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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, July 15, 1887, Image 2

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Dermanttcr SolKsblaU.
GebrüVer Gras, Herausgeber.
Die ommunisten-SolonieTo.
polodampo.
Tramiae Ersahlungn haben die
Dua m.n"zu oe' zeichnen, welche sich vir
locken ließen, sich der von ememSchwmd
ler. Namens O. S. Ow.nS, im ntcnra
nischen Staate Sioaloa gegründeten
Conimunisten - Eolonie anzuschließen.
Die meisten derselben sind über an
-Francisco zurückgekehrt, und erzählen
dort haarsträubende Geschichten von dem
Elend, das sie durchgemacht haben. Wir
lassen hier die Geschichte eines ManneS
Namens Grubks folgen, welcher vor gut
einem halten Iihre ein gute Heim in
Alleghann in Penvsyloanien verlauste,
und sich mit seiner Frau und seinen neun
indern einer Anzahl von anderen Dum
men anschloß, die sich durch OwenS und
seineAgenten hatten verlocken lassen, und
ter jetzt mit seiner Familie in San Iran
ciöco eingetroffen ist.
Herrn Grubbs' Erzählung ist fol-
gende: . . , 4i
Ehe ich Pennsulvanien verließ, hatte
iV1000 zu zahlen für 100 Aktien zu je
10, ferner hatte ich für jedeS Mitglied
meiner Familie $50 zum Ankauf von Le
k.n,it,,ln ,u entrichten. Mir wurde
aufaeaeben. m KansaS Cit? mit anderen
. ' . - ' r. a zi ..-V .
Kolonrlten zu'ammenzurrriieii,
yrt na mnrm unserer 35. O. &
OwenS, Präsident und Alleinherrscher
der Kolonie, stielt m ytirnon zu uno
k,i,it,te un neck Tovolobamvo. wo wir
am 6. Januar ankamen So wie wir
dort waren, wurden wir angewiesen, all
unser Geld und all unser Eigenthum dem
allgemeinen Fonds und Vorralh einzu
verleiben. Wir weigerten unS zuerst,
mußten aber schließlich der Gewalt
weichend nachgeben. AlleS Eigenthum
der Kolonisten soll nämlich gemeinsam
sein. Wer mit nichts dorthin geht, steht
auf gleichem Fuße mit dem. der ein Ver
mögen mitbringt. Tausende vonDcllarS
sind in die Koloniekasse eingezahlt wor
den, aber fast bis aus den letzten Dollar
von dem Präsidenten und den Direk
toren. d,e jeder ein Gehalt von $100
monatlich beziehen, in die Tasche gesteckt
worden. Die Hauptarbeit dieser Direk
toren scheint zu sein, den Kolonisten den
letzten Dollar abzupressen und dann nach
den Ver. Staaten rosiggefärbte Briefe
von der Schönheit und den großen, noch
unentwickelten Bodenschätzen , Topolo
bampo's xu schreiben. In KansaS Cito
hörte ich einen dieser Direktoren einen
Beitrag überTopolobamzo halten. Er
sagte, die Kolcnisten würden da frucht
barste Land finden ; Erdbeeren, AnanaS.
Wasserme'o7.tn und alle Arten der fein
fW Gemüse kämen drei Mal des Tages
auf den Tisch ; seien sie ermüdet von der
Nrb.it, so könnten sie sich im Schallen
der blühenden Magnclienbäame aus
,uhen ,c. Die Wahrheit ist, daß ich
während meines sechswöchenllichen Auf
enthaltS dort kein Obst irgend welcher
Art geschmeckt und nur einmal Gemüse
(alat) gehabt habe. Manogliabäume
giebt es keine im Umkreise von 150Mei
len von Topolobampo.
,Es ist mir ein wahres Wunder, wie
ich n.eine Rückkehr bewerkstelligt habe,
nachdem man uns alles Geld genommen
hatte. Ende Mai gingen 14 fort; zwei
Wochen später 31. und am 5. Juni te
serthten weitere zwanzig. Damals gab
es nicht, mebr zu essen, als gebrochene
Korn und Saljsisch. Es ist auf dem
größten Theile "der Kolonie unmöglich,
etwas u erzeuzen. da es kein Wasser wx
Bewässerung giebt. Ein drei Meilen
vomUfer gegrabener 3 Fuß tiefer Brun
nen enihtelt ebenso salziges Wasser wie
der Ozean. Der Gefundbtitezustond der
Kolonisten ist traurig. Mehrere sind am
TvphuS gestorben. Eine schreckliche,
gänzlich unbekannte Krankheit ist ausge
Krochen, deren Opfer nach einem heftigen
FleberanfaU, anschwellen und zuletzt der
sten u. s. w.
Diese Erzählung wird von den anderen
Zurückgekehrten, die erklären, daß sie
lieber gleich sterben, als ihre Familien
noch einmal das Elend durchmachen
sehen wollen, welches sie dort ausgekostet
haben, sast in allen Einzllnheiten be
stättgt. Natürlich wird Niemand den Unglück
lichendas Bedauern mit ihrem Mißgeschick
versagen, auch wenn sie dieses verdient
haben. Wer ein bereits erwo,beneSHeim
und eine sichere Existenz in den Ber.
Staaten verläßt, um einem unbekannten
Manne nach unbekannter Gegend in
einem notorisch schlecht regierten Lande zu
folgen, in der Erwartung, dort ein
Schlaraffenland zu finden, wo ihm der
Unterhalt sozusagen m den Mund hinein
wächst, der ist zu dumm für diese Welt,
und er kann sich nicht beklagen, wenn es
ihm schlecht geht.
Amerikanische Schinverhan
es Literatur.
Die Erzählungen vom Schinder
hanr.cS, vom Hundesattler und vom
bayerischen Hiesel nennt man in Deutsch
land Volksliteratur, und an der Be
Zeichnung muß 'waö Wahres sein, denn
alles mögliche Volk kauft diese Büchel
chen, und selbst bei den Deulsch-Ame-,
ikancrn finden sie noch viele Abnehmer;
iit doch ein deutscher Buchhändler in
New Zork (Gustav Nadde) durch den
Verlag dieser Schriften ein steinreicher
Mann geworden, und noch heute sagen
deutsche Sortiments Bachhändler, daß
riefe Artikel zu ihrem Stapel gehören.
Man hat bisher angenommen, daß
die DirnrNonels" das Seitenstück der
deulschmSchinderhanneS-Literatur seien ;
Dieses ist ein großer Irrthum. Diese
,Dime-3!ovelS werden hier zu Lande
rur von der halbreifen Jugend gelesen;
einen erwachsenen Mann, selbst wenn er
den ungebildeten Klassen angehört, trifft
man nur selten mit solchen Büchern.
Aber die gebildeten Kreise Amerika's
haben nichtsdestoweniger ihre Schin-derhanneö-Literatur;
nur in anderer
Form.
Man sehe sich z. B. einmal an, wie
anglo amerikanische Blätter das Lebens
bild des in Cincinnati verkrachten Bör
senspekulanten Harper ausgeschmückt
haden. Von ihnen wird dieser Börsen
Schinderhannes als das Muster eines
Mannes von Genie, Thatkraft und Un
ternehmungSgeist hingestellt. Harper
kam ihnen zufolge als armer junger
Mann in Er.tlnnati an und erwarb in
kurzer Zeit ein ungeheures Vermögen.
Aber schcn seine Reise nach Cincinnati
unrd als große Heldenthat geschildert.
Auf einem Dampfboote spielte der Jüng
!ing Poker und einer der Spieler ver
suchte ihn um seinen Gewinn zu bringen,
indem derselbe immer höher wettete.
Harper, oder Hoper, wie er damals noch
hieß, verstand keinen Spaß, er ergriff
einen schweren eisernen Leuchter und
schlug demBetressenden so über die Augen,
daß delselbe das Ausstehen vergaß, raffte
dann die Einsähe zusammen, sprang
über Bord und schwamm an'S Ufer.
Mit diesen Einsätzen begann er dann zu
spekullren und wurde so ein großer ame
rikanischer Held.
Diese Artikel in amerikanischen Blät
tern, welche Verbrecher zu Helden auf
putzen, sind die eigentliche Schinder-hanneS-Literatur
dieses Lande, die noch
weit mehr Schaden thun, als die Dirne
Nooel,. (v. Corr.)
