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Detroiter Abend-Post. (Detroit [Mich.]) 18??-19??, December 24, 1918, Image 7

Image and text provided by Central Michigan University, Clark Historical Library

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Tcir-" -st. Dienstag, den '4. Tezember 1918.
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zufragen 413 Field Ave. H
Verlangt wird ein deutsches sähiges
zuverlässiges Dienstmädchen sür Ko.
chen und allgemeine Hausarbeit.
Auch ein Zimmermädchen sür zweite
Etage-Arbeit. Von auszerhalb der
Stadt schreibe man an 11 East
ttrand Boulevard. Detroit. Mich.,
sonst benutze man den Fernsprecher'
Apparat und rufe Edgewood 883.
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Verlaugt männlich.
Verlangt werden Jungen. 12 Jahre
und darüber, um die Abendpost
auszutragen. Nachzufragen in der
Office der Abendpost.
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Schnaps zieht Polizisten
oll.
Tie Tctektive isromlcn, Begg und
Wicsnewski von der Zentralstation
hatten am Ticnstagmorgcn eine glück
liche Hand, indem sie Schnaps iin
Werte von $1500 entdeckten.
Sie überraschten Sam Margolis,
Henry Wciiiicrlauö und Albert Sha
piro. als sie den Schnaps vor dem
Haufe No. 285 Brufh Str. auf ein
Automobil luden.
John French von dem Oricntal
Hotel wurde mit feinem Begleiter
Walter Becker von Long Lake, Mich.,
von einem Polizisten angehalten, der
i:, ihrem Automobil -150 Liter
Schnaps entdeckte. Tie beiden Man
i'cr wurden verhaftet.
Heilrietta Miller von No. 308 La
Sallc - Avenue verkaufte einen Liter
Sclmaps und der Polizist John ßcr
sie stellte eine Untersuchung an und
fand 36 Liter Schnaps in ihrem
Hause versteckt, die er beschlagnahmte.
Louis Johnson wurde verhaftet.
iI er Schnaps in einem Koffer bei
sich trug. Johnson behauptet, daß er
vcn einem Mann gemietet wurde, den
Messer zu tragen.
Postdienst am Weihnachts
. tage.
Poswieister William I. Nagel kün
digt an. daß alle Posrstationen am
Weihnachtstage bis 12 llbr mittags
geöffnet sein werden. Briefe, und
Paketckost wird in den Wohndistrikten
während des ganze Tages abgelte
fert werden. Entleerung der Brief
kästeil wird in der unteren Stadt ein
mal ainMorgen und einmal am Nach,
mittag? ersolgen und eine ollgemeine
Einsammwng soll' in der ganzen
Stadt gemacht werden, um 6:30 Uhr
morgens beginnend.
Die Suffragetten brüsten sich,
daß sie es lediglich auf die Stimmen
der Männer abgesehen hätten, nicht
auf ihren Namen, aber kluge Frauen
nehmen beides.
Das henrige Weih-
nachtsfest.
Besonders in deutschen
Kirchen wird es seier
lich begangen
Wohltätigkeitsvereinignagen
für die Arme.
sorgten
Anch Polizei bemüht, Arme mit
Borräten zn versehen.
Niemand sollte heute leer ausgehen,
ist die Parole.
In den Polizeistationcn der Stadt
wird es heute Abend hoch hergehen,
denn dort wird der Weihnachtsmann
erscheinen, um die armen Kinder der
verschiedenen Distrikte mit Nüssen.
Aepfeln und Zuckerwcrk. sowie kleine
rcn Spiclsachcn und ihre Eltern mit
Körben voll Lebensrnitteln zu besche
ren, die mit dem Erlös der Weih,
nachtssammlungcn durch die Polizei
Mannschaften angekauft werden könn
tcn.
Der jetzige Polizcikommissär Ernst
Marquardt ist der Begründer der Po
lizcilichen Wcihnachtsbcscherungen für
Arme der verschiedenen Distrikte. Als
er noch Leiter der Hunt.StrabcSta'
tion, vor einer Reihe von Jahren,
war. führte er diese Art des Begchens
des Wcihnachtsfestcs ein und seither
hat sie sich aus alle 'Polizeistationen
ausgedehnt. Besonders in der Zcn
tralstation wird heute abend der
grüßte Jubel herrschen, denn dieser
Distrikt hat die meisten armen Kinder
und armen Familien.
