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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, January 23, 1915, Image 2

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Das Kriegskind.
Skizze von Thomaö Schäfer. I
Mit einem Male stand sie mitten !
im Zimmer: .Ich bin die kleine Litta j
don drüben zwei Treppen, und mein '
Vater ist im Triege. Ich will Euch j
besuchen." j
.Ja weiß denn Deine Mut:.r,
baß Du hle.-her gegangen bist?
.Nein, die weiß gar nichts, die ist
doch mit dem tleinen Bruder nach
Schäften. Ich will mit Erich spielen." I
Erich spielte zwar lieber unten im j
Parke mit seinen Schulkameraden
Krieg", denn er war doch ein großer j
June von 7 Jahren na. zur Ab-1
wechslunz konnte er auch einmal.Kauf- j
mann" spielen. i
.Abgemacht wir wollen .Kauf
mann" spielen."
Eine halbe Stunde später waren sie
schon mitten im Abwiegen und Feil
sehen, und nach weiteren drei Minuten
zankten sie sich um ein paar Pulswar
wer. die Litta ihrem Vater in den
Krieg schicken wollte und die Erich 'hr
angeblich viel zu theuer berechnete.
.Sie wollen mich beschuppen, Herr
Taufmann! Das giebt's nicht, das
darf man jetzt nicht!" rief sie mit ihrem
feinen Stimmchen höchst energisch i
schüttelte dabei das blonde Köpfchen so
heftig, daß ihr die zierlichen Locken
um die rosigen Ohrmuscheln floc n.
In dem sauberen weißen Kleidchen,
mit der hellblauen Schleife im Haar
und den vom Eifer des Spiels ctrö
theten Bäckchen sah sie so allerliebst
cu5, daß ich sie nur immer anse..en
mußte und gar nicht weiter zu forschen
wagte, was es mit ihrem Besuche
eigentlich für eine Bewandtnis habe.
Ich hatte das kleine blauäugige Ding
wohl schon gelegentlich im Hofe oder
Garten gesehen, doch nur so im Vorbei
gehen, ohne zu wissen, wem oder wohin
es gehörte. Aber nun suchte man Litta
vielleicht auch schon eö mußte doch
möglich fein, etwas in Erfahrung zu
bringen, ohne das Spielidyll der klei
nen Leute zu stören.
Ich brauchte nicht weit zu wandern
auf der ersten Stufe schon begeg
nete mir Frau Sekretär Kuhlmann
von drüben Hochparterre. .Drüben"
das heißt im anderen Hause, auf un
serem villenartig bebauten Grundstück
stehen nämlich zwei Wohngebäude.
.Ist sie . . . am Ende ... bei Jh
nen?" keuchte Frau Kuhlmann ganz
athemlos. während ihre breite, kleine
Gestalt sich mir in den Weg schob und
die glänzenden schwarzen Äugen mich
vollAngst unter dem schneeweißen
Scheitel hervor anblitzten.
.Wer?" fragte ich verwundert
wen suchen Sie?"
.Die kleine Litta von drüben zwei
Treppen, von Gärtner Pohl's . . ."
.Aus der Giebelwohnung? Die ist
allerdings bei uns. sie spielt mit unse
rem Erich ..."
.So 'ne Zigeunerlotte! Und dabei
hab' ich's ihr ausdrücklich gesagt: .Du
gehst mir nicht ohne Erlaubnis fort."
Aber das ist wie'n Triesel. nicht 'ne
Spur von Sitzfleisch ,. . ."
.Nun, Kinder wollen doch Bewe
gung haben, wollen spielen, das ist mal
ein Naturtrieb!"
.Ach was Naturtrieb! Hunde
wollen auch spielen, und wenn ich zu
uns'rem Scbnupperchen sagte: .Hier
bleibst Tu. Sckrnupperchen, und rührst
Dich nicht!" ja. meinen Sie. er hät
U sich da auch nur 'nen Schritt weit
von seinem Bett fortgetraut? Und nun
ist'S uns dock weggekommen, das arme
Hundchen, und weil wir keine Kinder
haben und uns schon aar so sebr bang
ien. so meinte mein Mann: .Wieder
nen Hund? Nein das thu' ich
Schnupperten nicht an! Weißt Du.
was wir machen? Wir nehmen ein '
Kriegskind, ja das soll eS bei uns !
gut haben!" Ich sollte mich mal um-1
sehen, meint? er. und wie ich neulich i
mit der Frau Pohl spreche, die doch I
auch ihren Mann im Kriege hat. so j
meint sie: Herrjott. Frau Sekretär,
nehmen Sie doch meine Melitta, da ,
verdienen Sie sich 'nen Himmelslohn!" ,
.Ja. warum nicht?" sag' ich nach
einiger Ueberlcgung. .Wenn mein I
Mann damit einoerstanden ist ger .
ne! Und Sie? WaS machen Sie?"frag' ;
ich dann. .Ich geb' zu meiner j
Schwester nach Schlesien!" sagte it, !
die bat 'ne aroße Wirthschaft, da kann j
ich mit zugreifen und mir meinen Un
Uzfyxlt verdienen, miti'ammt.der Pulle
Milch für den Kleinen. Und die,iegS
Unterstützung ... die ... die .. .
spar' ich mir, und wenn mein Mrim
von Rußland zurückkommt, machen
wir uns 'nen Grünkramladen auf, und
er vraua)! ncq 111071 meyr ai aivcwc.
in der Baumschule abzurackern." .Na." j
meint sie. .nehmen Sie die Litta. rau j
Sekretär? Sauber ist sie ja. und essen !
