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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, July 09, 1886, Image 3

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SFa
ttuöländisÄe Nachrichten.
... . Vnwöm!s.
Berlin. Der BeoSlkerungSstand
- der diesige Gefängnisse bleibt erfreu,
lliSerweise andauernd niedrig. Ja
Tlöbevsee, daS zur Aufnahme von 1500
befangenen eingnichtet ist, befinden sich
fva 1345, in Rummelsburg statt 350
nur 87, auch im UatersuchungSgefLng
ib dessen Normalstand 1000 Köpfe
find, fitzen zur Zeit noch nicht 800 Wer.
baftete. Aber nickt blos in Berlin ist
?n Bevölkerungsstand der Gefangenen
so hkrabgegangen. die Nachrichten aus
den übrigen Provinzen Preußens lauten
ebenso günstig.
rossen. Für die durch den Orkan
,',4. Aai Geschädigten sind erst etwa
13 000 Mark eingegangen, während der
aagericht.te Schaden über 900.00 Mk.
bettägt.
ti WernSdorf bei Köpenick war
der'HallsschlSchter Runk .Im Kiuge
mehrfach gmeckt worden. Er lauerte
vor dem .Kruge" mit einem Schlächter
mksser Denjenigen auf. die ihm vorher
mitgespielt hatten. Als ein Verwandter
Rank's ahnungslos aus der Thür trat,
wurde er von Runk so gestochen, daß er
nach roeriaen Minuten sein Leben aus
hauchte. Der Mörder hatte aber nicht
Diesen, sondern einen Knecht, der ihn
besonders gereizt hatte, erstechen wollen.
Pommern.
Stettin. Von den für die sub
ntionirtcn Linien zu erbauenden 6
Dampfern, nämlich drei kleineren für die
ostaftalifche Küstenfahrt und drei großen
für die Route remen-l5hina, deren Bau
der Stettiner Maschinenbau - Zlklien
GeseUschast .Lulcan" übertragen mor
den ist, werben zwei, .Stettin' ur.d
.Lübeck', Ende des Monats die Werste
des Vulcan verlassen können, während
der Stapellauf ees drillen kleineren
Dampfers, .Danzig", etwa Mitte Juni
ftattflndcn wird. Die drei größeren
Dampfer, welche die Nancn .Preußen",
Sachsen", .Baiern" erhalten werden,
sind soweit vorgeschritten, daß der erste
derselben gegen Ende Juni die Helling
verlassen wird.
Die in Lauenbnrg in Pommern
wohnenden Eheleule M. Priester feierten
am C Juni das Fest ihrer Diamant -
Hochzeit. Beide erfreuen sich noch einer
ziemlich guten Gesundheit. Herr Priester
ist 92 Jahre und seine Ehefrau 0 Jahre
all. Er ist gegencoürtlg ältestes Mlt
glicd des Lauenbnrger Kriegerverrins
und als solches ici Besiye e:neö vom
geldmarschall B'ücher dein Verein ge
widmeten Blücher-Stockes, welcher sich
stcts auf das älteste Mitglied vererbt.
Ostpreußen.
Endtkuhnen. Im Laufe dieses
FrühiahreS trieb sich hier ein Mensch
umher, der Packete bei sich fährte, in
welchen seiner Angade nach Brüsseler
Epitzcn rnl galten sein sollten Diese
Packete hat er später in Starken zur Auf-
bemahrung gegeben, si solcher Packele
wurden nun daselbst mit Beschlag belegt.
Beim Oeffnen fand man nihilistische
Schriften in polnischer Sprache, anschei
nend in Bern gedruckt, iie Packete
waren so verpack:, daß es genau aussah
und sich auch so anfühlte, als wenn Sei
denzeug darin wäre.
H e i l s b e r g. Der dem Trunke er
gebene und in Vermögensverfall ge
rathene Kürschnermeister Schwarz hat
seine im Schlafe liegende Frau und das
jüngste Kind, weiches dieselbe in d-n
Armen hielt, durch Rrvolverschüssi? in die
Schläfe getvdtet, sich dann in den
Schlasranin seiner drei Söhne begeben,
auf diese gleichfalls geschossen und darauf
durch zwei Schüsse in den Hals seinem
Leben ein Ende gemacht. Von den drei
Knaben ist der jüngsie (7 Jahre) sehr
schwer verwundet.
G r ü n a u. Nach der Kopeniker
Stadtforth hatten am Himmelfahrtstage
einige hundert Maurer einen Ausflug
gemacht und wurden, da sie rothe Abzei
chen trugen, von berittenen Gendarmen
überall hindegleitet. Dabei kam es zu
einem Kampf. Die Gendarmen mach
ten von der Masse Gebrauch und ver
wur.deten eine Anzahl Leute erheblich.
SLeftpreußen.
D a n z i g. Der Handelsmann Gu
bei, obwohl von der Anklage wegen
Verbrechens gegen die Konkursordnung
freigesprochen, wurde aufgefordert, bin
ren 14 Tagen Preußen zu verlassen.
Er ist weder ein Pole, noch der polni
schen Sprache mächtig, wohnt seit 1877
in Danzig ur.d hat eine Danzigerin zur
Frau. Gebürtig ist er aus Kowno, und
war um Naturalsirung in Preußen ver
geblich eingekommen.
Dir schau. Der hiesige Diakonis
fenoerein hat ein Grundstück zur Er
richtunz einer Kleinkinderbewahranstalt
angekaust.
Elbing. Als Brandstifter eines
auf dem Grundstück Angerstraße Nr. 28a
aufgebrochenen Feuers ist der IZjähiige
Knabe Karl Falk von hier ermittelt
worden. Als Motto gibt der Junge
an, daß der Besitzer des GrnndZtückS,
Händler T., ihn geärgert habe.
Thor. Einer größeren Anzahl der
jenigen russischen Unterthanen, welche
wiederholt ausgewiesen, aber immer
wieder um Verlängerung der Zluswei
sungefrist eingekommen waren, ist jetzt
endgiltig eröffnet worden, daß sie inner
halb der nächsten Tage das preußische
Gebiet zu verlassen haben.
Psskn.
Posen. Die polnische Korrespon
denz im kaufmännischen Verkehr wird
feitens der polnischen Kaufleute im
Königreich Polen von den Kaufleuten
Deutschlands immer entschiedener ver
langt und dieses Verlangen wird von der
hiesigen polnischen Presse eifrig unter
stützt. Der .Dziennik" nimmt daraus
'Veranlassung, den hiesigen Polen die
Weisung zu geben: .Verlangen auch wir
dasselbe ; nehmen wir keineKorrespondenz
in fremder Sprache an."
Vlomberg. Die kaiserliche Pri
vatschatulle hatte auf dem Gute Waldau,
bisher Herrn Kummer gehörig, eine
Hvpothekenforderung von 120,00) Mk.
stehen. Das Gut kam zur Zwangsver
steigerung und der Vertreter der kaiser
llchen Schatulle blieb Meistbietender.
Labischin. Ueber die letzten Wah
len machte im Abgeordnetenhause der
Abgeordnete für Labischin folgende in
leressante Mittheilung: In Bromderg
haben bei den letzte Wahlen nur 2 von
70 katholischen Lehrern regierungs
freundlich zu wählen die Couraae ge-habt.-
Schlesien.
Breslau. In mehreren ober
schlestfchen Kreisen ist nach Einrichtung
der Verxflegungs-Stationen die Verab.
reichungvon Gaben an .arme Reisende"
bei l0 Mark Strafe verboten. Doch ist
eine Ausnahme für diejenigen Fälle zu
gelassen, in welchen sofortige Hülfe
leistung als Gebot der Menschlichkeit n
scheint. Beerberg. Die Tochter eines hie
figen Bauern hatte mit einem Buchbinder
aus Dresden ein LiebeSverhälwiß ange
knüpft. Da sie leidend war, bat. der
junge Mann die Eltern um Erlaubniß,
feine kranke Braut, die in nicht ferner
Zelt Mutter werden sollte, nach Dresden
mitnehmen zu dürfen, damit er dort für
sie sorge, bis sie sich heirathen könnten.
