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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, December 16, 1910, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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- . r
Fernverkehr auf hoher See
' Es ist erst wenige Jahre her. seit
pir mit der Tclezraphie ohne Draht
gberrascht worden sind, und heute gibt
' $ nur noch wenige Länder und Spee
re, die nicht ihre elektrische Verbin
; tota durch die Luft allein mit der
4 AUlZcnweu ceiuiicii. äuu mimet man
beispielsweise in der großen Was-
W t..r.Ha S 9sH(i-ifssinit fltrtiiä sin.
j . . .fi t-r-c (in. i
I itliu"!16, ' ""j'"" "
finden Niag, Telegramme aus den bei
den ihn umschlingenden Kontinenten
können täglich, stundlich eintreffen,
und ebenso täglich oder stündlich kann
nicrn von den Schiffen aus durch das
Luftmeer mit irgend einem Orte der
Welt in telegraphische Verbindung
treten. Mährend meiner augenblick
lichen Fahrt von Europa nach Süd
amerika auf dem Prachtdampfer Kv
, mg Friedrich August der Hamburg
Amerikan Linie schreibt , Emst v.
Hesse Wartegg an Bord des gmann
ten Schiffes.,. wurden bis jetzt von
den Passagieren gegen 400 Depeschen
abgesandt und ebenso viele empfan
gen. Heute, kurz vor unserer Ankunft
in Rio de Janeiro, standen wir mit
der spanischen Königssacht Alphonse
XIII. in lebhaftem Depeschenwechsel.
Das Schiff, hatte die Jnsantin Jfa
bella an Bord, welche als Vertreterin
ihres königlichen Neffen den Jiibilä
f&ttitM'Jtd1foiitin kßY Arnowftnif Aatt
. , unuvCit.4-Lifcblw' . ykimii
n unautjuimmiciv vciutiuuyiu iiuuc,
M,id sich eben auf der Rückreise nach
fcnnrtiem hptinnpr .im mfir nhitt mit
dem Höchsten Verdeck im Telefunken
bureau. als der Apparat zu ticken Be
gann. Die Buchstaben D. F. A., daS
Rufzeichen unseres Dampfers, warm
deutlich zu Hören. Der Telefunkenbe
kimte setzte sich an den Tisch und ant
wartete. Wenige Sekunden darauf
liefen Depeschen der Jnsantin ein.
Wir nehmen sie mit ach, Rio, wo sie
durch di'.s Telegraphenbureau an
ihre Adressen weitergekabelt werden.
Aiö unser wackerer Kapitän. Gustav
Bachmann, erfuhr, die Vertreterin
Spaniens fei an Bord der Jacht, die
unsichtbar vor uns, auf 100 oder 200
Seemeilen (Entfernung nach Spanien
dampfte, sandte er im Namen der
Passagiere eine Vegrübungsdepesche
durch die Lüfte. Unmittelbar darauf
traf der Tank der Prinzessin dasür bei
uns ein.
Diese drahtlose Verbindung mit
den , in verhältnismäßiger Nähe be
sindlichen Dampfern gibt auch dem
furchtsamsten Passagier , ein Gefühl
der Sicherheit. Er weiß, er ist auf den
großen einsamen Weltmeeren nicht
verlassen. Kommt , ein Unglücksfall
vor, der Bruch einer Schiffswell,
Feuer, Verlust der Schraube oder der
gleichen, so braucht der Telegraphist
nur von seinem Tisch daö Nothsignal,
die drei Buchstaben S. O. S., auf den
Apparat zu tippen. Die elektrischen
Ströme gehen durch die Leitung hin
auf zu den vier langen Paralleldräh
ten, welche zwi.schen.,die,beiden Mast
spitzen in einer Lcrnfle von ungefähr
60 Meter gespannt sind. Von dort
gehen die elektrischen Schwingungen
nach allen Richtungen - der Windrose,
durch die Lust, und befindet sich im
Umkreis mehrerer hundert Meilen
ein anderes Schiff, so werden dort die
Apparate das Unglückszeichen S. O.