Das neue Wehrgesetz Frank
reich.
n. ff rfit ttrtneil üb da sehr
weitschichtige Wehrgesetz zu bilden, wel
mm irr yr Bammtr beratben wird.
ist c am aerathensten, dasselbe mit dem
1 : . ? rir .1a L.C.I .
jetzigen, im 183 mureiBBucu vtuu
lichen Gesetze zu vergleichen.
ES treten jährlich in Frankreich 30.
000 bis 310.000 junge Leute ia das
wehrpflichtige Alter. Nachdem letzigen
r C: r . r.x. n . 1 Aft
iseieye wir o uun. , i Mt
000 werden wegen ihrer körperlichen Un
tauglichkeit vorweg ausgeschieden; 2)
30,000 erden wegen augenblicklicher
KLrperschwäche auf da folgende Jahr
zurückgestellt; 3) 110.000 werden durch
das Loos zur fünfjährigen Dienstzeit be
stimmt; 4) 25,000 andere bescheidet das
LooS zu blos einjähriger Dienstzeit; s)
45,000 sind als Familienstützen (ältester
Sohn einer Wittwe, Bruder eine unter
der Fahne Stehenden), im Frieden von
jedem Dienste frei, können aber im
Kriege eingezogen werden; 6) 15,000
werden, wegen geringer Gebrechen, vom
Dienste befreit, aber dem Hllfsheere.
dem Ersatz zugewiesen; 7) 30.000 junge
Leute sind bedingungsweise wehrfrei.
Darunter viele Waisen, Soldatenkinder,
welche vor dem zwanzigsten Jahre zu ei'
ner fünfjährigen Dienstzeit in' Heer ge
treten sind; 400 Einjährig-Freiwillige;
4000 zur Seewehr Eingeschriebene ; 600C
hist man Vthrer und Röattnae gewisser
bober Fachschulen; 1500 bis 1800 Se-
' ' Vl l. . m C CV C
minariften, künftige Prediger uno No-
hbnrr.
Diese letzte Klasse der Wehrbefreiten
in ff,nbar die am weniasten rahlrelche.
Sie kommt umsowenizer in Betracht,
als es überhaupt bis jetzt noch nicht mög
lich gewesen ist. alle Wehrfähigen feld
tüchtig auszubilden. Aber gerade die
Befreiung der Seminaristen ist bei dcn
Radikalen der Hauptgrund, um die jetzige
Wehrverfassung über den Haufen zu wer
fen, obwohl dieselbe von den 45 krieg
fahrendsten Fachmännern, z. B. Mac
Mahon, Eanrobert, Trochu, Saussier,
Chanen, Pallieres, u. s. w. geschaffen
und von allen Anderen gebilligt worden
ist. Der von Boulanger herrührende
Entwurf geht von dem Grundsatze un
bedingter Gleichheit deS Wehrdienstes
Aller auS.
Derselbe kennt nur zweierlei: I) 70,
000 junge Leute werden wegen körper
licher Untauglichkeit gänzlich vom Wehr
dienfle befreit, haben aber dafür, sofern
sie Vermögen besitzen, ein Wehrgeld zu
zahlen; 2) die 230,000 Wehrfähigen
müssen ohne Ausnahme" drei Jahre
dienen. Die Familienstützen sind inbe
griffen. In einzelnen Fällen kann der
älteste Sohn einer Wittwe einstweilen
befreit werden, wenn ein aus fünf Fa
millenvatern bestehendes Schiedsgericht
danach entscheidet.
Es bedarf kaum des Hinweises, daß
bei dem herrschenden Parteiwesen und
Gönnerthum hierbei dem Mißbrauche
Thür und Thor geöffnet wird. Wer sich
her Kunst eine Abgeordneten oder Hoch
gestellten erfreut, würde jedesmal Mal
befreit werden, selbst oyne Weyrgelv
und ohne ältester Sohn einer Wittwe zu
sein. Ander würde sich die gleichmäßige
dreijährige Dienstzeit .ohne Ausnahme"
kaum gestalten.
Das neue Wehrges'tz würde, da zwölf
Jahrgänge und darüber eingezogen wer
den können, ein KriegSheer von 2j Mil
lionen Mann ergeben.
ine Morvhöhle in Tenneffee.
Im Eountv Putnam im mittleren
Tennessee befand sich vor dem Krieg 75
Jahre lang drei Meilen von EookSville
ein Weg, der von LouiSoille durch Ten
nessee hinab nach Georgia und SüdiEa
rolina führte. Er war unter dem Na
men Kentucky Stock Road (Viehstraße)
bekannt und war zu der Zeit die Haupt
straße für Viehhändler zwischen den bei
den Landestheilen. Pflanzer, Sklaven
Händler und Viehhändler trieben ihre
Neger, Maulesel, ihr Rindvieh u. s. w.
über jene Straße nach den südlichen
Märkten und kehrten mit der Kaufsum
me auf derselben zurück. Häufig ver
schwanden Händler und kamen nie wie
der zum Vorschein. Die Straße führte
durch zerklüftete, dünn besiedelte Berg
gegenden ; die Einkehrplätze oder Wohn
Häuser, in denen Reisende Obdach finden
konnten, lagen häufig 30 bis 40 Meilen
von einander entfernt und gehörten, wie
die jetzt gemachten Entdeckungen außer
Zweifel stellt haben, Räubern und
Mördern der schlimmsten Art.
Vor ungefähr 30 Jahren fand ein
Mann, der jetzt ein Bürger von Cooks
ville ist, ein Gerippe an dem Eingang
einer Höhle, doch erst jetzt ist diese Höhle
unter der Leitung des Hrn. Fred. Kincaid
untersucht worden. An der Hinterseite
eines BergeS, ungefähr eine halbe Meile
von einem der ermähnten Einkehr
plätze, fand man den Eingang zur
Höhle. Zuerst kam man, als man 35
Fuß abwärt gegangen war, an eine
einem Brunnen ähnliche Höhlung, von
wo die Höhle sich in mehreren Abtheilun
gen unter dem Berge hinzieht. Auf dem
Boden jener Höhlung fand man mensch
liche Gebeine und beim Nachgraben in
allerlei Schutt nicht weniger als sechSzig
Gerippe von Männern, die ermordet und
in jene Höhlung geworfen worden waren.
Man fand mehrere Schädel mit Kugel
löchern, andere mit einer Art eingefchla,
gen. Alle Bürger, die jetzt in jener
Gegend wohnen, sagen, daß die Inhaber
der Einkehrplätze die Spuren der mit
Vieh vorbeikommenden Händler verfolg
ten, die dann bei der Rückkehr verfchwan
den. Die Räuber waren so frech, daß sie
sich in den Kleidungsstücken, mit den
Sätteln und dem Pferdegeschirr ihrer
Opfer zeigten. Sie suchten ihre Opfer
betrunken zumachen, und wenn diese von
dem Whisky betäubt waren, wurden sie
getödtet und in die Höhlung geworfen.
Nicht weit davon, neben der Straße,
steht noch ein Haus, in welchem die
Wände des Zimmers mit Blut bespritzt
sind. Oben in den Bergen, ungefähr
20 Meilen weiter, befand sich ein, wo
möglich noch schlimmerer Elnkehrxlatz.
Dort befindet sich ine andere Höhle, die
bei einer Untersuchung ähnliche Funde
wie in der erst erwähnten Höhle an den
Tag bringen wird.
Diese Entdeckung hat eine furcht
bare Aufregung hervorgerufen, da viele
Abkömmlinge jener Räuber und Mör
derbande noch am Leben und im ganzen
Countu Putnam zerstreut sind.
(Louiso. Anzeiger.)
Gouverneur Nok von Texas
hat eine Proklamation erlassen, in
welcher er folgende Belohnungen aus
fetzt:
Erstens, für die Verhaftung und
Ueberführung eines jeden und aller
Personen, welche nach dem Tage deS Er
lasst s dieser Proklamation sich an einem
Eisenbahnraube betbeiligen sollten,
$1000.
Zweitens, für die Verhaftung und
Ueberführung einer jeden Person, welche
sich an einem Mob zur Ermordung einer
Person betheiligt, $5000.
Drittens, für die Verhaftung und
Ueberführung einer jeden Person, welche
sich nach dieslm Datum an einer Ver)
schworung zur Beraubung eineS Eisen
bahnzuye der zur Ermordung irgend
einer Person durch Mobgewalt belheili
gen sollte, $250.
