OCR Interpretation


Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, July 19, 1915, Image 3

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn96076572/1915-07-19/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for 3

Detroiter Adendpo st, Montag, den Id. Juli ISIS.
8 Deutsche Mütter. .1
3 Von Elisabeth Meinhard. 8
's ist eine stolze Feier.
Die Trauer in heil'ger Zeit.
Sie tragen den schwarzen Schleier
Wie einer Fürstin Kleid.
Es stritten die blonden Buden
AIS Helden in Ost und West.
Eine Kugel zerriß ihr Leben
Wie ein kaum begonnenes Fest.
Ein Kinderhaubchen bettet
Die Mutter still in die Trüb
Den ersten Brief und daneben
Die ersten ledernen Schuh.
Dann faltet sie still die Hände,
Hat keiner, sie weinen seh'n:
.Heut ist die deutsche Mutter
Zum Höchsten ausersehen.
Sie . bringt der deutschen Ehre
TaZ stolzeste Opfer dar.
Die Krone laßt mich tragen.
Demütig im weißen Haar.
' Und starb mein blonder Junge,
Ich hab' ja auf der Welt
Noch viele Söhne, solange
Ein Deutscher steht im Feld.
Für sie. die ohne Liebe
Im beil'gen Kampfe sind.
Will ich treulich sorgen und beten
Wie für mein eigen Kind.
Und gibt der liebe Herrgott
Den Sieg dem Vaterland.
Will ich den Helden schmücken.
Dem keinS ein Kränzlem wand.
Schaut dann vom blauen Himmel
Mein Bub auf mich herab,
Sieht er. daß ich als Deutsche
Mein Leid getragen hab
'S ist eine stolze Feier.
Die Trauer in heil'ger Zeit.
Sie tragen den schwarzen Schleier
Wie einer Fürstin Kleid.
Der Verräter.
Novelle tura E. Frieß.
Herrgott Strambach. der Kerl wird
doch keeni Dummheit gemacht habe?"
sagte der Unteroffizier Epple zu dem
Gefreiten HüpperS, der eben zum hun
dertsten Male in der letzten Stunde
die Uhr herausgezogen hatte. Der
paffte mächtige Rauchwolken aus sei
ner kurzen Pfeife. .
.Der Wolf verliert eher die Haar,
aber die Naube nit," brummte er. Der
andere 'wußte wohl, was damit ge
meint war. Sie kannten sich au? den
.drei Brunnen' in Dürkheim. Gar
manchen Sonntag hatten sie sich dort
beim Bier zusammengefunden. Aber
der Jean Baptist Douque war oft der
Friedensstörer gewesen. Er war El
sässer von Geburt und hatte nie ein
Hehl daraus gemacht, daß in seiner
Familie mancherlei französische Sym
pathien bestanden. Und das sollte nun
mit einem Male ander 8 geworden
fern? DaS mochte glauben, wer da
wollte! Zu trauen war ihm nicht, so
viel stand fest. Aber waS wollte man
machen? Ohne sich auch nur durch
ein Wort zu verständigen daS ver
bot schon EppleS Stellung als Un
teroffizier hatten sich die beiden
dem .FranzoS" immer an die Fersen
geheftet. Nie hatte er etwas ohne sie
unternehmen können. Nur heute, da
hatte eS der Zufall gewollt, daß sie
nicht zugegen waren, als nach Frei
willigen gefragt wurde, die drüben,
jenseits deS FlusseS sich ganz nahe an
den Feind heranschleichen sollten, um
wenn irgend möglich, die Absichten zu
erkunden. Seit mehreren Tagen hatte
man die ganze Nacht Räderrollen ge
bort, Horchpatrouillen hatten lebhafte
Bewegung in den feindlichen Stellun
aen beobachtet. eS unterlag keinem
Zweifel, daß große Dinge im Werk
waren. EDple und HüpperS hatten
einen scheuen Blick getauscht, als sie
von einem dienstlichen Gange zurück
kehrten und erfuhren, daß Dousue
ganz allein sich bis in die feindlichen
Vorposten schleichen wollte. Der
kommt nicht wieder," stand in ihren
Augen, nur für den anderen lesbar.
Je weiter die Zeit vorschritt, desto un
ruhiger wurden sie.
