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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, June 29, 1883, Image 3

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urat
Ausländische Nachrichten.
3jUWtt V jyv
Vrenzlau. Das Rittergut Groß
,.idrk ist von seinem bisherigen Ve-
fliMi(iii W3tt tt fiit r
ker Leaationsrath Grafen Arnim. der
Kinen Wohnsitz in Muskau genommen
bat. an Äaron von Holzenc-orff - Zagom
? f V. t"T 1 f ät .i. ! i.
rerkauft woroci. .e,4 .,4
mchr in den Beny irniaocn tfarnuie u-
rückgckcytt, oie es vi iuw u a- ;uge der ime Wlchlmghausen-Hattin-milie
von Raven verpfändet und l0 gen bei Hattkngen glücklich erfolgt.
an die diese'. vnrnuTi yai. ern ua
b.fand es sich im Besitz der gräflich von
Arnim'schcn 6ml!.e. er Morgen ,,t
mit nicht ganz 300 M. bezahlt worden,
T e rn p l i n. Einer ger gefährlichsten
Falschmünzer der Monarchie, Bildhauer
Auqust Sleuman, ist aus dem hiesigen
? 1 eix. t.r...v....
ttksänani. wo er sich in einer besonder
wohlverwahrten Zelle befand, trotz aller
zu seiner cwacyung ausgcoorenen or
fiffct ausaebvochen und entkommen
Wahrscheinlich ist er nach Berlin geflohen.
Provinz Pommern
Stettin. Die Regierung hat für
die Zukun,t den onntagsUntcrrlcht in
denHal-.dwcner-oortbildungsschulen un-
tcriagt.
reife nberg. Am Sylvester-
Abend v. I. vjüx der Bvttchcrmeistcr
Albrecht von hier verZchwundcn. Alle
Nachforschungen nach dem verbleib des
70 'fahre alten Mannes waren bisher
erfo!q!oZ gewesen. icscr agc wurde
nun die Reiche ,n der Nega gefunden
Provinz Qstprcukzen.
Braunsberg. Tcr Obcrpräsidcnt
Tr. Schiicckiiinnil hat verordnet, daß die
Kirr cnH.venocii lyo. utnaie mit nrnb
licher Bedienung forian nur bis I I llhr
Abends geossnei sein onrscn uno von ca
ab der Brinnii!i: seitens des Publikums
entzogen sein müssen.
Tilsit. In der kürzlich hier abgc-
Kaücnen Generalversammlung der 4.ilit-
; n s'l erburiirr (iseubiihiigesellschaft wurde
dere,n.,Ü!nq.rnll) devollmächligt, die
. . . ... , ' 1 , . I
TiK nitnluiraa- Bahn verlausen
'X'ujäbe umb also dewnüchsi iil den Besitz
des taaies übergehen.
Provinz Westpreukcn.
Kulm. Unter dem Verdacht, seine
Ehefrau vergiftet haben, ivar der Lch
rer Hagenau nu 'il-lisasj, wie s. Z. bc
richtet ivurdc, im Herbst v. I. in Unter
suchungohast genommen und deshalb
ronl Anne suopendirt worden. Nachdem
er in der letzten Schwurgerichtssttzung
sreiarsprochrn worden, wurde er dieser
' " . . . , , .
Joge dnrch den Ki4; u mspettor w.e-
der m an Amt e,n?e,,!lrt. cr lnznl-
der m lau Amt ein :ef,!l,rt. 'cr liizn
fchen voienthaltene heil seines Gehalts
iuii'0 ihm linchgezahlt.
V obst ii. lieber ciiicii groszen Theil
bcsj hiesigen .'i reifes ging dieser Tage ein
Äolkenb'luch nieder. ie Bäche und
1,1 'i traten über ihre Ufer und richteten
in .'ald N!,d lnr beträchtlichen Schaden
an. T er Xuirnn der Marienburg
Mlnvkr'er Eisenbahn wurde an verschir
denen Stellen durchbrochen, so in Har
towitz nd bei vnlln ; dort delt eine
große Wasserfläche die Felder.
Provinz Posen.
Posen. Bei der Frohnleichnampro
Zession is;te!l auf polizeiliche Anord
innig zwei Fahne, welche vom Balkon
dcs ;iu!i)ii':tT'che!! Pnlais N'ehten, ent
fernt werden. Tie polnische Inschrift
ans denselben lautete: O Jesus, der
Tu iin Aller heiligsten Sakrament ver
borgen bist, las,' ich erkennen, lieben,
preisen und ehren dnrch die ganze Welt."
sJiur Mahnen in den Vailde)sarbcn dürfen
ohne besondere polizeiliche Genehmigung
ausgehängt iverecn.
Obornik. Gelegentlich einer vor
kurzem hier abgehaltenen Versammlung
des landi'.'inhschafilichen Kreisvcrcinö
hüben d c Vc',einsmitglieder sich verpslich
tet, bei der Annnlüiic von Arbeitern Zll
bedingen, das; dieselbeir an den in die
Bestell, und rrttleit fallenden krtholi
schen Feiertag.".! arbeiten. Ferner soll
l'u der .kreic-fnnode beantragt werden,
dnjj auch der ;nf;- und Bettag in eine
für die andwnliischaft geeignete Zeit z.
B. in den Winter verlegt werde.
Provinz TcZ)lesictt.
Brest an. Tie verwittwetc Frau
.Kreisgerichtodirektor Hilse hat ausser den
bereits s'.üher angeführten Legaten auch
der hiesigen Blilidenanstal, dem Taub--stmnine'.'.Insi'.tnt
und dem Allerheiligen:
Hospital je I'.'0 -)i.f ferner ein Legat
von l W. dem Wnisei'.hanse in
i.'iiMiiiiy hinterlassen.
?l n t i b o r. Fn der hiesigen Ler'schen
Brauerei sind der Arbeiter Baron aus
Altcudors und der Zimmcrmann Johann
Naivrath aus B,nlo:vitz vernnglüekt.
Ter letztere war in den im Hofe befind
lichen, bis dahin fest zugedeckten Brun
nen gestiegen, um einen Schaden auszu
bessern, verlor die Besinnung und stürzte
binab. Baron flieg zu seiner Nettnng
hinunter, fand aber ein gleiches Schuf--sal.
T er rs:i,lungtod war bei beiden
sesort eingetreten.
Provinz rttffcn.
?! a um b u r g. Vor einigen Tagen
ist endlich d.; Ge'ieiinignng ziini Bau der
Brüeke üt'er die Saale bei der Henne hier
eingetrossen. Ter Ban, welcher die
Saale unweit der iumündung der lln
strut überbrückt, soll nach d r (' isenkott
struktion des Herrn W. Voll Hering und
nzch den Zeichnnngeu des Piivaibanmei
Ners Ziiedling ausgesührt und baldigst in
Angriff genommen werden.
Suhl. Während eines kürzlich über
unsere Stadt dahin ziehe,, d.'N (Gewitters
wurden in der Nähe d.s SchiefzhaufeS
Zwei Gnaden, der ljährige .!arl 'Töhncrt
und derlei Jahre alte Friedrich Biüllcr
vom Blitze derart getroffen, das; sie sesort
todt blieben.
Provinz LLtfstfalcn.
Minden. Tcm hiesigen 'erichtS
grfängnisz wurde der bisher in der.'korrck
tionsänftalt zu 7rrel detiniitc Arbeiter
Veycr eingeliefert. Nach einem dort ab
legten Geständnis; hat Beuer inr Monat
Januar d. I. seine Braut, die ihm über
das Unglück, in welches sie durch sein Vcr
schulden gerathen, Vorwürfe machte, rr
stochenunddic Leiche mit S leinen beschwert
bei Lahde in die Weser gesenkt. Die Leiche
des ermordeten Mädchens ist auch an der
bezeichneten Stelle zwischen den Buhnen
gefunden worden. Binnen Kurzem soll
nun die Uebcrführuug des Mörders nach
Bielefeld erfolgen.
Bielefeld. Nach jahrelangen Vcr
Handlungen zwischen der Jicgicrung und
unseren 'städtischen Kollcgien'ist die An
Gelegenheit des Schlachthausbaucs in un
screr Stadt nun endlich so weit gefördert
uorden, dast mit dem Bau in den letzten
Tagen begonnen wurde.
P a d e r b o r n. In des Kapelle des
Mutterhauses der Barmherzigen Schwc
steril wurde durch den Weihbischof Dr.
tZreisbcrg die Cinllcidung von 1 1 Novizen
vorgenommen.
Rheinprovlnz.
ü s f e l d o r f. Der vom hiesigen
Schwurgericht zum Tode vcrurthcilte
Mörder Karl Nauß auö Crefcld der
sclbe hatte den Arbeiter Heinz, mit dem
er vorher umhergezogen war, ennordct
it vom Kaiser zu lebenslänglicher Zucht
hausflrafe begnadigt worden.
