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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, February 04, 1916, Image 15

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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Der Serdacht.
Innern Krieg scrlebniß nacherzählt von
Margarethe Wolf f-M e d e r.
Tiefe einsame, fchnxrmüthigeLand
fchaft. weiter, grünender Sumpf und
Wiefcn.-Hinter den Wiesen ein friegs
wunder, halbverbrannter Wald.' Und
hier die Reste eines polnischen Tor
sc. Pompeji" hatte irgendwer von
den Soldaten es getauft. AmEingang
der Trümmcrftättc stand der S!ame
mit schöner deutlicher Schrift auf ei
nem Holzbrett verzeichnet, und darun
ter die Regiments, und Kompagnie
numlner der Sieger, die hier gestürmt
hatten. Und fo nannte nun jedr das
9iCf; und die Einwohner Pompejaner.
Tas war den Soldaten immerhin
leichter ?uszusvrechen als der eigentli
che polnische Name.
oritj Schwerdtfeger fah mit seit
sam tiefen, schauenden Augen in die
Weite. Seine Kompagnie lag hinter
denk Torfe in einem polnischcnSchlos.
se in Ndcstcllung. Sie hatte gestern
eine starke, russische Feldbefesngung
gestürmt, war nicht mehr gcfechts.
stark und erwartete die Auffüllung
aus der Heimath. Ta weiter dorn,
vor Sumpf und Wiesen und Feldern
tobte der Kamps. Tic Russen flohen
ins Innere ihres Landes, brennende
Dörfer säumten den Horizont mit
blutigrotkeniGürtel Tumpf grollend
tönte (Geschützdonner heri'ibcr.
Hier aber stieg bläulicher Abend
ncbel aus dem Erdreich und legte sich
roie ein.' sanfte Hülle über das trauri
ge Torf, die verwüsteten Felder und
Wiesen. Plötzlich aber stand in den
weilen Feldern ein alter polnischer
Jude im langen Kattan. Er hielt et
wa" in der Hand und betrachtete es
aufmerksam. vritj erkannte in dem
aufblitzenden Ting einen gebogenen,
rustischen Säbel. Ter Alte prüfte die
Klinge, schüttelte den Kopf, zog einen
Wcstein aus der Tascbe und schärf
te die Schneide. Tann bückte er sich
nieder :nt mäbtc mit dem blitzenden
Säbel die Halme.
Fritj ging crner über einen Weg.
der eine Landstraftc sein sollte, 31t dem
Alten hin. ..N'Abend", sagte er.
Ter Alte fing heftig an zu zittern
lind lies; den Säbel fallen. Er mach
te eineil tiefen Bückling, sah aber
Fritz aus düsteren, glimmenden Au
gen feindselig an.
Er wolle ein bischen Korn mähen,
e sei in Kornfeld. Er brauche Mehl
für seine Tochter und ihre Kinder,
sagte er in gebrochenem Teutsch.
,ritz äußerte, er würde ihm gerne
helfen, wenn er nur eine Sense hätte.
Ter Ute schüttelte den Kopf, daß
seine K'rkzieherlocken flatterten. Wä
re nichts da. Kein Gcräth . . . Gar
keinö . . . . Ein Teutscher" brauche
in: nicht belfen. Und wieder stand
der bassende Ausdruck in seinen Klei
nen Augen.
Ob die Teutschen idm etwas gethan
hätten, ira.-.tc Fritz Schwerdtfeger.
Sie hätten seiner Frau das
Schlimmste angethan und sie dann er
stechen. Er hätte sie, als er nach Hau
se gekommen wäre, mit einem kurzen
deutschen Säbel in der Brust aufge
funden. Ich selbst habe sie gcfun
den . . . Ich". Er legte die rechte
Hand beschwörend auf dieBrust, dann
legte er sie über die Augen und
weinte.
Tas glaube ich nicht," sagte Fritz.
Aber der Alte schwor tausend Eide,
das; es so sei. Er habe srübcr auch
nickt so wasSchlechtes von Taitsche"
gedacht. Sei Freind voll Taitschc"
gewesen. Aber jetzt ickit mehr.
Fritz kebric mit stillem, nachdenk
lichem Besicht in daö polnische Schloß
zurück.
Außer seiner Kompagnie war da
noch eine Feldtelegaphcnabtheilung
auf dem Turchinarsch. Tas waren
junge Leutchen aus der Heimath, de
nen nun Zinn ersten Male der Wind
des Schlachtfeldes um die Nase weh
te. Viele Berliner waren darunter.
Tie hatten ibre Pferde in der Vor
balle des Schlosses untergebracht'
denn die Ställe waren zerschossen,
während sie selbst sich mit ihm und
'einen kanleraden den großen Saal
mit den Almcnbildcrn als Schlaf
raum theilten. Einer faß da in einer
Ecke an einem Tisch und schrieb. Als
er jetzt fertig war, nickte er dem Bild
nis; der alten Polin, das isirn gegen
über hing, zu. Na, Iroßmama, ick
babe denen zu Hause Tcin olletSchloß
bier mächtig rausjes.richen. Von We
sen polnisches Irafenschloß. Ick sage
Dir, en Berliner Haus mit berrschaft
llcheil Ailfjang is mir lieber.". Er
lachte, und auch über Fritz Schwert
fegers ernstes Gesicht glitt ein Lä
cheln. Ter iragte den jungen Kameraden,
wie es denn dahinten in der Hcimath
wäre. Ob man noch guten Mutbes
sei We die Ernte ausfallen werde,
und was dergleichen so mebr war,
nwC er auf dein Herzen hatte.