Da dröhnte ein Schuß, der genau
auf ihren Unterstand eingestellt sein
mußte. DaS konnte überhaupt nur
Verrat sein! . Seit Wochen hatte man
sich hier, kaum ein paar Hundert Me
ter vom Feinde entfernt, einen borge
schobenen Wachtposten eingerichtet,
äber dichteS Gebüsch verbarg die
Hohle jedem neugierigen Auge. Und
zerade heute wurde man unter Feuer
benommen! Mit der Verschwendung,
die man an den Franzosen schon
kannte, folgte Schuß auf Schuß. ES
fing an. ungemütlich zu werden. Der
tine Posten war bereits verwundet; eS
bNeb nichts übrig, als zu versuchen,
den Schützengraben zu erreichen. In
fieberhafter Hast wurde der Veraun
dete notdürftig verbunden, dann ging
I zurück durch kümmerliches Unter
holz, das immerhin einigen Schutz
bot. Dennoch war es ein Wunder.
da die Leute trotz der jabreickein
schlagenden Granaten mit dem Leben
davonkamen. Aber die beiden Pfäl
zer schäumten vor Wut. Nun hatten
sie auch keine Veranlassung mehr,
ihren Verdacht zu verheimlichen. Der
Hauptmann erfuhr davon, doch blieb
er sehr gelassen. Wenn Douque wirk
lich Verrat- geübt hatte, so konnte eS
nicht viel schaden. Man hatte sowieso
beabsichtigt, im Laufe der Nacht alleS
zum Sturme vorzubereiten, spätestens
morgen früh sollten die feindlichen
Gräben, die sich an Höhe 99 hinauf
zogen, genommen werden. Immerhin
wollte er die Meldung weitergeben.
Ob eS eine Folge davon war. muß
dahingestellt bleiben, jedenfalls kam
der Befehl zum Sturm viel früher,
als erwartet. In den ersten zwei, drei
Gräben wehrten sich die überraschten
Feinde; eS gab ein, furchtbares Ge
metzel. Aber dann weiter die Höhe
hinauf, ließ der Kampf nach. Was
sich nicht gutwillig ergab, suchte durch
die Flucht zu entkommen. Der junge
Frühlingsmorgen, der in schimmern-
der Pracht über den bewaldeten Höhen
heraufstieg, beleuchtete grausige Bil
der. Die Ruhe war für die, ermüde
ten Truppen nur kurz bemessen. Es
war anzunehmen, daß der Feind große
Anstrengungen machen würde, um die
verlorene Höhe wieder zu gewinnen.
Da hieß es, sich mit den Aufräu
mungsarbeiten zu beeilen.
Epple und HüpperS suchten das
Gelände in der Gegend ihres früheren
Unterstandes ab. Nicht gar zu weit
davon fanden sie. ein wenig abseits
vom Wege, Jean Baptist Douque ver
wundet und zu Tode erschöpft.
Mit finster Stirn bückte sich Eppl?
über den Verräter. Na. der sollte
sich nur erholen dem sollte es gut
gehen! Vorläufig mußte er verbun
den werden, natürlich. Aber die
Rache muß man ja überhaupt kalt ge
nießen!
.Wasser. Wasser!" stöhnte der Ver
wundete. Man gab ihm zu trinken.
Ach, das tat gut! Aber was hatten
denn die beiden Kameraden nur?
Keiner sprach ein Wort; trotz seiner
Schwäche konnte Douque nicht um
hin. eS zu bemerken. In verbissenem
Schweigen verbanden sie ihm den Fuß
und luden ihn auf eine Tragbahre.
Mit dem Augenblick, da er sich gebor
gen wußte, erwachten seine tief gesun
kenen Lebensgeister wieder. Zum
Donner noch mal, war daS eine Art.
ihm. der beinahe hier am Wege ver
blutet wäre, noch nicht einmal zu sa
gen. wie die Sache stand? In all
seiner Lebhaftigkeit sagte er ihnen,
waS er von einem solchen Verhalten
dachte.
.Ja." sagte HüpperS. .es isch uns
arg leid, aber Du hasch den Anschluß
verpaßt. Deine Freinde sin fort. Mir
hent se verjagt?" Douque sah ihn
verständnislos an. .Der isch wohl
wirr?" fragte er Epple. der immer
noch schwieg. .WaS will er denn mit
meine Freinde?" Epple spuckte verächt
lich aus. .Weischt. vor unS brauchsch
Du Tich mt zu verstelle, sagte er, j
.mir kenne unS doch aus de .Drei!