Aber auch alle anderen Vereini
gnngen. die sich das Bescheren armer
Familien zu Weihnachten angelegen
sein lassen, haben in diesem Jahre
wieder große Anstrengungen gemacht,
um dafür zu sorgen, das; niemand
leer ausgeht. Und die Heilsarmee
steht in dieser Beziehung nicht an der
letzten Stelle. Es ist berechnet wor
den, daß etwa 6000 Familien beute
abend mit Körben voll Eßwaren für
das Weihnachtsmahl ausgerüstet wer
den. außer deir Hunderten von Fa
milien, die durch die Polizei beschert
werden.
Heute abend soll vor der Citnhall
das munizipale Weihnachtsfest statt
finden, doch wenn der Wettergott bis
dahin kein Einsehen hat und dem un
anfhaltlichen Regen Einhalt gebietet,
so wird aus der Feier wohl nichts
werden, denn niemand wird es dul
den. die Kinder im Regen vor der
Eirnhall stehen zu lassen, um Weih
nachtslieder zu singen. Wettcrbeob
achter Eonger prophezeit zwar immer
noch ein weißes Wcihnachtsfest" und
erklärt, daß ein wirklicher Schnee
stürm sich auf dem Wege nach Detroit
befinde. Na, hoffentlich hat er Recht,
doch um die zweite Nachmittagsstunde
liegt die Wahrscheinlichkeit für das
Gegenteil vor!
Das morgige Weihnachtsfest wird
!in allen christlichen Kirchen Detroits
in althergebrachter Weise begangen
werden.
Besonders in den deutschen Kirchen
der Stadt, katholischen wie Protestan
tischen, tvrd der Gottesdienst in bc
sonders feierlicher Weise durchgeführt
werden und in den meisten Gottes
! Häusern werden Wcihnachtsbäume in
Hellem Lichterglanzc und buntem
Flitterfchmuck prangen. Das mnsika
ilischc Programm sür die morgigen
! Gottesdienste ist besonders in den ka-
itholischen Kirchen ein sehr imposan
tcs, da die Weihnachtsmessen mit zu
den feierlichsten Handlungen der ka
tholischen Kirche gehören.
Aber nicht nur in den Kirchen der
StaM wird Weihnachten in üblicher
Weise gefeiert werden, denn auch alle
öffentlichen Wohltätigkeitsanstalten.
dil flßolitri und 2pretnp hnfirn firfi hn.
I rauf vorbereitet, den Armen der
Stadt und besonders den Kindern der
j selben ein liebes Weihnachtsfest zu be
! scheren. Es wurde Vorsorge getrof
sen, oan keine yarnuie zweimal be
schert wird, wie dies in früheren Iah
ren häufig vorfam, als noch kein ge
meinsames Voraeben der verschiede
iii'ii Liiiiuvirniiii ituuuc.
Unseren Lesern wünschen wir aus
vollem Herzen ein fröhliches Weih
nachtsfcst.
Verhör der Schmuggler
von Schnaps in Lumpen
Die des Schnapsschmuggels im
Großen angeklagten Eigentümer und
Angestellten der Michigan Mill Sup
ply Company, welche Whiskey, in
Lumpenballen versteckt, von Chicago
nach Detroit verschifften, wurden ge
stern einem ersten Verhöre vorStaats
kommissär I. Stanley Hurd unter,
zogen.
Auf die Frage, ob sie sich schuldig
bekannten, blieben alle acht Beschul
digten stumm. Aber ihre Anwälte
reichten Erklärungen auf nichtschuldig
ein.
Alexander Simons, Präsident der
Company. Milton Simons, sein Bru.
der, Abraham Berris, Sekretär und
Schatzmeister und Robert Ncderlan
der. ein Makler, wurden jeder unter
$5000 Bürgschaft gestellt.
Stanley Jonkus. George Tobins.
ky. Samuel Fischman und Heinie
Barkeam haben jeder $2000 Bürg,
schaft zu leisten.
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Der Frühanfftehcr.
Von Heinrich Xeroelen.
Der Finanzsekretar Karl Müller
kder Name ist nicht erfunden) ist im'
Alter von 68 Jahren gestorben. Ar-
mer Müller! Er hat viele Jahre rnrt
mir in der .Hölle" gesessen, einem fene?
kleinen Verschlage, wie sie in WirthZ
Häusern mit gutem Pilsen für bevor
zugte Gesellschaften eingerichtet sind.
