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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 07, 1898, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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(Prodate-Richter.)
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Tiefe kostbare Sa!be ist d,'r Triumph
Kiisskiijchaslllcher Vledin.
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glr'ichkZmk. 2t über 40 Jahren ist sie
im Gebrauch, dringt stets Hilfe und gibt
flct? 5csrirl'l',nilg.
Zliix H,,nl'rl!iden Kerli, kirr innerliib.
blind rder I'I"tcde: ssislel in nr; ;urfni der
Blr tti ÄiicrZ. Cosiuliae lötsscsunfl unb
ickiiknliilit Teilung sicher. ,
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ffür ÜrnnT' , nd ?rI,wlidr. 'e,,nure una
Contturiiuii durch brandn, inidk. Besjerung so
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snua oder ho 'fnujsit)Iafl in unschldarkK eil
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Bereust lci nlXu p,b,krrn ; oder Portofrei
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Ecke drr 4:?n und Markistraßk,
Hermann. Mo.
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i land zu Sllßerst niedrigen Preisen.
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ffiiinlO inut S! usiinbrne ter Probate -S
j; fcouc; iir.b wirk fi bfsluftigen alle rdm
.w anaerrroüikii Mta-t: punkttich und ge
wr!jenda,l erledigen.
AmilieSkrllM.
Ronlan von tzmil Pcichkau.
(3. Fortsetzung.)
Es t?ar zwischen zwei und drei Uhr
Morgens und die Nacht war zwar hei
ter und sternhell, aber grimmig kalt.
Trotzdem beeilte sich Herr Ladenburg
nicht, als r nach Hause ging. Ja. er
kehrte dann sogar wieder um und sah
nach den Fenstern hinauf, die noch hell
waren. Jtzt erlosch eins der Lichter
und ein Wonnegefühl durchschauerte
ihn. wie er es noch nie empfunden
hatte. Trix sollte glücklich werden !
Morgen mache ich alles klar!" sagte
er. Es wird nicht viel sein, was ich
herausziehe, aber genug, um ihr Leben
zu sichern. Es konnte ja besser werden,
aber auch schlimmer, und dann wäre
das liebe Mädel betrogen. Triz. Trix.
wenn du nur schon mein liebes Weib
chen wärst!" ... So starrte er noch eine
Weile hinauf nach dem dunklen Fenster
und dann ging er diesmal gerades
wegs nach Haufe. Die Füße waren
ihm doch schon arg kalt getuorden ...
6.
Der Verein Helios" strebte schön
geistigen Zielen nach. In ihm fanden
sich die Techniker zusammen, die sich
für Literatur interessirten oder selbst
welche verbrachen. Tr Präsident.
Herr Ttulz. w-ar Chemiker, der Vice
Präsident. Herr von Posertve Archi
ttlt, der Cassirer. Herr Duncker. Inge
nieur und Philipp Skram. der als
Schriftführer waltete, gehörte der Ma
schinenbauschule an. Anfangs hatt
sich der Verein auf streng sachliche Zu
sainmenkünfte in einem Hörsaale des
Polytechnikums beschränkt. Dann
mußte Philipp an sämmtliche deutsche
Autoren Bittbriefe um gütige Zusen
dung ihrer Werke schroben, und als
man so zu einer kleinen Bibliothek ge
kommen war. miethete man ein paar
Zimmer als Vereinslokal. Hier hatte
dann der. Verein eine Zirisis durchzu
machen, da ein Theil der Mitglieder
auf die gesammelten Autoren ganz
fürchterlich zu schimpfen begann und
den Beschluß faßte, die deutsche Litera
tur zu reformiren. In der General
Versammlung drangen aber jene Ele
mente durch, welche der Meinung wa
ren. daß der Verein nicht bloß die li
teraricke Produktion in studentischen
Streifen fördern, sondern in erster Li
nie ein gemüthliches Aand edlerer Art
um die Jünger der Technik schlingen
sollte. Der Geschmack ei ja sehr ver
schieden und jedenfalls sei eine schlechte
Bibliothe! noch immer besser, als eine,
die erst geschrieben werden müsse.
Wenn schon eine Verschicbu'.'.g der
Grenzen desHelios" stattfinden' sollte,
so wär es wünschenewcrth, daß dicfe
Verschiebung nicht eine Verengerung,
sondern eine Erweiterung bedeute.
..Eomilitonen," so schloß der iliedner
- eö war Herr von Posertve keine
Literatur ohne Frauen! Veranstalten
wir literarifch-gescllige Vereinigungen
mit unseren Damen und dann wird
der Helios" nicht schrumpfen und
irelken. sondern erst ganz erblühen."
Auf diese !)tede folgte ein unbeschreibli
chcs Hallo, zuletzt acr zcigie sich, daß
die Rcformpartei nicht lloß geschlagen,
daß sie sogar versöhnt war. Und von
diesem Tage an nahm der Helios"
auch wirklich einen gaiiz ungeahnten
Aufschwung, so daß man schon im er
sten Jahre seines Bestehens, als der
Fasching gekommen war. an ein Tanz
kränzchen denken konnte.
