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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, August 20, 1914, Image 4

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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1
rixttt Abendpofi, Donnerstag, den 20. August 1914.
Aetroiter
Abend - Post.
EnUrsd i th ?,toMc of Dtrolt
eecond CIms Mf.Ur.
fST C4rtftlt4 JDttirjeUan ftclttftt man
iu aMesHztn:
Äug. Marxhausen, Mendpost.Gebäudc
CJfK: rroadwad und cSrandMve
duuie (nah Grattot Adnu,).
TR A DE 5 1 fTI&M COÜH CIL J
ÜTM"
Ter Papst ist gestorben.
Man braucht nicht einmal seinen
Blick vom Kriege abzuwenden, wenn,
man heute ein anderes großes und
wichtigesTagesereignis bespricht, den
Tod des Papstes. Man braucht den
Blick vom Äriaege nicht abzuwenden,
; weil der Tod des Oberbauptes der
katholischen Kirche seine Beziehungen
zum Kriege hat. Man sagt, daß der
' Papst genorben sei an gebrochenem
; Herzen aus Gram über den blutigen
' Krieg, der Europa durchtobt. Ganz
wörtlich ist das sa nicht zu nehmen,
aber der Krieg hat Herz und Sinn
des Papstes ganz gewiß stark beschäl
tigt und die letzte Kundgebung, die
vomBette des Todkranken knapp vier
undzwanzig Stunden ror dem Ein
tritt des Todes in die We!t hinaus
geschickt wurde, betraf den Krieg.
Pius X. ist nun eine historische oi
gur und muß als solche gewertet wer
,' den. Und wenn man die Wertung
versucht, muß man das Leben des
Kardinals Sarto, der er früher war.
. mit dem des Papstes Pius X.. der er
! zuletzt war, vergleichen. Und tut man
1 das, man erkennt in Papst Pius X.
fast den alten Kardinal Sarto nicht
- wieder. Wohl blieb Pius als Papst
der schlichte einfache Mann, der er als
Kardinal gewesen war. blieb von je
ner Einfachheit, die der Welt immer
' wieder ins Gedächtnis rief, daß dieser
; hochbegabte Mann sich aus den ein
' fachsten, ärmlichen Verhältnissen zur
Stellung des Oberhauptes der katho
, lischen Kirche emporgearbeitet hatte,
deren Glanz weithin strahlt über die
ganze katholische und nichtkatboliiche
Welt, deren Glanz aber den einfachen
Mann aus dem Volke nicht blendete.
Er blieb vielmehur auch mit den n
sianien der höchsten kirchlichen Würde
bekleidet der einfache Mann, der er
früher gewesen war. Das ist ein
menschlich so schöner Wesenszug. daß
er selbst diejenigen, die grundsätzlich
aus religiösen, politischen oder ir
gendwelchen anderen Gründen seine
Gegner waren, mit Pius X. versöh
nen muß.
ut seiner exemplarischen Einfach
heit. in seiner Muster und Beispiel
gebenden Tugend hat sich Papst
Pius X. von Kardinal Sarto nicht
im Mindesten unterschieden, wohl
aber in seiner Politik. Man kannte
Sarto als Bischof von Mantua und
als Kardinal und Patriarch von Vc
nedig als den milden, versöhnlichen
Mann, der berufen schien, die politi
schcn Gegensätze in seinem Gcburts
lande auszugleichen, die Klerikalen
und Antiklerikalen miteinander zu
versöhnen, berufen sogar, die Brücke
zu legen über die Kluft, die sich zmi
schen Ouirinal und Vatikan aufgctan
hatte, nachdem das Königreich ta
lien sich wieder geeinigt hatte und die
weltlichen Machthaber auch die Macht
, über jenen Teil Italiens übernom
men hatten, den die Römische Kirche
als ihr zustehend seit Jahrhunderten
betrachtete. Noch als Patriarch
i von Venedig hatte er so gewirkt, aber
als er Papst geworden war, blieb die
: Brücke ungebaut, der Gegensatz ist
nicht ausgeglichen worden.
