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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, April 02, 1886, Image 2

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Dermanttcr ZlolKsblalk.
Gtbrüver Gras, Herausgeber.
49. EongreK.
23. März. Im Senat wurde
der Geseyenwurf für Verbesserung des
Heerwesens eines Weiteren erörtert.
NachVerlauf derMorgensitzung wurde mit
der Besprechung der Beschlüsse des Ju
siizausschusseS in der Angelegenheit DuS
km fortgefahren und Jackson führte
seine Bemerkungen gegen dieselben zu
Ende. Auch George sprach sich gegen
. V ' 5 . r !L . mi AlTÜ
den üvteyryeusoericyk aus, wocm n
führte, -daß die Absetzungsgewalt auS
schließlich dem Präsidenten übertragen
sei.
DaS Abgeordnetenhaus er
ledigte in der Morgensitzung die Vorlage
für Bewilligung von 238,200 Dollars
zur Befriedigung der anläßlich der
Pittsburger Zirau'alle am 4. Juli 1877
an den Wund erhobenen Entschädigungs
ansprüche, welche angenommen wurde.
Gesetzentwürfe wurden von den betr.
Ausschüssen einberichtet: zum Schutz ge
gen die Einschlexpung von ansteckenden
,ankhciten und für Errichtung eines
Bundes-Gesundheitsamts ; Erweiterung
der Eilbrief -Einrichtung; Abschaffung
des Vorkaussgesetzes; Einführung eines
einheitlichen i.'ehrsvsttms für die Miliz.
Hierauf Fortsetzung der Berathung des
ndianer-Etats.
2 4. März. Dem Senat wurde
von seinem Vorsitzenden ein Protest von
Bürgern an der Küste des Stillen Meeres
gegen Grausamkeit an friedfertigen Ehi
ne'sen vorgelegt. Logan bemerkte in Be
treff seines Vorschlags, die Truppenstärke
des stehenden Heeres auf 30.00 Mann
zu erhöhen, wie gegenwärtig bei einer
Hochstahl von 25,000 Mann tha'.säch.
iiA mir 23 625 brauchbar seien, fo !
mfirfce auch bei einer Erböbuna auf 30. :
000 Mann iirWirklichkeit nur ca. 27,- '.
i,s0 nkriüabar sein. Teller bekämpfte ;
ki, Maünabme. wäbrend Platt sie befür-i
ortete. Um Zwei wurde die Be-
rathung der Beschlüsse des JuuizauS- j
schujZes sortgeieyr, yieraus 5ei;uSuna.
Jir Abgeordnetenhause wurde
der Indianer -Etat erledigt und mit der
Berathung der Ausgaben-Änsätze für die
Post begonnen.
25. März. Senat. Nach Ent
gegennahme einiger Grfetzentwm fe wurde
der HeeresEtat für morgen Vormittag
auf die Tagesordnung gesetzt, fodann
nahm die Erwägung der Edmund'schen
Beschlüsse ihren Fortgang, worauf der
Senat zu geheimer Sitzung zusammen
trat und sich bald nachher vertagte.
Im Abgeordnetenyau,e pniu,
. , . ,
tet
e der Ausruft ur rre 4.murnn
einen Gesetzentwurf für Errichtung eines
Territoriums Oklahama ein, worauf
mit der Berathung des Poftetats fortge
fahren wurde. Die Abendsitzung war
dem Gedächtniß des verstorbenen Abge
ordneten Nankin von Wisconsin gcwld-
Mit.
23. 27! 5 r z. Jn Senat legte der
Vorsitzende den Jahresbericht du Eivii-dienst-Eommission
vor, welch,? dem zu
ständigen Ausschuß überwiescu wurde.
Hoar' reichte einen Gefttzentwif für
Einführung dcs Lcicher.schauzench:s von
Bundcswegen ein, welcher an den
Justi; - Ausschuß verwiesen wurde.
Die Erwägung der E'rmundö'schen Be
schlösse in der Aemtcrfrage rahm den
Nest der Sitzung in Anspruch und erde;e
damit, daß vier derselben angenommen
wurden.
Abgeordnetenhaus. - Der
Sprecher legte im Hause eine Mitthei
lang des AssistentFinanzministerS Fair
chilv vor, in welcher dieser den Entwurf
einer Bill als Zusatz für die Einmande
runosgcsetze übermittelte. Die Bill
macht für Zahlung einer Kopfsteuer
von' 50 Cent nur bei Touristen Ans
nähme und bestimmt eine Strafe von
8601) für permanenten Landen von
Armen, Idioten, Irrsinnigen und Vcr
brechern. Dem Finanzminister soll die
Berechtigung ciitheilt werden, Einwan
derungSEommiZre zu ernennen doch
nicht mehr als 3, in Boston, New ?)oik,
Philadelphia, Baltimore, Key West,
New Orleans, Galveston, und San
Francisco.
27. März. Der Senat hitlt keine
Sitzung ab Das Ab geordnete n
k) a u s wurde ron dtn blinden Kaplan
Milburn mit einem Gebet eröffnet, wel
ches, als Grovencr deren Druck im
Nccord" beantragte, von James, der
Einsptvch erhob, als eine Brandrede be
zeichnet wurde. Zur Besprechung lag
der Ausschußbericht über den Gesetzent
wurf für freie Silbetp:äzung vor und
betheiligten sich daran Eulberson ron
Teras, Dorgan von Südcarolina, I.
M. Taylor von Tcnncsse und Hatzell
von Kentucky, worauf Vertagung ein
trat. 2 0. März. Abgeordneten
haus. Wolsord von kentucky reichte
einen Gesetzentwurf ein, welcher vor
schlägt, Allen, die im Bürger fliege im
Bundesheere gedient haben und mit
Ehren entlassen worden sind, eine n.o
natliche Pension von $3 zu gewähren,
und den Minister des Innern ans.u
weisen, einem Jeden, der im Nebel-
lenhecre oder ln der Nebellenflotte
gedient und einen Arm oder ein Bein
verloren hat, das fehlende Glied durch
ein künstliches zu ersetzen, bczm. ihm den
Geldwerth eines solchen zu zahlen. Law
ler stellte den Antrag, der Ausschuß für
Arbeit sei anzuweisen, u zwischen den
Rittern der Arbeit" und den Gould
jchen Eisenbahnen schwebenden Streitig
ketten zu untersuchen und dem Hanse
Vorschläge zu deren Beilegung zu machen.
Nach Entgegennahme einiger anderen
Gesetzesentwürse vertagte sich das Haus.
Im S e n a t legte der Vorsitzende eine
Denkschrift des jüngst zu Sacramento
in Ealifornien abgehaltenen Anti-Chinescn-Convents"
vor, worin um Ab
stellung des Chinesen - Uebels" gebeten
wird. Nach Erledigung der laufenden
Geschäfte wurde die Berathung des
Logan'schen Gesetzentwurfs fürVerbesse
rung des Heerwesens, bezw. Verstärkung
deS Heeres fortgesetzt.
Ende. Februar brachte
das PesterMagyarenblatt Fügetlenseg"
die Meldung, daß ein Wucherer mehrere
dortige Richter so sehr in seine Hand zu
bringen wußte, daß er sie schließlich zur
- Ausstellung falscher Wechsel zwang.
Diese Nothlage nützte der Wucherer so
aus, daß die betreffenden Strafrichtcr
eine gegen ihn einlaufende Strafanzeige
zu seinen Gunsten erledigten. Ein Ad
vokat hätte nun gegen die betreffenden
Nichter eine Eingabe an das Ministerium
gemacht. Die Sache scheint reellen Hisr.
tergrund zu haben, denn der in dieser
Angelegenheit zum NegierungS - Kom
missär ernannte Richter an der könig
lichen Tasel, Eornel Emmery, hat be
reitS in mehreren Strafsachen eine Unter
suchung mit Rückficht aufdie beimJustiz
minister eingelaufene Beschuldigung be
gönnen. Für da Denkmal des
Admiral Cour bet sind in Frankreich
180,000 F,ankcn zusammengekommen.
DerMarineminister spendete drei eroberte
chinesische Kawonen.
Arizona.
Das Klima von Süd-Arizona ist, wie
alle Reisenden, die diesen Theil des
Territoriums während der Sommer
Monate besucht haben, bezeugen, ein
unerträglich 'heißes. Die Haurtmerk
male des Landes aber sind Alkaliwüsten
und nakteZ Gestein. Die Vermesse? der
Southern Pacific Eisenbahn haben jene
Route gewählt, bei der am wenigsten Ab
tragung und Ausfüllung nöthig war.
