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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 25, 1889, Image 3

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Dcr IUcq 5um QCiicsi.
Slonion von H. von Osten.
.Wis.t Ilzi-, Hinter, wen ich heute im
Thicrgött?:, zu Pferde gesehen habe?
Tie "ran von Äcincien. die vor
zn.'l o l
si:r ':?'.
::! nie iht Lli:.ndeS IVictcor
.; :."::: s- i. 'c:: v.n'o rrr-
"
.Nicht möglich ! Und zu Pferde,
gestern ! Es war doch gestern höllisch
kalt zum Neiten."
.Sie sah nicht au, als ob ihr kalt
sei. Ihre Augen glänzten und ihre
Wangen glühten, wie sie dahinflog, ge
folgt von mehreren Kavalieren. Eme
wundervolle Erscheinung. Ich sage
Euch, sie ist noch schöner geworden."
Ich kenne einige Damen, die eS nicht
bedauern wurden, wenn ein kleiner, un
schuldiger lrmbruch oder dergleichen
diese Schönheit wieder vom Kampfplätze
verschwinden machte, wie damals die
mysteriöse Krankheit."
.Mysteriös, warum das? Ich denke,
es war ein tüchtigeö iervenfieber."
..DaS Teltsa-.uc war aber, daß diese
Krankheit zusammenfiel mit einer Reise
deS Gemahls nach Paris und daß, wle
ich genau weiß, das Ehepaar über Jahr
und Tag getrennt gelebt hat."
.Donnerwetter, das ist ja pikant,
und das Pikante war daö Einzige, was
der schönen Frau noch fehlte."
So plauderte eine kleine Gesellschaft
Civilisten und Offiziere in einem Pn
vatkabinctt des elegantesten Restau
rantS. Soeben war das Diner be
endet, und man saß noch beim Dessert.
In der Thüröffnung erschien die
schlanke Gt'stalt eines jungen Ulanen
offizicrö.
.Ach, Äccrburg, was hielt Sie denn
heute so lange fern? Der Turbot
war ausgezeichnet," sagte der korpulente
Legationörath von Trcfsow.
.Ja, warum kommst Du so spät,
alter Junge?" rief Lieutenant von
Demzin.
.Dienst, meine Herren, Dienst."
sagte lächelnd der innge Offizier, indem
cr den Säbel abschnallte und dem Kell,
ner einige Aufträge gab.
Hcrrcndicnst oder Minncdicust ?"
lispelte geziert der junge blonde Baron
Tlziirkow. Attache bei der österreichischen
Gesandtschaft.
.Hcrrcndicnst natürlich. Vergessen
Sie nicht, daß ich in Potsdam stehe, da
läßt sich die Zeit nicht so genau ein
?!glten. Leider haben wir noch immer
einen kleinen Privat ;ug zur Vcrfü
gung. Und nun, was gibt'S Neues in
der Residenz?"
.Etwas sehr Interessantes, Mccr
bürg, die schöne laugen ist wieder
hier!'
.Der König von Baizcrn ist todt !"
laüte Mccrb'nrg. Weißt Tu noch
mehr so neue Neuigkeiten? Ich habe
gestern die Ehre gehabt, sie zu Tische zu
fuhren."
.Du, Mccrburg? Und wo das?"
Ja, crzäblcn ie doch," näselte
Baron Thürtow.
.Bei einer gemeinschaftlichen Tante,
der alten Fürstin P. Die schöne Hcd
vig von Wagcn und ich sind eigentlich
Anncr.Bäulkcfind, wie Fritz Rcutcr
es nennt."
.Nein, Mccrburg. ic sind wirklich
via märchenhafter Kerl ! Taucht irgend
wo eine neue Schönheit auf, so sind
Sie ganz gewiß auf- irgend eine Weise
it. it- , ii. cj. r. vr. j.
mu iai uuu'uiu'i. vu; vvu) uuu;
Un Gothacr mehr studiren und die
alten Tanten mchr frcquentiren," sagte
der dicke, gemüthliche Lcgationsratli.
.Ja, ja, Lcgationsräthchen, zuweilen
lohnt sich die Sache. Gestern z. A.
war eS wirklich interessant. Außer
mir nur kahlköpfige Excellenzen, meine
cuubrostschcn Locken machten desto mchr
Eindruck. Die Damen dcu Herren
entsprechend, so daß die schöne Frau
nd ich eigentlich aufeinander angcwic
srn waren."
.Und der Herr Gemahl?"
.Glänzte durch Abwesenheit. Er
ttcbt Tanten nicht, es ist eine Jdiostzn
fräste, seitdem ,mcine Tante, derne
Tante' ihm zu vicl Gcld gekostet hat."
.Na, Du magst schön die Kour gc
schnitten haben, Mccrburg. wie?"
.Man muß die Feste nehmen, wie sie
ftrllen. In den großen Gesellschaften
wird eS mir die Subordination wieder
verbieten. Prinz W. ist mein Major,
ld Ihr wißt, cr monvpolifirtc damals
dir schöne Frau."
.Nun. man könnte cö dcr Frau von
Vangcn kaum übel nehmen, wenn He
sich ziemlich stark die Kour machen ließe,
tjjr Gatte treibt es dcnn doch ein wenig
ja arg."
.Hat es getrieben, wenn ich bitten
darf. Er ist wicdcr einmal reuig
furückgckchrt, spielt den Soliden und
ist immer aus pctits eoins für seine
Frau."
.Das gehört zur Gescllschaftstoilette.
Ku Hause geht cr im Schlasrock und
kümmert sich nicht um sie. Er wuß
aanz aenau, das; seine Stellung in nn
ienr Gesellschaft nur durch seine Frau
befestigt wird."
.ES ist ein unangenehmer Kerl. Nur
ttt-t und zwar schlecht plattirt. Bei
t geringsten Amtoß kommt daö un
rtfc Metall zu Tage. Es ist schade
um die Frau. Neben einem Guido
Wangen könnte selbst ein Engel nicht
dahinleben, ohiic etwas Erdcnstaub auf
die weißen Fitriche zu bekommen,"
sagte der Vegationsrath und sah weh
wüthig in den Römer, den er eben gc
leert hatte.
