OCR Interpretation


Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, August 22, 1916, Image 4

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn96076572/1916-08-22/ed-1/seq-4/

What is OCR?


Thumbnail for 4

Detrolter AV euVpop, Dienstag, den 22. August 1916.
F?
B
B
D
B
B
B
B
B
Aetroiter
Abend - Pot.
Enterad mx , ttie FoataOoecf Stralt
m 8econf CVm Xafftftr.
W fcSrtftriiJ 27Htt5eflanaen6ne :
in aStffftcen
klug. Msrxhaus.Waldpoft'GVb2ude
Cfftcf : fftf StoobwaD und LkOradMV
Lldenue (nahe rottet 2ttwe).
raxBrn::xKMiii:m:i:asTB'59?-a
Was heute vor einem Jahre ge y
meldet wurde: K
22. A u g u st. Italien er-
klärt Krieg gegen die Türkei. ff
Die Kowno Siegesboute auf D
20,000 Gefangene und 600 Ka- B
nonen geftiegen. q
a cebii mmmma
beo:
p
P
i;xna:B 'iebib ibt.:b
iij;n
B
B
B
y
B
B
S
ri
Warnung!
Die Engländer wollen von
dem Bestreben der Teutsch
Amerikaner, sich ihrem alten
Vaterlando hülfreich zu erwei
sen, Vorteil ziehen. Englische
Bankhäuser und englische Pri
vatpersonen haben grc Posten
preußischer 3y2 und -prozen
tiger Staatsanleihen, sowie der
Anleihen von Städten wie Ber
lin, Köln, Frankfurt, etc. in i
rem Besitz.
Tie größten Anstrengungen
werden gemacht, um dieDeutsch
Llmcrikaner irre zu führen und
ihnen den Glauben einzuflößen,
sie würden durch denAnkauf die
ser Wertpapiere Deutschland
helfen. Namentlich in letzter
Zeit werden dieselben vielfach
von Bnnkiers in den Vereinig'
ten Staaten angeboten. Wir H
machen darauf aufmerksam, g
das? das Geld England gute jgj
kommt und nicht Teutschland!
Man sei also sehr vorsichtig beim "
Ankauf deutscher Wertpapiere. 8
Tie sich in englischem Besitz be Ö
findlichen Wertpapiere sind da i
ran leicht zu erkennen, daß sie j
einen englischen Stempel tra g
gen. "Man pruie oarum aue an
gebotenen Wertpapiere genau,
ehe man den Kauf abschließt.
Chamber of GermanAmeri'
can Commerce, Inc.
tTrutsch.Amnikanische .Handclskammr?.
MiMSMMMmmmSMmSi
Tie Amendements zum Freibrief.
Am 29. August werden der Bürg,
schaft von Detroit zehn Fragen betr.
Aenderung des städtischen Freibriefes
zur Entscheidung vorgelegt werden,
doch sind eigentlich nur zwei oder
drei derselben von besonderer Wichtig,
kett. Tie radikalste vorgeschlagene
Maßregel ist die Abschaffung des Esti
matorenrates. eine Frage, welche die
Wählerschaft schon früher beschäftigt
hat. Die eigentliche und einzige
Funktion der Estimatorcnbchördc
sollte sein, als eine Art von Sicher,
heitsvcntil zu fungieren bei der Fest
setzung des Jahresbudgcts für den
städtischen Haushalt. Sie sollte al
lenfalfiger Verschwendungssucht des
Stadtrats einen Riegel vorschieben
und verhindern, daß unnötige Bewil
liaunacn acniackt würden. Daß ein
solches Sicherheitsventil nötig ist,
muß allgemein anerkannt werden,
ebenso aber auch, daß die Estimato.
rcnbehörde. wie jetzt konstituiert, der
ihr zugeschriebenen Aufgabe nicht ge
wachsen ist. Tie Mitglieder derselben
stehen mit den verschiedenen Verwal.
