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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, September 25, 1917, Image 6

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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6
r f i r o 1 1 : r Abendpost, Dienstag, den Zo. S eptemv er 1917.
Die chilleWe
Mm.
Roman von Marie Bernhard.
fimTrfcima.)
Im Schloß bewohnte sie jetzt
Ncflris Zimnniter und hatte den Besitz
ihrer sämtlichen zilrückgebliebeucn
UleiderJld Aachen angetreten, Nclin
hatte nur ihre besten Toilettengegen
stände mitgenommen, dao meiste war
juriief geblieben. Mit wchinütiger
Freude legte -ylphe eines Tages
eines der hellen Sommerkleider an,
das ihre goldene Nett" häufig ge
tragen, für ihre schmächtige Figur
war es ein wenig zu weit, doch war
das .ind während der legten Wo
chen so rasch emporgeschossen, das; ihr
das Kleid beinahe etwas zu kurz war,
und als Sylvia an den Türpfosten
trat, in welchen die Schwestern die
-Zeichen für ihr Körpermaß einge
schnitten hatten, da fand es sich, das;
sie Nello? Zeichen bereits überragte,
klopfenden Herzens war das Kind
an diesem Tage zu Tisch liernnter
gegangen. Ob Papa es wohl merken
würde, dafc sie eines von Ncllys Klei
dcrn trug? Und ob ihm der Anblick
wohl unangenehm war?
Aber der finstere und teilnahmlose
Blick des Barons streifte, wie immer,
glcichgiltig über die junge Tochter
hin. er beachtete weder sie selbst, noch
beachtete er das Kleid, das sie trug.
Um sich die langen stunden der
Einsamkeit zu kürzen, hatte sich Snl
via auch an NellyS zurückgebliebene
Bibliothek gewagt, an die berühmten
französischen und deutschen Romane,
die die ältere Schwester ihr so sorg
fältig vorenthalten hatte. Und hier
empfand die Kleine von Neuem, wie
gut ihre Nefl sie gekannt hatte, wenn
sie so bestimmt behauptete: Ta-? ist
gar nichts für Dich! Tu würdest
vieles davon nicht verstehen und was
Du verstehst, das würde Dir kein
Vergnügen machen!"
Buchstäblich war es so gekommen!
Mit immer wachsender Verwunde
rung, die sich oft zu einem wahren
Schrecken steigerte, las Sylvia diese
Bücher, die ihr eine ganz neue Welt
erschlossen, aber eine Welt, in der sie
selbst. das fühlte sie deutlich, nie
mals heimisch werden würde. War
das das Leben? Die Gattin betrog
den Gatten, ebenso wie er sie hinter
ging: die Menschen belogen und be
trogen einander, um Geld und Gut.
oder Stellung und Titel zu erlangen.
Und Andere wnszten das nnd gingen
darüber hinweg, als sei es ganz in
der Ordnung. Falschheit, .enchelei.
Ueberlistung es war alles erlaubt,
wenn man es nur geschickt genug an
stellte, das; es nicht direkt in die Öf
fentlichkeit kam. Junge Kinder wur
den oazn angeleitet, zu lügen und zn
trügen, und die Eltern freuten sich,
wenn es gelang und ihnen Vorteil
brachte. Aemter und Würden wur
den nicht nach Verdienst verteilt, son
dern oft durch die unlautersten Mit
tel erschlichen: einfache und ehrlich
denkende Menschen gingen ohne Wei'
Tie Sonne strahlte am Frühlings
hiinmel '.iiid zwang sich irjitn 2itst
durch die retcu Scheibengardinen des
flrorjen, lichaglichcii iinniero. so das',
die stattliche Fiau in ihrem Lchnstuh!
von purpuruer Glorie iidergosse
war. Au-fstehend und mit der Haud
stell da-ö belicht schallend, lachte sie:
..Tie Sonne meint'-? allzu gut mi:
mir."
Ein paarmal bewegte sie sich noch
vor dem Fenster in dem rotgoldigen
Glänze bin uno her, dann trat sie tv
fer in da? :',iimnr hinein, wo an ei
nem von kleinen Sesseln umgebenen
Tischchen ein Herr sas;.
..Ich komttte zit Iknen. lieber Tof-'
tor. Sie haben da? bessere Teil er"
wählt."
Dr. ewreckt nielte gelassen. Ja
webl . . .,. die Schattenseite."
?ie Hauofrau drohte schalthaft mit
dem Finger.
