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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, January 01, 1897, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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ChRlSTlfiH DütiUSER,
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Uerijje Von Hrrr N'drrrag
tig4.Uitnnb. UOiitra'tv. SriMUmt.
fcrauiijuugta usw. prcinftt und gewls
olinu : Lllile ?ger.
Postoffic: Hermann. Mo.
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HUK1PH REYS
Diese kostbare Salbe ist der Triumph
tviffenchaftlichcr Medizin. '
Nicht ist jemal? hergestellt worden, waS
derselben in heilkräftigen Eigenschaften
leichkSme. Seit über 40 Jahren ist sie
im Gebrauch, bringt stets Hilse und grbt
PetS Befriedigung. '
. ffür DSmorrdoideu Subcrlich der innerNch.
bNde oder dlutkiidk; ffistel in Änl: Jucke der
IchlieHlich Heilung sicher.
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Y1TCU (IAZEL OIL
It Vrad nd BrSkwunden. Vechwu und
traetis durch Brandwunde. Bilrung jo
iort, Heilung wundergleich.
.g Schwöre, heiße Tumor. Sesckwre.
ZflAel. lie Wund, zuckend utbriich. Schtir
fuug der opfautjchlag in unfehlbare? xü
Mittel.
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k Gaugwarz unlchäddar.
Vtnt,. Vroden.t?rhen freut.
rrtauft bei alle potdeker, ; oder $t)ifnl
erjandt ach empfang de Prise.
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sagte lkin ihr. Sie machte eir
erschrecktes Gesicht.
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'st cs ja das Beste, daß ich nie
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criparc ich Zix die Schande, daß ?.
eine ungebildete Jrau hast, und mi.
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kleine 5ini! sagte c:
liebevoll und seyte dann hinzu: .Du
mut nicht ' so sehr empfindlich sein.
Dadurch erfch..'rst Du es mir. Dich
ZU erziehen. Und ich möchte Dir do
gern recht gute Formen beibringen, -ine Zeitung zu blicken. .Ich kenne j
damlt Jeder, der Dich sieht, bei nähe- lier keinen Menschen,- gab sie Felder:
rer Bekanntschaft ek?ns ent : .ur Antwnr-r so? st s4
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Mir liegt nichts an den Anderen,
sagte sie traurig. Ich will Dir rnn
gefallen Dir allein. Aber Dir ge
falle ich immer nur, wenn wir alleii
sind. Bin ich denn so abstoßend, da?'
Du Dich meiner beständig zu schäme:
hast?' 1 '
Nein, wirklich, das bist Du nicht
Und ich schäme mich Deiner nicht; ici
bin stolz auf meine schöne, talentvoll,
ftniu. Du sollst nur ein klein weni'
Gewicht auf die Formen legen, di.
unsere gesellschaftliche Stellung uno
zu beobachten zwingt."
Das werde ich nie lernen."
Warum hat denn die Frau Gräfir.
geweint? Sie hatte ja dicke rotkr
Augen," erkundigte sich Abends in de.-!
llche die Jungfer bet We,n.
Ich weiß nicht. Vielleicht ist sie
eifersüchtig. Wir haben Visite bei
Bergheimö geschnitten. Fräulein Ada
ist unseres Herrn frühere Angebetete.
st 7 k ? , . .
ivccin vscicnrnaa wäre nicht, le
ist a hochnäsig. Da ist mir unsere !
gnädige mit ihrem unschuldigen Ge
sichte hundert Mal lieber."
Weiß, der die Diskretion intelligen
ter Diener besaß, hatte beschlossen,
sparsam mit seinen Mittheilungen zu
sein und seine Beobachtungen für sich
zu behalten. Er kannte seinen Herrn,
der nicht mit sich spaßen ließ. Auch
hatte es ihm einen großen Stoß in den
Glauben an die eigene Unentbehrlich
seit gegeben, daß der Herr Graf zwei
Mal ohne ihn verreist war, also ohne
ihn leben konnte.
Die Visiten bei den übrigen Ve
kannten und die Gegenvi fiten waren
eine Qual für Lina. Sie konnte die
Namen der vornehmen Leute, die sie
kennen lernte, nicht merken und ver
wechselte sie untereinander. So erkun
digte sie sich bei einem kinderlosen,
und deshalb sehr unglücklichen Ehepaar
nach dessen Bindern, weil sie eS für die
Familie hielt, in der sie reizende Kinder
erblickt hatte. Oder sie fragte den
Grafen ob eS seiner Mutter sie
war seit Jahren todt jetzt besser
ginge, weil sie bei der Visite in einem
anderen gräflichen Hause erfahren, daß
die Mutter des Hausherrn schwer krank
an den Folgen eines Schlaganfalles
darniederliege. Die Junggesellen
freunde ihres Gatten waren ihr der
bequemste Verkehr; die waren Alle
so freundlich und so ritterlich und zu
vorkommend, und konnten so viel mit
ihr lachen. Den anderen Herrschaften
gegenüber wurde sie ein Gefühl der
Unbehaglichkeit nicht los und bewun
derte die Sicherheit, mit der ihr Gatte
mit Allen verkehrte. Lingen, der auf
seiner Besitzung in Thüringen weilte,
hatte sie seit ihrer Hochzeit nicht ge.
sehen. Sie freute sich aus seine Peim
kehr im Herbste, denn eine innere
Stimme sagte ihr, daß sie in ihm
einen Freund gefunden hatte.