S. bekannt geben, der Kapitän kann
sich mit dem hülfsbedürftigen Schiff
in Verbindung setzen, und weiß einige
Minuten später, wo es noth thut.. Die
unmeßbaren Vortheile der drahtlosen
Telegraphie sind so offenkundig, daß
heute nicht nur alle Passagierdampfer,
' sondern auch Kohlen, Getreide, und
' sonstige Frachtdampfer Telegraphfun
kenstationen erhalten. Freilich lohnt
es sich auf sslchen Schiffen nicht, eige
ne Telegraphisten anzustellen wie sie
Vtnl sfc!iY9U4j.f s s i. C sl.
ucitit:illlic uu mit tyuiiiuui.y-
Arnerika Dampfern sich befinden.
Dafür werden die Kapitäne und f
fiziere solcher Schiffe durch eigene In
, struktoren, welche eine Seereise mit
machen, im Gebrauch der Telefunken
apparate unterrichtet. Auch in der Na
viaationssckule in .Äambura ist eine
f eigene Abtheilung zum Unterricht von
kTelefunkenbeamten eingeführt war
jfccn. Im gedruckten Verzeichnis der
Funkentelegraphstationen vom August
- 1909 sind über 600 angeführt, davon
123 auf dem Festlande. der Nest auf
Schiffen Seither sind noch gegen
hundert andere dazugekommen und
- jeden zweiten, dritten Monat erschei
nen Nachtragslisten mit neuen An
schliiisen. Am zahlreichsten waren im
verginiqenen Jahre die Stationen in
England mit 35 - und Italien 23.
während Deutschland deren erst 16 be
saß. Seither sind noch 12 deutsche da
zugekommen, so daß es davon nächst
England die größte Zahl besitzt, wenn
seither nicht sogar darin übertrifft.
Die meisten anderen Länder sind be
reits durch mehrere Stationen vertre
ten. Brasilien hat deren sogar 23,
' und auch Japan hat sich sein eigenes"
Funkentelegraphensystem nach seiner
bekannten Nachahmungömethode er
funden, das System Teishinsho". mit
dem es die Zahlung der Patentgebühr
ugeht. Das verbreitetste System ist
heute jenes von Marconi, das Eng
land, Frankreich und Italien einge
führt haben. ' In Amerika steht da?
System de Forest in Verwendung, und
die übrigen Staaten haben zum größ
ten Theil das deutche Telefunkensy
ftem angenommen. Augenblicklich
werden in den verschiedenen Ländern
neue Stationen - angelegt. Uruguay
baut deren beispielsweise 10, Argen
Unien 15, Chile 10. und es ist dabei
mitBefriedigung zu begrüßen, daß die
Mehrzahl dieser neuen Stationen von
der deutschen Telcsuukcngesellschaft
eingerichtet werden. In dieser sind
vornehmlich die Allgemeine Elektrizi
tätsgesellschaft in Berlin, Siemens
Halöke vertreten, und da von diesen
auch die Apparate und der ganze Be
darf geliefert werden, so kommt da3
auch der deutschen Industrie zugute.
Eben hat sich auch Chile für die An
nähme des deutschen Systems ent
schlössen, denn feine Vorzüge wurden
den chilenischen Behörden auf drasti
sche Art vor Augen geführt., Dem
Dampfer der Telcfunkengesellschaft,
der zu diesem Zweck nach Valparaiso
am Stillen Ozean kam. gelang esDe
peschen von Bord aus ciucr durch Süd
amerika mit Buenos Aires am Atlan
tischen Ozean zu wechseln, ohne daß
die mächtige Andcnkctte, die gerade
hier eine Gebirgswand von niehreren
Tausend Metern bildet, ein Hinder
nis gewesen wäre! Es ist überhaupt
etwas Eigenthümliches mit diesem
Telegraphieren durch die Luft. Ent
fcrnungen scheinen keine Rolle zu spie
len, denn man hat es schon auf 2000
Meilen gethan, und dem Dampfer
Kleist des Norddeutschen Lloyd ist eS
in Ostasicn gelungen, mit dein Tele
funkensystern sogar auf, 3600 Meilen
Entfernung deutlich vernehmbare
Zeichen zu geben. - Regen, Nebel und
Gewitter haben keinen Einfluß auf
den Fernverkehr durch die Lüfte, nur
ist es auffällig, daß die Wirkung der
Stromwellen des Abends auf ein
Drittel größere Entfernungen wahr
nehnibar ist, als wahrend des Tages.