tungs . Tepartments nur während
ungefähr 30 Tagen im Jahre in
Verbindung, d. h. nur während der
Dauer der Sitzungen zur Festsetzung
des Budgets und es ist also ganz un
möglich, daß fic folche Einsicht in die
Bedürfnisse der Stadt besitzen, als
eine Behörde besitzen sollte, die ledig
lich zu solchem Zwecke existiert. Al.
lerdings hat der Estimatorcnrat jedes
Jahr die vom Stadtrat gemachten
Bewilligungen reduziert, aber allzu
oft wurden die Mitglieder dabei mehr
von faktioncllen oder Persönlichen
Rücksichten beeinflußt als von Grün,
den im wirklichen Interesse der
Stadt. Tie Sitzungen der Estimato
renbehördc haben sich so oft durch
kleinliche Faktionsstrcitigkciien aus
gezeichnet, daß die Bürgerschaft ihr
Zutrauen in ein solches Sicherheit
Ventil verlieren mußten. Es ist nun
vorgeschlagen, an Stelle der Estima
torenrats eine Behörde zu setzen, be
stehend aus dem Bürgermeister, Kon
trollcr. Stadtfchatzmeistcr. Korpora
tionsanwalt und Stadtclcrk. Diese
Körperschaft soll die 'gleichen Befug,
nisse besitzen, die der Estimatorcnrat
bisher besaß. Man hätte also hier
ein neues Sicherheitsventil, das dem
bisherigen schon deshalb vorzuziehen
wäre, weil es ein weit weniger schwer,
fälliges wäre und weil dessen Mitglie.
gV
der Männer sind, die das ganze Jahr
hindurch in engster Verbindung stehen
mit den verschiedenen Departments
der Verwaltung, also weit besser im
stände sind, darüber zu urteilen, was
die Stadt nötig hat,als 42 Männer,
welche nur einmal im Jahre auf die
Dauer von drei Wochen zusammen
treten. Der vorgeschlagenen Körper
schaft würden der Bürgermeister und
zwei von ihm ernannte Beamten an
gehören, sodaß also seine Administra
tion direkt für die Ttcucrrate vcrant
wortlich gehalten werden könnte, was
jetzt nicht der Fall ist. da der Bürger
meiste? kein Vetorecht über das Bud
get besitzt. Solche Verantwortlichkeit
aber sollte existieren. Wir glauben,
daß ein solches Sicherheitsventil wie
das vorgeschlagene dem Estimatoren
rat vorzuziehen wäre und letztere
Körperschaft abgeschafft werden sollte.
Ein anderes Amendmcnt schlägt
vor, die Amtstcrmine des Bürgermet
stcrs, Stadtclerks, Stadtschatzmeisters
und derStadtratsmitglicdcr von zwei
auf vier Jahre zu verlängern. Vc
treffs eines solchen Vorschlages könn
ten vielleicht ebenso viele Gründe ge
gen als für vorgebracht werden. So
weit als Stadtclcrk und Stadtschatz,
mcistcr in Betracht kommen, macht es
wenig Unterschied, da deren Pflichten
keine exekutiven sind. Anders verhält
es sich betr. des Bürgermeisters und
der Aldermen. In Befürwortung des
Planes wird gesagt, daß ein auf vier
Jahre zum Bürgermeister gewählter
Mann sich ein weit umfassenderes
Programm für seine Tätigkeit aus
arbeiten könnte. Das ist auch richtig.
Ein Bürgermeister muß das
bringt nun einmal unser politisches
System mit sich wenigstens drei
Monate seines Termins auf seine
Kampagne verwenden, wenn er wie
dcrerwählt werden will und wenig.
stcns zwei Monate verstreichen, ehe
er nach seinem Amtsantritt an Aus
suhrung seines Programnis gehen
kann, wenn er ein solches überhaupt
besitzt. Bleiben ihm also bei zwei
jährigem Amtstermin nur etwa 18
Monate. In Wirklichkeit könnte
mancher Reformplan agitiert und in
Ausführung gebracht werden, wenn
der Amtstermin ein längerer wäre.