Brünne". Meinsch vielleicht, wir
wisse nit. daß Du mit dene Franzose
sympathisiere tusch?"
.Jo. schon," sagte Douque ganz be
treten, .aber jetzt bin i doch Soldat!"
Er sah die beiden wütend an.
.Hättscht nor gestern do dran ge
denkt," lachte Epple verächtlich.
.No, wege waS? Meinsch. i war
nit wütig, wie i hier hab liege müsse,
statt daß i mit meiner Meldung
summe war?"
.Ja. waS denn? Seit wann tusch
denn Du hier liege?"
.De allererste Schuß, den habe Ihr
doch gehört? Der hat mi tröffe. Seit
dem lieg i hier."
.Ha no. warum warsch denn Du so
lang bliebe?" fragte Epple fast atem
loS.
.AlleS auSguckt hatt' i dene da
drube. Mine hatte se glegt nach un
sere Schützegräbe. bis auf Mittag
sollt' gesprengt werre
.Jo, hasch denn Du unS nit ver
rate?" fragte HüpperS töricht.
Douque sah ihn an. als habe er
nicht recht gehört. Dann machte er
eine Bewegung, als wollte er auf die
Beine springen. Aber er sank äch
zend zurück. Immerhin war die Ohr
feige, die er dem Beleidiger verab
folgte, von gewaltigem Nachdruck.
.Alterle, die war nit vun schlechti
Eltere." erkannte Epple beifällig an.
.Jo. waS denn? Du hofch doch aa
gemeent " HüpperS kannte sich in
der Welt nicht mehr auS.
.Red nit so dumm." sagte Epple
und gürtete sich mit seiner ganzen
Würde alS Vorgesetzter, .mir wolle
lieber mache, daß der Mann in richtigi
Pfleg kummt."
.Auf Zeit."
.Sagen Sie mal: ist der Baron
eigentlich mit FelicitaL verlobt?"
.I wo. er hat mit ihr nur so'n
TaxameterverhältniS."
Eine offizielle Ehrung einer ruf
sischen Truppe durch ihren BefehlSha
ber ist Niska Poklon. die .tiefe Ver
beugung."
Kuropatkin ließ jedem Ver
Mundeten im RussischJapanischen
Kriege eine vorher genau festgesetzte
Geldentschädigung auszahlen.
Ueber Titel soll man sich nicht
lustig machen; denn ohne sie würde
man bei unzähligen Menschen weder
Wiakeite noch .Verdienste kennen.
Gefangene Russen.
Charaktnfiudie an der Feder eincS
Kriegskorrespondenten.
Jtzrhei un Uiffehit tn e
Ztnpptm bs Jare,
Budapest.
Da befinde ich mich wieder einmal
unter jenen erdgelben Menschenmassen,
die lange Monate hindurch zwischen
Tannenberg und Suwalki fast tagtäg
lich vor meinen Augen sich auf den
aufgeweichten Landstraßen fortbeweg
ten als Kriegsgefangene dem Westen
zu. Und wieder sehe ich vor mir die
ausdruckslosen, bärtigen Gesichter der
russischen lebenden Dampfwalze, die
so sehr versagt hat und versagen
mußte, weil eS ihr an der bewegenden
Seelenkraft gefehlt. Der Liebenswür
digkeit der hiesigen Civil und Militär
behörden habe ich es zu verdanken, daß
mir die Gelegenheit geboten wurde,
mich heute einige Stunden hindurch
mit russischen Offizieren und Solda
ten zu unterhalten, die während der
letzten Märztage von unS und unseren
tapferen Bundesgenossen an den Kar
pathenabhängen gefangen genommen
waren und sich nun auf dem Wege
nach den verschiedenen Gefangenenla
gern befinden. Tage und Nächte hin
durch passieren unübersehbar lange
Eisenbahnzüge mit dem zarischen Ka
nonenfutter die Vorstationen von Bu
dapest, ein buntes Gemisch von Groß
und Kleinrussen, Tartaren und Juden.
Reservisten und Reichswehr. Und auf
einer dieser Stationen, wo eine mehr
stündige Mittagsrast gehalten ward,
durfte ich nach langen Monaten wie
der einmal russischen Soldaten das
übliche .Sdorowo redjata!" (.Guten
Tag. JungenS!") zurufen, konnte ich
wieder einmal mit russischen Offizie
ren, zuhörend und fragend. daS Mit
tagsmahl teilen.