Wir kamen alle Donnerstage zusam-
men. eine ganz gemachte Compagnie,
wie sie eben auch in der wirklicbn ftolle
vorkommt. Wir tranken gemächlich
unser Bier und sprachen ausschließlich
vom Wetter. Jedes andere Theria
war verboten, damit keine Zankereien
entstehen konnten; geneth man doch
schon in der Besprechung des Wetters
oft genug aneinander. Also einer ooä.
uns Wetterpropheten war vahin. Der
erste von unS. Wir wußten alle nicht
viel von einander, aber manches sickerie
doch im Laufe der Jahre durch. Mül
ler war immer der erste, der aufbrach,
mochte das .Bierl" noch so gut sein,
um dreiviertel Zehn nahm er Hut und
Stock und ging. Ohne Gruh natür
lich. denn der war abgeschafft worden,
das Grüßen und Handedrücken hält
Biertrinker zu .sehr auf. Traf ich ihn
auf der Gasse, so gingen wir wohl ein
Stuck miteinander, und bei dieser Ge
legenheit erfuhr ich dann bruchstuck
weise. waS bei den Gesprächen über
das Wetter nicht herauskommen wollte.
Muller war ein verfehlte Existenz.
Wenn man mit 63 Jahren als Fi
nanzsekretär stirbt, so muß doch irgend
etwas mit einem vorgefallen sein.
Bei dem Alter hätte er ganz gut Fi
nanzminister werden können.
Stt sehen mir's heute nicht an
sagte er mir. aber auch ich war ein
mal jung. Ich war ein frischer Stu
dent. Manche Nacht habe ich durchze
kneipt, manchen Tag durchgeschlafen.
Aber mein Schlaf war sehr unruhig.
Jeden Morgen, wenn ich vielleicht eben
erst Zn die Federn gekrochen war. rüt
telte mich mein Vater aus dem Schlafe
und sagte vorwurfsvoll: Willst Du
nicht aufstehen. Karl? Du verschläfst
ja das halbe L.'ben! Es ist nun mal so
eingerichtet, daß man das halbe Leben
verschlafen muß. Wenn man bedenkt,
wie lange man todt bleibt, unv wie
kurz man lebt, muß man allerdings be
dauern, daß es einen Schlaf gibt.
Aber der' Schlaf war so gut! Er ist
doch bas Beste am Leben! Nun, mein
Vater war nicht zu beruhigen, und er
brachte es zuwege, daß ich das Schlafen
aufgab, das heißt, daß ich sehr früh
aufstand. Natürlich erst, als ich in die
Praxis kam. Man hatte mir gesaqt.
daß die Bureauzeit um neun Uhr be
ginne. Mein Vater rieth mir. ich
möchte um acht Uhr hingehen. Ich
ging scheu und schüchtern in's Amt.
Es war so still in dem alten weitlaufi
gen Gebäude. Aber als ich in's Bu-
reau trat, da war mn Obersinanz
rath schon da. Er sah mich ganz er
staunt an; er war gewohnt, daß seine
pflichttreuen Beamten erst um neun
Uhr antraten. Er kam aber früher;
er hatte seine Blumen zu begießen.
sune Pfeife zu putzen und zu stopfen,
seine Bleistifte zu spitzen, sein Tinten
faß auszufischen kurz, eine so reiche
Thätigkeit zu ltwickeln. die er als
gewissenhafter Beamter vor Bczina
der Amtszeit abthat. Allein, es wurde
ihm doch als Verdienst angerechnet,
daß er schon um acht Uhr im Bureau
war; es hieß von ihm, daß er der flei
ßlgstk Beamte sei. Offenbar war es
ihm unangenehm, daß ich so früh kam
und Zeuge feine Fleißes wurde, ihn
aber auch zwang, mir Arbeit zuzuthei
len. Es entwickelte sich nun ein Wett
eifer zwischen ihm und mir. in dessen
Verlauf wir uns auf sieben Uhr stei
gerten. Welch ein Triumph war es für
mich, wenn er in's Zimmer trat und
ich ihn mit einem devoten Guten
Morgen, Herr Oberfinanzrath" be
grüßte! Er gab endlich das Wettauf
stehen auf. er war besiegt, unv nun ge
noß ich im ganzen Amt den Ruhm, der
fleißigste Beamte zu sein. Meine Kol
legen fanden indeß daran keinen Ge-
fallen, sie behandelten mich kühl, mach
ten sich jedo'', meinen Fleiß zunutze, um
mir so ziemlich alle Arbeit aufzubür
den. Wenn sie in's Amt kamen, hatte
ich schon so und so viele Nummern er
ledigt. Blieben Reste, so sagk mein
Oberfinanzrath: .Das können Sie ja
morgen in aller Frühe erledigen!" War
aber n Stück dringend, so sagte er:
.Das können Sie sich nach Hause neh
men. Sie haben ja den ganzen Nach
mittag für sich." Kurz, ich erwarb mir
dafür, daß ich vor allen anderen im
Bureau erschien, auch das Anrecht, spä
ter als alle anderen zu gehen. Endlich
merkte ich doch, wie ungerecht diese Un
gleichiit der Lastenvertheilung sei.
