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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, November 10, 1916, Image 1

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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d A ) fl 1
ffsc
Das Wetter:
Heute nacht und morsten trüb,
16 Seilen
kälter, vielleicht ein paar Schnee
) flocken; Best- und ndweftwind.
gent:-,mcr und HerauZgcber: Lugust MarrhauZen.
Jedem daö Seine.
Office: Mmdpost-Vebäude.
8. Jahrgang.
Detroit, Freitag, den 10. November 1916
Nummer I81UU.
f . f . fi L .A4 AU I - . X. 1
I IsirstnslsiOTr u wlmfflH
MUMW ML? MZLMW
E
ntscheikmg
Nur" liier Dampfer
in nener N-Bot
Petrograd meldet RiimiinrnRW
ziig in Siebenbürgen.
Ein Tag zchlnilljir Viiftfüiiipic aii er So
uic.groiit, (agt Pms,
Boston, 10. Nov. in Kabel
gramm, worin gemeldet wird, daß
der Harrison'Tampfer (Zngineer, der
unter britischer Zvlagqe fährt, torpe
diert und versenkt wurde, traf hier
heute bei Agenten der Adressaten der
Ladung ein. Kein Wort wird über
das Schicksal des Personals gesagt.
Der Dampfer, ein Frachtschiff, be
fand sich auf der Fahrt von Kalkutta
nach New Orleans und hielt an meh
reren dazwischen liegenden Häfen an.
Nach britischer Berechnung.
London, 10. Nov. Tie deut
schen Verluste seit Kriegsbeginn, wie
sie in den deutschen amtlichen Listen
veröffentlicht wurden, betragen laut
britischer Berechnung 3,755,093
Offiziere und Mann. Von diesen find
010,2:1 1 getötet. Tie Wahlen schlie
fcen nicht die Verluste unter den lot
tenmannschaften oder den Kolonial
trupven ein. Tie aus derselben
Quelle für den Monat Oktober ge
meldeten Verluste betragen insge
samt 199,075 Offiziere und Mann
schatten, darunter 34,321 Tote.
Bukarest sieht keine Aenderung.
Elitäre st, 10. Nov. Ueber
London. Zeitige Körnige sind an der
siebeubürgischen (Grenze im Gange,
aber laut Behauptung k rlimäni
scheu Kriegsamtes ist teine Aendc
rung in der militärischen Lage zn
melden. Der beutige Bericht lautet:
An der wettlichen Grenze der
?.lodawa (nördliches Rumänien) ist
die Situation bis nach Predelus un
verändert. Ini Prcchova Tal ist an
unserem ganzen linken Flügel ein
heftiger stampf im Gange. Artisic
rie Aktionen -finden in der (legend
von Trago
. ... ( i .
slav e ttatt. s cinpre .ncf-
ken User der VI it an. xtc
ten am Im
Situation ist im inl Tal und um
Orsova unverändert."
blond's melden.
London, 10. Nov. Lloyd's
geben bekannt, das; die britischen
Dampfer Sheldrake, Skerrie und
5unnnside versenkt wurden.
Die Shelorake war ein Schiff von
2(97 Tonnen, die 3ferrieo von 4278
Tonnen und die Snnnnside wird in
den Schiffsliften nicht geführt.
llnd wie viele Franzosen?
Pari s. 10. Nov. , 7 Luftkämvfe
wurden gestern an der französischen
ftrnit ausgefockten. Tras französische
.iriegsamt meldet, das; in diesen
Kämpfen ein Fokker und neun andere
deutsche Aeroplaue berabgeschosseil
wurden.
An verschiedenen Teilen der Front
gab es zeitweilige Artillerieiänipfe
und auch nsanterie-5charmübel.
Frankreichs neue Kriegskosten.
Paris. 10. No. Alexandre Ri
bot. der Fnuiiiz-Mmister, brachte ge
stern in der Tevulierten-Kanuner
eine Vorlage ein, worin er für das
erste Viertel des Jahre 1 II 1 T eine
Bewilligung von 8,539,00,000 Frc.