Und ich beauftrage hiermit die She
riffs und anderen öffentlichen Sicher
hefc Strich ter des Staate wachsam bei I
der Aufrechterhaltung de Gesee zu
sein und zu veranlagen, oag Utt Pro
Ttamatian an bervorraaenden Vlätzen
Ihrer Countie angeheftet werde, so daß
die uebertretung der Gesetze ourq aue
guten Bürger mit Entrüstung verdammt
und den Beamten die Unterstützung der
letzteren bet der untervrucruvg vreier
Gesetzlosigkeit gesichert werden möge.
Sobald ein Eisevbahnraub gemeldet
ist, sollten die Sheriff der benachbarten
Eouotie sofort Parteien absenden, um
den flüchtigen Verbrecher den Weg zu
verlegen und sie zu verhaften.
.Auch soll kein Sheriff Geächteten,
gegen die bekanntermaßen eke Anklage
vorliegt, den Aufenthalt im Countu ge
statten. Sollte aber da gesetzliebende
Element de Countu unfähig oder nicht
willen sein zu seiner Unterstützung ein
zutreten, so mag der Sheriff i vollem
Vertrauen bei der Executive um solchen
Beistand nachsuchen, al dieser zur Ver
sügung steh!.1
Eine wichtige Erfindung.
Vor Kurzem machte der Ingenieur
Franz Hofer in Wien im Donaukaval
einen gelungenen Versuch mit dem Mo
dell eines Apparate, welcher durch den
Druck de fließenden Wasser stromauf
wärt getrieben wird. Diese zuerst vom
Ingenieur Wilhelm Wernigh in Berlin
gefaßte und veröffentlichte Idee hat im
ersten Augenblick etwa Unglaubliche,
eil sie fast an Münchhausen erinnert.
der sich bei den eigenen Haaren au dem
Sumpfe zieht. Allein wenn man daran
denkt, daß durch den hndraulischen
Widder Wasser weit höher getrieben
werden kann, al da Niveau de trei
benden Wasser, so wird man doch ge-
neigt, der Sache auf den Grund zu
gehen. Der Apparat besteht au einem
Gestell, auf welchem ew sehr breites
unterschlächtige Wasserrad sich befindet.
Diese ist derart angelegt, daß e,
mitten in das Strombett gebracht, durch
fließendes Wasser Ueberkraft erhält,
welche stärker ist al der Druck des
fließenden Wassers auf das Gestell. Um
diese Wirkung an dem Modell zum Au
genschein zu bringen, hatte Herr Hofer
mit zwei im Winkel angebrachten Rollen
einen am Ufer festgehaltenen Bindfaden
angebracht, welcher von einer durch das
Wasserrad bewegten Walze aufgewickelt
wurde. E mutz dabei ausdrücklich be
merkt werden, daß der Apparat nicht
von dem Bindfaden festgehalten oder gar
gezogen wurde. Ein Mann hielt ihn
nur fest und ließ nach, wenn da Modell
am Ufer abwärt getrieben wurde, bis
der Strom das Rad erfaßte und in Be
wegung setzte. Dann aber ging der
Apparat stromaufwärts, den Bindfaden
aufwickelnd. Das Experiment war also
vollkommen gelungen und zeigte ein
bisher technisch noch nicht ausgebeutetes
Prinzip. Es fragt sich nun, wie weit
eS in der Prari angewendet werden
kann. Herr Wernigh hatte vorgeschla
gen, daß ein solcher Apparat bei der
Tauschifffahrt am Tau oder an der Kette
zum Zubergeschleppen von Lastkähnen
dienen sollte. Herr Hofer giebt sich der
Hoffnung hin, eine Konstruktion zu sin
den, wodurch die Schifffahrt für ge
schleppte Schiffe auch ohne Kette möglich
gemacht würde.
ßlne tragische kAeschichte.
Vor einigen Jahren machte sich aus
der Bühne des Carolatheaterö in Leipzig
ein auffallend schöne Mädchen eben
durch seine Schönheit bemerkbar. Es
war eine junge Kunstnovize, die ihre
Künstlerlausba'hn im Chor jener Bühne
begann, die damals den Ruf hatte, die
hübschesten Choristinnen zu besitzen. Ja,
es gab Leute, die das als den Hauptoor
zug jener Bühne betrachteten, und wenn
man da in der Hauptsache aus Stuben
ten und jungen und alten Lebemännern
bestehende Publikum des Theaters sah,
konnte man auch ganr gut glauben, daß
dort weniger die Kunst, als die hübschen
Choristinnen der Hauptanziehungspunkt
waren, deren schönste aber Fräulein Th.
war, dieselbe, von der wir oben sprechen.
Sie wohnte in einem bescheidenen Logis,
bei ihrer Mutter, einer Beamtenwittwe,
die ihr eine gute, bürgerliche Erziehung
gab. Schon frühzeitig verrieth sie ein
beachtenswertheS musikalische Talent,
für dessen weitere Ausbildung es jedoch
der Mutter de Mädchen an den nöthi
gen Mitteln f,hlte. Gen Gedanken
aber, zur Bühne zu gehen, um ihre Ta-
lente dort zu verwerthen, gab die Tochter
nicht auf, bis sie durch ihr fortgesetztes
Drängen schließlich doch die Erlaubniß
erhielt, im Carolatheater al Elevin ein
zutreten. Zu den damaligen, fast tägli
chen Gästen dieses Theater gehörte auch
ein junger, sehr reicher Grieche, der sich
studirenshalber in Leipzig aushielt. Auch
sein häufiger Besuch galt weniger den
Leistungen des Theaters, als den schönen
Choristinnen und speziell war e Fräu
lein Th., die ihn mit aller Macht der
Leidenschaft fesselte. Seinen vielfachen
Bemühungen gelang es auch, sich dem
schönen Mädchen zu nähern, und manche
Stunden, mährend welcher die Mutter
ihr Kind in der Probe wähnte, verbrach
ten die Beiden in dortigen CafeS und
Restaurants. Vor der Mutter ward das
inzwischen immer intler gewordene Ver
hältniß ganz geheim geholte und man
kann sich deshalb ihren Schreck denken,
als sie eine Nachmittag erfuhr, daß die
Tochter mit ihrem .Geliebten- über's
Meer gegangen sei, wie sie in einemSchrei
ben von Hambung aus mittheilte. Da
Personal de Carolatheaterö war zu
einem mehrtägigen Gastspiel verreist und
diese Gelegenheit hatte da Paar zur
Flucht benutzt. Außer jenem Briefe
hatte die schwergeprüfte Mutter kein
Lebenszeichen mehr von ihrem Kinde er
halten und die drei Jahre, die inzwischen
vergangen sind, haben hingereicht, der
knmmervollen Frau da Haar zu blei
chen, der Schmerz und der Gram hatte
sie völlig gebeugt. Wohl hoffte sie in
manchen trüben Stunden, daß sie ihr
Kind wiedersehen erde und e gehörte
zu ihrem Troste, wenn sie träumen
konnte, daß e einst aus glänzender
Künstlerhöhe reuig zu ihren Füßen zu
rückkehren werde. Gern wollte sie dann
dem Kinde verzeihen. Dieser Tage nun
bekam die Frau von der deutschen Ge
sandtschaft in Washington ein Schreiben,
das ein Portrait enthielt, welches eine in
glänzender Toilette befindliche junge
Dame darstellte. Die Aufwartefrau
hatte den Brief abgegeben und nur e
nige Minuten später hörte sie einen lau
ten SchmerzenSschrel ; schnell stürzte sie
in da Zimmer, und dort lag auf dem
Fußboden langhingestreckt und vom
Schmerz da Gesicht entsetzlich entstellt,
die arme Frau, anscheinend in schwerer
Ohnmacht. E wurde nach einem Arzte
gesandt, aber al dieser erschien, fand er
nur noch eine Leiche. Am I. d. M. ist
sie der Erde übergeben worden. Der
Grabhügel deckt ein entschlafenes, von
Schmerz gebrochene Mutterherz. Wen
jene Porträt darstellt und a da große
Schreiben enthielt? Da Porträt stellte
die ehemalige schöne Kunstnovize de
Carolatheater dar, und da Schreiben
enthielt die Anfrage, ob die xorträtirte
Person, welche der Theilnahme bez. Mi'
issensqaft an einem Morde angeschul
dtgt ist. die Tochter der Adressatin sei.