Störend ist in dem gegenseitigen j
Verkehr der Schiffe untereinander und
mit den Landstationcn nur die Eifer
sucht der Inhaber der verschiedenen
Systeme. Die englischen und italieni
schen Schiffe, welche das System Mar
coni verwenden, nehmen von Schiffen
mit dem Telefunkensystem wohl De
peschen für ihre eigenen Passagiere
an, geben aber Depeschen für Land
adresscn nicht weiter. Die sranzösi
schen Schiffe haben ebenfalls daS
Marconi System, doch wurden von
den Reedereien die Stationen ange
kauft, so daß sie freie Hand erhielten,
und seither wurde mit den Reedereien
der deutscheu Schiffe 'ein Abkommen
zum unbeschränkten Depeschen Auö
tausch getroffen. Hoffentlich gelingt
es in KÄrze, auch die Engländer und
Italiener zum Beitritt zu bewegen.
Im Reiseverkehr hat sich der
Schisfstelegraph überraschend schnell
eingebürgert, obschon die Gebühren
ziemlich hoch sind. Von Schiff zu
Schiff beträgt sie 12$ Cts. daS Wort
mit einem Minimalsatz von $1.25.
Dazu tritt bei Depeschen nach Vestim
mlingsortcn auf dem Festland noch
die Landgebühr. Als ich hellte mor
gen nach Luzern telegraphirte, hatte
ich außer den obigen 5 Mark noch die
Kabelgebühr von Rio Janeiro, der
nächsten Telcfunkonstation auf dem
Fcstlande. nach Luzern,.mit ungefähr
3 M. 50 Pfg. per Wort zu zahlen. AIS
wir uns in der Nähe des Pauls Nock,
dem einsamen Felsen in der Mitte de
Atlantischen Ozeans befanden, könn
te ich meine Depeschen über Lissabon
senden, von wo die Gebühr nach
Deutschland nur 25, Pfg. für jedes
Wort beträgt.
Das Telefunkenbureau ist ganz so
eingerichtet wie, irgend ein Telcgra
phenbureau auf dem Festlande. An
stoßend daran ist die .Kajüte des Tcls
graphisten.. Da sich auf jedem Schiffe
nur n einziger befindet, so wäre sein
Dienst ein sehr angestrengter, wenn
sich die Telegraphisten untereinander
nicht geeinigt hätten, nur bei jedem
stnd?scklaae nacki Greenwicher
Zeit, also Schlag 9. 10. 11 Uhr usw.
an den Apparat zu setzen, um etwaige
Depeschen .anzunehmen. Wird also
eine Depesche beispielsweise um 8.30
Uhr aufgegeben, so kommt sie erst um
9 Uhr zur Absendung, aber die verla
rene halbe Stunde spielt besonders
bei Depeschen 'für das Festland keine
Rolle, da ja bei großer Entfernung
von der nächsten. Küstenstatio i'.och
ein bis zni Tage Fahrzeit deS die
Depesche übcrnchntcndcn Dampfers
nöthig sind, um in die Rufweite dieser
Station zu gelangen. Die gewöhnli
chc Entfernung, auf welche Depeschen
rtpfandt werden, beträgt durchschnitt
lich 200 275 Meilen. Damit
nun beim Absenden einer Tcpesche der
Telegraphist nicht mehrere Male ver
gcblich anrufen muß. bis er auf ir
gend einem Dampfer zufällig An
schluß erhält, wurde eine sehr prakti
sche Einriktung getroffen. Das
Hauptbureau der Telefunken Ge
sellschast in Berlin läßt fiir drei Mo
nate www Voraus eine Stark dö At
lantischen Ozeans anfertige ant
welchen die Monatstage, Abl'rt?.
und Ankunftshäfen der Schijs
zeichnet sind. Linien, welche , - .'