Im Juni feierte Ada ihren Geburt
tag durch eine csellschaft. Lina hatte
ihren Gatten gebeten, sie zu Hause zu
lassen; sie habe noch schrecklich viel für
die Theoriestunde zu arbeiten und
müsse außerdem an die Eltern schreiben.
Aber er bestand darauf, daß sie ihn
begleitete. Graf Bohlen, derselbe, der
Feldern vor Monaten auf die Villa,
die zu kaufen war, aufmerksam gemacht
hatte, führte Lina zu Tische.
Sie hatte einen Ehrenplatz. An ihrer
anderen Seite saß der General von
Funk. Er war kein Verächter weiblicher
Schönheit und daher, trotz seiner Bor
eingenommenheit, sehr liebenswürdig
gegen die niedliche junge Frau. Die
allgemeine Unterhaltung drehte sich
darum, daß nun. Ausgangs Juni,
Alles auf Reisen gehe, und Feldern
sagte bedauernd, daß er zum ersten
Male einen ganzen Sommer in Berlin
bleiben müsse. Zum Glück habe sein
.frnus einen großen Garten, den man
nöthigenfalls als Sommerfrische be
trachten könne.
Aber wie wird der gnädigen Frau
der Sommer in Berlin zusagen?"
fragte Graf Bohlen.
Lina antwortete mit ihrer frischen,
deutttch vernehmlichen Kinderstimme:
O, ich bin nicht an Badereisen ge
wöhnt mir macht daö nichts. Zu
saufe hatten wir eine Bank vor der
hüre; da war unsere Sommer
frische." Ohne die Gesichter der übri
gen Tafelrunde zu beachten, fuhr sie
heiter fort : ES war wirklich hübsch.
AbendS kamen unsere Bekannten, die
dann auch ihre Läden geschlossen hatten,
zu uns. Dann wurde gesprochen und
gelacht, biS zehn Uhr oder auch noch
länger " . .
Aber, Lini," fiel rhr Gatte, der
wie auf Kohlen gesessen hatte und
nicht länger schweigen konnte, ihr ,n S
Wort, das kann ja die Herrschaften
nicht im Geringsten interessiren."
Heiße Nöthe ergoß sich über lhr Ge
ficht; man sah ihr ihre Verlegenheit ,0
deutlich an, daß der General mitleidig
sagte: Warum sollte eS uns nicht
interessiren? Ich lasse mir gern von
dem Leben in einer kleinen Stadt er
zählen. Bitte, fahren Sie fort, gnä
digeFrau." .
Aber Linas Stimmung war verdorr
den. Das fröhliche Geplauder ver
stummte, und auf alle Anreden gab sie
nur kurze, schüchterne Antworten. Aus
der Nachhausefahrt war sie es, die mit
ihrem Gatten schmollte und sernen Ver
suchen, ein Gespräch in Gang zu brin
gen, hartnäckigen Widerstand entgegen
setzte. Zuletzt brach sie, wie immer nach
seelischen Erregungen, in Thränen aus
und äußerte den Wunsch, in M. be,
ihren Eltern zu weilen und nie nach
Berlin gekommen zu sein.
Die Sommermonate, in denen dre
ganze vornehme Welt verreift war,
waren die glücklichste Zeit in Lina
5he. Da gehörte ihr geliebter Gatte
nur ihr an nicht den lästigen, fremden
Merschen. Sie machten täglich Spa
ziergänge oder Spazierfahrten, auch
weitere Ausflüge in die Umgegend.
Zu Hause musizirten sie zusammen,
enn Feldern war nicht nur ein leiden
chaftlicher Musikfreund er spielte
elber sehr fertig Klavier und meinte e
'rnstmitder Musik. Lina lobte sein
Tpiel und machte ihn auf das aufmerk-
um, lo-as iic oaran auszusetzen hatte
. - 1 w 1
:no was er selber sogleich als Fehler
cinzusehLn bereit war. Dagegen gab er
ich Mühe, sie ein wenia mit dem.
vas in der Welt in der wirklichen,
üchr in der idealen, von der sie träumte
vorging, vertraut zu machen. Lina
rar in dieser Beziehung von einer
Unwissenheit, die ihren Gatten er
schreckte. Außer dem, was sie in der
schule gelernt und auö mittelmäßigen
Domänen erfahren hatte, wußte sie
üichts. Sie war nickt 111 hemenrn iv
' . I V- VM4, V S.' L4 1L Ull.
. . ' u .
