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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1875-1928, September 29, 1916, Image 3

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i r&Kl V-tj
jg
Äilr Farm und (öartcu
Getreideernte und Worten.
Der rechte Zeitpunkt der Getrei
deernte ist gekommen, wenn die Kör
ner gelbreif" geworden, wenn 'sich
daS Zkorn über den Fingernagel
brechen läßt, wenn beim Weizen die
fifiH'stfltt ftrtfmfnntn Ttrft firtimtit
vvitvii . rSrtiiiivvt f v V Vi
Am längsten kann man den Hafer
stehen lassen, weil ' er ' schwerer alS
die übrigen Cerealien ausfällt. Ge
treibe, welches rasch verbraucht wird,
kann minder reif sein als das, wel
,ches länger aufbewahrt werden
soll; . solches, welches ' "sofort
' auf dem Felde gedroschen wird (mit
Maschinen), und solches, welches iu
den abgeschnittene.. Halmen nachrei
fen kann, schneidet man vor vollen
deter Ausreifung aller Körner, eben
so alle Arten, deren Aehren bei zu
großer Hitze und Ausreifung leicht
brechen (Gerste), oder Schotenfrüch
jt
j "..
. Fig. 1. Getreidepuppe.
te. deren Samen durch Platzen der
Schoten leicht ausfallen (Rapsarten.
Hülsenfrüchte). Während die Hack
fruchte, sofort vom Feld an chren
Aufbewahrungsort gebracht werden,
hat das Getreide, die Hülsenfrüchte.
der Raps, der Samenklee meist noch
im Felde nachzureifen und abzu
trocknen. In der Regel werden die
abgemähten Früchte, nachdem durch
Liegenlassen der grüne Unterwuchs
(Unkraut. Kleeeinfaat usw.) etwas
abgewelkt ist, in Garben aufgebun
den und hierauf zum Trocknen in
verschiedenster Art aufgestellt. Zum
Binden der Garben dienen Garben
band, welche schon im Winter vorhn
ausRoggenstroh. auch aus Julestricken.
Mcmilahcinf, Kokosnußfafer, Hanf
schnüren und dgl. hergestellt werden.
Die gebundenen Garben werden in
verschiedener , Weise in kleine oder
größere Haufen zusammengestellt.
Die kleinste Art, die Puppe (Fig.
1), wird gebildet, indem man eine
Garbe senkrecht stellt,, 58 im,
Kreis daran anlehnt und dieSpitze
Mit einem Seil aus Stroh u. s. w.
Gctreideprisma.
fest zusammenbindet, um sie gegen
Umwerfen durch Wind zu schützen.
Will man einen Schutz auch gegen
Regen und infolgedessen gegen Aus
wachsen des Getreides in den Aeh
rm geben, so bindet man um die
Spitze herum eine Garbe (Haube),
mit den Aehren nach unten. Diese
Deckgarbe muß stärker gemacht und
recht sest, möglichst nahe am Sturz
ende, gebunden werden. Das in
solche Puppen gesetzte Getreide hält
sich bei sorgfältiger Ausführung der
Arbeit auch bei anhaltend nasser
Witterung fehr gut, reift vollkom
men nach, hält sich auch nach dem
Einbringen in die Scheune gut, läßt
sich leicht ausdreschen und gibt auch
gutes Stroh. Bei dem Sommer
aetreide möchte das Puppen aber
: Fig 3. Getreidckreuz.
ur dann zu empfehlen sein, wenn
dasselbe die gehörige Länge hat;
doch ist es auch bei der Gerste und
dem Hafer mit Nutzen nzukvendm.
Bei günstiger Witterung genügt das
Zusammenlegen in Prismen, wie
ia. 2 aeiat. Unter den übrigen
Aufstellungsweisen des geschnittenen
Getreides 'sind besonders noch" die
Kreuzmandeln (Getreidekreuze, Fi,
3) au erwäbnen als aeeianet für der,
spater ' geschnittenen Roggen und
bei günstiger AZttlerung. iss wer
den hierbei zuerst vier Garben' hori
4rtr,I tinh ,', frtnVntf - Ist mit litt
gvtuti utiv , uvw(yvvi " . "
Erde aeleat. dak die Aelirenende.'.
in der' Mitte aufeinauder zu liegen
kommen, uno zwar werden t au
dies? Weise dreiklick auseinander V
legt, so daß ein aus zwölf Garbe
bestehendes Kreuz entsteht auf eine:
fcliiocl desselben leat man daraus
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xShriffllW' huW ''?yv?