Häfen verbinden, geben die Fabrik ich
hing der Schiffe an. Sie tmw.
Linien der zurückfahrenden Tc.;:;,zi;
so daß jeder z. B. nach Südamerika
fahrender Dampfer weiß, an welchem
Tage und an welcher Stelle er bciläu
fig die in entgegengesetzter Richtung
fahrenden Dampfer antreffen kann.
Dann ruft der Telegraphist durch
Tippen an seinem Apparat den betrcf.
senden Dampfer mit den in der Liste
verzeichneten Buchstaben an. und die
Regelmäßigkeit - im Dampfervcrkehr
ist heute so groß, daß gewöhnlich auch
gleich darauf die Antwort eintrifft.
Andernfalls wird der Dampfer eine
oder zwei Stunden später angerufen,
und der Tepi.'sche!ia:l-dw,'.'ch j'mhl
!";;:, wie auf esUandikationen. Aus
-sie Ms? n'uijte auch die frauischc
5arniiv;-jo.cl)t. d,i"; sie unserem Tarn
vier fcriite liv.o.r.v:it itfer wenigstens
innerhalb imscier Sprachweite foni
incii würde, und so kamen die elektri.
sihen Zeichen durch die Lust uns zu
ßcfloani.
Ans ähnliche Veise werden auch
Depeschen für Reisende auf hoher Se;
übermittelt. Personen, die z. B. von
uenos Aires an einen unserer Passl
giere zu drpeschiren hatten, gaben die
Tepesche dem Dampfer ..Orteg.ü" der
Hamburg Südamerika Linie, wr
.von Buenos Aires nach Europa ab,
fuhr. Der Dampfer kam in unsere
Rähe. rief un'eien Dampfer durch
Buchstabenzeichen D. F. A. an
und übermittelte die Teveschen. In
dessen konnte von Buenos Aires ui's
auch uoch vier Tage nach unserer Ab
fahrt telegraphiert werden. Die Tepc
sche ging dann nach Rio de Janeire
und wurde an diesem Tage von der
Tclcfunkenstation dort an den auf
ungefähr hundert Kilometer Entfer
rning vorbeifahrenden Dampfer Cap
Ortegal weitergegeben. Zwei Tage
später war dieser Dampfer auf seiner
Rückreise in derNähe vonBahia.Depe
scheu wurden also an die Telefunken
station Babia gesandt, und von dort
auf den Dampfer übertragen. Fünf
Tage später kre,tc er unseren Kurs,
und gab die Depeschen an uns ab,
während beide Dampfer in voller
Fahrt in vielleicht hundert Seemeilen
Entfernung an einander vorbei
dampften. . .
Ein Augenzeuge über die Aa
pitulation von Sedan.
In Paris , ist kürzlich unter dem
Titel ..Fröschweilcr. Sedan und die
Kommune" ein neues Werk erschie
ncn. das die Erinnerungen und Auf
Zeichnungen des Generals Vicomte
Aragonncs d'Orcet zusammenfaßt,
der als Rittmeister im 4. Kürassier
Regiment an dem Kriege thoilnalzm
und als Parlamentär der historischen
Verhandlung zwischen Moltke. Bis
marck und dem General Wimpsen bei
wohnte, der die Kapitulation der
französischen Armee folgte. Nach den
Kämpfen des 1. Septembers betrat
der junge Rittmeister - das kleine
Haus, in das man den schwer ver
mundeten MacM'chon gebettet hatte.
