OCR Interpretation


Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, March 20, 1915, Image 4

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn96076572/1915-03-20/ed-1/seq-4/

What is OCR?


Thumbnail for

DetroZter ALendpost, Freitag, den 19. ML, '1915.
Detvoiter
Abend - Post.
Vcttred t thrt Postoffic of Detroit
s Second C!us Matter.
TÄr'.MH: Mitteilungen keliebe mas
ja cwref fiten:
Aug. Marxhausen, Abendpost-Gebaude
Cfi:t: des ?rodwa1 ud O'drand?tiver
?!deii:(nahk ratist Avenue).
M.
traoes
WCYI,.,, v 9
hUUlViH. W V
MS'
(knglauds Achtung dar der Neutrali
tät.
England hält noch immer, so oft
nnd so unwiderleglich auch das Ge
genteil nachgewiesen worden ist, da
ran fest, daß es in den schrecklichen
Krieg nur eingetreten ist, um für die
Heiligkeit der Neutralität Belgiens
einzustehen. Daß aber England nie
uials die Neutralität eines Landes
achtet, wo dies seinen Interessen zu
wider ist. dafür ist das Bombarde
ment aus die Tardanelleil daS tref
fendste Beispiel. Die Basis nämlich
für die britische und die französische
Flotte, die sich nun schon seit Wochen
rergeblich bemühen, die Dardanellen
zu bezwingen, befindet sich auf einer
der Inseln im Aegäischen Meere, ei
ner Insel also, die Griechenland ge
bort. (Griechenland aber ist ein neu
lralcr Staat. England läht sich
aber nicht im mindesten stören, das
Gebiet des neutralen Griechenland
für seine Zwecke zu benutzen, wenn
die Notwendigkeit, das beißt, was
England für notwendig erach
tct. es erfordert. Tas ist, wie ge
sagt, bezeichnend. Aber auch ohne
diese Tatsache bat man ja gewußt,
was man von dem englischen Phra
s.'ngedrcsche über die Heiligkeit von
Verträgen und Neutralität zu halten
l)Ot.-
Auguren c
Tie Schlesische Zeitung schreibt:
Im alten Rom weissagten die Au
guren aus den Eingeweiden des Fe
derviehs, und wenn sie unter sich wa
ren lächelten sie darüber. Jetzt lä
dielt schon die Gemeinde, wenn man
liier ans dein Inhalt der Zeitungen
Schlüsse aus die Zukunft zieht und
den Zustand von Herz, Nieren, Leber
und Verdauungsapparat der Presse
prophetisch auslegt. Ter Befund
bat schon 31t oft getäuscht, weil er tag
licli wechselt. Gleichwohl läßt sich
nicht in Abrede stellen, daß die Zei
tungen mit der Politik der Neuzeit
ursächlicher zusammenhängen als die
Hühner nnt den Staatsereignessen
deö Altertums. Ter Umstand, daß
sie von einem Tage zum anderen fccr
fchiedene Standpunkte vertreten und
immer Vexierbilder gegeben haben,
beweist nichts gegen ihre Fühlung
mit den Stellen, wo die leitenden
Kräfte des Staates sitzen, im Gegen
teil: da an diesen Stellen selbst, wie
es scheint, die Richtung mehrfach ge
wechselt und man gestern noch nicht
'.wußt halte, waö man beute tun
werde, ist die Presse wobl so ziemlich
cu dem Laufenden gewesen. Tes
bald !ieß sich au-? ihr um so weniger
auf die Zukunft schließen. Wenn
letzter Tage dennoch etwas Stetigkeit
in die Linie, oder sagen wir besser,
etwas fthntmn in den Zickzack ge
lommeu, so bietet dies noch keine
Bürgschaft für den weiteren Verlauf
WopI aber verdient die Tatsache, die
immerhin neu ist, verzeichnet zu
werden.
:!m klarsten zeigt sich die neue
!l'ich!ung in der Turiner Stanlva",
einer der wenigen italienischen Zei
tungen. die auf ernsthafte politische
Erörterungen Wert legen und sich in
dieser Hinsicht mit deutschen Blättern
vergleichen lassen Tie Stampa"
berichtete dieser Tage: In Regie
rnngskreisen überwiege jetzt ein be
richtigster Optimismus im Hinblick
darauf, daß sich eine Grundlage zu
Verhandlungen finden lasse, die zu
einer Verständiguvg mit XXstemich
und Teutschland führen Teutlicher
spricht sich das von ministerieller Sei
te meist gut unterrichtete Blatt ans,
indem es sich gegen die Ueberpatrio
ten wendet, die jedes Zugeständnis,
das von Oesterreich kommen könnte,
zunr voraus zu entwerten suchen. Na
türlich dürfe inan nicht von freund
nachbarlichen Verhandlungen ein Er
gebnis erwarten, wie es durch einen
siegreichen Krieg zu erringen wäre.