($1,707.800,000) für allgemeine
Zwecke, einschlienlich den Krieg, und
031.000,000 Francs als Nachtrags
Bewilligung verlangt. Tie täglichen
Auslagen Frankreichs überschreite,:
jetzt 105.000.000 Francs.
Ter französische Minister des In
nern wird der Kammer eine Vorlage
unterbreiten, wonach Restaurant'
Rechnungen bis zn 10 Francs mit
3 Prozent und über 10 Francs mit
5 Prozent besteuert werden sollen.
Die Steuer soll nur für Paris und
den SeineTiftrikt gelten.
T'od oder gefangen.
London. 10. Nov. Baron Lu
cas von Grudmell. Mitglied des kö
niglichen Fliegerkorps und früherer
eilte.
parlamentarischer Staats Sekretär
des Kriegsamtes, wurde entweder
von den Teutschen gefangengenom
men oder auf dem französischen
Schlachtfeld getötet, wie der Evening
Star fchreibt. Lord Lucas machte in
Frankreich über den deutschen Linien
einen tekognoszierungs-lug uns
mußte infolge eines Sturmes hinter
den deutschen Linien zur Erde nieder
steigen.
Artilleric'Duell an der Anrre.
London. 10. Nov. Während
der Nacht gab es bedeutende Artille
rie Tätigkeit auf beiden Ufern der
Ancre, wo der Feind eine grosze Men
ge Gasbomben benutzte", sagt der
heutige offizielle Bericht über die
Operationen an der ' Somme'Front.
Nordöstlich von Festubert wurden
feindliche ttrabenmörser durch unsere
Artillerie uild Grabenmörser zum
Schweigen gebracht."
Panik" in Antwerpen.
London. 10. Nov. Ter Amster
damerKorrespondent von Reuter mel
det. dan das Echo Belge behauptete,
das; nach den letzten Nachrichten die
Teutschen 21.000 Bürger aus Ant.
werpen nach Deutschland gebracht hät
ten. Eine grosze Panik herrsche in
5Intwerpen und dem umliegenden
Lande, fügt das Blatt hinzu, das fer
ner meldet, das; drei Männer, die die
holländische Grenze zu überschreiten
versuchten, durch den Strom der elek
irisch geladenen Trahtzäune an der
Grenze getötet worden wären.
Rumänen holen sich Schlappe.
Petrograd, 10. Nov. Ueber
London. Russische Truppen sollen sich
,mr. sHntsfit tnnfsi.-ti ,1 lCni-ii.
i jn-'l l Anilin iui.tiiu.y l'Ull viiuu-
jroöa bcfhlbcn un0 .I:ni die von den
o)lfm:;ni, ,; iurr asuf
' lv. f,...vV. Jl.lWlil,
berühmte Tonaubrücke kämpfen, wie
heute das russische Kriegsamt in sei'
nein Bericht über den Feldzug in der
! Tobrudscha behauptet.
An der siebenbürgischen Grenze ha
beil aber die Rumänen eine Schlappe
erlitten. Sie wurden vier Wersts
südwärts in der Gegend westlich von
Bllzeil'Tal getrieben. Rumänische
Gruppen unternahmen eine offensive
Umkreisungs Bewegung in der Rich
tniig von Predeal.
Untcrsllchnllg dcs Marina
sallcs zngcsichcrt.
Amerikanische Botschaft hat das
Staatsdepartement verständigt.
Washington. 10 Nov.
Teutschland hat die amerikanische
Botschaft in Berlin verständigt, daß
das Versenken des britischen Tam
pferö Marina, am 28. Oktober, mit
demVerlune von sechs amerikanischen
Pferdepflegern. genau untersucht
werden soll, sobald die Tauchboote,
die um diese Zeit in Tätigkeit waren,
berichtet haben wenden. Tie Mel.
dilng der Botschaft wird hier alt der
tranlich aufgefaßt.
Heftiges (!rrdbcbcn berichtet.
