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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 19, 1883, Image 2

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nantcss)
Lermanner Volksblatt.
Oehiüttt Öt af, Herausgeber.
Dankbare rinnernng.
ES ist schön, daß man jetzt in Pennal
vamen mährend der Feste zu Ehren der
deutsch - amerikanischen Pilgeroater Pa
storius, Op den Gräff u. s. w. zugleich
dankbar derjenigen Pennsyloanisch-Deut-schen
gedenkt, welche in der Jetztzeit für
Erhaltung und Wiederbelebung der deut
schen Sprache und des deutschen Wesens
unter den Pennsyloanisch-Deutschen, den
Abkömmlingen der ursprünglichen deut
'schen Einwanderung in Pennsvloanien,
gewirkt habend - - !- '
1 Im lutherischen Mühlenierg-Seminar
"zu Allenown im schönen, ehighthale
reift ttbKolossal-BüKe des ,or wenigen
Jahren gestorbenen Pfarrers. S. , K.
Brobst enthüllt werden. Mit Recht nennt
ifr'feer Phil. Demkr. einen deutsch
vrnerikanischen Mann in des Wortes voll
kommenster Bedeutung. Er stammte
vondeMschen Pionieren, die schon vor
Penn im. jetzigen Pennsylvanien gewesen
fein sollen. Aber dieser Mann, dessen
'ffcknlMe sich schon' in sechster oder sieden
tcr Generation in diesem Lande befand.
irkin- besserer Deutscher, als selbst
ele Deutsche in Deutschland.
Seine einflußreiche Stellung als einer
der-bedeutendsten protestantischen Geistli
ArpWckt 'xwt Allentonm's, sondeni des
ganzen südöstlichen Pennsylvaniens und
als Herausgeber religiöser und weltlicher
Blätttrz' benutzte er, der das Deutsche
ebensö aut und rein sprach und schrieb.
wie das Englische, hauptsächlich dazu, den
aUurusm. jo genau bekannten pennm-
öanisch-deutschen Veoölkerungsthell im
mer mebr mit dem neudeutkchen. aus
Deutschland einaewanderten zu befreun-
dennd zu verschmelzen und dadurch das
an Dentschthum im Staate zu heben
und seinen' Einfluß zu, vermehren. Zu
diesem Zwecke trat er auch an die Spitze,
des Vereins der 'deutschen Presse
Pennsuloaniens", welcher so viel zur
uruckaewinnuna selbst solcher alter
ennsyloanisch-Deutscher, die dem
Tutschthum ganz entfremdet waren, sür
deutsche Sprache und deutsches Wesen,
geleistet bat.
( 'Neben Brost verdient bei dieser Gele-
genheit der ebenfalls vor wenigen Iah-
n ciestorbene E. D.Leisenring in Allen
71:". i. ... v ij...
lwn genannl zu idciucii, uiciuci, vv
gleich auch feine Gorfahren schon im vor
vorigen Jahrhundert aus Deutschland
nacb Amerika gekommen waren, mit
ebenso viel' Verständniß als Thatkraft die
edlen Bestrebungen Brobst S unterstützte.
, Die Büste Brobst S. welche in der oben
genannten, ihm so viel verdankenden
deutichvennsvloanischen Lehranstalt auf
gestellt werden wird, ist vom Bildhauer
Avgust Müller in Philadelphia geschälten
und sprechend ähnlich.
Her VliniflerprozeK in Kristiania
'Der Prozeß gegen das norwegische Mi
nisterium wird nach langen Berhandlun
gen ubev technische Punkte dieser age
beainnen. Das Ministerium ist vom
Storlhing verfassungswidriger Handlun
gen angenagt uno zwar umsaht oie vui
klage lolgendc drei Punkte : l) die Mi
nister kiaben dem Könige gerathen, den
vom Stortliinq 1880 gefaßten Beschluß
daß die Staatsräthe (Kabinetsmitglirder)
bei hen Verhandlungen des Storthings
kügeqen sein sollen, nicht zu bestätigen
und dadurch , jenem Beschlusse die ihm
versassngsmSßig gebührende Giltigkeit
abiusvrechen: 2) Ne haben sich geweigert
die lvoitt Storthing für Unterl'tützunq der
Völksbcwasfnungsvereine" bewilligten
Summen auszuzahlen ; 3) sie haben den
BefchluK des Stsrthinas in Betreff der
Organisation der Eisenbahnveiivaltung
dein Könige nur theüweise zur Bestall
giiiist elnvioblen und keine Rücksicht au
lg ei
d(i' Verfangen des Storthings in Bezug
auf die von ihm gewählten Verwaltungs-
Mitglieder genommen.
'Das Reichsgericht, welches über die
Minister abmurtheilen hat, trat am
August in Ehristiania zusammen. Es
ist.zttsammeiigesctzt aus den Mitgliedern
des Lagthing nnd dem Obertubunal.
Das. Lagthing besteht aus 29 Mitglie-
dern und ist eine aus ver Mitte des Stor
thing, des aus der Volkswahl hervorge-
henden eigentlichen Vertretungskorpers,
gewählte besondere Kammer. Die An
klage gegen das Kabinet wurde von dem
gesummten Storthing erhoben, so daß
als- die im Reichsgericht sitzenden Lag-thing-Mitglieder
zugleich Kläger und
Richter sind. Die in der Anklageschrift
erwähnten Storthing-Beschlüsse, welche
auf Anratyen der Minister die Sanktion
dcö Königs nicht erhalten haben, pafsir
ten dreimal die Legislatur, und der nor-
wegischen Verfassung zufolge hat zwar
der König das Recht, einem vom Stor-
thing gefaßten Beschlusse seine Sanktion
zu verweigern, wenn aber drei nach ein-
ander folgende neu erwählte Storthings
einen gleichen Beschluß gefaßt haben, so
wird er auch ohne des Königs Sanktion
Gesetz. Diesem VersassungSparagra
phen zuwider verlangt der König absolu
tes Vetorecht und verweigerte den er-
wähnten Beschlüssen, selbst nach drcima-
liger Pas struna, leine Zustimmung
Der Prorrß ist also indirekt gegen den
König selbst erichtct.
Seit 70 fahren hat das Storthing
nicht 'weniger als zwanzig Mal Anklagen
beim Reichsgericht gegen einzelne Kadi
netsmitglieder eingebracht. Nur in sieben
Fällen" -wurde der Anklage Folge gelei-
stet, und der 'Prozeß endete stets mit
Freisprechung.
Bei dem jetzigen Prozeß sind sammt-
liche 'elf Mitglieder der Regierung ange
klagt. Das Kabinet hatte gewünscht.
daß die Sache n einem einzigen gropen
Prozeß abgemacht werde, das hinter der
Anklage stehende Aktions-Eoniite hat es
jedoch so einzurichten gewußt, daß jeder
der elf Minister einzeln prozesstrt werde.
Die Verhandlungen gegen den Minister-
prafidentcn Selmer wurden am 7. Vlug
eröffnet, schleppten, sich jedoch so lange
hm, daß erst setzt der Tag, an welchem
der eigentliche Prozeß beginnen soll, sest-
gesetzt werden konnte. Nachdem nämlich
das Reichsgericht von seinem Recht, 12
Mitglieder auszuscheiden, Gebrauch ge
macht hatte, trat .der Bertheidiger des
Angeklagten, Bergh, mit der Forderung
hervor, daß außerdem noch I I dem Lag
thing angehörige Mitglieder ausgeschie
den werden, well diese an dem Storthing
Beschluß, das Ministerium in Anklage
stand zu versetzen, theilgenommcn hat
ten. Er hob hervor, die Lagthing-Mit-glieder
seien in der Sache Partei und
könnten nicht zugleich, Richter sein, wäh
rend'der Sffentliche'AnklZger Dahl, der
Advokat des Volkes" erklärte, das
Reichsgericht sei ein politischer Richter
stuhl, auf dem das Volk in seiner vollen
Majorität zu Gericht sitze und das Ur
thcitÄkh seiner .politischen Meinung
fälle; die Mitglieder der Kammer säßen
im Reichsgericht als Vertreter des nor
wegischen Volkes, um dessen Stimme in
der Sache abzugeben.' Der Anklage-An-walt
Dahl stützt sich bei dieser Erklärung
auf den 30. Paragraphen det normegi
schen Verfassung, worin es heißt :
.Findet irgend ein Mitglied.deSKabi
nets, daß , ein Beschluß des ÄSnigs'ge
gen die Staatsform oder die Gesetze des
Reiche ' verstößt oder sichtbar für das
Reich schädlich ist, so. ist es. seine Pflicht,
kräftige Vorstellungen dagegen zu ma
che und -seine Meinung im Protokoll
einzutragen. Wer nicht auf diese Weise
protestirt hat, wird angesehen, als sei er
mit dem König einig gewesen und ist
verantwortlich dafür, er kann von dem
Storthing in Anklagestand versetzt und
vor das Reichsgericht geladen werden."
