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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, October 10, 1913, Image 7

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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Die besten Weine und Liquöre an Oand
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Von Henry Mg-jj,, Teutsch von ?u
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. Die Sonne ging'blutrnt unter.
Das Schweigen der bene wurde
mit der Dämmerung noch schwerer,
noch intensiver, als ein Schrei den
Frieden des Abends störte. Die
Bauern, die vom Felde heimkamen,
die Hacke aus der Schulter, fuhren
erschreckt zusammen und sahen Vater
Malachane. der ,ms der Schwelle sei
nes Hauses . stand, verzweifelt die
Arme zum Himniel erheben. Sie eil
ten auf ihn zu, und der Mann, ein
Bauer von ungefähr vierzig Jahren,
stark, knochig das Antlitz von Wind
und Wetter gebräunt, erzählte ihnen,
daß sein Weib, das er heute früh, als
er zur Stadt fuhr, um Schweine zu
verkaufen, gesund -nd munter zurück
gelassen hatte, nirgends zu finden sei.
Bei feiner Heimkehr war die Haustür
offen gewesen, die Schränke erbrochen,
der Herd kalt und seine Frau ver
schwunden. '
Mau suchte sie überall. - Jeder gab
seinen Rat in dieser Angelegenheit,
und man beeilte sich, alle Häuser des
Fleckens nach ihr zu durchsuchen.
Aber vergebens.
Wenn sie in den Brunnen gestürzt
wäre! ...
Wer die Worte gesprochen hatte,
wußte sich später keiner mehr zu erin
nern, aber man bewaffnete sich mit
Leitern und Stricken und machte sich
dann auf den Weg zum Brunnen.
. Diesmal war der Weg nicht verge
bens; man fand die junge Frau. Sie
war tot, die Hände waren ihr auf
dem Rücken zusammengebunden. Ihr
T?ann klagte ' und schrie, aber sein
Auge blieb trocken, nd der Mund
verzog sich zu einem hämischen Lä
.chcln. Das wunderte jedoch keinen,
denn es war im ganzen Dorf bekannt,
di'.fz d:r Bauer -,enu' Frau schlug, und
daß sie wie Hund und Katze zusam
nxn lebten. . ,
Die Polizei nahm die Sache in die
Dand. Niemand hatte etwas gesehen
oder gehört. Das Hauschen lag ziem
lich weit von den anderen entfernt,
und die Lcnte ins dem Dorfe hatten
dei, ganzen Tag o;if den Feldern ge
arbeitet, und die Frauen waren bei
der großen Hitze, die geherrscht hatte,
in ihren Häusern geblieben. Gegen
Mittag war wohl ein Landstreicher
durchs Dorf gekommen, der nicht ge
rade vertrauenerweckend ausgesehen
und in jedem Hause gebettelt hatte,
bevor er auf der Straße nach der
Stadt zu, verschwunden war. Die
öffentliche Meinung war gegen diesen
Mann; man hielt ihn wohl dieses
Verbrechens für . fähig, aber er war
nicht aufzufindein ,". , ;
Als man jedoch einige Tage später
erfuhr, daß die Bäuerin Malachane
auf die Bitten und Drohungen ihres
Mannes hin ein Testament gemacht
und ihn zum alleinigen Erben cinge
setzt hatte, da war der Vagabund mit
einemmal vergessen, und allerhand
Vermutungen würden laut. Schließ
lich flüsterte einer es dein anderen zu,
der Bauer' selbst hätte seine Frau er
mordet und sie in den Brunnen ge
stürzt. Der Untersuchungsrichter, der
davon hörte, nahm die Spur auf, ver
hörte den Witwer noch einmal und
stellte Kreuz- und Querfragen an ihn;
aber' der Bauer fchwieg entweder oder
wiederholte immer wieder:
Ich weiß nichts!",
Er hatte sein Alibi genau nachge
wiesen, angegeben, was er den Tag
gemacht, und wo er gewesen war.
Run beharrte er eigensinnig auf dem,
was er in der ersten Vernehmung
ausgesagt hatte. Lücken zeigten sich
Wohl in seiner Angabe; über zwei
Stunden konnte er nicht genau Re
chenschaft ablegen. Da man aber
keine Beweise gegen ihn in Händen
hatte, mußte man ihn laufen lassen.
