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Deutscher herold. [volume] (Sioux Falls, Süd-Dakota) 1907-1918, December 12, 1907, Image 7

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«s»
hi .[.Iiii» m-chl- mttya
Wcltstadt-Nildcr.
Eine meiner ersten Beschäftiguni«,
gen, wenn ich in einer fremden Stadt
längern oder kürzern Aufenthaft
nehme, ist das Studium der öffent
lichen Bäder. Sie sind für mich der
Kulturmaßstab, das, wonach ich
und gewöhnlich mit Grund auf das
übrige schließe. Indessen gibt es doch
Ausnahmen, und die drolligste ist ge
wiß Paris, das sich in Bezug auf Bä
der auf einem Standpunkt befindet,
dessen sich jede deutsche Industriestadt
von hunderttausend Einwohnern schä
men würde. Meine Freunde hatten
mich nach meiner Ankunft in Paris
mit einem ironischen Lächeln ange
sehen, als ich mich noch einem gedeckten
Schwimmbade, nach einer jener präch
tigen öffentlichen Hallen, wie ich sie
von München, Köln, Elberfeld und
andern deutschen Städten her kannte,
erkundigte. „Suchen Sie nur!" sagte
man mir.
Ich suchte tatsächlich. Eine präch
tige Reklame „Grande Piscine Vaux
hall" (piscine Schwimmbassin) an
den Mauern eines guten Viertels nicht
weit von den äußern Boulevards er
weckte die schönsten Hoffnungen, und
nachdem.ich daS dreifache Eintrittsgeld
von dem, was ein Schwimmbad in
Deutschland kostet, erlegt hatte, trat ich
dort ein. Zwei Wärter geleiteten mich
ehrfurchtsvoll in eine dunkle, von
Dämpfen erfüllte Kammer, in der ne
den einer bescheidenen Dusche ein läng
ticher Kasten von Marmor zu sehen
war, vielleicht 12 Fuß lang und 3 Fuß
breit, genau wie die hübschen Bassins,
in die die Fischhändler bei uns, um
ihre Kundschaft anzuziehen, ihre .le
bendige Ware setzen. Ich stmmtc.
Das war das Schwimmbassin, wovon
die Reklame Wunderdinge verhieß.
Da nichts anderes zu sehen war. stürz
te ich mich todesmutig in seine Tiefen,
wobei die beiden Wärter ängstlich am
Rande hin-und herliefen. „Der Herr
kann doch schwimmen?" fragten sie in
besorgtem Tone. Hätte ich einen
ernsthaften Versuch gemacht, zu
schwimmen, ich hätte mir Arme und
Beine zerstoßen. Immerhin war es
gut gemeint, und fie sahen ans, als
wollten sie mir wirklich gleich einen
Rettungsring zuwerfen.
Das Dasein in diesem Fischkasten
dünkte mich auf die Dauer unwürdig,
und ich suchte nach etwas anderm.
Nach langen hartnäckigen Forschungen
entdeckte ich im Zentrum der Stadt,
nickt weit vom Palais Royal, endlich
ein wirkliches Schwimmbad. Es war
nicht entfernt von der Größe, der Ele
ganz und der Reinlichkeit, welche die
Bäder in einer deutschen Mittelstadt
Traben! Aber immerhin es war
wirklich eine kleine gedeckte Halle mit
bunten Kacheln und mit einigen
Pflanzen geschmückt, in der man
schwimmen konnte, und ich fühlte mich
ganz wohl da. Zudem war ich fast
immer allein, und niemand störte
«wen.
Eines Tage» fand sich meine Ein
samkeit unterbrochen. Im Begriff,
den Sprung ins Wasser zu machen,
entdeckte ich unter mir im Bassin zwei
große schwärzliche Punkte, die sich bei
näherer Betrachtung als zwei prächtige
ausgewachsene Karpfen entpuppten.
Sie schwammen vergnüglich im Bas
sin umher, in dem fie sich offenbar
recht zu Hause fühlten.
Ich rief den Wärter, der in der
Nähe war. „Die sollen wohl bei Jh
nen schwimmen lernen?" fragte ich
harmlos, auf die schuppigen Gäste zei
gend.
„SD, das find unsere Pensionäre!"
meinte er unbefangen. „Wir Hatten
sie vorher in einer kleinen Wasserkufe
aber nicht wahr? da drinnen ha
ben sie mehr Platz, und sie könuen sich
besser Bewegung machen."
.Das ist sicher. Glauben Sie aber
nicht, daß sie sich auf die Dauer doch
unbehaglich fühlen?"
»Wieso?" Er sah mich mißtrauisch
an, als ob er seinerseits an meiner
Fähigkeit, mit den Karpfen in gutem
Einvernehmen zu leben, zweifle.
„Nun, wenn einmal mehr Badegäste
kommen, dann könnten die Karpse am
Ende keinen Platz haben!"
»Das macht sich schon? Der Herr
wird sehen, es ist Raum genug. Zu
dem bleiben die Karpfen ja nicht ewig
tti."
Ick sah, daß gegen diese festgegriin
deteUeberzeugung nichts zu machen wer
und beschloß, mich in mein Schicksal
zu fügen. Um die Karpfen nicht zu
stören, schwimme ich seitdem links
herum, wenn sie rechts schwimmen,
und so vertragen wir uns vortrefflich.
Zum Dank für mein gesittetes Beneh
men werde ich von der Direktion die
ses Bade-Unternebmens zum Karpfen
Essen eingeladen, sobald es so weit ist.
Das hat mir der Wärter fest ver
sprochen.
