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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, December 07, 1883, Image 2

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Armanncr MKsblalt.
Akvrüser Gras, Herausgeber.
Terneue Prophet.
El Muhdi (nicht El Mahdi). d. h. der
Führer. ist die Bezeichnung welche m
den Weissagungen 'cayomeo s oem er,
.-i- sC ......... V. cvalniTi nrnrnrn I
tiniiigen bii ,v " p.I
mixt. Das o,r yai also eine ohiuiibc
Videutttng wie Maschmch (äkejnasj w
dem Glauben der Juden. Ävie ica
unter diesen von Zeit zu Zelt Abenteurer
sür den vechnßenen Zvkeina ausgeaeoen
kaben. so bat es auch in den zwölf Äahr-
Hunderten seitdem die von Mahomed ge
stiftete Religion besteht, welche behaup
teten, der verheißene Muhdi zu sein.
Die persischen Muhamedaner (Schiiten)
lauben ikn sckon u kaben. aber frei-
lick, unter Verschluß, wie Deutschland
seinen Kaiser Rothbart im Kyfshäuser
kalte. (5s ist der im Iakre 869 aeborene
Sabn des obcvriesters Hassan. der im
Alter von 5 Jahren mit seiner Mutter in
eine Höhle emgeftylo len wurde, aus
welcher er, wenn die $t erfüllet ist
hervorgehen wird, um die Weit n
lösen.
er-
sin ärmlicher Weiie. wie in der christ-
lieben Welt bäusta Berechnungen über
den Zeitpunkt der Wiederkehr Jesu ange-
y T . . l P r I
stellt worden sind, haben muhamedanische
Gelehrte" die höchst dunkeln und oer
worrenen Weissagungen MuhamedS auf
eme bestimmte Keit u deuten ge ucyk
Der Zufall will nun, daß viele dieser
Deutungen den 12. November 1832 als
den Tag d4 Erscheinens des Muhdi an-
setzten. Da um diese Zeit der jetzt El
Muhdi genannte Heerführer schon eine
sehr ansehnliche Macht entfaltet hatte.
waren die Augen aller muhamcdanischen
Gläubigen auf ihn gerichtet. Die Sache
war dem Sultan Abd el Hamid so unan
genehm, daß er es für nöthig hielt, durch
den hohen Rath seiner Priester verkün-
digen zu lassen, daß er (der Sultan) der
wahre Muhdi sei. Da der Ccheriff
(Oberpriester) von' Mekka gegen diese
Verkündiauna Widerivruch laut werden
ließ, ward er abgesetzt und ins Gesang
niß gesteckt. Das zeigt deutlich, daß der
Glaube an den verheißenen Muhdi weit
genug vorbereitet sein muß, um dem
Sultan Angst sür seine Stellung als
Oberbauvt des Ilslam tu machen.
Es ist ein landläufiger Irrthum, daß
die ganze muhamedaniiche Welt ohne
Widerspruch den Beherrscher der Türkei
als ihr religiöses Oberhaupt anerkenne
Abacsehen von der Schcidung der Mos-
lems in Sunniten (Rechtgläubige) und
Schiiten (ectirer). welche ziemlich genau
der zwischen Kathollkcil und Protestanten
entsvriclit. aiebt eö auch innerhalb der
katholisch"' - muhamcdanischen Kirche
Spaltungen, die zum Theil sehr tief
aeken. Am furchtbarsten wurde der
Oberherrschaft des Sultans zu Ende des
vorigen und zu Ansang des iryigen Zayr-
Hunderts die von Abd ul Wahab gestiftete
ecte. die nach lym Zwayaouen genannr
ward, sich über ganz Arabien ausbreitete
und, obwohl ihie Hauptmacht im Jahre
1818 gebrochen wurde, noch heute IM
Innern Arabiens einen ausgedehnten
Staat, mit einem eigenen Sultan an der
Svlbe bildet.
Millionen strenggläubige Muhamcda
ner in Asien und Afrika liegen gegen die
in Konstantinopcl herrschende Familie
Osman'S ebenso ttarken Widerwillen,
wie die Alt- und Stockrussen gegen die
..deutsche" Ezareufanttlie. Besonders
heftig ist dieser Widerwille geworden,
seitdem zu Anfang dieses Jahrhunderts
Makmuö der lvcitc die Türkei so weit
wie möglich nach dem Muster der christli-
ckcn Staaten Europas umzu gestalten
suchte. Die frommen Rechtgläubigen in
Asien und Afrika sind der Ueberzeugung,
daß der Sultan sich ganz unter dem Ein
sluß der ..Ehnstenhunde" befindet und
ihr willfähriges Werkzeug ist. Ihnen
liegt an der Erhaltung des letzten Restes
der türkischen Herrchast :n Europa we
nig, oder nichts.
Unter solchen Umständen ist die Ge-
fahr, welche ein siegreiches Vordringen
deö Muhdi in das eigentliche' Aegyptcn
nicht bloß den Engländern, fondern auch
dem gegenwärtigen zenanoc ocs lurrl
schen öceichcs droht, wahrlich groß g.'Niur.
Heute hat der Sultan keinen Ibrahim
mehr, der in mörderlichen Kämpfen die
Wahabiten unschädlich machte. Und die
Engländer werden in der Niederwerfung
der tollkühnen und todeöinuthigei, Schaa-
rcn des Muhdi. die nach Hunderttausen-
den zählen, ein noch schwereres Stück
Arbeit haben, als in der Eroberung des
Asghancnrciches. Es ist kaum zu be-
zweifeln, daß wenn der Muhdi wirklich
ni das Figcutliche Acgypten eindringen
sollte (und im Augenblicke ist keine
Macht vorhanden, die ihn daran hindern
könnte) auch in Arabien eine Erhebung
gegen der, Sultan 'tattsindcn wurde.
Dann stünde es schlimm um den Suezka
nal und das rothe Meer. Und was
würde aus den Früchten deö so leichten
Kaufs errungenen Sieges bei Tel el
Kcbir?
Die Lage ist für England überaus
ernst. Zwischen den Zeilen der klopsfech
terischen Aufforderungen der englischen
Presse, den Muhdi ..um jeden Preis"
niederzuschmettern, kann man doch schon
die peinliche Ueberzeugung herauslesen,
daß England nicht im Stande sein wird,
den Sudan wieder zu unterwerfen, und
srok sein muß, wenn eS nur Unter
Aegypieil behauptet. Darüber reiben
sich die Franzosen stillvergnügt die Hände.
Allein sie sollten nicht laut lachen; denn
wenn der Muhdi mit Aegypten fertig
wird, so wird auch Tunis an die Reihe
kommen. Ja. Stztg.
Die eueste Erfindung auf dem e
biete der TchienenwcgBelench
tung.
Angesichts der in geradezu erschrecken
der Weise von.Woche zu Woche steigenden
Zahl von Eisenbahnunfällcn verdient ein
Unternehmen Anerkennung, welches dar
auf hinzielt, die mit dem Eiscnbahnver:
kehr verbundene Gefahr abzuschwächen.
Ein großer Theil jener Unfälle ereignet
sich bei Nachtzeit, und diesen Umstand
hatte der Techniker L. G. Woolley im
Auge, als er daran dachte.'das Bahn
gclcise vor dem hcranbrauscndcn Dampf
roß besser zu beleuchten, als es bisher ge
' schehen ist. Bekanntlich tragen unsere
Lokomotiven an ihrer Stirnseite zwei
Lampen, welche mit Keroscne oder einem
ähnlichen Brennstoff abgespeist werden.
Obgleich das hierdurch erzeugte Licht durch
spiegelblanke Reflektoren zurückgeworfen
wird, so gelang eö doch nicht, eine Leucht
kraft zu erzeugen, welche derjenigen von
mehr als 300 Kerzen gleichkam, oder das
Bahngrleise auf eine Entfernung von
mehr als höchstens drei Zmischcnräumcn
zwischen Telegraphenpföhlen zu erleucht
ten. .
Hcrr Woolley hat nun einen sinnreichen
Apparat entdeckt, vermittelst dessen er zwei
elektrische Flammen an der Stirnseite der
Lokomotiven leuchten lassen kann, und
seine Erfindung hat sich bisher ganz vor
' züglich bewährt. Davon überzeugten sich
einige Kapitalisten in Indianapolis, und
gründeten zur Ausbeutung der Woolley
., schen Erfindung eine' Aktiengesüschaft
unter dem Namen Woolleu Electric
Ligbting & Manufacturing Co." Die
Gesellschaft hat ihren Sitz in No. 77 8S
Pennfylvaniastr. in Indianapolis. DaS
bereits bezeichnete Aktienkapital hat eine
Höhe S2.000.000 erreicht.
