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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, April 15, 1918, Image 6

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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G
Detroiter Abendpost, Montag, den 15. April 1318.
Für brennenden Ausschlag
nettige Ealben und Einreibungm sollten
nicht gebraucht werden, wenn eine gute, reine
Haut gewünscht wird. Besorge dir von irgend
rincm Tragistcn eine Flasche Zemo für 35c
oder $1.00 für ertragroße Flaschen. Wenn
verschrlftsmäfzig angewandt, beseitigt eS wi.k
sain AuSschlag, macht rasch dem Jucken ein
öade und heilt Hautleiden sowie auch beschwüre,
Brandschäden, Wunden und Abschürfungen.
ES dringt ein, reinigt und beschwichtigt j$tmo
ist eine reine, vcrlü bliche und billigt, tiesgrei,
ssnde, antisevtische Flüssigkeit. Versuche es,
i-nn dir glauben, dafz nicht? so wirksam und
;.!''riedenstellend, das du je gebraucht haft.
TKe G. W. Rose Co Cleveland. O.
Kreuz wen
de dich".
- Roman von
Fedor von Zobeltitz.
(Sortsetzung.Z
Achtes ctnüitel.
. 2o ging die Zeit dahin.
Ter hinter verlor feine Macht,
.nid es iani der Lenz und verwän
de Ire den (rissvlcgel des Syreetval
de-5 in einer, meilenweiten liitcr
gründlichen Morast, der jeden Ver
fein unmöglich machte. Tie Kanäle
lullten sich mit treibenden Cic'schol
len. iu:c über die 'iesensirecken nnd
önrrt) den (iicheimv.Ii) sickerteil die
'asierlänfe. nnd auf den noch tiefe
reu Niederungen bildeten sich drall
ne Aachen. Aber dann gewann die
3tmnc an Krait, und abermals ver
äilderte sich die Landschaft. Tie Was
s.'r verrannen und die Halde wurde
grüit. und zwischen Riedgrao und
Sdiili blübteu die wilden Blumen
auf. und in den Kanälen setzten die
Mummeln zu neue Triebet! an, und
die alteil -:ebbrunnen in den ör
fern schmückten ihr graues (Gemäuer
mit Venusbaar. Bei Krampzow stieg
mi der limbrochenen (irde der mi
gedehnten Gemüsefelder der Xnft
frischen Werdens als Cstcrgnifj em
por, und mich der Wald kleidete sich
in sein riihlingc'gewand, und all
mählich färbte fein lichte Wriiii fich
dunkler und der Sommer nahte her
an.
Tas war die Zeit, auf welche die
kleine Wally sich freute. 3? im dau
erte es nicht mehr lange, dann war
ihr Geburtstag und dann kam fet
ter Kruz. wie er versprochen hatte,
und brachte ihr da Nehchen, nach
dem ihr Herz verlangte. Sie sprach
nicht davon, denn sie wollte nicht,
das; es die Mutter zu früh erführe.
Aber sie dachte viel an das Reh, das
sie mit der Milchflasche aufziehen
wollte wie einen Säugling, und auch
ein .Halsband sollte c bekommen
und Bison getauft werden. Ter Na
me gefiel ihr sehr: sie hatte ihn in
einer (beschichte von. Nieritz gelesen
u::d hielt daran fest.
Toch der (ebnrtc-tag kam und
weder Jini? noch das flieh. Wall'.zs
Gescheuttisch mir reichlich besetzt.
f. Mi1 Freude d
(r
(9. Fortsetzung.)
5latbarina zog indessen den golde
nen Reif vo:n Finger und reifte ihn
Ztiin zli. Er sclüittelte beftig den
üopf. willst Tu "
Tir den Ring zurückgeben," ant
wortete üe, ..der seine Vedelitnng für
mich verloren hat. Ich bitte Tich,
aib mir auch den nieinen wieder, den
Tu noch aus Gewohnheit trägst."
...Katharina "
Ich wüdte ihn ungern an Deiner
5-and. wenn sie " Ihre Stimme
wurde zitternd. Ich bitte Tlch, glb
ibn mir gleich jetzt."
Warum aber so gewaltsam jedes
lildenken "
..Empfindest Tu wirklich anders?