Einem Wagen zweiter Klasse ent
sieigen drei russische Reserveoffiziere
und zwei russische Vizefeldwebel, die
unter Honvedbedeckung sich nach dem
Verpflegungsraum begeben. Ich darf
mich ihnen anschließen und an ihrem
übrigens sehr reichlichen Mahle teil
nehmen. Einige Minuten darauf,
kaum ist der erste Suppenteller geleert,
entspinnt sich eine' lebhafte Unterhal
tung; man sieht es' den Herren deut
lich an. wie wohl es ihnen tut, in ihrer
Muttersprache dem gepreßten Herzen
Luft zu machen. Sie gehören dem
230. Infanterieregiment an und wa-
ren aus dem Kiewschen Militärbezirk
nach den Karpathen gekommen, um
dort bald darauf mit knapper Not
den schrecklichen deutsch-Lsterreichischen
Drahtverhauen zu entgehen. Nun
sind sie geborgen .gerettet." wie sie
sich bezeichnend ausdrücken , und
während sie das saftige ungarische
Rindfleisch auf ihrem Teller zerlegen.
erzählen sie mir von ihrem militari
schen Leben und Leiden. Zwei von
ihnen sind Schullehrer, einer ein recht
bekannter Ingenieur, während die bei
den Vizefeldwebel kurz vor dem
Staatsexamen standen, als der Zar sie
ins Feld rief.
.. . . Vor zehn Jahren mußten un
sere Brüder wegen des unsauberen
Holzgeschäftes ihr Blut auf den mand
schurischen Schlachtfeldern vergießen,"
ruft einer der Offiziere aus. .und jetzt
soll russisches Blut die Zarenkrone für
den Großfürsten Nikolai heranfchwem
men. Haben wir überhaupt je einen
Krieg für das russische Volk geführt?
Bei unserer Aushebung in Kiew hatte
man neun Reserveoffiziere verhaftet
und sie dann vom Gefängnisse auS an
die Front gesandt; erst als wir die un
garische Grenze hinter unS und die
österreichisch-ungarischen Schützengrä
ben vor unS hatten, ließ man die Ver
hafteten frei und übergab' ihnen ihre
Kompagnien und Züge; sie galten
nämlich als politisch unzuverlässig,
und so wollte man sie während der
Aushebung nicht frei in Kiew herum
I laufen lassen. Auch mein lieber Ka
merad." und er zeigt auf einen der
Schullehrer, .ist der Verhaftung nur
mit Not entgangen; er war nämlich
Korrespondent der Kaiserlichen Freien
Oekonomischen Gesellschaft und als
solcher in den Augen des Kommandie
renden des Kiewer Militärbezirks nicht
ganz sicher. Wir hielten ihn einige
Nächte hindurch verborgen und brach
ten ihn. als wir ausrücken sollten, di
rekt an die Bahn." Grimmig lächelnd
nickt der beinahe verhaftete Referveleut
nant und meint: .Das will eigentlich
noch gar nichts sagen. Im Gouverne
ment Poltawa hielten am Vorabend
des Auszuges drei mir befreundete
Reserveoffiziere eine geheime revolutio
näre Volksversammlung ab, und als
am anderen Morgen das mobile Ba
taillon auörückte. schrie die Menschen
menge auf den Straßen ihnen zum
Abschiede: .Nieder mit dem Zaris
muS!" zu; alS Antwort salutierten die
drei im Bataillon marschierenden Re
serveoffiziere mit dem Säbel, der an
der Spitze reitende Oberstleutnant-tat.
als ob er nichts merkte, und die we
nigen Polizisten trauten sich nicht in
die Menge. Es war ein riesiger
Spaß ..." X
Nun habe ich auch einen vollgewich
tigen Kronzeugen für die oft erwähnte,
von der russischen HeereLleitung aber
immer wieder abgeleugnete Tatsache,
daß die russische Infanterie mit Ma
schinenaewehren im Rücken auf den
Feind stürmt. AU ob die selbßver
stündlich wäre, erzählt nun einer der
Reserveoffiziere, der Schullehrer: .Als
unser drittes Bataillon die Pässe
stürmte, hatte ich drei Maschinenge
wehre zugewiesen bekommen, um nöti
genfalls unseren Rückzug unmöglich
zu machen. Unsere zehnte Kompagnie
kommt ins Weichen, macht Kehrt und
versucht in die rückwärtigen Schützen
grüben zurück zu gelangen. Da sprengt
unser Oberstleutnant an mich heran
und brüllt' mir zu: .Feuer auf die
Hundesöhne!" Aber die Hundesöhne
heben die Hände hoch, und rufen:
.Um Christi willen feuert nicht !" Ich
tat dies auch nicht und wer weiß, was
fü mich daraus entstanden wäre, wenn
ich nicht bald darauf selber gefangen
genommen worden wäre."