Na. na. soll da? etwa hinterhältig
gemeint sein? Da müszt' ich Ihnen so
einen langen, langen Vortrag halten,
das; sich einer ki beklagen soll, det
Wohl beim bester: Willen an seinem
Schicksal nicht-? entdecken könnte, um
sich darüber .zit beklagen."
..Ich beklag' mich ja nicht."
Frau Klara Mengers lachte hell
auf.
I bewahre. Sie beklagen sich
nicht, das; Sie reich sind, unabhängig,
angesehen, gesund, im besten Man
nealter ... . . Sie beklagen sich nickt,
aber Sie versichern das in einem
Tone, mit einem Gesicht "
..Freilich, ein erheiternder, kurz
weiliger (Geselle bin ich nicht und da
rum . .
Er machte eine Bewegung, sich zn
krbeben. aber mit beiden Händen
drückte Fratk Metigers ihn aus seinen
Sitz zurück.
.Aber lieber Freund, Sie denken
doch nicht daran, schon zu gehen? Ich
las'e Sie auf keinen Fall schon fort.
Ihr irok. daft C) Sie einmal habe.
Eie machen sich ia selten genug."
Sie lachte nicht mehr, ihre Stimme
n-iRF;ni-y--u nnrrirr ' rnCTini 11 inr
Ihb höchste
teres zu Grunde in diesem Getriebe,
das sie an sich riß wie die Räder einer
Maschine, die erbarmungslos alles
erfassen, was in ihr Bereich kommt.
Angewidert und entsetzt hatte Snl
via zwei, drei solcher Bücher gelesen,
ein viertes, ein fünftes begonnen, und
dann schloß sie mit einem schweren
Seufzer Nellns Bücherschrank zu und
ging zu den Dichtern zurück, bei wel
chen Fron Starke mit ihr in der Lite
raturttunde stehen geblieben war:
Joseph Freiherr von Eichendorff und
Friedrich Rückert.
Und wie sie die herrliche Irische
der keuschen Wildespoesie einatmete
und die köstlichen Lieder des Liebes
frühlings las. da wurde von ihrer
jungen Seele der lastende Druck hin
weggespült, wie wenn sie nach schar
fem giftigem Alkohol eiskaltes. Per
lendes Ouellwasser - getrunken hätte
und es wehte ein reiner, frifcher
ftauch über fie hin, der die schädlichen
Dünste vertrieb. Der einzige Schat
ten, den diese Lektüre in Snlvia zu
rückließ, war und blieb der Gedanke:
Aber wie konnte Nclin alles das
lesen und daran Gefallen finden!"
Ein regnerifcher Morgen wurde
von einem sonnenhellen Mittag abge
löst. Seit Stunden schan rang die
Sonne um die Herrschaft, mühte fich,
die schweren Wolken- zu durchbrechen
kam anf wenige Minuten zum Vor
schein, wilrde erstickt und -- erdrückt
durch immer neu aufsteigende Wol
kenmassen. Im Park fingen die
Blätter bereits an gelb zu werden
und hier und da von den Bäumen zn
sinken: der späte Rosenflor litt durch
den Regen, Astern und Georginen
begannen sich breit zu machen.
Schon Herbst?" hatte sich Sylphe
mit einen! bangen Seufzer gefragt,
wie sie am Fenster gestanden und das
melancholische Loslösen und fallen
der welken Blätter- beobachtet hatte.
Wie soll es zum Winter erst wer
den. wenn alles eingeschneit da
liegt?" Aber als nun die Sonne kam und
Siegerin blieb, als die drohenden
Wolkenmasfen ain Himmel ver
schwunden waren itnd ein warmes,
leuchtendes Blau an ihre Stelle trat,
da ging es wie ein frohes Aufatmen
durch die ganze Natur, und auch das
junge Geschöpf droben am Fenster
bog sich weit hinaus und sah all die
farbige, dunkelnde .Pracht und sagte
leise vor sich hin: Es ist doch noch
sommer:
Altmodisches Erkältungs-
Heilmittel trinkt Tee!
Holen Sie ein kleines Packet Hcn.
bürg Breast Tea. oder wie die Deut
schen es nennen, Hamburger Brust
icc", in irgend einer Apotheke. Man
nehme einen Eßlöffelvoll Tee, gieße
eine Tasse kochendes Wasser darauf,
gieße es durch ein sieb und trinke zu
irgend einer Zeit eine Teetasfevoll
davon. Es ist das beste Mittel, um
eine Erkältung zu beseitigen und die
Grippe zn kurieren, denn es öffnet
die Poren und beseitigt den Blutan
drang. Es sorgt anch für Leibesöff
nung und die Erkältung wird anf
diese Weise sofort beseitigt.
