird U.A. auch
mit Stoßminen, die mit Scdießbauir
wolle gefüllt sind, experimentiet. Ge
stern ereignete sich dabei ein großes Un
glück. Die fechs Fahrzeuge, welche an
der Uebung Theil ncbmen sollten, lagen
auf einem Punkt zusammen und ein
Torpedobot von Samuel White's Con
struction trug die Stoßmine aus einer
Stange vor dem Bug. Die Mine sollte
während der Uebung durch einen elektri
schen Apparat entzündet, vor der Ab
kahrt sollte der Gang desselben noch ae-
prüft werden. Es muß dabei nicht die
gehörige Vorsicht angewandt worden
sein, denn plötzlich explodirte der Tor
pedo mit ganz entsetzlicher Wirkung.
Sämmtliche Bote wurden mehr oder
minder stark beschädigt und zwei dersel
ben nur durch die wasserdichten Abtbei
lungen, mit denen sie versehen waren,
vor dem Untergehen bewahrt. Drei
zehn Menschen wurden verletzt, einige
von ihnen sehr schwer, wenn auch nicht
gerade lebensgefährlich. Die G bäude,
welche in der Nähe aus dem Strande
liegen, wurden zum Theil stzrk beschä
digt, e n durch Latten gestütztes Plan-
kenwerk war wie weggefegt. Und dies
ft vkisnMatt ob dkuttcken Leitungen ,usam
- - mengestellt.)
! Provinz Ostpreußen.
Gumbinnen, 3. October. In Pus
pern - ist heute früh Gustav v.
Deutsch gestorben. Die Danz
Ztg.," deren Redaction er in den Iah
ren 187677 angehört hat, schreibt
über ihn : G. v. Deutsch war im Jahre
1825 in Graventhin (Kreis Pr. Eylau)
geboren, studirte in Königsberg und
Heidelberg Jura und war dann alk Re
serendar bei dem Ostpreußischen Tribu
nal beschäftigt. Die Manteuffelsche Re
action veranlaßte ihn, aus die Staats
laufbahn zu verzichten und nach den
Vereinigten Staaten' von Amerika aus
zuwandern. Dort studirte er daS eng
lifch-amerikanifche Recht und prakticirte
dann ach bestandener Staatsprüfung
als Advocat in mehreren Städten der
Union. An dem Secessionskrieg nahm
er als Oberftleutenant in einem Caal
lerie-Regiment der Nordstaaten Theil.
Die an diesem Feldzuge erduldeten
Strapazen haben wohl den Grund zu
dem jahrelangen Leiden gelegt, das ihn
veranlaßte, 187 nach Europa zuruclzu
kehren, um von demselben Heilung zu
suchen, und dem er jetzt erlegen ist. Er
lebte bis zu seiner Uebersiedelung nach
Danzig in Königsberg. Von Danzig
verlegte er, in der Hoffnung, durch das
günstig' re Klima Erleichterung zu sin
den. seinen Wohnsitz nach Trieft. Da
die e Hoffnung sich nicht erfüllte, kekrle
er diesen Sommer in seine Heimaths
Provinz zurück.
Provinz Posen.
Posen. 7. Oct. AuS Strzelno wird
der Post" vom 8. d. Mts. telegraphisch
gemeldet: Gestern, am Versöhnungsfefte
der Juden, stürzte die Decke der Syna
goge ein. Mehrere Personen find stark
verwundet, andere erhielten leichte Ver
letznngen. ProvinzPommern.
Greifswaldt. den S. Oct. Durch Be
schluß des Königlichen Appelleationsge
richtS Hierselbst ist der Lehrer Ebrcnfncd
zu iLUtzrom-Wlcci wegen oes an ,ei
ner Ehefrau im Frühjahr d. I. angeblich
verübten Giftmordes definitiv in den
Anklagestand versetzt worden.
Provinz Schlesien.
Ratibor. 6. Oclober. Der .Ob,
Anz " veröffentlicht heute folgende Mit
theilung: Wir meldeten gestern die Auf-
findung der Leiche des Gendarmen Sper-
lich auf d.r Dorfstratze rn Deutfcö-Kra
ivam. bemerkend, daß eine unnatürliche
Todesart icht anzunehmen wäre. Lei
der hat die gestern erfolgte Section der
Leiche ein furchtbares Verbrechen ergeben.
Sperlich ist tn der Nacht vom 2 zum 3. d.
IV. auf der Dorsztrage von Teutfch-Kra
rarn. ungefähr 15 Schritte vom Holu
bet'jchen Gasthause, erschlagen worden.
Für diese Annahmen sprechen 6 Wunden
im Gencht. von denen eine minretartige
über dem Auge die Zertrümmerung des
ganzen Hirnfchadels ergab und allein
hinreichte, den Tod herbeiznführen.