Auch die Versöhnlichkeit scheint aus
seinem Wesen verschwunden zu sein,
als er Papst geworden war. Seine
vielen Ezpkliken legen Zeugnis davon
ab. Von ibm stammt die scharfe En
zqklika gegen den Modernismus in
der katholischen Kirche. Unter ihm
vollzog sich die Trennung von Kirche
und Staat in Frankreich und inSpa
nicn. eine Trennung, die sich viel
leickt hätte vermeiden lassen, wenn
Papst Pius sich entgegenkommender
gezeigt hätte. Aber er kam nicht ent
gegen, er erwies sich als der harte
ds Petri.
Woher es kam. daß eine solche
Aenderung in seinem Wesen sich voll
ziehen konnte, darüber kann derzeit
ein endgültiges Urteil noch nicht ge
fällt werden. Erst müssen die Akten
bekannt werden, die heute noch in Ge
Heimarchiven schluminern. und crN
muß der Historiker, den nötigen Ab
stand gewonnen babm von dem
'Manne, der nun dahingegangen ist
und der ein zu großerMann war. um
aus räumlicher und zeitlicher Nähe
in seiner ganzcnEröße übersehen wer
den zu können. Tenn daß Papst
Pius X. zu den großen Männern der
Gechichte gehört, kann nicht bezweifelt
werden.
Tcr Kriegsschauplatz Belgiens
Von G. E. R e i ch.
(Vorbemerkung: Seitdem der Artikel
geschrieben wurde, hat sich manches auf
dem Kriegsschauplaye geändert. Anm,
d. Red.)
Ten Krieg auf fremdem Gebiet
auszutragen. war von jeher das
Grundprinzip der deutschen Heeres:
leitung. Nun wird er aus belgischem
Grund und Boden ausgcfochten.
Belgien hatte seit seinem Abfall
von Holland und seiner Unabhängig
kcitserklärung 1830 mit England ei
nen Vertrag abgeschlossen, nach dem
England die belgische Neutralität
mit einer Armee von 150,000 Mann
schützen sollte, die in dem befestigten
belgischen Hafen Antwerpen landen
sollte. Ticse offenbar einseitig zu
gunstcnEnglands lautende Vertrags
bestimmung bat den Zweck, daß sich
England, um im Trüben zu sischen.
jederzeit in die Angclegenhkeiton des
europäischen Kontinents einmischen
kann unter dem Vorwande, Belgiens
Neutralität sei bedroht. Im derzeit!
gen Krieg hat das aber ganz neben
sächliche Bedeutung: denn England
hat seit Jahren den Krieg gegen
Teutschland vorbereitet, ihn gesucht
und erklärt. Tie bedrohte Ncutrali
tät Belgiens ist und bleibt daher le
diglich Mittel zum Zweck.
Zwischen Belgien und Frankreich,
besteht eine geheime Militärkonven
tion. Danach gestattet Belgien der
Republik die militärischeBesetzung al
les belgischen Gebietes im ?xallc eines
Krieges zwischen Frankreich und
Deutschland, ferner stelle,: ?lrank
reich und Belgien gemeinsam ibre
ganzen' Streitkräfte gegen Deutsch
land ins ?keld. Durch diesen Ge
heimvcrtrag ist Deutschland von Bel
gien geradezu beiseite geschoben und
brüskiert. Von einer Neutralität
Belgiens tarnt danach nickt mehr die
Rede sein. Die Tatsache, daßDeutsch
land Belgien zum Kriegsschauplatz'
macht, rechtfertigt sich al'o aus sich
selbst. Hier muß hinzugefügt wer
den. daß den belgischen Offizieren
diese Abmachung mit Frankreich be
kannt war: schon seit langem puffen
es in Lüttich (französisch Lizc) die
Spatzen von den Dächern.