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Fig. 2.
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' zwei Garben ' und auf die wieder
eine Garbe in der Weise, daß die
Sturzenden . nach Osten gerichtet,
die Aehren aber abwärts nach der
Wetterseite zu gerichtet smd und
ein schräges Dach bilden. Pyrami.
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Fig. 4. tiiirl-i'i'.s:i;n'ii.
den bildet man. indem nun zwei
Garben gegeneinander so anlehn:,
daß die Aehren in du, Höhe stehen,
dazwischen wieder zwei Garben
ebenso aufstellt und die Zwischen'
räume mit vier Garden aussuuk.
Garbcnkasten (Fig. 4) entstehen,
wenn man aus einer fünf bis sechs
Garben entsprechenden .Pflanzen
menge einen Kegel aufrichtet, wel
cker' unterhalb der Aehren mit einem
Strohband gebunden und mit einer
nach unten geöffneten' isaroe m
Hut bedeckt wird; Dachhaufen, wenn
man zwei Garben übereinander auf
die Erde legt, und zwar in der
Weise, daß das Sturzende der
einen nach Süden, das der andern
nach Norden gerichtet ist. und auf
diese erst sechs, dann vier und drei
Garben so legt, daß sie einen Hau
fen mit einem nach Wetten schräg
ablaufenden platten Dach bilden.
Gewöhnlich wird das Sommerge
treibe in solche Dachhaufen gesetzt,
wiewohl es rötlicher ist, dasselbe
einige Tage nach dem Mähen n
kleinen Spitzhaufen aufzustellen und
diese erst beim Einfahren zu bin-
Fig. 5. Stiege.
den. Solche Spitzhaufen bildet man,
indem man beim Aufharken oer
Schwaden starke Wickel bildet, diese
in eine Spitze zusammengedrückt
aufstellt und die Sturzenden kreis
sörmig ausbreitet. Zur Bildung
von Stiegen (Zeilen, . Fig. 6) wer
den die Garben von kurzhalmigem
Getreide in zwei dachförmig gegen
einander geneigten Reihen aufgestellt
und die beiden Garben an den En
den' der Reihen mit einem Band
umschlungen. Alle Früchte sind nur
in trockenem Zustand einzufahren,
weil sie, naß in die Scheune ge
bracht, hier mehr dem Verderben
ausgesetzt sind, als beim ungünstig
sien Wetter auf dem Felde. Daher
muß man heitere, sonnige Tage zum
Einfahren wählen.
Tie Heuernte.
Auf allen Farmen, besonders sol
chen mit großem Viehstand, ist die
Heuernte eine der wichtigsten Arbei
ten. DaS sog. Rauhfutter ist ein
sehr wichtiger Faktor bei der Winter
ernährung alle,, grasfressenden Haus
ticre. und es handelt sich nicht allein
um die nötige Masse, sondern auch
auf tu Güte kommt es an.
Doch mit denl Heumachen hat es
manchmal seine Schwierigkeiten, wenn
die Witterung ungünstig ist, und es
erfordert dann eine sehr aufmerk
same. überlegte und emsige Tätigkeit,
wirklich gutes, wertvolles Heu zu
machen und einzubringen. Vom
Tau und Regen ausgelaugtes, von
der Soni.e gebleichtes und gedörrtes
Heu kann keiner Anspruch auf ein
wertvolles nahrhaftes Futter machen,
es ist schließlich nur Stroh und hat
keinen höheren Nährwert als Stroh.
Auch darf man die Heupflanzen nicht
zu reif werden lassen; ehe sie geschnit
ten werden. Je länger das Futter
stehen bleibt, um so größer wird der
Gehalt an Holzfaser, und nicht al
lein die Verdtiulichkeit dieser, fondern
auch die der stickstoffhaltigen Bestand
teile vermindert sich immer mehr.