Es fei dahinten in Tcntschland al
les in dester Ordnung, daß die im
mer guten Muthes blieben, dafür
sorgten die Siegesnachrichten. Seine
Mutter bätte schon zum zweiten Ma
le schwarze, nvißen lind rothen Kat
tun gekauft und bätte eine neue Fah
ne genäbt: denn die erste, mit der sie
Lüttich. Antwerpen. Tannenberg und
alle die anderen Siege gefeiert babe,
sei nlln schon verbraucht, die zweite
babe sie mit Iwangerod und War
schau eingeweiht. Ja, so ungefähr sei
dic Stimmung überall in Teutsch,
land. Zuversichtlich, gllt und stolz.
.Ja," sagte Fritz Schwerdtfeger
uftb schlug mit der flachen Hand dröh
nend auf den Tisch, stolz find die zu
Hanse auf uns, das sollen sie auch
sein . . . aber . . . aber "
Er schluckte, als würge er etwas
hinunter, schwieg sekundenlang. Tann
ftlhr er grollend auf. Und cs ist nicht
wabr .... Es ist nicht wahr . . .
Ich glaube es nicht."
Was denn?" fragte der junge Te.
legraphist verwundert.
Und auch einige von Iritzes Stom
pagniekameruden traten herzn und
fragten, was denn los sei.
Er ,-ögerte noch ein Weilchen, dann,
die Stimme dämpfend, erzählte er
sein Gespräch mit dem alten polni.
schen Iitdcn, lind was der einem deut
schen Soldaten zum Vorwllrf mache.
Tas lügt der olle Pompejaner.
Wir sind doch keine Kosaken," schrie
der Wehrmann Krause.
Wer weiß, wie das zusammen
bäligt," sagte ein anderer, der auf
einem mottenzerfressenen Polsterstubl
saß und bedächtig an seinem Kommiß
brot mit Speck kaute.
Vielleicht is er von die Russen ge
kauft. Die suchen doch mit Gewalt
uns was anzuhängen."
Immer mehr Soldaten kamen her
zu, umstanden den Tifch und äußer
ten sich erregt zu der Verdächtigung
des Alten.
Plötzlich ließ ein dumpfes Gepol
ter sie aufhorchen. Es hörte fich an,
als wenn ein schwerer Gegenstand
jenseits der Waild, vor welcher der
Tisch stand, niederfiel.
Einige stießen die Thür zum Ne
benraum auf. sahen sich in einem
schmalen Gng zwischen den ungeheu
er dicken Thürpfosten und gelangten
dann erst in ein halbrundes, jedoch
vollständig ausgeräumtes Zimmer. .
Hier ist die Poltcrei nicht gewesen-,
sagte der Wehrmann Krause.
..minder", meinte ein anderer und
klopfte mit denlKnöchel hart gegen die
Wand, diese dicken Wände. Tie sind
bobl. Tas ist ein Schornstein. Ein
Stein wird runtergefallen sein."
Aber wie sie wieder alle in den
Saal zurücktraten, ertönte das Pol
tern von neuem, und diesmal stärker.
Ter kleine Telegraphist sprang auf,
zeigte auf das Bild der alten Polin
und rief: Iroßmama hat fich ver
beugt". Wahrhaftig, wie sie hinsahen, stand
der schwere schwarze Rahmen des Bil
des oben einige Zentimeter von der
Wand c.b, während er unten wie ein
geklemmt war.
Eine Thür," sagte einer.
Und drei, vier standen sogleich' vor
dem Bild und zerrten an dem Rah
men. Es war wirklich eine Thür. Und
wie sie fich nun knarrend öffnete, pol
terte ein schwerer Körper heraus und
den Soldaten vor die Füße. Eine steil
aufsteigende Wendeltreppe zeigte fich
in der dunklen Oeffnuzig.
Ein russischer Soldat lag zu den
Füßen der jungen Telegraphisten und
Wetzrmänner. Er war todt.
Ter Tod mußte schon vor Tagen
eingetreten sein ; denn es machten sich
bereits Verwesungszeichen am Körper
bemerkbar.
Der junge Telegraphist war ein
wenig blaß geworden, die anderen
aber, die den Krieg und seine Schrek
ken bereits kannten, hatten nichts als
ein verwundertes' Fragen in den An
gen.
Mail trug die Leiche auf den Hof,
wo einige der Torfbewohner mit
Schüsseln und Töpsen standen, um
aus der Feldküche Essen zu empfan
ge. Auch der alte Jude im langen
Kaftan mit zwei kleinen, schwürzäugi
gen Mädchen war unter den Hungri
gcn. Wie sie nun aber die Leiche sahen,
drängten sie alle neugierig herzll.
Ter im Kaftan fing an zu zittern,
und mit dem Finger auf den Todten
zeigend, sagte er: Taitsche Soldat!
Ich ihn kenne!"
Und nun sahen es auch die anderen,
daß der Todte ein rohledcrnes deut
sches Soldatenkoppel trug. Tas Sei
tengewehr aber fehlte.
Fritz Schwerdtfeger war mit ei
nem Sprung bei dem Alten lind pack
te ibil heftig am Arm. Alter, der,
der da hat Teinc Frau umgebracht."
