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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, March 18, 1916, Image 3

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Aas Aaterkand.
Skizze von H. o o n M ü h l e n f e l i.
Tagaus tagein glühende Sonne
übet den weiten Tropenfeldern. 22eiß
glänzte da einsame Haus au! dem
Buschwerk hervor; ein farbenfreudiger
Garten schloß es ein. Heiß und berau
sehend fluthete der Duft der großen,
schweren Blüthendolden zu den offen
gehenden Fenstern der Veranden hin
ein. Tie größte, gepflegteste, geeignetste
Kulturstrecke der ganzen blühenden
Insel war auf diesem Fleck Erde ent
standen. Reichthum war aus der Erde
gequollen Gluck war in Menschen
yerzen gezogen im fremden, tropi
schen Land hatten tüchtige, kluge, flei
feige Menschen eine Heimath gefunorn.
Wir sind hierhergekommen, um uns
zu äußeren ölücksgütern zu verhelfen,
und hatten nie einen Augenblick daran
gedacht, daß das fremde Land uns
it'tt und Heimathsgefühl bringen
könnie", pflegte Heinrich Hertling an
Tagen des Glücks zu feiner jungen
Frau zu fagen. .Als Egoisten kamen
wir hierher. wollten da5 Land aus
beuten, um es. wenn es seinen Zweck
für uns erfüllt hatte, wieder zu der
lassen. Aber es hatte Rache an uns ge
nornmen; es hat uns zurLiebe gezwun
gen, hat uns erkennen gelehrt, daß dir
Mensch da seine Heimath hat, wo er
sich seinen Wohlstand aufbaut."
Tie junge Frau sah ihn, wenn er so
sprach, mit bangen Blicken au.
Ich kann es trotz allem nicht der
geisen, daß wir auf fremdem Boden
weilen!" hatte sie immer wieder üiir
Antwort gegeben. .Ich kann die Hei
matn niemals vergessen!"
Tie Heimath, die uns nur Armins
und Elend gebrachr hat!" erinnerte er
in bitterem Ton und in beider Her
cn lebt,? die Erinnerung an eine ge
scheiterte Existenz auf.
Tie lebten glücklich zusammen. Sie
batten Schweres erlebt und wer im
Kummer gelernt hat, an der Seite oes
Gefährten treu auszuharren, der bleibt
ihm erst recht treu, wenn nach langen
Wo!tenschatten die Sonne wieder her
cnrcrnfien will.
J'ur in einem Punkt fanden sie keil-.e
Einigung: die Frau strebte der Hei
mail, zurück: dem Mann aber hatte
das fremde Land Ersatz gebracht: je
reicher die Erfolge aus tropischer Erve
ia;n zuflössen, um so blasser ward das
Bild der Heimath in seinem Herzen.
Und da sie sich über ihre ZukunftS
plan; nie einigen konnten, hörten sie
auf. davon zu sprechen nahmen,
was der Tag ihnen brachte, und ar
beiteten an der Anhäufung äußeren
Besitzes.
Langst war'unter den europäischen
öi.err. der Unfriede ausgebrochen
feten waren. Schlachten geschlagen
ichor. waren Ströme von Blut geslos,
sen, als die ersten Nachrichten vom
furcvtbaren Vslkerringen bis zur ein
famen englischen Kolonialinsel hin
insel hindrangen.
Heinrich Hertling las mit bebender
Stimme der Gefährtin die fast unfaß
dar klingenden Berichte vor.
Weißt Tu, was das für uns öe
deutet?" fragte er tonlos.
Es bedeutet, daß wir in die Hei
math zurück müssen!" sagte sie mutiziz.
Ta lachte er laut und dröhnend auf.
Noch einmal vor einer zerrütteten
Existenz sieben?" rief er verzweifelt.
Zurück in das Land, das uns kein
Fortkommen gewähren wollte, als wir
in bitterer Noth waren?"
Es ist unser Vaterland'" spract) sie
leise. Meine Brüder kämpfen gegen
den Boden, auf dem wir stehen!"
Mögen sie!" rief er hart. Vater
land heißt für mich das Land, in dem
ich leben kann in dem das Glück
mir hold ist!"
Sie sagte nichts mehr. Sie war wie
betäubt. Xe; Wunsch langer Jahre
liatte sich für sie erfüllen sollen : sie
trug ein Kinv unter dem Herzen. Voll
Seligkett batte sie bis zum heutigen
Tag an die Zeit der Erfüllung ge
dacht; nun zitterte sie vor dem Tag,
an dem sie das Kindlein im Arme hat
ten würde.
Heinrich Hertlings Ruhe und die sei
ner jungen Frau waren dahin. Sie
waren außer einen: jungen Kauf
mannsehepaar die einzigen Deutschen
auf der Insel. Man sah sie mit miß
trauischen Blicks an.
Die Frau des Kaufmanns kam zu
Heinrich Hertlings Frau.
Haben Sie gehört man hat uns
grauen frei: Rückfabrt in die Heimaih
geboten?"
Frau Hertling erbleichte.
Mein Mann hat mir nicht? davon
gesagt!"
Da flüsterte die junge Kaufmanns
frau ihr zitternd zu:
Ihr Mann hat erklärt, Engländer
werden zu wollen! Er ist fünf Jahre
im Lande: er kann das Bürgerrecht er
Irenen. Wenn er es thut, können Sie
in Ruhe bier bleiben, und für Sie
wär- es doch ein Glück. Frau Heri-h-'."
