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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, December 05, 1914, Image 4

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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What is OCR?


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DetroZter Abendpoft, Sa mstag.de .Dezember 1914.
Detroiter
Abend - Post.
Ztf 4 4t the Postofflc 9t Vtfit
M 0oond O Mfttur.
Cdirtffltifit aßtQBrtlunara UOtU nan
fu ottsffeen:
Llug. MsrrHausm, AdendpostGebäude
Qffk vioadaak, uns citraadM
Kfcenu im$t Grattot JUxim). .
Wo Nachrichten fehlen, stellen sich &c
rüchte ein.
Immer wenn Positive ?!achrichteil
von den verschiedenen Kriegsfchaü
Plätzen fehlen, arbeiten die verschiede
nen Kriegsberichterstattungsstellen in
Gerüchten und Muttnaßungen. Frü
her eingetrosfene offizielle und unofsi
zielle Nachrichten müssen dabei als
Grundlage für die Mutmaßungen
dienen.
Seit Schluß der'Nedattion am ge
strigem 'Nachmittag bis heute früh la
gen keine Tatberichte vomKriege selbst
vor. Bis zum Nedaktionsschluß wa
ren nur aus Berlin und Petrograd
interessantere BeriSzte eingetroffen.
Berlin batte berichtet, daß auf dem
westlichen Kriegsschauplatz französi
scbe Angriffe in Flandern und im El
saß zurückgeschlagen wurden, daß fer
ner auf dem östlichen Kriegsschau
platz die Russen in der Gegend der
masurischen 5ecn geschlagen worden
seien. Vetrograd berichtete, daß die
Schlacht bei Lodq mit einem Erfolg?
für die Russen geendet habe, wogegen
der Berliner diesbezüglich besagte,
daß die deutsche Offensive in Polen
normal fortschreitet.
Tas sind die Tatfachen und, so
weit es Petrograd angebt, die angeb
lichen Tatsachen, lind nun beginnen
die Vermutungen.
Aus den Worten des Berlines Be
richte?, daß französische Angriffe in
Flandern und im Elsaß zurückgeschla
gen wurden, wird in den Lagern der
Alliierten, besonders in Paris und
London der Schluß gezogen, daß eine
allgemeine Offensive der Alliierten
auf dem ganzen westlichen Kriegs
schauplatz begonnen habe. General
Ioffre. der französische Oberkomman
dant, hätte nur auf den psychologi.
scheu Moment gewartet, diese Offen
sive zu beginnen und dieTeutschcn auf
der ganzen Linie zum Rückzug zu
zwingen. Londoner Beobachter geben
so weit, daß sie glauben, der Tag der
Entscheidung sei gekommen.
Ten psnchologischen Moment will
General offre angeblich darin er
blicken, daß die Russen seit zwei Wo
chen ununterbrochen siegreich sind.
Wie es mit den russischen Siegen bc
stellt ist, weiß man ja. Nicht einmal
die Londoner und PariserHauptguar
tiere glauben daran. Nur die Beo
bachter" und die Militärkritiker" in
Paris und London tun c. Wir für
unseren Teil werden glauben, daß die
Entscheidung herannaht, bis uns das
aus Berlin oder Wien gemeldet wer
den wird., und nicbt einein Augenblick
früher.
Natürlich'.würden die Alliierte zur
Ausnutzung des berühmten psycholo
gischen Momentes gar zu gern dieUn
terslützung der Italiener haben und
setzen Himniel und Hölle in Bewe
gung, unter den Italienern dafür
Stimmung zu niach?n oder wenig
stens Deutschland und Oesterreich-Un-garn
mit dem Popanz des Eingrei
fens Italiens auf Seite des Trcibun.
des zu erschrecken. Sie erklären. Ita
lien habe früher nicht eingegriffen,
weil es nicht vorbereitet gewesen sei.
Nun aber seien die Vorbereitungen
beendet und in soütcstenS zwei Wo
dien werde man die Italiener auf
Seiten der Engländer gegen die ver
büßten Oefterreichcr kämpfen sehen.