Ter Alte schien den Todten mit sei
nen finsteren Augen zu durchbohren.
Er legte die linke Hand wie beschwö
rend an dic Brust, hob die rechte zur
Faust geballt und murmelte etwas,
tval wie ein 'Schwur klang. Dann
stürzte er, ehe es jemand hindern
konnte, auf den Todten zu, riß ihm
die Litewka auf und förderte ein Käft.
cheil zutage, das mit Münzen und
goldenen Schmucksachcn angefüllt
weil.
Des Alten Augen glühten wie Feu
erkugeln. Er drohte dem Todten mit
der Faust und murmelte heftige Flü
che. Tann hob cr eine Goldkctte mit
einem runden Anhänger in die Höhe
und zeigte sie den umhcrstehenden
Torfleuten. Sie erkannten das
Schmuckstück als seiner gemordeten
Frau gehörend, ebenso die anderen in
dem Kästchen befindlichen Sachen.
.Hab daitsche Soldat unrecht ge
than. Verzeihung. Bin wieder Freind
von Taitsche," sagte er zu Fritz
Schwerdtfeger. Nach der furchtbaren
Aufregung bebte er jetzt wie Espen
laub, und Thräne um Thräne rollte
in leinen langen Bart.
Fritz 'Schwerdtfeger war geradezu
glücklich, daß diefe schwere Bezichti
gung sich so klar widerlegt hatte. Ter
Offizicrsteüvcrtrcter nabm das Ganze
zu Protokoll. Sämmtliche Torfleute
wurden als Zeugen aufgeführt. Tann
wnrde der Todte in einer Ecke des
Schloßgartcns begruben.
Er war offenbar in dem Thurm
zimmer, zu dem die versteckte Wendel?
treppe führt, Hungers gestorben.
Vielleicht hatte er sich ermattet bis an
die Treppe geschleppt und war dann
später als Leiche abgestürzt.
Ter Alte aber rächte sich cnlf seine
Weise.
In der Frühe des nächsten Tages
sah Fritz Schwerdtfeger die gestimm
ten Torfleute mit dem Alten auf der
Landstraße versammelt Sie hatten
Spaten in den Händen und schienen
gearbeitet zu haben
Fritz ging hinzu und erfuhr, daß
sie den Russell im Schlußaarten aus-
j gegraben und unter der Landstraße
eingcgrabcn hatten
Tie Füße vonMenschen und Thie
ren sollen über ibn weggehen Er soll
keine Ruhe habe und soll verflucht
sein", sagte der Greis mit erhobener
Sriinme, und seine asketische Gestalt
erschien wie die eines furchtbar zür
nenden Propheten ans den. Alten Te
ftainent. Aelilay.
Skizze von G. M a s s e.
Reichenbcicher stampfte langsam di:
Dorfstraße hinab. Da er so lange das
Ducken undUnterkriechen im Schützen
graben gewohnt gewesen, machte seine
Riesengestalt noch immer den Ein
druck, als beugten sich seine Schultern
unter einer unsichtbaren Last. Mit
seinen tiefblauen Äugen schaute er 311
dem heiterklaren Frühlingshimmel
Frankreichs empor, an dem die Wolken
wie weiße Segel erschienen, die sehn
suchtsvoll dtihinzogen. Ackergeruch
stieg aus der braunen Erde, die diese
Jahr statt der Saat des Brotes die
Saat der surrenden Kugeln, de:
platzenden Schrapnelle und der Gra
naten empfangen. Und doch hatte er
vom Kurzem im Schützengraben ein
holdes Wunder erlebt. Aus der hart
gestampften Mauer des Erdwalls
waren ein paar blasse, kleine Blumen
emporgeblüht. An denen hatten sie alle
ihre Freude gehabt, die Feldgrauen.
Der eine bog seine große Rase auf sie
herab, zu spüren, ob sie dufteten, de:
andere hatte ganz zart mit der schwie-.
ligen Hand darüber hingestrichen, als
streichle er ein Kinderkopschen. wieder
ein anderer hatte diese kleinen Blumen
des Schützengrabens abgezeichnet auf
eine Feldpostkarte, die er in die Hei
maih senden wollte. Jeder hatte an
ihnen seine Freude gehabt, und doch
hatte er ihnen diese Freud: genommen.
Wenn er sie dort blühen sah, würd:
er den Gedanken nicht los, wie reizend
sie zu Jossys golbbraun:m Haar, zu
ihren dunkel brennenden Schwarzau
gen stehen würden. Er konnte de?
Versuchung nicht widerstehen. Er riß
sie aus, und ihm war dabei zumuthe.
als begänge er einen Raub. Mit
Herzklopfen bracht er sie der Made
moiselle. Jossy lachte, daß ihre win
zigen Fähnchen weiß durch die geöff
neten Lippen hindurchschimmerten.
Si: steckte sie lässig in das Knopfloch
ihrer Bluse und trippelte mit einem
zwitschernden Merci, merci!" davon.
Ein paar Minuten spater aber, als er
sich aus der Küche heißes Wasser ho
len wollte, fand er die Blumen im
Kohlenkasten liegen. Sie waren zer-
drückt, geknickt, fast entblättert.
Jossy hatte mi ihnen gespielt und sie
dann fortgeworfen. O Jossy!