Washington, 10. Nov. Ein
schweres Erdbeben, das etwa eine hal
be Stunde dauerte und von der Uni.
versität inGeergetown berichtet wird,
bat in den frühen Morgenstunden
stattgefunden. Nach konservativen
Schätzungen befand sich die Stelle der
Störungen etiva 2000 Meilen von
Washington entfernt ilnd es wird an.
genommen, das? sich ihr Sitz inner
halb der Ver. Staaten befunden hat.
Tanz im Wahne Garden.
Eleganter Tanzboden. Eruzet's
großes Orchester. (Anz.)
zwischen Wilftn
WSWU's W
i
öiiygmms
öen zn seim.
it Bestimmtheit tauchen Ge-
M
rüchte von Nachzählung aus.
California, Nc Mcyc, Nc HamPshire und
Nord-Dakata mehr als zreifclhast.
New I o r k, 10. No. Woodrow
Wilfon mußte als zum Präsidenten
der Vereinigten Staaten wieder
erwählt angefehen werden, als Eali
fornio endgiltig beute früh in die
Reiben der demokratischen Staaten
einschwenkte.
Tie einzigen Staaten, die noch in
der Schwebe blieben, waren Minne
seta, New Hampshire nnd New Me
xico mit znsammen 10 Elektoral
Stimmen. Wenn nicht ein gänzlicher
Umschwung im Montanagebiet er
folgt, wird Mtfttlch New Merleo
für sich haben. Hughes hat vorläu
fig noch die Führung in Miimefota.
oii New Hampshire wird das End
ergebnis nicht bekannt sein, solange
die amtliche Zählung nicht beendet
ist. West-Virgiiiia, das noch bis ge
stern abend als zweifelhaft galt, hat
sich für Hughes erklärt.
Wenil das Votum in California
nicht geteilt ist, was jetzt immerhin
als möglich erscheint, dann kann
Herr Wilson mit Sicherheit ans 200
Stimmen im Elektoral-.Uollegiurn
rechnen, drei mehr als znr Erwäh
lung notwendig find, während Herr
Hilghes über 243 verfügt. Ter Prä
fident könnte drei Stimmen in Cali
fornia verlieren nnd würde trotz
dem erwählt fein. Tieser Verlust
würde jedoch durch New Merico aus
geglichen werden, wo er sicher gesiegt
bat. !
Miliz mag Minnesota entscheiden.
Tns Ergebnis in Minnesota mag
durch die Miliz entschieden werden,
die an der mesikanischen Grenze 2138
Stimmen abgegeben hat. Tiese wer
den erst am kommenden Tienstag
beim nsammentritt der Kontroll,
behörde gezählt werden. Berichte,
die heute früh aus dem Staate ein
trafen, zeigen, das; Hilghes seinen
Gegenkaiididaten mit ungefähr 700
stimmen überragt.'
yn New Mer.ico fehlen von 038
Distrikten noch 1)9. Trotzdem ist
Wilson Herrn Hughes um 1410
Stimmen voraus. Die entfernten
Distrikte, von denen noch nichts ge
hört wurde, sind nur spärlich besie
delt, und es wird nicht angenommen,
das; der Vorsprnng des Präsidenten
durch sie getilgt werden kann.
Das Endergebnis ist in New
Hampshire noch mehr im 'Zweifel als
in irgend einem anderen Staate.
Bescheinigte Meldungen aus allen
mit Ausnahme von 25 Tistrikten ha
den Hughes einen Vorsprnng von
131 Stimmen gegeben, doch zeigen
nichtamtliche 'Zahlen aus den noch
fehlenden Tistrikten, das; Wilsons
Plnralitä't 117 Stimmen bekrägt.
)n California.
California ist ziemlich vollständig.