Sah ich meine Kollegen, wie sie
kaum gekommen um zehn Uhr Vor
mittags in der Registratur ihr Wür
stel verzehrten und eine Stunde lang
plauderten, bis ihre Vorakten zusam
mengesucht waren, während ich mir
keine Zeit zum Frühstück gönnte, so
regte sich in mir ein mächtiges Gefühl
der Bitterkeit. Als aber ein jüngerer
Kollege beim Avancement mir vorgezo
gen wurde, einer von den Würsteles
fern, der spat aufstand, dessen Vater
aber Hofrath im Ministerium war. da
faßte ich einen großen Entschluß. Von
heute an. sagte ich mir. thust du nur
deine Pflicht. Es ist genug, wenn ein
Beamter seine Pflicht thut. Was wäre
daö für ein herrlicher Staat, in dem
Tlle Beamten ihre Pflicht thun! Ich
Liberty Bonds
Avenue, West
12? Seit ffort Ctt.
Vargkld. 3023 odward nennt.
Higt,ld Park.
schlief also am Tage, nachdem ich mel
nen Entschluß gefaßt hatte, gehörig'
aus. Punkt neun Uhr' erschien ich'im
Bureau. Der Oberfinanzrath ging !
um mich herum, zog wiederholt seine!
Taschenuhr heraus, sagte aber nichts..
Ich saß meine Zeit ab, arbeitete so viel'
mir möglich war und ging punktlich
um zwei Uhr weg. Der Oberfinanz
rath trat gerade in mein Zimmer mit
einem dicken Aktenbündel, das er mir
vermuthlich noch für den Nachmittag
aufhalsen wollte. Als er aber sah. daß
ich ruhig Hut und Stock nahm, blieb er
mit offenem Mund: in der Thür sie
hen. Am anderen Morgen erschien ich
abermals um neun Uhr. Dasselbe
Spiel. Am dritten Tage hielt es der
Obkrfinanzrath nicht mehr aus.
.Was hab-en Sie denn. Herr Kol
lege? Ich vermisse Sie am Morgen
sehr."
.Ich komme doch pünktlich zur Bu
reauftunde?" .Pünktlich! Wenn man gewöhnt ist.
inen Beamten um sieben Uhr an fei
nem Tisch zu finden und er um neun
Uhr kommt, so ist das nicht pünkt
lich!" .Aber die anderen Herren!"
.Das habe ich erwartet. Die andk
ren Herren kümmern Sie nicht! Für
Sie muß die Arbeit maßgebend sein!"
.Ja. ich habe eben mehr gearbeitet
als die anderen, darum habe ich mehr
Arbeit bekommen."
.Sie haben eben Gelegenheit, sich
auszuzeichnen."
.Und bin präterirt worden
.Präterirt? Haben Sie irgend ein
Anrecht gehabt? Sie wollen doch nicht
sagen, daß Ihnen Unrecht geschehen
ist?" j
.Ich empfinde es als ein solches."
.Ach so! Deswegen sind Sie so früh
aufgestanden! Nicht um Ihre Pflicht
zu thun, sondern um Hofrath zu wer
den!" .Warum nicht? Freilich, ohne Pro
tektion "
.Was haben Sie gesagt? Protek
tion? Herr. Sie haben sich unterstan
den. von Protektion zu sprechen! Das
ist disziplinär. wissen Sie das?"
