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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, January 21, 1917, Image 7

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Hetroiter ?lbendpost, Sonntag, den 21. Januar 1916.
Kricgsgefangcncll'Los in Sibirien. Flucht
aus dem Lager. HiWcrcitc Chinesen.
Zopsigc Konsnlar.Bcamtc. Bei
Freunden in Cincinnati.
Im Teutsch-Ungarischen Boten"
lesen wir in einer Korrespondenz aus
Cincinnati, O.:
Es war am Tonnerstag Abend, den
21. Tezcmber. als es an die Tür des
im zwcitentock des Hauses No. 1818
Pleasant-Straße. Cincinnati. Ohio.
wohnenden Jlles Nagy klopfte und
derselbe, als er öffnete, zwei stämmi
gen Burschen gegenüber stand, von
denen sich einer als sein Geschwister
lind, der 28-jährige Joseph Nc
m e s von Groh-Kikinda und der an.
dere als der 33-jährige Nikolaus Pa
pe, aus dcm szatmarcr Komitat stam
mend, zu erkennen gaben und hinzu
fugten, dak sie gerade von an Iran
cisco. Cal.. angekommen seien und sich
niit seiner Erlaubnis einige Tage bei
ihm von ihren Reiscstrapazen ausru
fen wollten, was ihnen vonNagy auch
bereitwilligst gewährt wurde. In ih
rem temporären Heim gab Ncmes fol
gende genaue Schilderung ihrer Er
lebnisse seit Ausbruch des Krieges,
vornehmlich aber ihres Aufenthalts
in der sibirischen Gefangenschaft.
ihrer Flucht aus dem Gefangenen
lager. ihrer Irrfahrten durch die
chinesischen Wälder kurzum ihrer
Erlebnisse bis zu ihrer Landung in
Ban Francisco ab.
Ehe wir die'Zchilderung in seinen
eigenen Worten widergcbcn, möge
vorausgeschickt werden, daß Joseph
Ncmes. der vom Jahre 19101913
in Verfecz beim 7. Oonved-Regimcnt
gedient hatte, am 27. Juli 1914, als
der Krieg an Serbien erklärt war,
wieder eingezogen wurde, an welchem
Tage auch Nikol. Pape, der dem 12.
Honved-Regiment in Szaun.'.rNeme
ti angehörte und ebenfalls feine Zeit
schon längst abgedient hatte, seine
Einberufunqsordrc erhielt.
Beide machten dann den Fcldzug
durch Serbien und später gegen die
Russen mit. bis sie. ebenfalls wieder
am gleichen Tage, verwundet wurden
und man sie nach dem Kriegshospital
in Lcmbcrg brachte. Nemcs hatte
einen bösen Ztreifschuf; in den rechten
Oberarm erhalten, wo die Kugel
abprallte ihren Lauf nach unten nahm
und den rechten Fufj durchbohrte,
während Pape einen Schutz in's rechte
Knie erkalten hatte, sowie durch einen
Granatsplitter an der linken Hand
verletzt worden war. Beide konnten
noch die. jetzt schon gänzlich ver
narbten Wunden zeigen und da.
durch die Wahrheit ihrer Behauptun
gen' begründen, wie auch die ganze
Schilderung des Nemes. die er bis
in's kleinste Detail und oftmals mit
Tränen in den Augen gab. den
Stenipcl der Wahrheit trug.
Joseph Nemes' Schilderung.
Nachdem wir uns etwa 3 Wochen
mit den Serben herumgehauen hat
ten, bekam unser, sowie das 1.. 8..
9. und 5. Honved-Regiment, am 2f.
August 1914 zum ersten Mal Füh
lung mit den Russen, die uns mit et
wa anderthalb Armeekorps entgegen
kamen, so datz wir, an Zahl weit un
tcrlegen. uns znriickziehcn mutzten.
Dies ging etwa drei Tage, bis wir am
i. September in der ttivv -o;t ttilikov
Halt machten lind es ai;i einen Stampf
ankommen liefzcn, bei welchem wir
trotz der llcbermacht des Feinde den
ieg davontrugen, nachdem dir Ruf
fen etwa 500 Mann an Toten . Ver
wundeten verloren, wir jedoch nilr 19
Tote und 102 Verwundete hatten.
Zu den letzteren zählte auch ich und
mein Kamerad Pape. und wir wurden
behufs Verpflegung nach dem Kriegs
ofpital in Lemberg gebracht. Tort
lagen wir und etliche Hundert schon
vorher Verwundete etwa drei Tage,
als des Morgens um 11 Uhr die omi
nöse Meldung kam. dak die Russen,
obne einen Schutz. abzufeuern, von
Lcmbcrg Befitz ergriffen hätten. Bald
follten wir auch die schrecklichen Fol
gen dieser Nachricht an uns selbst er
fahren, denn schon am midisten Tage
hörte unsere gute Verpflegung auf
und wir Alle waren fast dem Verhun
gern nahe, da sich Niemand um uns
ZU bekümmern schien, indem die Ko
saken mit Stehlen. Plündern und
Brandschatzen beschäftigt waren, als
datz die Sorge um feindliche Verwun
dete sie gekümmert hätte. Unter die
sen schrecklichen Umständen und der
russischen Knuten-Herrschaft blieben
wir bis zum 5. Oktober 1914 in Lem
bcrg. als der Befehl kam. datz wir
nach Sibirien geschickt werden sollten.
