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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, May 29, 1915, Image 2

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SticklZoff-Eyemie.
Von HanS Domini k.
Ein altes chemisches Witzmort be
sagt, daß man so ziemlich den Inhalt
der gesammten organisirtett Welt aus
drücken kann, wenn man den Namen
(lohn" niederschreibt. Zum Verstand
nis dieser Behauptung muß auf di:
chemische Formelsprache eingegangen
werden. C bedeutet den Kohlenstoff,
lateinisch Carbo. O den Sauerstoff
lateinisch Oxygenium. H den Wasser
stoff. lateinisch Hydrozenium und N
schließlich den Stickstoff, lateinisch Nit-,
rzenium. Betrachten wir nach dieser
Zeichendeutunz Herrn COHN noch ein
mal. so entdecken wir in seinem Na
men sofort eine ganze Reihe von alten
themischen Bekanntschaften. Co. die ein
fache Verbindung von Kohlenstoff und
Sauerstoff, ist das bekannte Kohlen
ozydgas, welches bei defekten Oefen so
manches Unheil gestiftet hat. Gliedern
sich dagegen zwei O an das C. so je
kommen wir die Kohlensäure, die uns
in den moussierenden Getränken er
frischt. OH ist die sogenannte Hydro-?yl-Gruppe.
die in der synthetischen
l5hemie eine wichtige Rolle spielt. Fin
det sich dagegen ein O mit zwei H zu
sammen. so erhalten wir reines Wasser,
ohne welches ja kein organisches Leben
denkbar ist. Stecken wir die Buchstaben
E und H zusammen, so gerathen wir
in das rroße Gebiet der Kohenwas
serstoffe. zu dem beispielsweise Petro
leum. Benzin. Benzol und hunderttau
send andere Körper gehören. Kommen
wir schließlick, zum Schlußbuchstaben
N. zum Stickstoff, so wird das Prob
lem erst recht interessant und abwechs
lungsreich. Der Stickstoff, ein farbloses Gas.
bildet bekanntlich vier Fünftel unserer
irdischen Atmotsphare. Seinem Cha
rakter nach muß man ihn als eine
wunderliche Mischung von Tücke und
Bravheit ansprechen. Auf der einen
Seite chemisch träge, nur mit den
wirksamsten chemischen Mitteln zur
Verbindung mit anderen Elementen
zu zwingen, und bereit, wegen irgend
einer Kleinigkeit die eben eingegangene
Verbindung sofort wieder unter Ton
ner und Blitz aufzugeben, weswegen
er denn auch :n unserer Sprengstoff
industrie eine 'o wichtige Rolle spielt.
Auf der anderen Seite der Träger al
ler jener Verbindungen, ohne die ir
gendwelches pflanzliche oder thierische
Leben absolut unmöglich wäre,
Das Schwankende seines Charakter
bildes kommt auch in der chemischen
Zahlenlehre, in der Theorie von den
chemischen Werthigkeiten oder Valen
zen zum Ausdruck. Betrachten wir das
Buchstabenbild COHN daraufhin noch
einmal. Darin vertritt H. der Wasser
stoff. die Zahl eins. Cr ist einwerthig.
hat sozusagen nur eine chemische Hand,
mit der er Irgendein anderes Element
packen und festhalten kann. O, der
Sauerstoff, ist zweimerthig. besitzt zwei
freie Hände, mit denen er beispielswei
se zwei einarmige Wasserstofftheile Pak
ken kann, um mit ihnen Wasser zu bil
den. C, der Kohlenstoff, ist vierwer
thig, hat vier Hände, und wegen die
ser und mancher anderer Eigenschaften
hat man ihn wohl gelegentlich als den
Affen unter den chemischen Elementen
bezeichnet. N aber, der Stickstoff, zeig!
auch hier sein doppeltes Weftn. Er
kann je nach Lust und Laune dreiwer
thig oder fünfwerthig sein, zeigt dies
mal bei allem Suchen nur drei Hände,
um jedesmal plötzlich mit fünfen anzu
treten. So ist und bleibt er ein wun
derlicher. ein wenig unheimlicher
selle. aber wir brauchen ihn zum Leben
unbedingt und müssen uns wohl oder
übel mit ihm anfreunden.
Betrachten wir die StickstoffJerbin
düngen, die in der Buchstabengrupp:
COHN möglich sind, so erhalten wir
auch sofort die drei großen, in der Na
wr vorkommenden Gruppen von Stick
stoffkörpern. Zwingen wir den Stick
stoff N zu einer Verbindung mit dem
Kohlenstoff C. so bekommen wir CN.
das sogenannte Cyan. Mag nun bei
.dieser Verbindung der Stickstoff dem
vierhändigen Kohlenstoff drei oder
fünf Hände bieten, in jedem Fall;
bleibt eine Hand übrig, an die wlr
noch irgend etwas hängen müssen, um
einen chemisch beständigen Stoff zu be
kommen. Bleiben wir in unseremWort
bild und wählen dafür den Wasserstoff
H, so bekommen wir CHN. das ist die
berüchtigte Blausäure, von welcher die
geringsten Dosen absolut tödtlich wir
ken. Nehmen wir dagegen das Kali, so
bekommen wir Zyankali, welches eben
falls durch seine außerordentliche Gif
tigkeit bekannt ist. Man sieht also, die
Verbindung zwischen Stickstoff und
Kohlenstoff hat es in sich un) ist mit
größter Vorsicht zu gebrauchen. Trotz
dem ist sie uns wegen ihrer chemischen
. Eigenschafte . in der Galvanoplastik.