Es ist nicht teuer, vollständig vege
tabilifch und deshalb, harmlos.
hatte einen herzlichen, .dringlichen
Ton. auch in ihrem Blick war warnte
Herzlichkeit.
Ter Toktor hatte sich ein wenig
schwerfällig wieder auf seinem Stuhl
zurechtgesetzt. Selten" er bc-
weate den xZopf mir scheint's im
Gegenteil manchmal, als wär' ich niir
allzu häufig hier"
Ja, Ihnen mag's freilich so schei
nen. Ihnen " Ein wenig gegen
ihn vorgeneigt, sah sie ihn mit ihren
dnnkelglänzenden Augen an. ..Wi:
hier legen eben einen anderen Masz
siab an Ihre Besuche." Tann, al-:-seine
mortschre Art ketne Entgeg
nung fand, begann sie in ihrer beweg'
lichen Gewandtheit ein munteres
Vlauderit, dem er mit behaglicher
Nuhe folgte, nur hier lind da ein:
kurze Bemerkung einwerfend. Ein
paarmal ging sein Blick dabei zu der
Stuvuhr auf dem Kaminsims, und
Frau Mettgero, der Richtung sein
Augen folgend, sagte:
Tas Kind bleibt lange fort. Uebri
gen?, babeu Sie, schon Trudchen?
neueste-? Bild gesehen. Toktor?"
Sie nahm eine- der in zierlichen
Nahmen auf dein Tisckchm stehenden
Photograhicn und reichte sie Weib
reckt. Gut getroffen, was?"
Mit unbewegter Miene fchaute er
auf das holdselige Gesicktchen nieder
und von diesem zu einer zweiten
Photograhie auf dem Tische.
Im nächsten Augenblick hatte Fra'.t
Mengers diese aufgenommen und
fich Weibrecht zilbeugend, hielt sie
beide Bilder gegeneinander.
Xa haben die Jahre wenig Ver
änderung hervorgebracht, nicht?"
Er nickte blos; und betrachtete nun
angelegentlicher als das erste das
zweite Bild. Zwei Köpfe, dichtanein
ander geschmiegt. Mutter und Kind.
Und Frau Klara hatte recht im dop
pelten Sinne die Jahre hatten we'
nig Verättdenmg hervorgebracht.
Nicht nur das Gesicht des jungen
Mädchens wies noch dieselben kinder'
haft reincn, lieblich weichen Züge auf
Herr Baron' sind soeben gekom
men , meldete das Zimmermädchen,
das an Sylvias Tür geklopft. Sie
hatte strengen Befehl gegeben, sie so
fort zu benachrichtigen, sowie ihr Va
ter heimkehrte.
Sehr gut, Nancttc! Wann kön
nen wir speisen?"
In etwa zehn Minuten."
Ich komme!"
In dem grün umdämnierten
Speisezimmer trafen Vater und
Tochter zusammen. Zufällig war der
Baron heute ziemlich zur rechten Zeit
gekommen: der Regen hatte ihn heim
getrieben. Guten Tag, lieber Papa!"
Guten Tag, Sylvia!"
Die tägliche Begrüßung der Bei
den, an die sich auch heute weder eine
Frage noch sonst eine ' Bemerkung
schloß. In schüchterner Geschäftig
keit waltete Sylphe ihres Amtes bei
Tifch, das fönst Iran Starke versehen
hatte: ihrem Vater die Speisen zuzu
reichen, die Grau nur auftrug, ihm
dies und jenes, was ihm etwa im
Wege stand, fortzunehmen, das
Weinglas zu füllen und so fort.
AIs das zweite Gericht vorüber
war, , kam Gran geräufchlos heran
und legte die verschlossene. Posttasche
auf den Tisch vor seinen Gebieter.
Sylv'q machte sich scheinbar mit ihrer
Serviette zu schaffen und blinzelte
unter ihren langen' Wimpern verstoh
len herüber, was für Briefe wohl
eingegangen sein mochten. Ach, sie
hatte schon seit Wochen ausgeschaut
nach einem einzigen Brief, und
immer vergebens !
Der Baron legte zwei, drei Schrei
ben achtlos von links nach rechts
hinüber; jetzt sah er plötzlich unter
seinen zusammengezogenen Brauen
scharf zu Sylvia hin, und dazu hielt
er einen Brief in der Hayd.