' f rr r - n e .
jDsls norwegische eichsgerrchr in ,o-
rnit keine eigentlich richterliche, sondern
eine politische Körperschaft, deren Auf-
gäbe es ist, das Volk gegen Uebergriffe
von Seiten der Regierung zu schützen.
Der Antrag des Vertheidigers Bergy
wurde nach langen Verhandlungen am
I; Sept. abgelehnt. Die elf Prozesse,
die nunmehr demnächst mit dem Prozeß
gegen den Staatsmmister Selmer ihren
Ansang nehmen, werden sich Voraussicht-
llch sehr in die xanat ziehen. Ueber den
Ausgang derselben lassen sich , bis jetzt
nur Vermuthungen anstellen, doch scheint
die Sache für die Angeklagten nicht be-
sonders guntig zu stehen. Die Lagthing-
Mitglieder gehören zum großen Theil
der sogenannten Bauerndemokratie an,
welche danach strebt, die Verfassung nach
republikanischem Muster umzugestalten.
und sich die Gelegenheit, das verhaßte
Ministerium zu Fall zu bringen, schwer-
llch entgehen lassen wird.
(R. Y. Ztg.)
Der Niederwald.
Seit etwa einem Jahrhundert ist der
Niederwald ein bevorzugtes Ziel der
Rheinreisenden, seit der Erbe des Kur
fürsten Johann Friedrich Karl von Mainz,
der Graf Maximilian Amor von Ostein,
den Forst auf der Höhe in einen Park
verwandeln und die Anlagen mit Grot
ten. Tempeln und Beloederen im Ge-
schmack der Zopfzeit ausschmücken ließ
Es konnten fortan all? wanderlustigen
Pilger des Rheins die hohe Warte auf
dem Thore des Rheingau bequem bester
gen, welche bis dahin nur Forstmännern
und Holzfällern zuganglich gewesen war,
und jeder Freund von Naturschönheiten
konnte um so besser die unvergleichlich
schönen Aussichten genießen, als der
menschenfreundliche Eigenthümer die be
sten Punkte bequem erreichbar gemacht
und durch zierliche Bauten und Anlagen
gekennzeichnet hatte.
Aus alter Zeit, aus den Tagen der
Romantik, hatte der Niederwald keine
Aureole, so nahe er auch den vielen
Stätten lag, die, von Geschichte und
Sage umwoben, längst poetisch verklärt
sind. In der am AbHange gelegenen Burg
Ehrenfels konnte sich keine Posie fest-
setzen, denn dies Schlößlem war ein ver-
haßles'Rheinzoll-Kastell, also der Sitz
der nüchternsten Prosa, erbaut von dem
Statthalter des Rheiugaues zu Anfang
des 13. Jahrhunderts, behufs Erzwing
ung einer Abgabe von allen Fahrzeugen,
so oa kamen und gingen aus und in das
Binqer Loch. Wenn sie nicht Jahihun-
derte hindurch unzählige Flüche der der-
den Mainzer und Kölner Schiffer auf
sich geladen hätte, so würde wohl längst
ein Poet auf den Gedanken gekommen
sein, auch diese Ruine zum Schauplatz
liner Sage aus der Ritterzeit zu machen
Lag sie doch an einem der schönsten
Punkte des schönsten deutschen Flusses
und trug einen gar stolzen Namen, der
so majestätisch klang: Ehrenfels!
Auch die Geschichte hat den Niederwald
fthr lange ignorirt. Erst als der oben
genannte Kurfürst von Mainz, Johann
Friedrich Karl, ältester Sohn des Gra
fcn Sebastian von Ostein, um die Mitte
des 18. Jahrhunderts auftrat, begannen
die Chronisten von dem lechiemte derer
von Ostein, von dem Oberhaupt des
ErzbisthumS und von dessen Besitzungen
zu reden und dabei auch des vciederivai:
des xu erwähnen.
lieber das gräflich Ostcin'sche Haus
geben sie genaue Auskunft, berichten ge
treulich, daß des Kurfürsten Vater nicht
weniger als achtzehn Nachkommen g.'habt
habe, und wie zehn von ihnen lange ge-
lebt und Ehren und Würden erworben
haben im heiligen römischen Reiche deut-
scher Nation. Ani längiten verweilen
die Ehronisten bei des Kurfürsten jüng-
sten Bruder und erzählen von diesem ho
hen Würdenträger (er war östreichischer
Feldmarschall-Lieutenant und nachmal
kaiscrlich-königlicher Geheimrath) Dinge,
die unglaublich klingen, aber, wie es im
Ehrouikenstnl heißt, gar absonderlich zu
leien sind.
Se. Ercellenz führten das Leben eines
Hagestolzen und liebten die afelsrcudcn.
gelangten dabei auch zu folch außerordent
licher Leibesfülle, daß man noch heute in
Mainz von seiner Korpulenz und deren
Folgen erzählt. Wir zitiren nachstehend
den denkwürdigen und nützlichen rhei
nischen AntiquariuS", das Buch des Frei-
Herrn von tramverg: jm Äekt zu
schlafen war in der heißcil Jahreszeit dem
Manne unmöglich. Wenn es Schlafens
zeit war, ließ er sich in den Wagen von
eigenthümlicher Eonstruktion und Räum
lichkeit heben, und langsam zogen die
Pferde durch das Straßen - Labyrinth.
Ueber dem Wiegen kam ihm allmählig
der Schlummer. Dann suchte der Kut-
scher den kühlenden Schatten irgend einer
Platane auf, und wenn der dicke Herr
vollends eingeschlafen war, spannte er die
Pferde aus und ritt nach Hause. Im
Wagen, welcher der Kühlung halber bis
auf eine ziemliche Höhe mit kühlem Rhein
sand gefüllt war, blieben der Graf und
der ihn hütende Kammerdiener zurück.
Mit dem ersten Sonnenstrahl kamen die
Pferde wieder zur Stelle und langsam
ging es nach Haufe."
Ein älterer Bruder des Mainzer Prä-
laten, Graf Sebastian von Ostein, war
östreichischer Gesandter am russischen
Hofe, als ihm am 12. April 1735 zu
Petersburg der erste Sohn geboren
wurde. Auf diesen Neffen, der sich im
Jahre 1759 mit einem Fräulein v. Dal
berg vermählt hatte, vererbte der Kur-
surst (t 17 03) sein großes Vermögen und
nachdem der Graf von den Liegenschaften
ini Rheingau Besitz genommen, erbaute
er sich auf dem Niederwald das Jagd-
schloß und benutzte die geeigneten Par-
tien des Waldes, der I I Morgen groß
war, zu Äntagen mannigfachster vtrt mit
Ausschmückungen von Grotten und Pa-
vlllons lin Geschmacke der damaligen
Zeit.
Dieser Graf Amor Maria von Ostcin
erreichte ein Alter von 74 Jahren, er
starb im ruhzahr 1809 zu Aschaffenburq.
Ueber sein Begräbniß erzählt der Rhei-
nische Antiquarius" : Die Leiche sollte
nach Geisenhcim in das Erbbegräbniß
gebracht werden. Zu dem Behufe wurde
eine der damals noch den Rhein befahren-
den Wasser-Diligcncen gemiethet, darin
ließ das Trauergefolge sich nieder, wäh-
rend der Sarg in einem dem Schiff an
gehefteten Nachen untergebracht war.
Lustig ging es in der Dliigence zu, ge-
trunken wurde auf gut Mainzer und
Trierer Art, bis die Entdeckung, daß das
Anhängsel verschwunden, wie ein Don
nerschlag die fröhliche Gesellschaft trifft.
Es werden die Anker ausgeworfen, Bo-
en in allen Richtungen versendet, und
die haben nicht ohne Mühe den Nachen
mit dem Sarge inmitten eines Labyrinths
von Weiden aufgefunden und ihn der
Diligence wieder angehängt. Da wollte
aber die Lust nicht wieder einkehren,
trocken und schweigend fuhr man vollends
nach Geisenheim hinab."