Ich glaube es nicht. Und was ist ein
Andenken, das so äuszerlich Wozu
diese Erörterungen?"
Sie hielt ihm den 3iing hin. Er
nahm ihn endlich und drückte ihn an
die Kippen. Wenn Tu wüßtest, wie
schwer 5lh!" Er schob zögernd
den seinen vom Finger cr entglitt
ihm, fiel ans die Er.' und rollte fort.
kalharina !" Plötzlich von sei
nem Gefühl überwältige sank er vor
ihr nieder und ergriff ihre Hand.
Sage, daß Tu mir verzeihst! Ich
könnle nie wieder " 'Er schluchzte
heftig.
Sie hob ihn auf. Sei meinetwe
gen ganz unbesorgt," sagte sie, selbst
tlef bewegt. Ich zürne Tir nicht,
ogtti Teinc Hosfiiungen sich crfül
ien! Und wie Tu mich kennst
Aber warum uns das Scheiden er
schweren 'i Worte sagen es !och nich:.
Iil einer Stunde werce ich fertig sem.
ch wollte l'iiia die Schlüssel iwer
geven nun rann ich sie Tir einhän
öigen. Tort auf dem Schränkchen
liegen sie. iL'iila weiß damit Bescheid,
Sie wird Tir die Wirtschaft führen,
bis "
In dieftm Augenblick öffnete sich
die nur angelegte Tür zum Neben
zimmcr. Mila trat ein, ging rasch
einige Schritte vor und blieb stehen.
als ibr Sater sich iir zuwendete.
Nie
Sie schlich sich heimlich abseits und
weinte. Der ganze Tag war ihr der.
darben. Sie hatte immern ur von
ihrem flieh geträumt, und nun hatte
der arge Vetter sie vergessen . . .
Ja wirklich vergessen. Kruz
hatte an mehr und Wichtigeres zu
denken als an die dumme kleine
Wally und an das Versprechen, das
er ihr gegeben hatte. Tie Gerichte
hatten in die Verhältnisse von Gor
gutschen eingegriffen und Kruz als
den Erben des vorläufig Verscholl?'
nen benachrichtigt. Es nahm alles
seinen gewöhnlichen Gang. Tcr bis
herige Oberinspektor in Gorgutschcn
wurde mit der Administration des
Besitzes betraut. Tas Gericht hielt
die Hand über alles. wa?Hans Ehri.
stoph gehörte: denn cr konnte noch
leben und es mußte dieZeit abge
wartet werden, zu der die Todcscr
klärung zulässig war.
Kurz litt nicht allzu schwer im
ter der Wartezeit, wohl aber seine
Mutter. Sie war eine schöne große
Frau, nur leicht gebeugt unter den
tasten, die ein Leben voll Herbigkeit
ihr aufgebürdet hatte. Ihr stilles,
reines Gesicht war das einer Niobe,
und in ihrem Auge lag viel Milbig
keit. Aber sie wollte nicht müde sein:
sie lebte für ihren Sohn. Und
er war wirklich ein guter Sohn. Er
umgab sie mit Liebe und zärtlicher
Sorgfalt, hatte zwar ein Studenten'
stübchen in Heidelberg selbst, kam
aber täglich zu ihr hinaus, speiste bei
ihr nnd beglückte' das Mutterherz
durch seine frische und sein sonniges
Wesen.
oin Herbst 'führte man den lange
gehegten Plan aus und siedelte nach
Berlin über. Heidelberg war zu
teuer, und in Berlin konnte man
eine gemeinsame Wohnung nehmen.
Man fand ein kleines, ganz behagli'
,ches Quartier in einem Gartenhaufe,
allerdings ziemlich weit draus-.en, da
für aber entfernt von den Geräu
sehen der Stadt und verhältniinüfzig
billig. Hier richtete sich die Baronin
mit ihren geringen, einer Zeit steif
leinerner Geschmacklosigkeit angehö'
rigen Möbeln ein: ihre einzige Bc
diennng war die alte Luise, die in
besseren Tagen ihre Zofe gewesen
war und nnn das ganze Hauswesen
führte und auch die Küche besorgte.
Anfänglich ging alles gnt. Kruz
fühlte sich wohl inber Hauptstadt.
