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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, May 18, 1888, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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if
-
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Jlad) scsjwcren Tagen.
jjoCtUc VSU Heraaun Hrldrrg.
Der Wagen hielt an der von mir be
zeichneten trabenecke. Ich stieg auS
und forschte, an den Häusern entlang
gehend, nach der Nummer, die- ich suchte.
Die in den meisten Berlin,? Miethgebäu
jcn in dem Flur aufgehängte Einohner
jafel fehlte. Ich hatte drauhen einen
Blick auf das viclstSäi.e Haus geworfen
iind stand zweifelnd, wohin ich mjch wen
öen sollte. ..
Turch die gcöft'n? HtySe W) i iida?
ein Qucrgebäude, aus dem fcir ÄfTE
eine naäte Steintreppe he??lMklikN, M
ein instinctives Gefühl ließ mich ver
muthen, das: ich den Gesuchten, einen
(leinen Gewerbetreibenden, in diesem sin
den werde.
Wohnt Genzc hier im Hause?" fragte
ich ein kleines blasses Mädchen, das in
diesem Augenblick durch den zugigen
Thorweg stürmte und einer rufenden
Stimme von der Strafe in kreischenden
Tönen Antwort ertheilt'.'.
Es stand einen JlH.r.llitl still. Meine
Sprache schlug cs-er.äa? fremd an sein
Ohr.
sagte dann das Kind bestimmt.
Genze?" wieverbolte ich.
Ach. Jenze! Ja! Jenze wobnt hier.
Aus dem Hoi, vier Treppen, links."
Ter Hof war, nach Berliner Sitte,
glatt wie ein Tanzboden abgefegt. In
einer öäe stand der Müllkasten. Tieser
bildete in der viereckigen iüsörmigkeit
die einzige Unterbrechung. ?ie in gel
den Steinen aukzefülirien Mauern, durch
die Zeit geschwzt, sahen mich kalt und
unsreuneiich an. Ich stieg empor.
Wer ist da?" fragte eine mißtrauische
und heisere Frauenstimme, als ich, vier
Treppen hoch, lli:igelte. Ich nannte mei
nen Namen und die Veranlassung meines
Besuches.
Wer?" rief eine zweite Stimme aus
der Stube keraus. Mein Mann ist
nicht zu Haufe ! Wollen Sie nicht näher
treten ?"
Ich durchschritt einen engen schmutzigen
Corridor; ein dumpfer Stubengeruch
schlug mir entgegen, und meine Psörtne
rin rückte einen mit der Schürze vorher
abgewischten Stuhl in die Mitte des ärm
lichen Gemaches.
Sie war, auallend schön, denn sie hatte
einen milchweiükn Teint, über den sich
eine leichte 5iöte ergosi, als ich sie an
blickte, und ibr gleiS'sam spiübendes,
wahrhaft goldiges Haar umrahmte, wie
ein künstlicher Schmuck, das kluge, ener
gische Nntliv mit den dunklen, forschenden
Augen. Sie fette sich ans Fenster, stützte
die Hand an das Haupt und hörte auf
merksam zu, während ich mit der Mutter
sprach.
Tiefe sak vor einem sorgfältig aurge
machten, aber mit einem unsauberen
weihen Laken bedeckten Bette auf einem
Stuhl und flickte an einer Knabenhose.
Alles, was ich erblickte, war ordentlich,
wenn auch ärmlich. Neben dem Ofen
war eine kurze Leine ausgespannt, an
welcher Wäsche hing. Auf ocr Lommode
zwischen den beiden Fenstern standen ci
nige schlecht erhaltene Kleinigkeiten: eine
alte schadbaste, buntbemalte Tasse, ein
Viikknckermännchen. dem die Amme aus-
gebrochen war, und ein Hund aus Per
zellan, dem die eine Hälfte des Kopfes
fehlte, in der Mitte aber ein Tabakökasten,
aus dem die starkbenagte 'Spide und die
Quasten einer kurzen Pfeife hervorguckten.
Unmittelbar an dem Kopfende des Bettes
stand eine Wiege, in der ein blaffer Säug
ling schlief. x hatte die Saugspitze des
Eummifchlauches im Munde, die grün)
Flasche aber, die auf dem Betttuch lag,
war geleert.
Tie Frau hatte ein gutes, ehrliches Ge
sicht, aber gramverzerrte Züge und bei
ihren vorgerückten Jahren nur wenige
Zähne im 'Iunde. Unschönes, gelbes
Haar, das an der Scheitelsxitze zu er
grauen begann, lag glatt an ihrem bir
nensörmigen Kopf; eine geblümte, weite
Jacke mit langen Aermeln umgab ihren
Oberkörper, und unter dieser fast ein lan
ger wollener Unterrock.
Sie flickte an dem Zeuge weiter während
sie sprach und schaute ab und zu über die
Hornbrille, die auf ihrer spitzen Nase saß,
zu mir hinüber.
Fünf Prozent, mein Herr; wie viel ist
das ?"
Tas macht, auf Zhre Forderung von
viertausend Thaler, zweihundert. Mehr
sitzt nicht in der Masse, und ich komme, um
Ihren Mann zu ersuchen, dem Accord bei
zuffimmen." Tie Hose entglitt ihrer Hand, sie griff
hastig danach; dann nahm sie ihre Brille
ab und rics erregt zu ihrer Tochter hin
der: Zweihundert Thaler von viertausend,
und all die Zinsen in all die Jahren.