Zu Hause hatte sie da Wochenblatt
lur ,n dem Theile gelesen, der Fami
.iennachrichten enthielt; die Berliner
Geburt oder Todesanzeigen interes
irten sie nicht. Während der Visite
im Hause eines hohen Beamten war
.'vn Windthorst die Rede gewesen.
.Wer ist das?" hatte Lina gefragt.
Der Führer des Centrums," wurde
'hr höflich geantwortet.
Centrum? Wer oder was ist da?"
'ragte sie lachend.
Als Feldern ihr später klar machte,
aß in Berlin die kleinen Kinder wis
en, wer Windthorst und das Centrum
"ei, fühlte sie sich natürlich wieder ge
kränkt. Nun hatte diese Qual Gottlob eine
Zeit lang ein Ende. Ihr Gatte war
nit ihr allein und wieder so liebevoll
nnd nachsichtig wie zu Anfang. Er
hatte viel zu arbeiten, denn im Laufe :
deß Sommer machte er da Assessor
eramen. Lina ihrerseits war ebenfalls
fleißig bei ihren Musikstudien und be
dauerte sehr, daß dieselben durch die
Ferien unterbrochen wurden. Zwischen
ihr und Professor A. hatte sich ein
Verhältniß gebildet, wie es oft zwischen
Lehrer und Schülerin entsteht. Er ;
freute sich dessen, was sie von ihm
lernte, und noch mehr dessen, waS sie
besaß, waS kein Mensch sie lehren
konnte. Sie dagegen hing mit schwär '
merischer Dankbarkeit an dem ernsten ;
und doch ihr gegenüber so freundlichen ;
Manne, dessen Ansichten und Urtheile
sie mir blindem Vertrauen aufnahm.
Du mußt nicht eifersüchtig sein,
Fritz," sagte sie oft zu ihrem Mann, ;
aber ich liebe und verehre den Herrn ;
Professor über alle Beschreibung." ;
Auch die anderen Lehrer des Konser
vatoriums zeigten ihr nicht ihres vor- ;
nehmen Namens, sondern ihres Ta- i
lenteS wegen große Freundlichkeit und
ließen sie fühlen, welche Stütze sie
durch ihr feines Gehör dem Gesangchor
wie dem Ensemblespiele sei.
Ihr Gatte hatte ihr gestattet, ihre !
Mutter zum Besuche einzuladen. Lina
bat so rührend darum, daß er, zwar ,
ungern, aber doch nachgab. Frau Mül
ler war vierzehn Tage da. Sie bewun
derte Alles, was sie sah und bezeigte ,
dem Schwiegersöhne eine Dankbarkeit :
und Verehrung, die diesen lächeln
machte. Natürlich hatte er innerlich
Manches zu überwinden namentlich
war es ihm unangenehm, wenn Frau
Müller in Gegenwart der Dienerschaft
ihrem Staunen über den vornehmen
Ton im Hause Luft machte, oder wenn
sie sich den halben Tag im Souterrain,
in der Küche, aufhielt, um der Köchin
waS abzulernen," und wenn sie dann
bet Tische von den Lebenöschicksalen
der Feldern'schen Leute zu erzählen
wußte und der Graf sich sagte, daß
diese vertraulichen Mittheilungen
sicher auf Gegenseitigkeit beruhten.
Im Gazen aber verging die Zeit von
Frau Müllers Anwesenheit in Berlin
boch..ziemlich wolkenlos, wenigstens für
den ast selbst und auch für Lina, die
das fec. Nickt erkannte, welche ihr
Gatte' tMch seine Erlaubniß und durch
seine Zuvorkommenheit gegen ihre
Mutter brachte.
Der September kam. Frau Müller
war fort. Ihr Gatte, der. wie im
vorigen Jahre, zur Leipziger Messe
reiste, wurde erwartet. Diesem Gaste
aus dem Wege zu gehen, hätte Feldern
gern mit Lina eine achttägige Reise
unternommen. Aber Lina freute sich so
unsäglich auf den Besuch ihres Vater?,
daß der Graf nicht daö Herz hatte, ihr
die Freude zu vereiteln.
Herrn Müllers kurzer Aufenthalt in
Berlin war für Lina die Ursache zahl
reicher Thränen. Der kleine, dicke
Mann sah so entsetzlich ordinär aus,
daß Feldern sich seiner schämte und
gegen Vater und Tochter eine sehr ge
reizte Stimmung zeigte. Lina wollte
am Nachmittage mit ihrem Vater in
den Thiergarten fahren; der Graf
erlaubte es nicht. Seine Bekannten
waren zum Theil wieder heimgekehrt
und konnten feine Frau in dieser fürch
terlichen Begleitung erblicken. An
Herrn Müllers Harmlosigkeit prallte
deö Schwiegersohnes schlechte Laune
ab. Er erzählte heiter von allem Neuen,
das es in M. gab und das für Lina
das größte Interesse hatte. Auch er
wähnte er, daß er nur noch ein Mal
Ostern zur Messe reisen nnd dann
August diese Fahrt machen lassen
würde. Der Schlingel muß sich selbst
ständig machen ; ich möchte gern, daß er
heirathet und mir das Geschäft ab
nimmt. Ich bin siebzig Jahre alt ; da
sehnt man sich nach Ruhe."