Gutes, nährkrästiges Heu muß noch
grün aussehen und muß beim Ein
dringen einen aromatisch, würzigen
Äeruch besitzen.
Wenn nur eine beschränkte Menge
Heu zu machen ist, so wird man am
besten erst damit beginnen zur Zeit
wo die meisten Gräser gerade ausge
blut haben, die Blüten abfallen, oder
bei einer Mischung von Gräsern,
wenn die sp'itblühenden Gräser an
rangen zu blühen; beim Klee wartet
man am besten so lange bis einzelne
Llütenköpfe braun werden. Ist aber
viel Heu zu machen, so wird am be
sten mit dem Schneiden schon ringe
fangen, wenn die ersten Gräser in
Blüte treten, weil sonst das letzte
Gras zu alt wird, ehe es gemäht wer
den kann, dies namentlich, wenn es
an Arbeitskräfte mangelt; nur bei
reinein Klee sollte dieser stets erst gut
m lütt sein.
Wirklich gutes Heu kann nur ge
zmzX .
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. - A ,"7'uisy'
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Wonnen werden. ' wenn es " in ange
welktem oder halbtrockenen Zustande
niemals eine Nacht hindurch breit lie
gen bleibt. Daß vaö vormittags
geschnittene G& noch an demselben
Tage zu Heu wird, ist nur selten und
unter ganz besonvtren Umstanden der
ft,iH. meistens iM'k es den näcksten
Tag noch KÜU heuen ui,ö :mß
daycr t' Tciüji über draußen blei
ben, und du soll es in Haufen aufge
setzt werden und nicht breit liegen
bleiben. Erscheint das Wetter sicher,
so mag es meist genügen, das Heu in
Reihen aufzuharken, in denen es
dann am nächsten Tage weiter trock
nen kann, aber bei unsicherem Wetter
ist das Haufensetzen der einzig richtige
Wcg und bleibt das Wetter Zweifel
h ift. sv bleibt euch das Heu in den
Haufen fr lang: stehen, bis man wie
der mehr Vertrauen in die Witterung
haben kann. Uns auch w.ni. Regen
droht sollen Haufen von dem un
fertigen Heu gemacht werden. Bei
diesem Verfahren und in den Hau-
fen behalt das Heu feine Farce uno
seinen Geruch und verliert nicht an
ö?äk,rcehalt, auch wenn es einige Zeit
ungünstige Witterung durchzumachen
hat.
Mit Wender und Rechen im Klee
Heu oder ähnlich:m Heu zu arbeiten,
nachdem es schon mehr trocken gewor
den ist, gcbt nicht an. Man kann es
im welken Zustande mehrfach auf
lockern, dann zusammenharker. und
in kleine Hausen setzen. Die Haufen
können öfter umgekippt werden, da
mit der Wind gut durchzieht und
dann wieder zuriickgekippt. Die Sten
gel sind stark und saftreich und das
Trocknen geht bei nicht sehr günstiger
Witterung langsam vor sich. Man
soll aber solches Heu nicht noch zu
grün einbringen, weil dann Gefahr
besteht, daß es mehr oder weniger
verdirbt, muffig und schimmelig
wird. So lange bei dem Zusammen
drehen von mehreren Stengeln noch
Saft hervorquillt, soll man das Heu
nicht einbringen. Ueberhaupt emp
fiehlt sich das Salzen des Heues von
krautartigen Gewächsen, auch wenn
es von guter Beschaffenheit ist, etwa
4 Pfund Salz auf die halbe Tonne.
Das Salz verhindert die zu starke
Erhitzung des Heus im Lager, ver
hütet das Schimmeligwerden bis zu
einem gewissen Grade, und .spätere
Arbeit des Salzzebens an die Tiere
wird gespart.
Stelzen für Obstgarten'Arbeitcr.
Nicht für alle Arten, aber doch für
viele Obstbäume, die nicht sehr hoch
sind, mögen Stelzen der nachstehenden
Art sich besser verwenden lassen, als
die Leitern, wenn es sich um das
zweckmäßige Pflücken von Obst oder
auch um sonstige Arbeiten an den
Bäumen handelt.