Berlin, 7. Juli. In Zug ist da
Ufer de Zuger-See nachträglich noch
auf weiteren Strecken in denselben ver
funken.
Deutsche Leide in Oesterreich.
(Au der Danziger Zeitung.)
Neue Arbeit! Das war da Losung
wart, da während der P fingst feiertage,
al der deutsche Schulverern für Oefter
reich ia Wien tagte, ausgegeben wurde.
Die neue Arbeit thut auch dringend noth,
und nicht allein innerhalb der schwarz
gelben Grenzpfähle. Noch ist da deut
fche Stanunesbewußtsew auch im Deut
sehen Reiche nicht energisch genug, daß
es durch moralisch und materielle Hilfe
genügenden Widerstand gegen stet auf'
Neue drohende Verluste in Deutsch
Oesterreich böte, wenngleich sich in den
letzten Jahren Viele wesentlich gebessert
hat. Der Abiröckeluogkprozeß an den
Sprachgrenzen de Demschlhum und
fremder Nationen wird immer umfang
reicher, und im deutschen Schuloereia,
einer der edelsten Schöpfungen deutschen
Geiste, wäre ein Mittelpunkt der Zu
sanrmensassung aller nationalgesinnten
Kräfte geboten. Noch ist die nationale
Mitemsfinduna im Deutschen Reiche
nicht so sehr geweckt, daß sie die Verluste
der Deutschen in Oesterreich al Verluste
de treuesten Bruderstamme empfände,
deren man in großem Stil und mit gro
ßen Mitteln entgegentreten muß.
. Der deutsche Schulverein in Oester
reich äblt geaenwärtia ca. 120 Orts
gruppen mit 120,000 Mitgliedern, der
Bruderverete im Deutschen Reiche zählt
über 30.000 Mitalieder. Wie wenig
verhältnißmäßig noch immer gegen die
Größe der Arbert. die zu erfüllen t t!
Seit der Gründung de deutschen Schul
Vereins in Oesterreich bi zum 1. Mai
d. X sind ihm 1.462.218 Gulden zuge
flössen, anscheinend eine stattliche
Summe, doch erweift sie sich den wirk
lichen Bedürfnissen gegenüber, viel zu
gering. Hundert deutsche Anstalten in
Oesterreich wird der Verein bald sein
eigen nennen. Möge man duser natio
nalen und zugleich wichtigen Kulturauf
gäbe immer auf' Neue Aufmerksamkcit
zollen
ES sind keine hohlen Redensarten,
wenn man von den Verlusten in Deutsch
Oesterreich spricht. Ueberraschend schnell
wachsen fast von Monat zu Monat die
Verlustlisten. Eine ganze Reihe von
Ortschaften ist in der letzten Zeit wieder
als gefährdet oder verloren anzusehen.
In Böhmen droht im Westen der Verlust
von Sakarschen. Unter chwarzenoerg
schem Schutze aedeiht in Winterberg da
Tschechenthum ; im schwerdedrohten
Röscha wurde ein deutscher Tagelöhner
und Vater von 7 Kindern durcy vie e
nunziation deS slavischen OrtSvor
stebers turn Selbstmord getrieben.
Trostlos ist die Lage der Deutschen
in Schüttenhosen und dem nahen mocr,
wo ' die ärgsten Einschüchterungen
die Zahl der deutschen Schulkinder
von 280 aus 120 herabdruckten.
srn BLbmerwalde macht da Sla
wenthum um Klattau riesige Fort
schritte. Zahlreiche deutsche Orte sind
bedroht. In WeSka bei Vardubitz
mußte dem .deutschen Ortöschulrath
vom Landes schulrath bedeutet werden.
deutsch zu amtöhandeln. In und um
Trebnib bei Leitmmtz macht da
Tschechenthum große Fortschritte. Im
Norden ist Schrelbendors bei Ober
hohenelbe der Slawtrung auyelmge
fallen. Schreiende Mißstände sind au
der Köniainhofer Gegend zu melden.
Besonders beliebt sind anonyme Anzeigen
gegen Lehrer. In Neuschwadowitz bei
Nachro wurde unter deutschgeborenen
Bürgermeister der deutschen Schule ihr
Lokal entzogen. Die Geistlichkeit tritt
den deutschen Schulen großentheil
feindlich entgegen. In Deutfch-Biela
(Mähren) sprach der Pfarrer den
Deutschen das Recht ab, sich gute
Christen zu nennen. Jn Jablonitz wurde
daS Absingen deutscher Kirchenlieder, m
Königsberg (Schlesien) sogar das Sin,
gen der Volkshymne in deutscher
Sprache untersagt. Ja Kappel (steter
mark) veranstaltete der slovenische Pfar-
rer, al der Ortöschulrath die Errichtung
einer deutschen Klasse plante, eine neun
tägige Andacht vor dem AUerheiligsten,
um ihn von dieser Idee abzubringen,
und versicherte, der verstorbene Bischof
von Marburg rufe ihm täglich vom
Himmel zu: .Komm' zu mir. Du Slo
wene. Du aber, verfluchter Deutscher,
fahre in den Höllenpfuhll Sehr arg
liegen die Verhältnisse in Krain, wo
der Ansturm gegen die deutsche Sprach
insel de Herzogthum Gottschee beson
der heftig wüthet. Nicht ohne ernste
Gefährdung ist leider das Grenzgebiet
de bisher reindeutschen Kronlande
Niederösterreich gegen Böhmen zu. Ein
massenhafter und wohlorganistrter Zu
zug czechischer Feldarbeiter, Handwerker
und Beamten verändert zusehends den
Charakter mehrerer Grenzgebiete.
Aus dieser gedrängten Uebersicht mag
man ersehen, wie sehr neue und ange
strengte Arbeit auf allen Linien Noth
thut und wie auch die Reichsdeutschen
sich dieser Nothlage des DeutschthumS
in Oesterreich nicht mehr verschließen
können. Die Ehre wie das Interesse
am Bestände deS DeutschthumS in
Oesterreich verlangen Abhülfe, die am
besten im Anschluß an den .Allge
meinen deutschen Schulverein durch
Gründung von neuen Ortsgruppen im
Deutschen Reiche, oder, wo diese Ort
Gruppen bestehen, durch Verstärkung
ihrer Mitgliederzahl geschaffen werden
kann.
m m
Inländische achrichten.
Durch einen wüihenden Bullen
wurde ein hervorragender Farmer in
Buchanan Co. in Iowa, Namen Robert
Warkind, im Felde getödtet. Da Thier
stürzte sich ohne jede vorherige Drohung
auf sein Opfer und schlitzte demselben
mit den Hörnern den Bauch auf, wodurch
der sofortige Tod Warkind'S hervorgeru
fen wurde.
Etwa 4 Meilen südlich von Favette,
Mo., wurden kürzlich während eineS
Gewitters einem Farmer Namens Mac
Culloch 75 werthoolle Schafe und 3
Pferde durch den Blitz getödtet. Ein
Neger, welcher während de heftigen
Toben der Elemente in einer Scheune
Zuflucht gesucht hatte, wurde schwer ver
letzt. Farbige Landarbeiter haben in
Lauren, S. C., sich unter dem Namen
.Knighl of Labor organisirt, um ihren
Tagelohn auf b l pro Tag zu erhöhen, und
drohen mit Mord und Todtschlag, wenn
ihre Forderungen nicht gewährt werden.
Die weißen Farmer haben, um sich
gegen die Uebergrisse der Farbigen zu
schützen, eine Kavallerie-Compagnie ge
gründet.
Eine merkwürdige Naturerschei
nung wird au August in Georgia be
richtet. Dort fiel elm 16. und 17. Juni,
während der Himmel ganz klar war,
achtzehn Stunden lang Regen auf eine
vielleicht vier Quadratfuß große Stelle
nieder, während überall sonst eS trocken
blieb. Am Mittaa des 17. körte der
Regen auf, begann aber auf derselben
reue nacy Sonnenuntergang, ine
Erklärung für die Erschein bat sich
noch nicht gesunden.