Mit der Dienerschaft, namentlich
mit Weiß, hatte Herr Müller sich
sofort sehr angefreundet. Weiß war
sehr zurückhaltend gegen Herrschaften;
Herrn Müller betrachtete er fast als
seinesgleichen und hatte sich Abends,
als er ihn in sein Zimmer begleitete,
noch eine gute Stunde mit ihm unter
halten. Da hatte er erfahren., welcher
Familie die Frau Gräfin entiMimte,
mit wem sie verkehrt hatte, unbMtz eS
eine schrecklich große Herablassung von
dem Herrn Grafen war, in eine so ein
fache Familie zu heirattze. Beim
Gutenachtsagen reichte Herr MüNer
dem Diener die Hand und dankte ihm
für die angenehme sellfSK.
Die Zeit verging. Eines Nachmit
tagS saß Lina spielend a Klaviet Z da
ging die Thür auf und Hizzge, trat
ein.
Sind Sie wirklich die SpUTeri?
sagte er in seiner gewinnenden, ruhigen
Liebenswürdigkeit. Ick stehe schon
eine Weile draußen und lausche dem
Spiele."
Lina war ihm mit einem Freuden
rufe entgegen geflogen.
'.Wie herrlich, daß Sie da sind!
Fritz und ich haben Sie mit Sehnsucht
kMMetLrkigte mir im Vsrüber'
! 1 1 I ,
fahren hre Wohnung ; jede Mal,
' wenn ich da Hau pafsirte, sah ich
; mit dem Wünsche hinauf, Sie an
einem Fenster zu erblicken. Ich freue
mich, daß mein Spiel Sie intrressirt
1 hat,' setztc sie errölhend hinzu, .ich
bin erst eine kleine Anfängerin.'
,O, Sie sind eine kleine Kunst
lerin,' verslchette er verbindlich.
Jnteressirt? Ihr Spiel entzückt mich.
Sie sind ein Glückskind wenigstens
nach idealer Seite hin. Im Leben,
wie es einmal ist, ist ein großes Talent
nicht immer da beste Göttergeschenk."
Doch, doch," behauptete Lina. Ich
darf mich nur an'S Klavier setzen, se
vergesse ich jeden Aerger, reden Ver
druß, und lebe in dem Reinen, Schö
:len. Hohen, an da ich denke. War ich
.'vrher noch so verdrießlich, die Musik
zlattet Alles und söhnt mich mit Allem
aus. Sie ist meine beste Freundin.'
Er kabelte ihr freundlich zu. Da
haben Sie sehr vornehmen Umgang und
werden mit dem, den Ihnen die Welt
außerdem bietet, nicht Zufrieden sein."
Da bin ich wirklich nicht,' gab sie
zu, wenigsten mit dem Berliner
Umgänge nicht.'
.So? Der gefällt Ihnen nicht?
Aber nicht wahr, Sie gestatten, daß ich
mich setze und vielleicht lassen Sie mich
später noch etwa? H5ren? WaS haben
. Sie an Ihrem Berliner Umgange zu
tadeln? DS möchte ich vor allen
Dingen wissen. Hat man Sie nicht
freundlich behandelt?"
Sie senkte den Kopf und gab keine
Antwort. Dann stand sie seufzend auf
' und trat an' Klavier. .Denken wir
nicht- daran. Ist e Ihnen gleich, was
ich spiele?"
Ganz gleich. Bitte nur um recht
; viel. Da Wa werden Sie allein
finden.'
Sie spielte die Wandererphantasie,
die sie eben bei ihrem Lehrer einstudirt
hatte. Als sie aufstand, sagte Lingen,
auf ihre Frage, ob er zufrieden sei,
seiner Ansicht nach spiele sie fast mit
zu großem Verständnisse : er sei über
rascht über ihre reife Anfsasfung.
Und diese and," setzte er bewun
dernd hinzu, die Leichtigkeit, mit der
sie über die schwierigsten Stellen fort
geht, ist unglaublich."
Lina lachte glücklich. Meinen Sie.
daß ich, wenn ich nicht geheirathet !
hätte, eine große Künstlerin geworden i
wäre?"
Er sagte ernst : Ich bin überzeugt, j
daß Sie eS auch so werden." ,
Seit dem Moment, da er Lina spie- j
len gehört hatte, stand sie in seiner ;
Gunst unerschütterlich fest. Jetzt erst
verstand er seines Freundes raschen Ent-!
schluß. Fritz ist zu beneiden," gab er
zu. Hoffentlich gehen die Prophe
zeiungen, die ich blind that, nicht in ,
Erfüllung." '
Die Gesellschaften begannen. Lina
bekam viele schöne, elegante Kleider
und sah allerliebst darin aus. Sie
konnte selbst neben der schönen Gestalt
AdaS stehen und den Vergleich mit ihr ;
aushalten, denn der Duft der siebzehn j
Jahre, der auf Linas poetischer Erschei-!
nung ruhte, überwog die Reize der ge
reiften Weltdame. Lina hatte etwas
GazellcnhafteS in ihrer Gestalt, in
ihrer Haltung, in ihren Bewegungen.
