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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, May 12, 1918, SECOND SECTION, Image 13

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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oftisson d'amour.
Ginc Iufiiäc Reiseerinnerunz
von (5 d i t h R e u m e r l.
Es war in dem goldenen Zeitalter
der Postillone in den herrlichen ent
K'ck.vundenen Tagen der Romantik.
ßt war cchtjehn Jahre alt. ein neu
Sebaciener Student, bald schwärme
risch gestimmt, bald übermüthig wie
ein Füllen und geneigt zu den tleinen
heitcrnAbenteuern. von denen di?W:1t
so schioindelnd voll ist. wenn man nur
Jugend und Humor genug besitzt, um
s.e im Fluge zu erHaschen.
Xvx gelb breitspurige Wagen mit
seinem rotden Postillon rollte vor das
Pcsthaus in Taeby. Ter Postillon
schwang sich vomBock. schlug die sch.re
re Wagenthür aus und tutete in sein
'Holz Horn.
Tie Leute in (-aeby drehten sich in
ihren Betten um. Na die Uhr war
al'o zwölf. Und sie schnarchten weiter.
Ter junge Student kam aus dem
Posthau und sprang leicht wie eine
Feder in den Wagen.
Es war zur Zeit der hellen Nächte.
Doch die hellen Nächte sind in Däne
mark zuweilen sehr dunkel, und er war
sich nicht gleich darüber klar, ob er der
einzige Paffaczier war. Ja dem
Himmel sei Dank! Er war allein. So
tonnte er ein ordentliches Schläfchen
tun.
Er hatte grade sein weniges loses
Gepäck und sich selbst tief in der war
irrn Wagenecke zurechtgelegt, als der
Postillon im letzten Augenblick die
Tniir aufriß. Zw verspätete Pafsa
giere, zwei Dirnen soviel konnte er
ii der Dunkelheit unterscheiden
wollten noch nach Aalborg mit, Mut
:c: und Tochtcr. wie sich bald feststellen
htl.
Alvida, ceeile dich doch, mein
Kind. Es ist höchste Zeit. Und sei vor
sichtig, beb' dM Rock gehörig hoch, den
!e dran, daß zu ein feines Helles Kleid
anhast, und diefe Postwazcnräder sind
Skwöhnlich nicht sehr sauber."
: Madame kann ganz ruhig sein.
DerWagen ist eben gewaschen und ein
geschmiert," sagte der Postillon.
-Ja, eingeichmicrt. das will ich
glauben sagte die Dame bissig.
Das fürcht' ich ja grade wird meine
Tochter auch werden."
Ter Student drückte sich tief in die
Ecke, um den Damen Platz zu machen.
Aus o:mSchlaf würde nun doch nichts
we'den! Nachdem derWagenschlag mit
einem wüthenden Knall zugeschlagen
worden war. ;rnahm er nun zum er
sten Male auch die Stimme der Doch
ter. Einen entzückend schalkhaften Ton
hatte sie.
" .Hast du gehört, Mama, daß er
dich .Madam:" titulirt hat? Nun ja,
Papa, ist jaauch,nnr Gymnasiallehrer,
I so gebührt dir nichts Besseres."' .
' Ein naseweiser Burscke!" antwor
tetc die Mutter und ließ sich schwer wie
ein Sack in die nächste Ecke fallen.
Für den Studenten war die Situ
ation ein wenig peinlich, denn die bei
den Damen litten offenbar keine Ah
r.ung, davon, daß sie nicht allein wa
ren. Er fand ;s daher in Verordnung,
fein: Anwe'.:heit durch ein Hm!"
zu erkennen zu geben.
O Gott, hier ist jemand!" rief die
kejahrtere der beiden Damen. Man
seht ja nicht die Hand vor den Augen
in diesem schrecklichen Rumpelkasten."
Sie schlug mit der Hand in die Luft
und traf den 'Studenten nachdrücklich
zwischen Nase und Augen, da dieser
sich vorgebeugt hatte, um die Damen
zu begrüßen. Nach einer so intimen
Berührung war die Vorstellung bald
erledigt. Sie entschuldigte sich wegen
ihres Attentats, und der Student ver
sicherte galant, daß weder seine Augen
noch seine N?!e Schaden genommen
hätten. Er erzählte, daß er sich auf
ner Ferienreis nach einem Gutshof
bei Aalborg befände, und die Damen
sagten, sie befanden sich auf einer ähn
lichen. . .'
In seiner i-igendlichen leicht ent
zündbaren Patasie stellte er sich na
tätlich die junge Dame, die an seiner
linken Seite -'aß. als ein Wunder von
Schönheit vor. Sehen konnte er sie ja
nicht, und so hatte seine Einbildung
den weitesten Spielraum. Und dann
diese Stimme. Die konnte man sich
nur in einem schönen Körper denken.
Ter frische. nsemeise Ton ließ anneh
wen. daß sie jo ein lustiges, neugieri
ees Stülpnäschen hatte, wie er es be
sonders liebte.
Tie Unierhviltung zwischen ihnen
war bald im Gange. Tie Mutter hielt
sich sebr zurück, als habe sie das richti
Zt Gefühl, sonst lästig zu werden. Im
mer seltener wurden ibrc nichtssagen
den jeweiligeil Bemerkungen, die wie
nüchterne P?sa hineinklnzen in die
jubelnd; Poesie dis'er Sommernacht,
und ncich einer halben Stunde war
des Studente.i heimlicher Wunsch er
füllt: ein verhältnißmäßig heftiges
Schnarchkonzrt war fortan der cinzi
ze Beitrag, den sie noch zur Unterhal
tung lieferte.