Mein Mann wird nicht Engländer
werden!" sagte die junge Frau scbroff.
und die Besucknin senkte den Kopf.
Ein Schweigen entstand, endlich
fragte die Frau deZ PflanzerS:
Was gedenkt Ihr Mann vj thun?"
Er ili älter als der Ihre!" entgeg
r.cte die Frau; er hofft,' daß man ihm
von.' Schwierigkeiten die Rückkehr ge
stattet." Uns wenn man es nicht thut?"
So wird er abwarten, was er
schient!" Acer er wird Deutscher bleiben?"
Und da nur ein Kopfnicken die Ant
wert war. wußte Frau Hertling. daß
der einzige Deutsche auf dieser enz
lischen Insel ihr einziger Freund
den Ma.nu. der sein Vaterlasd freii
I geben wollte, verachtete. Wußte, daß er
ihr seine Frau geschickt hatte, um seine
Warnung auszuprechen und
wußte zugleich mit furchtbarer Ge
wißheit, daß ihr Mann einen Ent
schluß gefaßt hatte, an dem nicht mehr
zu rütteln war.
Die Besucherin erhob sich und reichte
der starr dastehenden jungen Frau die
Hand.
Wenn Sie einen Schutz brauchen,
so rechnen Sie auf uns, Frau Hert
ling." An diesem Abend geschah das
Furchtbare.
Die junge Frau, die das Kind unter
dem Herzen trug, lag zu Füßen des
Mannes, den sie liebte.
Alles will ich mit Dir tragen
jede Entbehrung will ich hinnehmen ,
nur bewahre mich vor der Schande,
mein Vaterland zu verleugnen!"
Du weißt nicht, was Du sprichst!"
sagte er. Ich bin 40 Jahre alt, ich
bin nicht imstande, noch einmal als
Bettler anzufangen."
Wo Tausende ihr Blut und ihr Lc
ben geben, denkst Du an äußeren Be
sitz!" rief sie verzweifelt. .
Er erinnerte sie an das Kind, das
sie erwarteten; er sprach von demElend
vergangener Jahr?, von seiner Ohn
macht, noch einmal den Kampf aufzu
nehmen, und. zuletzt schrie er in Zorn
und Wuth: Ich habe verlernt, das
Land zu lieben, das mir keine Existenz
gab!"
Sie schmieg aber eine Woche spä
ter war das Band zerrissen. Die Frau
war als Deutsche auf dem Weg nach
der Heimath; der Mann saß allein auf
seinem heißgelietenBesitz im tropischen
Land und rang mit sich gab seinem
Starrsinn immer neue Nahrung und
schrie und tobte in verzweifelten Nach
ten: Ich habe kein Vaterland; mein
Vaterland ist da, wo ich mein Fort
kommen habe!"
Am Tag suchte er seiner Befchäfti
gung nachzugehen aber die Freud:
war von ihm gewichen. Oed schien ihm
das reiche lackende Land gemordei:;
das weiße Haus war ein Kerker. Ion
fröstelte trotz der Hitze, die erstickend
fast über dem Lande brütete.
Drei Tage noch waren ihm bis zur
Entscheidung geblieben. Entweder saß
er nack drei Tagen als Gefangener in
irgendeinem Winke! der Insel, oder
aber e? gab seine Unterschrift unter
ein kurzes Schriftstück und blieb ein
freier, wohlhabender Mann.
Tie Schalen der Wage pendelten
hin und her. Hier lag Ehre mit Ge
fangenschaft verbunden auf der an
deren Seite Freiheit Wohlstand!
Und in dieser Entscheidungsschwere
fühlte er tödtliche Stille um sich, nun
die Frau von sich gegangen. Sie war
so l:is und still gewesen, und hatte
doch sein Haus mit Leben erfüllt. Nie
war ihm das so' deutlich geworden. "
Oft schrak er zusammen und glaubte,
sie auf ' der Veranda oder im Garten
gesehen zu haben. Oder es war ihm.
als habe er ihre warme, tiefe Stimme
gehört als habe er ihr Hand auf
seiner Stirn verspürt!
Wofür hatte er gearbeitet? Für wen
war er in dieses Land gezogen? Für
sich selbst?
Nein, für sich selbst brauchte er se
wenig von dem, was durch Geld zu
erreichen war.
Aber die kleine, zarte Frau hatte so
manches geliebt, was er ihr drüben
nicht hatt; geben können. Um ihretwil
len batte er das Land. daS ihn nicht
ernähren wollte, verlassen; um ihrer
willen hatte er hier wie ein Lastthier
gearbeitet.
Nun war alles umsonst. Nun war
er ein armer reicher Mann! Ein Tag
verging und noch einer! Nur eine ein
zize Nacht noch trennte ihn von der
großen Entscheidung.
In dieser Nacht flog sein ganzes Le
ben an seinem Geiste vorüber. Tie
Kindheit tauchte auf; das liebe alte
Elternhaus im kleinen rheinischen
Städtchen sah er vor sich. Sah die
Mutter im Winkel des Wohnzimmers
sitzen die beiden Kinder ihr zu
Füßen andächtig lauschend auf die
Geschichten, die sie erzählte.
Tie Schuljahre durchlebte er wieder;
sah die Gesichter von Freunden und
Genossen lebhaft vor sich erstehen! Die
ganze fröhliche, glückliche Jugend
lachte ihn an und tobte an ihm
vcorüber. Dann waren ernste Jahre ge
kommen: des Vaters Tod und die ver
änderten Verhältnisse! Der Mutter
Tod und die Ehe mit dem Mädchen,
das er liebte. Unglücksfälle. Noth,
banges Suchen Mutlosigkeit
und endlich der Entschluß. daS Land
der Väter, das Land der glücklichen
Jugend zu verlassen.