Das Kränzchen fand in den Räumen
des Gasthofs Zum grünen Baum"
statt.
Der größere Saal war natürlich für
den Tanz bestimmt, in dem kleineren
waren die Ehrentafeln gedeckt. Daran
schloß sich noch ein halbes Dutzend
Zimmer und Zimmerchen mit kleinen
Tischen und das alles war mit Vlu
menguirlanden, Fahnen. Palmwedeln
und dergleichen ganz reizend ge
schmückt. Auf dem Vorplatz wurden die Gäste
von den Mitgliedern des Comites. an
dessen Spitze Herr von Posertve stand,
empfangen, die Damen erhielten eine
sinnige Tanzordnung in Gestalt eines
..Musenalmanachs" ' und dann ver
einigte sich die Jugend in dem großen
Saal und das Alter in dem kleineren.
Besonders zahlreich waren die jungen
Mädchen gekoinmen. aber auch an ge
reifteren Fräuleins fehlte es nickt.
Stellte doch allein Herr Professor Fi-scher-Novosel
vier in iveißen Musselin
gekleidete Töchter zur Verfügung! Ei.
mge Professorsfrauek.. immer noch le
bcnslustig. aber doch sclwn in vorg?
rüclteren'Farbcn und Formen, brach
tcn dann ein paar kräftigere Töne in
das anmuthiqe Bild und wenn man
dazu nc6) die ehrwürdigen Häupter der
Wissenschaft in's Auge faßte, welche die
Ehrentafeln zierten, so mußte man sich
sagen, daß das Kränzchen in jeder
Beziehung gelungen fwu.
Herr von Posertve. ein siorchbeini
ger, sehr eleganter Jüngling, dem man
ans den ersten Blick ansah, daß er nicht
ui Reformpartei ae hörte, strahlte denn
auch vor Wonne, und ein wenig ode:
mehr von diesem Glanz lag aus allen
Gesichtern ein einziges ausgenom
men. Dieses Gesicht gehörte Lora Skram.
Hätte man eine Ballkönigin zu
wählen gehabt, es wäre kaum eine an
dere gewählt worden. Die stolze und
doch biegsame Gestalt, das tiesschwarzz
v.-rr und der blasse Teint kamen rn
der knapp anliegenden, mit Goldflitter
verzierten Cr.'me-Toilette auf's beste
zur Geltung. Sie sah entzückend aus
und überstrahlte die Schönsten des
Festes. Aber ihre Augen ketten einen
sonderbar starren Ausdruck, zwischen
die schöngeschwungenenBrauen drängte
sich wieder die finstere Falte, und Un
ruhe und Verdruß lagen auf ihren
Lippen. Sie tanzte auch nicht und die
Tänzer wurden mit der Bemerkung
abgewiesen, sie sei nicht wohl und werde
den Ball wahrscheinlich verlassen.
War der Professor oder war Hcin
rich die Ursache ihrer, Verstimmung?
Herr von Elsner war noch nicht an
wefend und Heinrich bemühte sich ganz
ausfällig um ein hübsches blondes
Backfischlein, das noch sehr jugendlich
war und doch schon merkwürdig heiße,
ungestüme Augen hatte.
Aber in Heinrichs Benehnten glaubt:
sie nur eine List zu erkennen und als
der Professor endlich erschien, wurden
ihre Züge weder heiterer noch ruhiger.
Er war von Mitgliedern des Comi
tes in den Tanzsaal geleitet worden,
wo er sie sofort entdeckte. Rasch trat er
auf sie zu. nahm ihre Hand und fragte
nach ihrem Befinden man sah es
ilzi es, hak er sich am liebsten gleich
an ihrer Seite niedergelassen hätte. ,
Wenn nur die Herren mit der Helios
Rosette im Knopfloch nicht gewesen
wären! Die ließen nicht von ihm und
so blieb nichts anderes übrig, als sich
zu fügen und ihnen zur Ehrentafel zu
folgen. Etwas verlegen nahm er Ab
schied, und Lora setzte sich wieder in
ihre Nische. Und wie früher starrte sie
auch jetzt in das fröhliche, bunte, von
hellem Lichteralanz umstrahlte Gewim
mel, als ob sie dort nichts gewahrte,
als trübe, peinigende Bilder.
Aber nicht lange blieb sie so. Plötz
lich sprang sie auf und Heinrich, der
sie nicht aus den Augen ließ, sah sie in
dem kleinen Zimmerchen zur Rechten
des Tanzsaals verschwinden.
Rasch entschlossen folgte Heinrich
Fräulein Lora . . . ohne an das Lack
fischlein zu denken. Als er sie erreicht
hatte, bemerkte er erst, wie nahe ihm die
blonden Zöpfe und die hellbraunen
Feueraucen geblieben waren, und er
konnte nicht anders er mußte die
Damen einander vorstellen.