Die Eltern schlugen die Bitte ab. Dar
nach unternahmen die jungen Leute
einen Spaziergang zum Adler stein, von
dem sie nicht mehr zurücklehnen. Man
fand deren Leichen im Queisflnsse; die
beiden Körper waren mit einem Tuche
zusammengebunden, der Kops des Mad
chenS vollständig zerrissen und vom
Rumpfe getrennt. Die Schwester der
Braut sollte an lenemTage rhre Hschzert
feiern.
Schmiedeberg. VondemWUd
reichthum in manchen Herrschaften
Schlesiens giebt die Mittheilung eine
Vorstellung, daß in der Jagdsaison
1885J86 auf der dem Grasen Hans
Ulrich Schaffgotsch gehörigen Herrschaft
Koxpitz 24.423 Stück Wild erlegt sind,
darunter 4563 Raubzeug und 19,860
Stück nutzbares Wild.
Ober-Glogau. Neunzigtausend
Mark an Legaten hat der hiesigen Ge
meinde der im 70. Lebensjahre verstor
bene Partikulier Karl. Müller mit der
Bestimmung vermacht, daß hiervon 75,
000 Mark zur Errichtung und Unter
haltung eines Waisenhauses für 15 Kin
der aller Konfessionen, 15,000 M. für
arme fleißige Schüler verwandt werden
sollen.
Provinz Sachsen.
In Gehrden sind beim Ausschach
ten auf dem Grundstück des Gutsbe
sitzers Baumgart 340 größere und etwa
700 kleinere Silbermünzen in einem
Tops gefunden worden. Die Geldstücke,
die meist brandenourgischen und rnons--feldischen
Gepräges sind, stammen
sämmtlich aus dem 16. Jahrhundert.
- In Eigenrieden feierte das
Luhn'sche Eyepasr das seltene Fest der
eisernen Hochzeit, an welchem die ganze
Gemeinde ihre Theilnahme bezeugte.
Das Ehepaar, welches 65 Jahre ge
meinsam verlebte und von dem der Mann
86, die Frau 84 Jahre zählt, erfreut
sich noch einer großen Rüstigkcik. .
In Weißenfels wurde dieser Tage
einem Arbeiter das 11. Kind geboren.
Der Vater ging auf das Stanresamt,
um das Kind unter dem Namen .Elf da
eintragen zu lassen. Da diesem Ver
langen aber seitens des Standesbeamten
in Rücksicht auf bestehende gesetzliche
Bestlmmuugen nicht entsprochen wur.de,
so entfernte sich der reichgesegnete Vater,
höchst aufgebracht wegen der Verwei
gerung des Beamten und gestattete sich
noch die Ankunft einer .Zwölf da" gleich
im Voraus anzumelden.
Westfalen.
Bielefeld. Der unter der An
klage, das Haus des hiesigen Kohlen
Händlers Horstbrink in Brand gesteckt zu
haben, verhaftete August Pepper hat ein
Geständniß abgelegt. Doch behauptet
er, die Brandstiftung nicht beabsichtigt,
fondern nur durch Unoorstchtigkeit vrran
laßt zu haben.
Bochum. Der Thurm der hiesigen
Marienkirche hat sich um fast drei Fuß
nach Osten hin geneigt und es müssen
Vorkehrungen getrosten werden, die
Kirche zu schützen.
E l o r h o l z. Man glaubt nicht mehr,
daß die Erkrankung der 40 HochzeitS
gäste durch verdorbenes Fleisch verursacht
wurde, da Andere, die von demselben
Fleisch aßen, nicht erkrankt sind. Die
Untersuchung der Sache ist noch nicht be
endet. Hage n. Dem Fabrikanten Joseph
Sch.ieltler wurde von dem pensionirten
Eisenbahnbeamten Runde im Streit der
Bauch aufgeschlitzt, so daß er am nach-sien-Morgen
im Marienhospital starb.
Rheinprovinz.
Köln. In der Neustadt wachsen
hier jetzt ganze Straßen aus der Erde
hervor, und in der Altstadt reißt man
überall die alten Häuser ein, um sie viel
prächtiger wieder erstehen zu lassen.
Dabei werden die Wohnungrn für unbe
mitteile Leute mit jedem Tage cn Zahl
geringer. Da kommt indessen die
Gründung einer gemeinnützigen Ballge
sellschaft zur Be schassung billiger Arbeit
terwohnungen gerade recht. Das Aktien
Kapüal beträgt 30,0t Mark und ist
bereits begeben.
Bonn. Bei den Erdarbeiten am
Knabengarten Iat man eine Anzahl Ka
nonenkugeln gesckuden, die wohl von der
Belagerung Bonn's im Jahre 168 her
rühren. Darunter befindet 'sich eine
große Bombe im Gewicht von über 200
Pfund.
Klotten. Als der Bischof Dr.
Korum auf der Firmungsreise dieses
Städtchen verlassen halte, scheuten kurz
vor Pommern in Folge des Vorbeisau
senS des Schnellzuges die Pserde des
bischöflichen Wagens, setzten über die
eiserne Barriere längs der Chaussee,
stürzten in die Mosel, welche an dieser
Stelle seh? tief ist und ziemlich starke
Strömung hat. Der Bischof wurde ge
rettet. G o ch. In der Lehmgrube der Gebr.
Peters bei den Rohrer Höfen sind wieder
Mammuthknochen gefunden morden.
Lanzenspitzen aus Feuerstein, vorhisto
rische Topsscherben und Menschenschädel
mit' sehr 'starker Kopsschale sind hier
schon gefunden worden.
Schleswig -Holstein.
Schleswig. E.n hiesiger Arzt,
der den schleswig.holsteinischen Krieg
von 184350 mitgemacht hat und dann
nach Australien auswanderte, ohne je
mals daran zu denken, die ihm zukam
mende Neniron :.u fordern, bat dieselbe
jetzt aus Betreiben seiner hiesizen Ver-
wandten vom 1. Juli lu? an nachve
willigt erhalten; er erhält sofort 14.000
M. und dann 750 M. per Jahr.
Eckenförde. Die Fischerei mit
den Heringswaden ist für dieses Jahr
geschlossen worden. Der Dorsch- und
Buttensang war in den letzten Monaten
ergiebig.
Hannover.
Hannover. Die preußische Rtgie
rung hat das herzogl.SlaatLministerium
benachrichtigt, daß Preußen die Bahn
Rr'lsckn, - ttisborn bauen werde.
Die neue Bahn soll im Osten der Stadt
. ' . 1 r- ic r
Braur schwelg, m der egeno oes grogen
Erereierplatzes, in die Slaatsdahn ein
münden. Westen. Bei einem hir niederge
gangenen Gewitter schlug der Blitz rn
das Pfarrhaus und setzte es in Flam
men. Dem Pfarrer gelang es, aus
dem lichterloh brennenden Hause zu kom
men, ebenso der Mutter und der Toch
ter. Letztere aber, die Mutter nicht
gleich erblickend, lief in das brennende
Haus zurück und durcheilte suchend Zim
mer auf Zimmer. Als die Tochter die
Mutter nicht fand, mutzte sie felbft an
ihreRettung denken. .Als sie zur Thüre
hinaus wallte, lag rings um das HauS
ein brennender Wall aufgethürmt, die
Strohdocken des niedergestürztenDaches.
Sie sprang hindurch, trug emsetzliche
Brandwunden davon, und unter furcht
baren Schmerzen hauchte sie nach wem
gen Stunden ihr junges Leben aus.
Ein Gewitter hat in H e r z b e r g anr
Harz durch Blitzschläge und Hagelwetter
großes Unheil angerichtet. Im nahege
legenen Bartolselse entstand ebenfalls
ein großes Feuer; mehrere Orte, sind
fußhoch unter Wasser, Häuser sind ein
gestürzt, der Bahnbetrieb unterbrochen.
Hefseu-Nasssu. . . . ;
Frankfurt. . Vor einigen Wochen
aroa von hl-r hetmuq der Klstensabrt
kaut Adolf Peter, nachdem er gegen seine
Braut den Schlechten gespielt und fte um
rare 16.000 M. gebracht hatte, rn ande
rer Gesellschaft durch. Vor seiner Ein-
schiffung nach Amerika gelang es, ihn
zu verhaften. Er wird sich hier wegen
belrügerrschen BankerottZ, Betrugs ic
zu verantworten haben.
