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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 18, 1889, Image 3

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Der Wen 5um flsueft.
SJar.sn vs:, H. von Osten.
" AlS nach niedreren Tagen Guido eine
Morgens zuruelkchrtc. kam ihm in sei
ncm Salon der Ärzl entgegen und er
klärte, es sei unmöglich, daß cr das
Krankenzimmer betrete. Die Frau
Baronin fci so erschöpft, daß)ede Auf.
reaung vermieden werden müse. Man
sei durchaus nickt über alle Gcfahr'hin
auö. wenn auch die Heftigkeit des Fie
bcrS nachgelassen habe. Er rechne
darauf, daö der Herr Baron diese Sin
vrdnung rcsxeltircn witrde. Damit
empfahl cr ich.
Mehr vcrftimmt als beängstigt warf
Guido sich iu einen Sessel.
Da öffnete sich leise die Thüre und
Mi trat herein. Sie sah blaß, aber
sehr hübsch aus in dem zierlichen Mor
äenhäubchcn. Ihr Älick streifte fast mit
Widerwillen den Bruder, welcher nach
der Mchtreife elend und verschlafen
aussah und tiefe bläuliche Schatten un
ter den Augen zeigte.
.Was ist denn das mit Hedwig?"
fragte cr feine Schwester.
Komm in Tiia Zimmer," sagte diese
leise.
Schwerfällig erhob cr sich.
.Run. was ist denn?" fragte Guido.
.Die Sache ist doch nicht gefährlich?
Hat sie vielleicht den Typhus?"
Fürchtest Du für Dein kostbares
Leben?" fragte llüi verächtlich. .Nein,
Gottlob, die Gefahr ist nun wohl so
ziemlich beseitigt, aver Hcdwig war sehr
krank. Ich will leine Zeit verlieren,
um Dir meine Meinung darüber zu
sagen, wie Tu Dich s.cgcn Deine Frau
benommen hast, cö würde ja doch keinen
Eindruck ans Dich machen."
.Da könntest Du Recht haben." schal
tctc Guido ein.
.Nun also. Fassons la-Jessus. Die
Sache, um die eö sich für mich handelt,
ist die Frage, wo Hcdwig hin soll, sobald
sie fähig ist zu reisen. Hier kann sie
nicht bleiben, ein Hotellebc:! saßt schlecht
für eine Genesende, deren .aupllcidcn
m den Nerven liegt. Ich würde vor
schlagen, mit ihr in den Süden ;n gehen,
aber eine Natur wie die Hcdwig's wur
zelt so fest in der Heimat'.,, daß sie dort
auch wieder am schnellsten frische VcbcnS.
kraft gewinnt. Da Du Dich schlecht
zum Krankenpfleger eignest, würde ich
mit nach cssonitz gehen. Sind die
Bcrhältnisse iu Zvrondcrg aber so, daß
Hedwig ohne schädliche usregung die
Ihrigen wiedersehen kannte ? Sie sagte
mir kurz vor ihrer üranliieit, Fronberg
solle verkauft werden, liidj in ihre
Mberphantafien sprach sie immer da
von. ist das wirklich der Fall?"
Guido war aufgestanden und mit
laugen schritten im Zimmer umher
gegangen. Den jioxf geseuit. sagte er
mit mürrischer Stimme : ..Ja. eS ,ft so.
Alfred hat in leichtfertigster Weife
Schulden gemacht, und der Alle kann
nur bezahlen, wenn er verkauft. Er hat
das kolossale Glück gehabt, in diefer Zeit
einen Käufer zu finden."
.Höre. Guido, ich weiß ganz genau,
daß 'papa und Du, in der Freude über
die Verlobung wiederholt gesagt habt.
Fronberg müse der Familie erhalten
werden. Gedenkt Ihr Euer Verspre
chen zu halten oder nicht?"
.Liebe lllll, Tn mischest Dich in
Sachen, die Dich absolut nichts an
gehen, und redest über Geschäfte wie
nun, wie eben ein junges Mädchen
redet. Papa hat genug Opfer gebracht
und ich "
.Was hat Papa gethan? Er hat
eine Hypothek übernommen, die Herr
Reimer auch nehmen wollte, die voll
kommen sicher fleht und ihm Zinsen
bringt. Außerdem ein paar Zucker
aktien, die augenblicklich allerdings
werthlos sind, aber in der Zukunft sehr
gewinnbringend werden dürften, solche
Geschichten macht er fortwährend, das
sind keine Opfer. Du hast dem Alfred
einige taufend Mark Schulden bezahlt
wohl wahr, aber bitte, vergiß nielzt,
daß Dn ihn in Dein wildes Leben
hineingezogen haft und ohne ihn Heb
wig nie gewznncu l'abcn würdest, die.,
neveubci gcszgt viel zu sa-ade für
Dich ist."
.Bist Tu nun bald seritg mit sei
nen AuSeinandc'.se!.:i:uc.?, Du n
liche Schwester? Je', tann Oir sagen.
ich habe mir da? Ganze auch netter
doraestcllt. .Ich war eben verliebt.
ES ist keine angenehme Sache, mit
einer Frau zu leben, die alles so ernst
und tragisch nimmt wie Hedwig und
i
voll von romantlZchcm Unjlnn ist.
.Hedwig, die ruhige, verständige
Sedwig l Wenn Du cS .romantischen
nfinn' nennst, daß sie an ihrer Fami
lie hängt, so ist cS bei unserer Erzie
hung und unseren Familienverhält
Nissen nicht gerade unnatürlich von Dir,
hex man darf doch nielzt uugcrccht
werden. Ich wenigstens kann sie vcr
stehen uud zwar sogar soweit, daß ich
entschlossen bin, im schlimmsten Falle
iu die Bresche zu treten uud selbst die
fragliche Summe von meinem müttcr.
Uchen Erbthcil zu geben.-
Guido hielt feinen Schritt au und
starrte fafsungSloö zu seiner Schwester
ycrübcr.
.Du, Du willst Alfreds Schulden
bezahlen? Das ist ein köstlicher Gc
danke! Darf ich fragen, holde Schwe
ster, ob Du Dir init dem Gelde
einen Grafen zum Ehegemahl kaufen
willst?"
