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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, May 04, 1888, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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Der Alintcr.
Jen SSatt!)iad Claudius.
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nteit uns oiii tti Taucr.
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Uii: liHi' rcrlrrriit ri.rmtit,
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aiet au4 war. ii"? in war in der That
föicn, ? Litten f.cl) rech ticch keine j
8:Jttct inu ne cr-uncen, was einzig
ur.tcüein üi:uu in der großen :
Srstlj ü'tc:- atci ? '.-attc. :
Uti arme:- Arauleiu fein also auch, !
trfite cuf tc ier n:o f:ft schien es, :
ai eilte i.e tal-ci eine alle Jungfer wer '
ifn, und eine icLK- ist, wie man bchauv-
ttntciü, einem friere gleich, der iiicbt an
seine ilcrt'ie gelangt.
2uf sie ficlc:i ober des Äauern Freunde,
dem sie ivus-ten, daft sie ein braves,
silt'M-, i!eii'-i.'!C-3 icä-en war. Sie !
lkbkn sich re.-i all zu i! '.ein Vater und
liiltcn um sie im' ,u-imd an und .
ter alte Herr, rcr eine guie Gelegenheit
fth, sein Umr ,z;t vaiergen, gab mit
3rciire;t seine i- mvx'M gung, zumal Bauer ;
Zeiskl ein gcin, l.ui. icher, ansehnlicher '
Buricke und auch i c i: i t'.:i verständiger '
lir.i sehr rcich-r .'aü war.
2a gute Mäfifcn l:ttc zwar gegen
eine selche i::; -;le ic Partie mancherlei 1
Cinroctuiiiigi-t: v' inachcit, inate sich aber
ulc(t tc:i initigi it iio vcniünitigcn Vor !
litUungcn ? i'-atcr.-. i
Tie Hech;e:i lu i; nicht lau-e ans sich j
Karten, ka um aber toar )i? geichehen, so ;
Kiezen aiiei!,ai,o i:.miii;c Gedanken in i
Icnel'5 ACft a;;r, t ti:u nur zu balo et'
kannte er, tat; i'ieiD und l'icl kein Ge ;
scann uiiö Bauer iu;d licelyraulcin keine'
fllüdliie Cl;e gebe.
CtsQgt: vi) wel,l tausend Mal, wenn '
kraus dem 7e!ee oocraus der Licse ar !
icitctc, km tie mmi wchl zu vausc an- '
singe? Ux'ji in.i it iie? Mccfct sie? '
Strickt sie errt rni t f:e na dein Pich?'
Xai.v,tc er s ch cai-.n aber balo: das hat ;
sie ja eile:- i;;cl t g-lcrrt, i;::c ka brummte
ihm kenn tu :l;.i nich t wen! i.
Sila ilini aber vcri.ci ir.Iich unangenehm ;
ttar, daZ irar rci Uw'i.inf, das: in seiner
?!ähkein l,ü'.''cher, aceli.r ,!-.l?r wohnte,
der den lieben langen I.ii in ter llnigc
gend umker?lrei!'.e unD um i:ut teil hüb
schcn ÄZech.-n und Dianen cireiutte. i
Bei selchen Gecanken kiai.te sich Tössel
gk!?alti.i kinter'in i r no sasitc: 2iic 1
dem abi-k!?en i Ta liatte er eines
Stehens, alj er i;i tu; Wale l.liiauuhr, icn aus, sing an allerhand Purzelbäume
ken Gedanke, der einen passenden machen, nahm die pcssierlichjten Etcl
reez darret. - , . v r v.rts. rut,-
.Vortrenlich rief er. Ehe ich Mer
cnZ aus die Archeit binau-gel-e, will ich
ihr erst mit einer Haielqerte ordentlich zu
tite geben. Sie wird darüber bittere
Thränen er.ver.cn und bis zu meiner
Südfebr am Abend weinen und das wird
se adbaIten,Ti:K!m!,eiten zu begehen und
lnirhörner su'znicben. .Hemm ich Abends
nach Hauie, so willst rech: ircundkch sein,
lie um Berzeiung bitten ifi:c alles wieder
gut machen."
Man siebt, e"'el lnte seine eigene
pl'.tck, w:e jeder Baner. Cb sie an
schlug, werden wir bald genug erfahren.
lind wie er c- ül-cvcacbt batte, io that
kr (.
flamn balle er (ein Nr üb' nick genossen,
ffl flinker ant sie z und gab ihr ein paar
lbe ttcic. I.u-ain entfernte er sich,
weiter ein nt mit üt zu sprechen.
. lln6 wie iv'fici c ücvbergcicbcii hatte,
!o kam c-i: da arme Weib weinte und
lammertc den ganzen Tag bi zum Abend,
oercen der .'libeit nach Vviuic zurück
kehrte. Sie war teiln Furcht, a 5 sie ihn das
cde,t betreten sab, aber es kam ganz
"dcrö. cl sie c-3 i:d gedacht hatte.
Hing rc-art ?r rch i!r v.t AiiHcn und
Wxiit
i'-r I cch i:n theuer Besserung, so
bb '' icht c " r er ö l r 11 1: t c, als ihm zu
krzcihku.