- Das jiinge Geschöpf fühlte fein
Herz plötzlich in der Kehle schlagen.
Ich werde klingeln!" sagte der
Baron, zu Grau gewendet, der sofort
verschwand.
Ein Brief an Dich aus Paris,
hier!" Der Baron reichte das Papier
mit den zwei äußersten Fingerspitzen
herüber, als trachte er. es so wenig
als möglich zu berühren.
Möchtest möchtest Ti, ihn nicht
zuerst lesen, Papa?" fragte Sylvia
stockend.
Ich? Warum? Es kam sehr
rauh heraus, zu gleich fiel der Brief
auf das Tafeltuch nieder.
Sylphe fuhr erschreckt zusammen
und fand nicht gleich eine Antwort.
Warum? frage ich", wiederholte
der Baron. Mich geht es nichts an.
was Dir aus Paris geschrieben
wird."
Aber ich möchte keine Geheimnisse
von Dir haben, Papa", rief Sylvia
laut und dringend.
Jetzt vielleicht noch nicht!" Er
lächelte mit schneidendem Sarkas
mus. Aber laß Dir nur Zeit dazu!
Zwei Jahre, wer weiß, ob noch
einmal so lange? und Du gehst deu
Weg, den Deine Schwester gegangen
ist. Ich bin ganz darauf vorbereitet!"
Niemals, Papa! Das wird nie
geschehen!"
Und ich würde Dich nicht halten
wollen!" fuhr er fort, als wenn er
ihren Einwurf gar nicht gehört hätte.
Ich halte Dich auch jetzt nicht! Tu
kannst heute geben, wenn Dn willst!"
3iia
wie das zehnjährige Lockenköpfchen.
auch an der Mutter waren die zwölf
Jahre, die zwischen dem Tamals iind
dem Heute lagen, beinahe spurlos
vorübergegangen, so daß sie es ruhig
wagen durfte, zwischen dem schönen
Porträt und ihrer leibhaftigen Er'
scheinung den Vergleich herauszufor
dern. Ein heimliches Lächeln spielte
um ihren Mund, wie Tr. Weibrecht,
die Toppelphotogravhie auf den Tisch
zurückstellend, murmelte:
..Ja, teineVerändcrilng, keine . . ."
Sie hielt es auch nicht für nötig,
sofort wieder eine lebhafte Unterhal
tung anzuspinnen. Gehabte Kirnst
eindrücke lies; man zu ihrer Vertic
fung am besten erst noch ein Weilchen
in sich nachwirken. Und weder sie
noch der Toktor schienen es sonderlich
freudig zu bcgrüszen, daß dicfcs stille
Nachwirken durch rasches Oeffnen dei
.'Zimtnertür unterbrochen wurde.
Weibrecht, der im behaglichsten Sich'
daheimfühlen im Sessel zurückgelehnt
sasz. richtete sich hastig, mit eckiger
Steiic aui. über Frail Klaras träu
merisch lächelndes Gesicht lief ein
scharfes Zucken der Ungeduld.- Nur
eine Sekunde freilich, dann lächelte sie
über die Schulter hinweg der Eintre'
tendcn entgegen.
..Nun. Trudchen. bist du endlich
zurück?"
..Ja, und bringe den ganzen Früh'
ling mit heim. Ta . . ."
Hinter den Stuhl der Mutter tre'
tend. schüttete sie dieser mit beiden
Händen einen ganzen Haufen Veil
chen in den Schoß.
..Wie das duftet, nicht? Und diese
Unmengen . . . blau der ganze Wald!
So herrlich war der Frühling noch
nie wie in diesem Jahre."
Sie reckte die Arme aus in hellem
Glücksgefühl, ibre Augen, selbst tief
blau wie die Veilchen, strahlten förm
lich. Tann trat sie zu Weibrecht hin.
Machen Sie kein trauriges Ge
ficht, Herr Doktor. Sie sollen nicht
leer ausgehen. Hier
Mit flinken Fingern , cine Anzahl
&nf
u
Es kam keine Antwort. Als Wulf
fen flüchtig den Blick erhob, sah er,
daß das kleine Gesicht drüben schnee
weiß geworden war.
Nimm Deinen Brief an Dich!"
gebot er, und unwillkürlich klang
feine Stimme etwas weniger hart.
Sylvia streckte gehorsam ihre be
bende Hand aus.
Warum zitterst Du so?"
Er sah. daß sie antworten wollte.
aber kein Wort herausbrachte.
Komm her zu mir. Sylvia!"
