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Deutscher herold. [volume] (Sioux Falls, Süd-Dakota) 1907-1918, September 05, 1907, Image 6

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DeutsrherHerold
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Nachrichten Herold.
Deutsche Wochenzeitung für Dakota.
Erscheint jeden Donnerstag.
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Sioux Falls, S. Dak.
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L.
Alle Zuschriften und Geldsendungen sind
zu ndressiren an die
Sioux Falls, S. Dak.
#tmtkrcih unfr s cutfdTlanb.
Die französische republikanischen
Blätter verschiedenster Richtung haben
sich letzther mehrfach dahin ausgespro
chen, die Regierung möge Deutschland
einen untrüglichen Beweis dafür lie
fern, daß Frankreich an der Jsoli
..rung Deutschlands nicht nur kein In
teresse habe, sondern daß diese ihm
selbst direkt für seine eigene Sicherheit
und seine eigenen Interessen bedrohlich
erscheinen müßte. Sehr energisch wird
die Pflicht der strengsten Neutralität
Frankreichs in den Interessen- und
Konkurrenzkämpfen der anderen Na
1
Urnen, besonders Englands und
Deutschlands, in der „Aktion" hervor
gehoben. In dieser Zeitung führt der
Chefredakteur Abg. Berenger nämlich
aus:
Frankreich darf sich weder von der
deutschen, noch von der englischen und
russischen Politik ins Schlepptau neh
men lassen. Der große Jrrthum und
auch das große Unglück unserer Re
publik zwischen 1896 und 1905 be
stand gerade in der Art zarophiler Un
tirwiirfigkeit, in der die Felix Faure,
Mcliue, Hanotaux, Dclcasse usw.
Frankreich Rußland gegenüber erhiel
ten. Diese Diplomatie ohne Unab
hängigkeit, weil ohne Gegengewicht hat
uns den Dreyfus Handel im Innern
Imb den Marokko-Handel im Aeuße
ten ausgebürdet. Herr Pichon ist ein
Zu sehr der Rolle unserer Republik in
der Welt bewußter Minister, um
Frankreich dem Könige von England
gegenüber in die gleiche knechtische
Lage zu bringen, in die die Hanotaux
und Delcasse es vor die russischen Ja
ren gekrümmt hatten. Frankreich
,. darf in den Händen keiner Nation ein
Werkzeug werden. Als freidenkerische
und republikanische Demokratie mitten
unter religiösen und feudalen Monar
cfiien kann Frankreich keine andere
äußere Politik haben, als die des Frie
dens durch die Unabhängigkeit. Des
halb kann die Politik des Gegenge
Wichts,
die so glücklich durch die zahl
reichen französisch europäischen Ab
kommen weiter geführt wird, nicht als
Ziel die blödsinnige und gefährliche
Jsolirung Frankreichs und Deutsch
lands haben. Wenn man weiß, daß
unsere Kreditinstitute zusammen den
deutschen Banken jährlich mehr als
anderthalb Milliarden aus den fran
zösischen Ersparnissen vorschießen,
wenn man darüber unterrichtet ist,
daß die deutschen Unternehmungen^
Kleinasien, um durchgeführt zu wer
den, das Geld Frankreichs nöthig ha
ben, wenn man, sich die industriellen
und kommerziellen Einsilierungen
Deutschlands in Frankreich und um
gekehrt vorhält, so kann man sich nicht
enthalten, jede Politik, selbst wenn sie
die besten Absichten hätte, die Darauf
abzielte, Frankreich in dem möglichen
Konflikte zwischen England und
Deutschland Partei ergreifen zu las
sin, als blödsinnig anzusehen. Zwi
scher. England, dem wir alljährlich für
mehr als 1500 Millionen von unfren
Ersparnissen vorschießen, zwischen die
sen beiden stärksten Kunden unserer
-Arbeit und unseres Kredits, haben
Wir französischen Republikaner keine
'Wahl zu treffen. Wir müssen frei
bleiben, weil wir friedfertig bleiben
wollen.
In der „Aktion" wird übrigens er
ttärt, es sei ganz ausgeschlossen, daß
jSerr Etienne ohne Verständigung imt
Herrn Pichon über die Opportunität
von Besprechungen, wie den in Berlin
und Kiel gepflogenen, sich auf den
Weg aemacht habe.
.Nicht minder energisch betont Die
ijnter der republikanischen Mehrheit
n?ch einflußreichere „Lanterne" den
gleichen Standpunkt, wobei sie sogar
einige leichte Kritiken gegen die letzten
Abkommen zu äußern wagt:
Das englisch-sranzösische Abkommen
ist an sich ausgezeichnet. Es bildet ein
neues Glied in der schon langen Kette
der Einvernehmungsverträge, die da
durch, daß sie unter den zivilifirten
Nationen die Berührungspunkte und
Verständigungen über Sonderfragen
vermehren, im gleichen Maßstabe die
Konf Unmöglichkeiten vermindern.
Leider hat aber dieses Abkommen den
gleichen Fehler wie die anderen. Es
wird jenseits der Vogesen. wekn auch
nicht gerade als eine Drohung, so doch
^wenigstens als ein Manöver aufge
faßt, das auf die Einkreisung Deutsch
lands abziele. Es gewährt jener Le
.. gende einer von England geleiteten
Weltpolitik neuen Kredit, einer Poli
tik, die darauf abziele. Deutschland
aus dem Konzerte der Mächte auszu
scheiden und die großen rnternabena
Xen Fragen ohne dieses Land zu re
geln. In dieser Hinsicht können die
jüngste Reise Herrn Etiennes und das
bevorstehende Zusammentreffen des
deutschen Kaisers mit dem König von
England Annäherungselemente bilden.