Nie im Leben hatte Heinrich Hert
ling sein deutsches Vaterland so schön
gefunden, als in dieser schweren, ban
gen Nacht. Von rechts und links fiel
man auf dieses schöne, reiche Land ein.
wollte es zerreißen vernichten
in Stücke hauen!
-Entsetzlich!" stöhnte er sprang
auf. tauchte den Kopf in kühles Wasser
und preßte dann die Stirn an eine
Fensterscheibe. '
Und den ganzen Tag blieb sie hier
sengend glühend grausam hell.
Heinrich Hertling empfand die
große Helligkeit plötzlich wie eine
Qual.
Er ließ den Vorhang herab; er
wollte im Dunkeln sein., wollte nichts,
sehen von dem, was er sich erworben
hatte in dem Land, daS mit zuDeutsch
lands Feinden zählte.
WerthloS gleichgültig war thin
alleS wie wenn lauter döse tückische
Feinde ihn aus höhnischen Augen an
sahen, so war ihm zumuthe. .
Die Stunden rannen; um Mittag
mußte die Entscheidung fallen.
Einer einet Untergebenen meldete
in englischer Sprache, daß das Früh
stück draußen bereit stehe.
Er nahm das Frühstück nicht, aber
lange bevor, der Mittag gekommen war,
ging er zum Gemeindehaus und mit
fester Stimme erklärte er:
Ich verzichte auf alle Wohlthaten
dieses Landes! Ich fühle deutsch und
werde Deutscher bleiben!"
Man gestattete ' ihm. noch einige
Briefe zu schreiben. Die schrieb er mit
fester Hand und leuchtenden Augen.
Um die Mittagszeit war er ein Ge
fangener, aber einer vo jenen, die trotz
des Joches, das sie tragen müssen, ein
stolzes Lächeln in den Augen haben.
Montenegrinische Reise.
Von Karl Fr. Nowak.
Die eroberte Stadt.
Keine Stadt, durch die der Krieg
schritt, war ähnlich kriegerisch im Ue
berschwang soldatischer Farben, keine
so bunt durch soldatische Bewegung
wie Vlewlje. da die riezsstandarte
der Monarchie über seinen Häusern
aufrauschte. Noch lag, als die Vor
truppen einmarschirten. das Winkel
gewirr der anen vermummt und
stumm, mit schweren Thoren, die die
ölten urväterlichen Holznegel sperr
ten. Aber als Bataillon um Bataillon
einzog, als die Schüsse nur mehr fern
und schwach vom Schedewatz herüber
wehten, als der marschierende Schritt
der Truppen ein einziger, fester Schlag
wurde, der an den Thüren wie ein
wohlbekannten Gruß emporhallte, flog
Riegel um Riegel hinter den Thüren
auf. Und jetzt lockten sie alle die Fan
faren heraus, die oft gehörten, hellen
Trompeten, die von oben, von unten
die Stadt durchschmetterten, vom f:
sten Lager her. das einst Oesterreich
Ungarn auf der Höhe gebaut, von der
Brücke an der Dschamija her, die einst
Oesterreich. Ungarn gebaut: die alten,
hellen, gelben Trompeten, die als eme
einzige jauchzende Tagwacht mit Ver
gatteruna!" und Ruh!", mit Habt
acht!" und Marsch!" über die Dächer
stiegen, zu dem Gleichtritt der Solda
tenin der Basarftraße sangen, mit all
den langgedehnten Rufen und Sizna
len endlich zu einem ganz merkmürdi
gen Konzert übermüthig ineinander
schwirrten, und bis zu den Minarehs
hinaufkletterten, daß der Muedsin
horchte. Die Stadt mit den vermumm
ten. stummen Gassen blinzelte. Eine
Thür ging weit auf, ein Fenster öff
nete sich. Es war. als erwachten sie
alle vom Schlafe. Der Schlaf hatte
sieben Jahre gedauert, bis sie die Oe
sterreicher wiedersahen, jetzt rieben sie
sich verwundert die Augen, sie rissen
sich am Ohrläppchen, ob sie nicht
träumten, ob sie auch wirklich und rich
tig hörten. Aber es blieb dabei: das
waren wirklich wieder die Trompeten
aus der Oesterreicherzeit. deren Sig
nale und Rufe sie alle noch kannten,
die sie aber hatten vergessen müssen,
die fortgezaubert schienen und plötzlich
von den Höhen wiedergekommen roa
ren und jetzt die ganze Stadt durch-,
schmetterten ...
Es war sicher, daß die Montenezri
ner. die in Vlewlje noch geblieben wa
ren, und auch die Serben, die in die
sem Hause wohnten oder dort, die
Fauste hinter den Holzriegeln heim
lich ballten. Nachts öffneten sich die
Fäuste freilich und versuchten, die Te
lephondrähte durchzuschneiden: sie ber
l'uchtens nur ein einziges Mal . . .
In der Straßenecke, vor dem vierecki
gen Rathhausthurm stand die junge
Serbin, siebzehnjährig, mit schwar
zem Haar, mit blitzenden Augen, mit
wild zurückgeworfenem Kopf, die Lip
pen hochgeschürzt. Eine Weile halten
wir.
..Willst im uns niederschießen?"
fragt lachend der Offizier neben uns.
