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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, January 02, 1917, Image 6

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i
Detroiter Abendpost. D i e n ft a g , den 2. Janar19t6.
Sd)w
ere
Aämpfe.
Ksman aus dem dcntsch'frnnzösischen'
Kriege von 1870 71.
Von EarlTanera.
I5?rl'cdl,n.i
Davon war jedoch seine iHebe. Es
goß den ganzen Tag nna noch am
Tuichücn, übernächsten und auch an
ciitiiicu eiteren fort. Die? hatte
ten großen Vorteil, bei) välirenb der
Märsche .ornv Mamercdni ebenso
naß wurden wie er. d. u . daß iliiieii
ba ,'as'er a m-lorpcr Hinablief und
sie also nicht mehr wegen seines
feuchten Bettes neclen kernten, (i
träntte jedoch Offiziere und teilte
luerng, denn das nasse Better mil
derte felir die l'eschwerliciie HKu.
machte den weichen Sand etwas fener
und aanbarer und bewirkte, daß
jedermann 'ich mit den, bescheidensten
Cnartier zufrieden ciab. r.!s man mm
Niebrmals in Orten i'.aclts nnterkonl
men konnte.
Cbne ant einen, Feind u swfn.
hatte man die Vogeten passiert, nnd
die uv!Ciid von Nanni erreicht. Ntnt
(ring es an Tonl voriiver $cjcn Eoni
inercn. In der Nabe dieses reizenden
8täitchcitv wurden die Jäger in
einem schönen Torfe mit einein alten,
reichen Schlosse einquartiert. Neben
dem Bataillonsslab wnrden auch
Hevntmann -)innner, Oberleutnant
Oom und mehrere andere Leutnants
in das Schloß selbst nclrat. -Zwei
reich aallionierte Diener enivfingen
sie. führten sie in ihre -Zimmer und
eilten ihnen mit. das; das Diner um
3 Uhr serviert würde. Der Batail
lonskommandenr bat die Herren, in
etwa einer halben Stunde bereit zu
sein, um gemeinam mit ihm dem
Hausherrn die Aufwartung zu ma
chen, da dieser, wie es den Anschein
habe, sich alle Mühe gebe, seine Ein
quartierung zufrieen zu stellen.d So
flut es ging, wurde nun die Toilette
geordnet. Da schon seit .zwei Tagen
der lange Regen an gehört hatte,
war man ganz trocken und sah so
ziemlich salonfähig aus, soweit man
dies eben in der Felduniform errei
chen konnte. Der Graf Consard em
pftng die Offiziere in seinem Salem.
(5r war eine jener Erscheinungen,
denen man eine gewisse blasierte Vor
nehmheit und ein ziemlich wüstes ver
gangenes Leben anf den ersten Blick
anmerkte. Er zeigte sich als feiner
Kavalier.
..Messieurs, wenn ich es auch für
mein unglückliches Vaterland tief he
dauere, 2ie als mir ausgezwungene
Miste empfangen zu müssen, so möch
te ich doch, das; Sie sich in meinem
Schlosse so wobl als möglich fühlen.
Wir alle, sowohl ich als auch Sie.
sind ja für die Ursachen unserer Be
gegnung nicht verantwortlich zu ma
chen. Ich rechne also nur damit, das;
der Zufall eine Anzabl von .iiavalie
ren in mein Haus geführt hat. denen
ich einen ihres und meines Standes
würdigen Empfang zu bieten wün
fäze.-
Damit war die Lage klar gelegt.
Man unterhielt sich noch einige Zeit
über allgemeine Dinge, berührte aber
mia keinem Worte den ftrieg. Die
Offiziere erfuhren, das; . der Graf
eigentlich in Paris lebe und nur den
Hochosnimer mit seiner Gemahlin
und in diesem Jahre auch mit seiner
Schwester auf dem Landsitze bei
Eommercn zubringe. Narf) einiger
(23. di'ng.)