Sie gehorchte, umaina den Tisch
und stand nun dicht vor ihm. Er
nahm eine der kleinen Hände in die
seinen, sie fühlte sich eiskalt au.
Warum bist Tu so erschreckt?"
Ich habe Furcht vor Dir, Papa",
sagte sie mit halber Stimme.
Das ist nicht nötig. Tu kannst
tun. was Du w'llst. Tu bist frei.
hier im Haufe zu kommen und zu
gehen nach Deinem Belieben. Tu
kannst durch Wald und Feld gehen,
fahren, reiten, wann und wo es Tir
gefällt. Willst Tu Teine Mahlzeiten
lieber allein einnehmen, ich hindere
Tich nicht. Tu, als sei ich nicht
da "
We ter kam er nicht. Denn von
den gesenkten, schwarzen Augenwinl
per fielen in rascher Iolge ein paar
schwere Tränen, nd diese Tränen
tropften auf seine Hand nieder.
Er saß da, ohne zu Ende zit spre
chen, und sah auf diese Tränen nie
der. wie anf etwas Seltsames, nie
Geschautes. Zugleich ergriff ihn der
leidenschaftliche Wunsch, jetzt in die
ses Kindes Herz sehen zu können! Er
glaubte und traute den Menschen
ircht mehr, keinem einzigen, aber,
ihm selbst unbewußt, setzte sich der
brennende Wunsch, in Sylvias Seele
lesen zil können, fort in dem Ge
danken: Könntest Tu ihr glauben!"
(BortTrSuna 'oigk.)
Kein Nachruhm ist so rein und
angenehm, als der Nachruhm der Leut.
seligkeit. Redlichkeit und Herzensgute:
keine Blume duftet auf unserem Grabe
lieblicher, als das Andenken der Hu
manität, einer gefälligen, friedfertigen
und fröhlichen Seele.
Grobe Sinnlichkeit ist eine trüb?
Pfütze, in die man nicht treten kann.
ohne sich zu beschmutzen; gesunde
Sinnlichkeit dagegen eine verschwiegene
Waldquelle, in der sich die umgebende
Natur spiegelt, und die man nach kur
zem Bade erfrischt und guter Dinge
wieder verläßt.
Von einem Fall außergewöhnlicher
Frühreife berichtet Dr. Obmann in
Meiningen. Der wegen einer akuten
Erkrankung ans Krankenhaus einge
lieferte, jetzt noch nicht vier Jahre alte
Robert hat normale Eltern und sechs
völlig normal entwickelte Geschwister.
Sein Vater steht zur Zeit als Land
sturmmann im Felde. Bis zur Voll
endung des ersten Lebensjahres ver
lief die Entwicklung des kleinen Robert
ganz regelmäßig. Von dem Zeitpunkt
an nahmen die Kräfte rapide zu, die
Muskulatur straffte sich, die Stimme
wurde tief, und es traten alle Anzeichen
der männlichen Reife ein. Der Pa
tient ist jetzt 121 Zentimeter groß und
besitzt eine ganz ungewöhnliche Kör
perkraft.
Noman von
o
iar3i;
IQBQI
Blüteu zum Sträußchen zusammen
fassend, hielt sie ihm dieses entgegen.
Nur ganz langsam hob sich seine
Hand und wie sie mit rascher Bewe'
guna ihm die Veilchen ins Knopfloch
steckte, schien es fast, als wehre er sie
zurück. Verwundert iah )ic ihn an.
Sie sind doch kein Blumenfeind?
Ta" sie trat zurück, und schaute
von dem Sträußchen an seiner Brust
in sein Gesicht und lächelte: Sehen
Sie nur, wie hübsch dicIhncn sieben."
Es zuckte über seine Stirn, wie er
den Kopf leicht gegen das jung-e
Mädchen neigte.
..Ich danke Ihnen. Fräulein Ger'
trud."
Tann trat er einen Schritt von
seinem Sitze zurück.
..Aber bitte sehr, wieder Platz zu
nehmen." rief Frau Mengers eifrig,
und auch Gertrud sagte:
..Aber Herr Toktor. Sie gehen doch
nicht schon? Tas würde ja gerade
aussehen, als hätte ich Sie vertrieben.
Ich möchte doch auch noch was von
Ihnen haben. Muß mich nur schnell
ein wenig wieder zurechtmachen, ich
bin ja Zanz verwildert heimgckom'
men."
Während sie mit bcidcnHändcn das
unter dem Hut hervordrängende
Blondhaar zurückstrich, schaute die
Mutter ein wenig verwundert nach
ihr hin.