Trotzdem viele von uns schwer ver
mundet und viele erst bald genesen
warm, wurden wir wie Schweine in
grotzen Vicgwaggons zusammcnge
pfercht oft 30 bis 50 Mann in ei
nem Waggon in dem nicht einmal
Gelegenheit zum Sitzen, noch weniger
zum Niederlegen war. Neun Tage
dauerte diese jammervolle Fahrt und
in Moskau angelangt, gab man uns
nur etwa drei Stunden Zeit, während
welcher uns altes Brod und Was
scr gereicht wurde, worauf die Fabrt
nach dem grotzen Gefangenenlager in
Rjasan fortgesetzt wurde, wo wir etwa
drei Monate lagen. Von Rjasan ging
es auf einer 13tägigen. ebenso qual
vollen Fahrt nach Hciling. und von
dort auf einer 4tt-tägigen Fahrt bis
nach Oinsk. wo wir 14 Tage, jedoch
unter Umständen liegen mutzten, die
mir heute noch die Haare zu Berges
flehen machen. In dem Keller einer!
großen Kaserne wurden ' wir. etwa
400 Mann, in vier kahle Räume, die!
kaum Platz genug für 150 Mann hat
ten. hineingepfercht und unserem
-rfürfiM iihirLioJ s5.-.'.
-chickial überlassen. Zu Essen und
Trinken gab es nur wenig und das
wenige, das wir erhielten, war halb
verdorben. Diese traurige, Prozedur
wiederholte sich von Tag zu Tag. bis
der Befehl zur Weitcrrcife kam und
wir nach Spaskups geschafft wurden,
wo wir nach 18 Tagen, am 20. Fe
bruar 1915, ankamen und wo sich
schon etwa 8000 Leidensgefährten.
Oesterreich. Deutsche und auch Tür
ken, die vor uns angelangt waren',
befanden.
Obwohl die Behandlung, die wir
bis jetzt von Seiten der Russen erfah
ren hatten, schon eine schreckliche ge
wcsen. war uns hier in diesem grotzen
Lager eine noch qualvollere und
schrecklichere beschicken. Wie über w'l
des Vieh fielen die Kosakcnhunde bei
der geringsten Veranlassung über uns
Wehrlose her und mancher der Uns?'
rigcn mutzte vor unseren Angen un
tcr deren Knutenhiebcn und Kolben
stöhcn, oft sogar unterBanonettsticken
fein Leben lassen. Da die Verpfle
gung mit der körperlichen Behand
lung Schritt hielt, und wir oft tage
lang nur ein Stück Brot, sowie ein
Gemisch, das uns als Suppe vorge
setzt wurde, aber zu Hause von einem
Schweine verschmäht morden wäre,
erhielten, stellte sich der Hunger urd
Flecktyphus in unseren Reihen ein
nnd forderte wöchentlich 100 bis 1 50
Mann als Opfer. Die Leichen dieser
Unglücklichen lagen zumeist cinn
Tag oder- länger zwischen den Leben
den, bis der Befehl kam. sie .-.zuscharren,
was jedoch nickt von den
Russen besorgt wurde, sondern iv-i:
uns selbst getan werden mutzte. Es
war deshalb nicht zu verwundern,
datz durch die Ansteckung noch viele
andere erkrankten und den Seuchen
erlagen und es nimmt mich heute
noch Wunder, datz von den Tausen
den, die dort gefangen gehalten wur
den, auch nur einer übrig geblieben
ist. Ich darf hier nicht vergessen a
zuführen, datz Hunderte, die vom
Tode verschont blieben, infolge der
ihnen auferlegten Entbehrungen und
Qualen erblindet find und sich jetzt
in total hilflosem Zustande befinden.
Eine große Anzahl unserer Mitg?
fangcncn. die. es wagten, sich über die
Behandlung zu beschweren, wurden
kurzer Hand erschossen, darunter auch
ein österreichischer Feldgeistlicher, der
es gewagt hatte, unseren Permgern
ins Gewissen zu reden und dafür zu.
erst einen Bajonettstich in die Brust
und später einen Schutz in den 5:ovf
ernten, wen er oen unoen iiiazi
schnell genug gestorben war. Seine
Leiche blieb augenscheinlich, um uns
anderen ein abschreckendes Beispiel zu
liefern, mehrere Tage unbeerdigt lie
gen und wurde dann erst eingescharrt.
Während unserer Gefangenschaft
kam uns verschiedentlich zu Obren,
datz von Seiten der Hilfsgesellschften
im alten Vaterland, sowie vom Ro
ten Kreuz, große Sendungen mit
Kleidungsstücken u. s. w.. sowi? Geld
für die Linderung unserer Not a.c
schickt worden sei, aber was meiiie
eigene Person anbetrifft, habe ich an
tzer einem wollenen Hemd, sowie 40
Cents in amerikanischem Geld nie
mals etwas anderes von diesen Zu
sendnngen erhalten. Ich glaub.' auch
nicht, datz meine Mitgefangenen in
dieser Hinficht besser gefahren sind,
sondern, datz der grötzte Teil der
Liebesgaben von den Russen gesteh,
len wurden.