Allein diese Route macht auf den Reisen
den keinen guten Eindruck. Sie dient
vielmehr dazu, ihm eine schlechte Mn
nung von Süd-Arizona beizubringen.
Nachdem der Reisende das an der
Grenze vonNew-Merico liegende Stadt
chen Deming verlassen, bieten die nach
sten 24 Stunden sehr unerfreuliche Er
fahrunaen. Die Hitze ist dlückend, der
grelle Abglanz der Wüste bereitet den
Äugen empfindlichen Schmerz und durch
jede Svalte des Eisenbahnwagens dringt
der feine Alkalifand, der alle Gegen
stände mit einer dichten Kruste überzieht
and die Reisenden gleich Schneemännern
erscheinen läßt. Öeffnet man die Fen
er der Eisenbabnwaaa.ons. so dringt
der S:aub massenhaft herein, schließt
man aber dieselben, so ist die Hitze
nabe;u erstickend.
In Fort Z)uma harrt der ermatteten,
mit Staub bedeckten Passaaiere ein fru-
aales Mittaasmabl. cei welchem sie sich
denn auch bald von den überstandenen
Strapazen erholen. Juma liegt an der
mestlicken Grenze ron Arizona. Die
genannte Eisenbahn muß deshalb den
ganzen sudlichen Theil des Territoriums
durchschneiden, um von Deming nach
ftort Buma zu aelanaen.
Allein dieser verödete Landstrich, in
welchem es weder Wasser noch Pflanzen
aibt. entbehrt dennoch nicht alles In-
teresseS. In dem südwestlichen Theile
Arizona's liegt der unter dem Namen
"nainred desert" bekannte Landstrich
Es ist dies eine wilde, einsame Ebene,
deren Oberfläche mit hohen, sonderbar
geformten Säulen und isoliricn Er-
böbunaen bedeckt ist. Ties.n Säulen
und Spitzen haben Wind und Wetter
eine phantattlsche Gestalt verNeyer
Dort bemerkt man in der stillen, kla
ren Lust Vi'.der, die Palästen, Säulen
aänaen. Tempeln. Fontänen, Seen
.vestunaen. Landschafts-Scenen, Thieren
Gruppen von Männern und Frauen, und
allen möalichcn Dinaen Gleichen, und
die auf so bewunderungswürdige Weise
schattirt sinv, daß lie geradezu rer
bluffend wirken. Die Indianer nennen
diese Ebene das Land der verstorbenen
Geister" und scheuen dieselbe.
In der Näh- der Quellen des Litlle
Eolorado-lusses. den Eorcnado: Ri
i liiv umi'iiij
'iA itAfitilfl
befindet slch eine der
5ten Merkwürdiakeiten des Landes
, tin tx tHm in Umfinge messen
der versteinerter Wald. Du- in dcmsel
den befindlichen Bäume sind meist von
großer Höhe und Dicke, Man hat dort
einen Baum gefunden, der am Fuße 20
Fuße im Umfange maß.
TieVäume, deren versteinerten Zweige
im ganzen Walde zerstreut liegen, haben
mit den berühmten Nothholzbaumen in
Ealifornien einige Aehntichkit. Auch die
völlig versteinerten Körper von Thieren
hat man in ma nchen Stkllen in diesem
steinernen" Walde aufzefunden. Die--ses
Naturwunder liegt cinige Meilen
nördlich von Holbrook Statton an der
Atlantic und Pacific Eiseilbahn.
Eine andere Merkroürdigleit von
Arizona ist die im mittleren Theil? des
Tcriitoiiums liegende natürliche Brücke
des Ton'o-Bafiii. Sie ist 150 Prrds
breit und überspannt dcn Pine (!reck,
der an dieser Stelle etwa U0 Fuß breit
ist. Acht Fuß vou dem südlichen Ein
gange der Brücke rnlfcrnt, befindet sich
in der Mitte eine Oeffnunz, durch welche
man die in einer Tiee von 1G3 Fuß
rauschenden Gewässer deS Creek erblickt.
Will man aber den vollen Eindruck der
Großartigkeit dieses von der Natur ge
bildeten Brückenbogens bekommen, sc
muß man denselben von unten in Augen
schein nehmen. Die gigantischen Kalk
steinwände streben stolz in die Höhe, bis
sie oben zusammenkommen und den xrZch
iigen Brückenbogen bilden. An beiden
Seiten der Brücke befinden sich in dem
Gestein zahlreiche Grotten, von denen
viele noch niemals von dem Fuße des
weißen ManneS betreten worden sind.
Manche meinen, daß das Territorium
Arizona, oder doch wenigstens der größte
Theil desselben, weiter nichts als trocke
nes, unfruchtbares Land ist. Wer jedoch
jemals die nördlich von der Southern
Pacific Bahn liegenden Thäler deö Rio
Verve und seiner Zuflüsse gesehen hat,
wird von dem Gegentheil überzeugt sein.
Hier und in den weiter nördlich gelege
nen Thälern gibt es Landstreifen, die
zur Viehzucht und zum Theil auch zum
Ackerbau benutzt werden könnten. So
lange die Apachen ihre Raub- und Mord
thaten ungestraft im Territorium ver
üben, ist dazu allerdings wenig Aussicht.
(Amerika.)
Pas Territorinm Alaska.
Die Bundesregierung in Washington
hat es erst vor Kurzem unternommen,
eine endgültige Verwaltung in Alaska
einzurichten, und er erste Gouverneur
dieses Gebietes, Mr. A. P. Sminefort,
hat nun vor einiger Zeit dem Ministe
rium des Innern seinen ersten jährlichen
Bericht über die Zustande des seiner Vcr
waliung unterstellten Landes eingereicht.
Eine möglichst genaue vorgenommene
Volkszählung schätzt die Bevölkerung auf
8900 Einwohner, wovon 1900 Weiße
und 7000 Eingeborene. Dcn geborenen
Alaskiern wird nun ein Anfang von
Elementarunterricht zu Theil ; der Re
ligion nach gehören sie zur griechisch-rus-sischen,
preSbvterianischen und römisch
katholischen Kirche. Sie sind keine In
dianer, sondern nnterscheiden sich von
diesen durch ihr Aeußeres, ihre Sitten,
Sprache und viele andere kennzeichnende
Züge. Der G.iverneur stellt fest, daß
schon mehrere Schulen auf verschiedenen
Punkten des Gebietes durch die Agenten
des UnterrichtsburcauS errichtet worden
sind, und verlangt eine Erhöhung der
Unterstützung, um diesen Schulen die
nöthige Entwickelung geben und weitere
derartige Schulen errichten zu können.
Die Kmder zeigen gute Anlagen zum
Lernen und die Bevölkerung offcnda,t
überall den Wunsch, englische Schulen
im Lande eingeführt zu sihen. Mr.
Swineford ergeht sich in langen Einzel
Heiken über die großen natürlichen Hüls
quellen von Alaska und tadelt streng
jene Agenten der Itegierung, welche die
irrige Ansicht verbreitet haben, daß das
Klima zu rauh fei, um hiermit Vortheil
Zlckerbau und Viehzucht betreibnr zu kön
nen. Er versichert, nirgendwo auf feinen
Reifen durch die Vereinigten Staaten
vom Oberen See bis zum Mexikanischen
Meerbusen einen üppigeren Pflanzen
wuchs gesehen zu haben, als im südöst
lichcn Theil von Alaska. Die kräftig
sten Gemüse kommen dort zur Reife und
erreichen eine gewaltige Größe; das
Hausoieh ist schön behaart und wächst
unter den günstigsten Verhältnissen auf.
Die Goldbergwerke der Douglatz.Jnsel,
Juneau gegenüber, sind in voller Aus
beutuug begriffen. Die Lagerung der
selben wird als wirklich phänomenal ge
schildert, und der Gouverneur fügt hin
zu. diese Goldgruben versprechen in den
Jahrbüchern des Bergwesens der Welt
einen weit hervorragenderen Rang ein
zunehmen als alle diejenigen, welche da j
rm seither mit Vortheil sigurirt haben.