Die Gesellschaft wird eine Zmeignie
erläge in Chicago eröffnen und veran-
staltete kürzlich mit einer Lokomotive der
C. b W. I. Eisenbahn eine Probefahrt.
Das Resultat voax ein im höchsten Grade
befriedigendes. Das neue Lokomotiven:
licht" erhellte den Bahnkörper in einer
Ausdehnung von einer rniei Tuuut
(gleich zehn etegravyenttangenmtervai-
, Z0tte tin3e t5tfe O0 6000 Ker-
sg bie geringfügigsten Ge-
genstände, liegen? welche auf dem Bahn-
y ' ' '.. n. -r. rr. ....
dämm liegen, mir agesyeue eueuajiei
werden
Da die technische Ausführung der neuen
oamten tadellos ist und dieselben vor AI
j sluc6 Qefl,n iic Einflüsse der Witte-
schützt, so läßt sich wohl dem neuen
Unternehmen eine große Zukunft prophe-
zeien,
E,n Abschied.
Der talentvolle neue Vertreter des 2
Eongreßbezirks von Chicago, der Unab-
Känaiae Jodn ft. Finnen?, nimmt in
seinem bicaaoer timien" oei lenier
Abreise nach Washington Abschied von
seinen Lesern, denen er zugleich reichliche
Beiträge sur das Blatt von asyingron
aus verspricht. Zugleich verdeltzt er,
immer und alle Zeit an seinem Eoange-
llum festzuhalten, welches so lautet:
Irland nt eine ur vrunauch unav
KSnaiae Nation, die durch Gemalt und
Betrug ihrer Freiheit beraubt worden ist.
' . . .. r- t 1
Da sie unter den jetzigen Umständen nicht
die kriegerische Stärke besitzt, um es mit
ihrem erbarmungslosen feinde autzuney
,nen. so ist sie tu jeder Politik berechtigt.
die von ihr ergriffen wurde oder ergriffen
e ?t rt- ita
werden mag, um iqren rannen in
Herz zu treffen. Die durch britisches
.Gesetz" mit Ausstoßung aus ihrem Be-
sitze, mit gezwungener Auswanderung
und völliger Hungersnoth bedrohten
irischen Bauern hatten das Recht, haben
das Reckt und werden, so lange die
britische Herrschaft nicht umgestürzt ist
das Recht haben, jeden räuberischen
Grundbesitzer, welcher unter dem Deck
mantel einer gotteslästerlichen Gesetz
lichkeit das schöne irische Land zu einer
Wildnin und einer Hölle macht, nieder
zuschießen oder ihn auf sonstige Weis
auszurotten."
Nun muß man sich in die Stimmungen
eines heißblütigen Jrlanders hlnemver
setzen, um emen so wuthenden HaF, wie
er aus obigen Zeilen spricht, begreiflich
zu finden. Man wird ihn um so meh
brqceifen. wenn man an die endlose Reih
von Bedrückungen denkt, welche Irland
im Laufe der Jahrhunderte von England
erduldet bat. Aber dennoch muß man
wünschen, daß Herr Finerty in Wash
inqion seinen Pulver- und Blei- und
Dynamit-Gefühlen nur in seinen Briefen
an den Eltizen" in Ehicago freien i'au
lassen möge, nicht aber im Eongreß
Denn dort hat man an einem Riche
lieu" Robinson genug. Und nicht als
ein Robinson der Zweite, sondern als ein
aufgeklärter Vertreter der Interessen der
Ver. Staaten ist Finerty indie National
Gesetzgebung dieses Landes'gewählt wor
den.
Handel mit den TüdseeJnseln.
Eonsul Canisius auf den Schiffer
oder Samoa-Jnseln berichtet an'sStaats
Ministerium in Washington über de
landet mit den isuvleenetn und zu
nächst über Samoa folgendes :
Amerikanische Kaufleute auf Samoa
sagen, daß sie qezwnnqen sind, den hemil
schen EUenwaarenhandcl, den Bezug von
Ellcnwaaren aus den Ver Staaten aus
zugeben, weil sie von dort nicht diejeni
gen Waaren erhalten können, welch
man auf diesen Inseln am meisten braucht
und kaust. Die hohen Frachtpreise auf
den sich vorn Osten nach dem Stillen
Mccre erstreckenden Eisenbahnen der Ver.
Staaten sind ebenfalls ein Hinderniß
der Ausbreitung des amerikanischen Aus
fuhrhandels nach der Südscc. Kauf
mannsgüter können von London oder
Liverpool mit weit geringeren Kosten
nach Sidnen verschickt werden, als von
Boston oder New Aork nach San Fran
ciseo. Die Eröffnung der neuen Eisen
bahn aus dem Osten der Ver. Staaten
nach dem Stillen Meere wird ohne Zwei
fel eine Herabsetzung der Frachtpreise
bewirken ; und da Ursache und Wirkung
untrennbar sind, mögen Geschäftshäuser
auf Samoa künftig im Stande sein, eine
Menge Waaren in San Francisco sich
zu einer so geringen Rate zu sichern,
wie in Sidney.
Was Ellenmaareu betrifft, so rathe
ich unseren Baummollenmaaren - Fabri
kanten, sich etwas mit dem Zustande und
dem Geschmacke halbcivilistrtcr Völker
bekannt zu machen und sich die englischen
Waarenmuster genau zu besehen. Je
bunter und flimmernder die Farben sol
chcr Waaren sind, desto größer ist hier
die Nachfrage nach ihnen. Eine deutsche
kNrma hier (Nuge zo.) hat rurzilch
ein Schiff nach San Francisco geschickt,
um eine Ladung amerikanischer Prooi
sionen u. s. w. holen zu lassen. Wenn
dieses Beispiel von anderen deutschen
Firmen befolgt wird, so werden wir mit
telst dieser deutschen und anderer Kauf
leute bald einen lebhaften amerikanischen
Handel mit Apia (der Haupt- und Han
delsstadt der Samoa-Jnseln) haben."
CUIVRE POLI.
( Hui et B5lsk,kn Vkmeibkikiluiig )
Mitte der siebziger Jahre kamen, zu
erst von Antwerpen, große Platten, Tel
ler, Schilde mit großen Ornamenten,
Köpfen, aus gepreßtem Messingblech in
nicht sehr scharfen Relief auf den Markt,
Nachahmungen alter handgetriebener Ar
besten, theils ganz blank, theils die Ver
tiefungen geschwärzt; sie wurden als
cuivre rcpus8 bezeichnet. Die Ge
genstände, die sich zu Wanddekorations
stücken vorzüglich eigneten, wurden bei
fällig aufgenommen und erlangten, da
auch ihr Preis kein sehr hoher war, große
Verbreitung ; gegenwärtig werden sie an
verschiedenen Orten und auch in neueren
Compositionen fabrizirt.
Fast gleichzeitig brachte Paris als Neu
heit unter dem Namen Cuivre poli (po
lirtes Kupfer) kleinere Kunstgegenstände,
wie Leuchter, Tintenfässer, Cigarrenbe
cher, Briefbeschwerer in Messingguß,
glänzend polirt, anfangs ganz in der na
türlichen Messingfarbe, später die Ver
tiefungen geschwärzt, um durch den Far
benkontrast das Relief besser zu heben.
Die Artikel fanden Anklang, und bald
bemächtigte sich die Berliner Industrie
der Fabrikation derselben. Sie verstand
durch stylvolle Formen und billigen Preis
sich so beliebt zu machen, daß sie nach we
nigen Jahren die Pariser Waare vom
Markt in der Hauptfache, bei uns in
Deutschland wenigstens, geradezu ver
drängte. Die Gründe für den billigen Preis die
ser Bronzen sind theils in der Technik,
theils in lokalen Bedingungen zu suchen.
