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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, October 31, 1915, Image 5

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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What is OCR?


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Detkiter Äbendpost, Sonntag den 31. Oktober ISIS. ,
Ä
Lolalc).
OV" Tie Telepkionnnmmcr der
idpst ist Main 2934.
Wetterburezi; W ash
in g ton, 31. Okt.
Für Tctroit und Umgegend heute
schönes und wärmeres Wetter; mor
gen bewölkt.
An die deutschen Fronen
Amerikas.
Zwar liegt das Wcihnachtsfcst noch
in weiter Ferne, doch möchte ich schon
heute mit einer echten, rechten Weih
nachtsbitte an alle deutschen Frauen
Amerikas herantreten und hoffe, da
diese frühzeitige Bitte nicht ungehört
berhallt.
Im Hafen von Portsmöuth, Va.,
liegen bikanntlich die beiden deutschen
Hilfskreuzer, die nach mutigen, an
(Gefahren und Abenteuern reichen
Fahrten in dem neutralen Hafen Zu
flucht suchen muhten. - Am Weih
nachtöfcste wird Deutschland mit rei
chen Liebesgaben all- seiner tapferen
Sohne gedenken, doch den hier Jnter
niertcn kann es nur gute Wünsche
und herzliche Dankesworte senden.
Da ist es die Pflicht aller deutschen
Frauen Amerikas, das Ihrige zu tun.
um auch ihnen eine liebevolle Weih
nachtbcfcherung zu bereiten, zumal
sie schon im vorigen Jahre das Fest
auf hoher See, abgcschnitctn von al
ler Welt und umgeben von tausend
Gefahren, verleben mußten.
Deshalb fordere ich alle deutschen
Frauen auf, sich an der Weihnacht
gäbe der deutschen Frauen" für die
beiden internierten Schüfe: S. M.
S .Prinz Eitel Friedrich" und S.
M. S. Kronprinz Wilhelm" zu be
tciligcn. Der Beitrag dafür ist so
festgesetzt, daß jeder ihn erschwingen
kann, und bei den vielen Gaben, die
die meisten Weihnachten austeilen,
fällt eine mehr kaum ins Gewicht.
3 e o e krau hatte einen
Mindestbeitrag von - 50
Cents zu leisten und es zu
übernehmen, für einen Ma
trosen ein Paket zu packen.
Dabei bleibt die Auswahl und Art
der Gabe ganz der Geberin überlas
scn. Sie kann auch dem Paket einen
WcihnachtSgruß und ihre Adresse bei
fügen, damit der Beschenkte ihr sei
ncn Dank ausdrücken kann. Je per
sönlicher unsere Gaben- sind, umso
mehr werden sie dazu beitragen, hei
matliche Wcihnachtsstimmung zu er
zeugen. Das Bargeld soll zum An
kauf vonIigarren. Wein. Bier, Weih,
nachtsgcbäck, Aepfeln, Nüssen und
zur Deckung der Erpreß und ahn
lichcn Kosten sein. Die Namen aller
Gcbcrinncn sollen in einer Gedenk
schrift aufgezeichnet werden, . die , in
zwei Exemplaren hübsch ausgestattet
den Kapitänen der beiden Schiffe
überreicht werden soll. Ich selbst
werde mcher meinem regulären Bei
trag für die gesamte Mannschaft
selbstgebackenen Marzipan stiften.
Wer in her Lage ist, größere Quan
titätcn an Gebäck. Aepfeln. Nüssen.
Zigarren etc. zu spenden, wende sich,
bitte, direkt an mich.
Zur Annahme der Geldbeiträge
haben sich in den verschiedenen Stadt
teilen Damen erboten, sie werden je
der Gcbcrin eine genaue Quittung
über beides aushändigen. Damen,
die in ihrer Nachbarschaft oder ihrem
Freundeskreise für die Bescherung
werben wollen, bitte ich um Zusen
dung ihrer Adressen und versehe sie
dann gerne mit einem 20 Quittungen
enthaltenden Buch.
Als Inhalt für die Pakete seien
folgende Gegenstände vorgeschlagm.
unter denen jeder seine Auswahl
treffen kann: Zigaretten. Pfeifen,
Tabak, Briefpapier, Füllfedern, Blei
stifte. Taschenmesser. Portemonnaies,
Kalender, Seife. Kämme, Bürsten,
Zahnpasta. Taschentücher, Shawls.