- .LcgationSräthchcn ist bei dcr dritten
SÄrtfrfci tinnn Ynirh rr trnmpr rinrtifsfi
if V j v , i v v y -wj
ttNNmental," sazte einer dcr Herren
lachend.
ja, ja, Ihr leichtsinnigen Kin
dr, Ihr kennt das Veben nicht, Ihr
Halt nur daran, Euch zu amüsircn.
Euch ist eine schöne Frau eben nur dazu
bö Um ihr die Kzur zu machen, soweit
es geht, und uoch mehr, um damit zu
ptthlen. Ich sage Euch aber, die
Wangen ist zu schade dazu. Mit die
fern Glase Hut weihe ich mich zu ihrem
Ritter, und wehe dem. dcr ihr zn nahe
tritt."
.zökhrcnd dcr dicke Herr da? halb
hmnonstiscki, l;i;;b enisast sagte und
it seinen tln.'.cn. l.c'.lcn Augen die Au
wesenden anh !az durchaus nichts
?ScherIichc-z i.i u;;ct Art und Weise.
5r war eine angesehene und beliebte
Persönlichkeit m sciucm Kreise.
.Ritter Hugo von Tressow. er lebe
hach I" rief Mccrburg lustig.
. Die Gesellschaft leerte die Gläser und
draä) auf. um der kleinen Ton! Ravcn
tz ihrem Bencfizabcnd einige Bou
quetS zuzuwerfen.
Glänzend war dcr ilarncval diesmal
verlaufen, und auf allen Festen dcr ele
ganten Welt hatte Hcdwlg von Man
gen, stets gefolgt von einem Schwärm
von Verehrern, eine Rolle gespielt. Wo
Uwar, fand man auch den Prinzen
jfir TM an.si . -n. .-i j. v
-. Mim . - it. irni i iiiirrf iini iiiiiiiii im
Y ... ij u 1 4 w ß .... y "
jwnt, die beiden stets zusammen zu
sehen, und auch in dem reizend elegan
-WsMzenSich inder
Residenz geschaffen, war er 'ein bevor.
zngrcr Va,t und Freund. Fühlt Sed
wig warmer für ihn als für alle ande-
rm. die sie umschwärmen ? Jedenfalls
sind Prinz W. und LegationSrath von
Tressow die einzigen, denen gegenüber
W oie cyone Frau vatürUcd gibt.
n der Welt erscheint sie jetzt immer
als die strahlende, selbstbewußte Schön,
heit, die von Trmmph zu Triumph
jagt. Und wenn sie für alle ihr koket,
tes Lächeln hat, so kennen die beiden sie
auch ernst.
Guido ist sehr befriedigt. Er ist
außerordentlich zufrieden mit feiner
Frau, aus die er stolzer ist als je.
.Endlich hat sie sich doch zurechtae.
funden." meint er, .sie genießt ihr
Leben und läßt mich ruhig meine Wege
gehen. So habe ich mir die Sache ge
dacht. Ich habe ein schönes Weib, um
das mich alle beneiden, und sie hat so
vicl Geld und Freiheit, als sie wM.
Ja, ja. EvaS Töchter gleichen sich
doch alle, sie mußte nur erst in den
Geschmack kommen, die kleine Land.
Pomeranze."
Ulli aber fühlt sich der Schwägerin
immer mchr entfremdet. Sie seben
ö
ich selten. Die Trauer verhindert
llk. aröncre Gesellschaften mitlu.
machen, aber in den kleinen Eirkeln tm
Wangcn'schcn Hause hat sie genügend
Gelegenheit, Hedwig im Kreise ihrer
Verehrer zu studiren. Obgleich keine
strenge Richterin, gefällt ibr jedoch die
sunge Frau wenig in iyrer jetzigen
Rolle. Sie patzt so gar nicht zu Hed
wigs ganzem Wesen ; es ist was Erkün.
steltes darin, sie übertreibt unwillkÜr.
lieh Heiterkeit und Lebenslust, da sie sie
niät fühlt, sondern nur spielt. Als
Ulli einmal gegen Hedwig eme darauf
hinzielende Bemerkung machte, sah diese
sie ernst an und sagte mit leiser
Stimme: Was willst Du, Kind?
Du weißt ja, daß ich gezwungen bin,
dieses Leben zu führen. Ich fühle mich
grenzenlos elend, aber ich kann meiu
Elend doch nicht m die Welt hinaus
schreien. Mir ist zu Muthe, als
mühte ich ersticken in dieser Lujt der
Frivolität und gesellschaftlichen Lüge,
ich fühle zuweilen eine unbeschreiblicke
Angst, und da ich nicht schreien darf, (o
lache ich. Daß cS zuweilen ein wenm
grell herauskommt, glaube ich gern, ich
bin eben noch eine Stümverin in der
Verstcllungskunst. Du siehst übrigens,
daß Guido ganz einverstanden ist mit
meiner Art und Weise, und so lange
dcr Mann nichts auszusetzen findet, ist
einer Frau alles gestattet." Ein böse
Licht flackerte in den einst so ruchigen
uud klaren Augen. ' Aber als sie mit
UlliS tranrigen zusammentrafen, füll
tcn sie sich langsam mit Thränn.