Im Dorf sprach man noch immer
über den Mord. Der Mann fühlte,
daß man ihm mißtraute und ihn ver
dächtigte. . Die Kinder gingen ihm
ängstlich aus ' dem Wege, und im
Wirtshause steckten die Männer die
Köpfe zusammen, wenn er hereinkam.
Er tat aber, als sähe er nichts. Er
trank sein Glas Bier und kümmerte
sich um niemand. Endlich würde man
den Verdacht.' den man auf ihn hatte,
wohl fallen lassen. Er . hoffte es
wenigstens. Und tatsächlich . begann
man nach und nach das Verbrechen
zu vergessen, andere . Sorgen, andere
Neuigkeiten traten in den Vorder
gründ. . Als Vater Malachane aber nach ei
nem Jahre Virginie Bouret heiratete,
da wurden die Stimmen plötzlich wie
der laut.
Virginie Bouret Martin kräftiges,
stark gebautes Mädchen aus dem Ge
birge und im Sommer zur Erntezeit
und zur Weinlese regelmäßig im Tal.
Sie war eine gesuchte Arbeiterin,
widerstandsfähig, fleißig und ehrlich,
aber nicht gerade hübsch . und arm.
Aber ihr Mut und ihre strahlende Ge
sundheit waren eine schöne Mitgift,
und Vater Malachane hatte wohl Ht
wußt, was er tat. Die Frauen im
Dorfe sagten: Sic hat Mut für
zwei, daß sie den Mann heiratet!"
Den Männern tat sie leid, und sie
sagten sich, daß Malachane ' ein
Schlaukopf wäre. '
Die Flitterwochen . dauerten nicht
lange für das junge Ehrpaar. Bald
nahmen die tägliche Arbeit und die
Sorgen sie vollständig in Anspruch.
Die Frau katte viel zu tun. um HauS
und Hof in Ordnung w halten; der
ann war oen ganzen Tig draußen
auf dem Felde. Sie liebten sich nicht
lmd haßten sich nicht; sie arbeiteten
und lebten zusammen, .das war alles.
Sprechen taten sie wenig miteinander
und nie von' der Vergangenheit.
Ueber dem, was gewesen war, lag es
wie ein schwarzer Schatten, und still
schweigend wqr der Entschluß in
ihnen gereift, den Schleier, der die
Vergangenheit veryüllte, niemals zu
lüften. Der Brunnen, dessen Wasser
man nicht mehr brauchte, und um den
man, wenn man in feine Nähe kam,
unwillkürlich einen Bogen machte, be
fand sich ganz hinten im Sartcn.
Wilder Wein und Efeu rankten an
ihm empor und verdeckten den Rost...
Es war an einem Winterabend, als
Virginie auf der Schwelle des Häus
chens stand, um auf ihren Mann zu
warten. Plötzlich sah sie ihn ganz
hinten durch die Allee, die zum Brun
nen führte, schleichen. Sein Gang
war katzenartig; unruhig wandte er
den Kopf bald nach rechts, bald nach
links, und als an den Brunnen
kam. lehnte er sich über den Rand und
schaute hinein. Man hätte denken
können, daß eine' geheimnisvolle
Stimme ihn nach dort rief. Sie be
obachtete ihn einige Augenblicke, dann
rief sie:
Was willst du denn da?"
Erschrocken fuhr er zusammen und
kam eiligen Schrittes zurück, ohne auf
die Frage zu antworten. Aber sein
Antlitz war vor Wut verzerrt, und die
dunklen Augen flackerten unheimlich.
Die junge Frau fühlte mit einmal
den Schatten eines Verdachts in sich
aufkommen, und dieser Verdacht
wuchs von Tag zu Tag und be
herrschte bald ihr ganzes Denken und
Fühlen. Angst hatte sie nicht vor
ihm. aber die Neugierde war in ihr
erwacht. Sie wollte wissen, ob man
recht gehabt, als man ihren Mann
beschuldigte. Sie beobachtete ihn.
überwachte seine Ausgänge und sah
ihn durchdringend an. daß er, als sie
eines Abends vor dem offenen Feuer
saßen, um noch twas auszuruhen, be
vor sie schlafen gingen, plötzlich in die
Höhe sprang und leine Frau anschrie:
Was hast du, warum starrst du
mich so an?
Ich. ich habe nichts."
Doch hast du etwas; ich fühle es!