.Spare Deinen Witz. Mein guter
Junge! Die Natur gab Dir nicht
allzuviel davon. Du weißt, daß Alfred
verlobt ist, aber auch ohucdicS wäre cr
nicht dcr Manu, den ich mir wühlen
würde. Ich liebe aber Hedwig uud
verehre dcu alten Grafen, und schließ
lieh, warum soll ich cö nicht gestehen,
erscheint cS mir als Ehrensache auch
Pr unsere Familie, das Gut zu er
Iren.? r
. '.Das ist ja alles krasser Unsinn.
Papa wird das nie gestatten, und Du
bist noch nicht mündig."
,$ch werde cS aber im Sommer, bis
dahin werden die Gläubiger sich schon
vertrösten lassen. Gib Dir keine Mühe,
mich einzuschüchtcru. Guido, ich bin
nicht so dumm in Geschäften, wie Du
denkst, und habe gute Nathgebei zur
Veite. Lorläufig habe ich an Papa
geschrieben, ob cr etwas thun will."
.Nun, da kannst Dn ruhig fein, der
thut nichts. Die schöne Mama Nofa
hat ihn gründlich unter dem Pantoffel,
sie sorgt vor allen Dingen jetzt für sich,
und wenn sie uns noch Sticfgcschwlstcr
schenken, so dürftest Du doch später be
reuen, 100,000 Mark fortgegeben zu
haben, denn der Alte wird Dir daun
nicht gar zu viel hinterlassen, das glaube
mir."
Das schreckt mich allcö, nicht, denn
ich wußte es. Wir können unsere an
genehme Unterhaltung nun wohl be
endem Ich erwarte heute oder morgen
Herrn Werner zurück, dcr nach Fron
bna gereist ist. dann theile ich Dir das
Weitere mit."
: .So. der würdige Herr spukt hier
i
herum? Seiner SüiaiattT HT5T hiTTRT
gelungen. Dich zu dem seltsamen Ent.
qhui,c zu orinaen. 5cy glaube, er tst
.r... chc.x. x.i.Lr. . -
uiiuuuci iuucicr jjconjig.-
uui zucne vte vichjeiit.
.Ich überlasse Dich Deinen liebenö
würdign Gedanken."
.Ein verdrehtes, überspannteSFrauen
Uinmer," brummte Wangen, als die
Thüre sich hinter seiner Schwester ge.
schlössen hatte. Gedankenlos über
flog er die eingegangenen Briefe und
Karten. Obenauf lag die Entladung
Zu einem Hofballe, ärgerlich warf Gnido
fie hin. .Damit ist e nun auch für
dieses Jahr vorbei! Nichts als Stö.
rungen und Unannehmlichkeiten,"
brummte er, .ich tauge nicht zum Ehe
mann." Er warf sich aus das Sofa
und versuchte, die versäumte Nachtruhe
einzuholen.
Älaß und abgemagert, aber mit dem
Lächeln einer verklärten saß Hedwig.
von Kissen ' unterstützt im Lehnstuhle
und hielt einen Brief ln der Hand, der
ihr meldete, daß Fronberg nicht verkauft
weroen würde!
Biklor hatte, ohne daß ein Mensch
etwas davon ahnte, in semer frischen,
einfachen ttnabenart ein Schreiben au
den Kaiser gerichtet, worin er in ganz
verständiger und eingehender Weise die
Verhältnisse schilderte. Erst durch den
Vandrakh Neudeck, welcher zum Bericht
aufgefordert war, erfuhr der alte Gras
von diesem Schritte seine jüngsten
Sohnes. Und dann kam eines Tages
eine Kommission aus dem HauSmiui
sterium, Fronberg wurde tarirt. die
Hypothekenverhältnisse wurden geprüft,
und Graf Notdkirch erhielt dann die
Versicherung: die erforderliche Summe
würde ihm auf sein Gut aus deu Fidei
kommißgeldern gegeben werden.
Wie mir der Berliner Geheimrath
noch mittheilte, soll Majestät über Bik.
torö Brief herzlich gelacht, ihn auch bet
Kaiserin gezeigt haben," schrieb Gras
Nordkirch.
.Mein guter, wilder Viktor l" sagte
Hedwig mit Thränen in den Augen.
Ulli freute sich mit ihr. obgleich eS
ihr eigentlich leid that, daß alle ihre
Pläne nun nntzloS geworden.
Jetzt geht es nach Hsuze." flüsterte
Hedwig. zärtlich
den Arm um UlllS
Schulter legend,
aeinnd werden."
.Dort werde ich bald
Ehe die Veilchen auch bei uns blü
heu." sagte daS junge Mädchen scher
zend.
Hedwig drückte ihre blassen Wangen
in einen duftenden Beilchenstrauß
Während der ganzen Krankheit wurde
jeden Morgen ein solches träußchen
beim Portier für fie abgegeben.
Das Wiedersehen der beiden Gatten
war ein ziemlich peinliches.
Guido, der in dieser Zeit seine alten
Iunggesellengewohnheiten wieder aus
genommen hatte uud sich dabei sehr wohl
suhlte, schrak vor der veränderten Er
scheinung HedwigS zurück.
Diese blasse Frau mit den eiugcfalle
nen Wangen und den übergroßen Au
gen erschien ihm fremd und unheimlich.
cr Gedanke, mit ; jetzt im Februar
nach Lcssonitz zu gehen, war ihm uner
träglich. Er verabschiedete sich aus dem
Bahnhofe mit einem kühlen Handkuß
und einigen vagen Versprechungen, bald
nachzufolgen. Noch an demselben Vor
mittage verabredete er mit alten Freun
den ein Souper zu Ehren einer feschen
Wiener Soubrette.
Am Abend vor der Abreise erhielt
hedwig ein prachtvolles Bouquet zuge
schickt, ganz aus weißen Kamelien, Flie
der und Gardenien bestehend. Es war
vom Prinzen W., er sollte lange auf
seine Quadrille warten.