. r- ' i c .f i nr i. .:i
tbut sie ja nicht viel, und vielleicht kann
sie auch bei den Herrschaften in den
beiden Häusern reiherum essen . .
-Na " faa' ich. .wenn wir sie schon
nehmen, nehmen wir sie ganz!" Und
kveil's meinem Manne recht war, da
den wir sie also genommen. DaS Bett
hatten wir ja. und das bißchen Essen
maC- uns nicht arm. und solch ein
Kleines zu putzen und zu schmiezeln,
d-as macht uns Frauen nun mal Spaß,
wenn auch der Grauschimmel schon
auZ'm Oberstübchen rausguckt . . ."
.Und der Herr Sekretär?"
.Mein Mann? Der ist ja ganz
närrisch nach dem. Mädel und hat sei
nen Schnupperchen schon fast vergessen.
Doch. Herrje da erinnern. Sie mich
gerade zu rechten Zeit: in 'ner Vier
telstunde ist er zum Mittagessen da.
und ick steh' hier und schwatze! Na.
nichts für unzut. Herr Nachbar
und nun darf ich sie mir wohl bei Jh
'cofcolca?-
Ich schritt ihr voran und öffnete die
Thür. Eine dicke braune Kastanie sau
ste über den Kopf der Frau Sekretär
hinweg gegen meinen Hut.
.Tante Tuhlmann, wir spielen so
wunderschön!" rief die kleine Litta
und flog mit einem hellen Jauchzer
auf Frau Kuhlmann zu. .Truppsche
Tanonen spielen wir!"
.Ich will Dich lehren .Trupp
sche Tanonen"! Ist das 'ne Art. einfach
wegzulaufen, ohne ein Wort zu sagen?"
Die kleine Litta blickte frazend zu
der weißhaarigen Frau auf: war sie
ihr böse? Die blinzelnden schwarzen
Augen sagten nein, und so schmiegte
sie den blonden Kopf, gegen die blaue
Küchenschürze der Frau Sekretär.
.Nun komm. Du Wildfang!" sagte
Frau Kuhlmann, sie an sich ziehend
.es giebt gleich Mittagessen!"
.Sie ißt doch heute bei uns!" ließ
sich da plötzlich unser Erich aus der
Zimmerecke vernehmen.
.Ja. Tante Tuhlmann. ich esse heute
bei Erich, die haben Apfelreis. M
den esse ich wieder bei Euch, und über
morden bei Baders, drüben eine Trcp
pe. Und dann . . ."
.Und dann?"
.Und dann wieder bei uns," ant
wertete Erich an Littas Stelle, .so
haben wir' doch besprochen!"
Keines Wortes mächtig seh Frau
Kuhlmann bald auf mich, bald unse
rem Erich und bald die Litta an, die
sie weit von sich fortgeschobcn hatte.
Das Blut stieg ihr jäh bis unter den
schneeweißen Scheitel, und die großen
schwarzen Augen blickten so seltsam
starr ich begann fast ein Unglück zu
befürchten.
.Aber, Frau Kuhlmann," legte ich
mich in's Mittel .die Kinder spie
len doch nur!"
.Nein, sie ißt wirklich bei uns
die Minna hat ihr doch schon einen
Teller hingestellt!" rief Erich unna
trlich laut, halb protestierend und
halb in Verzweiflung.
Ich warf einen Blick auf den 2is.j:
ja, da stand wirklich un Teller mehr
als sonst. Die Kinder hatten die Sache
ganz ernst behandelt: es war vas .Rei
herum", von dem Littas Mutter zu
Frau Kuhlmann und vermuthlich auch
zu dem Kinde gesprochen hatte.
.Lassen Sie sie uns heute zu Ga
ste." bat ich. .gleich nach Tische bringe
ich sie Ihnen hinüber."
.Ich sah, wie es heftig um ihre star
ke Nase zuckte, wie sich ihr Mund v.r
zog und schließlich etwas Warmes,
Leuchtendes in ihrem Gesichte erschien.
Und dann trat sie an die Litta heran
und fuhr ihr liebkosend über das
Köpfchen.
.Meinetwegen also," sagte sie mit
i'r tiefen, anheimelnden Stimme
.Du ißt heute bei Erichs, vergiß aber
nicht. Dich für den Apfelreis hübsch
zu bedanken! Und nach Tisch." wandte
sie sich zu mir, .darf ich Sie erwar
ten?" Ich verneigte mich zusagend, und
sie ging. Litta ließ es sich bei uns vor
trefflich munden. Nach Tisch aber hie!
ten wir drüben bei Kuhlmanns eine
wichtige Konferenz ab. an der auch
Frau Rentier Bader theilnahm. Wir
theilten uns redlich in das kleine blon
de Kriegskind: einmal in der Woche
sollte es bei uns und einmal bei Ba
ders zu Mittag essen, alle anderen
Sorgen nahmen Kuhlmanns auf sich.
Um die Erziehung der kleinen Litta
aber, die zu Ostern in die Schule kom
men soll, bekümmern wir uns alle ein
klein wenig: ich suche ihr jetzt die rich
tige Aussprache des .k" beizubringen.