Leitern beschädigen auch bei vor
sichtiger Handhabui g die Bäume häu
fig. und die Brechen" init ihren lan
gen Stielen können das Obst wie
auch die Zweige leicht beschädigen.
Stelzen, wie sie ein kalifornischer
Obstgarten - Besii neuerdings für
feine Leute hat herstellen lassen, um
sie zunächst beim Pflücken zu verwen
den, werden vielleicht zu einem großen
Teil beides ersetzen.
Jeder, der jemals als Junge auf
Stelzen gelaufen ist, weiß, daß man
sich sehr bald daran gewöhnen kann,
sich ziemlich sicher und sogar schnell
auf ihnen herumzubewegen, auch wenn
der Fußhalter verhältnismäßig weit
über der Erde ist. Und so kommen
auch die Obstpflücker mit den obigen
Stelzen gut zurecht. Sie bewegen
sich damit fast so leicht, als ob sie !i
rekt auf dem Boden liefen. Jede
Stelze hat gegabelte Füße, fodaß der
jenige, welcher sie benutzt, sein Gleich
gewicht noch besser bewahren kann.
Die Stelzen brauchen nicht mit den
Armen gehalten zu werden, sondern
sind an den Körper geschnallt, doch so,
daß die Bewegungö - Freiheit in kei
ner Weise dadurch beeinträchtigt ist.
Mit einem Sammelkorb oder Sack
über der Schulter, kann der Stelzen
mann sich ziemlich hurtig um den
Baum herum bewegen, ohne ihn zu
beschädigen, und viel rascher die reife
Frucht pflücken, als dies möglich ist,
wenn 'er die Leiter viele Male zu
stellen und zu rücken hat.
Und wenn die Bäumchen beschnit
ten werden sollen, so kommen auch
dafür die Stelzen, wie es scheint,
sehr zupaß, da di- Leute auf ihnen
selbst die obersten Aeste gut erreichen
und gleichmäßiger an ihnen arbeiten
können, als wenn sie oft wieder her
absteigen und ihre Leitern verschieben
müßten.
Es ist fast zu verwundern, daß
man nichtschon längst auf diesen ein
fachen Gedanken gekommen ist
ESi st einealte Annahme,
daß Bohnen und Erbsen im Garten
bau keine Düngung benötigen und
daß sie mit dem schlechtesten Boden
oorlieb nehmen. Das ist aber falsch.
Diese Pflanzen, weil sie zur Legu-ii'.inosen-
oder Schmetterlingsbliiter
familie gehören, haben zwar keine
Stickstoffdllngung nötig, da sie sich
die Stickstoffnahrung , aus der Luft
aneignen können, wohl aber Kali und
Phosphorsäure, und fehlt es an die
sen beiden Nä-Hrstvffen im Boden, so
können die Pflanzen nicht gut ge-deilien.
Ein kurierter Teulschcnfresser.
Arthur Ruhl, amerikanischer Journalist,
im Lande der Barbaren".
Es sind noch nicht viele Monate
her, feit Arthur Ruh! in London
mit dem Schreiber dieser Zeilen zu- j
sammentraf und sich dort als ein ab-'
solut verbissener Anti-Teutscher zeig
te, der am liebsten Deutschland ver
nichtet gesehen hätte. Herr Ruhl ist
eben amerikanischer Journalist und
er hatte seine ganze Kenntnis des
europäischen Krieges aus der .absolut
unparteiischen' anglo i amerikanischen
Presse geschöpft. Da waren natür
lich die deutschen Barbaren" derartig
als estien m Menschengestalt ge- j
schildert, daß dem braven Herrn Ruhl
das Blut im Leibe kochte. Nun hat
er allerdings weil er eben ein
wirklich ehrlicher Mensch ist und
seinen eigenen Augen mehr glaubt,
als den New Forler Zeitungen, für
die er lange genug gearbeitet hat,
um sie besser zu kennen als viele
seine Ansichten sehr geändert. In
zwischen hat er Deutschland und
Oesterreich kennen gelernt, hat das
.vernichtete" Löwen, über dessen un
erhörte Leiden" die im tiefsten In
nern ihrer unschuldsvo'.len Herzen ent
rüsteten Engländer ganze Ströme von
Tinte vergossen hatten, blühend und
guter Dinge gesehen und mancherlei
Gelegenheit gehabt, sich persönlich da
von zu überzeugen, daß gar manche
Schandtaten" der deutschen Hun
nen", über die wortgewandte engli
sche Journalisten im Brusttone ehr
lichster Ueberzeugung das volle Maß
ihrer bebenden Entrüstung ergossen
hatten, in Wirklichkeit ganz anders
aussahen, als jene Menschenfreunde"
sie geschildert hatten.