Es fehlen noch 30 von 5070 Tistrik
ten, und diese haben Wilson 405,0(9,
Hnghes 402,538 Stimmen, eine
Pluralität von 3131 Stimmen für
den Präsidenten, gegeben. Tie Span
innig dieser hochdramatischen Lage
in der Geschichte des Staates wurde
erleichtert, als die Assoziierte Presse
melden konnte, das; der republikani
sche Staats-Vorsitzende Rowell von
California Wilson den Staat 'znge
stand. Tie Hauptauartiere beider
Parteien hatten stündlich die Führer
im Staate dringend ausgefordert,
das Geschäft der ,'iählung soviel als
möglich zu beschleunigen. Tiese Auf.
fordenngen wurden noch durch tcle
phonische Anrufe verstärkt. Seit
Mittwoch war es deutlich, daß Cali
fornia der zweifelhafte Staat fei, von
i
J-tt
ahl scheint he
weife zyKest-
der die Entscheidung abhing.
Erst als die Onuiibilsse aus Gegen
den, iil denen sich die Serra-Ansied-lnngen
befinden, eintrafen, wurde
das Resultat bekannt. Gewöhnlich
werden die wenigen Stimmen, die in
diesen Gegenden abgegeben werden,
als bedeutungslos angesehen, in die
sem Falle waren sie jedoch von der
größten Wichtigkeit. Sie konnten
weder dinrch den Telegraphen noch
durch den Fernsprecher erreicht wer
den, und die Pfade und Pazie. die zu
Mien führend -find nicht' verschnekM vonOOO ans 1,000,000 abgege
Es blieb alfo nichts übrig als zu
warten, bis die Wagen spät am gestri
gen Abend eintrafen.
Aehnliche Schwierigkeiten ergaben
sich bei Sammlung der Berichte ans
den Wildnissen in New Meriko. Tie
drei Stimmeii dieses Staates gelten
jetzt nur noch als eine Vermehnuig
der Chancen des Siegers, aber ge
stern würden sie vielleicht den Präsi.
denteil erwählt haben. Mmnesota
war fast ebenso wichtig bei der Ent
scheidnng, ob Wilson oder Hnghes' ge
Wonnen hatten, nnd darnm riefen die
Berichte aus diefem Staate fast eben
so viel nbel bei den Republikanern
hervor, wie. die ans California bei ih
ren Gegiierii.
Nachzählung sehr wahrscheinlich.
Taf; die Wahl desPräsidenten Wil
son nicht ohne Nachzählung in gewis
sen Staaten, in denen das Ergebnis
eine so kleine numerische Tisserenz er-
geben hat. zugestanden werden wird.
nist Ki'iitl uni-si rittfrftmirprpiu.hie ae
stern bis spät in die Nacht dauerte,
für wahrscheinlich. Es ist anzniieh
men, daß eine Einigung über ein de
finitives Vorgehen schon in den nach,
steil Stunden erfolgen mag. Tie
Staaten, in denen Berufnng an die
richterlichen Instanzen erfolgen soll,
werden jedenfalls California. New
5anwshire, New Meriko und Nord
Takota sein.
Wenn die Nachzählung ersolgen
sollte, so dürste Gorge Wickersharn,
Generalanwalt der Ver. Staaten un
ter Präsident Taft, die Leitung der
Nachzählung für die Republikaner
übernehmen. Er hat bereits mitHerrn
Hnghes und Herrn Wilcor, dem Vor.
fitzenden des republikanischen Natio
nalausschusses. konferiert. Eine for
melleErklärung über die gefaßten Be
schlüsse wurde zwar nicht abgegeben,
aber Herr Wilcox versicherte, daß in
allen Staaten eine Nachzählung ver
langt werden würde, in denn die
Mehrheit Wilsons so gering ist, daß
einige wenige Stimmen ein anderes
Ergebnis zu Tage fördern können.
Wilcor nnd seine Berater stehen auf
dem Standpunkte, daß kein Schatten
anf das Anrecht Wilsons ans die Prä
sidentschaft fallen sollte.