Belgien ist von zwei grundver
schiedenenVölkerschasten bewohnt. In
dem Landesteile östlich und südlich
von Brüssel nach der deutschen und
französischen Grenze zu um Lüttich
und Ebarleroy wohnen die französisch,
sprechenden Wallon?n. nördlich imi
westlich, von Brüssel um Gent und
Antwerpen, sowie nach der bolländi
schen Grenze zu wohnen die Vlam
lander. die den altgermanischen ö!5
mischen Dialekt sprechen. Politischi
bekämpfen sich beide Rassen. Dia
Vlamländer sind konservativ und gu
te Katholiken. Die Wallonen sind li
beral und sozial und fraternisieren
mit den Franzosen. Die Presse hetzt
gegen das Deutschtum. Es ist wieder
holt vorgekommen daß z. B. die in
Lüttich erscheinende tägliche Zeitung.
La Meuse auf deutschen Druck bin
ihre Hetzartikel berichtigen mußte.
Ein Vorfall ist besonders charakte
ristiich. 1010 kamen die Stadträte
von Paris nach Lüttich. Brüssel und
Antwerpen zu Besuch. Sie wurden
von den Behörden außerordentlich ge
feiert und traktiert. Die Belgier ju
belten ihnen frenetisch zu und gerie
ten in eine derartig französisch pa
triotische Stimmung, daß es für di?
Deutschen daselbst geradezu gcfähr
lich war, fich frei zu bewegen. Dic?
Belgier waren fanatisch und verrückt
geworden.
Das Deutschtum wird von den
Belgiern gehaßt, und diescnHaß schü
rcn auch noch die Behörden.
Das große Geschäft. Fabrikation
und Handel liegt zum großen Teil in
deutschen Händen. Die Tatkraft des
ernst arbeitenden deutschenMannes ist
eben auch da dem rückständigen Bel
gier ein Dorn im Auge. Der Belgier
sagt bei jeder Gelegenheit: Ueberall
der Deutsche, nichts als Deutsche,
partout les Allemands!" Es leben in
der Provinz Lüttich 40,000, um und
in Brüssel 50,000 und in Antwerpen
und Umgebung ebenso yiek Deutsche,
die ihre Nationalität noch nicht verlo
ren haben. Die Zahl derjenigen aber,
die durch ununterbrochenen zchnjäh
rigen Aufenthalt im Auslande nacht
dem beseitigten, alten Staatsangchö
rigkeitsgesetz ihre deutsche Stastsan
gehörigkeit verloren haben, aber
deutsche Sprache und Sitte bewahr
ten, ist mindestens doppelt so groß.
Ein Teutscher kommt in Belgien mit
seinem guten Teutsch allein jederzeit
durch: der Belgier aber, der vor
wärts kommen will, ist gezwungen.
deutsch zu lernen, denn die Handels
bezichungen mit Teutschland, Bel
giens besten Kunden, lassen ihm keine
andere Wahl.
Die Provinz Lüttich, in der jetzt
deutschcTruppen kämpfen,ist .einer der
reichsten Jndustriebczirke der Welt.
Lüttich ist eine Zentrale der Waffen
fabrikation, der Eisen- und Kohlen
industrie. Dort befinden sich die
Eockerillwcrke mit 10,000 Arbeitern,
die Kanonen, Maschinen und Stahl
produzieren, die weltberühmten Ei
senwerke von OngreeMarihay, Gri
vegncc usw. Bei Lüttich befindet sich,
in Hcrstall die abriquc Nationale
d'Armes de Guerre Fabrik für
Kriegswaffcn. wo die klcinkalibrigen
Infanteriewaffen fabriziert werden.
Bekannt ist diese bedeutende Fabrik
durch ihre Browningpistole in der
ganzen Welt. Um Lüttich zählen wi?
noch vier Sprengstoff Fabriken. Fa
brikationen aller Art und ohne Zahl
gibt es da. Es klappert, so zu sagen.
in jedem Haus. In all diesen In
dustrien sind namhafte deutsche Kapi
talicn angelegt.
Tie Umgebung Lüttichs ist land
schaftlich schön. Die Gegend ist Hü
gelland mit mäßig hohen, oit steil ab
fallenden Bergen und reizenden Bu
chcn und Eichenwäldern. Die Täler
sind wasserreich und fruchtbar. Acker
bau und Viehzucht sind einträglicher
Natur. Das Klima ist gesund.