Photographie und manchen metallur
gischen Betrieben vollkommen unent
behrlich. und Zyanverbindunzen wer
den dort jahraus, jahrein in großen
Mengen verbraucht.
Wenden wir uns zur zweiten Grup
pe der Verbindungen zwischen dem
Stickstoff N und dem Wasserstoff H.
Hier zeigt der Stickstoff bald drei,
bald fünf Hände. Packt er mit drei
Händen drei Wasserstofftheile, so ent
steht das Ammoniakgas. dessen Auflö
sung in Wasser wir wohl alle als söge
nannten Salmiak oder Salmiakgeist
kennen. Zeigt er dagegen fünf Hände
und packt vier Wasserstofftheile, wah
rend die fünfte Hand frei bleibt, um
irgend etwas anderes zu greifen, so
entsteht das Ammonium. Dies Ammo
nium zählt nun mit vielen seiner Ver
bindungen zu unseren werthvollsten
Düngemitteln. Diese sogenannten 2lrn
moniakverbindungen. die besonders bei
der Reinigung des Leuchtgases in ge
waltigen Mengen gewonnen werden,
werden von der deutschen Landwirth
schaft jahraus, jahrein im Betrage von
vielen Tausenden von Tonnen auf die
Aecker gebracht und tragen nicht wenig
zur Fruchtbarkeit des deutschen Bodens
bei.
Beschauen wir uns nun die dritte
Gruppe der Stickstoffkörper, die Ver
bindungen zwischen dem Stickstoff N
und dem Sauerstoff O. Stickstoff und
Sauerstoff bilden, wie bereits ?rwähnt.
den allergrößten Theil unserer Atmo
sphäre. Die Luft, die wir fortwährend
einathmen, besteht aus rund 80 Pro
zent reinem Stickstoff und 20 Prozent
reinem Sauerstoff.' In der Luft, die
wir ausathmen, ist der Sauerstoff zum
allergrößten Theile durch, den in jedem
lebendigen Körper vorgehenden Ver
brennungsprozeß in Kohlensäure um
gewandelt, d. h. an Kohlenstoff gebun
den, während der Stickstoff vrl5kom
men unverändert wieder ausgeathmet
wird. Man hat zwar behauptet, daß
sich auch Spuren von falpetrizen Säu
ren in der ausgeathmeten Luft befän
den. daß also ganz geringe Mengen des
Luftstickstoffes im menschlichen Körper
mit Sauerstoff und Wasserstoff ver
bunden werden, doch ist. der einwand
freie Beweis für dieseBehauptung nicht
erbracht.
In der That bedarf es seh? starker
Mittel, um den Stickstoff aus seiner
chemischen Trägheit aufzurütteln und
an den Sauerstoff zu schmieden. Ein
kräftiger Blitz, bei welchem gewaltige
Mengen elektrischer Energie gewaltsam
das Stickstoff-Sauerstoffmeer unserer
Atmosphäre durchpeitschen, ist gerade
das rechte Mittel dafür. Der zwingt
erst einmal den Sauerstoff und Stick
stoff zusammen und erzeugt die gas
förmige Verbindung beider Körper.
Dann aber geht die Entwicklung un
ter Mithilfe des Wassers weiter. Wo es
gewittert, da pflegt ja auch R?gen zu
fallen, pflegt die Luft mit Wasser, d.
b. der Verbindung von Sauerstoff und
Wasserstoff, durchsetzt zu sein. Das
Wasser aber wirft sich nun mit der
Stickstoff - Sauerstoffoerbindug zu
sammen. und es entsteht die Stickstoff
Sauerstoff - Wasserstoff - Verbindung
Salpetersäure. In der That enthält der
Regen während eines Gewitters stets
nachweisbare Spuren von Salpeter
säure, und die Behauptung vieler Gar
tenbesitzer. daß das sommerliche Regen
Wasser besser als Brunnenwasser zum
Bezießen der Beete sei. entbehrt nicht
der theoretischen Begründung. Denn
Salpetersäure und salpetersaure Salze
sind diejenigen Formen von stickstoff
haltigen Körpern, in denen die Pflan
zen ihren Stickstoffbedarf am liebsten
decken und aufnehmen.
Zum zweitenmal stoßen wir bei un
leren Betrachtungen auf das Verhält
nis zwischen Pflanze und Stickstoff.
Wir wissen, daß die Pflanze dei Stick
stoff zum Leben und zum Aufbau ihres
Körpers so nothwendig braucht, wie
der Mensch Brot und Fleisch. Aber
wir wissen auch, daß sie nicht imstande
ist. mit dem reinen Stickstoff 'oer Lut't
etwas anzufangen. Der reine Stick
stoff ist für die Pflanze genau so un
verdaulich wie etwa für den Menschen
der reine Kohlenstoff. Während der
menschliche Magen jene Verbindungen
von Kohlenstoff und Wasser, die wir
gewöhnlich als Stärke. Zucker und der
gleichen bezeichnen, gern verarbeitet,
müßte ein Mensch auf einen Haufen
Steinkohle neben einem fließenden
Bach verhungern. Er müßte es. obwohl
dieser Kohlcnhaufen und das Bachwas
ser bei geeigneter chemischer BeHand
lung den schönsten Zucker imo das lak
kerste Mehl ergeben könnten. Genau so
ergeht es der Pflanze mit dem Stick
stoff. Umwogt von einem Stickstoff
meer müßte sie an Stickstoffhunger .
gründe gehen, wenn man ihr diesen
Stickstoff nrcht verarbeitet, wenn man
ihn nicht in eine der genannten drei
großen Verbindungsgruppen: Cyan,
Ammoniak oder Salpeter, zwingt.