Wir halten dieses ganze Geschwätz für
Stinmmngkmache. Sollte es aber
auch mehr sein, so müßte Italien
noch immerhin eril andere Gründe
für das Eingreifen suchen als bloße
Gründe der Sentimentalität. Und
wenn solche Gründe schließlich auch
gefunden werden, wenn Italien wirk
lich auch zugunsten der Trippel
ritten:? eingreift und seinen verbrief
ten, besiegelten Bundesvertrag mit
Tutschland und Oesterreich - Ungarn
wie einen wertlosen setzen Papier
zerreißt, so wird am allerwenigsten
Deutschland sich darüber zu Tode grä
men. Sicher ist sa nur das eine, daß
Frankreich dringend neue Soldaten
braucht und deshalb an alle jungen
eute bis zu acktzeiin Ialiren berlin
er, den Bcrcbl ergeben ließ, sich für
ücn Waffendienst bereit zu balten.
Tas Ist zum mindesten ein Syntptom
lTR A OESV) CQUNCiL ?
ÖS
und man kann dem gegenüberhalren,
daß das Teutsche Reich, wenn es für
die Heranziehung zum Militärdienst
die Grenze nach oben bis zu O'Iah
ren, nach unten bis zu achtzehn Jah
ren festsetzt, nach den sehr verläßlicheir
Berechnungen der halboffiziellen Köl
nischen Zeitung die kriegsfähigen
Scharen auf dieRiesenziffer von mehr
als 18 Millionen Mann bringen
kann. Und das nicht auf dem Papier,
sondern in realster Wirklichkeit.
Man darf also vorläufig immer
noch singen: Lieb Vaterland, magst
ruhig sein!
Treitschke.
Vor uns liegt ein bei G. B. Put
nam & Sons. 2 G. West 45. Str.,
Nem?)ork erfchienenesBuch: Treitsch
ke, His Toctrine of German Destiny
and International Relations Toge
ther With a Swdy ob His Life and
Work by Adolph Hausrath." Eine
Übersetzung aus dem Teutschen, die
wir freudig begrüßen, trotz des Vor
worts von G.H.Putnam. das behaup
tet, die Philosophie Treischkes, wel
che heute die Preußens und Teutsch
lands sei. sei die Weltanschauung, als
deren Folge heute verstlcht werde,
Frankreich zu zerschmettern und das
britische Reich zu zersplittern. Es
sei die Lehre, die Belgien unglücklich
gemcht und den Krieg über die Welt
gebracht habe. Tie Veröfentlichung
verfolgt kein der deutschen Sache gün
stiges Ziel. Aber sie wird den Ver
lauf des Krieges nicht ändern und
doch das Gute haben, daß Treitschke
von Anglo-Amerikanern gelesen wird.
Wie Bernbardi von ihnen gelesen
wird. - Tenn die kgl. britischen Par
teigänger lesen mit Wonne etwas,
wovon sie denken, es könne sie in ih
rem Zorn über Teutschland und ihrer
Vergötterung Altengland? bestärken.
Aber wer solch' geistreiche und schwero
Lektüre wirklich durchnimmt, wie
Treitschkes Abhandlungen über TaZ
Heer". Internationales Recht",
Teutsche Kolonisation" u. s. w., die
er in dem Buche findet, der wird auch
eines kennen lernen, was er bisher
nicht kannte, die deutsche Seite der
Frage, die jetzt mit Waffengewalt ent
schieden wird, und die sie bisher nicht
hören wollten. Und ein Anderes:
England, wie es ist und wie es in sei
ner Politik feit Wilhelm III. immer
gewesen ist und bleiben wird, wenn
Teilt schlands Waffen Englands Weg
nicht ändern. Und das ist gut für
den Anglo-Amerikaner. Tabei lernt
er. was ihm in kürzerer oder längerer
Frist selbst von England blühen wür
de. Unter anderen Verhältnissen als
heute mit cinem schwach besiedelten,
wenig gerüsteten Canada als Faust
pfand in Amerikas Händen. Tenn
Canada kommt kriegsfroh, kriegser
fahren auS einem für England sieg
reichen Krieg zurück. Und in allen
Teilen des britischenImperiums wird
in Zukunft Kricgsbereitschast Trumpf
sein, wenn England fiegt. während
wir vergnügt in Friedensduselei und
falfchem Vertrauen Weitertroddeln
werben, wenn wir nicht lernen. Eng
lcuid so zu sehen, wie Treitschke vor
Iahrzennten schon es schilderte und
wie sich's in diesem Kriege wieder bc
währt. Tenn immer bleibt Englands Au
ge in der Kriegführung an das Eine
gerichtet, mit seiner Flotte als der
mächtigsten der Welt aus diesem
Kriege hervorzugehen, damit es mit
ihr die Weltherrschaft über die Meere
erhalten und sie mit keinem anderen
Lande teilen müsse. Und da ist der
Unterschied zwischen deutschem Mili
tarismus und britischem Navalismus
und der Punkt., der die Gefahr für
die Außenwelt zeigt. Deutschland setzt
seine Militärmacht ein zu wuchtigen
Schlägen gegen die Umklammerung
durch die Feinde. England, dessen
Flotte übermächtiger zur See ist als
T:tschlands Heer zu Lande, schont
seine Flotte, damit es, wie auch die
Landschlachte verlaufen, die Meere
weiter beherrschen könne gegen alle
Welt. Was aber ist für Amerika ge
fährlicher: Teutschlands Volk in Waf
fen, das seine Grenze zu Lande schützt
und vielleicht erweitert, oder Groß
britannien, das das Monopol über
die Meere beansprucht und so weit
ausübt, daß es der Administration in
Washington jetzt vorzuschreiben ver-.