Hcdwia. kniete plötzlich neben dcr fleU
nen Schwägerin nieder, lehnte den
stolzen Kops an deren Schultern und
rief schluchzend: hD Ulli, warum
willigte Papa damals nicht in die
Scheidung? Warum verdammte er
mich unbarmherzig zu diesem Leben, in
dem ich rettungslos versinke wie der
Verirrte in jenen bodenlosen Sümpfen,
deren Oberfläche verlockend grünt ? Ich
bin nicht gemacht für dieses leere Da
sein, dieses hohle gesellsebaftliche Tret,
den. Ich kann meine Gedanken nicht
allein aus Toilette. aufBaUtriumvye
richten. Jede andere Thätigkeit am
wird mir verschlossen. Im Sommer
werde ich t5S einem Modebade in daS
andere, von rtnem Rennplatz zum an.
deren geschleppt! Wie gtücklicb, wie
zufrieden wenigsten ' ttonte lch in
Lcssouitz sein, aber Guido behaupt, er,
stürbe dort vor Langeweile! Im
Herbste vier bis fünf Wochen zur Jagd
zeit, das Haus voll fremdet Gäste und
im Winter acht bis zehn Tage, um als
feudaler Gutsbesitzer daS WeibnachtSfeft
mit den Beamten und Schulkindern ju
feiern, das ist aüeö, was wir für Lesso.
nitz erübrigen können. Ich suche, ich
greife umher nach irgend etwaS. was
mir die Seele erfrischen soll. Wenn
ich fehlgreift, wen trifft die Schuld ?'
Ulli war erschüttert w:e immer, wettn
sie einen Einblick gewann in die im
Grunde tief leidenschaftliche Seele Heb
wig. Wieder flogen ihre Gedanke zu
Werner. Er würde eS sicher verstehen,
dieser gequälten Oeele die Ruhe, den
alt zn geben, nach dem sie sich sebnte.
Sie umfaßte die junge Frau und sagte
zärtlich: Die Gesellschaften sind ia
nun wohl zu Ende und Guido muß eiy
paar Tage nach Lessonih, ehe ihr nach
Wiesbaden geht. In dieser Zeit ge
hörst Du mir. und ich will versuchen,
Dich andere Luft athmen zu lassen.
Ich führe Dich zwar zwc; Treppen y
in eine enae. stille Strafe, aber i
glaube. Du wirst die Lust in dem ae
müthlichen Wohnzimmer dort reiner und
erfrischender finden als in Deinen gro.
ßcn GesellsckiaftSräwnen."
Hedwig lächelte müde und schmerzlich,
Sie machte sich sanft frei von den um
schlingenden Armen.
LicbcS Herz," sagte sie, indem sie sich
halb abwandte und den Kopf in die
seine Hand stützte, Du meinst eö gut
mit mir. Du hast dort den Halt und
den Hort fiir'S Leben gefunden und
r.iöcZttcst mich auch deS Glückes theil
hafll, machen. Aber, denke Dir, ich bin
io in meine egoistischen Gefühle der
unken und so verbittert, daß mir der
lnblick Deines jungen Glückes weh
thäte. Ich weiß, daß eS eine jämmer.
liche Schwäche ist. habe Geduld mit
mir, ich werde auch das überwinden
lernen."
Ulli hatte bei diesen Worten über,
rascht emporgesehen, dann, war sie tief
erröthet und sagte verwirrt und stockend :
Also hast Du die Sache schon geahnt ?
Ich bitte Dich, liebste Hedwig. wie war
das möglich?"
Ach, Üind. da war gar nicht schwer
vorauszusehen, und jetzt braucht mein
Dich nur anzublicken, um in wissen,
daß Du eine heimliche Ncine Braut bist,
so durchleuchtet Dich daö innere Glückt
Ulli sprang auf, umarmte ihre Schwä
gcriu, um ihre erröthenden Wangen zu
verbergen und flüsterte liebevoll: .Aber,
nicht wahr, vor Deiner Abreise kommst
Du noch und lernst die lieben Menschen
kennen, die mich leichtsinniges Weltkind
so umgewandelt haben, daß ich eine ganz
verständige kleine Prosessoröfrau zu
werden hoffe ? Und nun lebe wohl,
Hedwig, ich muß heim. Willst Du mich
nicht ciu Stückchen begleiten ? Du siehst
so elend aus. und draußen weht Früh,
lingöluft."
.Rein, nein, ich kann nicht Du hast
recht, ich bin nicht ganz wohl, ich kam,
das helle Sonnenlicht nicht vertrage.'
und Hcdwia legte die feinen Finger über
die brennenden Augen.
Sie fah nicht den Blick licbevolser
Besorgniß. den Ulll ihr zuwarf.
Als die Thüre sich hinter dem jungen
Mädchen geschlossen hatte, fank Hedwig
mit einem leisen Stöhnen aus das Sofa
und drückte das Gesicht tief in die Kis.
sen
.Auch dieser Traum zu Ende ! Auck
aus seinem Herzen bin ich vertneben t
O. wie daö schmerzt l Aber ich hatte ja
kein Recht mehr zu träumen, und was
soll mein kaltes Bild in feinem Herzen,
das sich nach Liebe und Glück Zehnt?
Was konnte ichihmMn? Md Mi.?
GSnnechlhr dnm nicht, "baHIe glZck.
lieh wird, und hatW es mit ihrer treuen
Liebe um mich nicht verdient, daß ich
mich neidlos darüber freue? Aber ich
kann e nicht ich kann eS nicht. , Wie
ich auch ringe, wie ich mich auch selbst in
diesen Gefühlen rabscheue, ich kann
das Paar nicht beisammen sehen. Ich
muß fort, fort von hier, sobald als mög.
lich. Aber wohin? Mein Gott, wei
cbem Leben entgegen. ? Wo soll ich Ruhe
und Befriedigung 'finden? Äch. gäbe
eS nur ein Bergefien, schon daS erscheint
mir als Glück.' - -
In dumpfem SchmerzenSgefühl blieb
Hedwig liegen. DaS leichte narren
einer Thüre schreckte sie auf uud die
Jungfer blickte schüchtern herein.
.Frau Baronin verzeihen, aber ich
weiß noch nicht, welche Rode ich für heute
Abend bereit halten soll."
Hedwig fuhr sich über die Stirn.
Heute Abend? Ach richtig, beute Abend
ist ja der ttavalierball im aiserhos. Er
sollte den Beschluß des Karnevals
machen. Immer noch besser zu tanzen,
als hier einsam zu sitzen und alten E?.
innerungen Audienz zu geben.