In Bezug auf das erstere ist zu bemerken,
daß dei dem Berliner Cuivre poli nicht
die sorgfältige Nachbehandlung des Roh
gußstückes, die lange Zeit erfordernde und
große Kosten verursachende Ziselirung
der Oberfläche zur Anwendung kommt,
wre bei der alten Bronze. Abgesehen
von Entfernung der Gußnäthe, behan
delt man die Oberfläche rein mechanisch
mit auf der Drehbank laufenden Kratz
bürsten, Schmirgelscheiben und Polir
läppen und erzeugt damit den eigenthüm
liehen Glanz, der Unsauberkelten des
GusseS nicht zu Geltung kommen läßt
ES ist dies eine ähnliche Behandlung,
wie sie den Eisenguß-Artikeln zu Theil
wird, welche man vernickelt ; eö sind solche s
auch vermessrngr rooroen vao oaourry
dem Emore poli, ähnlich gemacht, wie
Tiefen, in welche man Hierbei nicht ge
angen kann, lat man rat I3nß avncht
ich körnia und bringt damit ; die aufge
tragene Schwärze um so mehr zur Haf-
tung. und LiZirrung. . olche zsegen-
ri - C l.lt.ii .1 -.H.V MfJirtn
sianoe yirnimuii uumit uuiviu uuiuuu
aussehen, da dann die Mängel des Gusses
ich deutlich zu erkennen geben, igura
es insbesondere läßt sich in dieser Weise
nicht behandeln, die Handziselirung bleibt
hier immer Bedingung.
Als weiterer Grund, warum gerade in
Berlin diese Artikel so billig gemacht
werden können, kommt noch in Betracht,
daß der Rohguß von einer Anzahl selbst-
ständiger kleiner ceister vcsorgr wrro,
die von den eigentlichen Fabriken beschäf-
t,gt werden. Erstere Yadcn sich eine
große Geschicklichkeit m Herstellung oes
Freimefsinggusses angeeignet, welche sie
befähigt, mit geringstem Materialauf
wand und rasch zu vroduziren. Außer-
dem ist Leben und Arbeitslohn in Berlin
billiger als in Paris. Ais vie Pari,
anfingen, Cuivre poli zu fabriziren,
wandten sie darauf ganz ihre alte Bronze-
technik an ; in der That blieb auch Alles
beim Alten bis auf die letzte Behandlung
der Oberfläche, die nicht mehr chemisch
war. sonderu mechanische Politur. So
konnten denn auch die Preise sich nicht
ändern. Der Nichtkenner wird kaum
einen Unterschied wahrnehmen zwischen
m r c m n- rf Cif.-J.
Pariser uno zeruner is,ui,re pou. Auey
in Süddeutschland haben wir eine Firma,
welche die technisch vollendeten handzise-
lirten Messingbronzen fertigt. A. ?totz
in Stuttgart. Deren Erzeugnisse kön
nen natürlich ebensowenig mit den Berli
ner im Preise konkurriren.
Die Liebhaberei für die Messingfarbe
hat sich übrigens nicht auf die kleinen
Gebrauchs- und Dekorationsstücke des
Zimmers beschränkt, auch größere Sachen
hat man m diesem Ton gehalten, wie
Sanduhren, Lampen, Kandelaber, Krön
leuchter. Die imiiirte Bronze aus Zinkguß,
womit seit etwa 10 Jahren Berlin den
Markt fast auch allein verforgt hatte, ist
durch das für gewöhnliche Waare nich
viel, theurere Cuivre poli etwas in Rück
gang gerathen ; neuerdings kommt solche
von Berlin auch mit Glanzmessingfarbe
auf den Markt, doch man hat noch mch
allgemein gelernt, den beliebten Ton ge
nau herzustellen. Voraussichtlich dürfte
sich diese Fabrikation in der Hauptsache
auf Fizurales, auf Gegenstände mit
größeren glatten Flachen beschranken
deren Zubereitung durch Handziselirung
beim Messing eben sehr kostspielig ist
Die Sachen zeichnen sich gegen das echt,
Pariser Cuivre poli bei gleich vollendeter
Arbeit durch ungemein niedrigen Preis
aus, ähnlich den patnurten Waaren, Die
unter Umständen blos 16 bis 110 so
hoch stehen.
Wie lange die Methode für das Glanz
mefsing anhalten wird, läßt sich noch
nicht voraussehen. Es besitzt eine Eigen
schaft, die gewiß mit dazu beitragen
wird, sich satt daran zu sehen. Es
läuft, wie alle reinen (d. h. nicht mi
Firniß oder Patina überzogenen Kupfer
leglrunqen, an der Luft allmählich an
wird matter und verändert seinen Far
benton : es muß deshalb von Zeit zu Zeit
geputzt werden, wie wir dies von anderen
seit lange im Gebrauch benndllchen Äices
singgeräthen wissen, den Handleuchtern
und Thürgriffen.
Snndertachtzigtauseiid harte Eier.
W. H. Elliö in New ?)ork ist der Be
sitzer von t ö(,0(.0 hartgekochten Eiern und
weiß nicht, was er mit ihnen anfangen
soll. Wie- kam es aber, daß so viele sei-
ner Eier auf einmal gekocht wurden
Unter der Fracht des dänischen Dam
pfcrs Hcimdal", in dessen Laderaum vor
einige Wochen kmz vor seiner Ankunft
im New Porter Hasen ,cucr ausbrach
befanden sich auch 250 Kisten mit je 60
Dutzend Eiern. Das in den Ladcranm
gepumpte Wasser wurde siedend heiß und
sämmtliche Eier wurdcn dadurch hart ge
kocht. Sie waren an L. O. Snakenberg
& Co. in New Aork konsignirt. Der
vorgenannte Ellis, welcher stets bereit
ist, ein anscheinend gutes Geschäft zu
machen, erhielt Kunde von diesen in
Masse hartgekochten Eiern, und da ihm
vorgestellt wurde, daß sie insbesondere in
Hotels leicht verkäuflich sein würden,
indem man sie zum Anmachen von Salat
und für andere Zwecke gebrauchen könne,
kaufte er die ganze Partie für s200. Er
ließ sie nach einem Hause bringen und
schickte sich an. sie in kleinen Partien zu
verkaufen. Da aber zeigte es sich, daß
die Eier ungenießbar waren. Unter der
Fracht des Heimdal" , hatten sich auch
schwedische Zündhölzchen befunden, welche
verbrannt waren und den Eicrir einen
widerlichen Schmefelgeschmack beigebracht
hatten.
Unter diesen Umständen war an den
Verkauf der Eier nicht mehr zu denken
und Ellis schickte sich an, sie in Aschen
behälter zu werfen, um ihrer auf diese
Weise loszuwerden. Kaum war dies aber
geschehen, als ein Polizist bei ihm erschien
und ihm mit Verhaftung drohte, wenn er
ferner noch den Aschenkarrnern zumuthe,
die Eier fortzubringen. Er wandte sich
nun an die Gesundheitsbehörde mit der
Bitte, ihm zu erlauben, die Eier in der
selben Weise fortbringen zu lassen, wie
es mit todten Thieren der Fall sei. Man
ertheilte ihm jedoch den Bescheid, daß der
Contract mit den Personen, welche die
todten Thiere fortschaffen, nichts von
hartgekochten Eiern sage und daß daher
den Contraktoren nicht zugemuthet wer
den könne, die Eier fortzuschaffen. Auf
die Frage des Herrn Ellis, was er denn
mit den Eiern thun solle, wurde ihm der
Bescheid, daß man dies nicht misse, daß
er aber, wenn er sie innerhalb der Gren
zen der Stadt irgendwo wegwerfen lasse,
sich gerichtlicher Verfolgung aussetze.
Schließlich entließ man ihn mit dem
Rathe, fein Glück in New Jersey zu ver
suchen, Dies hat Ellis aber noch nicht
gethan, und er sinnt unterdessen auf
Rache. Er beabsichtigt Snakenberg &
Co. auf Ersatz seiner .200 zu verklagen,
da dieselben angeblich erklärten, daß die
Eier genießbar seien und da die von ihm
probeweise gekosteten Eier frei von
Schwefelgefchmack gewesen.
Chinesische feindliche Logen.