Zugleich giebt die .Stampa" den Ir
redentisten, die immer mir über die
österreichische Grenze schielen, eine
scharfe Belehrung in Form einer Po
lemik gegen Ssasonow, der dieItalie
ner mit der Erfüllung ibrer ..natio
nalen Aspirationen", zum Kampfe an
Rußlands Seite anzufeuern suchte.
Für Italiens Zukunft komme es we
niger darauf an, diese und jene von
Italienern bevölkerten Gebiete zu
erwerben, als Raum zur Entfaltung
einer großen Politik zu gewinnen.
Ter jetzige nationale Gemütszustand,
der in Trient und Triest sein Ideal
sehe, müsse überwunden werden.
Auch die Herrschaft in der Adria sei
an sich kein Ziel, keine Lebensfrage
für ein Italien, das seiner höheren
Bestimmung entgegengehen wolle.
Sein Machtgebiet der Zukunft sei
das Mittelländische Meer, das von
Italienern beherrscht wurde, als sie
noch kein geeintes Volk waren, son
dern von einzelnen Städten, von Pi
sa, Genua, Venedig aus ihre Tee
geltung übten. So entwickelt die
Stampa" ein Programm deS grö
ßeren Italiens, das der Politik des
Treiverbandes schnurgerade zuwi
derläust, ein Programm der heili
gen Rückforderungen, über die es sei
ne Erörterung weiter gibt, das ein
zige, das überhaut Bestand hat."
Und sie fügt hinzu: Ein großer
Krieg wie derjenige, zu welchem wir
von einem Augenblick zum anderen
berusen werden können, darf nur für
eine große Politik gewollt und ge
führt werden."
Inzwischen wird weiter gerüstet;
dem Kriegsminister sind wieder 170
Millionen zur Verfügung gestellt
worden, die Einberufung von Mann
schaften nimmt ihren Fortgang. Eine
der schwierigsten Fragen, die Be
schattung von Steinkohle, harrt noch
ihrer Lösung. Tie Presse beschäftigt
sich mit ihr nicht in dem Maße ihrer
Wichtigkeit. Das einzige Land näm
lich, das jetzt wirksam helfen könnte,
ist Deutschland, da der Bezug aus
England, das in Friedenszeiten die
appeninische Halbinsel versorgte, im
mer schwieriger, kostspieliger und
spärlicher wird. Kohle braucht man
zu Kriegen ebenso wie zum Betriebe
des Wirtschastslebens. Deutsche Kohle
besteht den Wettbewerb mit der eng
lischen in gewöhnlichen Zeitläuften
bis Genua. Um den Italienern ent
gegenzukommen, hat Teutschland sei
nen Eisenbahnfrachtsatz schon vorMo
naten ermäßigt, desgleichen die
Schweiz. Beide Staaten haben aber
das gemeinsame Interesse, daß Ita
lien nicht in den Kampf für den Drei
verband zieht, die Schweiz besonders,
weil sie dann von kriegführenden
Mächten eingeschlossen und von jeder
Znfuhr abgeschnitten würde Aus
dieser Sachlage ergeben sich Folgen,
die, wenn sie anch in Italien noch
nicht öffentlich erörtert werden, da
rnm doch nicht weniger zwingende
Kraft haben.
Um so lebhafter beschäftigt sich die
Presse mit Ricciotti Garibaldi, der in
London jetzt sechs Millionen schnor
ren möchte, um ein Heer von 30,000
Freiwilligen auf die Beine zu brin
gen wie Londoner Blätter sagen,
zum Kamps in den Argonnen, oder,
wie die italienischen Heißsporne be
schönigcn, zunl Einfall in Talmatien.