.Ach ja!" meinte gestern Frau Kühl
mann. Mit solch einem Lottchen hat
man's gar nicht leicht!" Vielleicht dach
te sie dabei an ihr folgsames Schnup
perchen. Aber wenn heute das verlau
fene Thierchen sich wieder einfände,
ick glaube bestimmt, daß es ihm bei
Kuhlmanns nicht mehr gefallen thäte.
Die beiden Sreunde.
Eine Skizze aus der Gegenwart.
Von Hermann Wagner.
Dieses war ihnen, dem Otto und
dem Benedikt. den beiden Unzertrenn
lichen, gemeinsam: sie standen beide
als Sekretäre im Dienste der kaiser
lichen Post, waren beide seinerzeit als
militäruntauglich befunden worden
und mochten beide vom Heirathen
nichts wissen.
Sonst glichen sie in den meisten
Punkten einander nicht, was wlhl ge
rade den Grund bildete, daß sie sich
vom Herrn so zugethan waren.
Der Otto war ein Genießer und
das, was man einen Bejaher des Le
bens nennt.
Er aß gern, trank noch lieber, er
freute sich am Skatspiel, kegelte,
rauchte, wog 160 Pfund und hatte
für alle Fragen, die ihm etwa in den
Weg kamen, die immer fertigen Ant
Worten eines Menschen, den so leicht
nichts aus dem Gleichgewicht bringen
kann.
AIS der Krieg aus brach, wunderte
und genirte ihn das wenig, und als
die Nachrichten von den ersten deutschen
Siegen einliefen, nahm er das mit ge
lassen und breiter Selbstverständlich
keit hin.
.Wir." rief er aus. .ja wir!"
Wobei bemerkt werden muß, daß er
unter dem .wir" vor Allem sich selbst
oder doch die verstand, die ihm glichen.
Und er schlug mit der geballten
Hand, wuchtig auf den Wirthshaus
tisch daß das Bier in den gefüllten
Gläsern nur so tanzte, und äußerte:
.Aeh was macht es uns auS. ob
wir gegen einen Gegner mehr oder
einen weniger kämpfen! Wir siegen
it Leichtigkeit! Wirt"
Und auch dieses .Wir" war wieder
ganz auf ihn selbst gemünzt auf
ihn. den Otto, von dem Jedermann
erwartete, daß er sich am nächsten Ta
ge als Freiwilliger melden würde.
Von diesem bierfesten Optimismus
besaß Benedikt nur wenig, worauf ja
auch sein Aeußeres schon zur Genüge
hinwies: Benedikt war klein, schmal,
kurzsichtig, ein wenig schief, hatte eine
schwache Lunge, trank und rauchte
nicht und saß beim Skatspiel neben
seinem Freunde Otto nur als stum
mer Kiebitz.
In ihm rief der unerwartete Aus
bruch des Krieges nur eine tiefe see
lische Erschütterung hervor, denn sein
mitleidiges Herz sah zunächst nur
Verwundete und Todte, weinende Hin
terbliebene und hungernde Arbeitslose.
Eine allmähliche Wandlung führten
dann allerdings die ersten deutschen
Siegesnachrichten herbei.
Ein heimlicher, stiller, schamhafter
tolz- bemächtigte sich da seiner Seele,
ein Stolz, der sich hütete, laut zu wer
den. weil seine Träger zugleich an der
Scham litt, auf dem Felde draußen,
wo Andere kämpften, nicht mit dabei
zu sein.
Denn so schmächtig, klein und
schwächlich Benedikt äußerlich auch
war, so sehr dürstete ihn in seinem
Innern doch danach, in Reih und
Glied mit den Abertausenden bra'.en
deutschen Kameraden gleichfalls seine
Kraft für das einzusetzen, was ihm
theuer und heilig war: für das Vater
land! Und wenn er bei den geschwollenen
Reden seines Freundes auch still blieb,
so grübelte er heimlich doch unablässig
darüber nach, ob es für ihn vielleicht
nicht doch eine Möglichkeit gebe, in's
Feld zu rücken.
Der Arzt, dem er sich anvertraute,
lächelte aber nur und sagte: .Nein,
Sie sind viel zu schwach! Sie brechen
unter den Strapazen zusammen!"
Und er fügte, als er die beschämte
Miene Benedikt's sah, achselzuckend
hinzu: .Immerhin, versuchen Sie es
einige Wochen, sich zu trainiren! Tur-
nen Sie! Man kann nicht wissen!"
Der Bedarf an Soldaten wuchs,
und die Heeresleitung ging daran, den
ungedienten Landsturm auszumustern.
Benedikt stürzte mit erregtem Ge
sicht zu seinem Freunde Otto und rief
aus:
.Höre, man wird auch die ausmu
stern, die bisher nicht gedient haben!
Du kommst sicher daran! Freust Du
Dich nicht?"
Allein zu Benedikt's großem Er
staunen blieb Otto diesmal schweig-
fam und zuckte nur die Achseln.
Diese Schweigsamkeit Otto's hielt
auch weiter vor, und die Stammgäste
seiner Kneipe waren nicht wenig er
staunt, ihn Abends an ihrem Tisch
nicht mehr zu sehen.
.Was hat er?" fragten sie einander.
.Ist er krank?"
Ja, er war krank.