..Mich? Uns alle?"
Stoitza tbut nichts, Herr." Ein
junger, blaiier Türke steht plötzlich da.
..Stoitza ist gut" . Er svricht
sebr schnell. Es ist etwas wie Ang't
in seiner Vnrgschait. Er läßt das
Mädel nicht aus den Augen. Es ist
klar, daß er sich um Stoitza mehr
ängstet als um un?.
Sie aber rührt sich nicht. Sie blickt
an uns vorb?i. Sieht auf die mar
schirenden Soldaten. Und schürzt die
Lippen nur noch hochnrüthiger.
Und der Basar wird aufgemacht.
Meine, fckräge Holzdächer, die von
den weißen Häusern in der Höhe des
ersten, besckxiden'cn Stockwerks zwei
Meter weit in die Straße springen.
Holzsäulen, die einfache, viereckige
Pfosten sind, stützen sie. Aber der La
den selbst reicht ein Stück ins Haus
hinein. Jeder bat ein kleine? Holz
Podium, jeder bat ein Stück Teppich,
eine Matte, darauf man mit gekrcuz
ten Beinen ruht. Was zum Ver
kauie blieb, ist flach auf dem Boden
ufgereibt. Ttnikelbrauner, flockiger,
mazcdoniscker Tabak. In lofen, offe
nen Haufen auf ein niederes Brett
geschüttet. , Tcr andere bat bunte Tü
cher. einen Rest von Teppichen, die
vorn Wandviereck des Ladens bangen.
Es gibt Obst, es gibt Streichhölzchen.
An dünnen Schnüren, von Säule zu
Säule, hängen gut geflochtene Opan
ken auS Bast und Holzopanken, die
ein einfacher Lederstreif, vorn über'm
Spann am Fuße festsrigt. Die So!
baten kalten sich hier nicht auf. Sie
können mit den Opanten nicht marschi
ren. Sie brauchen sie auch nicht, ibr
Sckuhwerk ist gut. Aber vor den Ta
bakbänölern stehen sie, und ein vaar
Minuten schauen sie. wenn sie Rast ha
ben. dem tirrkischen Kupfen'chmied zu,
der schon wieder an seinen Tassen, an
seinen Büchsen und Kannen hämmert.
Ss summt und surrt schon wieder im
Basar, die Türken sind jetzt alle -der
lwsgekommenl Tie värmenoen
Räucherpfannen, die kleinen . Aschen.,
bntcn c.uf drei Füßen auf der Erde
in jedem Laden. Hier ist Hammel,
fleisch ausgelegt. Der Händler sitzt
mit gekreuzten Beinen da, er raucht
unl. raucht; manchmal zieht er, damit
man sie besser sehe, eine grell gewebte
Decke aus einem Teckenberg hervor,
der neben dem Hammelfleisch sein
Verkauskgut ist. Und er raucht und
raucht. Er rührt sich selten. Von
fünf zu fünf Minuten bringt ein ttet
ner Junge mit rothem Fes im kupfer
nen Geschirr Kaffee. Die Soldaten
fchauen zu.
Wir aber gehen in die Kafana.
Sie ist nicht ganz türkisch, man sitzt
auf Stünfot, die noch aus Wien sind,'
rund um ein Billard, das noch aus
Wien ist.
..Spielst du eine, Partie?" fragt
der Fähnrich den Fähnrich. Und das
Earaiublduell wird ausgefochtc'n.
Auf dem Brett, das windschief wurde,
mit Billardstöcken, die leise 'knirschten
bei jedent Stoß. 5.'ber es ist doch sin
Fest: zwischen Gefecht und Gefecht,
Plewlje ist eine Großstadt,
kleine Türkenjungm bringen die
winzigen, flachen Tassen. Schwarz,
heiß ist der Kaffee, aromatisch, milde.
Tie flehten Türkcnjmrgen lausen
oöne Unterlaß. Die Kasans ist ge
drängt voll.
..Plewlie ist eine Großstadt," er.
klärt der Rittmeiuer Er trinkt jetzt
das siebente Täßcken. Wir alle trin
len das siebente Täßcken. Und die
Ordonnanz tritt an, die das Ouar
tier besorgte.
..Wo?"
Melde gehorsanlst: im Servischcn
Haus."
serbisch oder nickt: wir haben 10
Kilometer scrarfcn Ritt dinter uns,
man wird die Thüren sperren,
noch rinmal mit dem Revolver schla
sen. Niemand wird ,ms stören. Ab
marsck ins Quartier, quer durch die
gauz Stadt.
Tie hellen, gelben Trompeten dla
sen. 5
?ln der Mosckee kann man nickt
volbei. obne trotz der Müdigkeit zu
verweilen. Mitten aus dem Rund di?r
türkischen Gassen, deren Hänse? das
cbere Stockwerk alle wie einen einü
qen breiten, kübn abwärts geschwun
ieuen und vergittörten Erker über
das Erdgeschoß wölben, mitten aus
dem Grau der enggestbmiegten Hält
s?r ragt die Tsckamija: stolz und
n e.st, feierlich und unantaübar. da?
Minareh, der ausgestreckte Finger des
Provbeten. der zum Himmel weist.