In Missouri werden die Bewohner
von Trenton und Umaeaend seit etrttr
Woche von Schwärmen von .Cantbari-
den," einer Art spanischer Fliegen, be
laftigt. Dieselben zerstören nicht nur
sehr rasch die Vegetation, sondern peini
gen auch die Menschen in fast unerträg
licher Weise. Mindester eintausend
Menschen find von den giftigen Insekten
bereits flfttnöffl morden. TUlOll 0031 C9
Abend nicht mehr, Licht anzuzünden,
au Furcht, die Insekten davurq yerver
zu locken.
Die Obsternte ist in Kaufman
Counto, wie in den meisten Obftdistrik
ten von Teras, eine außerordenlua)
reiche. Noch vor 5 Jahren wurde in
icncm Distrikt kaum Obst genug ge
zogen, nm den Markt ia Terr:ll zu er
sorgen und jetzt wird demaye mit zevem
Bahvzuge eine bedeutende Masse von
Obst, da hier keinen Absatz findet, nach
anderen Plätzen versendet. Die Psiirsich
Ernte wird eine geradezu ungeheure sein,
und auch der Ertrag der Apfel-Ernte ein
größerer werden, al je zuvor.
In Kentucky droht ueue Blutver
gießen. DaS Countu Tanlor im süd
lichen Theil de Staat hat seiner Zeit
für 118,000 Bond der Cumberland &
Ohio-Bahn übernommen, und obgleich
die Bahn nie gebaut wurde, hat das
Bundesgericht entschieden, daß die Bond
bezahlt werden müssen, und Bunde
marsch all Groß ist dabei, die Summe
zu erheben. Die Leute in Taylor Countu
aber erklären, daß der Weg zu ihrem
Geldbeutel nur über ihre Leichen gehe.
Der Marschall seinerseits droht, Bun
deölruppen herbeizuholen, wenn nicht
gezahlt wird. Hoffentlich geht die Sache
friedlich ab.
Ja Cincinnati ist ein alter Deut
scher Namen Jacob Fischer durch die
vereinigte Dummheit einiger Nachbarn
und eine Polizisten um' Leben gekom
men. In Folge der großen Hitze war
er am Abend de 5. Juli aus da Dach
seine Kofthause in der Vlvestraße ge
klettert, um sich etwa abzukühlen.
Nachbarn sahen ihn, und machten einen
Polizisten auf ihn aufmerkslm, in dem
Glauben, er sei ein Einbrecher, und
Polizist Relstnger war auch dumm ge
nua. die als selbstverständlich avzuneh
men, und al Fischer auf seinen Zuruf
aufsprang und nach der Luke lies, schoß
er und zerschmetterte dem armen Alten
da Rückgrat.
Zu Hazlehurst in Appling Countu,
Ga., hat eine alte Dame eine Eyeschet
dunaSklage gegen ihren gleichfalls hoch
betagten Mann, den sie erst vor Kurzem
geheirathet hat, auf folgende gelungene
Gründe bin anhänaia gemacht. Sie er-
klärt, daß sie in Folge ihrer Kurzsichtig
seit vor der Heirath nie recht im Stande
gewesen sei. sein Aussehen sestzu teaen,
und sie höre jetzt, daß er eine Warze auf
der Nase und gar rothe Haare habe.
Zweitens schnarche er, und es sei ihr un
möglich, mit ihm zu schlafen, und Drit
tenS erweise er ihr nicht die Aufmerksam
keit, die einer guten Frau gebühre, und
habe sie seit der Trauung noch nicht ein
einziges Mal geküßt.
Bradstreet'S Journal veröffentlicht
Berechnungen de Werthes der innerhalb
der ersten fünf Monate d. I. neu errich
teten Gebäude in 35 Städten. Der Ge
sammtbetrag ist 103 Millionen, gegen
85 Millionen in der entsprechenden Zeit
des vorigen Jahres. Davon kommen
40 Millionen auf die Stadt New York
gegen 31 Millionen in der nämlichen
Periode von 1836. Wäre e nicht um
die ArbeiterWirren in einigen Städten
gewesen, so wäre die Zunahme eure weit
beträchtlichere. In derselben Zeit be
trugen die Umsätze in Grundeigenthum
451 Millionen sür 43 Städte, gegen
296 Millionen in denselben fünf Mona
ten von 1386. Wie ersichtlich, läßt der
Grundeigenthum .Boom nichts zu
wünschen übrig, wenigsten an umsang.
vielleicht aber an Solidität.
Allem Anschein nch ist Kaöpar
Strombach nicht der Mörder des unbe
kannten Mädchens in Nahwao in New
Jersey. DaS wenigstens ist die Ansicht
des Ches des Nem-Jerseuer Detektiv-
Vereins, Hrn. Keron, welcher nach
Salem in Illinois gekommen ist, um
Strombach'S Angaben zu hören. Er
findet, daß Strombach gar nichts von
der Gegend weiß, wo der Mord geschah,
und glaubt, daß der Mann die Nachbil
dung der Ermordeten in einem ,Dime
Museum gesehen, und sich in den Kopf
gesetzt hat, er sei der Mörder. Herr
Keron ist deshalb ohne Strombach nach
Hause gefahren, hat aber sein Bild mit
genommen, weil er glaubt, daß Strom
dach unter irgend einem anderen Namen
anderswo dieselbe Geschichte erzählen
wird.
Die Ansicht, daß die Ausführung
deS Gesetzes betr. die Bertheilung der
Indianer - LLvdereien, von der Zuftim
mung der verschiedenen Stämme ab
hängig sei, ist eine irrige. Der Senat
hatte allerdings eine Bestimmung in da
Gesetz aufaenommtn, wonach die Auf
Hebung einer Reservation nur dann ge
stattet sein sollte, wenn eine Mehrheit
der volljährigen männlichen Stammes
Mitglieder ihre Zustimmung dazu ge
geben hätte. Diese Bestimmung wurde
jedoch im Hause abgeändert, und dann
bei der Berathung im Konferenz-Komile
vollständig ausgestrichen. Und in der
Fassung, welche das Komite dem Gesetz
gegeben hat, ist eS dann von beiden
Häusern passirt morden. Die Regierung
in Washington braucht also nicht zu war
ten, bis eS den Herren Rothhäuten
belieben wird, ihre bisherige wilde
Lebensweise und ihren riesigen Landbesitz
aufzugeben, sondern kann ohne Säumen
jedem der Indianer seine Heimstätte von
160, resp. 80 Acre zuertheilen und
dann die übrig bleibenden Theile der
Reservationen der Anfledlung zugänglich
machen.
Mit der canadischen Route nach
Asien scheint e wirklich Ernst zu werden.
In New York sind bereit Reisende au
Yokohama, Japan, eingetroffen, welche
die ganze Strecke mittels der canadischen
Pvstdampfer und der canadische. Pacific
bahn in zwanzig Tagen zurückgelegt hat
ten. Rechnet man auf die Landreise nur
sechs Tage, so hätte als die Seereise
über den Großen Ozean blos vierzehn
Tage gedauert. Die amerikanischen Pa
cific-Dampfer nehmen sich bedeutend
mehr Zeit. Wahrscheinlich wird nun der
gefährliche Mitbewerb der canadischen
Linie den Herren von der Pacific Mail
einen neuen Vorwand bieten, Subfidlen
von der Bundesregierung zu verlangen.
Und e liegt durchaus im Bereiche der
Möglichkeit, daß ihr bescheidener Wunsch
auch erfüllt wird.
Auf der kürzlich zu Sweet Spring
abgehaltenen Versammlung von Lehrern
Missouri'S hat Karl Betz, der Leiter de
städtischen Turnwesen von KansaS Cito,
über baS Turnen in öffentlichen Schulen
gesprochen. Er befürwortete Einführung
der Freiübungen in allen öffentlichen
Schulen de Staate und hatte 50 Kna
ben und Mädchen au den öffentlichen
Schulen von KansaS Cit? und eine An
zahl Schülerinnen de dortigen deutschen
Turnvereins mitgebracht ; durch sie ließ
er Freiübungen, einen Bänder reizen
(Maibaumtanz), sowie Turnsviele vor
führen. Im Anschluß an diese Vorfüh
runaen setzte Vrok. W. E. Coleman au
Jeffnson Citn einen Preis von H25 für
diejenige Riege cm, die auf der nächst
jährigenLehrer-Zusammenkunftda Beste
ln gremvunZen leisten wird.
Im Lande der Cherokee im In
dianergebiet geht gegenwärtig ein sehr
bitterer und heftiger Wahlkampf vor sich.