Daß dieses Zwingen ein ziemlich
niühselies Geschäft ist und beträchtli
che Energiemengen erfordert, haben wir
gesehen. Solange die Natur uns Stick
stoff in gebundener Form vorräthig
lieferte, hat man daher diese natürli
chen Vorräthe für die Zwecke der Land
wirthschaft herangezogen. Zuerst die
gewaltigen Guanolager auf den Inseln
im Atlantischen und Stillen Ozean
und danach die enormen natürlichen
Sctlpeterlager in Chile. Die Guanola
ger sind aber heute zum größten Theil
erschöpft. Und mit einer schließlichen
Erschöpfung des Chilisalpettts mußte
man ebenfalls rechnen. Seit vielen
Jahren hat sich daher die Elektrotech
nik und besonders die deutsche Elektro
technik mit dem Problem befaßt, den
Luftstickstoff chemisch zu binden, und sie
hat dies Problem auf mehrere Arten
gelöst. Man hat Apparate gebaut, gro
ße, röhrenartige Körper, in denen
fortwährend sozusagen ein gewaltiges,
natürliches , Gewitter stattfindet, in
denen in der Sekunde viele Tausende
äußerst kräftiger elektrischer Funken
überschlagen und den durchstreichenden
Luftstrom erschüttern. So entsielt die
Sauerstoff-Stickstoffverbindung. und
da die elektrisirte Luft sofort durch
Wasser geleitet wird, bildet sich Salpe
tersäure. Während man hier also die
naütrlichen Bildunzsvorgänge wäh
rend eines Gewitters technisch nach
ahmt, verläuft das zweite, das söge
nannte Kalk stickstoffverfahren, wesent
lich anders. Hier bringt man ?othg,lü
hendes, feingekörntes Kcrfziumkarbid
mit reinem Luftstickstoff zusammen,
und es entsteht ein neuer Körper, der
von den Landwirthen kurzwei Kalk
stickstoff genannt wird, während man
ihn chemisch richtig als Kalziumdica
namid bezeichnet. Dieser Kalkstikftoff
erfährt auf dem Acker unter dem Ein
flusse des Regens eine weitere Zerse
tzung in Körper der Ammoniak- und
Salpetergruppe und hat sich bereits
seit Jahren vorzüglich bewährt. Als
diese Bestrebungen, auf elektrischem
Wege Stickstoffdünger zu erzeugen,
einsetzten, wurden sie vielfach als aus
sichtslose Unternehmungen betrachtet.
Mit zäher Energie hat jedoch die deut
sche Elektrochemie an ihrer Ausbildung
gearbeitet, und heute im Weltkriege
verdanken wir es dieser Arbeit, daß
wir von den nur im Auslande vorkom
menden natürlichen Salpeter schätzen
unabhängig sind.
Eine AaGt auf Daggcrs
2?oint.
Novelle von Georg eDellavoß.
Woran denken Sie. Kapitän?"
Die schöne, blonde Frau beugte sich
aus ihrem Strandkorb heraus, zu dem
Manne nieder, der, zu ihren Füßen im
Sande hinzestreckt, in die Ferne starrte
und dessen andauerndes Schweigen sie
mit Ungeduld zu erfüllen begann.
Sie mußte ihre Frage wiederholen,
bevor er aus seiner Versunkenheit her
aus zum Bewußtsein ihrer Gegenwart
kam und sie erstaunt anschaute.
'Was sagten Sie. Frau Edith?"
Ich meine, wo sind Ihre Gedanken
hin? Seit einer Stunde haben .Sie
kein Wort gesprochen. Was fesselt
Ihre Aufmerksamkeit da draußen im
Meer?"
Der Angeredete richtete sich langsam
auf. so daß sein Kopf mit dem reichen,
kurz gekrausten Blondhaare dicht neben
den Knieen der schönen Frau auf
tauchte. Dort draußen nein, sehen Sie,
dort!" Er erfaßte die schlanke Hand,
die auf dem weißen Kleide ruhte und
deutete mit ihr auf das Meer hinaus.
Dort draußen die große Klippe?"
Ich sehe etwas undeutlich zwischen
Himmel und Waer die Sonne
blendet zu sehr "
Das ist Daggers Point. Ein wil
des Klippenwirk ziemlich weit von
der Küste entfernt. Ihnen erfchynt es
als ein undeutliches Gebildet, für mich
steht es klar da mit jeder Schroffe,
jeder Zacke! Es hat sich mir so einze
prägt, daß ich. trotz der Jahre, es vor
mir sehen kann, wenn ich nur die Au
gen schließe!"
Haben Sie so Unvergeßliches dort
erlebt?"
Der Kapitän schwieg eine Weile.
Dann wendeten sich seine grauen Au
gen, scharf wie die des Seeadlers, von
dem schattenhaften Bild der Klippen ab
und streiften das schöne Gesicht, das sich
zu ihm niederbeugte, mit einem nach
denklichen Blick.
,Zch kann Ihnen die Geschichte er
zählen." sagte er. Vielleicht langweile
ich Sie damit, denn sie ist eigentlich ein
Nichts, ein flüchtiges Erlebnis, das
Hunderte schon längst vergessen hät
ten. Nur ich komme davon nichts los!