Ada neigte zur Fülle; man sah ihr
an, daß sie in späteren Jahren üppige
Formen haben würde. Lina war lebhaft
und jugendfrisch; Ada ruhig und stolz.
Gras Feldern sagte sich, wenn er die
Beiden zusammen sah, daß ihm die
Frische und Lebensunerfahrenheit seiner
Lina lieber sei alS die Gelvandtheit und
der Chic AdaS. Aber doch imponirte
ihm die Letztere, während er an seiner
Frau oft Grund zum Tadel fand. Er
war in beständiger Aufregung, sobald
er Lina mit anderen Leuten sprechen
sah. Lina dagegen wußte, wenn sie be
merkte, daß in ihre NSHe zukommen
suchte daß sie eine Verstoß begangen
nnd einen Vorwurf zn erwarten hatte.
Bitte, Lim, versuch, ob Du nicht
eine tiefere Berbengirng mafben kennst,
wenn Du alte Damen begrüßefi. Als
Dir die Generalin die Hand reichte,
machtest Du eine Berbeuaung, die für
ein einfaches Kopfnickengelten konnte."
WaS schadet daS? Wer achtet dar
auf?"
Jeder, liebe Kind. ES gilt für
unhöflich und ungebildet, öltere Leute
so zu behandeln."
Nun gut, so gelte ick eben für
ungebildet eS ist mir gieichgiltig,"
antwortete sie mit zuckenden Lippen,
denn cs war ihr nicht gleichgiltig, wenn
er und seine Bekannten sie so beurtheil
ten.
Ein anderes Mal sagte er:
Lini, um GotteS mitten, kannst Du
sitzen bleiben, während eine alte Dame
vor Dir steht und mit Dir spricht?
Ich war entsetzt, als ich Dich mit Frau
von sprechen sah Du, bequem im
ir(if n Mi
f
Siuit g uiuu)W)) j
jährige Frau, vor Dir
e, die siebzig
stehend."
Die Mal sah Lina
hr Unrecht ein.
Du hättest eS mir vorher sagen sollen;
ich wußte eS nicht, sei nicht böse,"
sagte sie erröthend.
Ich bin nicht böse. Siehst Du aber
nun ein, wie recht ich habe, wenn ich
Dich bitte, die Formen zu beachten,
die die Bildung uns vorschreibt?"
Allmalig wurde der Tadel in schär
ierer Weise geäußert. Lina lebte so
ehr in ihrer idealen Welt, daß sie
em, waS daS wirkliche Leben erfor
derte, wenig Interesse entgegenbrachte.
ES war absolut unmöglich, sie die
schlechten Gewohnheiten ablegen zu
machen, die sie besaß.
Liui, Du bist kein Junge, daß Du
so nachlassig bei Tische sitzen und Dei
nen Stuhl als Schaukelftuhl benutzen
darfst. Ich vergehe vor Scham, wenn
ich zu Dir hinüberblicke," sagte er ihr
einmal.
So sieh mich nicht an,' erwiderte
sie kurz.
Nimm Dir ein Beispiel an meiner
Kousine Ada. Richte Dich in Allem
nach ihr; dann bist Du sicher, keine
Verstöße zu machen."
Bei einem großen Diner saß Lina
mit Lingen zu Tische, und da sie sich zu
ihm am meisten hingezogen fühlte,
war sie recht zufrieden mit ihrem
Platze und plauderte heiter mit ihrem
Nachbar. PlötzUch stand ihr Gatte hin
ter ihrem Stuhls.
Nun, Du hast woht. Sehnsucht nach
Deiner Frau?" fragte Lingen lächelnd.
Der junge Chenrann beugte sich zu
seiner Frau herab und flüsterte ihr
Lingenö scharfem Ohre deutlich ver
ftäudlich zu: Lini, Du bist nickt in
PZ., daß Du wie eine Kannibale issest.
In Deinem Elternhause war die Ga
bel ein unnütze Möbrf; hier ist sie
da Einzige, mit dem . gegessen wird.
Du kannst Dir denken, wie mir zu
Muthe war, als ich vorher beim Äarp
fenesfen ''dleMajokia K. zu ihrem
Nachbar sagen hörte: .Sehen Sie. wie
it? iöröfig Feldern den $i(ch tnjUF
Messerschneide! und wie sle beständig
da Messer in den Mund führt Ist
e Dir denn nicht möglich, an da zu
oenren, wa- tq Btr zahllose Male ge
predigt habe?' ' .
Lina gab keine Antwort. Lingen,
der sie von der Seite beobachtete, sah,
wie sie roth und blaß wurde und die
Lippen zusammenpreßte. Er bemühte
sich, sie wieder in ein Unterhaltung
zu ziehen ; sie war einfilbia und ging
auf nicht ein. Auch lehnte sie, sobald
ihr eine Schüffel gereicht wurde, dan
kend ad, und erwiderte auf Lingenö
Zureden, den guten Sachen zuzuspre
chen: Ich habe keinen Appetit.'