Das Gemüt von Sorgen Über die
demnächstigen politischen Pläne Cle
menceaus besangen, ging ich eines Ta
ges die Rue Blanche im alten Quar»
tier Breda hinaus, als mir ein Mann
einen Zettel in die Hand drückte. Das
begegnet einem in Paris so häufig,
daß, wenn man alle angebotenen Zet
iel mitnähme, man jeden Abend eine
besondere Droschke für den Transport Erklärungen zu verlangen. „Vor ei
brauchte. Indessen, der Mann, der
mir den Zettel gab, flüsterte mit in
geheimnisvollem Tone zu: „Es han
belt sich um Ihr Glück!* Neugierig
gemacht, schlug ich das dünne, weiße
Papier auseinander. ES stand wört-
lich darauf folgendes:
Ungläubiges v
Seid endlich einmal überzeugt er
schüttert!
We berühmte kaukasische Seherin
Madame Demidoff
ist zurück nach Paris und hat ihre Sa»
kons nach dem Boulevard Seba
stobol N verlegt.
£ie mar es. die ata 15. April vor ganz
ter dal Novedades öffentlich vor
aussagte, daß die Königin Spa
nitn einen Sohn schenken würde.
Sie weiß alles! Sie sieht alles! Sie
errät alles auf Grund jener un»
erklärlichen geistigen Macht, die
Madame Demidoff schon seit dem
Alter von 12 Jahren besitzt.
Ich sagte mir, daß ich eine Person
von so bedeutenden Gaben kennen ler
nen müsse. Ohne Europa zü so schö
nen Hoffnungen zu berechtigen wie die
Königin von Spanien im Frühjahr
dieses Jahres, gestand ich mir, daß
euch cm Blick in meine immerbin
dunkle Zukunft Mir nur dienlich sein
könne. Zudem ist eine kaukasische
Seherin, die einen spanischen Thron
erben voraussagt, wirklich bemerkens«
wert.
Ich lenkte also meine Schritte nach
dem Boulevard Sevastopol. DasHaus
bot nichts besonderes. Es war ein
fünfstöckiges, ziemlich altes Miethaus,
das in dieser modernen Gegend bei
nahe auffiel. Madame Demidoff
wohnte im dritten Stock. Ein hüb
scher Salon mit weißen Möbeln im
Stil Ludwigs XVI., mehrere ge
schmackvolle Vasen in Hellblau waren
offenbar dazu bestimmt, den Blicken in
die Zukunft jede Düsterkeit zu beneh
men. An der Wand sah ich auffallen
de Zeichnungen und Bilder, die sich bei
näherem Zusehen als Abbildungen der
menschlichen Hand mit einer sonderba
ren Klassifikation von Tugenden und
Talenten erwiesen, die in den Linien
der Hand eingegraben waren. Das
schmeckte schon etwas nach dem Beruf.
„Genug, genug, o treffliche Sibylle!
Zieh deinen Kreis, sprich deine Sprü
che!"
Da kam fie selbst. 'Owe Fünfzig
aber noch leidlich gut inForm,
mit schmalem gelbem Gesicht, römischer
Nase und lebhaften Augen. Ganz
sicher ist ihre Wiege (wenn es eine sol
che gab) von den Wassern des Pruth,'
der Save oder eines jener romanti
schen Flüsse des Ostens bespült wo?»
ten, von wo aus der Pflaumenschnaps
seine Kulturmission in derWelt begon
nen bat. Ex
Oriente
lux. An den
Fingerspitzen sah ich die langjährigen
Spuren des Zigarettendrehens und
Tabakrollens. Sollte Madame viel
leicht einmal in einem Tabakbureau?!
Sie ließ mir nicht Zeit, meine Vermu
tungen weiter auszufpinnen, sondern
indem sie mich mit einem diskreten,
cber herablassenden Lächeln begrüßte,
fragte sie mich, worin ich ihres Rates
bedürfte?
Einer so distinguierten Persönlich
feit gegenüber schienen mir meine ge
wöhnlichen Alltagssorgen zu unbedeu
tcnd ich erfand also eine fabelhafte
Geschichte, mit der ich sie auf die Pro
be stellen wollte. Ich erzählte ihr, ich
fei ein junger Engländer, der kürzlich
in Monte Carlo fast all sein Geld am
Spieltisch verloren, habe, kurz darauf
aber die Bekanntschaft einer jungen
und hübschen Landsmännin gemacht
habe, Tochter eines mehrfachen Mil
lionärs. die sich leidenschaftlich in mich
verliebt habe. Der Vater aber habe
mir, als einem Sp'eler, ihre Hand
energisch verweigert und gedroht, sie
zu enterben, wenn sie mir treu bleibe.
Ob es nun für mich ersprießlicher sei.
I in den Spielsaal zurückzukehren, um
meine Verluste wieder auszugleichen,
oder ob ich als Lohn für etwaige Ent
haltsamkeit bei dem Vater die Einwil
ligung zur Heirat durchsetzen würde?
Die Sibylle sah mich forschend an,
als ich geendet hatte. Der Fall mochte
ihr sonderbar erscheinen, indessen
merkte sie doch so viel, daß meine Tu
gend nichts umsonst tun wollte, und
ihre Antwort fiel danach aus. „Zei
gen Sie mir Ihre Hand, mein Herr!"
Ich mußte ihr die Hand zeigen, die
fie mindestens zehn Minuten lang for
schend betrachtet. Was sie nun darin
las, wenn ich es offenbarte, würde ge
nügen, um mir vier Monate lang die
liebevollste Aufmerksamkeit von Poli
zeibehörden und Heiratsbureaus zuzu
ziehen genug, sie riet mir, mein
Glück am Spieltisch erst dann wieder
zu versuchen, wenn ich der Einwilli
gung des Vaters gewiß sei. die uns
nach verschiedenen längeren Prüfungen
zuteil werden würde.
Ich erhob mich beglückt .Vie ha
ben mich beruhigt. Madune' Ich weiß
jetzt, was ich zu tun habe! Sie
empfangen wohl viele Besucher, die
Ihre Kunst in Anspruch nehmen?"