Sie baden keinen bildhasten Sämluck
der Groß? Allads, keine Mm'lik und
kein? süße Verklärung. Goldene Ko
rausprückv nur auf blauem Grund,
oi? sich auf, verschlungenen, unaus
fchöpfbareu Wegen zil cinem Orna
ment der Unendlichkeit fchlingen: Ko
ransprüche überm Eingang, innen an
du: Wändm, lie sich mit blumenbas'
tem Anklang ineinaudersügen: tief
beschnittene, groß? Nischen oben, in
den Säulen, in den Köpfen der
gothischctt Bogen, in die selbst wieder
hundert kleine, svitzbogige. ineman
ders5)wirrendc blaue, gelbe, goldene,
rotbe Nischen eingeschnitten sind. In
sckriftcn über des Vorbeters Platz, die
wiederlim wie ein blumenbaftes Ge
beimniß sind, wundervolle, kostbare
Teopiche, deren Muster sich nie lvie
derbolen und in deren gewebte Spiele
man Stunde mn Stunde sich verspiu
neu könnte, weil auch sie versteckte
Teurungen zu tragen scheinen. Mit
eff diesen Deutungen. Veraeißungen,
Geheimnissen sarint die Dsckauija
bicr noch gar nickt Gottes Haus, nur
sein Vorbof, nur das siegelbesärie.
bene, verschwiegene Thor, vor bim
man Schube von den Füßen srreiit,
um zu warten, bis der Einlaß ge.
währt wird. Nur das verschlossene,
mit den Nätbscln der Seligkeit fa
schrieben? Thor, ninter dein erst einst
der Anschrift Sinn zur blüheirdsten
Wabrbeit in Allahs wirklicher Näh?
werden kann . . Und versponnen
rauscht der alte, steinerne Bnmnen
vor denk Eingang, der große, acht
eckige Vrnmu?n, aus dem die acht
Wasser leise sprudeln, niedrig rri?
Onellen aus der Erde. NicdersStein
bänke um das Achteck Ort der
Vorbereitung vor dem Eintritt in
Allahs Vorboi. Ort der Träume,
wenn das Geb vorbei. Die acht
Wasser rauschen wie die Inschriften.
Auch ihr Spruch ist dunkel und trägt
in die Ferne. Aber auch ihre Verhei
tzung ist groß.
Die Ordonnanz freil', ist Lanz und
gar unbewegt. Sie drängt und mahnt:
wir wollen bei Tageslicht noch ins
Quartier.' Das Thor ist dort hundert
Jahre alt. Schwere Beschläge aus
edelm Holz, die Flügel flach geschnitzt,
die Farbe dunkel und zeitbedeckt: das
Ganze wie zwei große kyrillifche Buch
deckel, die sich schnell vor uns öffnen.
Man ist vorbereitet, man erwartet
uns. Eine alte Frau, die die Magv
scheint, eine junge Frau, die die Her
rin scheint. Die junge ist höflich, die
alte ist aufdringlich: sie fürchtet sich.
Ihr Mundwerk geht flink, hat hun
dert Skalen, Baß und Flageolett, sie
erschöpft sich, sie dienert, lacht immer
zu ohne Grund: bitte, nur einzutte
ten, bitte, es ist ganz unser HauS. Und
überraschend ist dieses serbische Haus,
dessen Herr jetzt bei den Montenezri
nern ficht. Schlanke, peinlich saubere
Treppen, Zimmer, die wie Hallen mit
vielen hellen, hohen Fenstern sinö.
Leichte, fast anmuthige Möbel, alle mit
hübsch gebogenem Schwung. Im gro
ßen Zimmer, 'das vor den Erkersen
stern eine zierliche Rampe hat,, im
Staatszimmer. an dessen Wänden sehr
bürgerliche . Photographier: hängen,
laust um die ganze weit Wand rund
um eine blank gearbeitete, kissenbesäte
Bank, zierlich und niedrig: das, haben
sie von den Türken gelernt. Von den
Türken, auch die Lust zu Teppichen.
Piroter Muster, Gewebe von betracht
licher Kostbarkeit, etwas derb in den
Formen, warm in den Farben, decken
den Boden. Muster aus Plewlje, bau
erisch froh, einmal grün und blau.
drüben lm andern Zimmer tiefschwarz
und gjutroth, umspannen halbhoch die
Wände. Schimmernd sind die Linnen
der Betten, zart mit seidigem Glänzen.
Voll Heller Anmuth, voll luftiger
Raumlust das gznze Haus.
Was ist Ihr Herr?"
Ein Wortschwall der Alten. Baß'
und Flageolett. Dann lacht sie wied
der. Die junge Frau versteht enoitch.
Zögernd sagt sie: Major" Der
Alten fällt das Tablett aus der Hanv.
auf dem sie Kaffee brachte. Welche Un
Vorsichtigkeit! Jetzt werden die .Austri
aci" die Teppiche nehmen, die Wand
behänge, die Linnen. Ihr Wortschwall
wird bedenklich.
Geh hinaus, alte Dame." sagte ver
Rittmeister, wir wollen schlafen."
Er schiebt sie sachte durch die Thür.
Tie junge Frau bringt eine Lampe.
Die Alte heizt noch ein. Endlich scheint
auch sie beruhigt. Niemand wird uns
stören.
Bis es pocht. Genau eine Viertel
stunde später. Wir springen aus den
Betten ein Ordonnanzoffizier:
.Exzellenz läßt die Herren bitten
zum Abendbrot."
Danke, wann?"
Sogleich."
Wir wandern schon wieder durch
die Straßen. Sie sind ein phantasti-
! scher Korso geworden. Die beacht sanl
j mit einem tiefen,- 'dunkeln Blau, in
i dem nur Zigaretten glimmen und
j Worte summen und Schritte gehen.