Ihn dauerte die kleine Frau und er
sagte tröstend: Machen Sie kein so
trauriges Gesicht. Fritz meint e nicht
böse."
.Da weiß ich,' widerte sie leise.
Er bemerkte, daß ihre Augen sich
mit Thränen füllten. Dann müssen
Sie aber auch nicht empfindlich sein,'
sagte er ermahnend.
Ich kann nicht ander; ich bin sehr
verwöhnt. Zu Hause tadelte man mich
nie.'
Er sah im Geiste da Elternpaar
und den Bruder vor sich und lächelte.
E war selbstverständlich, daß diese
Alle recht fanden, wa ein Wesen wie
Lina that. Sie war ja auch in der
That reizend ; selbst die Formfehler,
die sie beging, kleideten sie gut. Fritz
mußte sich wohl schon oft darüber ge
ärgert haben, daß er eine so kleinen
Vergehens willen so ernst mit seiner
Frau sprechen konnte.
Weihnachten nahte heran. Nicht
wahr, wir fahren zum Feste nach
M.?" frug Lina eine Tage ihren
Gatten.
Er machte ein bedenkliche Gesicht.
Jetzt tm Winter? Die endlose Reise?"
Du hast sie im vorigen Jahre auch
gemacht."
Da war etwas Anderes; da wollte
ich Dich sehen."
Wenn Du sie damals um eines ein
tägigen Aufenthaltes willen machen
konntest, kannst Du sie jetzt, da wir
mehrere Tage mit den lieben Eltern
zusammenbleiben, ebenfalls machen.
Bitte, Fritz, thu' e mir zu Liebe."
Er schauderte bei dem Gedanken,
eine oder zwei Wochen in M. mit
Lina Eltern zu verleben. Sei ver
nünftig," sagteer, und verlange nichts
Unmögliches von mir. Wenn ich mit
Dir nach M. fahren soll, muß ich wie
der Urlaub erbitten; das kann ich
nicht."
Sie schwieg einen Moment; dann
sagte sie: So laß mich allein fahren.'
Ueberrascht sah er sie an. Lini!
Du wolltest das fast ohne mich ver
leben?"
Warum nicht? Ich komme ja bald
zurück. Du wirst die Trennung von
mir leichter ertragen, als mein Bater
und meine Mutter. Für jene bin ich
die größte Freude auf der Welt."
Und für mich nicht?' Er hob ihr
Kinn empor und sah ihr in die Augen.
Sie wich seinem Blicke aus. Nein,"
sagte sie kurz.
Meinst Du das, oder sagst Du es
nur?"
Ich meine eS. Bitte, Fritz, er
laube, daß ich nach M. fahre."
WaS willst Du i dem langwei
ligen Neste?" sagte er scherzend.
.Da lg?iN ZZest K ei
Srimtfh, in de? ich sehr gÄlZlich war.
ch wünschte' Sie brach ab.
Was wünschest Du?"
Da sie keine Antwort gab, fuhr er
fort:
Du wrmschefi. Du wärest och jetzt
dort. Wie?"
Sie schwi,
Also so nnglScklich bist Du hier bei
mir?" sagt er rmd xrtlt fl sie seine
Lrme ziehen.
Aber sie entwnd sich seiner Um
münz.
ffntf Wa heißt beit"
Sie senkte schweigend de Kepf.
.Du bist mir wvhl gar tcht mehr
zut, Lini?"
.Dn schkmst Dich bftSdig meiner."
sgte sie leise vvr sich hin. .Ich bin
Dir e,ne Last. Du hättest Deine Kon
sine Ada hcirathcn sollen die Du mir
stet als Beispiel aufstellst, aber kein
einfache Mädchen wie mich. Papa hatte
Recht, als er sich unserer Verbindung
widersetzte ich sehe es jetzt zu spat
ein.'
Sie sprach ruhig, ohne jeden Trotz,
ohne jede Neigung zum Weinen, die
ihr sonst eigen war.
Aber, Lini, lieber, süßer Schatz,
waS fällt Dir denn ein? Siehst Du
nicht, daß Du mir durch solche Worte
sehr wehe thust?"
Du thust mir auch fortwährend
weh," sagte sie. Aber sie wehrte sich
dies Mal feiner Umarmung nicht, als
er sich aus'S 'Neue bemühte, sie durch
seine Zärtlichkeit zu versöhnen.
Ein Besuch unterbrach daS Gespräch.
ES war Lingen. Feldern begrüßte ihn
herzlich wie immer. Lina war in der
gedrückten Stimmung, die sie in der
letzten Zeit häufig zeigte.
Bitte, Herr von Lingen," sagte
sie, gleich nachdem er Platz genommen,
helfen Sie mir, meinen Mann über
reden, daß er mir die Erlaubniß gibt,
zu Wekhnachten zu meinen Eltern zu
reisen."