Die Ostein scheu Besitzungen, beson-
ders auch der Niederwald, gingen im
Jahre 1810 an einen Verwandten, den
Grafen Walbott von Bassenheirn, über
und dieser neue Eigenthümer ließ die
Anlagen renoviren und erhalten und das
Jagdschloß wieder wohnlich herstellen,
welches jetzt, seitdem es preußische Do
mäne geworden, mit dem Hotel und
Pension Jung zusammen verpachtet ist.
Unter den Anlagen betntt der Wan-
derer zuerst die sogenannte Zauberhöhle,
eine künstliche Grotte mit der Aussicht
nach Rheinstein. Ein gemauerter, dunk-
ler Gang im Gebüsch bezeichnet den hin
teren Eingang derselben und aus der
Dunkelheit hervortretend, sieht man in
einem Pavillon durch drei der Nheinselte
zugekehrte Fenster malerische Perspektiven
überraschender Art.
Durch m den Wald gehauene Schnei-
sen sieht man sodann die Klemenskapelle,
die Burg Rheinstein und das Schweizer-
haus am anderen Nhernuser.
Nun führt der Weg zur Rössel, dem
schönsten Aussichtspunkt des Niederwal
des, einem Thurm geradeüber dem Bin
gerloch. Nahe dabei ist die Adolfshöhe, eine
spätere Anlage mit Ruhebänken und be
schränkte? Aussicht, sodann gelangt man
zur Eremitage und endlich zum Tempel,
der auf freistehenden Säulen ruht. Hier
liegt vor dem Auge des Beschauers weit
gestreckt der ganze Rheingau.
Von der Eremitage aus gelangt man
in einigen Minuten zum Germania
Denkmal, welches fortan dem Niederwald
für jeden deutschen Wanderer ein Bedeu-
ung verleiht.
Sonderbare OffiziersEhre.
Der Lieutenant James F. Simpson
vom dritten Reiter-Regiment des stehen
den Heeres der Ver. Staaten lebte seit
einiger Zeit mit einem jungen Frauen
zirnrner in wilder Ehe. Schließlich
schämte er sich dieses Verhältnisses und
ließ sich mit der Geliebten trauen.
Nicht dafür, daß er in wilder Ehe ge
lebt, fondern dafür, daß er diesem unsitt
lichen und vom Gesetze verbotenen Ver
Hältnisse ein Ende gemacht und dem We-
sen, das ihm vertraute, die Hand zum
gesetzlichen Bunde gereicht hat, ist er jetzt
von einem Kriegsgericht verurtheut wor
den. Das Urtheil lautet dahin, daß
Lieutenant Simpson aus dem Heere aus
gestoßen werden soll, weil er sich durch
Verheirathung mit seiner Maitresse eines
für einen Offizier und Gentleman un
würdigen Betragend schuldig gemacht
hat."
Diese West Pointer können mit ihren
verschrobenen und hochmüthigen Moral
begriffen selbst bei einem so derben und
rohen Soldaten wie Marschall Nei) zur
Schule gehen. Als Ney während der
Napoleonischen Feldzüge in Weimar war,
empörte sich das Herz des geborenen deut
schen Saarthälers darüber, daß ein so
großer deutscher Mann wie Göthe mit
einer so wackeren und thätigen Hausfrau
wie Ehristiane Vulpius in wilder Ehe
lebe und er machte dem Dichter deshalb
ernstliche Vorstellungen über das schlechte
Beispiel, welches dieser der deutschen
Nation gebe. Bekanntlich hat denn auch
Göthe sich mit Ehristiane trauen lassen
und führte bis zu ihrem Tode ein glück
liches Leben mit ihr.
Selbst der in den Feldlagern groß ge
wordene rauhe und brutale Marfchall ei
nes Napoleon sah ein, daß es ehrenvoller
ist, eine auständige Maitnsse" zur ge
setzlichen Frau zu machen, als die wilde
Ehe fortzusetzen. Unsere hochmoralischen
West Pointer wissen es aber besser. In
ihren Augen verträgt es sich zwar ganz
mit der' amerikanischen Ofsiziersehre,
wenn ein Offizier ein ungesetzliches Ver
hältniß mit einer Frau unterhält; aber
sobald er das Verhältniß zu einem gefetz
lichen macht und seinen Kindern die Ei
genschaft ehelicher, rechtmäßiger Kinder
giebt, ist er in den Augen dieser Offiziere
ehrlos und daher nicht mehr würdig, der
Wafsengenosfe so hochmoralischer und
feinfühlender Herren z sein.
Wie man erfährt, ist die nunmehrige
rechtmäßige Gattin des Lieutenant Simp
son stets eine treue Lebensgefährtin ihres
jetzigen Gatten gewesen ; das kriegsgc
richtliche Urtheil gegen lettzercn ist daher
zugleich ein gemeiner, roher und un
männlicher Angriff auf sie, wie ihn am
wenigsten Offiziere gegen eine Frau be
gehen sollten.
Zum Glücke giebt es aber im amcri
kanischen Heere noch Männer, die das
Herz auf dem rechten Flecke haben. Ein
solcher ist auch der Ober-Auditor (Iudge
Advocate General) des Heeres, Herr
Swaim, der treue Freund und Kranken
pfleger des Präsidenten Garsicld. Er
ertheilt dem Präsidenten Arthur den
Rath, das oben besprochene kriegsgericht
liche Urtheil nicht zu bestätigen, sondern
aufzuheben. Hoffentlich wird der Prä
sident nach diesem Rathe handeln.
Deutsche Colonien.
Von der B.giündung deutschländischer
Colonien, nach welchen die jetzt den Ver.
Staaten zuströmende deutsche Auswande
rung abzulenken wäre, ist es in der letzten
Zeit recht still geworden. Die Anlegung
einer deutschen Handelsstation zn Angra
Pequenna an der Westküste des Hotten-
totlen-Vandes unter 2a L)rad sudl
Breite, hat mehr einen belustigenden, als
imponirenden Eindruck gemacht. Denn
sie ist der gottverlassenste Ort der Erde,
wohin das Trinkwasscr aus weiter Ent
fernung geholt werden muß und wo
von Ansiedelungen nie die Rede sein
ann.
Selbst die landhungrigen Engländer
haben zu einem solchen Besitzthum keine
Lust und gönnen es den Deutschen ohne
Widerrede. Ja, die Londoner Times
klopft ihnen wohlwollend auf die Schul
ter und sagt ihnen, daß sie ganz Recht
hätten, in Afrika zuzulangen, wo noch
Etwas zu nehmen übrig fei. Zwar stehe
in Stieler's Atlas die Küste von Angra
Pequenna als englisches Land anze-
strich.', aber das thue nichts zur Sache ;
die Deutschen würden sich wohl schon
vorgesehen und den Besitztitel, den sie
erworben hätten, untersucht haben.
Die Kölnische Zeitung druckt diese
Aeußerungen der .lmes" mit großer
Genugthuung ab und freut sich des un-
eigennützigen Wohlwollens der Englän-
der. Kindlicher Wahn das ! 'Jjie Eng
länder gönnen Niemanden Etwas, außer
was sie selbst nicht brauchen können, und
was die Times" sagt bedeutet also
nur, daß die Kusie von Angra Pe
quenna sür England werthlos ist. Nur
darum ist sie den Deutschen vergönnt."
Außer auf Afrika hatten die Herren
in Deutschland, die sich nach Colonieen
heiser schreien, ihr Auge auf Süd - Ame
nka geworfen. Dort sollte in irgend
einer Gegend, wo der Pfeffer wächst, das
künftige überseeische Deutschland gegrun-
det werden. Der Ucbelstand war nur,
daß mit Ausnahme des unwirthlichen und
rauhen Landes, welches man Patägonien
nennt und in dem recht ungemüthliche
Wilde hausen, alle Stellen schon besetzt
waren. Noch dazu von Völkern, die an
Abstammung, Sprache, Sitten und Lc
bensgewohnheiten den Deutschen bei wei
tem ferner stehen, als selbst die blau
blutigsten Yankees. Wie sollte man in
Brasilien, oder Uruguau. oder Argen
tinien jemals eine deutsche Bevölkerung
zur herrschenden erheben können? Eben
sowohl könnte man das in Rumänien,
oder Bulgarien versuchen.