Am ersten Montag im August findet dort
die Wahl eine Nachfolger für den
Oberhäuptling, für KreiSrichter und
Bezirksbeamte statt, und um erstere
Amt bewerben sich der von den Wllkln4.
Indianern und von dem liSheriaea
Oberhäuptling Bushohead unterstützte
Rabbit Lunch, und Joel V.Manei, der
frühere Oberrichter der Cherokee, ein
angesehener Advokat und Fortschritt
mann er vie Halvtndtaner- Neger und
die kommende. und gehende Bevölkerung
für sich hat. D letztere. Partei die stör
lere ist, erwartet man, daß Mane er
wählt wird, aber nach dem bisherigen
Verlauf der Wahlkampagne zu ur
thnlen, wird e am Wahltage und vor
her zu viel Unordnung und Blutvergießen
ro niinen.
Für Ansiedler auf Bundesland.
Ein Ansiedler auf Bundesland im öst
lichen Colorado richtete an da Ober
landamt ein Schreiben, worin er unter
Hinweisung darauf, daß Trockenheit dort
die Feldfrüchte vollständig zu vernichten
drohe, die .Weide dürr sei und seine
Nachbaren gezwungen seien Lebensmlttel
und Futter au weiter Ferne herbeizu
holen, die Anfrage stellte, ob sie durch
diese Abwesenheit ihrer ,EntrvRechte
beim Einkommen um ihre Besitzbriefe
nach Ablauf der gesetzlichen Frist ver
loren gingen. Worauf der Landcom
missär Spark erwiderte: Die Regie
rung werde gegen solche Ansiedler die
größtmögliche Nachficht übe. Doch
seien bei der Führung de Beweise da.
für, daß alle gesetzlichen Bedingungen
erfüllt wurden, die Gründe für solche
Abwesenheit anzugeben. Er ertheilt de
halb in diesem Falle den Ansiedlern. den
Rath, die Führung de Beweise nicht
eher anzutreten, al bi sie nach erfolg
ter Rückkehr auf ihr Anwesen, dem Ge
setze vollkommen Genüge geleistet haben.
Die erzwungene Abwesenheit aus klima
tischen Ursachen gefährde die Ansprüche
eines Ansiedler nicht, wenn dieselbe zu
der Zeit, da der Beweis erbracht werde,
nachgewiesen und eine Beweisführung
nicht eher versucht werde, al bi die ge
setzlich vorgeschriebene Aufenthaltszeit,
Verbesserung und Urbarmachung zur
Genüge dargethan erden könne.
Bei Waco, dem Hauptorte de
Countu McLennan im minleren TeraS.
fand kürzlich ein schrecklicher Kamps im
Wasser statt. Der SherissSbeamte Dan.
Ford und der Constabler Lee Jenkin
stöberten einen Neger-Sträftlng. Na
men Bill Davi, auch Jim Wilson ge
nannt, elcher vor Kurzem von einer
SträflingS-Farm entsprungen war, in
seinem Verstecke auf und versuchten, ihn
zu verhaften; er entkam aber und rannte
dem BrazoS'glusse zu, von den beiden
Beamten verfolgt. In dem Wettrennen
nach dem Flusse hin blieb der dicke Ehe
risssbeamte bald zurück, während der
weniger beleibte Constabler Jenkin dem
fliehenden Neger immer dicht auf den
Fersen war. Al der Neger nun in da
schmutzige BrazoSwasser hineinsprang,
setzte der Constabler ihm nach, und Beide
schwammen hintereinander her. Unge
fähr eine Ruthe weit vom Ufer entfernt,
überholte der Beamte den Flüchtling,
elcher von ungewöhnlicher Körperkraft
war, und nun begann ein Kampf, wie
man ihn wohl selten irgendwo gesehen
hat. Der Neger zog ein große Schläch
ter messer und rückte damit dem Conftab
ler zn Leibe; Beide sanken unter, der
eine mit dem Messer um sich hauend und
stechend, der andere seine Pistole ab
feuernd. Die am. Ufer stehenden Zu
schauer konnten die unter dem Wasser
abgefeuerten Schüsse natürlich nicht hö
ren. Nach einem kurzen Kampfe unter
dem Wasser kamen die Beiden wieder an
die Oberfläche und wurden an da Ufer
geschafft. Der Neger hatte außer ande
ren auch einen Schuß in die Eingeweide
erhalten und starb nach einer Stunde.
Jenkin hatte mehrere Schnittwunden
davongetragen, von denen aber keine le
bensgefährlich ist.
Der Münchhausen von Georgia
läßt wieder von sich hören und erzählt
in dortigen Zeitungen Folgende: Kürz
lich war der'Farmer Aderhold bet Dou
glaöville im nordwestlichenGeorgiaZeuge,
wie eine große Schlange ein ganze Nest
voll Wachteleier verschluckte. Die Eier
waren schon bebrütet und die kleinen
Wachteln wurden bald ausgeschlüpft sein.
Wenige Tage später traf Aderhold'S
Nachbar Butler die Schlange, wie sie
eine ganze Brüt junger Wachteln durch
da Feld führte. Die kleinen Vögelchen
waren offenbar durch die Wärme im
Bauche der Schlange ausgebrütet wor
den. Diese hatte sie von sich gegeben
und hielt sich nun für ihre Mutter. Die
Thierchen folgten ihr wie Kücken der
Henne, und die Schlangenmutter war
offenbar nicht wenig stolz auf ihre Brüt.
Einige Tage daraus erblickte der Farmer
McGrath, al er sein Haferfeld beflch
tigte, eine Schlange, die mrk hoch auf
gerichtetem Kopfe sich an den Hafer
ähren zu thun machte. Ihr sonderbare
Benehmen machte ihn aufmerksam. Man
sollte e kaum glauben, aber Farmer
McVrath, der bekanntlich niemals lügt,
hat e mit eigenen Augen gesehen, wie
die Schlange die Haferkörner aus den
Aehren herauSpickte und damit die hung
rige Schaar junger Wachteln, die ihr
folgten, fütterte.
Vermischte Nachrichten.
Im Tanzsaal geboren zu
sein, ist wohl nur wenigen Menschen be
schieden gewesen. ES ereignete sich dieser
seltene Fall nach dem .Pol. Tgbl. neu
lich auf der ForsterKtrmeS. E waren
Zwillinge, die daselbst bei Walzertönen
da Licht der Welt erblickten.
Bei der Weinversteigerung
der königlichen Domänen zu Kloster
Eberbach im Rheingau wurde u. A. sür
ein Halbstück der bis jetzt nch nirgend
erzielte Preis von 12,000 Mark erlöst.
Da macht den Schoppen Wein im Faß
gerechnet über 10 Mark; allerdings ist
Da auch Kabinetwein l
DieMode ist eine Tnrannin,
welche vollkommen absolut herrscht.
Unsere feinsten Damen schreiten jetzt mit
Strohhüten einher, welche eine Bauern
magd sich besinnen würde, zu tragen.
Je gröber da Geflecht, desto feiner.
Die Hüte sitzen in Folge dessen so schwer,
wie Helme auf dem elegant tristrten
Köpfen. (So schreibt man in Berlin.)
Au Australien mird von
einer großen Seltenheit auf dem Gebiet
de Bergbaues berichtet. Ein Berg
mann Namen MacJoor hat in ten
Bergwerken von Maldon in Victoria,
und zwar im Granit gestein schwarze
Gold gefunden, d. h. eine natürliche Le
girung von Gold und WiSmuth, da die
Erze 64 pCt. Gold und nahe an ?4
pCt. de letzteren Metall enthalten.
Vor Kurzem starb im Osten
Berlins ein unter dem Namen .Fravzo
fen Karl bekannter Leierkastenmann ;
er litt an Veitstanz, und diese Krank
hcit verschaffte ihm, indem er durch die
selbe da Mitleid der dortigen Arbeiter
bevölkerung hervorrief, ein Vermögen.
Denn al er starb, hinterließ er seinen
beiden Söhnen, von denen der eine ein
Kaufmann in Covstantwopel. der andere
Inspektor eine Gute ia Mecklenburg
ist, nicht weniger al 61,000 Mark.