Das Dorf, trotzdem vor Monaten
ein vaar Stunden lang zwischen sich
kreuzende, feindliche Feuer genommen,
war verhältnißmäßig nur wenig be
schädigt. Allerdinas waren Fenster
zertrümmert, die Wege stellenweise
aufgerissen, der Kirchthurm gestürzt
und Mauern durchlöchert, aber es hat
ten doch viele Häuser, reparirt und zu
rechtaeflickt. wieder als gewöhnliche
Behausungen dienen können.
Er hatte sein Quartier bei den Reu
qiers. Zuerst baten sie sich und die
Kinder ängstlich vor ihm versteckt, als
fürchteten sie. er könnte sie ergreifen
und zwischen seinen gewaltigen Fäu
sten zusammendrücken wie ein Stück
Stoff. Aber bald hatten sie seine
grenzenlose Eutmüthigkeit entdeckt und
nutzten sie weidlich aus. Jeden Tag
hatten sie ein anderes Anliegen. daZ
abzuschlagen seine Ritterlichkeit ihm
verbot, falls es nur seinen militari
schen Instruktionen nicht zuwiderlief.
Die Bäuerin war eine Städtische, die
um der Versorgung willen den Bauern
geheirathet hatte, der jetzt wie die an
deren wehrhaften Männer Frankreichs
das Dorf hatte verlassen müssen und
im Heere stand. Während der Kriegs--zeit
war ihre Schwester, die Jossy. die
in der Stadt stellungslos geworden,
bei ihr mit untergeschlüpft, und von
ihren kleinen, glänzenden Schwarzau
gen ging im Grunde der Zauber aus.
der den bethörten Reichenbächer alle
Glieder wie mit einem Netz umspann.
Die Kokette hatte bald genug ge
merkt, daß der Riese, der Preuße.
Feuer gefangen hatte. Es machte ihr
eine unbändige Freude, ihn so ver
narrt zu sehen, sein Erzittern zu prü
fen. wenn sie auf der schmalen Treppe
so eng an ihm vorüberhuschte, daß e?
ihren weichen Arm spüren mußte.
Als er jetzt eintrat, saß sie neben
dem Herd, eines der Kleinen aus dem
Scboße, die anderen um sie herum ge
drängt. Einen zinnernen Löffel tauchte
sie in ein Schüsselchen mit Milch, von
der der Reihe nach eines der Kindchen
nach dem anderen einen Löffel voll be
kam. Es war ein seltener und wirk
lich hübscher Anblick, sie so mütterlich
im Kreise der Kinder schalten zu se
hen. Eine Erinnerung blitzte durch
sein Hirn. Wo war es doch, daß er
schon einmal ein junges, schönes Mad
chen inmitten einer Kinderschar,, hatte
stehen sehen, große Scheiben von einem
Brote. abschneidend. und sieden Mad
chen und Buben reichend? Ach so, er
wußte es schon! Es war das Bild von
Goethes geliebter Lotte, wie sie, ange
leidet zum Ball, noch zurückbleibt, das
Br:'l an die Geschwisterchen derthei
lend. Er lächelte und schüttelte den
Kopf über sich selbst. Was sür eine
Laune, die kapriziöse kleine Französin
dort, mit der Wctzlarer Lotte zu ver
gleichen! Sie sah, daß er Pakete auf den
Tisch niederlegte. Feldpostpäckchen von
daheim, da fiel immer etwas für sie
ab. Schnell , schüttelte sie die Kinder
von ihrem Rock und setzte das Klein
lte auf die Erde. Geschmeidig schlüpfte
sie zu ihm hinüber. Die Wollsachen,
die Bücker, die Schreibutensilien stieß
sie verächtlich mit den Fingern beifeite,
aber mit der Schokolad;, den Zigaret
ten, den Aepfeln und Näschereien ließ
sie sich die begehrlichen Hände füllen.
Als sie sah, daß nichts mehr da war.
was ihr behagen konnte, schüttelte si:
alles in ihre Schürze und eilte zu:
Thür. Er sah ihr bestürzt nach und
rief sehnsuchtsvoll: Jossy!- Er ver
langte ja nur als Lohn noch ein Weil
chen mit ihr plaudern zu können. Aber
sie stand schon auf der Treppenstufe.
Ein höhnischer, verächtlicher Zug lag
um ihren weichen Mund, wie auf einen
Knecht sah sie auf ihn hinab und war
verschwunden, ehe er seinen Ruf wie
derholen konnte.
Ihn packte die Eifersucht.
Hatte er es nicht oft zur Nacht ums
Haus flüstern hören wie von Man
verstimmen? Bekam die Jossy nicht Briefe, deren
Adressen von Männerhand geschrieben
waren?
Verschwand sie nicht oft für einen
oder zwei Tage und hatte, wenn sie
zurückkam, ein triumphn ende? Glän
zen in den Augen, das sie nur noch
schöner machte, war von einer prickeln
den Lebendigkeit, als wäre sie um
spielt' gewesen von einem Element,
durchsetzt mit Männerbewunderung
und Schmeichelei, das ihre im Dorf
müde gewordene Grazie neu belebte?
Sie spielte mit ihm, das fühlte er
wohl. Sie riß ihn an sich und stieß
ihn zurück und machte ihn immer tol
ler. War er nicht fast ihr Narr ge
worden? Gehorchte er nicht jeder ihrer
Launen?