Bis Herrn Wilsons Wahl anschei
end gesichert war. hatten die Temo
kraten gleichfalls Vorbereitungen für
eine Nachzählung in den sogenannten
zweifelhaften Staaten getroffen. AI
ton B. Parker, der als Chefrichter des
Appellhofes in New ?)ork zurücktrat,
um im .ahre 1004 als Kandidat für
die Präsidentschaft aufzutreten, hatte
bereits mit dem Kampagneleiter Mc
Cormick und anderen Parteiführern
Konferenzen gepflogen. Beide Par
teien haben bereits eine Nachzählung
in New Hanipshire beantragt, wo au
genscheinlich weniger als 200 Stirn
men das Ergebnis becisluffen mögen.
Beschuldigungen in Nord Dakota er
hoben.
Beschuldigungen, daß Versuche ge
Hughes
macht wurden, an den Stimmkasten
in Nord Takota gesetzwidrige Mani
pulationen vorzunehmen, sind in ver
schiedenen Tistrikten jenes Staates er
hoben worden. Sie wurden dein Bun
desmarschall vorgelegt. Agenten des
zusli;departements süld.an gewissen
Stellen in anderen Staaten aufgebo
ten worden.
Tie Republikaner behanpten, wie
hente aus nichtamtlicher Quelle ver
lautet, daß. da die Temokraten den
Staat California nur mit einerMehr-
denen Stimme beanspruchen, selbst
geringfügige Irrtümer, die hier oder
dort untergelanfen sein mögen, das
Ergebnis ändern können. Tie Temo
kraten auf der anderen Seite behaup.
ten, daß der Vorsitzende Rowell, als
er den Staat dem Präsidenten zuge
stand, nichts von Betrugsanschuldi
gungen erwähnte, und daß, wenn eine
Grundlage für solche vorhanden ge
Wesen wäre, er zweifellos das Haupt
quartier in dieser Stadt davon in
Kenntnis gesetzt hätte. Beide Seiten
sind darüber einig, daß, welche Schrit
te immer zu einer Nachzählung er
griffen werden mögen, der Kontest je
denfalls nicht wie zuzeiten des Haves
Tilden Falles amtlich vor das Reprä
fentantenhaus gebracht werden wird,
m Jahre 1887 wurde ein Gesetz er
lassen, welches ausdrücklich bestimmt,
daß die Staaten in ihrem Urteil über
eine Nachzählung für die Präsiden
tenwahl souverän sind.
on drei Staaten wird es sich um
die Nechtsmäßigkeit der Erwählnng
ic eines iricnors Hanseln. vn .eras
wurde die Wahl eines solchen in Fra
ge gezogen, weil er ein Beamter ist,
und weil ein Bundesgeseö verbietet,
daß ein solcher als Elektor fungieren
darf.
. o'ni Staate Washington starb ein
Elektor kurz vor der Wahl und die
Parteileiter setzten an die Stellt, sei
nes Namens einen anderen aus den
Wahlzettel. Die Legalität dieses Ver
fahrens ist von den Republikanern in
Frage gezogen worden. Ein ähnli
cher Fall hat sich in West Virginia
herausgestellt, wo ein republikani.
scher Elektor sich weigerte zn kandi
dieren, weswegen die Partei seinen
Namen in letzter Stunde durch einen
anderen auf dem Wahlzettel ersetzte.
Der nächste Kongrcsz.
Mit noch fünf Distrikten im Zwei,
fel. zeigen die Wahlen im Lande an,
daß der nächste Kongreß 215 Demo,
kraten und 211 Republikaner im
Hause enthalten wird, somit hätten
die Temokraten eine Mehrheit von
vier Stimmen, wei der fehlenden
Distrikte sind demokratisch, drei re-
publikanisch. Tie Wähler in diesen
Tistrikten sind verläßlich, und darum
würden also den Demokraten 217
und den Republikanern 214 Siv zu
stehen. Vier Mitglieder anderer Par
teien sind m das Haus gewählt wor
den. Tie Tistrikte, von denen noch
nickt gehört wurde, liegen in West
Virginia und New Merico.
Ter Senat wird nach den neuesten
Nachrichten 54 demokratische und 42
republikanische Mitglieder mit einer
Mehrheit von 12 für die ersteren
enthalten.
Die Zusammensetzung des Elektoral
Votums.