DaS Gesetz, welches den Verkauf geisti-
ger Getränke verbietet, nurd wenig beoo
achtet. Die Regierung erörtert deS
Breiteren die Lücken, welche sich derma-
len in den Gesetzen über die territoriale
Organisation finden, und hebt die Noth
endizkeit hervor, eine deutlichere, ge-
rechtere und minder zwerdeunge sesey
gebnna anzunehmen, sowie die günstige
. f . m - r .
2JCiegenucu, ver iseoouciung oc c
wisse Art der Vertretung einzuräumen,
damit die örtlichen Angelegenheiten von
rhr selbst erörtert werden können.
per Vefäyigungs Aachveis des
AanSwerktts in Aeutschlano.
Wie schon mehrmals mitgetheilt, find
in Deutschland seit einiger Zeit, wenn
auch rn modrnz'.rter Form, txt alten
.unftverbaltnle neu oelevt worden.
Wabrbait erbeiternde M:tthe:!unaen
macht mit Beuz darauf der Reichstags-
Abgeordnete Baumdacy rn rer ,-catlon-üöer
die Vorgange in jener Reichstags-
Ccmmrssron, die sich mit dem Acrer
mann'schen BesähizungS - Nachweis zu
beschäftigen hat. Der genannte Adge
ordnete schreibt : Unsere kommissarischen
Berathungen geben einstweilen einen
Vorgeschmack von den Dingen, die da
kommen werden. Die Debatten über
die Feststellung und Abgrenzung der ein-
zelnen Handwerke, welche unter den Be
fähigungS-Nachweis gestellt werden soll
ten, waren in der That oielversprechen
der Natur.
Darf der Schuhmacher Pelzsiicfel an
fertigen, oder ist DieS ein Vorrecht dcS
Kürschners? Darf ein Hutmacher auch
einen Strohhut herstellen? Wie ist der
Betrieb des Tavezirers oder Dekorateurs
zu bestimmen, auf daß er nicht mit dnnJ
mattier, dem .azcyner oder dem temcr
oder mit dem Polstcrcr in einen bedauer
lichen Constikt gerathe? Müssen Land
leute, welche Schwarzbrod in die Stadt
liefern wollen, künftighin den Befähig
gungS-Nachweis für Bäcker erbringen?
Muß der Korbflechter, der die einfachsten
Arbeiten verfertigt, die jedes Kind hrr.
stellen kann, wirklich drei Jahre als
Lehrlinz urd ebenso ein Tricnnium als
Geselle absolvirc, bis er sich felbststän
dig machen darf? Muß er wirklich das
Ackermann'sche Eramcn bestehen, und
muß er 14 Jahre alt geworden sein, bis
überhaupt zu dem Korbmacher Examen
zugelassen wird?
Große Schwierigkeiten verursachte
ferner die gesetzgeberische Behandlung
der Barbiere (Kasirer, Bader) einerseits
und der Friseure und Perrückenmache,
andererseits. Ist der Barbier durch das
Barbiereramen auch rum Haarschr.eiden
legitimirt, oder ist DieS nicht vielmebr
Sache des Frtzeurö? ars er mit dem
Haarschneiden auch das Frifiren deö be-
treffenden Hauptes verbinden, oder muß
er hierzu erst noch die Fliseurprüsung
bestanden haben? Darf der Barb'.er der
leidenden Menschheit Zähne auS;ichen,
oder gehört DieS nicht vielmehr in'S
Ressort deS Baders, bis Chirurgen oder
des Heilgehülfen ?
Schließlich erschien die Schwierigkeit,
den Begriff des BadcrS zu xräziürln. fo
groß, daß man den Bader ganz von der
Befähigungeliste strich, nachdenl ,n?5e:
sondere von einem verehrlichen Mitglicde
der Eommisjion constatirt worden war,
daß in Oberschlesien d.r Schmicd des
Dorfes nicht selten durch das Vertrauen
seiner Milbärger zum Zähnrausziehen
berufen ist. Die edle Haarsch?uidek!knst
soll auch nicht selten von kundigen Di
lettanten ausgeübt werden. Es wird
sich daher fragen, cb Letztere künftiahin
nicht mit dcnl geprüften Ba:b'er oder
mit dem Friseur in Streit gerathen wer-
den.
Rühmend ist ferner hervcrzuhcbcn,
wie sich die HH. Ackermann und Genossen
der schöneren Halste deS Zeschlkchtes de
redenden Menschen gegenüber minder
streng erstnden llesen. Anfänglich war
wobl auch von weiblichen Lehrlingen und
Gesellinnen die Rede, die je drei Jahre
lang auf den selbststandigen Gewerbe
betrieb sich vorbereiten sollten. Man
beschloß indessen später, der arbeitenden
Frauenwelt gegenüber von diesen An-
forderungcn abzusehen, und ebenso wurde
hur von dem Requisit deS L t. Lebens-
jahres Jrbstand genommen.
Schon vor dicsim reiferen Alter darf
also ein junges Mädchen, der Noth et
horchend, nicht dem eigenen Triebe, z"ur
Nadel greifen, und die Frifirmamsell ist
gegenüber dem Friscnr insofern aller-
dings erheblich besser gestellt, als sie
nicht, wie er, eine dreijährige
Lehr- und eine ebenso lange Gesellenzeit
auszuhalten braucht, und als sie schon
vor dem 24. Lebensjahre einer verehr-
lichenDamenwelt ihre schätzbaren' Dienste
selbstständig widmen kann. Dagegen
wird das Examen bei handwerksmäßiger
Bcschaftiauna von Frauen für nothmen
dig erachtet. Wie die Prüfungs-Com-
mizttcncn für chnclderrnucn zusammen:
gesetzt werden sollen, ist allerdings noch
eine offene Frage, ober geprüft muß
werden. Der weiteren Frage, ob nicht
auch für Putzmacherinnen ein veachweis
der Befähigung nothwendig wäre, wurde
vorerst nicht naher aetreten. Zu ubrr
leaen wäre es indlssen immerhin, ob
nicht die Eonsequenz erheischcn mochte,
auch andere Kotegour'n der arbeitenden
Frauenwelt dem Ackrrmanu'schcn Be
fähigungSnachweiö zu unterstellen. Ein
Befähigungsnachweis sürKöchinrenz.B.
hätte vielleicht Manches für sich, und
auch die selbststänbige Waschfrau würde
sich vielleicht durch ein Examen vor einer
Waschprüsungs - Commission über den
Umfang ihrer Kenntnisse ausweisen
müssen, wenn ikzr auch die Lehr- und
Wandcrjahre geschenkt werden können."
Zer Zlntergang des Hregon.
Einem Bericht der N. Staats
Zeitung" entnehmen wir nachstehendes
über den Untergang deS Ocean-Dam
xferS Oregon":
Kapitän Eotticr, der Befehlshaber
des untergegangenen Dampfers, erklärte,
er habe Sonntag Morgen um 4 Uhr daß
Commando dem ersten Ossizir übertra
gen und sei in seine Kabine gegangen.
Etwa eine halbe Stunde später sei er
durch das, in Folge des Anpralls des
unbekannten chooncrs verursachte Ge
rausch aus dem Schlafe geschreckt wor
den und aufs Verdeck geeilt, wo ihm der
erste Offizier meldete, daß cine Kollufion
stattgefunden und der Dampfer ein gro
ßcs Leck erlitten habe. Er (Cottier)
habe darauf sofort die Boote klar machen
lassen, um die an Bord befindliche'.!
Personen zu retten. Die Passagiere
seien zuerst sihr angst'ich gewesen, hat
ten sich aber bald beruhigen lassen und
seien in bester .Ordnung in dieRettungL
boote gebracht morden. Die Mannschaft
habe gute Disciplin gehalten. Kapitän
Cottirr äußerte weiter, dem ihm vom
ersten Offizier erstattete Bericht zufolge
hätte der unbekannte Schooner. welcher
den Orcgon" anrannte, die vorgeschrie
benen Signallichter nicht gehabt und sei
daher nicht bemerkt- worden, bis die
Kollision unvermeidlich war. Auf die
Frage, ob die wasserdichten Komparie
ments zur Zeit des Zusammenstoßes ge
schlössen waren, erwiderte Kapitän Cot
tier, dieselben seien stetö geschlossen ge
halten worden. Der Dampfer sei an
der denkbar unglücklichsten Stelle ge
rosten worden, nämlich zwischen zwei
Kompartcments in direkter Nähe des
Maschinenraumes, und das einströmende
Wasser habe die Feuer ausgelöscht. Sei-!
ner Ansicht nach sei der Zusammenstoß
durch den Schooncr verschuldet worden,
der übrigens zleich darauf untergegan
gen fei. Dem ersten Offizier könne
keine Schuld an dem Unfall beigemessen
werden.