Ohne ihn?"
.Er will nicht mit, er scheut die
weite Reise." sagte sie ruhig.
So verleben Sie da Fest mit ihm
und reisen Sie nachher zu Ihren
Eltern."
Glauben Sie, daß diesen da Fest
die geringste Freude bereitete, wenn ich
nicht bei ihnen tun?"
.Und glaubst Du sagte Graf Fel
der, .daß ich Dich wöhrend oder mich
nach Weihnachten fort lassen würde?"
Er sprach in scherzendem Ton, aber
Lina ging nicht darauf ei.
.Ich weiß keinen Grund für Deine
Weigerung." sagte sie. Du bist nicht
allein, denn wir haben für den Hei
llgen Abend eine Einladung zu Berg
heimS und für die Feiertage zu Deinen
anderen Verwandten.'
Deshalb eben sollst Du hier bleiben
und den Einladungen Folge leisten."
.Und mich unglücklich fühlen und
mich beständig von Dir tadeln lassen,"
sagte sie erregt.
.Ja, lieber Schatz, so unglücklich
wie Du Dich in meinen, .so unglücklich
fühle ich mich in Deinen Kreisen. Da
ist e nun einmal die Pflicht der Frau,
der nachgebende Theil zu sein und sich
den Verhältnissen, in die sie hinein
gekommen ist, anzubequemen."
.Hätte ich diese Verhältnisse vorher
gekannt, nie wäre ich in sie hinein
gekommen," rief sie mit blitzenden
Augen. .Ich passe nicht für sie."
.Sind wir. Ihnen , wirklich Alle so
unsympathisch?" fragte Lingen lächelnd.
,Si i.t gb alle Anjerenvder
, voch die Meisten," setzte sie i"n kfier
( hrheitöliebe hinzu.
! .Das bedauere ich sehr,' sagte Fel
I dern ironisch. .Nun aber wollen wir
lda Gespräch fallen lassen und von
I weniger aufregenden Dingen reden.
: Die Reise nach M. ist endgiltig zu den
'Akten gelegt."
j Lina betheiligte sich nicht weiter an
!der Unterhaltung. Sie nahm eine
! Handarbeit vor, aber die Herren be
.merkten, daß sie häufig ihr Taschentuch
! an die Augen führte. Nach einer Weile
i stand sie auf und verließ das Zimmer,
j Nun sagte Lingen :
j .Ich lerne Dich von einer neuen
Seite kennen, Fritz. Tu bildest Dich
'zum Haustycannen aus. Wie kannst
; Du Deiner Frau gegenüber so hart
isein?"
j .War ich hart?" fragte Feldern
! achfelzuckend. Sie kann nicht von mir
! verlangen, daß ich mit ihr nach M.
i reise. Der Gedanke allein erregt mich
! schon. Dl'.s entsetzliche Essen, das
,' Einem da vorgesetzt wird! Und diese
'Familie!"
icer Kamille entflammt leine
Frau nun einmal und cö ist ein undil
ligeS Verlangen von Dir, sie ihr zu
entziehen. Du solltest ihr den Gefallen
thun und mit ihr nach M. fahren."
Unsinn! Dann habe ich sie nachher
wieder Alle einzeln hier. Ich will die
Beziehungen allmälig erkalten lassen
ans rlm gewonnen, ncn in meinen
1 Kreisen heimisch zu fühlen. Der dor
l tige Einfluß ist kein guter. Die Eltern
1 haben sie so maßlos verwöhnt, daß sie
nicht den geringsten Verweis ertragen
kann."
Deine Frau ist mit all' ihren Feh
lern reizender, als Andere mit lauter
Vollkommenheiten sind."
DaS ist wahr. Ihr Gemüth und'
ihr Charakter sind anbetungswerth, ;
und wenn ich mit ihr allein in einer'
Wüste lebte, wären wir daS glücklichste
Paar der Welt. Aber das ist nun ein-!
mal nicht möglich. Und Lini für das'
ieben zuzustutzen, ist eine Sysiphus-,
arbeit. Glaubt man, ihr glücklich etwas
beigebracht zu haben, so vergißt sie es
im passendsten Momente wieder. Ihre
Unwissenheit ist unglaublich. Kinder
von zehn oder elf Jahren sind nicht
nur besser unterrichtet als sie, sondern
sle haben auch ein besseres Benehmen."
.Ja, lieber Freund, sind das aber
nicht Thatsachen, auf die Du hättest
vorbereitet fein müssen, ak Du sie
hejrathetest? Und thust Du nicht Un
recht. Deiner Frau einen Vorwurf aus
ihrer Unschuld zu machen, die Dir vor
Monaten daS Entzückendste an ihr
schien?"
.Ich bin heute genau so entzückt
von ihr wie damals," sagte Feldern,
.aber ich würde eS noch mehr sein,
wenn sie ein wenig Rücksicht aus meine
Wünsche nehmen wollte."
Noch einmal in den nächsten Tagen
besuchte Lina, ihren Gatten zur Reise
zu überreden.