Er war keiner Verbindung beigetre
ten, um frei sein zu können. Mit
großem Efer setzte er seine Studien
fort, so daß er schon nach Jahresfrist
fein flieferendar-i" und um dieselbe
Zeit auch sein Tottorexamen able
gen konnte. Er nahm aber vorläu
fig keine Stellung bei einem Gerichte
an, fanden! verblieb in Berlin und
besuchte die landwirtschaftliche Lehr,
schule.
So ging die Zeit dahin.
Eines Nachmittags, beim Verlas
sen de Instituts, wurde Kruz auf
einen jungen Herrn aufmerksam, der
ihn schon mehrfach fixiert hatte und
nun mit höflicher Lüftung des Hutes
fiel) ihm näherte.
Verzeihung Baron Lobschitz.
vi wahr?" sagte der junge Mann.
tiektorhter
Nein! auf mich rechne nicht," sagte
sie. mit der Hand abwehrend. Sie
eilte auf Katharina zu und umarmte
sie. Hier ist mein Platz. Ich will
meine Mutter nicht verlieren, wie ich
meinen Vater verloren habe. Wenn
Tu gehst, gehe ich mit Tir, Mutter!"
Tie freudige lleberraschung machte
Katharina eine Weile sprachlos. Sie
drückte Mila immer wieder an sich,
küßte ihr Haar und Stirn. Ter Ma
ler war sichtlich betroffen, hatte die
Farbe verändert, preßte die Lippen
zusammen und bewegte immer un
ruhiger die Spitze des vorgestellten
Fußes. Sein eben noch mattes Auge
fing lebhafter zu glänzen an, ein
trotziger Zug legte sich um den Mund.
Mila gegenüber meinte er sich be
bauvten zu können. Was soll das?
sagte cr. Ich denke. Tu bist mein
Kind und gehörst zu mir."
Ich bin Tein Kind," antwortete
Mila, und werde, so Gott will, nie
vergessen, welche Pflicht ich Tir schul
dig bin. Aber jetzt gehöre ich zu Tir
nicht. Tu meinst ja doch im Glück zu
sein und brauchst mich nicht. Tiese
verehrte Frau aber ist unglücklich ge
macht durch Tich und braucht Kindes
liebe. Tie soll ihr nicht fehlen." Sie
umarmte Katharina von neuem mit
so leidenschaftlichem Eiser. als ob sie
befürchten müßte, von ihr mit Gewalt
getrennt zu werden.
Willst Tu Tich zur Nichterin über
meine Handlungsweise auswerfen?"
fragte Nutensteig heftig.
,.Tas steht mir nicht zu," entgeg
nete sie. Kein Wort des Vorwurfs
soll jetzt noch über meine Lippen kom
men, Vater. Aber ich sage, was ist.
uud wäre das erbärmlichste Geschöpf
von der Welt, wenn ich es ungesagt
ließe, um Tich zu schonen."
.Wenn ich mich noch so schuldbar
der Frau entziehe, der ich mich ge
lobte. D i r kann ich bleiben. vaS ich
war."
.Das glaube doch nicht! Die Liebe,
die Tu jener anderen Frau schenkst,
schließt mich auö.-
Frau von ihren
Lcidcn Iicsrcit.
Sie befolgte den Rat einer Freundin
und gebrauchte Lydia (5. Pins
hams Vegetable Compound.
Weit Plai... Mo. Meine Gesund
heit ivar vollständig zerrüttet, ich litt an
unveroaullmieit uno
hatte jeden Monat
schreckliche Krämpfe.
sodasz ich nichts tun
konnte. Ich konsul
tierte jeden Arzt in
West Plains. auch
versuchte ich alle nur
denkbaren Medizinen
aber ohne Erfolg.
Eines Tages, als ich
wieder sehr schlimm
litt, war eine Zvrcun
din auf Besuch bei
mir und saqte: Warum versuchst Du
nicht Lydia E. Pintbam's Veactable
Compound?- Ich tat dies, fand Linde
rung meiner Leiden und alaube. daiz es
mein Leben aerettet hat. Ich kann diese
wunderbare Medizin nicht genug loben,
weil sie mir die Gestmdkeit wiederge
bracht hat". Frl. Cora Lee Hall. Weit
Plains. Mo.