Handschuhe, wollene Strümpfe. Kra
Watten. deutschcBüchcr und ähnliches.
Alle Gaben erbitte ich möglichst
frühzeitig (spätestens bis 1. Dezem
der). Doch genügt vorläufig Mcl
dung unter Zahlung des Betrages.
Weitere Auskünfte erteile ich jeder
zeit gerne.
Also nochmals: Helfen Sie alle,
damit es uns gelingt, den Tapfern
ein schönes Weihnachtsgeschenk zu be
reiten.
FrauErnaJockisch. N
247 St. Nicholas Ave..
Brooklyn, N. I.
Aus dem neuesten Zarenmani
fest an Bulgarien: Wir ziehen das
Schwert mit blutendem Herzen."
Und werden es mit blutigcr9!ase wie
der einstecken.
Das Kind ans der Straße
Eine Betrachtung aus dem Leben deö
- . . Kmdes.
.Der Mensch ist daS Produkt sei
ner Umgebung." Dieser Satz be
wahrheitct sich insbesondere an dem
heranwachsenden Kinde. Wenn auch
in den erst Lebensjahren die El
tern fast unbeschränkten Einfluß auf
die Erziehung ihres Kindes haben,
so treten doch auch dann schon gehei
me Miterzieher auf, wie Ammen,
Dienstmädchen, Großeltern, Onkel
und Tanten etc. und hinterlassen in
der Kinderseele mannigfache Ein
drücke.
Kommt-daS Kind jedoch hinaus
aus den engen Grenzen seines Heims,
inö Freie, auf die Straße, dann tritt
ein neuer wichtiger Miterzieher in
Wirksamkeit.
Das Kind erhalt auf der Straße
manche Eindrücke, die man besser von
ihm fern hielte, wenn es eben möglich
wäre. Nicht alles, was es in den
Schaufenstern ausgelegt sieht, dient
zu seinem Nutzen. Aufreizende Bil
der erfüllen seine Phantasie mit un
reinen Gedanken, vergiften oft schon
in jungen Jahren sein kindliches Ge
müt. Büchertitel, Wltze in aufge
blätterten Zeitschriften im Buchhänd
lerladcn, Verse auf ausgestellten
Postkarten regen es auf und drängen
seinen Geist vielleicht in eine Rich
tung, die zum sittlichen Verderben
der Anfang sein kann. Wo es so
vielen verschiedenen Gesichtern begeg
net, sieht eS auch an den Menschen
mancherlei, hört es zufällig Dinge,
die sonst der Erzieher sorgsam be
strebt ist, von ihm fernzuhalten. In
der reichen Mannigfaltigkeit der tau
send wechselnden Eindrücke liegt an
und für sich schon eine Gefahr. Ihre
kaleidofkopifche Bunth?it und schnelle
Abwechselung, die gar nicht Zeit läßt
zum ruhigen Besinnen und Be
schauen, vcrbaucht viel Nervenkraft,
macht reizbar und befördert dadurch
die herrschende Krankheit des Jahr
Hunderts, die Nervosität Aber sie
führt ebenso zur oberflächlichen Be
trachtung der Mnge und Vorgänge,
zum Schcinwissen und zur Halbheit.
Und wo der junge Mensch auf der
Straße viel mit anderen Kindern zu
sammcnkommt, auch da fliegt der Sa
me des Unkrautes gur leicht in sein
unbewachtes Herz. Kinder nehmen
von ihresgleichen sehr viel an, ohne
daß sie erst lange prüfen, ob eS Gu
tes oder Schlechtes ist. Ein zufällig
gehörtes Wort, eine schnelle Gebär
de, eine flüchtige Stellung, sie genü
gen schon, in der Kinderseele einen
Eindruck zu hinterlassen, der sich nicht
mehr verwischen läßt. Wie der
Wind die Samenkörner hier und dort
hintragt, wie davon wohl manche ver
gehen, ersterben, wie aber zufällig
ein anderes einen günstigen Boden
Nndct, so ist es auch mit den Ein
drücken, denen das Kind auf der
trane gegenübersteht. Welche El
tern hätten darin noch keine Ersah
rung gemacht, wie ihr Kind eines
Tages von der Straße hereinkommt
und Worte gebraucht, die es daheim
nie gehört hat? Und manches hat es
auf der Straße erfahren, wovon es
zu Haufe nichts merken läßt, weil es
eben ahnt oder weiß, daß es nichts
Gutes ist.