Während die blaffe junge Frau, auf
Ulliö Arm gestützt, dem refcrvitten
Koupcc zuschritt, stand in der Menge,
halb hinter einer Säule verborgen, ein
ernster Mann, den Hut tief in die
Stirne gedrückt. Mit gramvollem Auö
druck starrte cr unverwandt herüber,
aber cr näherte sich nicht. Jetzt über
fliegt ein melancholisches Lächeln das
ausdrucksvolle Gesicht deS Mannes. Er
hat den kleinen Veilchenstrauß in Hcd
wig'S Hand entdeckt. Das große Ka
mclicnbouquct trägt die Zofe. Guido
tritt hinzu, um die Damen in das
Koupec zu heben. Dann werden die
Thüren Zugeschlagen, daS Signal er
tönt. Einen Augenblick noch sieht
Werner ein zarte Profil am Fenster,
dann verschwindet dcr Zna im Morgen
ncbcl. Wann und wo wird er Hedwig
einst wiedersehen?
In den Hauptstraßen der Residenz
fluthct ein bunter Menschenstrom auf
und ab. Ob auch dcr Nordott ziemlich
scharf weht und die kleinen Schnccatome
Mit cincr Kraft dahintrcibt, daß sie wie
feine Nadelstiche prickeln und die Gesich
ter dcr fchncll Dahineilenden sich röthen,
ob er anch zudringlich durch jede Oeff
ttnng bläst, die er findet, hier durch das
Loch in dcr groben Jacke, dort durch
den weiten Acrmcl des eleganten Ptl)
mantclS. man ficht doch keine verdrieß
liehen Mienen. Mit gesenktem Haupte
bietet mau heiter dem Winde Trotz und
eilt weiter in emsiger Geschäftigkeit. Ist
ja doch Weihnachtszeit und werden doch
alle diese emsigen Menschen von einem
gleichen Impulse getrieben ! Die vor
nehme Dame dort, mit dem Livrcedie
ncr hinter sich, die kräftige, blühende
Fatstilicnmuttcr, die ihre Einkäufe selber
trägt und für das Steckenpferd des
ältesten Schlingels, welches die Vor
übergehenden inkommodirt, manch lä
chelnde Entschuldigung vorbringen muß
dcr kleine Backfisch, dcr im Gehen
die Zahl dcr ersparten Markstücke mit
den zu machenden Einkäufen in Ein
klang zu bringen sucht, sie alle haben
denselben Gcdankcu, sie wollen Freude
machen, Ucberraschung bereiten, denn
morgen ist ja Heiligabend !
DaS weibliche Geschlecht überwiegt
bedeutend im heutigen Straßcnpubli
knin, ihm fällt die Hauptaufgabe zu, cS
fühlt sich sicher und in seinem Elemente.
Dcr Mann wird gewöhnlich nur in dc
Rolle deS wandelnden Portemonnaies
mitgenommen, oft als störend bei Seite
gelassen, und wenn cr als sclbstständigcr
Käufer auftritt, spielt cr in den meisten
Fallen eine klägliche Rolle.
Wie freuen sich die Konunis in den
eleganten Geschäften, wo hie lausender
lci kostbaren Nichtse und die stilvollen
LuxuSgcgenstände verlockend ausgestellt
sind, wenn ein hochgewachsener Offizier,
ein vornehmer Eivilist sich allein zu
ihnen wagt wie kichern verstohlen die
hübschen Mädchen in den Modcmaga
zincn, wo die armen Opfer der Gatten
liebe unschlüssig und verlegen unter all
den duftigen Herrlichkeiten stehen sie
find alle rettungslos verloren, fie bezah
len im günstigsten Falle die Sachen um
ein Drtttthcil zu theuer und ziehen ab
mit dem zweifelhaften Troste : Es kann
ja nach den Feiertagen wieder umge
tauscht werden.
Und nun die armen Jungen, die von
ihrem Taschengelde der Mama, der
Schwester oder gar einer heimlich ange
beteten Cousine ein kleines Geschenk
machen wollen! Wie drücken sie sich
verleaen. die Mütze in ier Sand, in den
großen Geschäften umherl Niemand
bat .Zeit für sie. - Mit einem .Gleick.
gleich" eilt der geschäftige KommiS ohne
Gewissensbisse sechsmal an ihnen vor
über. Wenn sie sich einmal ein Herz
fassen und nach dem Preise irgend emeS
zierlichen Gegenstandes fragen, der ihnen
besonders gefällt, so lieben sie sich fle
wohnlich erschrocken und iiHerrölvM
zurück, er ist eben unerschwinglich, we
nigstens für ihr Portemonnaie. End.
lich entschließen sie sich zu einer Garn
winde, die der Mama beim ersten Ver
suche in der Hand zerbricht, zu einer
Brosche, die daS Schwesterchen noch in
den Feiertagen verliert, oder zu einem
wunderschönen Porzellanstrauß, der sehr
theuer ist und im Schranke der elegan
ten Cousine bald vergessen einstaubt.
Aber das schadet nichts, es hat doch alles
Freude gemacht, wenn auch oft nur dem
Geber. Ja, die Seligkeit des Gebens
ist groß ! Warum würden die Gesichter
der Einkaufenden sonst so strahlen, und
die Armuth ist schon deshalb bitter,
weil sie auch diese Freude entbehren muß.
Da, vor jenem Modewaarengeschäft
mit bunten billigen Herrlichkeiten, steht
sö)vn längere Zeit ein kleiner ältlicher
il.ann in dürftiger Kleidung. Der
Wind weht scharf an der Ecke, aber er
achtet eö nicht. Was kann ihn an den
farbigen Schleifen, den zierlichen Kra
gen und Schürzchen wobl intercffiren ?
Gewiß hat er zu Hause ein hübsches
Töchterchen, dem er gar zu gern eine
Freude bereiten würde, und die Hand,
die er in der Tasche hält, läßt immer
wieder die wenigen Gelostücke durch die
Finger gleiten, während Kopf und Herz
im streite liegen, ob eine LnxuSgabe zu
rechtfertigen ist. Jenes kleine rothe
Tuch dort müßte fo hübfch zu den brau
nen Augen passen, und wie würden diese
Augen leuchten beim Anblick desselben !