Um sein Gesuch dem Londoner Lord
manor mundgerecht zu machen, be
tont er die Billigkeit des Preises und
erklärt (nach dem Bericht des
Star"): Wir Italiener brauchen
weder Fleisch noch Marmelade. Wenn
die Garibaldiancr einen Tag Käse
und den anderen Tag trocken Brot
haben, sind sie schon zufrieden. Wir
verlangen keinen Komfort." Billi
s.er läßt fichs allerdings nicht rna
chcn': 200 Lire pro Kopf zur Aus
rüslung und Ernährung für den
ganzen Ieldzug. Ricciottis Lauds
lcute aber finden, daß das doch ein
zu starkes Stück ist und der nciiona
Jen Ehre Hohn spricht. Seine eige
nen Parteigenossen von der römischen
republikanischen Sektion lehren in
einer feierlichen Tagesordnung, die
das Ganze noch als ein Mißverständ
nis behandelt. Bezahlung für
T'ensie, die nur a'is I;rt und
ivii.crn Idealismus geleistet werden
dürsten, rundweg cii Ueber dalic
ni ac aber, was man als Mißver
ständnis hinzustellen sncht, besteht bei
den Wissenden fe-i Zweifel. Und
wer wüßte in ItV.:i nicht über Nie
ciotti Garibaldis Geschäftssinn Be
scheid ? Tieser Träger de? volkstün'.
lichsten Namens mag in Frankreich
und England als Stimmführer sei
ner Nation gelten; in Italien aber
kennt man ihn zu genau, um !lrn so
einzuschätzen. Alle Welt ist da ein
geweiht, und die Anguren. die unter
sich lächeln, zählen in diesem Falle
nach Millionen. Oeffentlich aber
brach ein schöner Sturm der Entrü
stung aus, weil man nicht gewillt ist,
den Schandfleck auf der nationalen
Ebre sitzen zu lassen. Ricciotti Gari
bald! erwirbt sich das Verdienst, seine
Landklentc endlich cinnial in einer
der brenncndenKriegsfragcn einig zu
machen.
Heues au
Natur- und Seilkunde
Kartoffeln in der Schale.
Ter Bund der Landwirte in
Deutschland macht darauf aufmerk
sam. daß durch das Kochen der Kar
toffeln in geschältem Zustande nicht
nur eine pekuniäre, sondern auch eint
Einbuße an gesundheitlich höchst wert
voller Nährstoffsubstanz herbeigeführt
wird. In einer längeren Äbhand
lung hat Hcfzahnarzt Dr. Lohmann
eingehend auseinandergesetzt, welche
bedeutsame Rolle die sowohl bei
Kartoffeln wie bei anderen Früchten
und Getreidekörnern dicht unter der
äußersten Schale abgelagerten stick
stosfhaltigen Substanzen. Vitamine
genannt, bei der Gesundheitspflege
spielen. ES werden zahlreiche Bei
spiele dafür angeführt, daß das
Fehlen dieses Vitamins in der Nah
rung Ursache schwerer Krankheiten ge
worden ist und daß die Heilung sol.
cher oft nur durch spätere verstärkte
Zufuhr dieses Nährstoffes in den
menschlichen oder auch tierischen Or
ganismus erreicht werden konnte. Im
Hinblick auf diese erst in neuerer Zeit
festgestellten, früher unaufgeklärt ge
bliebenen Krankheitsursachen muß der
Genuß von sogenannten Pellkartoffeln
(gleich dem von Schrotbrot) auch aus
gesundheitspfleglichn Gründen drin
gend angeraten werden. Der Ge
währsmann, in dessen Haushaltung
schon seit Jahren die Kartoffeln aus
nahmslvs mit der Schale gekocht
werden, gibt auch aus praktischer Er
fahrung heraus an, wie die Kartoffel
behandelt werden muß. wenn sie z.
B. im Gemisch mit Gemüse oder zu
Suppe. Klößen und Kartoffelkuchen
usw. Verwendung finden soll. Auch
dann sollten die Kartoffeln zunächst
für sich allein mit der Schale enge
kocht werden, so lange, bis sich die
Schale leicht abziehen laßt. Nachdem
dies geschehen, was in viel kürzerer
Zeit alö bei der rohen Kartoffel aus
führbar ist. werden die halbgaren
Kartoffeln im Gemüse zur Suppe
weiter gekocht, zu Kartosfelklößen oder
-kucken (Puffer) können sie, so wie
sie sind (halbgar) zerrieben werden.
Will jemand durchaus Salzkartoffeln
ohne Schale auf den Tisch bringen,
so soll er die Kartoffeln ebenfalls erst
halb gar kochen, schälen und geschält
mit wenig Wasser und Salz fertig !o
chen. das jetzt in dies Wasser über
gegangen: wertvolle Vitamin sich aber
dadurch erhalten, daß er dieses Waffer
zur Herstellung einer Suppe benutzt.
Acrztlichc Gebote für Kricqsvcr
wundrtc.
