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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 13, 1882, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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Haft Du Kopfschmerzer.7
Leidest Da n Uerdulichkeit?
Haft Du unreine Blut?
Gelrauche
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Hamburger Tropfen
Citt Vswährtes SeUwiiKZ.
Segen
Qopffchmerzen
sicherer Wirkung.
Gegen
Nnverdaulichkeit
unübertrosse.
Gegen
Ma genleiden
on Tausenden empfohlen.
Gegen
Blutkrankheiten
on Aerzten verordnet.
Die Flasche Hamburger Tropfen listet
kent der sünsJlaschen 2 Dollar, fin in
tütn detschen Apotheken zu haben, oder er
den bei esteNungen im Betrage on $5.00,
ach Empfang bei Gelde, Irrt nach alle,
Ibeilen der Ber. Staate versandt,
tan adresstre :
. Sogeier A .,
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2 ekennte vorzügliche Dturel gegen
Rheumatismus,
Neiße im Gesicht,
Glieder,Reißen, Frostbeulen,
Gicht, Hexenschuß,
Kreuzweh, Hüftenleiden.
Bvondwnnden,
Verstauchungen, Steife Hals,
Quetschungen, Brühungen,
frische Wunden und Schnittwunden.
Zahnschmerzen,
geschwollene Brüste, Kopsweh,
Rückenschmerzen,
Aufgesprungene Hände,
Gelenkschmerzen,
Ohrenweh.
and tle Schmerz, welche ein äußerliche!
Mittel benöthigen.
in, Fletsche t. Jakob Oel kostet
. (fünf Flaschen für $2.00), t wieder
Azotheke zu haben oder wird bei Bestellung
on nicht weniger all $5.00 frei nach Heu
steilen der Ver. Staaten versandt,
aadresftre:
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Baltimore, lfe.
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uSlündische Z??achrichten.
Yrovtnz LchleNkn.
Bre Slau. Der auf der Mahlgasse
ohnende HauLdesttzer und Kaufmann
Petenoitz überraschte den Zimmermann
Kan Flevig. welcher, um einen Dtev-
novi auszuführen, in den Varten deö
ersteren eingestiegen war. Bei dem dar,
auf entstandenen SZingen drückte F. dem
P. die Kehle zu, sa daß, als auf den
Hilferuf einige Hausbewohner herbeieil
ten, P. bereits als Leiche auf dem Boden
lag. F. wurde verhaftet.
N e u r o d e. Der in Ober-Walditz
wohnende Rittergutsbesitzer v. Tfchisch
witz gerieth mit seinem Zbranntweinbren:
ner in Streit, der schließlich in Thallich
keiten ausartete, wobei Tsch. mehrere
Messerstiche in den Unte,leib erhielt, so
daß an seinem Aufkommen gezweifelt
wird.
Provinz Taevse.
Aschersleben. Vor dem Hause
der Firma März & Hahn brach ein Theil
deS behufs Anstrichs des Hauses aufge
stellten Gerüstes zusammen, so daß drei
auf demselben arbeitende Malergehilfen
drei Stockwerk tief auf die Straße her
abstürzten. Einer derselben ist bereits
auf dem Wege nach dem Krankenhause
? gestorben, die anderen zwei wurden
chwer verletzt.
Halberstadt. Aus dem Bezirk
unserer Handelskammer kommen häufig
Klagen über den Niedergang des Ge
schäfts in Leinen-, Manufaktur-, Posa
mentier- und Kurzwaaren u. f. w. Die
ser Niedergang wird nicht auf die'Zollxo
litik, fondern auf den immensen Auf
schwung des Gewerbes im Umherziehen
zurückgeführt.
Staßfurt. Der Zuzug von Ar
beitern nach den beiden Fabrikorten Staß
fürt und Leopoldshall veranlaßt Man
gel an Wohnungen. Den Gesellschaf
ten, welche jetzt neue Fabriken bauen, ist
zugleich mit dem Bauconsens die Bedin
gung gestellt, Arbeiterwohnungen zu er
richten. Provinz Westfalen.
M ü n st e r. Amtlich angestellten Er
Mittelungen zu Folge hat die Besserung
der wirlhschaftlichen Lage unserer Pro
vinz im vergangenen Jahre erfreuliche
Fortschritte gemacht. Die Einfuhr von
Rohstoffen zu Fabrikationszwecken und
ebenso von Konsumptibilien, speziell von
Kolonialwaaren, Hut sich bedeutend ge
steigert. Die Ausfuhr von Jndustriesa
brikaten hat sich betrachtlich gehoben,
deren Einfuhr dagegen abgenommen.
DieS gilt ebensowohl von der Steinkoh-len-
und Eisen- als auch von der Tertil
industrie mit Ausnahme der Leinen
branche, der GlaS-, Papier- und Leder
industrie. Anholt. Von betheiligten Kreisen
ist das Projekt einer schmalspurigen
Bahn neueren Systems, welche von Rers
ausgehend die Richtung über Empel
Anholt mit Abzweigung über Bocholt
nach Borken-Eoeöfeld nehmen soll, aus
gearbeitet und dem Eifenbahnminister
Mavbach zur Befürwortung unterbreitet
worden.
Rheinprovinz.
Duisburg. In einzelnen Zsei
gen der hiesigen Industrie ist im verflos
fenen Geschäftsjahre eine Besserung ein
getreten; manche andere haben zwar
ebensalls in der Produktion zugenom
men, klagen jedoch über gedrückte Preise.
Die Arbeiterbeoölkerung fand in letzter
Zeit volle Beschäftigung und ausreichen
den Verdienst.
Aachen. Gegen zwölf Geistliche ist
von der hiesigen Staatsanwaltschaft das
Strafverfahren wegen Vergehens gegen
die Maigesetze eingeleitet worden. Die
sämmtlichen Angeschulvlgten haben in
der Zeit vom 24. März bls zum 2. April
d. I. in dem Orte Bütgenbach des Krei
ses Malmedv eine sog. Volksmission ab
gehalten. Trier. Trotz des zerstörenden Ein
siusies des Kulturkampfes auf kirchlichem
Gebiete sind doch in dem diesseitigen De
kanat in den letzten 10 Jahren I I neue
katholische Kirchen erbaut worden und
die Erbauung von 3 weiteren Kirchen
steht in Ausficht.
Hohenzollern.
Hechingen. In unserer Gegend
ist wegen des durch Hagel- und Vturm
verursachten Schadens leider nur ein ge
ringer Hopfenertrag zu erwarten, was
um so empfindlicher rst, da hier ztemllcy
bedeutende Hopfenanlagen sich befinden.
Auf einzelnen Gemarkungen hat die
Hopsenpflücke bereits begonnen.
Sl)leSW!'Ho!sttt
E i s m a r. Als vor einigen Wochen
das HauS des Kaufmanns Böttcher hier
niederbrannte, lag bald der Verdacht ei
ner Brandstiftung vor. Ztzt hat nun
nach längerem Leugnen das 14jährige
Dienstmädchen im Haufe eingestanden,
das Feuer angelegt zu haben. Das
Mädchen ist gesanglich eingezogen.
Schleswig. Nachdem nunmehr
aus den einzelnen Theilen unserer Pro
vinz die Berichte über die diesjährige
Ernte vorliegen, kann dieselbe im AUge
meinen als eine günstige bezeichnet wer
den. Noggen hat eine reiche Ernte ge
geben, auch die Stroh-ErtrSge haben die
Vorjahre weit hinter sich gelassen; man
rechnet auf mehr als einen vollen Durch
schnitt 105 pEt. Auch bei Weizen wird
der Ertrag auf 10S pEt. geschätzt.