.Nein, davon zu sprechen, ist nicht
disziplinär. aber sie zu üben, scheint
mir eher disziplinär zu sein."
Das genügte. Ich war vom heuti
gen Tage ein Rebell. Der .Ober" war
noch selbigen Tages zum Hof" gelau
fen und hatte ihm die Geschichte hinter
bracht. Eine dumpfe Stimmung
herrschte im Amt. man steckte die Köpfe
zusammen und verstummte, wenn ich
mich näherte. Kaum traute man sich,
meinen Gruß zu erwidern. Ich aber
that meine Pflicht von neun bis wei
Uhr. Ich that so viel wie meine Kol
legen. Beim nächsten Avancement
wurde ich wieder übergangen. Ich ver
suchte es noch einmal mit dem Früh
aufstehen, aber das machte die lche
noch schlimmer. .Sie glauben, daß es
daran liegt?" fragte mein Rath.
Ich wurde wieder Übergängen.
Von da an ging ich, wie meine Kol
legen, täglich in' die Registratur und aß
gleichfalls Würstel. Dadurch kam ich
wohl den anderen Beamten näher und
einer von ihnen erzählte mir. er habe
meine Qualifikationstabelle gesehen,
Danach halte ich die Abendstunden
nicht ein. sei ein aufrührerischer Geist.
antimonarchistisch gesinnt.
.Mit Ihrer Karriere," sagte mein
teilnehmender Kollege, .ist es nichts.
Machen Sie ein Kreuz darüber."
Ich wollte nicht einsehen, daß er recht
hatte; aber ich wurde immer wieder
Übergängen. Ich nahm Audienz beim
Hofrath, beim Landeshauptmann, beim
Minister; ich wurde kalt empfangen.
Endlich starb mein Obkrfinanzrath;
aus seiner Hinterlassenschaft erhielt ich
ein ungarisches Wörterbuch, das ich
heute noch besitze. Sein Nachfolger ge
wann mich in gewissem Maße lieb. Er
merkte, daß ich ein gewissenhafter,
tüchtiger und fleißiger Beamter war.
der seine Bureauzeit nicht unzenützt
vorübergehen ließ. Aber er konnte
nicht mehr durchsetzen, als daß ich Se-
kretär wurde. Das war der Gipfel,
meiner Laufbahn. Ich stehe noch im
mer früh auf. aber für mich. Ich be
gieße meine Blumen, ich putze den Kä
fig meines Canaris aus. ich säubere
meine Pfeifen, ich lese die Zeitung vom
Leitartikel bis zum Kleinen Anzeiger,
aber ich thue das alles nicht im Bureau,
sondern zu Hause. Ich bin zu Hause
fleißig"."
Das war mein Freund Karl Miil
ler. den ich in der .Hölle" keinen ge
lernt. Ich hoffe, er ist jetzt im Him
mel. sofern ihm nicht seine Qualifika
tionstabelle in den Sarg mitgegeben
worden ist. Er hat, sich freilich noch
zum Schluß schlecht benommen. Er
hat testamentarisch angeordnet, daß.
sein Begräbmß um sechs Uhr früh
stattfinden sollte. Und da waren seine !
Vorgesetzten und Kollegen, die doch!
beim Begräbniß eines 68jährigen Se-j
kretars Nlcht fehlen durfien. zum ersten
Male gezwungen, in einer Amtssache
früh aufzustehen.
Die Umkehrung. .Die
Metamorphose von der schwerfälligen
Raupe zum leicht beschwingten
Schmetterling ist doch wunderbar!"
.Ja bei meiner Alten war's
umgekehrt!"
A u s d e r Schule. Lehrer:
.Moritz, bilde mir mal einen Satz,
in welchem das Wort Kerze vor
kommt." Moritzchen: .Kerze ist
Merze."
f
Mekclnntmccctznng
Beachten Sie
die N7eihnachts Seitungen für
Einzelheiten von
177-179-, 91 WOODWARD AVE
Halbjährlicher
Räumung
und großem
Umänderungs-Verkauf
Ueberwältigend Verkauf zwingt zu
preis-Reduktionen
in jeder Sektion.
$1000 aus Mörders
Haupt gesetzt.
Counniauditoren bewilligten
die Prämie.
gestern
Ermordeten Bankiers Testament im
Gericht hinterlegt.