.Was er getan faü?" fuhr ran
et minl-L orrcrtt mtf d?sslbe
.Dtit'l i'iiujitv in'' (. ,
was er immer tut. ?lu5 lm:ter Ver- i
ehrung und Mitleid für mich macht er!
es mir ganz unmöglich, senialö wieder I
dcö Lebens frob zu werden. :n mel-1
nem Geburt ctl-g will er immer noch
nicht kommen und nun erst hente
ciif der Eiibabn? Er beschwor unch..
mir die Schlittsch'.'.be überbauet nicht,
anschnallen zu lassen, du wärest jslj
nicht da. ocnnn. und da sei ei ganz
überflüssig, meine wahre Narur zu
verleugnen, mich einem Vergnügen!
dinzugeven. o? rur mir.) gvr inw?
wäre. Und als ich dann '.mdersrrack,
ol? ick trolzdem lief, da verfolgte er
jed.' meiner Vewegunen mit so trau
rigen 5lligcn. das; ich schließlich die
e-.-sNtss.'stt,k'l' dock wieder absämallte."
Dagegen gibt eo nur ein Mittel." !
rief Ienm? ül'ern:ütig,und ganz ernst-
hart fragte sie gleich daraus : ..Hast du;
denn meinen kleinen Vetter garnicht
;,, r-ianti ?h?" i
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ihr ansr:ch!lg leo, rnici1 e
giticc. tte'.?issen ibm 0W'-'i
rielleicht fcvr.te sie bn
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doch noch glücklich :nach?", j
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ir wurde it'n evr vernn '
jl4 . i " ' ...
f ir r'sslt TTTfhr VA WAT laiNC
J'.il, lltiiu J
die Binder würden ganz ungluckl'.ch
sein, aber heiraten kann ich ihn troi.'
dem nie und nimmer, denn er ist ein
Kind." Und dann wieder lcbhas:
werdend, setzte sie hinzu : Er soll mir
nicht mein ganzes Leben verbittern, er
sH es mir nicht verbieten, mich wie
rer zu nüsieren. Gäste zu enipsangen
fr "
CSF o tf ' ts ts
sM - j VW MMlMMWMNU (1
k
Zeit erhob sich der Gast mit den
Worte.:: Meine Damen haben schon
gesecist. Sie werdeil beute abend
c.eiveiü. Sie werden sie beute
abend bet Souper sehen. Ich aber
! will den Herren jetzt die Honneurs
machen und bitte, mir zu folgen."
Alles fügte sich einem Beispiel, und
nun begab man sich in einen sehr schö
nen. reich dekorierten Sveisesaal. Der
Tisch war glünzend gedeckt, und das
Diner, welches serviert wurde, -zeigte
sowohl den seinen Geschmack des Gra
fen.als auch seinen Luxus. Besonders
j die Güte der Beine übertraf alles,
jnxr: die Offiziere bisher in rank
I reich gekostet hatten,
j Nc.d) dem rast überreichen Diner
! begaben sich alle Ofri,'iere mit Ans
' iiahme Horn,- in ihre Zimmer, um
ein wenig zu ruhen. Der Oberleut
! uant war nicht gewohnt, nach Tisch
i zu schlafen, und promenierte langsam
! in dein schönen Park umher. Neid)
einiger Zeit gelangte er in ein Vos
jenet, in welchem ganz versteckt unter
!Gli)ünien eine allerliebste Laube
! staub. Horn lief', sich ans der Bank
j darin nieder. Er überdacht.', was
iuch alles in der letjten ;-;ctt ereignet
- halte. Aber eine (bedanken bcschiif
jtigten jici; ganz mit lriegserlebnissen.
iVor einigen Tagen hatte ihm der
j Divisienadjutant mitgeteilt, daft er
lern der an das .ttorpslommando ein
' gereichten Lifte der zur Dekorierung
.Vorgeschlagenen der erste sei. Er
j erinnerte dies, indem er bemerkte:
Von unserer Division kamen ja
j aufjer Ihnen mir die Artillerie und
j das Ebevaurlegero Regimen! zur
- Verwendung, Ihr Name als der ent
mine eines Infanteristen wird beson
j der .- auffallen. Der Orden ist Ihnen
gvisz." .Das befchüftigte Horn doch
jiu hohem Maße. Wie sich da wohl
, seine Mutter freuen würde! Und Sie
j nate? Auch sie wird mit großem In
Z teresse seinen Namen in den Zeitun
!gen lesen. Es stand ja sicher zu er
'warten, das; die Frmt Oberappella
! tionsrätin Strecker ihrer Nichte da
! Blatt, in welchem eine Dekorierunq
stand, znsenden würde. Weiter sie
schüftigte er sich nicht mit der schönen
Hamburgerin. da ihm die heute früh
eingelaufenen Nachrichten über ernste
Kämpfe bei der ersten und zweiten
Armee durch den jiopf zogen. Nach
und nach hatte er sich ganz in Mut
maszlingen über den weiteren Ver
lauf des Krieges verloren, al-5 er
plötzlich durch das Geräusch nahender
Schritte in seinem Sinnen gestört
wurde. Eine junge, sehr pikant aus
sehende Dame in hocheleganter Som
rnertoilette, mit einem Buch in der
Hand, trat aus die Laube zu. So i
fort prang der Offizier auf und j
wollte Platz machen. Die Dame be
merkte ihn jetzt erst und erchrak ficht '
lich. Horn entchuldigte sich chleünigst
und äußerte, er wolle sofort die Laube
räumen, wenn die Dame ihm gestatte.