Gerste hatte in einzelnen Feldern durch
Fraß am Wurzelstocke gelitten, im Uebri
gen jedoch sich gut entwickelt, so daß daö
Gefammt-Ergebniß auf 106 pCt. ge
fchätzt wird. Hafer wird auf 108 pCt.
geschätzt. Der Fortgang der Bauarbei
ten an der Angler Querbahn ist in und
bei unserer Stadt in letzterer Zeit wie
derum in's Stocken gerathen, so daß es
nunmehr als feststehend angesehen wer
den kann, daß die genannte Bahn im
Laufe dieses Jahres nicht wird betriebs
fähig hergestellt werden können.
snuovtr.
Osnabrück. Seitens des land
wirthschaftlichen Provinzialvereins ist
eine Konkurrenz ganzer Wirthschaftsbe
triebe im Bereich der Morrwirthschaf
ten um StaatsprLmien für das
Jabr 1882 83 eröffnet worden.
Der Minister deS Innern hat für den
genannten Zweck die Summe von 1000
M. und 2 silberne Medallen zu Prämien
in Aussicht gestellt. Die Prüfung der
Wirthschaften übernimmt eine Kommif
sion, welche auch die Höhe der Prämien
betröge zu bestimmen hat.
P e i n e. Nach Mittheilung der
Direktion der Oelheimer Petroleum-Ge-sellschaft
betrug die dortige Produktion
im Monat August 9064 Ctr. gegen
8706 im Vormonat. Die Gesammt
Produktion von Januar bis incl. August
beträgt 74,395 Ctr. Vom 1. Juli bis
31. Dezember vorigen Jahres betrug
dieselben 30,700 Ctr.
4riw9iatIM
Frankfurt a. M. GroßeöAuf
sehen erregt hier die Verhaftung deS
Spieltenors des hiesigen Opernhauses,
Josef Eisenbach. Derselbe hat seiner
Kollegin Frl. v. Herger ewe Anzahl
Brillanten entwendet und soll auch noch
eine Menge anderer Diebstähle begangen
haben, welche schon seit längerer Zeit in
den Künstlergarderoben deS hiesigen
Theaters vorgekommen.
DaS vom Reichsgerichte gegen die von
dem ehemaligen Bankier Albert SachS
eingelegte Revision gefällte Verdikt hat
jetzt Rechtskraft erlangt; derselbe wirZ
zur Verbüßnng seiner 12jährigen Zucht
hausstrafe nach Köln überfuhrt werden.
Unter Hinterlassung einer Schulden
last von eo,00 M. ist der hiesige
Bäckermeister Pfeifer nach Amerika
durchgegangen.
SsrnsstttÄ Tachst.
Dresden. Im Streit um eine
Droschke hat der Baron Aug. H. Maria
v. Franken auö Plauen i. V. dem Kauf
mann Wenzel Beul gebürtig aus Ober
wald bei PeterSwalde und feit 14 Iah,
ren hier in DreSdert, geschlagen, daß
Beul blutend in die Arme seiner Braut
sank und später feinen Verletzungen er-
lag. Der saubere Baron, der verhaftet
ist, spielt jetzt die Relle eines Menschen.
der vollständig recht gehandelt haben will.
Der so unerwartet und schrecklich um's
Leben gekommene Beul ist der Sohn un
bemittelter hochbetagter Eltern.
Als am 2. Auluft die wre die
gouoernementale Presse wissen will, sich
meistens aus sozialdemokratischen Ele-
menten rekrutirenden Mitglieder der
hiesigen Central-Kranken- uns Sterbe-
kasse der Tischler, etwa 400 an der Zahl.
darunter viele Frauen, etne Dampfschiff
xartei nach Königstein unternahmen und
vielfach rothe Nelken an sich trugen,
schritt auf erfolgte Denunziation die
Polizei ein und belegte die 6 Vorstands-
Mitglieder jener Sterbekasse mit 30 M.
Geldbuße eo. 5 Tagen Gefängniß. DaS
Schöffengericht hat jetzt dieses Urtheil
umgestoßen und die Angeklagten freige-
tproßen, da es in dem Tragen von
rothen Blumen eine staatsgefährliche
Handlung nicht zu erblicken vermag.
Grobherzogthurn Hesse.
Darmstadt. Das Schöffengericht
verurtheilte den Direktor" des berüch-
tiaten internationalen Heiraths - Bu-
reaus, I. Kroner dahier, wegen Betrugs
zu 8 Wochen Gefängniß. Er hatte emem
Magdeburger orgeschwindelt, ihm eine
Frau mit 150,000 M. Vermögen schas
fen zu können und dem Leichtgläubigen
daraufhin 25 M. als Vorlage abzulocken
genutzt.
Mainz. Im werteren Voramchrei-
ten der Bahnumführung kommen in der
nächsten Zeit die Wegeunterführungen
zum Ausbau, welche zur Vermittelung
des Verkehrs von und jenseits der Mom
bacherstraße nach den rheinwärts gelege
nen Theilen der Neustadt bestimmt sind.
Diese Kunstbauten, die meist aus Eisen
konstrunt erden sollen, dursten der
Ludwigsbahn ein schweres Stück Geld
kosten.
In Lauterbach sOberhessen! ist
die Baumwoll-Spinneret Blitzenrod nie
dergebrannt. Bayern.
Aschaffenburg. Eine in Wiesen
stattgehabte landwirthschastliche Ver-
sammlung zur Besprechung der Lage der
Spessarter sprach sich für Begünstigung
der Auswanderung aus, um den über-
völkertcn armen pelsart - Gemeinden
dadurch Erleichterung zu gewähren. Auch
die Förderung der Hausindustrie wurde
warm empfohlen.
B a m b e r g. Die meisten fränkisSen
Zeitungen berichteten dieser Tage über
erne chauertyat, die sich in Breitenguß
bach zugetragen haben sollte. ES hieß
nämlich, der Oekonom Popp von dort
habe auf freiem Felde seine Frau, die
ihn vor kaum drei Wochen mit dem drit
ten Kinde beschenkte, derart mißhandelt,
daß sie, ihm entwischend, mit äußerster
Muhe und Noth ,hr Haus erreich!, um
doit ihren Geist aufzugeben. In der
That wurde Popp auch verhaftet und
m's hiesige Landesgerichts - Gesangmß
eingeliefert, jedoch schon am folgenden
Tage wieder entlassen, da die gerichtS-
ärztliche Sektion ergab, daß die Frau an
einem Gehirnschlag gestorben ist. Wahr
st. da sie einige Tage vorher mit ihrem
Manne in Streit gerathen und hiebei
von demselben körperlich mißhandelt wer
den war.
B u ch l o e. Die vom Schwurgerichts-
Hofe in Augsburg wegen Raubes und
Mordes zum Tode verurtheilten Wasen
meister Math. Täubler von hier und
Wasenmeistersknecht Gg. Wacker von
Tapfheim sind durch den König zu lebens-
länglicher Zuchthausstrafe begnadigt
worden.:
Freisinn. Vor einigen Monaten
hat der Unteroffizier Kleinecke des hier
garnlsomrenden 3. Cytv.-Negts., em
preußischer Kapitulant, den Soldaten
Winterstetter derart körperlich mißhan-
delt, daß dieser eine Gehirnerschütterung
erlitt und nach langem Siechthum am
Scdantage starb.