Man muß zugeben, daß die Situ
ation delikat war. höchst delikat. Einer
von den glücklichen, nur allzu seltenen
Zufällen des Lebens. Und dieses be
nerdenswertlxe Los hatte einen Mann
getroffen, der fein fast unbegreifliches
Glück zu schätzen und auszunützen
wußte. Er entfaltete seine ganze ange
korene Liebenswürdigkeit. Wie bans
Un war er nun für die Tüte kandirter
Leckereren, die ihin 'seine kleine Kusine
verehrt hatte. Sie ersetzte ihm eine
Menge zeremonieller Einleitungsphra
stn. Und die schöne Unbekannte offen
sarte einen Appetit für kcmdirteFrüch-
te, wie er iä kaum zu hosfcn gewagt j
hätte, ; (
Wovon sie sprachen? Ach, nxnn er .
das wüßte! Das meiste war natürlich
ein thörichtes Gerede, wie Verliebte rs
so reizvoll finden. Ach ja, er erinnerte '
sich noch, daß er sich in eine tiefsinnige
Erörterung darüber einließ, inwiefern
man annehmen darf, daß die Tlziere
eine Seele haben, und daß er dabei ,
mit der Fertigkeit eines Taschttspie
lers den Handschuh ihre: rechten Hand
auszuknöpfen suchte, und das geschah
so selbstverständlich und so ganz ohne
Widerstand von Seiten der schönen I
Uebckannten, cls stände die Frage der j
Thierseele in allerengster Verbindung
mit dem Aufknöpfen von Tamenhand- j
schuhen. Ais er cö endlich am. Schlüsse i
seines Vortraget als eine absolute '
und unev''chüterlicl)e Wahrheit fest- 1
stellte, daß auch das stumme Thier eine !
Seele besitzt, lag ihre rechte Hand in '
ihrer linken, während er mit seiner .
andernhren Handschuh in seine Rock
tasche praktizi5tc als sin Liebespfand,
oas ihm kein: Macht der Welt je ent
reißen sollte.
Wie weich und klein erschien ihm
ihre Hand, ihr: Weiße leuchtete ihm zu
durch die tiese Finsterniß des Wagens,
er führte sie an seine, Lippen und hielt
sie lange zärtlich an seinen brennenden
Mund. Er war im Zcnith der Begei
sterung.er tüß!e sie wieder und wieder,
während er mir verzehrenderSehnsucht
und äußerster Spannung den Anbruch
des Tages im Osten erwartete, damit
er die ganze Schönheit der Geliebten
im klaren Lichte erschauen könne.
Sie versuchte nicht, auch nur den
geringsten Widerstand zu leisten. Sie
ließ sich auffallend leicht und gern be
siezen. Tas wunderte ihn doch nur
für einen kurzenAugenblick. Es dräng
te sie wohl, wie ihn selbst, ihren bren
nenden Durst zu stillen nach ein wenig
Poesie in diesem Jammerthal der Pro
ic, und sie war wohl halb wider
ihren Willen .:nd ihre jungfräuliche
Keuschheit überwältigt von der
Kühnheit, mit 'ctr er vorgegangen war.
und fürchtete wohl am Ende, daß er
in feinem ger:chten Zorn Skandal ma
chen könnte, wenn sie sich nicht ergeben
jeinem männlich kecken Willen und
sein stürmischen Leidenschaft beugte.
Wer weiß vielleicht war auch sie be
zaubert von dem Klang deiner Stim
me.wie er von dem der ihren. Genug,
sie ergab sich in ihr Scbcksal und ließ
ihn ruhig rar.' Hand behalten, die er
plötzlich, von einer instinktiven Furcht
gepackt, nervöö untersuchte, um sich zu
überzeugen, ob sie nicht etwa die gol
fone Fessel am vierten Finger trug.
Himmel, habe Dank! Sie war frei!
frei!
Er sah sie bereits als seine ihm vor
Gott und Menschen gesetzmäßig ange
traute Gattin. Sein: balbtrunkene
Phantasie zauberte 'seinem innelenAu
ge das Bild riner glücklichen Ehe und
einer reichen Nachkommenschaft vor.
Ach. wie würde er dieses entzückende
kleine Wesen vergöttern, es auf Hän
den tragen von morgens bis abendZ
und es füttern mit dem Inhalt etner
unendlichen Reihe von Tüten mit kan
dirten Früchten.
Sie sprachen nicht sie waren, in seli
ces Schweigen versunken. Er hakte den
Arm um ihren geschmeidigen Rücken l
praktizirt, und vertrauensvoll legte sie
den Kopf an seine Brust.
Die Mutter schnarchte weiter, ohne zu .
ahnen, daß das Schicksal ihrer Tochter i
in dieser stillen schmachtenden Nacht
entschieden worden war.