'
Aiin HZike man fr'len glauben. Tössel
r" nach dieiern rr.iait.i am nächsten
'0r3cn anderer Meinung gewesen, allein '
5?rar nicht so. m ''.egentheil. Er
'' gute Wirkung seine-:- .'.!,',ttcls und
gklebte sich thrner und fest, recht cst davon :
Gebrauch ll m.-Mon I
f t: aber heut zu Hanse auf
Me blieb, wo er s,c beobachte
dem Ge :
t "V V 11 'a ccptucricii icnuic, 1
unterblieben Hr ? 1 l 1 ,1 Frut nnrn
a. l
lag,
a , - - "v t.vntp v . w v . . .
mde,!, wo er wieder iim Pflüaen :
nut a , . , - r .,
u'l.rie na:ize,i. ,uchte er eine Ge i
Mit zum Streit mit seiner Frau und
uneinig uc streiche von ,
hm. ;
mncr Wege ging.
Äp??N,.! ? I - . .
II.,,..""'- .uiui 1 cuicnid) urer ,yr
"Fuck zu weinen.
Tb sie xiöyijch, wie zwei königliche
S. . prächtigen Schimmeln vordem
rrn.-i! 5 k . . , .' . . , .
und Irl' ihren Pieucn siic;
gen
- i,'uiis traten.
artia k weinende Frau sehr
g unv baten sie um ril'i,-,? l-,i,-,n.
ir
s'ch'dkn l ?wÜtmt&3c Weibchen beeilte
vas sie um ' ? .lannern au,zutragen, I
sich . vcrratlzig hatte und ließ j
sprach '"'wahrend sie as-cn, in ein
fo die 2."' 3l;rc cr,'!c 3"3C war. wo
kieselb en.2L Ul. gehe, worauf
r V :
lchwittigen AZ' toit l;abcn '"en cht
Brn "ktraa vom Könia erkalten.
(betn einziges TSchterchen ist gefährlich j
krank und da hat er unS nach einem ge j
scheidten Arzt ausgesandt. Tas arme !
rmzeßchen hat vor acht Tagen eine Gräte
in den Ha!5 gekriegt und da kann sie e
der essen noch trinken, noch schlafen.
O," sagte die Frau, die iefet auch einen
glücklichen Einfall hatte, da kann ich Euch j
wohl helfen, liebe Herren, denn ich kenne j
einen sehr geschickten ?lrzt, der ist wohl
gelehrter, als es Hippokrates und Gale-1
nus waren. Nur hat die Cache einen j
Haken. Ter Toktor, den ich kenne und
Euch nachweisen will, ist ein großer Narr, !
da er so eigensinnig ist, dah er von seinem 1
wissen nie Gebrauch machen will. Ehe !
man ihm nicht ordentlich den Rücken durch-'
blaut, i)l kein Sterbenswörtchen aus ihm
herauözubringrn."
Ta lachten die beiden Tiener und sag
ten:
..Wenn es weiter nichts ist, so seid ganz
ohne Sorgen. An Schlägen soll es ihm
nicht fehlen."
Töfsel'S Frau zeigte ihnenrnrn den Weg
noch ihres Mannes Feld, wo er gerade
xsmqte und prägte ihnen wiederholt daS
Mittel ein, durch welches allein sie ihn da
hin bringen könnten, die Tochter des Äö
nigs zu kuriren.
Tie beiden Reiter dankten ihr und nach
dem sie sich in einem nahen Haselbusch ein
paar tüchtige Stocke geschnitten hatten,
ritten sie hinaus zu Toffeln auf's Feld.
Sie fanden ihn hier bei der Arbeit,
grüßten ihn fehr artig, und forderten ihn
auf, sie zum König zu begleiten.
Ja, verseyte Töffel verwundert, was
soll ich bei dem Könige?"
.,Tu sollst des Königs Tochter heilen.
rtirA L) t h T-.y: 1A i r. L? r
oiiuyvni Ul ürji ,,i vis zu unserm
Herrn gedrungen und er hat uns den Be
fehl geaeben.Tich aunuiucben und ku ikm!
zu sühren." j
Meine lieben Herren," sagte Töffel im !
höchsten Grade erstaunt, kann ick fcenr
König, meinem gnädigen Herrn in irgend
etwas dienen, so sieh ich zu Befehl, was!
aber das Kuriren betrifft, so ist er bezüg
lich meiner ganz falsch benachrichtigt, denn
davon verstehe ich so viel, wie Eure beiden
Schimmel davon wissen."
Hm!" flüsterte der eine Reiter dem
andern zu, Tu siehst, mit Artigkeiten
richten wir bei dem Patron nichtSaus.'
lag uns ihn alio tüchtig durchgerben, da '
er es niayi unorr ycioen roia." ,
Und damit fliegen sie beide von ihren!
-3 ' L . 3i i . -1 r ..
Pferden, näherten sich dem Bauer und
bearbeiteten ihm ordentlich den Rücken.
Töffel bat flehentlich um Verzeihung
w f t -ft . f
ttitv geiccic, aues zu lyun, was ne von
ihm verlangten.
Jeyt hielten die Beiden mit Scblaaen
ein und befahlen ihm, ein Pferd auözu!
spannen, sich darauf zu fct?cn und ihnen!
zu folgen. !