Iu, wer in die Herzen dcr Menschen
sehen könnte! Gewiß. eS fanden sich
viele, die dem armen Manne jagen wür
den: Hier, i-ier Ija'i du Geld, uiniial
im Jahre joii-'c du inutj ou- v.-in::c :(
Gebens fühlen. Aber die bitterste Ar
mnth, diejenige, in welcher das Zurtge-
iühl noch nicht erloschen ist, mußaufge
ucht werden. Sie drängt sich nicht an
ic Reichen heran und diese, oft betro
gen, schließen verdrießlich die Taschen
und begnügen sich damit, reichlich Geld
an die verschiedenen Vereine zu geben.
Ach, diese Vereine! Wer wollte icuj
nen, dan jie viel Gutes wirken ! re
sorgen dafür, daß die armen Leute Koh
len zu einem warmen Zimmer, die noth
wendigste Kleidung, Schulsachcn für die
Kinder erhalten. Segen über ihr Be
ginnen !
Weihnachten ist aber ein Fest der Kin
der. Kindcraugen aufstrahlen zu machen
wie die Lichter am Weihnachtöbaume ist
das Beste an dcr schönen Feier. Und
Kindcraugen sind so unvernünftig, Kin
dcraugen strahlen nicht beim Anblick
eines wollenen Shawls und einer Schie
fertafel. Und die Kleinen, dieganz
Kleinen, die noch nicht in die schule
gehen, sollen sie ausgeschlossen sein von
dem Lichterbaume, der dom gerade sür
sie den herrlichsten Schein yat?
.Lasset die Kindlein zu mir kommen
und wehret ihnen nicht!" sollte das
Motto emeS Vereins sein, dcr die ganz
kleinen Kinder dcr Annen mit einer
Puppe, einem hölzernen Pferdchcn,
cincr Schachtel billiger Soldaten be
schnitt. Sprecht nicht über Unvernunft, ihr
strengen Moralisten, einmal im Jahre '
kann man doch unvernünftig sein n
Ehren der unvernünftigen Kleinen. Ein
Kinderherz ist fo leicht zu beglücken, und
das Licht, das aus den Kindcraugen
strahlt, wirft einen hellen Schein anf
den dunklen Pfad der Eltern. Das
Lächeln, mit welchem die Kleine ihre
Puvve entzückt dem Vater cntgegenhält,
verscheucht vielleicht den bitteren Groll,
der sich in seinem Herzen regt.
Ja, Kinderaugen strahlen zu machen,
ist die beste Feslsreikde, so denkt auch
Ulli, eine der Glücklichen, denen cö gc
stattet ist, ihrem warmen Herzen zu fvl
gen und Glückliche zu machen. Wo sie
eine mit Kindern reichgesegnete Familie
wel, da erscheint sie und vertheilt ihre
Gaben ; den Kleinen, die an den Schau
fenstern die ausgestellten Herrlichkeiten
betrachten, steckt sie eine Ätte mit Sü
ßigkeiten in die blaugefrorenen Händ
chen, und jetzt kommt sie aus einem
Spiclwaarenladen, gefolgt von dem
Kommis, der ihr große Packete an den
Wagen trügt. .Zu Frau Doktor Wer
ner I" ruft sie dem Kutscher zu.
Ulli ist in Trauer. Im letzten Früh,
jähr starb Papa Wangen in Nizza.
Seine Leiche wurde nach Wanaenau ge
bracht, welches Wittwensitz für oie schöne
Rosa ist. Außerdem hat diese eine be
deutende Rente geerbt, doch fällt nach
ihrem Tode alles an Guido. Ulli ist
ziemlich kärglich bedacht, im Vergleich
zu dem großen Vermögen ; sie hat wenig
mehr als das Pflichttheil erhalten, indeß
ist sie immerhin eine gute Partie, und
man fängt an, sich zu wundern, daß sie
nicht heirgthet.
.Es ist da ein Techtcl-Mechtel zwi
sehen Ulli Wangen und einem Doktor
oder Professor," fagte Lieutenant von
Wahlen, von dem man annimmt, er habe
einen Korb von Ulli bekommen. Dicfe
Herren schnapven einem noch die schnei
digsten Mädels vor dcr Nase fort. Py
ramidal, wahrhastig I"
In einer stillen Straße hielt der Wa
gen. Ulli sprang heraus und rief den
Portier, damit er die Packete herauf
bringe, während sie lustig zu einem klei
nen Blondkopf sagte: .Für Dich ist
auch etwas darin, Fritzchen, wenn Du
hübsch artig bist." Dann eilte sie leicht
füßig die Trepve hinauf.
Das Mädchen, welches die Thüre
öffnete, hieß sie lächelnd willkommen,
und Ulli schlüpfte geräuschlos in das
kleine dunkle Vorzimmer und blickte von
dort durch die schwere Portiere in das
hell erleuchtete, behagliche Wohnzimmer.
An einem runden Tische saßen zwei
Damen. Die ältere, mit fsnem fernen
Gesichte, d?m man ansah, dqß eS m der
Jugend schön gewesen, trüg ein Witt
wcnhäubchen über dem schneeweißen
Haar, sie las halblaut einen Brief vor
DaS junge Mädchen lauschte mit Wck
lichem Lächeln und lehnte den Kops mit
den blonden Flechten an die Ochulter
der Mutter. Ein kindlich zatte Gesicht
mit einem leichten Zug von Kränklich
keit. .So kommt er vielleicht schon zum
Feste," sagte sie eben und hob die klaren
Augen, die nun anf die Eintretende sie
en. .Ulli," rief das blonde Mädchen
reudig und eilte dcr Thüre zu. Jetzt
ah man, daß sie leicht hinkte.
Ehe noch die ältere Dame sich erheben
konnte, war Ulli schon neben ihr, um
faßte sie zärtlich und sagte schelmisch :
.Da haben Sie Ihren Wirbelwind,
Mamachen. Jetzt kommt wieder mehr
Unruhe in Euer stille Heim. Ich
glaubte schon. Ihr wäret jetzt um sechs
Uhr eingeschlafen,
als ich uucy so aus
dem Sofa sitzen sah.
.O nein, wir dachten tik
t an Schlaf,"
rief Klarchen Werner.
glaube, ich
nicht schla-
werde sogar die ganze Nac
zen können vor vreuve.
Denke nur.