Bischof Koxp in F u ld a ist durch em
kostbares Geichenk der Je ernenn hoch er
freut worden. Dasselbe besteht in einer
Glasmalerer' das Begrabrnß der hnl
Elisabeth darstellend.
In Bad Nauheim ist der Erbgroß-
Herzog von Baden zur Kur angekom-
men.
Wiesbaden. Der feierliche Einzug
der Römisch-Katholiken in der seit Iah-
ren von den Altkatholrken mitbenutzten.
letzt aber Ersteren wreder zur auSschuek
lichen Benutzung üb erwiesenen Pfarr-
klrche, hat stattgesunden.
Kömgreiö Sachsen.
Dresden. Für den Umfang des
Königreichs Sachsen ist nunmehr von der
sachlichen Staatsregrerung ern Landes-
verftcherunasamt eingerichtet worden.
das erste und bis jetzt einzige, welches in
Deutschland besteht.
Schneeberg. Unter den Spitzen-
klöpplerennen des Erzgebirges herrscht
wieder große Noth. Der Wochenlohn
einer geübten Klöpplerin beträgt gegen
wartig 1 fl. 2 kr. bis höchstens 1 ft. 50
kr., (4860 Cents). Dem Schreiber
dieses wurde von riner Wittwe gesagt,
daß sie schon wochenlang keinen Bissen
Fleisch gegessen habe und ihren Kindern
nur halb so viel wie früher an trockenem
Brod geben könne. Dazu muß man
noch bedenken, daß gegenwärtig die Kar-
toffeln das Bros des Erzgebirges
theurer und schlechter sind, als im
Herbste und Winter. Man fürchtet
allen Ernstes, sofern nicht bald eine
Wendung gum Bessern eintritt, in den
Kloppeldlitrltten den Ausvruch wirklicher
Hungersnoth.
Frauen st ad t. Eine merkwürdige
Fügung deS Schicksals" zeigt folgende
Gefchichte: Vor kurzer Zeit besuchte der
Pfarrer Langer in Frauensiein den er-
krankten Nalhskellerwlrth Müller, der
dem sich gerade zu dieser Zeit ein Mann
aus Burkersdors in der Gaststube auf
hielt und den Geistlichen im Scherze
bat. er solle doch Müller bei seinem Be
gräbnisse eine hübsche Rede halten. Acht
Tage darauf stirbt der Fürsprecher, am
2. d. M. wurde Pastor Langer beerdigt
und am 5. d. M. brachte man den
Rathskellerwirth Müller zur ewigen
Ruhe.
Der Universität Leipzig droht ein
überaus schwerer Verlust, indem das be
rühmte und hervorragendste Mitglied
der dortigen Juristenfakultät Geh. Hof
rath Prof. Dr. Wach einen Ruf nach
Berlin erhalten hat.
Thuringische Staaten.
Kahl. Der Rechtsanwalt Westhoff
wurde zu einer anderthalbjährigen Ge
fängnißstrafe verurtheilt. Es war von
dem Fuhrherrn Risle in Chicago bevoll
mächtigt worden, eine Legatfumme von
3000 Mark, die den Kindern des Letzte
ren von ihrem verstorbenen Onkel, dem
Oberstallmeister v. Beust, ausgesetzt
worden war, in Empfang zu nehmen
und sie nach Amerika zu schicken. Allein
Westhoff hatte die summe für sich ver
wendet. Strafmildernd wurde aner
kannt, daß die Veruntreuung nur aus
wir'.hschaftiicher Bedrängnis: geschehen
sein konnte.
In Gern renommirte ein Arbeiter,
er wolle einen eiwachsenen Mann empor
heben und sich selbst auf die Schultern
fetzen. Er brachte es auch fertig, zer
sprengte sich dabei aber eine Sehne ,m
Knie lind mußte nach Jena in's Kranken
Haus gebracht werden, wo ihm das B in.
da die Sehne d'.andiz gcwoiden xiar,
abgenommen werden mußte.
Freie Städte.
Hamburg. Zam Schutze des Eur
havener Ufers sind Stack- und Damm
bauteten erforderlich geworden, für
welche einstweilen ein Betrag von 3Z
Millionen Mark bereitgestellt wurde.
Trotz der Aufcoendung eir.er so hohen
Summe blcibt es' zweifelhaft, ob damit
die beabsichtigte Wirkung erreicht wird.
B r e m e n. Die technische Seite des
großen Unternehmens der Korrektion der
Un:erwes?r stand, bisher nur auf den zwei
Augen des hiesigen Oberbaudirektors
Franzius. Gegen dies Werk von 30
Mill. Kosten, bei welchem es sich um die
subtilen Probleme der Krastäußerung
beschleunigter Strömungen, der Heran
Ziehung der Flutbwelle des Meeres 75
Kilometer oberhalb Bremerhaoens, end
lich um die Kostenanschläge der ver
wickeltsten Strombauten handelt, war
wissenschaftlicher Widersprich nur von
einer einzigen cexie (Laurath Albrecht
in Posen) erhoben; allin Senat und
Bürgerschaft hielten es doch für geboten,
sich an die preußische Regierung mit der
Bitte zu wenden, die kgl. Akademie des
Bauwesens mir einer Prüfung des
Franzius'schen Projekts zu beaustragen.
Das Gutachten ist in jedem Punkte
durchaus zustimmend ausgefallen.
Oldenburg.
Oldenburg. Dem 'Vernehmen
nach befinden sich in diesem Sommer
Semester nur 8 wirkliche Äckerbauschü
lcr auf der Ackerbauschule zu Kloppen
bürg. In Quakenbrück werden äugen
blicklich dreizehn Schüler auf der dortigen
Ackerbauschule unterrichtet, in Mepxen
soll die Schülerzahl noch geringer sein.
Mecklenburg.
Teterow. Der Hauptgewinn der
in Neubrandenburg stattgehabten Meck
lenburgischen Pferdeoerloosung eine
Equipage mit vier Pferden und com
pletem Geschirr fiel dem hier beim
Holtischler Büttner in Arbeit stehenden
Tischlergesellen Tepelmann zu. Der
Gewinn wurde vom Pferdehändler
Sumpke zu 6500 Mark angekaust.
In Zehlendorf bei Laage (A.
Güstrow) hat man in einer Sandgrube
mehrere Gerippe mit Ringen an den
Schädkln aufgefunden. Da solcher
Schmuck den alten Wenden eigen war,
so nimmt man an, daß die Leichen im I I.
Jahrhundert dort bestattet wurden.
Neustrelitz. DieLLwenapotheke,
welche der Apotheker Sentzke im vorigen
Jahre für 190,000 Mark von dem
Apotheker Berck ström gekauft hatte, ist
an einen Berliner Apotheker für die
Summe von 197,000 Mark verkauft wor
den. Lrennschseig. Sahalt.
Braun schweig. Für das hier zu
errichtende Abt -Denkmal sind 19,40
Mark eingegangen, während etwa 30,000
M. erforderlich sind. Man will sich mit
einem erneuten Aufrufe an die Sänger
schuft in Deutschland und Amerika wen
den, und hofft, bis zum nächsten Jahre
Die erforderliche Summe beisammen zu
haben.
Der frühere Werkfuhrer der Bor
chers'schen Schraubenfabrik, Könnecke,
hat einen Mordversuch gegen die Wittwe
Borchers, seine frühere Principalm,
ausgeführt, indeur er zwei Revolver
schüsse aus sie abfeierte, worauf .sich
durch einen in den Mund abgefeuerten
Schuß selbst tödtete. Könnecke hatte
ehofft, durch Verherrathung mit der
orchcrs das (Äelchall uverneymen zu
können, auf welche Pläne aber die Letz
tere nicht einging.
De
SeXe von Schämrode
' Romanvon Hermann Hirschfeld.
(Fortsetzung.)