Da begann der Horizont hinter isei
nen Höhen den matten Lichtschein an
zunehmen, der den herannahendenTag
verkündet. Sein Herz klopfte immer
gewaltsam r. Sie bemerkt seine wach
sende Unruhe und sie begriff die Ur
fache. Sie war selbst gespannt und be
nommen. Und ganz sacht hob sie den
Kops und blickte auf zu seinen männ
licheil Zügen. Und beim ersten Schein
der rosensinzrigen Eos trafen sich ihre
Blicke, und instinktiv und plötzlich er
hob er sich mit einemRuck und entfern
te ihr liebenswürdiges Antlitz ein we
izig von dem seinen. Ein kalter Schau
er überrieiselte ihn. der beim Nacken
Wirbel begann und seine Ruhe fand,
ehe er seinen 5.anzcnKörper bis hinab
m die groß: Zehe paxt hatte.
Fräulein Alvida bemerkte sein Ue
belbefinden. Sie wandte das Gesicht
nach dem Fenster auf der andern Seite
und erblaßte, während die rosenfing
rize Eos mehr und mehr erröthere.
Ihr himmlischen Mächte! Warum
mußte er s hart gestraft werden? War
seine Schuld wirklich so groß?
Er betrachtete mit tiefem Weh Al
vidvisNse. Ach es war keineStülp
nase! Sie war breit und flach mit zwei
kreisrunden, weit offenen Nasenlö
chern. Ihr Mund war viel zu groß
und ihre Kinnbacken in einer Weise
entwickelt, die iiic unbezähmbare Eier
nach kandirt'n Früchten rechtfertigte.
Er war stumm und er blieb
stumm. Er fühlte einen schier unübcr
windlichen Drang, dieWagenthür auf
zureißen und allem zu endschlüpfen,
kinaus über die Heiden und Felder.
Doch der Turm der Rudolfi-Kirche
zeigte sich bereits. Aalborg konnte nur
noch eine Vierttlmcile entfernt fein.
Nein er wollte die Qual aushalten
wie ein Held!
Endlich, endlich rollte der Wigen
über die Ste.brücke der Stadt. Und
die Mutter erwachte. Sie rieb sich die
Augen, und als sie über die Situation
klar wurde und die Sache überlegte,
betrachtete sie ihre Tochter und den
Studenten mit enem forschenden Blick.
Da sie jedoch weder in seinem, noch in
ihrem Minenspiel Grund zu Befürch
tungcn fand, war sie b-eruhigt
Na. ich fab' mal gut geschlafen!
Du wohl auch? Und Sie?"
. Ja ja!" antwortetederStu-
dent. icb, habe sogar noch obendrein
einen garstigen Traum gehabt!" Er
wußte ja, daß er in wenigen Minuten
ein freier Mam war, und das gab
ihm den Muth, sich als Brausewind zu
geriren.
Da hielt der Magen. Mit einem hef
tigen Griff riß derKutscher denSchlag
auf. DerStuvcnt lüftete dicMiitze und
wollte mit einem raschen LebewohlAb
schied nehmen. Fräulein. Alvida ver
gönnte es ihm nicht, so leicht zu ent
kommen. Hurtig sprang sie auf. stellte
sich ihm in den Weg. so daß sie die
Thür sperrte, und schien etwas im
Wagen zu suchcn;sie wollte sich an dem
Treulolsen rächen und setzte alles auf
eine Karte.
, Gott mag wissen wo mein einer
Handschuh geblieben ist." sagte sie mit
der unschuldisteil Miene der Welt.
Dein Handschuh?" schmollte die
Muttr. Hast du nun wieder deine
Htrndfchuhe verlottert?"
Ja. aber er muß hier sein Mama!
Ich hatte beide als wir in Saeby in
den Wagen fliegen." Und Fräulein
Alvioa wandte sich plötzlich nach dem
Studenten um. Die Erbitterung über
seinen schnöoen Rückzug machte sie
kühn. Wissen Sie nicht, wo er ist?"
' Nun," antwortet: er entschlossen,
Ihr Handschuh? Ist es nicht dwser
hier?" Die zugespitzte Situation gab
auch ihm Mute. und. als sei es die na
türlichste Sacke von der Welt, zog er
ihren Handschuh aus der Rocktasche.
Aber da erhob sich die Mutter von rh
rem Platz. Ihre Stimme zitterte vor
Aerger.
Der HandCchuh meiner Tochter!
Wie kommt meiner Tochter Handschuh
in, Ihre Tasche, mein Herr? Das ist
vielleicht geschehen, als Sie so garstig
träumten, wie Sie sich vorhin auszu
drücken belieöt.'n?" zischte sie.
Ja allerdings," antwortete der
Student, es muß gsschehen sein,
während ich rräumte."
Und mit einem raschen Sprung war
er aus demWagen und verschwand um
die nächste Ecke.
Ter Kachelofen.
Stizze von Fritz Müller.
4
Rickard Breitschmidt war Beamter
der Handelsbank. Schon an die zwan
zig Jahre oder so. Dort führte er das
Kontokorrent F bis H. Kunden, die
mit F anfingen, die mit G anfingen,
und Kunden, die mit 5) anfingen,
bildeten den Umriß seiner Lebensar
beit.
Das war nicht immer so. Richard
Breitschmidt war vwn Lande. Tort
war sein Horizont erheblich weiter,
als er noch ein Jung: war. Dann bog
sein Lebensweg, der Bildung halder,
in die Großstadt ab.