, Nun schreibt Herr Ruhl, der übri
gens dieser Tage nach Amerika zu-
rückgekehrt ist, m einem sehr lesens
werten Artikel in Collier's Weekly
einige seiner in deutschen, österreichi
schen und ungarischen Hospitälern ge
wonnenen Eindrücke nieder. Er ist
zu der Ueberzeugung gekommen, daß
nur diejenigen, die sicher zu Hause
sitzen und die Zeitungen lesen, im
stände sind, mit voller Befriedigung
zu hasfen.
Ich erinnere mich," schreibt er da,
an einem Sonntag im vorigen Au
aust von London nach Surrey ge-
fahren zu sein und einen Leitartikel
über Löwen gelesen zu haben, der so
gut geschrieben war. derartig von ed
ler Empörung durchbebt, daß einem
das Blut kochte und man kaum das
Aussteigen aus dem Zuge abwarten
konnte, um das Werk der Rache zu
beginnen. Am tirssten erarisf mich
wohl der Teil des Artikels, der von
den rauchenden Trümmern des Rat
Hauses bandelte, das ich später voll
ständig unvcrsrhrt sah. Seitdem
habe ich manchmal an lenen Leitav
tikel gedacht, und an die Tausende
aufhetzender Feuerfresser und Haß
Verbreiter von der Art seines Berfas
sers; Leute, die stets in einer Wolke
von Worten leben, von einer nervö
sen Reaktion zur anderen Lbersprin
gen, ohne je festen Boden zu berüh
ren, und die jeden Morgen von ih
rem bequemen Frühstück in ihr be
quemes Bureau fahren und Blutver
gießen, Vernichtung, Gott weiß waS
fönst noch alles verlangen Leute,
die noch nicht 10 Minuten lang den
kleinen Teil des Krieges zu ertragen
vermöchten, den irgend ein zartes
Mädchen als Kranlenwärterin jeden
Morgen Stunde um Stunde ertragen
muß, als Teil der täglichen Arbeit.
.... Das Lächerlichste und Ekelhaf
teste ist die Unwissenheit,, und Feig
heit derer, die jeden Tag zum Mit
tagsimbiß ein Armeekorps mit Wor
ten vernichten, in Wirklichkeit aber
nicht einmal imstande wären, von der
Vernichtung", von der sie fortwäh
rcnd reden, so viel selbst zu erledi
gen, als einem anderen Menschen in
die offenen Augen zu feuern, oder
einem einzigen Manne mit dem Ba
jonett in den Magen zu siechen. Un
ter den utopischen Plänen, die wir
mit größter Freude unterstützen wllr
den. wäre ein Versuch, die Redakteure
und die Politiker aller kriegführenden
Nationen zu zwingen, eine Woche
lang in den Hospitälern des Feindes
zu arbeiten."
Erschütternd in höchstem Maße
sind die Szenen in Hospitälern und
Genesungsheimen, die Herr Ruhl teil
weise in lakonischer Kürze kraß vor
Augen führt: Am Kopfende eines
jeden Bettes hing die von der Wär
terin geführte Geschichte". Diese
Geschichten" wurden aufgenommen,
nachdem die Verwundeten hereinge
bracht, ihre schmutzigen Uniformen
entfernt, die Leute gebadet waren und
endlich in den gesegneten Frieden
und die Reinheit des HospitalbetteS
sinken konnten. Und durch diese Auf
Zeichnungen konnte man, wie durch
ein Fernrohr, über den heißen Som
wer und die Fluren Ungarns hin-
überschauen nach den Winterkämpfen
und der eisigen Kälte der Karpathen.