Ganz plötzlich war er es geworden,
und er litt nicht nur an einer Krank
heit, sondern gleich an einem halben
Dutzend: sein Herz war , schwach, er
bekam keinen Athem, er laborirte an
einem Leberleiden, er hatte in den
Beinen das Reißen, im Rücken das
Stechen, im Kopfe einen dumpfen
Druck.
Er trank nichts mehr, ah nur das
Allern'öthizste. nahm heiße Bäder, die
ihn schwächten, und lief von einem
Arzt zum anderen, um wenigstens ei
nen zu finden, der ihm seine Leiden
glaubte.
Allein ausnahmslos alle schüttelten
nach gründlicher Untersuchung den
Kopf und erklärten: .Sie sind Hypo
chonder, aber im Uebrigen gesund!"
Diese beruhigenden Diagnosen er
höhten indessen seine Aengstlichkeit
nur, anstatt sie zu vermindern, und
es kam schließlich dahin, daß er sich
in's Bett legte und sein Testament
machte, bereit, seine letzte Stunde in
dem Gefühle des herannahenden all
gemeinen Kräfteverfalles zu erwarten.
In dieser Zeit blieb auch Benedikt
für alle seine Bekannten unsichtbar,
wenn auch aus Gründen, die von de
nen seines Freundes Otto wesentlich
verschieden waren.
Lag Otto den Tag über im Bett,
damit beschäftigt, sich warme Um
schlage um die Brust zu winden, so
stand Benedikt schon bei grauendem
Morgen auf und machte nackt, bei
geöffneten Fenstern, Freiübungen.
Und er hate sehr bald die Gewiß
heit, daß seine Bemühungen von Er
folg gekrönt seien.
Es schien ihm, daß er schon um
vieles freier und leichter athme, daß
in seinen bisher schlaffen Körper Ela
stizität und Spannung gekommen sei
en, und es war ihm, als wachse er
von Tag zu Tag und als bekämen
seine Arme und Beine so etwas wie
i Muskeln.
Ein bisher unbekannter Frohsinn
zog in sein Herz ein.
Er machte tagelange Märsche, trug
die spartanisch einfachen Mahlzeit'
deren er bedürfte, in einem Rucksack
mit sich, nächtigte im Gebirge auf har
ten Betten oder auf Heu und athmete
in tiefen Zügen die herrliche klare Luft
des Herbstes.
Wie durch ein Wunder ging ihm
die Schönheit der Natur auf, mit der
er sich mit einem Male eins fühlte.
Und immer mächtiger wurde inm'.t
ten der Göttlichkeit des Alls in ihm
das Verlangen, seinem Leben, das er
bisher nur dumpf gelebt hatte, durch
eine edle That Sinn und Fülle zu ge
ben. A
Trotzdem fiel die Musterung . so
aus. daß nach ihrem Verlaufe ein je
der der beiden Freund? Ursache hatte,
nicht sich, sondern den anderen zu be
glückwünschen.
Benedikt gratulierte dem Otto zur
Annahme, der Otto dem Benedikt zur
Ablehnung: zur großen Betrübniß al
ler Beider hatte man dem Einen seine
Krankheit, dem Anderen seine Gesund
heit nicht geglaubt.
Und während sich Benedikt resiznirt
Mieder hinter seinen Amtstisch setzte,
packte Otto nicht minder resignirt seine
Sachen und rückte ein.
Er blieb monatelang fort, und als
er. wieder zurückkehrte, trug er den
linken Arm in einer Binde, denn eine
feindliche Kugel hatte ihm den Knochen
durchbohrt.
Benedikt eilte ihm auf den Bahnhof
entgegen, glühte vor Eifer, umarmte
ihn stürmisch und nannte ihn halb
scherzhaft, halb fchambaft einen Helden.
Doch der Andere lehnte erröthend ab.
Ganz im Gegensatz zu früher war
er sehr wortkarg geworden, und um
ihn zum Reden zu bewegen, bedürfte
es einer glücklichen Stunde.
Diese Stunde kam schließlich, und
in ihr vertraute sich der Heimgekehrte
dem Freunde an.
-Nein, er sei nichts als Held fortge
zogen, aber das. was er draußen er
lebt habe, habe doch, einen rechten
Mann aus ihm gemacht. Und er danke
Gott für die Lehre, die er erhalten
habe. Aus dem Ernst und aus der
Wucht der Kämpfe, die' draußen ge
führt würden, habe er erst erkannt,
in welche Noth das Vaterland gerathen
könnte, wenn es nicht Männer hätte,
die es liebten. Nun liebe auch er es.
und diese Liebe habe er sich erkämpft.
Und daß dieser Kampf nicht leicht sei,
sondern schwer und blutig und in sei
nen Einzelheiten traurig, das wisse er
jetzt auch, und deshalb sei es ihm auch
nicht möglich, viele Worte darüber zu
machen ....
Benedikt drückte dem nun wieder
Schweigenden die Hand.
Er fühlte, daß sie Beide nun erst
wirklich Freunde geworden waren.
Vosen.
Eine Erzählung zum Totensonntag
von Magd a Trott.
.Mutti, wir gehen spazieren?"
.Ja, mein Kind."