In Sacramento, der Staatshauptstadt
von Californien fanden neulich aufregende
Straßenkeilereien zwischen zwei fcindli
chen chinesischen Logen statt. Der chinesi
sehe Consul in San Francisco, Herr Bee,
begab sich darauf nach Sacramento und
lud durch ein Rundschreiben alle chinesi
schen Prominenten" er Staatsyaupt
stadt zu einer gemeinschaftlichen Ver
sammlung ein, die den Zweck haben solle,
abermaligen Friedensstörungen vorzubeu
gen. Das Weitere ist in der Abend
post" in San Francisco so beschrieben;
Das bezügliche Rundschreiben war im
Namen der kaiserlichen Regierung in P
king abgefaßt und übte denn auch die
Wirkung aus, daß sich alle Geladene
prompt zur Verfammlung einfanden, die
in einem zu diesem Zweck festlich herge
richteten Zimmer stattfand und von Con
sul Bee zur Ordnung gerufen wurde Sie
bestand aus 'ungefähr fünfzig Personen,
geistlichen Würdenträgern, Kaufleuten
welche sämmtlich in Festtagsgewändern
erschiene waren und nach feierlicher Be
grüßung des großen und fetten Jotz",
der im Hintergründe des Zimmers auf
einem Altar thronte, mit gespannter Auf
merksmkeit Dem zuhörten, was ihnen
durch die Boten Seiner himmlisöien Ma-
zestat, Bee und zyma. Wong, Sjmg Ay
Z)un, gesagt wurde. Beide deleyrten die
Anwesenden zunächst dahin, das; die chi-
nesischen Logen unmoralifche Einrichtun-
gen seien, mit denen eine himmlische
Majestät in - China auch auö diesem
Grund nichts zu thun haben oue. Ore
Unruhen wurden von Bce als entgegen,
den Gesetzen Chinas und der Vereinigten
Staaten" bezeichnet und allen braven und
gehorsamen Zopfträqern ward empfohlen.
dafür zu sorgen, daß solche Unruhen nicht
noch emmal vorkommen da man in ei-
nem solchen Falle keinen Augenblick zo
gern wurde die 'Gesetzesubertreter einer
exemplarischen Strafe tu unterziehen.
Wer fortan gegen die Gesetze des Kaisers
sündigt, heißt es in einem zu diesem
Zwecke erlassenen Maueranschlcig, der in
allen Theilen des Chinesenviertels ange
bracht werden soll, wird zuerf: von den
zuständigen (?) chinesischen Gerichten be
straft, dann den amerikanischen Gerichten
überantwortet und endlich bei der Heim
reife nach China mit einem Document
versehen werden, in welchem sein Leu
mund aufgezeichnet ist und das ihn, falls
derselbe schlecht lautet, bei seiner Ankunft
in China zum dritten Male einer schar
fen Strafe unterwirft. Zwei Male ge
näht, sagt man im gewöhnlichen Leben,
hält besser, aber bei den Amerikanern
brummen und arbeiten zu müssen und bei
den Chinesen vor und nachher die schön
sten Prügel denn das ist am Ende doch
noch die mildeste chinesische Bestrafungs
Methode bekommen, das ist hart!"
in Rudolstadter unz von Kauf
sungen.
Prinzessin Helene von Leutenberg (gek
2. Juni 1869). die Tochter des Fürsten
Günther von Schmarzburg-Rudolsta'ot
und seit kurzem Braut des Prinzen von
Schönaich - Carolath, war als kleines
Kind Gegenstand einer recht merkwürdigen
Crim inalgeschichte. Gegen sie undihren
Zmilling.sbruber Vizzo war ein Prinzen
und Prinzessinnenraub geplant, der Ge-
legenheit bieten sollte, für die Wieder
auslieferunq der entführten- Kinder an
dem Fürsten Günther, dein Vater der
Kinder, einen ErpressungiZverfuch zu
üben.
Der tolldreiste Anstifter des Raubes
war der Dr. med. Weiß, praktischer Arzt
in Frankenhausen, ein sehr ertravaganter
Mann, der durch fortwährende istreitlg
leiten mit den Behörden sich fehr unbe
liebt gemacht hatte und gegen d'e be
stehenden Verhältnisse höchlichst erbittert
geworden war. Dieser Mann faßte den
Plan, die Zwillingskinder des Fürsten
(die damals noch nicht 5s Jahre alt
waren) zu rauben, um- sich wegen der
ihm vermeintlich widerfahrenen Unbilden
zu rächen und durch Entführung und
Festhalten der Kinder Ged (angeblich
20,000 Thaler) zu erpressen. Weiß ver
band sich 18fi5 zur Ausführung des
Planes mit einem übel beleumundeten
Einwohner H. aus Hackpfüsfel, den er
zur Ausführung deö Raubes mehrere
Mal nach Rudolstadt schickte. Doch
waren die Reisen dieses Helfershelfers
stets vergeblich. Als nun der Fürst
Günther von Schwarzburg-Rudolstadt in
der zweiten Hälfte des Novembers 1865
mit seiner Gemahlin und seinen beiden
Zwillingskindern in Frank.'nhausen ein
traf, um für mehrere Wochen im dortigen
Schlosse Aufenthalt zu nehmen, hoffte
Dr. Weiß eine günstige Gelegenheit zur
Ausführung deö Raubes der fürstlichen
Kinder erspähen zu können. Er richtete
eine in der Nähe der Ruine der
alten Burg Falkenburg bei Rott
leben belegene Höhle zur Aufnahme der
Kinder ein, ließ den Helfershelfer H. aus
Hackpfüsfel kommen und zzg noch einen
Dritten ins Vertrauen. Die fürstlichen
ZmiUingsgeschwister Sizzo und Helene
sollten auf einem Spaziergnnge im dorii
gen Schloßgartcn gefaßt, jedes in einen
Sack gesteckt und vorläufig in jene Höhle
(sie heißt seit jener Zeit die Prinzen
höhle"), später aber nach Hackpfüsfel in
heimlichen Verwahrsam gebracht werden.
Der Helfershelfer H. ans Hackpfüffel
kam, die Vorbereitungen wurden ge
troffen, der Termin zur Ausführung des
Kindertaubes festgesetzt. Rur gegen das
hohe Lösegeld von 20,000 Thalern und
Zusichcrung gänzlicher Straflosigkeit soll
ten die fürstlichen Zwillinge herausgegeben
werden.
Da zeigte der ins Vertrauen gezogene
Dritte "den Plan an und Weiß und der
Hackpfüffler wurden gesanglich einge
zogen. Letzterer gestand sofort, Weiß
jedoch legte sich auf's Leugnen, wurde
aber überführt. Schließlich ließ aber
der Fürst Gnade vor Recht ergehen (das
Schwurgericht in Jena hatte den Weiß
bereits vcrurtheilt) und schickte den
niodernen Kunz von Kauffungcn mit ei
nem fürstlichen Reisegeld nach Amerika.
Inländische Nachrichten
mi Dieser Tage wurde in San Fran
cisco ein Heiraihs - Erlaubnißschcin für
einen 16jähriqen Knaben und ein 15:
jähriges Mädchen ausgestellt. Die Eltern
Beider waren vor dem County-Clerk er
schienen und hatten ihre Genehmigung
ertheilt.
Ein amerikanischer Seemann, der
in der chinesischen Flotte gedient hat,
stellt in der N. Y. Eoening Post" die
Behauptung auf, daß China eine der
stärksten und besten Flotten der Neuzeit
besitze und den Franzosen eine große
Ueberraschung bereiten werde, wenn eö
zum Kriege komme.
Zur Zahlung von zehntausend Dol
lars Schadenersatz an eine seiner Arbeite
rinnen ist dieser Tage ein Fabrikbesitzer
in Philadelphia verurtheilt worden, weil
er, trotz Aufforderung der Behörden, es
unterlassen hatte, seine Fabrik mit Fir
Escapes zu versehen. Die Arbeiterin
war wegen Mangels solcher Apparate
genöthigt gewesen, während eineö in der
Fabrik stattgefundenen Feuers aus dem
Fenster zu fpringen. Dabei wurde sie
zeitlebens verkrüppelt und hat nun die
genannte Summe als Schadenersatz zu
gesprochen erhalten.
Der Stadtrath von Philcdelrhia
hat s600 zu Tabak für die Jnsaffen der
städtischen Strafanstalten bewilligt.
Diese Neuerung in dem Gefängnißwesen
erfslgte auf Rath des Philad,.'lphiaer
Arztes Dr. Caspar Wistar, welcher gel
tend machte, daß die an Tabak gewöhn
ten städtfchen Gefangenen in Fclge der
Entziehung dieses Krautes erkiankren.
Dr. Wistar sagt wörtlich : Der Tabak
ist eine Arznei zur Beseitigung von Appe
titlosigkeit, Dyspepsie und anderen
Krankheiten, welche eine Folge der
sitzenden" Lebensweise sind."
s Betreffs der gesetzwidrigen Eheschei
düngen durch polnische Rabbiner schreibt
Rabbi Wise in seiner Deborah-: Die
Brutstätte dieses heillosen Treibens ist
New Vork, wo in den sogenannten Beth
Hamedrasch irgend Jemand für einige
Groschen getraut oder geschieden werden
kann, ohne vom Landesgesetz oder auch
vom Talmud sonderlich behelligt zu wer
den. Dort wird seit- Jahren das Ge
schäft im Großen getrieben, man bedient
sich mit Ausnahme des Ge!" gedruckter I
Formulare, die leicht auszufüllen sind.