Anderseits wird geltend gemacht, daß
mit Verlängerung des Amtstermins
ein System der Widerrufung eines
Beamten, der fich mißliebig gemacht
hat, verbunden sein sollte und auch
das kann nicht bcstritten werden. Die
Häufigkeit der Wahlen würde durch
Verlängerung der Amtstcrmine nicht
verringert werden. Man muß bcden
ken, daß manche Ward willens wäre.
einen oder den anderen ihrer Vertrc
ter im Stadtrat schon lange vor Ab
lauf eines zweijährigen Amtstcrmins
los zu werden.
Ein durch Initiative eingeführtes
Amendcmcnt für Kreierung einer
Wahlkommission, die alle ' Ward
beainten ernennen soll, wird zur Ab
stimmung gelangen. Obwohl das
jetzt vorherrschende System der Er
wählung oder Ernennung solcher Be
amtcn nicht das allerbeste ist, sind
doch auch gegen den neuen Plan Ein
wände zu erheben. Durch die Acnde
rung würde einem Bürgermeister
und direkt unter seiner Kontrolle ste
hcnden Beamten die Gelegenheit ge
boten, eine mächtige Maschine in eige
ncm Interesse aufzubauen. Außer
dem muß die Ouclle, aus welcher die
ses Amendcmcnt hervorgegangen ist,
in Erwägung gezogen werden. Die
Initiative wurde durch die Detroit
Eivic Lcague, oder deren Anwalt,
Pliny Marsh, eingeführt, und was
aus dieser Quelle stammt, sollte sehr
gründlich geprüft werden, ehe es gut.
geheißen wird.
Ein Amcndement für Festsetzung
eines Mindcstlohnes für städtische
Arbeiter war schon einmal giügehci
ßen worden, konnte aber wegen eines
bei dcrAbstimmung gemachten Form
sehlcrs nicht in Ausführung gebracht
werden. Es kommt jetzt wieder zur
Abstimmung und wird voraussichtlich
wieder angenommen werden.
Tie anderen Amendements sind
weniger wichtig und sollten sämtlich
gutgeheißen werden. Zwei beziehen
sich lediglich auf Einteilung von der
Stadt neu einverleibten Distrikten in
die betr. Wards. Ein anderes soll
der Stadt Kontrolle verleihen über
alle Korporationen, die öffentliche
Dienste leisten, sowie über die Raten,
welche sie berechnen dürfen. Noch ein
anderes reduziert die Zinfcnrate auf
Steilern für Verbesserungen von sie
ben auf vier Prozent. Schon seit
einer Anzahl Jahre wurde letztere
Rate berechnet, aber zufällig wurde
entdeckt, daß eö ungesetzlich war, weil
der Freibrief immer noch sieben Pro
zent vorschreibt. Noch ein anderes
Amcndement soll der Stadt die Be
fugniZ verleihen zur Verausgabung
von Bonds für Errichtung und In
standhaltung von Hospitälern. Vor
einem Jahre hatte die Stadt Vcraus
gabung von Bonds für ein Hospital
für Schwindsüchtige bewilligt, aber
das Obergericht entschied, daß der
Freibrief dazu keine Befugnis der
leihe.
Unverdiente Niedertracht.
Die Zeitungen, die im Dienste der
Administration stehen, häufen tagtäg.
lich die bittersten Verleumdungen und
Schmähungen auf unsere deutsch.amc.
rikanischen Mitbürger.
Wir können weder gesunden Mcn
schcnverstand noch Patriotismus in
solchen Angriffen sehen. Warum
sollte der Teutsch-Amerikaner nicht
ein ebenso nützlicher und guter Bür
ger sein, wie der Amerikaner irländi
scher, englischer, französischer, kana
tifcher oder italienischer Abkunft?
Gegen diese Bindestrich-Amerikancr
sinket man in den genannten Zei
tungen niemals Angriffe spöttischer
der verleumderischer Natur, dagegen
werden die Deutschamerikaner fort
gesetzt verunglimpft und beschimpft.