Es scheint vielleicht etwas viel gesagt,
wenn behauptet wird, dafz dieses wunder
bare Heilmittel ein Leben gerettet bat;
aber Frauen wie Frl. Hall, welche ihre
Gesundheit wiedererlangten, wissen nur
zu ncnau, daß si dem Tode entronnen
sind! Alle Frauen, welche leiden, sollten
einen Versuch mit diesem Heilmittel ma
chen. Warum Leben und Gesundheit ris
kicren und ohne es sein?
Schreiben Sie für speziellen Rat an
die Lvdia E. Pinkham Medicine Co..
Lynn. Mass.
Ich hatte schon neulich den Wunsch,
mich bekannt zu machen, als ich
Ihren Namen zum ersten Male hör
te. Egon von Tierksen mein" Sa
ter ist her Besitzer von Niedewitz.
dem ehemaligen Brücknerschen Gute
am Spreewalde ..."
Nun wusste Kniz Bescheid: von
dem Verkauf von Niedewitz und dem
reichen Tierksen hatte er erzählen
hören. Tie jungen Leute schritten
nebeneinander die Linden hinab und
suchten, da cs Frühling war und daS
Wetter schön, ein Gartenlokal im
Tiergarten auf, um ein Glas Vier
zn trinken.
Egon von Tierksen war ein lau
ger, hagerer, sehr distinguiert aus
sehender Herr. Unwillkürlch verglich
Kruz den eleganten Anzug von mo
dernstem Schnitt, den jener trug, mit
seinem eigenen, aus keinem berühm
ten Schneideratelier stammenden
Röckchen. Auch in seinem ganzen
Sichgeben hatte Tierksen etwas zwei
fellos Vornehmes. Tie lange,
schwippe Gestalt erschien anfänglich
fast grotesk: es machte den Eindruck,
als wisse Tierksen nie so recht, was
er mit seinen Armen anfangen soll
te. die in den Schultergelenken hin
und her schlenkerten. Aber Beneh
men und Haltung zeigten trotzdem
einen tadellosen Schliff und die Er
Ziehung zum Weltmann.
Tennoch gefiel Tierksen Krnz nicht
ohne weiteres. Mit solchen Leuten
wusste er nichts anzufangen. Er sah.
das; Tierksen sich gleich ihm und
sicher nur aus Höflichkeit ein Glas
Nein, gewiß nicht!"
Für mein Gefühl ohne Zweifel,
und das entscheidet."
Tn wirst erfahren, daß Tu irrst."
Nicht, wenn ich Tich begleite."
Ich verlange Gehorsam!".
Meine Wahl ist getroffen."
Tu hast keine Wahl zwischen Dei
nem Vater und Deiner Stiefmut.
ter."
Das Wort kam ihm schwer über die
Lippen. Als es gesprochen war,
schien er selbst darüber zu erschrecken.
Dann aber warf er den Kopf zurück
und sah ihr herausfordernd in das
erhitzte Gesicht.
Katharina hatte bisher geschwie
gen. Es war, als ob sie die Süßig
keit dieses Labetrunkes bis zur Neige
auskosten wollte. Die Augen glänz
ten ihr wie verklärt. Jetzt aber löste
sie MilaS Arme sanft von ihrerSchul
ter und sagte mild: Dein Vater hat
doch reckt. Liebste. Zwischen ihm und
mir hast Du keine Wahl. Icksbin nur
Deine Stiefmutter, und bald werde
ich auch die nickt mehr sein."
Du bist nieine Mutter," rief
Mila aufgeregt, in meinem Herzen
meine Mutter, und das Herz mackt
solchen Unterschied nicht. Wie ein
Kind seine Mutter liebt, so liebe ich
Dich, so werde ich nie aufhören, Tich
zu lieben. Was wäre ich jetzt, wenn
Du Dich nicht meiner so treu ange
nommen hättest? Eine Verworfme,
die sich vielleicht nicht einmal ihres
Elends bemußt wäre. Ja, eine Ver
worfene, Vater! Denn ich hatte kei
nen Halt in mir selbst, taumelte in?