Hörst Tu, Emmy?"
Ne, das thun wir nicht !" wandte sich
das Mädchen, das Wort nehmend, mit
energischem Ausdruck zu mir.
, Wie können wir das? All das Geld
verlieren I"
Eine Zeit lang sprachen Beide zu glei
cher Zeit heftig auf mich ein, und ich
schwieg.
AIs ich endlich zu Worte kam, suchte ich
den beiden Frauen begreiflich zu machen,
daß es sich hier nicht um Wollen, sondern
um können handle; daß es bester sei, bald
Etwas, als Nichts zn nehmen, weil der
andauernde Eonkurs sich im Gegensatz zum
Accord noch Jahre hinziehen könne, und
dah andererseits auch nur mit Einstimmig
seit der Gläubiger eine für beide Theile
ünschenswerthe rasche und glatte Abwick
lung dcr Sache sich ermöglichen laste.
Tie Felge war, dast die Jüngere am
Fenster schwieg, die Mutter aber in Thrä
nen ausbrach
All unser Unglück stammt von die Zeit,
Wo mein Mann dies Geld verlustig ging,"
begann sie und jetzt erst fiel cS mir auf,
daö sie die falschen Wendungen der Ungc
bildeten des plattdeutschen Nordens ge-
brauchte. Sehen Cie, mein Herr, wir
hatten uns das ja in all die Jahren gc
spart, und als mein Mann sein Bruder
starb, und die Gelder von das Haus, wo
wir das einprotokollirt hatten, ausbezahlt
wurden, da sagte ein Bekannter von mei
nen Mann, wir möchten uns doch von die
Dblegatschon-Papiere kaufen, weil die ja
auch vier Procent gaben, und da crkun
digte sich mein Mann bei die Bank, und
ste sagten ihm, daß sie ihn das gerne bc
sorgen wollten, und kriegte er auch Quit
tung über und legte es da in Tipo. Na !
das eine Jahr holte mein Mann sich immer
die Zinsen ein, und damals war auch das
Geschäft noch bester, und es ging uns,
Eott sei Tank, gut, obgleich mein Mann
la immer stark an das Asthma gelitten
und denn immer zu Bett liegen mun "
Welches Geschäft betreibt Ihr Mann ?"
sragte ich.
Mit Wurst, mein Herr, mit Wurst auf
en Markt. Emmy war noch gestern auf
Markt und kam zurück und hatte eine
Mark und zwanzig Pfennig gelöst. Frü
er für fünf, sechs Thaler den Tag "
Geht Ihr Mann nicht mehr auf den
Markt? unterbrach ich sie.
Ja, gehen thut er auch noch manches
Mal, aber, mein Herr, mit einundachtzig
!ayr, können Sie wohl denken. Abers
gbt doch noch immer sein Geschäft."
Einundachtzig Jahr?
Ja, er ist ein alter Mann. Wenn es
man bloö besser mit's Geschäft ginge!
Und nun hab' ich noch meine älteste Toch
ter ihr Kind in'ö Haus, die vor vier Wo
chen hier wischte sich die Frau mit um
gewandtem Arm über die Augen ins
Lazareth. gestorben ist. Ihr Mann ist all
todt sie nähte an die Maschine. Was
iH da noch einmal aus uns werden, wenn
mein Mann stirbt, und das, mein Herr,
kann jeden Augenblick kommen, denn er
hat es ja fo oft mit das Blutaufgcben,
und wenn wir nicht den Hund hatten, der
den Wägern zieht, oder Emmy ihm hilft,
d?n.l konnte er gar nichts mehr verdienen
cr ist zu fchwach und kümmerlich."
Weber beziehen Sie denn Ihre
Wurst?"
Ich bin aus das Mecklenburgische, da
bei Parchin herum, und wir waren auch
schon in Amerika, aber es ging uns schlecht,
und da sind wir vor fünfzehn Jahren hier
nach Berlin gezogen, und weil ich doch
vons Land bin, kriegen wir da von die
Wurst zugeschickt, aber immer man gegen
Nachnahme mit baares Geld. Wir kriea-
ten damals gar nichts mehr, weil doch die !
Oblegatschcnpaxiere mit in die Conkursl
mane kamen und auch die Zinsen weggin
gen. Früher hatte mein Mann sich immer
mit die Hypothek geholfen und nahm mal
Geld auf und trug es denn wieder hin.
Es ist nun schon seit lange Zeit so schlecht,
daß wir die ganze Woche blos von Kar
tosfeln gelebt baben und das kleine
Wurm in die Wiege
Hier erstickte heftiges Schluchzen die
Stimme der Frau.
Ach bitte, mein Herr, sehen Sie doch
zu, daß wir unfere Oblegatschonpapicre
wiederkriegen, denn unser Afkat sagte doch,
daß wir die Oblegatschonpapiere jedenfalls
wiederkriegen mußten. Ne, zweihundert
Thaler! Das darf ich mein Mann gar
nicht sagen; denn kriegt er wieder sein
Blutausstcßen, was er blos von die Auf
regunz und die Angst gekriegt hat, weil
die Leute in meine Heimath uns doch nichts
mehr liefern wollten und so'n alter Mann
doch auch nichts Neues anfangen kan.l
und es auch nichts hilft in die große
Stadt."