Er Zloa fester den Mantelkragen zn
sammen, denn kalt durchschauerte ihn der
Wind. Ihm ward unheimlich in der
Dunkelheit. Mehr als ein Mal hatte
er im Gewühle der Schlacht unerschrocken
dem Tode getrotzt: die Bangigkeit, die
ihn hier in der Oede beschlich, hatte er
nie erm) funden.
Er stieg die schmalen, ausgetretenen
Stufen zur Höhe des Deiches empor und
dann von innen auf abschüssigem Wege
zur Dorfftraße hernreder. Unterwegs be
gegnete er der Patrouille ; ein Sergeant
führte den rinnen Trupp.
.Etwas vorgefallen, Latour?
.Nichts zu melden, Herr Lieutenant
lautete dre Antwort.
Der Offizier setzte seine Weg fort;
bald hatte er ferne Wohnung erreicht
Die Pforte deS kleine Besitze stand,
seit er Mitbewohner war, stets offen;
oft kamen noch späte Meldungen oder
Depeschen aus dem Hauptquartier Burte-
hude. Im obern Stockwerke war alles
dunkel,' seine Wirthin wohl länzft zur
Ruhe gegangen. Dle zwer Fenster des
chreroznnmers waren erhellt; der
ecretair, der zugleich Ordonnanzdienste
der dem jungen Commandanten verrrch
tete, hatte vollauf zu thun. Lieutenant
Maubourg umging das Haus; er öffnete
mittels eines Schlüssels eine kleine Sei
tenthüre, und einen schmalen Corridor
durchschreitend, befand er sich an der
Schwelle fernes Wohnzimmers.
Eine mit Oel gefüllte Hängelampe
verbreitete eine trauliche Helle in dem
mittelgroßen Raume, den der Lieutenant
mit fast weiblichem Geschicke sich ohn
lieh zu machen gewußt hatte. Franz ö
tische und deutsche Bücher in trefflicher
Wahl standen aus dem staudfreien
Bücherbrett e wohl geordnet; in einer
einfachen Vase prangten die letzten Blu
men des HerbsteS; auf der Klappe des
zum Arbeitstisch aoancirten altmodischen
eccetairs lagen die Papiere und Map-
pen woyt geordnet. In ver ruiiue,
derzeit dem Blicke deS auf dem schlich-
ten Rohrsessel Sitzenden erreichbar.
stand das kleine Miniatur-Portrait einer
zarten, fast leidend aussehenden Dame
in weißem Gewände. So still und hei
misch war es in diesem Raume, den das
trauliche Ticken einer Kuckucksuhr mit
schwerem Messingpendel noch gemüth-
lrcher machte, dag die zu einer klernen
Trophäe zusammengestellten Waffen
Maubourg's. zu der übrigen Ausstatwng
und der ganzen Stimmung desselben in
einem grellen Gegensatz standen.
Im Alcoven entledigte Henry sich der
Mütze und des Mantels, dann trat er
mit einem Gefühle der Befriedigung rn
das behagliche Zimmer.
Zu Hause, sagte er vor sich hm,
.und wenn auch allein, doch mir selber
genug! Ich will mir noch ein paar
Augenblicke der Behaglichkeit gönnen.
will lichte Bilder träumen, holde Tau
schungen der Phantasie, die mich die
bittern Stunden vergessen lassen, die ich
abermals durchlebt. Dann will ich
de la Croir schellen, ob e:was eingetrof.
sen oder zu berichten. Thäte ich s jetzt.
ich fürchte, neue. ..."
sem Auge fiel auf den improvlsirten
Schreibtisch: ein großer Brief, mit amt-
lichem Siegel geschlossen, lag auf der
Klappe. Zögernd streckte er die Hand
danach aus, tast scheu brach er das Sie
qel und überflog den Inhalt. Als er zu
Ende war, lag ein tiefer Traurigkeits
ausdruck auf feinen Zügen.
.Fort von hier! faate er leise. Und
eben noch fühlte ich mich so wohl, so hei-
misch in diesem stillen Raume! Ah
bah, vielleicht ist es besser so. Dafür
bin ich Soldat ; nicht allein am Strauche
blüht der Lorbeer m Spanien, wohin ich
bestimmt. Ich frage nach Keinem, und
Keiner nach mir, "also vorwärts!"
Er zog heftig den Glockenstrang', ein
Zeichen für den im Bureau befindlichen
Unteroffizier, der Schreiberdienste für
das Commando besorgte, daß er heim
gekehrt sei. Wenige Augenblicke später
erschien der Gerufene im Zimmer seines
Vorgesetzten; es war ein junger, nicht
ungebildeter Mensch mit energischem
Antlitze, einer von Jenen, die in der
Tasche des Gemeinen den Marschallsstab
tragen.
De la Eroir," nahm der Lieutenant
das Wort, .dieses Schreiben aus dem
Hauptquartier enthält Instruktionen, die
für Euch von Interesse sein werden.
Für mich enthält es die Ordre, unver
züglich mich in Burtehude einzusinken.
Meine Mission ist eine ehrenvolle:
Spanien heißt meine Bestimmung. Ich
soll der Armee König Joseph's zuge
theilt werden. Bei meiner Abreise habe
ich Ihnen das Commando zu übergeben.
Ein Lieutenantspatent folgt im Laufe
der Woche."
Des jl'ngen Soldaten Augen funkel
ten. Ich hoffe mich des Vertrauens
werth zu machen, das meine Vorgesetzten
mir schenken," sagte er mit vor Be
wegung zitternder Stimme.
Mögen Sie an diesem Orte glück
licher im Erfolge sein als ich," bemerkte
der Lieutenant lächelnd. Man scheint
meinen Fähigkeiten als Douanier nicht
allzu viel Lob zu spenden. Die In
struction enthält den Wink, daß in
nächster Zeit ein Hamburger Schiff mit
verdächtiger Ladung von New Zlork kom
mend elbaufwärts passiren wnd.
Den Küstenwachen ist die schärfste
Wachsamkeit vorgeschrieben und eine
rasche, schonungslose Justiz: Tod
dem Rädelsführer der Schmuggler, Ge
fängniß feinen Beihclfern ohne Ansehen
der Person. Des Kaisers Wille, die
Conlknentalsperre in ihrer ganzen
Strenge aufrecht zu erhalten, ist energi
fchcr als je."
,Wir haben ihn zu ehren," sagte de la
Eroir. So gern ich den Antritt mei
nes Commandos mit einer That von
Bedeutung beginnen möchte, so gebietet
mir die Pflicht, Ihnen die Meldung zu
machen, daß drinnen im Schreibzimmer
schon seit graumer Zeit eine alte Ein
wohnerrn des Dorfes Ihrer harrt, um
Ihnen eine Mittheilung von Wichtigkeit
zu machen, die noch in dieser Nacht erle
digt werden müsse. Wie aus ihren Reden
hervorgeht, handelt es sich um Aufdeckung
eines Schmuggel-Unternehmens."
Der Ber.chr des Subalternen schien
den Lieutenant wenig zu erfreuen. Nur
mit Widerwillen, einzig im Gefühl der
Disciplin, hatte er den Posten bei den
Douaniers übernommen und die Ver
setzung freute ihn. Nun sollte er noch
in letzter Stunde eine Menschenjagd lei
ten, wie er inSgeherm seine Aufgabe be
zeichnete! Unwillkürlich trat seines OheimS
Bild, sich mit diesem Gedanken verbin
dend, vor feine Seele. Zu welchem
Zwecke war der alte Herr nach Scharn
rode gekommen? Mit rothem Kreuz be
zeichnet stand der Name Ehrenkranz"
auf der ihm höhererseits eingehändigten
ProfcriptionSliste der deS Schmuggels
englischer Waaren verdächtigen Hambur
ger Kaufmannshäuser.
Dem Untergebenen gegenüber durfte
er sich keine Blöße geben, nicht einmal
eine Verdrießlichkeit zeigen. Ich ver
vruthe, es handelt sich wieder um eine
Altweiberklatscherei, wie sie uns wieder
holt belästigt," sagte er; indessen ist es
meine Schuldigkeit, alle 3 zn hören. Las
sen Sie die Person kommen." -
Wenige Augenblicke später betrat Alt-
Warnen das Zimmer, hinter ihr der Un
terofsizier, der an der Schwelle stehen
blieb. '
.Soll ich Protokoll aufnehmen, Herr
Lleutenantk' fragteer. ,
Die Alte wandte sich um.