Es wa Abend geworden. Die Väue
rin und die Kinder waren zur Ruhe
gegangen. Er saß allein in der Küche,
!n der nur die Herdgluth. die er ge
schürt, und ein Wachslicht ein wenig
Helle verbreiteten. Er hotte die Arme
auf den Tisch gelegt und den Kopf
darauf gesenkt. Ihm war sterbens
irauriq'zumuthe. Die Atmosphäre der
Schwüle und Nervosität, die Jossys
Nähe. Jossys prickelndes Spiel in ihm
erregt, widerstrebten der Einfachheit
und Geradheit seiner Natur. Er
sehnte sich zurück in die Hkimath.
Dort, wenn der schreckliche Krieg erst
vorbei war, wollte er ein neues Le
ben beginnen wenn er gesund zu
rückkehrte und ihm nicht irgendwo
in französischer Erde, vielleicht hier
ganz in der Nähe in dem Boden, übe:
den Jossys kleine Füße hintänzelten,
fein Grab bereitet würde. Plötzlich
hörte er 'ein Huschen, ein Rauschen
wie von Frauenröcken, ein Klirren wie
von zusammenstoßendem Glas. Lang
sam, schlaftrunken, schwerfällig hob er
den Kopf. Ueber den Tisch winweg
lachten ihn Jossys schwarze Augen an.
Sie trug eine seidene, rothe Bluse, die
den Hals freiließ. Die grünen Steine
eines unechten Schmuckes glühten wie
Schlangenauaen zu ihm hinüber. Ihr
Haar flimmerte über der niedrigen
Stirn im Widerschein des Feuers wie
gesponnenes Kupfer. Vor ihr stan
den Flaschen Wein und 'gläserne
Trinkbecher. Sie goß langsam den
rothen Trank in das Glas. Er sah
nicht, wie sie geschickt in das eine ein
weißes Pulver gleiten ließ.
Er raffte sich zusammen. Was ist.
was ist?" fragte er.
Jossy lackite. Zwei tiefe Grübchen
erschienen in ihrem runden Gesicht.
Nichts, Monsieur, gar nichts. Nur ein
kleines Fest, allein für Sie und mich.
Eine kleine Vorfeier, denn wenn die
Uhr zwölf schlägt, beginnt mein Ge
burtstag. Stoßen Sie mit mir an auf
das Wohl des Geburtstagskindes,
Monneur!"
Ihr Glas klirrte an das seine. Ah.
das war ein Wein, leuchtend süß und
feurig wie die Sonne der Provence.
Wie war ihm wohl. Nur müde machte
er, so müde. War das nicht eine Zau
bernacht? Im Herd knisterte die Gluth.
die schwarzgerLucherten Balken der
Küche über ihm schienen sich Zu wei
ten und zu wölben. Nahe, ganz nahe
war Jossy ihm. Die Spröde, wie
konnte sie weich und lieblich sein. WaS
er im kühnsten Traum nicht ?u träu
men gewagt, geschah. Sie ließ sich in
seinen Arm ziehen, sie ließ sich küs
sen. Dann machte - sie sich frei und
schlang die Arme um seinen Hals,
strich mit den Fingerchen kosend über
sein: Stirne, sein Haar.
Er hatte alles vergesse. Draußen
um das Haus wehte der Nachtwlnd.
Die Flammen im Herd glühten durch
die Dunkelheit. Jossy saß auf der
Herdbank, das Haupt an die Wand
gelehnt. Darauf ausgestreckt lag der
Riese, den Kopf in ihrem Schoß: Sie
flüsterte kleine Liekesworte. sie stri
chelte, streichelte sein blondes Haar,
tastete spielerisch an den Achselstücken,
an den Knöpfen der Uniform herum,
öfnete spielend den einen, den ande
?en, und dann huschte dic Hand, flink
und geschmeidig wie ein Schlänglein
jn die Tasche hinein, in der er An
Ordnungen und militärische Papiere
aufzubewahren pflegte.' Er füblte.
trotz der Dumpfheit, di: ihn umfing,
wie das Schlanglem über den Platz
glitt, wo sein Herz schlug in raschen,
kurzen Stößen. Da bäumte er sich
empor. Der Nebel um ihn zerriß.
Klar wurde es ihm, schrecklich klar.
Mit einem Wuthschrei sprang rr auf.
Er schüttelte die Fäuste.
Delila! Delila!" knhschte er.
Sie lehnte halb ohnmächtig, zittevld
vor seinem Anblick, an der Wand. Er
wollte sie packen, sie heben, sie zer
schmettern, die den Mann trügerisch
eingelullt in Liebesschlaf, um ihn
dann.' wenn er vertrauensseelig. ge
bändigt ruhte in ihrem Schoß, zu
verhöhnen, ihm die Macht zu rauben
wie da Weib der Bibel, das dem
schlafenden Riesen die kraftverleihen
den Locken abschnitt. Aber als er die
Spionin so angstdurchbebt, so weiß,
so feige dort' an der Wand lehnen sah.
schürzte er verächtlich die Lippen. An
der wollte er sich nicht die Hände mehr
besudeln. Nur unschädlich mußte er
sie machen, damit sie nicht noch in der
Nacht vielleicht ihre Helfershelfer von
dem Mißlingen des Planes benach-.
richtigen konnte. Er nahm die Wa
scheleine, die sich an in die Wand ge
fchlagenen Nägeln durch die Küche
spannte, herab. Die verknotete er um
ihre im Rücken verschlungenen Händ:
und befestigte das Ende am Fenster
griff. Dort mochte sie am Morgen be -freien
wer wollte.