Ich sah auf das Mädchen. Ein Zug
von unschuldiger Koketterie stand um ihren
Mund. Sie hatte mich beobachtet und
gesehen, wie das Mitleid in mir empor
stieg. Sie nahm an, daß es in meiner
Macht stände, ihren Eitern jedenfalls zu
einem Mehr als dem Angebotenen zu ver,
helfen, und ließ nun jene vielleicht noch
unbewußten Künste spielen, die in der
Welt den Frauen zum Erfolg verhelfen.
Aber sie schien noch unverdorben, trotz
des Elends, denn als ich absichtlich mein
Auge auf ihr ruhen ließ, färbte verlegene
Röthe ihre Wangen. Sie gab auch ihren
Gedanken Ausdruck. Sie sagte:
Wenn Sie nur wollen, mein Herr,
kriegen wir mehr. Bitte, sorgen Sie da
für." Und wieder trafen mich Blicke, mit
denen bittende Frauen Männer zu um
stricken pflegen.
Ich hab' nicht mal das Geld für die
Bcgräbnißkosten, wenn mein guter Mann
sterben sollte. Neulich lag er meist auf en
Tod," begann die Frau wieder unter bit
tren Thränen und was foll denn doch
einmal aus uns werden? Wenn blos
das Kleine in die Wiege nicht wäre!
Unser Heinrich ist dein Schlosser in die
Lehre, und Emmy hatte ich schon lange in
Ticnst gegeben, wenn es fürs Geschäft
man ging. Man steht ja gerne auf'n
Markt, wenn es auch bitter kalt ist, aber
so wie es nun ist, mit kein Verdienst "
Und jetzt hörte die Frau völlig mit
Sprechen auf, die Hand kam nicht von den
Augen fort.
Als ich nach mehrmaliger Wiederho
lung, daß die Sache leider nicht anders
fei, und daß sie am besten thäten, zu neh
mcn, was geboten werde, aufbrechen
wollte, ward geklingelt, und die Frau
sagte: Ta kommt mein Mann! Nu tön
nen Sie selber mit ihn spreche denn
brauch ich es ihn nich zu sagen."
Und da trat ein schwer athmender kränk
lich aussehender Mann in's Zimmer, ihm
folgte ein Hund, der sich lebhaft wedelnd
an die Frau machte, von dieser an die
Wiege lief, als ob cr alles inspizircn
müsse, und sich endlich, von Emmy gehät
schclt, laut keuchend, mit heraushängen
der Zunge auf die Hinterbeine fetzte und
mich und die übrige Umgebung bccbach
tcte. Ter Herr kommt wegen unsre Oblegat-schon-Papiere,"
schrie das Weib dem tau
ben, sauber gekleideten Greise, der ver
geblich einen Hustenanfall zu bannen
suchte, in's Ohr.
Ter Alte nickte mehrere Male mit dem
Äcpf, trat mit einer gcwinen Ehrerbietung
auf mich zu und reichte mir freundlich die
Hand. Dann holte er sich den letzten
Stuhl und setzte sich neben mich.
?-eiez Bild von Ehrlichkeit und Pflicht-
treue war rührend.
Oft tauchen in den Gesichtern alter Leute
die unschuldig-Iindlichen Züge der ersten
Iuaend auf. Die Natur macht sie wieder
in liiilflpfcn Geschövfen und nickt nur äu
o 1 i r
ßerlich. So schien cs hier. In der gro- sieiazen Geister, vie iicy unoarmverzig im
ßcn Stadt, umgeben von Lüge und Be- i die Fersen des armen Kindes aus dem
trug, ein Greis mit einem solchen Aus ! Volk heften wollten, und dieser unhcim
druck von Vertrauen und Arglosigkeit ! ! liche Eindruck ward noch verstärkt durch
Und solche Milde und Ruhe in den Zügen i das fröhliche Sprechen, das auö dem
bei solchem Elend ! ! Nebengemache zu uns hereindrang.
Na, ist die Sache nun endlich klar?" Abcr dieses mahnte mich wieder an die
fragte er, bei seiner Schwerhörigkeit ohne ; Situation, und ich sagte deshalb fast hart:
richtige Schätzung seiner Stimme, über-! Noch einmal, mein Kind, Sie dauern
laut mich, aber jetzt, heute Abend, ist cs un-
Ich theilte ihm in größter Kürze den möglich, daß ich mich mit Ihnen über den
' ... . , . rt. Cl V - i Af 1 1 am rinn M
Stand der Sache mit, innerlich vcwcgr,
dem alten Mann o große Enttau,chung
bereiten zu müssen.
Aber er blieb äußerlich ganz ruhig und
sagte bestimmt:
Da kann ich niemals nich drauf ein
gehen, meine Obligationen-Papiere muß
ich heraushaben. Tie gehören nicht zu
die Masse. Fremdes Eigenthum kann
doch der Verwalter nicht zu die AktivaS
nehmen. Ich muß denn klagen, und ich
hätte es schon lange gethan, wenn ich
bloS" er stockte.