Herr Stiem« hatte freilich Uiw effi*
zielle Mission und zweifellos haben
Monarchenbegegnungen nie für die Po
litik der betreffenden Nationen nach
haltige Wirkungen gehabt. Aber die
Aufnahme, die die französische Mei
nung der Reife Herrn (Stienne zuTheil
werden ließ, und die Kommentare der
europäischen Presse übet die Begeg
nung Eduards VII. und Wilhelms II.
beweisen hinreichend, daß ein Hauch
der Versöhnung über ganz Europa
weht. Frankreich muß mit gutem Bei
spiel vorangehen. Wir wiederholen
stets aufs neue, daß seine Rolle nicht
darin bestehen darf und kann, mit
feindseligen Gefühlen in Bündniß
systeme einzutreten, die gegen Deutsch
land gerichtet wären. Es hat durch
aus nichts dabei zu gewinnen, wenn
es sich in die Streitfragen seiner Nach
fcarn mischen wollte. Wir wollen die
freunde unserer Freunde sein, aber die
Feinde Niemands. Wir bedrohen
Deutschland nicht wir können aber
auch nicht zustimmen, für die Rechnung
derer zu arbeiten, die es zu bedrohen
cassis, die Beunruhigung und den
Argwohn Deutschlands durch Verträge
scheinen. Das war ja gerade der
schwere Fehler der Politik Herrn Del
erregt zu haben, die gegen dieses ge
lichtet erschienen. Hüten wir uns ja,
wieder in die gleichen Fehler zu Versal
len. Wir haben die besten Gründe,
die werthvollen Freundschaften zu be
wahren, die wir in der Welt erworben
haben. Aber wir wollen nicht durch
diese Freundschaften mit irgend je
mandem uns verfeinden. Wenn wir
durch höfliche Verhandlungen alle
Konfliktsursachen mit Deutschland
über die kolonialen Freien ausschei
den können, so steht unseres Erachtens
nichts der Eröffnung solcher Verband
hingen entgegen.
Schließlich erklärt die „Lanterne":
„Unser Wahlspruch Bleibt: Friede mit
aller Welt!"
Ein Mn st ervortrag»
In diesen Tagen, wo sich die zweite
Friedenskonferenz im Haag um das
bessere Einvernehmen unter den Völ
kern und um den Weltfrieden bemüht,
dürfte die Erinnerung an einen wohl
wenig bekannten Vertrag von Interesse
sein, der zwischen Friedrich dem Gro
ßen wenige Jahre vor dessen Tode und
den Vereinigten Staaten von Amerika
abgeschlossen wurde, und der in man
chen Punkten noch vorbildlich für der
artige Beschlüsse der Haager Konferenz
fein könnte.
Seit dem Jahre 1783 als unabhän
gige Staaten von England und der
ganzen europäischen Welt anerkannt,
wünschten die nordamerikanischenFrei
ftaateiA ausgebreitete Handelsverbin
dungen mit den europäischen Mächten
anzuknüpfen und zu diesem Endzweck
Verträge abzuschließen, wodurch den
u n z e n e N e u a i
zur See eine große Ausdehnung ge
geben, den unseligen Folgen unver
meidlicher Kriege eine enge Schranke
gesetzt werden sollte. Washington und
Franklin waren es, die diesen men
schenfreundlichen Gedanken zuerst zur
Sprache brachten und so weit reichte
Friedrichs Ruhm nach Beendigung des
bayerischen Erbsolgekrieges, daß sie
diesen Monarchen als den bezeichneten,
der allein geeignet sei, hierin allen
übrigen .Herrschern das Beispiel zu ge
ben. Die Zustimmung des Kongresses
erfolgte auf der Stelle, und die unmit
telbare Wirkung davon war, daß die
nordamerikanischen Bevollmächtigten,
Franklin, Adams und Jefferson, im
Haag mit dem preußischen Gesandten
v. £hulemet)er Unterhandlungen an
knüpften. die sehr bald beendigt wur
den. Man kann den Vertrag, der im
Sommer 1785 abgeschlossen und am
30. September desselben Jahres von
Friedrich dem Zweiten ratisizirt. wur
de, als den ersten Ansang des freien
Handels, als die wesentlicheGrundlage
aller der Verträge betrachten, die seit
den- zu dem Endzweck geschlossen wor
den sind, die Menschen untereinander
in innigere Verbindung zu setzen und
der gesellschaftlichen Arbeit den gebüh
renden Lohn zu verschaffen. Folgende
Grundsätze waren in jenem Vertrage
ausgesprochen:
1) Im Fall, daß sich eine der beiden
Mächte inKrieg mit einer dritten befin
e o a u e e i e V e k e
e U n e a n e n e a n
e i n i e e n e i e n
e n a a u k e i n e W e i s e
gestörtwerden. Auch das Eigen
thum des Feindes ist auf den Schiffen
der letztern sicher, deren Unterthanen
dürfen der feindlichen Macht alles zu
führen, Kontrebande allein ausgenom
men, worunter nichts anderes verstan
den wird als ei e n Ii ch e s
Kriegsbedürsniß. Auch die
ses darf von der kriegführenden Macht
den Schiffen der neutralen nicht weg
genommen, fondern nur so lange in
Beschlag gehalten werden, als sie es
ihrem Vortheil gemäß findet, wiewohl
unter ausdrücklicher Bedingung einer
billigen Entschädigung des Eigenthü
mers für den Zeitverlust. Dem Ei
genthümer kann auch die Waare, jedoch
nut mit seinem Wollen, für den an
dem Bestimmungsorte geltenden Preis
abgekauft werden.