Das ist eben mit der Ucbclstand.
daß so vieles in der Erziehung durch
die Straße geheim bleibt. Die El
tern wissen nie, was ihr Kind drau
ßen in sich aufnehmen kann, ob Gu
tes oder Böses. Ein Gassenjunge
oder mädchen zu sein, schließt in der
Regel kein Lob in sich. Diese Be
Zeichnung erinnert zuviel an Vcrwil
derung, Ungezogenheit. Mancher hü
tct darum sein Kind ängstlich vor den
Einflüssen der Straße, und gewiß ist
diese Absicht nur löblich.
Aber wir können das Kind nicht
immer so durchs Leben begleiten: es
muß lernen, allein zu gehen, selbstän
dig gewordene Eindrücke in sich zu
verarbeiten. In diesem Lichte gc
sehen, gewinnt auch die Straße sür
das Kind noch eine andere Bcdcu
tung. Hier muß es sich oft daran
gewöhnen, selbständig zu handeln,
Geistesgegenwart zu beweisen, Ent
schlüsse zu fassen und zu verwirkli
chen, zu beobachten, zu beurteilen, zu
entscheiden. ' So wird die Straße
gleichsam eine Vorschule für das spä
tcre Leben, sie wird für das Kind
zum Strom der Welt, wo sich sein
zukünftiger Charakter bereits an
setzen und entwickeln kann. Aber
soviel ist in jedem Falle sicher, daß
dieser Ort mit zu den bedeuwngS
vollsten Miterzicbern des Kindes ge
hört. Und auf diesen oft ' gesährli
chen Faktoren müssen Eltern und
Erzieher stets ein besonders wachsa
mes Augenmerk haben.
Zunächst ist eS die Mannigfaltig
keit der Eindrücke, der finnlichen
Wahrnehmungen, die auf des Kindes
Gemüt mit dem Reiz des Neuen ein.
drängen. Auf Schritt und Tritt fällt
ihm etwas Neues ins Auge: kiier das
Haus, daneben der Garten, hier der
Turm, daneben der Latcrncnpfahl.
jetzt ein Drahtzaun, die Tiere, die
Bäume etc. Wieviel verschiedene,
für das Kind neue Dinge reihen fich
da schon . einander, und wieviel gibt
es nicht wieder an jedem einzelnen
dieser Gegenstände zu beobachten!
Ihm sind all diese alltäglichen Sa
chen etwas Neues. Es sieht sie auf
merksam, interessiert an und gewinnt
dadurch klare, selbstgewonncne An
schauungcn und Vorstellungen, die
in genügender Menge da sein müs
sen, damit eS fühlen und denken, da
mit es sich seelisch und geistig betäti
gen kann.
Ja, auf der Straße lernt daö
Kind, was wir Großen oft schon wie
der verlernt haben, daS Sehen.
Und dann der Inhalt des Gesehe
nenl wiaa oenre nur cm eine trake
in der Stadt, in der Großstadt, die
eine ganz andere Wirkung hervor
bringen wird, als die Gasse des
Kleinstädtchens. Wie hier die Straße
asphaltiert wird, wie sich dort das
prächtige Museum präsentiert, wie
und warum die" Elektrische auf ein
mal stehen bleibt, daS alleS setzt sei
nen Gedankenkreis in Bewegung,
führt zum Nachdenken. Die verfchie
denen Waren in den Schaufenstern
vermitteln eine Unmenge anschauli
cher Kenntnisse: Waren aus fremden,
fernen Ländern, die Erzeugnisse der
heimischen Industrie. Und alles prägt
sich der Seele leicht und natürlich
ein und wird nie wieder vergessen.