In diesem Augenblicke kam der Gene
ralstabschef des Marschalls, der Ge
neral Fanre. und theilte den Offizie
ren mit. daß General de Wimpsen im
Begriffe sei, ins feindliche Lager zu
reiten, um Unterhandlungen cinzulei.
ten. Er suchte einen Offizier der
Deutsch sprach. d'Orcet meldete sich
und 'wurde so Zeuge der denkwürdi
gen Szene in Donchery.
Um j10 Uhr.abends brach die klei
ne Kavalkade von Sedan auf. Kaum
100 Meter vor den Thoren der Stad;
war die Straße durch einen Verhau
gesperrt: der erste Preußische Posten.
Mit den Thränen ohnmächtiger
Wuth in den Augen sprach der fr,,
höfische Parlamentär den deutschen
Offizier an und erklärte, daß uumit
telbar hinter ihm die Abgesandten
Seiner Majestät des Kaisers folgten,
um mit Seiner Majestät dem König
von Preußen zu unterhandeln. Die
Barrikade öffnete sich, und die Iran,
zosen schlugen den Wca nach Don
chcrn ein. d'Orcet an der Spitze, hin
ter ihm ein Trompeter und ein Reiter
mit der weißen Flagge: hundert
Schritte weiter zurück General de
Wimpsen. General Easteinau. vene
ral Fanre. ein Rittmeister der reiten
den Jäger und ein junger Leutnant
der Mobilgarde. Die Dunkelheit war
vollkommen, überall die größte
Stille. Plötzlich taucht aus dem We
ge eine Gestalt aus und fragt Hai5
laut: Wer da?" Französischer
Parlamentär." Die Gestalt tritt zur
Seite. Der Rs Vorbeilassen"
klingt durch die Nacht, in der Fern.'
siebt man einen zweiten Soldaten zur
Seite treten.
, In Tonchery endlich übernimm!
ein deutscher Ossizier die Führung de?
Parlamentärs. Man vringr lyn m
ein kleines Häuschen, in dem wenige
Minuten später auch Wimpsen und
seine Begleiter eintreffen. Man bit
tet die' Franzosen, in einem kleinen
Salon zu warten. In der Mitte des
Zimmcrö steht ein Tisch mit rotber
Decke. Schweigend und bedrückt war
ten die Franzosen. Endlich, zelri
Minuten inochien vc, -suchen sein, ol
i" t sich die T!'i','-. Ti' i böhere dc!
; ' e Ossizier? in hwv:. lleberröcken
rtc-n ein. ES sind d'encral Maltie.
Ketienl v-rn B'i!ueiitl'al und der
ras B!S:narck. Knrze Begrüßungen
'-erden geiaukckt. dr." wendet sich
,i" Wimpsen und fragt, ob er
',z'..'.!iche Vollmachten mit sich führe.
Wimpsen bejaht, aber Moltke beste',!
darauf, die Papiere zu sehen. Dann
'teilt Wimpsen Eastelnau und. Fanre
vor. Mit einer Bewegung lade!
Moltke die Herren ein. Platz zu neh.
inen. Er selbst setzt sich an die eine
Seite 'do? Tisches, zu seiner Rechten
Blimi'entlml. . zu seiner Linken Bi
marck. Von den Franzosen nimmt
nur Wimpsen Platz. Hinter ihm,
fa't im Schatten verborgen, bleiben
die beiden anderen Generäle stehen.
d'Orcet befindet sich zur Linken B!S'
marcks. In dem kleinen Raume be
finden fich sieben oder acht preußisch
Offiziere; auf einen Wink von Blu
menthal stellt sich einer an den Ka
min, um hier alles aufzuzeichnen. waS
gesprochen wird. ' ,
Man hat kaum Platz genommen, da
liebt d'Orcet. wie Bismarck sich zu
Moltke hinüberbeugt. Sie vergaßen
uns vorzustellen," sagt er halblaut in
französischer Sprache. Moltke ant
wortet mit einem unartikulierten
Brummen, dann steht er plötzlich auf
und stellt seine beiden Nachbarn vor:
.Der Graf von Bismarck, der Gene
ral 'von Blumcnthal." Endlich er
greift Wimpfen das Wort. Ich möch.