' ..Bist du Bekannten begegnet im
Wäldchen?"
..Ja, Bergncrs und der Frau
Amtsaericktsrat. Und Sanders. Und
! Herrn Lützenkirchen ... er läßt sich
'dir empfehlen."
j Frau Mcngers horchte interessiert
auf. So hast du ihn gesprochen?"
I ..Gesprochen . . . nein. Er ritt vor
über nnd grüßte . . . und läßt sich dir
empfehlen."
' Wieder nach dem widerspenstigen
! Blondgelock fassend, dabei der Mut
ter und Herrn Weibrecht zunickend.
verließ Gertrud das Zimmer.
I Draußen klangen ihre über d,n!
jJlur dahineilenden Schritte uno!
G listn v Mertens,
ftetiercrf!d)eruna.
öffentlicher Notar und Grundeigen
tumS'Geschäft.
663 Jos. Camvan Ave., Ecke Hale. ,
Televbon Ridae 2983.
Frauenkrankheiten.
Geburtshilfe
Deutsch ungarische, von Univerjl
tat diplomierte Hebamme, 12 Jahre
Assistentin beim berühmten Frauen
arzt Professor v. Braun. in Wien, er
teilt Hilfe bei Frauen . Krankheiteii,
Nierenleiden, Nervosität, Magenlei
den. Kopfweh und Rheumatismus.
Brandt-Massage. Wöchnerinnen und
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freundliche Ausnahme und gewissen
haftestc Pflege.
Frau Kralik.
705 Pennsylvania Ave., nahe Ma
Zcl. Ridae o.Sa
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Feuerversicherung, Ausland Paffa
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Telephon: Eherry 3994.
Detroit, Mich.
Xrlffiion N'dge 71.
LOUIS OTT
Deutscher Ncchtsanwalt.
Praktiziert in allen Gerichten. Früherer
Friedensrichter.
Arndt Gebäude. 744 (Aratiot Ave., Eckt
Arndt 2tt., Detroit. Mich.
Hohe Absätze erzcngeii
Hükincraugen nn
den Zehen.
Sarg Frauen, wie ein Hühnerauge
ausgetrocknet nnd schmerzlos
ausgehoben werden kann.
Die modernen schuhe mit den
rohen Absätzen quetschen die Zehen
ein uiid erzeugen Hühneraugen, und
viele Tausende der Hospitalfälle von
Blutvergiftung und Kiimbacken
krampf sind das Resultat der selbst
mörderisckien Angewohnheit der
Frauen, diese schmerzvollen Plage
gcister wegzuschneiden.
Für wenig Kosten erhalten Ste in
irgend einer Apotheke eine Viertel
unzc einer Drogue. genannt Free
zone, welche genügt, jedes weiche oder
Karte Hühnerauge oline die geringste
Gefahr oder Unbequemlichkeit zu ver
treiben.
Einige Tropfen, direkt auf daS
zarte, schmerzende Hühnerauge ge
bracht, beseitigt die Schmerzen und
kurz darauf kann das ganze Hühner
auge. mit der Wurzel, herausgehoben
werden. Es ist eine klebrige Sud
stanz, welche sofort trocknet, und Tau
sende von Männcril und Frauen ge
brauchen dieselbe, weil das Hühner
auge dadurch ohne schmerzen und
Entzündung entfernt werden kann.
Schneiden sie dies aus und ver
suchen sie es. wenn die Hühneraugen
schmerze-: (Ära.)
dann ein halblautes, jubelndes Sin'
gen:
O, wie wunderschön ist die Früh
lingszeit." Frau Mengers hielt auflauschend
den Kopf geneigt, ihre Hände strei
chelten zärtlich die Veilchen in ihrem
Schoß.
Ach ja, der Frühling das Kind
ist ja heute rein wie ausgewechselt,
sindcn Sie nicht auch?"
Ta sie keine Antwort erhielt,
wandte sie den Blick wieder dem Tok'
tor zu und svrang dann schnell ?,u'
por, die Veilchen plötzlich sehr rück'
sichtslos von sich schüttelnd.
..Aber bester Toktor. Sie wollen
doch nicht in Wirklichkeit schon
gehen?"
Toch. meine Zeit ist um.",
Sie kannte ihn hinlänglich, um
seinem Tone, seiner ganzen Art snzu
merken, daß hier kein Zureden mehr
half. So fchüttelte sie auch nur trau'
rig den Kopf und sagte dabel:
'..Eigentlich ist das verletzend fük
Gertrud. Es könnte wirklich beinahe
den Atischein erwecken, als nähmen
Sie vor dem Kinde Reißaus."