Eine Fischeretflotteoon
der Küste der Bretagne ist auch in
diesem Frühjahre nach der Insel
Island hingesegelt, wurde aber
im isländische Meere von wil
den Stürmen empfangen. Die kleine
Jeanne, eine Fischerbarke, ging mit der
ganze Mannschaft, bestehend au zwei
nndzwanzig Fischer im Sturme unter.
Durch diese Katastrophe verloren da
heim in- einem Dorfe, fünfzehn Frauen
den Mann und zmeiundfünfziz Kinder
den Bater. In Part werden sür. die
Verwaisten Sammlungen veranftaktet.
Au Bologna ird gemel
det: .Ein furch:barer Orkan mit Ge
witter Rege suchte einen große Theil
Ober Italien heim und richtete schreck
liche Verwüstungen an. Auch ist der
Verlust zahlreicher Menschenleben zu be
klagen, darunter der einer au sechs Per
sonen bestehenden Famllie in einer
Mühle, welche von einem Gießbache
weggeschwemmt wurde. Der Schaden
an den Anpflanzungen wird auf zwei
Millionen Lire geschätzt.
Einige Japaner habe ach
der .'Japan-WeekluMail eine .Gesell
schast zur Förderung vsn Reisen in
Ausland' gegründet. Sie heißt .Yoko
Kaischa. Jede Mitglied zahlt nach
seiner Wahl 20, 10 oder 4 Yen (86.50,
43.30 der 51.65 Mark) tm Monat.
So JSalb genügend Geld angesammelt
ist, erden Lsose gezogen, und der Ge
inner eine Treffer ist berechtigt, auf
Kosten der Gesellschaft da Ausland zn
bereifen. Gehört er zu den 20 Yen
Einzahlern, so sän er zehn Jahre auf
Reisen zubringen, ln der zweiten Klasse
kann er die Reise aus . fünf Jahre au
dehnen, und in der dritte kann er eke
Reise nach Europa oder Amerika machen.
Au Brüssel ird geschrie
ben: Die Marquise von Areonati, Toch
ter de sranzöftschen Senator Penrat,
befindet sich seit Kurzem ia Belgien; sie
ist die Erbin be Befltzthum GaeSdeek.
Sie hat de belgischen Künstler Charles
Albert, der in Boitsort bei Brüssel sich
selbst ein flämische Hau mit hiftori
scher Treue errichtet hat, damit betraut,
ihr Schloß zu reftauriren. Nach Fertig
ftellung de Schlosse will die Mkiqu'se
dasselbe dem belgischen Staate zum Ge
schenke machen. In der Schenkung
Urkunde, die bereit aufgesetzt worden.
befindet sich folgende sonderbare Beftuv
mung: .Sollte jemals durch KriegSzu
fall oder andere Weife Belgien aufhören.
ein unabhäugiger Staat zu fein oder un
ter die Herrschaft Preußen fallen, so
soll die Schenkung al aufgehoben ange
sehen werden und da Befttzthum an die
Familie der Marquise wieder zurück
fallen.
Seit einigen Jahren ird
die Fabrikation von Rosenöl anscheinend
mit Erfolg in Deutschland verrieben
E wurden zu diesem Zwecke in Leipzig
vor drei Jahren in größerem Umfange
Anpflanzungen von Centisolien gemacht.
die, wie sich der Frühjahröbericht von
Schimmel & Co. in Leipzig äußert, sich
in der erfreulichsten Weife entwickeln.
Derjenige Theil davon, der sich durch
die Blüthe al echt erweist, wird zum
weiteren Anbau abgegeben. In fünf
bi sechs Jahre hoffe die Unternehmer
die Schwierigkeit der Beschaffung von
echtem Material überwunden zu haben
und es wird dan bereit ein beträchtli
che Resultat zu verzeichnen sein. In
den Balkandistrikten fürchten die In
teressenten de Rosenölhandels die ent
stehende deutsche Conkurrenz, und da
bulgarische Ministerium hat auf deren
Veranlassung ei Ausfuhrverbot für
Rosenpflanzen erlassen.
Nach den statistischen Daten,
welche die Polizei gesammelt hat, beträgt
die Zahl der sich in Petersburg aufhal
tenden Juden etwa 33.000. Der größte
Theil derselben soll sich mit HandelSge
schäften befassen, und außerdem soll der
Journalismus unter denselben 200 Ver
treter ausweisen, eine respektable Zahl,
wenn man die verhältnißmäßig kleine
Anzahl der Petersburger Blätter in Be
tracht zieht.
Ein seltsamer Rausch wurde
neulich in Wien beobachtet; sein Ju
haber war kein Geringerer, al Jolv,
der Elephant in der Ehldeck'schen Me
vagerie im Prater. E sollte ein Ab
schiedsfest von den Bediensteten der Me
nagerie gefeiert erden, die sich zu
diesem Zwecke ein Faß Bier angeschafft
hatten. Al sie da Faß anstechen woll
ten, entdeckten sie aber, daß Joln diese
Geschäft schon besorgt hatte. Er hatte
e nicht unterlassen können, da in seiner
Nähe liegende Faß in einem unbewachten
Momente emporzuziehen, einzudrücken
und dessen ganzen Inhalt neuvund
zwanzig Liter auSzutrinken. Bald
that der Gerstensaft seine Wirkung.
Joln rcurde übermüthig, machte tolle
Streiche und trommelte einige heitere
Elephantenlieder au seiner Heimath.
Dann wurde er ruhig, legte sich nieder
und war nicht mehr zu bewegen, bei der
folgenden Vorstellung mitzuwirken. Am
anderen Tage ar Jolj wieder ver,
nüoftig und so klug, wie ale Elephan
ten sind.
Von einer LiebeS-Tragödie
in den Lüsten ird au Barcelona be
richtet: .Der Luftschisser Fernandez
hatte sich kürzlich bei einer zufälligen
Anwesenheit auf der Erde in die Tochter
eines reichen Bürgers, Namen Do
nardo, verliebt. Da Mädchen wies
seine Werbung mit dem Bemerken zu
rück, sie wolle keinen Mann, der sich
immer oberhalb der Dächer umhertreibe.
Fernandez sagte ihr schluchzend: .Ich
kann ohne Sie weder aus der Erde, noch
in den Lüften leben; Sie haben mein
TodeSurtheil gesprochen. Am 10. Juni
stieg Fernande,, wie gewöhnlich, auf,
doch alS fein Gehülfe sich zu ihm in die
Gondel schwingen wollte, schnitt er rasch
die Stricke durch und fuhr himmelwärts.
Als der Ballon ungefähr 100 Meter
hoch gekommen war, hörte man einen
Knall, eine Flammengarbe stieg empor
und der Körper de Luftfchlffer fiel
brennend zur Erde. Wa unten an
langte, war nur mehr eine unkenntliche
Masse. Leute, die dem Ballon mit
Ferngläsern nachblickten, wollen bemerkt
haben, wie Fernandez mit einer Lunte
denselben in Brand steckte.-
n Solden berichten die
.Turoler Stimmen: .Am 7. Juni
trieb ein Jüngling von WieSftein feine
Schafe gegen da Thimmelsjoch auf die
Sommerweide; al er die Brücke de
ersten Wildbache überschreiten wollte,
brach der morsche Boden unter seinen
Füßen uud stürzte mit ihm 16 Klaf
ter tief über zwei Wasserfälle hinab.
Da gelanate er auf die fußbreite Stelle
eine Felsenvorsprunge, wo er sich
festhielt und nun sieben Stunden long,
abwechselnd auf dem einen, bald auf
dem andere Fuße stehend, über sich
den glatten Felsen, unter sich
de gähnenden Abgrund de fiche
ren Tod ausharrte, bi endlich die
so sehr erwünschte Hilfe kam Ei
Hirtenknabe wurde gefragt, ob .Fide,
lesen Vivcenz noch nicht .um die Wege
sei; da dieser keine Auskunft geben
konnte, ahnte man Schlimme. Nun
machte sich ein Dutzend tüchtiger Män
ner auf. Die mangelnde Brücke war
für sie ein Fingerzeig. Der Fremden
führer Anton Fcnde wagte sich vor, in
die Tiefe zu schauen, und sah de Ver
unglückten. Die Leute ließe a einem
Seil einen Burschen hinunter und zogen
tan Beide nacheinander au dem Lawi
nenkessel empor. Da Aussehen de
Vermißten war da eine Todten. .E
hätte gar nicht mehr lange gedauert, so
versicherte er selbst, .so hätte ich mich
müssen fallen lassen. Der Gerettete
befindet sich außer aller Lebensgefahr.