Si schwieg einen Augenblick, dann
raffte sie all ihren Mut zusammen
und sagte mit zitternder Stimme:
Ich möchte es wissen."
Was willst du wissen?"
Die Wahrheit." . . .
Er begann zu zittern; er ahnte den
geheimen Gedanken, der das Herz sei
ner tclü erfüllte. Bald hatte er seine
Ruhe jedoch wiedererlangt, und ohne
zu antworten, nahm er das Licht,
stand aus und sagte achseizucreno:
Es ist das Beste, wir gehen zu
Bett."
Als das Licht ausgelöscht war,
wurde sie kühner. Sie sagte' plötz
lich:
Sag', mirs doch!" ... .
Was?" '
Sie wagte nicht auszusprechen, was
sie, dachte, da er aber nochmals wie
derholte: '
Was soll ich dir sagen?", wurde
sie mutig und flüsterte ihm zu:
Sag' mir. ob du sie getötet
hast!" -
Mit einem Fluch sprang er auf.
schüttelte sie und schrie:
Ich berbiete dir. davon zu spre
chen hast du verstanden?" .
Sie antwortete nicht, aber beide
fühlten, daß von diesem Augenblick
an das Gespenst der Vergangenheit,
bei Tag und Nacht bei ihnen sein
würde.
Und von Tag u Tag wurde es
schlimmer, der Schatten wurde riefen
groß. Zornesausbrüche, Zank und
Streit waren die Folgen. Er las die
stumme Frage in den Augen seiner
Frau, er erriet ihre Gedanken , aus
ihrem Schweigen. Und die junge
Frau selbst es schien, als ob der
Geist der Verstocbcnen Besitz von ihr
ergriffen hatte das Verhalten, eines
bissigen Hundes, der noch nicht wagt,
zuzubeißen 'aber -wütend an seiner
Kette zerrt.
Sie schlich jetzt manchmal um den
Brunnen, herum, es schien, als
wollte sie ihm sein Geheimnis entrei
ßen. Und als der Frühling kam,
konnte sie oft stundenlang mit einer
Arbeit auf dem Rand des Brunnens
sitzen und in die dunkle Tiefe starren.
Wenn er sie dor! sah, wurde er vor
Wut leichenblaß. Er kannte sich nicht
mehr; nervös, 'leicht erregt, hatte er
die Sicherheit des schlauen, gewitzten
Bauern verloren.
Virginie war jetzt fast überzeugt,
daß ihr Mann das Verbrechen began
gen hatte; es fehlte ihr nur noch der
entscheidende Beweist .
Jn der Nacht erwachte sie plötzlich;
sie war allein. Ihr Mann war auf
gestanden, ohne daß sie es bemerkt
hatte. . ' :.
Tastend kam sie bis ; zur Treppe.
Unten war die Tür, die-in den Gar
ten führte, geöffnet. Der Mond schien
hell, und. der Tau schimmerte wie
Diamanten auf Blatt und Blüten.
Mit leisen, . vorsichtigen , Schritten
schlug sie den Weg zum Brunnen
ein. Sie fand ihren Mann über die
steinerne Vrunnenwand gebeugt; er
schaute in die Tiefe, als ; laujche er
einer Stimme, und Virginie hörte ihn
stammeln: . , ;.
.Heb. Brun-tte ... daß du nicht
verrätst ... W?nn üe noch einmal
kommt ... sag' ihr nichts ... es ist
ein Geheimnis zwischen unö beiden. . .
weißt du." ...
Seine Frau stand jetzt ganz nah
hinter ihm. Die Hände auf ihr klop '
sende? Herz gepreßt, starrte sie auf
den Mann vor sich, als wäre es ein
Gespenst. Ihre Augen weiteten sich
vor Entsetzen, und ein gellender Schrei
kam von ihren Lippen:
Ich weiß jetzt ... Du hast sie er
mordet!"... '
Weiter kam sie nicht. Mit einem
Satz' war der Mann ihr an die Kehle
gesprungen. Ein furchtbarer Kampf
entspann sich zwischen den beiden, '
und während er versuchte, sie an den
Rand des Brunnens zu zerren, um sie
hinunterzustürzen, wie die andere,
klammerte sie sich mit verzweifelter
Kraft an ihn fest und zog ihn mit sich
in die Tiefe. .;
Ein klatschendes Geräusch im Was
ser, ein gleichzeitiger, gellender Schrei
von zwei Lippenpaann, und unter
dem silbernen Glanz des MondeS da?
ergreifende Schweigen der Nacht.