Auf der Straße lernt das Kind
aber nicht nur eine Menge neuer Din
ge kennen, sondern tritt auch in Be
zichung zu anderen Menschen. Man
ches Einzige", das daheim stets al
lein sein muß oder in der unkind
lichcn Atmosphäre der Erwachsenen
seine langweiligen Tage hinschleppt,
findet auf der Sttaße vertraute Ge
nossen zum lustigen Spiel. Und hier
ist die stille, geräumige Straße des
Heimatstädtchens wieder im Vorteil
gegen die lärmende, von geschäftigen
Menschen und Tieren erfüllte Straße
der Großstadt. Wie steigt sie auf in
der Erinnerung, ihr grünen Anger,
ihr Tummelplätze fröhlicher Kinder
spiele, von denen wir nur ungern
scheiden, wenn in der Dämmerung
der Gang ins Haus angetreten wer
den mußte. Zwar erzieht das Spiel
im Freien das Kind schon an und für
sich; aber auch sonst noch wirken die
Menschen auf der Straße auf seinen
Charakter ein. Da wird manche un
angenehme Eigenschaft abgeschliffen,
die im Haufe oft nicht einmal beach
tct und bekämpft wird. Kinder sind
bekanntlich große Egoisten: sie ha
den ein feines Gefühl für das, was
ein anderes Kind Unrechtes getan
hat und üben meist ein schnelleres
Gericht über ihresgleichen aus. als
Eltern es tun, die in ihre Kinder
oft mehr als verliebt sind. Aber auch
daS ganze öffentliche Leben der Men
schen, das sich auf der Straße ab
spielt, beeinflußt die empfängliche
Kinderscele. Das Kind begleitet den
ernsten Leichenzug zum Friedhofe,
begegnet dort einem Lahmen, der nur
mit Mühe weiter humpeln kann,
läuft mit dem Festzuge mit durch die
Straßen, sieht hier, wie das gcmar
tcrte Zugttcr sich bäumt unter den
unbarmherzigen Schlägen des hart
herzigen Treibers. Alle diese ver
schiedenen Erlebnisse setzen sich in sei
ner empfänglichen Seele fest und hin
terlassen dort ihre wirksamen Spu
rcn.
B. V d.
Slat-Saison wird eröffnet
Erstes Tovrnamcnt des Detroit
Klubs nächsten Sonntag.
Turnier der Eric Skat Leagne findet
in Tctrvlt statt.
Das erste SkatTurnier der neuen
Soison des Dctroitcr Skatklubs sin
det am nächsten Sonntag in der Halle
des Concordia'Gesangvererns, an
Mack und Elmwood'Avenues, statt
und große Anstalten wurden gctrof
scn, ' dasselbe zu einem angenehmen
sür alle Beteiligten zu machen.
Der Skatklub geht mit dem Ge
danken um, in der neuen Saison all
monatlich ein Turnier zu veranstal
ten; das zweite Turnier findet am
ersten Sonntag :m Dezember in der
Halle des Kaufmännischen Vereins
(GermanAmerican Association), das
nächste im Januar in der Harmonie
halle, im Februar eins in der Turn
halle und die folgenden Tourna
ments sind noch nicht festgesetzt wor
den.
Der Vorstand des Skatklubs er
sucht seine Mitglieder, diesen Turnie
rcn das größte Jnterce entgegen;
bringen, damit das Turnier der
Erie Skat League, das im Laufe des
kommenden Sommers in Detroit
stattfinden wird, ein großer Erfolg
werde.
Deutsch -Irländische Ver
brüdcrung. Lebhafte? Interesse für die Massen
dersammlnng am Sonntag.
In allen deutschamerikanischen
Kreisen giebt sich bereits das lcbhaf
teste Interesse sür die am nächsten
Sonntag abend in der Armory statt
findende Massenversammlung unter
den Auspizien der hiesigen organi
siertcn Jrländer kund. Wie bekannt,
soll sich diese Versammlung nicht nur
zu einer gewaltigen Demonstration
der Jrländer gegen die anglovhilcn
Bestrebungen in den Ver. Staaten ge
stalten, sondern auch zu einem wah
rcn Vcrbrüdcrungsfest zwischen
Irisch Amerikanern und Teutsch
Amerikanern werden. Einzelheiten
des Programmes werden demnächst
bekanntgegeben werden, doch kann
schon heute . gesagt werden, daß ge
dicgcne Redner hicfür gewonnen
wurden. Der Eintritt in die Ver
sammlung wird frei sein und nur
eine beschrankte Anzabl reservierter
Sitze werden auf der Gallerie ver
kauft werden. Mit dem Vorverkauf
der Sitze wird nächsten Donnerstag
bei Grinnell Bros, begonnen werden.
Stimmungsbilder aus
Deutschland.
Von Herrn Architekt Gustav A.
Müller ist unS ein Brief zur Verfü
gung gestellt worden, den er von sei
nem Freunde, Herrn Albin Haehle,
Direktor der Vereinigte Elbeschiff
fahrts-Gefellschaft, Station Dresden,
vom 21. September datiert, empsan
gen hat und welchem wir die folgen
den interessanten Stellen entnehmen:
Liebe Freunde!
Gestern nachmittag gab eö für
unS eine freudige . Ueberraschung
durchEintreffen amerikanischer Post!