Tie Stadt und Feswng Lüttich
zählt mit Vororten es ist alles
dicht besiedelt über 250,000 Ein
wohncr. Tie Stadt breitet fich im
Tal der Maas und an den Bergab
hängen aus. Ueber der Stadt thront
die Zitdellc. eine geschleifte alre
österreichische Festung. Jetzt liegt
dort in den alten Kasernen das 1-1.
Linienrcgiment. Die Besatzung in
riedenszeiten besteht aus einem wei
tercn Infanterieregiment. 2 Ulanen
rcgimentern. Feld und Fußartillerie.
In Kriegszeiten rechnet man auf et
wa 354.0,000 Mann Besatzungs
truppcn.
Lüttich hat gute Eisenbahn und
traßenbahn Verbindungen. Die
Schnellzüge Brüssel Köln am Rhein
passieren dort. Diefc Bahnstrecke hat
zwischen Lüttich undVerviers (Grenz
Nation Belgiens) viele Tunnele. die
durch Minen gesperrt sind, und durch
schneidet ein strategisch schwicrigcsG
lände. Dort liegt der Ort Pepinster.
der von deutschen Trilppcn besetzt ist.
und von wo die Bahnlinie nach dem
Vcltbadeort Spa abzweigt. Tie
Strecke wird beherrscht von dem Fort
Ebaudfontaine. das letzter Tage bc
schössen wurde.
Von Lüttich gebt nach dem Norden
zu an der Maas entlang, die Bahn
nach Vis (belgische Grenzstation).
Bei Vis forcierte die Avantgarde der
deutschen Nordarmee den Uebergang
über die Maas. Vif6 ist ein kleiner
Ausflugsort der Lüttichcr es gibt
dort gute Fisch? und hat etwa 3000
Einwohner. Ueber die Maas fuhrt
eine breite, eiserne Brücke, geeignet
zum Transport schweren Kriegsma
terials. Ticse Brücke hatten die Bel
gier gesprengt nutzlos: eine Von
tonbrücke war bald geschlagen, und
die belgische Wache lief davon. Ter
Vormarsch setzte sich das Maastal ent
lang auf Lüttich zu fort in ver'chiede
nen Kolonnen. Bald traf man aus
die Forts von Lüttich. die nach der
Verweigerung der Uebcrgabc sofort
unter Feuer genommen wurden. Lüt
tich bat 19 sechs bis acht Meilen, ent
iernt detachierte Außenforts, die vor
25 Jahren gebaut wurden. Sie sind
mit Kruppgcschützen älteren Tatums
von verschiedenen Kalibern armiert.
liegen alle auf den Höhen, und es ist
jedem gedienten Soldaten klar, daß
die Einnahme solcher Werke keine
leichte Aufgabe ist und große Opscr
von Menschenleben und Kriegsmate
rial kostet. Zwei Forts sind in Trüm
mer geschossen: um die anderen wird
zekämpft.TieForts liegen zwar ziem
lich weit auseinander, können indes
scn den Zwischenraum unter Kecuz
scucr nehmen. Taß' ein Turchbruch
durch den Bcfcslizungsgürtel möglich
st. beweisen die letzten Meldungen
aus französischer Ouelle über Stra
ßenkämpfe in der Stadt Lüttich selbst
und den ersten Ulanenstreifzug, der
den belgischcnGcneralissimus aus sei
nein Heim in der Vorstadt Bressour
verscheuchte. Ticse Vorpadt hangt
mit Lüttich völlig zusammen, wie, z.
B. Hamburg mit Altona. . Von Brcs
sour bis zum Zentrum der Stadt
Lüttich beträgt der Weg für den Fuß
gänger etwa Stunde. Ter Fall
von Lüttich ist nur eine Frage der
Zeit. Tie Forts sind einzeln zer
nicrt und an Mannschaften und Ma
tcrial fehlt es nicht.