Hochstädt a. D. Auf der Neu
schrvaige geriethen die Knechte des Bau
ern Wiedemann in Streit, wobei Mich.
Heinel von Lauterbach den Joh. Bank
von Kicklingen durch einen Messerstich in
den Leib tödtlich verletzte.
Kirchheim. Der hier stationirte
Gendarm Xav. Haunstctter ist im Wald
bei Krumbach von drei Strolchen, die er
wegen Diebstahl im Wirthshaus? zu
Hairenbach verhaftet hatte und hierher
transportircn wollte, überfallen und
durch 19 Dolchstiche ermordet worden.
Aus der RYeinpfalz.
Speyer. In der schönen Pfalz
wird in diesem Jahr der deutsche Wein
baukongreß tagen und zwar vom 17. bis
24. September in Dürkheim a. H. Mit
demselben wird eine pfälzische Ausstel
luug von Weinbau- und Kellereigerä
then, Trauben und Obst verbunden wer
den, die voraussichtlich von sämmtlichen
einbautreibenden Orten der Pfalz be
schickt werden wird. Die Eongreßoer
Handlungen beschäftigen sich ausschließ
lich mit Fragen, welche auf die Wein
baukultur, die Krankheiten der Reben,
und die Weinbehandlung Bezug haben.
12 verschiedene Referate liegen vor, die
durch Fachmänner von großem Ruf be
handelt werden. Die Herbstaus sichten
haben sich in Folge eingetretenen war
men Septemberwetters wieder etwas
günstiger gestaltet, doch befürchtet man,
daß am oberen Gebirg, ws es voraus
sichtlich viel Wein geben wird, derselbe
ein Saueremus erster Klasse wird. In
Edenkoben und Umgegend wird auch über
starkes Ueberhandnehmen der Trauben
krankheit geklagt.
A n n m e i l e r. Die bei dem Eisen
bahnunglück bei Jphofen getödteten 800:
Schafe waren Eigenthum der Völcker
schen Schafhandlung dahier.
Herrenalb. Kürzlich besichtigte
der Minister v. Hölder in Begleitung
des OberamtömannS Mahle und des
Schultheiß Beutter die neugebaute
Straße nach Wildbad, bei der es sich
noch um die Ueberbrückung des EnzthalS
handelt. Die Kosten dafür sind auf
70,000 M. veranschlagt. Mit der Er
bauung dieser Brücke soll nun vorange
gangen werden.
Wurttttnvera.
Stuttgart. Der öl Jahre alte
Schuh machermeister Franz Paul Strie
gel aus Mißbronn in Bauern hat seine
Verlobte, die Wittwe Kath. Münz von
Welzheim, in deren Wohnung, Langftr.
23, im Bett mittelst eines Schusse in
die Brust zu ermorden versucht, auch sich
selbst nachher einen Schuß in die Brust
beibringen wollen, was ihm aber nicht
gelang. Ob die Verletzung der Münz
lebensgefährlich ist, konnte vorerst nicht
festgestellt erden. Striegel gibt als
Motiv an, daß die Münz ihr Vcrlöbniß
zurückgenommen und die Absicht gehabt
habe, nach Amerika abzureisen.
Leutkirch. In Tautenhofen wurde
eine auS mehreren Personen besiehende
Diebs, und Hehlervande ausfindig ge-
macht. Die Landlager fanden beider
selben eine Unmasse gestohlener Gegen
stand.
Saften.
Karlsruhe. Von den reichslän
bischen Blättern wird gegenwärtig mit
großem Eifer das halbvergessene Projekt
zur Erbauung eines Kanals von Straß
bmg nach LudwiaShafen wieder aufge
nommen. Der hiesige Stadtrath hat
vkzatv beschossen, .diesem für die oadi
schen Interessen so gefährlichen Plane
durch Betreibung eines Kanals Mann
heim Karlsruhe Straßburg auf basi
schem Gebiete entaegen zu treten und zu
diesem Behufe erne Commission aus
Mitgliedern des Stadtraths und der
Stadtverordneten ernannt.
B r e i s a ch. Die Schreckensnacht von
Hugftetten ist für die ganze Kaiserstühler
Gegend und den unteren BreiSgau ver
hängnitzvoll geworden. Sturm, Wol
kenbruch und Hagel haben verschiedene
Gemarkungen ganz empfindlich heim
gesucht ; am schwersten wurden geschädigt
die Gemeinden Jkrinzen, Merdingen
und Langendenzlingen ; in letzterer Ge
markung wurden Hanf, Tabak und Trau
den fast gänzlich vernichtet.
Donaueschinqen. Der neuliche
Besuch der durch Hagelschaden schwer
geschädigten Gegend des südlichen
Schwarzwaldes und der Baar durch den
Erbgroßherzog hat in den unglücklichen
Gemeinden große Hoffnungen erweckt.
Die Sammlungen in den vom Unglück
verschonten Gegenden find im Gange
und liefern freudige Ergebnisse, doch
werden weitere Mcß rahmen unvermeid
lich sein, um der drohenden Noth abzu
helfen, namentlich durch Schaffung von
Gelegenheit zur Arbeit an Straßen- und
Flußkorrektionen.
E t t l i n g e n. Der Handelsmann"
Nathan Dreyfuß von Malsch ist wegen
großartiger Betrügereien zum Nachtheil
der Landwirthe Benz in Völkersbach,
Neumater und Ochs in Schöllbrunn,
Haß in Bischweier und der Wittwe Klein
in Waldprechtsweier zu I Jahren Ge
fängniß und 3 Jahren Ehrverlust verur
heilt worden.
Elsaö'Lothrwge.
Straß burg. Da3 reichsländische
Ministerium beabsichtigt, im Elsaß eine
Muster - Hopfenbau Schule anzulegen
und hat zu diesem Zwecke bereit ewe
Fachautoritat mit einer diesbezüglichen
Studienreise durch Bayern, Württem
berg :c. beauftragt. Auch in dar' Art
hat die Germanistrung des Reichslands
Fortschritte gemacht, daß hier der Bier
konsum vielfach gegen den des Weins die
Ueberhand zu gewinnen beginnt; aller
dings ist namentlich Straßburg von
Alters her wegen der Vorzüglichkeit sei
nes BierS bekannt, nichtsdestoweniger
hat in der letzten Zeit der Export von
Stratzburger Bier einigen Abbruch ge
litten. Durch die in Aussicht genom
mene Hebung des reichsländische
Hopfenbaues hofft das Ministeriam je
doch auch die Ausfuhr des Straßburger
Bieres wieder bedeutend zu heben.
Urbeis. Der als Betrüger ent
larvte reiche Notar von Urbeis, dessen
Name Petitdemange ist, wurde in Alt
münsterol festgenommen und nach Col
mar in's Gefänguiß gebracht. Die Zahl
der von ihm betrogenen Clienten ist eine
stattliche und vermehrt sich noch von Tag
zu Tag.
etterreÄV.
Wien. Um das 600jährige Jubi
läum der Begründung der HabLburg'
schen HauSmacht in Oesterreich am 27.
Dezember d. I. recht würdig begehen zu
können, wird in den betreffenden Kreisen
jetzt schon mit den Vorbereitungen dazu
begonnen; in der letzten Sitzung deö
Gemcinderaths wurde bereits ein dahin
zielender Dringlichkeitsantrag" einge
bracht und einstimmig angenommen.
P a l a n k a. Der hier stationirte
Gendarmerie Postensührer Anuos er
schoß bei der Verlobungsfeier der Marie
Steinbach, um deren Liebe er vergeblich
selbst geworben, zuerst den Bräutigam
Moriz Reismann, den Vater der Braut
und vier andere Gäste der Gesellschaft,
ging dann in die Kaserne zurück und er
schoß sich selbst.