mag, ob sie verkäufliche deutfche Ha
delodampfer erwerben darf, die in
amerikanischen Häfen liegen, und mit
ihnen den Handel des Landes und diq
Postbefördenlng aufrecht erhalten.
Und dieses Vorschreiben bedeutet ver
bieten. 1
Bitter not tut unserem Volke ein
Treitschke. er ihm lehrte, die Tinge
zu sehen, wie sie sind, statt , der
Schwätzer, die Schlagworte - pliigen
und es einlullen in die gläubige Be
wunderung alles Englischen, um es
abhängig von England zu machen.
Und dienstbar. ' Tann würden wir
nicht Narren haben, die die englische
Einsprachigkcit als idealen Zweck der
Volksschule hinstelle mit der Bc
hauptung. so am raschesten gute
Amerikaner" zu erziehen, während sie
doch nur unser Volk wehrloser ma
chen gegen die britischen Tarstcllun
gen aller Tinge. die niemals im In
teresscAmerikas oder irgend eines an
deren Landes, sondern immer einzig
und allein in dem Englands sind, das
für jeden seiner brutal eigennützigen
Zwecke ein moralisches Mäntelchen
hat.
Und wie mit Treitschke, so ist's mit
Bernhardt. Beide haben die Lage
geschildert, wie sie war. Und nun
macht ihnen dicBritenpresse cincnVor
Wurf daraus und sagt, sie hätten das
deutsche Volk kriegölüsrig gemacht
und so den Krieg verschuldet. Und
es gibt wohlwollende FreundeTeutsch
lands. die wollen Treitschke und
Bernhard! abschütteln von den Rock
schößen des deutschen Volkes.
Warum soll man die abschütteln
wollen, die, mif dunklen Wegen ge
leuchtet und dafür gesorgt haben, daß
das deutsche Volk seine Lage begriff
und darum heute so stark, so helden
haft im siegreichen 'Kampfe gegen ei
nen Feind steht, der den Frieden aller
Völker fortgesetzt bedroht hat und
i::i yi.ai den .'niren?
Tas Buch ist zum Preise von $1.50
durch alle Buchhandlungen zu bezie
hen. W. u. A.
Fcnillctou.
Gerettete Schätze.
Was die Russen nicht mitnehmen
konnten.
Von Fritz Skrowronnek
(Berlin.).
Zwei große wohlgefüllte Schatz
kammern befitzt meine Heimat Ma
suren an ihren großen Wäldern und
zahlreichen Seen. Ihnen konnte selbst
der beutegierigste Russe nichts an
haben. Längs der ganzen Grenze
zieht sich ein breiter Waldgürtel hin,
jetzt allerdings auf manchen Stellen
durch Ackerland durchbrochen. Früher
war das ganze Gebiet eine zehn Mei
lcn breite Waldwildnis, die absicht
lich vom Orden erhalten wurde, um
die Einfälle der Polen aufzuhalten.
Nur sehr wenige Wege führten hin
durch, die sich an den Seeengen durch
Verbaue sperren und durch eine Be
satzung verteidigen ließen. Demselben
Zweck dienten noch viel später die
festen Schlösser bciAngcrburg. Lötzcn,
Lyck , Allenstein und an anderen
Orten.