te die Bedingungen kennen lernen,
die Seine Majestät der König von
Preußen uns zn gewähren beabsich
tigt." Sie sind sehr einfach darge
legt," antwortet Moltke: die ganz
Armee mit Waffen und Baggage ist
gefangen; die Offiziere behalten ihr
Waffen als Zeichen der Achtung für
ihre Tapferkeit: aber auch sie sink
gleich der Truppe kriegsgefangen.
Die Diskussion beginnt. Sie nimmt
auf Seiten Wimpfcns bald den Cha
rakter eines PlaidoyerZ an, das
übrigens mit wenig überzeugender
Stimme vorgetragen wird. Die Deut
schen hören zu, aber sie bleiben fest.
Moltke weist kurz auf die militärische
Lage hin, auf seine 200.000 Mann,
auf die 500 Kanonen, die bereits in
Stellung stehen, um ein Bombarde
ment zu eröffnen. Bismarck spricht
davon, daß Frankreich Preußen her
auSgefoxdert habe, vom Pöbel und
von den Journalisten sei es zum Krie
ge getrieben worden. Er betont daS
Wort stark und fügt hinzu: Die sind
eS auch, die wir strafen wollen."
Wimpfen erklärt schließlich: Wir
werden den Kampf wieder aufneh.
men." Der Waffenstillstand," ant.
wortet Moltke, läuft morgen um i
Uhr früh ab. Punkt 4 Uhr wird da?
Feuer eröffnet." In dem kleinen Zim
mer sind alle aufgestanden. Di
Franzosen verlangen, daß ihre Pfer
de vorgeführt werden. Dann herrscht
ein eisigeö Schweigen. Um die Stirn
mung de Augenblicks zn überwinden,
tritt Blumenthal an d'Orcet heran
und beglückwünscht ihn zu der Tapfer
seit der Kürassiere, derxn Bewe'gun
gen er mit dem Feldstecher verfolgt
habe. Sie gehören einer Elitetrup
p, einem heroischen Korpö an, Herr
Rittmeister, ich freue mich, Ihnen daS
zn sagen." Und er streckt dem Fron
z,sen die Rechte entgegen. DaS EiS
ist gebrochen. daS Gespräch wird all
gemein. Wimpfen nimmt mit Molt
ke, BiSrnarck und Blumenthal wieder
Platz. Wieder wird unterhandelt,
wieder bleibt Moltke fest. ES ist
Mitternacht. Um 4 Uhr endet der
Waffenstillstand, ich kann Ihnen kei
nen Aufschub gewähren." Doch als
BiSrnarck ihm eüvas zuflüstert, ver
tagt er die Aufnahme der Beschießung
auf 9 Uhr. Diese Konzession beendet
die Verhandlung.' Sie entscheidet im
Prinzip die Kapitulation. Einige De
tailö werden noch besprochen: da er
scheint ein Dienstmädchen und bringt
Flaschen. ES war Bordeaux. Die
fünf Franzosen heben schweigend ihre
Gläser zu den Lippen. In diesem
Augenblick ernster Gedanken sah man.
wie der junge LeutnSnt der Mobil
aarde auf Moltke zutrat: er rieb sich
familiär die Hände und meinte ganz
kameradschaftlich: Sapristi. mein
General, könnten Sie denn der bra
ven, französischen Armee nicht bessere
Bedingungen gewähren? Allons, un
ter uns. das könnten Sie doch wirk
lich!" Trotz seiner unerschütterlichen
Kaltblütigkeit blieb Moltke mit offe
ncm Munde stehen, llnd als die
Franzosen grüßten und schieden, da
starrte er immer och ans den jungen
Mobilgardiste. ohne eine Antwort zu
finden ....