an ihr vorbei zu gehen. Sie stand
nämlich so vor dem Eingang der
Laube, das; es unmöglich war, diese
zu verlassen, wenn sie nicht zur Seite
trat.
Die vorzügliche französische Aus
spräche des deutschen Offiziers muszte
der ' Dame aufgefallen sein. Sie
nahm ei nLorgnon zur Hand und .be
trachtete ihn ohne jede Scheu von
ops bis zu Fuf;. Der Oberleutnant
lies; sich lächelnd diee Musterung ge
fallen. Nun chien die Französin ihre
Neugierde befriedigt zil haben. Sie
nahm das Lorgnon wieder ab, sah
lächelnd Horn ins Gesicht und rief
lustig: Eh voila im Prisonnier."
Der Offizier ging ofort aus den
Scherz ein und erwiderte: Es ist o,
wie sagen, Madame. Ich bin Ihr
und Gesellschaften zu geben: das will
ick nicht."
Zrau .'illn 'ämpfte mit den Trä
lien. Erst beute nachmittag hatte sie
ia wieder einaeseken. dak es aan
zwecklos war. ihn davon überzeugni i
zu wollen, daß sie garnicht die ewig
trauernde Witwe war. für die er sie
hielt. Gewiß, sie hatte ihren Mann I
n.'ch niclit vergessen und würde das!
auch nie tun. aber nc war doch noch
iung, es war doch kein Pergchcn.wmn
sie wieder froh und heiter wnrde.
Und, noch einmal kam es jetzt über!
ibre Livven: ..Ich will nicht, ich wiU
nicht? Ick lasse mich nicht mehr so von!
ihm bevormunden."
Schaeifcl war die ganze Zeit über
ein sehr aufmerksamer Zuhörer gewe
sen: ernstlich hatte er nie daran gc
gla::bt. das; nrau Doktor Michels je
mal 5 die Zuneigung des Kameraden''
erwidern könne, denn das Babn war!
iiic iind nimmer der Mann für eine
Vi!we. tro'dem freute er fich, seine!
Vermutung auch aus ihrem Munde!
lstnigt z'.: boren. Wie Keller das
Geständnis auas'en würde, war im
s'lugenl'ück allerdings noch die zweite
?rage.
..Aber was macht man denn da
nur?" sragle Jenny.
Ich möchte bitten, die Angelegen
bcit mir zu überlassen." nahm Schaef
fe! ietzr das Wort; ich kenne Fritz
vielleicht noch besser, als Sie. gnädige
Zrau, und wenn Sie mir die Erlaub
nis geben, ibm alles zu sagen, was ich
für richtig halte, dann stehe ich Ihnen
dafür ein, daß er zur Vernunft
kommt." .
.Gott, Herr Leutnant, wenn Sie
Sagt ein Aas hcijzes WM-
jedeL morgen nur im Mh
ftiilk löiri das ZZctt reta
ziem, VM mhr fri
flhe Lsst itut
ßirt.
Sinb Sie mäßig in Jkirr? Tiät nnd redu
! zieren -,e Ihr Geivkcht mit Tazi.o.
! V!nNj,el an frischer Lust Kar zur ol-
ifie, daft dnZ Blnr nickt ccnu SMihulan
re crficlt. die Leber trii.c unid und viele ;
; tnid-.tip,c Craanc üuxd sich ansedende'' !
-?tt beeintracknit werden. ?ie Her,uä-.
xitfeit wird schunch. Irrcit wird zur Mait'
ji.nl die ii.ur verliert die Zcdönbeit. '
! ?as im Hanse ai'.,'rsk'le eir ist für !