Hochbootsmann Swinton vom Ore
gon" sagt übrigens, er sei der Letzte ge
wesen, der das sinkende Schiff verlassen ;
er habe sich auf ein Floß gerettet, auf
welchem er eine Stunde lang herumge
trieben, ehe er an Bord des Lootfenioo
tes gekommen sei. Die See war zur
Zeit ruhig, aber mit Trümmern vom
Oregon" bedeckt. Was aus dem
Schooner geworden sei, konnte er, Swrn
tcn, nicht sagen, doch glaubt er, daß
das Schiff mit Mann und Maus unter-
gwg.
William Eeorae MatthewS, der erste
Offizier des verunglückten Vampsers,
machte folgende Angaben: Ich über-
nahm um 4 Uhr Sonntag Morgen das Z
Kommando. Better war zur ,
Zeit klar und die See ruhig. Der
vierte Offizier, Hugh McManns, war j
zur Zelt bei mir aus der Kommando- j
brücke. Er befand sich an der Backbord-
feite, ich auf der Steuerbordzeite. Vrer
Matrosen waren am Bug am Ausguck
und drer andere an dcn scrten. tscgen
4$ Uhr Morgens, als der Dampfer mir
einer Geschwindigkeit von etwa 13 Kno
ten die Stunde fuhr, sah ich plötzlich ein
Licht aufleuchten. Sowohl McManuS
als auch die Matrosen sahen das Licht
fast zur selben Zeit. Ich vermuthete
anfänglich, deß das Licht von einem
Lootsenboot herrührte, da nur ein weißes
Licht gesehen' werden konnte, aber nicht
die bei anderen Fahrzeugen üblichen far
bigen Signallichter. Ich dachte nicht im
Entferntesten an die Möglichkeit einer
Kollision. DaS Licht verfchwand im
nächsten Augenblick und gleich darauf er
folgte der Zusammenstoß. Ich hatte cb.n
Gelegenheit zu sehen, daß das Fahrzeug,
welches gegen den Dampfer angerannt
war, ein dreimastiger Schooner war, der
gleich darauf sank. Ich gab sofort nach
dem erfolgten Zusammenstoß dcn Be
fehl, die Maschine zum Stillstand zu
bringen. Im nächsten Augenblick crschicu
Kapitän Collier aus dem Lerdcck und
übernahm das Kommaudo. Es ließ so
fort die Rettuagsboote klar machen und
Vassaaiere. sowie Mannschaften in die-.
selben bringen. Die Letzteren wahrten
die beste Disziplin und trugen dadurch
wesentlich dazu bei, eine Panik unterden
Passag eren zu vermeiden und es zu tv
möglichen, daß nicht ein einziges Men
schenleben verloren wurde.
Ganz andere Sachen wissen freilich die
Passagiere über die Disciplin, welche un
ler einem Theile der Bemannung des ver
unglückten Dampfers herrschte, zu erzäh-
lcn. Kapitän T. R. Huddlelton aus sct.
Paul, Minn., H. P. Paclcy auS Lin
coln, England, und andere Passagieie
erklären übereinstimmend, daß sofort
nach dem Zufammenstoß und noch ehe
der Befehl zum Herablassen der Boote
gegeben worden fek, etwa 100 Hciikr und
sonstige im Maichinenraum beschäftigte
Arbeiter während der furchtbaren. un:er
den Passagieren herrsch?n2en Vcrniirlung
,n:t Stöcken. Speichen und Acxun be
waffnet, an Deck gestürzt seien, sich y.vciex
Boo:e bemächtigen und auf Fraucn,
Kinder und MZnnec, die ihncn im Wege
standen, ohne die geringste Rückficht zu
nehmen, losschlugen, so daß die Schiffs
okfiziere und vicie Passagiere mit den
Burschen kämpfen muhten, um zunächst
die Frauen und Kindcr in dcn Neitungs
booten unterzubringen. Ja, Kapilän
Huddleston behauptet sogar, daß man
noch weiter gegangen sei und seine Kajüte
ausgeplündert habe.
Was nun den gesunkenen Dampfer
.selbst anbetrifft, so 'liegt derselbe bei 40
Grav 30 Min. nördlicher Breite und
72 Grad 44 Min. westlicher Länge in
-2 2 Faden tiefem Wo ner, d. h. genau im
Fahrwasser aller von Europa kommenden
und dahii, abfahrenden Tampr. Es
müssen in Folge dessen sofort energische
Maßregeln ergriffen werden, um entwe
der cen Dampfer zu heben, oder das
Wrack, das fönst der Schifffahrt gefähr
lich werden würde, durch Sprengungen
aus dem Wege zu räumen.
Jttiänvische Nachrichten.
Eine Gasquelle, die man für sehr
ergiebig hält, ist bei Piqu, O., auge
funden worden.
s Searsxort, Mains, hat 131 See
kapiläne. Auf je drei tiznmgeber
dort kommt ein Seekaxitän.
Otffentlich; Land, das zu H1.25
bis 2 per Acker verkauft wird, gilt eö
noch in 1 Staaten und Territorien.
Patente wurden letzte Jahr vom
Patentamt der Ver. Staaten 22.000
ausgestellt. Auf Frauenzimmer fallen
jährlich etwa si0 Patente.
s Im nördlichen Ohio sind jnnge
Heuschrecken in ungeheuren Schaarcti
erschienen, und die Anwesenheit der In
sckten rcrut sacht den Farmern große Be
sorgnisse. In der Legielatur von Csnnccticut
wutde eine Bill, welche die Beschäfti
gung von Kindern unker 13 Jahren in
Fabriken verbietet, endgülig angenom
wen. Das Gesetz tritt am l. Septem
ber in Kraft.
i Achtzig Mitglieder des Wiener
MSnnergesangvcrcinS haben, nach einer
von Wien in Milwaukee eingetroffen?
Depeschen, endgültig ihre Betheiligung
an der Sängersahrt nach Milwaukee zu-
gesagt.
Während des letzten Jahres fanden
in Philadelphia 1130 Brände statt.
w?lche einen Schaden von 1,851,562
veranlaßten. 42 Personen fanden bei
den Feuers brün sten ihren Tod, wähund
6G schlimme Verletzungen davontrugen.
Die sich bekriegenden Eisenbahn
Gesellschaften verkaufen jetzt Fahrkarten
von San Francisco bis Kansas-City sür
$20. In KansaS-Ciil) werden dann
öl 9 60 zurückbezahlt, so daß die Rnse
ocn San Francisco bis KanfaS-City
thatsächlich nur 50 Cents kostet.
Der Gcnernl Themas SmordS
vom BundcSheere, Ober - Quarticrmei
stcr der WestArmee in dem Kriege ge
gen Mtxiko und in der gleichen Eigen
schaft im Bürgerkriege in verfchtedenen
Departements thätig, ist dieser Tage in
New Bork gestorben.
Zur Herstellung des Piedestals für
die Bartholdi'sche FreiheitS-Statue feh
len immer noch $15,000. Gen. Stone,
der bie Arbeiten leitet, hat an fünfzehn
reiche New Yorker das Erfuchen gestellt,
je Tausend Dollars beizusteuern; aber
es ist dabei Nichts herausgekommen.
Henry Ward Beccher ist nachae-
rechnet worden, daß er in den letzten 40
Jahren folgende Summen verdiente:
An Prediger Gehalt 320,000; für
Vorlesunaen 240.000: für literarische
Ar b t it cn 100,000; sür Trau - Gebüh
ren ?50,000; andere Nebenernkunfte
40,000; zusammen 5750,900.
? Zu Hinesborough im Countv Dou-
glas im östlichen Illinois ist ein Neaer
Namens John HawkinS, der fein Alter
auf hundertundfünf Jahre a giebt. Er
hat sich vor einem Jahre eine junge Frau
von 21 Jahren genommen und kürzlich
wurde das Paar durch die Geburt emcS
sohncS überrascht.
? Auf eine schreckliche Weise ist kürz-
lich bei Mexico in Missouri H. Platt, I
der Sohn eines Farmers, verunglückt.
Er saß auf einem mit Heu beladenen
Wagen, welchen sein Vater fuhr, das
Heu kam in'S Rutschen und der junge
Mann siel vom Wagen und in die Zin
ken,i er Heugabel, die ihm in die Bauch
höhle eindrangen und auf dem Rücken
unterhalb der SchulterblS ter wieder
herauskamen.