„Es geht! Jetzt ist keine Jahres
zeit, weil viele Herrschaften verreist
sind. Aber im Herbst kommen zuwei
len fünfzig bis sechzig in einem Tage!"
„Damen meistens?*'
„O neftt! Mindestens zur Hälfte
Herren."
«Und Sie prophezeit! immer nur
aus der Hand? Oder sind Ihnen auch
andere Gaben verliehe«, die
„Mir wurde schon in frühester Ju
gend die Gabe der Weisheit zuteil. Stuf
einem Wege, der geheimnisvoller ist
als der. den ich Ihnen heute wies,
mein Herr." Hier wurde Madame
Demidoff in der Tat fo geheimnis
voll, daß ich es vorzog, keine weiteren
nein Jahre etwa besuchte mich ein Ata
dem iter. Er schrieb ein Buch über die
magischen Kräfte ich wurde von ihm
in einer Sea nee als Beispiel borgt*
führt."
Nach Erlegung eines ziemlich be*
scheidkntn Obolus für die Konfulta»
Hon empfahl ich mich. Als ich durch
das Vorzimmer ging, sah ich einen
Herrn im Zylinder mit trübseliger
Miene dort fitzen. Er wartete. Ich
konnte nicht herausbringen, ob es ei«
Gläubiger oder vielleicht der besagte
Akademiker war. hatte auch keine Zeit
dazu, ha ich be'dsluß, mick gleich auf
die Suche nach meiner Engländerin zu
teg«ve». v
K-. v&ili
«ufikaltsches der Heilkunde.
Wenn wir nach des Tages Last und
Mühe am Abend den Konzertsaal auf
suchen, so verscheuchen die Töne der
Musik unsere Sorgen, sie beruhigen
unsere überreizten Nerven, sie tragen
dazu bei, uns die unangenehmen Sei
ten des Daseins vergessen zu machen.
Selbst bei Nervenkranken ist der eigen
artige Einfluß der Muftf oft un
verkennbar.
Diese Erscheinung wurde von Aerz
ten, besonders in Frankreich, zu Heil
versuchen benutzt, und es ist von ein
zelnen ermunternden Erfolgen, z. B.
bei Erregungs- und melancholischen
Zuständen, berichtet worden.
Französische Aerzte sind es auch, die
die Musik zuerst als beruhigendes
Mittel bei der Narkose angewandt
haben. Alle, die diese Versuche nach
geprüft haben, bestätigen die günstige
Mitwirkung der Töne bei der Betäu
bung. Neuerdings ist an einer Berner
Klinik die Kombination von Narkose
und Musik in folgender Weise benutzt
worden: Kurze Zeit nach Beginn der
Betäubung wird ein Phonograph in
Bewegung gesetzt, dessen Schläuche in
die Ohren des Kranken gesetzt werden.
Alsbald wird die Wirkung bemerkbar.
Die Atmung wird ruhiger, das Sta
dium der Erregung geht schnell vor
iter mit dem Einsetzen der Musik
steigt auch der Blutdruck, wie durch
eine Reihe von Messungen festgestellt
worden ist. Auch die sonstige unan
genehme Begleiterscheinung der Nar
kose, die Brechneigung während und
nach dieser, fiel auffälligerweise bei
einer großen Anzahl von Kranken
weg das Allgemeinbefinden war nach
dem Erwachen besser, als man es sonst
gewöhnt ist. Besonders interessant war
das Urteil solcher Patienten, die
früher schon mir Aether und Ehloro
frrm betäubt worden waren. Sie ga
ben übereinstimmend an. daß die un
angenehmen Empfindungen der Nar
kose erheblich gemildert waren, und
daß sie die „Musiknarkose" der ge
wöhnlichen Betäubungsart bei weitem
vorzögen.
Voraussetzungen bei diesen Be
strebungen, die Musik als nerven
be
ruhigendes und schmerverminderndes
Mittel anzuwenden, ist natürlich, daß
der betreffende Kranke überhaupt für
Musik zugänglich ist und nicht etwa
durch die Töne in unangenehmer
Weise beeinflußt wird. Denn es gibt
eine nicht geringe Zahl von Menschen,
für die das Zitat „Musik ist ein mehr
oder weniger unangenehmes Ge
-tausch" keine bloße Redensart ist.
Das geht sogar so weit, daß bei man
chen Nervenleidenden, besonders bei
Hysterischen, eine krankhafte Abnei
gung gegen die Musik besteht. So
hot vor kurzem ein argentinischer Arzt
aus Buenos Aires sieben Fälle von
„Paiamusik" veröffentlicht. Für die
Personen, die hieran litten, war schon
das Anhören einer Melodie oder das
Denken an sie eine Qual.
Wie bei allen psychopathischen
Dingen gibt es auch beim normalen
Menschen hierfür Andeutungen genug.
So ist es ein häufiges Vorkommnis,
daß einem die Melodie eines Gassen
Hauers, die man mit dem Gedächtnis
ausgenommen hat, obgleich sie einem
unsympathisch ist, trotz aller Be
mübungen. sie zu vergessen, nicht aus
dem Kopf geht.
Pathologisch aber ist der Fall je
nes jungen Mannes, dem eine solche
Melodie Nacht für Nacht den Schlas
raubte, so daß infolge der „melodi
schen Besessenheit" eine schwere nervöse
Störung eintrat.