Ich fühle mich immer unbehaglicher
im Kreise dieser sonderbarsten aller
Offiziere und trete auf den Bahnsteig,
auf dem Hunderte von gefangenen ruf
sischen Reservisten in Einzelgruppen
lagern. Sie sind soeben reichlich mit
Fleisch und Gemüse gespeist worden,
und das Gefühl von Geborgensein
und Sattheit läßt ihre Gesichtszüge
weniger stier und ausdruckslos erschei
nen. .Guten Tag. Jungens!" Im
Nu springt alles auf. versucht eine Art
Strammstehen, und Hunderte von rau
hen Kehlen brüllen daS übliche mili
tärische .Wir wünschen Gesundheit
Euer Hochwohlgeboren!" mir entge
gen. .Sind wir nun nah bei Berlin.
Herr?" fragt mich bald darauf ein
graubärtiger Unteroffizier, und Hun
derte von Augenpaaren richten sich mit
der gleichen Frage auf mich. Vom Vor
Handensein der guten Stadt Wien hat.
'wie es sich herausstellt, keiner von
ihnen je gehört; die meisten nehmen an,
Oestereich und Ungarn seien deutsche
Gouvernements, die Karpathen lägen
unmittelbar vor Berlin. Als ich ihnen
ein kurzes Privatissimum über west
europäische Geographie halte, merke ich
deutlich, daß mein Auditorium mir
nicht übermäßig viel Glauben schenkt.
.Verzeihen Sie, guter Herr." wendet
sich ein kecker Kleinrusse mit lustigen
Schwarzaugen an mich, .aber vielleicht
ist Ihnen diese Gegend weniger be
kannt als unserer Obrigkeit, die uns
erzählte, wir kämen sofort nach der
großen Stadt Berlin, wenn wir erst
die Gebirgspässe hinter uns hätten."
.Wir wollten uns nämlich bei Berlin
mit unseren anderen Regimentern ver
einigen, die dort schon lange stehen."
setzt ein anderer gleichsam erklärend
hinzu. .Wenn diese uns nur noch
etwas übrig lassen von der reichen
deutschen Stadt," klingt es in banger
Stimme hinter mir, und als ich mich
umwende, blicke ich in ein Paar lüster-
ner Augen, die mich sofort an das aus
geraubte Ostpreußen erinnern.
Etwas abseits von den Uebrigen
hocken ' auf dem Bahnsteig einige
schwarzhaarige ausgemergelte Gestal
ten in zerrissenen Soldatenmänteln
uvd murmeln im eintönigen Sing
sang etwas vor sich hin. .Wer sind
diese Kameraden?" frage ich den raub
lustigen Feldwebel. Das sind keine
Kameraden, Euer Hochwohlgeboren.
sondern bloß Judenbengel (Shidi).
die gerade ihr Nachmittagsgebet ver
richten." Diese hüben inzwischen ihr
Gebet beendet und scheu, gleichsam
selbst hier in steter Angst vor
dem russischen Polizisten, nähern sie
sich unserer Gruppe. .Wir und aus
Balta. teurer Herr." beantworten sie
meine Frage, .und Gott segne die
Deutschen, die uns jetzt aufgenommen
haben. Viele sind ja von uns nicht
übrig geblieben, denn so oft die Russen
stürmten, mußten wir in erster Reihe
voranstürmen; selbst die Maroden und
Kranken wurden dann jedesmal dazu
auS den Revieren (Okolodki) geholt.
Gott verzeihe ihnen diese Blutsünde!"