In der Großstadt gibt es keine Ho
rizonte. Nur kleine blaue oder wol
kige Quadrate oder Dreiecke giebt es
dort, die die Straßen aus dem Him
me! schneiden. Und Rickard Breit
schmidts Dreieck war umgrenzt von
F bis H. ,
War,, er traurig deshalb oder war
er zufrieden? Wie kann ich es sagen,
wa doch Richard Breitschmidt selber
es nicht wußte. Wenn man zwanzig
Jahre lang 5iontokorrente von F bis
H einträgt, so ist man weder traurig
noch zufrieden. Gemüthszustände ha
den keinen Platz zwischen F und H.
Und außerhalb von F, G und H?
Ach, -Richard Breitschmidts Jnteres
sen wurden mit der Zeit auch drau
ßcn immer enger. -Das kommt von
selbst so, daß man die Schablone des
Berufes auf die Straße, in die Woh
uung mitnimmt. In Richard Breit
schmidts Junggesellcnwohnung. Ein
kleiner Vogel im Käfig und ein alter
Salamander in einem Aquarium wa
ren dort die einzigen beiden Dinge,
die sich nickt von F und G und H
umgrenzen ließen.
Aber seine Freunde, sagt ihr. hatte
er denn keine Freunde? Freilich wa
ren da die Freunde, beruflich natür
lich. Durch diese aber ward er sicker
nickt aus seinem Trett geworfen. Ein
L-bis-M Mensch und ein R-bis-T-M'enfch
krempelt keinen F-bisH.
Mann um. Noch viel weniger -in
Stammtifchkrug beim Weißen Bä
ren". Gewiß, da waren noch die Bücher,
das Theater. Aber Richard Breit'
schmidt hatte wenig Siiin dafür.
Wen, man in seiner Jugend in dem
großen Buche lesen durste, das Natur
heißt, wenn man, stundenlang im
Gras liegend dem ewig wechselnden
Wolkentheater da droben zugeschaut
bat und die Rehe aus den Waldkulij
sen treten sah. steht man nicht mehr
lang: Stunden vor der Kasse, um ein
billiges Galericbillett zu ergattern.
So kam es, daß des Richard Breit
schmidts Leben immer mehr auf F bis
H zusammenschnurrte. Das heißt, er
selber wuß nichts davon. Allmählich
touchs er in das F bis H organisch ein
und nahm es als einSchicksal, welchem
jedermann verfällt.
Nur wenn er Sonntag Nachmittag
dem alten Salamander zusah und den
Vogel singen hörte, tauchten alte Bil
der auf. AlsKnabe lief er wieder durch
das Dorf m:t nackten Füßen. Als
übermüthiger Hosensenz fuhr er mit
seiner Haselgerte in die Gänse und
Enten und vermischte seine Feldherrn
stimme mit d?m jämmerlichen Geschrei
des Federviehs. Als Junge saß er wie
der im Gebäl? des a'ten Kirchthurms
bei der Uhr und ließ sich wohlig gru-
''eln.vcnn ?s zwölf schlug am helle, t
Mittag. Als Abenteurer zog er durch
das Mildmoos und war auf Du und
Du mit cllerlri Gethier. Als braver
Enkel' faß er in den langen Winter
abendswnden auf der Ofenbank und
borchte seinen runzligen Ahnel zu,
Nein, was hatte auch die Großmutter,
für unerschöpflich viele Geschichten er
zählen lönnen!
Aber, wenn cr's recht bedachte
nicht, was sie sagte, war es, was die
braunen runden Jungenaugen leuchten
machte, sondern wie sie's sagte. Diese
Stimme war es. die sich in der Heime
ligen Qfennische fing und von dort
aus wie ein raunendes Wassergeflüster
auf den Richard eindrang.
Da war es, daß er nur die Stimme
hörte und die Worte nicht. Zu der
.Stimme aber Kat er selber das, was
sein Auge während des Erzählens von
den Osenkacheln ablas. O, diese Ofen
kacheln! Bilder nxiren darauf gezeich
net und gemalt. Eine Fülle von Figu
ren schob sich dort herum. Und nur auf
jeder fünften Qfenkackel wiederholte
sich das Bild. Aber bis er die Bilder
der vier Qfenkackzeln mit der Stimme
seines Ahnels zu Gesa?ichten verwebt
hatte, kam ihm das sanfte Kachelbild
von neuem als ganz unerwartet vor.
Ein Gewcge gab das unvckn Durch
einandecschlingen. Ritter waren da
und Heilige, Löwen spazierten aus den
Kacheln wohlgemuth herum. Ein Gol
tel saß auf einem Löwen und krähte.
Ja, und dcinn loar eine Riesenschlangc
da. die wand sich über drei große Ka
ckeln hin, und aus der dritten züngel
ten drei feurige Zungen aus dem auf
gö'perrtenSchlangenrach:n. Dann war
ein Sonnenaufgang ta mit einer vier
eckigen Sonn.'. Jawohl, einer vierecki
gen Sonne. Er sah die vier Sonnen
. ecken heute noch, wenn er die Augen zu
machte. Dis Schönste aber waren die
Blumen auf den Ofenkacheln.
Es war, schon richtig: solche Blumen
gab es nirgendwo aus Feldern und n
Gärten. Wenigstens, hatte er. der Ri
chard Breitschmidt, noch niemals Bin
men mit menschlichen Gesichtern geic
hen Mädchenblumen. Rittcrblumen.
Geizhalsblumen aber das war ja
doch das Feine, daß es solche Blumen
nur auf seinem Kachelofen gab. Eine
jede solche Blume war allein ein Mär
chen, das man freilich niemand erklä
ren konnte. Nein, das man selbst able
!'en mußte aus den wundersamen krau
sen Stricken.