Ich erwiderte ihm, daß ich nicht gewußt
habe, worin seine Forderung bestehe. Ich
wisse nur, daß überhaupt eine solche vor
Handen, und könne keine Meinung aus
sprechen. Tarauf erhob er sich und sagte ernst:
Ich will lieber mit meine Familie ver
hungern weit ist es doch nicht mehr da
von als mir so abfinden lassen. Ich
trete den Accord nicht bei. Es ist eine
Sünde und Schande, daß da? Recht nur
für die Großen gilt."
Nun sielen die beiden Frauen mit ein
und stimmten ihm zu.
Der Alte hatte sich wieder gesetzt. Offen
bar hatte ihn trotz äußerer Fassung
die Aufregung so ergrissen, daß die wen!
gen Kräfte den Dienst versagten. Er saß
wie leblos. In dem dumpfen Gemach er
schien es einen Augenblick wie ausgestor
beu Plötzlich aber übersiel den Mann
ein Hustenreiz: die greisen Wangen färb
ten sich kreideweiß, die Augen traten aus
ihren Höhlen, und dann, grauenhaft, fchoß
ein Blutstrom auf den Fußboden.
Ich fuhr unwilllürlich empor, und ein
Schauder durchrieselte mich. Zudem
drang die schlechte Luft deS Zimmers, des
sen Fenster nie geöffnet zu werden schie
nen, derartig auf mich ein, daß ich Iedig
lich darauf bedacht war, mich baldmög
lichst entfernen zu können.
Aber ich durfte mich der Aufforderung
nicht entziehen, den Frauen behülflich zu
sein und den Alten auf'S Bett zu legen.
Der Hund ging um die Blutlache herum
und schnupperte; darln erhob er den Kopf
und heulte. Das kleine Geschöpf erwachte
und begann zu schreien: die Alte jam
mcrte herzzerreißend Emmy stand mit
ihrem ungesunden, durchsichtigen Teint
unbeweglich neben dem Bette und schaute
auf ihren Vater. Sie müssen einen Arzt
holen," fagte ich dem Kinde, dem das j
Schickial so früh solche Dornen auf den
Weg streute, und drückte ihr Geld in die
Hand.
Sie nahm es fast ohne Dank, mich fest
anschauend, und während die Alte dem
sterbenden Greis mit einem Schwämme
das blutige Gesicht reinigte, flüsterte sie
zudringlich:
Tie können uns helfen, mein Herr, thun
Sie es ! Mich finden Sie jeden Morgen
auf dem Mark, wenn Sie mich sprechen
wollen."
Ich sagte der Frau noch einige Trostes
worte, versprach mein Beste? zu thun und
schwankte wie ein Betäubter die Treppe
hinab.
Einige Wochen lpater hatte ich eines
Abends einige Freunde zu mir geladen i
und war eben mit den letzten Vorbereitun
gen für die Gesellschaft beschäftigt, als ge
klingelt ward und die eintretende Magd
mir zurief: Es ist ein junges Mädchen
hier, das den Herrn gerne noch heute
Abend gleich sprechen möchte.
Wie heißt sie denn? fragte ich über
die Störung unwillig und trug eine eben
angezündete Lampe in's Nebenzimmer.
Ich hörte einen Namen und verstand
ihn nicht, aber in den dunklen Raum zu
rücktretend, sah ich neben der zurückwei
chenden Magd eine Mädchengestalt bereits
in die Thür treten und hörte eine fremde
Stimme fagen:
Ach bitte, mein Herr, nur einen Au
genblick."
Und ohne eine
trat die Fremde
Antwort abzuwarten,
näher und schloß die
Thüre.
Ich sah durch das Dämmerlicht ein
Paar zudringliche Augen auf mich gerich
tet, bat Platz zu nehmen' und holte Licht
herbei. Nun blickte ich empor.
Sie kennen mich nicht mehr?" kam es
unsicher aus dem Munde einer in tiefe
Trauer gehüllten Gestalt.
Da ich noch überlegte, fuhr sie fort:
Ich bin Emmy Genze die Tochter
von dem WursthZndler."
Jetzt bemerkte ich erst, daß ein rother
Streifen sich überihre bleiche rechte Wange
zog, und meine erste Frage galt dieser
! Wahrnehmung.
Sie erröthete und machte eine gleich
I gültige Bemerkung, dann aber in Thrä
j nen ausbrechend und mit jenem losen bit
j teren Weinen, dem man es ansieht, daß
j eine aufgebrochene Quelle nur vorüdcrqe-
hend und künstlich verstegte, sagte sie:
Mein Vater ist gestorben wir müssen
ihn morgen begraben aber "
Sie stockte und warf gleichzeitig einen
Blick in's Gemach.
Sie wog offenbar mein Können nach den
äußeren Erscheinung? ab, und ich war
deshalb auch nicht überrascht, als sie ohne
Uebergang fortfuhr:
Mutter hat kein Geld für die Be
grabnißkostcn. Ich wollte bitten, Herr
Toctor "
Jetzt aber schoß das Blut über ihr milch
weißes Antlitz und das Auge senkte sich
verlegen in den Schooß.