.Alles wieder einsteigen!" Die ge
fangenen Russen haben sich an diesen
Ruf schon gewöhnt und strömen in die
Wagen zurück. Ich sehe wieder die
fünf russischen Reserveoffiziere, die
mir jetzt zum Abschied ihre Hände ent
gegenstrecken. Ernsten, Auges blickt
mich einer de? Oberlehrer an und
meint: Die Feinde des russischen Vol
kes sind nicht in Berlin oder Wien zu
suchen, und von tausend Russen haben
kaum drei einen Groll gegen die Deut
schen. Unsere wirklichen Volksfeinde
sitzen in Petersburg oder in den Palä
sten der Gouverneure. Lassen Sie
sichS gesagt sein: Unsere gebildeten Of
fiziere wissen recht wohl, daß die Zu
stände in Rußland unhaltbar sind, und
ist der europäische Krieg erst vorüber,
dann wird der innerrussische Krieg
kommen."
Und dann kommt das Merkwür
digste dieses merkwürdigen Nachmit
tagS. Als der Eisenbahnzug sich wie
der in Bewegung setzt, nist mir einer
der gefangenen Offiziere, mit der Rech
ten winkend zu: .Hurra Germania!"
Und aus Hunderten von russischen
Soldatenkehlen dringt es in die blaue
Luft der ungarischen Ebene: Hurra.
Hurra! . . .
Mcrr Theodor Behrmcmn.
Je nachdem.
Richter: .Sie sagen. Sie haben den
Angeklagten sein ganzes Leben lang
gekannt."
Zeuge: .Jawohl. Herr Richter."
Richter: .Nun. glauben Sie. daß
er fähig ist. dies Geld gestohlen-zu
haben?"
Zeuge: .Wie viel war eö denn?"
Man muß Soldat sein für sein
Land oder auS Liebe zu der Sache,
für die gefochten wird.
LeMna. .Minna von Barnhelm."
Wie man aus Amsterdam meldet,'
wird nach Nachrichten in englischen!
Blättern in Dalvey bei Loch Lomond
in Schottland Radium hergestellt. John
S. MacArthur. der Besitzer des Be
triebes. vermochte bisher fünfzehnhun j
dert Milligramm Radium zu produ!
zieren. Auch Uranium und 23anaj
dium werden aus dem Erz, das mani
dabei verarbeitet, gewonnen.
Nachdem man die einaeborenen
Arbeiter auf der portugiesischen Insel!
Principe in Wcftarr'.ka dazu gebracht
hat. bei ihrer Tätigkeit Leinenanzüge j
zu tragen, die äußerlich mit einer Art j
flüssigem Leim bestricken sind ist die
Schlafkrankheit auf der Insel mit
recht schönem Erfolge bekämpft wor
den. Der Leim hat eine dunkle und
damit eine mit der Haut der Eingebo
renen übereinstimmende Farbe.
I n mißlichen Lagen muß die Seele
ihre ganze Kraft zusammenraffen, um
die Gefahren, die sie umgeben, mit fe
stem Blick anzuschauen; da darf man
sich nicht durch die Schattenbilder der
Zukunft beunruhigen lassen, sondern
muß alle nur möglichen und denkba
ren Hilfsmittel anwenden, um seinem
Verderben zuvorzukommen, so lange
es noch Zeit ist.
Friedrich der Große.
Laut einer Meldung des .Temps"
erfolgte in Madrid zwischen der spa
nischen und der österreichischen Tele
graphendirektion der Abschluß eines
Vertrages betreffend die öffentliche
Funkenstation, die dem Publikum
offen stehen wird. Durch diese fun
kentelegraphische Verbindung mit Spa
nien gewinnt Oesterreich-Ungarn einen
Nachrichtenweg nach Amerika, da ein
Kabel Madrid mit New Fork verbin
det.
Die .Nationalzeitung" meldet von
der russischen Grenze: Schon seit lan
ger Zeit hat sich die Czarin auS der
Öffentlichkeit zurückgezogen und be
findet sich zumeist in Zarskoje Selo.
Sie sieht sehr leidend aus. Während
ihre Töchter als Pflegerinnen tätig
sind, ist die Czarin fast menschenscheu
geworden und beschäftigt sich Haupt
sächlich mit religiösen Uebungen. Sie
gilt als Friedensfreundin und stößt in
ihren Bestrebungen fortwährend auf
den Widerstand der Czarin-Mutter.
mit der sie schon vor dem Kriege in
heftigen Widerstreit geriet. Oeffent
lich läßt sie sich wenig mehr blicken;!
auch bei den großen Demonstrationen j
in Petersburg anläßlich des Falles'
von Przemysl fiel es allgemein auf.
daß kein Vertreter der Czarin den
Demonstranten den Dank überbrachte.