Fräulein Lora Skram." sagte er
mit der ganzen Liebenswürdigkeit, die
ihm zu Gebote stand. . . . Fräulein
Florentine Stulz."
Das Backfischlein schien angenehm
überrascht zu sein und knickste.
Ihre Schwester. Herr Skram?"
Meine Eousine," erwiderte er.
Nun flogen die ungestümen Augen
wie prüfend über die schöne Gestalt.
Sie tanzen nicht. Fräulein?"
Ich bin nicht ganz whl."
Da bedaure ich von Herzen."
Sie tanzen sehr fleißig."
O ja . . . Ich tanze gern."
Tanzen Sie nur nicht so viel mit
meinem Herrn Vetter. Er tanzt sehr
leidenschaftlich."
O ja. Das habe ich aber gern."
EL ist nicht gesund."
Wirklich? So schlimrn ist es doch
nicht."
Sie sind noch sehr schwach . . . sehr
zart, Fräulein Stulz."
Die Kleine erröthete bis unter die
Stirnlöckchcn und faate malitiös :
Danke für Ihren Rath?
Dann knickste sie wieder, warf ihrem
Tänzer einen feurigen Blick zu und
verschwand.
Heinrichs Augen suchten die seine'.
Cousine.
Lora," sagte er mit einem bewun
dernden Blick und einem halb trium
phirenden, bilb bittendenLäck)e!n, ver
zeih mir!"
Ich wüßte nicht, was ich dir zu
verzettln hätte," erwiderte sie gereizt.
Die Prüfung war ein wenig grau
sam "
Welche Prüfung? Du führst eine
sonderbare Spcacbe."
Er sah sie in steigender Erregung
an und dann ncigtc er sich flüsternd p
ihr.
Ich bin jetzt sicher, daß du mich
liebst. Und was zwischen uns steht,
das werden wir schon aus dem Wege
räumen."
Lora war einen Schritt zurückge
wichen jetzt maß sie ihn verächtlich,
während ihre Brust sich stürmisch hob
und ihre Lippen bebten.
Endlich bczioag sie sich und erivi
dertc in einem Tone, au?: dem es elr
wie Haß als wie Liebe klang:
Deine List habe ich längst durch
schaut. Was das Mädchen betrisft. so
sprach ich nur so zu ihr. weil sie mir
wirklich leid thut, weil ich sie bedaure.
Im übrigen gebe ich dir die Versichc
rung. daß ich dich nicht liebe und daß
das auch nie anders werden wird
denn es ist unmöglich."
Nun hatte er seine Sicherheit doch
verloren, das fröhliche Gesicht wurde
ungewöhnlich sinstcr und seine Augen
hefteten sich mit einem dunkel flackern
den Blicke mißtrauisch auf ihre Züge.
Unmöglich." stammelte er. Un
möglich? Und warum?"
Sie athmete tief .ms und wandte sich
ab.
Weil du ein Skram bist!" kam es
halblaut, aber leidenschaftlich, voll
Haß über ihre Lippen, und dann
rauschte sie hinaus.
Heinrich sah ihr verblüfft nach ...
erst als sie seinen Augen entschwunden
war. besann er sich.
Weil ich ein Skram bin! Ist das
auch noch vernünftig?"
Er ging durch das Zimmer . . . Ik
den blonden Schnurrbart langsam
durch die Finger gleiten zuckte die
Achseln
Weil ich ein Slram bin? Was soll
das heißen? Das zielt nicht mehr aus
meinen Alten und auch nicht auf mich,
das zielt auf die ganze Familie. Abrr
dazu gehören Sie doch auch, Fräulein
Lora! Und wo soll denn eigentlich
dieser gemeinsame, verabscheuens
werthe Zug stecken? So viel ich weiß,
gibt es unter den Skrams weder einen
Verbrecher, noch sonst einen unange
nehmen Slerl. Ihr Vater. Fräulein
Lora. hat mich zioar nichts lveniger als
freundlich aufgenommen, aber er
scheint doch ein ganz netter alter Herr
zu sein, und wenn er Geld hätte, wäre
er vielleicht sogar sehr nett. Philipp
macht in Literatur, er ist ein Idealist
und das ist doch auch kein Fehler. Was
meinen Alten betrifft, so hört bei ihm
die Gemüthlichkeit nur in Geldsachen
auf, aber ich zweifle wirklich, ob es je
mand gibt, bei dem sie da nicht aufhört.
Ich selbst habe eine kleine Schwäche
für das andre Geschlecht, aber es ist
doch mehr so eine Art Kunstsinn, ich
interessire mich für die Damen im All
gemeinen nur so. wie s.ch ein Maler
für Sonnenuntergänge und Schafe im
Gewitter interessirt. Bleiben dann
noch das kleine Trutschel. die Trix. die
doch gewiß nichts Schlimmes an sich
hat. dann Alexander, den ich allerdings
nicht kenne, und Sie. Fräulein Lora.