Unseren Feinden schien das elende
Leben, das wir durch ihre Schuld
führten, noch nicht elend genug, denn
nach Verlauf von sieben Monaten kam
ein neuer Befehl, demzufolge wir wei
ter ins Innere Sibiriens gebracht
werden sollten, um dort beim Stra
ßenbau verwendet zu werden. Wie
wurden in Trupps von je 400 Mann
unter je sechs Aufsehern und mit etwa
je 20 Kosaken als Bedeckung einge
teilt, fuhren eine Nacht abermals in
Viehwagen zufammengepfercht, auf
der Bahn, worauf wir ausftiegen und
etwa sieben Kilometer marschieren
mutzten, ehe wir an unsere neuen
Bestimmungsort ankamen. OhneRück
sicht auf unseren körperlichen Zustand
wurden wir dann an die Arbeit ge
trieben und mutzten, was für die mei
sten von uns ungewohnte Arbeit war,
bei der Anlegung neuer Straßen nahe
der chinefischenGrenze mithelfen. Auch
hierbei gab es wenig zu essen oder zu
trinken, aber desto mehr Knutenhiebe
undKolbenstöße und trotzdem uns ver
sichert wurde, datz wir für unicrc Ar
beit bezahlt werden würden, hat keiner
von uns je mehr als 12, höchstens 25
Kopeken für seine Arbeit erhalten.
Trotz der strengen Bewachung gelang
es unserer sechzehn, nachdem wir etwa
zwei Monate nnter diesen fast unaus
steklichen Verhältnissen gearbeitet und
gelitten hatten, einen Fluchtplan zu
entwerfen, den wir auch sehr bald
darauf zur Ausführung brachten. Lei
der mußten, ehe dies zu Stande kam,
acht der Unsrigen den Plan aufgeben.
Aber sie halfen so viel sie konnten, den
übrigen neun ihren Plan zu verwirk
lichcn. Auf diese Weise gelang es uns
in einer Nacht, während die acht, die i
zurückblieben, die Wachtposten bcschäf
tigt hielten, in der Dunkelheit und
zwar auf Händen nnd Fützen durch
das in jener Gegend dichte und sehr
hoch wachsende Gras zu kriechen, bis
wir des Morgens gegen drei Uhr fast
zu Tode ermattet, an der chinesischen
Grenze ankamen. Hier stalte sich uns
jedoch ein anderes Hindernis in Ge
stalt eines, etwa einen Kilometer drei
ten Flusses entgegen, der sehr tief zu
fein schien und den zu durchschwim
mcn uns fast unmöglich war. Wir
zogen uns deshalb in einen abgelege
im.iv -- . , : ai"..
ncn ai '
' mf genug abhieben, d.e w.r zu emem
- !5los zusammenbanden. Der erste
Verbuch, auf diesem über den Fluh zu
kommen, mitzlang und wir fielen alle
ins Wasicr, aus dem wir uns nur mit
'dergrötzten Anstrengung retten kann
ten. Wir beschlossen dann, fast von
aller Kleidung entblößt, die Ueber
fahrt in Abteilungen von je zwei
Mann zu probieren und ich sowohl,
wie auch Pape machten den ersten Ver
such, der beinahe ebenfalls mißlungen
wäre, da das Floh umschlug und Pape
dabei von einem der Baumstämme
derart an den Kopf getroffen wurde,
daß er fast das Bewußtfein verlor. Da
er auch noch des Schwimmen unkun
dig war, hatte ich die größte Mühe,
ihn heil ans andere Ufer zu bringen,
wo wir den Versuch, unser sieben Ka
mcradcn. die zurückgeblieben waren,
ebenfalls über den Fluß zu bringen,
aufgeben mußten. Nachdem wir uns
einigermaßen erholt, schrieen wir, um
zu entdecken, ob menschliche Wesen in
derNähc seien, laut auf und bald wur
den wir auch gewahr, daß ein alter
Chinesen mit zwei Jungen sich uns
näherte. So gut wir es konnten, ver
suchten wir uns mit ihm zu verständi
gen und es ihm klar zu machen, unse
ren andern Kameraden zu helfen,
ebenfalls über den Fluß zu gelangen,
was er jedoch verweigerte, indem er
eine Geste machte, die uns andeuten
sollte, daß er Furcht vor den Russen
hätte und fein Leben nicht riskieren
wolle. '
Trotzdem gelang es uns, ihn mit
den wenigen Kopeken, die wir hatten,
zu bestechen, so datz er uns genug
Zeug gab, um unsere nackten Körper
wenigstens notdürftig zu bedecken,
und am nächsten Morgen eine Strecke
weit begleitete und uns die richtige
Iahrftratze nach dem 'Innern des chi
nesischen Reiches angab. Wir wan
derten daraufhin etwa 1 Tage
durch einen Wald, nur um die unan
genehme Entdeckung zu machen, datz
wir wieder an unserem Ausgangsort
angelangt waren. Von unserm 7
Kameraden war nichts zu sehen, da
gegen trafen wir mit zwei andere,:
Chinesen zusammen, die durch Zeichen
erkcnen ließen, daß sie Christen seien.