I In der Stadt Beatrice in Nebraska
wurde kürzlich ein merkwürdiger Fall
entschieden auf Grund der Bestimmung
des dortigen Schankgesetzes, wonach der
Wirth für Betrunkene in seiner Wirth
schaft verantwortlich ist. Ein Mann
Namens Ferguson wurde in Clifford'S
Wirthschaft von einem Betrunkenen in
den Finger gebissen, wödorch eine Am
putation des verletzten Gliedes nöthig
ward. Er verklagte den Wirth auf
Schadenersatz und erhielt 125 zugesprochen.
Aus Atlanta. Ga.. m-rd von einem
prominenten Burger gemeldet, oatz ver-
w W f ' .'i 1 .
iice ein großer o.rarsner:i)2ver r,i, ie
doch daz"clde Kraut nicht etwa raucht.
schnupft oder kaut, sondern ißt. Der
cnderlmq ist letzt 00 Jahre alt, erfreut
sich der kräftigsten Gesundheit, hat einen
Ternt, so rein, wie der eines KinoeS,
und sehr scharfe Sinne. Von allen Lei
drn, die sich sonst zum Alter gesellen,
ist bei ihm angeblich keine Spur zu
finden.
t Von der Schnelligkeit, mit welcher
der Orden d:r .KnightS of Labor sich
ausbreitet, liefert etne eben veröffent
lichte, die sechs Neuengland Staaten
umsassende Statistik cin bemerkenkwer
theg Beispiel. Es sind kaum vier Jahre
her, daß der Orden in jenen Staaten
fcften Fuß gesaßt, und. heute zählt er
daselbst bereits 455 Lokaloereine rnit
insgesammt 54.000 Mitgliedern. Von
den Letzteren haben mehr als die Hälfte
erst innerhalb der letzten endcrhalb
Jahre dem Orden sich angeschlossen.
i TAt Walfisch-Saison hat begon
nen und treten, die Wale ihren Rückzug
nach dem Norden an. Letzte Woche be
fanden sich eine Anzahl in der Monterey
Ban und machten die Walfischfänger
eine aufregende Jagd auf dieselben, aber
ol.ne Erfolg, d'.nn nur ein einziger Wal
fisch wurde aefangen. Ein zweiter wurde
von einem Speer getroffen, doch riß die
Leine und der Wal entkam. Auf zwei
andere wurde geschossen, aber ohne Er
folg. Der gefangene Wal war etwa 50
Fuß lang und lieferte 50 Faß Oel und
300 Pfund Knochen.
Z Ein berühmter Mordprozeß ist in
Gallatin. Tenn.. beendet worden. W.
ir. und W. B. Mo. Vater und Sohn,
angesehene Männer und Mitglilder der
Baihpage Manusacturing o. , yanen
von Ärch Harper, welcher Frl. Moß,
Tochter und Schwester der Genannten,
auj's Niederträchtigste verleumdet hatte,
einen Widcrrus seiner Behauptungen
verlangt. Als er sich weigerte, erhielt er
vom Vater einen Schlag und als er eine
Waffe u ziehen versuchte, ward er vom
Sohn durch einen Schlag getödtet. Das
Verdikt für den Vater war Freispre
chung und für den Sohn: ein Tag Ge
fännib. Neulich wurde das Fcucrdtparti
mcnt vou New Pork benachrichiigt, deß
aus dem Güter bahnhofe der Hudson Ni
vcr Eisenbahn cin Waggon mit 12,000
Vsnnd Dynamit stehe. Eine Unter
suchung ergab, daß ein dort befindlicher
Waggon allerdings 242 Kisten mit je 50
Pfund Glucodinepatronen enthielt, de
ren Empfänger man nicht hatte crmit
teln kön?cn. Es siellle sich hranZ, daß
die gefährliche Ladung von einer Frau
Ditmar von Jcrftu City aus an S. S.
Rice in Missouri abging, von diesem als
durchnäßt abgelehnt.und dann irrthüm
lieh nach New 'Jork zurückgegangen war.
Der Waggon wurde schleunigst aus der
Stadt entfernt.
ml Im Patentamts hat man eine eigen
thümliche Entdeckung im Betreff des
Bcll'fchen Ttlepbons gemacht. Es hat
sich derselben zufolge nämlich erst jetzt
herausgestellt, daß sich im Patentamt?
nicht ein einziges Modell jenes urforüng
lichtn Telephons befindet, und daß Pro
fessor Bell im März 187 jenes jetzt be
anstandete Patent erhielt, ohne ein Mo,
dell seiner Erfindung eingesandt zu ha
ben. Die gegenwärtigen Beamten des
Patentamtes können sich nicht erklären,
wie Solches überhaupt möglich war.
Leitende Nechtsanwalte zu Washington
sagten auf Befragen, daß obenerwähnter
Umstand wohl die Legalität deö Bell'
fchen Patents beeinflussen müsse.
j Das Gericht von Hocking-Countu,
Ohio, hatte sich mit einem schwer zu ent
scheidenden Erbschaftsprozesse zu befaf
fen. Es handelte sich um die Erbschaft
von drei Personen, welche ermordet wor
dcn waren eines Mannes, Namens
Weldon, einer Frau McClurg (Weldon's
Schwester) und deren Tochter, einer
grau Hite. Wegen dieses Verbrechens
wurde ein Mann auf Lebenszeit ins
Zuchthaus geschickt; derselbe starb dort,
ohne jrNtalS ein Geständnis abgelegt zu
haben. Die Jury entschied nun, daß
Weldon zuerst und Frau Hite zuletzt er
mordet, so daß die Erben der Letzteren
zur Uebernchm! der ganzen Erbschaft
berechtigt seien.
,
Vor eir.igen Tagen starb im
Couniy-Armenhause zu East SaaitTZw
in Michigan ein Veteran aus den deut
schin Befreiungskriegen, A. Lehmann.
Er war im Jahre 1797 geboren und
diente unter Blücher, unter welchem er
vet Watcrloo focht. Wahrend des ame
rikanischen Bürgerkrieges dienten drei
seiner Sehne im llnkoneheere; nach Be
endigung deS Krieges warteten die besag
ten Eltern noch jahrelang vergebens auf
die Rückkehr ihrer Kinder. Sie waren
alle drci in dem Kriege umgekommen.
Für ll:cn derftlke,!, welcher Nachweis
bar iar Gefechte gefallen war, erwirkte
man eine kleine monatliche Pension für
die Eltern. Das alte Paar lebte küm
merlich, bis Frau Lehmann vor einigen
Jahren strb, worauf man ten Alten
im Ärmenhause unterbrachte.
Ein Schlangenmensch" wurde am
23. Februar durch Dr. Hans Virchow
den Sohn von Rudolf Virchow der
Anthropologischen Gesellschaft in Berlin
vor geführt. Der 21 Jahre alte Err.il
Solbii führte zunächst eine abgeschlos
sene Ncihe seiner Kunststücke vor, worauf
Dr. Virchow einzelne Bewegungen vor
nehmen ließ, um sie zu erklären. Die
Schlangenkunst" ist im Wesentlichen
ein Problem der Wirbelsäule und zwar
vor allem desLendentheiles.DieTxcziali
tät Solbrig's ist die Drehung; er ver
mag den Oberkörper vollständig herum
zudrehen, während ber untere Körpertheil
ruhig am Platze verharrt. Die Sch'an
genkunst" ist, wie Prof. Haltmann an
führte, sehr alt und wurde namentlich
auch im alten Rom geübt, wie ein altes
romtiches Wandgemälde kund giebt.
s In der New Yorker Staatsgesctz
gebung ist eine Bill eingebracht worden,
welche verfügt, daß der erste Montag im
September jeden Jahres unter dem Na
men Labor'a Day" zu einem gesetzli
chen Feiertag erklärt werden soll. Der
Tag soll speziell ein Festtag für die Ar.
beitcr scin, und denselben Gelegenheit
gebm, auch einmal an einem anderen
Tage als Sonntag von der Arbeit sich
freizumachen und sich Ruhe und Erho
lung zu gönnen. Die Bill soll von den
dortigen Trabes Union lebyaft besür
wartet erden, und in Anbetracht der
Thatsache, daß der Feiertage hierzulande
ohnedies zu wenige sind, werden auch !
andere .Leute gegen die .Annahme der
Maßregel mcht viel einzuwenden haben,
ijo vleielve aver lyren Zweck ersüllen,
ob der Tag, nachdem man ihn als ge All' diese Waare wurde, ohne daß ein
schlichen Feiertag erklärt hat, auch wirk- Cent Zoll bezahlt wurde, in Italien ein
lich allgemein als Feiert anerkannt aeschmuaaelt. Wenn man bedenkt, dan
und beobachtet werden Arde, ist doch
sehr zweifelhaft. Ein Gesetz allein macht
kernen Feiertag, das sieht man an Wash,
MAfA1 l 4 V C ttft...