Schon wahrend sie gesprochen hatte,
war die Unbequemlichkeit des Besuches
an mich herangetreten, und der Entschluß,
! sie abzuweisen oder auf morgen zu be
; scheiden, ward nunmehr verstärkt durch
! Klingeln an der Flurthüre.
! Offenbar kamen meine Gäste. Ich
j hatte meine Vorbereitungen noch nicht be
endigt, auch meine Frau nicht einmal ver
ständigen können, und jetzt hörte ich sogar
draußen eine bekannte Stimme die Worte
I sagen: ..Ich bin wohl der Erste. Lene?"
dazu fast gleichzeitig ein Geräusch am
i Thürdrücker meiner Stube und die Ab
; wehr der Magd.
i Liebes Kind," sagte ich; Sie kommen
j zu einer sehr ungelegenen Zeit l Und ab
! gesehen davon fehlt wirklich jeder Grund,
! daß ich ihnen helfen soll. Denn das
veranlaßt Sie doch, zu mir zu kommen."
Sie nickte, veränderte mit unruhigen
Bewegungen ihre Stellung und rief, einen
gewaltsamen Anlauf nehmend, heiser und
zitternd:
Ums Himmelswillen, mein Herr,
schlaqcn Sie mir meine Bitte nicht ab
Wir haben nichts wir hungern "
Es ist mir unmöglich jetzt in diesem
Augenblick kommen Sie morgen in der
Frühe ich will sehen, ob ich Etwas.
Nach diesen Worten faltete sie die
Hände, streckte sie mit einer Geberde der
Verzweiflung von sich und sah mit einem
so verlassenen Blick vor sich nieder, daß
mir graute. Gleichzeitig sullten stch ihre
I Augen mit Thränen, und sie bot ein sol
j ches Bild erbarmungZvollen Jammers,
da ich keine Wegerungs-Worle meyr
ranv.
Durch das Zimmer wehte in diesem
Augenblick Etwas von dem Athem
der
... 4. r. -j. k. : .
, traurigen egtui.um; u.uciv-
riß sie ein Billet auS der Seiten-
tasche ihres Trauerlleides und sagte m
dumpfer Verzweiflung:
Bitte, lesen Sie. Tann werden Sie
vielleicht menschlicher fühlen "
Ich wollte das Dargebotene zurück
weisen, aber sie drängte es mir fast ge
bieterisch auf, und ich laö:
Deinen Wunsch kann ich nur erfüllen,
wenn du dem meinigen entgegenkommst !
Ich erwarte dich bestimmt heute Abend.
Der Bote nimmt die Antwort zurück.
G r e g o r."
WaS heißt das?" fragte ich arglos.
In diesem Augenblick ward draußen
abermals geklingelt, und von Neuem er
hob sich in mir' der Widerstreit zwischen
den gesellschaftlichen und den natürlichen
menschlichen Pflichten. Und jetzt steckte
.mnnar4xäu den Kopf in die ! digen Erscheinung in der Wiege, wo zwei
i sich5 fflS5.Wi!i Hdchen auf die. Decke fchlen
liu . . . , vstt MftiiP npiiirrri.K VllirtPU slllS
sagte, von dem Anblick des jungen ne
schöpfes offenbar befremdlich berührt:
Otto, die Gäste I"
Das blasse Mädchen hatte sich zurückge
zogen, und bei diesen Worten übersiel sie
augenscheinlich selbst die Peinlichkeit der
hervorgerufenen Störung.
Was das heißt?" fagte sie dann rasch
und mit einer Bewegung, als ob sie mir
zu Füßen sinken wollte, während ich, von
ihr zurückweichend, beide Thüren schloß,
um meinen Gästen falsche Deutungen zu
ersparen.
Retten Sie mich vor der Schande I
Ich will ja so gerne ein anständiges Mäd
chen bleiben.' Bitte, mein Herr ! Bitte,
ach bitte, verlassen Sie mich nicht! Meine
.
Mutter hat mich mit einem Messer ge
schlagen davon hab' ich die Wunde;
sie hat den Brief gelesen und glaubt,
daß " Sie schrie auf, und dann ver
schlangen Thränen alles Uebrige.
Im' Nebenzimmer verstummte plötzlich
IHM
oas erasicy ees wüten Sprechens: nur
das Klappern der Theelöffel war noch
vernehmbar.
Man hatte den Schrei einer .Unglückli
! chen gehört, den man in meinem fried
j lichen Heim nicht vermuthete,
j Und jetzt ertönte die Klingel an der
j Flurthüre nochmals, und es kamen
I mehrere, vielleicht alle übrigen Gäste auf
j einmal.
Und wirklich hörte ich alsbald draußen
fröhliche, sich bewillkommnende Stimmen.
ie
Geellichastsunruhc ubernel mich.