Die schlanke, junge Frau .hüllte
das kleine dreijährige Mädchen in den
weißen Flauschmantel, band ihm die
weiße Kapuze über die blonden Locken
und machte sich dann selbst fertig. Ei
nen Augenblick zögerte sie. als sie vor
dem geöffneten Schrank stand, dann
aber biß sie, wie im Schmerz, die
Zähne aufeinander, nahm den weißen
Hut mit der langen Feder u.id setzte
ihn sich aufs Haar. In dem weißen
Cheviotkostüm sah sie , viel eher einem
jungen Mädchen denn einer "xrau
ähnlich, und doch war Gisela Hart
mann seit fast fünf Jahren verheira
tet. Aus Liebe war sie dem jungen
Seeoffizier gefolgt, und es gab wohl
kaum eine glücklichere Ehe als die des
jungen schönen Paares. Das Kind, die
kleine Lolo, bildete das Entzücken bei
der. Kehrte der Vater von seinen Rei
sen heim, dann genoß er die freien
Tage mit vollem Behagen. So verging
die Zeit. Da rief der Krieg, und Ha
rald Hartmann zog davon.
Am Tage des Abschieds war es, da
er sie noch einmal an sich drückte.
.Gisela, mein Weib, laß mich Dir
noch einmal danken für all das Glück,
das Du mir bereitet hast. Ich ziehe
gern hinaus, ich weiß euch in Gottes
Hand, und der alte Herr da oben bat
es ja immer gut mit uns gemeint, er
hat dich mir selbst, einem Engel gleich,
in den Weg geschickt. So weiß und
rein, wie Du jetzt vor mir stehst, so
will ich Dich stets, in Gedanken vor
mir haben, und sterbe ich. so mußt Du
nicht weinen. Wir alle, die wir unser
Leben dem Vaterland bringen dürfen,
wir sind zu beneiden, und ein Freuden
tag ist uns selbst unser Todestag."
Sie sah ihn mit großen Kinder
äugen an. .Ich will nicht weinen,
mein lieber Harald, ich will so tapfer
und muthig sein wie Du selbst."
.Auch keine Trauer, Gisela, weder
Du noch das Kind. Du sollst mit
Stolz und mit Liebe an mich denken,
wenn ich nicht mehr bin."
Es war ein grauer Novembertag.
als Gisela mit dem Töchterchen durch
den theils schon entblätterten Wald
wanderte. Das gelbe Laub raschelte um
ihre Füße, und die Luft war kalt und
feucht. In den Armen hielt sie einen
großen Strauß rother Rosen, und
auch die Hände des Kindes umschlossen
mehrere dieser Blüthen. In Nikolas
see war man ausgestiegen, und Gisela
schlug den ihr bekannten Weg nach der
Havel ein. Wie oft war sie hier am
Arm des Gatten gegangen, wie oft hat
ten beider Blicke auf den blauen Seen
der Havel geruht, und lachend hatte
Harald dann geäußert: Unsere Nord
see im kleinen."
Kein Mensch weit und breit. Fröh-
' lich plauderte das kleine Mädchen u-.d
jauchzte laut auf, als man die Havel
erreicht hatte. Auch Gisela schaute auf
die stille Wasserfläche und biß die
j Zähne zusammen. Am liebsten hätte
sie laut aufgeschrien vor Qual, da sie
sich vergegenwärtigte, wie sie noch vor
wenigen Monaten mit dem Gatten hier
gestanden hatte. Die Wasserfläche war
fast unbewegt, dennoch, das wußte sie.
zogen die Wellen langsam hinab, bis
sie sich mit der Elbe vereinigten, und
von hier ging es weiter in die Nordsee.
Wie hatte er seine See geliebt, wie
stolz war er, mit feinem Schiff oeren
Fluten durchschneiden zu dürfen. Sie
hatte es kaum begriffen, als man ihr
die Nachricht brachte, daß er einer der
ersten war, der sein Leben lassen muß
te. Unweit Helgolands, jener Insel,
die auch sie genau ss kannte, war er
mit dem Schiff gesunken, und nur we
nige der Mannschaften wurden geret
tet. Ohne eine Thräne zu vergießen,
starr und regungslos, hatte sie dann
den Bericht eines Augenzeugen ange
hört, und nickte nur leise vor sich hin,
als sie vernahm, daß der Gatte der
heldenhafteste von allen gewesen sei.
Noch sterbend hatten die Leute das
Flagzenlied angestimmt sie hatten
es nicht ganz aussingen können, schon
mitten in den letzten Zeilen sanken sie
in ihr Wassergrab.
.Du sollst nicht weinen." Sie woll
te nicht weinen. Heldenhaft, wie der
Gatte, wollte sie das Leben weiterleben,
sein Kind in seinem Geiste erziehen.
Von ferne her fingen die Glocken
an zu läuten. Da erwachte sie wie aus
einem, schweren Traum. Totensonn
tag Totenglocken, sie läuteten auch
dem Gatten, der auf dem Meeresgrund
schlief, zur Totenfeier. Ein Zittern lief
durch ihre Gestalt, und sie lehnte sich
gegen einen Baum. Die Schwäche
dauerte nicht lange, bald ermannte sie
sich und trat dicht bis an den Rand
des Wassers. In weitem Bogen schleu
derte sie eine Rose nach der andern
auf die 'Wasserfläche.
.So schmücke ich Dir Dein Grab.
Harald! Ihr Wellen, tragt diese Blu
men hinaus in die offene See tragt
sie zu jener Stelle, an der er ruht!"