Bei einem 40jährigen Manne wur
de durch das ewige Klavierspiel seiner
Tochter eine solche Musikfurcht aus
gelöst. daß er schließlich jeden Ton, ja
das Geläute von Glocken als körper
lichen Schmerz empfand. Ein anderer
hatte für das Examen unaufhörlich
auf der Violine geübt: schließlich wa
ten seine Nerven so zerrüttet, daß er
einen Krampfanfall mitten in einer
schweren Hebung bekam, der sich
jedes-
mal wiederholte, sobald er nur den
Ten
einer
Violine hörte. Weniger
bedenklich, aber darum nicht minder
interessant ist der Fall einer Pianistin,
die auch infolge krankhafter Vor
stellungen bei jedem Stück, das fie
spielte, eine bestimmte Farbe wahr
nahm, so daß sie
schließlich
ihr gan­
zes Repertoire nach verschiedenen Far
ben einteilte.
Alle diese Störungen find wenig
stens für die Umgebung immerhin
noch harmlos. Aber wehe den Men
schen, die dauernd in der Nähe solcher
Personen leben müssen, die unter ei
nem Komponier- oder Musizier zwang
stehen. So gab es einen hysterischen
jungen Mann, der den unwidersteh
lichen Drang in sich fühlte, alles, was
las, mit lauter Stimme zu singen.
Aber was will das bedeuten gegen jene
zwei Damen, die in mehr oder weni
ger langen Abständen einen Anfall
von Klavier- und Komponiermanie
bekamen. Während eines solchen An
falle» gab es kein Mittel, sie von dem
Flügel zu entfernen, an dem sie wahre
musikalische Orgien feierten. Und
nur durch Gewalt vermochte man ihre
Hände, die mit unermüdlicher Aus
dauer neue und aÜeMelodien paukten,
'zu: Ruhe zu bringen. Erst eine Be
handlung in einer Kaltwafferheilan
sialt führte eine Besserung herbei.
Der Nordpolforscher Amundsen er
klärte, daß er zu der Ballonfahrt von
Wellman nicht das mindesteVertrauen
hege. Herr Wellman dürfte sich über
das Eisbärengespann ArnundsesK um
keinen Deut günstiger äußern.
In diesem Jahre wird mehr Mais
als je für den Export vorhanden sein.
Das ist ganz klar: in Kentucky gibt es
ja r.Mt noch drei „nasse" Eoumtei.
Am 1. Januar tritt in Georgia das
Prohibitionsgesetz in Straft Sin
sches Neujahrsgeschenk.
Auch die Glückssonne wird vo» sie
Im Planeten umschwärmt.
.Deutscher Herolds Donnerstag, den 12. Dezember 1907.
Ein ganz Trichter, duftig-weißer
Morgennebel liegt über dem Delta
land. Die Sonne hat sich kaum aus
der fernen arabischen Wüste erhoben.
Matt und blaß kriecht sie hinter ein
paar Palmenkronen am Horizonte
hervor. In den stachligen Mimosen
büfcken längs des Weges glitzern die
betauten Spinnensäden. Krähen und
Geier treiben sich scharenweise in den
alten Sykomoren vor dem Dorfe
herum. Schon ist auch das mensck
liche Leben erwacht. Mit Pflug und
Hacke eilen die Bauern an die Arbeit.
Kleine Karawanenzüge von vier oder
fünf Kamelen, denen zu beiden Sei
ten vom Rücken die Traglasten in
Säcken oder Körben herabhängen,
ziehen wiegenden Schrittes auf den
niedrigen Dämmen dahin, die nach
allen Richtungen längs der Bewässe
rungskanäle das Land durchfurchen.
Schwatzend und singend gehen die
Treiber in ihren blauen Kitteln und
braunen oder weißen Filzkappen ne
ben den Tieren einher. Ab und zu
fallt klatschend ein Schlag auf ein Ka
mel nieder, und ein lautes „Ha" er
tönt, um das Tier zu schärferer Gang
art anzuspornen. Eselreiter, die
ganz hinten auf den Schenkeln ihrer
Grauen sitzen, um deren schwache Vor
derfüße zu entlasten, kommen uns in
Gruppen entgegen. Schlanke, braune
Mädchen und Frauen in lose herab
wallenden schwarzen Gewändern
schöpfen Wasser aus dem Kanal in
mächtige Tonkrüge, die sie graziös auf
dem Kopf davongetragen. Ueberall
an den Feldrainen knarren die Sa
kijen, die von Ochsen getriebenen
Schöpfwerke, die in Eimern das Was
ser aus den Kanälen auf das Frucht
land pumpen. In der Lache, die vor
dem Dorfe durch die Ueberschwem
mung entstanden ist, ergötzt sich die
Dorfjugend im Bade. Mitten in dem
Weiher steht ein riesiger, schwarzer
Büffel und glotzt mit seinen ruhigen,
runden Augen auf die spielenden Kin
der. Auf den Steinen am Uferrande
waschen verschleierte Frauen ihre Wä
sche. Alles atmet den Geist friedlicher
Arbeit.
Die ägyptischen Dörfer liegen ge
wohnlich, um vor dem Ueberschwem
mungswasser geschützt zu sein, auf
niedrigen Erdhügeln. Viel Feucktig
keit konnten diese Dörfer übrigens
auch nicht ertragen. Für sie ist es ein
Glück, daß es in Aegypten so selten
regnet: denn beinahe alle Häuser der
Fellachen sind aus getrocknetem
Scklamm gebaut, den jeder europäi
scke Gewitterregen einfach wegschwem
men würde. Da sie sick in Farbe und
Form kaum von Erdhaufen unterscheid
den, machen diese Bauernhütten ei
nen ziemlich unwirtlichen Eindruck.
Das äußere Aussehen entspricht auch
vollkommen dem Innern. Das ganze
Haus besteht häufig nur aus zwei
Räumen, einem Männer- und einem
Frauengemach. Mensch und Tier
haust, bei ärmeren Bauern wenig
stens, einträchtig unter einem Dache.