Das alles 'iel demKontokorrentbuch
Halter F bis H bei der Handelsbank,
dem Richard Äreitschmidt. dann und
wann ein. wenn a am Sonntag nach
mittag ein wenig seinem alten Sala
mander zusah und wenn der gelbe Vo
gel sang.
Aber eines Tages starb der gelbe
Vogel und eine Wock? darauf der alte
.Salamander., Da fiel dem Richard
Breitk'chmidt nichts mehr ein am
Scnntagnachmittag. fondern er ging
schon ein wenig früher zum Bier als
sonst. Und beim Bier im Weißen Bä
ren" beiBerufsgenoen Kai man wabr
haftig anders zu sagen, als von Bil
dern auf alten Kachelösen zu berichten.
Und so wäre der alte Kachelofen tot
gews'en. hätte er nicht einesTages doch
wieder unvermutet vor ihm gestanden.
Und zwar nicht nur in der Erinnerung
sondern leibhastig. Das kam aber so.
Die Handelsbank bekam mit einem
Kunden einen schwierigen Prozeß. a
galt es. die Kontokorrente längstver
gangener Jah.-e nachzuschlagen. Tie
lagen auf dein Speicher droben. Des
Kunden Name aber fing mit G an,
i'd so kam es, daß der Richard Breit
I'chmidt selbst auf diefen Speicher ge
hen mußte. Er stöberte in alten Rega
len. fand aber nicht das Rechte. Ob
noch ein anderer Speicher da sei. frag
te er den Hausverwalter.
Ja, sagte der. die ganz alten Sachen
seien auf dem Speicher d:s Haufes ne
benan. dem früheren Palais der Wol
kcrsdorfer Frerherrn. Und es führe
von demBankspeicher eine schmaleThür
durch die Brandmauer. Hier sei der
Schlüssel dazu.
Dort sand der Richard Breitschmidt
was er suchte. Aber noch etwas anders
fand er dort, was er nie und nimmer
dort gesucht hitte. DenKachelofen fand
er. Nicht einen beliebigen Kachelofen,
'sondern den 5lachelofen, wenn auch
zerlegt in seine Theil r.
, Daß es nicht der Kachelofen seiner
Jugend in naura sein könne, sondern
etwa ein zweiter Ofen von demselben
Ofenöauer, hätte er sich sagen müFen.
Aber er sagte nur:
Mein Kachelofen, mein lieber alter
Kachelofen!" Weiter sagte er nichts.
Sondern er ing auf ihn zu und strei
chelte vorsichtig über die alten bunten
Kacheln mit den sonderbaren Malerei
en. Seine Phantasie fügte die alten
lieben Kacheln wieder zusammen. Die
alte halbkreisrunde Nische sah er wie
der. Des runzeligen Ahneis Stimme
hörte er wieder wie ein raunendes
Wassergeflüster. Und zu der Stimme
that er das, was seine Augen auf den
Ofenkacheln sahen, den Löwen und den
Gockel darauf, die Riesenschlanze und
die viereckige Aonne und die Blumen
mit dem Menschenantlitz Mädchen
blumen, Ritterölumen, Geizhalsblu
men ...
Es war schon Dämmer. als Richard
Vreitschmidt mit dem alten Konto
korrent in die Bureaus herunterkam.
Tas alteKontokorrentbuch trug er un
term Arm. Unterm Herzen aber trug
er seinen Kachelofen. So schwer der
war. er trug an ihm nicht schwer. Im
Gegentheil, es war ihm leichter, als
seit Jahren.
Fröhlich wanderte er an diesem Ta
ge nachhause anstatt in den Weißen
Bären". In. einer Ecke seines großen
Wohnzimmers saß er und schaute in
die andre Ecke. Die war aber so arg
leer, dachte er. Da konnle man ganz
gut etwas hinstellen, damit es nicht
mehr gar so leer in seinem Zimmer
aussah.
Aber was stellte man da wohl am
besten hin? fragte er sich scheinheilig,
als hätte er dieAntwort nicht schein vor
der Frage über den Bergen leuchten
sehen. Ja, ja. der Kachelofen hätte dort
wohl Platz gehabt.
Ein wenig fuhr er dcch zusammen.
Welcher Kachelofen? ' Doch 'nicht der
fremde Kachel ifcn im Speicher im Pa
lois der Freiherrn von Wolkensdorf?
I bewahre, sein Kachelofen selbstver
stündlich, nicht ein fremder.
Am andern Tage bei Geschäfts
schluß trug d.'iKontokorrentbuchhalter
F bis H das altel Kontokorrentbuch
wieder an seinen Patz
Den Schlüssel, bitte!" sagte er zu
dem Hausverwalter. Tann ging er bei
der Garderobe vorbei und blieb einen
Augenbick steh'N.
Eigentlich kann ich meinen Havel ok
schon gleich jetzt anziehen, sagte er sich,
legte ihn eilig um und sprang die alte
Treppe zum Speicher hinauf.
Als er wieder herunter kam, trat er
mit dem linken Fuß etwas fester auf,
und auf derselben Seite bauschte sich
sein großer Havelok kaum merklich.
Den Schlüssel reichte e: dem Portier
durch das Schiebescnster seiner Loge,
dabei lächelte er.
Ich werde den Schlüssel jetzt nicht
mehr nöthig haoen.dachtc er. zumGlück
vergaß ich, zu).ujsperren.