Und besonders an einem Tag. wie der
heutige, einem blauen Sommertaz. der
so ganz wie der ist. an dem ich es er
lebte!" Erzählen Sie doch!" bat Frau
Edith.
Es war nach dem Burenkriege. Ich
hatte ihn als ganz junger Offizier
mitgemacht und als der Friede schon
vor der Thüre stand, auf einem Retog
uoszirungsritte aus dem Hinterhalt
einen Schuß bekommen, der mich für
den Rest des Feldzuges auf den Rücken
legte. Die Verwundetentransporte wa
ren mit großen Schwierigkeiten ver
bunden, so daß meine an und für sich
nicht so schwere Verletzung sich bös
verschlimmert hatte, bis ich endlich in
ordentliche Pflege kam. Es dauerte lan
ge, bevor ich wieder auf den Beinen
war und man hielt die lange Seereise
und das englische Klima nicht günstig
für mich, sondern schickte mich zur völ
ligen Erholung an die See. v
Hierher! Der kleine Badeort war
damals noch viel kleiner und fast un
besucht. Man hatte keine Lust dazu.
Trotz der geringen Anzahl der Gäste
blieb fast jeder für sich allein der
Krie hatte eben alles aufgerührt und
durcleinandergeworfen und das ggen
seitize Mißtrauen war noch zu groß,
als daß jemand mit einem englischen
Offizier etwas hätte zu thun haben
wollen. Es war ein merkwürdiger Zu
fall, daß ich'trotzdem die Bekanntschaft
der Faiailie einer Tranvaaler Gutsbe
sitzers machte, der. selbst Jrlander von
Geburt, seit Jahren im Lande war
und auch eine reiche Holländerin gehei
rathet hatte. Er hatte seine Frau und
die beiden Töchter hergebracht und be
suchte, sie zuwe-len. ich bekam ihn im
mer nur flüchtig zu Gesicht. Tagegen
wurde ich mit den Damen sehr be
freundet und, war der tägliche Gesell
schafter der Mädchen, da die Mutter
zu bequem war, um an den vielen
Ausflügen zu Land und zu Wasser
teilzunehmen, die wir veranstalteten."
Waren die Mädchen schön?"
Die Frage habe ich erwartet!" sagte
der Kapitän. Ja, sie waren beide sehr
schön! Große, schlanke Blondinen, mit
wundervoller Samthaut und herrlichen
Augen. Das Seltsame war. daß sie
Zwillinge waren und daß die erstaun
liche Aehnlichkeit sofort verschwand,
wenn man sie nebeneinander sah! Nicht
nur. daß die Augen verschieden waren,
auch der ganze Gesichtsausdruck wa:
anders, ihren verschiedenen Tempera
menten gemäß. Denn Elsie glich der
gleichmüthizen holländischen Mutter,
während Norah das hitzige irische Blut
ihres Vaters geerbt hatte."
Da waren Sie wohl sehr verliebt?"
saa.te die schöne Frau etwas, mühsam.
Das war ich eben nicht! Ich war
ein junger Mensch, der von einem
schweren Krankenlager erstanden war,
auf dem er mehr als einmal geglaubt
hatte, seine Knochen in dem fremden
Lande lassen zu müssen. Da war mir
nun die ganze Welt neu und schön ge
worden, ein herrliches Geschenk, das
täglich neu genossen wurde und die
Daseinsfreude beherrschte mich viel zu
sehr, als daß ich anderer Gefühle fähig
gewesen wäre! Freilich machte ich ihnen
den Hof das gehörte eben mit zum
Sonntag! Aber weiter dachte ich nicht!
Eines Nachmittags also untcrnah
men wir eine Segelpartie nach den
Klippen dort drüben Daggers
Point! Es war herrliches Wetter, ein
wenig schwül, aber der Himmel ganz
klar und nur ein leichter Dunst am
Horizont ganz so wie heute! Wir
hatten wenig Wind, so daß wir viel
kreuzen mußten und später unser Ziel
errreichten, als wir gerechnet hatten.
Die Sonne stand schon ziemlich tief im
Westen, als wir das Boot am Rande
der Klippen befestigen konnten. Dag
gers Point sieht von hier ganz unan
sehnlich aus die Klippen sind auch
nicht besonders hoch und können auch
nur zur Ebbezeit besucht werden
aber in Wirklichkeit sind sie ein wildes
Gewirr von Blöcken und nadelspitzen
Schroffen, auf denen kaum ein Fuß
Halt findet. Nur auf halber Höhe ist
dies der Fall, dort befindet sich eine
kleine Plattform, auf der zur Noth
fünf oder sechs Personen Platz haben.
Dorthin schleppten wir unseren Pro
vianthorb, den uns die alte Negerin ge
packt hatte, denn die Mutter kümmerte
sich nicht um solche Dinge. Während
die Mädchen ihn auspackten, kletterte
ich etwas aufwärts, so weit ich eben
konnte und bewunderte den herrlichen
Fernblick. Die Küste lag ganz unwahr
scheinlich weit, ein schmaler grüner
Streif und von einem feinen Dunst
umschleiert. Das Meer in feiner uner
meßlichen Ausdehnung war von einer
fast bedrückenden Stille und Oede
nirgends war das kleinste Segel sicht
bar. nur Himmel und Wasser. Dazu
die große Stille, man hörte kein Wel
lenrauschen, nur unten an den Klippen
plätscherte es leise und. in rythmischer
Wiederholung gegen die Felsen. Ich
weiß nicht, warum mich auf einmal
eine solche Traurigkeit überkam war
es die Einsamkeit hier oben, war es,
daß mir das Aussehen des Himmels
nicht gefiel, er hatte sich mit einem
weißlichen Dunst überzogen, der sich
gegen den Horizont zu verdunkelte
war es der scharfe Geruch des in der
Sonne faulenden Tanges, der reichlich
die Klippen deckte genug, ich be
schloß, eine baldige Heimfahrt vorzu
schlagen. Die Mädchen riefen mich schon unge
duldiq und so kletterte ich wieder hin
unter und nahm an der improvisirten
Tafel Platz. Aber meine gute Laune
wollte nicht wieder kommen, so viel
Mühe ich mir gab. mein Unbehagen
nicht merken zu lassen und auch die
Mädchen waren auffallend still gewor
den. War etwas zwischen ihnen vorze
fallen, während ich oben auf der Klippe
war Elsie war einsilbig und Norah
sichtlich reizbar, ihre dunklen Augen
hatten einen flackernden Blick und gin
gen ruhelos von einem zum andern.