U2L zneiuBruder Mul iommt in den
nächsten Tragen? Die Germania' jl
vielleicht schon in Hamburgeingelaufen.
Zwei lange Jahre war er sott."
.Bruder . aul. . der Weltumsegler,
der Naturforscher ! Ei. das ist ja inte
ressant. Darum ist Mamachen auch so
kühl bei unserm Wiedersehen. Handelt
e5 ü iicr. ici nicht um iwcj Jahre,
sondern nur um emigeMonate.' 'Sie
hat gewiß schon vergessen, wie oft ich, in
der Zeit als Hcdwig in Fronberg lebte,
hier gefessen. und mir Hcimathsrechte
erworben habe." Ulli schmiegte sich an
die alte Dame, die ihr zärtlich über die
wirren Vöckchcn strich.
, Kindchen, wir haben unö sehr nach
Ilznen gesehn!. Noch gestern sprachen
,vi ini: Ernst von Ihnen. Er meinte,
ijür'::.i fie 5 wohl wieder unter
Orangen verleben, wie im vorigen
Iahn."
Mi schüttelte den Kopf.
.Mein Amt als Reisebegleiterin und
Gesellschafterin ist zu Ende. Guido hat
aus einmal den Einfall bekommen, ein
solider Ehemann zu werden, und Hed
wig ist von Neuem seinen kreuen Armen
überliefett worden."
.Aber, Kindchen, wie Sie das sagen !
Sie sollten sich doch freuen, daß Ihr
Bruder wieder auf den richtigen Pfad
gelenkt hat. Mann und rau gehören
zu einander, und cö thut nicht gut, zwi
schen sie zu treten."
.Ach m. Mamachen, das ist alles
wahr, aber ich liebe nun Hedwig einmal
mehr als meinen Bruder, und ich weiß,
daß sie nie glücklich sein kann neben ihm,
nie, nie, nicht einmal zufrieden."
.Trotz alledem ist ihr Platz an seiner
Seite." sagte eine tiefe Stimme in ern
stem Tone, und Werner trat auö seinem
Studirzimmer näher, um Ulli herzlich
zu begrüßen. Er behielt ihre Hand
einen Augenblick in dcr seinen und sagte
mit warmem Tone: Sie lieben Ihre
Schwägerin und wollen ihr Glück, aber
glauben Sie mir, sie kann eö nur noch
finden in strenger Erfüllung der einmal
übernommenen Pflicht. Man denkt in
der großen Welt leicht über Trennung
von Ehegatten, aber Frau von Wangen
ist anders geartet. Sie würde sich spä
ter wie fahnenflüchtig vorkommen, wenn
sie um ihrer Ruhe willen den Platz ver
ließe, den fie mit Ueberlegung selbst ge
wählt hat. Und wenn Ihr Bruder,
von der Gattin aufgegeben, einem wil
den, zügellosen Leben versiele, so träfe
die Schuld daran auch die Gattin."
Ulli schüttelte wieder ungläubig deu
Kopf. Ach, Herr Professor," sagte sie.
.Sie kennen die Verhältnisse nicht.
Niemand als ich weiss, was Hedwig lei
det und wie wenig Einfluß sie eigentlich
auf Guido hat. Soll man fein ganzes
Leben laug für einen Irrthum büßen?"
Ein schmerzlicher Zug flog über Wer
nerS ernste Züge.
.Es scheint hart, aber ich sehe keine
Hilfe," sagte cr gcprcßt. .Ihr Brudcr
würde seine Gattin nicht freigeben wol
lc. sagten Sie früher. Ertrotzen aber
darf sie die Freiheit nicht, das wäre ihrer
nicht würdig. Und nun erzählen Sie,
wie es Ihnen ergangen ist, seit wir uns
nicht gesellen."
.Ach, eS war eine herrliche Zeit für
mich. Hcdwig und ich, wir haben ge
schwelgt im gelobten Lande Jtalia.
Wie sie aufblühte an Geist und Körper,
die liebe, schöne Hcdwig, es war als
würde sie mit jedem Tage heiterer und
gesünder. Und wie vertraut fie war mit
all den alten Römcrcrinncrungcn, mit
all den Kunstschätzcn und deren Ge
schichte. Ich staunte immer nur. Hatte
ich doch gedacht, ich würde Eiccrone sein,
da ich schon einmal in Touristcumanicr
daS Land durchflogcn hatte, aber siehe
da, ich hatte uur immer zu lernen. Sie
war mit dem Wesen dcr T'inge vertraut,
wo die meisten sich mit dem Schein be
gnügen. Und wenn ich dann verwun
dert fragte, woher fie all die Wissenschaft
habe, dann war cö immer wieder Ihr
Name, Herr Professor, den fie mit glän
zenden Augen nannte. Oft sehnten wir
Sie herbei, wenn uns manches noch
unklar oder wenn cö qar so zauberhaft
fchön war, wie zum Beispiel ein heller
Mondschcinabcnd auf dem I'oruin ro
rnainun, welches Sie uns mit Ihren
Römern bevölkert und wieder aufgebaut
hätten."
Eine feine Nöthe stieg in das aus
drucksvolle Gesicht des jungen Mannes.
Er beschattete die Stirne mit dcr Hand
und sagte mit bewegter Stimme: .ES
wird selten einem Lehrer die Freude zu
Theil, eine Schülerin zn unterrichten,
wie einst Gräfin Hedwig eine war."
Das glaube ich wohl. Es liegen in
der ruhigen, früher als Mädchen ein
wenig hausbacken erscheinenden Frau
bedeutende Gaben, die sich unter gün
stigen Verhältnissen herrlich entfalten '
müßten. Alles das soll nun untergehen
in dem öden, her;- und geistlosen Trei
ben der großen Welt, in das Guido sie
wieder hiuciuzcrrt ! Es ist ihm durch
Nordkirchsche Verbindungen gelungen,
die Kammcrjunkcrwürde zu erhalten,
und nun soll iu diesem Winter da ange
knüpft werden, wo vor zwei Jahren der
Faden jtth abriß. Möchte er eö nicht
zu bereu eu haben ! Hcdwig ist nicht
mehr die stolze, kalte Statue von früher,
cö ist eine leidenschaftliche Unruhe iu ihr,
die mich sür sie besorgt macht."