Zur Verhütung des Krüppeltums
bei den Verwundeten hat der Freibur
ger Chirurg Prof. Dr. Ritschl eine
Reihe von Leitfäden ausgearbeitet,
die er in der Deutschen Medizinischen
Wochenschrift veröffentlicht und die
als Plakate in den Lazaretten aufge
hängt werden sollen, damit Verwunde
te und Aerzte ständig an diese not
wendigen Maßnahmen erinnert wer
den. Wir geben von diesen zwölf
Geboten die neun ersten, allgemeinere
Ratschläge enthaltenden, wieder: 1.
Sei eingedenk, daß Ruhe den Gelenken
(Steifigkeit) und Muskeln (Abwäge
rung und Schwäche) schädlich ist. 2.
Verlaß dich nicht darauf, daß, nach
dem die Gewebstrennungen geheilt
sind, die Bewegungsstörungen durch
eine orthopädifch: oder mediko-mccha
nische Nachbehandlung bekämpft wer
den können, sondern sucke sie mit allen
Mitteln vom Kranken fern zu halten.
Weise aber in schweren Fällen die
Kranken der Nachbehandlung sobald
als möglich zu. damit Zeit, Mühe und
Geld gespart werden. 3. Beschränke
die Nuhizstellung der Gelenke auf daZ
geringste Maß und suche sie häufig,
sobald s die Heilung der Wunden
nnd Knochenbrüche zuläßt, zu unter
brechen (veränderte Winkelstellung,
Bewegungen.) 4. Erhalte die kost
bare Kraft in den durch Ruhe ge
fährdeten Muskeln nach Möglichlich
Zeit durch frühzeitig einsetzende regel
mäßige Massage, Elektrisierung und
unter deiner Aufsicht vom Kranken
auszuführende Eigen- (aktive) Bewe
gungen ohne und mit äußeren Wider
standen. 5. Gedenke, daß die Streck
muskeln dem Schwunde weit schneller
anheim fallen als die Beugemuskeln.
Suche vor allem dem Arm seinen
Hebr (Deltamuskel) und dem Knie
seinen Strecker (Quadriceps femoris)
leistungsfähig zu erhalten, denn ihre
Schwächung macht das betreffende
Glied in hohem Grade minderwertig.
6. Stelle die Gelenke auf längere
Zeit, falls dieses der Gewebstrennun
gen wegen nicht zu vermeiden ist, in
solchen Stellungen fest, daß deren
Versteifung gegebenenfalls dem Gliede
e- möglichst wenig erschwert sich zu
betatigen. und zwar: das Schulter
gelenk in der üblichen durch ein
Tragtuch gesicherten Ruhelage. Das
Ellbogengelenk rechtwinklig. Das
Vorderarmdrebgelenk in Einwärts
drehung. Das Handgelenk über
streckt in der beim Scorziben und der
beim festen Schlieeßn der Faust sich
von selbst ergebenden Stellung. Die
Fingergelenke leicht gebeugt. Das
Hüftgelenk leicht gebeugt und ab
gespreizt. DaS Kniegelenk leicht ge
beugt. Dos Fußgelenk etwa
rechtwinklig und leicht einwärts ge
dreht. 7. Verhuke. datz Me Hand
eines in der Schlinge ruhenden Ar,
meS durch ihre Schwere in Beuzift??,
lmiz sinke, denn diese Lage begünstigt
Versteifungen der Fwger in Streck
lege und beeinträchtigt den Faust
lchluß ..8.Tkhalte den türmn ihr
Äewegttchlett. stiege s ntfjt un
nötig in Verbände mit em und vergiß
nie. den Kranken zu ermähnen, feine
Finger durch fortgesetztes auöziebiges
Bewegen sor Versteifung . zu bewah
ren. Erhalte dem Verwundeien nach
Möglichkeit eine natürliche Greifzange,
denn eine künstliche Hand ist gefühl
los und dadurch einem lebenden Hand
rest gegenüber minderwertig. 9. Re.
ge den Bluiumlauf besonders bei bett
Iägerigen Kranken durch Bewegungs
übungen der Glieder, auch Tiefatmun
gen, an. denn eine gesteigerte Blutbe
wegung verleiht den inneren Organen
wohltuende Anregungen ud steigert die
Ernährung - und Regeneratisnkkraft
der Gewebe.
Excrzierknochcu.
ES . gibt eine Entzündung von
Muskelgeweben, die mit Ablagerung
von Kalksalzen einhergeht und dadurch
zur Bildung von Knochen an Stellen
führt, wo wir solche zu finden nicht
gewohnt sind. Die häufigste Ursache
für eine MuSkelentzündung mit nach-
folgenoer Knochenblldung ,xt sorlge
fetzter Reiz durch Druck und Stoß;
der Stand, der am häufigsten davon
betroffen wird, ist der Soldatenstand.