Dieses letztere dient als Hühnerstall,
Vorratskammer und im Sommer
als Schlafstelle. Möbel sind außer
dem allerprimitivsten Hausrat unbe
kannte Luxusgegenstände. Daneben
gibt es natürlich auch Anwesen reiche
rer Fellachen, die der europäischen
Kultur bereits weitgehende Zuge
ständnisse gemacht haben. Namentlich
der Omdeh. der Dorfschulze und ge
wohnlich der wohlhabendste Mann
unter seinen Mitbüugern, pflegt gro
ßen Wert darauf zu legen, ein steiner
nes Haus mit grünen Fensterläden
und einet Freitreppe zu besitzen.
Selbst Ziergärten mit Glaskugeln auf
Säulen und Muschelteeten kann man
vor solchen Omdehpalästen finden.
Das Leben des ägyptischen Bauern
ist das denkbar einfachste. Den größ
ten Teil seiner Lebensbedürfnisse lie
fert ihm die eigene Arbeit sein Brot
bäckt er sich selbst, seine Kleider spinnt
ihm seine Frau aus Baumwolle, die
auf seinem eigenen Felde gewachsen ist,
und sein Bett ist überall auf der Erde.
Zum ersten Male in der Ge
schichte 'arktischer Expeditionen hat
das fünfundzwanzigjährige Fräu
lein Miß Rasmussen als von der dä
nischenRegierung anerkannte und durch
den Staat unterstützte Grönlandfahre
rin als Begleiter und Sekretär ihres
durch seine literarische Grönlandexpe
dition 1902 bis 1904 berühmt ge
wordenen Bruders Knud Rasmussen
ein Jahr lang in Nordgrönland je
weilt, von wo sie. mit vielen reichen li
terarischen Schätzen beladen, soeben
heimgekehrt ist.
Die einzige Tochter eines der her
vorragenden Geistlichen und Sprach
forschers Dänemarks hatte sie es im
Frieden des väterlichen Parkhauses so
gut, wie es eine vielumworbene, an
mutige junge Dame nur haben kann.
Aber immer tauchte vor ihren sehn
süchtigen Augen wie eine Fata Mor
gana die Wunderwelt der Gletscher
in dem geheimnisvollen Lande der
Mitternachtssonne auf, auf denen die
in zitronengelben, mächtigen Glanz
fluten versinkende Sonne ein Farben
spiel von ergreifender Schönheit ent
zündet. Ametistsarbene Eilande, von
des Polarmeeres Fluten umschmiegt,
von denen gewiegt bk Eisblöcke gleich
schimmernden Schwänen, gleich opal
farbenen Märckendlumen in verwir
render Mannigfaltigkeit phantastischer
Formationen dahergehen.
Die junge Grönlandfahrerin, wohl
die einzige europäische Dorn? die sich
die Kenntnis der ungemein schwierigen
grönländischen Sprache in dem Gr-de
angeeignet hat, daß sie dieselbe schrei
ben und sprechen kann, tzerlich w Ge
i
Mschaft ihres PrudM mm ban Eis-
AeMisshcs PanMclicit.
Die feineren Dase!nSforderu«gen des
Westens scheinen ihm zwecklos und
lächerlich. Besonders mit der Rein
lichkeit lebt er in' ständigem Konflikt.
Der Schmutz im Inneren einer Fel
Icchenhütte spottet jeder Beschreibung.
Menschenfressende Insekten können
sich fein geeigneteres Feld für ihre
Tätigkeit wünschen als einen Fel
lachenkörper. Die Folge von dieser
grenzenlosen Unsauberkeit ist ein für
diesen sehr kräftigen Menschenschlag
verhältnismäßig schlechter Gesund
beitszustand. Alle spezifischen
Schmutzkrankhcrken, Aussatz, Krätze,
gewisse Augenleiden, sind bei den
ägyptischen Bauern zu Hause. Dazu
tut der Aberglaube das Seinige, um
die Verbreitung solcher Krankheiten
zu fördern. Es ist gar keine Selten
heit, daß man Kinder sieht, deren
kranke Augen von Fliegen geradezu
bedeckt sind, während die Mutter da
nebensteht, ohne die Tiere zu verscheu
chen, ja vielleicht ihre Sprößlinge ge
radezu dazu anhält, die Insekten in
die Augen zu dulden. Der Zweck die
ses unsinnigen Verfahrens ist die
Fernhaltung des neidischen bösen
Blickes.
Auf derselben Stufe wie die physi
scke Kultur des Fellachen steht seine
intellektuelle Bildung. Es gibt noch
heute eine ganze Reihe großer Dörfer
in Aegypten, in denen niemand lesen
und schreiben kann. Namentlich in
Oberägypten sieht es .in dieser Be
Ziehung traurig aus. Und was das
schlimmste ist, es fehlt im Volke selbst
an Bildungstrieb. Während durch die
mohammedanische städtische Bevölke
rung in Aegypten heute eine starke Be
wegung zugunsten einer Hebung der
Bolkserziehung geht, verhält sich der
größte Teil der Bauern zu dieser
Frage, wenn nicht ablehnend, so doch
völlig gleichgültig. Wie überall, so ist
auch in Aegypten die ländliche Bevöl
kerung konservativ in jeder Be
ziehung. Die Ackerbaumethoden sind
hier im wesentlichen noch jetzt die glei
chen. wie sie vor einigen Jahrtausen
den waren. Der Bauer ist nicht faul
er arbeitet schwer fein ganzes Leben
hindurch doch wenn ihm nicht die
Fremden die Maschinen und die mo
dernen Werkzeuge bringen, er selbst
aus eigenem Impuls verschosst sie sich
nicht lieber quält er sich in seiner ver
alteten, zeitverschwenderischen Ar
beitsweise weiter, als daß er sich durch
etwas Neues aus der Rube stören
ließe. Dieser unselige Charakterzug
des ägyptischen Volkes, die fatalisti
sche Gleichgültigkeit, ist nicht zuletzt
ein Resultat der tausendjährigen
Knechtschaft, unter der dieses Volk
schmachten mußte. Frondienst, schäm
lose Ausbeutung von feiten seiner Un
terdrücker haben den Aegypter den
Wert seiner Arbeit verachten gelehrt.