Verderben! Und Tu hättest niich
nich t retten können. Besser wäre
mir's gewesen, früher Tod hätte mich
vor einem Leben der Schande be
wahrt. Wenn ich zurückdenke ....
Mir schaudert. Und daß ich nun ge
gen alle Versuchungen gefestet bin,
daß ich weiß, keine Not des Lebens
könnte rnich zu einer Erniedrigung
vormir selbst zwingen" sie ergriff
wieder Katharinas Hände das
danke icü Dir. und deshalb bist Du
MW
j
i lVJl I
I 'llHv$l
einfaches Bier bestellte, aber nur da
ran nippte und cs dann zur Seite
schob. Es schmeckte dem Verwöhnten
nicht. Er streckte die langen Beine
unter den Tisch und bot Kriiz aus
einem silbernen Etui eine Zigarette
an. Kriiz dankte: cr rauchte nur dann
und wann eine Zigarre, die nicht
aus der Havalia war.
Herr von Tierksen war sehr gc
sprächig. Aber er sprach viel in ah
gebrochenen Sätzen und lies; hänfig
ganze Worte fallen. Er erschien im
mer zerstreut. Tas brünette Gesicht
war hübsch zu nennen, auch nicht
geistlos: doch es flackerte in den Au-!
gen ein unmhges Licht.
Schon nach wenigen Minuten
wußte Kruz die ganze Lebensge
schichte feines Nachbars. Tierksen
war vierundzwanzig Jahre alt und
mit achtzehn als Junker bei einem
altberühmten Kavallerieregiment
eingetreten. Aber er war mir we
nige Jahre aktiver Offizier gewesen.
Sein Vater erkrankte plötzlich an
einem schweren und unheilbaren Lei
den. Tie großen Betriebe im Saar
gebiet verlangten eine neue leitende
Hand, und auch in Niedewitz. fehlte
das Auge des Herrn.
Ta mußte ich den Abfchied neh
men," erzählte Egon. Herr von
Lobschitz. nichts ist mir schwerer ge
worden. Ich sehe nicht so aus. als
ob ich ein passionierter Soldat gewe
sell wäre, das weis; ich: aber ich war
es doch. Es machte mir viel Spasz.
und meine Rennpferde habe ich noch.
Sie interessieren mich mehr als alle
Kohlenlager der Welt. Aber
aber, na sagen Sie, was soll ich ma
chen? Mein alter Vater kämpft seit
Monaten mit dem Tode. Stirbt er.
dann weis; ich nicht ans noch en.i So
steck ich denn vorläufig die Nase in die
Landwirtschaft und dann soll es an
die Bergbauknnde gehen. Es ist zum
Verzweifeln langweilig.. Am liebsten
verkaufte ich meine Grnbe., und
legte mir eine Vollblutzucht in Nie
dewitz an. Aber ich weife nicht, was
ich tue. Seit ich den bunteil Rock aus
gezogen habe, finde ich keine graden
Wege mehr und tanmle nur noch,
durch das Leben ..."
Er versuchte wieder, an seinem
Bier zn nippen, nnd liest, sich dann
einen Kognak geben. An diesem roch
er aber nur und schob ihn gleichfalls
zur Seite. Hierauf rückte er inter
essierter an Krnz heran, der ziemlich
einsilbig blieb, und fuhr mit eigen-
tümlich mattem Lächeln fort: Ich
habe von dem seltsamen Verhältnis
gehört, in dem Sie. zu dem Gorgut
scheuer Majorat stehen, Herr Toktor.
Für alles so was, sagen wir für das
Außergewöhnliche, für das, was fich
nicht täglich ereignet, habe ich viel
übrig. Ich hasse die Tretmühle. Sie
können mir antworten, daß der Sol-
datendienst doch wahrlich eine Tret
mühle sei. Aber nein, Herr von Lob
schitz, für mich nicht. Er lästt mir
Zeit genug zu reger Abwechslung.
Aber die-5 öde theoretische Studium!
Ter Bergbau ist mir auch in der
Prans greulich. Ich schnappe nach
Luft, wenn ich unter der Erde bin.
Es ist sehr schwer. Sohn zu sein.