.Was ich dem Herrn Lieutenant zu
sagen yade, bemerkte sie in rhrem schar
fen Tone, taugt nur für zwei Ohren.
Für die Schreiberei mag er den Muöje
rufen, nachdem rch zu Cnde bin, wenn
es überhaupt nöthig
Fragend blickte der Secretair auf
Maubourg. Der Lieutenant winkte.
und in mititairifcher Haltung verließ der
Zeuge das Zrmmer
Henru hatte sich an den improvlsirten
Schrnbttsch gesetzt. Ich kenne Euch,"
sagte er kurz. Ihr seid die Großmut
tcr des jungen Menschen, dem ich die
Erlaubniß ertheilt, Scharvrode zu ver
lassen, um Schisssdienst zu nehmen.
Macht kurz, w.s ihr mir zu sagen habt,
und vor allem schweigt lieber, als daß
Ihr mich mit Reden ohne Beweise de
läftigt." Um Euch Märchen zu erzählen, sucht
Euch Altmariken nicht heim, wenn ehr
liche Menschenkinder zu Bette gehen,"
erwiderte die Alte mürrisch. Auch ich
muß kurz sein ; denn ich möchte, daßFriede,
kehrt er von der Hochzeit heim mich zu
Hause findet und nichts ahnt von mei-
nem Gange zu Euch. Ich komme. Euch
ern Schmuggel Unternehmen zu ver
rathen."
Maubourg'S Brust hob sich schwer.
Ihr wißt, daß die Regierung für die
Entdeckung solch strafwürdigen Frevels.
wenn sie zur Ergreifung der Schuldigen
fuhrt, erne beträchtliche Pramle zahlt?"
fragte er kurz.
Die Alte lachte scharf auf. Ich brauche
kein französisches Gold," entgegnete sie
beinahe verächtlich. .WaF ich thue.
Herr, geschieht ans Liebe zu meinem
Enkel, der von dem ganzen Handel nichts
wissen darf; er würde mir fluchen. Weiter
brauche rch Euch nichts zu sagen, so viel
mich betrifft. Für Euch aber genügt es.
zu wissen, 'daß Schlag zwölf Uhr on
der Hütte des Fischers Nielsen aus ein
Trupp entschlossener Burschen unter deS
Schifferfranz Führung in der nahen
Bucht ein Boot bemannt, um von einem
in der Nähe der Küste befindlichen Schiffe
englische Waaren für Rechnung des Hau
ses Ehrenkranz an's User und vorläufig
in Nielsen's Behausung zu schmuggeln.
Die Parole lautet: Haus Ehrenkranz".
So. und nun thut, was Eueres Amtes
ist. Von der Hinterfeite der Kirchhofs-
mauer fuhrt an verriegeltes Psorlchen
zum Außendeich über einen schmalen
teg, der dicht an der Bucht ber Nlel-
sen's Hütte endet. Laßt's Euch aesaat
jr,n. Suten Abend.
Sie wandte sich um und wollte das
Gemach verlassen ; aber Maubourg hatte
fich erhoben und hielt sie zurück.
seid Ihr so wert gegangen, bm rch
gezwungen, von iuch wettere Nusrunst
zu verlangen über die Lage jener Pforte,
die Ihr mir bezeichne?, und auch darüber,
ob bei jenem Unternehmen der Clief deS
Hauses Ehrenkranz, der heute in Scharn
rode angekommen, sich selber betheiligt."
Weiß lch s? Und wenn ich s wußte.
könnte keine Macht mich zwingen, zu sa-
gen, was rq nicht will, em Alten ge-
fchähe es schon recht; was braucht der
ber seinem Aeichtthum sich in solche
Heimlichkeiten einzulassen? Er hat's an
emer Schwester verdient, an seinem
Neffen, den der harte Mann aus dem
Hause gejagt. Ich habe die arme Meta
Ehrenkranz gekannt, ehe sie mit dem
französischen Edelmann? flüchtete, dem
ihr Bruder sie nicht geben wollte."
Ein nervöses Zucken durchflog die
Gestalt des Osfiziers. Deplacet war
Eoelmann?" fragte er kaum vernehm
bar. Freilich, freilich, ich weiß das be
stimmt, ein Edelmann," bekräftigte die
Alte. .Der Thomas Ehrenkranz freilich
wird sich gehület haben, ihm den Adels
titel in's Gcdächniß zurückzurufen, den
schon seine Mutter abgelegt, als ihr
Mann sie als mittellose Wittwe zurück
ließ. Das arme Kind hätte ein besseres
Geschick verdient, obwohl der Franzose
ein braver Mann gewesen sein soll. Jh
retmillen geschieht es dem Alten
ganz recht, wenn er einen Denk-
retlel bekommt.... Die Pforte, das
will ich uch noch
neben dem Grabe
Sommer. Der
sagen, liegt hart
des allen Pastor
Epheu wuchert
darüber. Und nun. Herr Offitter. sage
ich kein Wort mehr von der Sache, und
wenn Ihr mich in Stücke schneiden laßt.
Die Belohnung gebt den Armen ich
will nichts weiter, als daß Ihr darüber
schweigt, wer deutsche Kinder dem Lan
bessernde verrathen. Hätte ich einen
andern Weg gewußt, meinen Friede zu
behalten, ich hätte es nimmer gethan.
Gute Nacht !'
Sie verließ das Zimmer. Maubourg
hörte sie im Vorqemache noch mit lauter
Stimme einige Worte mit dem Sekretär
wechseln; dann verhallte das Geräusch
ihrer Tritte. Abermals war es einsam
um ihn.
Zu dsm Miniaturbilde auf dem
Schreibtische trat er und blickte lange in
die feinen, leidenden Züge des Porträts.
Mutter!" sagte er dann mit tiefbe
wegter Stimme, dich rufe ich als
Zeugin aus deiner lichtverklärten Höhe,
Xfin ist meine Seele und meine Hand
an allem, was der Himmel beschlossen,
sich meiner als Werkzeug bedienend.
Keine That der Rache und des Hasses
suchte ich ; den Weg der Pflicht muß ich
wandeln, den beschworenen. Mag sich
erfüllen, was hößerer Macht unadwend
licher Befehl ich schließe die Augen
und gehe vorwärts. Es muß sein.'
Er legte die Hand an die Schelle, den
Secretair zu bescheiden. Noch ein Mal
zog er sie zurück.
Was sagte die Alte? Adeliger Ge
burt sei ich, ein Wappen schmückte den
Namen Deplacet? Mag's sein, immer
hin; ich will nicht grübeln. Todt ist
alles, was hinter mir liegt. Maubourg
ist sein Ahne und sein Geschlecht zugleich.
Es wird' und tiefer neigte sich des
jungen Mannes Haupt wohl kernen
Maubourg nach mir geben!"
Er zog die Glocke; der Secretair er
schien mit militärischer Pünktlichkeit,
aber in sichtlicher Aufregung.
Diesmal machen wir einen Fang!"
sagte er lebhaft, ohne seines Vorgesetzten
Anrede abzuwarten. Die Alle hat mir
im -Uieggehen kurz zugerufen, was sie
Ihnen wohl ausführlich vei traut hat.
Wir müssen vor allem unbemerkt die be
wußte Thüre aus dem Kirchhofe cnt
decken. Darf ich mich an der Expedition
beth" eiligen, Herr Lieutenant, wenn
Sie mir nicht, natürlich gemäß ihren
Weisungen, das Commando anvertrauen
wollen?"
Ich werde die Führung selber über
nehmen müssen," entgegnete der Offizier,
um mich im letzten Moment nicht des
Mangels an' Eifer beschuldigen zu
lassen. Bescheiden Sie den Sergenten
Lamotte sofort zu mir, damit geräuschlos
die nöthigen Vorkehrungen getroffen
werden. Ich denke, wir bemächtigen
uns der Contrebaride zugleich mit den
Lschmugglern"
In diesem Falle dürfte Ihr Com
mando mit einer Erecution schließen,"
bemerkte de la Croir. Dem verschärf
ten Gesetze Sr. Majestät zufolge, dessen
strenge Handhabung uns zur Pflicht ge-
macht, soll die Hinrichtung deS Haupt
betheiligten, der seiner Schuld überwie
sen, vor. dem nächsten Sonnenaufgange
stattfinden. Ich habe nach den Reden
der Alten eine Ahnung, als ob wir an
dem stolzen Hamburger Handelsherr
ein Beispiel stätuiren werden, das An
der für lauge als Warnung dienen
möchte. .