Er aber trat zur Hütte hinaus und
stampfte mit langen Schritten über di:
Felder dahin. Kalt war der Früh
wind. Aber das war ihm gerade
recht, der umfpülte ihn wie Meeres
fluth, die alles mit sich fortnahm, was
etwa noch von Schwüle und Narrheit
an ihm haftete. Weit breitete er di:
Arme aus. Herrlich, herrlich war es,
stark und frei zu sein. Am Himmel
färbte sich der Rand der Wolken perl
mutterfarben. Die Sonne kam. . . .
Mnser Adjutant.
on Paul D a h m s.
fiel durch Granatschuß
in aufopfernder Selbstverleug
nung mein junger treucrFrcund
nnd Adjutant, der Leutnant
Ernst Golde ..... Ein schwe
rercr Verlust konnte das Regi
ment kaum treffen: sein Bestes
hat cs mit ihm dahingegebcn.
Jrhr. v. Schleiilitz (im Nachruf).
Feindliche Artillerie hat heute den
:n der Nacht ausgeworfenen Schützen
graben wieder vollständig zerstört, zu
geschüttet . . .
Der Rcgiments-Adjutant saß an
seinem kleinen Tische und schrieb ei
nen Brief, wohl an einen nahen Ver
wandten, als ich ihm die Meldung
vom I.Bataillon erstattete. Er sprang
in die Höbe, und schmerzbcwcgt zuck
te es in seinem Gesicht. Ging drei
Schritte zur Seite und blickte nun
lange sinnend auf den Boden. So
habe ich ihn noch nie gesehen, den
stets frohen, fröhlichen Offizier, dem
die Pflichterfüllung in diefem Kriege
Lebensaufgabe bedeutete. Nun stand
er fast trostlos da, wie einer, der
plötzlich vonl Tode eines nächsten An
gehörigen hört, eines Menschen, der
ihm das Liebste auf der Welt gewesen.
Und er ließ den begonnenen Brief
liegen, gab Befehl, sein Pferd zu sat
teln, ritt zum Gcfechtsstand und ging
in die Stellung, dorthin, wo sich der
zerschossene Graben befand.
Mit solchem Graben ist das eine
eigene Sache. Es ist unbedingt nö
thig, daß er vorhanden und besetzt ist.
Er gehört in dic gcsammte Linie hin
ein. Wird dicses Grabenstück nicht
gehalten, dann ist auch das Halten
im Nachbargcbiet unmöglich, weil der
Feind sonst flankiren kann. Das ist
eines der größten Unglücke, die mög
lich sind. Und ein weiteres Vorlegen
des Grabens ist auch nicht angängig,
da der Feind nur 150 und 1 00 und
80 Meter entfernt liegt. Also muß
der Graben bestehen bleiben! D-e?
Feind ließe sich allcrding-s mit einer
energischen Stoßkraft bis auf die jen
seitige Höhe zurückdrücken, doch n.xi
re unsere Infanterie auf diesem Hö
henrückell von den Geschützen des
zweiten feindlichen Forts aus der
Flanke zu erreichen, sie käme vom
Regen unter die Traufe. Und diese
Traufe wäre doppelt fo unangenehm
wie der Regen.
Es ist lind bleibt imnier wieder
nur dieser eine Graben übrig. Die
ser Graben, der schon so viel Mühe
und Opfer erforderte.
In mühsamer Nachtarbeit haben
unsere Leute diesen Graben gegra
ben. Haben mit Beilpicken und Spa
ten gearbeitet.
Pickt nicht so heftig gegen den
Sandsleln, Kameraden. Der Feind
hört das Hämmern. Immer fein vor
sichtig . . . Doch schon haben cs die
da drüden gehört. Alsogleich kommen
Ritter Tod und Teufel durch die Fin.
sterniß gesegt mit den Kriegsfuricn,
mit Schrapnells. Granaten allerSor
ten. Minen, Hand uild Gcwchrgra
naten springen über die Menschenkin
der im Graben; es ist ein wildcsRen
ncn der zwei Gevatter, zehn Meter
vor und zehn Meter zurück. Und jener
Graben ist die Hürde. Zwei Swndeii
lang dauert die Jagd. Tann erheben
sich aus dcnl Graben die Feldgrauen,
die noch heil sind, die anDeren kom
inen wieder aus den Annäherungs
aräbcn Zurück und es wird weiter.
gebuddelt . . . Bis wiederum die !
Jagd beginnt. Der Graben muß fer
tig werden. Und beim Morgengrau
cn ist er so weit, daß sich die Leute, da
rin halten könnten. Ablösung kommt. !
Jeder hängt an diesem Graben mit j
seinem Herzblut, weil cr mit Einsatz
seines Lebens daran gearbeitet. Und.
wenn am Tage in einer Stunde die
feindliche Artillerie rt:it Treffsicherheit
all diese ehrsame Nachtarbeit zunichte
macht, dann schmerzt das die Leute,
.als wäre dieser Graben Fleisch von
ihrem Fleisch.
So ing das in der neuen Stel
lung nun schon Tag um Tag und
Nacht um Nacht.
Morgens konnte der Division ge
meldet werden, daß der Graben in
der Nacht miögehoben und verstärkt
worden sei. Und Adens mußte ge
meldet werden: Der Graben ist wie
derum eingeschossen.