Sie warnten uns vor den Russen, die
wie ihnen mitgeteilt wurde, schon
überall nach uns Flüchtlingen suchten,
gaben uns je drei Stücke Brod und je
einen Dollar chinesischen Geldes, wo
rauf sie uns etwa drei Kilometer
landeinwärts begleiteten und dann
wiederum unserem Schicksal überlie
tzen.
So wanderten wir vier volle Tage
in der Wildnis umher, bis wir ein
chinesisches Dorf erreichten, wo wir
abermals einen freundlichen Chinesen
trafen, der uns zur Vorsicht in feinem
Schweinestall versteckte, weil kurz vor
her die Kofaken auf der Suche nach
uns Flüchtigen durch das Dorf'ge
kommen waren und allerlei Trohun
gen ausgestoßeii hatten. Nachdem wir
hier eine Zeit lang waren und unse
ren Hunger gestillt hatten, ging's
wieder hinaus in's Ungewisse vb
wir wanderten vier Tage, bis uns
Beiden die Füße so angeschwoller.
waren, 'daß wir nicht weiter konnten
und erschöpft liegen blieben, bis uns
abermals ein Chinese zu Hilfe kam,
Tann ging's wieder weiter und am
nächsten Tage mutzten wir, als uns
Bären verfolgten, zusammen ei:cn
Baum erklettern, auf dem wir, w,i!
die Bestien uns nicht aus den Augen
lassen wollten, die ganze Nackt zu
bringen mußten, was uns nur da
durch gelang, datz wir uns der Lum
pen. die uns bedeckten, entledigten
und uns damit an den Zweigen fest
banden. Erst früh am Morgen fchicn
das Terrain sicher zu fein und wir
krochen wieder zur Erde, wo wir steif
und fo zerfchunden ankamen, daß wir
nahezu den Verfuch, weiter zu kom
mcn, aufgeben mutzten und befchlos
fen, hier in der Wildnis unserer Auf'
lösilng entgegenzusehen. Die Lust
zum Leben behielt jedoch die Ober
hand, denn nach längerer Rast rafften
wir uns auf und nach zwei Tagen ge
lang es uns. die chinesische Garnifo"
Tong-Shicn zu erreichen, wo wir fo
fort in Obacht genommen wurden
und wo nach Verlauf von acht Tagen
auch unsere sieben anderen Kamera
den anlangten. Man gab uns Klei
dung und Provisionen und am 20.
Januar 19 16. fuhren wir auf Sckslit
tcn, welche ebenfalls von den chinesi
schen Soldaten geliefert worden wa
ren, ab und langten 10 Tage fväter
in Kirin. einer anbeten großen Gar
nison des Chincscnreichs. an. Dort
erkrankte einer unserer ncirn derart,
datz wir ihn zurücklassen mußten, als
wir unsere Weiterfahrt nach Mukden
antraten, wo wir nach Verlauf weite
rer 11 Tage beschwerlicher Reise an
langten. Hier versah nns das deut
scke Konsulat mit Bad. Speise und
Trank. Kleidern und genügend Geld,
so datz wir nach Tien-Tsien reisen
konnten, wo wir uns sowohl an das
'österreichische Marine Tetachen'ent
wie auch den österreichischen Konsul
wendeten, jedoch nicht berücksichtigt
wurden, weil wir. nachdem wir der
Gefangenschaft entronnen waren.
nickt mehr als aktive Soldaten zu be
trachten seien. Auch die Tatfache, daß
unser in Kirin 'erkrankte? Kamerad
nach TieN'Tsien geschafft worden und
7
dort gestorben war. änderte nichts an
der Sache, weder unser Marine Te
tachement, noch unser Konsul wollten
uns helfen und fo blieben wir. uns
durchschlagend so gut wir konnten, in
Tien-Tsin bis zum 2. Novemver
1916. als Pape, der nach McKees
Port, Pa., an feine Schwester gcschrie
bcn hatte, von dieser $210 erhielt,
worauf wir fofort nach Shanghai ab
reisten.
Dort wandten wir uns an den
östcrr. Generalkonsul um Hilfe, doch
als er ausfand, datz Pape Geld hatte,
war auch er nicht willens uns unter
die Arme zu greifen und lictz sich nur
foweit herbei, seinen Sekretär mit
uns auszuschicken, um unsere Schiff5
karten nach San Francisco, jedoch
mit unserem eigenen Gelde zu kau
fen. Am 20. November .1916 segel
ten wir von Shanghai ab. in Naga
facki wurde das Schiff angehalten
und durchsucht, doch gelang es uns.
unbehelligt durchzukommen, worauf
die Fahrt wcitcrgingund wir am 12.
Dezember -in San Francisco landen
konnten. Tort war unser Besuch
beim Konsulat, während dessen w'r
um vorläufige Unterstützung, oder
Arbeit ersuchten, ebenfalls vergebens
und nach einem Aufenthalt von 5
Tagen lösten wir uns für je $57 die
nötige Fahrkarten, um hierher zu
neuen Freunden zu gelangen, da ich
sicher war. daß uns hier, nach so vie
len Strapazen, die wir im Ticnstc
des Vaterlands erduldet, wenigstens
ein herzlicher Willkomm zuteil wer
den würde. Daß ich mich darin nicht
getäuscht habe, kann ich zu meiner
Freude gestehen und auch mein Ka
merad Pape hat, wie Sie fehen. schon
eine Depesche von seinem Schwager
Joseph Rusko in Mc.ccsport. Pa..
erhalten, worin x?r gebeten wird, un
verzüglich abzureisen, sodatz er das
Wcihnachtsfest im Haufe seiner Sie
ben verbringen kann."