Als nun der König sah, daß seine bei '
den Voten so schnell zurückkehrten, schöpfte !
er wieder Hcssnung für sein geliebtes
Kind, lies, sie beide sogleich vor sich kom j
men und sie statteten ihm getreue,, Be '
richt ob über den wunderlichen Toktor,
den sie ihm hier brachten. j
(5i, ei," rief der König, das ist in der
That ein wunderlicher Mann, indeß an 1
Hasclslöcken fehlt cs in meinem Königreiche
ja nicht und wenn er es einmal nicht an '
ders haben will, so müssen wir eS fchon so :
machen. Stuft zwei Tiener mit tüchtigen ,
Stöcken herbei."
Tanach ließ er Toffeln zu fich hercinfüh-'
ren und sagte:
Toktor, hier ist meine einzige Tochter, ,
nun heile sie."
Ta warf sich der arme Teufel dem ÄS
nig zu Tsükcn, bat um Gnade und Srbar
men und schwur bei Gott und allen seinen
Heiligen, von der Hcilkunst versiehe er !
auch nicht das Allergeringste. j
Ter König gab den beiden mit Stöcken ;
bewaffneten Tienern ein Zeichen, dem!
störrischen Toktor den Rücken mit unge i
brannter Asche einzureiben.
T iese gehorchten dem Winke ihre? Herrn
und bald hagclten die Schläge auf des
Bauers Rücken, bis er endlich schrie, er ;
wolle die Prinzessin kuriren. j
Tie arme Königstochter faß blast und ;
kraftlos in einem köstlichen Lehnsessel und
zeigte ihm mit dem Finger die (-teile, wo
sich der Ziy aller ihrer werden und Tchmer j
zen befand. :
Hm!" sagte Tössel zu sich. Tas
Uebel steckt im Halse. Könnte ich es da !
hin bringen, daß sie ordentlich lachte, so '
spränge die Gräte wohl am Ende heraus
und sie wäre gerettet."
Er beschloß deshalb, einen Versuch zu
machen, bat den König, im Kamin ein ;
grof-es Feuer machen zu lassen und ihn
mit der Prinzessin allein zu lassen.
AI- der Saal leer und das Feuer ange '
zunoer war, urbare ey rosset vor vem,er ,
kunqen ein und machte so drollige Grimas
sen, daß die Prinzessin trotz aller ihrer ,
Schmerzen in ein lautcS Lachen ausbre !
chcn raupte. :
Tie Gräte fuhr aus dem Munde, der :
Bauer nahm sie schnell aus, lies damit an
die Thür und indem er sie dem König
zeigte, rief er:
Herr König, hier ist sie !"
Ach !" sagte der König freudevoll, Tu 1
giebst mir das Leben wieder ! Was bist
Tu für ein gescheitster Arzt ! So klug habe
ich noch keinen gesehen." Und slugs be-
fahl er, das: man den Toktor in Gold und
Sammt kleide und das, er dableiben solle
als des Königs Leibarzt. Aber Tössel
weigerte sich, er könne beim besten Willen !
nicht, denn soeben siele ihm ein, daß kein
Brod ihm Hause sei und er mühte Korn !
nach der Mühle bringen, sonst verhungerte
sein liebes Weib. j
Tem König siel noch rechtzeitig ein. daß '
Toktor Tössel ein wunderlicher Heiliger i
sei und in eigener Art genommen fein
wolle. Er winkte also mit der Hand und i
sofort erschienen die beiden Tiener mit den (
Hasclslöcken. j
" Ta siel er auf die Knie, schrie Gnade !
Gnade !" und versprach, wenn der Herr !
König cs so haben wolle, so wolle er gern
seine Lebenszeit als Leibarzt bei ihm z
bleiben. Und 10 gcchah es.
Tas Gerücht aber, daß Tössel des Kö !
nigs Tochter, die von allen Aerzten be-
reits ausgegeben, so glücklich geheilt habe,
drang bald durch das ganze Land und aus !
allen' Gegenden fanden sich zahlreiches
Kranke vor dem Schloß deS Königs ein j
und baten diesen fußfällig, er möge sich ,
v.J. ... it,. rannil.!..! i.intm nrfeUripn I
L'U Qll 111(11 fcl fcuimi jv.....vi. 1
Leibarzt verwenden
, . r x w " . : . wMM cir.M.M 1
nParniic lia Jl'UlB ltl UU,:n
5.;. ;i.-iri rnfpn nb (ante U
mp iiivi .nvMj 1 ' - U " ;
ihm:
..Toktor. das
arme Volk thut mir von
Herzen leid. Laß sie Tir angelegen sein.
keile Einen nach dem Andern, damit ich
1 nicht stündlich ihren Kammer vor 'ugen
habe." i
-.! :v: .r- fl-: . -rirfc t hör -R.UIPr ,
vj;iiai.'ijui .niiiiy, k-uu-v- "v -
hier kann nur Gott, aber nicht ich helfen;
es sind ihrer viel zu viel."
Ruft mir die Tiener mit den Hasel
siöcken!" sagte der König.
Da bat der Bauer zzitternd um Gnade
und gelobte hoch und theuer, er wolle sie
alle, so wie sie da wären, heilen und ge
fund machen.