Derartige Neubildungen heißen daher
ganz allgemein Exerzierknochen. Ihr
häufigster Sitz ist der dreieckige Schul
termuskel. den bei dem Griff: Faßt
das Gewehr an!" jedesmal ein siar
ker Schlag zu treffen pflegte. Der
gleiche Reiz entsteht aber auch beim
Schießen in fehlerhaftem Anschlag,
wobei der Rückstoß den genannten
Muskel mit voller Gewalt trifft.
Exerzierknochen finden sich auch an
den Oberarmen, besonders bei Bajo
nettfechten, und an den Beinen, hier
meist als Reitknochen" bezeichnet.
Sie finden sich teils an der Innen
feite der Oberschenkel in den Muskeln,
welche die Bein zusammenziehen,
teils an der Außenseite in solchen
Muskeln, die dauernd dem Anschlag
des SäbelkorbeZ beim Galoppieren
ausgesetzt sind. Kleine Anfänge von
Exerzier- bezw. Reitknochen können
sich durch längere Ruhe zurückbilden,
größere müssen durch eine Operation
entfernt werden. Da nur etwa 17
Prozent der Erkrankten wieder dienst
brauchbar werden, verdient dieses
Leiden auch heute noch ernste Beach
tung seitens der Militärbehörden.
5
Angstträume englischer Soldaten.
Ein Mitarbeiter der englischen me
dizinischen Wochenschrift The Lan
cet". der als Arzt im Felde tätig ist,
hat die psychischen Folgeerscheinungen
der Aufregungen untersucht, die der
Krieg mit sich bringt. Er stellte bei
den englischen Soldaten, einen häufi
qen nervösen Zusammenbruch fest.
'Manche solcher Fälle sind sicherlich
hoffnungslos, aber es gibt auch ande
re, und diese sind glücklicherweise in
der Ueberzahl, so daß aus diesen
psychisch Erkrankten bei guter Be
Handlung noch wieder nützliche Bür
ger werden können. Man sollte sol
che günstigeren Fälle nicht socleich in
Irrenhäusern unterbringen. Die
Schwierigkeit für die als untauglich
von der Front zurückgeschickten Sol
daten. im bürgerlichen Leben Beschäf
tigung zu finden, ist ohnehin sehr
groß und man sollte daher diesen ner
dös Erkrankten nicht das Stigma ei
nes Aufenthaltes im Irrenhause auf
prägen, wenn es nicht unbedingt not
wendig ist."
Soldaten von nervöser Veranla
gung reagieren in sehr starker Weise
auf den jähen Schrecken, den eine Ez
plosion in unmittelbarer Näbe her
vorruft. Bei manchen entwickelt sich
dann eine Neigung zum Nachtwan
deln. Man sieht sie mit allen Zei
chen des Entsetzens und der Angst auf
den Zügen, in halb bewußtlosem Zu
stände, wie sie nach ihrem Regiment
suchen. Die Furcht davor, von den
Kameraden getrennt zu werden, tritt
überhaupt mit sehr großer Häufig
keit auf. und dieses Grauen vor dem
Alleinsein spielt eine Hauptrolle in
den häufigsten Angstträumen, die man
bei Soldaten in der Feuerlinie
beobachtet. Sie träumen, daß sie end
los: Schützengräben entlang wandern,
die wie die Irrwege eines Labyrinths
in ewiger Folge ineinanderlaufen,
oder daß sie durch einsame dunkle
Wälder eilen auf der Flucht vor ei
nem unsichtbaren Feind, der ihnen
dicht auf den .Fersen ist. DaS leise
sie Geräusch während des Schlafes
ruft Visionen von explodierenden Gra
naten oder den Eindruck von dem
Tritt marschierende? Regimenter her
vor. Die Träumenden stoßen dann
laute Angstschreie aus und wecken da
durch die neben ihnen liegenden schla
senden Gefährten. Ein anderer ge
wohnlicher Alptraum des englischen
Soldaten ist der. daß plötzlich Alarm
geblasen wird und er nun seine Was
ftn nicht finden kann, in steigender
Angst nach ihnen sucht und schließlich
durch das heftige Hin- und Herwerfen.
von kaltem Schweiß bedeckt, aufwacht.
Andere Leute träumen, daß sie einem
Feinde das Bajonett in die Brust ge
bohrt haben und nun nicht imstande
sind. eS wieder herauszuziehen, wäh
rend sie selbst von allen Seiten an
gegriffen werden. DaS häufige Auf
treten solche? Träume ist ein Anzeichen
für eine schwere hysterische Elften
kung. Dichter nud Fcldarschall.