Eigentlich beneide ich Sie. Tie stän-
S3
meine Mutter und kannst nie aufhö
ren, es zu sein. Ich bitte Dich, weise
mich nicht von Tir! Ich will Dir
nicht eine Last werden, ich will arbci
ten, meinen Unterhalt zu erwerben
Tu hast mich's ja gelehrt." Ihr Blick
wurde drohend. Wenn Du mich
aber nicht mit Dir zu nehmen wagst,
so wisse, daß ich gleichwohl nie die
Wohltaten einer Frau annehmen
werde, die mir in Wirklichkeit nur
eine Stiefmutter werden kann. Ihr
Reichtum blendet mich nicht. Ich will
nichts von ihr, als ihr auch ferner
eine Fremde bleiben zu dürfen."
Wie Tu mir eine Fremde werden
willst," eiferte Rutensteig. Denn
Tu wirst nicht glauben, daß zwischen
Tir und Teinem Vater Alles beim
Alten bleiben kann, wenn Tu Tich
ihm so feindlich gegenüberstellst. Ich
begreife durchaus das freundschaftliche
Gefühl, das Tu für Katharina hegst,
und werde nicht wünschen, daß es sich
je abschwächte. Wär's doch auch mir
das Liebste, wenn ich nicht aufhören
dürfte. . . . Aber das versteht sich ja
von selbst. Nichts wird Dich hin
dern, der öerehrteil Frau auch ferner
Deine dankbare Anhänglichkeit zu be
weisen. Tu sollst, wenn sie Tich aus
nehmen will, Wochen und Monate
lang ihr Gast sein dürfen. Nur diese
trotzige Abwendung von mir ertrage
ich von meinem einzigen Kinde nicht.
Gehst Tu mit mir, so wird Katharina
Tich nicht verlieren. Gehst Tu aber
mit Katharina, so werde ich Tich vcr
lorcn haben. Tenn von ihr kannst
Tu nicht zu mir, wie von mir zu ihr.
Til brichst Tir selbst die Brücke ab,
und ich kanil s'.' Tir nicht mehr baueil.
Taö bedenke."
Tas habe ich bedacht, Vater," ant
wortete Mila fest. Und doch ich
kann nicht anders. Nach dem, was
geschehen, Vater, kannst Tu mir nicht
sein, was Du mir warst. Und ich
in der Nähe jener Frau was wäre
ich Dir, als ein ewigerVorwurf, wie
ich mich auch verhalte. Nein! Es ist
besser, wir tun sogleich, waö später
Wiv kaufen Liberty Bondö
Wir bezahlen Bargeld für Liberty
Bonds. Ferner- kaufen wir Ihre
Eouponbücher oder teilweise Ab
Zahlungen. Wir haben Geld bereit
liegen für Ankauf von Libertn
Bonds bis 8 Uhr jeden Abend in
Thos. B. Morrison & Co.
167 Jefferson, nahe Woodward.
Zweigoffice auch im Ford.Markt.
3033 Woodward Avcnue. im er
sten Stockwerk. Ebenso Zweig
officc in 1076 Jos. Campau in
Hamtramck.
dige Aufregung, in der Sie sich be
finden, muiz doch köstlich sem . . .
ru lackte henlidi. Verehrter
Herr von Tierksen, zunächst bin ich
gar nicht aufgeregt. Gott sei Dank,
ich habe leldliche Nerven und eine
starke Tofis von Wurschtigkeitsge
fühl, wie Bismarck sich ausdrückt.
Fällt mir das grojze Los nicht m den
Schofe, so begnüge ich mich mit dem,
was mir das Schicksal zuwirft. Aber
weiter: einem nervösen Menschen
wünsche ich das köstliche" Empfin
den einer solcken Seit des angenö
und Bangens doch nicht. Es hat seine
Schattenseiten. Es erinnert an .an
talils und an cnen Traum von
einem auten Tiner. während man
mit hungrigem Magen schlafen ge-
gangen ist."
sorlsctsiing folgt.)
llm Niilkcnschmcrzcil
zu vertreiben
Reiben Sie Lumbago, Schmerzen und
Steifheit mit St. Jacobs
Liiliment" aus.