Vielleicht aber, daß sich in dem Reiche
Paraguay etwas machen ließe! Dieses
50,000 engl. Quadratmeilen große Land,
im Herzen Südamerikas gelegen, war
durch den sechsjährigen mörderischen
Krieg mit Brasilien und Uraguay (1864
bis 1870) fast zur Einöde geworden;
seine Einwohnerzahl von 1$ Million
auf weniger als eine Viertel Million,
d. h. noch nicht fünf Köpfe auf die Qua
dratmcile, Herabgefunken. Wenn man
dorthin nur ein paar Jahre lang den
Strom der deutschen Auswanderung len-,
ken könnte, so daß die Deutschen an Zahl
die Eingeborenen (zu neun Zehnteln
fQ.. - rv v - -c iff r r -
viiuuium-jiujiuuci ) iuii.uuirn, 10 qaut
man ja den begehrten deutschen Eolonial-
staat! Vorausgesetzt naturlich, da die
Herren. Guaranis sich die Sache ruhig
gefallen ueßar.. - -
Die Köpfe voll von solchen Schwär
mereien zogen vor Jahr und Tag die
Berliner Judenhetzer Quistorv und For
ster an der Spitze einer kleinen Zahl
Dummköpfe nach dem gelobten Lande
aus, das ihnen schon wegen seiner völli
gen Judenlosigkeit als ein Paradies er
schien, um ihr Neu-Deutschland zu grün
den. Die spärlichen Nachrichten, welche
bis jetzt über ihr Unternehmen verlaut
bart find, lassen keinen Zweifel an dem
gänzlichen Fehlschlag desselben.
Im letzten Frühjahr (das dort Herbst
ist) hat nun eine von der südamerikani
schen Eolonisationsgesellschaft zu Leipzig
bestellte Commission, bestehend aus zwei
Landwirthen (Rittergutsbesitzern) und
einem Ingenieur unter der Führung
dreier Herren aus Buenos Ayres, welche
ausgedehnte Ländereien zu verkaufen ha
ben, das vielgepriesene Paraguay bereist,
um zu prüfen, ob es sich für deutsche Co
lonien eigne. Sie hat über das Ergeb-
niß ihrer Prüfung einen ausführlichen
Bericht verostentlicht, der geeignet ist,
der ganzen unsinnigen Schwärmerei ein
jähes Ende zu bereiten. Denn so sehr
auch die Herren bemuht sind, das Klima
die Bodengestaltung und Fruchtbarkeit
des Landes in ein günstiges Licht zu stel
len, können sie doch nicht umhin, diejeni-
gen Umstände anzuführen, welche jeden
Auswanderungslustigen zusuckschrecken
müssen.
Was das Klima betrifft, so genügt die
Bemerkung, daß die Temperatur jahraus
jahrein niemals unter den Gefrierpunkt
sinkt, im Sommer aber höchstens" auf
30 Gr. R. (100 Gr. Fahrenheit) steigt
Ein herrliches Klima für Deutsche ! Wie
wunderbar die fortwährende Wärme die
Arbeitskraft und Arbeitslust steigern
muß! Zwar sagt die Eommlsston: bei
vernünftiger Lebenweife und richtiger Ar-
beitseintheilung wird es wohl jedem
Deutschen möglich sein, sich an das Kli-
ma in Paraguay zu gewöhnen." Aber
wenn das irgend einen Sinn hat, so ist
es der, daß die Deutschen sich daran ge-
wohnen müssen zu faullenzen, um nicht
der ewigen Wärme zu erliegen.
In Bezug auf die Bodenerzeugnisse
des Landes bezweifelt die Commission,
ob der Anbau von Getreide und Kar
toffeln sich lohnen würde ; dagegen gedeihe
Maniok. Mais, Reis, Tabak, Zuckerrohr
und Baumwolle vorzüglich. Nun stelle
man sich die Glückseligkeit des pommer
schen oder ostpreußischen Bauern vor,
der statt des gewohnten Getreidebaues,
Reis, Zuckerrohr, Baumwolle :c. ziehen
soll. Und wenn er sich daran gewöhnte,
wie steht es mit dem Absätze? Darüber
belehrt uns die Commission : Der An
bau jener Früchte wird dann, wenn Aus
fuhrgelegenheiten beschafft sein werden,
eine Quelle des Reichthums für das
Land bilden. Leider aber sind die Ver
kehrsverhältnisse des Landes noch sehr
wenig entwickelt, sowohl was Dampf
schiffahrt, wie vor Allem das Eisenbahn
wesen betrifft. Auch ist Paraguay von
Argentinien durch eine Zollgrenze abge
schnitten." Mit anderen Worten: Paraguay
würde für die unglücklichen deutschen
Colonisten, die sich durch Bauernfänger
dorthin locken ließen, ein großes Gefäng
niß sein, wo sie zwar genug Mais,
Maniok, Reis und Zucker gewinnen
konnten uni sich zu ernähren, vielleicht
auch Wolle und Baumwolle genug, um
sich Kleider daraus zu machen, im liebn
gen aber von der ganzen Welt, vom
Handelsverkehr, von allen Genüssen der
Civilisation abgeschnitten waien. Im
Amur-Lande in Ost-Sibirien würden sie
ungefähr ebenso gut, ja, was Klima
und Boden-Anban betrifft, besser daran
sein.
Die Commission erklärt denn auch,
daß zwar für Viehzucht in großem Maß
stabe und mit sehr großem Kapital Pa
raguay schon jetzt sehr gut geeignet sei ;
aber Landwirthen, Handwerkern und
namentlich Kleinbauern biete es nur
ein beschränktes und mit Vorsicht zn be
tretendes Feld für ihre Thätigkeit." Das
heißt mit anderen Worten: Deutsche
Auswanderer, bleibt von Paraguay so
weit wie möglich weg !
Mit diesem Bericht wird hoffentlich
dem wahnwitzigen und frevelhaften Be
niühen, aus bloßem nusinnigkn Groll
gegen die Ver. Staaten die deutsche
Auswanderung in Elend und Verderben
n locken, ein Ende gemacht werden
Zum Glück ist die Zahl derjenigen Aus-
wanderuiizslustigeu, die in Gefahr stan
den, jener frevelhaften Lockung zu f ol
geu, sehr geling. Der ganze Csloni-
sationsschwindel ist in den sogenannten
höhcrn" oder gebildeten" Kreisen be
trieben worden und hat wohl noch keine
tausend Menschen, die entschlossen wa-
ren, sich eine neue Heimath in den Ver
Staaten zu begründen, von diesem Ent-
schlusse abgelenkt. Jlls. Stsztg.
Inländische Nachrichten
Die Fabrikanten von Schiefertafeln
für Schulzmecke in den pennsyloanischen
CountieS Lehigh und Northampton haben
beschlossen, die ivadrikation für den Zeit
räum von 0 Tagen einzustellen, damit
die vorrathigenWaaren erst abgesetzt wer?
den können. 500 Arbeiter werden hier
durch auf zwei Monate erwerbslos.
Unterhandlungen mit Einbrechern
oder deren Mittelspersonen, wegen Her
ausgäbe der gestohlenen Sachen gegen
einen Theil des Werthes und gegen
Straflosigkeit werden sehr löblicher
Weise von der Detroiter Polizeibehörde
nicht niehr geduldet. Als erstes Opfer
der neuen Regel mußte der sonst tüchtige
Geheimpolizist McGuire über die Klinge
springen, weil er sich durch einflußreiche
Bürger hatte bestimmen lassen, einem
Herrn David Whitney zu den ihm ge
stohlenen Juwelen im Werthe von KZ200
durch Unterhandlung mit den Dieben
wieder zu verhelfen.
Mondscheiner" heißen im Süden
die Leute, welche Whiskey unversteuert
brennen. Wer welchen kaufen will, sin-
det im Walde ein großes Honr an einem
Baume hangen, blast hinein, und es er
scheint ein Mädchen, welches oen Käufer
einladet, seine Hand in ihre Tasche zu
stecken und während er daraus eine
Flasche zieht, dos Geld dafür hineinzu
stecken. Damit er sich mit dem Mädchen
keine Freiheiten erlaube, ist eine scharf
geladene Büchse im Dickicht auf ihn
angelegt, während der Handel statt-
findet. Diese etwas verwickelte Procedur
soll den Reiz eines Drinks" ungemein
erhöhen.
? Gouverneur Crittenden von Mis-
souri, der von der Grand Jury in St.