1 Im Laternenschein, der noch von un
! serm Hof herausfällt, draußen sechs
j Bajonette, zwischen den Bajonetten
, sechs Leute. Aha. wir sahen sie schon:
; das sind die sechs serbischen Geiseln,
! die von ihrem feierlichen Spaziergang
! durch die Stadt heimgeführt werde
. . . Von ihrem Spaziergang, damit
alle Serben in Plewlje sehen, daß
' Geiseln da sind. Und damit keine Te
' lephondrähte mehr durchschnitten wer
den. ' In der Straße selbst ist nichts mehr
; zu sehen. Kein Licht brennt. Aber der
' Korso wird immer dichter, immer un
1 entwirrbarer, immer rauschender. Im
! mer mehr Zigaretten wandern vorbei.
' gaukelnde Goldfunten in der Finster
niß. Schatten von Tragthieren tau
cken auf. links, rechts, vorne, hinten,
von allen Seiten auf einmal, in Zeh
nerreihen und endlos. Büffelkolonnen
. stampfen über den Boden. Ich sehe sie
' nicht, oder, nur sehr dunkel, aber ich
' höre sie. ttrthierlaute brummen vor
über, wildgeschwnngene Hörner blin
, ken auf. von den Goldfunken über
- tanzt, die ganze Horde trottet und
, stampft durch den Urwald der Nacht,'
' der wieder die alte, auf tausend uner
: klärten Wanderungen durchfurchte Fa
, belheimath geworden ist. Und die
j bosnischen Pferdeköpfe, wirr zwischen
' die Büsfelbörner gestreut, klopfen mir
auf die Brust, ttschreckte Nüstern stie
, gen mit einem schnauben empor, hoch
l bepackte, aaue Rücken schwanken und
! weichen scknell aus. Von Minute zu
. Minute bin ich in neuen Thiersckmar
men. Verschollene. vierfßigeVorzeit
' aütx sind auf dem Marsch. Soldaten
, rufe dazwischen.. Irgendwo Trompe-
, ten: langgezogen, das Abendgebet
Endlich aber sind wir im Harem.
. Im leeren Harem bei der Exzellenz.
! Der Besitzer selbst stellte ihn zur Ver
' fügung. Und ging nach Sarajewo.
Wunderlich im hervorkommenden
Mond die verschwiegenen Höse. die
! blauen Wände des Frauenpalastes,
j Aber mehr romantisch ' im Halblicht.
: als deutlich im Charakteristischen.
, Vielleicht morgen oder übermorgen
! kann mans im Muße studiren. Jetzt
' fühlen wir mit der Exzellenz, mit vem
Stab, der noch liebenswürdiger scheint
' als all die liebenswürdigen Stäbe die
' ses Krieges, aus mühsam niederge
' zwungenem Halbschlaf Eespräcke über
I den Feind. Wir kriegen kaum die Au
gen auf. Und die Exzellenz lächelt:
' .Scklafenaehen. meine Herren!"
Schwer kriegen wir von den Stühlen
hoch und stolpern mit den krummgerii
tenen Beinen aus dem Harem.
Hier ist der Schiebefchalter." sagt
ein Baron im Hofe, durch den den
Frauen das Essen gereicht wurde. Wie.
in einem Käsig."
Wie interessant," sagt mein Käme
rad. und starrt in die entgegengesetzte
Ricktuna.
Wie'in einem Kä sig?" Auch der
Rittmeister gähnt. Von der Tbür aber
ruft die Exzellenz: Morgen reiten Sie
in die Tkront Schwarmlinie!"
Im Augenblick sind wir alle wach:
Morgen in die Front Schwarm
linie herrlich! Gute Nacht!
Doppelsinnig.
. . Ihr Freund ist alfo nicht nur
eifriger Luftschiffer, sondern auch
ein fleißiger Autler?". Ach, der
hat nichts im Kopf als GaS und Ben.
Zin'."
Kafernhofbluthe.
Unteroffizier: Kerl, das Gewehr
präserrtiren Sie wie ein vegetarischer'
Kellner einen Hasenbraten!"
Ein Schlauer.
Es ist einfach furchtbar. Meine
Frau verlangt von mir ewig Geld,
Geld. Geld und immer wieder Geld!')
Aber um's Himmelswillen, was
thut Ihre Frau mit all dem dielen
Geld?"
' Ach. das wech ich nicht, ich habe
ihr vtö jetzt r jgSflgtol?
Gcsundhcitspflrgr.
Neue Di abetes - Kur.
Aus dem Rockefeller Institut. daS
Yirr tfftfH bflnnnitiri fi-hnn nnr nifi
gute Kuren für schlimme Krankheiten !
gegeben hat, kommt jetzt den Zucker-
tranken eine frohe Kunde.
Die Experten des Rockefeller Jnsti
tutes wollen nämlich ein ganz neue
und radikale Kur für Diabetes gesun
den haben. Und nach Dr. Fred.rlck
M. Allen, dem ersten. der diese Kur
angewandt hat, hat man die neue
Methode genannt.
Auf völlig neuen Grundsätzen baut
Dr. Allen seine hoch interessante'Heil
Theorie auf. Er stimmt mit seinen
Kollegen überein, daß schlechter Stoff
Wechsel die Ursache der Zuckerkrankheit
sei. Und nun ist er zu der Folgerung
gekommen, daß man gut thäte, wenn
man den Organen, die an diesem
Stoffwechsel Schuld seien, so wenig
Arbeit als irgendwie möglich zu ver
richten gäbe. Und um dies zu bemerk
stelligen, müsse man das Körpergewicht
durch Fasten und strenge Diät auf ein
Minimum herabbringen.