Waync ' Conntys Kasscn
sind Iccr.
Fällige Steuer hat noch nicht kollck
tiert werden können.
Kontroverse zwischen Supervisoren
und Steuerbehörde schuld.
Wayne County'Beamet mögen auf
nächstes Gehalt warten müssen.
Seit vielen Jahren zum erstenMale
sicht sich das Countq Wayne vor lee
ren Kassen, denn im Countyschatzmci
steramt waren Samstag mittag nur
noch $160,000 und von dieser Sum
me gehörten $97,000 der County
Landstratzcn-Kommission, als deren
Anteil aii dem County-Automobil
Steucrcinkommen.
Die im Monat Dezember fällige
Staats- und Countysteuer hat wegen
der Kontroverse zwischen den County
Supervisoren und der staatlichen
Steuerbehörde nicht kollcktiert wer
den können und es ist noch nicht be
stimmt, wann mit dieser Kollektion
begonnen werden kann. Bekanntlich
weigern die Supervisoren sich, den
von der staatlichen Steuerbehörde an
gesetzten Stcueraufschlag für das
County Wayne, resp, die Stadt De
troit. anzuerkennen und wollen
darauf bestehen, datz die von idnen
ausgearbeitete Steuerrotte zu Recht
besteht.
Es ist fraglich, ob mit der Kollek
tion der fälligen Staats und County
fteuer vor Juli oder August begon
nen werden kann, denn die Gerichte
werden sich noch mit der Kontroverse
zwischen den beiden Parteien zu be
fchäftigen haben: erst finden Verhöre
im Wayne County-Kreisgericht statt
und wie immer auch die Entscheidung
der Krcisrichtcr lauten wird, wird die
andere Partei diese Entscheidilng vor
dem staatlichen Obergcricht umzusto
tzen suchen. Dem County selbst ist
damit aber nicht geholfen und den
Bürgern erst recht nicht, denn letztere
werden die städtischen und die Staats
und Countystcuern voraussichtlich zu
einer Zeit zu begleichen haben, denn
aufgeschoben ist nicht aufgehoben und
für viele Bürger wird es schwer sein,
die beiden Steuern zur selben Zeit zu
entrichten.
Tie'Countybeamten mögen viel
leicht mehrere Wochen lang auf das
nächste Gehalt warten müssen.
Geldsendung quittiert.
Dem Präsident des Teutschen
Bundes. Prof. Emil Albrecht, ist
nachfolgende Bestätigung einer Gabe
von $3000 für die Sibirienl?ilfe vom
deutschen Botschafter zugegangen:
Kaiserlich Teutsche Botschaft, Wash
ington, D. C., den lo. Januar
1917.
ehr geehrter Herr Albrecht!
islincn. dem Vorstand und allen
Mitgliedern des Teutschen Bundes.
Tctroit. spreche ich für die auner
ordentlich reiche Gabe von $3000,
die Sie mir mit Ihrem gefälligen
Schreiben vom 5. d. M. übersandten.
meinen wärmsten Tank aus.
Tiescr erneute Beweis großer
Opferwilligkeit hat mir große Freude
bereitet und ich werde den Betrag
unverzüglich feiner Bestimmung zu
führen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr aufrichtig ergebener
sgez.) Graf Bernstorff.
Lehrer : Wie viel macht zwei
und zwei?
Schüler: Zwciundzwanzig.
Schwere
Aämpfe.
'Roman an dem deutsch-französischen
Kriege von 1870 71.
Von CarlTanera.
lFortsrtzuna.
Am folgenden Morgen aber kehrte
Wihelberger von einem Ausgang zu
rück, trat in die Stube seines Herrn
und rief: ..Herr Oberleitnant. wen
moane S', datz i' g'schgn bab'?"
Horn dachte natürlich sofort an
Renate, fragte aber doch: Nun, wen
denn? Ich kann es ja nicht wissen."
Fräulein Thorstraten,aus Ham
bürg. Sie is' mit der Fräulein
Strecker über'il Residenzplatz in d'
Maximilian Stratz'n ganga."
Tas freut mich zu hören. Wie
sah sie denn aus?"
Blatz. Herr Oberleutnant, arg
blaß. Aba mir is' vorkemma, als ob
f' no' schöner wär'. Ihre dunk'ln
Aug'n hamm von die blond'n Haar
un' die blaz'n Wange no' mehr ab
g'stoch'n als vorher. Aba no' wen
hab' i' g'seh'n. Da wer'n S' weiter
nit drein schailg'n. Ten französisch'
5lapitän, den wir bei WörtK packt
hamm. Ter is' allewcil dene zwoa
Tamc nachgloff'n wiea a junger
Hund. I' hab' lang Obacht geb'n.
Aba koani von dene Fräulein hat nur
a oanziges Mal umguckt. Z'letzt
san's in d' Kunsthandlung von
Flcischmann einiganga, un' der
Iranzos' is' dervor af un' ab g'loffe.
I' hab nit Zeit g'habt. z' warten un'
bin hoam ganga."