Man sollte in New Fork den Kerlen das
Handwerk legen, damit sie nicht uvwis
sende Menschen betrügen und in'i! Unglück
ftnrzen.-
DaS meiste Roßhaar schreibt die
"Amerikas , welches in den Ber. St.
gebraucht wird, kommt aus Südamerika.
In Buenos Ahres und Montevideo wird
es zu 26 bis 32 618. das Pfund verkauft
und in Ballen von ungefähr 1000 Pfund
verpackt, welche T2S0 bis $300 rosten.
Im Jahre 1882 urden 4,082,000 Pfd.
Pferdehaar in die Ber. (Staaten emge-
fuhrt, wovon 3,417,000 aus sudame-
rika, 19S.000 auS Mexiko und 469,000
Pfund aus Nußland kamen. Im Jahre
1831 betrug die Einfuhr 3,643,000
Pfund, im Jahre 1880 beinahe 4,000,
000 und im Jahre 1879 nicht ganz 2,
000,000 Pfund. Ten Werth zu durch-
schnlttllch 28 Cents das Pfund angenom
men, würde die letztjährige Einfuhr ,
150,000 reprafevtiren. Beinahe all die
ses Roßhaar wird von 4 oder S Fabriken
verarbeitet, deren eine in Boston, eine in
New Aork, eine in Philadelphia und eine
in Baltimore sich befindet.
Von einem erst ganz vor Kurzem
aus Würtemberg eingewandert Zeugen
in einem Detroiter Gerichte, der zu viel
Griechisch sprach", berichtet ein dortiges
Blatt: Da der Schwabe kein Englisch
verstand, 'wurde ein Pennsylvanisch
Deutscher als Dolmetscher gerufen. Letz
terer übersetzte die Frage eines der Advo
katen so: Jetzt sollschte die Court
informe, wie das Ding gehäppent isch!"
Unser Held, der biedere Schwabe, eine
wahre Riesengestalt, besann sich gar
nicht lang.' Er packte den kleinen Dol
metscher beim Kragen und sagte aus:
Dös ischt so gange. Der do Hot Den
do so beim Krage g'nomme und so Hot er
ihn bei der Hos' ang'faßt, do Hot er ihn
so gegen die Wand g'stoße und so Hot er
,hn us den Booen ying schmisse."
Bewegungen führte er dann auch an dem
Dolmetsch aus. Wie er nun so do
g'lege isch, Hot Der do ang'fange, zu
schimpfe und Hot g schriee : Du Chaib
verftuachts, du gottsträflichs, du Hunds
erbärmlichs. dumiserabls, duelends!"
Der Dolmetscher raffte sich vom Boden
auf und indem er noch sagte, der Zeuge
vermische zu viel Griechisch mit seinem
Deutsch, zog er von dannen."
? Eine neue Dampferlinie. Schnell-
dampfer Walter L. Frost" lief am 26.
d. M. im Chicagoer Hafen ein, nachdem
er die Reise zwischen Oadensburgh und
Chicago in so kurzer Zeit zurückgelegt
hatte, daß die Erwartungen seiner Er
bauer weit übertreffen wurden. Die
letztern wollen daher nach dem Muster
des Frost" noch sechs andere Schisse
bauen und dieselben zwischen hier und
Oqdensburqh kreuzen lassen. Der betr
Kontrakt mit der Detroit Dry Dock
Co." ist bereits abgeschlossen morden und
zwei der neuen Schiffe sollen schon im
Marz k.J. vollendet werden. Die ganze.
noch herzustellende Flotille wird zwar
einen Kostenauswand von $775,00 er
fordern, aber die Unternehmer versprechen
sich großen Erfolg von der neuen Dam
pferlinie. Die neuen Schiffe werden eine
Länge von 25.5, eine Deckbreite von 3'
und eine Tiefe von 164 Fuß haben, d. h
sie werden um eine Kleinigkeit größer
sein als der Frost", aber ganz nach
dessen Muster gebaut werden und Maschi
nen von der gleichen Beschaffenheit und
Größe erhalten.
l ie Schiffsrheder Leopold & Au
striau, in Chicago, erhielten am 26. d.M.
zwei Depefchen, welche alle Hoffnung,
daß die Mannschaft des neulich im Lake
Superior verschollenen Schraubendam
pfers Manistee" gerettet sein könnte, zu
nichte machen. Aus Hancock meldet der
Capitän des Schleppdamfers May
tham", daß weder seine, noch die Mann
schaft des Dampfers Toledo" eine Spur
von der Bemannung des Manistee",
ungeachtet eifrigsten Nachforschens, hat
ten entdecken können. Noch betrübender
aber klingt die Depesche des Capitäns
vom Dampfer Hackley". Demnach ist
dieses Schiff zwischen Ontonagon und
Portage, fünfzehn Meilen vom Ufer ent
fernt, durch eine Menge von Trüinmern
gefahren, welche von dem verunglückten
Manistee" herrührten. Somit kann
kaum noch ein Zweifel darüber bestehen,
daß die Mannschaft des letzteren in den
Wellen des Sees ihren Tod gefunden
hat, und die Angehörigen der Verunglück
ten müssen sich mit dem schrecklichen Ge
danken, ihre Lieben in so jäher Weise
verloren zu haben vertraut machen.
? Ein Bankier zu Osakis im County
Douglas in Minnesota hat dem Drän
gen seiner durch die letzten Wirbelstürme
in Aigst und Bangen gerathenen Gattin
nachgegeben und ein Wohnhaus errichten
lassen, welches vollständige Sicherheit
auch gegen die stärksten Wirbelsturme
?,ewähren soll. Die Ecken laufen in
tumpfen Winkeln zu, die Wände sind
nach innen geneigt, so daß sie unter ein-
ander ebenfalls wieder Winkel bilden
und es dem Sturme unmöglich machen.
das Haus an einer Stelle zu packen, an
der es ihm eine bedeutende flache entge
genstcllcn würde. Der Sturm muß ge-
wissermaßen überall an dem Hause ab-
gleiten und kann sonach seine Gewalt
nicht an ihm ausüben. Alle Mauern sind
mit den sehr sesten Fundamenten veran
kert, so daß der Sturm das Haus nicht
entführen kann, ohne die Grundmauern
aus dem Boden zu reißen. Hoffentlich
meint dazu ein Wechselblatt vergißt
der Herr Bankier nicht, im Keller einen
Felsblock anbringen zu lassen, an wel
chem sich seine Gattin im Nothfalle an-
ketten kann für den Fall, daß ihr der
Vturm das Dach hoch über dem Kopfe
wegnimmt. .
Aus dem Jahresbericht des Bundes
Commissärs für Erziehung, Hrn. Eaton,
theilt die Amerika" folgenden Auszug
mit: Die schulfähige Jugend der Ver.
Staaten zählt 15,879,506 Seelen,
9,860,333 davon gehen in die von den
Staaten und über 6 Millionen in die
von Kirchengemeinschaften und Privat
Personen verwalteten Anstalten. Zur
Aufrechterhaltung der öffentlichen Schu
len sind 95,1 11,542 erforderlich. Den
bescheidensten Betrag dazu zahlt Nord
Carolina mit $1.71 für das Kind, mit
21 .43 per Kopf den größesten Colorado.
Eine auffallende Verschiedenheit, be
hauptet Eaton, besteht hinsichtlich der
Wirksamkeit des dargebotenen Unter
richts, zwischen dem Norden und dem
Süden der Ver. Staaten. Nördlich vom
Missouri, Ohio und Potomac giebt es
nur wenige Jünglinge und noch weniger
Jungfrauen, die nicht lesen und schreiben
können. Anders in den Südstaaten.
Von allen drt lebenden, zwischen 10
und 14 Jahre alten Negerkindern, befin
den sich 69$ Prozent in vollkommener
literarischer Finsterniß. Von der zwischen
IS und 20 Jahre alten Jugend äthio
pischer Herkunft: 67 Prozt. Erwägt
man nun, daß die Neger in einzelnen
unserer Südstaaten einen sehr großen
Theil der Bevölkerung ausmachen (in
Süd-Carolina 604,332 von 995,577;
in Louisiana 433,655 von 939,946 und
in Mississippi 650,291 von 1.131,597),
s wird man dem Bundesschulcommissär
so Unrecht nicht geben können, wenn er
sich hinter den Ohren kratzt.
Der bekannte deutschländifche volks
wirthschaftliche Schriftsteller Dr. Rud.