Tie Eountyauditoren bewilligten
gestern die Aussetzung einer Prämie
von $ 1 000 für Information, die zur
Zvestnabme und Ucberführung des
Mörders des Redford Bankier's Tho
mas C. Houghton führt, der am frü
hen Tienstagmorgen letzter Woche bei
einem Einbrüche in die Bank geschos
sen und tödlich verwundet wurde.
Gestern wurde das Testament
Houghton's im Nachlaßgericht einge
reicht und aus demselben ergeht, daß
er seine Witwe zur Univcrsalerbin
einsetzt mit der Begründung, daß er
überzeugt sei, daß die Gattin für die
sechs Kinder des Ehepaares sorgen
würde.
Zwei Morde von Polizei
untersucht.
Leiche
eines Italieners unter
strüpp vorgefunden.
Ge-
j
j Jgh
!
!
Kooistra's Leichnam lag auf
Treppenstufen.
Tie Polizei ist mit der Lösung
zweier Mordverbrechen beschäftigt.
-Zwei Leichname wurden aufgefun
den, einer Sonntag und der zweite
gestern.
Jäger entdeckten Sonntag nachmit
tag nahe sieben Meilen und Monier
Landstraszen in einem Gestrüpp unter
einem ' Haufen dürrer Aeste und
Zweige den Leichnam eines Mannes,
der als der des Ignacio Anselmo.
No. 370 Brust) Straße wohnhaft auf
Grund einer in seinen Kleidern vor
gefundenen Rcgistrationskarte identi
fizicrt wurde. Der Mann muß seit
wenigstens vier Monaten tot gcwe
sen sein und war in einem solchen
Zustande der Zersetzung, daß die so
fortige Beisetzung von Coroner Roth-
acher angeordnet werden mußte.
Anselmo war der Polizei nicht un
bekannt und wurde verschiedentlich
verhaftet, das letzte Mal wegen sei
ner Beteiligung an der Entführung
einer jungen Italienerin, von wel
chcm Verbrechen er jedoch, sreigcspro
chen wurde.
Tie Polizei geht von der Vermu
tung aus. daß die Ursache der Ermor
dung des Mannes in Rachsucht zu su
chen sei.
Ter Leichnam des John Kooistra.
aus Grand Rapids. wurde gestern
Sogar meine Schwiegermutter
kauft in den größten kleinen
Läden
"ffuMvr
Sqnore ttat Juwelier
Die größten kleinen Läden
klmViin ZZlSnim
e
HHk r verstehen nicht mehr von
vom Ping Pong. Niedrige
zur Folge niedrige Ausgaben
niedrigere Preife bedeuten einen
zufriedene Kunden
- Mehr weiß ich nicht.
Wenn ich über irgend etwas
l"'ic ?rau.
Tsfcmksr
.Square Tea!" Juwelier.
Tie größten kleinen Läden bis spät abends osfen.
1 Grand Nivcr 351 Woodward.
nachmittag auf den Treppenstufen in
dem Hause No. 93 Ost Bcthune Ave.
ausgefunden. In der Nähe des Leich
nams lag ein Revolver, doch die Po
lizei ist überzeugt, daß Kooistra er
mordet wurde und nicht Selbstmord
verübte, wie zuerst angenommen wur
de. Kooistra wohnte in dem Hause
und kam unlängst nach Detroit.
Sein Leichnam befindet sich in der
Eountymorgue. Bei der Obduktion
wurde festgestellt, daß eine Kugel das
Rückgrat zerschossen hatte. Ter Mord
wurde entdeckt, als ein Nachbar im
Hause vorsprechen wollte und keinen
Zutritt erhalten konnte.
Malrlbcricht.
Detroit. 24. Tez.
Butter Ereamery firsts, 64 V
bis 65c per Pfund.
Eier Frische Firsts. 62c; ertra
sirsts candled in neuen Kisten, 63c;
torage, 50c bis 52c.
W e i h n a ch ts Dekorativ
nen.
Fichten, reife. 2 Yards. $1.25;
Jap. friese. 60 Jards, 75c; Hölly.
kränze, ohne Beeren, $2.25; mit
Beeren, $2.35 per Dutzend; Fichten
kränze, $2.25 per Dutzend. Tasel
kränze, $2 per Tutzend; Weihnachts.
bäume, 60c und aufwärts.
Weizenmarkt.
D e t r o i t. den 24. Tez.