Und abermals bat er den Konig, er solle
einige Säle heizen und ihn mit den Pa
tienten allein lassen.
Ter König ließ in jedem Kamin ein
großes Feuer machen und fein Toktor
blieb mit den Kranken allein.
Der Toktor setzte sich in einem Neben,
Nli dchen an einen Tisch und lieb einen Pa
tienten nach dem andern bei sich eintreten
und wunderbar, sowie sie bei ihm im Zim
mer waren und er mit jedem im Vertrauen
gesprochen hatte, war der Kranke gesund
und verließ froh und freudig das Schloß
und kehrte gesund nach Hause zurück, ver
sichernd, ihm fehle nicht das Geringste
mehr.
Deß freute sich keiner mehr als der
König.
Voller Bewunderung ging er zu feinem
Toktor, bezeugte ihm fein Erstaunen dar
über, wie er doch in so kurzer Zeit so viel
wunderbare Kuren habe verrichten können
und fragte ihn, wie er das habe möglich
machen können.
Tössel, der jetzt dreister geworden war,
versicherte dem König, er besitze einen
Zauber, der suche seinesgleichen auf Erden
und mit demselben könne er Alles.
Da überhäufte ihn der König mit Ee
schenken und Ehren, schenkte ihm Schlösser
und Güter, bat ihn, feine Frau kommen
zu lassen und bei ihm sein Leben zuzu
bringen. Er wolle fortan sich nur seines
Rathes erfreuen, denn er habe die feste
Ueberzeugung, daß er auch in allen ande
ren Dingen ein erzgescheuter Mann sei.
Nun brauchte Tössel nicht mehr zu ar
betten, prügelte seine Frau nicht mehr,
sondern liebte sie und wurde von ihr ge
liebt.
So verdankte er der List seiner Frau,
den Stöcken der königlichen Diener und
seinem anfchlägigen Kopf sein Glück und
seinen Ruhm als Arzt, woran er in feinem
Leben nicht gedacht hatte.
Fragt ihr aber, wie er alle Kranken ge
heilt hatte, so hört noch Folgendes:
Sobald er einender Patienten in seinem
Zimmerchen bei sich hatte, hielt er ins
geheim folgende Anrede an ihn:
Freund, so viele und so geschwind ge
fund zu machen, hiezu giebt es nur ein
Mittel. Ich muß den Kränksten und
Schwächsten unter euch aussuchen, ihn
werfe ich in's Feuer, das nebenan brennt,
verbrenne ihn zu Asche und gebe jedem
anderen Kranken davon ein Pülverchen
ein. Tas Mittel ist freilich etwas stark,
aber ich stehe Dir mit meinem Kopf dafür,
daß ihr alle gefund fein werdet."
Der Kranke fah betroffen Töffeln an
und versicherte ihm hoch und theuer, fein
Uebel fei nicht von Bedeutung und er
fühle jetzt bei Weitem besser und kräftiger
als zur Zeit, wo er hergekommen.
Töffel wandte ein:
Es scheint mir aber, lieber Freund, als
seist Tu der Kränkste und Schwächste von
Allen !"
Ich, Herr Doktor? Wahrhaftig nicht,
mir ist ganz wohl und ich besand mich nie
mals bener."
Wie, Tu Lümmel? Du befindest Dich
wohl? Was thust Tu alsdann noch hier?
versetzte Toktor Tössel, öffnete die andere
Thür als die, durch welche der Patient
eingetreten war und warf ihn hinaus.
Traußen im Garten saß aber der König
und wartete den Erfolg ab. Kam nun
Einer heraus, so fragte er ihn:
Bist Tu gesund?"
..Ja, Majestät."
Zum Nächsten:
Und Tu?"
Ich bin gesund wie ein Fisch."
So kam es denn, daß kein einziger von
der ganzen Krankenarmce mehr krank war,
weil kein Einziger Lust verspürte, sich zum
Besten seiner Leidensgefährten pulverisi
ren zu lassen.
fragte Tösscln aber sein Weibchen, in
welcher Weise er denn alle die Kranken so
schnell geheilt habe, so lächelte er schlau
und sagte:
Tas inerte Tir, Frauchen, dumm kann
der Mensch sein, er muß sich nur zu helfen
wissen."
Im Geheimen dachte er aber bei sich;
Tu kleine Plaudertasche, ich werde mich
hüten, Tir mein Geheimniß mitzutheilen.
Weiber schweigen nur über ein Tinq auf
der Welt, nämlich über ihr Alter !"
Ällrokogie.