2) Sollte zwischen den beiden kon
trahirenden Mächten selbst je ein
Krieg ausbrechen, so wird festgesetzt,
daß er allein zwischen den beiderseiti
gen Heeren geführt werden soll. Alle
friedlichen Unterthanen jeden Standes,
die nicht die Waffen tragen, sollen
durch den Krieg so wenig wie möglich
leiden und nicht gehindert werden, ihre
Gewerbe und Geschäfte aller Art wie
im Frieden fortzusetzen. Ihr Eigen
thum soll von derMacht, die einenTheil
des Gebietes der andern feindselig be
setzt hat, nicht angegriffen noch beschä
digt werden sogar zum Unterhalt der
feindlichen Truppen kann von den Un
terthanen der unterliegenden Mackt
nichts als gegen billige Vergütung ge
fordert werden. Beide Theile verpflich
ten sich ausdrücklich, im Falle eines
Krieges «M^chven, We mm
menschlich behandelt, ihnen gesunde,
geräumige Wohnungen angewiesen
werden auch soll ihnen dieselbe Ver
pflegung und derselbe Sold gereicht
werden, die die Offiziere und Solda
ten des Staates, der die Gefangenen
gemacht hat, erhalten.
1
.Deutscher .Gerold",
Die in diesem Vertrage ausgespro
ebenen Grundsätze waren dem damali
gen Zeitalter im ganzen und großen
noch völlig fremd dadurch, daß sie von
Preußens großem König und von den
nordamerikanischen Staatsmännern
der Welt verkündigt wurden, erhielten
sie eine Beglaubigung, die nicht verlo
ren gehen konnte. Auch hat die euro
päische Welt, sobald die heftigsten
Stürme der europäischen Welt, d.e
unmittelbar daraus losbrachen, ausge
tobt hatten, nichts weiteres gethan, als
diese Grundsätze immer weiter auszu
bilden.
8Uitttbmc der Auslands stuvt»
rcnfcc« in pcutfdjlanfc».
ifcie Zahl der an den deutschen Uni
versitäten studirenden Ausländer, die
in den letzten Jahren ununterbrochen
und ganz erheblich in die Höhe gegan
gen war, ist, wie der „Tägl. Rdsch.'
geschrieben wird, im lausenden Som
mersemester von 5151 im letzten Win
ter auf 3766 zurückgegangen auch im
vcrjäV/riaett Sommerhalbjahr war ihre
^ahl höher, nämlich 3889, im Sommer
1905 zählten sie 3178. 1904 erst 2800.
Der jetzige Rückgang beruht zum groß
ten 2heil auf enem geringeren Zufluß
ruffifcherUnterthanen, zu einem kleine
ren auch auf Verminderung der
Schweizer und Amerikaner gegenüber
dem letzten Winterhalbjahr, erheblicher
zugenommen haben nur die Japaner.
Derzeit sind 8.0 v. H. der deutfchen
Universitätsstudierenden aus dem
Auslande gegen 9.2 im Wintersemester
1906/07 und 8.6 im Vorjahre. Die
Herkunft der ausländischen Studenten
ergibt sich nach folgender Zusammen
stcHung: Aus Europa sind 3349 (im
Winter 3717), aus den übrigen Erd
teilen 417 (434), und zwar aus Arne
rika (wovon die Mehrzahl aus dem
Norden) 261 (302), aus Asien (meist
aus Japan) 144 (113),.aus Afrika 9
(33), und aus Australien 3 (6). Von
den europäischen Ländern stellt Ruß
land wieder die größte Zahl, nämlich
1600 (1890), aus Oesterreich Ungarn
stammen 654 (681), aus der Schweiz
282 (341), aus England 151 (144)
aus Bulgarien 142 (139), aus Rumä
nien 88 (83), aus Serbien 63 (61)
aus den Niederlanden 54 (57), aus
Frankreich 52 (58), aus Griechenland
44 (47), aus Luxemburg 43 (53), aus
der Türkei 39 (40), aus Schweden und
Norwegen 36 (32), aus Italien 36
(32), aus Italien 36 (33), aus Spa
nien 25 (23), aus Belgien 18 (19), aus
Portugal 11 (9), aus Dänemark 9 (5)
aus Liechtenstein und Montenegro je
1(1)
Der Alkoholgcnufz bei fri*
Arbeit.
(Straß(mvc,ec Post.)
Großes Interesse widmet die badi
sche Fabrikinspektion den Bestrebungen
zur Bekämpfung des Alkoholgenusses
während der Arbeitszeit. Sehr viele
Firme» haben die Einrichtung getrof
sen, daß sie den Arbeitern alkoholfreie
Getränke, Kaffee, Thee, Sodawasser
Limonade, Fleischbrühe, Milch, Pom
ril usw. unentgeltlich ober gegen gerin
ges Entgelt zur Verfügung stellen
Die Fabrikinspektion richtete nun an
alle Firmen, von denen ihr dies be
kannt war, einen Fragebogen, um Er
kundigungen über Art der Getränke
Kosten und Erfahrungen, die damit ge
macht wurden, einzuziehen. Eine Fit
ma berichtet:
Die unentgeltliche Abgabe von Kaf
fee hat zeitweife zu außerordentlicher
Verschwendung geführt, einige Arbei
terinnen bezogen den Kaffee literweise
und schütteten Abends weg, was sie
nicht brauchten.
Aber auch diese Firma hat, was Lei
stungssähigkeit und Gesundheit de?
Arbeiter anlangt, gute Erfahrungen
gemacht. Andere sprechen sich folgen
dermaßen aus:
Die Arbeiter bleiben bei der großen
Hitze stets munter und werden nie
schläfrig oder schlapp.
Soweit unsere Beobachtungen bei
ständigen Arbeitern reichen, befinden
sich dieselben bei geringerem Alkoholge
nuß besser als früher auch wird die
Führung der Arbeiter eine bessere
(Verringerung von Streitigkeiten und
Fehlen bei der Arbeit.)
Die gemachten Erfahrungen. find
sehr gute, die Arbeiter sind bis zur
letzten Stunde frisch, arbeitsfreudig
und bedeutend leistungsfähiger.