Gleich 2 Karten und Gustav'S länge
rer Brief nebst freundlichst gesandten
Zeitungs Ausschnitten kamen an
und fanden alle unser vollstes Inte
resse. Besonders herzlichen Dank
für die liebenswürdigen Geburts
tagswünsche,, die uns durch die Un
gunst der gegenwärtigen Zeiten et
was später als wohl beabsichtigt an
langten. Deine Ausführungen , und
Ansichten über die gelbe -Presse und
Jingo Amerikaner finden natürlich
unseren vollsten Beifall und Zustim
mung und sind uns selbstverständlich
aus vollster Seele geschrieben. Da
raus ersehen wir ja zu unserer freu
digcn Genugtuung, daß unsere lie
ben Freunde trotz so langer llbwesen
heit von der alten Heimat ihr un
vcrfälsck)teS Deutschtum nicht aufge
geben haben. Deutsch sein heißt
wahr und aufrichttg sein und ich
denke, das haben wir in dem giganti
schen Wcltenkampfe hinlänglich be
wiesen. Was in dcr gelben Presse
iind in der anderer feindlicher Staa
tcn blos alles zusammengelogen
wurde und welche Schmähungen und
gemeine Zerrbilder von unserem ge
liebten Kaiser, der nicht von seinen
Truppen in West und Ost gewichen
ist. in die Welt gesetzt wurden, davon
haben wir leider unzähliche Beweise
in Händen.
Wie hebt sich dagegen die deutsche
Presse in Deutschland wohltuend ab.
In den illustrierten Blattern z. B.,
die anfangs den König Albert von
Belgien und andere feindliche Herr
scher bildlich darstellten und Anspic.
lungcn oft ganz dezenterNatur mach
ten. sieht man seit Jahren nichts
mehr, was auch nur halbwegs für
die Beteiligten kränkend sein könnte.
Nicht mal der verrrätcrische Herr
scher des dreckigen Sticbels, welch
letzterer von einer Seite geschmiert
und von der anderen gewichst wurde,
kann sich über in Tcutschlan.i erschie
nene Pamphlete beklagen. Die deut
sche Regierung wünschte das nicht
und dieser edlen Anwandlung und
Gesinnung hat sich die Presse und
der Verlag der veschiedenen illustrier
ten Zeitschriften gefügt. - Das ist
doch fo rechte Hunnen und Barbaren
Art! Ich habe von meinen mir un
terstclltcn Beamten 21 im Felde,
meistens in Belgien und Frankreich.
Viele hatten Urlaub bekommen und
haben mir erzählt, daß . soviele von
Kameraden ihr teures Leben in Vcl
gien lassen mußten, weil das Volk,
aufgehetzt von einer gewissenlosen
Presse, namentlich aber auch von den
jesuitischen Patres, die einen sehr
großen Einfluß ausgeübt und die
arme Bevölkerung irregeleitet hatte,
unsere Soldaten, in erster Linie die
Offiziere, meuchlings erschossen hfr
ben. Wenn dann die gerechte Entrü
stung in Zerstörung der Ortschaften
sich bemerkbar machte, so ist das wohl
zu verstehen und keinesfalls dazu an
getan gewesen uns als Hunnen und
Barbaren zu bezeichnen.' Wie viele
Soldaten haben ihr Brot mit dcr
notleidenden Bevölkerung geteilt.
wieviele Aerzte haben ihr Hilfe anqe
deihcn lassen, das haben, mir meine
Beamten erzahlt und vorher oft pho
tographisch aufgenommen. Das ist
aber keine Ruhmredigkeit und Prah
lerci von den Soldaten gewesen. daS
haben sie alle als ihre Christenpflicht
bezeichnet.
Der deutsche Soldat ist vermöge
der ausgezeichneten, durchgreifenden
Schulbildung überwiegend gesittet
und gut erzogen, sogar weichherzig.