.Ich habe Dich gebeten, nicht wie
der darauf zurückzukommen," sagte er
ungeduldig. Schreibe Deinen Eltern,
wir könnten nicht reisen; ich bekäme
keinen Urlaub."
Ich belüge meine Eltern nicht."
.So sage, ich könnte nicht wieder
darum bitterr eö würde übel vermerkt
werden."
,yxn wem?"
,DaS kann ihnen gieichgiltig fein."
Lina ging den ganzen Tag mit ver
veinten Augen umher. Abends schrieb
sie an ihre Mutter:
.Geliebtes Mütterchen!
.Wie sehr, sehr gern erfüllte ich
Eueren Wunsch und käme zu Euch, um
daS Fest mit Euch zusammen zu ver
leben! Fritz behauptet aber, nicht
wieder um Urlaub bitten zu können,
und allein will er mich nicht reifen
lassen, so sehr ich ihn darum bitte.
So muH ich denn ans da Glück, mit
Euch zusammen zu fein, verzichten.
Aber meine Gedanken werden beständig
bei Euch weilen, Ihr Lieben."
Frau Müller war eine einfache Frau,
aber ihr Zartgefühl in Allem, was ihre
tr)er betraf, war groß, zwischen den
eile dieses BrefeS las sie so viel, daß
ihr Herz von Sorge ersmit war. le
Thatsache, daß Lina ohne ihren Mann
hatte reisen wollen, sprach dafür, daß
sie sich nicht mehr glücklich bei ihm
fühlte. Die Mutter bewahrte ihre
Befürchtungen für sich, um ihres
Manne Herz nicht zu belasten.
Linas Briefe nahmen von jener Zeit
einen anderen Charakter an. Zu An
fang hatte sie zwei Mal wöchentlich an
ihre Eltern geschrieben, dann ein Mal,
jetzt schrieb sie alle zehn bis vierzehn
Tage und entschuldigte sich mit ihren
Musikstudien und den gesellschaftlichen
Verpflichtungen, die sie vollständig in
Anspruch nähmen. Die Ausführlich
keit, die Vater und Mutter so beglückt
hatte, war aus den Briefen vcrfchwun
den: Lina zählte kurz die Gcfell
schalten, Theater, Konzerte auf, die sie
besucht, aber sie hatte aufgehört, ihres
ehelichen Glückes zu erwähnen. Wie
glücklich waren die Eltern über Aeu
neruttgen gewesen wie: Ich kann es
Euch nicht mit Worten sagen, wie gut
mein geliebter Mann zu mir ist und wie
sehr ich ihn liebe," oder: Wißt Ihr,
wer die glücklichste Frau unter der
Sonne ist und den besten, schönsten,
liebsten Mann hat? Eure Lina." Jetzt
hieß cs : Gestern waren Fritz und ich
im Opernhause," oder: Ich muß
mich kurz fassen, denn Fritz will mit
mir in die Singakademie gehen."
Feldern hatte Lina überreich zu
Weihnachten beschenkt. Sie nahm die
Gaben kühl hin und erwiderte auf seine
Frage, ob er sie erfreut, ruhig: Ja,
ich danke Dir." Sie sprach wenig mit
ihm. Die fröhlichen Mittheilungen
nach kurzer Trennung hatten aufgehört.
Ihr ablehnendes Wesen, das cr für
Trotz hielt und das übergroße Empfind
lichkeit war, verdroß ihn und machte
ihn gereizt. Die Verweise, die er ihr
ertheilte, wurden nicht mehr in liebe
vollem, sondern in scharfem Tcn ge
geben. Mehr als einmal hatte er jcl
die Antwort erhalten: Du haltest
klüger sein und mich nicht hei rathen
sollen."
(Fortlctz!lU!Z folgt.)
QjeTdj Lf5s-Avbrktr.
.So, der Herr Kvpulir.ski hat Deine
dritte Ehe wieder vermittelt. Wie
bist Du denn zufrieden?" Schlecht,
da ist aber auch meine letzte Frau,
die ich von ihm beziehe."
Seizleürte rocmtmce.
ErsterGauner: .Du Karl wat
meenste zu dem Rechtsanwalt Müßer?"
Zweiter Gauner: .Mit dem
i nischt der hat mich schon 'mal zu
drei Jahren Zuchthaus vettheiditzt l"
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fjlolin und VcrgnöunlZs-LgKlllA
. aeräumige lle ist auf daS ?este eingerichtet für die Veranstaltung ,
Ballen, Theater, Vereins, c,:cn uiw. ' " "n
.r(rorjertf)aU2oroon.i!l linirreitig ba3 fc5örtile intb mit Vorbedacht auf
quemlichkit emacrichtete nmchuugslokal in der Stab'. Eine große Keqeldabn Billmrdl
,,nd Po olt.'che bieten d.'.n la.te:t Unterhaltung, während an Erfrischung
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jci t frmcit. fi'ü.rini iv in t 3 tetu i rjett ii reit
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