Die mafurifchen Wälder bestehen
durchaus nicht blos aus Kiefern Es
gibt große Bestände prächtiger Eichen
und Buchen, auch viel gemifchte Bc
stände, und nirgends fehlten Rottan
nen und Birken. Wälder", wie
mm: sie anderswo findet, die nur
aus verhungerten und verkruzzcltcn
hausbohen Kiefern bestehen, sindet
man in Masuren nicht. Nur an ganz
wenigen Stellen kämpfen die Nadel
Hölzer mit einem wie Schnee im
Winde laufenden Sand einen ver
zweifelten Kampf ums Dasein. Da
siebt man mannshohe Giigel, die Hü
nengräbern gleichen. Wenn man sie
aufgräbt, findet man das Skelett
eines Kicferftrauches dari.n. den der
Sand unter sich begraben hat.
Als Gegenstück dazu sind die For
sten bei Allenstein. wo Kapitalhirschc,
die schon den Kaiscrbecher errungen
haben, aufwachsen, einige Teile der
Iobannisbnrger Seide mit den stärk
sten Niefcrn Deutschlands, die Lycker
Forsten mit prächtigen Rottannen,
die Rotebuder und die Nominier
Heide zu nennen, deren Schönheit,
durch stattliche Berge, romantische
Schluchten und tiefblaue kristallklare
Seen verstärkt, durchaus einen Ver
gleich mit Thüringen aushält. Bloß
die entsetzlich nüchternen roten Ziegel
Häuser der Förstereien passen nicht in
die Landschaft. . . . Desto gemütlicher
sieht es in den Forsthäusern aus.
den es gibt wohl keinen Griinrock,
der sein Heim nicht mit Geweihen.
Gehörnen und ausgestopften Vögeln
geschmückt hat.
Die Grünröckc waren beim Ein
bruch der Russen am meisten gcfähr
det. und wer ihnen in die Hände
fiel, wurde unbarmherzig erschossen,
weil alle Forsrbcamten militärisch
ausgerüstet waren und um denn Arm
einnc weiße Binde trugen, mit der
Bczeichtmng des Armeekorps, dem sie
zugeteilt waren.
Einer meiner Verwandten bat
mit Frau und Kind drei Wochen in
einer Hütte im Walde zugebracht, die
in einer sehr dichten Schonung auf
geschlagen war und von einemSumpf
und See noch überdies geschützt war.
Die Koiaken durchstreiften zwar den
ganzen Wald, aber sie hielten sich auf
den Wegen. Am Abend stellte der
Förster Reusen und Netze in einer
versteckten Bucht des Sees und sing
soviel Fische, daß er und einige Ver
wandte, die bei ihm Zuflucht gesucht
und gefunden hatten, keinen Mangel
litten. Denn gekocht wurde am Tage
vor der Hütte, aber mit sehr trock
ncm Holz , das keinen Rauch ent
wickelte. Die Russen hausten in der
unweit davon gelegenen Domäne wie
Vandalen, aber die abseits liegende
Försterei- haben sie nur einmal und
nicht allzu arg heimgesucht. Nachts
schlichen sich die Frauen nach Hause
und versorgten das Vieh mit Futter.
. . . Den Wäldern haben die Russen
keinen Schaden zugefügt. Sie nah
mcn nur, wo sie es brauchten, das
eingeschlagene, trockene Holz. Davon
war allerdings eine ganze Menge!
vorhanden, denn vor wenigen Jahren
ist zwei Sommer hindurch ein Teill
der ostprcußischen Nadelwälder von!
der Nonne stark heimgesucht worden.