Gilt schlcußlickies Geschäft, das in
der Stadt New ?Jork existiert, der
Vertrieb von, faulen Eiern für Nah
riingszwccke, ist von Nechnungs
.Kommissär Fosdick feinem vollen
Umfange nach aufgedeckt, und die
Bäcker, welche sich in, so skandalöser
Weise gzen ihre Ncbenmenschcn
verfehlt haben, find mit Namen und
Adresse an den Pranger gestellt wor
den. Es ist eine traurige Liste, die
zeigt, wie wenig mansche Geschäfts
leute auf die Gesundheit ihrer Ne
bemnenischeti gebeir, wenn es gilt, den
Dollar zu erjagen.
, Es kommen aber noch weitere Ent
hüllungen. .Nicht nur im Eierge
schüft ficht es in des Wortes buch
stäblicl?ster Bedeutung fchr faul, son
dern, auch in anderen Nahrunszwei
gen. Namentlich wird vom Rech
! niiikgökoinnlifsär erklärt, daß ver
Si n srtlfs. !
Hll (JltlUf III ll')U .VI 111)1- II
in Speisehäusern verbraucht wird.
Dieser Zweig der Nahrungsganno
rei wird jetzt untersucht, dann folgen
die anderen Vrancheir des Lebens
mittclgesckzäfts. Hoffentlich, stellt der
5kommissär, ähnlich wie er es in Be
treff der Bäcker gethan hat, auch
die fmilcn Künden iid anderen Ge
schäftszweigen an den Pranger.
Monnirt auf de.? Hermanner
Volksblatt.
Da,,,M,iffsÄgcntr
"von--
Tlxoo. G-ttclT, Horrnann, Mo,
gotd . Deutscher Ayd
New gvrk, Baltimvr und Bremen,
gamburg-gmerimn Line
New Z)ork, London, Cherburz und Hamburg.'
Zlmerkean nnd XXcb Star Ciitic
Philadelphia, New Vor! und Antwerpen.
m,:ma
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ivütf&.
......j. . '.- :-l
'.?'-sk JJi
lür Kaiütkn. und wilchrndecke
Nk"e'e 4 Rr fjoxt rde,
WiStiSJ 'Hif Baltimore von und nach irgend
. eine, Orie Europas zu fccien
derö N'rdriuen Picis.'N zu habrn. Wrr Angehörige auS der el'cn Hciwath
hkreinkowmrn lasst will, wirds in seinem Jntrrsse finden, 'n ',ier Ofsice
vorzusprechen.
,4. 4, 4.444
: Eure Gesundheit i
A. T
L vnt eslyNi tan I,rn wkag, vnb
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.'.wi.MiiH yiwivni, iwi. iuri nni
Uiliullui, kkipiv, pptiltllf'i unt
I 1. ic,,... II
ttn irtt tu neymi da RoeueuanM wntm
Dr. Ag!
Hamburger
Tropfen
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ftMrrfkniflM xsch eint smde nMich' Blttirna nd brtrl um Utibt
tuurichtftl. 60 Mi. W ftMifc. e1ht uf chttn rMrl.
Oanutai. debt nach Ixt Unterschrift Mit !Cr. fluauit ftitit auf dem Umlchlat.
I aütn pvche der dirett don
St. .Jacob Oll, Ltd., Baltimore, Md.
tttttt4tttttt
. kiAAifiAlii .
Ww.jirZ .'1 irtm
M. PacifU R. VI Fahrtaielle.
Oestlich gehende Züge.
No. 32 u. 33 lausen am Sonntage
nicht
No. 32 . . . . . .7.31 a. m.
22 ... ... . 2.28 p. 1.
6 . . . . . . ,2M p. ,n.
8 ..... . .7.64 p. m.
4 . . . . . .4.20 a. ni.
Local Frachtzug . . . .9.20 a. in.