Radetzky Dank för GrillparzerS
Srieadbeskifternn.
Im Juni 1848 richtete Grillpar
r. der da takle MureichiM
Heer in schwungvollen Versen bei
verschiedenen Gelegenheiten besungen
hatte, an den ruhmreichen Feld
marschall Radetzky ein begeistertes
und schnell Begeisterung weckendes
Gedicht, auf das der erfreute Heer
führer in folgendem, am IS. Juni
au dem Hauptquartier zu Verona
abgesandten Briefe antwortete: Lie
der Freund! ES ist ein herrlicher
Gesang in meine Hand gekommen,
der meinen Namen und Ihre Un
terschrift tragt. Ich danke Ihnen
herzlich dafür, eS ist der wahre und
begeisterte. Ausdruck eines warmen
Vaterlandsfreundes, eingegeben durch
den schmerzlichen Anblick unseres
einst so mächtigen und glücklichen,
nur durch- eigene Schuld aebeuaten
Oesterreichs. - Fahre fort, so zu sin-!
gen, edler Barde, deine Gesänge wer. I
den die Herzen ergreifen, zu Kraft, !
Energie und Vaterlandsliebe fort' j
rr pi c i c i
ißcn. ms i ja ein orrecyi oes
begeisterten Sängerk. daß die Töne
seiner Leier oft glänzendere Siege'
erfechten, als das Schwert des Krie
gerS, denn sie dringen zum Herzen
und führen zurück auf den Pfad der
Tugend und Ehre. Ohne den g
weihten Sänger ist der Krieger
nichts, das wußten sie wohl, die Hel
den der alten klassischen Zeit. Wir
ken Sie im Vaterlande, wahrend
ich in der Fremde kämpfe. Leier
und Schwert, miteinander verbun
den, . sind eine große Macht. Ihr
ergebenster. Radetzky." Die ösierrei
chischen Truppen, in denen daS gluck
verheißende Gedicht GrillparzerS
mächtigen Widerhall fand, beschlos
sen, als' Ausdruck ihrer Dankbarkeit
dem Dichter ein Geschenk zu über
reichen, jedoch die Wechselfälle des
Zwar an Erfolgen reichen, aber
schwierigen FeldzugeS fügten es, daß
Radetzky den Dichter erst anv 26.
April 1850 bitten konnte, einen Po
kal als Andenken an die siegreiche
Armee anzunehmen. Bescheiden ant
wertete Grillparzer: ....Ich mich
der Freude überlassen, meine Pflicht
als Mensch und Staatsbürger getan
und mit den Resten eines in Ab
nähme begriffenen Talents Helden
herzen erquickt zu haben." Als kai
serliche Belohnung für daS Gedicht
an Radetzky erhielt Grillparzer den
LeopoldSorden. und diese AuSzeich
nung brachte der Fürst Schwarzen
berg. der Nachfolger des Fürsten
Metternich, dem Dichter in seine vier
Stockwerke hochgelegene Wohnung
in der Spiegelgasse. Die herrli
chen Verse." schrieb Schwarzenberg,
gedichtet in einer düsteren und
drangvollen Zeit, wirkten begeisternd
auf die Armee; sie hoben das sin
kende Nationalgefühl der Gutgesinn
ten und führten die Hoffnung und
Liebe für daL gemeinsame Vaterland
in manche österreichische Brust zu
ruck. Sie ehren gleichmäßig den
Dichter, Vaterlandsfreund und
Staatsbürger." Dem KriegSmini
sier aber, der den Dichter bei ande
rer Gelegenheit in einem Brief als
einen zur Armee gehörigen ?Nann
bezeichnet hatte, schrieb Grillparzer:
.Ja, ich gehöre der Armee an. Ich
habe für sie gezittert und gehofft,
habe mit ihr gelitten und gekämpft.
Ich gehöre der Armee an, weil in
ihr jene naturliche Empfindung der
Ehrenhaftigkeit, der Aufopferung,
der Treue, lebendig sind, die unsere
Zeit verloren hat. die mir die Wur
zeln aller menschlichen Existenz sind,
und ohne die jede Bildung und jedes
Talent nur ein übertünchte? Greuel,
eine verdoppelte Schlechtigkeit ist."
Schwarzbrot in England.
Daß der in England fast allge
mein veröreitete Genuß von Weiß
brot eine ungeheure Verschwenduna
darstellt, die sich auch das Jnselreich
trotz seiner großen Weizenzufuhr in
Kriegszeiten nicht gestatten kann, ist
ein Gedanke, der in der englischen
Presse immer stärker, hervorgekehrt
wird. Gegen dieses .sinnlose Weiß'
brotessen" wendet sich nun ein scharfe?