I und zugleich stieg das Maaß der Vcrant
i wortung so gebieterisch in mir auf, daß
i ich zu einem Entschluß gelangen mußte,
j Meine bessere Natur siegte ich griff in
j die Tasche und bot ihr ein Goldstück,
j Es reicht nicht," sagte das zitternde
j Geschöpf, das Dargereichte genau be
trachtend. Morgen ist Efecution bei
! uns und die Leiche liegt noch im Bett
! Erbarmen! Es giebt eine Vergel
j tung I mein Herr, verlassen Sie uns
i nicht ! Geben Sie mir mehr. Ich
will arbeiten, ich bin noch brav; meine
Mutter schlägt mich todt, wenn ich nicht
brav bleibe. Ich muß dreißig Thaler
haben. Und so wahr mir Gott belie. ich
zahle sie zurück, und sollte ich auch desme-
gen " in (schauer lies über ihren
Körper; und dann: Sie sollen nicht um
das Geld kommen."
Plötzlich stieg wieder vor meinem Auge
das elende Gemach auf, in welchem ich
zum ersten Male diese Unglücklichen ge
sehen hatte: der alte Mann mit dem mil
den Antlitz das fleißige, beschränkte,
ehrliche Weio mit der Hornbrille, die
Kinderwäsche an der Stubenleine der
modrige Tust die Blutlache, der schnup
pernde Hund, endlich das junge Geschöpf
selbst, welches die Finger in das goldige
Haar vergrub, das noch unschuldig und
von rohen Händen unberührt aus ihren
Mädchennacken herabwallte.
Bei der Erinnerung an diesen Jammer
erhob sich der Zweifel über die Berechti
gunz der Gegensätze unserer Welt in mei
uem Innern. Ich schämte mich fast des
Vorzuges meines stW'"i, sorglosen Heims,
und kn meinem menschlichen TrangeHätte
i ich ihr mehr gegeben wenn sie es ge
! fordert hätte. Aber ich hatte zufällig
nicht einmal die Summe, welche sie von
i mir verlangte, in entsprechend kleiner
j Münze im Hause, und unter allen diesen
j Eindrücken beherrschte mich jetzt derjenige
! als der vornehmste, daß sie mir dies nicht
I glauben werde.
I Alles das fuhr schnell durch meinen
- Kopf. Und jetzt hörte ich ein Geräusch an
: der Thür; offenbar legte stch die Hano
meiner Frau auf den Drücker, um aber
j mals eine Mahnung an mich ergehen zu
! lasten, endlich unter meine Gäste zu treten,
i Aber die Hand prallte drinnen von dem
! abgedrehten Schloß zurück, und ich sah
j gleichsam durch die Mauern den enttäusch
j ten, erregten Blick meines jungen Weibes,
das mich mit der Unbekannten in dem
Zimmer eingeschlosten wußte. Was
mußte sie denken? Um unter allen Um
ständen die peinliche Situation zu been
digen, löste ich meine goldene Uhr von
der Weste und fügte diese dem Goldstück
hinzu.
Hier! man wird Ihnen die fehlende
Summe darauf leihen. Loses Geld habe
ich nicht. Ich vertraue Ihnen einen Pie
tätsgczcnstand an ein Andenken an
meinen verstorbenen Vater und Sie
geben mir die Hand darauf, daß Sie mit
dem anvertrauten Gute so verfahren wer
den, daß ich cs morgen Mittag um diese
Summe auslösen kann ?"
Ter rothe Streifen in dem Antlitze des
Mädchens sah fast blutig aus, vielleicht
weil ihre Wangen sich noch mehr verfärb
ten. Sie ergriff die Hand, die ich ihr
reichte, und küßte sie, aber während sie sie
küßte, schwamm ein solcher Strom über
meine Finger, daß ich, in einem Anfluge
von mich überwältigendem Mitleid, meine
Linke auf ihr Haupt legte.
Da überkam das junge Geschöpf eine
solche Erregung, daß es fast in die Knie
sank, und es raunte mir einige Worte zu,
die mich gleichmäßig rührten und erschreck
ten. Stumm standen wir nebeneinander.
Und dann ward sehr vernehmlich geklopft,
und ich hörte die unruhige Stimme meiner
Frau: Otto, bitte, ist es nicht möglich,
daß Dn jetzt kommst? Wir wollen zu
Tische gehen."
Ich ließ nun endlich die Fremde und
trat zu meinen Gästen. Der wohnliche
Tust und die Behaglichkeit der Räume
! schlugen mir entgegen, und durch den Ge-
gensatz verstärkte sich mein Mitleid mit dem
Schicksal dieser Armen. Erst allmählich
legte sich meine Erregung; ich verständigte
meine Umgebung mit kurzen Worten, und
dann verschlang eine fröhliche Stimmung
und die Berührung mit sorglosen und hei
iercn Menschen die trostlosen Eindrücke,
die ich empfangen und die auch bei eige
nem Leide so oft die große Gcistesmedicin
ist, welche gequälte Herzen auszuheilen
vermag. .
Es war ein harter Winter ins Land ge
kommen. Eine Schaar Spatzen lag all
morgendlich erfroren auf der eisstarrenden
Erde. Das Wasser in den Häusern thaute
' nur vom Feuer, denn seit Wichen fror eö
ciciii iino nein, una oie .cuue cci t)!ip
gänger und das Rollen der Wagenräder
knirschten auf den todten, weißen Schnee
wegen, die den Schaufeln und Aexten
. . w iii . w v:. v cr..c
; widerstanden.