Tatfache ist, daß kein Land' uns
einen intelligenteren, fleißigeren, ge
ft'tzlicbcnderen, vortrefflicheren und
nützlicheren Zuwachs zu unserer Bür
gcrschaft gegeben hat, als Teutsch,
land. Tie deutsch.amerikanischen
Bürger sind in ihrer großen Masse
eine Ehre für das Land ihrer Her
kunft und ein Gewinn für das Land
ihrer Wahl.
Es ist im höchsten Grade nieder,
trächtig und verächtlich und durchaus
unamcrikanisch, diese achtbaren, intcl
ligcnten und loyalen Bürger zu ver
spotten und zu verleumden und
Schmähungen auf das große, Herr
liche, freie Reich zu häufen, dem sie
entstammen.
Tie deutsch.amerikanischen Bürger
haben sich unter den erschwerendsten
Umständen, unter den gemeinsten
und feigsten Angriffen, Lügen und
Verleumdungen mit einer würdevol
len Gelassenheit betragen, die ihres
großen Volkes würdig ist und die
ihren Verleumdern Schweigen ge
bieten sollte. Und wir sind auch voll
ständig davon überzeugt, daß die
große Masse anständiger und der
nünftigcr Amerikaner diese Angriffe
gegen ihre Mitbürger deutscher Ab
kunft nicht billigt.
Leider ist der gefürch
tetc atmosphärische Hochdruck von
Bermuda zurückgekehrt und, was am
schlimmsten ist, wir sind machtlos.
weil es ihm gegenüber keine Ouaran
täncMaßregcln gibt.
Portugal, dassichjetztim
Kriege aktiv auf die Seite der Al
liierten stellen will, scheint bisher
übersehen zu haben, daß ihm von
Ht (rftTlriH Wirt Vrt ofmo fofhä. 511?
naten der Krieg erklärt worden ist.
Senator Taaaart be
kämpft die Verschwendung, sein Kol
lege Owen die Korruption. Der Mil
lionär.Klub hat somit die beste Gele
genheit, sich zu guterletzt noch ernstlich
mit Reform.Maßregeln zu beschäf
tigen.
San Salvador hat die
Vertrags.Verhandlungen mit Nica
ragua abgebrochen. Gewiß recht be.
daucrlich. aber leider nehmen uns ge.
gcnwärtig wichtigere Dinge so sehr
in Anspruch, daß wir uns darum
kcine große Sorgen zu machen im
stände sind.
Die Erfahrungen mit
der Bcwilligungs Vorlage für das
Heer legt den Gedanken nahe, daß es
vielleicht sehr zweckmäßig gewcsn
wäre, hätte man den Abgeordneten
Hay zu einem höheren Bundesrichtcr.
Posten ernannt, als sich dazu die Ge
legenheit bot.
Die Philippinen . Vor
läge, welche dem braunen Jnselvolke
die Unabhängigkeit gewähren will.
so bald eS im Stande ist. eine stabile
Regierung einzurichten, wird an den
bestehenden Verhältnissen vorläufig
kaum etwas ändern. Man könnte
sich die Mühe also sparen.
Wenn es sich bestätigt,
daß der Prinz Songka wirklich von
einem Zollinspektor mit Fäusten traf
tiert wurde, als- er den vergeblichen
Versuch machte, sich zu legitimieren,
sollte der rohe Bursche seinen Posten
verlieren und wenn er zehnmal ein
.verdienstvoller" Demokrat wäre.
Heldentod eines Zeitungöbesitzers.
Ter Verleger des Volks-Anzeige
blattes" in Winnenden, Otto Huß,
hat am 3. Juni den Heldentod erlit
ten. Er war 30 Jahre alt.
Feuilleton.