Der glückliche Witzclberger! Ter
hatte sie alfo gesehen und noch schö
ner gefunden als vorher. Aber blaß
sollte sie aussehen! Ob sie vielleicht
krank gewcfen war! Nun über das
alles würde er fchon Klarheit erhalt
ten, wenn er nur erst einmal wieder
ausgehen und seine Tankvisiten für
die Krankenbesuche machen konnte.
Worüber sich Horn den Kopf zer
brach, die Rückkehr Rcnatens nach
München, das hätte einen tiefen
Grund. Bald nach der Abreise Horns
von Hamburg entwickelte stch in
ihrem Innern -eine immer größere
Reue, daß sie nicht mehr zu ihm, der
ihr um fo teurer erschien, je länger
sie keine Silbe mehr von ihm hörte,
gehalten habe. Da kam der Krieg
und die mächtige Begeisterung, welche
ganz Deutschland imb damit auch die
Bewohner von Hamburg ergriffe
Herr Thorstratcn selbst nahm daran
teil. Er machte sich auch jetzt, wo
sein Sohn als einfacher Reserve
Unteroffizier einrücken und alle
Strapazen des gewöhnlichen Man
nes ertragen mußte, doch bittere Vor
würfe, ihm die Beförderung zum
Offizier hintertrieben zu haben. Ja,
er ging foweit. datz er ohne Wissen
Gustavs sich defsen Regimcntskom
maiidcur vorstellte und erklärte, datz
er allein die Schuld trage, datz sein
Sohn nicht die , vorgeschriebene Er
klänmg, an welche die Beförderung
desselben zum Reserveoffizier gebnn
den war. abgegeben hatte. Tura
diesen und andere Schritte des ein
flußreichen Mannes wurde es er
reicht, daß Gustav Thorstratcn doch
vier Wochen nach der Kriegserklä
rung zum Offizier befördert wurde.
Renate sah mit höchster Befriedigung
diese Gesinnungsänderung ihres Va
ters, wagte aber nicht eine Andeu
tung, daß sie im stillen immer noch
an den bayerischen Offizier dachte, zu
äußern. Nun berichtete die Zei
tungen, welche sie von ihren Ver
wandten aus München erhielt, von
der Schlacht bei Beaumont. und in
einem Artikel war der Sturmangriffs
der 1. ager besonders bervorgeko
ben und der Name Horns als der
eines der tapferen Offiziere genannt.
Sie wußte diesen Artikel ihrem Va
ter in die Hand zu spielen.
Er las ihn und bemerkte kurz:
Tas bin ich fest überzeugt, daß der
Lcutnaiü Horn ein sehr tapferer
Offizier ist."
Sie sagte nichts darauf, und auch
ihr Vater schwieg.
Nun erfüllte die Siegesbotschaft
von Sedan ganz Teutschland mit
rauschendem Jubel. Ein wahrer
Taumel von Begeisterung erfaßte
Jung und Alt. Auch Herr Thorstra
tcn erlag dem mächtigen Eindruck
des über alle Erwartung gehenden
und in seinen Folgen so bedeutenden
Sieges. Eine solche Leistung der
deutsch? Kriegsführung, einen sol
chen Beweis vorzüglicher Erziehung
der Armee durch ein ausgezeichnetes
Offizierskorps hatte er nickt geahnt.
Er besaß Rechtlichkeitsgefühl und
Wahrheitsliebe genug, sich nun ein
zugestehen, datz er im allgemeinen
über die Offiziere wohl zu scharf und
ungerecht geurteilt habe. Manche
feiner Aeußenmgen verriet diefen in
feinem Innern vorgehenden Wand
lungsprozeß. Renate merkte 'das
wokl, hütete sich aber fehr. durch Be
merkungen ihrerseits die Anfchau
ung ihres Vaters beeinflussen zu
wollen. Nur bei einer Beschreibung
der Schlacht von Sedan machte sie
ihn auf die Angabe aufmerksam, datz
dieBayern von der Tanns den schwie
rigsten und blutigsten. Kampf des
ganzen Tages in dem mörderischen
Ringen in Bazailles zu führen ge
habt und auf die glänzende Weise be
standen hatten. Dann schmuggelte
sie ihrem Vater wieder eine von
ihrer - Kusine Mechtildis erhaltene
Zeitung zu, in der unter den mit
dem bayerischen Militärverdienst
orden Belohnten Horns Name der
zeichnet war.
Er bemerkte kurz darauf: In
diefem Leutnant Horn habe ich mich
doch getänfcht. Er scheint wirklich
ein hervorragend tüchtiger Offizier
zu fein." Nun hatte sie ihn fo weit,
wie sie ihn haben wollte. Als er am
4. September von dem von den vor
nehmsten Bürgern Hamburgs zu
Ehren des Sieges von Sedan abge
baltenen Festbankett zurückkehrte
und ihr erzählte, daß auch er einen
Toast auf die tapfere deutsche Armee
und besonders auf ihre ausgezeichne
ten Offiziere gehalten habe, da rückte
sie mit einem feit mehreren Tagen
gehegten Wunfche heraus, indem sie
bittend sprach: Lieber Vater, darf
ich nicht noch einige Wochen nach
München zu unseren Verwandten
reisen?"
Was willst Du denn dort. Re
nate? Du warst ja erst in München."