Werter, der vor Jahr und Tag als Wie
ner Journalist mit einigen ungarischen
Magnaten die Ver. Staaten bereist hat,
spricht sich in einem über seine Reise
beobachwngen geschriebenen Buche auch
über den amerikanischen Getreidehandel
aus.. Der .Deutsche Sorresp." in Balti-
more faßt Mever's Aeußerungen, über
diesen Gegenstand so zusammen: .Dr.
Merzer's große Bewunderung hat eö er
regt, wie das Problem, ungeheure Ern
ten fortzuschaffen, in Amerika täglich
?ielöst wird. Ungarn habe in Folge des
en schon einen großen Theil seines
Marktes an Amerika abgegeben, weil
Amerika seine Produkte im Großen billig
versendet, während in Ungarn der Han
del noch immer von kleinen Zwischen
Händlern abhängt, die von Bauernhof zu
Bauernhof gehen und um Malter und
Metzen feilschen. Der amerikanische
Bauer weiß leben Tag, was seine Pro
dukte kosten, er kann zu jeder Zeit Vor-
schusse auf seine Ernte erhalten, seme
Speicher uittuna ist so gut, wie Geld.
Der europäische Bauer muß sich an die
Hypothekenbank wenden, oder er fallt
einem Wucherer in die Hände. Die
Frachten werden in Amerika immer nied
riger, in Europa fortwährend höher.
Die mechanischen Vorrichtungen, Getreide
zu verladen und zu. versenden, sind in
Amerika wunderbar vollkommen und in
Europa merkwürdig primitiv. Die
lächerliche Behauptung einiger Schwafel
Hänse, daß Amerika am Raubbau zu
Grunde gehe, wird von Dr. Meuer
gründlich widerlegt. Die mittleren Staa
ten liefern heute bessere Ernte-Ertäge,
als vor 25 Jahren, weil die Bauern
längst gelernt haben, den erschöpfen
Boden gut zu behandeln und zu regene
riren." Bluliger Krawall. An der Gas
quelle in Murraysoille im County West
moreland in Pennsylvania, 40 Meilen
östlich von Pittsburg, kam es am 26.
November anläßlich eines Besitzstreites
zwischen den Arbeitern der streitenden
Theile zu einem Krawall, in welchem ein
Mensch um das Leben kam und vier An
dere schwer verwundet wurden. Der
brennende Gasbrunnen wird von der
Pennsylvania Fuel Company und zu
gleich von dem Chicagoer Kapitalisten
Milton Weston als Eigenthum bean
sxrucht; die genannte Gesellschaft befand
sich im Besitz des Brunnens. Heute Nach
mittag erschienen bei demselben 30 mit
Flinten und Knütteln bewaffnete Arbei
ter Weston's, um von dem Brunnen und
dessen Umgebung Besitz zu nehmen. Um
zu demselben zu gelangen, hätten sie ei
nen großen Haufen Bretter hinwegräu
men müssen. Die Arbeiter der Penn
syloania Fuel Company gruben einen
Graben für eine Röhrenleitung. Als
die Ankunft der Weston'fche Leute be
kannt wurde, ließ C. N. Haymaker, ein
Mitglied der Fuel Company, seine unbe
waffneten Arbeiter aus dem Graben tre
ten und auf dem retterhaufen Platz
nehmen, um diesen zu halten. Die
Weston'schcn Arbeiter rückten vor und
hießen ihre Gegner sich zurückzuziehen.
Diese weigerten sich dessen und nach ver
schieden! Drohungen legten die Angreifer
ihre Flinten an und gaben Feuer. Als
sich der Puloerdampf verzogen hatte, sah
man C. N. Haymaker todt und drei von
seinen Leuten schwer, wahrscheinlich todt
lich verwundet auf der Erde liegen.
Demnächst entspann sich zwischen beiden
Theilen eine förmliche Schlacht. Einer
von Weston's Leuten Namens Kieser
wurde schwer verletzt ; viele andere kamen
mit leichten Wunden davon. Schließlich
trieben die Weston'schcn Arbeiter ihre
Gegnerin die Flucht und nahmen von
dem Brunnen Besitz. Der Sheriff wurde
zum Einschreiten aufgefordert und Ge
Heimpolizisten wurden von hier auf den
Kampfplatz gesendet.
Der Phantast H. R. Helper ist vor
einiger Zeit mit dem folgenden riesigen
Eisenbahnplane in die Öffentlichkeit ge
treten : Von dem Mittelpunkte der Nord-Pacisic-Bahn
foll ein neuer Schienenweg
durch das Mississippi - Thal, Mexiko,
Central - Amerika und den westlichen
Theil Süd-Amerika's bis Patagonien
gebaut werden. So werde die Monroe
Doktrin endlich praktisch ausgeführt und
ganz Amerika den Ver. Staaten unter
thö::ig werden. Helper veröffentlicht
jetzt viele Briefe, die seinem Plane
Anerkennung zollen, darunter einen von
dem großen New Jorker Advokaten und
früheren Staatsministcr Evarts. Der
gute Helper merkt gar nicht, daß der
witzige alt Evarts höheres Schindludcr"
mit ihm treibt. Der Brief lautet näm-,
lich so: Ihr Plan, die drei Amerikas
mit einander zu verbinden, scheint mir
völlig ausführbar und von großer Wich
tigkeit für die allseitige Entwickelung und
Wohlfahrt der Nationen unserer west-
lichen Halbkugel. Aber warum den
Plan der Eisenbahnverbindung auf den
amerikanischen Eonnnent beschranken?
Auch Asien und Europa sollten in das
Riesensystem allgemeiner Eiscnbahnver
bindung mit eingeschlossen werden. Die
Entfernung von Amerika bis Asien be
trägt durch die Bering - Straße blos
dreißig Meilen und die von Nordamerika
nach Europa dreitausend. Ware ich
heute so jung wie meine Kinder, so
wurde ich die Zeit nach zu erleben hoffen,
da man über Alaska und Sibirien,
Europa besuchen kann. Das Zeitalter
der Eisenbahnen, eine Zeit unvergluch
lichen nationalen und internationalen
Fortschritts, ist angebrochen und wird
ohne Zweifel endlos fortdauern. Keine
Rast, bis Buenos Ayres und Bombay.
San Jago und St. Petersburg, Panama
und Wien Mexiko und Madrid, San
Francisco und Berlin, New Orleans
und Paris, Nem Jork und London, ja
alle übrigen Großstädte der Welt jetzt
und für rmmer mittelst stählerner Schle-
nen verbunden sind l Ich wünsche Ihnen
inzwischen für Ihr überirdisch großartiges
und' verdienstvolles Unternehmen den
besten Erfolg."
Vermischte Mchrichlen.
Vom 15. November a b er-
scheint in Pest unter der Redaktion Viclor
Jstoczy's ein antisemitisches Tagblatt
Hunnia". Es heißt, daß Berhovay s
Függetlenseg" in diesem Blatte aufgehen
soll. ,
Verein für Arbeitsnach
weis in Berlin". Verwaltung Gustav
Spuhl. Das Resultat der einmonatli
chen Thätigkeit dieses Vereins, der den
Arbeitsuchenden aller Stände und aller
Berufsarten Beschäftigung gegen ein
Einschreibegeld von 20 Pfg. und eine
Gebühr von 30 Pfg. für den stattgehab
ten Nachweis zu verschaffen versucht, ist
ein überaus glänzendes. Es wurden
eingeschrieben 1161 Arbeitsuchende und
606 Arbeitgeber, Beschäftignng wurde
304 Personen nachgewiesen.
Ueber eine Anleihe,
welche die Königin von Serbien kürzlich
in Odessa machte, entnehmen wir der
O. Z." folgende Notiz : Vorige Woche
hat die Verwaltung der Cherssoner Land
dank verschiedenen Personen Darlehen
unter Versatz ihrer Güter von mehr als
einer halben Million in Obligationen der
18. Serie ertheilt. Unter Anderen em
pfing auch die Königin von Serbien,
Natalie Petrowna Obrenowitsch, ein
Darlehen von 280,000 Rubeln auf ihre
im Jsmail'schen und Kischenew'schen
Kreise belegenen Güter.
Australien kommt mit sei
nen Rohproducken immer starker auf den
Weltmarkt. Außer Wolle und Fleisch,
den beiden Hauptartikeln, erscheint jetzt
bereits Weizen. Vor wenigen Jahren
noch mußten die Australier Mehl impor
tiren, letzt xroduziren sie schon 50 Mil
lionen Bushel per Jahr. Sie benutzen
die amerikanischen Ackerbaumaschinen.