Dann rief sie das Kind und bedeu
tete es. ebenfalls die Blumen ins Was
ser warfen. Die Kleine lachte fröhlich
lich auf. als ihr dies gelang.
Rothen Blutstropfen gleich lagen
die Blüthen auf dem Wasser Brennen
den Auges starrte Gisela darai'f hin.
Ja. ihr Herzblut war es. was sie hier
mit diesen Blumen von sich warf. Sie
krampfte die Hände zusammen; dann
riß sie das Kind an sich und preßte es
: an ihr Herz.
j Lolo. wir wollen dem Papa ein
; Lied singen." Seltsam rauh und ge
! preßt begann sie das deutsche Flag
, genlied:
j .Stolz weht die Flagge schwarz
. weiß-roth von unsres Schiffes Mast."
Mit seinem hellen Stimmchen fiel ds
, Kind mit ein; und so tönte das Lied
! hinüber über das Wasser, während
von jenseits her die Glocken klangen.
.Dir woll'n wir treu ergeben sein,
Getreu bis in den Tod."
Sie hatte sich mit aller Gewalt zu
sammengenommen, nun aber versagte
ihr doch die Stimme. Lolo aber sang
das Lied zu Ende, während die Mut
ter totenblaß und bebend vor Aufre
gung neben ihr stand.
Die Rosen waren schon ein Stück
chen weiter getrieben, stromabwärts
ging ihre Reise.
Unweit Giselas waren zwei Fraum
des Weges gekommen, die irrst und
still zu den beiden weißen Gestalten
hinüberblickten.
.Glückliche Frau!" meinte die eine.
.Sie kann heute am Totensonntag
singen, sie hat wohl keinen zu betrau
ern.
Unerhört!
Das Kindermädchen betrachtet sin
nend die qnädige Frau und sagt: .Ja,
gnädige Frau. Ihr Kleiner hat Ihr
Haar."
Da fährt die Mutter zusammen,
der Romanband entgleitet ihren Han
den. und entsetzt ruft sie: .Um Gottes
willen, was stehen Sie denn hier?
Laufen Sie ins Kinderzimmer und
nehmen Sie es dem Jungen weg, ich
bin neugierig, was er nächstens noch
anstellt!"
I
! Geistesgegenwart.
I Ein Prediger blieb in der Predigt
stecken. Er verlor aber seine Geiste?
gegenwart nicht, sondern rief: ..An.
däcktige Zuhörer, ich rieche Feuer!"
i Die ganze Versammlung stürzte
' zur Kirche liinaus, und der Pfarrer
folgte jctmcu nacy.
Grob.
Vater E'.lberstein fährt beim Blu
mnkorlo mit seiner Sarah in einer
: mit Blumen dekorirten Equipage, als
Silberstein mit einem Male sagt:
Sarah! Ich wollte, du wärest e
Ros'n." Was biste'so freundlich?"
sagt Sarah, warum soll ich grad
heut' sein e Ros'n?" .Weil ich dich
da herausschmeiß'n könnt'." war Sil
bersteins Antwort.
Aus der I n st r u k t i o n s
j st u n d e.
I Unteroffizier: .Warum tragen denn
nun die Marinesoldaten auch Seiten
gewehre; Sie Posalsky, wissen Sie's?"
Rekrut Posalsky: .Ja! Se steche
damit in See!"
Au!
Sie da. hört der Hund auf Caro?"
.Nein."
.Vielleicht auf Hektar oder Nero?"
.Auch nicht."
Etwa gar auf Ami?"
Erst recht nicht."
.Na. worauf denn, zum Teufel?!",
Auf's rechte Ohr; auf's linke i. er
taub."
Vergeßlich.
Beim Versieckspiel im Walde wird
der Herr Professor nach stundenlangem
Suchen endlich in unbequemster Lage
in einem hohlen Baum gefunden.
.Aber, Herr Professor." fragt man
ihn.' warum, sind Sie nicht längst
hervorgekommen?" .Ja. zu mei
nem Unghück." erwiderte er. .hatte ich
ganz vergessen, wo ich mich versteckt
hatte," ..-..
Das Alammenzeichen.
Kriegsskizze von
Heinrich Susemihl.
Nach Rennenkampf's grausiger Nie
derlaae waren wir ununterbrochen
; marschirt und marschirt. daß es schier
' kein Ende nehmen wollte, und wenn
das Wetter auch just so recht zumWan
dern taugte, wir freuten uns doch, als
wir endlich hörten, daß jetzt vorläufig
auch mal geruht werden würde. Ten
Namen des Dorfes jenseits von Gut
und Böse darf ich nicht nennen, und
wahrscheinlich aus unserer Korporal
schaft überhaupt Keiner, wir waren
ja blos gewöhnliche Brandenburger.
Später wird ja sicher das große Werk
des Generalstabes auch dieses edle
Dorf mit Auszeichnung erwähnen,
schon weil Wasja, einer seiner wohlge
nährtesten Einwohner, es trotz aller
absoluten Aussichtslosigkeit nickt unter
lassen hatte, einen Versuch zur Rettung
seines Vaterlandes zu machen. Man
soll nicht so sein: Auch des Feindes
Großthaten soll man in die goldenen
Tafeln der Geschichte einkratzen, damit
man sich daran erbaue! WaZja hatte
wirklich versucht, durch Anzünden ei-,
nes Fanals über unser Einrücken Mel
dunz an ja. das war eben seine
Rettung gewesen er wußte' selbst
nicht, an wen er uns verrathen sollte.