Ein heimliches Lauern war in dem
Blick Frau Mcngers'. und wie sie das
Umdüstertc im Gcsickt des Tr.
Weibrecht gewahrte, legte sie ihre bei
den weichen, warmen Hände um seine
Rechte, und mit lächelndem Kopf'
schütteln ihn ansehend, sagte sie halb
neckisch, halb ernsthaft:
..Aber, aber .... das müs'en wir
Ihnen abgewöhnen. Gebt Ihre Men
schenscheu so weit, daß Sie gerade
nur mick alte Frau als Gesellschaft
ertragen und fich sogar durch Trud-
chcns Gegenwart geniert fühlend
Geniert ... ich weiß nicht ...
vielleicht ..."
Es klang raub. Dann hatte ,rau
Klara einen haftigcn Truck seiner
Neckten verwürt und im nächsten I
Augenblick hatte sich die Tür hinter
Anton Weibreckt aeschloi en.
Rasch trat ue an das Aemter der
Parterrewohnung, um hinter den ro
Vergnugvngs-Anzekgen
TEMPLE
IkatKft :,'.
LÄ5IBERT & BALL
CONROV & LeMAIRE
LVdrll 4- HiggiS; Wreot Lkstrr: Marik Ki.
i turnn; dirlk & Hrrman; Sdii 9tt.;
satte; Morrpk.
Orpheurn -
fand
ill
(itftuafi'ittt j?auktiflc nnb jjitbrt.
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Hm,x & Xuftarb in Jitnrtz 5laffik
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II V w Ecke Ealndia. Beabinftrasz.
Rcmigcn Dichtigkeit in Kopf
undNase sofort Enden Katarrh
Sofortige Linderung bei geschwolle
er, entzündeter Nase, Kopf oder
Hals Sie atmen frei Dnm
pfc Kopfschmerzen verschwinden
Peinliche Auswürfe hören auf.
Versuchen Sie Ely's Cream Balm.
Kaufen Sie eine kleine Flasche,
nur um es zu probieren bringen
Sie ein wenig davon in die Nasenlö
cher, und die verstopften sZuftrcchren
des Kopfes werden sich sofort öffnen:
Sie werden frei atnien: die dumpfen
Kopfschmerzen verschwinden. Am
nächsten Morgen ist der Katarrh, die
Erkältung im Kopf und der wehe
Hals verschwunden.
Ves::tiaen Sie dieses Uebel jet-t'
Robert J7. föartenstein
Zimmer 202 Wreitmcyer-Sebäuöe
Dcrstcherullgs., Wotariat- und Hrundeigcn
iums - Heschast.
Vercpl??n Win 2409.
Hedwig Kbt
ten Vorgardinen dem Tavonjchrei
tenden nachzuschauen. Sie gewahrte,
wie, ehe er aus dem Vorgärtcheu hin
aus auf die Straße trat, feine Hand
sich hob, die Veilchen aus dem Knopf'
loch nahm, sie dann, wie unschlüssig,
was damit beginnen, zwischen den
Fingern hin und her drehte und lang'
sam in die Rocktasche steckte.
Frau Klaras meist iil heiterer
Liebenswürdigkeit lächelndes Gesicht
hatte einen Ausdruck scharfen Nach'
dcnkens.
Was hatten seine letzten Worte,
sein rascher, leis bebender Händcdru'.k
ihr angedeutet oder klar gesagt?
Traf die Vermutung, die ihr schon
kin paarmal hatte kommen wollen,
wirklich so sehr die Wahrheit? Schon
wiederholt war es ihr aufgefallen,
daß der Toktor in Gertrud? Gegen
wart sich weit zurückhaltender gab
und seine Besuche, wenn sie zu dreien
waren, stets bedeutend abkürzte. Abe:
so augenfällig wie heute war ihr das
noch nie geworden. War's wirklich an
dem, was er ja selbst nicht in Abrede
gestellt, daß er sich geniert fühlte
durch die Gegenwart der Tochter
der erwachsenen Tochter? War'S da'
rum. daß ihre Beziehungen, so ver
traulich sich auch diese gestaltet hatten,
doch noch nicht über das Stadium gu
ter Freundschaft hinauserüat ira
ren? War's darum, daß er noch stet?
gezögert, das Wort zu sprechen .im
das sich seit beinahe Jahresfrist hrinf
lich ihr ganzes Leben drehte?