Ein Sonntagnachmittag in Mecheln
Aus Brüssel schreibt ein Korrespon
dent der Frankfurter Zeitung: Eine
tadt, die in der Gotik eingeschlafen
und im Rokoko erwacht ist und
bald wieder versonnen in ihrem
Traum, als an dem warmen Sonn
tagsnachmittag, an dem wir durch
die menschcnlcerenStraßen Mechelns
schleuderten. Wir waren gekommen,
um uns die Stadt des Kardinals an
zuschauen, notre Cardinal", wie die
Belgier sagen, und wir waren inner
llch froh darüber, daß man hier ei.
gentlich" gar nichts gründlich sehen
mußte, um seinen kunstgeschichtlicheil
Kenntnissen genug zu tun. Kein
unschätzbares Bild, kein unschätzbares
Bauwerk! Es wäre schrecklich gcwe
sen, ein Programm ablaufen zu sol
len, wenn die ganze Umgebung fich
o grundfätzlich in eine Stimmung
des Gehenlassens versenkt. So ha
ben wir die längste Zeit auf der Ter
rasse eines Kaffeehaufes am Gro
ßen Platz" gesessen, dann ans einer
Bank in den bescheidenen Anlagen
am massigen Brüsseler Tor und dann
nochmals auf einer Bank im Botani
schen Garten, wo Feldgraue unter
den Mechclnern spazieren gingen
Wir sprachen von allem, was die
stadt verlockendes hat. Eine unse
rcr Damen wollte Mcchelner Spitzen
kaufen, aber am Sonntag Nachmit
tag war nichts zu machen. Ter Ma.
ler, der mit uns war, dachte an die
prachtvollen Rassehunde, denen Me
chetn ocn Namen gegeben hat, die
fein und fehnig gebauten Wölfe mit
den dunklen Flammen im gelblichen
Fell und dem intelligenten Gesicht
von verwicgener Wildheit. Auch
von den Mcchelner Spargeln, die in
Belgien berühmt sind, redeten wir.
Ulid zu spät fiel mir ein, daß ich in
Brüssel eine Empfehlung für die Be
sichtigung einer Gobclinwcbcrei hät
te haben können.
Mecheln hat schrecklich moderne
Gegenden, das Bahnhofvicrtcl zum
Beispiel. Man sieht auch sonst sehr
viele Häuser ohne jede Eigenart, ge
nau so geschmacklos wie irgendwo an
ders. Tann haben mc Mechclncr auch
alte Bauten im alten Stil nagelneu
ausgeführt wie ihr Postamt, das
einst eine Ecke der Tuchhallc war.
Auf der anderen Ecke steht sie noch in
ihrere verblichenen Gotik. Wir cm
pfinden dieses Neue, dies Gegenwär
tige, wie wir die Spannung des
Krieges in uns empfinden. Sie las
sen uns nicht recht zur Ruhe kommen,
um ganz in den Traum dieser Stadt
zu versinken. Man möchte nicht
rühren an die Vergangenheit, die sich
hier schlafend ain Leben gehalten hat.
Sie behält ihren Reiz, wenn der fei
ne Schleier darüber bleibt, den unsc
rc eigene schläfrige Stimmung eines
warmen Sonntaa-Nachmittaas webt.
Wir schlendern und begegnen den
Paar Schönheiten: Blicke auf den Ka
nal der Tyle, die fich durch die Stadt
schlangelt, alte Häuser am Hafcrkai,
am Salzkai, das Zunfthaus der Fisch
händler, ein Renaissancebau. Es
giebt viele Kirchen in Mecheln aus
allen Zeiten, wir begnügen uns mit
Sankt Romuald, der Kathedrale,
und eigentlich mit ihrem Turm, der
wie ein mächtiger, rissiger Baum
stamm ohne Krone aus der Erde em
porschicßt. Was man daran sehen
muß, ist die Lebendigkeit des Spiels
von Licht und Schatten in der Glie
derung der stämmigen Masse. Noch
viel mächtiger als aus der nächsten
Nähe wirkt der Turm aus der Fer
ne. Wenn man auf der Landstraße
Mecheln zufährt, dann ragt der
mächtige Stumpf allein über das
Grun der Bäume hervor, von der
ganzen übrigen Stadt ist nichts zu
sehen. Kcine andere Kirche schien
einen Turm haben zu sollen.