Ebenso wenig haben sich die Russen
an dem zweiten Nawrschatz , Mafu
rcns. den fischreichen Seen, vergrei
fen können. Cic fanden natürlich
genug Netze und Kähne vor, um iV
schen zu können, und unter ihreil Leu
ten gab es viele, die sich sehr gut auf
den Fischfang verstehen, aber sie
trauten" sich nicht, denn sie fühlten
sich nie recht sicher vor unseren Trup
pen. Da waren unsere masurischen
Landmehrlcute 187071 in Frank
reich doch andere Kerle! Als sie an
die ersten Teiche kamen beschafften
sie sich aus der nächsten Stadt alles,
was fadenförmig war, Garn, Baum
wolle und dünnen Bindfaden. Einige
zwirnten, andere schnitzten Nctznadeln
und Strickbrcttchen, und am nächsten
Morgen war ein stattliches Zugnctz
fertig gestrickt. Zuerst wurden von
einem schitcll gezimmerten Floh aus
die zum Schutz der Fische angebrach
ten Hindernisse beseitigt, und wäh
rend der zweite Teich befischt wurde,
prätzeltcn schon Karpfen aus dem
ersten Teich in den Deckeln der Koch
gcschirre. Natürlich wurde das Netz
beim Vorrücken mitgenommen und
überall mit demselben Erfolg verwen
det. Dabei lernten die Mafurcn auch
einen fchönen bunten Fifch kennen,
den sie noch nie gesehe hatten. Aber
nach dem Geschmack benannten sie ihn
Muranka", das heißt Maröne. und
sie hatten nicht so ganz unrecht, denn
die Forellen, die sie erbeutet hatten,
sind nahe Vermadtc dr Maräc.
Der Fischercibctrieb hat seit der
Mobilmachung in den Grenzgebieten
fast gänzlich geruht. Einesteils, weil
es an Arbeitskräften gebrach, und
anderntcils aus Furcht vor den
Russen. Aber wie ich meine Masu
reu kenne und wie nur auch mehrfach
bestätigt worden ist, haben sich selbst
in den von den Russen besetzten Dör
fern beherzte Männcc in finsteren
Niicktcn mit Staaknetzen auf , den
See hinausgewagt und sleiig ge
fischt. Sie liefen dabei weniger Ge
fabr als in Friedcnszeitcn, wo der
Fischermeistcr ihnen auf den Fersen
sitzt. Am nächsten Tage wurde kräf
tig geschmaust und der Rest im Back
ofen abgebackcn, um für den Notfall
zu dienen . . .
Tie Haupterntezcit beim Fischfang
ist ja nicht der Sommer, sondern der
Winter, wenn die tiefen Seen von
einer festen Eisschicht bedeckt sind, die
die Vcttvcndung der ganz großen
Zugnetze ermöglicht. Solch ein Nie
wod" hat zwei Flügel von je 300
Meter Länge, die ain Sack bis zu 30
und noch mehr Meter hoch sind. Ter
Sack pf.'cgt nicht unter 100 Meter
lang zu sein, denn er muß bei cinem
glücklichen Zug mehr als tausend
Zentner Fische aufnehmen. Jeder
See wird ganz planmäßig befischt.
Zuerst werden die Züge auf die tief
sten Stellen gelegt, um die Fische
au.f,;t,stöbern uild nach den flachen
Buchten zu treiben. Deshalb er
wartet man von den ersten Zügen
gar keine oder eine sehr geringe Aus
bitte. Tie kommt erst bei drn letzten
Zügen und manchmal so reichlich,
daß sich über den Pachtbctrag und
alle Unkosten hinaus noch ein erheb
licher Gewinn ergibt. Hoffenlich
wird im Winter die Befischung der
niastlrischen Seen in aller Ruhe vor
sich gehen können. An Arbeitslüs
ten wird es jedenfalls nicht mangeln.
Tas wäre sehr erfreulich, denn die
hundcrttauscndc Hektar Wasser in
Masuren liefern im Winter ganz bc
deiltende Mengen Fische nach Berlin.
Zwar hat die Versorgung Berlins
mit Seefischen nickt völlig aufgehört,
sondern ist reichlicher geworden, als
man zu Anfang des Krieges hoffen
dilrfte. aber die masurischen Fische
werden doch hockwillkommen sein.
Auch den dritten Bodenschatz
mußte man qlücklichlr.rcise den Ma
suren lassen, ihren Reichtum an
S tc inen. An manchen Orten sind
die Feldraine zu mannshohen Stein
mauern gewordeu, und metertief lie
gen noch Unmasstzt von Steinen im
Boden. Sie iverben zu einem kost
baren Schatz werden, sobald der ma
surische Binnlnkanal vom Maucrsee
5mu Prege! fertig fein wird. Aber
ictt iclic:: in diesem Winter könnte
dieser Schatz nutzbar gemacht werden,
wenn die Regierung sich rntschließen
wollte, l-us Vorschuß zu arbeiten,
indem sie eine gewisse Menge Steine
den Bauern abkauft und im Winter
in der arbeitslosen Zeit mit Schlit
ten an die Seen anfahren läßt, die
nach Fertigstellung des Kanals sür
den Fracktverkehr nach Königsberg
und dem an Zteinmangel leidenden
Litauen erschlossen werden. , Das
wäre eine Wohltat, die gerade den
an Steinen reichsten, , sonst aber
ärmsten Gegenden Masurens zugute
kommen würde. Und eine Wohltat,
die dem Staat Gewinn bringt!