Vielleicht möchten Sie einen die
fer Fälle sehen", bemerkte der Arzt.
.Der iunae Bursche war kaum zwan-
zig, ein strammer Junge mit schönen
Zähnen und intelligenten Augen. Er
!h ganz gut aus. UKt ronnie ivn
ich leicht vorstellen. Wie er Heu aus-
ud oder den isudas tanzte, nm
einen Händen an der Taille seines
Mädchens und ihre Hände an seinen
Hüften, so wie diese ungarischen
Bauern zu tanzen Pflegen, herum und
herum, Stunde um Stunde. Und
doch wird dieser arme Kerl nie wie
der tanzen, denn seine beiden Füße
waren an den Knöcheln amputiert
worden" .... In den Karpathen
erfroren. Und der Arzt erzählte dem
Korrespondenten weiter: Wir hatten
im Winter Dutzende solcher Fälle
163 erfrorene Füße und 100 erfro
rene Hände allein in diesem Hospi
tal. Die Patienten mußten auf Kar
ren von der Front hierher gefahren
werden. Das nahm manchmal tage
lang. Wenn sie hier ankamen, wa
ren die Füße fchwarz sie faulten
buckistäblick, wea. Blieb biilt nickts
übrig, als das Fleisch wegfallen zu
lafsen und dann zu amputieren"....
In einem Hospital ermittelte Herr
Ruhl folgende, statistisch hochinteres
sante Ziffern: Durch Jnsanteriege-
schösse verwundet 1,09o; von Schrap
nells verwundet 138; durch Granat
splitter verwundet 2; Bajonetiwun
den L; Säbelhieb 1; durch Handgra-
nate verwundet 1; erfrorene Fusse
163; erfrorene Hände 100; Rheu
matismus 65: Tvvbus 38: Lungen
entzündung 15; Mundsperre 5; Gas-
Infektion 5. Bon dielen 160 Ber-
mundeten und Kranken starben IS. 7
sielen sevtiscker Infektion um Ov-
fer. und je einer starb an Lungen-
entzundung, Mundsperre und Typhus
wahrend nur iu lyren Wnnoen
erlagen.
Eines Abends speiste der Korre
svondent in. einem Dackaarten und
hörte Männergesang, der durch die
Bäume beraukklana. Dann erkubr
er, daß die Sänger 58 Kriegsinvali-
den waren, denen man die Fuße hatte
amouiieren mu en. uno oie nun in
einem aeaenüberlieaenden scbönen aro-
ßen Prwatganen hausten, der ihnen
von dem warmherzigen Besitzer zur
Verfügung gestellt worden war. Am
näcksten Taae besuckte er den .Gar-
ten der fußlosen Helden" und sich
ibre Gebverluckie. die einen tiefen
ssindviick aus ikrn mackiten. Er lab
viele verwundete russische Gefangene
in deutschen und österreichischen Ho
svitälern .stattliche, aroße hell
äuaiae Burscben. mit denen sich die
Hunnen" und die Barbaren" so
freundschaftlich und humorvoll un
terbielten. als wären es eigene Ka
meraden. Da wurde ein kleiner hüb
scber ?lunae auf einer Tragbahre her
eingebracht,, ein blasses, zierliches
Kerlchen von etwa iz Jayren nu
blondem Saar und einem bezaubern
den Lächeln. Das brave Bürschchen
hatte den Soldaten Wasser gelragen
und ein Stück Schrapnell hatte ihm
einen Fuß weggerissen.
Serr Rubl schildert, wie die Neu
ankömmlinae entkleidet und aebade
werden: Dieieniaen. welche eben
konnten, benutzten die Douche; die
anderen wurden auf schrägen Plat-
ten, gebadet. Selbst die am schwer-
sten Verwundeten gaben kaum einen
Laut von sick. und die. die dazu im-
stände waren, hinkten unter die Dou
chen. als ob sie schon srüher Hospi
talinsassen gewesen wären, und war
teten, ja verlangten sogar mit einer
gewissen Entschiedenheit ihre Päck
chen mit ihren Habseligkeiten. ehe sie
in den Ankleideraum gingen. Viel
leicht war alles das nur Disziplin,
obschon man leicht glauben konnte,
dafz all diese organisierte Güte und
Bequemlichkeit, die sie plötzlich um.
gab, genügend war, um sie momen
ta über das Empfinden persönli
chcr körperlicher SckMrrzcn hinweg
zuheben.