Köln. Die weniger bemittelten
Bürger unserer Stadt werden demnächst
uanz srct von Stcuenl sein. Die Klas
imsteuer wird bekanntlich bei den zwei
untersten Klassen (3 und 0 M.) nicht
' mehr erhoben. Die städtische Finanz
i rnrntntsltnn in i? Sf.. f, t . r J. r . rr
7 i- ft ' i'a)ii!n!,
auch lie Jfontmunaljleucnf für diese
i c. Zjtt ... v c. n -
i ? - vw J V IV V
' Stufen fallen zu lassen und den Ausfall ,
; aul dielemgen Bürger zu vertheilen.
CW 0000 . Umkommen und mehr
r,en.
V a r m e n. Dieser Tage ist hier der
I rr. r p 1 -..
urcyfcyiag ocs LlritltoUens des 157
Meter langen Schulenbergtunnels im
..
Hohenzollern.
Empfingen. Hier und in Weil-
dorf tritt gegenwärtig unter den Kindern
eine eigenthümliche Krankheitscrfcheinung
zu Tage. Die Kinder klagen über Kops-
geschwul st, die sie am Kauen und
I -j.r..j.. ft .t. . m .
cyruaen yinoerr. on 1U3 d)ulbcju
chcnden Kindern sind hier I erkrankt.
Nuclfingen. Für die Ablachkor-
rektion auf hiesiger Gemarkung hat nun
die Regierung die Genehmigung ertheilt
und der Genossenschaft, die sich für Aus
führung des Projekts gebildet hat, einen
Staatsbcitrag von 25,000 M. bewilligt.
Für die Gemarkung Krauchenwics ist
eine ähnliche Genossenscbast in der Bil-
dung begriffen.
Schlcswig.Holsteln.
Schleswig. Behufs Anlaae der
ersten rvcltcrrolon,c in unserer Provinz
hat her herein fär inner TOiiilmi V
Hof Rieslingen bei Neumünster von dem
jetzigen Besitzer Bcck für die Summe von
1 - v.. 1 " . Mi'l i V .IWIIIIW41 VlIL
8o,C00 M. kaustlch erworben. Zur Auf
bringung der noch erforderlichen Geld-
Mittel hat der Obcrprandcnt die Abbal
tung einer Hauskollckte innerhalb der
Provinz genauer.
zl ü l
Kiel. Gleichzeitig mit der Tertia-
stellung der Kieler Landbefestiauna und
ocr proicctcrtcn roauuna von seäiszclzn
detachirtcn Forts ist die Centralisation
sämmtlicher Marine - Etablissements in
Garden mn jenseitigen Hasenufer beab-
lirhtirtf 'Tirt mit Sli'iiiJf i iA: f vnf V,Jj
stchliat. Da mit Rücksicht auf die ,orts
die Garnison mit 5000 Mann vermehrt
werden muft, sollen auf dem Terrain
zwischen der Hanptfront der kaiserlichen
Uferst und dem Orte Gaarden zwei neue
Kasernen erbaut werden, welchen später
die (5rbaunng eines Stationsgebäudes,
eines tttendantiir-Vcvaudes, der Be-
klcidungS-Magazine, Schulen u. s. w.
folgen sollen.
Hannover.
Linden. Die Errichtung eines
wyniiiu uiiuy in un au viuü; i iiiM
definitiv gesichert. Die Gemeinde zahlt
, . i s,-r..(f,. '1.:..
Gymnasiums in unserer Stadt ist jetzt
zur Erbauung desselben eine einmalige
liurniiic von 120,000 M. an die llcegie
ltliig, weiche das Glimnasium baut und
als staatliche Anstalt unter Verwaltung
nimmt. Der Kaufmann Julius Knoeke
von hier, dessen Verhaftung s. Zt. so
großes Aufsehen erregte, ist jetzt durch
das Schwurgericht in Hanncver von der
gegen ihn erhobenen Anklage auf Meineid
freigesprochen worden.
O 6 n a b r ü ck. Die jährige Tochter
des im Walde bei Nicmsloh wohnenden
orstarvelkers Blncl war neulich von
ihrem Schulgangc nicht zurückgekehrt.
ags darauf wurde beim Durchsuchen
des WehöUeS die Tasche mit den Schul-
lttcnsilien sowie die Schürze des Kindes
gefunden. Im nahen Benimm war ein
Strolch mit den: vermissten Mädchen gc
sehen worden, der Sicherheilsbehörde ist
es aber noch nicht gelungen, desselben
habhaft zu werden.
W n st o r f. linser früherer Käm
mercr Bonrqnin, welcher bereits im
März lyso wegen mehrerer Unregelmä
ßigkeiten fuspendirt worden war, ist jetzt
vom Schwurgericht zu Hannover wcgen
einer ganzen Anzahl von Nr.terschlagnn
gen und Buchfälschnngen zu 1 Jahr'Gc
fänguis! verurtheilt worden.
Hesscu-Nassatt.
Frankfurt n. M. DaS hiesige
Freie Deuische Hochftift hatte seinen frü
hercn Obmann Tr. Otto Vogler vcr
klagt, weil dieser das Tagebuch des Hoch
stifts nicht herausgeben und sich des Ge
brauche der Hochstists-Marke nicht ent
hallen wollte. DaS Landgericht hat
nunmehr in beiden Fällen gegen Dr.
Vogler entschieden. Au f der Mainin
fet hinter der Zick;nckbrü,kc wurde im
WeiSengebiish die Leiche der unverehc
lichten Louisc Neu von hier gefunden.
Nach ä'.'llichenl Befund ist dieselbe er
drosselt worden. 'Die Schieincr Adels
thristoph und Karl Stndtler wurden als
die mulhmafNichen Thäter verhaftet.
Die Deutsche N ä hm a sch in en sa b ri k, vor
mals Josef Wertheinr in Bornheim,
welche etwa .'7o Arbeiter beschäftigte, ist
zum großen Theil ein Raub der Flam
men geworden. Die beiden Hauptfliigcl
sind völlig ausgebrannt, die Mauern der
selben zum Theil zusammengestürzt.
Mehr als 170 Arbeiter sind dadurch sür
längere Zeit brodlos geworden. Das
O.uergebäude, in welchen! die Kessel und
Maschinen stehen, ist bis auf das Dach,
welches vom Feuer beschädigt wurde, un
versehrt geblieben.
.önigreiöi Sachsen.
L e i s n i g. Der als Hochstapler viel
genannte Karl Louis Horche, früher
Nealschnldirekkor dahier, ist nun auch
vom Leipziger Landgericht zn einer hohen
Strafe, L 'Jahre tt' Monate Gefängniß,
verurthcilt worden.
Lichten st c i n. Die Polizei Hot
den 7.' Jahre alten Kupfcrschmiedemci
stcr Bchrle in Haft genommen. Sitt
lichkcitsvcrgeheil gegenüber Kindern sol
len der Grund der Verhaftung sein.
M c c r a n c. Der Arbeitseinstellung
der Weber und Weberinnen der Firma
(. F. Schiuiedcr u. (5o. wartet leider
kein baldiges tZndc, da auf beiden Sei
tcn seltene Hartnäckigkeit herrscht. Wie
zn erwarten stand, hat die Firma ihre
Fabrik nun ganz geschlossen. Die Zahl
der Arbeitslosen ist dadurch auf .".00 ge
stiegen. Oin Theil derselben wird indeß
anderwärts beschäftigt werden.
Zwick au. Wie sehr man hier die
edle Turnkuust schätzt, beweist das allgc
meine Bestreben, dieselbe tüchtig zu
pflegen. Schon cristircn zwei städtische
Turnhallen in der tadt und nun haben
die bürgerlichen Kollegien noch zum Bau
einer dritten die verhällnißinäßig hohe
Summe von 20!?, 000 M. bewilligt.
Für den Bau kommen davon 108, 000
M., U,000 M. für den Bauplatz und
100,000 M. für Anschaffung von Turn
gerathen und sonstige innere tZinrichtung
zur Verwendung. Die Halle soll mit
drei separaten Turnsälen versehen wer
den. Der Ban dürfte somit den ersten
Turnhallen Deutschlands zur Seite ge
stellt werden können.
Thüringische Staaten.
Eisenach. Das Großhcrzogthum
Sachfen-Weimar erfreut sich des Vor
zugö, im Verhältniß zur Einwohnerzahl
die meisten Eisenbahnen unter allen Kon
tincntalstaaten zu besitzen. Indessen ist
doch die Herstellung einer neuen Bahn
strecke augenblicklich Gegenstand lcbhaf
ter Bemühungen. Es handelt sich um
die Schiencnverbindung zwischen hiesiger
Stadt und Eschrvcge, die das südöstliche
Thüringen nnd Bauern vermittelst der
Wcrrabahn mit den hannövcr'fchcn Bah
nen resp, mit den Nordseehäfcn in bessere
Verbindung bringen würde.