Tie Kathedrale ist in Restailratioii
begriffen. Der Krieg hat sie bei die
scr Erneuerung überrascht und die
paar Granaten, die aus Irrtum hin
einschlugen, haben kein Unheil getan,
das nicht gut gemacht werden könnte.
Das Innere verschließt seine Schön
hcit, weil eine Bretterwand das
Langschiff und den Chor in zwei
Rümpfe spaltet. Tie Messen werden
:m Schiff gehalten. Eine holzge
schnitzte Kanzel stört mit ihrem be
wegten Barock und ihrem braunen
Ton die graue Kühle der Architektur.
Links neben dem Altar steht der Bal
dachinsitz des Kardinals. Wir haben
kein Glück und sahen den Apostel der
parrioriicycii irrenoriere mehr in
Person. Ich habe ihn im vorigen
Jahre in Sankt Gudula in Brüssel
gesehen und bedauere es doppelt, ihn
nicht hier in seiner Kathedrale, in der
kleinen Stadt, die seine eigentliche
Umgebung ist, wiederzusehen. Tie
hohe schlanke Gestalt mit dem merk
würdigen Gesicht, in dem Askese und
Energie sich mischen, müßte sich hier
noch mehr aus dem Kreis der Ihren
emporheben wie der Turm von
Sankt Romuald über die ganze
Stadt, doch nicht stämmig und knor
rig, sondern schlank und geschmeidig
wie eine Palme m der Oase.
Mecheln ist in der Gotik einge
schlafen und im achtzehnten Jahrhun
dcrt wieder erwacht. Trotz der älte
ren Bauten bleibt der Eindruck: die
jStadt hat den Geist des Rokoko in
!sich. Die Privathäuser aus dieser
IZett, die sich hie und da finden, ge
ben dem Ganzen mehr Prägung als
der Turm der Kathedrale, der in eine
ihm fremde Welt geraten scheint.
Zwischen Barock und Rokoko schwebt
die Seele Mechelns. Freilich Barock
und Rokoko sind gotisch ' geblieben.
Mr Gounty-Gcerk
Hunderte von Anwälten
unterzeichneten folgendes Beglaubigungsschreiben: Hiermit emvfehlen wir
stimmig den County Ufers Herrn Thomas F. Farrell für Wiedernomination
Wiederwahl: er hat unserer Ansicht nach dieses Amt erstklassig verwaltet."'
Sie haben überall mehr Fenster als
Mauerfläche. Sie gewinnen einen
Reiz der Intimität ohne den franzö
fischen Pomp oder die franzöfifche Ko
kcttcrie.
Wir fahren gegen Abend nach
Brüssel zurück. Am Bahnhof ist alles
deutsch. Ein Landstürmcr prüft un
tere Auswcispapicre, ohne die man
nicht eintreten darf. Als wir auf dem
Bahnsteig warten, strömt eine unge
hcure Menge Arbeiter nach den La
kalzügen. Sie kommen aus den
Betriebswcrkstätten der Eisenbahn.
Auf dcr Heimfahrt sehen wir noch
wie in Mecheln selbst die Spuren des
Krieges: einige zerstörte Häuser, in
denen der Schutt sauber aufgeräumt
ist und die noch brauchbaren Ziegel.
mit wohlerzogenem Ordnungssinn in
regelrechten Reihen aufgeschichtet
sind. Man wartet auf das Ende des
Krieges. Auch das gehört noch zum
Gesichte dieser Stadt.
Prcßstimmcn.
HoheGeburtallein bil
dct noch lange kein Befähigungszeug
nis zum Führer eher das Gegen
teil!
Die Haupt st ärke der
Teutschen liegt in den Reserven
daher die Verluste an der Front ver
hältnismäßig gering!
Die A d m r n i t x a t i o n
rühmt sich, daß unter ihr die Lohn
Verhältnisse sich gebessert haben.
Stimmt: in der Munrnons - Jndu
strie!