Maubourg wandte sich ab und preßte
die Lippen zusammen.
Erfüllen wir unsere Pflicht, sagte
er kürz. Gehen Sie."
Der Unteroffizier salutirte und ver
schwand. Mir einem tiefen Seufzer
ließ sich Henry auf seinen Sessel nieder,
um den Plan deS geheimen Ueberfalles
der Schmuggler zu überdenken. Mit
beiden Händen stützte er daß Haupt,
verworren schoß eS darin durcheinander.
Das ernste, hagere Antlitz deS alten
Ehrenkranz stand unablässig vor semer
Seele.... Sem Auge fiel auf der
Mutter Bild er legte es umgewandt
auf die Platte. Das trauliche Ticken
der Kuckucksuhr störte ihn-rn seinem
Sinnen ; er hielt den Pendel an. Un
beschrieben fand der rasch mit der be
fohlenen Sergenteu heimkehrende Unter
Offizier das weiße Blatt, das Henry
cauvourg vor sich geregt, ferne Vpo
fitton darauf zu entwerfen, seinen
Lieutenant aber rn nebelhafter Wallung.
Sich künstlich Muth zu verschaffen, wohl
aber heute zum erste Male, hatte der
junge Mann eine Flasche schweren Roth
eins entkorkt und dieselbe in hastige
Zagen at vlS zur Neige geleert.
4.
Mitternacht war vorüber. Die Uhr
des rothen, zuckerhutartlgen Thurmes
der Scharnroder Kirche hatte schnarrend
und trage, wie nn mürrischer GreiS,
ihre Pflicht gethan und zwölf Mal ange-
schlagen. Wie grämend und murrend
ob der sauren Albeit hatte der letzte
Schlag noch lange nachgehallt, bis der
immer ttarker zunehmende Wind ,hn
hohnlachend verweht und mit frevelnder
Hand an dem alteu, schwachen Bau
selber gepocht und gerüttelt, als könne
er sein Spiel treiben mit ihm, wie er es
trieb in den Kronen der Obstdäume in
der Runde.
vre Bewohner Vcharnrode s waren
längst zur Ruhe gegangen. Sie waren
an die Stürme aewödnt: ibr Eisen-
thum war hinter den schützenden Deichen
wohl geborgen, die wenigen Hütten vor
denselben gehörten Fischern oder Schis,
fern ohne Landbesitz. UeberdleS wurde
bei der Aussicht auf Gefahr durch Ka
nonenschüsse von Curhafen aufwärts.
wo der loitrom heu rn die Nordsee er-
gießt, die Gegend alarmirt.
- Auch im Wirthshause war AUeS zur
Ruhe, jedes Licht erloschen; um jeden
Verdacht zu vermelden, hatte auch Tho
mas Ehrenkranz das Licht ausgeblasen.
Aber zum Schlaf hatte er sich nicht ge
legt. Völlig angekleidet saß er auf
seinem Lager und lauschte in die Nacht
hinaus. Ueber des Kaufmannes uner
schütterliche Ruhe siegte das Gefühl deS
Vaters ; denn er liebte den einzigen Sohn,
freilich auf feine Weise, und war stolz
auf ihn.
Das Geräusch des WindeZ war so
stark, daß es fast unmöglich war, ent
ferntere Laute zu vernehmen ; und doch
war es Ehrenkranz jetzt, als vernehme
er ein wiederholtes Knallen, wie von
Gewehrfchüssen. Das Blut drohte in
seinen Adern zu gerinnen. Wenn durch
Zufall oder Verrath Franzens Unterneh
men den Douaniers kund gkWorden, wenn
die Kühnen in flagranti von den Voll
streckern französischer Gewalijustiz ergrif
fen wurden? Nur zu wohl kannte Eh
renkranz diese Justiz, nur zu wohl den,
der eine Freude daran finden mußte, sie
an dem Sohne seines Oheims zu voll
ziehen; denn im Falle der Entdeckung
konnte Franzens Herkunft nicht orbor
gen bleiben. An sich selber, dem schwere
Geldbuße, vielleicht sogar der Kerker
drohte, dachte er keinen Augenblick.
Er sprang auf und trat an's Fenster:
alles dunkel, so weit sein Auge zu rei
chen vermochte. Doch nein, jetzt blitzte
es am Wege auf; in raschem Laufe kam
ein Bauer auf das Wirthshaus zu, eine
Laterne in der Hand. Nun pochte er an
Thomas Ehren kränz wußte, es war
eines Unheilsbo!eii Pochen. Die fieber
hafte Wallung der Ungewißheit schwand
wie durch Zauberschlag,- die Bestätigung
gab ihm die kalte Ruhe wieder. In der
sichern Erwartung, daß ihm sofort Mit
theilung gemacht werde, hielt er es für
gerathen, den Rock abzuwerfen und, die
Wolldecke bis an das Kinn ziehend, sich
auf das Bett zu legen.
Mit verhaltenem Alhem lauschte er,
unten wurde geöffnet, eine Männerstim
me kündete etwas, das er nicht verstand.
Nun klang es durch einander, nun kam
es leise die knarrenden Stiegen empor,
pochte mit leiser Hand. Man wollte
den alten Herrn nicht erschrecken, wenn
man ihm auch ein Ereigniß nicht vor
enthalten durfte, das ihn gewiß interef
siren mußte, und das er selber schon
am besten wußte.
Auch um AltmarikenS Käthe sauste der
Wind und pochte an die geschlossenen La
den. Hinter ihnen schimmerte daS matte
Licht einer kleinen Lampe, von der die
überaus einfache Ausstattung des sauber
gehaltenen Zimmers mit dem sandbestreu
ten Estrich und weiß getünchten Wänden
beleuchtet ward.
Weder Großmutter noch Enkel waren
zur Ruhe gegangen. Früher als Altma
riken war Friede heimgekehrt, und die
Späterkommende hatte ihr Ausbleiben
durch einen Ruf zu einer plötzlich er
krankten Frau entschuldigt. Nun saßen
sie zusammen auf der Holzbank neben
dem Kachelofen, dessen Oessnung freilich
noch kein trauliches Feuer erhellte. Friede
wollte so lange als möglich mit der alten
Frau zusammen sein, die schon am fol
genden Morgen das Kind ihrer Tochter
missen sollte, vielleicht auf immer. Er
hatte alles vermieden, was die Großmut
ter traurig stimmen konnte, und nur von
der Hochzeit mit ihr peplaudert. Ihm ent
ging sittlich nicht, daß sie, je mehr die
Stunden vorrückten, seinen Worten nur
ein halbes Ohr lieh, und. eine sichtliche
Unruhe sich ihrer bemächtigte. Allein
er schrieb es einer erklärlichen Aufregung
zu; war's ihm doch selber so trüb und j
schwer zu Muthe, wie me zuvor.
Nun saßen sie schon geraume Zeit
schweigend neben einander, Jeder seinen
Gedanken hingegeben. Ein Mal, kurz
nach dem Schlage der Mitternachts
stunde, war Altmariken aufgefahren
und an's Fenster geeilt. Aber bei
Fcitde's Vernu dnung war sie, flchtlih
bleich und erregt, ohne weitere Erklä-
rung an ihres Enkels Csette zurückge-
kehrt. Dem Unbefangenen war das
schwache Geräusch der Schüsse entgangen,
das jedoch zn dem Ohr des vorbereiteten
Hamburger Handesherrn gedrungen
war.
Nun erhob sich Altmariken. Wir
wollen schlafen gehen, Friede," sagte sie.
Ungewöhnlich mild und weich klang ihr
sonst so scharfer Ton. Es ist wohl daS
letzte Mal, daß wir uns Gute Nacht"
sagen, .wenn du nicht noch in letzter
Stünde deine Sinn geändert wag?"