Australischer Weizen geräth immer, die
Qualität ist ausgezeichnet und jedeS Jahr
wird mehr gesäet. In Australien er
wächst unS binnen wenigen Jahren ein
formidabler Coneurrent auf dem eurs
pSifchen Markte.
Das schwedisch-norwegi
sehe Konsulat in Neapel hat an das
Stockholmer Kommerz - Kollegium die
Aufforderung gerichtet, eine geeignete
Persönlichkeit mit Zeichnungen und Mo
bellen von Holzhäusern, einem nicht un
bedeutenden Erportartikel Schwedens,
nach der Insel Jschia zu senden, woselbst
sich voraussichtlich ein großer Bedarf an
solchen Häusern zeigen werde,- da die
Behörden mit der Absicht umgehen sollen,
den Wiederaufbau von steinernen Wohn
gebäuden zu verbieten.. Schweizer und
amerikanische Architekten sind bereits viit
der Aufstellung von Modellhäusern vor
gegangen. Die Photographie eine
Blitzeinschlages ist de Photographen
Crom in England gelungen. Während
eines heftigen Gewitters hatte Crow sei
neii Apparat auf den Thurm einer Kirche
gerichtet, in welcher der Blitz gerade ein
schlug, als der Deckel von den Gläsern
des Apparates entfernt wurde. DaS
Bild zeigte die elektrische Entladung als
einen zickzackförmigen Feuerftrahl, dessen
Länge auf annähernd siebenundzwaniig
Meter berechnet werden konnte, da die
Photographie eine Messung des glücklich
abgebildeten Blitzes gestattet.
.Greif' n'icht in ein W es
pennest, doch wenn Du's thust, dann
greife fest I scheint die Devise des neuen
serbischen Kabinets-Chefs Christitsch zu
sein. In der Nach! zum 6. November
wurde in Belgrad das leitende Comite
der Radikalen aufgehoben und in Haft
gebracht. Ferner wurden verhaftet die
Professoren Simic, Hersie, Giaja und
Nikolic,' sowie der Ingenieur Paschic, der
Handelsmann Stefanomic, endlich der
Sekretär im jetzigen Finanzamte Paja
Mihajlowic. Von diesen Verhafteten
wnrde vorgenannter Professor Giaja so
fort vor ein Standgericht gestellt und
an nächsten Tage standrechtlich erschos
fen.
I n dem ungarischen Dorfe
Tarnok schlich sich neulich ein Dieb durch
den Rauchfang in die Wohnung eines
Bauers, bei dem er eine größere Summe
baaren Geldes, den Erlös für verkaufte
L'chsen, vermuthete. Er wurde aber be
merkt, worauf er die Flucht ergriff. Den
ihm nacheilenden Bauer verwundete er
mit einem Messer. Der Angegriffene
schlug Lärm, und fast die ganze Gemeinde
eilte ihm zu Hilfe. Es gelang, des
Strolches habhaft zu werden ; man fes
feste und knebelte ihn, und von allen
Seien sielen so wuchtige Schläge aus ihn
nieder, daß er bald unter den Hieben der
wüthenden Volksmenge seinen Geist auf
gab. Die Ortsbehörte,. die jetzt erst hin
zukam, konnte nur eine Leiche in das
Gemeindehaus transportiren.
ZahlreicheMenschengrup
pen, aus deren Mitte man die lebhaste
sten Ausdrücke der Entrüstung hören
konnte, umstanden in München am Mor
gen deö 7. November das erst vor meni
gen Monaten enthüllte Liebig-Denkmal
auf dem Marimilians-Platz. Dasselbe
war im Dunkel der Nacht durch bübische
Hände in schnödester Weise verunreinigt
worden, indem die linke Seite desselben
in der ganzen Höhe des Denkmals mit
einer dunklen, ätzenden Flüssigkeit begos
sen worden war, welcher gegenüber die
von einigen Personen angestellten Rei
nigungsversuche erfolglos blieben. Hof
fentlich gelingt es indeß nicht nur späte
ren Versuchen, die Spuren dieses Buben
stückes auszulöschen, sondern auch die
Urheber desselben zur gebührenden Sträse
zu ziehen.
In Köln wurde kürzlich in
der Strafkammer über eine ekelhafte Be
Handlung von Lebensmitteln verhandelt.
Cs stehen vor den Schranken die Eheleute
Spezereihändler Wilhelm Bertram aus
Ehrenfeld, angeklagt, Stockfische in Urin
und Wasser geweicht und zum Verkauf
ausgeboten zu haben. Die Sache kam
durch die Dienstmagd, als sie in einen
andern Dienst verzogen, zu Tage. Die
Polizei beschlagnahmte eingeweichteStock
fische und Weichmasser, jene wurden ver
graben, dieses dem Chemiker Kyll zur
Untersuchung übermiesen. Dieser er
klärte, er habe Harnsäure in dem Wasser,
die unzweifelhaft von einem Zusatz Urin
herrühre, vorgefunden. Sanitätsrath
Jacobs sagt aus, Haansäure sei Mittel-
und unmittelbar gesundheitsschädlich,
mittelbar durch den Ekel, wenn die Ma
nipulation später bekannt werde, unmit
telbar auch nach dem Genuß. Beide
Angeklagten wurden für schuldig erklärt
und zu je 2 Monaten Gefängniß verur
theilt. Aus der Oase Elabiod in
Süd-Oran (Algier), wo die während der
vorjährigen Erpedition durch den Ober
sten Negrier geschlossene Pilgerkaabah
wieder aufgebaut wird, wird ein arger
Aufruhr gemeldet, in Folge des schlech
ten Witzes fremder Arbeiter, welche an
statt eines Marabout-Skeletts ein Ziegen
Gerippe in den Sarg gesteckt hatten.
Die Araber waren wie toll, sie stürmten
das Gebäude, tödteten mehrere Personen
und bloklrten andere Gebäude.
Die mirthsch'aftlicheKrisis.
welche über Frankreich hereingebrochen
ist, unterscheidet sich von früheren Krisen
dadurch, dag sie hauptsächlich den Bauern
stand trifft. Die mangelhaften Getreide
und Wein-Ernten der letzten acht Jahre,
verbunden mit den fortschritten derReb
laus und mit der immer mächtiger wer
denden amerikanischen Concurrenz, haben
die französischen Bauern auf's Schwerste
fiüv?i c f
grscyaoigl uno oen ökonomischen AUs-lösungs-Prozeß,
dem dieselben unter-
morsen sind, wesentlich beschleunigt. Der
sar.ji v. -.-7 r sit c
ciuuyuny vci iuiijüiuicn uciruiuc uno
Weinprodnktion wird am besten durch die
Thatsache illustrirt, daß Frankreich, wel-
ches truher wenig oder kein Getreide im
portiile und das wcinreichste Land der
Welt war, im vorigen Jahre einen Ge-
treide-Jmport von 590 Millionen Mark
hatte, und obendrein für 280 Millionen
Mark Wein einführte, nachdem die Wein
Einfuhr in der früheren Zeit nicht der
Nede werth gewesen war.
Am 2 0. August, so melden
englische Blatter, rettete eln'zwolffah
riges Mädchen das Leben eines Kindes
aus den Wellen. Es svrana. aan, an
gekleidet, von einem Felsen in Blackpool
bei Dortmouth in das Meer, das dort
sehr wild zu sein pflegt, ergriff das dem
Ertn'nken nahe Kind und hielt es in die
Höhe, bis Hülse vom User kam. Solche
kindliche Heldenthaten sind übrigens längs
der englischen Küste keine Seltenheit, wie
die Liste der von der Royal Humane
Society" für Lebeusrettung zuerkannten
Preise zeigt. Ein muthiger kleiner, nur
9 Jahre alter Knabe, S. G. Pike, erhielt
eine Ehrenmedaille für folgende That;
Ein Kind siel von der Landungsbrücke in
Orefton, bei Plymouth, lind wurde von
den Wellen weiter getragen, daS Wasser
war 36 Fuß tief. Pile sprang in seinen
Kleidern ins Meer, schwamm dem Kind
nach und brachte es schwimmend an die
Brücke zurück, wo man ihnen aus dem
Wasser helfen konnte. Ein zwölfjähriger
Knabe, HumphreyS, rettete am 20. Au
gust ein vierjähriges Kind auS dem Fluß-
bei rlauberis und erhielt eine hrenmel-
dung. Die That war um so schwieriger,
als das Kind in einem Wirbel sich befand.
Unter den übrigen Lebensrettern, welche
belohnt wurden, befinden sich noch ein
Knabe und ein jnigeS Mädchen.