;dcn Körper nnaesund und wenn die ,
! inr nickt nnterftiiyt wird. e-Z wieder lo-Z,
j zuwerden. kann Krankheit die ,vlge sein. ;
! ienn 2ie ii setr werden, sollten Zie.
'wfort handeln. Barten 2ie rinii. b-ö
' ,"Xhrf n'isü:r entnell: oder bre ('''kiind-!
I t;c!t ruiniert worden in mit einer Last;
j ".nesunden iscttcv. j
! Verb ringen 2ie so viel )cir als moa.-!
j lief) in der frischen Luft. Atiunen Tie
! tief nnd bolen ie in Ntt?el'i oder Csm--'
ninbam's Ärotdeke eine Schachtel von
' Taßlo. trinken 2ic ein i'ei'ze-Z -as
! ser jeden 2)toracn vor dein 7viüKnii5 und'
j nelnnen 2ie 2avo nack jeder Mahlzeit !
! und vor dem ;iniicrtgcf,cn. j
, Wiegen iick jeden ?a '.nid l'lci-
jl'cn 2ic bei der edandliin. iiiZ 2ic da-Z !
j normale (ewickt erreicht iaben. Taszko j
! ist aösclut schadlos anenelun zn ge-!
brauchen, hilft der Verdannn nnd der !
.'lolilensäure-traaenden lraft des Blutes.
?'ach BeKandluna von wenigen Taaen
I sollte Nid Cicwichi schon beinerkenswert
i reduziert fein. (5S gicvt gegen Fettsucht
! nichts bessere. (Anz.)
Gefangener. Wenn Sie nicht den
Weg frei geben, musz ich hier bleiben
und kann Ihnen nicht Platz machen."
Das wnrde mir eigentlich Spaß
machen, Sie hier gefangen zu hal
ten."
iir auch. Madame."
..Bieo. Ihnen auch?"
..Das ist sehr einfach. Ich bin nur
so lange Gefangener, als Sie mir den
lllsgang rerperren. Sie müssen also
so lange hh'r stehen bleiben. Es ist
lvr ein wahrer Genun. eine so schöne
Erscheinungrecht mit Musze betrachten
'u rönnen."
..Ei. ei. mein Herr! Verstehen
denn deutsche Offiziere auch zu
schmeicheln' Das hätte ich Ihnen
gar nicht zugetraut!"
..Sie haben vollständig richtig ge
urteilt, Madame ! Wir können nicht
int geringsten schmeicheln. Wir spre
sschen stets unsere wahrste Ueberzeu
oung aus."
So halten Sie mich also für
schön?"
Nein, ich halte Sie nicht für
schön. Sie sind schön."
Gott, wie komisch diese Deutschen
doch sind? Uebngens Sie gefallen
mir. Ich würde es für ein Unrecht
Kalten. Sie länger Ihrer Freiheit zu
berauben. Der Weg ist frei." Da
mit machte sie einen Schritt zur
Seite. Horn trat aus der Laube,
blieb aber vo rder nun ihrerseit-5 nach
der Laube sich wendenden Französin
stehen und bemerkte: Ich hätte nicht
gedacht, das; Sie ebenso grausam
seien, wie Sie schön sind."
Warum grausam? Ich habe
Ihnen ja gerade ein Zeichen meiner
Gutmütigkeit gegeben, indem ich Sie
freilief;."
Ja. und mir dadurch indirekt ge
sagt: So. nun machen Sie, das; Sie
weiterkommen."
Nein, das wollte ich damit nicht
ausdrücken."
Ich darf also bleiben."
Sie sind der Gast meines Bru
das Kunststück fertig bringen, Sie
glauben nicht, wie dankbar ich Ihnen
sein würde."
Traust du dir auch nicht zuviel
zu?" fragte Jenny ihren Verlobten:
..auch ich machte einmal den Versuch,
in diesem Sinne auf ihn einznwirkcn;
der Erfolg war eine große Null."
)?a, erlaube mal." rief Schacffel,
ich protestiere auf das energischste
dagegen, schon jedt als Null zu gel
ten. TaS Ergebnis deiner Bemühun
gen ist unsere Verlobung, denn wenn
ich damals dein Herz nicht kennen gc
lernt hätte, wer weiß, ob wir dann w
den nächsten Tagen die schönen Kar
ten verschicken können: Als Verlobte
empfehlen sich!"