Tie russischen Gefangenen.
- Tie russischen Gefangenen es
mögen jetzt insgesamt annähernd
200,000 sein sind größtenteils in
der Provinz Brandenburg in den zu
diesem Zweck besonders hergericketen
Gefaitgeneitlagern untergebracht.
Tas Gefangenenlager, von dem hier
die Rede sein soll, ist etwa eine
Stunde entfernt von einen: kleinen,
landschaftlich schön gelegenen Städt
chen auf leicht hügeligem Gelände
und kann etwa 10,000 Gefangene
aufnehmen. Es hat quadratische
Fornl und ist von einem drei Meter
hohen Stacheldraht,zaun umgeben.
Innerhalb des mehrere Morgen gro
ßen Raumes liegen rings in Fonn
eines Achtecks acht Baracken; sechs
weitere Baracken gliedern sich wie die !
Radspeichen nach der Mitte zu, wo
ein 10 Meter hoher Wachtturm. auf !
dessen Galerie Maschinengewehre ste
hen, emporragt. Außerhalb des
Trahtzaunes am Haupteingang zum
Lager liegt ein Fachwerkgebäude. die
Wache. In nächster Nähe erblickt
man auch einige Geschütze. Seitlich
davon befittdet sich die Maschinensta
tion, die das Lager während der
Nacht mit elektrischem Licht versorgt.
Tie Baracken sind aus Holz gebaut
und von außen mit Dachpappe beklei
det; Ausnahmen bilden das Lazarett,
ein Gipsdielenbau mit guten sanitä
ren Einrichtungen, sowie die Küche,
ein Fachwerkbau. Die Gefangenen
schlafen auf Stroh; Mäntel und
Wolldecken schützen sie vor Kälte. Für
den Winter sind Heizanlagen vorge
sehen. Ein besonderes Abfütte
rungskommando", das unmittelbar
der Lagerkommandantur untersteht,
besorgt das Verteilen von Kasfee,
Brot, Mittagessen usw., eine schwie
rige Aufgabe, bei der mit 'Knüffen
und Püffen nicht gespart werden
kann. Tie Verpflegung, die den Ge
fangenen zuteil wird, ist nicht schlecht;
sie dürfte der Kafernen-Kost uilserer
Soldaten nicht viel nachstehen.
Schwierigkeit macht zurzeit noch die
Beschaffung geeigneter Arbeit für die
Gefangenen. Zwar find einige hun
dert mit der Vervollständigung der
Baracken, Arbeiten in der 51üche,
Bauen von Wegen, Tischlerarbeiten
u. dgl. beschäftigt. Auch wurden be
reits mehrere Hundert als Arbeiter
von den umliegenden größeren Gü
tern übernommen. Toch ist die große
Masse zurzeit noch untätig und muß
durch tägliches Exerzieren vor dem
Verfaulen" geschützt werden. Hoch
erfreut waren die Gefangenen, als
ihnen kürzlich gestattet wurde, einen
Gesangverein zu bilden. Allabend
lich singen sie nun etwa 50
unter der Leitung ihres Dirigenten,
eines Petersburger Konzertmeister,
eine Stunde in einem Raum'des La
zaretts russische Volkslieder, auf die
se Weise ihre verwundeten Kamera
den, von denen es noch einige Hun
dert gibt, ergötzend. Zu diesen mu
sikalischenUnterhaltungen tragen auch
noch bei ein Opernsänger (Bassist) so
wie ein Mondolnenspieler, der in
Rußsand schon in großen Konzerten
seine Kunst gezeigt haben soll. Je
denfalls geht es den russischen Gefan
genen in Deutschland nicht schlecht;
besser wohl, als manche es eigentlich
verdienen. Bezeichnend für ihr Wohl
befinden sind die Worte, mit denen
einer der JZussen seinen Brief, der iit
die Heimat gehen sollte, begann: Ich
besinde mich, Gott sei Dank, in deut
scher Gefangenschaft." Es wurde
von den Gefangenen erzählt, daß ei
ner ihrer Hauptleute, als der Angriff
der Teutschen erfolgte, hinter der
Schützenlinie einLoch ausgraben ließ,
sich hineinlegte und drei Soldaten
befahl, sich darüber zu legen, und als
kurz darauf die Gefangennahme er
folgte, er vor den Teutschen kniefällig
um Schonung seines Lebens flehte.