Was die belgischen Festungen ins
gesamt anbetrifft, so gibt es außer
dem befestigten Seehafen Antwerpen
nur solche an der Maas und zwar
Lüttich, Hun und Namur. Namur
liegt etwa 35 Meilen von Lüttich und
südlich von Brüssel. Ter ganze Nor
den von Belgien ist offenes Land. Es
ist nicht ausgeschlossen, daß sich von
dort Heeressäulen auiNamur zu wäl
zen. Aber auch Namur kann umgan
gen werden, und derWcg nach Frank
reich (Paris) steht offen.
In Brüssel denkt man über die La
ge der Festung Lüttich sehr pessimi
stisch. Man ' rechnet mit ihrem Fall.
Ter Besitz von Lüttich ist für die
deutsche Armee von äußerstcrWichtig
kcit. Luxemburg, die alte Bundesfe
stung, ist in deutschem Besitz. Lüt
tich Luxemburg Tiedenhofen
Metz dieser Festungswall wird ei
nen beabsichtigten Vorstoß der der
einigten Franz osen.Belgier und Eng
ländcr in deutschem Lande unmöglich
machen. Belgisch Luxemburg mit
der Hauptstadt Ariern ist ebenfalls in
deutschen Händen.
Mit Spannung siebt man den wei
teren Operationen in Belgien entge
gen. Jedenfalls aber kann man ein
felsenfestes Vertrauen in die deutsche
Kriegskunst setzen.
Feuilleton.
Wie sich die Riffkabylen amüsieren.
Auf allen Treppen, in jedem Win
kcl um denSok el bcrrra herum, quer
über die Straße liegt es in langen
Reihen. Bewegungslos. Kairos
fclsäckc!" konstatiert der Beschauer
bis einmal unter dem Sack ein
Fuß hervorragt, bis ein Streifen ei
nes braunen Gesichtes sich flüchtig
unter der Kapuze zeigt.
Tas ist der Vorabend des Großen
Marktes zu Tanger. Tie Kabylcn
schlafen auf der Straße. Sie kamen
in Scharen von ihren braunen kah
lcn Bergen.
In der schwarzen Tiefe winkliger
Hinterhöfe brennt ein kleines Holz
kohlenfeuer. Ter Schein fällt auf
die wilden Gestalten, die im dichten
Kreis hocken. Tie Kabylen feiern
den Vorabend des Marktes von Tan
ger. Sie stellen den Teekessel auf
die Glut, trinken ihren süßlichen
Pfefferminztee, ein Glas nach dem
anderen, lassen die lange dünnePfei
fe im Kreise gehen. Ab und zu hallt
ein Gelächter durch dcnHuf. unhcim
lich aus der schwarzen Tiefe. Oder
sie springen auf wie losgelassene Dä
mone. Wildes Geschrei füllt den
Hof. Zwei wollen sich aufeinander
stürben. Tas Feuer beleuchct schau
erlich wutverzerrte Gesichter, vcr
schwindet halb unter drohenden Au
men. Ter friedliche Europäer er
zittert bei solchem Anblick, denkt an
krumme Tolchc und würgende Kabn
lenhändc. Schon will er die marok
kanische Polizei alarmieren: da la
gern sie schon wieder friedlich ums
kleine Holzkohlcnfcucr, trinken den
süßlichen Pfeffermünztce, lassen die
lange Pfeife im Krcife gehen. Bis
zur nächsten kleinen Meinungsvcr
schicdenheit, bei der sich so erfrischend
das wilde Temperament austobt.
Schon in den frühen Morgenstun
den füllt sich der Sok cl barra mit
den braunen Scharen der Kabylen.
Braun wie die Risfbcrge die rauhen
Mäntel, die Kapuzen über den Kopf.
braun die verwegenen Gesichter. Ter
friedliche Europäer preist die strah
lcnde Sonne, die große bunte Men
ge, vor allem dte zahlretchcn marok
kanischen Polizisten im roten Rock,
im roten Fez. Und beschließt, jenen
wilden Gestalten niemals allein zu
begegnen.