Geisa. Die durch ihren Wohl-
tliätiakcitssinn bekannte Familie v. Eichel-
Streibcr in Elsenach hat zur Vcrthellung .
an die Abgebrannten 1,700 M. hergc-
geben. Herr Eduard v. Eichel-Streiber
- gab die Anregung zu dieser Sammlung
ri. ? t- -rrJ "t r l
i.l jcir.er Kamille uno leyenire zu ctrn
wohlthätigen Zwecke t0f M.
' '
Freie Städte.
Hamburg. Im Laufe der letzten
f?-...... 7v l r X v cr i:
Tage sind auf verschiedenen Nordsee
"ir . -L.. ' '
Inseln stark in Verwesung übergegangene
welchen angetrieben worden, welche schein
bar von der Cimbria" stimmen, so daß
man auf fortschreitende Zertrümmerung
des Wracks schließen darf. In einer der
reichen hat man die des französischen
Lootfen von der .Cimbria" erkannt.
An der Kreuzung der Vierländer- und
Lindlevstraße fand letzten Sonntag un-
i. sC r. O-1 Tr r c sr c
tcr sehr großerTheilnabmederGemeinde
die Legung des Grundsteins der zweiten
f : j. . v . : r..-:. er rr .
iniu;5 ve owireyipici; .covrneely im
Billwärdcr Ausfchlag statt. Die Synode
liat sur den Bau 1 00.000 M. gewährt.
Die neue Kirche wird 00 Sitzplätze er-
hatten.
Mecklenburg.
Wismar. DasLehngutVarnekow
nebst der Meierei Krönkenhagen und den
Dörfern Zixpfcld und Zixphufen ist von
Hrn. v. Lediges für 1,440,000 Tl.
an den Kammerherrn von Behr-Neaen-
dank verkauft worden. Die Pacht läuft
v:s lt)02.
Brandfälle. In Gränzin brannte
das Wohnhaus des (irbpächters Boldt
nieder, wobei die kranke Ehefrau in den
Flammen ihren Tod fand und die Tochter
orlm Versuch, ihre Mutter zu retten,
lebensgefährliche Brandwunden erlitt.
Im Torfe Grittcl bei Grabow hat fer
ncr eine große Feucrsbnmst 9 Gebäude
vernichtet. Dieselbe, brach beim Erb
Pächter Jastram aus und verbreitete sich
so schnell, daß nicht einmal das Vieh
gerettet werden konnte.
Waldcck. Lippe.
A r o l s c n. Im Jahr 1882 sind aus
Waldrck über deutsche Häfen 268 Perso
nen, 1C8 männliche und 100 weibliche
nach Amerika ausgewandert, was nahezu
JzplM. der Bevölkerung ausmacht. Im
lausenden Jahr wird diese Zahl voraus-
sichtlich noch übertrosfcn werden. Im Jahr
1870 hatte Waldcck-Pyrmont eine Ge
sammtbcoölkcrung von 57,495 Personen,
im vorigen Jahr zählten die Fürstenthümcr
50,500 Personen. Das Minus der 1000
wird lediglich ans die Auswanderung zu-
rucrzuiurren jein.
B ü ck e b u r q. Die Eiscnbahnstrecke.
welche das Läudchen durchzieht, geht dem
nächst in den Besitz des preußischen Staa
tes über. Ter Fürst, der s. Z. die Bahn
mit Allem, was dazu achölt, aus eigenen
Mitteln herstellte und zu dessen Privat
vermögen dieselbe bisher gehörte, erhält
als Entschädigung 13 Millionen M.
Fürst Adolf soll sich nicht gern von seinem
Bahnbcsitz trennen. Derprcußifche Staat
gelangt durch denselben in den vollen
Lcsitz der direkten Eisenbahnlinie Berlin-
Köln.
Grofjherzogthmn Hessen.
Oppenheim. Von dem Landes
hilfskomite für die Wasscrbcschädigtcn
wurde Ende Mai als Zuschuß zn den Ge
bändeschädcu der Gemeinde Bodcnheim
der Betrag von 2:j, 950 M., Nierstein
028 und Oppenheim 30 Mark überwie
sen. P f n n g st a d t. Von hier nach .der
Bahnstation Ebcrstadt in eine Sekundär
bnhn projetlirt. Zur Freude der intcrcssir
ten (Gemeinden wird der Bahnban jeden-
salls und vielleicht auch schon bald zur
Ausführung arlanacn. da nach allen
aufgestellten Wahrschcinlichkeits-Bcrcch
nungcn sich die Bahn sehr gut rentiren
würde und an ein Risiko gar nicht zn den-
ken ist.
Bauern.
W ü r z b n r g. Schon seit Jahren war
cS der Wunsch, zn erforschen, wo eigent
lich die (Grabstätte des ritterlichen Minne
sängers Walther von der Vogclwcidc zu
suche sei. Alte Ehronikcn wiesen ans
den Krcukgang des Ncumünstcrs. Unter
Leitung des BauamtmannS Friedrcich
wurde der genannte Kreuzgang des Mün
sterS von der Ilmmaucrung befreit, nnd
cS zeigten sich 1 Bogcnwölbungen von
geradezu überraschender Vielseitigkeit der
Formen in Bearbeitung der runden, ccki--gen
und gewundenen Säulenschnfte, wie
der Bilderwerke nnd Kapitale. Den
Stcinsarg, in dem die Ucberrcste Wal
thers von der Vogclweide gebettet sind,
man aber nicht dort, wo man ihn zuerst
suchte, sondern nach weiteren Nachforsch
i'.ngen in einem anderen Theil des Kreuz
gaugs im sog. Lusamgärtchen gesunden.
Der Sarkophag hat 2,47 Meter innere
Länge 0,57 Meter Breite nnd 0,4? Mc
ter Tiefe ; in demselben lag ein vollstän
diges Gerippe. Auf dem Sargdeckel
ist noch deutlich eine dort angehauene
Kreuzcssorm zu sehen.
S ch w eins u r t. Vor hiesigem Land
gcricht stand dieser Tage der Schnllchrcr
Joh. Nike,!. Finzcl von Hausen unter
der Anklage acht verschiedener Verbrechen
gegen die Sittlichkeit, begangen an sonn
tagSschulpflichtigcn Mädchen. Er wurde
zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren
E h r v c r l u st v c r u r t h c il t .
Ncgcnsburg. Anläßlich dcrWan
derveiiammliing bayerischer Landwirthe
hat hier auch eine Ausstellung von allen
im LandschaftSbetricb vorkommenden
Maschinen, Gerathen, Zug- nnd Zucht
thicrcn :c. stattgefunden, die sehr zahl
reich beschickt war und brillant verlief.
I n g o l st a d i. Als des Mordes an
dem Ausschläger Mühlciscn von Eitcns
heim verdächtig sind der Gütler Späth,
der Schanzarbeiter König nnd der Güt
lcrssohn Maicr, sämmtlich von GaimcrS
heim, verhaftet worden.
G e i f e lh ö r in g. Auf hiesigem
Bahnhof wurde der Viehhändler Kicudl
seii. beim Uebcrschreitcn des Aahngclci
fes von einem eben einfahrenden Zug er
faßt, auf das Geleise geworfen und über
fahren. Er war sofort todt.
Erlangen. Die Gcsammt;ahl der
gegenwärtig an hiesiger Universität im
matrikulirtcn Studircnden beträgt 040,
eine Ziffer, welche noch nie erreicht wurde.
?lns dcr Nheinpfalz.
Neustadt a. H. Wegen Wein
schmicrcrci wurden die Wcinhändlcr, Brü
der LouiS Wilhelm und Gustav Adolf
Gcnnheimcr von hier zu je 1000 M.
Geldstrafe, event. 100 Tagen Gefängniß
verurtheilt. Sie haben bis vor ungefähr
zwei Jahren im großartigsten Maße
Weinfabrikation betrieben und mittelst
Wasser, Zucker, Sprit, Wcinstcinsäurc,
Glycerin, Rosinen :c. nnd etwas Natur
wein ungeheuer große Mengen Kunst
wein hergestellt.
H a m b a ch. Auf der Marburg wurde
in der Nacht zum 27. Mai zur Erinue
rung an das 51jährige Jubiläum der
Tage von 1832 durch unbekannte Hand
eine blutrothe Fahne aufgehißt. Vor
einem Jahre war dieselbe Demonstration
wie man annahm, durch Mannheimer
Sozialdcmokratcn in's Werk gesetzt
worden.
Württemberg.
Aalen. Die 13jähnqc Marie Stoll
von hier wurde bei Ulm auS der Donau
gesischt. Ohne Zweifel liegt hierein!
s?-it.n. v v v- : cm x.
Selbstmord vor, da das junge Mädchen
von Melancholie befallen war.