Von allen Arten des Aberglaubens hat
keine so allgemeine Verbreitung gefunden
wie die Wahrsagerei. Tas allen Sterb
Iichcn innewohnende Begehren, die Ereig
nissc und Geschicke zu ergründen, die ver
hüllt im Schoße der Zukunft ruhen, hat
die mannigfachsten Versuche hervorzeru
fen, zwl'chen den verschiedenartigsten
Tingen einen mystischen Zusammenhang
zu finden, um aus den alltäglichsten natür
lichen Erscheinungen die Zukunft zu deu
ten. So entstanden das Augurentum, die
Harusxices, die Orakel, die Astrologie,
deren Vertreter als Priester verehrt wur
den cb der Schergabe, deren die Götter
sie gewürdigt; ähnlich wie bei den rohen
Horden der Jevzeit die Zauberer und
Medizinmänner sich hohen Ansehens er
freuen. Am erklärlichsten ist es, wenn der sicht
licke Einfluß der Sonne auf den Wechsel
der Jahre-Zzeitcn, des Mondes auf vibbe
und Fluth und so weiter schon in den ur
ältesten Zeiten den Gedanken hervorrief,
auch den übrigen Gestirnen, namentlich
den in regelmäßigem Laufe kreisenden
Wandelsternen gleichfalls einen Einfluß
auf die irdischen Vorgänge zuzuschreiben.
Tie Uebertrazunz dieser Einwirkungen'auf
die menschlichen Geschicke führte zur syste
malischen Auslegung derselben aus dem
beobachteten und berechneten Laufe der
Gestirne: der Astrologie. Heutzutage
wird solche nur noch an den Höfen von
Persien, Ehina, Abessynien und einigen
anderen durch dazu angestellte Beamte
ausgeübt. In den Kulturländern ist die
Wahrsagerei meistens in die Hände aller
Weiber übergegangen, welche das Bedürf
niß der immerhin noch zahlreichen Anhän
gcr dadurch befriedigen, daß sie ihnen aus
Träumen, aus den Karten, dem Kaffee
satz, den Linien der Hand und ähnlichen
Hokuspokus die Zukunft deuten oder zu
deuten vorgeben. Wo solche auf Verlan
gen auch die Sterne befragen, geschieht
das nur scheinbar; kaum daß ei Kalender
dabei zu Rathe gezogen wird. Vielmehr
verfahren sie ähnlich wie die Männer,
welche auf den Jahrmärkten für wenige
Pfennige einen Planeten ziehen" lassen,
einen Zettel, welcher gedruckt ist und ganz
willkürliche Weissagungen enthält.
Tie Astrologie in dem Sinne, wie diese
Bezeichnung gewöhnlich verstanden wird
(nämlich als die Weissagung aus dem
Stande der Gestirne, die man richtiger
Astromantie" nennen müßte), muß
natürlich wie überhaupt der Wahn, als
ob die Gestirne in ihrem durcb Naturge
fetze geregelten Lauf einen Einfluß auf
die Geschicke der Erdendcwohner ausüben
könnten, als krasser Aberglauben verwor
fen werden. Indessen hat die wirkliche
Astrologie, das heißt die Sternlehre,
die Sternkunde, ihren hohen unbestritte
ncn Werth für die exakte Wissenschaft
eben jenem uralten Aberglauben zu ver
danken. Denn dieser ist die Ursache
geworden, daß uns Aufzeichnungen über
liefert sind von Konstellationen, die einer
seits den Astronomen von Jahrtausende
alten Vorgängen am Firmament allein
Nachricht geben; andererseits, indem sie
mit geschichtlichen Vorgängen zu deren
Verewigung verbunden sind, den Histori
kern über den Zeitpunkt dieser Vorgänze
unumstößlich sichere Kunde bringen, seit,
dem man diese Aufzeichnungen lesen un
verstehen gelernt hat. Ta nämlich die
gleiche Konstellation der den Alten be.
kannten sieben Planeten (worunter Sonne
und Mond mit einbegriffen sind) nur er
in Jwliqenraumen von 2148 Jahren
wiederkehren kann, so sind aus jenen ur
alten Denkmälern Jifpunkte für Eeschichts
Perioden berechnet worden, über die man
bis dahin völlig im Unklaren war und
über welche die Berichte der anderweiten
Ueberlieferungen ft um Jahrhunderte
auZeinandergingen.
ES dürfte gar nicht unzweckmäßig sein,
auch heutzutage bei der Verewigung
weltgeschichtlicher Begebenheiten durch
Monumente auf diesen und auf Denkstei
neu überhaupt die Konstellation deS
Tages anzubringen, woraus der Tag, ja
die Stunde des Ereignisses bis in die
späteste Zukunft mit größerer Sicherheit
sich bestimmen läßt, als durch Angabe des
Tatums, da die Zeitrechnung dem Wechsel
unterworfen und örtlich eine verschiedene
ist. Durch Hinzufügung der von den
neu entdeckten Planeten eingenommenen
Stellung (des Uranus und, wenn man
will, auch des Neptun) kann fogar die
Periode der Bestimmtheit von 2146 Iah.
ren bis in fast unermeßliche Zeiten hinaus
verlängert werden.
Tas tiesfte Geheimnis des Genusse
liegt in der rechtzeitigen Entsagung von
demselben.
Königin Viktoria von England mußte
einmal Strafe zahlen. Sie hatte nämlich
unterlassen, ihr auf Schloß Windfor ge
, borenes Kind, den Prinzen Alfred, in
das Taufregister der Torfgemeinde, zu
welcher das genannte Schloß gehört, ein.
schreiben zu lassen. Ter Ortspfarrcrdik
tirte der Königin sieben Schillinge Geld
strafe, welche sie auch bezahlte.