Weizen Bar No. 2 roter,
$2.30; No. 2 gemischter. $2.28; No
2 weißer, $2.28.
(5 o r n Bar No. 3, $1.50; No
3 gelbes, $l.55; No. 4 gelbes, $1.50;
No. 5 gelbes. $1.44; No. 6 gelbes.
$1.38; No. 3 weißes. $1.55.
Hafer Standard, 74c; No.
weißer. 73 c; No. 4 weißer. 72 ,c
R oggc n Bar No. 2. $1.61.
Bohnen Prompte und sofor
tige Sendungen. $0 per Ewt.
G e r st e Bar No. 3. $1.95; No.
4. $1.0; Futter, $1.80 bis $1.85
per Ewt.
Samen Prima roter Klee,
$25; März, $25.25; Alsike, $19.25;
Timothy, $5.20.
Früchte.
Acpfcl Spy. $6.50 bis $7;
Grccnings, $5.50 bis $6; Bald,
wins, $5.50 bis $6.50 per Faß.
Bananen Gute Versandwaren,
7c Per Pfund.
n
i
.fcmcy FrillZ- wie ein Hase
Miete hat niedrige Ausgaben
machen niedrigere Preise, und
größeren Geschäftsumsatz und
mehr wissen will, so frage ich
Viehmarkt.
Detroit, den 24. Dez.
Rindvieh Markt stetig;
beste schwere Stiere, $12.50 bis $16;
beste Butcher Stiere. $10 bis $11.50;
gemischte Stiere und Heifers. $3.00
bis $10; leichte Butchers, $6.50 bis
$.50; bc)te Stiche, $8.50 bis $9.00;
Butcher Kühe, $6.75 bis $8; Cutters.
$6.50; Canners, $5.75 bis $6.25; ,
beste schwere Bullen, $9; Bologna
Bullen, $7.50 bis $8.50; Stockbullen.
$6.50 bis $7.25; Futterstiere, $9.00
bis $10; Stockers. $6.50 bis $8.00;
Milchkühe und Jährlinge. $60 bis
$125.
Veal Kälber Markt ste. .
tig; beste. $18 bis $18.75: andere.
$7 bis $16.
Schafe und Lämmer
Markt stetig; beste Lämmer, $14.50;''
gute Lämmer, $13 bis $14; leichte
bis gewöhnliche Lämmer, $10 bis
$12; guteSchase, $8 bis $8.50; Culls
und gewöwnliche, $5 bis $7. .
E a st B u f f a l o. 24. Dez.
Tunning Stevens berichten:
Rindvie h Zufuhr. 150 Wag.
gonladungen; gute Sorten Stiere ste
tig; ai'ere flau; schwere Stiere, $17
bis $18; beste Versandtstiere, $15
bis $16.50; mittlere Versandtstiere,
$12.50 bis $14; grobe, $13 bis $14..
50; beste einheimische Jährlinge, 950
bis 1.000 Pfund. $15 bis $16; leich
te einheimische Jährlinge, gute Qua
lität. $12.50 bis $16; leichte einhei.
mische Jährlinge. $12.50 bis $14;
beste Stiere, $12 bis $13; gute Sor
ten, $10 bis $11; gemischte Stiere
und Heifers, $9.50 bis $10.50; west
liche Heifers. $10.50 bis $11; beste
fette Kühe. $9 bis $10; Butcher Kü
re, $7 bis $8; Cutters. $6 bis $7;
Canners, $5.50 bis $5.75; gute Bul
len, $10.50 bis $11; Butcher Bullen.
$8 bis $9; gewöhnliche Bullen, $6
bis $8; beste Futterftlere. 900 bis
1000 Pfund. $10.50 bis $11; mitt
lere Futterstiere. $8.50 bis' $9; Sto
ckers, $6 bis $7; leichte, gewöhnliche,
$5 bis $6; beste Milchkühe und Jähr
linge, $100 bis $150.
Schwein e Zufuhr, 1 40 Wag
gonladungen: Markt stetig; schwere
und ?)orkers. $17.70; Mutterschwei
ne, $17 bis $17.25.
Schafe Zufuhr, 30 Waggon
ladungen; Markt stetig; beste Läm
mer, $15.50; Jährlinge. $11 bis
$12; Wetbers. $9 bis $10; Ewes.
$8.25 bis $8.50.
Kälber $7 bis $20.25.

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