Was nutzte es ihm auch, sich über
mäßig anzustrengen, wenn doch am
Jahresschluß der Vascha den Ertrag
der Bauernarbeit einsteckte oder ibm
Plötzlich sein Feld wegnahm, um sich
ein Schloß darauf zu errichten, zu
dessen Bau er noch fronen mußte?
Heute gibt es zwar keine Paschas
mehr, die ungestraft den Fellachen
plündern dürfen. An ihre Stelle aber
sind andere Blutsauger getreten. Fast
tn jedem Dorfe bat sich ein Europäer,
meist ein Grieche, niedergelassen, der
öffentlich das Geschäft eines Kolo
nial-Warenhändlers und Ganwirtes
betreibt, nebenher sich aber mit Geld
Verleihen zu Wucherzinsen bereichert.
Es ist keine Übertreibung, wenn man
heute behauptet, daß höchstens noch 50
v. H. des ägyptischen Agrarbodens in
den Händen der Eingeborenen sind.
Den Rest haben bereits die fremden
Wucherer an sich gerissen. Da Aegyp
ten eilt reiner Agrarstaat ist und sei
ner natürlichen Beschaffenheit nach
bleiben muß, so dürfte in dieser aL
mählichen Appropriation und Proleta
risierung des Bauernstandes die
schwerste Gefahr für die Weiteren:
Wicklung des Landes liegen.
brecherdampfer Hans Egede Anfang
Juli 1906 Kopenhagen. Nur für
ganz Seefeste kann eine solche Reise in
dem kleinen aber eisenstark gebauten
Fahrzeuge, dem an seinem aus Baum
wurzeln gefügten Bug das holzge
schnitzte Bilbnis jenes tapferen, däni
fchen Geistlichen, Hans Egede, des
Entdeckers der Kolonie Godthaab
prangt, auf jenen sturmoollen Meeren
des höchsten Nordens eine Annehmlich
keit sein. Und ängstlich darf man auch
nicht sein, da mit eine? solchen Tour
stets große Gefahren verbunden sind.
Mi und Knud Rasmussen ließen
sich bei Umanak, Grönlands zweit
nördlichster Kolonie, nieder, auf dem
kleinen, wogenumstürmten und stürm
umstöhnten Eiland Jkernsak. das. von
einem, leidenschaftlich in die Lüfte sich
bäumenden, titanischen Felsgrat fast
erdrückt, durch Schneebetge von wahr
haft grandiosem Linienschwung, von
fast dämonischer Zerrissenheit der
Klüfte, ein majestätisches Relief er
hielt. Hier lebten sie inmitten der
arktischen Natur mit ihren ausgestor
benen Fjorden, umschmiegt von Tä
lern, deren Tiefe man nie vergißt, mit
Ruinen, wie verloren in diesen unge
Heuren Einsamkeiten, umschauert vom
Schicksal ihrer, im 15. Jahrhundert
durch einen Ueberfal! aus dem arkti
schen Amerika vernichteten Bewohner:
AusiZeftorben alle Fjorde, .u -j
®Ue Küsten ohne Leben
Mondschem flimmert auf unen,
Tie nur Geister sacht uagc&me&ok*
Inmitten dieser, von der Kultur
Hoch ganz unberührten Eskimos, die
Set ihrem %m und Treiben zu puvie-
ren sie fo die beste Fanden:
Tie ftinver, tue des Morgens aus den
Hütten jauchzend in den Schnee hin
ausstürzten, um das nötige Trinkwas
fer zu beschaffen, die mit zierlichen Bö
gen nach winzigen, hölzernen Wallros
sen und Seehunden fchoffen, wobei die
größeren die geduldigen Lehrmeister
der kleineren waren, vie singend die
Mutter umtanzten, wenn sie das zwi
schen zwei schwarzen Felsen ausae
spannte silberfarbene Eisbärfell bear
beiteie. Die mit leuchtendenAugen der
Großmutter lauschten, die ihnen von
Uijartaq (Grönlands Columbus) er
zählte, der die ganze Eskimowelt um
segelte und dabei die prächtigsten
Abenteuer erlebte. Oder vom Riesen
Kasassik, der die Eisbären gleich Füch
sen in Fallen fängt. Diese Frauen,
die das Haar zu einer Krone aufgc
Kunden auf dem Kopfe tragen und
dasselbe als junge Mädchen mit einem
roten, als Frauen und Witwen mit ei
ner blauen und schwarzen Schleife
durchfechten.
Frl. Mi. die hier ganz auf grönlän
disch lebte, hatte natürlich auch die ma
lerische Landestracht angelegt, die viel
dazu beitrug, ihrer Erscheinung einen
Hauch zarter Poesie zu geben: Ein
buntfarbiges, durch einen Gürtel zu
sammengehaltene Kami sol, das durch
einen Umhang farbenspielender Glas
perlen anmutig gehoben wird. Kurze,
durch eingelegte, bunte Lederstreifen
verzierte Beinkleider aus Seehundsfell
und bohe, in gelben oder roten Far
btönen spielende Stiefel. Sie spei
ften auch auf grönländisch, das Fleisch
selbst erlegter Eisbären. Renntiere und
Seehunde. Diese wurden entweder
durch den, vom Kajak, einem aus See
Hundsfell hergestellten einsitzigen Boot
aus, durch den todbringenden Wurf
der Harpune erlegt oder in Netzen ge
fangen, die, an einem Eisblock be
festigt, ins Meer versenkt worden wa
ren.