Der Gesundheitszustand der Arbei
terinnen war seit Ausschalten des
Biergenusses ein durchaus günstiger,
während beim Biergenuß häufiger
Fälle von Durchfall vorkamen.
Wir beobachteten keine Erschlaffung
mehr infolge Alkoholgenusses und nor
male Leistungsfähigkeit und bedeutende
Verringerung in den Störungen der
Darmfunktionen.
Diese MittheilungeMüber tägliche
Erfahrungen bestätigen die wissen
schaftlichen Resultate über die lähmen
de Wirkung des Alkoholgenusses auf
psychomotorischem Gebiete. Was nun
die Frage betrifft, welchem Getränk der
Vorzug zu geben ist, so scheinen sich der
Fabrikinspektion auch hierin dieErsah
rungen der Wissenschaft und Praxis
zu vereinigen, daß Kaffee undThee be
senders zu empfehlen sind. Wo Kaffee
oderThee eingeführt ist, werden dieEr
folge gerühmt. Fabrikanten schreiben:
Nach Ueberwindung der cnfängti
chen Abneigung gegen Ksfftt als Mi-
tt** «utf«J$2
Donnerstag,
men. Die Kriegsgefangenen sollen nusses. Um den Erkrankungen vorzu-
das Privateigenthum auszurüsten, i bergetränk, wftdlbep Kaffee gern ge-1 Im Sonnenglanz eines der seltenen
Auch im Falle, daß eine der beiden
Mächte Krieg mit einer dritten führen
sollte, wird die im Frieden verbleiben
de Macht ihren Untertanen ausdrück
lich verbieten, Kaperbriefe gegen die
Schiffe der anderen kontrahirenden,
jetzt kriegführenden Macht, anzuneh
nommen.
Früher verabreichten wir kohlensau
res Wasser, konstatirten jedoch, beson
ders im Sommer, wenn das Wasser
von den Arbeitern in erhitztem Zu
stande getrunken wurde, eine Menge
Maßenerkrankungen infolge des Ge-
beugen, fetzten wir dann dem Soda
Wasser etwas Branntwein zu, doch
rührte diese Einrichtung zu Unzuträg
Iichkeiten, weshalb wir zu Kaffee über
gingen.
So kamen Praktiker zur Einführung
des Kaffees. Dem Pharmakogen ist
s bekannt, daß die Zanthinabkömm
Tinge Coffein Md Theobromin die Wi
Erstände im Zentralnervensystem be
eitigen und daß die in den Genußmit
telnThee undKaffee enthaltenen brenz
lichen Produkte und ätherischen Oele
erregend auf das Gehirn einwirken,
ohne irgendwie zu schaden. Die Ver
abreichung von Milch und Fleischbrühe
muß von anderen Gesichtspunkten aus
beurthcilt werden, da hier nicht nur ein
Getränt, sondern auch ein Rahrungs
mittel zugeführt wird.
Die KaFen ant Golk.
Im Auslandhandel der Ver. Staa
ten treten nach und nach auch die Häfen
am Golf bemerkenswerter hervor. Die
atlantischen Häfen haben noch immer
den Löwenantheil, aber, wie das schon
vor Jahren vorausgesagt wurde, die
zunehmende Entwicklung der südlichen
Staaten, muß sich mit der Zeit auch im
Seehandel kund geben. Die wachsenden
Industrien sowohl wie die Erweiterung
und intensivere Bebauung des Acker
gebietes und die besseren Bahnverbin
dungen der Küste mit dem Inneren
sichren naturgemäß dazu, daß die für
das Ausland bestimmte Waare dieser
Gebiete den kürzesten und billigsten
Weg nach der See sucht und dement
sprechend auch die Einfuhr aus dem
Auslande zunimmt.
Der vorliegende Bericht des Stati
stischen Bureaus für das mit dem 30.
Juni beendete Rechnungsjahr gibt an,
daß die über die atlantischen Häsen
kommende Einfuhr, die vor zehn Jah
ren 83 Prozent der Gesammtausfuhr
ausmachte, jetzt nur noch mit 80 Pro
zent zu verzeichnen ist und die Aue fuhr
von 69 auf 57 Prozent herabging.
Mehr augenfällig wird der Rückgang,
wenn bei einerZunahme der Gefammt
einfithr des Landes um 90 Prozent,
die Zunahme der atlantischen Häsen
mit nur 79 Prozent angegeben wird,
während, die Einfuhr der (Mrhäfeit
um 320, derer an der Paciftckiiste um
III und an der mexikanischen Grenze
um 337, an den Binnenseehäfen um
118 stieg: In der Ausfuhr ist der Rück
gang der atlantischen Häfen noch grö
ßer. Die Gesammtzunahme betrug 80
Prozent, davon kommen auf die atlan
tischen Häfen 46, auf die ain Golf 164,
an der Pacificküste 56, an der merika
nifchen Grenze 193 und die kanadischen
Hafen 211.
Was das Volumen «ver Ausfuhr
anlangt, so stehen die atlanti
schen Häsen weit voran. Die Aus
fuhr aus dem New Dorker Hafen stieg
in dem Jahrzehnt von 392 auf 616
Millionen Dollars. In Boston ist die
Ausfuhr ziemlich dieselbe geblieben,
etwa 101 Millionen, in Philadelphia
stieg sie von 47 auf 94 Millionen
Dollars, in Baltimore von 86 auf
etwas über 100 Millionen. In New
Orleans dagegen steigerte sich die
Ausfuhr in den zehn Jahren von 101
auf 171 Millionen Dollars, in Gal
veston sogar von 58 auf 244 Millio
nen. In San Francisco dagegen ist
die Ausfuhr von 40 auf 33 Millio
nen Dollars zurück gegangen, am Pu
get Sund aber von 12 auf 43 Millio
nen Dollars gestiegen, eine Verschie
bung, die nicht auf die Folgen des Erd
bebens zurückzuführen ist, sondern sich
aus der steigendenBedeuiung der nörd
lichen Pacificküste infolge ihres zuneh
menden Handels mit dem asiatischen
Orient erklärt. Die bedeutende Zu
nahme der Ausfuhr in den Golf
Häfen ist zum Theil auf den Ver
sandt von Baumwolle und Getreide
zurückzuführen. Und je mehr sich
die Industrien des Südens entwik
kein, desto größer wird die Zunahme
der Ausfuhr aus den Golfhäfen fem.