Außerdem fand sich eine Wunde am
.vtitcrkopf vor. Der Uebe?sall auf den
Gendarmen muß von zmer PerZonen
ausgeführt worden sein, von denen eine
ie Schlage mit einer Art, die andere
mit einem Knüttel geführt bat. So
weit sich bis jetzt hat feststellen lassen, ist
ein Vorfall Mit der verbrecherischen That
in Zusammenhang zu bringen, der sich
am Abend des Z. o. wt. tm H.'fchen
Wtrthshause tn Deutsch Krawarn eretg
tete. Der Wirth hatte eine Persönlich
eit wegen Ruhestörung aus dem Hause
gewiesen, worüber der hinzukommende
Gendarm seine Zustimmung ausdruckte,
Provinz Brandenburg.
Forst. 3. Oct. Gestern Abend in der
zehnten stunde siel tn der Restauration
der Wittwe H. hierselbst ein Mann rn
den besten Lebcnsiahren der Rachelust
eines Messerhelden zum Opfer. Der
Getödtete, Rollkutscher und feit G Iah
rrn beim Spediteur Hammer in Dienst,
verhratdet und Vater von 2 Kindern
hatte einen geringfügigen Wortwechfe
mit einem Arbeiter. Der Letztere wurde
m Gemeinschaft mit einem Fuhrwerks
besitzer wegea Trunkenheit und Streit
tust aus dem Lokal verwiesen: wenige
Minuten darauf verließ auch der Roll
alscher das Gastzimmer und erhielt au
dem Hausflur von dem Arbeiter einen
Messerstich mitten ins Herz. Der Tod
trat auf der Stelle ein. Der Verbre
cher ist z,var flüchtig, dürfte abcr der
seiner harrenden Strafe schwerlich ent
geben.
Brandenburg. 1. Oct. Unter den
Lehrern von Liebenwalde und Umze
gend herrscht gegenwärtig große Reg-
amkeit, um am 8. d. Mts. das 50iah
r:gz Ltmlöiuvitaum ccs wurvtgen uno
verdienstvollen Eollegen Kulicke feierlich
zu bcaeden. Obgleich der Jubilar ta
liche Feierlichkeit und Auszeichnung des
Taaes adgeletznt hat. lauen eS sich die
hrer dennoch mcht nehmen, den Tag
recht festlich zu gestalten.
Berlin, 7. Oct. Am ersten Sonntag
jeden Monats ist der Eintrittspreis in
en Zoologischen Karten auf 25 Pfg
cmäßigt. Er war auch gestern mcht
erdöht, obgleich die Nubier noch immer
dort zu sehen sind. Die Folge war eine
wahre Völkerwanderung nach dem Zoo
cgischen Garten, der gestern vonL2.000
Personen besucht wurde. Ein ähnlicher
Zndrang fand selbst an jenemTage nicht
statt, wo dtt Mitglieder des Eongresses
d'.n Zoologischen Garten besuchten. In
dessen ning Alles ruhig und ordentlich
zu. Em Künstlerstern ersten Ranges.
der Jahrelang ruhmvoll über unserem
Opernhzufe czealanzt. in erloschen: am
Abend des 5 October starb in der Was
serheilanstalt Göcberödorf in Schlesien,
wo sie Genesung von ihren Leiden ge
sucht, Frau ouizs äanter
W i p p e r n , königliche Kammer
sängerin. Etnst der Liebling
der Berliner und fast ebenso hoch
ge chatzt wte d.e unvergeßliche Paulme
Lucca, hatte die Künstlerin das Unglück,
auf einer Gastspielreise nach Königsberg
nch eine Eikalmng zuzuziehen, deren
Folgen sie niemals ganz überwand.
ProvinzSachsen.
Magdeburg, S. Oct. Die social
demokratische Genossenschafisbuchhard-
lung hat sich genöthigt gesehen, aus Er
vffnung des Concurfes anzutragen.
West fallen.
Muniter. den 2. Oct. Gestern sind
zwei Priester und ein Tiacon, welche ihr
FreiwlUlgen-Jayr beim Militär abdie
nen mußten, entlassen worden; gleichzei
tig sind wieder vier Priester als Solda-
ten eingetreten.