Wobl selten bat dem Regiments
kommalldeur und seinem Adjutanten
ein Graben mehr am Herzen gelegen
wie jener. Höheren Orts war be
schleunigter Ausbau unter Einsatz al
ler Kräfte befohlen worden. Allnächt
lich faßen nun der Kommandeur und
fein Adjutant in der vorderen Stcl
lung und beaufsichtigten selber die
Arbeit. Denn dieser eine Graben war
nicht nur Sache einer Kompagnie,
sondern Sache des Regiments. Für
diesen Graben hatte der Regiments
kommaildellr selber einzustehen. Zwar
war dies nicht befohlen, doch betrach
tete er dieses Mißgeschick, das über
denl Grabe schwebt, wie einen Miß
stand ill der Kaserne, de er dort auch
hätte selber abstellen müssen.
llnd er ging so lange in diese Stel
lung, bis cr sich durch einen Sprung
in denGraben ans einem spitzenSand
stein die Kniescheibe zerschlug. Im
Krankenbett wt die einzige Unter
Haltung mit dem Adjutanten und die
einzige Sorge: Der .Graben . . der
leidige ttrabeil, der Arebit, Grana
ten. Erde und Menschen verschlang.
' Von nun all ging der Adjutant al.
lein hinauf. Nacht um Nacht. Gönn
te sich keinen Schlaf mehr. Saß drau
ßen in stellenloser Nacht auf dein
Grabenraud oder eilte hier und eilte
dorthin lind theilte Geschick und Ge
fahren mit den Leuten, die in der stei
nigen und in der aufgewülilteli Erde
buddelten, llnd schössen die französi
schen Infanteristen aus einem ande
ren Graben in ihrer Nervosität gar
zu heftig, daß sie dic Arbeitsamen
störten, dann nahm er Handgranaten,
pirschte sich in einem Annäherlings.
graben ran an den Feind und warf
ihnen -msrechtstebend er war einer
der größten Offiziere im Regiment
diese Sprengfächelchen an de Kopf.
Früh war cr froh und heiter von
vorn gekommen. Tic Leute hatten
in dieser Nacht besonders tüchtig ge
arbeitet. Und ging am Abend wie
der. Hinalls nach dem zerstörten Gra
ben. Nun wollte cr mit dem Kompag
nieführer, seinem erst tags zuvor aus
dem Lazarett zurückgekehrten Freun
de, einj neue Linie festlegen, mit ei
nem grauen Band
Es ist eine wunderbar helle Mond
nacht. Doch der -Graben muß fertig
werden, er muß. Trotz Bcobachttkng
des Feindes. Mit dem grauen Band
will der junge, hochgewachsene Adju
tant aus dem vordersten Graben hin
aus quer über das freie Feld, wo
stellenweise der Franzose nur 20 bis
00 Meter entfernt liegt, zum Nach
barabscknitt laufen . . . quer über
das Feld des Todes . . .
Rothe Leuchtkugeln spielen hoch
oben .... Feurige Kugeln, Kugeln
wie Blut . . . llnd Ritter Tod und
Teufel kommen geritten . .
Gesteril haben wir unsere Regi
mentsadjutanten zu Grabe getragen
.... Ihll lind seinen treuesten
Freund.
Am Nachmittag beivegte sich der
Lcichenzug vorn Hospital" aus durch
das kleine Städtchen llach dem Sol
datenfriedlwf am Bergabhang.
Voran die Kompagnie, dic Kranz
träger: Soldaten trugen anf ihren
Schultern zivei Särge, ihnen folgten
Offiziere .Kameraden . . .
Die Regimentsrnmik spielte den
Trauermarsch, und nun:
Ich hatt' ei nen Ka
meraden.
Einen bessern find'st du
nicht."
Bei jedem Klang bei jedem
Schritt? ging das durch Mark lind
Bein bis in dic Seele hinein.
Teiln her, den sie jetzt langsam i
die Gruft senken, war unser!
Jede K'oillpLgnie, jeder Zug uild
jede Gruppe hat einen Offizier, an
dem die Leute hängen.
llnd der war unfer! In schönen
uild in schweren Tagen, in Stunden
schwerster Gefahren haben wir an fei
ner Seite gestanden. Ueberall war cr
einer dcr crsrc. Und pfiffcn die Ku
gcln und hcultcn die Granaten, im
mer ging er aufrecht; lagen die Trup
pen in Deckung, dann huschte jene
ausrechte, gerade Soldatenerschcinung
auf der Linie cntlang und fah nach
dem Rechten. Und sang eine Kugel zu
nahe an ihm vorüber, dann nahm er
leicht den Kopf zur Seite und lachte.
Dunderfchlag, schießen dic schlecht."
Ta hat sich mancher an ihm mifge
richtet. Das sagt jeder, der zu ihm
gehörte. '
Für seine Tapferkeit sollte er. wie
der Feldgeistliche am offenen Grabe
verrieth, mit dem Eisernen Kreuz er
ster Klasse ausgezeichnet werden.
Der Geistliche sagte noch vieles Gu
te von den zwei Helden, die ihr Le
den eingesetzt. Jeder schaut ja täglich
hier dem Tode ins Angcficht. jeder
.weiß, daß das Leben nicht mebr uils
selber, sondern dem Vaterlands ge
hört 3 ,
Die Granaten helllten über den
Kirchhvl und schlugen am jenseitigen.