Bopfingen. Der flüchtige Post
meister Kettnacker hat es unter dem Deck
mantel der Frömmigkeit verstanden, au
ßcr dem Desizit bei der Postkasse (durch
Unterschlagung von Zeitungsgeldern) im
Betrag von 500 M., auch sonst feine
freunde und Bekannte auf die rafsinir-
teste Welse zu betrugen. Seinen Haupt-
fchwindel trieb er mit falschen Wechseln
und sind solche bis jetzt in der Summe
von' IS,V00 M ZUM Vorschein gckom
i. . , J7 . - r
nien. jein V9erant ves ino ais
, lein für 900 M. xräsentirt.
i T
Freudenstadt. Vater u st. Wer-
'a rr.fi i t-x ::rr-r.
ner's Anstalt in Schcrnbach, eine Filiale
- our BruderhansReutlingen, ist am 24.
, om.! rr n- . a. t!.t:..V-
Mai vollstäniq abaebrannt. Gebäude
und Güter desselben gehörten Dr.Schlcm-
mer in Frankfurt, wahrend Uvcrner das
Ganze zum Betrieb überlassen war. In
der Anstalt waren etliche 10 Personen,
darunter etliche SO Kinder, die eine eigene
Schule mit einer Lehrerin hatten. Das
übrige Personal betrieb die Lcndmirth-
schaft. Auch waren Pfleglinge und Blöd-
I fr rrrti S v nr f rfif T r 7 A fi-
sinniqe dort untergebracht. Der 74 Zäh-
rige Vater Werner eilte bei der Kunde
von dem Brande alsbald nach Schern-
bach. Er selbst erleidet jedenfalls einen
großen Schaden, da er vom Mobiliar
nichts versichert hat. Haupt- und Neben-
gebäude repräfentucn einen Werth von
100,000 M
Bade.
Freib urg. In der Flinsch'schcn
Papierfabrik gcnelh der verheirathete
eugtrager schleich in die Transmission,
welche ihm einen Arm und einen Fuß
ausriß, bczw. wegschlug. Man hat
keine Hoffnung ihn am Leben zu er
halten. Heidelberg. Ingenieur I.
Lcfcrenz beabsichtigt eine sekundäre
Straßcndampfbahn von Heidelberg nach
Schricsheim zu errichten. Die Pläne
liegen bereits in Schrieshcim zur Ein-
sicht offen.
La Hr. Anmalt D. Mar Fricdbera
in Karlsruhe, als Rechtsvertreter der
zvrau v. Eantlllon, ist mit einer gegen
die Stadt Lahr angestrengten Klage auf
Zahlung von (,0,000 ,r. ko tenpflichllg
abgewiesen worden. Die genannte Dame
ist nämlich von dem verstorbenen Wohl-
thaker der Stadt Lahr, Herrn Jamin,
mit 10,000 M. jährlicher Rente bedacht
worden. Die Rente wird und wurde
dem Testament gemäß von der Stadt
als Hauptcrbin an Mad. Eantillon ent
richtet, welche nun aber nachträglich noch
einen weitern Anspruch von 60,000 Fr.
geltend machte, worüber sie einen Wcch-
sei besitzt, den ihr Herr Ja min 7 Jahre
vor seinem ode als 4 lochen nach
seinem Tode zahlbar", ausstellte.
L a u f e n b ur q. Der Hausirer Lorevz
Baumganncr von Birkingen ist in den
Andelsbach gestürzt und darin ertrunken
Mannheim. An der hiesigen festen
Rhcinbrücke hat man mit größeren
Ncparaturarbeiten an dem rcchtseitigen
(badlschcn) Widerlager, dessen Unter
lagsquadcr und mehrere Schichten un
tauglich geworden sind, begonnen. Die
Arbeit soll mehrere Monate in Anspruch
nehncn und während der Dauer Arbeiten
ein Bahngeleise außer Betrieb gesetzt
werden.
P f o r z h e l m. Ans der Straße von
Hambcrg noch Scbellbronn ist der 25-
jährige Goldarbcitcr Hermann Sickingcr
von Hambcrg von dem 19jährigen Josef
Heuchele von dort erstochen worden.
Die Liebe war schuld daran."
(Zlsafz-Lothringen.
Mülhanscn. Der hier
kannte Zureiter Wcinbrenncr
wohlbc
nei in
zotae cchcuweroenS seines Pferdes un-
ter die Maschine cincS GütcrzngeS der
Trambahn, und zwar so unglücklich, daß
ihm gleich darauf der Arm amputirt wer
den mußte.
M ü n st c r. In einer Versammlung
behufs Besprechung über die Anlage von
Wasserreservoirs im Münstcrthale, zu
der sich sämmttichc Fabrikanten und Gc
mciildevorständc des Thales ciiigefnndeu
hatten, wurde vom KrriSdirektor Fcichtcr
erklärt, daß die Konen der fünf prozek
tirten Wasserbehälter sich noch dem Vor
anschlag auf 350,000 M. belaufen wür
den. Die Regierung stellte den Betrag
von 25,.,000 M. in Aussicht und hätten
die Jntcressetttev nur 100,000 M. bei'
zusteuern. Davon wurden 9 k,000 M.
direkt gezeichnet.
Oesterreich.
B r n r. Der Väckergchilfe Fried! aus
Sandau, welcher am 7. Februar d. I.
die bei dem Bäckermeister Fritsch in Saaz
bedien stete Magd Anna Knzlik, well sie
weder seine Geliebte noch seine Frau
werden ioollte, aus Eifersucht erschoß.
wurde zum Tvd dnrch den Strang verur
theilt. P c st. Der Maaistratsruth Barna,
Präsident der agcrhauskommission bat
sich in seinem Bureau erschossen. Ein
aus Esseg'cr Bürgern zusammcngctrcte
nes Komite hat den 2H Husaren, welche
ans dem Rückwege ans Bosnien bei dem
Einsturz der Eisenbahnbrücke über die
Donau bei Esseg in den Fluthen ihren
Tod fanden, ein Denkmal gesetzt. DaS-
selbe bcheht ans einem Obelisken aus
Marmor, mit militärischen Emblemen
und einer Gedenktafel geziert, und ist
von der Wiener Steinmetz- und Bild
hanerfirma E. Hinterleitncr ausgeführt.
Schweiz.
Bern. In der Waadt herrscht eine
förmliche Erbitterung gegen den Bun-
dcsrath, weil er neuerdings dckri tirt hat.
daß bei deu BataillonSfahucn die bishe-
rigen Kantonsfahncn durch Nummern
und die Schleifeil in Kantonsfarben durch
solche von Weis; und Roth zu ersetzen
feien. Die Waadtländcr verstehen in
solchen Sachen keinen Spaß. Agitatio
nen und Petitionen gegen die Neuerung
sind im Gang. Die neuen Fahnen, 104
an der Zahl, sind bereits den Bata'.llo-
nen übergeben ; die alten gehen an die
Landwehr über.
Die imposante Aarbrücke, welche das
Eentrum der Stadt Bern mit dem Kir
chenfcld verbindet, wo von einer cngli
fchen Baugefellfchaft cin neuer Stadt--chett
angelegt werden soll, geht rasch ih
rcr Vollendung entgegen, doch steht das
zum neuen Stadtthcil auScrschcne Tcr
rain, abgesehen von einer traßenanlage,
noch immer öde und leer.
S o l o t h u r n. Der Gemcindeam
mann von Hofstctten ist wie der cchclm
Th. Propst von Mümliswyl nach ?lme
rika verduftet. Er hat die Gemeinde
fasse bcstohlen.
Die große Schuhwaarcnfabrik E. F.
Balln in Schöncnwerd sendet ihre sammt
lichcn 2500 Arbeiter abtheilnngswcise
zur schweizerischen Landesausstellung.
Fahrt, Beköstigung und die Ausstellnngs
billctc bezahlt die Firma.
Zürich. Beim Dürlerstcin auf dem
Uctlibcrg wurde der Alt-StatthaltcrHcro-fce
von einem mit einem Knittcl bcwaff
netcn Strolche zu Boden geschlagen und
ausgeplündert. Er ist erheblich verwuu
det. Dc große Seifensiederei Strculi in
Wintcrthur ist ist Folge Sclbstentzün
dung vollständig niedergebrannt.
Luxemburg.
B o n n e ro e g. Am 25. Mai gegen
2 Uhr Nachts wurde die Behausung nebst
Stall und Scheune des hiesigen Äckerers
Nik. Theisen durch eine Feuersbrunst
gänzlich zerstört.
He is dorf. Eil.e Feuersbrunst zer
n j. --. , mn.: v:. v o- -r
störte am 22. Mai die dem Taglöhncr
I. B. Stoffel zugehörigen Gebäulich
leiten, bestehend aus Wohnung, Scheune
und Stallung.
Vartringen. Am Abend des 19.
Mai, etwas vor acht Uhr, brach Feuer
aus in der Wohnung des Johann Müller.
Endres' Hans, früher Klosenhaus ge-
nannt, in der Gasse Winkel, nahe an der
Eisenbahn. Vier dicht an einander-?
geschlossene Häuser brannten gänzlich
mit Scheune und Schober ab. !