Und wenn ich alles Überlege dann
dann scheint mir aerade die schöne
Lora die Schlimmste unter uns zu sein.
' , "n. ri.. Hrtf)
toie yar es ja ojier cinytiiuHf, u
ihre Gedanken nur nach einem reichen
Mann gehen!... Weil ich ein Skram
bin! . . . Das war eine Phrase eine
Ausflucht nichts mehr. Ich bin ihr
nicht gleichgültig, aber ich habe zu we
nig. Hier sitzt des Pudels Kern. Sie
kämpft und in ihrem Verdruß weiß sie
nicht mehr, was sie sagen soll. Lora
rpnn Im mir nickt etwas wie Gift
in's Blut gestreut hättest ich ließe
dich wahrhaftig laufen. Aber so....
Fräulein darf ich Sie um den Wal
zer bitten?"
Fräulein Florenline Stulz flog an
seinen Arm. ihre Wangen brannten
und ihre Augen blickten mit einem fast
rührenden Ungestüm zu ihm empor.
?v.a vmHVfwn ihal ibm iefet sonder
bar wohl, unwillkürlich drückte er rh
ren Arm ein wenig, als sie aber dann
durch den Tanzsaal dahinrasten, say
er über sie hinweg, als ginge chn seine
Tänzerin aar nichts an. hatte
Lora am Arm Herrn von Elsners de
1.
Es war dem Professor nicht leicht
gefallen, bis zu der Einzigen durchzu
dringen, mit der sich seine Gedanken
beschäftigten. Erst hielten ihn die
College am Honoratiorentische fest,
dann umschwärmten ihn die vier Da
men Fischer-Novosel. dann kam wieder
der Assistent der Sternwarte. Dr.
Ramsauer, um ihm seine beidenSchwe
stern vorzustellen, dann öat Herr von
Posertve. ihn mit einer begeistertenV
hierin der Elektricität es war seine
Cousin Fräulein Schlumbach be
kannt machen zu dürfen, und so ginz
es weiter, bis cr endlich Lora erbliclte.
Dabei hatte er ober nicht bloß eine
freudige, sondern auch eine peinliche
Empfindung. denn er sah das Mäd
chen in auffallender Erregung aus
einem Zimmer hervorkommen, in des
sen Hintergrund eben derselbe hübjch;
junge Mann verschwand, mit de,:i sie
auf dem Technikeröall am meisten e
tanzt hatte.
Es währte dann noch eine Weile, bis
sie sich fanden, den.r Lora schoß seit
wärts. längs der Wand des Saales
tveiter. während Herr von Elsner schon
wieder von allerlei hellfarbigem Eash--mir,
Cit'pe de Chine. Faille und Tüll
umdrängt wurde. Aber es gelang
nicht, ihn zu fesseln, und Plötzlich ücer
fiel er Lora von rückwärts, so daß sie
sich erschrocken nach ihm umwandte.
Er hatte sie in einem Tone um die eben
beginnend Quadrille gebeten, als
drohte ihm oder ihr irgend eine Gefahr,
wenn sie nicht schnell den Arm in den
seinen legte.
Natürlich," stammelte er dann, sich
entschuldigend ich .tanze ja nicht
ich meine, ob Sie die Güte hätten, die
Quadrille mit mir zu verplaudern."
Sie nahm seinen Arm und daoei
sagte sie. ohne ein Lächeln, ernst und
immer noch erregt: Sie tanzen nicht,
ich mag aber auch nicht plaudern."
Wie meinen Sie das?" fragte er
verwundert.
Keine Complimente. Herr Proses-
sor, und nichts von neuen Modn oder
einem neuen Roman."
,So gut haben Sie sich meine Worte
gemerkt?"
Ja. Und jetzt jetzt habe ich eiVr.
gerade das Bedürfniß, von etwas Ver
nünftigem zu spreche:.."
Wenn ich nur ioüßte, was Ihnen
vernünftig genug ist." versuchte er zu
scherzen. '
Sagen Sie mir etwas von Ihrer !
Wissenschaft." j
Nun lächelte cr.
Haben Sie Lust, eine gelehrte Frau l
zu werden?" i
Er fühlte an ibrcm Arm. wie si? zu- !
sammenzuckte. aber das ungeschickte ;
Wort war nicht null zurückzunehmen, j
Ich will in ich nicht in Ihren Au. !
gen erhöhen, Herr Professor," entgcg- i
nite sie etwas scharf. Uerrigen? i-
den Sie recht. Mein Interesse iir b? j
Wissenschaft ist durchaus nicht groß, j
Und doch war mine Bitte ernst ge !
meint. Lugen kaiin ich nicht seloi!
in solchen Fällen, wo ich' möchte. Ich
bin wohl zu hochmüthig dazu mir
wenn ich mich einmal zwingen will "
Sie ließen sich in einer der tiefen
Fensternischen des Tai.zs,ales ricdcr
und der Professor sah ihr bittenö in
die Augen.