König George hat )im s
Reiten abgewöhnt. Mag sein kostba
res Leben einem so unvernünftigen
Biest, wie'n Pferd ist, nicht anvcr
traucn!
Deutsche Tauchboote sind
achalten. Handclsschisfe erst zu war
ncn. Vanoci? cnisie aoer ourcn
Tauchboote ohne Warnung angrei
feni. Wilson'schc Gerechtigkeit!
Die Stimmn ngsocrlcy
te deutscher Offiziere über die Käm
fen. Wilfon'sche Gerechtigkeit!
schen Zensor mächtig gegen den
Strich. Weil ste die Wahrheit ent
halten!
I ohn Bull will sich in.
Schottland als Schankwärtcr versu
ckien. Bei seinen erprobten Lalfcher
künsten mag das eine schone Pani
schem werden. !
Die Londoner Berichte
über die jüngsten Zeppelinangrifl
könnte der Range geschrieben haben. '
der immerzu verfichert, es habe nicht
wehgetan und sich dabei fortgesetzt ei
nen gewesen Körperteil reibt. j
Dank der arbeltswit-
liaeii Mitwirkung seiner ' Bundesge
nossen wird Frankreich am Ende des
Krieges ungefähr so aussehen wie
die Pfalz nach ihrer Verwüstung
durch Melac. Die Weltgeschichte läßt
nicht mit sich spotten.
Wi r haben den Alliier-
ten bisher geholfen und werden iy
nen auch weiter helfen," bekennt ein
östliches Admimstrationsblatt trcu
herzig, und auch dieses Bekenntnis
wird zu den Kampagneaktcn gcnom
ml werden müssen.
Dieirren Angaben über
die Verluste der Verbündeten an Ge
fangenen und Kriegsgerät muß man
dem rufnschcn Generatstav zugute
halten. Ein richtiger Wutkikoller mit
einem Schuß Prohibitioiistunke
macht den stärksten Mann unzurech
nungsfähig.
Die Italiener sind Trieft
bis auf dreizehn Meilen nahegekom
men und werden es unzweifelhaft in
den nächsten Tagen nehmen mel
det Buchs in der Schweiz noch immer.
I a, nehmen! Wie die Russen vor
ungefähr acht Wochen in einigen Ta
gen" Lemberg genommen haben.
Dem zweitältesteil Soh.
n e des englischen Königspaares wird
nachgerühmt, daß er äußerst gewandt
sei in der Handhabung der Strickna.
dein. Papa George ist also fein her
aus: er kann sich seine Schlafmützen
von seinem Sohne stricken lassen und
das Geld sür sremde Arbeit sparen.
Ein alliiertes Lumpen
organ , die im Dienste Englands und
Frankreichs stehende Bukarcstcr Epo
ca. behauptet, Teutschland habe Ru
mänien für seine Neutralität Ge
bictscntschädigungen auf Kosten Oc
sterrcich-Ungarns angeboten. Taß sie
ein Lumpenorgan das behauptet, ist
weiter nicht auffallend, denn für die
Verbreitung derartiger Meldungen
wird es bezahlt: um so auffallender
ist. daß eine derartige Meldung von
amerikanischen Zeitungen Vorbehalt
los weiter verbreitet wird. Sie schei
ncn von sich auf andere zu schließen
nud die deutsche Politik nach dcr Ge
sinnnungslumpcrei einzuschätzen, der
sie im Dienste Englands verfallen
sind. Zu solch schäbiger Handlungs
weise wären die Alliierten fähig,
Deutschland ist es nicht.
-y Waldnnar Gepp, deutscher
Juwelier nud Sxpert-Uhrmacher, !)84
Lorest Avenn, v Hnj.)
der Gerichte von Wayne Connty
IciHrLiches Gartenpicknick
Arbciter-Halle, Ruffcll- und Catherwe Straße,
am Sonntclg, den 27. August,
Anfang nachmittags 2 Uhr.