Werner saß stumm da. Er litt schwer
und wollte es doch nicht zeige. Die
Mutter kam ihm zn Hilfe. Sie schob
ihm den Brief herüber. LicS, Ernst,
Äcin Brudcr kann in diesen Tagen
schon bei unö sein.-
Während Ernst mit freudigem Aus
ruf den Brief las, plauderte Ulli mit
den Damen und übergab ihnen die
mitgebrachten Schätze zum morgenden
Ausbau.
.Sie lieber, kleiner Leichtsinn," sagte
die alte Dame zärtlich, .nicht allein,
daß Sie uns eine solche Menge Lein
wand und Flaues geschickt hgbcn.
müssen Sie uns nun auch noch die Klei
ncn mit Ihren Puppen. Soldaten und
Süßigkeiten verwöhnen !"
.Ach, liebes Manischen, feien Sie
nicht vöfe, es ist ja nur einmal im
Jqhre Weihnachten, und eö ist ja
meine Hauptfrcude. Gönnen Sie mir
sie doch."
.ch gönne Ihnen das beste Glück,"
flüsterte Frau Werner bewegt.
Dann nahm Ulli Abschied von den
Damen, Werner hatte sich schon in sein
Zimmer zurückgezogen. Sie versprach,
am ersten Feiertage den Abend hier zu
verleben und eilte leichtfüßig hinaus,
indem sie Klärchcn zurief: .Bleibe
ruhig fitzen, Herz, ich finde schon inci
ncn Weg."
In dem Anszcu'.lic. wo s!c das
ouuttc 'or:i.zzm?r i
':ii:re ;. !ü
! dir.vr'nut. f.o-.i ?tc
'. ' 'c" a.!j. ii deni
'!! .,'. .. C :: , :.".".Z...ve 1
Ulli die Umrisse einer mächtigen Gestalt,
fühlte sich plötzlich von mei kräftigen
Armen umfaßt, emporgehoben und an
ein klopfendes )erz gedrückt, während
eine Stimme zärtlich uijd lustig rief:
.Nein, kleine Äusreiszerin, erst begrüße
Deinen Brudcr!"
Bei dem Laut der hellen Stimme
wurde die Thüre des Wohnzimmers
geöffnet. Das volle Licht, da jetzt in
des.. BLNMdaLabeleuchtete die er-
rothende lachenSe llll? MiMtk MMer
zurückgeschlagen. - und .emen großen.
auffallend hübschen Mann mit aebräun.
ten Zügen, der sie in sprachloser Ver
wirrung anstartte.
: .Paul, Paul," riefen die Damen,
auf ihn zueilend.
Er hat sie für mich gehalten," sagte
Klärchen und lachte silberhell aus.
Ja, wahrhaftig, daS habeich," sagte
der stattliche Mann ganz kleinlaut, .und
meine ganze Hoffnung ist, daß die unbe
kannte junge Dame dem Halbwilden,
der eben erst wieder den Fug aufcivili
sirten Boden gesetzt und den die Freude
des Wiedersehens ziemlich unzurech
nungsfähig gemacht hat. das Ungeschick
vergeben wird, ich müßte sonst gleich
wieder Europa verlassen."
Seine dunklen Augen sahen mit halb
humoristischem, halb verleaenem Aus
druck Ulli an, während er ihr bittend die
Hand entgeaenstreckte.
Erröthend legte Ulli ihre kleine Hand
hinein und sagte lächelnd : .Mein Zorn
soll Sie nicht vettreiben. Selbst wenn
ich ihn fühlte, so würde er jetzt mit mir
verschwinden. Auf Wiedersehen !"
.Nein, nein, Sie dürfen noch nicht
gehen, mein gnädiges Fräulein. Sie
müssen sich doch überzeugen, daß ich nicht
ganz der Wilde bin, als den ich mich
gezeigt habe, und Mütterchen muß uns
erst in aller Form vorstellen."
Er umarmte stürmisch zärtlich seine
Mutter, die lachend sagte : .Ein Wilder
bist und bleibst Du doch, mein Junge.
Sollten Sie eS wohl glauben, Ulli, daß
dieser Mensch älter ist als Ernst ? Er
ist immer noch wie ein lustiger Student,
obgleich ich ihn Ihnen als Doktor der
Philosovhie und Professor der Natur
wissencyaften vorstellen kann. Und
diese zunge Dame, Paul, ist Fräulein
Ulli von Wangen, deren Name in unse
ren Briefen so oft genannt wurde."
.Fräulein Ulli von Wangen ! Nun,
dann ist ja alles gut. Was Ihr mir
von Fräulein Ulli geschrieben habt, läßt
mich hoffen, daß sie geistvoll genug ist,
um mir verzeihen zu tonuen."
.Ei, Herr Professor, Sie haben mich
schnell zu der Ueberzeugung gebracht,
daß Sie ,bei Licht besehen' kein Wilder
sind und Europas übertünchte Höflich-'
reit noch nicht verlernt haben. Ich darf
mich jetzt wohl entfernen?" sagte Ulli
schelmisch lächelnd.
.Wenn Sie darauf bestehen, gnädiges
Fräulein. Aber als Zeichen der voll
kommenen Versöhnung müssen Sie
meinen Ritterdienst bis zum Wagen an'
nehmen, den ich unten wartend fand."
Lachend nahm Ulli feinen Arm ; und
Paul rief bei der Rückkehr, nachdem er
Mutter und Schwester nochmals herz
lich umarmt und dem Brudcr die Hand
geschüttelt hatte:
Ein ganz allerliebstes Mädchen, diese
Ulli ! Wahrscheinlich meine zukünftige
Frau Schwägerin?"
.Wie kommst Du auf diese Vermu
thung ?" sagte Ernst im Tone dcr rein
sten Verwunderung.
Die Frage ist köstlich," sagte Paul
lachend, ich finde hier eine junge hübsche
Dame vollkommen eingebürgert, sie dnzt
sich mit Klärchen und nennt unser Müt
terchcn Mamachen ich weiß ganz genau,
daß Du sie in die Familie eingeführt
hast, und Du wunderst Dich über meine
Vermuthung."