Hagen, 4. Oct. Die B.-M. R
schreibt: .Ein junges Mädchen von fünf
fahren in der benachbarten Oege spielte
mit einer Bohae, nahm dieselbe schließ
lich in den Mund, verschluckte sie und
war in Felge Erstickens trotz aler ange
wandten Mittel in 10 Minuten eine
Leiche.-
Münster, ö. Oct. Der Wests. Merkur
schreibt: In verschiedenen Gaftwirth.
schaften unferer Stadt, findet sich ein,
wie eS fcheint, von entlassenen Ein
jährigFreiwilligen der Artillerie ver.
faßteS lithographirteS Circular, welches
über angebliche Mißhandlungen singt,
die den Einjährigen namentlich von zei
Sergeanten zu Theil geworden seien.
alles war die Wirkung von nur 25 Pfd. Von gebrauchten Bezeichnungen wird
Scbiekbaumrvolle. Ids itefiTtrfn Rn,,,,, nikr-n
w -w M ' - f(Mf V 's VM Vt
.Lumpevunde", HaÄuuken- ' und
.CchwelNdnde'' namhaft gemacht; fzst
ein ?edtt Rekrut sn geohrfeigt und niZ;t
selten seien Statt mit dem Säbel rn-ß.
handelt und d-""lten geschlagen,
daß das Blut hervrTrqm. . JnewcA
Falle habe der mchhanöelt anonler
sogar, vier Wochen im Lazcr'lh zu
bringen müssen.- Sodann wird me
ganze Liste einjähriger und dreijähriges
Freiwilliger angeführt, welche angeblich
im Stande - sem sollen, diese JUci,
fachen eidlich zu bekräftigen. Bei der
Aukreauna. welche die Sacke in imsr
Bürgerschaft hervorruft, ist wohl nicht
zu zweifeln, daß die Militärbehörde eine
sorgfältige Untersuchung anstellen wird.,
um diese Thatsachen - in das richtige
r i n r v i, v v r .
i5icpi zu ieuuii uno cnyocoer oieie er
aeanten oder ihre Verleumder iu le
strafen.- . . : ,-- '
f!?filtttnrntiinx . '
7 - - T - O-
Linz, 4. Oct. Mit der Vorlese haben
rnsere Winzer seit gestern begonncn.
DaS Erträgniß bildet, laut der Rhein,
u. Wied'Ztg.", waS die Qualität anbe
langt, ein besriedigendeS (in den meisten
Lagen rechnet man auf einen guten Mit
telmein). Quantitativ genommen ist
daS Erträgniß ein wenig zusriedenstel
fco 5?pnifr3f(e in Nerbinduna mtk
RohsSulniß und Wurm haben allzu sehx
gewirthkchaftet. '
Düsseldorf, 8. Oct. Hier konnten
von einunddreißig jungen Leute, die
sich zum Examen für den einjährig sreu
willigen Militärdienst gemeldet hatten,
nur vier zum mündlichen Examen zuge
lassen werden, und von diesen vier de
standen drei. Das dürste, bemerkt die
Mbf.Ztg. wohl daS schlechteste der
schlechten Resultate sei?, welche wir bis
her zu verzeichnen hatten.
Wesel, 4. Oct. Ein früherer Olficier
eines hiesigcnJnfanterieregimkntS, Lieu
tenant Soenke, ist der Cref. Zkg." zu
folge im Görlitzer Walde im Pistolen
duell, welches er mit einem Krieqskam?
radcn hatte, erschossen worden. DieNach
richt hat hier um so größereTbeilnhme
gefunden, als der Gefallene bei seine
hier noch dienenden Kameraden sehr be
liebt war.
Trier. 4. Oct. Eine mysteriöse Ver-
giftungs Affaire bildet, so schrndt die
,Tr. Ztg.-, seit gestern Mittag den Ge
k.enstand des Startgespraches, dezw. der
polizeilichen, ärztlichen und gerichtlichen
Untersuchung. Der Photograph Paul
F., ca. 25 Jahre alt, zult tzt in Condition
zu Köln, traf vorgestern in Gesellschaft
eines Mädchens, anscheinend 17 bis 18
Jahre, ebenfalls aus Köln, hier ein und
übernachtete mit seiner' Reisegefährtin
in einem hiesigen Gasthause. Gestern
Vormittag kam er dann in höchst er
regtem Zustande zu einem seiner Be
kannten und erklärte diesem auf die
Frage nach dcr Ursache seiner Aas
regung, er und das Mädchen hätten sich
in verwichener Nacht gleichzeitig ver
giften wollen. Auf die weittre Frage,
wo denn das Mädchcn fei, erwiderte er:
Das ist todt! Bei ihm hat da Mittel
gewirkt, bei mir leider nicht genug. Ich
habe nur starke Leibschmerzen Beide
hatten, wie er sagte, das schnell tödtlich
wirkende Cyankali, welches in der Photo
graphie verwendet wird, in ausgelöstem
Zustande genommen. Die Sache wurde
auf dem Polizeiamte angezeigt, und bei
der unverzüglich vorgenommenen Re
cherche fand man das Mädchen todt im
Bette liegend. F. wurde zur Heilung
ins Hospital gebracht, wo ihm aber der
Arzt, Hr. Dr. Weis, bei der näheren
Untersuchung erklärt haben soll, daß er
lF.) gar kein Gift genommen habe. Der
( U s lnm i n i f r. A ( h ivltl-fät ltMrt nX
JC-IUICI IfUltC VUiUU Ut-llUfV4 UilV tu
Jufliz-ArresthauS abgeführt
Hessen-Nassau.