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i nft mssnfi ,u w,tze, '
Im Juli 1906 kamen in Paris
orei obdachlose Künstler in die adge
legene Rue du Delta, ein schmaies
Gäßchen in einem Außenvierkel. Im
Hintergrund einer dicht verwachsenen
Anlage erblickten sie ein Haus, das
allem Anschein nach unbewohnt m.ir.
Sie erkletterten die Fenster und prüf
ten sorgfältig das Innere. Schließ
lich beschlossen sie, einzusteigen rnd
dort die Nacht zu verbringen. Am
folgenden Morgen wurden sie durch
frohes Vogelgezwitscher geweckt. Kein
Mensch war im ganzen Hause zu
finden. Dieses bestand aus 14 schö
nen Zimmern, die zum Dableiben
einluden. Als sich nach Verlauf von
einigen Tagen niemand meldete, rich
teten sich die Künstler häuslich in
und forderten noch drei Freunde auf,
bei ihnen zu wohnen. Schließlich legte
sich dann noch jeder von diesen Kür.st
lern ein Frauchen bei, so daß die
Villa zur göttlichen Vorsehung",
wie das Haus feierlich getauft wur
de, schließlich von zwölf seelenver
gnügten Menschen bewohnt wurde.
Das Haus wurde bald der Mit
telpunkt eines großen Künstlerkre?!ts.
Hier wurden Balle abgehalten,
Kllnstlerfeste gefeiert und sogar Aus
stellungen veranstaltet Nach einiger
Zeit fand einer der Künstler heraus,
daß das Haus der Stadt gebvre.
Da längere Zeit nichts für den Un
terhalt des - Hauses getan worden
war, und das Dach und die Wand
bekleidung stark gelitten hatten, so !e
gab er sich auf daS städtische Bau
bureau und machte auf die Baukal
ligkeit aufmerksam. Der Schaden
wurde ohne weiteres ausgebessert,
und die Künstler lebten unbehell'gt
weiter. Schließlich zerstreute sich ?ie
Gesellschaft; die einen verzogen.
dere vertrugen sich nicht und aukicr
dem war das Haus von den belieb
ten Künstlerzentren weit entfernt.
Die Kolonie beschloß also auszuzie
hen. Vorher setzte sie jedoch ein
Schreiben an den Magistrat auf. in
dem sie ihm für die billige wunder
volle Wohnung, die sie sieben Jlhre
lang inne gehabt hatte, einen ticsge
fühlten Dank aussprach.
Künstler Original,.
Die Zeit der Originale scheint für ,
immer entschwunden zu sein, jeden
falls hält es heute schwer, auf Men-.
fchen zu stoßen, deren besondere Ei
qenheiten den Spott und Hohn ihrer
Mitmenschen cjeradezu herausfordern.
Künstler und Gelehrte suchen ihren
Ehrgeiz heute auf andere Weise als
durch die Sucht, sich in Erzentrizi-, .
iäun hervorzutun, zu befriedigen
und das ist es wohl, was unserem
Zeitalter den letzten Schimmer der
Romantik genommen hat. Ganz an
ders lagen die Verhältnisse vor noch
hundert Jahren, da ein Künstler ge
wissermaßcn erst für voll angesiben
wurde, wenn er durch originelle Ei
genschaften die allgemeine Aufmcrk
samkeit auf sich zu lenken verstand.
Besonders die in Rom weilenden
Künstler taten sich in der Beziehung
hervor und die mannigfachen Anek
doicn zeugen davon, welche. abge
schmackten Ideen manchmal dazu ber
kalten mußten, originell zu erschei
nen. ' Beispielsweise hat der Tircler
Maler Andersag inRom im Palazzo-
di Venezm em. vollkommen fensterw'
ses Gemach bewohnt und ausschließ
lich von den dort nistenden wilden
Tauben gelebt, die er der Bequeml.ch'
'eit balbcr gleich roh verzehrte. . ein
Kollege, der Maler Moosbrugger, der
dem Wein eine besondere Berehrnnq
entgegenbrachte, ließ es sich nicht neh
men, jede leere Flasche an der Decke
seines Ateliers aufzuhängen, so daß
dikses schließlich auf ,den Fremden
kinen grauenerregenden Eindruck ver
mlttelte. Den Vogel Originellität
.idcr hat sicher der Maler Gcnelli ab
geschossen,, der zur Sommerszeit nur
mi einem Hemde bekleidet durch die
Ttraßen wanderte!!