Louis aufgefordert wurde, nähere Unter-
suchunqen bezüglich der in St. Lomscr
Polizeikreisen herrschenden UebelstLnde,
sowie über das Thun und Treiben des
schon seit geraumer Zeit in voller Uepvig
keit dastehenden Spieler-Rinqs, welcher
die Beamten corrumpirt, anzustellen, hat
in einem langen Schreibebriefe dieses
Ansinnen abaelebnt. Er macbt geltend.
daß ihm die Verfassung keine Bracht zu
einer solchen Untersuchung verleihe. Da-
siegen fordert er die Grand Jury auf,
ich nicht auf allgemeine Beschuldigungen
zu beschränken, sondern förmliche Ankla
gen zu erheben.
!l Deutsche Karpfen werden in
Illinois inimer mehr verbreitet. So
meldet jeßt die Germania" in Quincu:
vti Stadt Pe?rn besitzt einen Park von
80 Acres, m welchem sich em Teich mit
einem Flächnrraume von 5 Acres be
findet. Nun hat Hr. Cooper, der Mayor
von Pekin, an den Fifch.Commissär
Bartlett in Quincy das Gesuch um eine
Partie Karpfen für jenen Teich gestellt,
und es unterliegt keinem Zweifel, daß
dieselben dort gedeihen werden. Die
Vertheilung deutscher Karpfen für die'
Flüsse in Illinois findet Ausgangs
Oktober oder Anfangs November statt.
Von Quincy aus werden etwa 1000
Applikanten versorgt werden.
? Der greise Gouverneur Körner
schloß seine Rede beim Pastorius - Feste
in seinem Wohnorte Belleville mit den
trefflichen Worten: Unser Ziel' und
Streben ist es, die Pflichten des ameri
kanischen Bürgers, an den die Weltge
schichte eine so hohe mit Freuden zu er
füllen, es uns bewußt zu machen, daß
wir einen bedeutenden Theil der mächtig
sten und fortschreitendsten Nation bilden
und damit eine große Verantwortlichkeit
der Mit- und Nachwelt gegenüber über
nommen haben. Zu gleicher Zeit aber
dürfen wir nicht aus dem Gedächtniß
verlieren, daß wir von einem edlen und
großen Volk abstammen, an dessen Schick
sal wir den innigsten Antheil nehmen und
dem unsere Herzen mit stets unoermelk
licher Liebe anhängen."
? Wie furchtbar die Gewalt des Tor
nado" war, elcher über Rochester in
Minnesota dahinsauste, davon theilt ein
dortiges Blatt nachträglich folgendes
Beispiel mit : Nahe bei dem Hause des
Farmers Geistinger stand' zur Zeit, als
der Tornado in Rochester und Umgegend
losbrach, ein starkes, eichenes, mit eiser
nen Reisen gebundens Faß, ein solches,
wie Whisky- oder Petroleumfässer zu
fein pflegen. Der Tornado trieb nun
ein Stück Brett, das 1 Zoll dick und 5
Zoll breit war, durch einen der eisernen
Reifen in das Faß. Der Reif war fo
glatt durchschnitten, als wäre es mit ei
nem Meißel geschehen und das Brett war
in die Faßdaube eingetrieben, als wäre
es eingekeilt worden.
? Unter den mit dem Dampfer Straß
bürg" in Baltimore angekommenen deut
schen Einwanderern war die Hünenge
stalt eines westpreußischen Bauern, wel
cher einen seltsam glänzenden Anzug
trug. Es war ein nach allen Regeln der
Kunst hergestellter Anzug aus Kalbleder,
nach militärischer -Vorschrift blank und
sauber gewichst. Weßhalb den Leder
anzug, freund?" fragte ein Berichter
statter des Correspdt.". Ja, lieber
Herr," lautete die Antwort, wir haben
uns sagen lassen, daß es im westlichen
Amerika auf dem Lande viel und schwer
zu arbeiten giebt, und da patzt diese Klei
dung ausgezeichnet dazu ; sehen Sie, so
'ne Stücker 10 bis 12 Jahre hält der An
zug schon vor, außerdem erspart er Re
genmantel und Uebcrzieher, denn er ist
wasserdicht und auch sehr warm."
Die Freiheitsstatue des französischen
(oder vielmehr elsäßischen) Bildhauers
Friedrich August Bartholdi für den Hafen
von New Bork wird erst in einem Jahre
fertig werden. Besonders an ihrem rech
ten Arm, der die IcicsenFackel halten
wird, ist noch viel zu thun. Das Ge
sammtgewicht der Bildsäule wird 440
Tonnen betragen ; sie wird in 300 einzel
nen Theilen oder Stücken von Paris nach
Bedloes Island im New Yorker Hafen
gebracht werden und Bartholdi gedenkt
selbst mitzukommen, um die Zusammen
setzung der Stücke zu leiten. Da er nicht
vor einem Jahre kommen kann, so wird
vielleicht bis zu seiner Ankunft das von
amerikanischer Seite zu bezahlende und
zu errichtende Fußgestell auf besagter
Hafeninsel fertig werden. Mit der
Grundlage zu dem Gestell wird man
vielleicht fogar noch in diesem Jahre zu
recht kommen.
Im Zuchthause von Kansas besin
det sich jetzt auch recht vornehme Herren
als Sträflinge. John Harris, der Ban
kier von Olathe, welcher, obgleich er
wußte, daß seine Bank zahlungsunfähig
war, noch immer Depositen entgegen
nahm und dafür kürzlich von dem Ge
richte in Wyandotte zu fünf Jahren
Zuchthaus verurtheilt wurde, ist jetzt im
Kohlenschacht der Strafanstalt beschäf
tigt, obwohl er flehentlich um eine leich
tere Stelle bat. Major Wasson, der in
seiner Stellung als Zahlmeister des
stehenden Heeres H40.000 unterschlug
und dafür zu 18 Monaten Zuchthaus
vcrurthcilt winde, leistet dem Herrn
Bankier Gesellschaft bei der Sträflings
arbeit im Kohlenschacht. Früher pflegte
der Zuchthausdirektor Jones derartige
vornehme Sträflinge mehrfach zu bevor
zugcn. Aber er hat ein Haar darin ge
funden, weil die Presse gegen solche
Parteilichkeit nachdrücklich Einsprache er
hob. Der Tesifall in Bezug auf das
neue Gesetz über das Verbot der
qaircnfabl ikation in Tenementbäusern in
New )ork ist, wie vorauszusehen war,
vom Polizeirichter zu Gunsten der Fabri
kanten entschieden worden. Dieser er
kannte, daß in einem und demselben
Stockwerke gearbeitet und gewohnt wer
den dürfe. Seine Entscheidung stützt
sich auf folgende Bestimmungen des Ge
setzes: Kein Theil in irgend einen Ab
schnitt einer Etage in irgend einein
Tenementhaus in der Stadt New Z)ork,
in welchem die Fabrikation von Cigarren
oder die Zubereitung von Tabak betrieben
wird, soll in Zukunft für Wohnzwecke
benutzt werden. Die Bezeichnung irgend
ein Abschnitt einer Etage" soll so ausge
legt werden, daß derselbe irgend eine
Anzahl von Zimmern in irgend einer
Etage eines Tenementhauses umfaßt,
welche aneinandergrenzen und sich in
fortlaufender Linie von den nach der
Straße fühlenden zu den sich nach dem
Hofraum solcher Tenementhäuser öffnen
den Fenstern erstrecken," Gegen das
Urtheil wird appelurt werden.
Amerikanische Glasarbeiter wan
dern nach Belgien aus. Diese Nachricht
dürfte Manchem sehr verwunderlich vor
kommen, sie ist aber nichtsdestoweniger
vollständig begründet. Vor einigen Ta
gen verlieLen 14 Glasbläser, sämmtlich
Mitglieder der Fensterglasmacher-Asso-ciation,
die Stadt Pittsbuig, um sich in
New ?)ork nach Belgien einzuschiffen;
eine andere Abtheilung wird ihnen in den
nächsten Tagen folgen. Sie gehen nach
Charleroi, wo ihnen bereits Beschäfti
gung zugesagt ist. Die Association hat
vor längerer Zeit eine Correspondenz mit
dem Vereinigten Staaten Conful daselbst
angeknüpft und von diesem die Jnforma
tion erhalten, daß daselbst höhere Löhne
bezahlt werden als hierzulande, daß die
Kosten des Lebensunterhalts geringer
und die Arbeit stetiger ist. Die belgl
schen Glasmacher, die in den letzten Iah-
ren hierher importirt wurden, sehen sich
schmählich getauscht; sie haben nicht ae-
funden, was ihnen vorgeschwindelt
wurde, um sie herzulocken und kehren ei
ner nach dem andern wieder in ihre Hei
math zurück.