Lydin.
-
Z! o n n von Rovert Byr.
(Fortsetzung.)
Tiefe urplötzlich aufgeschossene Begei-
sterunz für das Pflanzenreich hatte durch
inige indiskrete Andeutungen des klei
nen Studenten über propagandamachende
Prosefforen und dergleichen eme eigen
thümliche Beleuchtung erhalten vnd den
Stoff für allerlei übermüthig Scherze
geliefert,melche über die beiden nachfolgen
den trüben Tage leidlich hinweghalfen.
Dann endlich war die Sonne wieder
Meisterin geworden, hatte die Wolken
verflüchtigt, den Boden getrocknet und
die sa lange in's Freie, Sehnenden von
ihrer Zimmerhaft erlöst.
Eine heitere Fahrt durch den klaren
Morgen in mehreren Wagen hatte die
Thcilnehmcr an der Partie nach Weißbad
gebracht:. Nach kurzem Imbiß war
man von dort wieder aufgebrochen, ein
paar der alteren Herren und Damen und
Baron Sarnberg zn Pferde, die Mehr-
zahl aber zu Fuß,, auch für Lydia und
ire Schwester waren Neitthkere bereit
gestzndcn, die Erstere aber hatte es ver-
schmäht, sich aus eines dieser lebensmu
den, untentoaren Knochengerüste zu
schwingen, ovwoU Graf Marcheqg schon
eine sckiwunavolle Anrede an den emau
qiqen Schimmel hielt, dem auf seine al
ten Tage noch ein solches Glück beschie-
den sei, Brunhild aus seinen Rücken zu
nehmen. Diese, aber hatte eine solche
LZrane ihrer unwürdig erklärt und lÄero
lebhaft beigestimmt. Bald genug fand
er Gelegenheit, es zu bereuen, denn nun
fiel ihm die Aufgabe zu Jenny den Arm
zn reichen, und diese- nahm es ziemlich
ernst mit ihrer Stutze, denn sie war lange
nicht fo gut zu une wie ihre chwe ter.
dazu kam noch, daß sie schon nach der
ersten Stunde Wegs und noch eme ziem-
ichc strecke vom Ziele eutfernt, den nur
in leichtem Wchuymerre steckenden
an einem Steine verletzt hatte und nun
irnmci mehr zuruckblieb, bis sie endlich
nach längerer Weigerung den Antrag ih-
res Gatten annahm, ihr sein Pferd ab
zutreten. Er allein hatte an der Seite
seiner Frau ausgehalten, während die
übriaen Reiter weit voraus waren. So
hatte sich der Tausch vollzogen, und nun
ging es auch verhaltnißmaßig schneller
vorwärts, denn Baron Sarnberg hielt
sich überraschend wacker, was Zcnny.
nachdem sie die ersten Selbstvorwürfe
glücklich abgethan hatte, wieder Anlaß
gab, ihm trlumphlrend vorzuhalten, wie
sehr si.' immer mit ihren Mahnnnnge im
Recht gewesen, daß er sich viel zu wenig
zutraute.
Das war auch die Erwiederung, welche
sie auf die Vorwürfe ihrer Schwester be
reit hatte, als diese ihres erhitzt einher
schreitenden Schwagers ansichtig wurde
uns über die. Unvorsichtigkeit schalt, die
den von schwerer Krankheit erst langsam
Genesenden einer solchen Anstrengung
ausgesetzt hatte. Er selbst aber hatte ge-
lächelt und frohen Muths erklart, es
scheine wirklich nur auf den ersten Schritt
anzukommen, wie bei einem rehen Pferde,
das ja auch bloß warm werden müsse.
Er sei selbst überrascht, wie wenig Be
schmerde ihm das Steigen verursache.
In dem freudigen Lobe seiner Frau, in
ihrem glückseligen Lächeln fand er reichen
Lohn und die Anspornung zu weiteren
Wagestücken. An Ucbermüdung war ja
nicht zu denken, da für den Heimweg ein in
der Wirthschaft zum Escher bcreitgchal
teuer Tragscssel benützt werden konnte.
Schon waren Einzelne ungeduldig nach
dem Wildkirchli hinübergccilt, ihre jauch-
zcndcn Rufe vervielfältigte das Echo der
Berge, wieder und wieder wurde es her-
ausgefordcrt, und das Spiel begann von
Neuem, während sich die Nachzügler an-
schickten, aus der schmalen, steinigen
Kante der Felswand zu folgen. Hier
versenkten sich Einige in den grausigen
Blick, der schwindelnd zum Abgrund zog,
dort musterte man neugierig die Einrich
tung der Höhle und der Kapelle. Der
romantischen Stimmung wurde ihr Recht
durch Eitate auö dem ,,Ekkchard" und
wieder Andere scherzten mit der Andacht,
indem sie aus die als Betschemel dienen-
den Baume nicdcrkuictcn, oder wohl auch
in rascher Vcrmummung dcn Klausner
vorstellten. Alles war Lust und Frosinn
und kein Wölkchen trübte dcn Sonnen
schein am blauen MittagShimmcl.
und als nlin die Wanderung durch
as Innere des Berges angetreten wurde,
da gab es Gnomen und Erdgeister, die
ihre Stimmen laut werden liefen und in
seltsamen Gestalten vor den einander fol-
genden Gruppen auftauchten, bald er-
stickte ein leiser Schreckcnsrus in über
mürhigcm Kichern, bald kam ein längst
bereitgehalteucr Arm einem stranchelndcn
Füßchen zn Hülfe. Lachen und Schäkern
verstummte in der schwarzen Macht, um
ln der nachslcn erunoc wicocr uoeriaur
anzuheben, wenn ein fahlrother Licht-
schein emmal heller an der Wand hm
glitzerte und die darunter weghuschenden
ui'.hcimlichcnSchatten in bekannte Formen
auflöste. So ging cs munter vorwärts,
bis der wachsende helle Punkt sich plötzlich
zur weiten, herrlichen Rundschau aufthat
und die Welt in ihrem reichen, farbigen
Kleide dalag vor dem entzückten Blick.
Xn diesem steten Wechsel der Gruppen
hatte Niemand des Einzelnen geachtet,
der noch in der Hohle zurückgeblieben
war. Langsamer schreitend und im
Stehenbleiben bald hier, bald dort mit
der qualmenden Fackel näher leuchtend
hatte Werner den Zug geschlossen, irrn-
gegen seinem ursprünglichen Vorsätze,
war er doch von seiner Mutter noch über-
redet worden, dcn Ausflug mitzumachen.
Die kräftige Bewegung hatte ihm nach
dem mehrtägigen, gezwungenen Stille-
sitzen wohlgethan, das Innere der Grotte
ihn besonders inieressirt, und nun, nach-
dem er sich schon eine geraume Weile in
crsclbcn verweilt und seine Taschen mit
verschiedenen Stcinen gefüllt, schickte
auch er sich an, das kühle Gewölbe zu
verlassen.
Doch wahrend der weggeworfene
Kienspan in einer kleinen Pfütze km-
stcrnd erlosch, glaubte er plötzlich S,tim-
men zu vernehmen, er that einen Schritt
vor, hielr daun aber unwillkürlich an.
Es war Lydia, welche auf eine Frage des
Grafen antwortete. Beide konnten nur
wenige Schrilte von der Höhle entfernt
fein, deren Mund ihre Stimmen wie cin
Schallrohr aufsing.
Indeß er noch zögerte, schlugen weitere
Worte an s.ein Ohr. Es war ein seltsa
mer Rath, der da ertheilt wurde. Dann
kam eine Widerrede, eine Entgegnung,
abcrinals eine und ein sarkastischer
Schluß. Darauf wurde es stille, die
Beiden mußten sich entfenrt haben, ehe
der unfreiwillige Lauscher noch einen
Entschluß über sein Verhalten gefaßt.
Nun brauclste er wenigstens nicht umzu
kehren : er wartete nur noch eine Weile,
um den sich Entfernenden einen genügen
den Borsprung zu lassen, und trat dann
rollendes aus der Grotte.
Zür die Aussicht aber, die sich ihm bot.
würde er kaum ein Auge gehabt haben.
auch wenn ihn diesen Moment nicht eine
Woge andrängender Gedanken beschäf
tigt hätte, denn beim ersten Schritt in's
reie fiel fein Äuge auf die yestatl 'Zer-
jenkgen, welche er hier zu treffen nicht
mehr erwartet hatte.
Auf der Nasenkante faß Lydia mit
lnrückaeleatem Leibe, dii Arme erhoben.
j die Hände hinter dem Kopfe verschlungen
und so cm Kissen für venfelven ditdens
auf dem rauhen Fels, an den er sich ,
lehnte. Wie in Ermüdung entschlum-,
- z '
mert, hielt sie sich regungslos, und auch
die geschlossenen Augen stimmten dazu,
. x t .i . 4i;v f.t
aoev unicr cen gcienlken iwern
nn . nr r. ? t jr
Werner mit Erstaunen
Zwtt
schwere
Thränen hängen.