Geisterhaft, geheimnisvoll starrt die
von Sturm und Wogengifcht gepeitsch
te Inselgruppe der Faröer, zu der
schon im neunten Jahrhundert nordi
sche Wikinger den Weg fanden, aus der
melancholischen Oede des Eismeeres
und Atlantischen Ozeans empor. Mit
den düstersten Vorstellungen hat der
Aberglaube desVolkes das phantastisch
geformte, bis 1000 Fuß hohe, an Bur
gen oder uralte Tempelruinen gemah
nende Klippengewirr umkleidet, das
diese merkwürdige Jnselflur, schon im
Mittelalter die Hauptstation zwischen
Island und Norwegen, in wildem
Chaos umgibt. Brüllend stürzt sich
die empörte See in dieses staue Klip
penlabyrinth, worin früher so man
eher verwegene Seeräuber Leben und
Raub eingebüßt, und weithin leuchtet
der milchweiße Schaum der hausho
hen Brandung.
Die Faröer bestehen aus achtzehn
größeren und kleineren Eilanden,durch
Meeresarme von einander getrennt, die
infolge der regelmäßigen Strömung
und Gegenströmung sehr gefährlich
und nur unter Lotfenführung befahr
bar sind, und vereinen auf ihrem 24
jQiLadratmeilen großen Flächeninhalt
17,000 Einwohner.
Ein schwerer Ernst liegt über dieser
Heimat des gespenstisch flutenden Ne
bels, gegen dessen frostige Nässe selbst
das Innere der Häufer keinen Schutz
gewährt, des grauen Regenflors, des
Wirbelwindes, der die Fjorde zu
Schaum aufwühlt, die Häufer in ih
ren Grundfesten erbeben läßt, und fast
steiS lagern düstere Wolkenmassen dro
hend auf ben gewaltigen Bergen, den
Beherrschern der Eilande,
klaren Tage aber wandelt sich die ei
sengraue Farbe des Meeres in ein tie
fes Blau, schimmern smaragden die
Wicien und rötlich die aus Basalt und
Porphyr in Absätzen aufgebauten Fcl
ferierrafsen, die im Schein der Mit
ternachtssonne sich rosig vertönen,wäh
rend die Bäche dann silbern zu Tal
gleiten. Da erscheint wohl auf einer
der höchsten Felsenzinnen der nach un
ten von mattem Grün belebten, nach
oben kahlen, öden Berge regungslos
aufragend ein Widder, der aus diesem
Felsensaal der nordischen Götter nie
berschaut zum unermeßlichen Kampf
platz der Wikinger und ihrer stolzen
Schisse, dem gigantisch nach dem fer
nen Horizont sich erweiternden Meer,
eber sehnsuchtsvoll herüberspäht nach
den anderen Inseln, wo fremde Her
den weiden....
Die Frauen, die nur noch bei festli
chen Anlässen ihre mit breitem bunten
I Band unter dem Kinn befestigte natio
nale Haube tragen, sind wohl auch in
folge der überlegeneu Behandlung
durch die Männer verschlossen und we
gen ihrer täglichen Unruhe um die
ständigen Gefahren preisgegebenen
-J- J,
Dieser, kleinsten Kolonie seines Rei
che hat der König von Dänemark auf
seiner Jslandssahrt kürzlich einen Be
such abgestattet. Nach der Begrüßung
durch eine Abordnung des scröifchen
Lagting in Trangisvaag auf einer der
sittlicheren Inseln, ist das Königs
schiss am Tage darauf vor Torshavn
vor Anker gegangen.
Ein seltsamer Volksstamm.die blon
den. tollkühnen, gastfreien, hochbegab
ten, hier zwischen Fischern und See
vögeln wohnenden Faringer, die im
hartnäckigen Ringen mit dem Unge
mach der See und dem Widerstand der
rauhen Felsen ein starkes Selbst ge»
fühl, eine Unbeugsamkeit ohnegleichen
gewonnen haben. Falkenaugen habett'
sie und Stimmen, die selbst das To
ben des Meeres übertönen. Ihre, nach
Art der Freiheitsmützen getragene, tot
und blau gestreifte Kopfbedeckung ver
leibt ihrer ganzen Erscheinung etwas
Keckes. Ihre eng anliegenden brau
nen Beinkleider und kurzen Jacken las
sen ihren prächtigen Wuchs nur noch
wirksamer hervortreten, und ihre, in
feuchtem Zustand den Füßen ange
paßten Schuhe aus Schafsleder gestat
ten ihnen, schwindelnd steile Anhöhen
spielend zu ersteigen, selbst mit schwe
ren Tragkörben aus dem Rücken, deren
Riemen um die Stirn gelegt ist
Gatten und Brüder oft bis zum Tief
sinn schwermütig.