Zur frühen Morgenstunde stellt
sich das Elektoralveturn des Landes
(Forlsktzung aus Ccitc 2.
nicht eckgiltig.
Plan der Friedensliga
findet gcnciatcs
Ohr. "
Bedeutungsvolle Erklärung des
Reichskanzlers uor Budget
Ausschuß. Grcy'schcs Liigclilvcrk zertrümmert. - Der
unbesiegbare deutsche Wille.
B e r I i n, 10. Nov. Drahtlos nach
Sayville. Reichskanzler von Beth
man Holweg gab gestern vor dem
Budget - Ausschuß des Reichstages
die angekündigte bedeutungsvolle Er
klärung ab. Sie bildete eine Erwide
rung ailf eine kürzliche Rede Lord
Gren's, der behauptet hatte, daß
Teutschland den Krieg provoziert hät
te, und brachte die Ankündigung, daß
Tentschland nach Beendigung des
Krieges an den Bemühungen sich be
teiligen werde, praktische Mittel zur
Erlangung eines dauernden Friedens
mit Hilfe einer internationalen .'iga
zn finden. Mit Bezug ailf die Frage
einer internationalen Liga zwecks Er
Haltung des Friedns sagte der Kanz
ler:
Wir verbargen niemals unsere
Zweifel, ob durch internationale Ver
eingllngen. fo z. B. durch Schiedsge
richte, Friede permanent garantiert
werden könnte. Ich werde hier nicht
die theorrtifchen Seiten des Pro
Meines besprechen. Aber vom rein
sachlichen Standpunkt müssen wir
jetzt und in Friedenszeiten unsere
Stellung zu dieser Frage desinieren.
Krikgsschauer sollte Frieden fördern.
Wenn nur die Welt bei und nach
Kriegsschluß sich der erschreckenden
Vernichtung von Leben und Eigentum
vollans bewußt würde, dann würde
durch die ganze Menschheit ein Ruf
nach friedlichen Arrangements und
Einverständnissen ertönen, die, soweit
es in menschlicher Macht liegt, eine
Wiederholung einer derart monströ
sen Katastrophe vermeiden sollen.
Tieses Verlangen wird so machtig
und so berechtigt sein, daß eS zu ei
nein Resultat führen mnß."
Tie Rede des Reichskanzlers wurde
mit Spannung erwartet, seitdem
halboffiziell angekündigt worden war,
daß er wichtige Erklärungen abgeben
wird. Tatsache ist, daß er eine neue
Schilderung der Ereignisse in den leb-!
ten Tagen vor dem Kriegsausbruch
gab, besonders in Verbindung mit der
Mobilisierung Rußland und den Be
niiihungen, Feindseligkeiten zu verhü
ten. Ter Kanzler wies ans die Situa
tion am 30. uli 1014, zwei Tage vor
der Kriegserklärung Teutschlands an
Rußland, hin. Ter deutsche Botschas
ter in Wien war instruiert worden,
Oesterreich Ungarn dringend anfzn
fordern, ein Einverständnis mit Ruß.
land zil erreichen, daTentschland nicht
wünsche, in einen Weltkrieg hineinge-
zogen zu werden. - nur weil sein Rat
schlag nicht beachtet worden wäre.
Oesterreich - Ungarn nahm Teutsch
lands Anregung an.
England schürte znm Krieg.
Vergleichen Sie damit", suhr der
Kanzler fort, die folgenden Schritte,
die Lord Grey.am 2. uli 1014 un
ternahm. Ter russische Botschafter in
London sagte, daß die deutschen und
Österreich ungarischen Kreise unter
dem Eindruck stünden daß England
sich ruhig verhalten werde. Lord Greq
erwiderte: Tieser Eindruck ist durch
die Besehle die wir der Haupts lotte
gaben, beseitigt"". Am 20. uli ver
ständigte er den französischen Bot
schafter von einer vertraulichen War.
nung. die dem Botschafter in London
gegeben wurde, daß Teutschland aus
rasche Entscheidungen, mit Englands
Beteiligung ain Kriege bedeuten, sich
vorbereiten sollte.