Die Frau Doktor verabschiedete sich
bald, und auch Schaeffel brach am
Abend eher auf, als es Jennn lieb
war:. Du bist gar kein zärtlich"?
Bräutigam, wenn du mich schon an:
ersten Tag so früh allein läßt," schalt
sie.
In Zukunft werde ich länger blci
den. aber wenn irgend möglich, möch
te ich schon heute mit Fritz sprechen."
So machte er sich denn auf denWcg.
und zu seinem Erstaunen fand er drn
Kameraden in seiner Wohnung.
Seien Sie nicht böse, SÄaene!,
daß ich Sie hier in Ihren Räumen
erwarte, ober ich muß Sie unbedingt
sprechen, und ich wollte Sie nicht ?rl't
zu mir heraufbemühen. Auch in' es
eben bei mir niederträchtig kalt, und
da daS, waS ich Ihnen zu sagen habe,
längere Zeit beanspruchen wird
Schaeffel tat. als bemerke e? die
Erregung desFreundeS garnicht. Ich
bin aam Chz. lieber Kreund. und
ders. Ich habe Ihnen hier nichts zu
verwehren."
Damit sevte sie sich auf die Bank
und lies; also den Eingang der Laube
frei, damit Horn eintreten konnte. Er
tat es und lehnte sich an ein Fenster,
wodurch er der hübscheu Französin
gerade gegenüber stand. Sie war
wirklich hübsch. Dunkle Haare, dunkle
Augen, die leuchtende Blitze zu wer
fen perstünden, gaben ihr einen un
gemein rassigen Ausdruck; ein schö
ner, blendender Hals, der ziemlich
weit sichtbar war, feine, langfingerige
Hände, eine zarte, kleine rtigur lie
f;eit die echte Pariserin erkennen. Das
zeigte übrigens auch ihr nach der
neuesten Mode gefertigter An?,ug,
und es verriet ein von ihr ausströ
mender Duft eines fast betäubend
riechenden Parfüms. Aber es fehlte
ihrer ganzen Erscheinung jener Aus
druck von Bescheidenheit und Sitt
tamkeit, der deutschen Mädchen und
grauen den Hauptreiz verleibt. Sie
erschien eigentlich wie eine zwar Koch
elegante, aber doch imverkennbarc
Dame der Halbwelt.
Der groste. stramme Offizier
mnszte ihr recht wohl gefallen. Ohne
iede Scheu betrachtete sie ihn wieder
holt ganz genau.
Horn begann das Gespräch, indem
er fragte: ..Madame. Sie sind also
die Schwester des Grafen Eonsard?"
..Ja, und wenn Sie es noch ge
nauer wissen wollen, die Gräfin
Saint Armand."
..Danke vielmals. Gestatten Sie.
das; ich mich Ihnen vorstelle. Ober
leutnant Horn."
Wie heifzen Sie, 'orn?"
Nein, nicht Orn, sondern Hont!
l Fortsetzung folgt.)
Der Erdgeruch in Neinkultur.
Die frisch umgebrochene Acker
krunie hat einen eigenartigen liebli
chen Gk'ruch. Während man früher
annahm, da im Boden enthaltene
organische Stoffe die Ursache dieses
Erdgeruch-z sind, weis; man heute,
das; er seine Entstehung biologischen
Vorgängen verdankt. Nach der
Deutschen Parsümerie - Leitung"
gelang es Rullmann nachzuweisen,
das; ein Strahlenpilz, Aetinoncheeö
odorifec, den Niechstosf erzeugt. Ec
gelingt, diesen Pilz auf kohlehntra'
tifchem Nährboden so zu züchten, da!j
der Erdgeruch auftritt: insbesondere
war der Geruch aus Milchzucker
bouillon stark entwickelt. Wird der
Pilz aus Gelatincnährbödcn gezüch
tet, so bleiben die Kulluren geruch.
los, was beweist, das; der Erdgeruch
durch Zusetzung von Kohlhndraten
zustande kommt. Aus diesen Pilz,
kulturen gelang es. durch chemische
j Behandlung den Nlechstofs zn isolie
iren. Man gewinnt kleine Kristall
chen, die das Licht doppelt brechen
und den Geruch der umgebrochenen
Frühjahrs oder Herbsterde in che
misch reiner Form darstellen. Wei
tere Forschungen, die Salzmann
durchführte, ergaben, dah zwischen
der chemischen Beschaffenheit .der
Nährlösung und der Riechftoffbil
düng deutliche Beziehungen bestehen.