Hang krachend ein. Feindlicher Salut,
Ehre den Todten. Es sind vielleicht
die nämlichen Kanonen, die sonst ih.
re Schlündc auf den Graben richten,
die auch unsere Helden ans dem Ge,
wissen yaben.
Es var in Scdan. bevor wir von
neuem in den Kampf zogen . . Da
spielte weit am Bergabhang auch ei,
ne Militärkapelle . . Ich hatt' ei
neu Kameraden . . Wir gingen . .
und niemand wußte, wer dort begra
beil wird .... lind was ihm selber
morgen blüht . .
Die Reihen haben sich inzwischen
gelichtet.
Wir stehen wieder an Gräbern, und
wieder spielt die Regimentsmusik, un
geltet denen, ob die es drüben hö
ren oder nicht ....
. . . als wär's ein
Stück von mir ..."
Unweit der Gräber erhebt sich übe?
tinem schlichten Hügel als Gedenkstein
eine Säule, abgebrochen. Wie sinn
voll fiic den, der in der Erde rubt,
wie treffend für alle hier. Plötzlich
haben diese Säulen eine Riß bekom
me und sind abgebrochen ...
Auf einer Fenne nahm einst der
Deutsche .Kaiser Kosen und Astern
au der Hand unsere-' Adjutauten
und Ie.tfe die Blumen auf do.5 Grab
iineöHeldeu. eine jungen Leutnants.
Tod) der Kaiser kan nickt überall
sein. Mann nicht jeden Gefallene eh
ren: aber er weiß, daß die. die hier
in Gräber ruhen, alle seine Helden
waren.
AI-? vir wieder in Gedanken
langsam zu Tbale gehe, zieht ei
ne iol.'nne singend die Straße ent
lang .... hinaus . . . Mit verbis
sene Gesichter zieln sie am Abend
wieder ach dem Grabe : doch
srebt aui diese Gesichter zn i.'sen:
..Lieb Vaterland, magst ruhig sein."
Tie Souiie erglänzt über dem
Fort, da-? sich wie ei gewaltiger ttlotz
geil Himmel reckt: gläuzt bis auf das
schattig.' Grün am dem Friedhof hin
über und wirft zitieriide Reflexe ge
ize die gebrochene Säule . . . Und
voil der Hohe dabiiiteil dringt dumpf
ler Hall de Trommelfeuers schwer
i:cc Geschütze herüber .... Und je
der nihlt. wie dort ein Grben to
deewund ächzt und stöhnt ... ?
Wer ix n alle, die singend hinauf
ziehen, wird der nächste sei . . .
Denn ivie leicht und schell bricht
hier das Lebe . . so schnell und
leicht, wie Glück und Glas ... wie
der (Graben da oben ... der Graben.
Voll.
Pennemann hat eine Arreststrafe zu
verbüßen, die durch einen Fasttag der
schärft werden soll. Ehe er die Sitz
ung" antritt, stärkt er sich natürlich
noch gehörig und bietet seinem Magen
etwas Gutes an. Als er sich zum
trafantritt meldet, fragt er den Auf
scher: Sagen Sie mal. könnt' ich
denn nicht mit dem Fasttag anfan
gen?"
Gutmüthig.
Frau (ihrem Mann zum Geburts
tag gratulierend): Nicht wahr,
Männchell. heute bleibst du aber zu
Haus!"
Mann (Arzt): Hin, eigentlich hat
tc ich einige Patienten zu besticken."
Frau: Ach. bleib' doch; lass' die ar
men Kranken diesen Tag auch feiern!"
Des Einen Leid ...
A. : Das Urtheil ist zu meinen Un
gunsten ausgefallen; ich muß dem
Fräulein Weber zwanzigtausend Mark
Schadenersatz wegen gebrochenen Ehe
Versprechens zahlen."
B. schüttelt ihm die Hank: Mein
lieber Freund, ich bin ganz entzückt."
A. : Wie. Sie sind entzückt?"
B. : Ja, entschuldigen Sie, aber es
ist mir unmöglich, meine Gefühle zu
verbergen. Sie müssen wissen, ich bin
seit vorgestern mit Fräulein Weber
verlobt."
Frech.
Richter: Angeklagter, fühlen Sie
denn kein: Gewissensbisse, als Sie dem
armen krauten Mann die vier Fla
schen Wein stahlen und auf der Stelle
custranken?"
Angeklagter: Ja. ja. am andern
Morgen hatte ich ein eigenthümliches
Gefühl, und ich sagte mir. sollten das
nicht Gewissensbisse sein? m
Berechtigte Frage.
Das letzte Philharmonische brachte
uns auch Straußen's Also sprach
Zarathustra". Nach Schluß wendet
sich Frau Petscheck kopfschüttelnd an
ihren Mann: Tu. Moritz, was tat
er gesagt?"
G u t ge la u n t.
Kommis: Heut' reist ja die Schwie
germutter des Chefs ab!"
Kollege (eifrig): Sie. da wollen
wir mal gleich um Gehaltserhöhung
einkommen!
MusitalischeAnsprüche.
Ich verlange als Komponist, daß
der Instrumentalst rein spielt, daß
der Sänger rein singt "
Ach. ich bin schon zufrieden, wenn
das Publikum rein geht!"
Deutlich.
Student: Ich rechne also bestimmt
darauf, daß ich den Anzug zu Pfinz
sten anziehen kann. Meister!" ,
Schneider: Im Falle, daß Sie
rechtLeitia nackHause schreiben, sicher!"'

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