ES schien, cIS hege sie Furcht vor ei
ner Bejahung dieser Frage, die ihre
dunkele That nutzlos gemacht hätte ; denn
in demselben Augenblicke redete sie wei
ter: Ich habe dein Bündel bereits ge
schnürt; em Nothpfennig liegt in den
untersten Wollenstrümpfen. Brauchst
du Geld, schreA' schreib' immer. ' Ich
thue ja, aS j ich kann, für dich rneiy
Friede hab' ja Keinen foaft auf der
Welt, als mein Enkelkind. Wernnll mir
verdenken, daß ich'S nicht wissen will?
Um dieser Anna willen alleS7 alles!"
Nein, Großmutter " faste Friede ernst.
auch wenn Anna mich zum Herzlieb ften
vtii t . n. . . .
gewayrr uno nur oie reue versprochen,
hätte eS doch so nicht' bleiben können.
Ich bin zu jung und gesund, hier auf
er Bärenhaut zu liegen... Hinaus
muß ich; ich möchte etwas thun, der
Welt, oder sei eS nur Einem, durch mich
zu nützen, und müßte ich darüber ster
bcn. Ich fühl'S, sonst wäre ich oerkom
men. Darm, liebe Großmutter, schllt
die Anna nicht, noch Harme nicht.
llnd...."
Heftig pochte eS draußen an die ge
schloss nun Laden.
Macht auf' ' um HiurmelSwillen.
macht auf!.... Mutter Altmariken,
Friede!.... Ein Unglück, ein furchtba
res unglucr m geschehen.'
Anna ! " rief Friede außer sich. All
mächtiger Vott, es ist unal" !
Er Mrzte hinaus, zu öffnen wäh,
rend die G:oßmutter sich in den hartae
poljkerten sorgenttuht mederlietz. Sie
hatte ihn so zeschobe, daß sie. völlig
aus dem Bereiche des Lichtkreises saß,
und man ihr 'Gesicht nur in 'schwachen
Umrissen zu erkennen vermochte.
. Auf flog die Thüre. " Anna Werner,
gefolgt von dem entfetzten Friede, der
blaß wie eme Leiche aussah, stürzte in's
Zimmer. Ihr Haar hing aufgelöst
über ihre Schultern, der lange,
dunkele Mantel, der sie eivge
hüllt haben mochte, schleppte am
Boden nach, und fegte welkes Laub
und Reisig über die Schwelle. Kein
Blutstropfen war in ihrem Antlitz ficht
bar; wohl aber perlten Tropfen die
Wangen herab.
Sie wollte zu der alte Frau stürzen;
aber auf halbem Wege brach sie zusam
men, von der furchtbare Aufregung
überwältigt. Flehend hob sie die Hände
empor: Helft, rettet, rathet!"
Friede hatte sich niedergebeugt und
unterstützte sie; ihr Haupt ruhte a sei
ner Schulter, wie das Haupt eines
schwachen Kindes sich an den Schützer
schmiegt.
Gemach, gemach!" sagte die Alte,
deren ' Stimme keine Spur der vorigen
Weichheit verrieth. fD Anna Werner
war von Kind an eme erregte Person,
der jede Kleinigkeit in'S Blut schoß.
Laß doch erst hören, was sie herführt
bei nachtschlafender Zeit."
Großmutter!" Friede sagte eS im
Tone des Vorwurfes und, dann zu Anna
gewandt, sanft: Sprich, liebe, liebe
Anna. was ist geschehe? Was kann
dir helfen? Verrnag's mein Leben? Ich
geb's dir gern."
Mit wirrem Blicke starrte ihn Anna
an; sie schien ihn kaum zu verstehen.
Em Leben," flüsterte sie, ja, sein
reden ist in Sefahr. Wie haben ihn ge
fangen, sie werden ihn erschießen; ich
yorre es la. j, meine Ahnung, meine
Ahnung, die mich im Schutze der Nacht
hlnausttted ! . . . . Wissen mußte ich, ob
alles glücklich zu Ende. Am Außendeich
wohl verborgen, stand ich und lauschte.
Ahnungslos kamen sie mit der ersten
Ladung an's Ufee, glücklich trotz Sturm
und Wellenschlag hatten sie das Boot an
den strand gebracht. Da blitzte es
auf, laut schrie ich ihnen meine War
nung zu, ungehört verhallte meine
llmme. Vie irurzren oervor, wer
mag sagen, woher sie kamen, welch.
elender verrath ihnen den Psav gewie
sen! isle überfielen dre Genossen..
Schüsse krachten .... ich sah ihn ringen,
wie em Löwe wehrte er sich.... aber ih
rer waren zu viele.... sie banden seme
Hände, sie schleppten ihn weg .... ver
wundet oder todt sank Nielsen zu Bo-
den .... ich floh .... Wie ich bis hierher
kam, weig ich nicht. Ihr müßt ihn ret
ten. .. .ihr müßt!"
Friede wollte reden, aber Altmariken
käme ihrem Enkel zuvor. Ich ver-
inuroe, es oanoelr Nch hier um eine
Schmuggelgeschichte. Je nun, die Sache
ist schlimm und thut mir m der Seele
weh; aber Jeder hat sein' Päckchen
Schmerz zu ttagen. Du konntest ruhig
setzen, daß der Frrede geht, deinetwillen
geht ; denn so dumm bist du nicht, das
nicht zu fühlen. .Wie kannst du ver-
langen, daß, selbst stände es m ihrer
Macht, Altmariken deines Buhlen hal
ber. . . .
Meines Buhlen?" Wie elektristrt.
von glühender Rothe das Antlitz über
flammt, richtete Anna sich empor,
Nehmt das Wort zurück. . . . Ihr spracht
von meinem angetrauten Manne, vom
Vater meines Sohnes ! "
In den Ausruf deS Erstaunens der
aufspringenden Alten mischte sich der
schmerzliche Aufschrei des Enkels. Wie,
der Schisserfranz?"
Ihr müßt es doch wissen, Emen
muß ich haben, dem ich mein Herz aus
schütte. Finde ich's nicht bei euch,
muß ich sterben .... Allein trag'
ich's nicht und zu seinem Vater, .
so kalt, so hart!"
Wie ein Bruder die gebeugte Schwe
ster zog Friede die Verzweifelnde an. sich
heran.
Anna, willst Du mir vertrauen?"
fragte ersanft. Du darfst es. ... du
fühlst es."
Aber wir müssen alles wissen." rief
die Alte. Eher kann ich nichts rathen.
zu nichts meine Hand bieten. Also der
chrffersranz....
..Franz Ehrenkranz, der Sohn und
Erde des Handelsherrn Thomas Ehren,
kränz in Hamburg," unterbrach sie
Anna. Seit heute weilt fein Vater in
Scharnrode."
Ich habe nie daran gezweifelt."
sagte Friede leise. Und der alte Herr
weiß nichts von euerm Verhältniß?"
Er durfte nicht eher. Daß ich Fran,
zens Weib bin, weiß nur der alte Niel
fen -und die Schwester des Pastors Holm,
der uns getraut, und bei der unser
Knabe sich in auter Pflege befindet. In
der Frühe wollte ich unser Kind hole.
mlt ihm mich dem strengen Manne zu
Füßen werfen und seinen Segen erflehen
. Ich habe der guten Frau schou ge
schrieben, Georg bereit zu halten, und
nun, nun...."
(Fortsetzung Lolgt.)
Die Schlachte der NUe.
Einer- jeden Schlacht ginge gewisse
Ceremonie' und Vorbereitungen voran,
man fragte die Götter durch die Wahr
sager um Rath, brachte Opfer, hielt An
reden en die Soldaten u. s. w. Die
Signale des Krieges waren das Blase?
deS KriegslärmS und die Entfaltung der
Purpurfahne. Dabei sang man Kriegs
lieber und erhob das Kriegsgeschrei.
Eine römische Legion bestand aus drei
Linien. Die Front bildeten die Lanzen
ttäger, hinter ihnen waren die Haupt
truppen aufgestellt, welche sarmntllch auS
alten erfahrenen Krieger bestanden;
die dritte Linie bildeten die Schwerbe
waffneten, welche lange Schilde trugen.