Verzeihen Sie mir." sagte cr. Ich
meinte das ganz anders. Sie schcincn
sich in einer erregten Stimmung zu
befinden."
Ich bin allerdings etwas erregt.''
erwiderte sie. Und daher kam auch
gewiß mein Wunsch, den Sie so zwei
felnd aufnahmen. Ich habe eiu Vc
dürfniß nach ... ich weiß nicht, wie ich
es sagen soll. Es muß ja nicht gerade
die Elektricität sein. Nur nicyl- von
diesen Jämmerlichkeiten, diesen Lap
palien! Erzählen Sie mir von Ihrer
Jugend, wie Sie aufwuchsen, wie man
Sie erzog, wie Sie das wurden, waz
Sie sind! Erzählen Sie mir etwas
von Ihrem Haufe, Ihren Lerwanoten.
Ihrem Vater, Ihrer Mutter '."
Ein Schatten zog über sein Gesicht
und mit schmerzlich bewegter Stimme
unterbrach er sie:
Ich habe ja meine Mutter nicht a-.'-kannt,
Fräulein. Ur.d an mcinen V
ter habe ich nur eine sehr traurn-e Er
innerung." Nun besann sie sich und sah ihn wi.
um Vergebung bittend an.
Verzeihen Sie ... Ich habe im
Augenblick wirklich nicht daran t
dacht." Er machte eine abwehrend'? Bewe
gung. als wäre das Peinliche schon
überwunden, und fuhr dann in dem
gedämpften Tone, in dem die Unterrc
dung begonnen hatte, fort. Ick könntc
Ihnen freilich auch viel Schönes ciuj
der Zeit meiner Jugend erzählen. Von
der Frau, die mich auszog, die. ob
gleich sie nur eine sehr entfernte Ver
wandte meines Vaters, doch ihr Leben
hinopferte für ihn und seinen Sohn.
Ich möchte sogar von ihr sprecken, weil
Sie. Fräulein . . . Nein, ähnlich sclxn
Sie ibr eigentlich nicht. Und doch ha
ben Sie irgend etwat. was mich fast
gewaltsam an meine liebe Ulrike er
innert. Namentlich dann, wenn Si:
gehen. Sie ist groß wie Sie und . . .
ich weiß nicht, was es ist. Sie sind
auch wieder ganz anders. Viel schö
ner, Fräulein, als sie in ihren Mäv
chenjahren ..."
Lebt diese Frau noch?" uniecörac.
sie ihn mit einer sonderbaren Span
nung. Gott sei Dank sie leb! noch."
Und Sie lieben sie sehr?"
Ich liebe sie wie eine Mutier. Ich
bete sie an wie eine Heilige."
Lora schwieg. Sie dachte 'daran,
daß die Mutter des Professors ihr Le
ben durch einen grausigen Zufall"
verloren hatte. Was für ein grau
siger Zufall" war das gewesen? Die
Frage lag ihr auf den Lippen, aber sie
sprach sie nicht aus. Merkwürdiger
weise kam ihr dabei das Wort in den
Sinn, mit dem sie vor kurzem Heinrich
abgewiesen hatte Weil du ein
Skram' bist!" und si; empfand et
was wie Reue als ob sie eine Unge
rechtigkeit begangen hätte. So sah sie
dem Professor gegenüber und auch er
schwieg . . . versunken in ihren Anblick
. . . gänzlich verloren in den Zauber
ihrer Schönheit und ihrer Nähe. Da
tauchte plötzlich ein schwarzer Schatten
vor ihnen auf, als eben der flotte Zwei
vierteltackt der Pastourelle die Tanzen
den rief ... es war Philipp ...
Elsner fuhr auf... lächelte...
nahm die Hand des jungen Mannes . .
und schüttelte sie ebenso verlegen als
herzlich.
Lora war ein wenig crröthet.
.Warum tanzest dü nicht?" fragte
sie.
Wir hatten unten beim Vier eine
kleine Discussion. Dabei verspätete
ich mich. Dann erhäscht ich zwar noch
Fräulein Stulz. aber sie erklärte ' mir,
daß sie schon vergeben sei."
Dort trippelt sie doch gerade vor
bei" Philipp zuckte die Achseln.
Wie ein verirrtes Lamm. Sie
scheint ihren Tänzer nicht gefunden zu
kaben. Aber daß ich nicht vergesse . . .
.'crr Professor... der Herr Dekan
ichellenberg hat eben nach Ihnen ge
fragt . . . Die Damen dort unter der
Thür sind seine Töchter."
Herr von Elsner nickt dankend
und Lora sah hinüber nach den Töch
i:?n". Dann verneigte 'sich Philipp
ü'.id ginz. während der Professor nach
einem neuen Anknüpfungspunkt Züchte.