Sind im Nährboden Stoffe der so
genannten Carboxnlgruppe vornan
den., die sür organische Säure charak
teristisch ist. dann zeigt sich gesteiger
tes Wachstum mit kräftiger Geruchs
cntwicklung. Man kann also nicht
wissen, ob nicht dereinst Erdgeruch
ebenso zu den künstlich erzeugten
Tuftftoffen gehören wird, wie heute
das nach Veilchen riechende Jonon
on das Vanillin.
wenn ich Ihnen irgendwie raten kann
aber wollen Sie nicht erst Platz
nehmen?"
Lassen Sie mich stehen oder, wenn
es Sie nicht stört, hier auf und abge
hen," bat Fritz; ich kann nicht fitzen,
ich habe eS versucht, aber es geht
nicht, ich bin zu erregt."
Schaeffel verstand ihn auch jetzt ab
sichtlich nicht: Haben Sie irgend eine
schlechte Nachricht bekommen?"
Gott sei Dank, nein, aber es han
delt sich um eine andere sehr ernste
Sache. Um es kurz zu machen, Jenny
muß umgehend wieder nach Berlin
zurück."
Nanu?" ganz unwillkürlich ent
schlüpfte Schaeffel dieser Auöruf, und
völlig überrascht sah er den Kamera
den an. . Auf diefe Einleitung war er
nicht vorbereitet, und was Fritz da
fagte, fand absolut nicht seinen Bei
fall. Jenny mußte jetzt nicht fort, im
Gegenteil, sie mußte Hierbleiben, so
lange es nur irgend ging.
Wollen Sie mir Ihre Worte nicht
etwas näher erklären?" fragte er end
lich.
Fritz hielt in feiner - Wanderung
inne und blieb einen Augenblick ste
hen: Jenny muß fort, weil sie im
Begriff ist, Frau Doktor Michels mo
ralisch und sittlich zu verderben, wenn
sie eS nicht schon bereits getan hat."
Aber Fritz." rief Schaeffel er
wußte wirklich nicht, was n zu den
Worten sagen sollte.
Glauben Sie mir,- fuhr Fritz er
regt fort. Jenny übt auf die gnädige
Frau einen mehr als verderblichen
Einfluß aus. Sie kennen die Dame
nicht, wie ich sie kenne, seit Jahren
Gemütlich. .
Das Coupe war dicht gefüllt. Je.
der atmete behaglich auf, dem Hunde
wetter d rauhen entronnen zu sein.
Aber die Freude war nur voil kurzer
Dauer. Denn bald machte sich Allen
ein abscheulicher Geruch bemerkbar,
wie ihn nur gewisse Käsesorten von
sich geben. Man begann, sich gegen
seitig mit argwöhnischen, gerciztett
Blicken zu mustern: Einer vermutete
im Andern den Besitzer des Käsepäck
chens und der Andere war über einen
solchen, Verdacht um so mehr empört,
als er allen Grund zu haben glaubte,
in einem Dritten den Störenfried zu
nbncn. So kam es bald zu Stichel
reden: diese arteten inVorwürfe atls:
daraus entspannen sich Streitigkeiten
und als man endlich nach einer Stun
de in die erste Haltestation des
Schnellzugs einfuhr, befand sich das
ganze Coupc in hellem Aufruhr.
Da öffnete sich plötzlich die Türe.
Ein gemütlicher Herr sah halb herein
und sagte sehr freundlich, indem er in
das Gepäcknetz griff: Ach, entschul
digcn ic gütigst! Ich habe hier
nämlich ein kleines Käsepäckchen für
meine Frau hereingelegt, das ich mir
fetzt holen will, weil ich am Ziele
meiner Reise bin! Ich sas; nämlich
gleich nebenan im Coupe aber so
ein Päckchen riecht ein Bischen leb
haft, das kann ich nicht vertragen!"
Nahm's und ging.
Hochwasserflut in Italien.
Aus San Remo wird berichtet:
Infolge der anhaltenven Regengüsp
ist der Fluy Argcntinia über die User
getreten und hat die ganze Gegend
von Taggio überschwemmt. Es wur'
de ein Schaden angerichtet, der mit
zwei Millionen Lire nicht zu hoch
geschätzt ist. Die ganze Orange,
und Mandarinenernte ist vernichtet.