Lemberg. Der ruthenische Erz
bischof Sembratowitz hat fein Amt nie
beigelegt, und zwar auf ausdrückliches
Andringen der Regierung. Den ihm
angeborenen Ruhegehalt von jährlich
12,000 fl. hat er abgelehnt, indem er
feinen Eintritt in ein Ordenskloster an
meldete. Sweu.
Bern. Der Bundesrath ist geneigt,
die nöthigen Vorkehrungen zu treffen,
damit Schweizerbürger für die in Aegyp
ten erlittenen Verluste eine angemessene
Entschädigung erhalten.
A a r g a u. In einer Wirthschaft zu
Aarau gerieth de? Südfrüchtenhändler
E. Marchetti, etablirt in Zürich, mit
dem Scherenschleifer Motta bei Karten
spielen in Streit. Motta griff zum
Messer und tödtete Marchetti durch einen
Stich in die linke Brust; Wirth Egloss,
der abwehren wollte, erhielt zwei ziem
lich gefährliche, seine Tochter drei leich
tere Stiche. Der Mörder ist verhe ftet.
L u z e r n. Einen traurigen Einblick
in das Treiben der luzernerifchen Beam
ten gewährt der Prozeß des Leonz Jnei
chen, des gewesenen Präsidenten, Am
mans und Schreibers Ballmyl. Der
Angeklagte ist beschuldigt, öffentliche
Gelder im Betrag? von 70,000 Fr. un
terschlagen zu haben, und der Staatöan
alt hat eine Zuchthausstrafe von 12
Jahren beantragt. Es zeigte sich in die
fem Prozeß, daß verschiedene hochgestellte
Beamte ihre Pflichten in unoecantwort
licher Weise vernachläßigt haben.
Der RegierungSrath hat der jurassi
schen Gemeinde Les BoiS wegen wieder
lolt vorgekommener Unregelmäßigkeiten
tn der Schule den Staatsbeitrag entzo
gen. Der Stifter dieser Unregelmäßig
keiten war der dortige Ortöpfarrer Abbe
Gentil.
Luremvurs.
V landen. Die 0jährige Tochter
deS zu Metz wohnhaften Schreiners Wi
roth Peter, gegenwärtig da auf Besuch,
fiel am Vormittage des 6. September m
dek unterhalb der Ortschaft, im Ort ge
nannt Dampf" gelegenen Weiher,
allwo diefelbe sich mit andern Kindern
mit Blumenpftücken amüstrt hatte.
Trotzdem sie sosorr wieder aus dem Was
ser herausgezogen und alle möglichen
Wiederbelebungsversuche angewandt wur
den, gelang eö dennoch nicht, die kleine
Verunglückte vor dem Tode zu rettn.
K e h m e n. Die mit Stroh budach
ten Gebäulichkeiten, bestehend aus
Wohnhaus, Scheune und Stallung deS
AckererS Ludwig Theodor, wurden am
Abende deS S. September durch ewe
FeuerLbrunst zerstört. Die Möbel sonn
ten theilweise den Flammen entrissen
werden. Der Schaden beläuft sich aus
ca. 3500 Fr.
Fels. Am 21. August, gegen 5 Uhr
Nachmittags trat die Tochter des Schu
fterS H. Pier auS FelS in die TerLstätte
und fand ihren Vater eben der Schu
sterbank mit dem Gesichte auf denk Bo
den'liegen.' Als sie denselben aufhob,
that er noch einige Athemzüge, darri war
er todt ; ein Schlagfluß hatte ihn über
der Arbeit getroffen und seinem Leben ein
Ende gemacht.
Nur eine
Roman von K. L a b a ch e.
(Fortsetzung.)
Wallfels wendete sich verlesen ab:
fem Ton hatte doch zu sehr die thörichte
Hoffnung verrathen, der Ring sei für ihn
c ö . . c r t ? r n
veirrmnu. uno nun ourrre vre wesier
über ihn lachen. Aber Leonore achte
nicht an solche Uebermuth; sie eilte
wieder an Neßlers Seite, den sie heute
so lange als nur rmmer möglich bei sich
oeyalten mutzte, s plauderte und
scherzte mit bezaubernder Lebhaftigkeit,
sie ließ die Strahlen ihr reichen Geistes
voll erglänzen, erzählte .und fragte mit
solchem Geschick, daß der kleinen conver
sirenden Gruppe der Nachmittag wie eine
kurze Stunde dahwfloh. Schon began
nen die Laubgänge dunkel zu werden,
als die Baronin den Vorschlag machte,
in das Haus zurückzukehren. Und auch
dort, im Salon, am Theetifche suchte
Leonore das Gespräch gleich anregend
und ergötzend zu erhalten ; doch gelang
es ihr nicht mehr so gut, den Anderen
den Flug der Minuten vergessen zu ma-
chen. Baron WallselS begann sich nach
der Einsamkeit seines StudirzimmerS zu
sehnen, um ungestört gewissen, ihm aan.
ungewohnten aber sehr süßen Vorftellun-
gen nachhangen zu können. Neßler schien
etwas verstimmt, er hatte sich den Abend
doch etwas anders gedacht, hatte auf
Momente des Alleinseins mit seiner
Braut gehofft. Leonore blickte ängstlich
nach der Uhr und suchte die Conversation
immer wieder neu zu beleben. Endlich
erhob sich der junge Gelehrte und verließ
das Zimmer, und auch die Baronin zog
sich mrt emem Buche n erne Fensternische
zurück. Jetzt begann Neßler aufzu
athmen; jetzt mußten die seligen Augen
blicke kommen, von denen er geträumt
hatte. Er wandelte mit Leonore im
Salon umher und veranlaßte sie fastun-
merklich, in das Nebenzimmer zu treten.
Es war völlig dunkel darin. Hastig
zündete sie die Kerzen eines Armleuchters
an, dann fetzte sie sich aus emen der de
auemen Stüble und reiate aus ein Bucb.
das vor ihr auf dem Marmortische lag.
Bitte, lieber Baron, wollen Sie mir
nicht ein wenig vorlesen? Ich kann allein
Mit dem Roman nicht fertig erden ; ich
liebe diese Gattung Lectüre nicht; aber
man wird in der Gesellschaft fastunmög
lich, wenn man die neuesten Produkte
der modernen Schriftsteller nicht ge?
lesen hat. Ihr geschmackvoller Vortrag
wird mir den etwas trivialen Stoff ge-
wlg genießbarer machen.
Der Baron mußte mit wenig aufrich-
tigem Danke das Compliment entgegen
zunehmen und dem Wunsche der Gelieb
ten gehorchen. Nachdem er einige Capitel
gelesen hatte, versuchte er wieder eine
Unterhaltung anzuknüpfen und diese unf
dasjenige Thema zu leiten, daö ihn jetzt
einzig rnteresstrte, aus das Thema ferner
leidenschaftlichen Liebe für seine schöne,
spröde Braut. Aber Leonore zeigte sich
plötzlich sehr gespannt auf die weitere
Entwicklung deS Romanes und bat im
mer wieder, der Baron moae mit dem
Lesen fortfahren, so oft er sich auch un-
terbrach. Er griff nach dem letzten Mit
tel, um der für ihn höchst langweiligen
Lectüre zu entgehen, er entschuldigte sich
mit Halsbeschwerden, die ihm das anhal-
tende laute sprechen unmöglich machten.