Aber auf einem alten Weidenbaumc
hatte er mühsam eine nach sehr feuchte,
leere Heringstonne mit einer Füllung
von nassem Werg und ein wenig Lein
i'l zu entzünden versucht.
Bei dieser recht hoffnungslosen Ar
beit hatten ihn unsere Mannschaften
erwifcht.
. Als der Posten an der Ostseite des
Dorfes ihn vor sich her bis in unser
Quartier gestoßen hatte, fuhr der
Unteroffizier Bahnke auf den gefessel
ten Prometheus los: .Weißt Du, i as
Du verdient hast?"
Wasja verstand nur einigermaßen
Deutsch, aber sprechen konnte er es
nur recht wenig und so beschränkte
er sich auf eine ängstliche Grimasse,
während Bahnke den dicken Kerl wie
der anfuhr: .Wo stecken die russischen
Truppen, die Dein Signal erhalten
sollten?"
Der verängstigte Bauer zeigte ml
seiner Riesenpfote, die inzwischen los
gebunden war. in eine ganz unbestimm
te R'chtung, indem er undeutlich mur
melte: .Sind sich weit fort."
Der Einjährig-Freiwillige Billhu
ber, der aus dem schönen Bayernlaide
stammte, meinte: Na. Herr Unterof
fizier, wir wollen ihn einfach aufhän
gen und einen Docht durch sein Fett
ziehen, dann kann er wenigstens 's
Thranlampe ein wenig Nutzen brin
gen." Aber Bahnke wollte den Fall doch
nicht so ganz ohne eindringliche Mah
nunq für den dicken Schlingel aus der
Welt gehen lassen. Denn wenn Wasja
auch thatsächlich keine Möglichkeit ge
habt hatte, uns an die Knutenbrüder
zu verrathen, bei aller geistiger Be
fchränktheit des Sünders war doch
immer die Absicht nicht zu verkennen,
uns sehr empfindlich zu schaden.
; Und so machte der Unteroffizier sein
' bestes Vorgesetztengesicht und fragte die
Versammelten, was denn nun gesche
hen köyne, denn es müsse etwas als
Strafe verhängt werden. ,
Billhuber war natürlich wieder bei
der Hand. Er schlug vor, da wir in der
Dorfschänke, wenn man die Hütte so
nennen wollte, in der wir hausten, einen
beträchtlichen Vorrath von Wuttka
flaschen vorgefunden hatten, den To
deskandidaten zur Vertilgung eines
Stalleimers Schnapses zu veröonnern.
Da stand gerade solch ein nützliches
. Gefäß.
! Der Gefreite Mehlmann, ein Mann,
der sonst auch wohl ein ganz hübsches
Glas vertragen konnte, wurde aber'
ganz aufgebracht, als er diesen frei
lich nicht ernsten Vorschlag hörte, da er
meinte, daß solche Scherze wohl eigent
lich zu grausam wären, der Mann
könnte auf der Stelle den Tod daran
, haben.
Was? Den Tod?" schrie Billhuber.
.Mein lieber Mehlmann, ich wette eine
große Schale Punsch und meine samt
lichen Liebeszigarren, die ich bis Ostern
noch zu kriegen hoffe, daß Wasja die
sen Pferdeeimer voll Wuttka ohne
mehr als einmal abzusetzen klar aus
löffelt." Na, nun waren sie denn Alle gegen
einander, die Stimmen gingen für und
wider, während der unverständige
Wasja kümmerlich von Einem zum
Anderen schielte, um aus dem Wirr
' warr herauszuhören., daß es ihm nicht
allzusehr an den Kragen ginge. Endlich
wurde es ruhiger. Wasja athmete auf;
es schien doch nicht arg zu werden. Die
Wette war abgeschlossen. Aha, da kam
der Kommandierende wieder gerade
auf ihn los und fragte ihn barsch:
Kannst Du diesen Eimer vollSchnaps
auf eimal austrinken?" Es wurde der
Mannschaft schwer, ernst zu bleiben
bei dem Gesicht, das der gequälte Was
ja jetzt aufsteckte. War es die Erleich
terung seiner Seele wegen dieser neuen
Wendung in seiner bitterernsten Ane
leenheit, war es der Vorgeschmack
dieser ganz unwahrscheinlich klingen en
Labung, wie seine kühnsten Träume sie
ihm nie vorgegaukelt hatten? War es
ein dumpfer Zweifel an der Zurech
nungsfähigkeit dieses so laut schreien
den Kommandeurs, was sich auf die
sem russischen Gesicht spiegelte?
Aber der Gerichtshof blieb doch ernst.
U'. d nachdem Bahnke zum dritten Male
seine Frage gestellt hatte, mit dem Hm
zufügen, daß er einmal abgesetzt wer
den dürfe allerhöchstens, da kam das
Blut dem Angeklagten wieder heiß in
feine Adern zurück, er nahm alle
Sprachkünste zusammen und bat, ob
er nicht einen Augenblick mit dem Ei
U'-r auf den Hof gehen dürfe.
.Lassen Sie ihn nur." rief Billhu.
ber. .er will erst noch ein Gebet spre
chen vor der Erukution.