Westlich gehende Züge.
No. 21 . . . . . .10.33 a. m.
1 . . . . . .11.18 a. m.
15 ... . . . . 2.23 p. m.
33 . . . . . . . 7.08 P. m.
3 . ... . .12.40 a. m.
Löcal Fracht . . . 12.15 p. m.
Der Schnee vergeht, daö Eiö
bricht auf. ES schwillt der Ström
Fluth. "Kraft. Leben!,, jubelt'S
im Swnneelauf. DaS ist die! Poe
sie deS nahenden Frühlings, der doch
komme muh, ob auch der Winter
noch so sehr mit stürmischen Gebär
den dräut. In der Prosa, in der
Wirklichkeit gestaltet sich freilich daS
Bild nur zu häufig ganz anöers.
Der Ruf nach neuer Kraft, nach neu
em Leben erschallt mtt, kaum dasj
die bleichen Lippen ihm Laute ver
leihen können. Der sehnsüchtige
Wuiösch ist da, das Vollbringen. daS
Werden aber fehlt, denn der Körper
ist zu geschwächt, um neuen: Leben
gedeihlichen Boden zu bieten. In
dc,r langen Winterträgheit hat sich in
den größeren Kanälen und den seinei
Röhren des Körpers mehr und mchk
Giftstoff angesammelt, der alS abge
nutzt hätte ausgeschieden werden sol
len, statt dessen aber von dem träge
dahiuflicbcnden' Blute nicht fortge
schleppt werden konnte und schließlich
wieder vom Körper, diesen vergif
tend, aufgesaugt wurde. Kann aus
solchem vergifteten Boden neues Lo
den erspriehcn? Sicherlich nicht, es
sei denn. Du schaffest Rath, indem
Du deinen Körper mit Hilf der be
rühmten St. Vernarb Kräutcrpillen
von dem Gifte befreist, das jede neue
Lebcnsregung im Keime zu ersticken
droht. Vertraue Dich nicht - den
Quacksalbern an; hoffe nichts von
deren Quecksilber, das den Leib nur
noch mehr zerrüttet.
THE CHItDREN LIRE T
KENNEDY'S LAXATIVE
COUCH SYRUP
Genaue AuJTur.st über Pasag
TrankvJilalil'N MLföl'rt ter
ausschiffe, u w. Zickel
ropaS
Tuner Crt . 'MI dikskl m
1lK.!tl..1tff e1tim
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nqtnhn Schwäche,
Sxtrat solgm fmtt,
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r444H-f44A
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Schmerzen
Beinahe alle Frauen machen ir
gend einmal Schiiierzen durch, ver
Msacht durch Hie ihrem Geschlechte
eigenen Uebel. Ist Ihr Leiden
noch im Bilde, beugen Si seiner
Entwicklung vor mit Erdi.
Haben Eie jahrelang gelitten.
nehmen gi
Frau L. EeUS, New Harlsord,
Iowa, schreibt: In den letzten
24 Jahren litt Ich an BebSrniutter
leiden, und in Folge an surck)t
barer Nervosität, Schmerz iii der
rechten Seite, im Rücken genug
um lebkiMberdrasslg zu sein.
Aerzte und Medizinen halsen mir
nicht. Schlieblich fing ich mit
Cardui Wein an. Jetzt bin ich
völlig kuriert. Vlle Frauen, die
ebenso leiden, sollten Cardui ver
suchen. Ueberall zu haben.
1 44
tnexasnrKmixarcxxxmr ft
fti -1. ... n
iTOOTp
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Succed when everythinj? c'ae ki!,. f
In nervous proslrati&n and Tcrnalo j
wenknesses the7 atc tho eupicme .
reroedy, u tliout-cndi linve teetisied. r.
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STOMAC1-: TflQUQLE
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over IrugRiat's counter.
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Gallarel, da einjijie !n,gungm,k, da bi
chwiig rnknltigel Perjoiit dient.
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