Welche Stimmung liegt über der
vom Möwenschrei umtönten, vonFisch
mtfc Teerduft umwitterten Jnfelstadt,
die morgens vom Gebrüll der durch
die Kinder auf die Weide getriebenen
Kühe, vom taktfesten Schritt der bann
zum Torfstechen ausziehenden Männer
widerhallt. An den Ufern eines sie
rasch und freudig durchraufchenden
grünen Bergwassers liegt ihr „Strög",
von den faröifchen Studenten wohl
auch stolz „Langelinie" benannt. In
ihrem ältesten Teil verschlingen sich
urglaublich schmale Gäßchen, deren
Häuser auf Felsblöcken thronen oder
zwischen zwei Riesensteine sich ge
zwängt haben, zu einem unentwirrba
ren Labyrinth. Lange Grasbüschel
wehen von den Dächern nieder, die im
Sommer der Tummelplatz von Scha
fen und Lämmern sind, im Winter
aber von den Meereswogen mit schäu
mendem Gischt überflutet werden.
Von einem zum Andenken an Chri
stians IX. Besuch errichteten Denk
stein, Kongesminde. erschließt sich ein
Blick auf den neuen, von freundlichen
Häufern gebildeten Stadtteil, der von
dem stattlichen Lagting- und Amt
mannsgebäude beherrscht wird.
Die Schafzucht die Inseln hei
ßen Faar-Oeer, d. i. Schaf-Inseln
wird noch immer so eifrig betrieben,
daß auf jeden Färinger sieben der
halbwilden, im Freien ihre Nahrung
suchenden Schafe kommen, die am
Johannestage geschoren und im Herbst
bis zu 30,000 jährlich geschlachtet
werden. 'Seit den letzten Jahrzehnten
aber ist die Haupterwerbsquelle der
Fang von Fischen, mit denen die Wie
sen gedüngt, Katze, Hund und Kuh ge
füttert, mit deren Häuptern dieGrund
stücke wohl auch umzäunt werden. Jetzt
verfügen die Färinger über eine Se
gelkutterflotte von etwa 143 Fahrzeu
gen mit einer Besatzung von 1600
Mann. Zur Betreibung des 1894
begonnenen Walfischfangs sind sechs
besondere Stationen angelegt, die für
jeden erlegten Walfisch 50 Kronen an
den Staat zu entrichten haben.
Die wichtigste Begebenheit im Leben
der Färinger aber ist der Fang der
Grindel, einer Art Delphine, die eine
Länge von 20 Fuß und ein Gewicht
von 3000 Pfund erreichen können und
in großen Herden den nordischen Ar
chipel besuchen. Wenn der Grindel
ruf. als mächtiger, alle Männer auf
bietender Schlachtruf, crfchallt, wenn
die auf ben Höhen entfachten Feuer
biände die Freudenbotschaft von Ort
zu Ort tragen, bann stürben die Män
ner wie vom Fieber ergriffen mit den
.zu solchen Seeschlachten bereit gehalte
nen Messern in die Boote, die sie un
ter dem Gesang des alten Liedes „In
Jesu Namen fahren wir" tn Schlacht
linie auss Meer hinausrudern. In
immer engerem Kreise umzingeln sie
die geängstigten Tiere, auf die sie
schließlich unter wildem Geschrei mit
gezückten Messern eindringen, bis das
Meer weithin sich blutrot färbt und
die Tiere anstatt Wasser- Blutstrahlen
entsenden.
Dem jetzt mehr als Sport betriebe
nen Vogelfang wird doch noch mit fol
eher Leidenschaft gehuldigt, daß alle
Männer Tränen vergießen, wenn sie
im Juni die jungen, von vielen Booten
festlich begleiteten Leute des Ortes zu
dieser 1882 allein 33 Menschenleben
fordernden, gefahrvollen Beschäftigung
ausziehen sehen. Die 140 Vogelarten
der Inseln werden in der Regel von
dem auf einem vorspringenden Felsen
sitzenden Fänger beim Vortiberflug
mittels eines Netzes gesangen, getötet
und in das in der Tiefe unten auf dem
Meer schaukelnde Boot geworfen.
:iir
-t:-v W- v
Wohl gibt es auf den Farbern eini
ge Feiertage im Jahre,d6n Johannes-,
den zweiten Pfingsttag. den 29. Juli,
mit fpftfirfwm
Amtstracht. Nicht mit Instrumental
musik werden diese altertümlichen
Tänze begleitet, fondern mit Chorge»
fangen aus der Färinger schier uner
schöpflichem Schatz ihrer auch dem
Nibelungenliede und der Eddasage
entstammenden Balladen.
Arabische Hochzeiten.
Wenn irgendwo das nüchtern-prak
tische Heerbengefühl, der jeder Indivi
dualität und Unterschiedlichkeit ab
holde Sinn des mohammedanischen
Orientalen klar zutage tritt, so ist es
in seinem Eheleben. Nach morgen
ländischer Auffassung ist die Ehe
nichts als eine die Fortsetzung
der Rasse bezweckende Einrichtung,
in der die Frau als ein noth
wendiges Hebel ertragen werden muß.
Kinderlosigkeit ist jederzeit ein zurei
chender Scheidungsgrund. Solchen
Anschauungen entsprechend ist auch die
Art und Weise, wie eine mohammeda
nische Heirath zustande kommt. Da die
beiden Geschlechter, wenigstens in den
höheren Bevölkerungschichten, streng
gesondert voneinander leben, so ist
schon aus diesem Grunde die freie
Wahl des Gatten ausgeschlossen. Die
Vermählung eines heiratsfähigen Fa
milienmitgliedes ist einzig und allein
Sache des Familienoberhauptes, das
allerdings meistens die praktische
Durchführung seiner Pläne und Wün
sche feiner besseren Hälfte überläßt.
Hält diese als Mutter eines hoff
nungsvollen Jünglings den Zeitpunkt
dessen Verlobung für gekommen,
fo sendet sie eine jener alten Fellachin
nen, die als schmarotzende Klientinnen
in keinem guten arabischen Hause feh
len, auf die Suche nach einer passenden
Braut für ihren Sohn aus. Die wür
dige Fellachin, ber natürlich der Be
stand fämmtlicherHarems an heirats
fähigen Jungfrauen bekannt ist, stat
tet dann allen in Frage kommenden
Häusern ihre Besuche ab und verfehlt
babei nicht, unter reichlicher Kaffee
unb Zigarettenvertilgung die Vorzüge
ihres Heirathskandidaten zu preisen.