"'U"'" 9 icvu44iuu uny ocul vjattvct i
fXu.1 M .-ni- C W .v I
omutaunasiaae. tte Deianniitca auca tn i
"rhf''V13 gesetzliche Feiertage
erklärt sind, und an denen trotzdem die
3wyunc vi'tuyui5iaiigiU iaum n
genowelqe Untcrd'echung erleidet
? Den durch einiae Advokaten bethör
ten Württemberaern. welche sich einbil-
den, die Schätze der Ravp'schen Colonie
rn zpennjulvanikn erben zu können, schut
tet der .Pittsb. FreilnitSfrlund" kaltes
Wai)er auf die Köpfe, nämlich so: Etwa
10 Leute von Württemberg behauvten,
Erben von Georg Ravp. dem versterbe
nen Gründer und langjähriger Verwal
ter der Economy Gesellschaft zu sein,
und ersuchten den Konsul Meyer in Pht
ladelphia durch die württemberaische Ne
gierung um Administrations-Briefe auf
den Nachlaß deS aenanntcn Gcora Napp
nachzusuchen, welches Gesuch von Wm.
H. Brickcr, Registrator und Recorder
von Beaver Counry, wo die Colonie
liegt, am 17. März gehört, aber wie zu
erwarten war, abaewicsen wurde. Die
närrischen Erbsüchtigcn mögen sich nun
an das Obergericht wenden, was ihnen
aber nichts nützen wiid, indem das venn
sylvanische Obergericht und das Ober-
bundekgerrcht entschieden, babcn, daß ge-
mäß dem Grundvertrage der Kolonie
daS Eigenthum in Händen der überleben
den Kolonisten bleibt, denen es durch
keine Macht der Welt genommen werden
kann. Die Kolonisten in Economy sind
genchcrt.
Eine Meile westlich von Fort Scott
in Kansaö ist eine nach Erdgas bohrende
GesellslZaft in einer Tiefe von 1?5 Fuß
auf den gesuchten Gegenstand gestoßen.
Kaum war eine Sand'teinfchichte in be
sagter Tiefe durchbohrt worden, so drang
ecn donnerndes Getöie aus dem Aobr-
loche an die Oberfläche empor und we-
nige Sekunden darauf wurde das sich
darin dettndende Geschirr durch die Ge-
walt des cmporstetgendkn Erdgases tn
allen Richtungen uheraeschleudert. Die
dem Borloche entströmende GaSmenge
wild auf S000 bis 10,0(0 Cubiksuß per
Taq geschätzt. Nachdem eine Rohre in
das Bohrloch eingeführt worden, wurde
daS Gas entzündet, mag eine 29 frug
doch auflodernde Flamme errcuate. Das
Entströmen deS Gases ist mit einem auf
. rr- . r r r m
weite Entfernung vernehmbaren Getöse
verbunden. Man hat der Ouellc neuer
divas eine um 5 tfufc a.rokere Lrese ge-
gibcu. was die derselben entströmende
Gasmenge um ein Bedeutende? ver
mehrte. Tasselbe ist völlig geruchlos
und von feiner Qualität. Seine Ver-
wendbarkeit als Leucht, oder Heizungs-
V -l , . L
materta! muß jedoch erkt erprobt werden.
um den wahren Werth der Entdeckung
ermeuen zu können.
Vermischte Nachrichten.
Der Mikado von Japan
hat 500 sür d?n Grant-Monumentfond
beigesteuert.
In E g y p t e n ist falsches
Silbergeld zum Betrage von mindestens
ckI500,000 im Umlauf gesetzt worden.
Der JahreStaq der Kom-
mune ging in Paris ohne Unruhen vor
über, daacaen fanden in Lüttich und
Manchester Tumulte statt.
liine tn lötjcngbsit e r-
scheinende Zeitung bringt die amtliche
Mittheilung, daß der Statthalter der
Insel Formosa auf Befehl-der Regierung
flch nach Peking bezkb'.n habe, um sich
daselbst köpfen zu lassen. Viel
Vergnügen !
iüie leniatioiieiic ujc 1 1
m w nvi
dung dcö Journal des TebatS", die
Pforte habe die Insel Kreta durch einen
zZanfoertrag an England abgetreten.
wird jetzt von aut unterrichteter Seite
als jeder thatsächlichen Grundlage ent
behrend bezeichnet.
Eine schnurrigePctition
haben die Hamburger Lotterie -Kollek-teure
an die dortige Finanzdcputation
gerichtet. Sie wollen ein neues Glück
rad haben. DaZ bisher benutzte Rad
ist schon recht alt und abgenutzt und wirft
nicht genug Hauptgewinne a la Gottes
Segen bei Eohn" auö.
Auf dem Markte zu Ville
neuve, vier Meilen von Niort, hat sich
ein fürchterliches Unglück ereignet. 500
Ochsen, von einem panischen Schrecken
ergriffen, wurden wüthend und stürzten
AÜcS vor sich nieder. Zwei Personen
wurden getödtet, fünf schwer verwundet
und mehr als hundert erhtclten Kontu
sionen.
Einen EisenbahnWagen
mit 1U Achsen besitzt die K'.uxpsche
Fabrik in iLZsen. Dieser Koloß ist ge
oaul morven zur Verorderung einer
Niescnkanone von Essen ach Spezia
durch die Schweiz, m ist 70 tfuß lang.
wiegt leer nahezu L00 Centner, und
das 50 Futz lange Kanonenunaebeuer.
das er zu tragen hat, hat Lt20 Centner
Gewtcht. Die Waaenachsen sind in
vier Gruppen von je vieren getheilt.
weiche ticy an tanciios mo:e Kurven e:n
stellen.
In Japan ist das Tätto
wiren so zur Mauie geworden, daß die
Regierung dasselbe hat gesetzlich vcrbie
ten lassen. Dies. Gesetz hat jedoch
auf Ausländer keine Anwendung, und
viele Fremde von Distinktion lassen sich
kuriositätShalber tättowircu. So wurden
die Söhne des Prinzen von Wales wäh
rend ihres Aufenthalts in Japan tätto-
wirt, sowie mehrere russische Adelige
Auch der sohn Longfellow i
tättowiren lassen.
hat sich
Mit der weltlichen Herr
schaft des Dalai-Lama geht es zu Ende.
Wie man indischen Blättern aus Peking
berichtet, ist die chinesische Regierung cnt
schlössen, infolge der sisttzefündenenAn
ncctirung BirmaS an Indien, wodurch
die Engländer zu Herrcn der über Birma
nach Tibet ftihrenden Hierstrahen ge
worden sind, ihr Verhältniß zumDolai
Lama umzugestalten und demselben bloS
d'.e geistliche Herrschaft tn seinen Staa
ten zu belassen.
In Winchester-(England)
wards am 28. Februar ein Revolver-
Journalist (blckra-rller) Namens Web-
ver, der rn emem Lokalblatte mehrere
Damen in Nyde auf'S Gröblichste ver-
taumdct hatte, zu vier Monaten Zwangs
arbeit. 750 Geldbuß und Stellung
einer Kaulion von 1000 auf fünf Jahre
verurtheilt. Der Richter sprach sein
Bedauern darüber aus, daß er ihn nicht
durchpeiischen lassen könne, da eine Ehr
abschneiderei, wie der Angeklagte sie
systematisch betrieben habe, schlimmer sei
als Mord.
Der Schmuggel an der
österreichifch-italienifchen Grenze hat in
letzter Zeit solchen Umfang angenom
men, daß den italienischen Finanzen sehr
bedeutender Schaden zugefügt wird.