I Die Welt der Armen empfand tausend
! fach die Schwere des Lebenö in dem un
: barmherzigen Frost, der Alles durchdrang,
- die Steinwände durchkühlte, zwischen Fe'i
' stern und Thüren Posto faßte, das Waffer
! in Krystall verwandelte, Nahrungsmittel
; zu Steinen verhärtete und de Bettleine-
wand des kleinen Mannes gliederfröstelnd
j aneiste.
j Nothschreie von Tausenden, laute und
! unterdrückte, schienen der einzige warme
i Hauch, der die Eisgebilde der Fenster in
1 den Steinmasten der großen Stadt hatte
lösen kör nen. Ueberall Klage und Wim
; rnern überall Aufrufe, denen zu spen-
den, die in ihren sie unvollkommen schützen
' den Lumpen hungerten und froren.
! Ich löste am folgenden Tage meine Uhr
! ein und ließ mir eine Quittung von der
; alten Frau geben, die ein Bild der
! Verzweiflung in dem kalten Raum hockte
! und zwischen dem grausig entstellten Leich
' nam und der Kinderwiege saß.
! Wenn der Anblick des Todten ihrJnne
i res mit einem verzweifelnden Herzeleid
erfüllte, wandte sie ihr Auge zu der leben,
dem bleichen Gesichtchen hervorguckten.
Und dieses Bild hülfloser Lieblichkeit ließ
sie Schmerz, Sorge und Zukunftsgedanken
vergessen.
Eben war der Gerichtsvollzieher befrie
tigt, sie behielt ihr armseliges Eigenthum
und konnte ein wenig Feuerung kaufen.
Emmy war schon fort, um Sarg und
Tödtengräber zu bestellen. Noch heute
sollte die Leiche in die Erde gelegt werden
in diese eisesstarre Erde, der kaum mit
dem Eisen beizukommen war.
Und dann?" fragte ich erst stumm und
dann laut.
..tfmmn soll gleich in Dienst gehen. Sie
ii in) &.ivmv v w n - - -
kann hier in eine Restatschon (Restaura-
. f .u n T i fr IT
tion) ankommen; für meinen Knaben will
sein Meister sorgen. Ich geh mit nein
Enkelkind ins Mecklenburgsche nach meine
Schwester, sobald) ich das Geld aus den
Conkurs habe. So lange muß ich mir
noch durchbelien."
rfSZammzn
Sie dankte mir mit überströmenden
Worten für meine Hülfe, bat mich, Kapi
tal und Zinfen von dem Erlös der Aus
fchüttungsmasse , zurückzubehalten und
fragte noch einmal schüchtern, ob ich nicht
noch Etwas hergeben konr?, da das dar
geliehene Geld fast alles für das Leben
der letzten Wochen, für Arzt, Apotheke
und Begräbniß davongegangen. Vier
Menschen, mein Herr drei Lebendige
und ein Sterbenskranker. Nichts im
Hause und noch Schulden dazu, die wir
schon bei der Nachbarin gemacht hatten
da fliegt es ma so weg und entließ
mich endlich, nachdem sie mir nach Art
dieser Leute noch alle schrecklichen Einzeln
heiten der Krankheit ihres Mannes aufgo
zählt hatte. Es wird auch höchste Zeit,
daß wir ihn beisetzen, schloß sie, mich an
die Ausgangsthür geleitend. Ein Glück,
daß es fo kalt ist ! Wir hätten hier sonst
gar nicht mit die Leiche schlafen können.
Adieu, mein Herr, Adieu! Tausend
Dank!"
Ein reizender Fleck Erde ist der Berliner
Thiergarten.
Im Frühjahr entwickelt sich hier durch
die Vielseitigkeit von Gebüsch und Bäu
men eine entzückende Pracht, und wer den
Zauber der Natur, durch kunstvolle Pflege
gefördert, genießen will, betrete feine
grüngoldigen, von der Sonne durchglänz,
ten Laubgänge, die sich fast unmittelbar
an das belebteste und vornehmste Viertel
der großen Stadt anschließen. Unter den
Linden wogt es auf und ab, aus den um
gebenden Straßen dringt das Geräusch
der beweglichen, beschäftigten Menge
hier unterbricht die Waldesstille nur das
vergnügte Zwitschern eines Vogels, der in
dem freien Reiche der Natur sein beglück
tes Dasein feiert.
Nach jenen Ereignissen waren etwa sechs
Jahre vergangen, als ich an einem solchen
Frühlingstage, nach einer durchwachten
Nacht, mich früh Morgens in den Thier
garten begab.
Es trieb mich, mein Inneres hier aus
zubaden, die Frühlingsluft des frischen
Morgens in meine Lungen dringen zu
lassen und zu versuchen, all das Herbe in
dieser Wonne eines erwachenden LebenS
in mir zu besänftigen und alles Erblassende
aufzufrischen. Nach einer einstündigen
Wanderung faß ich in jener halb wehmü
thigen, halb beglückten Stimmung, die
wir im Frühjahr empfinden, bequem zu
rückgelehnt auf einer Bank und pflegte der
Ruhe.
Einzelne Fußgänger schritten in der
frühen Stunde bereits vorüber und fchau
ten mich gleichgültig oder neugierig an.