Frau Werner lächelte wehmüthig und
sagte: Ich hoffe cö auch noch immer.
Ulli ist ein prächtige Mädchen, ich liebe
sie wie mein eigen Kind, und sie "
.Ich bitte Dich, Mütterchen, Du
täuschst Dich vollkommen. Es ist von
Ullis Seite ebenfalls nur Freundschaft,"
fagte Ernst hastig und crröthcnd. Was
mich betrifft "
So hast Du immer die Anlagen ge
habt, ein alter Junggeselle zu werden,"
rief Paul lachend. Du verlangst von
Deiner Frau gar zu viel, das weiß ich
von früher, und Ideale lausen uns nicht
so leicht über dcu Lebensweg."
Ernst lächelte melancholisch und meinte
dann scherzend, Paul, als dcr ältere,
müsse erst mit gutem Beispiel voran
gehen. Die Absicht habe ich anch. Ich bin
deS ewigen VagabondlrenS müde und
nehme cS als ein gutes Omen an, daß
mir gleich bei der Ankunft eine junge
Dame in die Arme gelaufen ist."
Du hättest sie nur gleich festhalten
sollen," scherzte Klärchen.
DaS Kind hat recht, wahrhaftig, daS
wäre eine Frau, wie sie für mich paßte.
Klein und zierlich liebe ich fie, die großen
Weiber sind gewöhnlich geistlos. Da
bei nicht zu zimperlich und mit dem
Mündchen frisch weg ; sie sieht auS, als
wüßte sie über alles zu plaudern und
auch zu denken. Doch nun, Ihr Lie
ben, laßt unS zusammenrücken und er
zählt mir, wie eS Euch ergangen ist.
Ich habe eine wahre Sehnsucht nach ein
wenia Verwandten- und Bekannten
klatsch, nebenbei auch nach einer kleinen
Erfrischung. Ach ich sehe, Marie, die
Treue, waltet fchou am Eßtifch. ,Uud
sie erhoben die Hände zum leckerbereite
ten Mahle,' rufe ich Euch zu als scc
fahrender Odm'seuS."
Spät noch leuchtete die Lampe in dem
traulichen Wohnzimmer, und ihr milder
Schein glänzte in die unfreundliche De
zembrnacht hinaus.
Foitsetzung Folgt.
merikanisches Allerlei.
N a f a e l I o s e f f v bat w'.edcr s, i-
r.en Lkhrstul'l am New .yoc'er Musik-!
Conservatoriuin überkommen ; eS ist dies j
ein Gewinn sür die Horcr und sür daZ ;
Conscrvatorium.
Die (5 a n a l -C o m m i s s ä r e von
Illinois b. en eitschieoen, daß der
Auad-'kt 'in Ottaii'i, welcher den lli-nri-S-Michigan-Canal
über den Fo-Fluß
führt, baufall g ist, und beschlossen, so-
so.t nach Schluß der Schiffahrt ihn neu
aufzuführen. Ais dahin wird er gestützt ;
weiden, um zu Verbindern, daß er zu'aiü'
t ?4i r r r '
mei.oilHl uno oas anairoan.cr ,iüj uocr
Ottawa ergießt.
In Newark, N.J., beginnt man
bereits ernstlich mit den Vorbereitungen
zu dem im Sommer 1891 dort stattftn
denden 16. Sängerfest deS Nordöstlichen
Sängerbundes. Am Sonntag fand im
Lokale des Arion" die erste vorberei
tende Sitzung statt. Herr C. E. Lienau
führte den Vorsitz und Herr L. Heck fun
girte als Sekretär. 21 Vereine wareu
durch Delegaten vertreten. Es wurde
vorläufig beschlossen, die sämmtlichen
Vereine für das Sängerfest zu konsolidi
ren und den Namen Vereinigte Sänger
von Newark" anzunehmen. Die nächste
Sitzung findet am Sonntag, den 6. Okt.,
statt.
In Topeka wird ein neue? Kapi
tol für Kansas gebaut, und zwar durch
den Architekten Kennett McDonald aus
öouisville, ' ES zeigten sich aber, obwohl
Ler Bau erst ungefähr halb fertig ist, so
bedeutende Risse im Gebäude, daß Mc
Donald abgesetzt und der Architekt RopeS
zu seinem Nachfolger ernannt wurde.
Dieser hat nicht nur gefunden, daß daS
EebLuedielN.denPläyenLorgesehene
Kuppel zii tragen nicht im Stande sein
wird, sondern auch, daß ein Theil der
Arbeit wieder eingerissen werden muß.
Ein Comite von Architekten in Kansas
City hat sich den Empfehlungen von
Ropes angeschlossen, und der Staat Kan
sas wird einige Hunderttausend Dollars
ausgeben müssen, um das noch nicht fer
tige Kapitol vor dem Einsturz zu schützen.
S ignorSalv in i's Gastspiel
in P.rlmer's Theater zu New York be
ginnt Anfang Oktober. Palmer hat
künlich den großen Tragöden in seiner
V.lla bei Florenz besucht und da haben
sie vöi'abredet, daß das Nepertoir nur die
drei Stücke The Gladiator", Othello"
und Samson" umfassen wird. Letzte
res Stück ist hier niemals in englischer
Berswn aufgesührt worden ; W. D.
Howells hat das Stück aus dem Italien!
schen in's Englische übertragen. Die
Proben der Salvini-Gesellschaft haben
bereits in letzter Woche unter Leitung des
Herrn Alexander Salrini, der als Re
gisseur fungiren wird, begonnen. Alex
ander Salvini wird nur an den Aben
den, an denen sein Vater nicht mitwirkt,
auftreten.
Von einem Mädchen, welches
an Stärke alle je dagew.senen Kraftmeier
überbietet, wird aus sJUto Aork berichtet.