Und dann ging er fröhlich durch die
dichtgefüllten Straßen. Unterwegs
trat er auf einen Augenblick in einen
offenen Hausgang ein und schlug ein
weilig den linken Flügel seines Have
loks zurück. In dem unocwissenSchim
mer einer Laterne gleißte ihm cntge
gen ein Löwe mit einem Hahn darauf,
der krähte.
Feierlich stellte er sich diesen Abend
in seinem Zimmer vor der großen lee
ren Ecke auf, w-arf den. Havelok mit ei
nem Ruck zurück und legte den
Grundstein zu einem späteren Kachel
glück. Was machen Sie da, Herr Breit
schmidt?" fragte iseine gutmüthige
Wirthin.
Es ist ein Andenken an meine Ju
gend," sagte :r, ich bitte um die Er
laubniß. Frau Rebendörfer, daß ich
nach und nach auch di: andern bringe."
Aber, Sie haben dcch den Heizkör
per dort von der Zentralheizung, ich
kann doch unmöglich einen Kachelosen"
Beruhigen Sie sich.FrauRebendör
fer. er soll nicht zum Heizen sein, nur
zur Zierde hier, sehen Sie!"
Und dann zeigte er ihr den sanften
Löwen mit dem krähenden Hahn.
Morgen bringe ich einen Ritter,
und dannSchlanzen und dannBlumen
Blumen mit men'chlichen Gcsich
tern, Frau R:öndörfer können Sie
sich das vorstellen? O, es wird wun
verschön!" Und eines Sonntags war es wirk
lich wunderschön in seiner Stube An
döchtig saß er vor dem Kachelofen,
ging liebevoll an ihm hin und her, setz
te sich wieder, befühlte die Kacheln,
streichelte den Löwen mit dem Hahn,
fuh: mit dem Zeigefinger der langen
Schlange über drei Kackeln nach, um
rahmte mit demselben Finger dicKon
turen der Ritler und dcrHeiligen, ver
tiefte sich i.. die meiii'chlichen Blumen
gesichter. setzt: sich wieder hin und
horchte einer eingebildeten Stimme
zu. die aus der Nische kam.
Und als späte? noch FraüRebendör
fer hereinkam, hätte er sie auf einHaar
zu einem Tanz vor dem Kachelofen an
gegangen. ,
" Bevor er diefenAbend schlafen ging,
sah er rock einmal nach seinem Kachel
ofen hinan?
Hm!" fazte er. eigentlich ist die
Feier ein wenig verfrüht, es fehleil
noch zwei Kachelil na, eine 'morgen
und die andere Dienstag oder soll
ich sie morgen, weil es doch die letzten
sind, gleich alle beide?"
Na. Herr Breitschmidt." sagte der
Kontokorrcntcuchhalter R bisT in der
Garderobe, Sie brauchen wahrhaftig
leinen Havelok mehr anzuziehen, jetzt,
wo's Frühling ist."
Sie haben recht," sagte der Ange
redete, von morgen ab lasse ich ihn zu
Haui'e."
Dann wartete er ein wenig, bis die
Garderobe leer war. und huschte ge
schwind die leere Treppe zum Speicher
hinauf.
Das letzte Mal, dachte er. wäbr:nd
er immer 5wei Sti.fen au, einmal
naam.
Als er herunter kam bauschte sich
sein Htirelck -iach beiden Seiten un
merklich. Di: lctzte Treppe stieg er her
unter. So fröAich wurde er dabei, daß
er halblaut ein Liedchen pfiff. Eben
wollte er an der Portierloge vorbeige
hen, da ging die Thür rasch auf. Eine
hohe Gestalt kam herein. Es war der
Direktor, der '.twas vergessen hatte.
Mechanisch sollte Herr Richard
Breitischmrdt mit der rechtenHand grü
ßen. wie er's immer that,
Rumpu-n klirr da lag die ei
ne Ofenkachel auf dem Steinboden in
Scherben.
Starr vor Schrecken fiel auch Herrn
Breitschmidts linker Arm herab.
Rumpum klirr da splitterte
auch die zweite Kachel auf dem Bo
den. Der Porter kam heraus. Ter Di
rektor maß den schlotternden Beamten
mit einem durchdringende Blick, er
blickte dann auf eine große Scherbe am
Boden, wo die Schlange eine dreifache
Zunge aus dem Munde streckte, und
hörte auf die erklärenden Worte des
Hausverwalters.
Nun. Herr Breitschmidt," sagte er, !
was haben Sie darauf zu sagen?" !
Es st meine Schlange", stotterte er, !
meine Blumen, mein Kachelofen.Herr j
Direktor!"
Kommen Sie mit!" donnerte der '
Direktor. Und Sie zeigen uns den
Weg!" fugte er. zum Portier gewandt,
hinzu.
Dann stiegen die dreiMen'chen über
die Treppen, aingen durch einen Spei- I
eher, durch eine angelehnte Thür auf '
den Speicher des alten Palais derer i
von Wolkensdorf. j
Und jetzt standen sie vor rohen Ton- '
röhren und ein wenig Lehm undStroh
tJs elenden Ueberresten eines Kachel- ;
oscnS, der in einer großen Stube auf
seine beiden !etzten Kacheln wartete.
Herr BreitZchmidt. Sie sind entlas
sen!" sagte der Direktor.