Ich hatte schon eine geraume Weile mei
nen Gedanken nachgegangen, als plötzlich
das Gebüsch sich neben mir rührte und
eiligen Schrittes ein junges Mädchen in
einer um diese frühe Zeit auffallenden
Kleidung an mir vorüber schritt. Ein
kecker Hut, mit reichem .Blumenxutz, saß
auf blondem Haar; ein reich besetzter, sei
dener Mantel, vorn aufgeknöpft, hing
nachlässig herab an dem schlanken Leibe,
und ein weißsoidenes Kleid mit langer
Schleppe rauschte über den Sand des
Weges. Tie Fremde trug keine Hand
schuhe, aber hielt einen mit Straußenfe
dern besetzten Fächer in der Rechten, und
ihr blasses schönes Angesicht trug die
sichtbaren Spuren einer durchwachten
Nacht.
Emmy Genze!" rief ich überrascht, die
Fußgängerin trotz der Spanne Zeit wie
dererkennend. Die Angerufene wollte
eben mit jenem erzwungen-gleichgültigen
Blick der Koketterie an mir vorüberschrei
ten, schaute aber bei diesen Worten nicht
minder erstaunt und offenbar recht unlieb
sam berührt zu mir herüber.
Auch zauderte sie einen Augenblick, trat
aber dann mit einer ausfallenden Unbe
fangenheit und mit einer gewlsten An
muth in den Bewegungen auf mich zu.
Ich hatte mich erhoben und fafe die
dargebotene Hand.
Wie kommen Sie denn fo früh in den
Thiergarten?" hub sie an, als ob wir unS
erst gestern gesehen hätten und ich bei ihr
im Walde zu Gaste sei. Aber diese Sicher
heit war nur künstlich und schnell vorüber
gehend. AIs ich ihr mit einem leisen Vor
wurf im Tone die an mich gestellte Frage
zurückgab, sah sie sich um, ob Lauscher in
der Nähe sein könnten, und sagte ver
wirrt: Sie haben ganz Recht, mich zu
fragen" und dann plötzlich wieder ab
brechend :
Es ist wohl sehr spät wie? Ach ich
bin todmüde ich "
Sie aäbnte. setzte sich, griff mit der
Rechten hinten an den Hut, der sich nicht
lösen wollte, riß ihn endlich rücksichtslos
herunter, und als dabei ihr Haar sich
löste und einige verwelkte frühgeborene
Rosenlnofpen auf den Sand sielen, schob
sie diese mit der Fußspitze ihres Lackstiefel
chens bei Seite und stützte endlich, völlig
ungezwungen, ihren Kogf an die Bank
lehne.
Ach hier fchlafen l Gerade fo wie
jetzt. Sind Sie mir noch gut, Herr Toc
tor, so gut wie damals? Wie geht es
Ihnen denn? Und Ihrer Frau Gcmah
lin? Haben Sie Kinder?"
Aber sie vermißte meine ausbleibende
Antwort nicht, auch war sie nicht vermun
dert, als ich mich von ihr fortfchob und sie
bat, sich nicht auffallend zu benehmen.
Sie schaute wie träumend in den Sand,
legte dann, wenig entsprechend ihrer äuße
rcn Erscheinung, die Arme auf den Un
terkörper und fagte nach längerem Besin
nen, ohne aufzuschauen: Sie verachten
mich wohl, Herr Toctor?"
Was treiben Sie, Fräulein Genze?"
fragte ich, statt ihr unmittelbar zu ant
Worten.
Sie erhob das Angesicht, sah mir einen
Augenblick in die Augen und dann sich
wieder herabbeugend und mit der Stiefel
fpitze den Sand berührend, sagte sie weh
müthig: Ja, was treibe ich !"
Es war vollkommen der Ton einer Un
glücklichen, die mit sich und der Welt zer
fallen ist. Ich schwieg und wir saßen
wortlos neben einander.
Ist hier ein Troschkenstand Erster in
der Nähe?" fragte sie dann, sich plötzlich
erhebend, und sah mir mit erzwungener
Gleichgültigkeit in die Augen.
Ich zuckte, meine Unwissenheit an den
Taa leaend. die Achseln.
i Adjüs denn!" sagte sie in burschiko
! scm Teutsch und streckte mir die Hand
! entgegen. In diesem Augenblicke sang
j ein'Vogel in den Zweigen. Es klang so
, fröhlich und unschuldig, fo süß und lieb
; lich, und da die Sonne just durch das
! junge Grün am Wege drang, ward Alles
i ringsum so herrlich durchleuchtet, daß sie
unwillkürlich stehen blieb, hinschaute und
! lauschte.
Sie steckte ihre Hände in die Seiten
"' taschen des hellseidcnen Mantels, zog
! aber die eine rasch wieder hervor und ein
Selbstmord (hier senlte sich die Stimm?)
! erhärtete vor der Welt meine Zweifel über
i .; PAirffsli. Alle Welt alaudt. cr habe
, sich in einem Anfluge von Schwermuth
- das Leben genommen, und ich bestätigte
cs Jedermann als meine eigene Ver
muthuug, um ihn vor Verfolgung zu
jchützcn.' Hätte ich mich doch "in meiner
! Verzweiflung Ihrer erinnert !" fchloß ne
! sittrrnh. ..dann, dann
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