.Ich werde daS weiße Atlaskleid mit
Spitzen anziehen,- Louison. Sorgen
Sie. daß um acht Uhr alles bereit ist."
.Sehr wohl, Frau Baronin, s ist
auch eben ein Korb mit Blumen von
Sr. Höhnt abgegeben worden. Darf
ich ihn bringen?"
Hedwlz bejahte, und Louison brachte
einen großen Kord voll herrlicher veiger
Rosen und Maiglöckchen.
Die beliebte Modeblume, die Garde
nia, war nicht darunter. Der Prinz
hatte neulich gesagt, sie passe nickt für
Hedwig. der betäubende Duft erinnere
zu sehr an die Boudoirs der koketten
Weltdamen.
Die junge Frau drückte das Gesicht
leicht in die Blumen, sie kühlten so linde
die brennende Stirn. Dann zog sie ein
paar Rosen heraus und gab den Korb
zurück.
Garnireu Sie mir den Anzug mit
den Blumen." sagte sie zu dem Mädchen.
Hedwig blieb wieder allein, aber die
Rosen dufteten so süß und dafcheud
m der Dämmerung, und ihr Herz er
wärmte sich bei dem Gedanken, daß ein
anderes Herz in der Räbe warm für sie
scklaae. Sie freute fia darauf, den
Prinzen heute Abend wiederzusehen.
Wo er war, da gab es doch nyt nur ein
Gewühl von Larven, nicht nur eine Un
terhaltung von Phrasen, gewürzt mit
Frivolität.
Und Hcdwia war schöner als je auf
diesem Balle in ihrem weißen Anzug
mit den weißen Rosen.
.Sie sieht heute!? eine Braut aus."
zischelten die Damen.
Ibr Lächeln war weicher und trän
merifcher als sonst, ihre Augen hatten
einen innigeren Ausdruck, ud Prinz
Rudolf hatte fein Herz nie heißer fchla.
gen gefühlt als in dieser Ballnacht.
Zugleich fühlte er aber auch, was er
längst geahnt und gefürchtet hatte, n
fühlte, daß er nickt lknaer. ruhiae
Freundschaft heuchelnd, neben Hedwtg
dahinleben könnte. tf Iteble glü
hend. Rie in seinem bewegten Lebeu
batte er so für eine Frau empfunden als
seist, wo er an den Grenzen der 5uaend
angelangt war. Aber sie stand ibrn fg
hoch, er kannte sie fo gut. daß er n ge.
wagt hätte, ihr eine Liebe tu gestehen,
gegen die er bis jetzt als buche? Mann
gekämpft kjatte. Die junge Frau war
ihm so rührend erschienen in iörer un
beschützten Jugend und Unerfahrcnheit
muten in dem frivolen Treiben der gro
ßen Welt ; ihm war, alS müsse er ihr
als Hort dienen gegen dasselbe, lwd
Hedwig hatte gelernt, ihn w diesem
richte zn betrachten, sie hatte volle er
trauen zu ihm. sollte er jetzt durch seine
Leideuschast ilrc Ruhe trüben?
Rein, er will sie chützen. auch gegeu
sich selbst, er will reisen ! Und statt wie
verabredet war, mit WaugeuS uud dem
vegatiousrath Tressow nach Wiesbaden
zu gehen, will er ficy einer sich aus der
eleaantea Welt rekrütirurden rpedition
anschließen, die in nächster Zeit eine
Reifs um die Erde antreten wird. DaS
Mittel wird doch wohl kräftig genug
sein, ihn zu heilen!
Während Hedwia aus Uebermüdung
einen Tanz überschlägt und mit dem
Prinzen unter einer Pasmengruvpe im
Skbensaale sitzt,' sagt dieser in möglichst
leichtem Tone: Wissen Sie auch, Ba
ronm, daß ich Ihnen treulos werde.?
$ckj habe mich heute entschlossen, dk so
viel besprochene große Retse mitzn.
machen. Wir nehmen also in den näch.
ten Tagen für ziemlich lange Zeit Ab.
chied. Ich werde unsern LegattonSrath
litten, derweilen den Dienst bei Ihnen,
unserer Königin, zu üoernebmen."
Scherzend und heiter klangen die
Worte. Prin) Rudolf spielte dbei mit
dem Fächer seiner Dame.
Als Hedwig nicht antwortete, blickte
er auf.
Bis in die Lipven erblaßt war das
schöne Gesicht an seiner Seite, die Au
gen blickten ihn todestraurig an.
.Ich kann eS nicht ertragen, Sie auch
zu verlieren." flüsterte Hedwig fassungs
lo. Sie senkte jetzt du Wimpern und
große Thränen quollen schwer und heiß
hervor.
.Hedwig !'
'T DaS Wort klang wie ein Hauch, aber
mit diesem Hauche brach das mühsam
errichtete Geväude der guten Vorsätze
und der Selbstbeherrfchung einer stol.
zen Mannesseele zusammen
Hedwig erschauerte unter der Leiden
schaft, die au diesem einzige Wort sis
umwehte. Sie sühlf'e ihre Hqnd ge.
faßt.' "
.Ei. Hoheit, ist e Ihnen gelungen
die Baronin für unsern Plan zu gewin
nen?" rief die Stimme des Lkgatios.
ratheS Tressow. während feine mächt;
Gestqlt die Thüre so auSüllte, ba)
einige neugierige Damen sich vergeblich
bemühten, einen Blick auf die Pälmen
gruppe zu werfen.
Prinz W. erhob sich. In seinem
feinen Gesicht war nur der ruhige gesell
schastliche Ausdruck. Er trat dem L.
gationSrath entgegen, und die Herren
wechselten einige banale Redensarten.
Während der Zeit hatte auch Hedwig
sich geflcht. Am Arme deS LeggtiynS.
rathes erschien sie bald" daraus lächelnd
im großen Saale. Sie tanzte aber nicht
mehr, und WangenS verschwanden vor
dem Kotillon.