Wiesbaden, 4. Okt. In Beziehung?
auf die Versicherung der Fabrikarbeiter
gegen Unfälle seitens der Fabrikbesitzer
besteht rn dem Regierungsbezirk WieS
baden eine löbliche Einrichtung, welche
eine allgemeine Verbreitung vervient
Es werden fast allgemein von den Fabri
kanten ihre Arbeiter nicht nur ggen Un.'
fälle versichert, welche den Fabrikherrtk
gefetzlich (nach dem Haftpflichtgesetz) zum
Schadenersatz verpflichten, sondern über
Haupt gegen alle Unfälle. Nach den
Uebersichten einer im Regierungsbezirk
Wiesbaden sebr benutzten Versichern gj
dank pro 1877 haben etwa 73 Procent
der bei ihr gegen haftpflichtige Unfälle
versicherten Arbeitgeber ihre Arbeiter
gegen alle Unfälle versichert. Es sind in
dem gedachten Regierungsbezirk von die
ser Versicherungsbank während des vorp
gen Jahres außer 30 Unfällen, für
welche auf Grund des Haftpflichkgefetzes
eine Entschädigung erfolgt ist, in weite
ren 132 Unfällen Entschädigungen ge
zahlt worden, so diß nur in 31 Fällen,
in denen eine Vrsich 'rung nur gegen
haftpflichtige Unfälle abgeschlossen wor
den, der Unfall aber en nicht haftpflich
tiger wir, keinerlei Entschädigung einge
treten ist.
Frankfurt, 4. October. Auf dem
Stadtamt kam gestern der unerhörte
Fall vor, daß Jsracliten, die für e'ne
Verstorbenen 11 Monate hng das vor
geschriebene Gebet (Kadosch) des TagS
zweimal verrichteten, den Lohn dafür m
einer ansehnlichen Summe einklaatea.
In der detaillirten zkechnung ist jedes
Gebot mit 20 Pfenn'ge angcfctzt.
Schlesivig-Holstein.
Jtzehoe, 7. Octo'ier. Von den
Fünflingen deS Schuhmach? K ay
in Lägerdorf sind bereits vier gestor
ben, und man darf annehmen, daß auch
daS letzte kleine Geschöpf seine Geschwi
ster nicht lange überleben wird. Die
Kaiserin hat dem reich gesegnete Vater
50 3Jc. aefchickt: von privater Seite stie
ßen die Geldgaben reichlich. Die Mut
ter ist wohlauf.
Hannover.
Norderney. 2. Oct. Leute Morgen
strandete am Nordstrande, etwa 20
Minuten östlich der Georgshöhe, eine
holländische Tjalk, Eavt. Koops, mit
einer Ladung Gypsstein von Bornholm
nach Brüssel bestimmt. An Bord deS
Schiffes befanden sich außer Eapitän
und Steuermann die Frau des Erstere
mit drn Kindern von 4. 3 und II Iah
ren. Der Capitan sät die Seinen, ohne
helfen zu können. 'in dem Meere erhin
kcn; bei einem Ncktungsversch, den er
machte, gerieth er selbst in Gefuhr und
wurde nur mit größter Mühe an den
Strand gebracht.
Wittlnaen. 2. Oktober. E,ne schau
dererregende Mordthat setzt unsere ganze
Gegend in die größte Auflegung. Die
Schneiderin Frau Röver von hier.
welche am Montag den hankensbüt'eler
Markt befuchte, ist auf dem Rückwege, in
dem Gehölze zwischen Jfendazen und
Glüfingen, von Mörderhand erdrosselt
worden. Allem Anschein nach hat zmi
chen dem Mörder und der Ermordeten
ein heftiger Kampf stattgefunven. I
ver Nahe ver eiche faiiv man aus ve
Sacken der Ermordeten ksSaarflechte,
Hut, Korb, zerrissener Kopfputz) eine alte
graue Mütze, ein Tafchentuch mit Brot
stücken, zwei Riemen und einen Brief,
aus welchem hervorgeht, daß der Thäter
ein Müllergeselle ist.. ..',.
Hannover. 7. DcL Eine uneramct'
iifi Vn islna sick laut ablast
am Donnerstaa Abend wischen 11 und - I
a lAui uu wtfc uiviuuiuni uv w- . ,
ancyeineno angerrunrener ?sizier w- i
pelte eine Dame an. die am Arm,: ihrkS
OAemnhli hS SKienea. tnm VII CCC ! t
Gatte sich dieses energisch verbcit, zos ' l

xml | txt