Am Vormittag arbeiten die Kabn
len, verkaufen, sausen. Ab u. zu will
der eine oder andere, fich ein neues
Kleidungsstück erstehen. Wer weiß.
wie er das Geld aufgetrieben! Un
geschickt steht er da. geht von einem
Verkäufer zum anderen, hockt in
stundenlanger Unterredung da, be
fühlt sämtliche Stoffe. Und kann
sich nicht entschließen. Sonderbar
wirkt die Unentschlossenheit auf dem
wilden braunen Gesicht.
Wilde arabische Musik klingt über
den Markt, schrill,, durchdringend.
fast ftets auf dem gleichen Ton. Ob
ein großes Militärorchcster in Kairo
solche Weisen spielt, ob vier Marok
kaner auf vorsintflutlichen Jnftru
mentcn das Resultat ist immer
das gleiche: die Europcär halten sich
entsetzt die Ohren zu: dicOrientalen,
hochgebildete Effendis oder wild?
Riffkabnlen, drängen sich entzückt an
das Orchester, näher und näher.
Tas ist der sonnendurchwärmte
Nachmittag auf dem Markt vonTan
ger. Immer schrillt die Mufik, :m
mer der gleiche Ton, immer die glei?
chc Weise. Tie Kabylen ftromen
herzu. Im dichten Kreis hocken sie
auf der Erde um die Künstlcrschar.
Tahintcr stehen noch sechsfache ge
schlössen? Reihen. Ta beginnt die
Vorllcllung. Ter Gaukler tanzt,
springt, schreit zum scharfen Rhyt
mus der Musik. Und der Zauberer
zeigt seine Knnst, läßt verschwinden,
zaubert hervor. Tie alten Tricks,
an die das skeptische Europa längst
nicht mehr glaubt. Tie Kabylen
starren entzückt, verlieren keine Be
wegung. Tie finsteren Gesichter
sind verwandelt. Der Zauberer ist
der Herr und Meister. Er befiehlt
dem Publikum zurückzutreten. Er
sucht sich ein geeignetes Vcrsuchsob
jekt heraus. Tie Kabylenschar ge
horcht ihm blindlings.
Viele solcher Kreise bilden sich.
Tort versammelt der Märchcncrzäk
!er seine Zuhörer, erzählt die ural
ten und die neuen arabischen Ge
schichten. Mit lebhaften Bewegungen
spricht er, springt auf, wirft sich hin,
tritt nahe an die Zuhörer, weich zu
rück, schreit und slüstert. Fast im
mer ist sein Gehilfe da, das Mär
chcn wird zum Tialog. Dabei wird
allerhand Jntcresseantcs, Aktuelles
angebracht, Witze gemacht, daß der
Kabylenschar vor Lachen der Atem
ausgeht. Witze, bei denen ein hier
her vorgedrungenen Europäer sich
freuen kann, wenn er kein Arabisch
versteht!
Was ist dort für einAuflauf mit
Polizeiaufgebot! Es ist nur einer
dcrSchlangenbeschwörer.Und die ma
rokkanischen Polizisten wollen selbst
das Schauspiel genießen, drängen,
schieben sich in den dichten Kreis. Da
springt der Held im phantastischen
Kostüm eigenster Idee, im langen
schwarzen Flatterhaar, das allein
schon die kurzgcschormenArabcr my
stisch berührt. Er springt und
schreit, macht unheimliche Zeichen in
die Luft, spricht geheimnisvolle Zau
ber und Beschwörungsformeln. Das
Publikum liegt und hockt und steht
mit unendlicher Geduld, verfolgt je
de der wilden Bewegungen voll
gläubigen Interesses. Ein eiliger
phantasieloser Europäer denkt na
türlich längst: wo ist die Schlange?
Endlich, endlich holt der Beschwörer
sie einmal fürSckundcn hervor, läßt
sie fich ringeln. Aber das sanfte
Tier will gar nicht nach dem Publi
kum züngelnd sich schnellen, will
gleich wieder zurück auf sein weiches
Lager im Körbchen.