Guido reiste am nächsten Morgen in
Geschäften nach der Heimath.
Nachmittags kam Ulli und fand Hcd
wig in erregter Stimmung. Die Farbe
ging und kam in dem schönen Gesicht,
die Augen glänzten seltsam, und bei
iedem Klingeln, bei jedem Geräusch
schreckte sie zusammen.
.Ich .fürchte wirklich. Hedwig. Du
wirst wieder krank " mein Ulli beim
Abschiede. .Ein Glück, dcrß die Bälle
nun zu Ende sind, Du verträgst die
Leben nicht. Wann wirst Du mich zu
Werner begleiten?"
.Nicht heute, Ulli. nicht heute. Mir
ist nicht wohl, ich glaube, ich habe mjch
gestern erkältet. Wieder überflog
glühende Nöthe ihre Wangen und
Stirn, und Hedwig wandte sich ab, sie
zu verbergen.
.Nun, dann adieu und gute Besse.
rung. tcy tcijc morgen Bormtttag nach
vver - : .
In der Dämmerung brachte die Zo
einen Brief. .Von Sr. Sobeit." saa
sie rubia. ES ' war nicbtS Unaewöbw
lickeS. daS Vrin, W. an edwia ickrieb.
Heute erschrak die junge Frau aber
blS ln'S innente verz. Sie zitterte so.
daß sie es nicht wagte, die Hand nach
dem Briefe auszustrecken. .Legen Sie
ihn auf den Tifck ' saate sie leise.
.Soll ich die Lampe bringen, Frau
aromn ?"
.Nein, nein, es hat keine Eile.
DaS Mädchen zog die Thüre leise
zu, sie vermuthete eine Migräne nach
dem gestrigen Ballabend. Kaum war
sie verschwunden, so erhob sich Hedwia.
öffnete mit einer hastigen Bewegung
den Bnet und trat an das Fenster.
Die Abendröthe schimmerte noch hell
- ... ' . c i ! rr t r
genug, um vie jaunen, irajugcn CDni'
Züge des Prinzen erkennen zu lassen.
aber vor Hedwig'S Augen verschwamm
alles. Dann leuchtete ihr ihr Name
entgegen, und sie las, während ihr Herz
irarrer uns itarrer pomte :
.Hedwig l Ihre Thränen haben in
ewer Sekunde den Damm durchrissen,
, ij. r.iA. in i. c 'A:t '
oen III) ich lvuuieii gegen oie llNslur,
menden Woaen meiner Leidenschaft cr
richtet hatte. Wild treiben die Fluthen
dahin, n dein Äugenvllae. da ich mit
Entzücken emtzfand, daß ich in Jbrem
Vfhfn tttinS e fnnr .& Yynrhri mit
der Selbstbeherrschung, und alles, was
mich früher stählte und mir den trav'
rigcn Muth der Entsagung gab, bricht
in nicht zusammen. Wohl hätte ich
allem leiden und scheinbar ruhig scher
den können, aber die Thränen Hed
wig. Deine Thränen ! Warum muß,
test Du Thränen weinen, wenn Du
mir nicht daS Recht geben wolltest, sie
zu trocknen? Ruhelos bin ich heute
umhergewandert, es fehlt mir der
Muth, einzutreten und mix das Todes
urtheil zu holen, das Todesurtheil für
meine vteve. AVer ich vm nur feige,
so lange ich noch zweifle. Wenn ich an
gestern denke und mich in der Hoffnung
berausche, daß auch Sie leiden, daun
fühle ich den Muth in mir, der ganzen
Welt den Handschuh hinzuwerfen, und
mich beseelt dcr feste Glaube, daß ich
Ihnen Ersatz bieten kann für alles.
was is?:e opfern. Zwei viaturen wie
wir, die die Menschen in ibrer Erbärm
lichkcit seltnen und verachten, werden
doch über ihr kleinliches Urtheil, ihre
Glossen sich hinwegsetzen können? Sie
werden uns bald genug vergessen ! Und
wir o. Hedwig, wie wollen wir sie
vergessen ! Wir gehen nach dem schönen
Süden, wo man nicht so kalt und streng
urtheilt, wir vergessen unser ganzes
früheres Dasein, Du bist die holde
Muse des Malers Rudolf, und wir
eben ein neues Leben in der Kunst und
n unserer Liebe! Ich träume, ich
cbwärme wie ein Jüngling, aber ich
loerlege auch wie ein reifer Mann.
Mein ganzes Sinnen ist darauf ge
richtet, Ihnen den nächsten Schritt zu
erleichtern. Schrecken Sie nicht in
kleinlicher Angst zurück, er bringt ja
Niemand Herzeleid, keine nachgewein
ten Thränen werden uns den Becher
des Glückes vergiften. Sie müssen so
gleich das Haus des Herrn von Wan
gen verlassen. Gehen Sie nach Venedig,
dort lebt eine geliebte Schwester von
mir, deren Schutz ich Sie anvertrauen
werde. Ich selbst will mich verbannen
und Sie nicht wiedersehen, bis die
Scheidung ausgesprochen ist. Kein
tadelndes Wort darf auf meine Hedwig
fallen, aber nur ein Wort, eine Zelle,
daß er das Recht hat, Sie so zu nennen,
senden Sie Ihrem Rudolf."
Wie träumend, lehnte Hedwig in der
Fensternische und starrte noch immer
auf das Blatt. Längst war dcr letzte
Tageöschimmcr erloschen, aber cS war,
als leuchteten die leidenschaftlichen
Worte in phoSphoreszirendcm Lichte ihr
entgegen. Sollte Sie noch daS Glück
finden auf Erden? Hier war wakre,
ncific Liebe. Aber sie, liebte sie den
Prinzen wirklich so, wie er eS verdiente
und erwartetes Belog sie nicht sich
und ihn, wenn sie ihm folgte, verlockt
von dem Schimmer eines Glückes, wel
cheS sie doch nicht finden würde? Ach
und ooch, es mußte ja schön sein, ein
Leben, wie er eS erträumte ! DaS blau
leuchtende südliche Meer, der Duft der
Orangen, daS klingen nnd Singen des
heiteren Südens, die Wunder der Kunst
und Natur, alles, an der Seite eines
Mannes, der sie liebte und dessen sen
rige Künstlerseele die ihrige emporziehen
würde in das Reich der Schönheit.