Wäre ihm nicht immer und immer
wieder dieser hübsche, flotte Tänzer,
dem der Frack wie angegossen saß. in
den Sinn gekommen, es wäre wohl
leichter gegangen. So aber fand r
nicht den Muth, auszusprechen, was
ihm auf dem Herzen lag. und zum
leisen Anklopfen hatt: er offenbar nicht
d-as Geschick. Lora kam ihm auch nicht
entgegen... das Schweigen wurde
iinmer peinlicher. Da wirbelte plötz
lich die Pauke im Orchester, die Geigei
Iiirmten hinauf, dann ein letzter Ac
cord, der wie eine Ziartätsche hereinfiel.
v.:t die schöne Ordnung der Tanzen
den löste sich auf, nach allen Seiten
schwärmten die Paare auseinander.
Lora erhob sich und sagte, daß sie ein
bischen Luft ' schöpfen wolle, es sei
drückend heiß im Saale. Der Profef
sor reichte ihr den Arm und so traten
sie aus der Nische, die bereits von jun
gen Damen und jungen Herren um
standen war. Das Kränzchen ist
wirklich außergewöhnlich stark be
sucht." bemerkte Elsner.
Ja. wirklich, sehr stark." entgegnen
Lora.
Wollen Sie nicht eine Erfrischung
nehmen?"
Danke."
Die Ventilation ist hier sehr man
gclhaft." In den hintern Zimmern sind die
oberen Scheiben geöffnet. Aber man
sieht von allen Seiten nach Ihnen.
Sie haben viele Freunde. Herr Pro
fessor lcmühenSie sich nicht weiter,"
Sie hatten das entgegengesetzte Ende
des Saales erreicht, als eben die Ein
ladung zum Walzer ertönte. Jetzt flog
Heinz mit Fräulein Florentine Stulz
heraus, und im nächsten Augenblick
stürzte ein kleiner dicker Herr mit
grauem Backenbart und jovialem, lä
ckelndem Gesicht ans Elsner zu.
Das freut mich, lieber Profcs,or."
sagte er. Wo stecken Sie denn cigcni
lich !... Fräulein Skram ... ich hatte
ja schon auf dem Technikerball das
Vergnügen . . . darf ich Sie um den
Walzer bitten?"
Lora zögerte. Es schmeichelte ihr
nicht loenig, daß der Herr Dekan
Sckellenberg, der seit dem Einstürze
seiner Eisenbahn - Gitterbrücke eine
Berühmtheit war. sich sofort ihrer cr
innert batie und sie sogar mit einem
Tanze beehren wollte. Aber sie lehnte
doch ab. Ich habe noch nicht getanzt."
erwiderte sie, und werde wahrschcin
lich auch nicht tanzen. Ich bekam lci
der Kopfschmerzen "
A das thut mir leid aber viel
leicht habe ich doch später das Ver-
gnügen Da kommen meine Töch-
ter. lieber Professor. Seit gestern
l,ab' ich sie wieder bei mir sie waren
in der Pension in Gens . . . Hier
meine liebe Erna und hier meine liebe
Alma . . . Fräulein Skram... Herr
Professor Elsner von Wittek."
Die beiden Madchen waren Nein
und unansehnlich, aber ihre Züge hat
tcn einen gewinn exotischen Reiz. Ihre
Mutter war eine Serbin gewesen und
von ihr hatten sie die Schönheit und
den fremdartigen Ausdruck. Jeden
falls gehörten sie nicht zur Gattung
der Ässistenten-Bräute." wie Philipp
die Fräuleins Fischer-Novosel scherz
haft benamst hatte. Lora verneigte sich
sehr kühl und dann sagte sie eben so
kühl zu Hcrrn von Elsner: Sie ent
schuldigen mich jetzt" und verschwand.
Sie flüchtete bis in das letzte der
Zimmcrchcn, aber sie blieb nicht lang
allein. Kaum fünf Minuten später
nar Herr von Elsner schon wieder bei
ihr.
Ich war besorgt um Sie." sagte er.
Ich fürchtete, daß Sie das Fenster
öffnen und sich direct der kalten Lust
aussetzen könnten. Sie sehen wirklich
angegriffen aus. Und Sie kamen doch
wohl ganz gesund auf dem Ball?"
Ja," erwiderte sis. Ich kam ganz
fund."
Sie saß auf einem kleinen Sopha.
das in die Ecke des Zimmers unter
Lorbeer und blühende Kamelien gestellt
war. Jetzt stand sie auf und trat an
das in der Nähe befindliche Fenster.
Was ist Ihnen gesckMn. Fräu
lein?" fragte er weiter. Als ich Sie
vorhin im Tanzsaal um die Quadrille
bat. da waren Sie eben hier aus die
sen Zimmern gekommen, und zwar er
regt, Sie athmeten heftig, ich sah. daß
Ihre Hände zitterten."
So genau haben Sie mich betrach
'.et ?"
Ja. mein Fräulein. Ich sagte mir,
daß irgend etwas vorgefallen sein
müsse "
Sie wandte sich plötzlich zu ihm und
sah ihn mit funkelnden Augen an.