Ter Agronom Professor Klinkers ne?
batte einst einen Theil seiner Sommerfe
rien in einem bekannten Seebads zuge
bracht. Als c? nach mehrmöchentlichem
Aufenthalt abreiste, drückte er dem Portier
ein Zweimarkstück in die Hand. Soll
das für mich fein oder für den Haus
knecht?" fragte der Portier in recht fpitzem
Tone. Für beide," lautete die ruhige
Aftwort.
Tramps in Deutschland.
Ein Nachtstück der Gesellschaft, wie'eZ
kaum düsterer gedacht werden kann, führt
uns T. Rocholl vor Augen in feinem
Tunkle Bilder' aus dem Wanderleben
betitelten Buche, dem wir Folgendes ent
nehmen:
Wenn wir namentlich in der winterlichen
Jahreszeit, die aller Armuth schlimmster
Feind ist, die Gestalten beobachten, wie
sie in der großen Mehrzahl jetzt als arme
Reisende" an die Thüren pochen; diese in
Kleidung und Fußwcrk herabgckommenen
Menschen, deren Wäschcsetzen oft noch die
bessere Herkunft verrathen, und die nun
arbeit?- und obdachlos von Ort zu Ort sich
durchbetteln so fragt man sich wohl:
wie müssen solche arme Neiscnde" die
Tage verleben und die Nächte hinbrin
gen? Tas obige Buch versetzt uns mit
ten in diese Gesellschaft hinein.
Ties geschieht zunächst, indem wir das
Erwachen des Tages in der geräumigen
Gaststube einer Ecntralxcnne auf dem
Lande" erleben, einer einsam gelegenen
Herberge sür Fechtbrüder, Gaukler mit
und ohne Roß und Wagen, für Bcfenbin
der, Hausirer, Negenschirmmacher, Topf
und Kesselflicker, Slovaken, Zigeuner,
Spitzbuben und alle fahrende und hei-math-
und arbeitölcfe männliche und
trihlM' ?Mf sihprli.uirt " ..Ter iun.ic
" - - r - - " - - i -
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4.UI) IUUl ItlUlH tiiuillll wUklll lutu '
dick angelaufenen Fenster. Welch ein
Anblick! Schwarz geräucherte Wände,
alte Tische und Bänke, ein umsangreichcr
Kachelosen und eine an der Decke hängende,
im Erlöschen begriffene, rickqualmcndc
Oellamxe bilden die ganze Einrichtung.
Ter Fußbcden ist dicht mit Stroh bedeckt,
daraus liegen sie reihenweise Mann an
Mann gedrängt. Tie Tisch: sind in einer
Ecke zusammengeschoben und wie die rings
an den Wanden hinlaufenden Bänke be
legt mit echt Bessermann'schen Gestalten
jeden Lebensalters. Zerlumpt sind sie
alle zusammen, der Eine melir,dcr Andere
weniger. Ter in der einen Ecke stehende,
besonders dicht umlagerte Oscn ist von
oben bis unten mit Fußlappen, einigen
Strümpfen, Tüchern und etlichen Röcken
zum Trocknen behängen. Tcr Jusclvunst,
die Ausdünstung von .V-W Menschen,
der Geruch der trocknenden Kleider, die
qualmende Lampe welch eine grauen
hafte Atmesphäre ! Tie Schläfer liegen
sämmtlich ohne Schuhwerk, die Füße meist
wund gerieben und mit Lappen und Bin
den umwickelt; mit dem ausgezogenen
Nock haben sie sich meist bis über den Kopf
zugedeckt; das Schuhwerk (und was nennt
sich alles noch Schuhwcrk !) liegt unterm
Kopf. In demselben wird Abends als in
dem rerhältnirmäßiz sicheren Platz sür die
Tauer der Nacht erstens die vor dem
Schlafengehen, wenn irgend möglich, noch
einmal gefüllte Schnapsflasche und dann,
wenn nech vorhanden, Äiesser, Kamm,
Geldbeutel und Schnupftuch aufgehoben.
Noch liegen die Meisten im schweren Schlaf
des Fuselrauiches."
Ta offct der Hausknecht die während
der Nacht verschlossenen Fensterläden und
kommanoirt zum Aufstehen. Und nun
fahren die öxfc über den Necken hervor
und stieren sich gegenseitig mit unbeschreib
lichen Jammermicnen an: Katzenjammer
und Ocdigkeit in Leib und Seele l Beim
ersten Blick auf das Schnccwirbcln drau
ßcn am Fenster schleunigste Untersuchung
der Taschen und Flaschen bei der Mehr
zahl vcrgcblichc-5 Bemühen ; gestern Abend
ist der ganze jchöne Traht" (das erbet
telte Geld) in Sarosf" (nicht Sauf,"
Schnaps) rerschmort" (vertrunken) wcr
den. Es hilst nichts, sie müs,cn sich, trotz
des Unwetterö, zur Fahrt rüsten. Kredit
gibt's nicht in der Penne. Mit Fluchen
und Jammern werden die wunden Füß'.
in das hartgewordene Schuhwerk ge
zwängt; ein Neiscbündcl (Berliner") be
sitzen die Wenigsten; den Meisten genügt
der Vagabundenbeutcl oder ein unterm
Rock am festen Strick getragener Lein
wandsack sür Brod und etwaige Fettig
leiten" (Wurst, Fleisch oder Speck). Ten
Stenz" (Stock) in der zitternden Hand,
den sie so nothwendig gegen die Torfhunde
brauchen, die geschworenen Feinde des
Stromers (ob dieser Widerwille durch den
Penncnfusclgeruch erzeugt wird?: so
stehen sie einzeln und in Gruppen, nach
anderer Hülfe durch etwa besser situirte
Kunden lungernd, bis sie endlich doch,
nichts Wärmendes in und auf dm Leibe,
in das Sturmwetter hinaus müssen.