Ein Leben in Harmonie und Ruhe.
Und hier? Was hielt sie hier? Dies
geisttödtende Dahinleben ohne Ziel,
ohne Zweck als den des oberflächlich,
sten Genusses, in ewiger Unruhe, ein
ewiges Einerlei! Niemand zuliebe,
sich selbst zur Last, au dcr Seite eines
Mannes, den sie haßt und verachtet.
Und doch ! Hedwig schreckte zusam.
men klangen nicht eben deutlich in
ihren Ohren die Worte von ernster,
seelcnvoller Stimme gesprochen : .Bis
daß euch der Tod scheide !" Nie wird
Guido sie gutwillig freigeben. Hat er
eS ihr doch gesagt, damals, als sie vor
ihn trat mit der heißen Bitte, das
Band zu lösen. daS sie fessele.
.Warum denn?" hatte er höhnisch
gefraat, .vielleicht um Deinen Anbeter,
den Prinzen W.. zu hcirathcu? Bist
Du zu der Ansicht gekommen, daß
Deine Schönheit sich noch höher ver
werthen ließe i Nein, cr kommt zu
spät, derfürstliche Liebhaber, freiwillig
lasse ich Dich nicht ziehen, eö paßt mir
nicht. Aber Du kannst es ja aus einen
kleinen Prozeß ankommen lassen.
Gründe findest Du vielleicht. Wie
würde Dein He.rr Papa sich freuen.
Dich in eine cause elebro verwickelt zu
sehen, über die alle Welt spricht und die
damit endet, daß die geschiedene Frau
den früheren Verehrer heirathet."
.Nein, nein, es ist kein Glück mehr
erreichbar für mich," flüsterte Hedwig.
.Und das Leben ist so lang, und ich
bin noch so jung !"
Noch ist die blühende gvldcue Zen,
Noch sind die Tag? der Kojen-
sang eine helle, jubelnde Mädchen
stimme in der oberen Etage.
Schluchzend drückte die einsame,
junge Frau den Kopf in die Kissen.
Die widerstreitendsten Gefühle durch,
wogten sie.
.Ein Telegramm, Frau Baronin,"
meldete Louison. zugleich eine Lampe
auf den Tisch setzend.
Hedwig nahm das Blatt und öffnete
eS hastig. Kaum hatte sie einen Blick
hineistgeworsen., so ergriff ein Zittern
ihren Körper. Sie starrte das Mäd
chen an. .Schnell, Louison, packen
Sie augenblicklich die Koffer zu einer
längeren Reise. Sie begleiten mich.
Wir reisen noch in dieser Nacht. Rich.
ten Sie alles ein, wie Sie wollen. Ich
muß Briefe schreiben und will nicht
weiter gefragt werden. Der Zug geyt
um 2 Uhr." -
.ES ist die höchste Zeit, Frau Baro
nin," meldete nacheiner guten Stunde
de? Diener, .der Wagen steht vor Ut
Thür." , ..... ; . ;
Hedwig schloß das lebte.' kaum
vollendete Schreiben und aoressitte eS
an Ulli. Dann erhob sie sich hastig
und ließ sich den,Reisemantel umgeben.
Unbeachtet glitt der Brief- des , Prinzen
auf den weichen Teppich unter' dem
Schreibtisch. V
Am zweiten Tage kam Guido zurück.
Er Kalte in Lessonitz die telegraphische
Nachricht vorgefunden, daß Lieuieuant
von Feldern, der feinen .Exzelsior" auf
dem nächsten Rennen in . reiten
sollte, neulich einen Unfall mit demsel.
den gehabt und unfähig sei, daö Ren.
nen mitzumachen. Rasch entschloß si
Guido, das Pferd, welches ziemli,
schwer zu nehmen war, nun selber zu
retten, da er es. den hohen Wetten we
gen, die darauf standen, nicht zurück
liehen mochte, uebernächtig und ver
orießlich klingelte er in früher Morgen
stunde an seiner Wohnung. Niemand
öffnete. Im Glauben, daß die Dienst,
boten noch schliefen, zog er den Draht
so stark, daß er zerriß.
.Ach. der Herr Baron sind da,"
keuchte eine Stimme hinter ihm, und die
dicke Portierfrau zeigte sich in einem ae
wagten Negligee. .Ich glaubte vorhin,
es sei der LouiS!"
Und wo steckt der Louis?" fragte
Gnido wüthend.
.Ach, Du mein lieber Gott, der wird
wohl t iefe Nacht bei seiner Frau geblie
ben sein. eS regnete gestern so. und hier
ist ja Niemand zu Hause."
.Niemand zu Hause ? Wo ist meine
Frau?"
Die gnädige Frau Baronin sind ja
chon vorgestern Abend abgereist, und
räumn Lomson rst mit, und die Kö
tn. die arme Person. t krank und
liegt im Krankenhause, und der Doktor
sagt "
.Schwatzen Sie nicht länger, sondern
holen Sie mir den Louis, Sie wissen
doch, wo er wohnt?"
.Ach. jawohl Herr Baron, ich laufe
schon."
Guido ging aus dem engen Vorplatz
bin und her wie ein Tiger im Käfig.
Er hatte die Stirne in Falten gezogen
und starrte aus den Boden. DaS un
bequeme Vorgefühl eines fatalen Ereig
nisseö überschlich ihn.
Athemlos und erregt kam LouiS an.
Guido schnitt seine Entschuldigungen
kurz ab. .Wann ist die Frau Baronin
abgereist und wohin ?" fragte er.