Man hob einen Verwundeten auf
den Verbandtisch und löste die kis
senartige Bandage unter seinem em
porgezogenen Oberschenkel. Ein dik
ker, übelkeiterregender Geruch verbrei
tete sich durch das Zimmer. Als das
letzte Stückchen Verbandzeug aus der
Wunde gezogen wurde, solgte der
grünliche Eiter und sloß in die Scha
le. Ein gezacktes Granatstück hatte
ihn am Rümpfende des Oberschenkels
getroffen und war bis zum Knie hin
durchgeschlagen. Die Wunde wurde
infiziert und die Fleifchteile waren
weggefault, bis das Bein nun wenig
mehr war, als ein Knochen und zwei
hängende Fleischfetzen.
Der Zivils denkt sich im allge
meinen unter einer Wunde ein eini
gemäßen anständiges Loch, etwa von
der Größe oder Breite der Kugel
selber. An dieser Wunde aber war
nichts Anständiges. Es war ein Loch,
wie man es vielleicht bei einem ge
schlachteten Ochsen erwarten könnte.
Es war noch weiter aufgeschnitten
worden, um es reinigen zu können,
bis man eine ganze Faust - hinein
stecken konnte; und während der Arzt
arbeitete, zitterte das Bein teilweise
von Schwäche, teilweise infolge der
Nervosität des Mannes, wie Espen
laub. Zuerst mußte die in der Wunde
steckende Gaze herausgezogen wer
den. Der Mann, der etwa alt genug
sein mochte, um eine Frau daheim
zu haben, eine Bäuerin ebenso ver
blaßt und vcrwettert wie er selber,
biß die Zähne zusammen und krallte
sich mit den Fingernägeln unter den
Rand des Operationstisches, aber er
gab keinen Schmerzenslaut von sich.
Der Arzt drückt! das Fleisch rings
um die Wunde, und die behende junge
Wärterin spülte die Wunde mit ei
ner antiseptischcn Lösung aus. Dann
wurde frische reine Gaze hineinge
steckt und wieder herausgezogen.
Der Mann atmete rafcher. Ter
Atem wurde zum Gestöhn, das zum
heiseren Schrei - heranschwoll, und
dann, als er alle Macht über sich
verlor, fing er an, fast wie ein Hund
bellend, zu heulen. , -
Das ist ein Teil des Krieges, wie
die Aerzte und die Krankenwärter
ihn sehen: Nicht selten und in einem
einzelnen Hospital, sondern in allen
Hospitälern und jeden Morgen, wenn
die langen Reihen der Verwundeten
.Eiterbehälter pflegten wir sie im
vergangenen Winter - zu nennen ,
murmelte einer der Zungen Aerzte
zur Verbanderneuerung hereinge
bracht werden.'
DaS m der Krieg mit fernen
Schrecken und gibt einen kleinen Ein
blick : in die Riesenaufgabe, der sich
das Deutsche Rote Kreuz in diesem
schrecklichen Kampfe gegenübersteht.
und der es mit solch bewunderungs
würdiger Tatkraft und beispiellosen
Leistungen gerecht w,rd. Wir Deutsch
Amerikaner sind weit weg von diesen
Szenen des GNiuens, aber wir lon ?
nen und wir müssen helfen, soweit
dieS unsere Mittel gestatten. DaS
ist unsere heilige Menschenpflicht.
Senden ' wir unsere Scherflein als
einzelne, oder unsere Sammlungen
an die Hilfsvereine, Zeitungen oder
Konsulate, die bisher für die rechte
Weitergabe gesorgt haben.
Drntschlands Holzversorgung.
Noch im Jahre 1913 hatte Deutsch
land für nahezu 360 Millionen Mark
Holz aus dem Auslande bezogen.
Hauptlieferant war Rußland , mit
rund 160 Millionen Mark, da
hauptsächlich unbearbeitetes oder
längs gesägtes Nadelholz ausführte.