Dieser Anblick war so überraschend.
daß davor selbst der Eindruck der in die
ser Stellung zu besonderer plastischer
Wirkung gelangenden Fonnschönheit der
edlen Gestalt zurücktrat. Einer Lcegung
der Theilnahme nachgebend, redete Wer
ner das weinende Mädchen an, ' ohne
lange zu erwägen, ob seine Anwesenheit
' r ( r . . c r .
wrriiicy ooer nur aoireyrileu Ignorrrr
werde.
Sie sagte er. Ist Ihnen
etwas zugestoßen?
Lydia that die Augen auf, aber bei
dem ersten Blick rn die duster leuchtenden
Sterne erkannte er, daß nicht Schmerz
oder Wehmuth, , sondern nur der Zorn
diese noch immer an den Wimpern bli
tzenden Thränen erpreßt hatte.
,,N?m," entqeqnete sie mit abweisen-
der Kürze. Wozu fragen Sie?"
Wie Sie wünschen, ich rann auch
weitergehn. Ich war nur betroffen, .als
ich Sie hier so fand. Sie konnten ja
ohnmächtig sein."
Er nickte leicht und war wirklich rm
Begriff weiterzugehen, aber sie schwieg
nicht, wie er erwartet hatte.
,,Jch war nie ohnmachtig in meinem
ganzen Leben, und hätte nicht gedacht,
daß man mir derlei Zimperlichkeiten zn
traut." Aber Sie hatten die Augen geschlos
sen "
Dürfen das nur die Katzen in der
Sonne?"
Und dann hatte ich zuvor schon ge
sehen, wie Sie drüben neben der Kapelle
am Geländer lehnten wo keine Sonne
hin schien wie wenn ein Unwohlsein,
ein Schwindel über Sie - gekommen
wäre,
Ein Schwindel?" Ihre Lippe warf
sich verächtlich auf und der ironische Ton
lyrer stimme verschärfte sich bis zur Bit
terkeit. Eine Anwandlung, die ich
ebenso wenig kenne als Ohnmachten. Das
ist das Privilegium nervöser, feiger Stu-
venhocker
Werner wiegte leicht lachend dcn
Kopf.
Wir Leute vom Bau sind just keine
Stubenhocker und haben, wie Sie viel
leicht wissen, ziemlich oft auf hohen Ge
rüsten zu thun, die nicht immer ganz ge-
fahrlos sind. Wer nun mcht so glücklich
ist wie le, schwindelfrei zu fem, und
dennoch hinaufgeht, dcn darf man doch
wohl kaum feig nennen, und was feine
Nerven betrifft, so muß sein Wille sie
ganz beherrschen, sonst könnte er bei
j.edem solchen Wagniß verunglücken."
Sie hatte wohl verstanden, daß er von
sich selbst sprach, ihr Auge suchte auch den
Boden, doch unterließ sie es, ihren velei
digenden Ausspruch zurückzunehmen. Ihre
Arme hatte sie sinken lassen, und ihren
Oberkörper vorneigend, ahm sie das
Spiel mu dem Sonnenschirm wieder aus.
Ich sah in die Tiefe, weil cs für
mich einen unbeschreiblich bestrickenden
Reiz hat," erklärte sie. Ich dachte
nur, wie es fein mußte, da hinunter zn
stürzen. Glauben Sie, daß meß cm
schmerzhafter Tod wäre? Der Einsiedler
von dem uns der Führer erzählte, muß
die Besinnung verloren haben, lange be
vor er unten zerschmetterte.
Und das nennen Sie einen schwm-
dclfrcien Kopf, durch den solche Gcdan-
ken ziehen?" Der finstere, brütende
Zug, der ihrem stolzen Antlitze fast et
was Dämonisches verlieh, stieß Wcrncr
viel weniger ab. als ihre aewöhiiliche
Zuvcrsichtlichkcit, die sie sonst so hochmü-
thiq zur Schau trug. Er empfand so-
gar etwas, das am besten noch als un-
williges Mitleid bezeichnet werden kann.
Der Scherz lieh nur eine Maske dafür.
und hatte sre ausgeblickt, so wurde sie rn
einen Augen etwas ganz Anderes gclc-
sen haben, als sie ans seinen Worten
herauszuhören meinte.
ic sah trotzig vor sich hm zur lrde,
und heftig kampfbereit entfielen ihr auch
die Worte:
Der Tod hat nichts Furchtbares,
außer für dcn Furchtsamen. Sterben
st leichter als leben."
Eben darum wählte der tapfere Geist
auch das Schwerere."
Warum?"
Der Kampf ist Manncsart."
Ah, da prahlt schon wicdcr einmal
der Manncsdünkel," höhnte sie unmu-
thiq. Nun denn, ich bm nur ein
Weib, das hat wohl keine Tapferkeit zu
üben!"
Doch auch in der Ergebung."
Die alte Formel der Sklavcnmoral :
ic wird uns von Kindheit an gepredigt.
Aber was ist denn fo Kostbares an die-
ein Leben, daß wir uns an dasselbe
lammern sollen?"
Sie hatte letzt die Augen gehoben und
ah, wie er lächelnd die Achseln zuckte.
Aber was er sprach, klang doch ernst.
Es ist das Vfelo für unsere Entwick-
unq und Bethätigung. Wer den Tod
wählt, vernichtet Willen und Kraft."
Sle wurden sich also ntc für den-
clbcn freiwillig entscheiden? Sagen Sie
aufrichtig und ehrlich : uie ?"
,,too lange wenistens nicht, als ich
noch selbst das Leben zu gestalten ver-
mag."
Sie blickte in die Ferne, aber von all
den Schönheiten, die sich dem Auge bo-
en, gewahrte sie nichts, sie sann dem
nach kurzer Zögerung mit solch' nach
drücklicher Bestimmtheit gegebenen Aus-
pruche nach. Plötzlich, ohne icden ver-
mittetnden Uebergang, als wäre das
Vorhergegangene völlig abgethan, fragte
sie Werner, woher er komme. ir er-
lärte, warum er in der Hohle zuruckge-
blieben, und dcntete auf feine gefammel
tcn Steine.
Ob sich ein Schatz dabei sinden oder
bloß Herengold, muß sich erst zeigen.
Ich glaube selbst kaum, das Pctresakte
darunter sind, aber Fingerzeiae' wenig-
tcns betreffs der Zusammensetzung und
Verwitterungsverhältnisse der Gesteinar-
ten. Selbst über die Konstruktion rann
man immer wieder Aufschlüsse finden und
Neues lernen. Wir Architekten müssen
uns ja überall umsehen und etwas abzu-
auschen suchen, da dürfen wir schon auch
bei der großen Meisterin Natur in die
Schule gehen. In ihrer Bauhütte gibt
cs noch manches Geheimniß zu erkun
den." ..Also auch hier forfchen, trachten, ar-
besten, überall das emsige Streben, nicht
einen Augenblick Ruhe selbst das Ver
gnügen, der Genuß wieder verwandelt
in Arbeit unausgesetzt Arbeit!"
In irgend einer fronn allerdings
das gehört eben ur Gestaltung des Le-
vens oes meimgen mcnigiicns.
Wohl war ihm der wegwerfende Ton
nicht entgangen, doch das gab seiner Er
wiederung nur noch mehr Ruhe und
Festigkeit. Sie blieb nicht ohne Ein
drnck. Aufmerksam sah Lydia in dieß Gesicht
voll Geist und Verstand, das den
Stempel ernster Willenskraft trug. Aus
hren eigenen Zügen war allmaug die
grollende Verbitterung gewichen, wenn
auch ein Nest von Hcrdyeu noch immer
nachhielt.
Setzen Sie sich daher." sagte sie, '
abermals das Thema fallen , lassend, i
lne weiter darauf einzuaeben. und den-.!
oiiSniiM Sfcrfcl tnSlirnWi.
41.4 W VUVti UM 1111. Vk7VIVttf .(V..- .
i rrn . . . .1
tztn sich zanes ucoos angeitammeri yailc .
inS (sin r irtirf.
icbe istelnvrechdlu-
. I
ten sproßten. Ein wenig ermüdet wer-.
den Sie doch wohl auch fein, das heißt,
wenn Sie nicht darauf erpicht sind wie
die Andern, ein paar Meter noch höher
zn steigen, wo die Aussicht ahrschern-
i:jc IjLa. :.r v - s.i r t:
aa tiiy miyi ict auoc,i( uis am. jocv
. r!c rr?i r c?t.--Ä.. r
; sind Sie auch von Jenen, die jede Kirch-
lyurnisplize, ic ne rnkyr seyen, gewissen
haft in Rechnung bringen und sich um sa
größer dünken, auf je mehr Gipfel sie
gestanden haben ?"