Viele der hier internierten Russen
sprechen Deutsch, eriva 00 sogar
ziemlich fließend. Es find dies in
erster Linie die Teutschrilsfen und
Letten aus den Mtischrn Provinzen,
ferner die polnischen sowie andere
Juden. Es berührt überhaupt son
derbar, wenn man das Sammelsu
rium von Rassen im russischen Heere
unter den Gefangenen vertreten
ficht: Russell, Polen, Juden, Teut
sche, Lcrten, Eslhen, Finnen. Tataren,
Armenier usw., und man versteht,
daß ein solches Heer niemals ein lei
stungsfähiges und begeistertes Volks
Heer wie das deutfche sein kann. Ei
der der Teutsch radebrcchendcn Rus
sen, der bei den Masurischen Seen in
Gefangenschaft geriet, nach dem Her
gang befragt, sagte im Brustton der
Ueberzeugung: Was. wir konnten
machen? Vorne Hurra, hin
ten Wasser. War sich nichts zu
machen!"
Französische Kriegsgefangene. ,
Nach einer Mitteilung aus dem
Kricgsministerium bcfandm sich An
fangs November in Bayern 3,210
Kriegsgefangene. Tie Gefangenen
sind in folgenden, ,Lrtcn untergc
bracht: Grafenmöhr (11,300), In
golftadt (7800), Lager Lechfeld
(6900). Hammelburg (3100), Re
gensburg (1900), Bayreuth (1300),
Nürnberg (700), Amberg (300),
Passau (220), Benediktbeuren (200),
Würzburg (160) und Tillingen
(130).
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Matinees Mittwoch und Samstag
Alle Sitze 25c.
Die Vorstellung, welche n Chicago so
großes Aussehen eregte.
SEPTE3XBER MORN
Nächste Woche: Charles Klein's
.Maggie Pepper"
Hosiery
Mark
sofort geholfen
Catarrh Balsam
Eln's Crcam Balm" in irgend einer
Apotheke. Dieser süße, heilsame Bal
sanl löst die Entzünduig der Nasen
löcher; zieht ein und heilt die ge
schwollcncn Schleimhäute der Nase,
des Halses und Kopfes; reinigt die
Luftröhren: beseitigt die peinlichen
Auswürfe und wirkt crfrifchcnd und
erleichternd.
Liegen Sie heute Nacht nicht schlaf,
los, nach Luft ringend, mit vcrftopf
ten Nasenlöchern, hustend und keu
chend. Katarrh oder eine Erkältung,
mit dem faulen Auswurf und dem
trockenen Gefühl find absolut nicht
nötig.
Setzen Sie Ihr eVrtauen nur
einmal in Ely's Cream Balm"
und Ihre Erkältung oder Katarrh
verschwinden sicher. (Anz.
GAYKTY seial täglich. I.
vurn. a i. . mu, z Matinees 10c
dill 6). nd 8ätt9 Ctt. Sie ganze Udje:
H0NEYM00N GIRLS
mit Phil Ott.
Nächste Woche: Moulin Rouge
Girls".
FO I ? V Matinees täglich
.IL KuM. m. 10c 20c 30c
Vud Fisher's Lustspiel
For tlie Love of Mike
Mit Ncd Melroy.
Hi.Aysha, Cyclon-Tänzerin.
Zlr Matinee: Dienltag.
irriCIl"" onnetslaa. (Earnftag
25c; einige 60c
Ä,e,5 25 I 50t. Cfinlac Clt fiii 7öc
Tie Liebesgeschichte mit Humor m
jeder Zeile"
KITTY MacKAY
Von Catherine Chisholm Cushing.
Nächste Woche: Peg ' My Heart".
Aveimc Theater ffiföEJ-
S)lat. Sonnt.. Dienst., Donnerst., arnjt,
Eintrittspreise 10c, 20c, 30c und 60c
Wichcntag Matinee 10c 20c
Jas. I. Corbctt'S großer Erfolg
Tlie Burglar and the Lady
Nächste Woche: Sold for Moncy".

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