Allgemein ist . die Meinurg verbreitet,
daß die großen Erfolge der Schmuggler
nur durch Vorfchubleistung seitens eines
Theiles der GrenzwLchter erklärt werden
können. Die in Verona erscheinende
Arena erzählt : AuS Nachrichten, deren
Richtigkeit wir verbüraen können, erbellt.
daß in der ersten Hälfte deS Januars in
Ala 000 Hektoltter Alkohol ankamen
der Zoll für 96gradigen Alkohol 150 Lire
per Hektoliter beträgt, so ergibt sich, daß
in 14 Tagen dem Italienischen Staats-
rr rfi sfs Ci . , t
laaci vuu.uuu Lire cnnonen lourccn
U
rt. (.;rx,m.. .tt(
Vorbereitungen für eine internationale,
religiöse Massen-Konoention. in London.
Fünf der größten Hallen der Mettopole
cv m vT- at-.r , t n,
nno ut oic iltiisnayine ver vieien .au
sende gesichert worden, deren Ankunft er
wartet wird. Die Konoention wird am
23. Mal eröffnet werden und eine volle
Woche. dauern. Die reaulären Dele-
gaten der Heilsarmee aus allen Theilen
der Welt werden 2500 Mann stark an
wesend sein und Hindus, Neger, MaoriS
. t r
uuo uvlaner weroen iq unter lynen oe
stnoen.
D er spanisch e Marine-
Minister hat die Absicht, die Flotte von
den unbrauchbaren Schissen zu reinigen
und an istelle alter Scharteken, deren
Ueberwasserhalten unnöthige Kosten
verursacht, kleme tüchtige Fahrzeuge zum
Küstenschutze zu erwerben. Eine Ver-
flarkung der Garnisonen aus den Phl
lippinen und den Karolinen ist am L4.
Februar im Ministerrath endlich be-
schlössen worden, ebenso die Errichtung
erner monatlichen Dampferocrbmdung
mit den Philippinen, an welche sich regel
;i" . rr r c. r -r"t
Mhiize xpeoilionen nacy ocn spaniicycn
Südsee-Jnseln anknüpfen sollen.
Aus Kanea (Kreta) wird
der P. C. schrieben: Seitdem die
fremden Schiffe in der Bai von Suda vor
Anker liegen, ist dieser Hafen elektrisch
beleuchtet. Die englischen schisse span
nen überdies deS Nachts weit um sich
herum ein Netz aus, um sich gegen even
tlelle Torpedos zu schützen. Der Mann
schaft der italienischen Schiffe wurde da
Betret, n deS LandcS verboten, seitdem
dieselbe bei ihren Besuchen am Lande
allzu demonnratlv freuadlich mrt der
griechischen Bevölkerung verkehrte. Die
Verprooiantirung der Schiffe der frem
den Geschwader wild in Folge eineö
zwischen den resp. Unternehmern und
der hiesigen Agentur des Oesterreichisch'
ungarischen Lloyd abgeschlossenen Ver
lrageS durch die wöchentlich verkehren-
dcn Schiffe des letzteren von PiräuS
aus besorgt werden. Außer den schon
früher erwähnten fremden schiffen ankern
n der Eudabai drn türkische Kanonen
boote, eine türkische- Fregatte und daS
I ir.f!sX. 0 ....k J.!T . ! . M CT
türkische Pan:e, schiff .Oömanie. Von
dem fremden Geschwader kreuzen immer
abwechselnd einige Schiffe zwischen Cerigo
und Kreta, um jedwede Landung von
Kriegsmaterial rder Freiwilligen zu ver
hindern. Von Seite,! der i t a l i e-
uischcn Regierung ist ein Bericht über
I , .
den (Sang der Uh0tera-ipidemie in dem
Königreiche während des Utzten Jahre?
veröffentlicht worden. Die Seuche hat
nach demselben im Ganzen 662 Städte
und Dörfer mit einer Gesammtbcoölke
rung von 5,771,000 Einwohner oder
ein Fünftel ron Italic heimgesucht,
25,567 Erkrankungen an der Cholera
wurden angemeldet, 14,193 oder 00
Prozent derselben endete mit dem Tode
der Patienten. In Neapel mit einer
Bevölkerung von 435,000 Einwohnern
kamen 13,027 Erkrankungen und 79'Z9
Todesfälle vor.
Die im April d. I. aus
Tonkin zurückkehrenden französischen
Truppen werden weder in Toulon noch
in Marseille gelandet werden, da man
besorgt, daß sie den Keim ansteckender
Krankheiten mitbringen könnten, sondern
in einem oder mehreren kleineren Häfen,
wo sie unter günstigen GesundheitSver
HZltnissen längere Zeit zur Beobachtung
verweilen sollen. Inzwischen bringt
jede? Pofldampfer eine Anzahl kranker
und genesender Soldaten auö Ostasien
zurück. Eine Reise Neichert'3. eines
Ordonnanzoffiziers des Kriegsministers,
nach Marseille bezweckte. Anstalten zur
Aufnahme und abgesonderten Berpfle
gung dieser Ankömmlinge zu tteffen.
Ein äußerst interessan
ter Verttaa ist kürrlich in Berlin zum
Abschlüsse nelanat. Die Kontrahenten
find die japanefifche Neaieruna einerseits
und der Baurath Böckmann, Mitinhaber
der Berliner Beusirma Ende & Böck
mann, anderseits. Dem Vertrage ge-
maß wird stch Herr Böckmann in Be
gleitung eines jüngeren Architekten dem
nächst nach Japaa beaeben. um in
Z)cddo eine Reihe öffentlicher Bauten
aufzuführen. Durch den Umstand, daß
hierzu, außer einem neuen Residenzschloß
u. A. auch ein Justizpalast, sowie ein
ParlamerrtS-Gebäude gehören, gewinnt
diese Nachricht glelchzerng ein hervor
ragendes politisches und alloemcm kul
turgeschichtliches Interesse. Zeigt eö doch.
daß Japan sich mit Riesenschritten der
europäischen Kultur nähert.
Gegen das Branntwein
Monopol nahm auch der Verein gegen
den u).tkbrauch geistiger Getränke' stel
luna. August LammerS erklärt in dem
Bremischen Courier", es fehle schlech
terdinaS jeder Grund für die Behaup
tung, daß drr Verein sich dem Brannt
wein Monopol sympathisch gezeigt habe.
Ncrem habe zu der Monopol
frage, als einer politischen Frage ersten
Ranges, schon wegen seiner Zusammen
setzung aus Conservatioen'uttd Liberalen
in ganz Teutschland keine Stellang für
oder wlver anueymen rönnen und dieö
in einem monopolfreundlichen Sinne um
so weniger zu thun gebraucht, als die
Ziele des Verein sich allesammt er-
reichen ließen, ohne das Monopol, ja
sogar ohne das Monopol sicherer und
besser, während das Monopol anderer
feitS die Gefahr mit sich bringe, daß
Regierungen und Gemeinden ein In
teresse an möglichst starkem Brannt
weinverbrauch gewönnen."
In Paris hat sich nun
mehr ein Syndikat zum Schutze der fran
zösischen Waaren gebildet.. Die franzö
sischen Industriellen warfen nämlich den
Ausländern, besonders den Deutschen
vor, nach Paris zu kommen, für gerin
gern Gehalt in dortige Geschähe einzu
treten und daselbst die Fabrikation der
velschiedenen Handels-Artikel, ihre Be
zugsquellen und Fabrikmarken kennen
zu lernen. Wenn dieser Zweck gewöhn
lich schon nach einem halben Jahre er
reicht ist, kehrten sie in ihre Heimath
zurück, wo sie dieselben Gegenstände nach
französischer Art reproduzirtett. DieS zu
verhindern, hat sich ein neues Syndikat
gebildet, das Agenten in allen Theilen
der Welt unterhält, die über den richti
gen Betrieb französifchcr Waaren wachen
sollten und jeden vorkommenden Miß
brauch anzuzeigen haben. ES sird vier
solche? Aufstchts-ComiteS ernannt, jedes
mit einem nöthigen Stäbe von Beamten.
In jedem Lande befindet sich ein Gene
ralsekretär und in jeder bedeutenden
Stadt ein Sekretär der Gesellschaft.
In Europa ist in jeder Provinz Deutsch,
landS, Englands, Oesterreichs, Hol
landS, Belgiens und Italiens ein Ber
ttauenSmann hingesetzt, in den Landes
Hauptstädten sogar ein ganzes Comite,
daS aber im Geheimen arbeitet. Außer
dem Schutz der französischen Fabrikmar
ken hat eS auch den Zweck, für die Ver
breitung der französischen Industrie im
Auslande zu sorgen. ,
3.