Und wie. A.: Ihre Fami
lie huldigt wohl eifrig dem Sport?"
B.: Ür.d wie. Immer liegt ci
v vön uns im Krankenhaus."
Hilmoriflislhcs.
Änstelsachsen.
....i.ci Miller, bei der Zrituilgö
lrttiirc: TiescS Volk kaun doch nie
iN'nug kriegen. In Afrika, in China
und wer weiß wo. überall angeln sie
vad) neuen Ländern, überall fischen
sie im. . ." Kleiner Pennäler, den
Vater unterbrechend: Ich weiß. Pa
pa. wen Tu meinst die Angelsach.
sen. Haben wir schon gehabt." .
.
Auch eine Ansicht.
Sie: Soll es denn aber nie nach
mcincm Willen gehen?" Er: ,.O
doch, mein Liebchen! Wenn wir glei
cher Meinung sind, geht es nach dir,
find mir aber verschiedener Ansicht, s
ist meine Meinung maßgebend."
. -
Zweierlei Beruf. "
Der Wiener Professor RokitanSki
wurde einmal gefragt, was seine vier
Tohne geworden seien. Er antivor
tete: Zwei heulen und zwei heilen."
Zwei von ihnen waren nönilich
Sänger und die beiden ' anderen
Aerzte.
-
RechtSauwalt.
Wut also, ich werde Ihre Nertre
hing übernehmen, und ich hoffe, ich
werde dem Rechte zum Siege verhzl
sen!" Klient: Ss! Na. wenn Sie
das meinen, kann ich ja auch einen
anderen Anwalt nehmen!"
Gros,erErf,lg.
WaS hast du denn eigentlich im
letzten Jahre getrieben?" Ich
hatte ein photographisches Atelier."
..Und hattest du viel zu thun?"
..Das will ich meinen! Ich hängte ein
Schild aus: Hier werden $Hnb:t
aufgenommen!" und am anderen
Morgen fand ich gleich vier auf der
Thürschwelle."
. , .
. Verkehrte Welt.
Ein Fremder: ..Früher sah man
liier immer noch diele Leute in ihrer
alten malerischen Tracht. Davon be
merkt man jetzt wohl gar nichts
mehr?" Einheimischer: ..O doch
. . . warten Sie mir bis zum Soni
mer, wenn die fremden kommen!"
' '
Bettlerfrechheit.
Bettler: Mein Kollege sagte mir.
Sie hätten ihm fünf Pfennige ge
schenkt, weil er nur einen Arm bat."
Haussrau: Na und " Bett
ler: Na. dann nzrrden Sie mir doch
zehn Pfennige geben, ich habe zwei
Arme."
ch
Dementsprechend.
Bürger der Kleinstadt: Was wer
den Sie an den Taqen. wo der Be
zirksvorstand deS WsttnenzvereiueS
hier seihen Kongreß hält, für Stücke
geben?" Theaterdirektor: Ein
Glas Wasser" und Der zerbrochene
Krug."
Hoffnung.
Sago mir nur. wie Du auf einmal
aufs Dichten verfällst?" Ja, ich
habe nämlich gegen meine Glatze schon
alles vergebens versucht, nun probiere
ich's mit dem Diäten die Dich
ter haben alle so lange Haare!"
:
Moralische Entrüstung.
Die gnädige Frau empört: Erzäh.
.Icn Sie mir bitte lein Wort mehr von
dieser niedrigen Schwindlerin! Erst
kürzlich gab sie mir ein falsche? Fran
kenstück heraus und es hat mich genug
W"hn nnfnffnf k! öS. Srtini miuhir
)fl-lVll4, viv "f t-V VUklll IV.W
an den Mann brachte."
Ein Ausweg.
Der Lumpensammler, der im .Keh
richt die Ueberresle einer Brille sin.
det, zu seiner !Zra: Wie schade, daß
hier das eiue Mas sehlt." Das
niacht nichts, daun machst Du eben das
eine Auge zu."