Was meinen Sie damit, Herr Pro
fessor?" Verzeihen Sie . . . Ich bin vielleicht
recht ungeschickt ... Ich habe ja nicht
das geringste Recht, so in Sie zu drin
gen "
Nun wurde es in den benachbarten
Zimmern schon wieder lebendig ein
Pärchen trat sogar unter die Thür,
zog sich aber gleich wieder zurück. Das
Fieber in ihm und die Angst, die Ge
legenhcit könnte ihm wieder ent
schlüpfen, rissen ihn. so weit fort, daß
er dicht zu ihr trat, mit einer leiden
schaftlichen Bewegung, als müßt er sie
jetzt mit seinen Armen umfangen. Aber
er that es nicht Lora hörte nur sei.
nen jähen Athem sie hatte sich wie
der abgewendet und sah durch's Fen
ster... .über ihre hhe Gestalt floß
ein Schauer. Fräulein Lora." flü
steile er. sagen Sie mir. was Jhne?
der junge Mann ist. den Sie hier vr
ließen, als "
Sie zuckte zusammen.
Dann aber erwidert? sie .ruhig, wenn
auch mit bebender Stimme: Er ist
mein Vetter... Heinrich Skram"...
Nicht mebr als Ihr Vetter?"
Nein."
Was hatten Sie mit ihm. als ?"
Er liebt mich und sagte mir das.'
- .Und Sie?" ,
.Ich mutzte ihn abweisen."
.Si erwidern seine Neigung nicht?"
.Nein."
.Ihr Herz" .
Mein Hrz ist frei, Herr Professor."
Sie sagte das laut. , fast schroff
und nun trafen sich ihre Blick über
beide war in unsäglich Brlegenheit
gekommen. Der Professor hatte 'nur
gehört, daß auch er ihr gleichgültig
war, und si. sie wußte das. he noch
das letzte Wort über ihre Lippen ge
kommen. Mein Herz ist frei." hatte
sie gesagt, und jäh erschreckend wandte
sie sich zu ihm. während seine Augen
noch'an ihr. hingen. Er war erbleicht,
er antwortete nicht; in solchen Augen
blicken sich zu fassen, sich rafch zur
Klarheit durchzuringen, das war ihm
nicht gegeben. Si aber war nicht
bloß über die Wirkung ihres Wortes in
Verwirrung gerathen, sondern weit
mehr noch darüber, daß sich ihr dieses
Wort unbewußt, wie eineWahrheit ent
rungen hatte, während sie doch auch
wieder fühlte, gelogen zu haben. So
standen sie beide, von einem seltsamen
Taumel befangen und von den wider
sprechendsten Empfindungen zerwühlt,
einander stumm gegenüber, bis endlich
ein paar hereinslatternde Mädchenge
stalten der Scene ein Ende machten.
Im nächsten Augenblick sah sich Herr
von Elsner von einem ganzen Rudel
von Professorentöchtern umschwärmt,
und als er sich mit Mühe zurecht ge
funden und dahin und dorthin geant
wortet hatte, bemerkte er. daß Lora
nicht mehr im Zimmer war.
Zur selben Zeit schlüpfte sie schon
draußen in der Garderobe in ihren
Mantel und ihr Ueberschuhe und Phi
lipp fragte, ob er ihr eine Droschke ho
len solle.
Danke." erwiderte sie. Sie stehen
ja an der Ecke."
Aber sie fuhr dann nicht, sie ging zu
Fuß. oder sie lief vielmehr. Aengstlich
war sie nie und jetzt am wenigsten.
Und wenn sie auch die Aufmerkfamkeit
der Nachtschwärmer erregte jeder,
der ihr zudringlich unter die Kapuze
guckte, wich blitzschnell zurück, als hätte
er einer Todten in's Antlitz gesehen.
So kam sie unangefochten nachHause . .
8.
In den standesamtlichen Nachrichten
der Lokalblätter war bereits die An
zeige von der Verlobung Herrn Jsidor
Ladenburgs mit Fräulein Beatrix
Skram zu lesen gewesen. Beide Par
teien betrieben die Sache auf's eifrigste,
und die Hochzeit sollte an demselben
Tage stattfinden, an dem die gesetzliche
Frist für daö öffentliche Aufgebot ab
gelaufen war. Frau Skram wußte
eben, daß Verlobungen auch mitunter
zurückgehen, und Jsidor Ladenburg
war von einer eigenthümlich nervösen
Sehnsucht gequält, als könnte ihm das
Glück, das er schon in Händen hielt,
doch noch entfliehen.