Neuere Nachrichten.
Stand.
Brüssel, 2. März. Der von den
Ruhestörern angerichtete Schaden be
läuft sich auf mehr all 3,125 000
Francs. Die gesammte Besatzung uon
Ostende hat den Befehl erhalten, nach
Chaleroi abzurücken. In Ehent wer,
den Unruhen befürchtet. In Chatelineau
hat zwischen Streikcrn und Militär ein
Kampf stattgefunden, in welchen es auf
beiden Seiten viele Verwundete gar.
Brüssel, 27. März. Die Stadt
befindet sich m der fürchterlichsten Auf,
-,NIIN. 3Vr nfr i.vr.v c
- n o " o 7av o"7 iv16'' un
brüllend durch die Straßen, schlägt die
Fenster ein und mißhandelt die Bürger.
Die Polizei macht die heldcnmüthi.-isten
Anstrengungen, die Rotten, die aus dem
Abschaum der Bevölkerung bestehen, zu
zerstreuen.
Paris, 23. März. Die Einfuhr
.. fTl -TV t , r - . r rw
vvii vuiw, yaupisacyiily aus Amerika
l. . . f. fiv: ai o- .
vuutn iwu. .sie jnni von üraniretO)
giebt jetzt gemünztes Geld anstatt Notm
aus. In Folg: der Unsicherheit der
Form und des Preises der neuen Arleihe
waren die Löifenpreife heute schwaukend
und sielen allgemein.
Wien. 23. April. Wie der Pester
Loyd meldet, ist der Fürst von Bulgarien
im Begriffe, sich von seinem Heere zum
Herrscher deS geeinigten Bulgariens aus
rusen zu lassen.
Lissabon, 23. März. Die por
,i,fif'i ?rttT-nr?rt Via OT
l I V V iiU9Ui
von gemünztem Gold und Silber sreige
geben. London, 23. März. Der Ecooo
mist" sagt: ChamberlainS Lyssagung
vom Kabinet ist der schwerste Schlaa.
den Gladstone erleiden konnte. Wenn
die Trennung fortdauert, wird die nächste
Parlamentswohl entweder die TorieS an
das Ruder bringen oder den likeralen
Ehamberlain als Führer aufoöthigen. .
Beide Wahlergebnisse werden von bedeu
tenden Folgen begleitet fein.
Paris, 29. März. Der Gesetz,
entwurf betreffs der im Jahre IL8S in ,
Paris abzuhaltenden Welt-Ausstellunz
ist fertig. Borläusia wird ein Credit
von Vl2. 600,000 beantragt werden und
sind die Gesammtkostcn auf $45,000,000
veranschlagt.
Charleroi. i). März. Heute
bietet die Stadt den Anblick eines riesigen
Militärlagers, von welchen fliegend.,
Kolonnen nach allen Richtungen auSgc,
sendet wcrdcn. Man glaubt jeyt, daß das
Schlimmste überstanden iit. Die Re
gierung hat die friedlichen Einwohner der
Stadt ermächtigt' sich zu bewaffnen und
Alles, was in ihrer Macht steht, zur
Vertheidigung rhus heimischen Herdes
auszubieten. Die Stimmung ist ver
traucnövoller.' Der Strcifwa6)en der
Bürger und das Militär überwältigen
die Aufrührer.
-znlanv.
S a F r a u c i ö c o , 20 März.
Der Versicherung Agent White in
Tombstone brachte beute aus d.'m Fort
Huachuca die Nachricht mit, daß kurz vor
seiner Abreise dort ein Eilbote etngetios
fen sei, welcher gemeldet hake, daß
sämmtliche Indianer, ausgenommen
ManguS und zwei Genossen, sich ergebn,
haben.
New York. s. März. In den
letzten 7 Tagen sind in dcn Ver. Staaten
197 und in Canada 2-i, zusammen also
221 Bankerotte vorgekommen, gegen
derer 225 in der vorigen und 239 in der
vorvorigen Woche.
Detroit. Mich.. 27. Maiz. Die
Abreise deS Pfarrers KolasinSki führte
heute Abend um Acht zu neuen Ruhe
störungen. Er ließ das Pfarrhaus un
ter der Aufsicht eines Wächter zurück,
dcn feine Gegner hinterher hinauSzu
werfen versuchten. ES sammelten sich
an dem Pfarrhaufe mehrere Hundert
bewaffnete Polen; schließlich trieb die
Polizei die Angrciscr mit dem Knüppel
davon.
P e oria. Jll.. 28. März. DaS 8
Meilen von hier belegeaeCounty-Armen-hauZ
ist heute bis auf dcn Grvnd abge
brannt. Dank der Geistesgegenwart der
Beamten gelang eS, sämmtliche Insassen
in Sicherheit zu bringen.
Kansaö City, 23. Mäcz. Als
gestern der ron Fort Scott komnicnde
Personenzng um die Biegung bei Wal
rufs's Grove fuhr, entgleiste ein Theil
desselben und cin Wagen, in dem sich 75
Personen befanden, stürzte um. Sechs-
fc, rtit ntn "J'fifts n irfif ttn rfijfil iS.f
piv., (Iij.tl . . . . ... . ......
Verletzungen davon.
Erie, Pa., 28. März. Vertreter
der Arbeiter von zweien der hiesigen
Eisenwerke hatten gestern Abend mit Äb
gesandten der Ritter der Arbeit" eine
Zusammenkunft, in welcher der Bcitlitt
der hiesigen Eiscnalbeiter, etwa 2100
Mann, zu dem Bunde vereinbart und
beschlossen wurde, nächsten Mittwoch
nochmals zusammen zu kommen, um
einen Streik um eine Lohnerhöhung von
15 bis 25 Prozent anzuordnen.
New York, 23. März. Der Na-,
tionalabgeordneie O'Ncill hat an den'
Missouri öcepublican" roic folgt tele
graphirt: ..Eine Einigung erzielt.
Gould hat in inen schiedsgerichtlichen
Ausgleich eingewilligt und die Rute?
der Arbeit" sind angewiesen worden,
die Arbeit wieder aufzunehmen. Wün-.
seyen Sie unfern Leuten zu dem Ergeb
niß Glück."
Helena, Ark.. 29. Mär,. Ein,
Tornado vom Nordwesten traf heule
Mittag 2j Uhr diesen Platz. Er halte
eine derartige Heftigkeit, daß die Be
rvohner in Angst und Schrecken vesetzt
wurden. Der Schaden an den Gebäu-
den ist ein großer. Das iouNyaus
tr,,fc nfrnft ttnH fiFirflsnf ITithi
WVVfc. . . . V V. w .
rere Personen wutden verletzt. Die
Berichte aus den umliegenden CouirtieS
liefen nur langsam ein, doch soll der
Schaden an den Farmen sehr beträchtlich
sei!,.
tfovt owie, Ariz., a. arz.
Die Nachricht ist hier cinaetrossen, daß
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Ulf if;uuyoyuuiviiiijc wilviitui,
Chihuahua, Nana und Natchez. 'rnbst '
29 Kriegern und 48 Squawö, sich am
Samstag an der mexikanischen Grenze,
in der Nähe deS San Bernadino - Rar.
cko's de (Äeneral Craok eraeben baben.
Sie wurden dem Lieutenant Maus
übergeben, welcher die Gefangenen hier
her bringt.
Charlotte, Mich.. 29. März.
Gegen 10 Uhr heute Abend wurde in der ,
ganzen Stadt ein heftige Erplosion ver
nommen. tss war ver Zllersucy gemaqr
worden, die Barracken der Heilsarmee
mittelst Dynamit in die Luft zu sprengen.
Am Gebäude wnrde großer Schaden -,
verursacht, doch ist zum Glück kein Wen
schenleben zu beklagen.
Waukeeaan, Jll.. 29. März.
ijex yeure morgen o uqx von uyicag?
nach dem Norden auslaufende Passagier
V I cvr . rrr :
Zug rannte gegen 9 Uhr in dieser
tation, m nolge einer salschgestellten "
Weiche, tn die U)caschme eines aus einem
Nebengeleise stehenden FrachtzugeS. Der
Lokomotivführer und der Heizer erhiel
ten leichte Verletzungen, als sie von der '
Maschine sprangen und die Passeziere
wurden aeböria geschüttelt. Eine Fracht
roromotkoe vracyte den gug varausiy
Milwaukee. -
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