Auch das half ihm nicht viel, denn Leo
nore hatte inzwischen eine Stickerei auf
genommen, von der sie kaum die Augen
erheben wollte. Von Ungeduld über-
wältigt, erfaßte der Baron endlich ihre
Hand, warf tickerer und bunte Wolle
auf den Boden und preßte seine Lippen
heftig auf die Wange des schönen Mäd
chen. Erschreckt erhob sie sich und wollte
aus dem Zimmer eilen, da erschien ihre
Mutter an der Schwelle.
Em Herr begehrt Dich zu sprechen
Leonore, sagte sie in sichtlicher Ausre-
gung.
Jetzt um die zehnte Abendstunde?
fragte der Baron befremdet.
Leonore hörte nicht aus ihn ; sie war
in einen Stuhl gesunken. Ein entschei-
dender Augenblick, der über das Glück
oder Eend uiisereS ganzen Lebens sein
Urtheil sprechen soll, hat etwas furchtbar
Ernstes und Erschreckendes. Angst und
Hoffnung machen aus der schwachen
Menschenseele ein Rohr, das von entge
gengefitzten Winden hin und wieder ge
peitscht wird.
Aber das starke Mädchen erlag nicht
lange der Gewalt ihrer Empfindungen;
bleich und mit zitternden Knieen raffte
sie sich auf uno sprach zu der Mutter:
Bitte, unterhalte den Baron, ich will
sehen, was man von mir begehrt.
vle trat in den alon und schloß die
Thüre hinter sich.
Präsident Noneseldl flüsterte sie.
Sprechen Sie leise, mein gütiger Pathe,
Baron cekler ist tm Nebenzimmer. O
rasch, erzählen Sie.
Ich habe nur theilweise Günstiges zu
berichten, erwiderte der Präsident. Und
doch werde ich den Baron verhaften las
sen. Leonore preßte die Hand an ihr
stürmisch klopfendes Herz und unter-
drückte einen Aufschrei der tiefsten Erre-
?ung.
Weiter, o lch bitte, weiter! flehte sie.
Der Präsident fuhr sogleich fort.
Man fand in NeßlerS Wohnung lei-
der die gesuchten Werthpapiere nicht, die
einzig und allein einen vollgiltigen Be
weis für seine Schuld geben würden.
Aber man fand zwölftausend Thaler in
Gold. In dem Keller, wo er feinen
Wein aufbewahrt, ordnete ich gleichfalls
Nachforschungen an, man entdeckte jedoch
nichts, als eine lockere Stelle im Erd
reich, die vermuthen läßt, es sei dort frü
her etwas vergraben gewesen, und das
Loch nur wieder hastig zugeschüttet war
den. Als meine Leute die betreffende
Stelle sorgfältig durchwühlten, fände
sie nichts als dieses Papier.
Leonore ergnff mit fieberhafter Unae
duld ein vergilbtes Blatt, das der Präfi
dent ihr hinreichte ; es war völlig mit
Zahlen bedeckt.
DaS ist Arthur Handschrift! rief daS
junge Mädchen erschüttert. Bas ft
seine Art, die Ziffern zu schreiben; ver
stehen Sie, was dies Papier enthält.
mein Pathe?
Nein, mein Kind, eö sind Berechnun-
gen, deren zeveumng rcy nlqr renne.
Jedenfalls musz daS Blatt dem Für ten
vorgelegt werden, vielleicht findet er da
nn RnhaUSpunkte für unsere ache.
Ich erde nun meinen Leuten den Befehl
geben, Neßler zu verhaften, und ich
selbst eue noch heute zu Fürst Friedrich
und erstatte ihm Bericht über mein Han-
deln. ,
Lercore erfaßte die Hand des GreifeS.
Ihre große Güte giebt mir den Muth.
noch ewe Bitte zu wagen, sprach sie.
Wenn sie den Baron jetzt verhaften
lassen, so wird er leugnen, da er wohl
weiß, daß wrr keine eigentlichen Beweise
gegen ihn haben: er wird eine neue Lüge
über den Erwerb deS bei ihm gefundenen
Geldes erfinden, mu der man ftch vegnü
gen muß. Uud sobald er seine Freiheit
wieder erlangt, entflieht er, und Arthur
ist für immer verloren. Lassen Sie mich
och einen Vcrfuch machen, ob ich den
Baron nicht zu einem freiwilligen Ge
ftäadniß zu dringen vermag. Sie sollen
im Nebenzimmer sein und sehen und
hören, was ich thue. Gönnen Sie mir
nur ewe Vlettelstuvde, uns icy hoffe vas
Ziel meines heißen Streben zu er
reichen.
Gut denn, mein Kind, sagte der
Präsident. Ewe Viertelstunde und auch
einige Minuten darüber kann ich Ihnen
noch Zeit geben. Benutzen Sie diefelbe.
io gut vre rönnen.
.'Dank, tausend Dank, kommen Sie
nun, ich führe Sie in mew Schlafaemach.
daS nur durch eine dichte. Portiere von
dem Zimmer getrennt ist, wo ich den
Baron sprechen will..
Der Präsident folgte Leonoren Über
den Korridor in em matt erleuchtete
Gemach mit einem Alkoven, den. schnee
weiße Vorhänge verhüllten Das junge
Mädchen aber verfügte sich eilig zu dem
Baron zurück.
Eine Botschaft von Weinbergs Eltern,
liebe Mama, sagte sie in unbefangenem
Tone. Der Hen:, ttv sie brachte, wünscht
stch oet Vir zu veradschleden.
Die Baronin entfernte sich sogleich.
Neßler war sichtlich verstimmt und schickte
ftch an zu gehen : Leonore legte die
Hand auf seme Schulter und flüsterte
ihm zu:
Bleiben Sie noch, der Besuch hat Mich
gelanglveilt. Unterhalten Sie mich ein
Wenig. Sie verlangten so oft. mein
Zimmer zu sehen, ich will Ihren Wunsch
gewähren ; kommen Sie. .
DaS bange Mädchen sprach die letzten
Worte mit hochgeröthetem Angesicht;
Scham, Angst imd Verwirrung zogen
ihr das Herz krampfhaft zusammen.
Mit emem Ausrufe deS Entzückens
umschlang sie der Baron und führte sie
so zur Thüre hinaus; der kurze Weg
schien der Geängstiaten kein Endezuneh-
men, denn der wonnetrunkene Mann an
ihrer Seite preßte sie wild und ver
langend an sich. An der Schwelle ihres
Zimmers schauderte sie zusammen und
wagte nrcht, die Hand an die Klinke zu
legen.
Warum zauderst Du. Gellebte? fragte
der Baron und öffnete haftig.
Er selbst beschleunigt fem Schicksal,
dachte Leonore.
Sie trat nun auch in das Gemach und
sah eben den Baron erschreckt zurücksah
ren, sein Blick haftete auf dem verhäng
nißoollen Geldschranke.
Was haben Sie denn, Baron? fragte i
sie. Warum sind Sie so erschrocken?
Er suchte sich gewaltsam zu fassen.
Nichts, o gar nichts ! sagte er stam.
melnd. Dort daS Licht täuschte mich. I
ch glaubte ein aufloderndes Feuer zu
sehen. - !
Nicht doch, tote blickten diese Kasse an.
sprach Leonore langsam und trat zu dem
eisernen Schrank. Ich weiß auch, warum
Sie so betroffen sind. In Meinberg's
Kanzlei stand ein ähnliches Geräthe,
wenn dies nicht dasselbe ist. Wollen Sie
nrcht öffnen und die Identität der beiden
Kassen prüfen?