Dabei wurde die Luft immer schwüler
und ich war froh, als die Mahlzeit be
endet war und ich Elsie helfen konnte,
den Korb wieder zu packen. Dabei ge
lang es mir doch, sie durch ein paar
Scherze zu erheitern und so bemerkten
wir Norahs Abwesenheit garnicht. Als
ich aufstand, um mich nach ihr umzu
sehen, fiel mein Blick auf das Meer
und das erste, was ich sah. war unser
Boot, das langsam, aber schon weit
draußen dahintrieb! Der Schreckens
ruf, denich ausgestoßen, hatte Elsie an
meine Seite gebracht und nun starrten
wir nebeneinander sprachlos dem Boo
te nach, das sich leise schaukelnd immer
weiter entfernte. Ihm nachschwimmen?
Es war schon zu weit weg. bewegte sich
immer rascher in der Strömung
und die. Haifische
Alles das kreuzte sich in meinem Ge
Hirn, als ein Schritt hinter uns auf
den Steinplatten erklang und Norah
neben uns stand. ,
Elsie stürzte auf sie zu.
Oh. Norah! Das Boot !"
Ich weiß!" gab sie mit einM Ach
selzucken, zurück.
Es war etwas in ihrem Blick, in ih
rer Stimme, das einen unsinnigen Ge
danken in mir aufschließen ließ!
Norah was haben Sie mit dem
Bdot gemacht?" stieß ich heraus, indem
ich ihre Hände faßte.
Ich habe es losgemacht!" antworte
te sie trotzig, ihre Hände aus den mei
nen reißend. Das Spiel hat lange ge
nug gedauert nun muß eine Ent
scheidung sein! Wir werden nicht frii
her von diesem Felsen gehen oder
wenn auch, so muh sie dennoch fallen!"
In Elsies Gesicht war ein dunkle?
Roth gestiegen, sie ließ das Taschen
tuch, das sie in den krampfhaft aeball
ten Handen gehalten hatte, fallen und
streckte sie flehend gegen die Schwester
aus. ,
Norah! Du wirst doch nicht "
Ich will wissen." Norah stampfte
erbittert mit dem Fuße, ob dieser
Mann Dich liebt ob er mit eine?
von uns beiden gespielt hat. oder mit
uns beiden zugleich! Oder ob er mich
liebt! Ich will Gewißheit haben! Und
für eine von uns wird er sich entschei
den müssen, bevor wir ans Land kom
men. sollten wir auch die Nacht hier
sitzen müssen!"
Sie war schöner denn je mit den
funkelndenAllgen und geratheten Wan
gen, aber ich hatte kein Auge für ihre
Lieblichkeit. Mein Lebenswille empörte
sich gegen diesen kopflosen Streich, gt
gen diese Aufwallung eines thörichten
Mädchens, die uns alle ins Verderben
schickte.
Wahnwitzige!" schrie ich auf. .Wis
sen Sie, was eine Nacht hier draußen
auf DaSgers Point bedeutet? Es ist
der Tod hören Sie? Der Tod! Der
Tod!"
Unsinn!" sagte sie verächtlich. Aber
die Farbe wich aus ihrem Gesichte u..d
die Hand fuhr unwillkürlich nach dem
Herzen.
Ich deutete nach den Felsen, die sich
hinter uns aufthürmten.
Wissen Sie. wie hoch die Fluth hier
steigt? Da sehen Sie den Tanz
dort oben hängen? So hoch steigt sie!
Ueber diese Plattform geht sie hinweg
und, bei Gott! Heute ist noch dazu
Vollmond! Das ist der Tod für uns
alle. Miß Norah! Sind Sie nun zu
frieden?" Sie brachte keinen Laut über. die
weißgewordenen Lippen. Elsie aber
flog auf mich zu und umklammerte
schluchzend meinen Arm.
O bitte, - sagen Sie nicht so etwas
Entsetzliches! Sagen Sie, daß Sie
uns 'schrecken, daß Sie Norah strafen
wollten! Es kann doch nicht sein, daß
wir hier sterben müssen!"
Ich sah die Todesangst in den schö
nen blauen Augen, fühlte das Zittern
der Arme, die mich umklammerten
aber ich empfand kein Mit'eid. Zu sehr
tobte in mir die Wuth, mein kaum ge
wonnenes Leben hier lassen zu müssen,
auf diese lächerliche, alberne Weise!
Weil ein Mädchen sich irgend eine un
gerechtfertigte Tollheit in den Kopf ge
setzt hatte.