Wenn Ihr Rücken wund und lchm
ist oder Lumbago oder RheumaN.
mus denselben steif machte, dann lei
ben Sie nicht länger ! Kaufen Sie ei
ne kleine Vcrsuchsflasche vom alten
ehrlichen St. Jacob's Oel" in irgend
einer Apotheke, nehmen Sie etwa? da
von in Ihre Hand, reiben Sie den
Rücken damit ein und während Sie
nun fünfzig zählen sind die Schmer
zen und die Steifheit verschwunden.
Bleiben Sie nicht verkrüppelt! Die
ses weiche, durchdringende Oel braucht
nur einmal gebraucht zu werden. Es
beseitigt die Schmerzen sofort und
damit das Elend. Es wirkt magisch,
ist jedoch absolut harmlos und ver
brennt die Haut nicht.
Kein anderes Mittel beseitigt Läh.
mung, Sciatica, Rückcnschmerzen oder
Rheumatismus'.sa' prompt. Es ist
immer zufriedenstellend. mi,sa
C. R.Ifiüllera Johne
75 Shell,!, Straße.
Maschinisten n. Schlosser
Spezialität: Maschinen werden ge
baut.' geändert und verbessert
I Uavelle
doch unausbleiblich ist. Wie ich denke,
weißt Tu und das steht zwischen
uns." Sie legte den Arm um Katha
rina und wendete sich ihr zu. Ist
Tir's nicht auch ein bißchen lieb, daß
ich mit Dir komme, Mütterchen, und
macht Tir's das Scheiden nicht leich
tcr? Tann will ich mich freuen, daß
ich dem Vater einen Teil scinerSchuld
gegen Dich abnehme. Laß mich mit
Tir gehen!"
Sie blieb dabei, was Rutensteig
auch einwendete. Es ergab sich nun,
daß auch ihre Sachen schon größten
teils gepackt waren. Tcr Maler nahm
kurzen Abschied und ging in sein Ate
lier hinauf, bevor Frau und Kind
noch das Haus vcrlafsen hatten.
Acht Monate waren vergangen.
Frau Katharina und Mila lebten an
einem kleinen Ort, wenige Meilen
von Berlin entfernt, sehr still und zu
rückgezogen. Sie hatten dafür ge
borgt, daß Rutensteig ihren Aufent
halt kannte. Katharina erwartete je
den Tag eine Nachricht von seinem
Anwalt oder eine Vorladung des
Schiedmanns, der, wie sie wußte, erst
den Versuch eines Ausgleichs zu ma
chen hatte, bevor eine 5ttage vom Ge
richt angenommen werden könne. Sie
hatte so lange vergeblich gewartet.
Aber auch Rutensteig selbst schrieb so
wenig an sie als an Mila eine Zeile.
War er auf Reisen gegangen?
Wenn er aber auch die Abficht gehabt
haben konnte die neue Heirat nicht
zu übereilen, so mußte es doch sehr
ausfallend erscheinen, daß er nicht erst
die doch immerhin verdrießliche Schei
dung so bald als inöglich hinter sich
brachte, um freien Kops zu gewinnen.
Auch die Baronin mußte wünschen,
ihn bald jeder Fessel ledig zu sehen,
um ihn als ihren Verlobten 'in die
Gesellschaft einführen zu können.
Sollte sich das Verhältnis so lange
im Geheimen fortsetzen lassen, und
welcher denkbare Grund zu einem sol
chen Wagnis war vorhanden? Das
Zögern wurde immer rätsellzastcr.
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l'Ä24f v ims
AnzeiM in der Adendvost dringen Resultate
von Nrnst
So fern die beiden Frauen sich von
jedem geselligen Verkehr hielten, so
wenig verschlossen sie sich doch in ihrer
kleinen Wohnung und dem dazu ge
hörigen Gärtchcn ängstlich vor der
Beobachtung' der Kleinstädter. Som
mergäste, selbst solche von auffallen
dem Schnitt, waren diesen übrigens
eine gewohnte Erscheinung, da der in
einer hügeligen Waldgegend gelegene
Ort, als ein beliebter Ferienaufent
halt gelten konnte. Freilich war es
jetzt außer der Zeit" ; aber es kam
auch sonst vor, daß Damen, denen nur
mäßige Mittel zur Verfügung stan
den,' den Vorteil einer sehr billigen
möblierten Wohnung ausnutzten.