Madrid. 28. Nov. Der ErlaS.
betr. die Aufhebung des NechteS der
kubanischen Sklavenhalter, ihre Sklaven
mit Stock und Fesseln u bestrafet,, ist
heute veröffentlicht worden.
Neuere Nachrichten.
land.
- Dublin. 2. Dez. In Newvq sind
heute die Protestanten auf dem Wege
zur Kirche angegriffen worden. Vier
Compagnien Infanterie, mit je 20 schar
fen Patronen für den Mann versehen
waren an verschiedenen Orten in der
Stadt aufgestellt, während Polizeimann
schaften die Straßen durchzogen. Eine
Anzahl LancierS hielt den öffentlichen
Platz besetzt und Constabler-Abtheilun-gen
waren im GerichtSgebäude und an
der Straße nach Warren Point aufge
stellt. In der katholischen Kathldrale
statte sich die Gemeinde zahlreich ver
ammelt. Rev. McCarten sprach über
daS Verbot der Nationalisten-Ver-'zinm-lung
und bemerkte dahei, solche Schritte
der Regierung genügten, um alle zu Ne
bellen zu machen und, wenn sie. fortge
setzt würden, würden sie das Volk zur
Empörung treiben. Die Versawuilun
gen würden trotz der Negierung und der
Oranier abgehalten werden. Das Ver
bot der Verfammlung sei eine unmittel
bare Beleidigung für die KathoUken.
Bei dem Angriffe auf die Protestanten
wurden zwei Polizisten durch Steinwürfe
verwundet.
St. Petersburg, 2. Dez. Es ist
ein UkaS veröffentlicht worden, welcher
die Ausgabe von sechsprozentigen Gold
renten im Betrage von 50,000,006 Ru
beln zum Kurse von 93 Prozent, nach
der Wahl der Regierung in zehn Jahren
einlösbar, anordnet.
Pesth, 2. Dez. Der Graf v. He
dervary ist an Stelle deS Freiherrn v.
Ramberg zum Ban von Kroatien ernannt
worden.
Kairo. 2. Dez. Oberst Sartorius
wird am Montag mit 750 Gendarmen
nach Suakin abgehen ; 200 Mann mn
den am Dienstag folgen und im Lause
der Woche werden 300 Mann Reiterei
dahin aufbrechen. Gobair Pascha ist
zur Anwerbung von 3000 Mann schmar
zer Truppen ermächtigt worden. Wie
sie an ihren Bestimmungsort geschasst
werden sollen, ist eine schwer zu lösende
Frage.
Barcelona, 3. Dez. Unt,r der
hiesigen Garnison ist eine Verschwörung
zu einem Aufstande entdeckt worden. Fünf
Ofsiciere sind zur Prozefstrung nach
Madrid gesendet worden. Die Ossiziere
der Garnison von Lerida schlafen iu der
Kaserne, weil Geiüchte von einer Kund.,
gebung auf der französischen Grenze, im
Umlaufe sind.
Berlin, I. Dez. Das deutsche
auswärtige Amt macht bekannt, daß in
dem chinesischen Hafenorte Fulfchan die
Cholera ausgebrocheu ist.
Me ri ko, I. Dez. Die mfrikanisch-National-Bahn
st dem Perkehrlüber
geben worden. Die Strecke von' hier
bis San Miguel beträgt 254 - Meisen.
Kairo, 3. Dez'. Die europäische
Bevölkerung von Chartum hat sich. nach
Berber geflüchtet und die ägyptische Re
gierung hat sie uiiter den Schutz der bor
tigen Häuptlinge gestellt.
Kairo, 3. Dez. Eine von lern
österreichischen Konsul in Chartum 'hier
eingetroffene Depesche meldet:. Biicse
aus Kordofan berichten, daß in dem
Kampfe gegen El Muhdi ein Drittel von
Hicks Pascha's Heer, darunter der größte
Theil der englischen Ofsiüere, todt auf
der Wahlstatt geblieben ist, die übiigen
zwei Drittel aber bei Rahad lagern von
Takell aus verprooiantirt we-dcn und
Verstärkungen verlangen. In Chartum
herrscht Ruhe. .-!".-
Inland. ' 7
Chicago, I.Dez. Zwei verhäng
nißvolle Feueröbrünste fanden im Laufe
deö gestrigen Tages statt. Die Hut und
Kappenfabrik von Beak & Bucher 'wel
che sich an Market Str. No. 168 und
170 in dem riesigen Farmcll Gebäude
besindet, wurde gegen 5 Uhr Nachmittags
ein Raub der Flammen, und zwei der
dort beschäftigten Arbeiterinnen stürzten,
bei dem Versuche dem drohenden Feuer
todte zu entrinnen, aus dem 5. Stock
werk auf den mit Steinplatten belegten
Seitenweg und fanden augenblicklichen
Tod. Der Gefammtocrlust beziffert sich
auf etwa $150,000 und ist durch Ver
sicherung vollständig gedeckt. r f'
Kaum war daS Flammenmeer an der
Marketstraße bewältigt, als schon wieder
ein Alarm erging, der die Feuerwehr zu
neuer Thätigkeit nach einer anderen
Brandstätte rief. Diesmal war es das
Gebäude No. 159 und 161 Dearborn
straße, in welchem gegen halb neun Uhr
Feuer bemerkt wnrde. DaS HauS gehört
der Aktiengesellschaft, welche das bekannte
englische Abendblatt Chicago Eoening
Journal" herausgiebt, und wurde kurz
nach dem großen Feuer mit einem Ko-
stenaufwande von $94,000 erbaut. Wie
und wo das Feuer entstand, ist bis jetzt
noch nicht festgestellt worden.
Soweit bis jetzt ühersehen werde kann,
ist der Verlust ein sehr bedeutender.- Eine
Presse im Werthe von etwa $30,000
wurde fast vollständig vernichtet ' und
Papiervorräthe sind für etwa $4000 ver
brannt. Eine zweite Preffe, die $100,
000 gekostet haben soll, wurde ebenfalls
dermaßen beschädigt, daß sie kaum mehr
zu gebrauchen sein wird. Die fehr werth
volle Bibliothek dieselbe soll über
$10,000 gekostet haben wurde zum
Theil vernichtet, zum Theil erheblich be
schädigt. Leider ist auch bei diesem Feuer
ein Unfall zu verzeichnen, indem Capitän
Wynan von der Leiter-Co. 24 durch ei
nen Sturz von der Leiter sich da. Fuß
gelenk verrenkte.
Oshkosh WiS., 2. Dez.' ; Die
Thür- und Fensterrahmen-Fabrik von
William Hume & Co. ist heute Morgen
vollständig eingeäschert worden. Der
Schaden an Gebäude, Maschinerie und
Material beläuf sich auf 43,000 Dollars,
während die Versicherung ungefähr 30,
000 Dollars beträgt.
Washington, 3. Dez. Die Eröff
nung der ersten Sitzungsperiode des 43.
CongresseS fand . mit dem Schlage der
Mittagsstunde statt. Die Pulte, vieler
Mitglieder waren mit Blumensträußen
geschmückt. Auf der Diplomaten Bükne
und der für die Angehörigen der Mit
glieder bestimmten sah man eine zahlreiche
und glänzende Gesellschaft und auch die
allgemeine Zuschauerbühne ' war schon ge
räume Zeit vor der Eröffnung von Neu
gierigen gefüllt.
NewNork. 3. Dez. Das unter
dem Namen Nunger Rom- bekannte,
on 47 Familien bewohnte hölzerne
Doppelgebäude an der W. 54. Str..
ist beute abgebrannt. ' Hattie' Mabel
und Edgar Judfon, die 3, bezm-. L und
1 zabr alten inder eines Welken und
einer Negerin, sind dabei verbrannt.
Viele andere Biwohner des Hauseö ent
gingen dem gleichen Schicksale nur mit'
knapper öcoty. Schaden $20,000
Washington. 3. Dttir. Die
Bund.Sgeheimpolizei hatte hier sehr aut
nachgemachte $5-Golostücke erhalten.
Die Münze trägt den Jahresstempel 1869 .
nd soll besonders in Cbicciii und den
westlichen Staaten ia Cirkulation' sein.
GreenSbuxa, Pa.. 3. Dtt?. AuS
MurravSille sind heute Morgen ber
IS Zeugen uver den neulichen blutigen
Vorga,g an der dortigen Gasquelle ein
getroffen. Der Genchtsseal war bei
dem heutigen Beginn der GerichtS,er-
Handlung darüber überfüllt.
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