Ich möchte" dabei wur!- die
sonst so energische und selbstbewußte
Renate Thorstratcn verlegen wie ein
Backfischcheii ich möchte eine Ge
legenhcit finden, der Frau Ober
rcgierungörat Horn zu der Auszeich
nnng ihres Sohnes Glück zu wün
fchen:"
Herr Thorstraten sah seine immer
mehr errötende Tochter mit einem
langen Blicke an. Tann sprach er
weich: ..Schreibe an Tante Strecker,
mein Kind, ob Tu ste nicht störst.
Wenn man Tich in München ailfneh
mcn kann, dann reise, sobald Tu
willst. Vergiß aber nicht, was Tu
meinem Namen und Tir schuldig
bist."
Mehr noch als durch die erhaltene
Erlaubnis ersah Renate durch den
von ihrem Vater fast nie gebrauchten
Ausdruck mein Kind", datz er von
nun an ihr Schicksal in ihre Hand
lege und jedenfalls ibr keine Schwie
rigkeiten mehr bereiten werde. Sie
fchricb sofort nach Münckcn, wurde
von dort durch eine Tep. scke freund
lichst eingeladen und reiste am 7.
September direkt von Hamburg nach
München. Von der Verwundung
Horns wußte sie noch nichts. Sie
beabsichtigte, sich bei günstiger Ge
legcnheit seiner Mutter nähern und
durch diese auf irgend welche Art die
zerrissene Verbindung mit dem Ge
liebten ihres Herzens wieder anknü
pfen zu können.
Ta erfuhr sie nach ihrer Ankunft
in München seine Verwundung und
bald darauf die Nachricht, datz er
selbst hier angekommen sei und bei
seiner Mutter wohne. So gewaltig
auch ihr Herz bei dem Gedanken, ihn
vielleicht wieder zu sehen, pochte, so
war seine Anwcsciiheit ihr doch ein
Schlag, der ihr all' ihre Pläne ver
nichtete. Nun erschien ja jede Ge
legenhcit ausgeschlossen, die Frau
Rätin allein sprechen und nach und
nach zur Vertrauten ihrer geheimsten
Gedanken und Wünsche machen zu
können. Im Gegenteil! Jetzt mutzte
sie felbst sich sehr vorsichtig und ab
wartend verhalten, damit sie nickt bei
ihm und anderen in den Verdacht
kam. sie habe feine Rückkehr -nach
Münchcii gcwutzt und sei ihm nachge
reist. Aus diesem Grilndc wagte sie
auch nicht, sich direkt nach ihm zu er
kundigen oder gar ihm meinen Wunsch
für seine Besserung au'sdrücken zu
lassen. (
Und dennoch erfuhr sie genau, fast
täglich, wie es mit dem Verwundeten
stand, und zwar durch die freundliche
und aufopferungsfähige Mechtildis.
Tas gute Mädchen wusste wohl, datz
seine häufigen Besiiche im Hause der
Frau Rätin Horn mancher alten
Jungfer oder mancher argwöhnischen
Mutter einer heiratsfähigen Tochter
ein Torn im Auge seien, und daß die
meisten dieser Tamen sich nicht in
wohlwollendem Sinne hierüber
äilßelUen. Tas war ihr aber einer
lei. Ohne daß ein Wort zwischen ihr
und ihrer Kusine darüber gewechselt
wurde, wußte sie ja auch, wie es im
Herzen der letzteren aussah,, und
welche Freude sie ihr machte, wenn
sie recht viel vom Obcrleutnaiit Horn
und 'von seiner rasch fortschreitenden
Besserung erzählte.
Auch der junge Offizier befand sich
in einer peinlichen Lage. Er konnte
doch Renate Thorstraten, -die ihn ab
gewiesen und deren Vater eigentlich
ihm auf immer sein Haus verboten
hatte, nicht grüßen lassen. Er fand
es nicht einmal passend, nach ihr zu
fragen. Und doch hörte er so gern
von ihr erzählen. Auch das hatte ja
die kleine Schelmin Mechtildis bald
heraus, und nun plauderte sie bei
Horn von ihrer Kusine und Freundin
und bei Renate von dem verwunde
ten Offizier. So war sie nach und
nach ein vorzüglicher Postillon
d'amour geworden, ohne daß je eins
der Liebenden ihr einen Auftrag ge
geben hatte oder nur ein intimeres
Wort gefallen wäre. Und doch fand
Renate einen Weg zu einem weiteren
Schritt der Annähening. Eines Ta
ges, als sie wußte, daß ihre Kusine
wieder zu Horns gehen wollte,
schenkte sie ihr ein prächtiges Rosen
bukett.
Mechtildis fragte ganz überrascht:
Für mich?"
Renate errötete über und über und
bemerkte verlegen: Mache damit,
was Tu willst."
Ah so! Nun Adieu. Kusinchon.
In einer Stunde bin ich wieder da."
(vortt'tzung solgt.)
Ein Me isch, der öfter mit
seinen Reifen prahlte, aß Talglichter,
damit man glaubcn sollte, er sei in
Grönland gwcsen.
llnkcnntnis des Ein.
Aenderungen desselben
durch Kongreß nicht
richtig verstanden.
Binnen srcucr Einnchmer Lawsoa
macht Mitteilungen.
Auch Erbschafts und KorporatiouS
s5euer-Gcfetze wurden geändert.