N e b e n den Kriegsmuseen in Thu
ringer Landen, wie auf der herrlich
gelegenen Wachfenburg bei Arnstatt
und in Eisenach. den beiden ältesten
Sammlungen in Thuringen, sowie
dem jüngst gegründeten in Jena soll
nun auch die Residenzstadt Weimar ihr
Kriegsmuseum erhalten. Die Anre
gung dazu ging von Berlin aus. dessen
Zeughaus den Bedürfnissen der kleine
ren Staaten des Reiches nicht die nö
tige Rechnung tragen, kann. Darum
soll für die Gründung in Weimar
nicht zum wenigsten die Darstellung
der Erlebnisse der thüringischen Trup
pen in Plastik und Graph berücksich
tigt werden, ohne daß dabei allgemeine
Gesichtspunkte vernachlässigt werden.
Als eines der wichtigsten Stücke ist ein
Gedenkbuch gedacht, in dem allen im
Kampfe fürs Vaterland gefallenen
thüringer Helden durch Dar,.ellung
ihres Lebens und Todes ein bleiben
des Ehrenmal gestiftet werden soll.
Mein deutsches Volk, oh dir ist viel :
gegeben.
Bewahre treu dein anvertrautes
Pfund.
j Vor allen Völkern will dich Gott er
j heben,
i Drum beue dich und halte seinen
Bund! Gerok.
Man meldet aus Rom: Unter dem
Titel Glückliche Vorzeichen! Nö
mische Waffen und Trophäen entstei
gen dem Boden!" berichtet Giornale
d'Jtalia." daß in Pompeji in Anwe
senheit der Minister Salandra und
Orlanda ein vier Meter hohes Wand
gemälde. einen Kriegswagen mit Schil
dern, Helmen. Lanzen, Köchern dar
stellend, ausgegraben wurde.
In Chile ist jetzt eine geologische
Landesanstalt von Staatswegen be
gründet worden, nachdem schon wäh
rend der letzten drei Jahre von den bei
den Landesgeologen Dr. Felsch und
Dr. Brüggen sowie von dem Direktor
Professor Maier Vorarbeiten dafür
ausgeführt worden sind. Diese Vor
arbeiten bestanden in der Herstellung
einer geologischen Uebersichtskarte der
Kohlendistrikte von Arauco und Con
cepcion, einer ebensolchen der Insel
Chiloe und deö Gebietes von Magel
lanes. Verschiedene wichtige Veröf
fentlichungen liegen schon vor, zum
Beispiel über das Kohlengebiet und
die Küstenkordilleren sowie über die
j Eisenerzlager des Nordens.
Man glaubt gar nicht, .wieviel ein
müßiggehendc Weltdame oder ein ewig
beschäftigter Gesellfchaftsmensch zu tun
hat!
Die Intensität deS Rückstoßes
wächst bei sehr großen Geschützen bis
zu einem Druck von 100,000 Kilo
ramm.
Kme
lie?
ea
r n
A A llA.nAA.Arl J
1H1K
nach seinem eigenen
Zugeständnis
begeht der Brauer
mit den hellen Flaschen.
Er sucht ja sicherlich '
reines Bier herzustellen,
und er könnte es auch wohl
in seiner Reinheit wahren;
aber er tut das nicht.
Er bietet seinen Abnehmern
den zweifelhaften Schutz
einer Decke aus Pappe.
helle Flasche
wamKammmmom
qcnmt nicht
9ß 9j
und er ßibt das tatsächlich zu,
denn er warnt feine Kunden
gegen die schädigeude
Einwirkung des Lichtes.
Reines Bier!
Wem es daran gelegen ist,
der trinke Schlitz
in braunen Flaschen.
Es gibt kein reineres Gebrau,
und dabei kostet es nicht mehr
als Bier in hellen Flaschen.
97
Schlitz" muß auf
eßjJßM
tyfbieev
That Made Milwauliee (Fsrnous,
Robert j. föartenstein
Zimmer LOS Wreitmeyer - SeSctuöe.
DerstcherungS', 'Zloiariat' und Hrundeigett-
tums -
VekepHon Main 2409.
Anzeigen in der Abcnd-Post
. erzielen gute RchMte!
der Kapsel stehen.
Fhone Maln 5529
O. R. McMillan Ca.
131 Wood ward Atc
Phooe Main 5270
O'Bnen A Co.
121 Wood ward Are., Detroit, Ulch.
Hejchast.

xml | txt