Ein nur allzulustiger Ex-Zucht-
Häusler ist Wm. McCutcheon, welcher
1876 wegen Einbruchs und Diebstahls
auf zehn Jahre in's Zuchthaus ZuJeiser
son City, in Missouri geschickt, dieser
Tage aber unter der Dreiviertel-Regel
begnadigt wurde. Anstatt sofort Jeffer-
son City zu verlassen, legte er die sauer
verdienten Cents und Dimes in schlech
tem Schnaps an, kaufte einen Revolver
und sah sich noch ein wenig in der Stadt
um. Auf seinem Rundgange betrat er
einen Laden, wo gerade mehrere andere
Kunden bedient wurden. Des Wartens
müde, zog er seine Schnapsflasche "aus
der Tasche, nahm einen minutenlangen
Schluck daraus und reichte die Flasche
einem neben ihm stehenden Manne. Als
dieser sie mit einem kühlen .ich danke"
zurückwies, zog McCutcheon ohne Wei
teres seinen Revolver und wollte für
diese Beleidigung" blutige Rache neh
men. Indeß scheint er im Zuchthaus
das Schnellschießen verlernt zu haben;
denn er wurde, ehe er sich umsah, von ei
nem Polizisten verhaftet und nach dem
Gefängniß abgeführt.
T In Louisville sind dieser Tage von
der Grand Jury des Bundesgerichts meh
rere Männer wegen Falschrnünzens in
Anklagestand versetzt worden. Sie bilden
Snen Theil der Fatschrnünzerbande, wel
che unter dem berüchtigten John McRey
nolds operirte und in den Counties
Simpson und Warrcn in Kentucky, sowie
im Sumner County in Tenne ssee ihren
Unfug trieb. Die Verbrecher hatten sich
förmliche Höhlen in den unwirthlioen
Berggegenden als Werkstätten eingerich
tct und ihrem gefährlichen Handwerk
lange gehuldigt, 'ehe die Bundesbeamten
ihnen auf die Spur kamen und ihrer hab
haft wurden. Man cutdeckte in einer
dieser Verbrecherhöhlen eine ganze für
den Betrieb der Falschmünzerei nothwen
dige Ausrüstung, daruntermehrere werth
volle Prägstöcke. Die Namen der von
der Grand Jury angeklagten Individuen
sind John Draker, Jsaac Hamilton, R.
Johnson, John McReynolds, Jos. Phi
lipps, Dabrey Reed, N. und John
Streckley und Leonard Smiley. Die Be
weise, welche die Bundesbeamten gegen
sie in Händen haben, sind derartig, daß
an einer Ueberführung der meisten von
ihnen kaum gezweifelt werden kann.
1T Der Prozeß in Nem York, in wel
chem es sich um das Recht der Regierung
handelte, 100,000 Cigarren mit Beschlag
zu belegen, die nicht mit der Nummer der
Fabnk, in welcher sie angefertigt wurden,
versehen waren, wurde zu Gunsten der
Regierung entschieden, und Robert Jack
son, der ehemalige Besitzer der Cigarren,
muß sich in das Unvermeidliche fügen.
Richter Brown sagte in seiner Entschei
dung, die Confiscation finde in einem im
März 1879 erlassenen Bundessteuergesetz
ihre Berechtigung, denn darin sei klar
und deutlich bestimmt, daß die Nummer
der Fabrik auf die Cigarrenkisten gestem
pelt werden müsse. Der vorliegende Fall
müsse daher als eine Uebertretung dieses
Gesetzes angesehen werden. So hart es
auch erscheinen möge, dem Gesetze in ge
wissen Fällen streng Geltung zu verschaf
fen, so müßten doch die Rechte der Re
gierung, welche ihr durch den Erlaß von
Gesetzen verliehen würden, respektirt
werden. Den Cigarrenkäufern sei es in
die Hand gegeben, sich gegen Verluste,
wie der Verklagte in dem soeben verhan
delten Falle habe ertragen müssen, zu
schützen und zwar dadurch, daß sie ihre
Waaren von gut berufenen, verantwort
lichen Fabrikanten beziehen.
Die Postkutschen-Räuber in Arizona
sind jetzt endlich aus dem Wege geräumt.
Vor einigen Tagen erhielt man in Tucson
Nachricht über den Aufenthalt der beiden
Raubt i Jacob Eliner und Charles Hins
ley. Unter dem Sheriff Paul machte
sich genügende Mannschaft von Tucfon
auf und fuhr auf der Eisenbahn nach
Wilcor, von wo sie Abends nach dem
ihr bekannt gewordenen Versteck der Räu
der marschirte. Sie stieß auf diese zwölf
Meilen von Wilcor. Das Schießen
wurde gleich von beiden Seiten eröffnet.
Der Räuber Elmcr wurde sofort getöd
tet und sein Genosse Hinsley schlimm
verwundet. Letzterer entkam jedoch, ob
gleich G wohlbewaffnete und gut berittene
Männer ihn verfolgten. Am nächsten
Morgen wurde er vom Sheriff und sei-
nen Leuten in einem Versteck aufgespürt.
Er war in der Nacht vorher in die Brust
und den Unterleib geschossen worden.
Dennoch feuerte er dreimal auf Sheriff
Paul und tödtete fein Pferd unter ihm.
Hinsley schoß so lange als er noch den
Hahn spannen konnte. Ein Bericht von
Tucson sagt: Man kann dem Sheriff
Paul nicht gcnug Lob spenden für die
Thatkraft und Tapferkeit, welche er bei
der Verfolgung dieser blutigen Mörd.r
an den Tag legte. Hinsley und Eimer
hatten erst drei .age vorher erklart, sie
wurden sich nie ergeben. Sie waren die
letzten einer Bande von 4 Desperados ;
die zwei anderen sind von den Bürgern in
lorence gehenkt worden.
Da in St. Louis in letzter Zeit fo
viele Backfische durchgebrannt find, so
erzählt die dortige Amerika" zur War
niing solcher Gänschen folgende traurige
Geschichte: Emma Gray war die Toch
ter eines Baptistenpredigers in Greens
bürg, im Staate Jndiana. Als der Va
ter gestorben war, wurde die Mitarbeit
der ältesten Tochterur Aufrechterhaltung
des Hausstandes nöthig. Das schöne
sechzehnjährige Mädchen wollte indeß
ihr Leben genießen" und so verschwand
fie eines Tages mit einem jungen Manne
Namens Robert, Brickle. In Ripley
County waren Beide den Behörden un
bekannt, und so traute" fie ein Fiiedens
richter. Während des ersten Jahres be
handelte sie der Entführer erträglich.
Als aber ein Kind geboren wurde, begann
er fie zu vernachläffigen.. Es fehlte an
Geld, und der Gatte stellte au die arme,
schwächliche junge Frau Anfinncn, von
denen sie im Hause ihrer Mutter nie ge
träumt. Zuletzt wurde es so arg, daß
sie um gerichtliche Scheidung nachsuchte.
Aber ohne Mittel und weltunerfahren,
wie sie war, konnte sie ihren Wunsch
nicht erreichen. Da wurde ihr die selbst
geschmiedete Fessel zur unerträglichen
Last. Sie ging zu einer Frau Deringer
und bat sie um Opium. Natürlich ver
weigerte ihr daö die verständige Nach
barin. Dann schrieb Emma einen Brief
an ihren Mann und barg ihn in ihrem
Busen. - Er soll ihn lesen," sagte sie,
wenn die Lokonrotive mich nicht zu arg
verstümmelt." Was Frau Deringer
immer einwenden mochte, war in den
Wind geredet. Emma fang eines ihrer
Lieblingslieder auS ihrer Mädchenzeit
und ging nach der nahe gelegenen Eisen
bahn. Wie der Zug von Westen heran
nahte, begegnete ihr eine alte Freundin,
Nettie Higgs. .Leb' wohl, Nettie!"
rief sie, und dann zur Lokomotive gewen
det: Rasch heran Zug, oder ich verliere
den Muth!" Nur zu rasch kamen die!
Wagen gedonnert. Ein Schrei aus
Nettie's Mund, und die Ausreißerin war !
zermalmt. Als die Coronersjury am
nächsten Nachmittag zusammtrat, wurde
ihr auch das letzte Schreiben der Ver
blichenen vorgelegt. Heirathe nimmer
mehr, Bob!", so las man da; Du
darfst kein zweites Mädchin in Verzweif
lung und in's Verderben stürzen."
Vermischte Nachrichten.