Die Früchte als Mittel zur Zahn
pflege. Die Reiisenden in südlichen Ländern
wissen oft nicht genug die herrlichen
Gebisse zu loben, die sie unter denEin
geborenen zu beobachten hatten und
die sie als allgemeine Erscheinung und
nicht wie bei uns als Seltenheit be
zeichnen. Sie sind in der Mehr
heit darin cinig. .aß die einfache,
früchtereictze Nahrung dieser Leute
die Ursache davon ist.' Obstesser ha
ben auch bei uns gute Zähne, und das
aus mehreren Gründen: einmal dient
das Obst zum Aufbau guter, kräf
tiger Zähne, und fürs andere ist das
selbe durch seinen Säuregehalt ein
kervorragcndes Zahnreinigungsmit
tel. Ich habe cs an mir selbst er
probt und meinen Zahnsteinansatz
schwinden setzen, als ich eine ordent
liche Obstkur begann. Auch Kräuter
rnd .Wurzelgemüse wirken Vortheil
haft auf die Zähne.
Durch ihren Gehalt an Nährsalzen
sind die Früchte von größter Bedeu
tung für die Erzeugung eines guten
Zähnmatcrials. Aber von wunder
barer Wirkung sind dieselben vor al
lern als zahnreinigende und desinfi
zirende Mittel. Hierüber sind einige
eingehende Erörterungen am Platze.
Wenn wir einen Apfel oder eine
Birne oder eine Traube genießen,
kommt die frische, schwellende Lebens
kraft, die sich in den Zellen der Früch
te birgt und die uns die Sonncnwär
nie darin gewissermaßen aufzöspeichert
hat, mit allen Zähnen, selbst den ab
gelegensten Eckeil und Winkeln in Be
rührung, puht den annschniel; blitz
blank und verscheucht die rranlveiter.
regenden Svalwile. Was aber die
sem ersten Angriff noch nicht erliegt,
das weicht der in riicttteil enthalte
neu alkalischen Säure. Diese Säure
vermag sogar dicke Schichten de bau
fig auf den, -'!alnisänel', sich feilsehen'
den Zatinsteinö einer kalkigen
Ä'ajse, die durch geringe Beschäl
gnng der betreffenden Zähzie entsteht
mit der Zeit aulilöse:,. Daß aber
der Zabiischmelz seldsr durch die Svli
ren nickt zerstört wird, daiür sorgt
das in der Zahnsubitan entbaltcne
Patron, welches die Eigenschaft bat.
Säuren zu binden, das heißt un
schädlich zu machen. Auch sorgt die
Natur bcreito durch die überaus seine
Vertbeilung der Säure in der frucht,
das; dieselbe den Zäbnen nickt ver
hängnißvoll werde. N,,r unsere Eiü
wöiukung von natürlicher Lebensweise
läüt uns zuweilen den Säuregebalt
einer Frucht im en'lcn Augenblick be
zieiiung?'weisc während der ersten
Zeit dcr.!ur unangenebin einvfiiiden.
Aeußert sich aber auch sonst eirnual,
wie z. B. beim Genusse unreinen t
fies, ein zu starker Saurere:;, so au
szert sich auch bereits die zarlo
Schleiniliaiit des Mundes als War.
iier. und bevor noch die Zähne davon
gefährdet werden, wird von dieser
Schleimbaut der Speichel abgeson
dert, welcher eine momentane Schutz
hülle sür die gereinigten Zahne bil
det.
Wir müssen also den dauernden
bstgemn; als das vorzüglichüc und
nattirgeinäßeste Mittel für die Erzeil
gnng, Erhaltung und Ncinsgung der
Zähne betrachten.
Der scharfsinnige Scknci
der. Rechtsanwalt: Also. Herr Müller,
der Studiosus Schlauch will Ihnen,
die Rechnung nicht bezahlen und Sie
wollen iefet 36 Schuld aorM
eintreiben. Haben Sie dem Schuld.
ner noch einmal die Rechnung über
reicht und ibn um Bezahlung er
sucht? Schneidermeister: Freilich, gerade
vorh'n."
Rechtsanwalt: Was sagte er da?"
Schneidermeister: Ganz wüthend
brüllte er mich an: Gegen Sie zum
Teufel!-
Rechtsanwalt: Nun, was war
Ihre Antwort?"
Schneidermeister: Ich sagte nichts
mehr, aber imtürlich eilte ich sofort zu
Ihnen. Herr Rechtsanwalt."
Kurz, aber gut.
In einer Schule wurde als Aufsatz
Thema gegeben: .Schilderungen der
Gefühle beim Bergsteigen." Viele
Schüler lieferten weitausgesponnene
Herzensergüsse. Einer aber faßte
seine Gefühle in den Satz zusammen:
Wenn ich nur schon oben wäre!" Un
ter lebhafter Heiterkeit des Lehrers
und der Schüler wurde diesem Auf
satz die beste Note zuerkannt.
Die öffentlichen Bibliothckcu j
in Amerika. j
Was öffentliche Bibliotheken anbc
trifft, so ist Amerika auch den ältesten.
Kulturländern der alten Welt erheb
lich voraus. Man muß diesbezüglich
nicht so sehr an die großen Bibliothe
ten denken, die mit einem Kostenauf
wand von Millionen errichtet worden
sind und die seltensten und theuersten
Werke in allen Sprachen enthalten,
wie an die kleinen Bibliotheken, die in
allen Theilen des Landes in allen gro
ßen und mittleren Städten und sehr
zahlreich sogar auch in recht kleinen
Städten exrstiren und es dem Publi
kum ermöglichen, gute Lektüre bequem
und unentgeltlich zu erhalten. Grade
diese tlcinen Bibliotheken sind es, die
den breiten Massen zugute kommen.