Weiß irgend jemand am Land von
diesem Ausflug, Elsie?" fragte ich hei
ser. Ich glaube nicht." stammelte sie
hilflos. Mutter schlief ja und Dondy
versteht ja so etwas nicht Und das
Boot hat Norah besorgt Norah,
hast Du gesagt, wohin wir wollen?"
Nein!" kam es schroff von dem
Felsen herüber, an dem Norah lehnte.
Nun. ich habe zufällig auch nicht die
Gelegenheit gehabt, jemandem von die
sem famosen Ausflug Mittheilung zu
machen!" sagte ich mit erkünstelter Ru
he. So weiß niemand, daß wir hier
sind und man wird uns erst vermissen,
wenn die Ebbee vorüber ist. Das Was
ser beginnt ja schon zu steigen. Das
Boot ist seewärts getrieben worden,
wir sind also vor jeder Entdeckung si
cher. Nun können Sie unsere Chancen
selbst berechnen, meine Damen!"
Ich war roh in diesem Augenblick,
roh mit vollem Bewußtsein! Ich las es
in den Augen Elsies, die vor d?n mei
nen zurückwichen und zu der Schwester
hinüberirrten voll Todesangst. Aber
ich konnte nicht anders ich tobte in
nerlich zu sehr.
Komm Elsie," sagte Norah laut
und hart, er war den ganzen Streich
nicht werth!"
Sie umfaßte die Schwester und zog
sie mit sich fort, am äußersten Rand
derPlclttform auf einen Felsblock nie
der. Ich hatte keine Lust zu unnützen
Wortgefechten, sondern kletterte zur
Stelle hinunter, wo das Boot befestigt
gewesen war. Bei Gott, die Herr hatt?,
den Strick glatt durchgeschnitten!
Ein Ruder lag auf dem Felsen, das
nahm ich und kletterte damit, so hoch
ich konnte, zwängte es in einen Felsen
spalt und befestigte mein weißes Lei
nenjakett daran. Ein aussichtsloser
Versuch die Sonne war schon im
Untergehen und die kurze Dämmerung
würde bald der Nacht Platz machen.
Bevor ich hinunterstieg warf ich noch
einen verzweifelt suchenden Blick auf
das Meer. Die dunkle Dunstlinie am
Horizont hatte sich in eine finstere, tief
hängende Wolkenbank verwandelt, un
ter der weißgekrönte Wellen rasch wei
terwanderten. Dort war schon Sturm
nicht lange und er würde uns er
reicht haben. In hastigen Worten theil
te ich den Mädchen meine Befürchtung
mit und half ihnen, so weit als mög
lich aufwärts zu klimmen, bis sie auf
einem Steinbock neben einander Platz
fanden. Der Rest des Seiles gab ihnen
festeren Halt an dem Felsen 'ch
fand an der gegenüberliegenden Wand
einen leidlichen Platz, etwas tiefer als
sie. Wir hatten dies kaum vollbracht,
als schon das Gewitter herangesaust
kam. Im Augenblick befanden wir uns
in tiefster schwarzer Finsternis, die nur
durch die langhinzuckenden Blitze un
terbrochen wurde, während das Getöse
des Donners und des Sturmes uns
blind und taub machte. Zum Glück ge
hen solche Wetter eben so schnell vor
über, als sie kommen, und der Sturm
jagte bald die Wolken landeinwärts.
Der 'Regen hörte auf, der Himmel
wurde heller und bald stand der Mond,
groß und gelb über uns und schaute
friedlich auf die aufgepeitschte See her
unter. Aber die Fluth stieg.'
Schon hörten wir die Wogen über
die Felsen stürzen, immer näher unter
unseren Füßen. Wie wilde Thiere mit
flatternden Mähnen jagten sie heran,
sprangen empor, schnappten nach uns.
Und ihr Zerschellen klang wie hohni
sches Gelächter:
Wir kriegen Euch doch!"
Im hellen Mondlicht konnte ich die
beiden weißen Gestalten regungslos
auf ihrem Felsen kauern sehen. Unter
ihnen schäumte das Wasser, das schon
die kleine Plattform überschwemmt
hatte mir umspülte es schon die
Füße.
Der Mond sank. Mir graute vor der
Finsternis, die uns nicht einmal dem
heranschleichenden Tode ins Antlitz se
hen ließ, uns ihm hilflos und gebun
den überlieferte. Nun hatte ich das
Wasser bis zu den Knien, alle Bemü
hungen, mich an dem Felsen höher hin
aufzuziehen, waren umsonst. An dem
feuchten , Gestein glitten .meine Finger
ab, eine unvorsichtige Bewegung kennte
mich in das brodelnde Wasser da unten
schleudern.
Drüben müßte das Wasser den
Felsblock auch schon erreicht haben.
Aber ich hörte keinen Laut von ihnen.
Nahm diese Pacht kein Ende? Doch
der Horizont erhellte sich langsam,
schmale rothe Streifchen streckten sich
aus. wuchsen und wurden zu feurigen
Zungen. Und die Fluth die Fluth
.stieg nicht mehr!
Als der erste Sonnenstrahl über der
Küste aufblitzte, konnten wir schon un
seren Standpunkt verlassen und auf die
Plattform herunterklettern. Bis auf
die Haut durchnäßt, fröstelnd in der
kühlen Morgenluft, hungrig und er
schöpft aber noch am Leben! Trotz
dem wollte sich kein freudiges Gefühl
regen die Rettung war noch zu un
gewiß! Aber sie kam rascher als wir
dachten. Schon in den ersten Vormit
tcczsstunden kam ein Fischerboot vor
über, das unser Rufen und Winken
bemerkte. Wir fanden den kleinen Ort
in größter Aufregung. Man hatte uns
vermißt und, wie ich vorausgesetzt,
hatte man keine Ahnung, wo wir zu
suchen waren, o daß wir wirklich dem
Zufall, unsere Rettung verdankten.