Neuere NschrlZeu.
- usls.
St. Petersburg, L. J-z
Noaoe Wremna- saat: Die &rtr?.C
lung de Primen Ferdinand von Sach
senKoburg erschöpft Ruslidkednld'
Oestreich werde tamil keinen Ersola ba.
. tot v. - ew.
r. aiugMUtc xuiTiTcmi werbe iha'
wahrscheinlich beschwerlich werden.
St. Petersburg, 9. J.i. Die
russischen Zeitungen wiiz, illigrn einfti,
r v k . m fr . ?
ung xnJC9iBi:g mc rrnzen Fcrdi
nand von Sachse K-burg zum Fürfteu
von ouigmun ; ne erklären tte sür eine
O i-:? C . ' ' .
oirerrkiqi,q.oeur,qe nnteiitng und drin
aen darauf, daß die Pforte dagegen ein
schreite und die Mächte ihre Vertreter in
Gopyia verusen.
.Nowoe Wremu, bebauvtet. daS
Rußland niemal gestatten wnde, daß
der Prinz Ferdinand von Koburg jemals
nach Sophia gehe, und fügt hin, daß.
wenn er unter österreichischer Bedeckuna
dort erschiene, Kußland Oesterreich s,
gen erde, seine Finger davon, hinweg
zuhalten.
' Tira, IV.JuU. Diesämmt
lichen bulgarische Minister sin zurück
getreten. Da neue Kabinet ist noch
nicht gebildet.
Berlin, 10. Juli. Die zu dem
Schützenfest in Frankfurt versammelt ge
wescncn Oesterreichs machten ein Aus
flug zu dem Niederwald Denkmal;
Starzen gruber legte z Fäßen desselben
einen Kranz in de Farben Wien nieder
und gelobte der Germania, mit deutscher
Treue den Kampf um die deutsche Natio
nalität fortZluführe. :
Bei den Turvspielen ia der Festhalte
waren sechstausend bi zwölftauseud
Mensche anwesend, al et vor dem
Gebäude belegene Karoussel in Brand
gerieth und dadurch eine große Panik
entstand, bei welcher viele Frauen in
Ohnmacht sielen.
London, 10. Juli. Unter dem
Militär in Catania auf Sizilien sind
40 Erkrankungen und 15 Todesfälle
an der Cholera vorgekommen und in
Palermo sind drei Leute aus Catania
der Seuche erlege. Die Cholerafutcht
gre fr in immer gi ößeren Kreisen um sich.
Philippopel, 10. Juli.:Die
OrtLvorfteher in alle Dörfern deS hiefi
gcn Bezirk haben dem Prtnzen Ferdi
nand von Koburg ihre Glückwünsche z
seiner Erwählung zum Fürsten von
Bulgarien telegraphisch übermittelt.
Berlin, 11. Juli. Die Wiener
Polirische Korrespondenz sagt in ihrem
gestern angekündigten Artikel, auf die
jüngsten Vorgänge eingehend:
Der Augenblick für Vergeltungsmaß
regeln ist für Deutschland gekommen;
seitdem e vergeblich eine Versöhnung
mit Frankreich anzubahnen versucht hat,
muß e zu einem Systeme der Gegen
seitigkeit übergehen, dessen weitere Ge
staltung sich nach deut Maße der Ent
wicklung de Deutschenhasses ia Frank,
reich richtet, den dort die gesetzgebende!
Gewalten in gesetzliche Formen zu klci
den im Begriffe zu sieben scheinen. Die
Spekulation auf die Milde des Kaiser
ist völlig verfehlt. Er hat vsn jeher
die Regungeu de? Herzen den Jnterek
fen der Nation untergeordnet und diese
Interessen gebieten, daß Fraukreich der
Ernst der Lage klar gemacht werde.
Die Diplomaten befürchten, daß Bnl
garien zur Republik erklärt wird,. und
erkennen darin da Schlimmste.wa
kommen kann.
AuS guter Quelle erlautet, daß in
den amtlichen Kreisen Gerüchte von ei
nem Beitritte England zu dem Bünd
visse Deutschland. Oesterreich und Jta
lien im Gange sind.
Snian.
St. Loui. 8. Juli. Richter
Noonan vom Kriminalgericht hat Joseph
Schnaider und Andere, welche wegen
Verletzung des SonntagSgesetze verhaft
tel worden waren, der. Haft entlassen,
weil er da alte Gesetz sür unwirksam
erklärt. Diese Entscheidung läßt die
Auöschank-Frage auf dem alten Stand
punkte, auf dem sie vor der Aufhebung
de Gesetze 1857 gestanden hat und
am Sonntage ird der Betrieb der
Schankwirthschaften bei offenen Thüre
wieder gestattet sein. An den letzte
drei Sonntage waren nur wenige Wirth
schaften geöffnet.
Middletovv, N. y., s. Jsll.
In Dingnur Ferry im pennsyloanische
Connt, Pike ist am Mittwoch der 9jäh
rige John D. Vangarden an den Folgen
de Stich einer Biene gestorben Der
alte Mann war am Morgen im Garten
beschäftigt, al er plötzlich einen stechen
den Schmerz cm Handgelenk verspürte.
Er sah, daß eine Biene ihn gestochen
hatte und begab sich, da der Schmerz
unerträglich ward, rasch in' Hau. Er
war kaum eingetreten, al er auch schon
mit dem Ausrufe: Ich sterbe! zusam
menbrach und auf der Stelle verschied'
Kenia, O., 9. Juli. Heute Nach
mittag um 3 Uhr 15 Mtnutm ist in
Jameötown im hiesigen County die erst
kürzlich von etn.'m Wirbelflurm zerstörte
und mit einem Kostenaufvande ' von
$20.000 trieb, r aufgebaut bischöfliche
methodistische Kiiche vom Blitz getroffen
worden und gerieth in Brand, woraus
die Flammen immer weiter um sich
griffen. Die Feuerwehr war Um er
heerevden Element gegenüber machtlo.
Colusa. Cal.. 10. Juli. Den Chi
nesen Hang Di, welcher kürzlich hier die
Frau seine Dienstherr Joseph Billion
erschossen hat, haben heute früh die Ge
schmorenen nach Maßgabe der Anklage
sür schuldig besunden uud zum Tode ver
urtheilt. .
KenWest, Flo., 10. Juli. Jude
letzten 24 Stunden find hier 5 Erkran
kungen und 2 Todesfälle am gelben Fie
ber vorgekommen. Im Ganzen sind lis
dahin 83 Personen an der Seuche er
krankt. Davon starben 37, 33 wurden
al geheilt au dem Hospital entlassen
und 33 befinden sich noch in Behandlung.
Charlotte. N. C.. 10. Juli.
der im Bau begriffenen Carolwa &
Northern Bahn, durch welche Charlotte
mit Atlanta in Verbindung gebracht
werden soll, hat sich gestern ein gräß
liche Unglück zuge ragen. Man war
dort mit Sprengarbciten beschäftigt, al
in Folge d.r Fahrlässigkeit eine Arbei
ter die Dnnamttladuvg vor der Zeit
loeglng und 3 Neger und der Urheber
de Unglücks, ei Weißer, in Stücke
zerrissen urdcn.
Neork. 11. Juli. Die Loks
motivsührer der Vrooklnner Hochbahne
sind heute Nachmittag 5 Uhr sammt n
sonder ausgestanden. Der Betrüb f
deu Bahnen flockt gänzlich.
Der Streik war für die Tausende nd
Abertausende, welche um diese Zeit die
Hochbahn zur Heimfahrt von New Vk
nach Vrooklnn benutzten, eine Ueber
raschuog schlimmster Art. Die so plötz
lich eingetretene BetriebSeivstelluvz
hatte auf der Brooklvver Seite der
Brücke untan der F llton Fer,, förch
terliche Gedränge zur Folge. Der
streit mar tttürni in z?olae der Weise
ruug der Bahnveswaltuug, 3 Lokomo
tivführer und s Heizer, vie ne n".,'"
nt0 ,I.W mufteflen und die Sache
im W5ge de Schiedsgericht zum Aul
m .- r . er . ..
trage zu vrlge, veiqoz,e ,
fftnft &n pakamstiokLbrer und eievsssut
Heizer find an dem Streik bethelligt.

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