Auch werden verschiedene Erdrutsche
längs der Ufer gemeldet. Groszc
Überschwemmungen sind auch in
Toscana vorgekommen. JnCampagna
wurde ungeheurer Schaden angerich
tet: Militär wurde aufgeboten, wei
tere Einzcllieiten fehlen noch. Auch
aus der Po-Ebene wird ein Anwach
sen des Flusses gemeldet.
UUMTSMI7LLWJMeZ.M!I
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(irdm 'ii-itm'?'(inT
ä i .
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Das einzige deutsche Gasthaus '
? in Detroit.
ü Europäischer Plan.
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Restauration a Ia Earte zu je
g uci ugcsz?ii. g
Ein Platz echter deutscher m
Gemütlichkeit
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ü ?. f. l?TT XTT9

ß ' ' ' rn rn mmM.) .
? gifleutümcc. P
Telephon Main 1740.
CXXXZ&'XXLB&nZBZ.BB?.EiBCSSß
gehe ich fast täglich bei ihr ein und
aus; ihr ganzes Denken und Emyfin
den, ihr ganzes Seelenleben, alles
liegt klar und deutlich vor mir; ich
kenne sie viel besser, als mich selbst.
Ein grausames Geschick hat das Glück
der jungen Frau früh zerstört, aber
als Witwe fand sie ihren Trost darin,
nur ihren Kindern, nur dem Anden
ken ihres verstorbenen Mannes zu le
ben. Mehr verlangte sie nicht, sie war
wunschlos und zufrieden: ihr Glück
bestand in der fortwährenden Erinne
rung cm die Vergangenheit."
Und weiter?" fragte Schaeffel,
der den Kameraden erst zu Ende spre
chen lassen wollte.
Da kam Jenny. Sie kennen meine
Cousine ja auch, wenn auch nur flüch
tig und oberflächlich: ein verwöhntes
junges Mädchen auö Berlin, das den
Ernst deS Lebens noch nicht kennt, son
dern nur dessen Freuden und Vergnü
gungen. Die gnädige Frau wünschte,
daß ich Jenny zu ihr führte, ich tat eS
schweren HerzenS. denn ich sah eS vor
aus, daß nichts Gutes dabei heraus
kommen könne. Und meine Bcfürch
tungen haben fich leider nur als zu
wahr erwiesen, es ist sogar noch viel
schlimmer gekommen als ich ahnte."
Darf ich wissen inwiefern?"
Sie müssen sogar alles wissen. Es
unterliegt für mich gar keinem Zwei
fel, daß Jenny die Frau Doktor zu
überreden verfuchte, nicht mehr der
Vergangenheit, sondern nur noch der
Gegenwart und der Zukunft zu leben;
sie wird ibr erklärt haben, sie sei noch
! zu jung, um nur zu trauern, zu schön,
l um si.ch in ihren vier Wänden zu be
zLrabÄi, sie muß sie gebeten haben, we
m i ttit esw II ei II II II ii i in rto II u II Ri ? n
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Xltrtr tarflc; 5 ftlrsmn; $tOff Lch,.
firm; S),nscoxk.
GARRICK
Pop. MatwerS. Tttnlicu. Donnerstag n. am
tag. 25c60c. Abend. 25c.60.75c
Im Olike
Vftkllng (ngrabltd) (Htffofttn mit Mfik
Lyrik ton Harro B. Tmikh. .ompvniet von
Jrrome ttern. '
AYKXETK TUE VIER
BrleSr, 10, 20c, 30c, 50c
II ONE Y GIRLS
Zlzall Bullst, ikdllchkkk Primdna nd
tLHtit(t)ttt f(tU((bft.
Kmatcur Ädcnd om Zeita,,.
Z,rftkllngk m 2:15 achm. und S:lj ttbbi.
CADILLACf(
Imhitmc
Sirls Frorn Joyland
SIÖAfl SSotttf In,o Cuen.
Verstopfte Nase und Kops sofort
frei gemacht Heilt Katarrh
!Lftwege werden sofort geremigt?
S atmen frei, der peinliche Ans
! Wurf wird beseitigt, Erkältungen
in Kopf und dumpfe Kopfschmer
! te verschwinden.