Eine zweite Nacht hätten wir nicht
überstanden! Von sämmtlichen Badegä
sten umringt und mit Fragen über
schüttet, eilten wir, unter Dach zu
kommen. Ich hatte mit dem Mädchen
nur wenige Worte gewechselt, selbst die
Freude des Gerettetseins hatte di?
Kluft, die sich zwischen uns geöffnet
hatte, nicht zu überbrücken vermocht.
Aber als unsere Wege sich trennten
und Elsie mit ein paar undeutlich ae
murmelten Worten mir flüchtig die
Hand reichte, fiel Norah mir um den
Hals und küßte mich auf den Mund.
Ihre Lippen brannten wie Feuer.
Ich war so todmüde, daß ick, nicht
im Stande war. dem seltsamen Mäd
chen noch irgend einen Gedanken zu
schenken. Nachdem ich hastig eine Tasse
Thee getrunken und mich umgekleidet
hatte, warf ich mich auf mein Bett und
schlief sofort ein. Spät am Nachmittag
erwachte ich erst, mit freiem Kopf und
leichtem Herzen, ganz erfüllt von dem
köstlichen Gefühl, einer großen Gefahr
entronnen zu sein. Und ich mußte an
die Gefährtinnen dieser schrecklichen
Stunden denken ohne Groll an
Norah. mit leiser Beschämung an El
sie. Ich mußte zu ihnen gehen. Aber
müde und zerschlagen, wie ich war,
verschob ich es auf den nächsten Tag.
Als ich hinkam, fand ich das Haus
leer! Mrs. O'Kelly war mit ihren
Töchtern schon am vorigen Abend ab
gereist. 'Ich habe sie nie wiedergesehen, nie
wieder von ihnen gehört. Aber ich habe
sie nicht vergessen können! Und im
mer, wenn ich an sie denke, habe ich i s
bedrückende Gefühl einer Schuld
einer Schuld, die mir nicht klar ist. der
ich keinen Namen zu geben wüßte
von der ich aber weiß, daß ich sie nie
mals werde sühnen können "
Ist diese vermeintliche Schuld viel
leicht die Ursache, daß Sie bis heute
allein geblieben jrnd, Kapitän Nichol
son?" sagte die schöne Frau nach einem
kurzen, lastenden Schweigen.
Sie beugte sich vornüber und ver
suchte ihm in die Augen zu sehen. Und
in den scherzenden Worten flackerte eine
geheime Angst. Der Kapitän erfaßte
eine Handvoll Sand und lieh sie durch
die Finger laufen ohne sich der
Fragenden zuzuwenden.
Vielleicht," sagte er langsam.
Ermahnung.
Herr Krause, ein im Nebenberufe
ebenso eifriger wie erfolgloser Sonn
tagsjäger, zieht mit in den Krieg. Als
r Abschied genommen hat. ruft ihm
seine Frau noch vom Fenster ans
nach:
Hermann, nun triff aber endlich
einmal was!"
Freundinnen.
Ich möchte bloß wissen, warum die
Elli vorhin so kleine Schuhe kaufte.
Die kann sie doch unmöglich tragen.
I wo! Aber sie geht doch ?tzt auf
Reisen und da stellt sie abends im Ho
tel die kleinen Schuhe immer vor die
Thüre und hofft auf die Art wenig
stens einen Mann zu kriegen."
Schlechte Zeiten.
Bei dem plötzlichen Gewitter et
stern Nachmittag haben Sie woA rech
ten Zuspruch gehabt?"
Wirth: Ach. du lieber Gott! Zwei
Touristen sind gekommen und haben
sich nen Schirm geliehen.
Ein Harmloser.
Polizist: Heda! Wozu haben Sie
die Leiter an das Fenster gelehnt?"
Dieb: Da oben steht ein Glas mit
einem Laubfrosch, und da wollt' ich
bloß mal sehen, was für Wetter es ge
ben wird."
Nette Ausficht.
Gast (ungeduldig): Auf die neueZei
tung. die der Herr am Ncbentisch liest,
kann man wohl nicht warten, Keü
ner?" -
Kellner (tröstend): O doch, er ist
ja schon an der letzten Seite! Nachher
kriegt sie bloß noch der Herr Oberför
stcr und der Herr Steilereinnchmer,
dann sind Sie an der Reihe!"
Enttäuschung.
Schriftsteller: Darf ich Ihnen mein
neuestes Werk widmen?"
Junge Frau: Sehr gern. Es M
doch wieder ein Roman?"