Sie reichte ihm aus einem ArbettS-
körbchen drei Schlüssel hin.
Wozu? fazte er unruhig. Ich interef-
fire mich gar nicht für derlei Möbel ; ich
finde kleine feuerfeste Casfetten viel
praktischer. Solche Undinge, wie dieses
da, kann man nicht von der Stelle
bringen.
Er hatte feinen gefaßten Ton wieder-
gefunden und wollte sich mit einer Lieb-
kofuna an Leonore wenden; sie beharrte
aber bei ihrem Vorhaben. Mit sichtli
chem Widerstreben ergriff er endlich die
Schlüssel und sperrte den Schrank aus.
.Sie haben diese Schlosser schon ein-
mal geöffnet," sagte Leonore und blickte
den Baron scharf an. Er drehte sich
rasch herum.
Wte kommen Sie aus diesen Gedan-
ken, Leonore. Wenn dies wirklich die
Kasse ist, die früher in Meinbergs Kanz-
lei stand, so habe ich sie zwar oft genug
gesehen, doch nie geöffnet. Leonore
erwiderte ausweichend :
Nun, ich dachte nur so, da ich sehr
lange dazu brauchte, als ich den Schrank
zum ersten Male aufschloß."
Eine unbestimmte Angst ergriff den
Baron ; wie war seine Braut so seltsam
verwandelt! Ihr Antlitz bleich und von
emer heftigen Erregung fast entstellt.
Was wollte sie mit dem Schrank? Wa
rum hatte sie ihn in dieses Zimmer ge-
fuhrt? u einer vertraulichen Unterre-
dung gewiß nicht, so sah sie nicht aus mit
ihren zitteenden Gliedern und ihren tief-
ernsten Augen.
.Versperren Sie die Kasse wieder!
sprach sie jetzt fast gebieterisch.
Mechanisch gehorchte er; seme Vedan-
ken begannen sich zu verwirren, eine
schrecklicheAhnuna überkam ihn, er wollte
zur Thüre stürzen, wollte entfliehen
da sah er Leonore wanken, nach einer
Stutze suchen. Selbst halb oestnnungs
los nahm er sie in seine Arme und gelei
tete sie zum Sopha, wo sie wie leblos in
die Kissen sank. Er beugte sich über sie,
rieb ihr Stirn und Hände und nahm
endlich ein Fläschchen Kölner Wasser zu
Hülfe, das er stets bei sich zu tragen
pflegte. Endlich öffnete sie die Augen
und richtete sich aus.
Ich sah und hörte nicht, was nm mich
vorging", sprach sie mit klarer, fester
Stimme. Haben Sie Ihre Zeit gut
benützt, Herr Baron? O, Sie haben die
Schlüssel noch gar nicht genommen, da
halte ich sie kramofhaft in den Häuden.
Warum waren Sie nicht rascher? Eö
hätte sich gewiß auch dieses Mal ge
lohnt!" Der Baron war völlig erdfahl im Ge
sichte geworden; mit beiden Händen
faßte er seine Stirne.
.Was wollen Sie mit Ihren seltsamen
Worten Leonore?" schrie er heiser auf.
.Ich verstehe Sie nicht, Sie werden mich
heute noch wahnsinnig machen."
DaS junge Mädchen richtete sich hoch
auf, ihre Augen glühten in dem Feuer
einer reinen, stolzen Begeisterung, eines
tiefen, sittlichen Unwillens.
WaS ich will? entgegnete sie. Ich
frage Sie nur, warumSie diefen Augen
blick nicht benutzten wie MeinbergS Ohn
macht, während der Sie die ihm anver
traute fürstliche Kasse geöffnet und be
stöhlen haben."
Als hätte der zuckende Strahl aus
schwarzen Sturmwolken ihn getroffen,
schlug der Baron zu Boden. Der Prä
sident, durch den dumpfen Fall erschreckt,
eilte Leonore zu Hilfe. Er fand den
Baron völlig betäubt und mit geschlosse
nen Äugen.
Lassen Sie mich nun mit ihm allein,
sprach der Präsident. Bitte, sagen Sie
auch dem Eommissär und seinen Leuten,
daß sie sich bereit halten mögen.
Leonore ging still auS dem Zimmer.
Der Präsident wartete, bis Baron Reß
ler sich ein wenig erholt hatte und mit
sewer Hilfe omBoden aufstehen konnte.
AIS der Baron in das Gesicht des ihm
wohlbekannten GreifeS blickte, schauderte
er zurück und sank auf einen Stuhl.
Sie wissen auS LeonorevS Munde,
welcher Verdacht Sie belastet, begann
der Juftizpräsident. Dieser Verdacht ist
durch Ihre beispiellose Bestürzung bei
dem Anhören der Beschuldigung nur zu
sehr bekräftigt worden. Auch habe ich
schon ein bedeutendes BeweiSmaterial
gegen Sie gesammelt. Ich will
nur emeS gewissen Dokumentes er
wähne, welches darauf berechnet ist,
die Welt über die Quelle zu täusche,
auS der die Mittel zu Ihrer plötzlich ver
änderten Lebensweise fließen. Auch wer
den Sie sich über den Erwerb einer
bedeutenden Baar summe auszuweisen
haben, die mewe Beamten bei Ihnen,
gelegentlich der von mir angeordneten
Hausdurchsuchung, vorfanden. Em
ftremge, gerichtliche Verfahren wird,
was noch an Beweisen gegen Sie fehlt,
gewiß herbeischaffen und damit Sie nicht
die Zeit haben zu ent fliehen, lasse ich Sie
noch heute in Haft nehmen. Sie sehen.
Ihre Schuld ist aufgedeckt, Sie können
der verdienten strafe nrcht entgehen.
Nur wenn Sie sich, entschließen würde,
mir ein ftewilligeS Geständniß Jhr?z
Verbrechens ; abzulegen, wenn Sie die
dem Fürsten entwendeten Werthpapiere
w unverminderter Zahl herausgeben,
glaube ich, feinem Sinne gemäß zu han
deln, indem ich Ihnen verspreche, daß
Sie in diesem Falle keine andere Strafe
empfangen sollen, als diejenige, welche
jetzt der unschuldige Mewberg trägt, die
Verbannung aus Europa. Uud das be
deutet für Sie ich, da Sie einfach in
Ihr Vaterland, zurückzukehren habe.
Die Schonung,' mit der man Sie behan
deln will, haben Sie nur persönlichen
Verhältnissen des Fürsten zu danken, die
ihn wünschen lassen, daß em öffentticher
Prozeß vermieden werde. Sie haben
nun zu wählen zwischen bloßer Entfer
nunz aus diesem Lande, oder öffentlicher
Schmach und einer langen und schweren
Kerkerftrafe.
Baron Neßler hatte, ohne sich zu re
gen, zugehört. Durch seine Seele zuckten
die Gedanken in rastlosen Wirbeln ; er
wußte noch nicht, wag zu sagen, und wel
cher Entschluß zu fassen war, denn er
fühlte seinen Kopf so wüste, sein Urtheil
getrübt Doch ein Rest sewer gewöhnli-
chen Besonnenheit ließ ihn erkennen, daß
er nichts gestehen durfte : so lange die
Wertpapiere deS Fürsten nicht in den
Händen des Gerichtes waren, hatte man
ja keine wirtlichen Beweise gegen ihn.
lvcan versprach ihm wohl nur darum
Schonung, weil man ihm ein Geständniß
ablocken und die Werthpapiere wiederer
langen wollte.