Zur Renntierjagd hatten sie mit
mehreren Eskimos eine viele Wochen
dauernde Tour in eine 2400 Fuß
bohe Berglandschaft von gigantischer
Wildheit angetreten. Das Geweih des
ersten dieser scheuen Tiere, dessen Er
legung Fräulein Mi zu danken war,
ragt jetzt als stolze Jagdtrophäe im
Korridor des Pfarrhauses auf.
Natürlich hatte die Grönlandfah
rerin, gleich ihrem Bruder, ihren eige
nen Eskimoschlitten mit zwölf prächti
gen Hunden, die, nachts im tiefen
Schnee liegend, fo schauerlich heulten,
während über das schwarze Firma
ment geisterhaft Nordlichter hinzuckten
nach grönländischem Glauben die
Seelen verstorbener, dort oben mit
Walroßhäuptern Ball spielender Kin
der und der Mond über die vom
Reiffrost überzogenen, aus den ($inge
weiden der Seehunde gefertigten Fen
ster hinflimmerte. In der Winters
zeit, mit feiner lastenden Finsternis,
feinem, durch keinen Laut unterbräche
nen Todesschweigen, das die Seele mit
der dunklen Trauer der Vereinsamung
erfüllte, fand bei 42 Grad Kälte eine
große Schliltentour über 4000 Fuß
hohe, tief verschneite Berge statt, in
deren Verlauf Fräulein Mi ihren, in-,
folge der furchtbaren Ermüdung
stehend auf den Schneeschuhen tinge
schlasenen Bruder beim Antreiben der
versagenden und im Schnee versinken
den Hunde ablösen konnte. Wie ein
Himmelsgruß aber klang da wunder^
sam den halb Erfrorenen durch die
arktische Winternackt der vielstimmige
Gesang grönländischer Psalmen em
gegen. Nach grönländischem Gebrauch
pflegt man nämlich während der gan
zen Neujahrsnacht, von Haus zu Haus
ziehend, kirchliche Lieder zu singen.
Der Schauplatz der eigentlichen Tä
tigkeit der beiden Gröndlandsabrer
während ihres etwa acht Monate wäh
renden Aufenthaltes auf der weltver
lorenenJnsel^aber waren die näher und
ferner gelegenen, leichter und schwerer
zu erreichenden Eskimohütten. Diese,
aus Torfstücken mit eingelegten Stei
nen aufgeführten, seltsamen Bauten,
wo aus dem phantastisch von flackern
dem Flami^engezünge! qualmender
Tran langsam aufgehellten Halbdun
kel die halbnackten Insassen aus ihren
schwarzen Augen rätselhaft aufstar
ren! War der niedrige Eingang auf
allen Vieren kriechend passiert, so
wurdt zunächst 6er stets als Angebinde
mitgebrachte Kaffee in Ober- und Un
itriassen serviert und mit Beigabe von
Renntiertalg zugeknabberten Kandis
zucker geschlürft. Dann wurden die
alten Trommelsänge gesungen, deren
Refrains die Weider in dumpfem, mo
notonem Chor wiederholten oder die
Sagen und Märchen der Vorzeit mit
besonde -ern Geschick seitens der Frauen
erzählt. Und Mi Rae müssen war
bann vollauf damit beschäftigt, das
Vernommene mittels Schreibmaschine
festzuhalten, wobei nur eine spätere
Hinzufügung der Akzente erforderlich
war. Am 16. März, an dem Tage,
wo die eisten Briefe in die dänische
Heimat abgehen konnten, erfolgte der
2lufbruc% weiter nach Norden. Aus
der ganzen Umgebung waren die Es
timos herbeigekommen, um den Ge
schwistern, die verstanden hatten, die
Herzen dieser großen Kinder zu ge
Winnen,
Lebewohl zu sagen. Plötzlich
ausgekommener Südoststurm hatte das
Thermometer fo bedeutend emvorge
schnellt, daß der übliche Abschiedskaf
fee sämtlichen Gästen im Freien ser
viert werden konnte. An der Expedi
tion beteiligte sich der mit der literati
schen Grönlanderpedition nach Kopen
hagen gekommene und gelaufte Eski
mo Osarkrak von Kap Nork. Außer
einem Zelt und zwei Petroleumappa
raten wurde nur etwas Schifsszwie^
back, Seehundfleisch. Kutte?, Kaffee
und Tee mitgefühlt*
Al« die drei, mit 36 Eskimohunden
ber -nuten Schlitten sich in Bewegung
setzten, weinte alles laut vor Schmerz.
Während die Frauen und Mädchen
von Ersblöcken herab ben Davonfah
renden nachwinkten, gaben die junge»
ren Leute, sich an den Lenkstangen
festhalteb^ des Schlüte« »ch täte
tan .c trecke da- Geleit, uv schließ­
lich mit einem letzten, wehmütigen
„inuvdluavise", lebe wohl, Abschied zu
nehmen. Von den ihnen auf dieser
Reise in den ersten Tagen
gung
zur
Verfü­
gestandenen „Hotels" verriet sich
die Existenz des einen überhaupt nur
durch ein melancholisch aus demSchne«
aufragendes, halb vom Polarfuchs
zerfressenes Fenster. Aber das andere,
mit dessen Schornstein vorüber trot
tend: Eisbären
zu
spielen beliebten,
hatte doch einen Ofen, in dem das
Feuer zu den Klängen der zur Er
götzung des Polareskimos von Knud
Rasmussen mitgenommenen Harmo
nika lustig prasselte. Nach kurzem
Aufenthalt in Upernivik und Tassin
sak. den nördlichsten zivilisierten Punk
ten der Welt, begann jede Spur einer
menschlichen Ansiedlung zu schwinden,
sodaß fortan in Schneehütten, felbst
gefügt aus Blöcken gefrorenenSchneÄt,
übernachtet werden mußte.