Auch eine Bettlerfamilie rüstet sich zur
Fahrt. Ter Mann bleibt da, um den
Platz am Ofen zu hüten, die Frau mit dem
Korb auf dem Rücken und zwei Kinder, die
Mirlcidserrcger, zur Seite, wandert ab.
Sie bettelt natürlich als Wittwe, deren
Mann verunglückt ist.
Ganz leer wird die Penne nicht, aber
was von der Kundschaft zurückbleibt, ge
währt nur einen trüben Anblick. ES sind
theils solche Kunden, welche von der gestri
gen Acttclbcute noch genug übrig haben,
um heute feiern zu können, theils Marode
und Faule, die auf frische Ankömmlinge
warten, bei denen sie ihre Erfahrungen
verwerthen, theils auch nech Schlimmere,
welche die Sichcrkeit des Ortes benutzen,
um sich durch Anfertigung von falschen
Legitimatienspapicrcn (Flebben," nicht
Flappen") ihren Taglohn zu erwerben.
Karten spielen oder Erlebnisse erzählen,
Bettel und Gaunerxläne schmieden, der
Flasche zusprechen oder schlafen damit
verstreicht den Pennegäften die Zeit: es
geyt 2Mtag vorüber und kommt der Abend
herdei der Hausknecht (als rechte Hand
deS BeoS, Herbergvater, auch VicedooS
titulitt) fchlieptdie Fensterläden und zün
dct die Hängelampe an, die den ganzen
Raum erleuchten muß und jetzt, jetzt
strömt es langsam heran, das Heer der
Vagabunden, der Bcjammernswerthesten
deS ganzen Volks. Stundenweit sind
sie heute den ganzen Tag durchs Land um
hergesnichen, um ihren Lebensbedarf sich
bischenweise" zusammenzuholen. Alle
ohne Ausnahme sind fast steif gefroren
und ihre Füße? Taß Gott erbarm! Un.
empfindliche Eistlumpen l Der ein
zige Trost ist dem Kunden, wenn der
Brodbeutcl gesüllt ist mit allerhand Eß
Waaren. Diese lassen sich, wen etwas
übrig bleibt, verkaufen und sür das Seid
gibt'Z ja wieder einen festen Schluck in die
Flasche.
Wie nun der Abend in der Penne die
Nacht einleitet, wie die Einzelnen, die
Paare, die Gruppen der früh Ausgezoge
nen, so weit sie nicht von der Polizei ein,
gesteckt oder durch die Flucht vor derselben
anderswohin verstreut worden sind, sich an
den Tischen, in den Winkeln und um den
Ofen herum wieder einrichten, wie der
Hunger gestillt und die Bulle gefüllt und
in der bunten, entsetzlich gemischten Gesell
schaft getrunken und gesungen, getanzt
und geprügelt wird, bis Boos und Vice
booS die nächtliche Ordnung durch Zusam
menrücken der Tische und Auslegung der
Schlafstreu herstellen; dieses scenenreiche
Stück deS Pennetreibens muß der Leserin
Rocholl's Buch sich selbst vor Augen füh
ren. Selbstverständlich beherbergt die
Penne in ihren anderweitigen Räumen
noch eine besser situirte Minderheit" von
armen Reifenden," deren Fechtgewinn
täglich zum Betrage von mehreren Mark
aufsteigt und die NachtS in Betten schlaf
fen, früh Kaffee trinken und dann sich auch
am Abend etwas Besseres gestatten dür
fen, als Pellkartoffeln und Schwimm
linge" (Heringe), den höchsten LuruS der
auf dem Rauscher" (Stroh oder Heu) oder
dein Knacker" (Tisch oder Bany nächti
genden armen Kunden. Nur die Schnaps
lasche i't allen gemeinsam das höchste
Sut.
Endlich ist die Nachtordnung hergestellt.
Nun vt'i still in dem großen Gebäude,
welches so viel Jammer und Elend in sich
schließt. Ta liegen sie reihenweis
meist vom Fusel übermannt, von der
Lampe trüb beleuchtet, die Sklaven des
Branntweins. Wie viel hoffnungsvolle
Blüthen sind in r?)nen auf immer gedickt!
Wie viele Mütter haben jahrelang auf
ein paar Zeilen von ihrem Lieblinz ge
harrt, bis ihr Haar grau, ja weiß wurde
und sie ohne Nachricht, ohne Trost hin
übergingen ! Oder war's vielleicht besser,
daß sie nicht erfuhren, ob ihr Sohn todt
sei, als wenn sie ihn hier gewußt hätten?
Atme Menschen, ihr selbst könnt euch nicht
mehr helfen, ihr Tausende von Genossen,
ihr selbst nicht ! Mögen es denn Andere
versuchen, euch zu helfen l
Tabakskonsum auf Cuba.