Im Jahre 1831 haben in
Deutschland 1400 IS0 Brände statt
gefunden, wofür 24,000,000 M. Brand
fchäden vergütet werden mußten. 197
Personen wurden dabei getödtt und 790
beschädigt. Von den Rettungsmann
schaften wurden 3 getodtet und 107 ver
mundet. .
Ein originelles Mittel
haben die Sozialdemokraten in Sprem
berg gefunden, um Flugschiiften sozial
demokratischen Inhalts zu. .verbreiten.
Man fand dort kürzlich Morgens auf
vielen Straßen, Haustreppen u. s. m.
Brödchen liegen, in welche mehrere von
der Polizei verbotene Flugschriften einge
backen waren.
Die Kroaten. Die Ung.
Post" meldet: In der Gemeinde Beduja
in Zagorien, roo die Bauern, durch
Hetzer verleitet, das HauS eines dortigen
jüdischen Bürgers verwüsteten, fahren
nun dieselben Bauern als Beweis der
friedlichen Eintracht, Steine, Ziegel,
Kalk und Sand unentgeltlich zum Wie
deraufbau des Hauses.
I n Köln wird demnächst
eine vortrefflich eingerichtete Heil- und
Pflege-Anstalt für kranke und arme Km
der aller Confessionen unter dem Namen
Abraham von Oppenheim'sches Kinder
Hospital" eröffnet werden. Die Einweih
ung soll am 9. Oktober stattfinden, als
dem Sterbetag des Mannes, dessen Na
men die Stiftung trägt und zu dessen
Andenken sie durch dessen Wittwe be
gründet worden ist.
I n Pnris starb um die
Mitte des September einer der ältesten,
verdientesten und angesehensten deutschen
Gelehrten der Stadt, Dr. L. Schlesin
ger, seit 35 Jahren Professor an der
Bergbauschule. Er war ein geborener
Mainzer. Der Temps", ihm einen
Nachruf widmend, schreibt : Er war ein
gründlicher Forscher, seine Untersuchun
gen über phönizische und carthaginensische
Inschriften, sowie seine Studien in ver-
gleichender Sprachwissenschast waren
höchst bemerkensmerth.
Das Schloß Chambord"
wird, nachdem der lebenslängliche Nutz
nießer desselben nun gestorben ist. Eigen?
thum der französischen Nation. Der
Graf gelangte in den Besitz des historisch
berühmten Schlosses durch eine Nutio
nalsubskription. Das Ergebniß dieser
Subskription reichte gerade aus zur Zah-
lung des Kaufpreises, nicht aber zur
Deckung der in Frankreich sehr hohen, 10
Prozent betragenden Uebertragungsge
bühren. Die Uebertragung wurde da
mals nach vielen Verhandlungen nur un-
ter der Bedingung kostenfrei gestattet.
daß der Staat als Eigenthümer des
Schlosses, der Sohn der Herzogin von
Berry nur als lebenslänglicher Besitzer
desselben eingeschrieben werde.
Budget des Königreich
Hollands für 1884: Ausgaben 143.
259,769 Gulden, Einnahmen 113.703,-
02S Gulden, mithin Denzit 39,666,744
Unter den Ausgaben befinden sich 20
Mill. für den Kanal von Rotterdam zum
Meer, für den Kanal von Amsterdam zum
Rhein, für Eisenbahnen und Arbeiten
Die Aufwendungen von Desizits betra-
gen von 1831 1884 im Ganzen 68
Mill. Gulden. Ein großer Theil des
Defizits soll durch eine neue Anleihe und
ferner durch neue Steuern (im Betrag
von 7 Miii.) gedeckt werden. Die An
leihe wird wenigstens 70 Mill. Gulden
betragen.
Das Papier, auf welchem
die Entscheidungen und Noten des böh
mischen Landes-Ausschusses geschrieben
wurden, trug in früheren Jahren das
böhmische Landcswappen, den doppelt
geschwänzten Löwen", an der Spitze und
war mit der Aufschrift Landes-Ausschuß
des Königreiches Böhmen" in einer der
beiden Landessprachen versehen. Zur
Zeit des letzten Landes-Ausschusses wurde
zu Entscheidungen und Noten Papier
verwendet, welches des Schmucks des
doppeltgefchmanzten Löwen entbehrt ha
ben soll. Dieser Umstand veranlaßte
nun den Stellvertreter des Oberst-Land-
marschalls im Landes-Ausschusse, Herrn
Zeithammer, den Auftrag zu geben, daß
von nun an Papier angeschafft werden
solle, welches das Landesmappen tragen
muß. Glückliches Böhmen !
Speise-Körbe auf den
französischen Eisenbahnen. Die Reisen
den sind bei den meist sehr kurzen Halte-
Zeiten der Eisenbahnzügc auch auf den
größeren Stationen in der Regel ver-
hindert, ihre Mahlzeiten bequem an den
Bussels der Bahnhofsrestaurationen ein
zunehmen. Die franzöfische Westbahn
gesellschaft hat daher zur Bequemlichkeit
des Publikums auf den wichtigsten Sta-
tionen ihrer Linien ein System von
Speisekorben" eingeführt, Diese Körbe,
die sich in den Eisenbahnwagen leicht un
terbringen lassen, enthalten neben einem
Besteck ein vollständiges kaltes Mahl
mit Dessert und einer halben Flasche
Wein. Der Preis eines solchen Mahls
stellt sich je nach dem Inhalt auf 3 Fran-
ren ooer i ranren su iLeniimes. Die
Reifenden haben nach Beendigung der
'Mahlzeit die Ziorbe nur an den Zuzfuh
rer oder Schaffner abzugeben.
Dem Frieden Europa' 3
wird in Petersburg keine lange Dauer
prophezeit. Denn dort meint die St.
Petersburger Ztg.", wohl auch mehr
wunschend als denkend, anlaßlich der
Gladstone'schen Reise: König Christian
von Dänemark hat 13 Enkel und 12
Enkelinnen der gesegneten Familie um
sich versammelt, in deren Besitz sich 42,
476,450 Quadrat Werst Landes und
332,361,598 Menschen an Bevölkerung
besinden. Wie erfichtlich, kann sich diese
Familienversammlung um den dänischen
König mit jedem beliebigen Fürsten-Con
greß vergleichen und durch seinen aus
schließlich familienhaften Charakter alle
ähnlichen Zusammenkünfte politischer und
militärischer Allianzen paralisiren, welche
wir jetzt in Deutschland sehen. König
Christian konnte selbstverständlich der
vereinigten Waffenmacht Oesterreichs
und Preußens keinen Widerstand leisten.
Aber durch seine Kinder kann Deutsch
land noch von der Revanche betroffen
werden."
I n K a s ch a u richtete m 10.
Sptbr. in dem Cirkus Suhr ein blinder
Feuerlärm schweres Unheil an. Der
Cirkus war zum Erdrücken voll, die
Vorstellung im besten Zuge, und zwei
Clowns unterhielten eben das Publikum,
als mit einem Male ein nächst dem Haupt
eingange stehender Artillerist den Schrei
ausstieß, Feuer!" Hierauf begann das
auf der Galerie befindliche Publikum
kopflos gegen die Ausgänqe zu drängen.
Viele fprangen auf das Parterre herab,
zerbrachen die Barrieren und schlugen das
Vestibulportal ein. Der Andrang war
ein ,o groger, oay zleie aus ven Zvoven
fielen und von der nach dem Ausgang
stürmenden Menge zertreten wurden. An-
dere wurden an die Bretterwand gedrückt.
daß fie in Ohnmacht sielen. Mittlerweile
wurde auch das Krachen der die Galerie
stutzenden Balken gebort, worauf auch
das im Parterre befindliche Publikum sich
in Bewegung fetzte. Die Mahnrufe be
sonnener Leute, es fei keine Gefahr, wur
den in dem betäubenden Lärm nicht ge
hört und nach wenigen Minuten wurde
der Ausgang durch niedergetretene Men-
schen förmlich verbarrikadlrt. Man ver-
gaß die Nothausgange zu öffnen; dies
geschah erst, als zum Zweck der Beruh!
gung deS Publikums die Musikkapelle
wieder zu spielen und die Clowns ihre
Produktioren fortzusetzen begonnen hat
ten. Inzwischen waren verschiedene Per
sonen, namentlich Frauen und Kinder,
bereits nahezu todtgetreten oder erdrückt
worden. Im Gedränge wurden viele
Personen beraubt. Der Lärm dauerte
gegen zehn Minuten, wonach es gelang,
das Publikum zum Theil zu beruhigen
und die Vorstellung fortzusetzen. Kaum
war dies zuwege gebracht, als ein neuer
Tumult begann. Der außerhalb gassende
Pöbel versuchte in den Cirkus zu dringen,
was die Polizei nur mit großen Anstren
gung verhindern konnte.