-lrtikel des British Medical Jour
nal", der die Anschauungen der Re
gierungskreise vertritt. Die reichen
Leute haben die Weißbrotmode ge
macht, und die armen Leute glauben,
daß das. was die Reichen essen, das
Beste sein muß", heißt es da. Es
müßte aber gerade in diesen Zeiten,
da man mit allen Dingen haushalten
soll, die Erkenntnis in England sich
Bahn brechen, daß die besten Nähr
werte beim Weißbrot verloren gehen
und daß das Schwarzbrot nahrhafter
und gesünder sei. Dem beängstigen
den Steigen der Weizenpreise könnt:
i:m besten dadurch begegnet werden,
daß man, die Nährwerte des Kornes
beim Mahlen und Backen besser aus
nütze. Die Vergeudung von Nah
rung, die jetzt in unserem Lande ge
trieben wird, ist kolossal und muh
aufhören, , wenn sie nicht schwere
Schäden nach sich ziehen will."
I n Providence wurde ein
Mann noch 1716 mit 20 Schilling
bestraft, weil er Sonntags ausgerit
ten war.
In Connecticut war es um
die Mitte deS 18. Jahrhunderts der
Frau nicht gestattet, Sonntags ihren
Mann zu küssen.
Vor 100 Jahren machten die
Franzosen mehr als ein Viert?! der
europäischen EroßmachtSangehörigen
aus. seht nur noch ein Zehntel.
DaS 35. Infanterie . Re
giment erhielt für sein verhaltn
in-der . Schlacht von Viondille allein
160 Eiserne Kreuze.
Im Rathau skeller von
Zuelenroda lagen friedlich zusammen
Weinlager, Stadtarchiv, Malztonnen,
Malzdarre und Follerkamm.tr.
Gelö nach, Europa
Geld.Anweisr.ngen nach Oesterreich.Ungarn und' ande
ren Ländern besorgen wir jetzt wieder stets anfs pünkt.
lichste wie bereits seit 10 Jahren.
mrscMeldBrosÄ
Offen täglich bis Uhr abends, sowie Sonntag Vor
mittags von 8 bis 12.
3E
cutsche
H Nur Sonntag,
im
Detroit Opern -Haus
Zum ersten Mal in Detroit gezeigt
Deutsche Kriegs-
1
Wmwelbilöer
Garantiert mit Genehmigung des grossen
Generalstabes in Berlin aufgenommen und' in
New York mit grossem Erfolg gezeigt.
Hindenburg an der Front
Kaiser WilhelmöTruppenrevue inFeindesland
Zeppelin in voller Fahrt
und Hunderte interessante Szenen vom Schlachtfelde
Preise, 25c und Sc.
UVorfiihrimgcn:!!'
Kasseneröffnung Sonntag vormittag um 11 Uhr 30 Min.,
außerdem 1 Stunde vor Beginn jeder Vorführung.
Vorverkauf täglich im Opern Haufe.
U
8äffoWte Nasc und Kopf sofort
frei gemacht Heilt Katarrh
Luftwege werden sofort gereinigt ;
atmen frei, der peinliche Aus
wnrf wird beseitigt, Erkältungen
im Kopf nnd dumpfe Kopfschmer
zen verschwinden.
Kaufen Sie immerhin eine kleine
! Flasche, nur um einen Versuch zu ma
chen bringen Sie ein wenig davon
in die Nasenlöcher, und Ihre verstopf
te Nase und die Luftwege des Kopfes
werden sich öffnen; Sie werden frei
atmen; bis zum nächsten Morgen sind
die Kopfschmerzen, der Katarrh und
der wehe Hals verfchwunden.
Befeitigcn Sie das Uebel jetzt, in
dem Sie eine kleine Flasche von Cly's
Crcam Balin" in irgend einer Apo
Ter Erfinder des Schrapnells.
In einer Zeit, in der daS Schrop
ncll als tot und verderbeubringeudes
Zerstönlngsmittel eine so behcrr
schende Rolle spielt, ist es vielleicht
angezeigt, an den Erfinder dieser mit
Kugeln und einer Sprengladllng ge
füllten Hohlgcichofsc zu erinnern, den
Erfinder, dein die Kartätschcngranate
auch ihren Namen verdankt. Henry
Thrapncll wurde am 3 Juni 1701
in Midnay bei Bradford geboren.