Hier begegneten sie den Arsten heid
nischen Eskimos, mit ihrem ellenlan
grn.aus ihre kostbaren Pelze aus Blau
und Weißfuchs herabfallenden Haa
ten, zum erstenmal in ihrem Leben
boten sie in ihrem Polareskimoisch
ein: „sunak sunai" (Willkommen) ei
ner jungen europäischen Dame, die fie
mit Erstaunen und steigender Bewun
derung betrachteten, als sie ihren Gruß
in dt: Polareskimosprache erwidert
borten. Da die Expedition zum ersten
Mal in der Geschichte der arktischen
Expeditionen ohne Mitnahme von eu
ropäischem Proviant nur auf das
Jagdergebnis in diefenRegionen ange
wiesen ausgeführt wurde, konnte
Fräulein Mi programmäßig nur bis
zum 75. Breitengrade mitfolgen. An
gesichts der in ergreifender Schönheit
sich entrollenden weiten, schimmernden,
lockenden Ferne trat sie nach bitterem
Abschied allein ben weiten Rückweg an,
während Knud Rasmuffen mit Osar
krak weiter ihrem selbstgesteckten Ziele,
dem moschusreicken Ellesmere-Sand
im arktischen Amerika zustrebten, um
hoffentlich im Herbst nächsten Jahres
in die Heimat zurückzukehren.
Ueber Zahnschmerze«.
Täglich bort man von Mitteln, wel
che jeden Zahnschmerz beseitigen. Man
könnte daher denken, der Zahnschmerz
entstehe nur aus einer einzigen Ursache,
er sei in der Qualität immer derselbe.
Dies ist aber durchaus nicht der Fall,
denn es gibt viele Ursachen für den
Zahnschmerz. Um letzteren zu beseiti
gen, wird man daher auch verschiedene
Wege einschlagen müssen, es ist eine
gewisse ärztliche Durchbildung nötig,
wenn jemand die Ursache des Zahn
schmerzes erkennen und geeignete Mit
tel dagegen anwenden will. Es kann,
ja vorkommen, daß jemand in einer ge
wissen Zahl von Fällen das richtige
trifft, auch wenn ihm eine ärztliche
und speziell zahnärztliche Ausbildung
mangelt, oft aber laufen auch Fehler
unter. In einer gewissen Reibe von
Fällen Helsen auch die angepriesenen
Mittel, öfter aber wird die heilsame
Wirkung nur eine scheinbare sein, und
wo sie eine wukliche ist, doch nur eine
vorübergehende. Daß durch das Ab
warten, ob es nicht von selbst wieder
bester werde, der Patient sich selbst
schädigt, braucht wohl kaum noch her
vorgehoben zu werden. Sehr zu
empfehlen ist es. sick einen Zahn fülle»
zu lassen, sobald er nur einen kleinen
Defekt zeigt. Hat man aber gewartet,
bis Schmerzen entstanden sind, so ist
es hohe Zeit, zum Zahnarzt zu gehen
derselbe wird immer das Zweckmäßig
sie, was im gegebenen Falle mit Rück
sich! auf die Erhaltung eines guten
Gebisses und gegen den Schmerz nötig
ist, vorschlagen. Oft ist eine kleine, et
was schmerzhafte Operation nötig die
Schmerzen bei der Operation sind aber
unendlich viel geringer, als die Sum
me der Schmerzen, die man erduldet,
wenn man wochenlang abwartet oder
durch selbstgewählte, meist falsche Heil
mittel den Schmerz zu bekämpfen
sucht. Der Beginn der Zabnfäule
ist bekanntlich nur dann schmerzhast,
wenn et sich zuerst am Zahnhalse zeigt.
Im weiteren Verlaufe der Zahnfäule
entstehen Schmerzen, weil das Zahn
mark bloßgelegt wird und verschiede
nen Krankheiten unterliegt. An die
Zerstörung des Zahnmarks schließt sich
die Entzündung der Wurzelhaut, dann
des Knochenteils, worin die Zahnwur
zeln stecken, endlich des Kiesers in sei
lte ganzen Dicke an. Darin kommen
die verschiedenen Krankheiten des
Zahnfleisches in Betracht, endlich
schmerzen die Zähne bisweilen infolge
von Läsionen der Gesichtsnerven, von
Augenkrankheiten, Ohrenleiden und
Gehirnaffektionen. Auch bei Enkzim
düngen des Kiefergelenks sowie bei
Entzündungen unter der Zunge wird
über Zahnschmerzen geklagt. Sache des
Zahnarztes ist es, in jedem einzelnen
Falle die Ursache des Zahnschmerzes zu
entdecken und geeignete Maßregeln da
gegen vorzuschlagen.
Die in Wiehle bei Halle ersehet
nende Goldene Aue und Ftene bringt
folgend- Notiz: „Laucha. Das Her
mann Gutsmuthsfche Stadtgut hier
ist in den Besitz des Bankiers Mar
Bendelshausen in Kothen übergegcm
gen. der es zu zerschlagen beabsichtig^"'
Ist es gar nicht möglich, ihn davo«
zurückzuhalten, daß er das Gut kaput
macht?
Der Reumärkischen Zeituna
aus Berlin berichtet: „Ein Unglücks
fall hat sich während der Hcrbstpctabt
in der Bellealliancestraße zugetragen*
Durch die vorüberziehende Militär*
nnisik
war ein Droichkenpferd
scheu
ge­
worden und durchgegangen. Es taste
an dem Obersten
von Guretzky
Cornitz
vorbei. Das Gefährt streifte den
Knaben am Ellbogen und verletzte ihs
Sticht." Daß auf einen Obersten der
Ausdruck Knabe angewendet wird, er
scheint denn vsch recht wenig passenb.
Auch GeiMAcher weiM
tittt, _* _•* ix*
i* (W# i?# **. S\ JükvVfeS?

Spsvien Barcelona is $|ee»

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