Konnte Lord Grerz erwarten, daß
eine derartige Enthüllung, die er
dem französischen Botschafter machte,
ddr Sache des Friedens dienlich sein
werde? Mußte der frazizösische Ver
treter nicht annehmen, daß diese Ent
hüllung als ein Versprechen von.be
wasfneter Hilfe im MriegmU auf'.u
fassen sei? Mußte nicht Fraulich
dadurch ermutigt werden. Rußland
eiil Versprechen bedingungsloser Ka
meradschaft im Kriege, die seit Tagen
so dringend gefordert wurde, zu
geben? Und mußte nicht Rußland
durch diese Gewißheit einer britischen
nnd franzöfifchen Allianz in seinen
Kriegsabsichten bestärkt werden?
Rußland handelte rasch.
Tie rumänische Antwort auf die
Morgenunterredung mit Lord Gren
kam so rasch als erwartet. Am Abend
desselben Tages, 20. Jnli, instruierte
Herr asanoff, der russische Minister
des Aeußern, den russischen Botschaf
ter in Paris, der franzöfifchen Regie
rung aufrichtigen Tank für die ihm
vom französischen Botschafter ge
gebene Erklärung auszusprechen,
daß Rußland vollkommen ans den
Beistand Frankreichs rechnen dürfe."
Der Kanzler erinnerte hernach,
daß der Hinweis des russischen Kai
sers auf die Mobilisierung in Oester
reich-Ungarn nicht als Entschnldi
gnngs-Grund für die russische Modi
lisiernng gelten konnte, da Oester
reich-Ungarn damals nur achtAnnee
Korps gegen Serbien mobilisiert
hatte, dem gegenüber Rußland am
29. uli bereits 13 Armee-Korps
mobilisiert hatte. Erst nach der all
gemeinen russischen Mobilisienlng
ordnete Oesterreich-Ungarn am 31.
jnli die allgemeineMobilisierung an.
Deutschland zögerte noch immer.
Was Deutschland betrisst. so mobi
lisierte es nach Eintreffen der Nach
richt von der allgemeinen russischen
Mobilisierung nicht sofort, sondern
proklamierte erst einen Status
drohender Kriegsgefahr, was keines,
wegs einer Mobilisierung gleichkam.
Dies wurde der russischen Regierung
mitgeteilt und hinzugefügt, daß die
Mobilisierung folgeil muß, wenn
nicht Rußland alle Kriegsmaßnah
men gegen Teutschland und Oester
reich1lnaarn innerhalb 12 stunden
einstelle und Teutschland nicht in kla
rer Weise verständige, daß dies ge
scheheii sei.
So wurde noch einmal Rußland
eine Frist gegebeil. selbst als infolge
Rußlands Schuld der Krieg bereits
unvermeidlich erschien, n gleicher
Weise wurde Rußlands Alliierten
und Freunden die Möglichkeit ge
geben, daß sie ihren Einfluß mit
Rilßland in derselben Weise geltend
machen, wie es Teutschland mit sei
nein Verbündeten, Oesterreich
Ungarn, tat. Rußland gab keine
Antwort. England hielt sich Ruß.
land gegenüber schweigsam. Frank
reich ließ lediglich am Abend des 31.
Juli durch seinen Premier dem deut
scheu Botschafter gegenüber erklären,
daß Rußland nicht mobilisiert hätte,
und ordnete seine eigene Mobilisie
-rung einige Stunden, ehe Teutsch
land daranging, an.
Ter Reichskanzler suhr fort: Was
out sogenannten Tefensiv.Charakter
der russischen allgemeinen Mobiliue
rung anlangt, so will ich gleich hier
betonen, daß zu Ausbruch des Krie
ges in 1914 eine allgemeine Ordre
der russischen Regierung, die in 1912
erlassen worden war, noch in Kraft
war, worin sich folgender Paragraph
befand: Von höchster Stelle wird
angeordnet, daß eine Proklamierunz
der Mobilisierung gleichzeitig eine
KriegsProklamation gegen Teutsch

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