Ganz unbeachtet blieben diese Beiden
doch nicht trotz ihres sehr bescheidenen
Auftretens. Katharina ging meist
schwarz gekleidet und wurde für eine,
Witwe gehalten, obgleich sie der Bür
germeisterei nicht als solche angemel
det war. Besonders aber zog Milas
eigenartige Schönheit die Augen der
Leute ungewollt auf sich. Ter Vater
müsse ein Südländer gewesen sein,
meinte man, .denn mit der Mutter
fehlte jede Ähnlichkeit. Man sah
Beide fast täglich aus den öffentlichen
Promenaden, und wer etwa daraus
ausging, konnte Mila häinig auf dem
Wege nach der kleinen Leihbibliothek
des Städtchens begegnen, die von den
Tamen sehr eifrig benutzt zu werden
schien.
Dann war Frau Rutensteig einer
gekündigten Hypothek wegen genötigt
worden, den Rcchtsanwalt nufzu
suchen, und Mila hatte sie dorthin
begleitet. Toktor Rettlii'.g zeigte sich
sehr crfreut. die Bckanntschair der
Tamen machen zu sönnen, ini bat
sehr bald um die Erlaubnis, sie seiner
Mutter, einer Predigerwitwe, vorste!
len zu dürfen, die ihm die Wirtschaft
führte, da er unverheiratet war. Die
alte Dame bewies ihnen das freund
lichste Entgegenkommen, und so wur
den Beziehungen angeknüpft, die den
aesckäftlicken Verkehr überdauerten.
Die Damen besuchten einander, und
M I I F1S Ma, ,5e.i
V m- 5 Abend- 15.255.
Bauellle 3.-00. 7:13, 9:30; Pikture 1-4-6:30.
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9--
Doktor Rettling versäumte nicht leich
die Gelegenheit, die Gäste seiner Mut
ter zu begrüßen oder diese abzuholen
wenn sie zu Gast gegangen war. E;
konnte gar kein Zweifel sein, daß c,
sich für Mila sehr lebhaft interessierte
ES hatte sich von selbst verstanden
daß Frau Katharina den Anwalt ir
ihre Verhältnisse wenigstens ober
flächlich einweihte. So wußte er nun
daß sie von ihrem Manne gctrenn:
lebte und auch aus welchem Grund,
dies geschehen mußte. Es war ihn
auch begannt, daß Mila die Stieftoch
ter war. Er erbot sich ganz uneigen
nützig, die Sache der gekränkten Frai
zu führen, wenn sie ihm dazu Voll
macht geben wolle, mußte sich abci
überzeugen, daß von ihrer Seite zu,
Lösung des Bandes nie ein Schritt ge.
tan werden würde, so entschlossen sie
sich auch aussprach, ihres Mannek
Wünschen nichts in den Weg zu stel
len. Es blieb ihm da nun auch in
dem Verhältnis Milas zu ihrem Va
ter und zu ihrer Stieftochter manches
unklar, aber die gesamte Lebenshal
tung der beiden Tamen ließ ihm sei
nen Zweifel an deren Achtbarkeit, und
auch seine Mutter, die sonst sehr vor
sichtig ihren Umgang wählte, sand sich
nicht veranlaßt, ibn durch Bedenke,
zu beunruhigen. Mila hatte in ihrem
Wesen etwa? Ernstes und Abgegrenz
tes, das auf Charakter schließen ließ,
nnd besonders gefiel ihr's, db ein c
schönes Mädchen keine Ahnung von
d?r Mamt seiner Reize zn hzücn schie:,
und auch bei sirel-.güer Be.'bchtnn.i
keine Spur von sb5cll:rie zu erlen
nen gab . Tarin, wie sie ''ich üusz?r!k
und wie sie in jedem Fall h!'.!)e!l?.
ivar ein Gninozug von Äcdiege:'h'it
iu.l zn verkennen, und die zärtliche
Sorge, die sie der verehrten und vi
fcnbar tief bekümmerten Stiefmutter
zuwandte, bewies eine sehr vornehme
Liebenswürdigkeit, zu der man unbe
dingtes Vertrauen fassen mußte. ,
(öortsctzunz folgt.)

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