Nach dem Grundsätze, daß der Mensch
nicht von ber Liebe lebt, wird babei
mehr als Geld unb Ansehen der Fa
milie als auf äußere Vorzüge Nach
druck geübt. Hat die heirathslustige
junge Dame eine genügende Menge
vonSchmucksachen und anderenWerth
Objekten
aufzuweisen, und ist gegen den
guten Ruf ihres Haufes nichts einzu
wenden, so erstattet die Brautwerberin
ihrer Auftraggeberin Bericht. Findet
das von ihr entworfene Bild Gnade
vor deren Augen, so steht der Verlo
bung nichts mehr im Wege. Die Ver
wandten des neuen Paares kommen
zusammen und erörtern den Kauf
preis, mit dem sich der Bräutigam die
Braut erhandelt. Hat man sich end
lich nach langem Feilschen geeinigt, so
betet man gemeinsam die erste Sure
des Koran, und die Verlobung ist zu
stande gekommen. Bei guten Fami
lien pflegt die Braut gewöhnlich mit
25 Pfd. bewerthet zu werden. Mehr
als $250 jedoch zahlt» fein vernünfti
ger Araber für feine Ehefrau.
Da die Verlobungen oft schon im
Kindesalter des Brautpaares vermit
telt werben, so liegen zuweilen 10 bis
12 Jahre zwischen Verlobung undHei
rat. Wahrend dieser ganzen Zeit
sehen sich die Verlobten nie. Höchstens
die Braut hat vielleicht einmal Gele
genheit, durch die vergitterten Ha
remsfenster hindurch den Bräutigam
auf der Straße vorübergehen zu sehen.
Rückt dann endlich der für die Hoch
zeit festgesetzte Termin heran, so schrei
tet man etwa eine Woche vor dem
eigentlichen Hochzeitstage zur Auf
setzung des Ehekontraktes. Mit die
sem Tage beginnen bereits ditz Feier
lichkeiten. Schon früh am Morgen
versammeln sich im Haufe des Bräu
tigams die von diesem eingeladenen
Damen, um die feierliche Herumsüh
rung der Ausstattungsgegenstände
durch die Harems der Stadt mitzu
machen. Von grotesk geschmückten
Dienerinnen werden die Gäste in ben
Straßen geführt, bainit sie den bort
ausgestellten Brautschatz und die Ge
schenke bewundern können. Hat sich
bas Staunen genügend Luft gemacht,
fo ordnet sich ber Zug. Voraus schrei
tet eine Musikbande, bie ihren Instru
menten einen wahrhaft ohremerrei
ßenber Lärm zu entlocken versteht in
richtiger Erkenntniß eines National
fehlers vorsichtigerweise von einem
Aufgebot von Polizisten umgeben, fol
gen dann bie Träger der Ausstattung.
Den Schluß macht eine lange Reihe
von geschlossenen Kutschen, aus be ren
einer die milbthätige Hand der Braut
mutier kleine Geldstücke unter die
Straßenjugend ausstreut. So ge
langt man auf weiten Umwegen, um
ja recht vielen freunbtoitliaen Nach
barn durch den Glanz und Reichthum
des Hauses zu imponiren, in das
Kaus der Braut, wo die von dieser
eingeladenen Damen beretts zugegen
.sind. Tie männlichen Gäste sind im
vv-
den Olasstag und Eröffnungstag des Verwandte der Braut zu dieser, um
VfinTf ^mm
Lagting mit festlichen Volksverfarnrn
hingen im Freien. Auch wird Schach
gespielt und etwas Sport getrieben.
I
Das Hauptvergnügen der Färinger
aber ist der Tanz, in dem der eminente
Fciröerforfcher Dr. Hjalmar Thuren
den letzten Rest des im 13. und 14.
Jahrhundert über ganz Europa ver
breiteten und in Deutschland von den
Minnesängern getanzten Kettentanzes
nachgewiesen hat. An den langen,
finsteren Winterabenden und zur
Faschingszeit wird in den engen Stu
ben von alt und jung besonders leb
Haft getanzt. Hierbei werden Verlo
bun gen in der Weise geschlossen, daß
die Färingerin dem in der Tanzkette
an ihre Seite getretenen,stets sehr jun
gen, werbenden Burschen die Hand
reicht. Geschieht dies nicht, so hat sie
ihm einen Korb erteilt. An den Hoch
zeitstänzen beteiligt sich sogar der
Pfarrer es gibt sieben Pfarrer und
41 Kirchen auf den Faröern in
Selamik, beA Gmpfangssaal, versam
melt.
inzwischen begeben sich drei nahe
V.««.
sie
ff)~VTrt/.*?fS k ti
nach dem Namen ihres Wakils, d. h»
Sachwalters, zu befragen. Dieser ist
natürlich bereits anwesend, unb di|
Zeremonie ber Auffetzung des Ehevertz
trages kann stattfinden. In GegenG
wart der drei Verwandten als Zeuges
und des Kadi beten der Bräutigaifle
und der Wakil dreimal die erste Stafc
reinsure zusammen. Dann wird defc
Vertrag geschrieben, der einfach in ei
ner Auszeichnung des Namens unfc
Alters der Verbundenen, ihref Elterist
und des Wakils und der Festsetzung
des Kaufpreises besteht, den der Bräi5
tigern für die Braut zu zahlen haL
Währenddessen werden im SelamW
Erfrischungen herumgereicht.