Ter Verbrauch von Tabak in der Form
vcn Eigarren ist auf Euba unglaublich
groß, und für die Stadt Havanna allein
ward er nach dortigen Zeitungen auf
einen Werthbetrag von 20 Millionen
Mark jährlich abgeschätzt. Männer,
Frauen und Kinder huldigen gleichmäßig
dieser Gewohnheit. UnS fällt es stets
af, eine Tame in ihrem Salon rauchend
zu sindcn, hier ist das etwa? alltägliches.
Tie Männer jeden Standes rauchen im
mer und überall im Wohnhause, auf
der Straße, im Theater und Eafe wie im
Eomxtcir. Wenn sie essen oder trinken,
man mochte sagen, selbst wenn sie schlafen,
müssen sie rauchen. Bei der takle d'hote
im Hotel ist eS ganz gewöhnlich, einen
Eubancr zwischen jedem Gericht einige
Züge machen zu sehen, und dazu stehen
überall brennende Kerzen zur Hand.
Wir? eine Herrengesellschaft zur Tafel ge
laden, so sorgt der Gastgeber dafür, daß
flinen Gästen wiederholt ein Päckchen
Eigarrcttcn nebst brennenden WachSstock
ang:boten wird, dem er wohl auch noch
eine bkliebte Sorte von fubstanziellcren
Cigarren nachfolgen läßt. Tabak wird
eben b:i jeder Gelegenheit konfumirt
bei Gerichtssitzung wie beim Bcgräbniß,
im häuslichen Kreise, bei Festlichkeiten
und beim Verkehr auf der Straße. Ter
Sklave und sein Herr, die Magd und ihre
Gebiet:rin, Knabe und Mann alle,
alle rauchen. ES $ merkwürdig, daß
raan Havanna nicht schon weit draußen auf
der See riecht, bevor man das Land in
Sicht bekommt.
Thkcrblu:TkinkhaUen.
Auf dem Gebiete der Heilkunde hat man
eine neue Trinkkur erfunden, welche eigcnt
lich schcn sehr alt ist, aber aus der Mode
gekommen war. Man trinkt in Neapel
frisches Thierblut und hat eigene Hallen
hierfür aufgestellt. Jeden Morgen zmi
scheu, 8 und 10 Uhr kann man einige hun
dert Damen und Herren, zum größten
Theile der vornehmen Gesellschaft ange
hörig, zu den Bluthallen, die neben dem
Schlachthause aufgeschlagen sind, pilgern
sehen, um das Thierblut frisch vcn den
noch rauchenden Thierkadavcrn zu erhal
ten. Tiese neue Kur, von den jungen
Doktoren dc Toms und Reale proxagirt,
wirkt nach den Aussagen der Patienten
wahre Wunder. Hinfällige Frauen, bleich
süchtige, hysterische Jungfrauen werden
binnen Kurzem frisch und blutreich, anä
mische Kinder blühen in wenigen Tagen
auf, kranke Greise werden krästig; alle
Personen aber, die sich des neuen Genuß
mittels regelmäßig bedienen, spüren bald
erhöhte Lebens- und Arbeitskräfte. Kein
Wunder, daß sich Alles zu dem neuen
Heilmittel drängt und bereits die Errich
tung eines Bluttrinkhallcn-Etablissements
im großen Strile mit sorgfältiger Sorti
rung der einzelnen Blutsorten geplant
wird. Auch die an manchen Stellen der
Stadt errichteten Volks-Bluttrinkhallcn
erfreuen sich eines kolossalen Erfolges und
müssen zumeist schon nach wenigen Stun
den aus Mangel an Material geschlossen
werden.
Der kleine Staat Eonnecti
: cut wiornet eine Fläche von über V5,000
! Acres entlang der Sundküste der Austern
i zucht.
: Wie viele Zentner wiegt die Erde 7
Legt man bei Berechnung deS GcmichtS
der Erde den Durchmesser derselben, fer
! ner den Werth, daß die Erde SZmal
schwerer ist wie eine gleich große Wasser
kugel, und daß ein Kubikmeter Wasser
! zwanzig Eentner wiegt, ,u Grunde, so
kommt man zu folgendem Ergebnis,
i Der Umfang der Erde beträgt 40,000,000
! Meter, mithin der Durchmesser unke:
1 Fortlassung deS Bruches 12,733,853 Me
! ter und hiernach der kubische Inhalt
I,081,ö,795,e37,421,05I,023 Kubikme
' ter. Tie Anzahl der Kubikmeter vervicl
fältigt mit 5Z.20 ergibt das Gewicht der
Erde - 122,C1",323,.V'74,3i,732,607
Zentner. In Worten: Einhundertzwei
' undzwanziz Tausend fechshundertund
zchn Trillionen, dreihundertdreiundzman
zig Tausend fünshundertundsünf Billio
! ki-insknn.rtnikrndnebiiia Tausend
dreihundertsünfundachtzig Millionen sie
benhundertzmeiundachtzig Tausend fechs,
hundertundsieben Zentner. Wer eS nicht
glaubt, möge sie nachwiegen.
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ßv klnerwachstne und Kinder.
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