Klar gemacht" hatte er auch schon
und es gelang ihm. eine Summe von
fünfzigtausend Mark aus seinen speku
lativen Unternehmungen herauszuzie
hen die andern Geschäfte mußten,
wenn er sich nicht für bankerott erklä
ren wollte, weiterlaufen. Möglicher
iveife schwang er sich damit wieder ein
por, vielleicht stand er auch vor dem
Ruin, jedenfalls wollte er Trix sichern
und das war jetzt gethan. Er legte
vierzigtausend Mark auf ihren Namen
an am Hochzeitstage wollte er sie
mit den Papieren überraschen und
den Nest der Summe, der ihm zur
Verfügung blieb, verwendete er zum
größten Theil für die Ausstattung.
Etliches floß auch direct in die Hände
Herrn Skrams. der allerdings zu stolz
war. um von irgend jemand auch nur
das Geringste zu erbitten, dessen Stolz
aber nicht so weit ging, daß er abge
lehnt hätte, was man ihm anbot. Und
Herr Ladenburg war eben ein ganz an
derer Mensch als Bruder Eduard
Skram. Lieber Schwiegerpapa,"
hatte er gesagt, ich kenne Ihre Ver
Hältnisse kein falsches Schamgefühl
hier ist eine Tausendmarknote
schaffen Sie damit an. was nöthig ist
Trix braucht nicht zu wissen, daß es
von mir kommt." Herr Skram wei
gerte sich natürlich eine Zeitlang, dann
aber wurde er gerührt, steckte die Bank
note ein und umarmte den kleinen
Mann. Wenn die Menschen alle Jh
nen glichen, lieber Jsidor." erwiderte
er. dann wäre es ine Freude zu le
ben. Ich bin jetzt überzeugt, daß Sie
das Mädel glücklich machen werden,
Sie sind wahrhaftig ein guter Kerl."
Auch Trix war dieser Ueberzeugung,
denn sie empfing täglich neue Beweise
der Güte ihres Bräutigams, aber in
ihrem Herzen lehnte sich doch immer
und imnker wieder etwas gegen ihn
auf. Einmal dachte sie: Wenn er nur
den Kopf anders halten möchte! Es
ist gerade so. als ob er inen immer
fragen wollte: Und sonst brauchen
Sie nichts, mein Fräulein? Keine
Nähnadeln ? Keine Hemdknöpfe ?
Keine Strickwolle?" Ein andres
Mal wieder wünschte sie. daß er sich
den rothen Schnurrbart und die rotln
Haare färbte. Papa färbt ja die
seinen auch! Er könnte sie aber blond
färben. Das ist noch hübscher als
schwarz!" Dann fiel ihr Heinz ein
und' sie begann sich Vorwürfe zu ma
chen. Heinz der Lora liebte und
von dem selbst Lora nicht gut sprach l
Heinz, der schlechte Sohn eines schlech
ten Vaters, der Sohn eines Mannes,
der in Saus und Braus lebte und es
sich nicht einfallen ließ, ihnen etwas
von seinem Ueberfluß zu geben. Da
war doch Ladenburg ein ganz anderer
. . . ach, wenn er nur wenigstens nicht
Jsidor hieße! Nach der Hochzeit wollte
sie ihn bitten, daß sie ihn Heinz rufen
dürfe, sowie man ja auch sie nicht Bea
trix rief, sondern ganz einfach Trix! . .
Von diesen Vorgängen im Herzen
seiner Braut ahnt Ladenburg nicht
das Geringste. Manchmal traf er sie
zwar mit gerötheten Augen, aber sie
lächelte gleich, wenn si ihn sah. sie dul
dete s. daß er sie küßte, und wenn er
sie mit seinen Armen umfing, da wurde
ihm so warm und wohl, daß er alles
vergaß nämlich die Gedanken an
Bankerott, die seine Nervosität verur
sachten. Andre Befürchtungen hegte er
nicht. -
(Fortsetzung folgt.)
SchlechterTrost. Thetta:
Aber Ella heute stehen viele Berlo.
bungen in der Zeitung!" Ella:
Ach, weißt Tu. davon gehen viele wie.
der zurück!"
Hyperbel. A.: Also. Du
meinst, mit den Eltern von dm Made!
ist nicht viel los?" B.: Ich sage
Dir. sie besitzen nichts, absolut gar
nichts und das wird auch noch in
vier Theile aetbeilt!7.
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HORACE L. KLINGE,
(Nachfolger von A. W. Diebel & Co.)
Sudler in
Siech- und EisemuMren,
Sillerstraße, Izermann, Mc.
Roch- und veiöfen, KochAcschtrr, Nies
srr und Gal'eln siers rorrZttzig und zn rcdu
zirtrn preisen.
NZgcl, Garten icrZtkze, Schrauben, Beile
,tnd landwerkszeua.
Wenn ihr billig känfen wollt, dann sprecht
bei mir vor. '
Bauholz.
z, dgde on dl Skke der ten und Markt
sii'.iize, i Sermon. ??n neue Baud"lzl,andlung rr
viiitt und wei-s-e du niitgige Prers und reelle Be
sienug. die öuust dri! Hublrkumzu erwerbe suchen.
Schindeln. Laden, Thüren, Fenster
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