Durch diese Gedanken beeinflußt, er
widerte er finster und trotzig :
Auf das Alles kann ich nur antworten,
daß ich von einer Beraubung der fürftli
chen Kasse nichts weiß. Wenn mich die
wahnsinnige Beschuldigung aus dem
Munde des Mädchens, die ich geliebt
habe, überwältigte, so ist das noch kein
Beweis von Schuld. Auch ein Ehren
mann kann sich zu Tode getroffen fühlen.
wenn -ihn feine Braut plötzlich einen
Dieb nennt.
Genug! sagte der Präsident erzürnt.
Ich überlasse Sie dem Schicksal, daö Sie
verdienen. Sie haben keine Schonung
gewollt. Wenige Minuten später führte
eine Kutsche dem Baron Neßler, von
Bewaffneten bewacht, nach dem Gefäng
ntsse der Badestadt.
22.
Fürst Rudolf ließ, kaum erst von
seiner schweren Erkrankung genesen, seine
Mutter um eine Unterredung in ihrem
Zimmer bitten. ES drängte ihn, den
Kampf hinter sich zu haben, den er mit
ihr um Augusten Besitz bestehen mußte;
dann erst konnte er ja zu der Geliebten
erlen und aus rhrem Zviunde vernehmen.
daß sie ihm für immer angehören olle.
Die Fürstin empfing ihren ohn mit
einer kühlen, gemessenen Freundlichkeit :
sie verzieh eS ihm noch immer nicht, daß
er sie zu einer Handlungsweise gezwun
gen hatte, die sie vor sich selbst de
müthigte, und in seiner Miene glaubte
sie auch zu lesen, daß er jetzt nur komme.
um ihr neuen Kummer und Verdruß zu
bereuen.
Muthest Du Deinen Kräften nicht zu
viel zu, indem Du Dich heute schon aus
dem Zimmer wagst? sagte sie und bot
ihm einen Stuhl an.
Der Fürst erwiderte schmetchelnd.denn
er wollte eö zuerst versuchen, daS Mutter
herz durch Zärtlichkeit zu bestechen: Ge
wiß nicht, Mama, ich fühlte mich recht
kräftig ; auch sehnte ich mich lebhaft nach
Deiner Gegenwart. Seit meiner Er
krankung war es mir ja nicht vergönnt,
offen und rückhaltslos mit Dir zu fpre
chen, immer sollte ich mich schonen, mich
nicht aufregen und anstrengen. Nun
bin ich endlich gesund und will Dir ver
trauen, was meine Gedanken unablässig
beschäftigt. Meine ersten Worte gelten
meiner unglücklichen Schwester! O Mut
ter, kannst auch Du mir kein Motiv für
eine so unselige That angeben, war
Mariens Herz Dir eben so zugeschlossen
wie mir? Vergebens mühe ich mich, daS
Räthsel gu lösen, die Gründe zu finden,
wodurch das anscheinend so ruhige Mäd
chen zu dem verzweiflungsvollen Ent
schlusse getrieben wurde.
Fürst Rudolf, von seinem Schmerz
überwältigt, verbarg sein Gesicht in den
Händen.
Fasse Dich und schone Dich! sprach
die Fürstin ruhig, aber mit tieserblaßten
Wangen. Mariens Tod ist eine Wunde
in unseren Herzen, die wir still vernar
den lassen müssen. Ich ahne ebenso we
niz wie Du die Ursache ihres gräßlichen
Entschlusses ; sie war ja immer verschlos
sen und unzugänglich in jeder Beziehung.
Ihr zur Exaltation und Schwärmerei
geneigtes Gemüth mag wohl durch einen
mir unbekannten Kummer in eine krank
hafte Ueberreizung getrieben worden fein.
Laß uns nicht wieder über dieses Schmer
zensthema sprechen, Rudolf, ich möchte
nicht oft an etwas erinnert werden, waS
mich so tief und verletzend berührte.
Marie hätte mehr Schonung sür die Ehre
ihrer Familie haben sollen ; ohne meine
Geistesgegenwart wäre daS Aufsehen und
das Gerede der Leute mit voller Wucht
auf uns gefallen.
Marie war Deine Tochter, und ist
nun eine Todte! erwiderte der Fürst
vorwurfsvoll. Zwei Gründe, die Dei
nem Urtheil Milde gebieten sollten.
WaS wissen wir von dem verborgenen
Leid der Armen? Sie war kein schwa
cheö Mädchen, eS muß ein ungeheurer,
unheilbarer Jammer gewesen sein, der
sie darnieder warf. Doch Du hast
Recht, laß unS davon abbrechen! Du
hast nie das richtige Verständniß für
ihren hohen Werth gehabt, haft sie nie
geliebt. Meinem Andenken wird sie
ewig theuer und heilig bleiben.
Die Fürstw zuckte, auf'S Neue erblas
send, zusammen. Die Vorwürfe, die
ihr das eigene Innere unausgesetzt machte
und die sie in der letzten Zeit dadurch zu
ersticken versucht hatte, daß sie sich
gegen die Erinnerung an die Todte
gewaltsam verhärtete, sie traten ihr nun
auch auS den Blicken und Worten ihres
SohneS entgegen. Das war indessen
nicht geeigner, sie milder gegen ihn zu
stimmen.
Du hast gewiß wohlgegründete Ursa
chen. Dich über daS Urtheil Deiner
Mutter zu beklagen, sagte sie gereizt.
Du würdest Dich sonst nicht zu solchen
Bemerkungen vergessen. Höchst wahr
scheinlich wirst Du auch noch andere
Personen anführen können, die unter der
Ungerechtigkeit mewer Ansichten leiden ?
Der Fürst verstand diese letzten Worte
seiner nur zu wohl, welche sich aus ihre,
m den letzten Tagen ausgesprochene un
günstige Beurtheilung Augusten bezo
gen. Er wollte aber, so lange eS über
Haupt möglich war, jede Bitterkeit auS
dem Gespräche verbannen und sagte deS
halb:
Nicht daß ich wüßte, Mama; wenn
Du manche Menschen anders, als sie eS
verdienen, ansiehst, so werde ich dabei nie
an Ungerechtigkeit von Deiner Seitte,
sonder immer nur an einen Irrthum
denken. Und um auf den eigeatli
chen Zweck meines heutigen Besuches bei
Dir zu kommen, ich möchte mit Dir über
ewe Sache berathen, die eine Entschei
dung für mein ganzes Leben in sich birgt.
Haft Dn Zeit und Lost, mich jetzt anzu
hören?
Die Fürftw richtete sich zu einer stol
zen, steifen Haltung auf; ihr Blick
wurde streng, ihr Antlitz starr.
Sprich ohne Scheu! sagte sie. Ich
bw bereit zu hören.
Ich kann mich mit Muth usd Oer
trauen an Dew Herz wenden, br.sna
der Fürst. Den Du hast mir durch die
Berufung Augusten? an mein Kraa?n
bett bewiesen, daß Du wem Leben nkt
geringer achtest als Detneu Stolz. Ich
werde Dir dieses schwere Opfer, da Da
mir brachtest, auch nie vergesse. Doch
mein Schicksal treibt mich, noch mehr
von Dir zu rerlangen, als eine solche
augenblickliche Ueberwindung Deiner Le,
ienSavsichten, oder wenn ich so faZen
darf, Deiner GeburtSvorurtheile. Ich
liebe Auguste mit einer Liebe, die ich nie
aufopfern könnte und sie ist dieser
Liebe werth, Mama. Ich habe si. ge.
prüft in den langen Stunden, die sie
meinem Krankenlager zubrachte. Ich
habe in ihre Seele geschaut und sie ftei
von jedem Makel gefunden. WaS ist
alle irdische Glück chne Liebe, was wäre
mir mew Herrscherpalaft ohue August?