was man oft leicht als Gefuhlsduse
lci bezeichnen könnte, dabei aber in
jeder Richtung gehorsam, gut diszi
vliniert und anvassunaSfähia. Die
Offiziere find ein leuchtendes Bei
spiel von Unerschrockenst und Mut,
Ein Volk, welches so erzogen ist und
einen solchen Kaiser an der Spitze
hat. kann nun und nimmer unter
gehen und wir sind alle stolz darauf,
Deutsche zu scm und bleiben zu kort
nen. Morgen, am 22. September,
mittags 12 Uhr, läuft die Zeit ab
wo wir Deutsche uns an der' Zeich
nuna dcr dritten Krieasanlcihe be
tciligcn können, und wenn diese Zei
lcn in dcnVcsitz unserer licbenFreun
. !de kommen, so wird längst der Draht
das Ergebnis gemeldet haben, cy
zweifle nicht daran, daß es ein sehr
günstiges sein wird, auch hierin wirst
Du lieber Freund, einenMaßstab für
unsere Vaterlandsliebe und die Ab
z ficht durchzubaltcn bis zum Acußer
sten finden können. Viele kleine
Leute werden diesmal Kricgsan
leihe zeichnen und Italien würde
wohl froh sein, wenn nur Brosamen
davon für sich abfallen konnte.
Vorgestern war Wilna gefallen,
heute liest man wieder, daß die Scr
ben bei Senmendria durch deutsches
Arttllericfeuer vertrieben wurden,
also überall die Deutschen an der
ganzen unermeßlichen Front. Es
sieht natürlich noch nicht aus, als ob
ein zweiter Winterseldzug vermieden
würde, alles richtet sich schon darauf
ein. Da möchte man aber besorgt
sein, daß die Italiener noch an die
Hände frieren. ES wird überhaupt
empfindlich kalt hier. Heute früh 5
Uhr hatten wir nur 1 Grad Wärme,
aber die Dächer waren schon bereift.
DaS Ergebnis der Getreide und
Kartoffelernte ist gut, letztere ist so
gar alS sehr gut zu bezeichnen. Wir
bekommen eine Kartoffelernte wie nie
zuvor. DaS hat aber auch seinen
Grund darin, daß jeder kleine Mann,
der einen sogenannten SchieberGar
ten gemietet hat und daS sind nicht
wenig cm den Peripherien der Groß
städte, viel Kartoffeln und Gemüse
angebaut hat. In Fleisch, Speck,
Butter, Mich sind die Preise zwar
hoch, aber im Hinblick auf den gestei
gerten Verdienst überall not) zu tra
gen. sue Regierung gcyr aoer
scharf gegen Preistreibereien vor und
sind auch schon Besttafungen nach
dieser Richtung hin erfolgt. Unser
chiffahrtsbetrieb ist noch aufrecht
erhalten worden, aber da Xolv natür
lich keinen Import und keinen Ez
Port haben, schwächer wie sonst. Da
ür sind wierum viele Bedienstete
eingezogen worden, und für uns Da
heimgebliebcnen langt die Arbeit da
her zu.
Sonst geht alles in unserem lieben
Dresden beim Alten. Nur ein ge
nauer Beobachter könnte das Fehlen
von Männern herausfinden. Die
traßenbahnen verkehren wie früher
pünktlich, sie sind aber bei den An
hängerwagcn mit Schaffnerinncn be
setzt, meistens von Frauen, deren
Männer im Felde stehen. Diese ver
dienen die Stunde 35 Pfg. macht bei
810 Stunden 2.80 3.50 Pfge.
Herr Herman Knorr empfing von
seinem Freunde, dem Herrn Bürger
meistcr LouiS Ballin zu Ganders
heim, am Harz, eine Karte des fol
genden Inhaltes:
Mem lieber Freund!
Es drängt mich. Dir mal wieder
zu schreiben. Da ich als Bürgermei
ster infolge des Kriegszuftandes sehr
viel zu tun habe, so entschuldige, daß
ich Dir diescsmal nur eine Karte
schreibe. Die Größe dieses Krieges
fordert viele Opfer. Meine Fami
lie, auch die im Felde stehen, ist Gott
sei Dank, bis jetzt verschont geblieben.
Aber mancher Freund ruht in frem
der Erde. Sonst hat sich in unserem
bürgerlichen Leben kaum etwas ver
ändert. Wir haben Ueberfluß an
Allem, was der Mensch gebraucht.
Eine große Ernte, wozu jetzt auch ei
ne Kartoffelernte kommt, wie sie seit
vielen Jahren nicht dagewesen, hat
unsere Ernährung vervollständigt, so
daß sie für daS ganze kommende
Jahr und darüber gedeckt ist.
Wir merken im ganzen Deutschen
Reiche nichts vom Kriege, und haben
trotz der Hcerespflichtigcn keinen
Mangel an Arbeitskräften, der al
lerdings teils durch Gefangene ersetzt
wird, weil sie es viel beftV haben.