Aerzte und Laien, die über die Be
Handlung Zuckerkranker gelesen haben,
werden erkennen, daß dies eine radi
kale Abweichung von allen früheren
Methode? ist. Denn bis heute haben
die Aerzte stets darauf bestanden, das
Körpergewicht ihrer Patienten auf ei
ner möglichst großen Höhe zu erhalten.
Und Fette. Butter etc. spielten bei der
Diät der Diabetiker immer eineHaupt
rolle. ' Anders bei der Radikalkur Dr. Al
len's. Man muß den Kranken durch stren
ges Fasten auf etwa vier Fünftel fei
nes alten Körpergewichtes herabbrin
gen, ist seine Weisung. Und dann
muß man ihn durch Diät und körper
lichc Uebungen auf diesem Mindestge
wicht erhalten.
Körperliche Uebungen für Diabe
tiker? Das ist auch etwas ganz Neues.
Und Fette. Butter, Oele, etc.. sind
in der Dr. Allen'scten Diät abfoiut
untersagt!
Eine ganze Reihe von New Aorle:
Aerzten haben im Rockefeller Institute
Experimente mit Zuckerkranken ange
stellt. Und mit einet einzigen Aus
nahme soll sich gezeigt haben, daß die
neue Kur wohlthätig auf die Patienr
ten wirkle.
Man ließ die Kranken an die zwan
zigmal die acht Treppen im Institute
erklimmen, und gann gingen sie in der
frischen Luft noch an die 10 Meilen
pro Tag spazieren. Man machte Ath
leten aus den Kranken und Geschwäch
ten und nahm ihnen jcden Zweifel
an der Möglichkeit ihrer Wiederher
stellung. Und wie gewaltig dies mora
lische Element bei Zuckerkranken ins
Gewicht fallt, ist ja eine altbekannte
Thatsache.
Lebensdauer der Jungge
sellen und der Ehe
m ä n n e r.
Der alte Scherz, wonach verheira
tete Männer nicht länge: leben als
Junggesellen, sondern es ihnen nur so
vorkommt, hat nur als Scherz seine
Berechtigung. Denn die Statistik und
besonders die von den Lebensoersiche
runzszesellschaften gesammelten Zif
fern beweisen, daß man mit ernsten
Dingen nicht seinen Spaß treiben soll.
Den Aufstellunzen einer der größten
Gesellschaften zufolge sterben im Aller
von 30 bis 50 Jahren zweimal so viel
Junggesellen wie Ehemänner. Aber
auch von 50 bis 80 Jahren haben vie
Verheiratheten die günstigsten Lebens
aussichten. da für jedes Hundert Ehe
männer 150 Junggesellen ins bessere
Jenseits verschwinden müssen. Wer
dem Motto huldigt: Lustig gelebt und
frühzeitig gestorben!, der bleibe Jung
geselle, wer dagegen sich lange des
Daseins erfreuen möchte, der schließe
sich einer besseren Hälfte an. Die er
wähnten Ziffern, die übrigens nicht
gleichmäßig für Frauen gelten, ent
halten noch weitere Lehren. Es läßt
sich aus ihnen schließen, daß verheira
thete Männer für die Versicherung ein
besseres Risiko bieten, weil sie sich mehr
in Acht nehmen, bessere Nahrung ge
nießen, erfolgreicher im Leben sind.
Vielleicht hat auch die Fürsorge, die
ihnen ihre Gattin zutheil werden läßt,
etwas damit zu thun. Wein, Weib
und Gesang, genossen, wenn der Mond
zu verbleichen beginnt, sind noch von
keinem Arzt als gesundheitsfördernd
empfohlen worden. Auch mag der Ge
danke, daß des Ehemannes Arbeit der
Fürsorge für Andere gewidmet ist,
wohlthätigen Einfluß auf Körper und
Seele haben. Aus allem diesem ergibt
sich, daß es zwei Arten Lebensversiche
rungen gibt: die eine, welche von Prä
mienzahlungen abhängig ist, die an
dere, die mit einem Trauring verbun
den ist. Um Wolljägers Motto mit
einer kleinen Aenderung hierauf anzu
wenden: Wer weise wählt Weibchen",
wobei Weibchen selbstfolglich nur in
der Einzahl zu verstehen ist.
Oeffentliche Gesundheits
pflege. Aus einem kürzlich veröffentlichten
statistischen Bericht' ergibt sich, daß
von 227 großen amerikanischen
Städten nicht eine einzige jahrlich !1
für den Kopf der Bevölkerung und
Sicherung des öffentlichen Gefund
heitszuftandes ausgibt. Am nächsten
kommt Seattle dem Dollar mit 95
Cents, der Durchschnitt ist jedoch nur
22 Cents, und für die 17 größten
Städte zusanrmengenommen 34 Cents.
Die durchschnittlichen Aufwendunaen
sd größer für den Südert.alS für den
rfcm. r.
Cents, in Memphis sogar 93 Cents,
dagegen in den nördlichen Mittelstaa
ten jährlich für den Kopf der Bevölke
rung durchschnittlich nur 15 Cents.
Krankheit. Armuth, Schmutz und Un
wi,,cnykii. oic e auerteinve der
Menschheit, sollten gerade so ünabläs
sig und mit ebenso wirksamen Mit
tcln bekämpft werden wie ein Feind,
der unser Land mit Waffen in der
Hand betritt. Dieser Krieg wird frü
her oder später zu einem' Weltkriege
werden münen. dessen Erfolge allen
betheiligten Völkern gleichmäßig zu
Ruhm und Ehre gereichen werden.