Schriftsteller: Nein, ich bin jetzt
praktischer geworden. Es ist ein Koch
isch nit so arg
' Einen Lungenschuß vom Rücken nach
der Seite, einen Bajonettstich in der
Rippengegend, einen Schuß in der
Wade und einen im Knie und oben
drein Typhus, dabei wieder rothbackig
und gutlaunig, das ist der Huber
franzl! S'isch nit so argk" sagt er,
wenn die Menschen im Lazarett der
i Rheinstadt ihn so schenierlich ansehen;
' dm Arm zwar kann er noch nicht ganz
j bewegen und das Knie will nickt recht
mit; deßhalb ist er garnisonsdienst
sahia gezchrieben. Das ist ihm das
Schlimmste. Nicht mit hinaus, !önn:n.
wenn es gilt, dem Feind endgültig
heimzuleuchten! Daheim hocken, wenn
die Franzosen eins ausgewischt bekom
men. Sein Hauptmann freilich ist
schlimmer daran als er: dem hat die
Kugel die Lunge durchschlagen und
ein paar Rippen bös zersplittert daß
sie unter vielen Schmerzen herausze
nommen werden mußten. Aber herauZ
gehauen bat er ihn aus dem Haufen
der Feinde und tapfer Stand gehalten,
bis der wie todt Zusammengestürzte
geborgen werden konnte. Und hat d'N
Franzen die Freude versalzen, als sie
mit Handgranaten nach ihnen warfen;
mit flinken Fingern die Malefizdinger.
die glücklich noch nicht krepiert waren,
genommen und hinübergeworfen, daß
es einen sakrischen Lärm gab und ein
Loch in die Reihen der Gegner riß.
O du mein!" War eine ungute Sach
dermalen, wo die Franzen durchbrechen
wollten 'und hätte leicht anders aueoe
hen können, wenn sie nicht so gute Wa
che gehalten hätten. Da hat's die zwei
Kreuzeln gesetzt, für den Hauptmann
und den Franzl. Deshalb schauen die
Leut allweil auf den Franzel, daß es
ibm schier z' fad wird. Wenn er am
Rhein in der feinen Promenad einher
geht, oder am Ufer steht, wo die schwe
ren Güoerfchiffe stolz und sicher anz:
dampft kommen, wo die Sonne silberne
Funken aus dem mächtigen Strom
zaubert, und die Rebenberge sich mit
jungem Grün schmücken oder in dir
Ferne zart verdämmern gleich hat
er einen Schwanz von Menschen hinter
und neben sich, die immer wissen wol
len, wo er sich das Kreuz, das an der
Brust, geholt hat. Schlicht und wor
karg, ohne Ausschmückung erzählt er
seine Geschichte. S isch ni so arak",
entschuldigt er sich verlegen, weil gar so
viel Aufhebens von der Lumperei g:
macht wird und blitzt mit blanken
Augen in dem treuherzigen Gesicht, daß
die Modeln" verliebt nach ihm daher
schauen. Ja. die Madeln. die machen
ihm das Leben schwer. Madeln im Hut
oder bloßkopfs. Madeln glattgezöpft
mit dem Pfeil im Haarnest od:r
städtische auffrisiert, alle wollen sie mit
ihm reden, und haben doch so eine sau
dumme Sprach, daß man sie nie ver
steht. Ach was. Madeln! Die giebt's
auch daheim! Aber so an Rhein, sol
eherne Brücken und solcher? Schiffe,
di? hat's nit derhoam; da muß man
schaun, schaun und kann nit aufhören.
Und muß sich alles derklären lassen,
von den Mannsleut am Schiff. wan'Z
auch so saudumm reden, daß man sie
schier nit versieben kann. Wenn aber
solch ein Rheinländer, stolz auf seinen
Heimathstrom und dessen Ufer ihn auf
die schöne Gegend, auf die hohen Re
benberge aufmerksam macht, dann gekt
ein gutmüthiges Lachen über des Hu
verfranz! offenes Gesicht. S' isch nit
so argk." Kränken will er sie nicht;
ober was sind das für Leut. die soläe
Hügel Berge" nennen! Da sollens
noch Berchtesqaden und Reichcnhall
kommen. Nein; lachend nimmt er die
Pfeife aus dem Mund: wahrhaft?,
s' isch nit so argk".
G u t abgelaufen.
Schusterzeselle (läßt seine Dam
mitten im Tanze stehen): Nir für un
gut. Mamsellchen; da geht eben der
Lump, der Schlosser, aus der Thür; ich
muß naus und ihm eens versetzen."
Nach fünf Minuten erscheint er wieder
mit blutigen Striemen im Gesicht.
Nun?" fragt seine Donna.
Alles glücklich abgelaufen," erzählt
der Schuster. Ich traf'n im Garten
am Erbsenbeet. Mich sehen und aus
reißen war eens."
Nanu," erlaubt sich hier di: Kleine
einen leisen Zweifel.
Wie ich sage." berichtet unser He'd
weiter, ausreißen eenen Erbsen
strauch nämlich und mir um die
Ohren peitschen . . . nachher war das
Ausreißen an mir."
Und das nennen Sie glücklich?"
Nanu, natürlich! Denn wären wir
bei den Bohnen gewesen, hätte er mir
'ne Bohnenstange auf'm Koppe in
zweegeschlagen."
Setzerkobold.
Im Garten des hiesigen Rechtsern
walts und Notars Müller blüht ein
lpfelbaum in diesem Jahre zum zwei
en Male. Während die eine Hälfte des
Saumes reichen Fruchtansatz zeigt.
steht die andere in schönstem Blüthen
chmuck. Zahlreiche Spaziergänger be
gern den Gartenzaun, um das N(o.
ar)wunder zu betrachten.
Frech.
Schloßdiener: Früher wurde daZ
Schloß von Raubrittern bewohnt, die
den Reisenden alles weznahmen. Die
heutigen Herrschaften haben's besser,
die geben halt freiwillig das, wa si
geben wollen."
Daö Möbel.
Herr: Aber das Zimmer sollte doch
mööl-rt sein!"
Vermietherin:.Na, sehen Sie denn
ncht die Schillerbüste dort in der
Ecke?"
j

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