Jeder summirt eben seine Leistun-
gen," entgegnete er lächelnd. Auf
dem Gipfel stehen, lst immerhin eine
schone Sache; doch richtet sich meine i
Ambition nicht auf diesen hier. Aber
was wird man sagen, wenn wir uns so
zu einem leie-Zi-reie avfonoernk"
Das gilt mir gleich. Rein, da oben
hinauf! Da wenden sie der Sonne den
C M 1 V -
nucren uno mir rommi yr chanen zu -
gut." - . -
: ..Da will ich den Platz doch lieber
Ihrem . Sonnenschirm abtreten der
. n L c r r .si. (w . f r '
wir ncy ver eyrenyasien A,usgaoe viel
besser entledigen. . Oder Ihnen einen
yccimicicr vicupcnreier ycravienvcn,
: l 7t. .fr i i t tr t
er iicy giuaucy icyayen wiro." .
Darauf verzichte ich. Setzen Sie
V? lf T r X 1 FF
sich meinethalben wohin Sie wollen.
wenn Sie so empfindlich find, aber blei -
r. V. cy jr, 'rr r 'l.
vi n wu vu. oy uiiu ucuci um ctucui
gescheiten Menfchen im Sonnenbrand
plaudern, als den unerquicklichen Schat-
ten eines einkältiaen aenieöen
Sie wissen Ihre Mittel zu wählen."
sagte er. Und nun schwang er sich doch
auf den ihm angedeuteten Sitz und rich
tete sich so ein, daß er Lydia gegen die
heißen Strahlen deckte. Der einmal an -
geregte Humor begehrte aber noch wettere
Genuatbuuna. Sie hätten das unfebl -
barste Ihrer Mittel nur nicht früher ver -
raryen fouen.
,Jch verstehe Sie nicht."
.Nun es ist wohl wider Ihren
Wunsch, daß man die Worte wie Fang-
fiXir .;5. ...r..:..ri .......
mut cuiuuuci juificu, uvu muHiuuiuu,
ob man will oder nicht, auf Alles zurück.
was unerledigt blieb und gerade darum
lnorucr macyre, wen es innerlich wener
arbeitete. Ich denke unwillkürlich, daß
csie fetzt bei mir den Versuch der. Schmei-
W
caeicr machen, .weicher rein Mann wi-
dersteht'. '
...! 4s, S. IX. c.sQI
4nu wuu iuit ii VU9 l
Wie, wenn ich Ihnen ebenfalls ,d,e ist das Volk von aller Schuld frei, sin
Eifersucht auf alle Männer vorhalten I den sich bei ihm nur Tugenden? Hat
woulek"
Sie hatte geringschätzig die Achseln ge-
zuckt, aber das Herabneigen ihres Haup-
tes konnte ihm ihr flüchtiges Erröthen
nicht ganz verbergen. Seine Worte
mochten sie verdrießen, doch konnte er ihr
das nicht ersparen, denn sie sollte wissen.
daß dieß stets erfolgreiche Mittel bei ihm
nicht verfing.
Nicht daß Ihnen der Einzelne etwas
gelten würde," setzte er nach kurzer Pauste
schärfer hinzu. ..Sie mögen nur Kei-
nen an Ihrem Triumphwagen missen
O ! Das ist es ja gerade, was
nnr an Ihnen gefallt," entgegnete sie,
ihren Blick offen zu ihm erhebend und
mit temperamentvoller Lebhaftigkeit,
daß Sie sich nicht gleichfalls verspan-
nen zu mus en glauben als ob wie m
unseren eigenen Augen nur nach dem
Verhältniß der Pferdekiäfte wüchsen,
welche uns zur Verfügung gestellt find."
Kein sehr schmeichelhafter Vergleich."
Genau der passende. Welchen Ver
gleich braucht man für uns? Was hält
man von einem Mädchen, das man nur
mit faden oder dreisten Lobeserhebungen
futtert und nntauglich zu jedem tieferen
Gedanken und jedem ernsteren Gespräch
erklärt? Sollen mir etwa entzückt sein
über die zartsinnige Ausschließung von
jeder zeitbewegenden Frage, die man uns
mit geringschätziger Sorgfalt angedeihen
läßt, indem man uns von der Kinderstube
an einredet, wir dürfen nicht wir felbst,
sondern nur jene niedlichen Puppen fein,
für die man deu Normalzuschiiitt nun
einmal fertig hat. Uns Verstand, Selbst
bewußtsein, Muth, Kraft zuzutrauen.
hält jeder Mann unter seiner Würde
seiner männlichen Wurde natürlich. Wel-
ches Entzücken für uns, wenn man uns
nur Zuckerplatzchen zn naschen gibt!
Kaum daß sich einer der Herren die Mühe
nimmt, eine besonders zierliche Düte da
für auszuwählen. Kann es doch nichts
Aeglückenderes geben, als zu hören, daß
es uns schon, reizend, unwiderstehlich
findet, und möge das Wesen des Mannes
mit noch so viel Jämmerlichkeit gespaart
sein, möge seine Begeisterung noch so
zahm sich den kläglichsten Verhältnissen
anvassen, möge jede Versicherung selbst
eine Beleidigung sein. Ich könnte die
Männer hassen, wenn ich sie nicht ver-
achtete!"
.Die Männer?" fragte Werner mit
befonderer Betonung.
Sie antwortete nicht, sondern führte
einen Schlag mit dem Schirmstocke nach
einem harmlosen hellgelben Schmettel
linge, der, voll Lust am goldenen Son
nenschein, an ihr vorüberflatterte.
Daß dieser ZornauSbruch m knappstem
Zusammenhange mit jenem Gespräche
stand, dessen Schluß er mit angehört,
hatte Werner sofort erkannt, sich auch
scharfsinnig genug die Empörung der stol-
zen Mädchenfeele über ein schwachmüti
ges und bedlnguttgswesjes Gelüsten, das
vor gewissen praktischen Erwägungen mit
gemeiner Klugheit zurücktrat, dennoch
aber aufdriiiglich geäußert wurde, gedcu
tet. ja sogar eine gewisse Genugthuung
darüber empfunden, daß sich so klar die
Unwahrheit fener böswilligen Verleum
düngen erwiesen, an die er keinen Augen-
blick geglaubt und die er doch nicht hatte
vergessen können; trotz alledcm aber
vermochte er diesen Erguß nicht mit vol
lem Ernst aufzunehmen, und mit der
Theilnahme, die sich vielleicht in ihm re
gen wollte, zu beantworten.
Was hat Ihnen der arme Apollo ge
than, daß Sie ihn züchtigen wollen?"
fragte er scherzend. Den Falter meine
ich, der so heißt Ja so, weil gerade
darum. Auch Apollo war ein Mann."
Und um nichts besser als die Anderen.
Auch Sie haben nur Spott und keine
Rechtfertigung zur Hand. Einer solchen
Ehre, die Waffen mit uns zu kreuzen,'
werden wir nicht für werth gehalten, und
doch fragt sich's, ob Sie dieselben besser
führen. Auch in Wirklichkeit, nicht nur
bildlich genommen. Wie viel thun sich
die Männer anf ihre Kraft und Gewandt
heit, auf ihre Ausdauer und Kenntniß
zugut, als ob sie allein Meister in fol
chcn Dingen wären! Ein Fraucnauge
visirt ebenso gut dcn Schuß, es regiert
das Ruder die Frauenhand mit derselben
Gefchicklichkcit ; ob wir nicht ebenso
gründlich die Ehancen einer Jagd oder
eines Rennens erwägen, über Dressur
der Pferde, Zweckmäßigkeit einer neuen
Schlittschuhverbesserung, Eindringlichkeit
eines Wahlmanisestes oder Zugsrast einer
neuen Oper urtheilen dürfen, das mochte
ich noch auf eine Probe ankommen lassen.
Worauf gründet sich denn dieß Hochgefühl
der Männer, wenn sie nicht mehr ver
mögen, als ein Mädchen auch? Mit wel
chcm Rechte wird uns die Freiheit ver
kümmert und die demüthige Rolle des
lebenslang Unmündigen zu geniesen !
Warum wir es nicht in Allem gleichthun
den Männern?"
Den Männern? wkedcrhclte Wer
ner im gleichen Tone wie zuvor, doch war
kein Zug von Ironie mehr in seinem Ant
litze. . Trocken, fast hart klang seine
Rede. Sie begehen wohl eine. Ver
wechslung, mem Fröulem. LSas.isie
da angeben, läuft auf Ihre Unterhaltung
f,;nnnä ii Ttufcfofrä 3fUTj mnttt Nlckts I
uu.MM, j " J i) t 7 ,
r - n .a ..Mw . .v S. . it '
llis Jeiioergruvuttg ,. gl4vr US, US ,
cietenigen Banner rreioen, oie sie a-,
r . rr-. xX. V . 1
rum verachten. Sie thun es dem ,Ka
valiere' gleich und nicht dem .Mannes"
Beide schwiegen. Sie konnten das
i Summen der Käfer hören und durch die
stille Lust saut ta? icifc itiinoen detSiu5!