.arum ... 5
Heftiges Rot stieg in Frau Klaras
Gesicht. Tas sollle ein Ende haben.
Er sollte sich nicht mehr . . . geniert
fühlen.
-Aber wie es verhindern? Si.'
konnte das Kind doch nicht innner
aus dem Hause schicken.
Tas Kind sie schürzte spöttisch
die Lippen. Tas Kind" stattn i:i
dreiundzwanzigsten Jahre, es wurde I
Zeit, da?; man im Ernste daran ging,
sie aus dem Hause zu geben. Als für
sorgliche Mutter hatte sie ja schon
M I L E S 138 5!Z !Ä
gtrtftrfarittrnr k?ndlll,
SALLY'S VISIT
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ftrrlr da ?'. 12:30 tit 2:3V
3;a. lOr 20. drnd l.V 25 3.1.
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LI UCUiil Mal. Kitnu.. CarnfL 25or
(sin Spiel am Nr arkrr rdrn.
A LITTLE GIRL
IN A KIG CITY"
Nächste Wocdr .2bc Heart o? SSetona".
n nnillf VV. Matinee Mitta
uAKnillv d,s 5,..
Abend?. :('c bis $i.jO.
Großes -ttnoef-Cut" Melodien -viel.
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ZrimI'S beste und iuhesie Musik.
?!ächste Woche Verk, ood Eddie".
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NechtSanwälte
1726 Time Bank Gebäude.
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tät der Mavbnrv Ave. nd ?nchnnstr
a. 14 20 Branbirnftr., tt er Lake
EU Micdiaan Santbrrn Sebn.
Kaum'. Sie die kleine Flasche von
Elq'ö Cream Balm" jetzt in irgend
einer Apotheke. Dieser süs-.e rein?
Balsam löst die Entzündung dlr
Luftröhren: zieht ein und heilt die
entzündeten, geschwollenen Schienn
käut? der Nase, des Kopfes und deö
Halses; reinigt die Luftwege: besei
tigt die peinlichen Auswürfe und heilt
die wunden Stellen sofort.
Licgen Sie he.lte Nacht rnch schlaf
l'5. nach Luft ringend, mit rcrstopf
ter Nase, hustend im Bett, denn das
haben Sie absolut nicht nötig.
Setzen Sie Ihr Vertrauen nur
einmal in Ely's Cream Valm".
und Ihre Erkältung oder Katarrh
werden sicher verschwinden. (Anz.)
3Gt)Q
zuweilen daran gedacht, ohne sich die
damit verknüpften Schwierigkeiten zu
verhehlen. Ein Mädchen ohne Mit
gift ließ sich schwer an den Mann
bringen.
Und neuerdings freilich war fie so
vollauf mit ihren eigenen Angelegen'
keilen beschäftigt, daß sie keinerlei
Zeit gefunden hatte, sich auch noch mit
denen der Tochter zu befassen. Aber
jetzt, da sie plötzlich erkannte, in ttxl
cher für fie verhängnisvollen Weise
sich diese beiderseitigen Angelegenhei
ten berühren konnten, war auch mit
einem Male all ihre rasche Energie
des Handelns erwacht.
Für den Augenblick bestand ihr
Handeln nur darin, daß sie ihren
Schreibtisch ausschloß, eine kleine .Kas
sette daraus nahm nnd das darin be
iindliche Geld zählte. Hm ei gen t-
lich war's nicht mehr, als man bis
zum Quartalswechsel brauchte, aber
immerhin mußte es sich ermöglichen
lassen, davon noch eine neue Sommer
toilettc zu beschaffen, die Frau Klaras
stets regsamer Geist bereits six und
fertig komponiert hatte. Tenn etnx!
Schulden machen, kam ihr nicht in dei.
Sinn, selbst nicht für solch auneror-
deutlichen Zweck, wie den, der ihr vor
schwebte.
("Fortsetzung folgt.)
Ballade in T-moll.
Udo dachte: ..Ah. die Ida!'
Edi wieder: C, die Ada!
Keine andere, tmr die da!"
Idet seuszte: Ah. der Edi!"
Ada wieder: Z du Udo!"
..Ten nur!" dachten be'.e Mädfl.
Webe, o du Toppelduo
Ada. Edi. Id.i, Udo
Alle bleiben leider ledi'!
Tie Seele warm,
Tas Auae klar.
-0 Vtv?:c nv.hr.
Von Slthl der Arm;
Fürs andre sorg'n
Dein Heut, dein Morgen.
Anaslazius Grün,
-irr
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