Wir sehen mit voller Zuversicht al
lcn Kommissen entgegen. Jeder
mann drängt sich zur Mithilfe sür
den erfolgreichen Ausgang. Viele,
die über die Pflichtigen Jahre hinaus
sind, gehen freiwillig und die Be
geisterung hat bis heute nicht nach
gelassen.
Es geht im ganzen Deutschland
seinen gewohnten Gang, aber alle
wünschen wir einen baldigen für uns
glorreichen Frieden herbei. Lebewohl
mein lieber Hermann und grüße
Deine Familie von Deinem getreuen
Freund
LouiS Vallin.
Wohlfahrts-Einrichlungcn
in dcr Chalmcrs-Fabrik.
Rnhczimmcr, 'Hospitäler und arztliche
Behandlung.
Frl. Jda Tarbell, eine bekannte
Schriftstellerin, kam kürzlich auf ei
ner Tour durch moderne Fabriken
nach Detroit und äußerte sich, höchst
anerkennend über die Wohlfahrts
Pläne und Sanierungssysteme, wel
che in der großen Chalmcrs-Fabrik ,
Eingang fanden. i
Ein vollständig eingerichtetes Not'
Hospital unter Leitung von drei
Aerzten und einer Krankenpflegerin,:
bequeme Ruhezimmer für die Weib
lichen Angestellten unter Aufsicht ei
ner kompetenten Matrone, ärztliche
Ordinattonszimmer mit vollständig
ster fachmännischer Ausrüstung, so
wie ein vorzügliches sanitäres. Sy
stem in der ganzen Fabrik werden in
Frl. Tarbell's Bericht rühmend er
wähnt. Das Sanierungs-System
wurde nach einer Reihe von erschö
pfenden Versuchen von Dr. Boyce W.
Kniht, dem berühmten Londoner
Bakteriologen,- eingeführt. Jede
Nächt werden die Wände, Böden und
Decken der Fabrik mit einer Desin
fcktionsflüssizkeit ' gründlich gerei
nigt. Durch 23. P. Bradley, den Lei
ter des Wohlfahrts - Departements, !
nimmt die Chalmers Co. einen leb!
haften Anteil an dcr auf die Ver!
mchrung dcr Zahl der naturalisierten j
Bürgern abzielenden nationalen Bei
wegung. Da die Kenntnis der eng!
lischcn prache ne der hierbei in i
Betracht kommenden wichtigsten Er
fordernisse ist, wird dcr Erlernung!
der Landessprache durch den Besuch,
von Abendschulen größtmöglicher ;
Vorschub geleistet. Durch Einführung ;
eines zielbewußten Ueberwachungs !
sustemS in, Bezug auf gefährliche Ma i
schlnen etc. wurde die Zahl der Un
glücksfälle in den letzten beiden Jah
ren auf 70.3 Prozent reduziert.
Vom Blilbcrtisch.
Altmodischer Svrnch.
UZeicheS Herz und weicher ofcs:
Ein braver Mann, ein auter Tropf.
Harter Kops und hartes Herz
Macht die Welt voll Kampf, und Schmer,.
Weicher Kopf, das Herze hart,
DaS ist schlimme, böse Art.
Harte Köpfe, die Herzen weich:
Auf solchen ruht daS Teutsche Reich!
HanS Thoma.
Diesen Spruch entnehmen wir dem
soeben erschienenen OktoberHefte der
Tarmstädtcr Kunst Zeitschrift
Deutsche Kunst und Dekoration
(herausgegeben von Hofrat Alexan
der Koch). Das Heft ist gleichsam
eine Huldigung zum 76. Geb: rtstage
Hans Thoma's (2. Oktober), des
Altmeisters dcr deutschen Malerei.
Eine unveralcichlicke Uebersicht über
das reiche Lebensmark des begnadeten
Künstlers ist in 31 Abbildungen und
farbigen Beilagen geboten. HanS
Thoma selbst hat zu den zahlreichen
Wiedergaben seiner Gemälde einen
ansprechenden Rückblick 'geschrieben,
der das Eindringen in d!e SÄasfens
und Empfindungsart des Meisters
außerordentlich erleichtert.
Niederträchtiger Angriff
ans Knabe.
Herbert Reed von röckwärtö mit
Sönre bespritzt.
Daö Augenlicht konnte zum
gerettet werden.