.. 0
'
Aus dem Tagebuch des kleinen Moritz.
Gestern hat mich der Her Lehrer ge
sragd, ob mir der Papa bei der Ne
chenausgabe geholfen had. Ich sagde
nein, denn ich kann ihn doch nich bla
mieren. "''; :"r
Der Hungerstreik.
, Was ist denn bei Ihnen zu Hause
los?" Hungerstreik wegen eines
i.euen Hutes." WaS, Ihre Frau
weigert sich zu esst,-?"' Nein, sie
weigert sich zu kochen."
.
. Umschrieben.
' Erster Kommis (der auf einem Ge
schäftsgänge einem Kollegen begeg
net): Wie, Sie gehen heute schon
spazieren? Wurde Luer Geschäft schon
so früh geschlossen?" Zweiter Koin.
mis: O, sogar M7'iegelt!"
. .i
Bedenkliche Äcklnsifolgening.
Sagen Sie mal. wie sieht denn ei
genllich die Braut unseres Freunde?
Kunzmüller au?-?" Ich hab' sie
nur einmal gesehen, über ich sagte mir
gleich: So viel Geld gibt's ja gar nicht
auf der Welt!"
Ter reichst, Student.
::. 4 '
. lFrei nach ; Körner.)
Pressend mit diel schönen Meden
Ihrer Wirte Wert und Zahl.
Saßen einsien vier Studenten -her
.Sonne bei dem Maul.
.Süffig", sprach pathetisch Schulze. -Ist
im .Gvldnen Lireuz" da B,rt.
Und der hclle Stoff aus München
Ganz patent bekommt er mir V
Hi',bfch und flink", sprach darauf MiU
ler. ;- .
.Ist deS LamnilvirtS- TSchterlem. .
Ihr zu? Liebe kehr' ich täglich . j
Bei dem brumm gcn .Alt,' ein.'
Lust'ge Cckli'äilke-. rühmte Lehmann.
.Gern und oft mein Wir, erzählt;
Und von alli seinen (Västeu
Keinen Langeweile quält." ?
o . . ' '
Michier sprach: Mein Wirt mit Miln
chen" :
Keineswegs Geschäfte", macht. ;
Er hat keine Kellnerinnen.
.Ullt" auch icht, daß alleS lacht. ,
Gleichwohl muß ich laut ihn loben;
Stets erscheint er mir als Held.
Ml auch klein nicht meine Jeche.
Fragt er niemals doch nach Geld!
Schulze. Müller, Lehman,, haben
Drauf einmütig die erklärt:
Reich, ganz beispiellos, ist Nlchter;
Lolch ein Wirt ist GoldeS wertl
Entgegenkommend.
MMM
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Herrin: Eins muß ich Ihnen
noch sagen, Friedrich. Ihr Vorgänger
hatte ein Verhältnis mit einer Kö
chin!
Diener (gutmütig): Das werde
ich selbstverständlich auch übernehmen,
gnädige Frau!
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Verzeihliche, Irrtum. :""
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Der Hausherr unterhält sich mit
feiner schwerhörigen Tante. Ein
Hausierer ösfnet die Tür: Pardon,
ich hab' gedacht, hier ist Auktion!"
Dann allerdings.
Die gute, alte Tante ist unter gro
szer Beteiligung von Verwandten und
Freunden beerdigt, und , man findet
sich in dem Trauerhaufe zu einem
solennen Nachmittagskaffee zusam
men, um noch einmal der ganz plöh
lich Verstorbenen zu gcdcnkcn. Der
Kaffee ist gut und namentlich rühmt
man allseitig den ausgezeichneten
Kuchen, der gespendet wird. Da
misch! sich die alte treue Magd der
Verstorbenen in das Gespräch und
erllärt schluchzend: Ja, soll glaub
i fcho! Den hent au die Leich' nock
selbscht backe!"
Eigene Erfindung.
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Schriftsteller: Finden Sie
denn in meinen Arbeiten gar nichts
Originelles!"
Redakteur: O ja die Or
thographie!" '
Feinfühlig. Vorsitzender:
Und nun sagen Sie uns noch, An
geklagter, warum Sie nur Waren
nahmen, die volle Kasse aber un
berührt ließen?"
Angeklagter: Ach Gott, Herr
Präsident, nun halten Sie mir
das auch noch vor!"
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