Ein viel größerer Zauberer noch
ist der alte Araber dort, der drei
lange, dicke Schlangen auf einmal
bändigt. Sie ringeln sich um sei
nen Hals. Sie schnellen sich aus der
Erde herum, kommen, wenn er nist.
Die Kabylen schen es mit schaudern
der Frcude. Wer im Publikum hat
jetzt den Mut? Wer will vcrzau
bcrt sein? Doch die wilden Söhne
der wilden Berge, die vor nichts zu
rückschrccken, jetzt weichen sie einen
Schritt zurück.
Die Schlangen ringeln sich dick
irnd glatt auf der Erde.
Der Mutige ist ein marokkanischer
Polizist. 'Er muß sich auf die Erde
knien. Der Zauberer reißt ihm das
Fez vom Kopf. Tie ekelhaften
Schlangen kriechen über ihn bin.
ringeln sich empor, binden sich kalt
und schlüpfrig um den Hals.
Tie Kabylen sind -fasziniert. Kein
Wort wird laut. Tiefer Ernst, et
was wie Furcht auf den wilden
braunen Gesichtern.
Ter Zauberer treibt allerlei Ho
kuspokus mit seinem Versuchsobjekt.
Tie Schlangen müssen in sein Ohr
beißen, in seine Nase. Böse Geister
werden ausgctricben, gute ein. Bis
er dann wieder aufstehen darf und
den Zauberer umarmen und auf den
Turban küssen!
Für den ganz großen Schlangen
beschwöre? holt btt Kabyle eine dop
pelte Anzahl Kupfermünzen aus den
schmutzigen Tiefen fcines braunen
Mantels. Niemals würde sich ein
Kabyle mit europäischer Gewandt
heit unsichtbar machen, wenn es ans
Einkassieren geht. Oft meldet er sich
freiwillig zum Bezahlen. Häufig
sieht man es, daß der Räuber der
Berge mit stolzem Schwung ein
kleines Silberstück hinwirft.
Zu den Freuden des Tages gehört
unbedingt ein Schwelgen in Süßig
leiten, die in allen Rcgenbogcnfar
ben, klebrig nud duftend, den Käu
fcr locken. Ter Kabyle jagt scclens
ruhig die Fliegen fort, wischt mit
dem schmutzigen Aermel den Staub
von der ' Leckerware. Sein Geficht
glänzt befriedigt unher dem süßen
Einfluß der gelben, rosa, giftgrü
nen Genüsse.
Tann kriecht man hinab oder klct
tert schwankende Leitern hinauf nach
den lochähnlichcn kleincnEaf6s, hockt
auf den Matten, die Generationen
von Kabylen durchgehockt haben.
trinkt den unvermeidlichen grünli
chen Pfefferminztee. Befriedigt l,"
chclt man vor sich hin. Hat man
sich heute wieder amüsiert!
Bald liegen die Kabylen wieder
in ihren heimatlichen Bergen, in die
braunen Mäntel gewickelt, dem Erd
den gleich. Mit scharfen Augen
spähen sie hinunter, ob sich nicht wie
der ein wagehalsiger Europäer zeige
der sich über die Sichcrheitszonc (et
wa 2 Meilen um Tanger) hinausge
wagt.
Viel weiß die Polizei von Ueber
sällen zu berichten, wo die braunen
Berge lebendig wurden von wilden
braunen Gestalten.
MarieFrenzel.
Spanien betraut uns mit dem
Schutz seiner. Interessen in Meriro.
Isl das die Rache für den kubani
schen Krieg?
XZXXXXXX
$
Irgend eine Fabrik-
Produktion ist abhängig von seiner
Die durchschnittliche Leistungsfähig,
keit hängt von zuverlässiger und ge
nügender Bctriebskraft ab.
Irgend eine Fabrik
versorgt
CENTRAL
hat das Betriebskraftproblem gelöst.
Wenn Sie nicht einer der zweitausend
Fabrikanten sind, welche von uns be
dient werden, so sollten Sie sich von
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