Tie großen Bibliotheken werden zwar
auch stark besucht, aber doch weniger
von dem großen Publikum, sondern,
von Leuten der Wissenschaft, die in den
dortigen Büchrschätzcn Jnformatio
nen finden, die ihnen sonst an keiner
andern Stelle oder doch nur gegen er
hebliche Kosten geboten werden könn
ten. während unsre ösfentlickzen Bibli
otheken bekanntlich frei sind. Der wich
tigste und segensreichste Fortschritt,
der in unsern öffentlichen Bibliotheken
gemacht worden ist. besteht wohl darin,
daß sich jedermann ein Buch ausleihcrr
und es daheim lesen kann. Alles, was
dazu nöthig ist. ein Buch zu erhalten,
ist die Unterschrift eines Besitzers von
Grundeigenthum, eine Unterschrift,
die überall leicht zu haben ist. Die
Zeitdauer, während der man ein Buch
zuhause behalten darf, ist reichlich be
messen. Für Ueberschreiten dieser Zeit
dauer sind allerdings einige EcntS
Strafe zu bezahlen.allkin das geschieht
nur aus dem Grunde, um ein rechtzei
tiges Wiederbringen der Bücher zu si
chern und davurch die Auswahl in derc
Bibliotheken itets möglichst reichhaltig
zu erhalten. Man hört von der Benut
zung solcher Bibliotheken im allgemein
nen nur wenig, aber wenn eine Stati
slik darüber eristirte,so würde man sich
wundern, in welch ausgedehntem Maß
sich das Publikum die gebotene Gele
genheit zunutze macht. Und wo es ir
gend angeht, werden in den entfernter
liegendenStadttbeilen und auch in den
Vorstädten Zweigbibliotheken einge
richtet, die sich sine? stetig zunehmen
den Inanspruchnahme erfreuen und
dadurch beweisen, daß sie einem wirk
lickem Bedürfnisse entsprechen. Man
findet auch in den kleinsten öffentlichen
Bibliotheken eine gute Auswahl der
Klassiker, mancke sogar in der Origi
nalsprache. populär wissenschaftliche
Werk: und gute Novellen, aber man
findet in ihnen keinen literarischen
Schund, der nachtheilig auf den Ge
schmack des Publikums einwirkt. Tie
früher in vielen Millionen von Exem
plaren vertriebenen Schundnovellen
sind, seitdem das Publikum gute Lek
türe umsonst haben kann, mehr und
mehr vom Büchermarkt verschwunden,
und mit ibnen die eschmacksvcrir
rungen. die bs'onders bei der Jugend
durch diese Art Lektüre genährt wur
den.
Solche Unwissenheit.
Die ländliche Zuhörerzahl war in
der Billage Hall versammelt, um
einen umherreisenden Redner mitan
zuhören. Der Versitzende gebot mit
einem Wink einer rctycn fetten Hand'
Schweigen und stellte der Versamm
lunz den Vortragenden vor. verkÄn
dete auch das Tyema des Vertrages,
welches ja vorher schon öffentlich an
geschlaaen worden war: Sport?
Riesen.".
Der Redner legte los, und je trittst
er sprach, desto beredter wurde er.
Er erzählte von den Männern, d.e die
meiischenfresseilden Tiger und di
furchtbaren Löwen und Elephanten
erlegten, kam dann aber auch auf die
berühmten Faustkämpfer zu sprechen,
und setzte sich schließlich nieder, mit
sich selbst und seiner Leistung zusrie:
den. Die Zuhörer hatten ibm gespannt
gelauscht. Da rief cner der Zuhöre?
vor:
Na. und sagen Sie nichts vork
Mr. Gribbs?"
Gribbs. Gribbs?' .sagte der R6d
ner langsam ausstehend.Jch entsin
ne mich nicht, den Namen schon ge,
hört zu haben."
So? Und da kommen Se hierher,
um uns etnxis von Sport-Riesen vor
zureden?" .schrie ärgerlich ein kleiner
Mann in der zweiten Reihe. Da
warten wir und warten wir daraus,
was Sie von ihm sagen werden,, und
Sie wissen nichts davon? Nlchts von
Mister Gribbs. der der Sekretär von
unserem Faukampf-Klub ist und seine
200 Pfund wiegt?"
Um Leben und Tod."
Ein vielbeschäftigter Arzt, der in
seinen vormittäglichen Arbeitsstundeu
unter keinen Umständen gestört sein
wollte, schärfte dem neuen Dienst
Mädchen ein. daß er für Niemand zu
Hause sei. Hören Sie, Marie, für
absolut Niemand, es sei denn, daß es
sich um Leben und Tod handelt."
Bald darauf klopste das Mädchen an:
Ein Herr wünscht Si: zu sprechen."
Habe ich Ihnen nicht klar und
deutlich gesagt, daß ich nur " ,
Das habe ich auch dem Hcrrn gemkl
det. der behauptet aber, es handle sicki
um Leben und Tod." NunegaH
sich der Arzt doch nach seinem Warte
zimmer, wo er sich einem Leben?
rersicherungs-Agenten gegenübcrsah.

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