Ein Kerker, nichts weiter. Darum
wenn mein Volk m?ine Wahl nicht llh
ligt, August: nicht als Fürstin antiken
nen will, entsage ich dem Thron und
gründe mir in Italien, unter dem Him,
mel, der die Liede so freundlich anlächelt,
ein neues, stille frnm. Mein (Snif Aln&
ist fest, Du kannst ihn nicht umstoßen.
Zvcurrer, u rannst mrr nur nefe Lei)
bereiten, wenn Du mewer Liebe zürnst.
Sieb mich nicbt so kalt und finster an I
Ich weiß, daß ich Große von Dir er
lange, daß Dein fürstlicher Stolz eine
der Wurzeln Deine Leben ist. Aber
bist Du den nur Zkärnin. nif tn,
Mutter? Und ist Mutterliebe tät feie
selbstloseste, ovierwilliaste aller Nerm
gen? Kannst Du wünschen, daß mein
aarne Leben obne Lidbt und ftrem ll.
len soll?
Die Fürstin erhob sich und ging ewige
Male durch da Zimmer, ohne einen
Blick auf den ängstlich ihrer Antwort
Harrenden zu werfen. Endlich blieb sie
vor ihm stehen und sagte mit ewem mit
leidigen Lächeln :
Gehe in Dew Zimmer uud lege Dich
zu Bett; Du bist noch fieberkrank.
Wärst Du bei Sinnen, dann könntest
Du Deiner Mutter so hirnlosen Uafinn
nicht bieten ! Du könntest nicht ! Geh' I
Ich bin nicht krank und habe kein Fie
der! erwiderte der Fürst dringend. Ich
sprach mit klarem Bewußtsem und im
tiefsten Ernste. Und ernst ud klar
sollst Du mir auch antworten. Willst
Du meweJSiebe für Auguste durch Deine
Billigung heiligen?
Die Fürstin rief heftig und rauh:
Wenn Du denn wirklich eine Antwort
haben willst, so sage ich: New, nein und
nie! O Du Verblendeter, Dn Thörich
ter! der Du glaubtest, ich würde an
Demer Schmach, an Deiner Erniedri
gung theilnehmen! Und Verblendeter
auch über da Geschöpf, um da Da wir
Strotzen waast, ein Wort au mewer
unde, und da Ideal Deiner Träume,
dieser Engel, wie ander würdest Du sie
sehen, wie
Fortsetzung folgt.)
Die Wacht am hei.
Den französischen Revanchebolden erklärt.
Allerdings hat da Organ der Gn
bettisten, die Pariser Resorme", ihre
Lesern einen Begriff von der Wacht am
Rhein zu geben sich bemüht. Aber doch
nur einen oberflächlichen. Sie erzähl:
ihnen, in diesem Lcede finden sich Stelle
wie: Brüder, wir haben keine Schuhe,
aber drüben, jenseits des Rhein,- werde
wir Leder finden. Brüder, wir habe
keinen Wein, aber drüben, jenseits de
RhewS, werden wir Weiastöcke in Hülle
und Fülle finden." Da ist ja tn ge
aissem Sinne richtig, die Wacht am
Rhein fordert bekanntlich, wenn auch
nicht zum Lederdiebstahl, doch zu dem
Entschluß auf, vom Leder zu ziehen, wie
das genannte Schelmenlied nicht zum
Traubenraub anfeuert, aber doch zu den,
frivolen Vergnügen, de Franzose feie
Trauben sauer zu mache. E dürfte
aber doch an der Zeit sein, endlich einmal
der Wacht am Rhein die MaSke völlig
vom Gesicht zu reißen, damit sie on
den Franzosen gesehen werde, wie sie
wirklich ist.
Vor Allem ist auf den Refrain al auf
einen der Diebessprache entnommenen
hinzuweisen. Er ist, um e kurz zu sa
gen, gestohlen, und zwar au emem alten
Ewbrecherliede, und lautet :
Fest steht und treu die Wacht am
Rhein!"
Man nennt dieS auch Schmierestehe.
Beim Einsteigen werden Wachen anSze
stellt, welche jede Störung fernzuhalten
und das Nahen der Polizei anzukünden
haben.
In der zweiten Strophe heißt eZ danu:
Durch Hunderttausend zuckt e schnell",
hier ist daS baare Geld gemeint, welches
die Leute nach Frankreich gelockt hat.
Unter Hunderttausend will Keiner neh
men. Dann wird fortgefahren:
Und Aller Augen blitzen hell,
womit angedeutet werden soll, daß daS
Geld auch im Finstern gefunden wird.
Und dann, wenn sie eS haben, kann es
ihnen Niemand wieder nehmen:
.Der deutsche Jünglwg, fromm und
stark.
Beschirmt die heU'ge LandeSmark."
Mit der LandeSmark ist die bekannte
deutsche Münze gemeint, in welche dS
Silber der Franzosen umgeschrnolze
wird. I LandeSmark 100 Pfennig.
Diese Münze wird die heilige genannt,
natürlich, denn solchen Leuten ist nichts
heilig, als dieses armselige Geldstück.
daS der deutsche Jüngling beschirmt, wie
der französische Jüngling etwa die Liebe,
die Treue, die Unschuld, der irgend ei
neS feiner vielen anderen Ideale de
schützt. Im wahren Licht aber erscheint
der deutse Jüngling in der dritten
Strophe, in welcher e unglaublich nais
heißt:
..Er blickt Hivauf In HimmelZau',
Wo Heldengeister niederschau'."
Als Heldengeister bezeichnet nämlich
der Deutsche de vo feinem erste Dra
matiker besungenen Räuberführer Karl
vo Moor und dessen Bande, deren Mit
glieder theil durch Hekerhand, theil
steckbrieflich verfolgt gestorbe find.
Man lese nur da Stück, welche Die
Räuber" heißt, tn Deutschland Reper
toirftück ist und stet da Gegentheil v
dem macht, wa die Libertiner, nachher
Banditen" zu machen pflegten: olle
Häuser. DaS stud die Heldengeister,
welche eu den Himmels suen hernieder
schauen, denn daß dergleichen Verbrecher
in den Himmel kommen, da glaubt e
solche Volk natürlich steif und fest, du
nach seiner Ueberzeugung die Hölle nur
für die Ehrlichen, die Redlichen, mit ei
nem Wort ausschließlich für die Fravze
seneriftirt. " "
Wenden wir on mit Abscheu ab!
Aber freuen wir nn, daß diese Lied,
wenn auch leider e ist 1340 gedichtet
4t Jahre zu spät, doch endlich erkannt
wurde, und danken wir dem Schicksal,
daß eö ewer bewunderungSwürdenHel
deothat der Ugnz des Parriote ge
lange ist, vor fce keusche Ohren
der Pariser für alle Zeit verst-sme zu
machen.
w .
Columbu, O., 4. O.. Dn
Musikalienhändler CharlesSesch. ist
heute wegen Äerletzunz der S:di----z.
ünter welcher er au dem Zach'hause erj.
lassen worden war, nd eiche darw k-'
stand, daß er sich de GenusseZ gd..:. ";;
Getränke enthalte, erhaftet wortea. L.
Ist der erste derartize Fall w SZu,.

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