.Die Zrau Baronin erhielt vorgestern
Abend ein Telegramm und reiste eine
Stunde darauf ab. Ich glaube, die
Jungfer sagte, nach D. Genau weiß
ich eS aber nicht, es ging alles so
schnell."
.Haben Sie keinen Brief für mich ?"
.Nein, Herr Baron."
Guido ging durch die Zimmer. Sie
aben ungemüthlich genug auö in dem
ahlen Morgenllchte. Hin und wieder
agen verstreute Sachen umher, die von
der übereilten Abreise zeugten.
.Ullt wird Genaueres wissen," beru.
higte sich Guido. Sobald eS thunlich
war, schickte er LouiS mit einem Briefe
an seine Schwester.
Ulli schrieb zurück, sie habe einen sehr
erregten, halbvollendeten Brief von
Hedwig erhalten. Dieselbe sei nach D.
abgereist, da ihre Schwester Rothenbach
sehr krank wäre.
.Hedwig Brief wird natürlich nach
Lessonitz gegangen sein," murmelte
Guido.
Nachmittags reiste er zum Rennen
nach H. ab, nachdem er Louis seine ge
naue Adresse gegeben und ihm einge
schärft hatte, eingehende Briefe oder
Nachrichten sofort nachzusenden.
Fortsetzung Folgt.
V ielleicht."
Fremder : DaS sind wirklich herrlich
Berge hier ; schade, daS sie so wenig be
sucht werden !
Führer : Ja, Wissen's, wir sind halt
zu arm, sonst wutden mer em paar
Ruinen drauf bauen lassen, da würdS
vielleicht besser z-ehn !
Noch zu füß.
Wirthin : Donnerwetter, . da wird
Wein verlangt und eS ist kein Tropft
mehr da ; soll ich 'ne Flasche Essig her
einbringen ?
Wirth : Um GotteSwillen. daS mer
ken sie, der ist ja viel zu süß !
Die armen Schwiegermutter.
Sie haben ja Ihrer Schwiegermutter
ein prachtvolles Denkmal setzen lassen.
ein trauernder Engel."
vinn ta, es muß doch wenigstens emer
dasein, der trauert !
Durch die Blume.
A.: Ich halte Fräulein von Schellen
für sehr reich. Sieh' nur die Anzahl
kostbarer Ringe an ihren Händen.
B.: ie erinnern Mich an die Baume
des Waldes.
A.: Wieso?
A.: Man erkennt bei den Bäumen an
den Jahresringen die Anzahl der durch
lebten Frühlinge.
Eine harte Pro e.
Student A.: Mein Alter stellt
dies
harte
Mal mein besseres Ich" auf eine
Probe.
Student B.: Wieso denn?
Student A.: In acht Tagen
soll ich
schickt er
in 's Examen steigen und heute
wir 100, Mark !
Entschuldigt."
Offizier: WaS haben Sie denn da
für' altes Gestell an der Wand hängen?
Vame : Was ist mein Portrait ! .
Offizier: Entschuldigen, Gnädigste
weine selbstverständlich nicht den Gegen
stand deS Bildes, sondern nur daö Bild
an und für sich !
Recht aufmunternd.
Tbeaterdirector (zum Verfasser eines
zur Begutachtung ihm vorgelegten Stü
ckeS): Junger Mann, ich habe Jh
Trauerspiel, welche Sie Mir zur Beur
theiluna übergeben haben, gelesen urtd
aus Ähren Wunsch m demselben Alles
zur Aufführung nicht Geeignete gestrichen.
Junger Dichter: Werden Sie jetzt daS
Stück auf die Bühne bringen können,
Herr Direktor ?
tbeaterdirector: unmöglich l i3unfl
nur die Zwischenacte übrig geblieben !
Mißverständniß.
Ein Baun Kitt in ein Gasthaus Ka
ihm der Kellner mit d Sveisuarte enk
gegenkommt. Erft will ich essen, dann
will ich l e sen," ruft ihm daö hungrig
Männlein zu.
Dehhalö.
A.: Der Hund scheint furchtbar böSar
tigzuftm: . . ... . .
B.: Bon vitüiK gerade Nicht, avn ver
Köter liegt den ganzen Tag auf den,
vchooße meiner Vchwtegermuner i
Au? der Schule.
Man beoandett den Untergang
von
Sodom und Gomorrba.
Lehrer : Was geschah mit Lot'S Weib.
Apothekers Lieschen: Sie wurde
zur
Salzsäure! ,
Glück!
A.; Haben Sie . gehört, daß dn
Colleg H. an seinem HochzeichtStage plötz
ll taub worden m !
B.: Na, das nenn ich noch Glück beim
Unglück!
Sat auch sein Gute?.
Mutter: Ach, das Elend, jetzt bekomm!
der Jung a'wi 'nen Buckel.
Bater : Na, dann wächst er uns schon
wenigstens nicht über den opf l
Abgeführt.
Stutzer (zum andern): Sieb' mal, was
daS Mädel für einen feuerrothen Rock
anhat. Wenn die ein Ochse sieht, wird
er wild.
Spreewälderin (sich umwendend): Und
ras sagen ie so ruyig i
Der Äabn derzeit.
Wie ist Ihr werth Name doch noch.
vixtttx oder suvder ?
Nidder, meine Ahnen hießen Ritter,
aber der Zahn der Zeit hat den Namen
aber nach und nach abgeschlissen.
Eine nette Braut.
Weshalb küssen Sie denn fortwahrend
das Bild Ihrer Braut?
Nun, man muß doch schon etwas thun,
wenn man verlobt ist, und so eine härm
lose Photographie, die färbt wenigstens
nicht ab !
Für wen wird denn dort die Statue
errichtet?" fragte ein Fremder einen
Mann, welcher der betreffenden Arver
zuschaute. ..Das," erwiederte der Änge
redete, ist die Stctue von Friedrich
Wilhelm Mehlwurm." Hat er denn
etwas Großes oder Gescheites in seinem
Leben gethan r fragte der Fremde wel
ter. Letzteres, ja," wurde iym zur
Antwort, er bezahlte für die tatue,
ehe er durch den Tod verhindert wurde.