I ? . . " -
t aioacn von oen Lilpenwaioen lzerüoer
1 rw . . -
Aus längerem Nachsinnen auftauchend
warf Lydia, wie wenn sie ihn wenigir
tadeln als entschuldigen wollte, die Be
merkung hinzu: .
Sie sind Demokrat." .
,Ja, das bin ich!" lautete das über
zeugunäsvolle Bekenntniß. Was hat
Ihnen der Adel gethan?" '
Ävcrncrs Wangen rötbeten "sich und
j seine Augen leuchteten in düsterer Glu:h
! auf. Welche Herausforderung in dieser
frrage gerade aus ihrem Munde aus
dem Munde der Tochter jenes Mannes.
I durch den seine Familie so viel nelittcn
I t r ' VÄ . ' ' V
1 uns an den er von fugend auf mit Zorn
k und Haß denken gelernt! So sehr er sich
I auch Mübe aab. rubia tu bleiben nnh
I dcn ' ganz im Allgemeinen' berührten
I M. . . . ' . - . .
i PMnrt nicht m s Persönliche zu ziehen,
I klang doch der Groll so vernehmlich aus
r .-.
i seiner klimme, oan die harmlose nraae-
In- " v
i freuerin verwunde aufblickte. " "n
..5ch könnte Ihnen die Weltaeicbiebte
I weilen", saate er. . .dort mürdrn Sie
1 umständlich Antwort finden, wenn Sie
I r;x. v:. tm-t. ......... ' c
sich die Mübe eben wollten, iraend ein
historisches Werk zu lesen, das nicht ad'
usurn aelpdiui praparirt ist. Aber
derartige Bücher behält man ja den Söh-,
nen und Töchtern Ihres Standes weis-
lich vor. Ein solches Studium würde
Ihnen wohl auch rasch begreiflich machen,
I daß es keiner besonderen Anlässe bedarf.
1 um einen Mann lum Geaner überlebter
I und. ausgearteter Institutionen zu ,na
1 dien. Dock Sie wenden sick an ,
1 Einzelnen, und da will ich Ihnen denn
I zugeben, daß ich allerdings noch emen
I besondern Anlaß habe. Meine nächsten
! Anaehöriaen haben durch einen Gewissen-
l losen aus jenen Kreisen schwere Unbill
I er. . i. cr r
I criayren, a icy peliagc sogar zwei rycure
I Menschenleben, die seiner Schuld und dem
aristokratischen Voruttheile zum Opfer
gefallen nnd.
I " Das ist traurig", gestand sie leise
zu, doch der thcilnahmsvolle Ton wich
I. -..w' ' . '
sogleich einem kampfluftiaeren. ..Nur
I meine ich, daß die Grausamkeit von jeher
I .. .' l. i ii. ..t - .
I nirni 1)109 nlli CinCT eiic war. joci;
es mcht auch schon unzähliae Opfer qe-
fordert und konnte, was Sie durch einen
Einzelnen erlitten, nicht auch einen sei-
nesgleichen von einem Gegner treffen?
Jede Partei schreibt ihre Geschichte für
sich, das ist selbstverständlich, und wer
ist so vorurtheilssrci, unfehlbar zu beur
theilen, welche mehr Glauben verdient?
Jch begreife nicht, wie man daS Volk
lieben kann, da ich nirgends seine Vor
züge zu erkennen vermag."
.WaS bat Ihnen das Volk gcthan?"
gab er nun ihre eigene frühere Frage ab-
geändert zurück.
sie zuckte die Achseln und ihr Mund
verzog sich zur unschönen Grimasse.
Es ist nur unsympatisch. Ich möchte
sagen, cs greift mir die Nerven an
wenn ich an Nerven glaubte. ES hat
keine Erziehung."
,Wo man ihm keine gibt. Wie viel
große Männer Leuchten der Menschheit
fmo aus icmcm cyoofze ucrvorge-
gangen!?
.Das bestreue ich nicht," versetzte sie.
drn Kops von einer Seite zur andern
neigend. Es kann Jemand sehr gc-
schabt, sehr gelehrt, 10. sogar sehr gut
erzogen sein, ohne doch zu besitzen, waS'
man Erziehung nennt, die gute Lebens
art meine ich. Ich glaube, man kann
die Menschen in solche mit nnd ohne
Manschette theilen. Der Mensch, der
Erziehung hat, tragt am Ende lieber
schmutzige als keine Manschetten."
toic lachte über ihren Einsall, der ihr
selbst bizarr erschien, - brach aber plötzlich
und errathend ad, denn was sie bioher,
vollkommen übersehen Halle, bemerkte sie
jetzt.
Werner, der sur die Berapartie nur
cin weichwolleneS Touristcnhcnid trug,
erklärte kaustisch:
,Da darf ich Ihnen nicht langer dir
Nerven angreifen, denn auch ich trage
keine Manschcttcu."
.Wenn ich ie hatte belcidiaen wol-
lcn," beeilte sie sich entschuldigend zu er:
klaren, wurde ich Sie nicht ausgefordcrt
haben, mir Gesellschaft zu leisten."
,Wcr weiß. DaS wäre erst noch die
rafsinirtestc Weise."
Wcrncr sagte daS halb lachend : cr
hatte auch nicht tinen Augenblick Miene
gemacht, seinen Sitz wirklich aufzugeben.
Im Ganzen schien er ihn doch nicht un-
behaglich zu finden.
Warum müssen gerade wir Velde uns
immer streiten l" fragte sie.
,Wcil Sie nicht dulden wollen, daß
Jemand anderer Meinung ist. DaS ge-
Hort mit zu dcn mäii'.ilichcu llgcnschaf
ten Brunhilden'S.
Der Scherz fand doch kein Echo bei
ihr.
.vcennen Sie Mich nicht auch so. Der
Vergleich ist beleidigend. Eine Unselige,
die liebt, wo fie verspottet wird."
,Abcr auch dafür todtct. Und das
könnten auch Sie."
(Fortsetzung lolgt.)
Die kapitolinischen ünse. .
Im Bois de Bouloqne" gibt cs einen
Teich und in diesem Teiche schwimnnn
Enten und auf diese bratfahlgen Vögel
haben böse Buben ein Auge gcworscn.
Trotz aller Vorkehrungen wurden die
schönsten und fettesten Thiere von den
zweifüßigen Füchsen beinahe allnächtlich
gekapert. Da erhielt der Kustoö dcS
Geoolres dcn Vesuch cincS Undetannten,
der ihm dcn Lorschlag machte, dcn Enten-
' ?. c - ,.t ... ZT x. - v fi.r
4.1'ich, wie oas ro!nicye zcapuoi, von
Gänsen Huten zu lassen. Der Mann
mit dem guten Rathe griff nicht nach dcn
klassischen Traditioncn zurück, cr vcr-
fichcric blos, daß cr n semcr Wirthschaft
die Gänse als Hüter gebrauchte und daß
diese ihm die vortrefflichsten Dienste lci-
stcn, da Niemand dem HuhnerftaUe nahe
kommen könnte, ohne daß die Gänse
durch das Geschnatter das ganze Haus
alarmirten. Irs fand eme Probe statt.
Man ließ zwei Gänse im Teiche los und
ein Wachter stellte sich fo, als wollte er
eine Ente an's Ufer locken und sich der-
selben bemächtigen. Richtig erhoben die
Gänse ein solches Geschrei, daß alle
übrigen GardicnS herzustünnten. Das
Erpenment schien probat genug und es
wurden nun fünf Gänseriche und sechs
weibliche Gänse angeschafft, die bei Tag
und Nacht die Tcichpolizei besorgen. Das
Wächtcrpersonal hat diesen neuen Ad
junktcn allerhand Namen verliehen, eine
der Gänse wurde sogar Sarah Bern
hardt" getauft. Daß die Trägerin des
letzteren Namens, gerade das fetteste
Eremplar ist, beweist, daß man cin
simpler Forstwächtcr sein kaun und doch
eine DosiS Humor besitzen darf.
Südamerikanich es Jäger-
Latein.
Ein aus Brasilien Heimgekehrter
rühmte sich, eine große Zahl von Goril
las aus der Welt geschasst zn haben.
Das soll sehr schwer halten," be
merkte einer der Zuhörer. r -. ' . :
Allerdings," erwiderte der Erzähler,
aber ich wußte dcn Nachahmungstrieb
der Assen auszubeuten." " ' ' "" '.
-Wieso daS?" ' - '
.Sehr einfach. An Orten, 00 ich die
Nähe von Gorillas verniuthetk,, feuert,
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Plafze. Wenn icg naa, luijn "
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nung an denselben Ort zurückkehrte,
fand ich dort regelmäßig die Leiche emeö
Gonlla, der sich felbst erschossen hatte.

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