Trotz den dürftigen Verhältnissen, in
benen er aufwuchs, fand der intelli
gcnte Jüngling Mittel, sich zu bilden
und machte solche Fortschritte, daß er
bereits im Jabre 1779 als Leutnant
der Artillerie eingestellt wurde. Er
wurde zunächst nach Neufundland ge
schickt, wo er zum Oberleutnant auf
rückte. Im Jahre 1784 kehrte er
nach England zurück.um sich hier an
gelegentlichst mit den ballistischen
Studien zu beschäftigen, die seinen
Namen berühmt machen sollten. Er
hatte zuerst den Gedanken, in das Ar
tillcriegcschoß runde Kugeln und eine
Sprengladung in einer Zusammen
setzung zu mischen, daß eine Erplosion
herbeigeführt wurde. Tas englische
Heer führte unverzüglich die neuen
Geschosse bei der Artillerie ein; ob
wohl die primitiven Vorgänger der
Heutigen Schrapnells noch manches
zu wünschen übrig ließen, trat ihr
Wirkungscffekt doch ichon in dcnKric
gen mit Spanien und Portugal zum
Schaden des französischen Gegners
fcharf hervor. In einem unter dem
13. Oktober 1808 an Sir John Win
clair gerichteten Briefe bezeugte Wel
lington ausdrücklich diese hervorra
genden Dienste, die das Schrapnell
der englischen Armee geleistet hatte,
und er schlug vor, daß seinem Erfin
der eine Belohnung von Staatswegen
Zuerkannt werde. Gleichzeitig sprach
sicb auch der General der Artillerie
William Liebe überaus lobend über
JL
heraus !
ZI.Mrz
thcke kaufen. Dieser süszc. reine Bal
sam beseitigt die Entzündung der Na
scnlöcher. zieht ein und heilt die ent
zündeten, geschwollenen Schleimhäute
der Nase, des Kopfes und des HalfeS;
reinigt die Luftwege: beseitigt die
peinlichen Auswürfe, wirkt sofort hei
lend und lindernd.
Liegen Sie heute Nacht nicht fchlaf
los nach Ateur ringend, mit verstopf
ten Nascnlöchcnr, hustend. Katarrh
oder eine Erkältung, mit den lästigen,
faulen Auswürfen und entzündetem
Hals find wirklich nicht nötig.
Setzen Sie Ihr Vertrauen nur
einmal in Gig's Crcam Balm".
und Ihre Erkältung oder Katarrh
verschwinden sicher. (Anz.)
das 'Schrapnell aus. und das gleiche
tat später Sir George Wood, der her
vorhob. daß die Schrapnells in hohem
Grade dazu beigetragen hätten, den
Erfolg der Verbündeten bei Vaterlos
herbeizuführen. Inzwischen batte
Sbrapnel in Gibraltar, in den An
tillen und in Flandern seine rum
reiche militärische Lauibahn tortg?
setzt. Er war 1793 bei der Belage
Nlng von Tünkirchcn verwundet und
1813 zum Obersten ernannt worden.
Tas aktive Vaffenhandwcrk hat ihn
nicht gehindert, seine Arbeiten zu!
Vervollkommnung des Geschützwesens
fortzusetzen. Arbeiten, die in einer
Reibe praktischer Verbesserungen am
Geschütz ihren Ausdruck fanden. Bei
diesen Arbeiten hatte er aber seine
(Geldmittel erschöpft und fah sich ge
nötigt, das Kriegöministcrium um
Unterstützung zu bitten, eine Bitte,
die mit den das bureaulratische W?
sen kennzeichnenden Worten abge
lehnt wurde: Tie Direktion der Ar
tillerie besitzt keinen Fonds, der ihr
gestattet, das Verdienst zu belohnen".
Gleichwohl entschloß sich die engliscbe
?Zcgierung später, dem Erfinder in
Anerkennung seiner dem Heere ge
leisteten Neuste et Ia5re?pension
von 25,000 Mark zu bewilligen.
In England werden jetzt alte,
unbrauchbare Handelsschiffe von
Holz mit hölzernen Schcinkanonen
besetzt und so angestrichen, daß der
Feind sie für Kriegsschiffe kalten soll.
Diese hölzernen Kriegsschiffe sind gar
nichts; die von den Engländern auf
dein Lande gebrauchten Listen sind
noch viel schlauer. Kitchencr stellt
jetzt achtzehn Papierne Armeekorps
auf.
Berlin behauptet. 781.000
Kriegsgefangene seien in deutschen
Lagen:. (N. ?). Times.) Die
une? bczwnzelt das osscnbar und
mit Recht es sind inzwischen schon
wieder iweitaujmd dazugekommen..

xml | txt