Die Hauptfestlichkeit jedoch findst,
im Harem statt. Hier hat man in ei*
nem großen Saal, der sogenanntes
Fasaha, einen Thron errichtet, ber m$|
bunten Papierguirlcmden und kimstlD
chen Blumen mehr reich als schön dD
korirt ist. Vor dem Thron sind Sitf
reihen für die Tänzerinnen Mu
sikanten aufgestellt. Die Braut hält
sich noch immer in ihrem Gemach auf.
Da es für wohlanständig gilt, jun§*
frauliche Schüchternheit und Sche»
vor der Ehe zu zeigen, fo sind ihre
schönen Augen gewöhnlich stark vom
Weinen geröthet, wobei jedoch der Ver
dacht besteht, daß heftige Zwiebelein
reibungen diese Entstellung hervorge
rufen haben. Nachdem ihr ihre Am
me, um sie vor Unglück zu beschütze»,
Salz gereicht hat, begibt sich bi? Braut
im weißen Seidenkleide, mit Orangen#
blüthen im Haar, in die Fafaha utt£
nimmt dort auf dem Thronfessel Plah»
Der Vorgang, der sich nun abspielt,
ist unserem Gefühl völlig unverständ
Iich. Die Braut, die eben noch von
einer übertrieben prüden Sitte zu
lächerlicher Verstellung gezwungen
wurde, ergötzt sich hier an den wider
lich zotigen Tänzen und Gesängen be
zahlter Gauklerinnen.
Sobald das widerliche Schauspiel
zu Ende ist, findet ein Diner statt, tu
dem die Braut jedoch nicht mehr theif»
zunehmen pflegt.
In dieser selben Weise, unter feier
lichen Umzügen und Gastmählern w$b
eine Woche fang die Hochzeit gefeiert.
Die Festlichkeiten enden mit ber „Lelet
e( Henna", der Nacht des Henna, der
bekannten rothenFingernagelsarbe unb
werden das Haus der Braut unb hie
umliegendenStraßen mit rothenFahtt
chen unb Lämpchen geschmückt. De«
ganzen Tag über vergnügen sich die
Männer in einem auf dem Hof errich
teten Zelt bei Gesang und Inftrumen
talmussk. Währenddessen bringen toie
Damen in der Fasaha der Amme uyd
ber Badefrau der Braut Gescheme
dar, von denen jedoch nur die UmhA
lung, ein Kaschmirschal, wirklich für
die alten Dienerinnen bestimmt ist.
Den Inhalt desSchals. meistSchmuck
fachen und Hausrath, bilden die Hoch
zeitsgeschenke. Um 5 Uhr findet eine
jener unermeßlichen arabischen
Schmausereien statt, bei denen ganz
unfaßbar große Speisemengen vertilgt
werden. Nach dem Essen präsidirt die
Braut abermals dem unvermeidlichen
Bauchtanz.
Der folgende Tag ist der eigenttidje
Hochzeitstag. Am frühen Nachmittag
bereits begibt sich die Braut in einer
vorsintfluthlichen (Staatskarosse unter
dem Jubelgeschrei der sie begleitenden
Dienerinnen, einem tremolitenben
Gekreisch, in ihr neues Heim. Die
Wohnung wird von ben Damen in
Augenschein genommen, und, wieder
belustigt man sich an Gesang und
Tanz. Indessen weilt der Bräutigam
mit seinen Freunden beim Gebet in
der Moschee. Mit Fackeln unb Musik
kehrt der Zug der Männer ins Haus
zurück. Während die Frauen ver
schwinden. tritt der Bräutigam vor,
betet öfftntlik und betritt dann das
Gemach seiner Braut. Von den Eni«
täuschungen, die ihm nur allzu häufig
die Stunde der Entschleierung bringen
mag, legi bann die prompt nach einem
Monat erfolgte Ehescheidung beredtes
Zeugnil ab?
Karl Pruter.
'Der Jüngling strebt, einen Nancka
zu gewinnen frit Jungfrau, ihren jtt
verlieren.
Fleisch macht die Leute im Sommer
krank. Sogar schon die Berechnung,
woher man die Gelder nehmen soll, um
es zu kaufen, ist schon genug, um einen
krank zu machem
Dem Eis-Trust braucht'man dÄh
wohl nur ordentlich einzuheizen, um
ihn zum Schmelzen zu bringen.
A
-Ein Bostoner Professor behaHM.
er könne Gewitter hören, bie sich auf
ber Sonne ereignen.—Muß der lange
Obren fia&tni ""V- 2
•*..V ff
Connecticuts Legislatur nahm in
diesem Jahre rund achthundert nette
Gesehe an. Mehr kann ein Staat von
taum drei Millionen Einwohnern
unmöglich verlangen.
-,
Das jspanische AeugnÄ persönlich»
Tapferkeit wird dem General Stössel
vor den russischen Gerichten nicht mehr
nützen, als der preußische
Pour le merit«.
T-
Einfall türkischer Truppen in Per
siett! Wenn den türkischen Trupp«!
mal was einfällt kann man wetten,
das es wieder eine Dummheit ist.
Die Befestigung der Insel SB ort««
hat wohl nicht im Wilhelmshöher
Verständigungsprogramm gestanden.
An der Küste Neu Englands Ver-.
lebt eilt junges Paar die Flittermo*
chen im Wipfel eines mächtigen Wei
denbaumes. Die lurteltauücn wer
den über diese Konkurrenz nicht toeeig
erstaunt sein.
T- XKL

IV. 5(tUet, Hcbdfteur unk Ref*äftsfitl)r«.
(Er. i'iiumbricr, hilfs'Kctv.iftrur.
(PcidiiiftsfteUc: £ifr 7. 5tr. und Phillips 21»etl*f.
Celeubon: itorthtrn'ict» No. $71
Citizens No. 888.
Untere«! at the Post Office ,at Sloux Falls
as secoiid^i'lass matter.
Herold Publishing Company,
ben 5. September 1007,
Die Harder.

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