LandwehrVereine und das deutsche Publikum sind freundlichst einge
laden. i
Musik von dcr deutsch-ungarischen Musikkapelle. Tas Komite.
WzDr Mdermml
Wett-Ereignisse
7. Tag, Mittwoch, 23. August
George kzendric ZNemorial Handicap,
52,000 hinzugefügt, und ein silberner
Becher als Herausforderung. Eine
Meile.
Sieben Wettrennen jeden Tag, beginnend um 2:30 nachmittags.
Musik von dem Orchester des 21. Regiments.
f ütfiOUCll Sonntag und jeden Wochentag
roftrr Stahldam'xr rut l.?,
LZchk
tage...
60c
Rund
Evnntagk
Clkveland Tagcsahrt. jcden Tag. 9.00 morgens. am n
einen Weg
Spezialisation
ist der Schlüssel zur ökonomischeu Wirksamkeit iu der Fa
brikation Kenzentrierung von Kapital, Management,
und Arbeit für die Produzierung einer Einzclsorte von
Artikeln.
Tie erfolgreichsten Fabrikanten spezialisieren; und
diele der wesentlichsten Teile für deren Produkte kaufen
dieselben von anderen pezialisten da dieses auf billi
gere Art geschehe kann, als wenn sie diese Waren selbst
machen würden.
Tie kolossale Nachfrage ach Kraft für die moderneu
Industrien hat die Kraftproduktion zur erstklassigen spc
zialisierten Industrie entwickelt, in welcher eine große Ka
pitalanlage, ausgezeichnete Verwaltung und die moderu
fteu uud brauchbarste Maschinerien benötigt werden.
Tiefe Company erzeugt und verkauft mehr wirklich
brauchbare Kraft zu niedrigeren Preise, wie dcr Fabri
kaut sie möglicherweise als Ncbeugeschäft iu seiner eigenen
Geschäftsaulage herstellen kanu.
Sprechen Sie mit nusercu Jogenieuren.
The
Detroit Edison Company
Main 4300
Eine franzosische HuudcEiseubahn.
Ta die Franzosen die großen
Transporte wegen der Schnecmassen
nicht zu bewilligen vermochten, ging
die französische Heeresleitung daran,
eine Hunde Eisenbahn einzurichten.
Es wurden mehrereHunderte dressier
ter Hunde aus Alaska, dem nordwest
lichen Kanada und Labrador an die
Front gebracht. Tie Hunde, die zu
erst Schlitten zogen, wurden dann
Jr wV
f" $0 :
' X$ 1
. ; :. : .KtA ' "
1 V
I äs-;. 1
I u : - !
. wvT )
I "äH ,' 1
ein
und
veranstaltet von den
Wetercrnen bev
Deutschen Armee
in der
2Li
75 c
Rund,
nise
rv-ix-sv
Mont &
$1.50 iWM Bttttw .. kinttaa
C"l.
Xanttn aus dem i&tet. ,x:.!el Orchester. ?de im Vade
Res,. Sehe Sie das $1,000,000 Zerr Denkmal und die
Höhle an der Bag.
Tampfrr Piit.in.Boh fädrt täglich m 9 mrgeS ab. Tamxsn
Frank S. lkirdy an Wochentag ui 6 Uhr nachmittags.
Wenn Sie daS Gedränge verineide äfft, netto Sie
lannerkag der ffrritag dieser Woche. Reine Vkrk,nA.?xkr
sionen Nnd für diese Tage angeset.
Asölk fc Tnfti Tampser Linie. Srfte Strafte Werfte.
ihrer neuen Bestimmung als Eisen
bahnhunde überantwortet. Man
baute eine leichte Feldeisenbahn, auf
der wegen der fortwährenden steilen
Steigerungen keine Lokomotwen zu
verkehren vermochten. Tie Hunde
mutzten die Maschinenkraft vertreten.
Bei dieser Arbeit zeigten sich die schon
früher bei Nordpolexpeditionen mit
Vorliebe verwendeten Hunde aus
Alaska am brauchbarst-

xml | txt