Neuere Nachricht en.
. lSlad.
Port au Prince, II. Okt. Auf-rührer-Banden
sind hier eingkdningen,
haben Kaufläden geplündert, Häuser in
Brand gesteckt und alle Leute, die ihnen
Widerstand leisteten, ermord, t. Unter
diesen befinden sich zwei Generale. End
lich gelang es den Truppen, die Auf-
ruyrer auseinander zu treiben.
Berlin, II. Okt. Eine Anzahl
Drohbriefe -die kürzlich an Kaiser Wil
Helm gerichtet worden sind, gaben Anlaß
zu einer Nachforschung nach dem Urheber
derselben. Es hat sich jetzt herausge
stellt, daß ein Irrsinniger der Verfasser
war.
B e rli n, 12. Okt. Ein Siusse, mel
cher Zeichnungen von den Befestigungs
merken in Königsberg angefertigt hat, ist
verhaftet worden. , . :.
Warschau. 12. Okt. Neun hiesige
Studenten sind als Mitarbeiter an dem
sozialistischen Blatte .Del Proletarier"
verhaftet worden.
St. Petersburg. 12. Oct.'Der
des Unterschleifs von ihm amtlich anver
trauten Geldern angeschuldigte Direktor
des Post-Departements Persiliew ist der
Anklage schuldig gesprochen und zum
Verluste seines Amtes und zur Zahlung
einer Geldbuße von 16,000 Rubeln ver
urtheilt worden.
Der Czar ist über Jonin's fortgesetzte
Wühlerei in Bulgarien unwillig und hat
ihn zurückberufen.
London. 13. Okt. Der Wiener
Correspondent der Times" theilt fol
gende amtliche Depesche aus Pest mit:
Nachdem die rumänischen Soldaten,
welche über die Grenz gekommen und
sich der den Vulkan-Paß in den südlichen
Karpathen beherrschenden österreichischen
Baracken bemächtigt hatten, von öfter
reichischer Infanterie vertrieben waren,
kehrte eine große Abtheilung rumänischer
Grenzwächter zurück und ze, störte die
Baracken. Die Rumänier behaupten,
daß die betr. Baracken auf ihrem Gebiete
standen.
London, 14. Oct. Die Nachrich
ten aus St. Petersburg zeigen eine be
sondere Thätigkeit unter den Nihilisten.
Ungeheueres Aussehen hat die Verhaf
tung von Töchtern mehrerer der ersten
Adelsgeschlechtcr in Rußland in dem hie
sigcn Maria - Institut hervorgriusen.
Nicht allein sind die Mädchen verhaftet
worden, sondern es haben auch bei den
selben Beschlagnahmen stattgesunden,
wobei viele tausend Ereniplare von Flug
schriften hochveriä'herischcn Inhalts in
ihrem Besitze vorgefunden woiden find.
Wie es heißt, ist dies nur der Anfang ri
ner Reihe von Verhaftungen, welche auf
Grund der Polizei besonders zugcgange
ner Nachrichten vorgenommen werden
sollen.
London, 15. Okt. Amerika hat
auf der Fischeiei-Ausstellung 47 Preise,
nämlich 46 goldene, 46 silberne und '
bronzene Medaillen, 19 Diplome und 10
Geldpreise davongetragen ; davon erhält
die Bundes-Fischcrei-Eommisfion 18 gol
dene und 4 silberne Medaillen und 2
Diplome.
Mexiko, 16. Okt. Gestern sind
auf der Central-Bahn zwi Spanne dir
Eisenbahnbrücke bei Agna-Z CalientaS
unter der Last eines ArbeitözugeS ringe
brachen. Der Zug bestand aus 2 Loko
Motiven und 18 Wagen. Die Loomi
tivführer Dilcwry und Hcpkins und drei
Mexikaner kamen dabei um das Lben ;
der Zug wurde vollständig zertrümmert.
Inland.
Frank fort. Ky., II. Oct. Zu
der Wohnung von Elilha Curtis in Sand
Riffles, einem 1 5 Meilen von hier bcle
gencu Flecken, verschafften sich heute
Abend drei Männer Zutritt, die sofort
über den Hausherrn herfielen und ihn
hinaus in den Hof schleppten, wo einer
der Burschen ihn bewachen mußte, wäh
rend die beiden anderen in'ö HauS zu
rückkchrten. Hier sielen Frau Curtis
und deren I ".jährige Tochter den viehi
schen Gelüsten der Scheusale zum Opfern
Wie verlautet, wird das .Mädchen an
den ihm zugefügten Verletzungen sterben.
Ueber die Persönlichkeit der Schurken
hat man Gewißheit und man ist ihnen
auf der Spur.
St. Paul, 12. Oct. Der Bun-des-Spezialagcnt
W. R. Marshall leitete
im vorigen Juli auf die beschworenen
Aussagen von A. K. Lovejoy hin ein
Gerichtsverfahren ein gegen H; L. Gor
don, einen bekannten Advokaten in Min
neapoliö, und den Redakteur der Duluth
Tribune", R. E. Mitchell, und beschul
digte sie, sich durch Betrug in den Vefitz
von 4480 Acres werthvoller Negierungs
ländercien gesetzt zu haben. Die Groß
geschworenen, die sich mit diesem Fa'le
seit zehn Tagen beschäftigt hoben, versetz
ten heute Nachmittag Gordon und Love
joy in Anklagestand, erklärten dagegen
Mitckell für schuldlos.
Z) o u n g s t o w n' O., 13. Okt. In
den hiesigen Wirthschaften sind Plakate
angeheftet, welche besagen, daß an Far
bige keinerlei Drinks" mehr abgegeben
werden. Der Grund dafür liegt in der
Abstimmung der Schwarzen zu Gunsten
des Prohibitions - AmendementS. Die
Rache ist süß, sagen die Schau kivirthe,
die Schwarzen werden aber auch ohne fie
zu ihrem Drink" kommen.
Kansas Cito, 1 4. Oct. Heut
Abend kurz vor Mitternacht wurden Au
gustus Shawles, Schatzmeister der Brü
derschaft von Eisenbahn-Condukteuren,'
und Charles Achtenacht, ein Conduktcu?'
der Missouri Pacific - Bahn auf der
Brücke, die von Kansas City über den"
KansaS-Fluß nach Wyandotte führt, von
vier Straßenräubern angehalten, welche
die beiden Condukteure durch das Vor
halten ihrer Revolver zwangen, ihnen
ihre ganze Baarschaft nebst Ul)r zu über
liefern. Shawles hatte 4200 und eine
Uhr bei sich, und sein Unglücksgenosse
b700, die der Brüderschaft gehörten.
Mit dü ser Beute machten sich die Räuber
aus dem Staube.
Indianapolis, 14. Okt. Der
Leichnam des nahe Coal Bluff wohnen
den Farmers Robinson Brown wurde
gestern Nacht auf dem Geleise der In
dianapolis & St. Louis Eisenbahn lie
gend gefunden. Nachforschungen haben
die Thatsache zu Tage gefördert,' daß
Brown in Peterson'S Wirthschaft des
Geldes wegen, das er bei sich trug, er
mordet und seine Leiche auf den Fahr
dämm gelegt worden ist, damit sie von
den Rädern eines Zuges zennalmt und
die Spuren der verbrecherischen That
vermischt werden sollten. Die Polizei ist
aus der Fährte der Mörder. .
St. Löiiis. 15. Okt. Tiie Wel
ch
ensteller sämmtlicher Mlenbabnen. d!
in St. Louis oder Ost St. Louis mürt
en, haben heute Mittag Streik ve
gönnen. s
Sie verlangen, daß der Arbeitstag
auf 10 Stunden festgefetzt werde, Ertt'.
Kklablun ffir Z,',nitlistunaen;'! 2IN
Sonntag und 30 Cents für jede Stunde,
während welcher sie nach Ablauf der 10
Stunden im Dienst dleiben müssen.
Der MonatLlohn für 26 Arbeitstage soll
7:. st.r V.W ItZtrriter.
uj uiuuycu. jtic juyv vu vu,
belauft sich auf ungefähr ooo, und man
hrfürihtrt rine rnftfirfi (?$tn?iinff kn dkM
v v titi y -wm
Frachtverkehr, wenn nicht bald ein Ver
gleich vereinbart wird.

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