Nächst Rußland kam Oefterreich-Un
garn mit 80 Millionen Mark Holz
einfuhr in Betracht. Zweifellos ist
die bedeutende Holzeinfuhr durch den
Krieg auf eine geringe Menge ein
geschrumpft, ohne daß Deutschland
irgendwie in Verlegenheit geraten
oder genötigt worden wäre, seine ei
genen Wälder etwa im Raubbau zu
bewirtschaften. Denn einerseits der
fügte der deutsche Holzhandel ' bei
Ausdruck) des Krieges über bedeutende
Lager, die für den Barackenbau zweck
mäßig ausgenutzt , werden konnten. ,
Sodann waren die siegreichen Trup
den in den besetzten Gebieten in der
Lage, den großen Bedarf der HeereS
Verwaltung aus Feindesland decken zu
können. Der Holzreichtum Rußlands
und Frankreichs kam ihr dabei we
sentlich zustatten. . Die militärischen
Maßnahmen erforderten sogar teil
weife, z. B. im Argonner Walde, daß
weite Waldstrecken niedergelegt Wr
den mußten. DaS gewonnene Holz
wurde notdürftig bearbeitet und vom
Kriegsschauplatz nach dem .Rhein
sortgeschasst. Auf diese Weise sind
wertvolle Holzreserven errichtet wor
den, die recht nützliche Verwendung
finden können, denn die Hölzer sind,
wie berichtet wird, von auSgezeichne
ter Beschaffenheit. ES ist anzuneh
men, daß auch die Weichsel und Nje
menflößerei jetzt wieder erhebliche
Mengen Holz aus Rußland zuführen
wird, wodurch der Wiederaufbau in
Ostpreußen und Russtsch-Polen kräf
tig gefördert werden könnte. ,
Tos drahtlose Telephon.
Ein drahtloses Telephon ist in den
letzten Tagen von einem schwedi
schen Ingenieur nach einer Reihe
glücklicher Versuche zum Patent an
gemeldet worden. Die Erfindung er
möglicht es, von einem Telephonap
parat im fahrenden Zuge sus 'mit
sämtlichen Telephonteilnehmern in
dem gesamten skandinavischen Draht,
netz zu sprechen. DaS im Zuge be
sindliche Starkstrommikrophon steht
in drahtloser Verbindung mit einem
neben der Eisenbahn laufenden Lei
tungsdrahte, der seinerseits die Ver
bindung zu der nächsten Zentralst,
tion herstellt, von der aus alle an
deren Stationen angerufen werden
können.
Die Versuche wurden zunächst auf
der Strecke Stockholm Nynäshamn
gemacht, und man vermochte es, wah
rend der Zug sich in Bewegung be
fand, von dort aus über Stockholm
nacb Göteborg zu svrecken. und bat
! auck das im Äuae befindliche Tele
; phon von Göteborg indirekt angeru
fen. Man hat die gleiche Einrich
tung auch vom fahrenden Automobil
' aus versucht und hat auch da die be
i sten Erfolge erzielt. Es wird daher
1 angenommen, daß die neue Erfin
! dung auch militärisch von der, groß.
! ten Bedeutung ist, wie ohne weiteres
einleuchtet. Die Erfindung ist noch
nicht so weit gediehen, daß man mit
i einer fabrikmäßigen Herstellung der
l Apparate ' beginnen kann. Doch be
I ginnt man auf einigen Strecken in
j Schweden bereits die Anlage'. einzu
; bauen, und die Telephone sollen zu
! nächst nur im Sicherheitsdienste ver
; wendet werden. Ueber die Auslands
' patente, sind Entscheidungen noch nicht
getroffen, obwohl Angebote von den
verschiedensten Seiten vorliegen.
Eine Geflügelfarm an
den Rokitnosllmpfen einzurichten hat
der Zweiaverein Hirschberg des Ro
! ten Kreuzes beschlossen. Die Farm
; soll die dortigen Lazarette, die mit
! Schwerkranken und Verwundeten be-
legt sind, m die age verlegen, leg
ter'en eine besonders , sorgfältige Er
uährung angedeihen zu lassen. Die
Beschaffung von Eiern in dortiger
Gegend war bisher schwierig.

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