In New $)orf wurde kürzlich Mary Mar
tin, ein kleines und zart aussehendes
Frauenzimmer, verhaftet, weil es einen
Lampenpfosten aus der Erde gerissen
hatte, und es bedürfte der vereinigten
Starke von fünf Polizisten, sie nach der
Station zu schleppen und in eine Zelle zu
sperren ; deren Stangen bog sie einfach
auseinander und erschien in wenigen
Minuten wieder am Pult des wachtha
benden Sergeanten. Nicht besser ging
es im Kings County Zuchthaus, wo sie
aus den stärksten Zellen durch Zerbrechen
des Gitters oder Abreißen 'der Schlösser
ausbrach. Da sie erklärte, daß sie Nicht
im Gefängniß bleiben werde, hat man
sie nach Flatbush in's Hospital gesandt,
damit die Aerzte dort Untersuchungen
über die Ursache ihrer unheimlichen Kraft
anstellen.
Neu-Mexico behauptet seinen
Ruhm als das Land der Schafswolle. Im
dortigen Theile des Rio Grande-Thales
hat dieser Tage die Schafschur begonnen,
und lange Züge mit schwer beladenen
Wagen, die täglich in den Stapelpläten
eintreffen, zeigen, daß die Ausbeute eine
gute ist. Bcrnalillö County allein wird
100 Millionen Pfund Wolle liefern.
Die größte Schafzüchtergefellschaft in je
nein Territrrium bilden die Gebrüder
Perea, welche halbjährlich 100,000
Schase sL'.eien und durchschnittlich 300,,
000 Pfund Wolle im Jahre nach Albu
qucrque senden, .euer dürfte ihr Er
tag noch g'.bßer sein, da ein Schaf dies
mal durchschr.it. lich ;wc,i Pfund Wolle
iefert. Ter grc stte einzelne Schafzüchter
ist Ton No!nn A. Baca, welcher 40,
000 Ctu k besitzt: A.idres Romern hat
14,oro S jstfe. Die Navaio-Indianer
in Me'.ik', die voriges Jahr über zwei
Millio: cn Pfund Wolle erzielten, werden
mit der Schur erst Ende September begin
nen.
Unter den interessantesten
Vorträgen in der JohnS Hopkins' Uni
versuät," welche nächsten Winter in Aus
sicht stehen, werden die von James Russell
Lo'.vell über Dichtkunst den größten Zu
lauf haben.
Im Innern deS Staates Missouri
befinden sich zwei alte CremoneserGei
gen; eine hat Adolph Schollmeyer in
Eurika, die andere der Pastor W.
Meyer in Black Jack, St. Louis-County.
Letztere wurde 1559 gebaut.
In Leavenworth, Kan., er
schoß sich ein Sergeant, der sich erst vor
zwei Monaten verheirathet hatte. Von
einem Sergeanten dürfte man aber doch
erwarten, daß er vor dem Feind nicht so
rasch die Waffen streckt. Es gibt Haus-
iche Kriege, die zu dreißigjährigen wer
tn, ohne daß die Cheveteranen an
Tapferkeit im Streite" einbüßen.
Charles Joseph Savary, ein
bekannter französischer Politiker und ehe
maligcr Direktor der Bank von Lyon",
welcher nach dem Bankerott jener An
stalt in 1881 mit der Gattin seines Sck
rctärZ nach Canada entfloh und seine
rechtmäßige Gattin sitzen ließ, ist in Ot
tawa, Ont., der Auszehrung erlegen.
Er wird als der hauptsächlichste Urheber
der letzten Riel'schen Rebellion im Nord
Westen betrachtet, da seine Schriften viel
dazu beitrugen, die französischen Cana
dier aufzuhetzen.
Sehr e r f e u l i ch ist es zu hören,
daß der Nothstand der JohnS Hopkins
Universität nicht fo schlimm ist, wie die
ser Tage berichtet wurde. Allerdings
träat das in der Baltimore- und Ohio-
Bahn anglegte Kapital 17,500
Aktien für den Augenblick nach der
Erklärung des Curatoriums nichts ein,
aber die Universität hat noch fonstige
Einnahmen, hat auch kürzlich eine Erb
fchaft von ?250,000 gemacht, und die be
reits von Freunden der Anstalt gezeich
neten 9100,000 haben jeden Zweifel an
dem Fortbestehen der edlen Stiftung
befeitigt.
Grand st raße, zwischen Esser und
Ludlowstraße in New Fork, war am
Morgen des 10. September in lebhafter
Bewegung. Der Sturm zerriß einen
Draht der elektrischen Lichtleitung. DaS
eine Ende siel auf den blechernen Kar
nies von William Fritsche's Laden,
schmolz den Zinküberzug, und mit Hülfe
von Gasröhren, die es berührte, theilte
es sich der ganzen. Seite der Straße mit,
fo daß jedes Anfassen eines eifernen Ge
genstandes heftige Schläge zur Folge
hatte, und von allen Seiten her Schre
ckensrufe erklangen. Erst nach zwei
Stunden wurde der Draht abgeschnitten,
und die Ruhe wieder hergestellt.
Die San FranciSeoer möch
ten sich gerne das Vergnügen des
Schlittschuhlaufen, daS ihnen im ge
wohnlichen Verlauf der Dinge nicht zu
Theil wird, auf künstlichem Wege ver
schaffen. Deshalb haben sie beschlossen,
ein Gebäude zu errichten und in demsel
ben eine Eisbahn von 70 bei 225 Fuß
herzustellen. DaS Gebäude soll eine
Fläche von 90 bei 275 Fuß einnebmen
und mit allen Bequemlichkeiten versehen
werden. Das Eis wird natürlich auf
künstlichem Wege durch Eismaschinen er
zeugt werden. Der Bau soll schon in den
nächsten Tagen in Angriff genommen
werden.
Ein freuoigeSWiedersehen
nach langjähriger Trennung wurde kürz
lich den Gebrüdern John und James
Wenk in Piqua, Ohw, zu, Theil. John
war mit seinen Eltern vor 39 Jahren von
Mary land nach Ct. Paris in Obio ge
kommen, während der jüngere Bruder
JameS in der alten Heimath zurückge
blieben war. Vor dreißig Jahren begab
sich James Wenk, vom Goldsieber ergrif
fen, nach Californien, und war seitdem
verschollen. Kürzlich machte nun John
Wen! in dem St. Paris benachbarten
Piqua Einkäufe und erfuhr zu seiner
Freude im Gespräch mit einem der Ver
kaufer in dem betreffendem Geschäft, daß
dieser sein Bruder James ist.
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