. Unteroffizier Bahnke begriff zwar
mcht, was das seltsame Verlangen be
deuten könne, aber er beruhigte sich, da
d-r Posten mit geladenem Gewehr i
d : Nähe bleiben konnte.
So verschwand denn WaSja mit ei
nem einzigen Blicke auf die herrliche
Batterie von Flaschen, die in schöner
Eintracht auf dem Tische prangten,
und alle, alle voll!
Man hörte den Pumpenschwengel
quieken, dann längere Pause und
nach kaum fünf Minuten war Wasja
mit dem Eimer wieder in dem tabak
durchräucherten Schankzimmer. strah
lend und etwas pustend und begehrlich
in die Zukunft blickend. Denn nun
sollte er ja o, wie war solche Güte
dieser rauhen Kriegsmannen blos mög
lich! Er sollte den ganzen Eimer
voll allein für sich austrinken dürfen!
Alle saßen und standen wir neugie
rig um den Tisch herum, wo die Herr
lichen hellgrünen Flaschen winkten.
Wasja!" sagte Bahnke mit der
Würde eines Oberkriegsgerichtsraths.
.Wasja! Was hast Du da draußen
mit dem Eimer gemacht?"
.Panje Unteroffizirrrrr," murmelte
der Bauer, Wasser in Eimer gefüllt,
verrrsucht wieviel ich kann trinken.
Werd' ich jetzt trinken auch Wotika."
Diese Wendung hatten wir nicht :?
wartet; eine Weile blieben wir
stumm, dann war es mit dem Richter
ernst vorbei, und Wasja stand vollstän
dig vernichtet in dem Gelächter der
ganzen Stube, das er auf keine Weise
begriff.
Billhuber faßte sich zuerst und mein
te: .Na, dann natürlich, mein guter
Mehlmann, werde ich wohl die Wette
verlieren. Es ist ja klar, dieser
Kulturbringer kann's sicher er hat
sich ja erst überzeugt, ob eö gehen wür
de; hm gut. ich halte meinen
Einsatz. Aber wie wäre eS denn,
wenn wir nun den Halunken von Was
ja ein wenig straften? Sehen Sie sich
feine entfesselten Begierden an sein
bedrohtes Leben ist ihm höchst glel
gültig geworden, sein bischen Herz, sei
ne sämmtlichen Sinne sind auf unse
ren herrlichen Schnappsvorrath ein.e
stellt. Es sollte der größte Augenblick
seines Daseins jetzt kommen. Jetzt soll
te er mit dem Stalleimer Wasser nüch
ter-.: 'rausgeschmissen werden, ohne den
Schnaps!"
.Bravo bravo!" schrien die Ka
meraden; und mit kräftigem Rucke
flog Wasja vor die Thür.
Wir Mütter.
Wer ist so stolz wie w'i r in bei
Welt?
! 1Tvrv fnftrt innin fitnrntä tnä ?tllS
, iih" w4jtv 1 - u
Zur Nlliier uno leicq, zu .rug uns
Wehr.
Deutschlands Blüthe für Deutsch.
lands Ehr'
Zu steh'n oder fallen wie'S Gott
gefällt.
Jeder Jüngling ein Mann, jeder
Mann ein Held!
Daß Gott ihnen gnädig fei!
Meiner ist auch dabei.
Wir wissen alle, es mußte sein.
Wir tragen's tapfer und schicken unS
drein;
Nur manchmal so im Vorüber
gehen
Bleiben wohl zwei zusammen stehen;
Mit Augen, von heimlichen Thränen
verbrannt.
Reichen sie sich die zitternde Hand
Da bricht's aus der Brust wie ein
Schrei:
Meiner ist auch dabei!"
O Zeit so hart! o Zeit so groß!
Wir alle tragen das gleiche LooS,
Ein einz'ger Gedanke mit unS geht,
E i n Glaube ein Hoffen e i .!
Gebet:
Herrgott laß Deutschland nicht ver
derben.
Für das unsere Söhne bluten und
sterben!"
Herr, höre der M ü t t e r Schrei!
Meiner ist auch dabei!
Und vor mir steigt's auf eine Vt
sion:
Ich höre den Sturm der Glocken schon,
Trommelwirbel und Hurraruf
In Rosen versinkt der Rosse Huf.
Von Siegesgeläut die Luft erdröhnt,
Sie kommen, sie kommen! Lorbeer
gekrönt.
Von Jubel umbraust, don Fahne
umwallt.
Und über die deutschen Lande schallt
Ein einziger jauchzender Schrei:
Und meiner ist auch dabei!
T. R e s a.
Schlechtes Geschäft.
Mit Ihnen mach' ich kein Geschäft
mehr!"
.Warum nicht?"
Nun. wenn Sie kaufen, drücken
Sie mich, und wenn Sie zahlen sollen,
drücken Sie sich!"
Aus der JnstruktionZ.
stund e.
Svplbrrrbpl : ..WaZ fvst ha m f.
; deuten, wenn über dem königlichen
Kanone oie anne wem?"
Rekrut: .Daß dann der Wind
geht!"
Höhenberechnung.
Wirth eines Gebirgöhotels: .Ta
gen Sie 'mal. Herr Professor, woran
erkennt man im Gebirae. wie hoh
man sich über dem Meeresspiegel be
! findet?"
j Professor: Am genauesten an dcr
i Höhe der Hotelrechnungen,

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