Glück
: Der sieben Fahr alte Herbert
Reed cmS No. 1268 16. Straße
.stand gestern nachmittag vor einem
Candy-Laden an 14. und Antoi
nette-AvenueZ und bückte sehnsüchtig
nach den ausgestellten Süßigkeiten
im Schaufenster, als ein etwa grö
ßerer Knabe plötzlich hinter ihn trat
und ihm irgend eine Säure ins Ge
ficht spritzte. Herbert schrie vor
Schmerzen laut auf und wurde von
hinzueilenden Personen nach einem
Arzte in der Nachbarschaft gebracht,
der durch schnelle Hilfeleistung daS
bedrohte Augenlicht des Knaben ret
ten konnte.
Der Angreifer des Knaben enttam
unerkannt und aus welchem Grunde
der hinterlistige Angriff auf Herbert
ausgeführt wurde, entzieht sich je
der Kenntnis. Der Zustand des klei
nen Opfers des Angriffs ist ein be
friedigender, doch hat er schlimme
Brandwunden im Gesicht erlitten,
deren Spuren er wohl zeitlebens
aufzuweifen haben wird.
Wenn der Krieg noch lange an
dauern sollte, wird England vielleicht
gezwungen sein, alle geraubten Kolo
men an andere Nationen zu ver
schenken.
Todeo-Anzeigc.
Allen Verwandten, Freunden und
Bekannten hiermit die traurige
Nachricht, daß gestern, Samstag, den
30. Oktober, unser geliebter Gatte
und Vater
ChaS. Brccm
im Alter von 45 Jahren sanft ent
schlafen ist.
Das Leichenbegängnis findet statt
. am Dienstag, den 2. November, nach
l mittags um 2 Uhr vom Trauer
! Hause aus, No. 78 Forman Avcnue,
und um 2:30 Uhr von Evang. Luth.
St. John's Kirche.
Um Mll Xellrtabrn Mf
Tie trauernde Hinterbliebene
Lea Bnem, attin.
William Vxrem,
Fred 9tttm,
vyarle Vrera, fr
El Vnem,
rnnset.
Detroit, 31. kt.. 1915. 2l
?7L!S.. i
Todeö-Anzeige.
Allen Verwandten, Freunden und
Bekannten die schmerzliche Nachricht,
daß am Donnerstag, den 23. Okto
bcr, unser geliebter Sohn und Bru
dcr
Wm. Schuaidt
im Alter von 32 Jahren sanft ent
schlafen ist.
Das Leichenbegängnis findet statt
am Montag, den 1. November, nach
mittags um 2 Ubr vom Trauerhause
No. 1008 Forest Avenue nach
fr'm Tcutschlutherischen Fnedhofe
per Labelle AutomobilLeichenwagen.
vm ma Tkilnadm Bitten
Die trauernden Hinserftkifenen
Vertha echnidt, Mutter
Cürtft matdt.
Lvvtte echnaidt,
,. Frau Han ,
grau ZLilly Verhue.
Geschwister.
Detroit. 31. Oktober 1915.
TodeS-An;ciqc.
Allen Verwandten, Freunden und
Bekannten die schmerzliche Nachricht,
daß
' Adam Shank,
Mitglied des Minton Camp No.
157. W. O. W., gestern gestorben ist.
Das Leichenbegängnis findet statt
vom Trauerhause, No. 126 Penn
sylvania Avcnue aus am Dienstag
Morgen um 9 Uhr per Kntschcn nach
dem Mt. Olivet Fricdhof.
Um sUlle Teilnahme bitten
ft t,auernden Hinterbliebene
D e t r o i r. den 30. Oktober 1915.
B. Sein und Tobn. Tb. eist. Eiaentb.
Leichendestatter. N. 290 Randolpbstr. Tel. 11.
Dr. M. KÜNSTLER
176 AdamS Ave., nahe Antoine Str.
Deutscher Arzt
Spezialist in nervösen und chrom
schen Leiden. Früher Arzt des staat
lichen Hospitals im Staate New Aork
Telephon Cadillac 1956.
Osficestunden: 9 mgs. bis 1 mit
tags und 6 bis 9 abends. Sonntags
und Feiertags geschlossen.
Wo ist HanS Bnrger?
Hans Bürger wird gesucht von sei
nem Freund und Landsmann John
Gottwald, beide Berliner. Wir ver
reisten letztes Jahr von New Fork:
Burger nach Tctroit.
Adresse: Gen. Dclivery, oder 331
Brainard Str. Slokll

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