Sie haben ohne Frage schon Wendel
sohn'S ..Lieder ohne Worte" gehört
sagte in einem Conzert ein junger
Mann zu semer Nachvarln. Das wobl
nicht," entgegnete diese, aber ich habe
sie mit italienischem Texte gehört, und da
ich kein Wort davon verstand, waren sie
für mich so gut wie Lieder ohne Worte."
Der Prozeß, welcher gegen Allen
O. Meyers wegen Mißachtung des Ge
rich tes anhängig gemacht wurde, wird am
23. September in Columbus, Ohio, zur
Verhandlung kommen.
Diesmal ist es Silver-County,
Arkansas, m welchem plötzlich ein neuer
Christus erstanden ist, der sich mit seinem
irdischen Nmnen Elam Jrvin nennt und
dem bereits zahlreiche Gläubige anhän
gen und von Ort zu Ort folgen. Er lehrt
die Grundsätze der Mormonen und er-
ringt sich das Vertrauen unterer Volks
klaffen dadurch, daß er behauptet. Kranke
durch Handausleaen gesund machen, Rxn
der zu Engeln machen. Berge verschwin
den laffcn zu können u. f. w., genau, wie
Christus in der Bibel. Der Unfug in
dem County nimint derartige Dimensio-
nen an, daß die Vernünftigen mn Ise
waltmanreaeln drohen. üer neue
Christus sagt. Die sei sein zweiter Be
such aus lrden, oocv wirv veneioe in
Arkansas wenigstens, nicht mehr lange
währen, da man entschlossen ist, den
Heiland" nach Texas zu bringen, wenn
er nicht allem geht.
In der Bundeshauptstadt
starb kürzlich der Gesangennehmer lÄu
iteau's, Patrick H. Kearney, im Alter
von dreiunsechzig Jahren. Kearney war
von Geburt ein Jrlünder, kam als junger
Mai.n nach Amerika und diente nach
seinem 21. Lebenöiahre 12 Jahre m der
BundeSflotte. Vor 23 Jahren wurde
er Polizist in Washington und zeichnete
sich durch seine Thatkraft sowohl, als
durch seinen irischen Mutterwitz aus,
Später war der Bahnhof der ,,Bal
timore-Potomac-Bahn in seinem Dienst
kreise. . Do.t war er auch auf seinem
Posten, als Guiteau am 2. Juli 1881
den Präsidenten Garsield rnederscho
er verhaftete den Mörder und brachte t
n
in's Gefänanik. Nachdem Kearney 20
Jahre in der Polizei gedient hatte,
wurde er Krankheitö halber mit $50 per
Monat pensionirt. Er litt in letzter Zeit
an Gehirnerweichung und erlag dieser
Krankhe.t.
ßon Denen, &UuU alle werde.
Pariser Blätter erzählen folgende
höchst ervaulichs Geschichte von einem
Provinzialen, der nach Paris zum Besuä)
der Weltausstellung gereist und durch ei-
nen gelungenen Gaunerstreich um das
ganz: Geld gebracht worden, das er nach
Paris mitgenommen.
Cm sehr wohlhabender Pachter von
den Ufern der Garonne, Namens Esse
lak, war in Paris in einem Hotel der
Straße Baugireau abgestiegen. Von
seiner langen Promenade durch das
Marsfeld ruhte er sich des Nachmittag?
in einem Cafe der Weltausstellung aus.
wo er die Bekanntschaft eines Jndiv;
drnims von vornehmer Haltung machte.
das sich neben ihn gesetzt hatte und ihm
erzählte, daß er aus der Provinz nach
Paris gekommen Ware, um sich die Aus
stellung anzusehen, aber sich tödtlich
langweilte, well er gar Niemanden
kenne.
Effelak gestand, daß ihm die Einsam
reu ebenfalls nicht genci. NaH emer
kurzen Unterhaltung wurden beide die
besten Freunde der Welt. Der Fremde
theilte Effelal mit, daß er seine Reise
benutzt hätte, um eme Erbschaft euukas
siren. Ich", so sagte er, habe 20,000
Francs bet mir und bin sehr besorgt.
Paris ist mit Taschendieben überfüllt.
Ich fürchte, daß man mir mein Porte
monaie stiehlt, und andererseits möchte
ich dasselbe nicht in meinem Hotel zu-
rücklafsen. Ich muß meine Bankbillets
Verstecken; ich werde sie m der Umge
bung von Paris vergraben. Sie wer
den, wenn Sie wollen, mit mir kommen.
Die beiden Freunde reisten in der That
am anderen Morgen nach Meudon ab,
und nach einem opulenten Dejeuner,
während dessen der Freund Effelak'S die
sem eine Anzahl von Papieren zeigte, die
den Bankbillets sehr ähnlich sahen, bega
ben sie sich in den nächsten Wald. Nach
dem der Freund seine 20,000 Francs xn
einem Loch, das sie unter e,inem Baum
? gegraben, versteckt hatte, fragte er Effe
ar: Ha,ben Sie nichts zu verstecken?"
Effelak zog aus seiner Tasche acht Hun-dert-FrancS-Billets,
12 20-Francstücke,
entledigte sich seiner goldenen Uhrkette,
nahm dann seine Uhr und legte Alles in
das von seinem Freunde gegrabene Loch.
Hiernach kehrten sie Beide vergnügt
nach Paris zurück und trennten sich gegen
1 Uhr Morgens, nachdem sie ein Ren
dezvouS im Hotel der Straße Vangireau
verabredet hatten für den Morgen. Aber
als Effelak vergeblich feinen Gefährten
erwartete, wurde er argwöhnisch, er reifte
sofort nach Meudon und lief näch seinem
Äersteck. Natürlich war sein Argwohn
ein sehr begründeter; eS wn in dem
Versteck nur das Portefeuille seine?
Freundes mit den Billets der helligen
Einfalt zu sehen.
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