Feuchtigkeit der Stuben
luft. .
Das moderne Streben nach Be
quemlichkeit hat uns u. A. auch die
Dampfheizung, und mit dieser eine so
trockene Stubenluft gebracht, daß sie
als eine ernste Gefahr für die mem
liehe Gesundheit angesehcn werden
muß. Diese Gefahr wird noch durch
die Furcht vieler Leute vermebrt. sich
durch hinreichendes Offenlassen der
Fenster und genügende Lüftung der
Zimmer eine Erkältung zuzuziehen.
Die sogenannte schlechte Luft" ist sol.
cke. deren Sauerstoffgehalt weit unter
dem dem Menschen zuträglichen Maße
steht, ein Uebelstand, der durch Zu
lassung frischer Luft leicht beseitigt
werden kann. Ausgetrocknete Luft ist
nicht nur ein vorzüglicher Staubf'än
ger, sondern das geeignetste Feld für
die Entwickelung krankheiterregmder
Bazillen. Wer aus einer überheizten
nicht genügend gelüftet und mit trocke
ner Luft gefüllten Stube ins Freie
tritt, wird meistens eine Erkältung
heimbringen und häufig an Halökrank
heiten oder Kopfweh leiden. Trockene
heiße Luft wirkt auf Kinder besonders
erschlaffend und bewirkt, daß sie ma
ger und schwächlich werden. Die Wir '
kung ist die gleiche, als ob man sie sich
bestandig in einem Heißluft-, rufsi
schem oder türkischem Bade aufhalten
ließe. Aus allem Diesem ergeben sich
zwei Lehren, die Keiner übersehe
sollte, der sein Geld lieber für etwas
anderes verwerthet als zur Bezahlung
von Arzt und Apotheker: 1. Alle Zim
mer sollten selbst bei kältestem Web
ter mehrmals täglich gelüftet werveg
(man thut dies, indem man ein Zim
mer zurzeit lüftet, und dessen Thür in
zwischen geschlossen hält), daß mau
Nachts der frischen Luft entweder in
der Schlafstube oder in einem Neben
zimmer durch ein theilweife geöffnetes
Fenster Zutritt verschafft. 2. Man
sorge für den unbedingt nothwendigen
Feuchtigkeitsgehalt der Luft, indem
man auf alle Radiators" metallene
Schalen jnit Wasser stellt oder sonst
wie Waer zum Verdampfen bringt.
Heißwa erHeizung ist aus Gesund
heitsrücksichten anderen Heizmethoden
vorzuziehen, wer jedoch eine derartige
Anlage für sein Haus wählt, sollte sich
vergewissern, daß der Apparat nicht
nur Hitze, sondern auch Wasserdunst
an die Zimmer abgibt. Viele soze
nannte Heißwasserheizungen" erwei
sen sich dieser doppelten Aufgabe ge
genüber als Fehlschlag.
Die zuträglichste Zimmerwärme ist
68 bis 70 Grad Fahrenheit; darüber
binausgehende Hitze macht schläfrig.
Zähmt den Geist, verursacht Kopfweh,
macht die Muskeln schlappig und gibt
blasse Gesichtsfarbe. Es ist unrecht,
von Kindern zu erwarten, daß sie in
einem überhitzten Zimmer ihre Schul
arbeiten machen sollen, wenn selbst
Erwachsene es fast unmöglich findeu
werden, ihre Gedanken auf eine be
stimmte Sache zu konzentriren ob
irgend welche Denkarbeit zu verrichten.
Die verkannten Wür ft
Mieze bat Liebesgaben ins Feld
geschickt, Schokolade, Zigarren unÄ
Snvvcnwürfel. Sie erhält folgen!
Antwort :
Liebes Fräulein! Herzlichen DmÄ
für !,hre Sendung! Die Schokolade
und die Zigarren waren prachtvoll,
bloß die Bonbons schmeckten etwas
salzig!"
E r k l ä r un g.
Hausftau: Du, Alter, sag' ma
was ist denn eigentlich die Jnspirä?'
tion. von der mir unser Zimmerherr,
der Dichter, immer erzählt?"
. Hausherr: Weißt Alte, das is un
gefähr dasselbe, was für uns d
Durst is!"
DieseFrechheit.
Mann: Hier in der Zeitung
daß die Zahl der Esel immer mehr rmA
mehr abnimmt." .
Frau: Da sieht man wieder, witz
viel Erziehertalent in uns Ehefrau
Feinfühlig.
Junge Wittwe (zur Faschingszeit bei
der Schneiderin): Können Sie mir
nicht eine Kombination machen zwi
schen Domino und Trauerkleid?"
Auf dem Kriegerball.
Reserveieutnant: Nim. meinFräu
lein, hal Sie auch der PatriotismuL
hergeführt?"
Nee, Herr Leitnant, mein On
kel EusebüiS."
Frenrder Logiergaft (zum Hotelier):
Der Dirigent Ihrer- Hauskapelle ver
fügt über einen ganz vortrefflichen
Tonkörper."
Hotelier (stolz): Ja, wissen S', der
ist auch mein ständiger Tischgast."
. Herr Kommerzicnrath haben jet
Zwillinge bekommen! Was haben Sie
ihnen denn sür Namen gegeben?. '
m$apmifrJT

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