. Kaufen Sie immerhin eine kleine
,Masche, nur um einen Versuch zu ma
chen bringen Sie ein wenig davon
tn die Nasenlöcher, und Ihre verstopf,
te Nase und die Luftwege dek Kopfes
werden sich öffnen: Sie werden frei
atmen; bis zum nächsten Morgen sind
die Kopfschmerzen, der Katarrh und
der wehe Hals verschwunden.
Beseitigen Sie das Uebel jetzt, in
dem Sie eine kleine Flasche von Ely'S
Cream Balm" in irgend einer Apo
c n sPfH A ffh(rbMW
Haupt-Office: I4ö Griswold Str.
FelepSsn "gtfarn 5198
. G4t Bllnr Xnsintf Av.
; Qdt Ckti n BedleftrGe.
"
&L$
!4. KÜHU1AN &
nigstens solange sie hier zu Besuch sei.
ihr zu Liebe wenigstens den Versuch
zu machen, aus sich heraus zu gehen,
wieder Menschen aufzusuchen. Und
in ihrer grenzenlosen Güte hat die
gnädige Frau ihr das denn auch zuge
sagt. Erst heute Mittag sah ich sie auf
dem Eis."
Und weiter?"
Fritz blickte ganz verwundert auf:
Verlangen Sie noch mehr Beweise,
daß Jenny der böse Geist der gnädi
gen Frau ist? Ich kenne meine Eou
sine sehr genau, für sie ist es ganz
selbstverständlich, daß man daS Leben
genießt; sie weiß garnicht, daß sie die
gnädige Frau mit ihrenAnschauungen
auf eine ganz falsche und schiefe Bahn
bringt. Vor allen Dingen aber, und
das ist die Hauptsache, merkt sie gar
nicht, wie die arme Frau unter dem
Versprechen, das sie ihr gegeben haben
muß, leidet; sie kommt garnicht dar
auf, daß die arme Frau leiden muß.
Und deshalb wiederhole ich nochmals,
Jenny muß fort, lieber heute als mor
gen. Das ist das, was ich Ihnen zu
sagen habe, und da ich weiß, daß ick
das Kunststück vielleicht nicht alleine
fertig bringe, erbitte ich dazu Ihre
Hilfe."
Schaeffel sah ein, leicht würde eS
nicht sein, den anderen davon zu über
zeugen, daß er sich mit seinen An
schauungen über die gnädige FrWl
völlig im Irrtum befand. Aber eS
galt den Freund zu bekehren, der
Frau Doktor zu helfen mit Güte
allein war da nichts zu erreichen, und
allzu schonend durfte er nicht vor
gehen. '
So sagte er denn endlich: .Lieber
MIL ES
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Hals sind wirklich nicht nöt'.g.
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lireund, ich habe Ihnen aufnierksam
zugehört, nun bitte ich Sie. dasselbe
auch bei mir zu tun."
Aber gewiß, das ist doch ganz
selbstverständlich."
Schön, dann möchte ich nieine
Worte mit dem beginnen, was Sie
vorhin absichtlich oder unabsichtlich
vergessen haben: Sie sind bis über
beide Ohren in die gnädige Frau ver
liebt."
Fritz, der sich nun doch sür einen
Augenblick in einen Stuhl gese!;t
hatte, sprang in die Höhe und wurde
obwechselnd blaß und rot: Schaest'el.
ich habe es Ihnen schon einmal er
klärt, auch im Scherz dürfen Sie so
etwas nicht sagen."
Und wenn es nun mein bitterer
Ernst ist?"
Fritz antwortete nicht, aber lang
sam stieg ihm das Blut in die Wan
gen. und ganz verlegen senkte er den
Blick.
Der Aermste! dachte Schaeifel. ab'.'r
Mitleid ist hier nicht am Pla-e. nur
ein Radikalmittel kann iNn kuriereil.
Dann sagte er: Was Sie mir ie'iii
zugeben, ohne es einzugestchen. tyc
ich schon lange gewußt, und ich bin
froh, noch in zwölfter Stunde Gcle
genheit zu finden, Sie zu warnen.
Sie dürfen die Frau nicht lieben, erst
recht nicht daran denken, sie jemals zu
heiraten."
Und warum nicht?" kam es-end
lich fast tonloö über die Lippen ivn
Fritz. Nun, da Sie es fo fest i
Kaupten. glaube ich i'lölich Hst.
daß ich sie wirklich lievc."
(Schluß folgt.)

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