Die erste Linie war eng geschlossen, die
zweite war schon etwas ssener, die dritte
jedoch weitläufig. 'Konnten nun die
Lanzenträqer dem Angriff bei FeindeS
keinen Widerstand leiste, so traten sie
in die Hmterreihen der alten Krieger;
vu wurde in Verbindung mit Letzteren
ei neuer Angriff versucht. Scheiterte
auch dieser so schlössen sich beide vereinte
Glieder aa die Schwerbewaffneten und
SWMTCBaesarfSä
versuchten tetf- letzten -r.-isf; nuv':;
auch dieser zurückxeslsgcn, so cul f.i
die Schlacht verloren, 'Z'uveivc.i
KrugZgrundsätze kennen em sclch:z ili--reihen
einer Compagnie in die arlcxt
nicht; die Alten konnten sich jedoch ?cine
andere Art, auf eine vortheilhast TZeise
Krieg zu f üb ren, denken. Die Römer
führten nrit einer bewunderungsw 'sd izen
Gewandtheit Manörer dieser A:t aus.
In den späteren Zeiten wurde den drei
Schlachtordnungen . eine neue Gattung
Krieger zugefügt.- eS waren die Pfeil
schützen und die Schleuderer, welche ent
wedeV das Vortressen der beide Flügel
bildeten. Sie begannen, gleich unseren
TirailleurS, die Schlacht und scharmützel
ten . ohne - eure scheinbar regelmäßige
Taktik mit den Aorderreihen des Fein
deS. .
Wurden sie, . was gewöhnlich der
Fall war, zurückgeschlagen, so theilten
sie sich und gellten sich an den untersten
Enden des ArmeeflügelS auf, eder sie
bildeten im Hintertreffen die Nachhut.
Sobald sie sich zurückgezogen hatten,
machten die LanzentrSger einen wüthen
den Anfall. Die Cavallerie war an
beiden Seiten der Armee aufgestellt und
hatte die Aufgabe, den ' in Verwirrung
gerathenen Feind zu umringen ; sie stie
ge, wen eS Noth gebot, foga,' von
ihren Pferden und fochten als leicht be
waffnete Fußtruppen. Die HülfStrup
pen dienten bei den Römern zur Deckung
der Hauptarmee. Andere minder üb
liche'Schlachtordnuogen waren der Keil,
der mit der Spitze, an welcher ein küh
ner und unerschrockener Krieger stehen
mußte, in das Dickicht des FeindeS ein
drang; war dieser Angriff gelungen und
wankte der Keil nicht, so brach er durch,
und der Feind deS Römers war aeschla
ge; noch andere Formen der Schlacht
ordnuna waren der Globus oder die
runde Form; die tsr5ex oder Scheeren
form ; der turns der das längere Vier-
eck; die 5er der SZgenforur. In
der Taktik standen die Griechen weit un
ter den Römern, indem sie die ganze
Armee ausdehnten und den Siez oder
Verlust von dem Erfolge eines Angriffs
abhängig machten. Für den Casallerie
kämpf hatten sie 3 Forme von Schlacht
orduungen. daS Viereck, den Keil
und den Rhombus der das verschobene
Viereck; Letztere wurden zum Angriff,
Erstere zur Vntheidiauna angewendet.
Den Keil wendete man an. wenn man
im Verhältniß zum Feinde mehr Hände
in Thätigkeit bringen wollte.
Die Römer hatten ihre bemrnmten
Tage, an welchen ihnen daS Gesetz einen
Angriff gestattete. ' Auch bei den Grie
chen waren Gesetze dieser Art eingeführt;
so durften die Athener erst am siebenten
Tage nach dem Neumond ihr Heer in
'Schlachtordnung aufstellen. . Lhkurg
hatte den Lacedamontern das Gesetz vor
geschrieben, vor dem Vollmonde keinen
Kampf zu beginnen. Bei den alten
Deutschen fand das Gegentheil statt;
während des abnehmenden Mondes
wurde keine Schlacht geliefert, und sie
hielten eS für eine Beleidigung der
Götter, auch in der dringendste Noth
von dieser Sitte abzuweichen, und Julius
Cäsar erzählt, daß er einen über die
Deutschen erfochtenen Sieg nur ihrer
Abweichung von der religiösen Sitte zu
zuschreiben habe, welche Muthlosigkeit
und Bangigkeit vor dem Zorne der
Götter in ihrem Gefolge gehabt habe.
Auch die Juden hatten ihre geheiligten
Tage, an denen sie keine Schlacht liefer
ten. Jerusalem wurde am Sabbath ge
nommen. Die Juden vertheidigten sich
zwar, jedoch mit dem entmuthigenden
Gedanken, die Rache Jehovah'S nach sich
zu ziehen. Kein Volk aber nahm von
diesen geheiligten Tagen so wenig Notiz,
als die Römer.
indliche Einfalt.
Folgende heitere Episode finden wir
in mehreren BlStterii aus Kreuznach er
zählt. Will da der Gerichtsvollzieher
M. in der Wohnung eine ehrsamen
Bürgers eine Pfänduug ausführen, sin
det aber Niemand weiter als ein kleines
Bübchen, des Vaters Söhnlein, zu
Haufe, welches aus die Frage des erste
ren pfiffig und mit bedeutsamer Miene
zur Antwort .giebt: Papa ist verreist!"
Wie lange bleibt er denn fort?"
Bedenkliche Frage! Doch schnell gefaßt
und kurz entschlossen örtnet das Bübchen
die Thüre eines Kleiderschrankes und
ruft im Tone reinster Unschuld in den
selben hinein: Papa, wann kommst Du
dann wieder?" Wie eS aus dem Klei-'
verschränk herausgeschallt, haben wir
nicht erfahren. Aber daß wissen wir,
daß Papa urplötzlich zum Erstaunen es
Beamten von der Reise" zurückgekehrt
war und auf Erfordern des letzteren
schleunigst sein Koupee verließ. Die
Erekution nahm nun ihren Fortgang,
der Schrank erhielt ein gerichtliches Sie
gel und dürfte bis auf Weiteres zum
Reifen" nicht geeignet sein.
Visitenkarten.
Visitenkarten sind bequem
Und oft im Leben angenehm.
Wer danken will, schreibt darauf p.r..
Da heißt zu deutsch : ich danke sehr.
Willst ferner sagen Du ndieu.
So schreibst Du einfach p. p. c. -
Bringst einen Fremden Du in's Hang,
So drückst Du eS durch p. p. ans.
Thut Dir da Leid des Anderen eh.
Schreibst auf die Karte Du p. c.
Der Glückwunsch roaS er auch betrefj','
Er lautet einfach nur p f.
Und in der Kart' ein EselSohr
Bedeutet: .Ich sprach selber vor.
DWMuW
lni F" f U'
3 M1 !3
ILUv
UND
M
IN
EÜ-Y
Direkte Deutsche echnekldampfer.
Eider (Irnl Werr Saale
Elbe Fulda Aller Trave
Zweimal die Woche.
Von Bremen: Jeden Sonnabend und
Mittwoch. . ,
Von New Fork: Jeden Sonnabend und
Mltwoch. -
Reisezeit zwischen
Bremen und New Jork
. Nenn Tage. .
Ueber
1,5,0
Passagiere sind seit E itstehung der Vefell
fchaft in I8S7 sicder und gut aus den Dam
pfera be Norddeutschen Lloyd zwischen
Deutschland und Amerika befördert worden.
Die Schnelldampfer iti Norddeutschen
Lloyd vie mit ode LSeckS, vorzüa
iicher Venttlatton, und auZgezeilN'
neter Aerpfiesu so durch kurze
Reisedauer eine eomfr rtable und de
schleuntatesketseseleaeuyktk naq uno
von Deutschland. -
Wegen Prelle uns Wniooarlon ui Zkv
schendeck der Kajüte ende man sich n .
GeWQ8& F.,
No. S Bowlina Grn, Nen, Z)ok.
Theodor Wergne r,!lz?nt,
Hermana, Mi.
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Müll

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