Viel Arbeit in Verbindung mit Aeu
dcrungcu im Gefolge.
Zahlreiche Personen im hiesigen
Binnenstcuerbczirk scheinen mit den
Bestimmungen dcs Einkommen
stcuer-Gefetzes, wie sie jüngst durch
den Kongreß umgeändert wurden,
nicht bekamit zu fein, wie aus den
Mitteilungen des hiesigen Binnen
steuer Eiimehmcrs Thomas Lawson
zu entnehmen ist: Das gilt nament
lich mit Bezug auf die Vertreter des
Kleinhandels in Tabak, welche ihre
Checks und Postanweisungen ein
sandten, um sechs Monate an der vor
dem 31. Dezember festgesetzten Um
läge von $-1.80 zu bezahlen.
Aenderungen im Gesetz am 8. Sep
tember gemacht.
Eines der am 8. September ge
machten Amendements des Einkam
mcnsteuer Gesetzes war eine Wider
rufung der Tabakhändlern und an
deren Personen auferlegten Spezial
Steuer. Da die eingelaufenen Checks
und Anweisungen vor einer Erklä
rung über die eingetretene Aende
rung begleitet, zurückgesandt werden
mußten, fo hatte die Unkenntnis eine
Menge Arbeit für die Beamten im
Bureau des Binnensteuer Einneh
mers im Gefolge. In der Erwar
tung der sich bei Durchführung der
gesetzlichen Bestimmungen ergeben
den Schwierigkeiten, verteilte der
Einnehmer Spezial-Agenten über
den ganzen Distrikt, um die Steuer
zahler über die Aenderungen des Ge
setzcs zu belehren. Um weitere Kon
fusionen zu vcrhüteii. Plant der Be
mte dicfes System in größerml
Maßstabe fortzusetzen und seine Spc
zial-Agenten in den größeren Städ
ten und Ortschaften seines Birks
walten zu lassen.
Beteuerung vor Verteilung.
Von besonderem Interesse für die
Beamten erweist sich die Anwendung
der in dem Omnibus-Akt vorgesehe
nen Hinterlassenschaftssteuer, welche
sich von einer Erbschafts-Bestcuerung
dadurch unterscheidet, datz sie auf die
Nachlässe vor ihrer Verteilung und
nicht auf die Anteile der Erben und
in Testamenten bedachten Perfonen
erhoben wird. Die Steuer wird auf
das Netto Vermögen eines jeden
Grundeigentum in den Ver. Staaten
besitzenden Erblassers ob dafclbft
wohnhaft oder nicht Anwendung
finden : kommt aber nur für Hinter
lassenschaften in Betracht, derm
Brutto Summe $0,000 übersteigt.
Testamentsvollstrecker oder Vcrmö
gensverwaltcr müssen innerhalb
dreißig Tagen nach ihrer Ernennung
oder Uebernahme der Hinterlassen
schaft den Steuereinnehmer schriftlich
benachrichtigen, wo sich der steuer
bare Nachlatz befindet, wie hoch der
Betrag die oben genannte Summe
übersreigt und ob der Erblasser ein
Grundeigentum besitzender Nichtbe
wohiier der Ver. Staaten ist. Die
von dem Testamentsvollstrecker oder
Vermögcnsverwalter zu zahlende
Steuer ist innerhalb eines Jahres
nach dem Todestage des Erblassers
fällig. Für prompte Zahlung ist ein
Tisconto vorgesehen, währendSaum
seligkeit mit Strafe belegt werden
kann. Mit Bezug auf die Hinterlas
senschaftssteuer gemachte falsche An
gaben können mit einer Geldstrafe
von $5000, oder Gefängnis, oder
beidem gebützt werden. Bei Fest
fetzung des Netto-Vermögens wird
ein Steuererlatz von $50,000 zuge
standen. Auch Korporationösteuer geändert.
Eine andere Aenderung des Ge
setzes betrifft Korporationen, deren
die Summe von $09,000 übcrstei
gendes Aktien-Kapital mit einer
Spezialsteucr von 50 Cents auf je
$1000 des Wertes des Aktienkapitals
für einheimische Korporationen und
50 Cents auf je $1000 des Aktien
Kapitals festgesetzt ist, welches ini
Interesse Fremder, in diesem Lande
geschäftlich etablierter Korporationen
angelegt ist. In dem Aktien-Kapital
find Ueberfchutz und unvcrteilte Pro
fite cingefchlossen. Tie Korporativ
nen, welche sich unter dem alten Ge
setz gewisser Rechte erfreuen, werden
unter dem neuen Amendemcnt ihrer
Privilegien nicht verlustig gehen.
Tie Stcueranmeldungcn müssen
heuer am oder vor dem 15. Juni ge
macht werden. Tcr ledige Mann, der
beweisen kann, datz eine oder mehrere .
Personen seiner nächsten Verwandt
schaft auf feine Unterstützung ange
wiesen sind, erhält gleich dem Ver
heirateten eine Steuerfreiheit von
$40(K).
Tas brechende Herz ei
ner Tame gleicht der Schale eines
Krebfcs, welche zu einer gewissen Zeit
abgeworfen wird, um einer neuen
Platz zu machen Tergleichcn Herzen
isind sehr oft hundertschalig.
X

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